Marc-Ivo SchubertPERRY RHODAN ONLINE CLUB (PROC) HomepageErschienen am:
04.10.2001
PROC STORIES - Fan-Stories aus dem Perry Rhodan Online Club

Perridiert! 2004

Dunkel ist's

Was bisher geschah

Auf der Erde und den Millionen von Planeten in der Milchstraße, auf denen Menschen oder Lebewesen, die sich dafür halten, leben, schreibt man das Jahre 1303. Terra gehört seit einiger Zeit zur Koalition Torkelmohn, jenem Zusammenschluß von SupiDupiIntelligenzen, der künftig zur Frieden, Unabhängigkeit und blabla stehen soll.

Leider entspricht die Lage um die Liga Fröhlicher Terraner nicht ganz diesen Zielen – nicht mal ein kleines bißchen. Vor allem das Imperium der Alkoniden unter Imperator Braustich dehnt sich immer weiter aus (wie die Alkoniden selbst auch). Als ihnen ihr Planet zu eng wurde, mußten sie leider eine neue Möglichkeit für ihre Picknicks finden, und da kamen ihnen die Flopsider gerade recht – schließlich waren diese schon Platzprobleme gewohnt.

Abseit's von diesen Schauplatz sind einige Galaktiker an Bord er SOLemio mit völlig anderen Problemen beschäftigt, dann DUNKEL IST'S...

1. Delirium

Winzling Scharrhahn hatte die Annäherung der SOLemio an den gigantischen Pilsdom inmitten des PULSes über sein Kabinen-Holo beobachtet, bis dieser das gesamte Bild ausfüllte. Was dann folgte, war ein greller Blitz, der kein Ende zu nehmen schien.

Der Multimutant wälzte sich stöhnend auf dem Boden. Aus dem Blitz war ein grelles Leuchten geworden, flammengleich züngelndes Licht schien sich durch seine Augäpfel mitten in sein Hirn zu bohren. Scharrhahn hatte das Gefühl, sein ganzer Kopf stünde in Flammen.

Dann tauchte aus der tödlichen Helligkeit ein Totenschädel auf. Eine skelettierte Hand zauberte irgendwoher eine Zigarre hervor und entzündete diese an der wabernden Glut. Genüßlich nahm der Totenkopf einen tiefen Zug. Schwarzer Qualm strömte aus seinen zerfressenen Nasenlöchern. Langsam formten sich daraus Buchstaben.

»Du bist böse – vergiß das nie!« entzifferte der gepeinigte Scharrhahn. Dann verschwanden Licht, Totenkopf und die Worte. Die SOLemio hatte ihr Ziel erreicht.

Winzling Scharrhahn zauberte ein grimmiges Lächeln auf seine verkniffenen Lippen.

»Endstation«, flüsterte er.

Monstra Schreimond hatte den Schock des merkwürdigen Transportes durch den Mega-Pilsdom noch nicht ganz verdaut, da überkam sie das Gefühl, irgendetwas sauge ihr alle Lebenskraft aus dem Leib.

Im ersten Moment hatte die ehemalige TLD-Agentin, die kürzlich auf den nicht weniger stressigen Job einer Rothahn'schen Gespielin umgesattelt hatte, nicht übel Lust, ihrer Ermattung nach- und sich dem langsamen Entdämmern hinzugeben. Doch dann drang plötzlich ein wimmerndes Geräusch an ihr Ohr. Sofort war die eigene Qual und Müdigkeit vergessen. Delirium war in Gefahr! Die von der Natur implantierten Instinkte erwachten schlagartig und übernahmen die Kontrolle. Pures Adrenalin tropfte Monstra aus den Ohren.

Mit wenigen Schritten war sie an Deliriums Wiege. Der Kleine lag in seinem Bettchen und hielt seine Babyflasche mit Vurguzz umklammert. Von Anfang an hatte er jede andere Nahrung abgelehnt.

»Was ist nur los?« flüsterte Monstra und streichelte ihrem Sohn sanft über die Stirn. »Ist dein Vurguzz nicht richtig temperiert?«

Natürlich konnte der Säugling nicht antworten. Statt dessen projizierte er mit seiner mentalen Kraft ein Bild direkt in Monstras Hirn – zwar nur schwarzweiß, aber immerhin! Keine schlechte Leistung für ein Neugeborenes! Als stände sie daneben, sah sie Winzling Scharrhahn durch die Zentrale der SOLemio torkeln. Alle anderen Besatzungsmitglieder hingen bewußtlos in ihren Kontursesseln oder lagen leblos über den Boden verstreut. Entsetzt sah Monstra, daß der Mutant sich über Turtel Aspik beugte, das Buuh-Mädchen, das all die Zeit über zu ihm gehalten hatte.

Mit einem irren Grinsen streckte der Killermutant seine Hände nach Turtels Hals aus.

