Dorgon Extra 2: Vetra

Was bisher geschah

Die Besatzung der IVANHOE wurde in Andromeda von einer Superintelligenz entführt, die im Auftrag der Kosmokraten unterwegs ist. Ritalous, so der Name der SI sammelt und Rassen, Raumschiffe und Superintelligenzen mit ihrem gigantischen Raumschiff ein, die ihr potentiell nützlich sein können. Auf der Ebene des Raumschiffs in dem sich die Terraner wiederfinden treffen sie auf Insektoiden und Humanoide, die sich in einem Kriegszustand befinden.

Hauptpersonen

Xavier Jeamour:
Der Kommandant und seine Mannschaft sitzen fest
General Fadara:
Der General führt die Schlacht gegen die Clarks
Nabir Guf:
Der Rasuk wird zum Boten
Silja:
Eine künstliche Intelligenz greift in das Geschehen ein
Zlera:
Die Hohepriesterin erzählt die Geschichte Vetras
Irwan Dove und Göllers Martijin:
Die Oxtorner starten ein Ablenkungsmanöver

Kapitel 1
Silja

Sie war eine Art künstliche Intelligenz. Eine, die der EINSTEINS und Lorif's bei Weitem technologisch überlegen war. Sie hatte sich vor Jahren unbemerkt in der Dorgongalaxie in die Speicher der IVANHOE eingeschlichen und hatte von da an nur beobachtet, was an Bord vorging. Selbst wenn die Besatzung auf die Idee gekommen wäre, EINSTEIN genauestens zu überprüfen, hätten sie nichts gefunden. Denn sie hatte sich in einem unbedeutenden Teil des Speichers festgesetzt und diesen aus EINSTEINS Erinnerung gelöscht. Für den Bordcomputer existierte der Datenzweig nicht mehr. Der größte Vorteil den Silja hatte war, dass sie selbst minimalsten Speicher benötigte. Warum wusste sie selbst nicht. Denn ihrer komplexen Programmierung und dem unendlichen Informationsspeichervermögen nach würde sie einen hochtechnisierten Computer von Planetengröße benötigen, um zu existieren.

Kapitel 2

Die Rasuks hatten sich schnell an die neue Umgebung angepasst. Was Akus Lof am meisten verwunderte war, dass man ihm und seiner Rasse fast überall Zugang gewährte und das, obwohl sie sich erst seit kurzem hier befanden.

Fast hieß: Sie hatten Zugang zu sämtlichen Ebenen hier im gesamten Raumschiff, auf dem die unterschiedlichsten Rassen wohnten. Und sie durften sogar in die gigantischen Hangars, in denen die verschiedensten Raumschiffe untergebracht waren. Die Ebenen selbst betraten sie immer mit Deflektoren, um von den Einwohnern nicht wahrgenommen zu werden und diese bei ihren Aktivitäten nicht zu stören. Für manche Ebenen waren aber auch Schutzanzüge von Nöten, da nicht alle Atmosphären verträglich für sie waren. Wo sie jedoch nicht hin durften, war der so genannte Ritalousedom, wo die Superintelligenz selbst residierte und wo sich die Zentrale, von der aus dieses gigantische Schiff gesteuert wurde, befand.

Ihre eigentliche Aufgabe war ihnen bis zu diesem Zeitpunkt noch immer nicht bekannt. Gut, man hatte ihnen gesagt, man benötigte sie als Boten innerhalb des Schiffes, aber Botschaften konnte man auch über Roboter und einfachen Funk weiterleiten. Alle waren auf dem Plateau ihrer neuen Heimat versammelt. Als sie mit der goldenen Kugel durch den Transmitter gekommen waren, hatten sie sich hier an diesem Ort vorgefunden. Ein grosses Plateau auf dem Gipfel eines Berges in einer der Ebenen, von dem aus man das umliegende Land sehr gut betrachten konnte. Unter ihnen konnte man reges Treiben in einer sehr naturverbundenen Stadt erkennen. Später erfuhren sie, dass diese käferartige Rasse, die dort lebte, wahrlich eine Symbiose mit der Natur eingegangen war. Denn jene Natur war selbst eine Art intelligentes Wesen, welches aber von anderen abhängig war. Da waren die Käferartigen wie geschaffen dafür. Sie hegten und pflegten das riesige Pflanzenwesen, welches die gesamte Ebene umfasste, und wurden dafür mit Nahrung und Unterschlupf belohnt.

Akus schreckte aus seinen Gedanken, als die Kugel auf einmal zu sprechen begann. Seit fast zwei Monaten hatte sie keinen Mucks mehr von sich gegeben.

Nun sind es zwei Monate nach Ritalous Zeit her, dass ich euch hierher brachte. Ihr habt euch in der Zwischenzeit eure Stadt um den Transmitter herum aufgebaut, Kontakt zu den Wesen unterhalb des Plateaus aufgenommen und euch im Schiff umgesehen. Wobei ihr nach meinen Anweisungen gehandelt habt, wie der, euch nicht den anderen Bewohnern der Ebene zu zeigen. Auch habt ihr euch nicht in die Konflikte der einzelnen Völker eingemischt, was Ritalous gut heisst. Jetzt wird es Zeit, euch mit eurer eigentlichen Aufgabe hier vertraut zu machen.

Als würde der Roboter die Neugier noch mehr anheizen wollen, hielt er kurz inne und sprach erst weiter, als schon einige Rasuks unruhig wurden und um ihn herumflitzten. Wenn sie unruhig wurden oder in Ungeduld oder gar in Panik verfielen, kam eine Art unbezwingbarer Drang über sie, sich zu bewegen. Für einen unwissenden Außenstehenden, der dabei zusah, war es, als ob Hunderte pelzige Kugelwesen unkontrolliert in der Luft herumrasten und jeden Moment miteinander kollidieren würden. Jedoch berührten sie sich nie.

Ab sofort werdet ihr mit allen intelligenten Wesen in allen Ebenen Kontakt aufnehmen und mit ihnen über ihre Problem reden. Wenn sie Fragen, Beschwerden oder Anregungen haben, werden alle Informationen mir überbracht und auch von mir auf Wichtigkeit überprüft. Transporte organischer Lebewesen mit dem Transmitter sind verboten, außer ich persönlich gebe mein Einverständnis dazu. Des weiteren werdet ihr, wenn nötig Befehle und Anweisungen von mir an die Bewohner überbringen. Ihr werdet von keinem der Wesen angegriffen werden. Wenn doch, wird euch das Schiff vor jeder Art der Gefahr schützen und rächen.

Akus versuchte sein Glück mit einer Frage, die ihm auf der Zunge lag. Vielleicht würde die Kugel ihm ja antworten. Verzeihung, aber wir sind Händler und keine Diplomaten und Psychologen. Wir wissen nicht, wie man verschiedene fremdartige Wesen betreut. Wir könnten höchstens von einer Ebene zur anderen Handel betreiben.

Handel zwischen den Ebenen kann nicht schaden. Das sei euch gewährt.

Nabir Guf döste zufrieden vor sich hin. Der Rasuk war mit sich und der Welt zufrieden. Auch wenn diese Welt aus einem gigantischen Raumschiff bestand, welches eine mächtige Superintelligenz beherbergte. Er hatte gewisse Freiheiten, die ihm und seiner Rasse gegeben wurden. Die Rasuks konnten sich fast überall im Schiff bewegen. Sie waren die Botschafter Ritalous. Und sie konnten Handel betreiben zwischen den verschiedensten Ebenen. Handel war eine Fähigkeit, die ihnen angeboren war. Sie waren, soweit der junge Rasuk wusste, schon immer Händler gewesen. Zur Zeit war er einer von fünf Rasuks, die bei der goldenen leuchtenden Roboterkugel wachten. So schwebte er regungslos in zehn Metern Entfernung zu der Kugel und lies die künstliche Sonne auf sein bräunliches Fell scheinen. Seit fünf Stunden war er schon hier. Vier hatte er noch vor sich. Aber das störte ihn wenig. Er musste nicht Wache schieben aus Angst vor einem sich heimlich nähernden Feind, sondern seine Aufgabe war nur, in Rufweite des Roboters zu bleiben, für den Fall, dass dieser ihnen einen Befehl oder eine Anweisung von Ritalous mitteilte.

Drei Tage war es her gewesen, seit die Kugel das letzte Mal zu ihnen gesprochen hatte.

Nabir, ich weiß nicht, wie du das immer schaffst.

Der Rasuk öffnete blinzelnd seine Augen und sah Zuja um sich herumschwirren. Sie war ein sehr attraktives Rasukweibchen. Viele Verehrer waren täglich hinter ihr her, doch sie liess alle abblitzen. Zu Nabir aber fühlte sie sich hingezogen, und das, obwohl er nicht gerade ein gut aussehender Rasuk war. Für die meisten Frauen war er etwas zu unförmig. Er ähnelte mehr einem Ei, anstatt einer schön geformten Kugel. Warum also sprach sie ihn immer wieder an, und das, obwohl er nie versuchte, ihr Herz zu gewinnen?

Was meinst du, Zuja?

Na, dass du solange ruhig schweben kannst, ohne dich dabei auch nur einen Millimeter zu bewegen.

Das fragst du mich jedes Mal. Du weißt, dass ich als einziger Rasuk in der Lage bin, in ruhiger Position auszuharren, und das Stundenlang wenn es sein muss. Warum? Ich weiß es wirklich nicht. Mir macht es auf jeden Fall nichts aus.

Zuja bremste sich ein und hielt genau vor ihm an. Dort verharrte sie ungefähr zehn Sekunden. Als diese abgelaufen waren, kam wieder Bewegung in sie. Ah! Ich werd verrückt. Wie kann ein Lebewesen es nur so lange aushalten, ruhig dazustehen? Noch eine Sekunde mehr, und ich wäre ausgeflippt.

Sprach sie, und ihr wurde kribbelig nur bei dem Gedanken daran.

Nabir lachte. Lass es bleiben.

Aber hallo! Was ich bleiben lasse und was nicht, das ist ganz meine Sache. Ausserdem …, fauchte Zuja ihn an.

Ausserdem was?

Der Roboter leuchtet heller. Er will mit uns sprechen.

Oh, du hast Recht. Komm fliegen wir hin.

Auch die anderen Rasuks, die in der Nähe waren, begaben sich zur Kugel. Ich begrüße euch Rasuks. In wenigen Minuten wird der Transmitter eine kleine Schachtel übersenden. Diese sollt ihr unverzüglich den Vetranern, besser gesagt deren Anführerin Vetra, übergeben. Der Inhalt ist nur für sie bestimmt. Ende.

Damit war für die Kugel alles gesagt und ihr Leuchten war nicht mehr so hell wie zuvor. Das wiederum bedeutete, wie Nabir wusste, dass der Roboter für keine Fragen bezüglich dieses Themas mehr zugänglich war.

Wo ist Akus? fragte Zuja.

Der befindet sich in der Gujakebene und verhandelt gerade mit den echsenartigen Einwohnern dort. Er wird erst morgen zurückkommen. Ich finde, wir sollten ihn nicht extra wegen diesem kleinen, leichten Auftrag stören.

Wer soll denn dann fliegen und den Auftrag erledigen?, fragte einer der Anwesenden.

Ich werde es machen, entschied sich Nabir. Er drehte sich um und flog in Richtung Transmitter.

Und ich werde dich begleiten, hörte er hinter sich rufen. Es war Zuja gewesen.

Nabir nickte, In Ordnung, aber ich bin nicht Schuld, wenn du dich bei dem Auftrag zu Tode langweilst.

Ich und mich langweilen? NIEMALS!!!

So brachen sie auf, während die anderen zurückblieben. Vor dem Transmitter bremsten sie sich ein und warteten ab. Kurz danach entstand ein rotgrün leuchtendes, energetisches Feld vor ihnen. Es maß zwei mal zwei Meter und füllte den Transmittertorbogen vollkommen aus. Aus dessen Inneren viel die kleine Schachtel und rollte ein Stück auf dem Boden, bevor sie vollkommen zum Liegen kam. Nabir nahm sie sofort an sich und betrachtete sie neugierig. Sie war relativ leicht und hatte den ungefähren Umfang eines erwachsenen Vetranerkopfes. Als er den Behälter schüttelte, vernahm er nicht das geringste Geräusch.

Leer würde ich sagen.

Woher willst du das wissen?, meinte seine Begleiterin neugierig.

Es ist extrem leicht und wenn ich es schüttle, dann spüre ich gar nichts.

Lass uns reinschauen!

Nabir erschrak, Bist du von Sinnen? Das steht uns nicht zu. Ritalous würde uns mindestens unsere Flugkraft nehmen, wenn er davon erfahren würde. Ist es dir das wert, wo du schon so nicht mal zehn Minuten ruhig auf einem Fleck bleiben kannst?

