Jens HirselandPERRY RHODAN ONLINE CLUB (PROC) HomepageHeft 78
DORGON - Die Fan-Serie des Perry Rhodan Online Clubs

Aufstand der Bestien

Die Bestien aus M 87 revoltieren – sie wollen ihre Freiheit

Was bisher geschah

Im Jahre 1298 NGZ ist die Galaxis Cartwheel als neue Heimat zahlreicher Pilger von fünfzig verschiedenen Völkern anerkannt. Mit all ihren Kräften wollen sie auf Anraten der friedlichen Entität DORGON ein Bollwerk gegen die Armeen der finsteren Entität MODROR und seiner schrecklichen Söhne des Chaos errichten, die seit 1291 NGZ mit verschiedenen Mitteln ihrer schier endlosen Macht aus noch unklaren Gründen den Galaktikern den Krieg erklärt haben.

Jenseits von diesen Ereignissen hat die Archäologin Denise Joorn ein altes Geheimnis der Geschichte der Menschheit gelöst. Ohne die Gefährlichkeit zu erahnen, wird sie Zeugin der Auferstehung des Gottes Osiris, der zusammen mit seinen Gefährten zu einer Bedrohung der Erde wird.

In Cartwheel überschlagen sich nach der Linguskrise die Ereignisse. Die Freiheitsbestrebungen der Pelewon und Moogh eskalieren und es kommt zum AUFSTAND DER BESTIEN …

Hauptpersonen

Torsor – Der oberste Pelewon sagt sich von den Konstrukteuren des Zentrums los.

Carjul – Der rachsüchtige Okefenokee in der Zwickmühle

Nataly Jargon – Die Nichte des Chronisten ist wieder im Brennpunkt

Jonathan Andrews – Er geht für Nataly durch die Hölle

Jan Scorbit, Gucky, Jeanne Blanc, Wulf Lane und Brad Callos – Das Team von Agenten und Mutanten operiert auf der Welt der Bestien

Prolog. 5. Oktober 1298 NGZ

Die gespannte Situation in Cartwheel hatte sich wieder etwas beruhigt, nachdem der Marquese den Lingus-Konflikt mit den Arkoniden friedlich beilegen konnte.

Die Öffentlichkeit schrieb ihm auch diesen Erfolg auf die Fahnen, was seine Popularität noch einmal gesteigert hatte. Nun gab es nicht wenige, die sogar forderten, er solle den Posten des Generalsekretärs Sruel Allok Mok als Kanzler von Cartwheel einnehmen. Doch solcherlei Ansinnen wies der Marquese als unseriös klar zurück und betonte, dass Sam der Richtige für dieses Amt sei.

So kehrte nun bei der Bevölkerung die Hoffnung ein, dass jetzt endlich wieder eine friedliche Zeit vor ihnen liegen würde. Keiner ahnte, dass schon bald neue Unruhen vor der Insel lagen.

Aus den Chroniken Cartwheels, Jaaron Jargon

1. Besuch auf Pelewon

Nataly und Jonathan hatten einige glückliche Tage auf Mankind miteinander verbracht und waren einander noch näher gekommen. Doch auch die schönste Zeit ging einmal zu ende und die beiden packten ihre Koffer, da neue Aufgaben auf sie warteten, die sie in verschiedene Richtungen führten.

Jonathan musste wieder zu seiner Einheit zurück, da neue Übungen anstanden.

Nataly sollte für die Insel-Chronik Meinungsumfragen auf verschiedenen Planeten durchführen. Ihre erste Station war der Planet Pelewon, die Hauptwelt der Mooghs und Pelewons, die von den Okefenokees und ihren assimillierten Völkern als »Bestien« bezeichnet wurden. Jonathan war davon nicht sonderlich erbaut, was Nataly nicht verborgen blieb.

Andrews zuckte mit den Schultern.

»Ach, nichts. Ich bin nur besorgt über deine Reise nach Pelewon. Nach dem ›Abenteuerurlaub‹ auf Lingus solltest du lieber irgendwo hin fahren, wo es ruhiger ist.«

Nataly lachte. »Vielleicht in ein Pflegeheim? Aber nur, wenn du mitkommst.«

»Ich meinte es nur gut«, sagte Jonathan leicht beleidigt.

