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Schon ganz am Anfang, als ESS gerade mal ein winziges ESSchen war, durchstreifte die junge Geistesmacht den Kosmos auf der Suche nach dem berühmten Sechsten Feld, einem Ort, an dem angeblich für Wesen seiner Art der Aufstieg zur nächsten Sprosse der endlosen Evolutionsleiter möglich war. Nichts wünschte sich nämlich das kleine ESSchen mehr, als zu einer SupiIntelligenz und damit zu einem richtigen ESS zu werden. Auf seiner Jahrtausende währenden Odyssee durch die Weiten des Universums drang ESSchen zu Orten vor, die keines ESSchens imaginärer Fuß je zuvor betreten hatte, aber das verflixte Sechste Feld fand es dabei nicht. Doch dann hatte ESSchen doch noch Glück. Gerade hatte es mal wieder eine gehörige Portion Kosmischer Zwiebelschalen verdrückt (seine Lieblingsmahlzeit in jenen längst vergangenen Tagen), da stolperte es zufällig in einem unscheinbaren Seitenarm einer unscheinbaren Spiralgalaxis über einen unscheinbaren dritten Planeten eines unscheinbaren Sonnensystems. Offenbar akkumulierten sich all diese Unscheinbarkeiten zu genau jener Dichte, die zur Erzeugung eines Sechsten Feldes erforderlich waren: ESSchen hatte endlich das Ziel seiner langen Reise erreicht! Da stülpte es sich behutsam über eine unscheinbare Insel auf dem unscheinbaren Planeten und spürte sogleich: Hier bin ich richtig! Vor lauter Freude und Seligkeit konnte ESSchen die mittlerweile in seinem Inneren metamorphierten Zwiebelschalen nicht bei sich halten. In einer gewaltigen Entblähung stieß es eine Schar kunterbunter Schnatterlinge aus und sank dann glücklich, zufrieden und von der langen Reise müde in tiefen Schlummer. Die Schnatterlinge aber breiteten sich über die ganze Insel aus. Dabei entdeckten sie einige zottelige Wesen mit ersten Ansätzen eigenständiger Intelligenz. Vor allem zu den weiblichen Vertretern dieser Spezies verspürten die Schnatterlinge eine eigentümliche Affinität und gingen mit ihnen eine mentale Symbiose ein, deren Auswirkungen auch Jahrmillionen später noch nachweisbar sind. Einige Jahre darauf stieß der wollhaaridische Forscher Urahn Wisperhohn auf die Zottel und die Schnatterlinge. Schnell erkannte der weise Wissenschaftler, woher die Schnatterlinge stammten, weckte das schlummernde ESSchen und dienerte sich und sein Volk als SupiKatalysatoren an. Dadurch hofften er und die übrigen Wollhaariden, ebenfalls einen Evolutionssprung durchführen zu können. Doch bis dahin war noch ein weiter Weg. Zuerst mußten ESSchen und sein neues Hilfsvolk eine MÄCHTIGE BALLUNG schaffen. Zwar wußte keiner so recht wozu das gut sein sollte, doch im Leitfaden für angehende SupiIntelligenzen stand unmißverständlich, daß ESSchen sich davor nicht würde drücken können. (Die Geschichte der SupiIntelligenz ESS, vorgetragen von Lotus Karate, im Juni 1295 NGZ)
Noch war die Tinte nicht trocken, mit der der KosmoPate Hishmish den Pakt von DatGulasch in Prettis rechte Schulter tätowiert hatte, als dieser schon wieder paktieren mußte: Diesmal mit Murmelio Candis, seinem Gegenkandidaten bei der anstehenden Wahl zum Allerersten Terraner. Glücklicherweise hatte Pretti noch ein bißchen von dem ultimate stuff übrig, mit dem er letztens die KOMISCHE FABRIK am Rande des GROSSEN SCHWARZEN LOCHS vernichtet hatte. Ein paar Tropfen davon in Murmelios Wasserglas reichten prompt aus, diesen von einem völlig neuen politischen Konzept zu überzeugen, das zwar mit