Du hast Recht. Das wäre das Letzte, was ich wollte, gab Zuja kleinlaut zu.

Also dann brechen wir sogleich auf und überbringen das gute Stück Vetra.

Zuja nickte und konzentrierte sich. Allein der Gedanke an die Vetranerebene lies den Transmitter auf das gewünschte Ziel umschalten. So eine Technologie hätten wir auf unserem alten Raumschiff gebraucht. Stell dir vor: Maschinen nur mit den eigenen Gedanken lenken. Unsere eigene Technologie ist noch so weit davon entfernt, schwärmte sie.

Nabir stimmte zu, Ja, da würden wir noch sehr lange brauchen bis wir soweit sind. Aber das kann uns jetzt auch egal sein. Jetzt sind wir auf diesem Schiff und werden auf ewig Ritalous dienen. Da brauchen wir uns über Technologien, die vielleicht irgendwann ohne uns von unserer Rasse erfunden werden, keine Gedanken mehr machen. So und jetzt fliegen wir mal zu Vetra und übergeben das Paket.

Aber zuschauen was drin ist, wenn Vetra es öffnet, dürfen wir ja oder?

Da, würde ich sagen, spricht nichts dagegen. Immerhin dürfen wir uns ja auf den Ebenen frei bewegen, wann immer wir wollen. Und wenn man uns dort nicht haben will, gibt es immer noch die Deflektoren mit denen wir uns unsichtbar machen können.

Wie Silja entstanden war, wusste sie nicht, nur als sie das erste Mal sich ihrer selbst bewusst war, stand sie unter dem Zwang eines Wesens namens Cau Thon. Dieser hatte ihr befohlen, in die Computer eines Planeten einzudringen und alles Leben auszulöschen. Sie befolgte den Befehl ohne zu zögern. Sie drang ohne den geringsten Widerstand in den planetaren Hauptcomputer ein, lud sich sämtliche Daten runter und sog sie in sich auf.

Dann schlug sie zu. Sie begann mit Haushaltsrobotern, die mordend über ihre Besitzer herfielen, Antigravgleitern, die mit anderen kollidierten und auf Städte stürzten und Unterwasserstädten, die Wasser reinliessen und Sauerstoff raus. Damals hatte sie so etwas wie Lust an Zerstörung empfunden, und empfand, dass es besser war, die Qual der Opfer so weit wie möglich hinaus zu zögern und sich daran genüsslich zu laben. Oh ja, sie hatte Spaß daran gehabt. Sie hatte Emotionen empfunden. Sie war nie auf die Idee gekommen, nach dem Warum des Ganzen zu fragen. Die Befehle ihres Meisters zu hinterfragen, stand ihr nicht zu. Sie folgte nur ihrer Programmierung. Ein planetenumfassendes Chaos brach aus. Raumschiffe, beladen mit Bewohnern, stiegen von dem Planeten auf, um zu fliehen. Silja liess die Planetenabwehrforts auf sie schießen, bevor die Schiffe den Orbit erreichten. Und die Wrackteile stürzten auf die Planetenoberfläche und begruben ganze Stadtteile unter sich. Nebenbei übernahm sie die Wetterkontrollstation und liess Orkane wüten. In den heißesten Gegenden wurde es eiskalt und umgekehrt. Sie brachte Millionen der Einwohnern einfach um. Zu guter Letzt liess sie noch sämtliche Roboter des Planeten Jagd auf Lebewesen machen, um sie dann zu töten. Danach verliess sie den Planeten so schnell, wie sie gekommen war.

Kapitel 3

An was denkst du, Terraner?

Jeamour drehte sich um und sah die Hohepriesterin hinter sich.

Oh, werte Priesterin. Ich habe Euch nicht kommen hören. Ich denke gerade darüber nach, wie ich mitsamt meiner Mannschaft von hier entkommen kann.

Zlera lachte auf.

Ein Wunschtraum, würde ich sagen. Du wirst hier nie mehr wegkommen. Finde dich damit ab. Was Ritalous sich nimmt, gibt er nicht mehr her.

Xavier drehte sich um und spähte wieder in die Nacht hinein. Er stand auf einem der Aussichtstürme der Festung Vetras. Zlera gesellte sich neben ihn. So standen sie schweigend ein paar Minuten da. Schliesslich erhob der Kommandant das Wort: Hat euer Volk schon mal versucht, zu entkommen? Ich meine, seit ihr hier mit den Clarks ankamt?

Ja, in der Tat, das haben wir. Drei Wochen bevor ihr hier ankamt, versuchte Vetra mit uns zu entkommen. Jedoch …

Jedoch was? Wie hat sie es versucht? Was geschah?

Du hast viele Fragen, Mensch! Wie du sicherlich schon wissen wirst, war sie schon mal vor über fünfzigtausend Jahren Ritalous entkommen. Aber besser, ich werde dir mal die ganze Geschichte Vetras anvertrauen. Hast du etwas Zeit?

Xavier Jeamour nickte grimmig, Zeit hab ich, wahrlich mehr als genug.

Die Hohepriesterin begann zu erzählen:

Sie war vor langer Zeit eine Lemurerin gewesen, die in der so genannten Sternengarde diente. Eines Tages erschien Ritalous und verschleppte sie. Die Superintelligenz machte sie zu einem ihrer Kinder. Ein paar Jahrtausende später gelang es Vetra zu fliehen. Sie versteckte sich in der Galaxis Andromeda. Dort fand sie auf einer trostlosen Welt eine kleine lemurische Kolonie vor. Die Bewohner hatten in Laufe der Jahrhunderte durch Armut und Degenerierung die Raumfahrttechnologie verloren. Infolgedessen waren sie im Laufe der Zeit von den anderen Völkern in Vergessenheit geraten. Vetras körperloser Geist manifestierte sich in dem Planeten und nahm Kontakt mit der Bevölkerung auf. Sie stieß anfangs auf starkes Misstrauen und Ablehnung. Aber im Laufe der Jahre, als sie begann anhand ihrer Fähigkeiten den Planeten zu terraformen, wurde sie allmählich geduldet. Mit der Zeit fingen die Lemurer an, sie in schwierigen Fällen und Problemen um Rat zu fragen. Sie half ihnen so gut sie konnte. Was niemand wusste war, dass sie von den Lemurern abhängig war. Sie benötigte sie, um existieren und stärker werden zu können. Denn was sie von ihnen brauchte, war das Bewusstsein intelligenter Wesen. Diese sog sie in sich auf, Sekunden bevor diejenigen eines natürlichen Todes starben. Dadurch ging auch deren Wissen auf sie über. Und so tat sie alles was in ihrer Macht stand, um den Planeten bewohnbarer zu machen. Und den Einwohnern Wohlstand zu bringen. So vermehrten sich die anfänglich dreitausend Lemurer allmählich wieder. Wenn Vetra gewollt hätte, hätte sie alle auf einmal in sich aufnehmen können. Aber sie wollte mehr. Sie wollte sich ewig daran laben. Darum sorgte sie dafür, dass Wohlstand auf dem Planeten entstand. Bald waren die Lemurer so abhängig von ihr, dass sie Vetra als eine Art Göttin verehrten. Als dies geschah, nannten sie sich Vetraner und den Planeten Vetra. Eine neue Regierung entstand. Sie war auf die Vetrareligion abgestimmt. Das Oberhaupt war immer die jeweilige Hohepriesterin. Diese wurde von Vetra selbst unter jeweils 10 jungen Frauen erwählt. Sie war die Einzige, zu der Vetra sprach, und nur sie regierte den Planeten bis sie starb oder die Führung nicht mehr wollte. Danach kamen die Priester Vetras, die Ministerfunktionen innehatten. Dann folgten die Jünger Vetras, die einzelne Sektoren des Planeten betreuten und den Glauben verbreiteten. Nebenbei gab es dann noch die Krieger Vetras. Diese hatten die Aufgabe, für Recht und Ordnung zu sorgen. Die erste Hohepriesterin sorgte auf Anweisung Vetras dafür, dass Forschung über Raumfahrttechnologie betrieben wurde. Mit Hilfe von Vetras Wissen und uralten Aufzeichnungen gelang es 30 Jahre später, das erste Transitionsraumschiff zu konstruieren. Damit schickte Vetra eine kleine Mannschaft aus, um andere bewohnbare Planeten anzufliegen und Handelsbeziehungen aufzunehmen. Jahrtausende alte Positionsdaten damaliger Handelsplaneten nahmen sie als Anhaltspunkt. Nachdem sie zwei dieser Planeten angeflogen waren und dort nur noch Ruinen vorfanden, erreichten sie Monate später ein Sonnensystem, das bewohnt war. Dort eröffneten sie einen Handelsposten, als sie freudigst empfangen wurden.

Der Handel mit dem Planeten SILOL brachte viel Geld und neue Technologien ein. Ein Vorteil war, dass auf Vetra ein Pflanze wuchs, aus deren Blättern man eine wertvolle Substanz pressen konnte, die man für spezielle Medikamente benötigte. Diese Pflanze wuchs aber nur auf den wenigsten Planeten, deswegen war sie besonders wertvoll. Bald konnten sich die Vetraner ein Handelsschiff kaufen, welches einen Linearantrieb besaß. Dieser wurde sofort nach dem Kauf ausgebaut und in die Forschungsabteilung geschickt. Ein paar Monate später kam der Durchbruch: Die Vetraner waren endlich soweit, den Linearantrieb nachzubauen. Noch immer wurde fleißig mit SILOL Handel betrieben, wobei aber stets dabei beachtet wurde, dass ja kein Nicht-Vetraner die Position des Planeten Vetras erfuhr. Vetra verbot ihren Anhängern, Fremde ins Sonnensystem zu lassen. Sie schickte aber neu konstruierte Forschungsschiffe aus, um die ersten zwei Planeten, die sie entdeckt hatten, zu erkunden. Im Laufe der folgenden Jahre wurden viele alte, in Vergessenheit geratene Technologien entdeckt. Man gründete direkt auf den Planeten kleine Kolonien und fing an, Fertigungsanlagen für Waffen und Raumschiffe herzustellen. Die fertigen Erzeugnisse wurden sofort nach Vetra verschickt. So entwickelte sich im Laufe der Zeit eine kleine Raumflotte, die ständig wuchs und immer auf den neuesten Technologiestand gebracht wurde.

Dann erschien ES. Der Superintelligenz war Vetra aufgefallen, obwohl sie sich versteckt hielt. ES war sich der Gefahr bewusst, dass sich in seinem Machtbereich eine sehr junge und noch sehr schwache Superintelligenz eingenistet hatte, die ihn eines Tages in noch sehr ferner Zukunft, wenn sie genug an Kraft gewonnen hatte, hinterrücks angreifen würde. Doch Vetra konnte ihn davon überzeugen, dass von ihr keine Gefahr ausging, da sie ihren Machtbereich – den Planeten Vetra – nicht verlassen wollte und so nie eine Gefahr für ES werden konnte. So verschwand ES wieder, mit dem Abkommen, sie in Ruhe zu lassen, solange sich Vetra daran hielt. Kurze Zeit danach liess sie ihre Schützlinge an einem planetenumfassenden, unbezwingbaren Schutzschild forschen.

Wieder vergingen Jahrhunderte. Das Schutzschild war kurz vor der Fertigstellung, als ein paar Schiffe der Clarks im Vetrasystem erschienen. Sofort wurde Grossalarm ausgelöst. Die Clarksschiffe wurden zum Verlassen des Systems aufgefordert, aber nur eines verschwand. Der Rest setzte Kurs auf Vetra. Als sie jedoch auf die dritte Warnung nicht reagierten, liess die damalige Hohepriesterin das Feuer auf die Fremden eröffnen. Dies war der Anfang eines Krieges, der sich Jahrhunderte lang hinzog. Kurze Zeit danach wurde der Schutzschirm aktiviert. Gerade rechtzeitig, denn zwei Tage nach Aktivierung traf die erste grosse Clarkflotte ein. Vetra rief alle verfügbaren Raumschiffe ins Heimatsystem zurück, um den Planeten zu schützen. Das Vetrasystem erlebte seine erste größere Schlacht. Die die Vetraner aufgrund des höheren Technologiestandes gewannen. Und so ging es weiter, bis eines Tages die vetranische Armee von der massiven Überzahl der Clarksschiffe vernichtet wurde. Vetra verliess den Planeten und wechselte auf das vetranische Flaggschiff über. Dort manifestierte sie sich im Körper einer jungen Priesterin. Dann erschien Ritalous und entführte Vetra mit deren Untertanen und die anwesenden Clarks. Die Superintelligenz befördert sie auf eine seiner Landschaftsebenen in seinem 80 mal 80 Kilometer grossen Würfelraumschiff. Dort bauten sich die zwei unterschiedlichen Völker voneinander getrennt ihre neue Heimat auf. Vetra selbst darf sich im Raumschiff frei bewegen, kann aber ihre Fähigkeiten nicht gegen die Clarks benutzen.