Nataly umarmte ihn und gab ihm einen Kuss. »Das weiß ich. Aber es ist nunmal meine Arbeit und ich tue sie gern. Ich glaube nicht, dass ich auf Pelewon in irgendeiner Weise gefährdet bin. Torsor, der Anführer der Pelewons, war sehr erfreut über mein Kommen und will mich persönlich empfangen. Ich denke, deine Einsätze sind bestimmt aufregender.«

»Wahrscheinlich hast du recht«, gab sich Jonathan wieder versöhnlich.

»Ich hoffe nur, es dauert nicht zu lange, bis wir uns wiedersehen, Nataly.«

»Das hoffe ich auch.«

Früh am nächsten Morgen flog Nataly nach Pelewon. Nataly wusste, dass es starke Spannungen zwischen den Bewohnern des Planeten und den Okefenokees gegeben hatte, da diese den Pelewon und Moogh die geforderte Unabhängigkeit verweigerten.

Vor Jahrzehntausenden waren die Bestien als Krieger in M 87 hergestellt worden, um damalige Feinde zu besiegen, doch die künstlich erzeugten Wesen wendeten sich gegen ihre Schöpfer und überzogen M 87 mit Krieg und Terror, bis sie von den Konstrukteuren des Zentrums vernichtend geschlagen wurden. Ein Teil wanderte aus, und aus dessen Nachfahren wurden später die Uleb und die Haluter. Der Rest versteckte sich, und als es Perry Rhodan und die Terraner nach M 87 verschlug, gab es erneut Krieg, der in einer weiteren Niederlage der Pelewon und Moogh endete und sogar zur Ausrottung der gefürchteten Uleb führte.

Trotz aller Bemühungen war es den Konstrukteuren des Zentrums nicht gelungen, die Bestien auszurotten. Schließlich wuchsen neue Generationen auf beiden Seiten heran. Man begann sich allmählich friedlich zu einigen. Die Pelewon wollten zur Völkergemeinschaft von M 87 gehören oder zumindest in Frieden leben.

Doch das tiefe Misstrauen und die Furcht der Okefenokees und ihrer Hilfsvölker vor den Bestien blieb. Sie mussten sich den KdZ unterwerfen und bedingungslose Treue schwören, nur dann würde man sie verschonen und in Frieden leben lassen. Den Pelewon war nichts anderes übrig geblieben als einzulenken.

Im Laufe der Jahrhunderte baute sich das Misstrauen etwas ab. Diese friedliche Politik ändert sich jedoch, als bekannt wurde, dass einige Mooghs und Pelewon sich in einem unbekannten System versteckt gehalten hatten. Diese noch eingeschlechtlichen Wesen waren direkte Bestien und konnten sich schwer integrieren. Die Mooghs zetteln immer wieder Aufstände an.

Im Jahre 1212 NGZ kam es dann zu einem Angriff von Pelewon und Mooghs auf einen Planeten mit Dumfries, wobei auch zwei Okefenokees starben. Aus Rache ließ der hohe Admiral Carjul ein Strafbatallion zusammenstellen, die Yanok in Schutt und Asche legten. Über 80 Millionen Pelewon fanden bei diesem Massaker den Tod.

Die Okefenokees waren zuerst selbst über diese Untat entsetzt, jedoch die Angst vor der Wiederauferstehung der Bestien war zu groß. Carjul schwang sich zu einem der obersten KdZ auf und setzte alles daran, die Rechte der Bestien zu beschneiden. Die Pelewon wurden in ihr Reich eingepfercht, ihre Raumschiffe weggenommen und jegliche moderne Technik wurde ihnen mit dem Tode verboten.

Die Unzufriedenheit unter den Bestien wuchs, insbesondere, da die zweigeschlechtlichen Pelewons nichts für den Überfall ihrer Artgenossen konnten. Daher war der Hass auf die Dumfries und Okefenokees besonders groß, denn die 80 Millionen Pelewons starben für nichts. Trotzdem entbrannten Kriege zwischen den Bestien und den Pelewon. Die alten Bestien versuchten sich zu klonen, was ihnen jedoch nicht gelang.

Nur ein Prototyp wurde entworfen. Der 5,50 Meter große Torsor. Torsor war hochintelligent und einigte das Volk. Er schürte den Hass zu den KdZ und ihren Hilfsvölkern.