den bisherigen Strukturen der Liga Fröhlicher Terraner nur bedingt vereinbar, dafür aber unzweifelhaft zu Prettis Vorteil war. Murmelio Candis, den viele seiner Anhänger für eine Reinkarnation des präkosmischen Weihnachtsmannes hielten, durfte zwar Allererster Terraner werden, diente fortan aber nur noch als Aushängeschild. Die wahre politische Macht hielt Pretti als Solarer Pläsident in Händen. Aber so richtige Freude hatte der Ärmste daran nicht. Da war das ungewisse Schicksal von Althahn, der mit der SOLemio zu einer geheimnisvollen Mission aufgebrochen war. Immer wieder spielte Pretti den Funkspruch ab, den der ehemalige Oberste Kristall-Leuchter der Alkoliden kurz vor seinem Verschwinden abgeschickt hatte: »ESS hat mal wieder einen Job für mich, muß also schleunigst los, alter Kumpel«, tönte Althahns Stimme betont locker aus dem Holowürfel, der außer eben dieser Stimme nur atmosphärische Störungen enthielt. »Wir sehen uns also später. Bis denn, also... Ach, eh ich's vergesse: Monstra Schreimond hat es nicht mehr rechtzeitig von Bord geschafft. Sie hat nämlich gerade ein Kind gekriegt und meint, es wär von dir. Glückwunsch, Pretti! Ich soll dir sagen, daß es ein Junge ist – Delirium heißt er und ist gesund und munter. Das war jetzt aber wirklich alles. Halt die Ohren steif und die Erde sauber!« Solche Nachrichten schlagen auch einem lebenserfahrenen Mann wie Pretti Rothahn mächtig auf's Gemüt. Immerhin konnte er aber zumindest einen halben Kinderfreibetrag auf seiner Lohnsteuerkarte beim Solaren Finanzamt durchboxen, dann zog er sich in die neue Inn-Kneipe Marke Hohlo in der gerade fertiggestellten Solaren Pestilenz zurück. »Stell dir vor«, sagte er dort zu seinem alten Weggefährten Knully. »Da setz ich diese Monstra in DatGulasch neben einem Kessel ab, um mir mal nach all den Strapazen in Ruhe einen zu genehmigen, und kaum bin ich wieder nüchtern, bin ich schon Papa!« »Sowas kommt in den besten Familien vor«, beruhigte Knully den Freund. »Trink mal aus jetzt, wir haben nämlich ein paar gravierende Probleme zu lösen. Da solltest du einen kühlen Kopf bewahren.« Knully bediente sich seiner dicklichen Finger, um der eigenen Erinnerung auf die Sprünge zu helfen. »Erstens: Diese komischen Monoton-Mutanten. Du weißt doch, daß es in letzter Zeit eine regelrechte Mutantenschwemme gegeben hat. Alle diese Mutanten haben ein gemeinsames Merkmal – sie können nur eine bestimmte Frequenz hören. Darum nennt man sie im Volksmund auch Monotonis.« »Und wo ist das Problem?« »Fast alle haben bei der GEZ eine Gebührenfreistellung beantragt. Und unsere Bürger fürchten sich vor ihren parapsychischen Fähigkeiten. Da müssen wir dringend gegensteuern.« Pretti kippte ruckartig seinen doppelstöckigen Vurguzz und rieb sich kurz die Augen. Danach war sein Blick wieder klar und stählern. Als Sofortumschalter hatte er das Gefahrenpotential in Knullys Meldung nicht nur ruckzuck analysiert, sondern war sich auch der möglichen Folgen bewußt. Die Sache mit den Gebühren könnte tatsächlich für Wirbel in der sensiblen Medienlandschaft sorgen. »Ich kenne genau die richtige Person, die sich um diese Monotonis kümmern kann. Eine ausrangierte Parapsychologin, die sich auf Mausbibber spezialisiert hat. Damit ist heutzutage nicht viel Geld zu verdienen. Ein vernünftiges Gehalt und vielleicht noch ein Ministerposten, und die Sache ist geritzt.