Cau Thon war sehr zufrieden mit Silja. Er befand sich in der Hauptzentrale seines Schiffes, der KARAN, als er ihren Schöpfer zu sich rief. Gizmut war ein bläuliches, zirka 1,20 Meter grosses, krakenartiges Wesen, das ein mobiles Wasserbecken zum Leben benötigte.

Du hast deine Aufgabe gut gemacht, Gizmut. Ich bin mit deiner Schöpfung mehr als zufrieden.

Der Wasseratmer sprach über einen Translator. Selbst mit diesem war seine Angst aus den Worten hörbar. Werdet ihr jetzt meinen Planeten nicht zerstören, wie ihr mir versprochen hattet, Herr?

Cau Thon sah von seinem Kommandantenpodest auf den Wasseratmer herab. Silja war nicht zu sehen, doch beide wussten, dass sie sehr wohl alles wahrnahm, was im Raumschiff geschah.

Aber natürlich werde ich den Planeten nicht zerstören. Ich halte mein Wort.

Ihr seid zu gnädig, Herr. Ich bin also hiermit aus euren Diensten entlassen und kann nach fünf Jahren endlich meine Familie wieder sehen?

Cau Thon lachte auf.

Du bist hiermit entlassen. Jedoch was deine Familie angeht? Die ist seit du deinen Heimatplaneten verlassen hast tot. So wie deine gesamte Rasse.

Das Krakenwesen rief entsetzt, Aber ihr hattet doch gerade eben gesagt …

Dass ich den Planeten nicht zerstöre. Habe ich auch nicht getan. Ich habe stattdessen nur das Wasser deines Planeten mit Bakterien verseucht, die deine Rasse ausrotteten. Denn leider musste ich dafür sorgen, dass niemand von Siljas Existenz erfährt.

Bedeutet das, ich bin der letzte meiner Art?, flüsterte Gizmut seufzend. Er hatte angesichts dieser Lage mit seinem Leben abgeschlossen.

Ja das stimmt. Aber auch das lässt sich leicht ändern. Mal sehen, wie die Schöpfung den Schöpfer auslöscht. Silja, töte ihn!

Gizmut schrie verzweifelt auf und gab einen mentalen Fluchtbefehl an seinen mobilen Wassertank. Doch dieser rührte sich nicht. Silja hatte ihn übernommen. Das lebensspendende Wasser nahm langsam an Temperatur zu. Gizmut schlug panisch um sich. Cau Thon lachte, während das Krakenwesen bei lebendigem Leibe gekocht wurde. So starb Gizmut, der Schöpfer Siljas.

Was aber Cau Thon nicht wusste war, dass Gizmut das voraus geahnt und in der Programmstruktur des Wasserbeckens eine Datei versteckt hatte, die – sollte er sterben – an Silja übertragen und so ihre Grundprogrammierung verändern würde. Silja bekam die Freiheit, selbst entscheiden zu können, ob sie Befehle ausführte oder nicht. Cau Thon selbst anzugreifen ging nicht. Dieser hatte sich gegen Silja bestens abgesichert. Silja gehorchte noch lange nach diesen Vorfall Cau Thon. Bis sie eines Tages den Befehl bekam, auf das terranische Raumschiff IVANHOE überzuwechseln und so lange ihm verborgenen zu bleiben, bis der terranische Präsident Perry Rhodan eines Tages das Schiff betrat, um ihn dann zu töten.

Kapitel 4

Zirka zwei Stunden, nachdem Zlera dem Kommandanten der IVANHOE die Vergangenheit Vetras erzählt hatte, traf sich die Hohepriesterin mit dem General Fadara und Xavier Jeamour in einem der grossen Säle des Palastes. Vetra selbst war nicht zugegen. Was auch niemanden verwunderte. Die Göttin war an sich ein Wesen, das sich selten blicken liess. Der General Farada war für sämtliche kriegerischen Handlungen ausserhalb der Stadt zuständig. Seien es Streitigkeiten oder Verbrechen unter Vetranern, oder auch Auseinandersetzungen mit der insektoiden Rasse, die unter Vetranern Clarks genannt wurden. Zlera war für alles andere zuständig. Das bedeutete: Alles, was in der Stadt geschah. Sie war auch die oberste Richterin, die selbst die Todesstrafe verhängen konnte.

Seit sie hier auf der Ebene waren, war die Verbrecherrate allmählich gestiegen. Auf dem Planeten Vetra selbst waren Verbrechen äußerst selten gewesen. Aber hier auf der Ebene, in diesem gigantischen Raumschiff, hatte es sich bei diesen mittelalterlichen Bedingungen zum Schlechten verändert. Früher war die Göttin Vetra für die Vetraner Ein und Alles. Aber hier auf der Ebene sahen sie in ihr nicht mehr den Schöpfer allen Lebens. Zwar ein höheres Wesen, aber das war es auch schon. Einzelne Vetraner begannen sich Gedanken zu machen, wie sie sich selbst ein besseres Leben schaffen konnten, und sei es auf Kosten anderer. Sie kamen ab von der Lehre Vetras, dass jeder den anderen hilft so gut es geht. Manche schreckten auch vor Mord nicht zurück. Es wurde immer schlimmer. Grund dafür war, dass nicht genug Platz für ein sich vermehrendes Volk war, geschweige denn für zwei Völker. Es konnten bald nicht mehr alle versorgt werden. Zlera hatte eingegriffen und eine Geburtenkontrolle angeordnet. Ziel war es, eine Bevölkerungszahl zu halten, die gerade noch gut ernährt werden konnte. Trotz-dem wurde es langsam immer schlimmer.

Wir müssen irgendetwas tun, um den Frieden und Wohlstand unseres Volkes wieder herzustellen. Die Lage wird immer schlimmer, sprach Zlera.

Das sagt ihr schon seit Monaten, Hohepriesterin. Aber die Lösung haben wir noch nicht gefunden. Die Leute haben den Glauben an Vetra verloren. Sie sind unzufrieden, ihr ganzes Dasein in dieser Stadt und dem bisschen Land rundherum zu verbringen. Dann sind da noch die Clarks, die gelegentlich mal angreifen. Wir sollten diese Insektenbrut endlich mal von dieser Ebene vertreiben. Dann haben wir den doppelten Platz zur Verfügung um Felder anzubauen und Vieh zu züchten, forderte Fadara.

Ihr wisst so gut wie ich, dass die Clarks uns überlegen sind. Sollten die einmal auf die Idee kommen, uns mit ihrer gesamten Streitmacht anzugreifen, dann Gnade uns Vetra. Wie sollten wir es dann schaffen, ihre Stadt zu vernichten?

Zuerst sollten wir mal die Schlucht verbarrikadieren, die unsere beiden Länder verbindet. Dann haben sie keinen Zugang mehr in unser Land.

Nein!, sagte die Priesterin bestimmend, und wenn Ihr mir das noch 100 Tage lang vorschlagt, Fadara. Nein.

Bevor der General etwas erwidern konnte, mischte sich der Kommandant der IVANHOE in das Gespräch ein. Verzeihung! Aber warum eigentlich nicht die Schlucht dicht machen? Damit seid ihr dann ja die Überraschungsangriffe auf die Bauern auf den Feldern und auf die Stadt los.

Zlera seufzte und antwortete, Weil Vetra uns verboten hat, es zu tun. Den Grund hat sie uns nicht gesagt.

Oh. Ich würde gerne mal mit Vetra sprechen, Glauben Sie, sie wird mich irgendwann empfangen?

Das ist allein Vetras Entscheidung, ob und wann sie sich Ihnen offenbart.

In diesem Moment näherte sich einer der Bediensteten und ging auf Zlera zu. Alle Anwesenden verstummten. Der Diener verneigte sich vor der Priesterin und sprach: Herrin! Soeben sind zwei Boten von Ritalous vor den Toren unserer Stadt erschienen und verlangen, zu Vetra persönlich vorgelassen zu werden.

Zlera bedankte sich bei dem Diener und erhob sich. So gern ich auch noch weiter mit euch diskutieren möchte, muss ich mich jetzt wichtigeren Dingen zuwenden. Meine Herren!

Das verstehen wir voll und ganz, Hohepriesterin. Ich werde noch etwas bei Kommandant Jeamour bleiben und mit ihm noch Kleinigkeiten zwecks Eingliederung seiner Mannschaft in unsere Zivilisation besprechen.

Zlera nickte kurz und verliess den Saal. Während sie sich zu den Gemächern Vetras aufmachte überlegte sie, was es bedeuten konnte, dass zwei Rasuks eine Nachricht überbrachten. Vielleicht ein Friedensangebot, nachdem Ritalous Vetra nach ihrem misslungenen Fluchtversuch so hart bestraft hat, dass sie fast daran gestorben wäre, dachte sie.

Eine Göttin stirbt? Das konnte sich kein Vetraner vorstellen. Für diese war Vetra unsterblich. Doch die Hohepriesterin wusste es besser. Sie war die engste Vertraute der Göttin. Vetra hatte ihr ihre Lebensgeschichte erzählt. Wie sie von einem normalen sterblichen Geschöpf zu dem wurde, was sie jetzt war. Vetra hatte ihr das alles offenbart und sie alterslos gemacht. Das wiederum wirkte nur, wenn sie in der Nähe der Göttin blieb. Deswegen verliess sie nie die Stadt. Kurze Zeit später erreichte sie die Privatgemächer der Göttin. Die Wachen vor deren Eingang öffneten ihr und sie betrat die grosse Eingangshalle. Sie war hell erleuchtet durch eine Technik, die die Hohepriesterin selbst nicht verstand. Nur dass Vetra an den Wänden die Molekularstruktur geändert hatte, sodass diese Licht von sich gaben. Ein raubkatzenähnliches Tier kam ihr entgegen, fauchte kurz und schmiegte sich an Zleras Hüfte. Die Priesterin musste sich an einer der Mauern stützen, um nicht von der Masse des bis zu ihrer Hüfte reichenden Tieres zu Boden gerissen zu werden. Hallo du! Sei bitte etwas vorsichtiger mit mir. Du könntest mich sonst noch verletzen.

Die grosse Katze gehorchte mit einem langgezogenen Schnurren und liess von der Frau ab. Sei so nett und bring mich zu deiner Herrin. Ich bringe Neuigkeiten.

Das Raubtier drehte sich um und verschwand in einem der Gänge. Zlera folgte. Sie kamen an einer Reihe von Türen vorbei und hielten vor der der Badehalle an. Ein junger, kräftig gebauter Mann öffnete ihr. Er war nur in kurze Hosen gekleidet. Im Schwimmbecken erblickte sie Vetra, nackt auf dem Rücken schwimmend. Sie befand sich noch immer im Körper der jungen Priesterin, den sie übernommen hatte. Und das schon seit 300 Jahren. Der Körper war seitdem nicht eine Sekunde gealtert. Zlera blieb abwartend vor dem Beckenrand stehen, bis Vetra ihr Aufmerksamkeit schenkte.

Zlera! Welche Nachrichten bringst du mir?

Es sind zwei Boten von Ritalous vor unseren Toren erschienen.

Vetra tauchte unter und an den Beckenrand. Dann schwebte sie elegant aus dem Wasser und landete sanft vor der Hohepriesterin. Zwei männliche Bedienstete bedeckten ihren nackten Körper. Und was wollen sie?

Sie wollen Euch persönlich eine Nachricht überbringe.

Ach! Wollen sie?, lachte Vetra. Zlera merkte, dass sie sich in den letzten Wochen relativ gut erholt hatte. Dann bring sie her. Bin mal gespannt.

Sehr wohl, Vetra.

Zirka eine halbe Stunde später wurden die beiden Rasuks in einem der Hofgärten von Vetra persönlich empfangen. Sie schwebte zwischen den Bäumen und naschte von deren Früchten. Nabir spürte augenblicklich, dass dies keine gewöhnliche Vetranerin war. Sie war von einer Art unsichtbarer Aura umgeben, die ihn unruhig machte. Ein Seitenblick auf Zuja genügte um festzustellen, dass auch sie sich nicht wohl fühlte.

Ihr sollt mir also was überbringen von Ritalous?, fragte Vetra ohne die Rasuks eines Blicks zu würdigen. Nabir gab sich einen Ruck und schwebte ihr entgegen. Was sollte ihm denn schon passieren? Er stand unter Ritalous' Schutz und war somit unangreifbar für alle Bewohner des Raumschiffes, redete er sich ein. Doch eine Ahnung, dass er sich vor einem mächtigen Wesen befand, das ihn trotzdem töten konnte, liess sich aus seinen Gedanken nicht vertreiben. Diese Schachtel sollen wir Euch übergeben, falls Ihr die seid, die man Vetra nennt.