Langsam bauten sie Widerstand auf und beginnen sich zu klonen, da die KdZ strenge Auflagen, was die Fortpflanzung anging, auferlegt hatten. Die »normalen« Pelewons befanden sich in tiefer Melancholie und Trauer, da sie nun Ausgestoßene waren, doch Torsor gibt ihnen Mut.

So herrschte strikte Geburtenkontrolle. Die Pelewon und Moogh durften nur 2000 ihrer Art pro Jahr neu gebären. Als nun der Ruf von DORGON kam, waren viele Pelewon und Moogh voller Hoffnung nach Cartwheel gekommen, hier nun endlich als gleichberechtigte Partner der Völkerfamilie, unabhängig leben zu können. Doch während allen anderen Völkern Unabhängigkeit von ihren Heimatgalaxien zuteil wurde, verweigerte Carjul, der oberste Okefenokee und Statthalter der KdZ in Cartwheel, den Giganten die Autarkie. Auf den Planeten Pelewon und Mooghan wurden Garnisonen der Dumfries stationiert, die die Bestien überwachen sollten.

Trotz aller diplomatischen Interventionen von Politikern wie Perry Rhodan oder Sruel Allok Mok, gab sich Carjul stur und lehnte jede Verhandlung über einen unabhängigen Staat der Bestien ab, womit diese sich natürlich nicht zufrieden geben wollten. Immerhin wurde ihnen innenpolitische Autarkie unter der Führung Torsors eingeräumt. Außenpolitisch durften die Bestien, denen auch keine schweren Waffen gestattet wurden, nichts ohne Zustimmung der Okefenokees entscheiden.

Nataly seufzte. Das war eine verfahrene Situation. Sie war gespannt auf das Treffen mit Torsor und was dieser zu all dem zu sagen hatte.

Als ihr Schiff gelandet war, wurde sie von einer Eskorte freundlich begrüßt und zum Haus Torsors gebracht, das gleichzeitig Regierungssitz war. Etwas unheimlich war Nataly schon inmitten der vier bis fünf Meter großen Giganten zumute, doch sie ließ sich nichts anmerken.

Schließlich wurde sie zu Torsor geführt. Nataly hatte recherchiert, dass Torsor sowohl pelewonische als auch mooghische Gene in sich trug. Seine Struktur ähnelt der eines Ulebs; er war relativ unsterblich, konnte aber keine Wesen »übernehmen«, wie die Uleb gekonnt hatten. Er war der einzige dieser Art, da die Retortenfabrik aus der er stammte, zerstört worden war. Torsor hatte es geschafft, die Völker der Bestien zu einigen und war ihr unumstrittener Führer. Nataly hatte Torsor schon oft im Trivid gesehen, doch in Natura wirkte er noch gewaltiger. Er war über fünf Meter groß und seine Augen sahen sie kalt an.

Nataly versuchte sich locker zu geben.

»Guten Tag«, grüßte sie freundlich, obwohl ihr beim Anblick des Giganten schon etwas unbehaglich zumute war.

»Ich grüße Sie, Nataly Jargon. Willkommen auf Pelewon. Es ist gut, dass Sie gekommen sind. Leider haben wir nicht oft humanoide Gäste«, begrüßte Torsor die Halblinguidin freundlich, was Nataly erleichtert zur Kenntnis nahm.

»Auch ich freue mich hier zu sein«, sagte sie zu Torsor. »Bei meinen Studien darf Ihr Volk natürlich nicht fehlen und ich hoffe einiges über die Gefühle ihres Volkes zu erfahren.«

»Das werden Sie. Ich bin sicher, Sie sind hungrig nach der langen Reise. Ich habe ein Mahl für Sie richten lassen. Bitte folgen Sie mir!«

»Ich danke Ihnen für ihre Gastfreundschaft.«

Nataly war angenehm überrascht von der kultivierten Art Torsors. Insgeheim hatte sie befürchtet, die Pelewon würden sich wie die Dscherro benehmen. Doch bislang ging alles tadellos und gesittet vonstatten.

Torsor führte sie in einen Saal, in dem ein für menschliche Bedürfnisse hergerichteter Tisch stand. Darauf befand sich ein Buffet mit linguidischen und terranischen Speisen. Torsor nahm im riesigen Sessel gegenüber von Nataly, die sich ihr Essen auftat, Platz.