« »Prima«, grinste Knully und hob einen weiteren Finger. »Zweitens: Die Alkoliden. Imperator Braustich betreibt eine immer expansivere expansionistische Expansionspolitik. Da kommt richtiger Ärger auf uns zu!« Müde winkte Pretti ab. »Braustich, der Größenwahnsinnige! Da mach dir mal keine Sorgen. Taubmo Aknefeld bastelt gerade an einem supidupi Abwehrsystem, an dem die Alkoliden sich die Zähne ausbeißen werden. Ist zwar sauteuer, wird aber bestimmt ein prima Spaß, falls Braustich doch mal zu weit gehen sollte. Sonst noch was?« Knully hob den dritten Finger und sah dabei nicht besonders fröhlich aus. »Ja... Braustich hat das Hayok-Archipel annektiert.« »Und? Wenn ich mich recht erinnere, haben wir da sowieso nur immerzu Subventionsmittel für die völlig veraltete Positronikindustrie vergraben.« »Schon«, gab Knully zu. »Aber gerade die Positronikindustrie erlebt derzeit einen ziemlichen Aufschwung. Denk mal an die auf unsere Syntroniken zugeschnittenen Koalaviren. Erst letztens ist unser Stützpunkt Trubeltour einem heimtückischen Anschlag zum Opfer gefallen, ich glaube, durch die I_Love_Aliens-Variante.« Rothahn dachte kurz nach, dann nickte er. »Du hast recht. Wo du's sagst, erinnere ich mich auch an ein Gespräch mit Taubmo Aknefeld. Er war der Ansicht, wir müßten viel mehr P-Chips haben. So gesehen ist der Verlust Hayoks natürlich doch sehr ärgerlich. Ich werde Braustich nachher mal anrufen und ihm gehörig den Marsch blasen. War das jetzt alles?« »Was die schlechten Nachrichten angeht, schon. Eine gute habe ich aber auch noch: Homey Adams und Moneykey sind wieder aufgetaucht und bitten dich um einen Termin.« »Homey und Moneykey? Hervorragend! Bestimmt wollen sie mir von der erfolgreichen Auflösung Camelots berichten, damit hatte ich sie doch vor ein paar Monaten beauftragt. Schön, daß die beiden wieder da sind.« Rothahn bat LOTSE, die Syntronik der Solaren Pestilenz, einen Termin mit den beiden zu vereinbaren, dann bestellte er für Knully und sich einen weiteren Doppelten. »Ich habe noch eine kleine Prise ultimate stuff von meinem Gespräch mit Murmelio Candis übrig. Damit können wir auf Deliriums Geburt anstossen. Machst du mit, Dicker?« Knully gestattete sich ein breites Grinsen. »Klar doch. Aber du zahlst.«
Aus heiterem Himmel begannen die Schnatterlinge plötzlich, alles rückwärts zu erzählen und sich dabei nach und nach in muffige Zwiebelschalen zu verwandeln. Urahn Wisperhohn erkannte sogleich, daß dies ein untrügliches Zeichen für eine sich anbahnende kosmische Tragödie war; und wirklich tauchte kurz darauf die negative SupiIntelligenz STROHMANN auf und beanspruchte die MÄCHTIGE BALLUNG, die ESS zusammen mit den Wollhaariden geschaffen hatte, für sich. Damit war natürlich niemand einverstanden. »Ihr wißt, daß sich die MÄCHTIGE BALLUNG einer negativen SupiIntelligenz über kurz oder lang in eine KOSMISCHE KLOAKE verwandelt und ihr dann im wahrsten Sinne des Wortes in der Sch*** steckt?« fragte ESS sein Dienervolk. »Wenn ihr darauf keinen Bock habt, müßt ihr gegen STROHMANNs kriegerische Horden kämpfen. Das wird den Ursupator ablenken, und in einem geeigneten Moment werde ich mich dann persönlich seiner annehmen!