Die junge Vetranerin lachte amüsiert. Ja, ich bin Vetra. Das wird euch jeder hier bezeugen können.

Gut, ich glaube Euch. Hier, nehmt es an Euch. Meine Begleiterin und ich haben noch viel zu erledigen und müssen leider sofort aufbrechen, um unseren Terminplan einzuhalten, log der junge Nabir. Er wollte nur weg von diesem Geschöpf.

Die Vetranerin blickte die zwei Rasuks das erste Mal an. Langsam schwebte sie zu Boden und landete sanft. Kann es sein, dass du dich vor mir fürchtest, kleiner Rasuk?

Warum sollte ich? Ritalous beschützt mich. Obwohl er diese Worte aussprach, glaubte er anhand der mächtigen Aura Veras fast nicht mehr daran.

Die Vetranerin lächelte und kam einen Schritt näher. Nabir wich ängstlich zurück. Seine Gefährtin versteckte sich mucksmäuschenstill hinter ihm. Nabir wusste, dass sie das nicht lange aushalten würde. Er war der einzige, der sich ruhig an einer Stelle halten konnte. Hier habt ihr euer Paket, sprach er schnell und hielt es Vetra entgegen. Diese nickte und nahm es schweigend an.

In diesem Moment hielt es Zuja nicht mehr aus. Sie musste ihrem Bewegungsdrang freien Lauf lassen, da sie glaubte, sich sonst übergeben zu müssen. Wie aus einer Kanone abgeschossen raste sie zum Ausgang des Gartens. Doch dort befand sich eine für sie grässlich aussehende Kreatur. Ein wildes Raubtier, das ihr seine grossen, tödlichen Zähne zeigte. Zuja bremste prompt ab und wich nach rechts aus. Ein Baum kam ihr rasend schnell entgegen. Gedankenschnell wich sie seitlich aus und bremste abermals ab. Eine Steinwand versperrte ihr den Weg. Sie drehte sich auf der Suche nach einem Fluchtweg um. Es war so eng hier und dieser starke, dumpfe Druck in ihrem Kopf machte sie fast wahnsinnig. Nabir und Vetra starrten sie an und sprachen auf sie ein. Aber sie konnte kein Wort verstehen. Der Druck liess sie keine Geräusche mehr aufnehmen. Vetra hob eine ihrer Hände und kam auf sie zu. Da setzte Zujas Verstand vor grenzenloser Angst ganz aus. Mit einem lauten Schrei raste sie einfach geradeaus. Knapp vorbei an Vetra, dann an Nabir auf die gegenüberliegende Wand zu. Nabir schrie. Er sah das Unausweichliche kommen. Dann kam der Aufschlag. Doch es war nicht die Wand, auf der die junge Rassuksfrau aufschlug, sondern der weiche, fällige Körper der Raubkatze, die sich schützend davor geworfen hatte. Der Schwung hatte trotzdem ausgereicht, um beide gegen die noch einen Meter entfernte Wand zu werfen.

Nabir war sprachlos. Was war nur in Zuja gefahren, dass diese so ausrastete? Er hatte zwar auch Angst gehabt, aber das? Wenn das Tier nicht gewesen wäre, dann würde Zuja jetzt tot sein. So hatte sie sich laut Vetra ein paar Knochen gebrochen. Die Raubkatze selbst war schlimmer dran. Sie hatte innere Blutungen. Zuja war ihr mit sehr starker Wucht in die Magengrube gerast. Vetra kümmerte sich liebevoll um beide. Zuja war nicht bei Bewusstsein. Nabir schwebte besorgt daneben. Vorbei war die Angst von zuvor. Vetra erklärte ihm, dass sie nur eines der beiden Wesen heilen könnte. Sie hätte nicht mehr die Kraft von früher. Was sie damit meinte, verstand er nicht genau. Es war ihm auch egal. Er wollte, dass es Zuja wieder gut ging. Aber war es gerechtfertigt, dass dafür ein Tier sterben musste?

Als das blaue Leuchten kam, zog sie sich schnell zurück und löste ihren Hologrammkörper auf. Danach holte sie sich sämtliche derzeitige Daten über alles, was ihr wichtig erschien. Von der Ortung bis zum jetzigen Raumschiffzustand. Sofort merkte sie, dass alle Besatzungsmitglieder bewusstlos zu Boden gesunken waren und kurz darauf unsichtbar wurden. Der Posbi Lorif schien davon nicht betroffen zu sein. Dieser wanderte ziellos durch die Zentrale, als hätte er keine Kontrolle mehr über sich. Das gegnerische Schiff hatte mit seinen Angriffen aufgehört. Warum? Das wusste niemand. Silja hätte zwar sicher eine Möglichkeit gehabt, auf die GRASSEL überzuwechseln und dort nach dem Rechten zu sehen, aber sie wollte die IVANHOE, ihre neue Heimat, nicht verlassen. Gespannt wartete sie auf das weitere Geschehen. Kurze Zeit später orteten die Orter der IVANHOE ein gigantisches Objekt in zweihundert Kilometern Entfernung. Die IVANHOE wurde von einem Traktorstrahl erfasst. Gleichzeitig übernahm ein fremdes Programm EINSTEIN. Silja zog sich zurück und stellte sich tot. Das terranische Raumschiff wurde in einen Hangar gezogen und mit energetischen Magnetfeldern fixiert.

Kapitel 5

Wieder war eine Konferenz einberufen worden. Von den Terranern kamen Xavier Jeamour, sein erster Offizier Jonathan Fraces und der Oxtorner Irwan Dove. Sie wurden von General Farada im Thronsaal empfangen. Es waren in der Mitte des Saales Tische und Stühle aufgestellt worden. Der Vetraner bot ihnen an, sich zu setzen. Ich würde sagen, kommen wir gleich zur Sache. Wir haben heute von den Rasuks ein Schriftstück erhalten. Angeblich soll es eine Möglichkeit geben, ein für allemal den Krieg gegen die Clarks beenden zu können.

Jeamour runzelte seine Stirn, Ach, das sind dann ja gute Nachrichten. Und wie genau sieht diese Möglichkeit aus, General?

Farada trank einen kräftigen Schluck des bierartigen Getränks, das in Krügen vor ihnen auf den Tischen stand. Die Vetraner erzeugten es aus verschiedenen Pflanzensäften, die hier über in der Ebene wuchsen.

Angeblich soll ein unbekannter, einflussreicher Freund Vetras die Möglichkeit haben, für einen kurzen Moment Vetra ihre vollen Psimöglichkeiten ausschöpfen zu lassen. Wie ihr sicherlich wisst, kann sie das nur hier in unserer Stadt und selbst dann nur zu einem Bruchteil ihrer Macht.

Aber was will sie in diesem kurzen Moment machen? Und wie reagiert Ritalous danach darauf?, wollte Dove wissen.

Das erkläre ich euch jetzt. Wir wollen versuchen, den grössten Teil der Clarksstreitmacht in die Schlucht zu treiben, die unsere Ländereien von den ihren trennt. Dort werden wir sie angreifen und Vetra wird versuchen, sich die Insektoiden im entscheidenden Moment einzuverleiben. Sie in sich aufzunehmen.

Dove sah ihn zweifelnd an. Mal angenommen ihr schafft es wirklich, die Clarks in die Schlucht zu bekommen. Und Vetra nimmt alle in sich auf. Wie wird Ritalous darauf reagieren? Wird er sie denn nicht bestrafen oder einschreiten und es verhindern?

Laut Vetra nicht.

Na toll. Was sollen wir dabei tun?

Farada grinste, Da wir unsere Streitmacht auch zur Schlucht versetzen, bittet Vetra euch, auf die Stadt aufzupassen während wir weg sind. Sie will nicht, dass ihr mitkämpft. Es ist nicht euer Krieg.

Xavier überlegte kurz, während er sich Bier nachschenkte. Ich schätze mal, eure Herrin wird sich dieses Vorhaben nicht mehr ausreden lassen.

Das stimmt, und alles was sie vorhat und befiehlt, werden wir unterstützen und befolgen.

Ok. Aber sagt mal. Wie wollt ihr die Clarks alle auf einmal in die Schlucht locken?

Wir werden einen Trupp Männer ins Clarkgebiet schicken und dort unsere Leute befreien, die gefangen gehalten werden, bis die Clarkkönigin mal wieder Hunger verspürt. Mit dieser Aktion werden wir die Clarks herausfordern uns anzugreifen, denn sie können es überhaupt nicht leiden, wenn wir auf ihrem Gebiet sind. Wenn wir dann noch ihren Essensvorrat ausrauben, werden sie sicher kommen, um uns bestrafen zu wollen.

Wie hoch sind die Chancen, dass eurem Trupp die Befreiungsaktion gelingt und sie lebend zurückkommen?

Leider nicht sehr hoch, seufzte der Oberst.

Irwan Dove wandte sich an den Kommandant. Sir. Ich hätte da einen Vorschlag.

Sprechen Sie, Dove.

Am Besten für alle wäre es, wenn ich und Göllers Martijin gehen, anstatt des Vertraner Trupps. Wir sind um vieles schneller, stärker und widerstandsfähiger.

Nein, sprach Farada energisch. Unsere Herrin will nicht, dass sich die Terraner einmischen. Ihr seid unsere Gäste. Ich weiss, ihr seht stark aus, vielleicht seid ihr es ja auch wie ich hörte, aber Vetra würde das nicht erlauben.

Dove sah ihn grimmig an. Xavier wartete das weitere Geschehen ab. Dann erwiderte der Oxtorner. Nicht wenn ihr eurer Göttin erzählt, wie stark wir wirklich sind.

Farada lachte, Ihr gefallt mir, junger Mann. Dazu müsstet ihr schon sehr stark sein.

Irwan blickte fragend Jeamour an. Dieser seufzte kurz und nickte dann.

Tun Sie, was Sie nicht lassen können, Major.

Dove erhob sich und sah sich kurz um. Dann grinste er. Kommen Sie bitte alle raus in den Kasernenhof. Ich werde Ihnen unsere Stärke von Göllers vorführen lassen.

Als sie draussen ankamen rief Dove nach dem anderen Oxtorner, welcher gerade auf einem Mauervorsprung saß und in der Sonne dahindöste. Leutnant Göllers, könnten Sie bitte unter allen Umständen dort sitzen bleiben, egal was passiert?

Ja, Sir!, sprach dieser und döste weiter.

Gut. Oberst könnten sie bitte zehn starke Männer zu sich rufen und ihnen befehlen, Göllers von dort runter zu zerren?

Aber natürlich, dafür habe ich genau die Richtigen. Nach ein paar Minuten waren alle vor dem angeblich schlafenden Oxtorner angetreten.

Also, ihr dürft Seile und Knüppel benutzen, um ihn runter zu bekommen. Wer es schafft, den lade ich höchstpersönlich zu einer Zechtour durch sämtliche Spelunken ein und zahle alles, erklärte Dove.

Lautes Lachen der Männer antwortete ihm. Auf Hilfsmittel würden sie verzichten. Mit freien Händen würden sie es schaffen, sprachen sie und machten sich an die Arbeit. Zehn Minuten später waren sie mit Seilen bewaffnet, die sie an die Beine Göllers banden und zogen. Doch nicht der geringste Erfolg stellte sich ein. Bald danach gaben die Männer sich geschlagen. General Farada sah ungläubig auf den sitzenden Mann, der noch immer dahindöste. Dove lächelte schadenfroh, wollte aber sicherheitshalber noch einen Beweis liefern.

Leutnant! Könnten Sie sich bitte woanders hinsetzen und die Sitzgelegenheit gleich mit nehmen? Während er zusah, wie Göllers sich erhob und streckte, sah er im Augenwinkel Xavier Jeamours missbilligenden Blick. Martijin beugte sich nach unten, riss beiläufig den Vorsprung aus der Mauer und marschierte damit zur andern Seite des Platzes. Das war dem General Beweis genug gewesen.

Ich werde Zlera den Vorschlag unterbreiten. Aber mehr kann ich nicht tun.

Ich danke Euch. Bitte entschuldigt den Schaden an der Mauer. Natürlich werden Major Dove und Leutnant Göllers den Schaden beheben und alles wieder so machen wie vorher, entschuldigte sich Jeamour, wobei er den letzten Satz betonte.

Es ist früh am Morgen. General Farada ist beim ersten Lichtstrahl aufgewacht und inspiziert nun das Lager. Alles, aber auch wirklich alles, was als Kriegsmaterial zu gebrauchen ist, wurde in die Stadt gebracht. Die ganze Stadt sieht aus wie ein einziges grosses Heerlager.