»Ich hoffe, man hat ihren Geschmack getroffen«, erkundigte sich Torsor freundlich.

»Oh ja, ganz und gar. Ich bin angenehm überrascht«, versicherte Nataly.

»Sie haben wahrscheinlich keine Kultur von den Bestien erwartet«, meinte der Pelewon.

Nun war Nataly verlegen. Sie war sich tatsächlich nicht sicher gewesen, was sie hier erwartete.

»Das macht nichts, Miss Jargon«, fuhr Torsor fort. »Wir sind froh, dass Sie hier sind, um über uns zu berichten. Die Völker der Insel sollen sehen, dass nicht wir die Barbaren sind, sondern die Konstrukteure des Zentrums, die uns unser Recht auf Selbstbestimmung verweigern.«

»Ihr Volk hat die Sympathie des Rates. Alle sind dafür, dass die Pelewon und Moogh unabhängig werden«, erklärte Nataly.

»Das haben wir mit Freude zur Kenntnis genommen. Aber Carjul interessiert das alles nicht. Er hasst uns und will, dass wir Sklaven der KdZ bleiben. Alle unsere Bitten und Angebote hat er ausgeschlagen, ebenso wie die diplomatischen Interventionen des Paxus-Rates. Für alles, was nun geschieht trägt er die Verantwortung. Carjul ist ein unverantwortlicher Aggressor.«

Nataly bemerkte Torsors Erbitterung. Aber er hatte nicht Unrecht. Carjul, der Statthalter der KdZ, hatte alle Versuche für eine befriedigende Lösung für beide Seiten, verworfen. Sie hoffte, dass die Situation nicht eskalierte. Vielleicht unterschätzte man im Rat das Freiheitsbedürfnis der Pelewon. Gleich nach ihrer Rückkehr wollte sie mit Sam darüber sprechen.

»Ich hoffe für Sie und ihr Volk, dass sich ihre Hoffnungen doch noch erfüllen«, sagte sie zu dem Pelewon.

»Das werden sie. Sie werden sehen, Nataly Jargon. Es ist gut, dass Sie gekommen sind, denn Sie werden Zeugin eines historischen Ereignisses werden.«

Die nächsten zwei Tage verliefen ruhig für Nataly. Sie konnte sich frei bewegen und sprach mit mehreren Pelewon. Dabei erfuhr sie, dass sich die Pelewon als Sklaven der KdZ fühlten und entschlossen waren, dies unter allen Umständen zu ändern.

Hinzu kam die Besatzung der Dumfries auf den Planeten der Bestien, die die Bestien als Provokation empfanden. Nataly bekam ein ungutes Gefühl. Es wurde immer offensichtlicher, dass sich hier ein neuer Konfliktherd auf der Insel anbahnte. Es handelte sich hierbei um den klassischen Konflikt zweier Völker, in dem das eine das andere unterdrückte und nicht bereit war seine Vorrechte aufzugeben was unweigerlich zu Gewalt führte.

Müde ging Nataly zurück in ihr Zimmer, das mit allem Komfort für sie hergerichtet worden war. Auch eine Trividanlage mit allen terranischen Programmen befand sich dort.

Die Halblinguidin schalte zunächst SAT.2 ein. Dort lief gerade »Schwera am Nachmittag«, eine Talkshow, die von einer Überschweren moderiert wurde. Heute war das Thema »Ich hatte Sex mit einer Superintelligenz«. Dabei keiften sich gerade zwei , nicht gerade mit Schönheit gesegnete, Frauen lautstark an und überhäuften sich unter tosendem Applaus des Publikums mit Kraftausdrücken.

Nataly seufzte und schaltete lieber den Nachrichtenkanal INSELNET ein, um das neueste aus der Heimat zu erfahren. Sie stutzte, als sie den Inhalt der laufenden Sendung »Inselnet Spezial« sah.