« Gesagt, getan. Zwar hatten die Wollhaariden bisher keine großartige Kriegsindustrie aufgebaut – sie verstanden sich eher als friedliche Forscher und Wissenschaftler –, aber gemeinsam mit den anderen Völkern der großen Sterneninsel zogen sie dennoch einen ganz ordentlichen Widerstand auf. ESS lauerte derweil in der fünften Dimension auf eine Möglichkeit, STROHMANN direkt herauszufordern. Endlich konnte es ihn bei einem Waldspaziergang überraschen, und ein furchtbarer Kampf auf intellektuell-mentaler Ebene entbrannte. ESS entließ im Verlaufe der Auseinandersetzung immer mehr Schnatterlinge, die STROHMANN mit Fragen bombardierten, bis dieser von all der Antworterei ganz heiser wurde. Da reichte ESS dem Gegner freundlich einen Schierlingsbecher, und STROHMANN, von den Schnatterlingen bereits halb totgeredet und reichlich verwirrt, kippte das Gebräu gedankenlos herunter. Damit war die Sache dann endlich erledigt. Kurz darauf bekam ESS Besuch von einem Heliumoten, einem aus purem Helium bestehenden Wesen höherer kosmischer Ordnung, das im Einsteinuniversum vor allem dadurch auffiel, daß es langsam verbrennend stets eine angenehme Wärme verbreitete. »Wir haben da ein paar SupiIntelligenzen aufgetan, die gerne einen anderen Weg als den von den KosmoPaten vorgegebenen gehen würden«, berichtete der Heliumote. »Wenn du Lust hast, kannst du da mitmachen.« »Klar«, sagte ESS. »Aber nur, wenn ich in dem Verein der Anführer sein darf!« Darin sah der Heliumote kein größeres Problem. Er brannte eine kleine Skizze in den Boden und schrieb diverse Koordinaten und Datumsangaben daneben. »Damit alles klappt, müßt ihr euch hier zu genau diesem Termin treffen. Wenn ihr das hinkriegt, beginnt automatisch das Komprimittierende Jahr«, erklärte er dabei. »Das geht in Ordnung«, meinte ESS. Damit waren die Weichen für das Unternehmen Torkelmohn endgültig gestellt. (Die Geschichte der SupiIntelligenz ESS, vorgetragen von Lotus Karate, im Juni 1295 NGZ)
Ihr habt was gemacht?« schrie Pretti wütend. »Neue USA? Fast alle camelotischen Wissenschaftler abgeworben? Was soll der Mist?« Homey versteckte sich sofort hinter Moneykeys mächtigem Rücken. »Das war alles seine Idee«, flüsterte er dabei unhörbar. Moneykey grunzte nur verächtlich und richtete den Blick seiner künstlichen Augen aus Sarg-Metall auf den Solaren Pläsidenten. »Du wirst noch froh sein, daß es wieder eine unabhängige Einsatztruppe gibt, die nicht an die humanen Gesetze der Liga Fröhlicher Terraner gebunden ist«, sagte er dann. »Außerdem habe ich dir als Entschädigung für die abgeworbenen Wissenschaftler eine ganze Schiffsladung voller P-Chips mitgebracht.« Großzügig deutete der Ochstörner auf die Space-Jet, mit der die beiden gelandet waren. »Mach mal den Kofferraum auf und sieh dir das Päckchen an, das neben meinem Lunchpaket liegt«, erklärte er dazu und zwinkerte vertraulich mit den Blenden. »Das ist wirklich eine... unerwartete Unterstützung«, gab Pretti zu. »In letzter Zeit sind wir nämlich ein bißchen knapp an P-Chips.« »Ich weiß«, mischte sich Homey ein und trat ein wenig (aber wirklich nur ein wenig) in den Vordergrund, dabei einen Rechenschieber aus der Tasche ziehend. »Daher habe ich gedacht, du könntest uns dafür zusätzlich noch eine Kleinigkeit geben... Etwas, das wir momentan wirklich dringend für den Aufbau der Neuen USA brauchen...« »Und das wäre?« »500 nagelneue Raumschiffe der VERSTECKER-Klasse«, platzte Homey heraus. »Du siehst ja selbst, daß wir diesbezüglich derzeit nicht sonderlich gut ausgestattet sind.« »Wie wär's mit 50 VERSTECKERN und monatlich 100 Freistunden im InterSpaceNet, mit Einwahl über unser Mondgehirn NATRON?« konterte Pretti mit einem geschickten Gegenangebot. »Einverstanden!