2. Hirnfetzen

Psst, sei leise!« zischte Gnom Hochglanzdotter seinem Begleiter zu.

Yessup Schrankwart verstummte sofort. Seine wild vom Kopf abstehenden Hirnfetzen, die den Mumps-Marinern anstelle von Haaren wuchsen, zitterten in wilder Erregung.

Gnom fummelte an der Lukenmechanik herum. Gleich würden die beiden zum ersten Mal in ihrem kurzen Leben die Oberfläche von SCHACHT-ACHT betreten und die NACHT mit eigenen Augen sehen. Mit einem pfeifenden Geräusch glich der Schleusenservo den Druckunterschied aus, als die Luke endlich aufschwang. Dahinter kam eine Glassitkuppel zum Vorschein, und dahinter – die NACHT. Bodenlos schwärende Schwärze, die schon nach wenigen Schritten die Außenhülle von SCHACHT-ACHT verschluckte.

Fasziniert starrten die zwei Mumps-Mariner in das absolute Dunkel, in dem SCHACHT-ACHT und die anderen SCHÄCHTE seit Generationen schwebten. Diese Unbegreiflichkeit zu hüten war die Aufgabe ihres Volkes, und Gnom Hochglanzdotter, der sich – kaum dem Ei entschlüpft – entschieden hatte, Oberster Anführer aller Mumps-Mariner zu werden, hatte sich in die verbotene Aussichtskuppel geschlichen, um schon einmal einen ersten Blick auf sein künftiges Reich zu werfen.

Schließlich sagte Yessup: »Komm schon, Gnom, wir müssen zurück in den Klassenraum. Keiner nimmt uns ab, daß wir vier Stunden gebraucht haben, um Kreide zu holen!«

In den folgenden Monaten (Mumps-Mariner haben eine nur kurze Lebenserwartung und weigern sich daher hartnäckig, irgendetwas in Jahren zu berechnen) lernte Gnom Hochglanzdotter alles, was es über die NACHT zu wissen gab – ihre Entstehung, ihre kosmische Bedeutung und die Rolle von ESSTORTE, der SupiIntelligenz. Verbissen verfolgte er sein Ziel, einmal Herrscher seines Volkes zu werden. Dabei vergaß er ganz, sich rechtzeitig eine Freundin zuzulegen. Das war in gewisser Hinsicht ungeschickt, den nach den ehernen Regeln aller Mumps-Mariner durfte nur jemand herrschen, der schon einmal »die Erfüllung des Lebens« erfahren hatte. Da sich Hochglanzdotter aber für das weibliche Geschlecht nicht interessierte, bat er seinen Kumpel Yessup, sich einer Geschlechtsumwandlung zu unterziehen.

Vierundzwanzig Monate später hatte er sein Ziel erreicht und war Herrscher der NACHT. Oder zumindest der alten Anlagen der Mumps-Mariner, die etwas verloren darin herumschwebten.

Zunächst widmete er sich dieser Aufgabe mit Inbrunst, aber nach und nach wurde das alles furchtbar eintönig. Im Grunde gab es nämlich nicht viel, was man in der NACHT so tun konnte – egal, ob Herrscher oder allerletzter Eierwärmer. Der arme Kerl gebot tatsächlich über den langweiligsten Ort im ganzen, weiten Universum.

Und genau in dem Moment, in dem sich Gnom Hochglanzdotter aus tiefstem Herzen wünschte, es möge endlich einmal irgendetwas passieren, materialisierte mitten in der NACHT ein riesiges Raumschiff.

3. Schattenkampf

Monstra wußte im ersten Augenblick nicht, was sie machen sollte. Offensichtlich war Winzling Scharrhahn nun endgültig durchgedreht. Wenn er nun nach und nach alle Besatzungsmitglieder in der Zentrale abmurkste? Althahn, Schreckener und all die anderen?

Das mußte verhindert werden! Entschlossen packte sie einen schweren Strahler in ihre Handtasche und machte sich auf den Weg.

Doch als sie ihr Ziel endlich erreichte, war der Mutant bereits verschwunden. Erschüttert blickte Monstra auf die leblos daliegende Turtel Aspik. Ihr langer Schwanenhals war in einem chaotischen Zickzackmuster auf dem Boden drapiert. Neben ihren Kopf war mit Blut ein Kreuz gezeichnet. Plötzlich begriff Monstra: Scharrhahn hatte den Weg markiert, den er durch die SOLemio zu nehmen gedachte. Und das Kreuz zeigte die Stelle, die er erreichen wollte. Monstra schloß die Augen und rief sich die Pläne der SOLemio in's Gedächtnis zurück. Da spürte sie, wie eine kalte Hand nach ihrem Herzen griff. Mit einem Schrei war sie auf den Beinen und stürmte aus der Zentrale. Ihre Pfennigabsätze hämmerten den Takt für den einen, einzigen Gedanken, der durch ihr Hirn dröhnte, als sie durch die Gänge und Korridore des Schiffes raste: De-li-rium, De-li-rium ...