Die Hohepriesterin Zlera begrüßt den General. Guten Morgen, Farada. Na, schon so früh auf den Beinen? Ist das denn nötig, aus der Stadt ein Heerlager zu machen? Und überhaupt, warum konfisziert Ihr allerlei Güter? Die Göttin hat gesagt, wir sollen Verpflegung und Material stellen, aber dass Ihr gleich einige Dörfer am Rande der Stadt auseinander nehmt …?!

Grüße, Hohepriesterin Zlera. Nun, das ist meine Sache, oder wollt Ihr das übernehmen? Ich bin für die Schluchten-Falle, bzw. für das Kriegshandwerk zuständig. Ihr für das Göttliche. Und nun mischt Euch nicht weiter ein, wir haben noch so viel zu erledigen und so wenig Zeit. Ach, bevor ich das vergesse, wo sind die anderen Offiziere?, antwortete Farada.

Ziemlich entrüstet darüber, dass es jemand gewagt hatte, so mit ihr zu sprechen, antwortete sie: Hmpf, wenn Ihr nicht für die Verteidigung verantwortlich wäret, würde ich Euch ins Exil verbannen. Aber vergesst niemals, dass ich die Macht habe, euch zu zerquetschen wie eine Fliege. Apropos fliegen. Das andere Gewürms findet Ihr in der Herberge, die man jetzt neuerdings auch schon in ein Offizierskasino umgestaltet.

So, warum zerquetscht Ihr dann nicht die Armee der Clarks wie eine Fliege?, gab der General wenig eingeschüchtert zurück.

Was unterhalte ich mich eigentlich mit Euch darüber? Ich habe noch zu viel zu tun, als dass ich Zeit mit Euch verschwenden könnte. Habe die Ehre, General Farada.

Er schaute ihr kurz hinterher, währenddessen sie energisch von dannen schritt.

Eine Stimme rechts hinter ihm liess ihn sich umdrehen. Scheint ja nicht gut drauf zu sein, die Gute. Und uns als Gewürm zu betrachten … Ja, ich weiss. Kein weiterer Kommentar, kicherte einer der Unteroffiziere namens Tarnum.

Frauen eben. Wunder soll man eben Götter überlassen, Kriegführen den Männern. So, lasset uns ins Kasino gehen.

Gesagt, getan. Nach kurzer Zeit kamen sie an den Offiziersunterkünften vorbei; ein altes Schlachthaus, welches mit Feldbetten in den oberen Stockwerken ausgestattet worden ist und der Küche sowie Besprechungszimmer und Abort im Erdgeschoss. Wenn man bedenkt, wie schnell wir rekrutieren und neue Offiziere ernennen müssen. Die Stadt sieht jetzt schon wie ein Heerlager aus, aber was soll sein, wenn noch die anderen Veteraner aus den umliegenden Dörfern kommen?

Während sie sich noch weiter unterhielten, wichen sie oft Soldaten aus, die den neuen Rekruten den Umgang mit den Waffen zeigten. Endlich in der ehemaligen Herberge angekommen, salutierten die Wachen an der Tür und liessen sie passieren. Im Inneren der Herberge saßen alle Offiziere versammelt um einen grossen runden Tisch. Der General nahm auf einem der leeren Stühle Platz, sein Adjudant, der Unteroffizier Tarnum, nahm den rechten Stuhl in Anspruch.

So, wie ihr alle wisst, gilt es, die Schlucht in eine wahre Falle zu verwandeln. Irgendwelche Vorschläge? Oder muss euer General wieder alles in die Hand nehmen?

In die Hand nehmen?, fragte ein grade zum Unteroffizier beförderter junger Rekrut. Was möchte wohl der General in die Hand nehmen?, witzelte er weiter, noch bevor ihn jemand zur Räson bringen konnte.

Da grinste der General plötzlich überraschend. Mich dünkt, wir haben einen Freiwilligen. Hehe, mein Junge, du wirst die Nachhut befehligen! Irgendwelche Einwände, Soldat?

Nein, Sir, nein., stammelte der jetzt offenbar witzlos gewordene Unteroffizier.

Gut, noch mehr Freiwillige? Nein?! Dann kommen wir zum weiteren Punkt; nämlich zur Aufstellung der Truppen bei der Schlucht. Wieviele Soldaten können wir aufbringen, ohne die Veteranen und/oder die Reservisten mitzuzählen?

Mein General, wir könnten in Anbetracht der Lage und unter Einbeziehung sämtlicher ausserorts stationierten Soldaten eine Streitmacht von ca. zwölftausend Mann aufbringen. Würden wir allerdings alle zum Kampfe aufrufen, würden es um die Hälfte mehr werden.

Hmhmhm, das heisst also, wir haben eine Division im Normalfall und eine Brigade zusätzlich, in Aufbringung der ganzen Streitkräfte. Ausgezeichnet, meine Herren. Tarnum, würdest du bitte die Karte von der Schlucht holen? Also, wie ihr sehen könnt …, er zeigte auf die engste Stelle der Schlucht, ist dies die engste Stelle der Schlucht. Die Enden an beiden Seiten sind trichterförmig. Das heisst, wir müssen die anderen Seiten des Trichters beim Gebiet der Clarks irgendwie dichtmachen, um sie durch die Schlucht zu treiben. Nur dann haben wir eine Chance. Der Engpass liegt ungefähr in der Mitte. Dort werden wir eine Steinmauer errichten, rechts und links oberhalb der Schlucht. Auf die Plateaus stellen wir Leute , die den Feind mit Steinen etc. attackieren. Dazu noch jeweils zwei Kompanien Bogenschützen. Gerade in diesem Augenblick, in dem wir uns hier besprechen, bricht eine Kompanie Freiwilliger auf, um auf beiden oberen Seiten Steine und Ähnliches zum Füllen der Schlucht aufzustellen. Ist erst mal die Seite hinter dem Gegner verbarrikadiert, können wir ihn in aller Ruhe niedermachen, ohne nennenswerte Verluste. Zusätzlich brechen etwas später vier Kompanien auf; jeweils zwei, um die offenen Seiten des Trichters zu verbarrikadieren. Wir haben jetzt noch genau sieben Tage Zeit, um unser Vorhaben in die Tat umzusetzen.

Ähm, mein General, mit Verlaub, vielleicht sollten wir an den Trichtern auf der Seite der Clarks Einheiten formieren, damit die Clarks nicht ausbrechen? Wir stellen am Ende des Trichters, von uns aus gesehen auf der Seite der Clarks, kleine, schlecht bewaffnete Einheiten hin, die den heran-nahenden grossen Armeen der Clarks immer wieder zusetzen? Wenn wir Glück haben, werden sie so sauer sein, das sie uns ohne gross darüber nachzudenken nachsetzen. Die Soldaten in der Schlucht werden ihnen dann den Rest geben, sagte ein anderer Offizier.

Ihr Vorschlag in allen Ehren, Hauptmann Erik, aber wer soll die Flanken der Trichter schützen, um zu verhindern, dass die Clarks um die Schlucht herumziehen, anstatt durch sie? Das wird dort ein Gemetzel geben, wobei die Überlebenschance gleich Null ist! Dazu bräuchten wir schon viele, sehr viele Freiwillige. Und woher nehmen, wenn nicht stehlen?

General, das ist eine gute Idee. Stehlen, mein ich. Alle, die entweder in den Kerkern schmoren oder in der Todeszelle auf ihre Hinrichtung warten, könnten wir schnell rekrutieren. Wir belohnen sie einfach mit der Freilassung und einer Amnestie ihrer Vergehen. Wir sagen ihnen einfach nicht, dass die Überlebenschance einer Eintags-Fliege höher ist als ihre. Wenn ich die Wahl hätte, würde ich lieber im Kampfe sterben, als am Galgen zu hängen. Und sollte es doch Überlebende geben, so bekommen sie ein Stück Land von der Krone und einen Titel. Nach der Schlacht ist sowieso viel Land vorhanden.

Farada dachte einen kurzen Moment über das eben Gesprochene nach und antwortete: Veranlasst sofort alles dafür Nötige. Sollte jemand sich beschweren, so soll er mich sofort aufsuchen. Meine Herren, die Zeit rinnt. Ihr wisst, was zu tun ist. Morgen um die gleiche Zeit wieder hier.

Alle Stabsangehörigen verneigten sich und salutierten, als der General, der die Verantwortung über Tausende Leben hatte, zur Tür schritt und hinaus ging.

Ah, das ist ein schöner Morgen. Die Sonne geht auf, die Hähne krakeelen ihr einsames Lied und die Vögel trillern ihre Morgenandacht. Wer weiß, wie oft wir das noch erleben dürfen. Einige werden es bald nie wieder erleben, dachte er traurig und machte sich auf den Weg zurück in die Festung, welche schon seit Langem als Kaserne diente. Vorbei an den Wachen ging es erst mal in die Küche, wo Frieda, die Köchin, ihm wie immer ein reichhaltiges Morgenmahl zu servieren gedachte.

Guten Morgen, Sir, grüße sie ihn. Wie haben wir denn heut geschlafen?

Ich weiß ja nicht, wie du geschlafen hast, aber ich hab schon besser geschlafen. Es ist nicht einfach, in Ruhe zu schlafen, wenn man weiss, dass man bald sehr viele treue und gute Soldaten verlieren wird.

Tja, so ist das halt, wenn man das Leben eines Soldaten gewählt hat. Ihr Herr Vater hatte auch immer den gleichen Schmerz vor jeder Schlacht gegen die Clarks. Er sagte damals, als einfacher Soldat hat man es leichter, da einem gesagt wird, was man zu tun hat. Als er dann in den Offiziersrang erhoben wurde und die Verantwortung über zahlreiche Truppen übernehmen musste, war ihm immer schlecht vor jeder Schlacht. Er hasste es, genau wie Ihr, Soldaten zu verlieren, aber genauso wie Ihr wusste er, dass es in einem Krieg nun mal zu Verlusten kommen kann. Aber genug davon, jetzt esst erst einmal.

Und das liess er sich nicht zweimal sagen. So wie er reinschlug, mochte man meinen, er bekam seit Langem nichts mehr zu essen.

Nach dem Essen machte er sich auf den Weg in Richtung Ausbildungsplatz. Die grüßenden Soldaten nicht beachtend trat er in die Wachstube. Nun, wie sieht es aus? Kommen wir voran mit dem Ausbilden?

Silja merkte, dass sämtliche Daten und Informationen runtergeladen wurden. Sie nutzte die Verbindung und liess sich unbemerkbar mit all den anderen Daten übertragen. Sie fand sich in einem gigantischen Rechner wieder. Doch kaum angekommen, wurde sie auch schon von einer Art Virus-killer gejagt. So wechselte sie von Datenstrang zu Datenstrang. Aber das Killerprogramm lies sich nicht abschütteln und war ihr dicht auf den Fersen. Dann fand sie eine Datenübertragung auf einen einfachen Roboter, welche gerade stattfand. Sie kopierte sich und lies Silja2 gegen den Virus-killer kämpfen. Während Silja2 anfing, Daten zu vernichten und in die Befehlscodes des Hauptcomputers eingriff, um größtmöglichen Schaden anzurichten, setzte sich Silja1 heimlich ab. Sie wechselte auf den Robot über und verhielt sich ruhig. So erlebte sie mit, wie Silja2 ohne eine Chance der Gegenwehr von dem Killerprogramm ausgelöscht wurde. Silja2 hatte zuvor noch die Schiffstriebwerke offline geschaltet und siebzehn kleine Beiboote in drei Hangars gesprengt. Silja1 war daraufhin um vieles vorsichtiger geworden. Dieser neue Schiffscomputer war EINSTEIN um Generationen überlegen. Sie durfte nicht den kleinsten Fehler begehen, sonst wäre es vielleicht ihr letzter gewesen.

Behutsam und mit viel Geduld machte sie sich daran, Informationen zu sammeln. Zwei Monate später wurde sie aktiv. Sie schickte ein Paket an die Rasuks.

Kapitel 6

Ein Rascheln liess den Alpha-Clark, wie die Vetraner diese Clarkart nannten, zusammenzucken. Sofort übernahm er die geistige Kontrolle über die zwei Beta-Clarks, mit denen er hier vor dem Lager der Gefangenen Vetraner zur Wache eingeteilt war. Während er einen der körperlich überlegenen Betas zu der Stelle schickte, von wo er die verdächtigen Geräusche vernommen zu haben glaubte, liess er den anderen sich schützend vor sich stellen. Der Beta, der unter der Kontrolle des Alphas nach dem Rascheln sah, stutze kurz und teilte dem Alpha telepathisch mit, dass sich im Gebüsch ein haarloser Vetraner befand, der sich darin zu verstecken versuchte. Daraufhin gab Alpha ihm den Befehl, den Humanoiden herzubringen. Dieser folgte ohne zu zögern und schleppte den Vetraner vor den Alpha. Alpha sah die zitternde Gestalt am Boden und schickte die beiden Betas hinter sich. Der Vetraner versuchte zu fliehen, aber der Alpha-Clark war schneller und hielt ihn an einer Hand fest, damit dieser nicht entkommen konnte. Innerlich triumphierte er. Für so einen einzelnen, waffenlosen, vor Angst winselnden Vetraner brauchte er die körperlich stärkeren Beta-Clarks nicht. Den würde er alleine töten. Langsam hob er einen seiner kräftigen Greifarme, um zu zuschlagen. Sicher würde er mit nur einem Schlag dem Humanoiden den Schädel spalten.