« Moneykey fackelte gar nicht erst lange, obwohl Homey, das Finanzgenie, sicher noch mehr hätte herausholen können – vielleicht 150 Freistunden und einen kostenlosen GalaxyDomainName für die Neue USA. Auf dem Rückweg zur Solaren Pestilenz rieb sich Pretti zufrieden die Hände. Da hatte er wirklich kein schlechtes Geschäft gemacht! Zumal er neben den P-Chips auch gleich Moneykeys Lunchpaket hatte mitgehen lassen. Knully erwartete ihn schon im Büro. »NATRON hat Homey und Moneykey einem gründlichen Sicherheitscheck unterzogen«, sagte er aufgeregt, kaum daß Pretti den Fuß über die Schwelle gesetzt hatte. Dabei wedelte er aufgeregt mit einer Folie herum, auf der mehrere Diagramme abgebildet waren. »Du wirst nicht glauben, was er dabei herausgefunden hat!« Pretti warf nur einen kurzen Blick auf die Kurven und Schraffuren, dann wußte er Bescheid. Moneykey trug einen Helldeaktivator-Chip, ein Gerät das verhinderte, daß sein Träger frühzeitig in die Hölle geschickt werden konnte. Damit gehörte nun auch der Ochstörner mit den künstlichen Sarg-Augen zum Kreise der relativ Unsterblichen! Diese überraschende Entwicklung war noch nicht ganz verdaut, da meldete sich LOTSE: »Ich habe hier einen Anruf von Taubmo«, meinte der Hochleistungsrechner der Solaren Pestilenz, der mehrere P90/2200-Chips parallel geschaltet hatte, um eine möglichst flüssige Sprachwiedergabe zu gewährleisten. »Er will dir in seinem Büro seine neueste Erfindung zeigen.« Pretti warf Knully einen genervten Blick zu. »Aknefelds Erfindungen... Ach, was soll's. Ich geh mal eben runter. Wir sehen uns dann zum Mittagessen.« Aknefeld hatte sein Labor im unteren Teil der Solaren Pestilenz eingerichtet. Als Pretti eintrat, wurde der Eingang sofort von einem Energieschirm gesichert. Taubmo Aknefeld stand hinter einer merkwürdig summenden Versuchsanordnung und hielt einen Strahler in den Händen. Sein Gesicht war von einer Unzahl eitriger Pickel überzogen (kein Wunder, bei dem Namen, dachte Pretti. Aber so schlimm war das bei ihm noch nie!), und seine Augen waren trüb und leer. »Hi, Taubmo«, begrüßte Pretti den terranischen Chefwissenschaftler. »Soll das deine neueste Erfindung sein? Wir haben Strahler doch schon seit Ewigkeiten!« Taubmo atmete schwer und sagte dann: »Keine... Erfindung... ich... muß... dich... töten... !« Ohne diesen blöden Spruch hätte er vielleicht sogar eine Chance gehabt. So aber konnte Pretti gedankenschnell zur Seite springen – und da Gedanken bekanntlich im Gegensatz zu Energiewaffen nicht den Grenzen der Physik unterworfen sind, ging Taubmos Schuß knapp daneben. Reflexartig packte Pretti einen schweren Drehstuhl und warf diesen Taubmo an den Kopf. Mit einem gurgelnden Geräusch sank der Wissenschaftler zu Boden und war auf der Stelle tot. Verwundert blickte der Solare Pläsident auf Taubmos Leiche hinab. Warum hatte der Mann, den er zu seinen Freunden zählte, ihn umbringen wollen? Er rief seinen Sicherheitschef Zuviel Deodor an und verlangte eine sofortige Autopsie. Sicherlich hatte Aknefelds Verhalten hormonelle Ursachen – das würde auch die vielen Eiterpickelchen erklären. Hätte Pretti gewußt, daß zur gleichen Zeit in der Mutantenschule Fellers Läut die neue Mutantenministerin Murrhuhn Murrwrey vor dem verschreckten Trimmy Myheart saß und sich dessen Geschichte vom Auftauchen des furchtbaren Murkel Seelenquals anhörte, hätte er sich bestimmt ernsthafte Sorgen gemacht. Taubmos unmotiviertes Attentat war aber nicht der letzte Ärger, mit dem sich Pretti an diesem Tag beschäftigen mußte. Auf seinem Schreibtisch lag ein Zettel von Knully. »Mußte kurzfristig mit einer Handelsdelegation nach Flopsid«, hatte der Freund in unleserlicher Handschrift geschrieben, statt das syntronische Mailsystem LOTSEs zu verwenden. »Denen sind die Vurguzz-Vorräte ausgegangen. Bin daher zum Mittagessen nicht da, Gruß, Knully.