Zum Glück war Monstra als ehemalige TLD-Agentin und Zirkusakrobatin in blendender Verfassung. So erreichte sie ihre Kabine in genau dem Moment, als Winzling Scharrhahn sich gerade geifernd über Delirium beugte und die Klauen um seinen Hals legen wollte, genau rechtzeitig also.

»Scharrhahn! Laß die Finger von Delirium – lege dich lieber mit einem richtigen Gegner an!« brüllte Monstra und spannte ihre Muskeln, bis ihr die Knöpfe von der Bluse sprangen.

Langsam richtete sich Scharrhahn auf und warf Monstra einen lauernden Blick zu. »Du willst dich mit mir anlegen?« fragte er gedehnt, und blutige Tränen tropften aus seinen Augenwinkeln. »Eine abgehalfterte Zirkusfrau gegen den tödlichsten aller tödlichen Todesmutanten?«

Damit stürzte er sich auf Monstra. Aus dem Sprung setzte er zu einem doppelten Rittberger an, doch Monstra konterte mit einem dreifachen Axel, drehte eine Pirouette und landete einen direkten Treffer. Scharrhahn taumelte zurück, mimte den sterbenden Schwan, zeigte einen bezaubernden Flip-Flop und begrub Monstra unter sich. Im nächsten Augenblick umspannten seine Hände ihren Hals. Unbarmherzig drückte der Todesmutant zu, und Monstra spürte ihre Sinne schwinden.

Welch würdelose Art zu sterben, dachte Monstra. Ich habe noch nicht mal meinen Lippenstift nachgezogen!

Mit letzter Kraft tastete sie nach ihrer Handtasche. Keine Frau wollte ihrem Schöpfer ungeschminkt gegenübertreten – nicht, wenn sie schon über 30 war.

Doch statt des Lippenstiftes bekam Monstra den Strahler zu fassen. In der Aufregung hatte ihn die erfahrene TLD-Agentin völlig vergessen.

Mühsam drehte sie die Waffe, bis die Abstrahlmündung aus der Handtasche lugte und genau auf Winzling Scharrhahns haarlose Hühnerbrust zeigte.

»Ich... ich habe... noch etwas für... dich, Scharrhahn«, preßte Monstra aus zusammengequetschter Kehle heiser hervor.

Das verzerrte Gesicht des Mutanten überzog ein leiser Hoffnungsschimmer. »Currywurst mit Pommes?« fragte er. »Das ist alles, was ich mir im Leben noch wünsche!«

»Ich hatte eher gegrillten Bauchspeck im Sinn«, antwortete Monstra und drückte ab.

Taumelnd kam Monstra auf die Beine und wankte zu Deliriums Kinderbettchen hinüber. Der Kleine lag zufrieden lächelnd da und nuckelte an seiner Vurguzz-Flasche. Beim Anblick ihres Sohnes wußte Monstra, daß sie richtig gehandelt hatte. Zwar hatte sie einen Menschen getötet, aber sich und ihr und Pretti Rothahns Kind gerettet. Also drei Leben für eines! Das war die Schweinerei in ihrer Kabine zweifelsohne wert gewesen.

»Es ist alles wieder gut«, flüsterte sie ihrem Sohn zu.

Im nächsten Moment erschütterte ein heftiger Schlag das Raumschiff, und sie wurde von den Beinen gerissen.

ENDE

Winzling Scharrhahn ist tot. Gerade rechtzeitig, bevor er die 6 000 Besatzungsmitglieder an Bord der SOLemio der Reihe nach erdrosseln konnte, hat Monstra Schreimond den bösen Todesmutanten in einem kuriosen Kampf besiegt. Allerdings hat niemand eine Ahnung, wo Althahn mit seinen Getreuen nach dem Durchgang durch den Pilsdom gelandet ist.

Da sind wir treuen PR-Leser besser dran und wissen: Die SOLemio befindet sich

In der NACHT

So lautet auch der Titel von Perridiert! 2005, ebenfalls geschrieben von Marc-Ivo-Schubert.

PROC STORIES - Fan-Stories vom PROC - ist eine nicht kommerzielle Publikation des PERRY RHODAN ONLINE CLUBs. Kurzgeschichte »Perridiert! 2004« von Marc-Ivo Schubert. Erschienen am: 04.10.2001. Titelbild: Alexander Nofftz. Lektorat, Nachbearbeitung und Umsetzung in Endformate: Alexander Nofftz. Satz: Xtory (SAXON, LaTeX). Internet: http://www.proc.org/stories/. eMail: stories@proc.org. Copyright © 2001. Alle Rechte beim Autor!