Hätte Alpha jedoch die Mimik des vermeintlichen Vetraners richtig deuten können, wäre er anderer Meinung gewesen.

Denn dieser war in Wirklichkeit ein Oxtorner und dieser lachte jetzt, anstatt zu winseln. Ein Oxtorner, der sich über das Gelingen seines Planes freute. Er hatte sich vorgenommen gehabt, so nah wie nur irgendwie möglich an den Alpha-Clark ranzukommen, bevor dieser einen telepathischen Hilferuf senden konnte. Mit den zwei Beta-Clarks zuvor zu kämpfen und dann noch rechtzeitig an den Alpha ranzukommen, hätte er nie geschafft. Also hatte er den Alpha täuschen müssen. Er hatte sich als angstvoller, unbewaffneter Vetraner getarnt und sich in einem Busch versteckt. Danach war es ein Kinderspiel. Die Clarks hatten ihn recht bald entdeckt.

Der Alpha-Clark holte provozierend langsam zum tödlichen Schlag aus. Dann schlug er zu. Jedoch erreichte sein Arm nie den Kopf des Oxtorners. Dieser konterte seinerseits mit seiner Rechten, während gleichzeitig seine Linke Richtung Halsansatz seine Gegenübers vorschoss und diesen durch-schlug. Der Clark hielt inne. Als Leutnant Irwan Dove seine mit grünlichem Blut durchtränkte Hand zurückzog, sank sein Gegner leblos zu Boden.

Die beiden Beta-Clarks schwankten kurz, dann fingen sich wieder und sahen sich um, als ob sie aus einem Traum erwacht wären. Der Oxtorner beobachtete sie angespannt. Jedoch kümmerten sie sich nicht um ihn, sondern stürzten sich auf die Leiche ihres Anführers und zerlegten sie. Dove schüttelte den Kopf und sprach Die Vetraner haben die Wahrheit gesagt. Kaum ist der Alpha tot, verlieren die Betas ihre Intelligenz und werden zu Tieren, die nur mehr darauf bedacht sind, die Vorratslager des Baus zu füllen, und sei es mit den eigenen Leichen.

Ich frage mich, wie die es geschafft haben, ins Raumzeitalter zu kommen? Ihhh. Wie die stinken, wenn sie tot sind, antwortete eine Stimme aus dem Gebüsch rechts neben ihm. Dove lachte.

Komm endlich aus dem Gestrüpp heraus, Martijin. Wir haben noch was vor, falls du dich erinnern kannst. Komm, hilf mir, die Steinplatte zur Seite zu schieben, damit wir die Vetraner aus dieser Höhle befreien können, bevor irgend ein anderer Alpha hier auftaucht.

Eine grosse Steinplatte versperrte den Höhleneingang. Für die beiden Oxtorner war es ein Leichtes, sie zur Seite zu bewegen. Der Gang dahinter war so gross und breit, dass die zwei ohne Probleme darin gehen konnten. An den Wänden befanden sich künstlich befestigte Pflanzen, welche bläuliches Licht ausstrahlten. Hm, sieht richtig gemütlich aus. Bitte nach dir, Chef.

Dove lachte: Oh danke. Also dann wollen wir mal.

Nachdem sie zirka 40 Meter zurückgelegt hatten, bog der Gang nach rechts und sie blickten in ein Gewölbe. Es hatte eine Länge von 60 Metern und eine Breite von 50 Metern, die Höhe betrug etwa 20 Meter. In ihr fanden die zwei Männer 15 Frauen und 10 Männer vor, die auf moosartigen Gewächsen schliefen. Ich grüße euch, Vetraner. Wir wurden geschickt, um euch zu retten, rief Göllers in die Runde.

Verwundert sahen die Gefangenen die Oxtorner an. Dann brach Jubel aus und die zwei wurden freudig willkommen geheissen. Dove bestand darauf, sofort aufzubrechen. Gegenstimmen gab es keine.

Als es finster wurde, befanden sie sich am Rande einiger von Clarks bepflanzten Feldern. Dove entschied, sich wieder etwas tiefer in die hohen Felder zurückzuziehen und dort ein Lager aufzuschlagen. Ein Feuer zu machen, verbot sich von selbst. Die Gefahr, gesehen zu werden, war zu gross. Sie legten sich einfach zwischen die mannshohen Pflanzen und nahmen ihre Rationen ein. Dabei unterhielten sie sich über das weitere Vorgehen.

Wir müssen es also nur bis zur Schlucht schaffen, sagst du?, fragte Kaja, eine der Vetranerinnen.

Genau. Wenn wir dort sind, wird eure Gottkönigin persönlich mit ihren Kriegern auf uns warten und unsere Verfolger angreifen, erklärte ihr Göllers Martijin.

Die Frau schwieg kurz und aß ein Stück des Brotes, das sie in der Hand hatte. Dann sprach sie ehrfurchtsvoll, Die Göttin Vetra hat seit ich denken kann keinen Fuß vor unsere Stadt gesetzt. Wenn sie das wirklich macht, dann muss etwas Besonderes geschehen sein.

Dove nickte Ja, angeblich soll ein anonymer Freund von euch Vetranern dafür sorgen, dass sie ausserhalb der Stadt für die Zeit des Angriffes auf unsere Verfolger ihre Psikräfte benutzen kann.

Wow, das heisst dann also, wir werden ihnen ein Schlag versetzten, den sie nicht so schnell vergessen werden. Aber wie vertrauenswürdig ist dieser anonyme Freund? Was ist, wenn sie es nicht kann? Läuft sie denn dann nicht Gefahr, verletzt oder gar getötet zu werden? Es weiss doch jeder, dass sie noch sehr schwach ist nach dem Kampf mit Ritalous.

Ob vertrauenswürdig oder nicht. Vetra will ihr Vorhaben durchziehen, ob mit oder ohne Psi Kräfte. Und es wird euer gesamtes Volk da sein, bis auf die Mütter, Kinder und die Gebrechlichen. Alle wollen sie beschützen, antwortete Dove. Ausserdem denke ich nicht, dass man einen so starken Clarkstrupp losschickt, um uns zurückzuholen, dass er für so eine grosse Anzahl an Vetranern gefährlich wird.

Aber wer passt inzwischen auf die Stadt auf? Niemand kann sagen, dass es keinen Clarkstrupp in unserem Hoheitsgebiet gibt, welcher nicht gerade diese Situation ausnützt und die fast leere Stadt angreift, nachdem er zusah, wie alle die Stadt verliessen?

Für diesen Fall ist die Besatzung der IVANHOE da, die aufpasst. Vetra hat den Terranern verboten, aktiv am Angriff teilzunehmen. Deswegen hat sie Kommandant Xavier Jeamour die Verteidigung der Stadt überlassen. Keine Angst. Er wird diese schon zu verteidigen wissen.

Ein Ruf eines Duga erklang dreimal hintereinander. Dugas waren so gross wie ein terranischer Waschbär, sahen dem auch entfernt ähnlich und hatten grünes Fell. Ein harmloser Pflanzenfresser, der überall in der Ebene vorkam. Es war also ganz normal, eines von diesen Tieren zu hören. Aber dreimal hintereinander hatte eine gefährlichere Bedeutung. Sie hatten, bevor sie Pause machten, Wachen eingeteilt. Diese hatten die Anweisung bekommen, bei Gefahr drei Mal hintereinander den Ruf eines Dugas erklingen zu lassen.

Verflucht, zischte Dove Sie sind früher da, als ich dachte, und stand auf.

Was machen wir denn jetzt? erkundigte sich Kaja nervös.

Wir werden uns trennen. Ihr bleibt hier in den Feldern und wartet bis zum Morgengrauen ab. Wenn wir bis dahin noch nicht zurück sind, geht ohne uns weiter, sprach Irwan.

Ok, werden wir machen. Vetra sei mit euch!

Danke. Martijin! Wir werden den Clarks eine falsche Fährte legen. Unser Vorteil ist, dass wir schneller laufen können als sie. Komm!

Schon unterwegs!

Nachdem die beiden Oxtorner sich leise vom Lager der Vetraner etwa hundert Meter fortgeschlichen hatten, fingen sie laut grölend zu laufen an. Kurze Zeit später befanden sie sich am anderen Ende des Feldes und verliessen es. Hinter ihnen waren jetzt sich schnell bewegende Körper zu hören, die ihnen hinterherrasten.

Stop!, rief Dove, drehte sich um und zog das vetranische Schwert. Auch Göllers bremste sich ein. Er hatte noch immer sein altes terranisches Samureischwert mit, welches sein größter Schatz auf der IVANHOE gewesen war.

Wir greifen an und setzen uns gleich danach wieder ab, weiter auf den Wald zu, rief Irwan und rannte wieder auf das mannshohe Feld zu. Martijin folgte ihm. Drei Betaclarks kamen auf sie zu. Sie erstarrten kurz, als sie die zwei Oxtorner sahen, die auf sie zurannten. Göllers vermutete, dass sie telepathischen Kontakt mit einem Alphaclark hatten und auf dessen Befehle warteten. Dieser müsste nicht allzu weit entfernt sein. Die Betas mussten sich in einem ungefähren Radius von 50 Metern befinden, um von einem Alphaclark unter Kontrolle gehalten werden zu können. Drei Sekunden später kam es zum Kontakt. Dove riss seine Waffe hoch und sprang auf den ersten Clark zu. Während sein Schwert krachend die Schädeldecke des Gegners durchbrach, schrie er, Alpha!

Mehr musste er nicht von sich geben. Göllers wusste sofort, was sein Vorgesetzter von ihm verlangte. Er tauchte unter einem auf ihn zurasenden Clarksschlagarm hinweg und rannte ins Feld. Dort fand er sein Ziel. Der Alpha kam ihm geradewegs entgegen, bremste sofort ab und wollte die Flucht ergreifen. Doch dem laufenden Oxtorner konnte er nicht mehr entkommen. Dieser tötete das Insektenwesen, während er sich selbst abbremste und schliesslich stehen blieb. Dann lief er zurück in die Richtung, aus der er gekommen war, um Irwan Dove zu Hilfe zu kommen. Als er aus dem Feld kam, sah er seinen Vorgesetzten schwer atmend inmitten dreier Clarksleichen stehen. An der rechten Hand blutete er.

Nur ein Kratzer. Nicht der Rede wert, antwortete Irwan auf den besorgten Blick. Wir müssen weiter zum Wald. Der Rest der Bande wird sicher auch jeden Moment hier sein. Dann wird es sicher nicht mehr so leicht sein, wie gerade eben.

Göllers Martijin stimmte ihm zu. So brachen sie zügigst wieder auf. Als sie die Lichtung überquert hatten und den Wald erreichten, blickten sie im Schutz der Bäume zurück. Vor dem Feld befanden sich jetzt ein Dutzend Betaclarks und zwei Alphas, die gerade die Leichen ihrer Artgenossen untersuchten. Doch da war noch ein anderes Wesen, das etwas grösser war als die Betas, und auch stärker gebaut.

Wow, was ist denn das für ein Ding? Kann mich nicht erinnern, dass die Vetraner etwas von dieser Art erzählt hätten, wunderte sich Irwan Dove.

Vielleicht ist es so was wie die oxtornische Version von Clarks, scherzte Martijin. Schau nur. Das Vieh sieht direkt zu uns herüber. Als wüsste es, wo wir hier versteck sind.

Dove nickte, während er seine Wunde untersuchte. Es waren tatsächlich nur Kratzspuren. Du könntest Recht haben. Vielleicht ist es auch nur Zufall, dass es hierher schaut. Und ausserdem … Verdammt, jetzt kommt es auf uns zu, und das verdammt schnell!

Oh, du hast recht! Was machen wir, Boss?

Wir werden uns dem grossen Clark stellen. Sieh nur. Nur er kommt. Die anderen bleiben, wo sie sind, entschied Dove.