« Pretti warf den Zettel mißmutig in den Abfallvernichter. Mit wem sollte er jetzt Essen gehen? Alleine im Schnellimbiß herumzuhängen war nicht gerade das, was er sich unter einem gemütlichen Nachmittag vorstellte. Kurz entschlossen wählte er NATRON auf dem Mond an. »Hallo, altes Mondgehirn«, begrüßte er den Superrechner. »Ich brauche mal eine Transmitterverbindung zum Mond. Will mir mein neues Flaggschiff ansehen.« »Vergiß es, Pretti«, entgegnete NATRON. »Ich habe gerade eine Hyperfunkmeldung der Flopsider empfangen: Braustich ist mit seiner Flotte vor Anker gegangen. Sieht so aus, als hätten ihn die Flopsider um Unterstützung gebeten – obwohl, wenn ich mir diese Anmerkung erlauben darf, es ihm vermutlich eher darum geht, seine Schiffe möglichst nah am Kerngebiet der LFT zu positionieren.« Diese Theorie war nicht von der Hand zu weisen. Das Flopsiderreich gehörte zwar nicht zur LFT, lag aber mitten in deren Gebiet. Das war mal wieder ein geschickter Schachzug von Braustich! »So langsam geht mir dieser alkolidische Imperator aber auf die Nerven!« zischte Pretti. »Da ist noch etwas«, meldete sich NATRON erneut. »Wir haben jeden Kontakt zu Knully verloren. Es ist zu befürchten, daß er den Alkoliden in die Hände gefallen ist.« Insgeheim freute sich Pretti zwar ein wenig, daß der Dicke nun seine gerechte Strafe für das versäumte Mittagessen erhalten hatte, aber andererseits waren das wirklich schlechte Nachrichten – Knully war schließlich Verteidigungsminister und somit wichtiger Geheimnisträger. Der Solare Pläsident fühlte plötzlich wieder die enorme Verantwortung, die auf seinen Schultern lastete. Torkelmohn, die Alkoliden... Die Anfangs so rosigen Aussichten machten mehr und mehr einer kosmischen Gewitterwolke Platz. Pretti richtete den Blick seiner grauen Augen Richtung Decke. Irgendwo dort oben, weit über ihm, vermeinte er ein leises, hämisches Gelächter zu hören. »Ach ESS«, flüsterte der unsterbliche Terraner. »Was hast du uns da nur wieder eingebrockt?« ENDE Jetzt sind also die Weichen gestellt für die weitere Entwicklung in der Milchstraße. Offenbar sieht sich Pretti einer ganzen Reihe schwieriger Herausforderungen gegenüber – und dabei hat er noch gar keine Ahnung, daß zu allem Überfluß auch noch der furchtbare Murkel Seelenqual aufgetaucht ist. Dieses geheimnisvolle Wesen kennt jedoch einer der jungen Monoton-Mutanten: Trimmy Myheart weiß bereits einiges über Murkel. Wie der kleine Timmy zu diesem Wissen kam, wird in der nächsten Folge erzählt, die in Kürze erscheint unter dem Titel: Monotonis Odyssee PROC STORIES - Kurzgeschichten aus dem PROC - ist eine nicht kommerzielle Publikation des PERRY RHODAN ONLINE CLUBs. Kurzgeschichte »Perridiert!« von Marc-Ivo Schubert. Titelbild: Alexander Nofftz. Redation und Umsetzung in Endformate: Alexander Nofftz. Satz: Xtory (SAXON, LaTeX). Internet: http://www.proc.org/stories/. eMail: stories@proc.org. Copyright © 2001. Alle Rechte beim Autor! | ![]() | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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