»… haben mehrere bewaffnete Mooghs heute morgen die Kontrollstation der Dumfries auf Mooghan gestürmt«, behauptete der Reporter. »Es gab mehrere Tote und Verletzte. Teile der Station stehen in Flammen. Mehrere Patrouillien der Dumfries wurden angegriffen und sollen getötet worden sein. Bis zur Stunde lagen noch offiziellen Verlautbarungen zu den Unruhen vor.«

Nataly erschrak. Dass die Situation so schnell eskalierte, hatte sie nicht gedacht. Plötzlich wurde das Zimmer durch eine Detonation erschüttert. Nataly rannte auf den Balkon und sah eine Rauchwolke am Stadtrand aufsteigen. Dort lag die Station der Dumfries auf Pelewon. Energiesalven waren zu hören. Nun wurde also auch Pelewon gekämpft und sie saß wieder mitten im Schlamassel. Nataly fluchte. Hätte sie bloß auf Jonathan gehört.

Ein Pelewon betrat das Zimmer und kam auf sie zu.

»Nataly Jargon, ich soll sie zu Torsor bringen«, erklärte der Riese.

»Ich komme sofort«, willigte sie ein. Widerstand wäre gegen einen vier Meter großen Pelewon ohnehin sinnlos gewesen.

Der Bote führte Nataly in Torsors Regierungsgebäude, wo sie vom Anführer der Pelewon bereits ungeduldig erwartet wurde.

»Gut, dass Sie kommen, Nataly Jargon.«

»Was ist passiert?«, fragte sie, obwohl sie es bereits ahnte.

»Die Revolution hat begonnen«, verkündete Torsor voller Stolz. »Der Freiheitskampf der Pelewon und Moogh gegen die terroristische Unterdrückung der Konstrukteure des Zentrums und ihrer Handlanger.«

»Krieg ist keine gute Lösung.«

»Krieg ist die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln, hat einmal ein Terraner gesagt. Wir haben es mehrmals auf diplomatischen Weg versucht, aber Carjul und seine Schergen haben uns nur ausgelacht. Jetzt zahlen sie den Preis für ihren Hochmut. Ich kann die Knechtschaft meines Volkes nicht mehr länger dulden. Wir werden siegen oder untergehen. Auf keinen Fall bleiben wir die Sklaven der KdZ.«

Torsor hatte sich immer mehr in Rage geredet. Als er bemerkte, dass Nataly ängstlich vor ihm zurückwich, beruhigte er sich wieder.

»Sie haben nichts zu befürchten, Nataly Jargon. Ich habe Sie hierher gebeten, damit Sie der Galaxis von unserem Freiheitskampf berichten. Ich bitte Sie, mit mir ein Interview zu führen, das per Live-Schaltung von INSELNET in ganz Cartwheel übertragen wird. Alle technischen Voraussetzungen sind bereits geschaffen. Ich will den Völkern Cartwheels unser Anliegen vortragen, damit sie unseren Kampf verstehen.«

Nataly war nicht sonderlich begeistert davon, zum Spielball der Politik gemacht zu werden. Aber sie wollte hier wieder heil herauskommen, daher willigte sie ein.

»Ich bin einverstanden. Wann fangen wir an?«

»Am besten gleich. Wir haben keine Zeit zu verlieren«, ordnete Torsor an.

Die beiden begaben sich in ein vorbereitetes Studio und setzten sich.

»Wann gehen wir auf Sendung?«, fragte Nataly den Aufnahmeleiter.

»Sobald der Werbeblock vorbei ist, in etwa drei Minuten.«

»Warum hat sich ihr Volk heute gegen die Dumfries erhoben?«

»Weil sie unsere Unterdrücker sind. Wir haben versucht, friedlich mit ihnen zu leben, doch sie haben nur Hass und Verachtung für uns übrig. Sie verweigern uns unsere grundliegensten Rechte. Alle diplomatischen Versuche sind gescheitert. Wir danken den Paxus-Rat für seine Bemühungen. Schuld an der Situation ist allein Carjul. Er und seine Handlanger unterdrücken unser Volk mit Terror. Die Moogh und die Pelewon sind keine Bestien mehr, aber sie sind starke Völker, die kämpfen können. Wir sind aber auch keine Terroristen,die rücksichtslos alles zerstören, wir sind Freiheitskämpfer.«

»Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihrem Vorgehen?«

»Wir werden solange kämpfen, bis die Okefenokees und Dumfries unsere Welten verlassen haben.«

»Würden Sie eine erneute diplomatische Offensive des Paxus-Rats begrüßen?«

»Das würde ich. Allerdings nur, wenn wir damit unserem Ziel, der Freiheit, näher kommen. Da gibt es keinen Kompromiss.«

Das Interview wurde überall in Cartwheel ausgestrahlt und sorgte für große Unruhe. Vielen wurde klar, dass hier ein neuer Konflikt entstanden war, der die Insel in Atem halten würde.