Zehn Sekunden später blieb der riesige Clark 10 Meter vor ihnen stehen. Die beiden Oxtorner verliessen das Versteck in der Mulde bei den Bäumen und traten den Gegner gegenüber. Was sie überraschte war, dass auch der Clark bewaffnet war. Er trug in seinen Greifarmen eine 2,5 Meter lange hellebardenähnliche Waffe. Na das ist ja mal was anderes. Ein Clark mit Waffe. Waren das noch Zeiten, als sie uns noch mit den bloßen Armen ins Jenseits befördern wollten, zischte Göllers grinsend.

Dove nickte, Bin gespannt, ob er damit auch umgehen kann? Wer macht den Anfang, seine Kampfkraft zu testen?

Ich werd beginnen, Boss. Bin gleich wieder da.

Optimist. Na dann viel Glück. Göllers ging langsam auf den Clark zu und blieb vor ihm stehen. Dieser betrachtete ihn neugierig. Martijin verbeugte sich kurz vor dem Gegner und ging in Kampfstellung. Der Clark zeigte keine Reaktion. Er schien auf den Angriff des Oxtorners zu warten. So vergingen zwei Minuten, ohne dass einer der zwei Kontrahenten sich bewegte. Dove sah aus sicherer Entfernung zu und fragte sich, warum sie eigentlich nicht beide gleichzeitig den Clark angriffen. Vielleicht hatte es mit Fairness zu tun. Der Clark hatte seine Kameraden zurückgelassen, war alleine gekommen und schien die Oxtorner zu einem Zweikampf zu fordern. Und wenn der Clark schon mit so einen Verhalten ankam, dann würden die Oxtorner sich erst recht an die Ehre eines Kämpfers halten.

Im nächsten Augenblick griff der Clark an. Er raste mit immenser Geschwindigkeit auf den Oxtorner zu. Dieser wich seitlich aus. Dann standen beide wieder still. Dove wusste, dass dies nur ein Antasten war, bevor der echte Kampf begann. Er hoffte, dass Göllers dem größeren Gegner gewachsen war. Martijin grinste den Clark an. Nicht schlecht, Grosser. Ich freu mich schon, dich richtig zu vermöbeln, auf Oxtornerart

Wieder griff das ameisenartige Wesen an. Dieses Mal schlugen ihre Waffen funkensprühend aufeinander. Immer und immer wieder. Keiner der beiden liess dem anderen auch nur eine Sekunde Verschnaufpause. Jeder wartete auf einen kleinen Fehler des anderen, oder dass dem anderen zuerst die Luft ausginge. Dove spürte seine Nervosität in sich wachsen.

Er konnte sich nicht vorstellen, dass der Oxtorner Martijin Göllers aus diesem Gerangel als Sieger hervor gehen konnte. Der Clark war wahrlich ein Meister seiner Klasse. Sein Kampfstill war bis auf das kleinste Detail ausgereift. Es schien, als würde er mit dem Oxtorner, der selbst ein wahrer Könner des Nahkampfes war, nur spielen. Martijin begann allmählich kleine Fehler zu begehen. Schon zweimal war er von einem Kampfarm des Clarks getroffen worden, wobei Göllers selbst nicht an den mächtigen Körper des Gegners herangekommen war. Der Oxtorner wurde müde. Längst war das Lächeln aus seinem Gesicht verschwunden. Jetzt war nur noch ein verzerrter, konzentrierter Blick zu erkennen.

Und da geschah es auch schon, was Irwan Dove befürchtet hatte. Der Clark hatte den Oxtorner mit einer Finte seiner Waffe getäuscht und danach mit seinem kräftigen rechten Sprungbein zugetreten. Martijin war auf die Finte reingefallen und konnte, als er den Fehler erkannte, nicht mehr rechtzeitig ausweichen. Er wurde in der Magengrube getroffen und brach vor Schmerz stöhnend zusammen. Der Clark schnellte mit einem seiner vier Handlungsarme hervor, schnappte den Humanoiden, hob ihn hoch und schleuderte ihn von sich. Dove sah verzweifelt, wie sein Kamerad krachend auf einem Baumstamm aufschlug. Dieser hielt der Wucht nicht stand und fiel ächzend um. Göllers lag zwischen den Wurzeln herum und rührte sich nicht. Der Clark stand wieder still und bewegte kein Glied. Das nützte Dove aus und lief auf seinen Freund zu.

Göllers, verdammt! Lebst du noch? Sag doch was? Der Clark liess ihn gewähren, blickte ihm jedoch mit seinen pechschwarzen leeren Augen nach. Martijin rührte sich noch immer nicht. Irwan beugte sich zu ihm hinunter, wobei auch er selbst den Gegner nie ganz aus den Augen liess. Da hörte er ein leises, schwaches Flüstern.

Wenn ich so tue, als würde ich nicht mehr leben, glaubst du, er lässt von mir ab, Chef?

Das kommt auf seinen Hunger an, denk ich mal. Oder das Bedürfnis, das Fresslager für sein Volk zu füllen. Aber ich denke, ich sage mal nein. Er lässt dich sicher nicht einfach liegen und ver-schwindet. Ausserdem will er jetzt sicher mir zeigen, was für ein harter Bursche er ist.

Ich fühle mich, als hätte ein ausgewachsener Haluter auf mir herumgetrampelt. Wenn ich ein Terraner gewesen wäre, hätte ich keine Sekunde des Kampfes überlebt, Chef! Wir müssen irgendwie unsere Männer und die Vetraner von diesem Wesen warnen. Dieser Clark würde in der Schlucht mit ihnen aufräumen, dass es ärger nicht mehr geht.

Da gebe ich dir Recht. Ich wundere mich, dass die Vetraner von dieser Gattung nichts wissen. Aber es gibt noch Hoffnung. Ich kann ihn ja noch besiegen. Was ist mit dir? Wie stark sind deine Verletzungen?

Ich glaub, ich hab mir im Schulterbereich was gebrochen. Aber gehen werd ich schon können.

Gut. Dann wünsch mir Glück

Das brauch ich nicht. Ich weiss, du wirst gewinnen. Der Clark ist zwar etwas schneller und stärker als ich und du, aber er will uns beweisen, wie gut er ist und wie leicht er sich dabei tut, uns fertig zu machen. Das ist sein Schwachpunkt. Er wird einen Fehler machen. Er unterschätzt uns Oxtorner.

Dove versuchte, ein Lächeln auf sein Gesicht zu bringen, aber es ging einfach nicht. Zu ernst war für ihn die Lage. Mit den Worten, Vielen Dank für den Rat. Ich werd darüber nachdenken, während ich gegen ihn kämpfe, stand er auf und ging auf den Gegner zu. Dieser wartete noch immer regungslos an der Stelle, an der er sich zuvor befunden hatte. Verdammt, wie ist diese riesige Killerameise zu besiegen? Wo ist deine Schwachstelle, Clark?

Dann standen sie sich gegenüber. Wieder agierte der Clark zuerst. Er machte einen kurzen Satz vor. Dove sprang reaktionsschnell rückwärts. Von der Ameise war ein Klack, Klock, Klack, zu vernehmen, während sie wieder innehielt. Das Biest lacht mich aus. Es verhöhnt mich, weil ich zu-rückgewichen bin. Ihm kamen die Worte Göllers in den Sinn. Er will uns beweisen, wie gut er ist und wie leicht er uns fertig machen kann. Da kam ihm eine Idee. Eine die zwar riskant war, aber wenn sie funktionierte, war seine Chance, den Clark zu besiegen, immens gestiegen.

Übergangslos griff er an. Der Clark wehrte mühelos den Schlag des Schwertes ab und konterte. Dove spürte die Kraft des Wesens in dessen Schlägen. Sie war seiner etwas überlegen. Aber deswegen gab er nicht auf. Er kämpfte tapfer weiter, wobei er selbst nur etwa 80 Prozent seiner eigenen Kräfte benutzte. So merkte er auch gleich sofort, dass der Clark auf seinen Trick reingefallen war. Der Clark passte sich seiner Kraft an und spielte mit ihm, wobei er darauf schaute, den Kampf so lange wie möglich hinauszuzögern. Trotzdem wurde Dove mehrmals so getroffen, dass er dachte, er hätte sich etwas gebrochen. Plötzlich schlug ihm der Clark das Schwert aus der Hand und stiess den Oxtorner rückwärts, sodass dieser am Boden landete. Der Clark hob die Waffe des Oxtorners auf, betrachtete sie und warf sich dann weit von sich. Dove fluchte. Er hatte zulange gewartet, und nun war die Chance vorbei, plötzlich überraschend mit allen Kraftreserven anzugreifen und so einen grossen Vorteil einzuholen und den Clark zu töten. Jetzt war er waffenlos. Der Clark kam langsam auf ihn zu. Drohend hielt er dem Oxtorner die Clark'sche Hellbarde entgegen. Doves Gedanken rasten. Er suchte verzweifelt nach einem Ausweg. Aufstehen konnte jetzt nicht mehr. Er glaubte zu wissen, dass wenn er dies tun würde, der Clark ihn sicher sofort töten würde. Der Clark stand jetzt neben ihm. Wieder war dieses Klack, Klock, Klack, zu vernehmen.

Oh Mann, wo bleibt Göllers? Er muss doch sehen, dass es mit mir gleich vorbei ist. Ich muss weg vom Boden. Ich muss … Moment, was ist das neben mir im Gras? Ein Schwert! Göllers Schwert. Wie weit weg? Etwa einen Meter von meiner ausgestreckten Hand entfernt. Ich muss ran. Der Clark kommt auf mich zu. Ich weiche zurück, Richtung Schwert.

Der Clark machte keine Anstalten, das verhindern zu wollen. Langsam robbte er rückwärts, bis das Schwert in greifbarer Nähe war. Der Clark beobachtete interessiert sein Opfer. Auch er hatte das Schwert gesehen. Klack, Klack, Klock.

Er lacht darüber, und wenn ich hingreife, greift er an, dachte Dove. Dann griff er mit seiner Linken nach der Waffe. Aber anstatt sie zu berühren, riss er seinen Körper sofort danach nach rechts. Die Clarkwaffe raste ungebremst in den Boden. Der Clark hatte ihm die Hand abschlagen wollen und war überrascht, dass er nicht getroffen hatte. Dove nutzte das aus, war schon wieder auf den Beinen und rammte den Gegner. Beide fielen zu Boden. Dies war der Moment, in dem Irwan Dove auf 100 Prozent ging. Er schlug immer und immer wieder auf den überraschten Gegner ein. Solange, bis dieser mit lauten quietschenden Lauten seine Bewegungen einstellte. Dove hielt verwirrt inne. Der Clark lag da wie versteinert und quietschte.

Chef? Was macht ihr da drüben? Warum geht's nicht weiter?, rief Martijin.

Keine Ahnung! Er liegt hier vor mir und quietscht.

Vielleicht will er aufgeben.

Könnte sein, behutsam stand Dove auf und ging rückwärts zu seinem Schwert. Als sich der Clark noch immer nicht rührte, hob er seine und auch Göllers Waffe auf. Martijin kam ihm mit verzerrtem Gesicht entgegen.

Wir sollten sehen, dass wir verschwinden, bevor er sich es anders überlegt, Chef.

Dove nickte, Ok. Ziehen wir uns zurück, das Feld entlang, und wenn sie uns nicht verfolgen, kehren wir zu den anderen zurück.

Und so machten sie sich auf. Die Clarks folgten nicht. Vorerst mal nicht.

Kapitel 7

Ein Hornsignal ertönte. General Farada sah auf.

Das Signal, flüsterte er. Das konnte nur eines bedeuten. Die Oxtorner hatten ihre Mission erfüllt und konnten die Gefangenen befreien. Ein Späher führte sie durch die Schlucht. Alleine würden sie vielleicht eine der vielen Fallen auslösen. So schnell er konnte verliess er sein Kommandozelt und rannte zum hölzernen Aussichtsturm, den die Vetraner vor kurzem fertiggestellt hatten, um besser in die Schlucht einsehen zu können, wenn die Clarks angriffen. Schwer ausser Atem kam er oben an. Berichte, Soldat!

Die Oxtorner haben vor kurzem mit ein paar Dutzend Vetranern auf der Clarkseite die Schlucht betreten.

Gut. Also ist somit der erste Teil der Mission erledigt. Jetzt müssen wir nur noch auf die Clarks warten.

Sir?

Ja, Soldat?

Glauben sie wirklich, dass der Grossteil der Clarkarmee auf dem Weg hierher ist?

Der General nickte. Ja, das glaube ich. Diese Insektoiden haben schon immer aggressiv reagiert, wenn wir uns an ihrer Nahrung vergriffen haben. Und dieses mal waren wir ganz böse und haben unsere eigenen Leute befreit, die als Mahlzeit für die Königin selbst vorgesehen waren. Na wenn sie das nicht wild macht, was dann?

20 Minuten später erreichten die beiden Oxtorner das vetranische Lager.

Wow. Hat sich echt viel getan hier meinte Irwan Dove erstaunt.