Manche hofften, dass auch dieser Konflikt letztendlich friedlich beigelegt werden konnte. Doch es dauerte nicht lange, da erhielt diese Hoffnung einen gewaltigen Dämpfer. Carjul, der Statthalter der Konstrukteuere des Zentrums, meldete sich zu Wort. Seine Rede wurde ebenfalls von INSELNET ausgestrahlt.

»An alle Völker von Cartwheel. Heute morgen wurden unsere Kontrollposten auf Mooghan und Pelewon Ziel von feigen terroristischen Angriffen der Bestien. Die Bestien wollen nur eins: Die Zerstörung jeder Kultur, die ihnen fremd ist. Sie kennen nur Gewalt und Zerstörung. So waren sie immer und so werden sie immer sein, bis sie endlich ausgerottet werden.

Ich, in meiner Autorität als Statthalter der Konstrukteure des Zentrums von M 87, werde den Terroristen mit aller Macht und Härte entgegentreten. Ich erkläre hiermit Torsor zum Staatsfeind Nr. 1 und werde seine Terrororganisation mit militärischen Mittel zerschlagen. Dies geschieht zum Wohl aller Völker Cartwheels.

Denn wenn die Bestien siegen, werden sie über ganz Cartwheel herfallen, um es zu versklaven. Ich fordere daher alle zivilisierten Völker auf eine Anti-Bestien Allianz mit uns zu bilden. Doch auch so sind die KdZ in der Lage Cartwheel vor den Bestien zu schützen. Alle verfügbaren Streitkräfte von Okefenokees und Dumfries sind gefechtsbereit. Außerdem haben wir, in weiser Voraussicht, dass dieser Fall eines Tages eintreten könnte, Verstärkung aus M 87 angefordert und erhalten. Darunter Anti-Terror Einheiten der Skoars. Diese Flotte wird umgehend nach Pelewon und Mooghan in Marsch gesetzt, um die Ordnung wiederherzustellen.«

Damit beendete Carjul seine Rede. Im Paxus-Rat war man überrascht, da man nicht von der Ankunft neuer Truppen und Sondereinheiten wie die Skoars unterrichtet worden war.

Während sich nun die gewaltige Flotte der KdZ in Bewegung setzte, wurde auf Pelewon und Mooghan weiter heftig gekämpft. Dabei gewannen die Bestien immer mehr an Boden. Die Kontrollstation auf Mooghan war gefallen und auch auf Pelewon wurden die Dumfries zurückgedrängt. Allerdings waren die Dumfries mit je hunderttausend Mann Garnisonsstärke zahlenmäßig weit überlegen, und die Bestien waren die besseren Kämpfer und erbeuteten immer mehr Waffen. Dann jedoch traf die Flotte der KdZ über Pelewon und Mooghan ein und die Galaxis hielt wieder einmal den Atem an.

Auf Quinto hielten Vertreter der nUSO und des TLD eine Konferenz über die neue Lage ab.

Joak Cascal, Will Dean, Rosan Orbanashol-Nordment und Jan Scorbit hatten sich zusammengefunden.

Rosan klinkte sich immer mehr in die nUSO ein. Sie brauchte eine Beschäftigung, um nicht jede Sekunde an ihren verstorbenen Ehemann Wyll denken zu müssen. Der Gedanke seines Todes machte sie immer noch wahnsinnig. Sie hatten so viele Abenteuer erlebt und überlebt. Nun war er einfach tot und sie wusste nicht einmal, wer sein Mörder war und warum er sterben musste.

»Soeben wurde gemeldet, dass der Kontakt nach Pelewon und Mooghan abgebrochen ist«, berichtete Scorbit, der Leiter der nUSO.

»Die KdZ stören den Hyperkomverkehr«, schloss Will Dean.

»Also werden sie in Kürze angreifen«, meinte Cascal.

Jan Scorbit schluckte.

»Jetzt muss ich erstmal einen zur Brust nehmen«, sagte er und goss sich einen Vurguzz ein.

Rosan musterte ihn mit einen strengen Blick.