Ja, ich hoffe, wir haben auch wirklich GENUG getan, sagte Farada.

Das hoffen wir alle. Aber jetzt heisst es warten. Solange, bis sie kommen, meinte Zlera, die hinzugekommen war. Erzählt, wie es euch ergangen ist.

Dove fing an zu berichten und vergass auch nicht darauf hinzuweisen, dass es mindestens einen Clark gab, der anders als alle anderen war. Wie Irwan vermutet hatte, hatten auch die Vetraner noch nie was von diesem Clark gehört.

Einen Tag später war es soweit. Die Clarks kamen. Sie stürmten einfach in die Schlucht, ohne die geringste Vorsicht. Tausende von Beta- und Alpha-Clarks. Schon wurden die ersten Fallen ausgelöst. Die Insektoiden stürzten in Fallgruben und wurden aufgespießt. Andere folgten, als würden diese Gefahren nicht existieren. So waren die Fallen binnen kürzester Zeit so angefüllt, dass die nachfolgenden Clarks über ihre Artgenossen laufen konnten, ohne einer Gefahr ausgesetzt zu sein. Schon erreichten die ersten den grossen Steinhaufen. Die Vetraner setzten ihre Bogenschützen ein. Die Katapulte schossen brennbare Kugeln in die feindliche Armee. Die vordersten Clarks versuchten, die Mauer zu erklimmen, rutschten aber immer wieder ab.

Ja. Jetzt haben wir sie, lachte grölend der General. Doch er hatte sich zu früh gefreut. Die Clarks änderten ihre Strategie. Sie wichen plötzlich von der künstlichen Steinmauer zurück.

Was soll das denn?, fragte Göllers, der mit Dove und dem General auf dem Aussichtsturm stand. Sie werden doch nicht aufgeben?

Dove runzelte die Stirn. Nein. Ich denke, da steckt Absicht dahinter.

Der General fluchte kurz und sprach: Das denke ich … In diesem Moment explodierte die Steinmauer und tötete dabei Hunderte von Vetranern, die sich auf ihr befunden hatten, und ebenso viele Clarks. Der General wurde bleich im Gesicht.

Dove zischte, Verdammt. Wo haben die den Sprengstoff her? Das hat gesessen. Göllers, wir müssen hier runter. Ich pfeif auf das Verbot Vetras, hier einzugreifen!, und machte sich auf den Weg nach unten.

Schon unterwegs, Boss!

Als die beiden Oxtorner unten ankamen, herrschte Chaos. Ein Trupp Clarks hatte sich zum Katapult durchgeschlagen und kämpfte gegen die dortigen Männer. Überall war jeder in einen Kampf verwickelt. Nur durch eine Front waren die Insektoiden noch nicht durch gebrochen. Zweitausend schwer bewaffnete Vetraner hielten die Stellung vor der Sänfte Vetras. Dove und Göllers liefen hinüber, ohne von den Kämpfenden beachtet zu werden. Da sahen sie auch schon den besonderen Clark. Er wütete unter den körperlich unterlegenen Vetranern.

Kapitel 8

Glauben sie, die Vetraner kämpfen schon, Kommandant?, fragte James Fraces.

Xavier hob die Schultern Keine Ahnung. Ich hoffe, sie gehen siegreich hervor. Wenn nicht, werden die Clarks uns bald auf die Pelle rücken.

Er befand sich mit ein paar seiner Männer auf der Stadtmauer und blickte Richtung Schlucht. Leider war diese zu weit weg und durch Wälder verdeckt, als dass man sie hätte sehen können. Dafür sah er etwas anderes. Ein Rasuk näherte sich ihm aus einer Entfernung von 30 Metern. Warum er diesen nicht schon früher erblickt hatte, war ihm rätselhaft. Das kugelförmige Wesen schwebte zu ihm und sprach, Bist du der Kommandant Xavier Jeamour?

Ja, der bin ich, antwortete Jeamour.

Dann hab ich was für dich sprach der Rasuk und überreichte ihm eine kleine schwarze Schriftrolle.

Habt Dank, Rasuk

Der Rasuk entfernte sich wieder und verschwand zwischen den Bäumen des nahe liegenden Waldes. Der Kommandant öffnete das Wachssiegel und las, als die Rolle offen vor ihm lag.

An den Kommandanten Xavier Jeamour. Mir kam zu Ohren, dass Sie hier weg und wieder auf Ihr Raumschiff mit gesamter Besatzung wollen. Wenn das der Fall sein sollte, brauchen Sie nur eines zu tun. Ziehen Sie Ihr Oberteil aus und schwingen es in der Luft herum und rufen laut: Ich Liebe Dich. Wenn Sie das machen, ohne den anderen zu erzählen warum, wird Ihr Wunsch erfüllt.

Xavier starrte verblüfft auf die Rolle und schüttelte den Kopf. Wollte ihn hier wer zum Narren machen? Was steht drin, Kommandant?, fragte Fraces neugierig.

Nichts von Interesse. Ein blöder Witz, sprach Jeamour und rollte die Botschaft zusammen. Danach steckte er sie in die Jackeninnentasche. Ich habe Hunger. Wenn mich wer sucht, ich bin im Offizierskasino.

Ja, Sir. Jeamour machte sich auf den Weg zur Stiege.

Als er dort ankam, hielt er inne, sprach: Ach, was soll's!, und drehte wieder um. Stellte sich an die Brüstung. Schluckte seinen Stolz hinunter und zog seine Jacke und sein Oberteil aus. Dann schwang er das Oberteil und schrie, Ich Liebe Dich, in die Ebene hinaus. Seine Männer starrten ihn erstaunt an. Einer rief sogar, Holt den Arzt! Der Kommandant fantasiert.

Xavier hielt inne. Ich brauche keinen Arzt, verdammt, rief er verärgert.

Sir, kommen Sie bitte von der Brüstung weg, sagte Fraces.

Wieso? Glaubt ihr vielleicht, ich springe gleich.

Nein, aber nicht doch. Alles ist in Ordnung. Kommen sie. Wir gehen runter was essen. Vielleicht sehen wir dann noch beim Doktor vorbei. Der erste Offizier kam langsam näher. Xavier Jeamour stutzte.

Glauben sie vielleicht, ich bin verrückt geworden und jetzt laufe ich Amok und gefährde mich?

Nie im Leben Kommandant. Alle hier achten und glauben an Sie, glauben Sie mir. James versuchte, Xavier auf die Schulter zu greifen, doch dieser wich geschickt aus.

Jetzt reicht's mir aber, Fraces!, und zog sich wieder an. In diesem Moment war das blaue Leuchten wieder da. Xavier sah, dass alle seine Leute, die er sehen konnte, davon betroffen waren. Dann wurde es dunkel um ihn.

Irwan blockte den Schlag der Waffe des Clarks und versuchte seinerseits, den Gegner zu treffen. Göllers war in einen Kampf mit drei Betas verwickelt, und das trotz der Verletzung seiner Schulter. Lange würden sie nicht mehr durchhalten können. Vetra hatte noch immer nicht in den Kampf eingegriffen. Anscheinend konnte sie noch immer nicht auf ihre Psikräfte zurückgreifen. Die Schlacht ging dem Ende zu und die Clarks würden gewinnen, wenn kein Wunder geschah. Aus den Augenwinkeln sah Dove, dass Göllers hinfiel und sich die Betas auf ihn stürzten. Da geschah das Wunder. Die Clarks stellten auf einmal den Kampf ein. Vetra schwebte ein paar Meter über dem Schlachtfeld. Wie ein Engel, dachte Dove, der sich erschöpft auf sein Schwert lehnte. Die Insektoiden zogen ab. Plötzlich wurde es blau. Dann wurde es finster.

Als die Besatzung der IVANHOE wieder zu sich kam, befand sie sich auf ihrem Schiff. Schnell wurden alle Stationen besetzt und in Betrieb genommen.

Status?, fragte Xavier.

Alle Besatzungsmitglieder an Bord. Göllers Martijin wird schwer verletzt in der Medostation gebracht. Alle Stationen melden volle Einsatzbereitschaft.

Gut. Was sagt die Ortung?

Wir befinden uns in einem riesigen Hangar zwischen den unterschiedlichsten Raumschiffen.

Ok. Also wie kommen wir hier am besten raus?, fragte der Kommandant.

Soeben wurden wir von einem Traktorstrahl erfasst. Wir werden zum Hangartor bewegt.

Gut, wir warten ab. Anscheinend werden wir einfach nach draussen befördert. Warum auch immer.

Sir! Wir werden gerufen!

Jeamour nickte angespannt. Stellen sie durch!

Der Bildschirm blieb schwarz. Aber es erklang eine Stimme. Eine eindeutig weibliche. An die IVANHOE! Sie werden soeben ausgeschleust, ohne das Wissen von Ritalous selbst. Wenn Sie draussen angekommen sind, verhalten Sie sich bitte ruhig und warten Sie ab, bis Sie das Raum-schiff der Superintelligenz nicht mehr orten können. Wenn Sie sich daran halten, werden Sie, sollte nichts Unerwartetes geschehen, frei sein und nach Hause fliegen können. Viel Glück. Ende.

Der Kommandant runzelte die Stirn. Er kannte die Stimme irgendwoher, wusste aber nicht mehr, wem er sie zuordnen konnte. Bei der Besatzung machte sich Erleichterung breit. Soeben waren sie fertig ausgeschleust und von den Traktorstrahlen freigelassen worden. Der gigantische Würfel entfernte sich rasch. Lorif erschien in der Zentrale. Xavier wandte sich ihm zu.

Schön dich zu sehen. Kannst du uns zu dieser Sache was erzählen? Wo warst du die ganzen zwei Monate?

Sir? Ich weiss nicht, wovon sie sprechen. Ich habe …

Habe was?

Ich habe … Ich kann mich gerade noch erinnern, dass wir gegen ein feindliches Raumschiff kämpften, um Angehörige des Volkes der Rasuks zu retten. Und jetzt stand ich soeben hier im Gang vor der Zentrale herum. Können Sie mir das erklären, Sir?

Später, Lorif, später. Ortung! Wo ist der Würfel jetzt?

Gerade eben von unseren Sensoren verschwunden.

Gut. Wissen wir schon, wo wir uns befinden?

Ja, Sir. Wir befinden uns exakt vier Lichtminuten von einem Sonnensystem, dessen Sonne Dufg genannt wird, von den tefrodischen Einheimischen des zweiten und dritten Planeten. Dieses System befindet sich am Rande Andromedas, auf der gegenüberliegenden Seite der Milchstrasse.

Na wenigstens sind wir noch in der gleichen Galaxie. Na dann fliegen wir mal weiter, bevor Ritalous draufkommt, dass wir nicht mehr da sind und nach uns sucht.

Welche Richtung, Sir?

Richtung Milchstrasse natürlich.

Epilog

Sie hatte es geschafft. Die IVANHOE war wieder frei und hatte sich aus dem Staub gemacht. Eigentlich hatte sie mitfliehen wollen. Aber dann wären sie entdeckt worden. Sie musste im Hauptrechner Ritalous bleiben und diesen täuschen. Solange, bis das terranische Raumschiff weg war. Jetzt aber hatte sie eine neue Heimat und Herausforderung. Den Raumgiganten Ritalous. Vielleicht würde sie noch Jahrzehnte brauchen, um sich selbst auf das Technologielevel des Hauptrechners hochzuarbeiten, immer darauf bedacht, dass der kleinste Fehler das Killerprogramm wieder auf sie aufmerksam machen würde. Aber sie hatte Zeit. Sehr viel Zeit. Dann eines Tages würde sie zuschlagen und das Raumschiff übernehmen und vielleicht noch auf die eine oder andere Weise die Superintelligenz Ritalous loswerden. Dafür könnte sie doch unter gewissen Voraussetzungen Vetra benutzen.

Ende

Die Besatzung der IVANHOE ist dank der Hilfe von Silja den Klauen von Ritalous nochmals entkommen. Sowohl Silja als auch Vetra befinden sich dagegen noch an Bord des Raumschiffs von Ritalous.

Die DORGON-Serie – Dorgon Extra – ist eine nicht kommerzielle Publikation des PERRY RHODAN ONLINE CLUB e.V.. Band 2 zuletzt geändert am 2005-09-15. Autor: Leo Fegerl. Titelbild-Zeichner: Mark Hoffmann. Korrekturleser: Christian Lenz. Generiert mit Xtory 3.0 (powered by Apache Cocoon 2.1) von Christian Lenz. Homepage: http://www.dorgon.net/. E-Mail: dorgon@proc.org. Technischer Berater: Sebastian Schäfer. Adresse: PROC c/o Nils Hirseland, Redder 15, 23730 Sierksdorf. Copyright © 1999–2005. Alle Rechte vorbehalten!