»Auch einen?«, fragte er Cascal und Dean, die aber ablehnten.

»Auch gut. Bleibt mehr für mich«, meinte Scorbit und kippte den Vurguzz in einem Atemzug hinunter.

Cascal verdrehte die Augen. Er zündete sich lieber eine Zigarette an. So hatte jeder seine Laster, dachte er. Doch schnell konzentrierte er sich wieder auf die gefährliche Situation.

»Man muss doch irgendetwas unternehmen können«, meinte Will Dean.

Cascal stimmte zu. »Ja, wir schicken das Insel-Mutantenkorps zusammen mit einer Einheit der USO nach Pelewon. Sie sollen terranische und andere Staatsbürger evakuieren. Notfalls sollen sie Torsor vor den KdZ retten. Wenn er stirbt, droht das totale Chaos. Außerdem sollen sie das Vorgehen der Okefenokees beobachten. Wenn sie Terror-Methoden anwenden, sollten wir dagegen vorgehen.«

2. Krieg in Cartwheel

Unterdessen hatte der Paxus-Rat eine Sondersitzung einberufen, zu der auch Carjul erschien, um zu den Vorkommnissen Stellung zu nehmen. Der Marquese richtete das Wort an den Statthalter.

»Verehrter Statthalter Carjul, im Namen des Paxus-Rates verurteilen wir die Gewalt auf beiden Seiten und fordern sofortigen Waffenstillstand, um an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Damit diese Verhandlungen auch Erfolg haben, fordert der Paxus-Rat Okefenok auf, den Pelewon und Moogh endlich die ersehnte Unabhängigkeit zu gewähren, damit endlich wieder Frieden auf der Insel einkehrt.«

Kaum hatte der Marquese zuende gesprochen, erhob sich der Gesandte der Okefenokees abrupt.

»Marquese, das kann doch nicht Ihr Ernst sein? Diese scheußlichen Bestien haben schon immer Unheil angerichtet. Man darf ihnen nicht trauen! Sie haben den Rat und die Medien mit ihrer vorgetäuschten Friedenstaktik eingelullt. Doch das ist nur Täuschung! Bei den Terranern gibt es die Redewendung vom Wolf im Schafspelz. Genau das trifft in diesem Fall zu. Doch mit ihrem hinterhältigen Terrorakt auf unsere Ordnungsmacht haben sie ihr wahres Gesicht gezeigt. Sie wollen die Macht über ganz Cartwheel erlangen, um uns alle zu vernichten oder zu versklaven, wie sie es schon immer getan haben!

Doch wir werden nicht weichen und nicht wanken, um das Universums vor dieser Gefahr zu schützen. Dabei werden wir mit aller Härte vorgehen. Und wenn die Völker Cartwheels uns nicht helfen wollen, so ist das ihre Sache. Aber ich warne Sie! Kommen Sie uns nicht in die Quere! Wenn es sein muss, werden wir gegen ganz Cartwheel kämpfen!

Bevor sie uns vernichten, rotten wir sie alle aus!«, schloss der Statthalter, der sich immer mehr und mehr in Rage geredet hatte.

Nor'Citel alias Leticron erhob sich von seinem Sitz. »Das ist empörend! So etwas geht gegen jedes zivilisierte Recht!«

»Ich stimme Nor'Citel zu. Ich und der Marquese haben bewiesen, dass man mit gutem Willen einen Konflikt lösen kann, wenn man an das Wohl der Völker denkt«, stellte sich Uwan Jenmuhs, der die Lingus-Krise ausgelöst hatte, scheinheilig auf die Seite des Überschweren.

»Ich kann auch nichts bestialisches daran finden, wenn ein Volk für seine Freiheit kämpft«, fuhr Leticron fort.

Nun erhob sich auch Sam. »Meine Herren! Ich bitte Sie um Mäßigung. Ich denke, wir stimmen alle überein, dass dieser entsetzliche Konflikt so schnell wie möglich beendet werden muss. Ich schlage daher vor, dass wir – wie im Fall Lingus – eine Delegation des Rates nach Pelewon entsenden, um mit Autonomieführer Torsor über einen Waffenstillstand zu verhandeln. Wenn beide Seiten sich aufeinander zu bewegen, sollte eine friedliche Lösung möglich sein.«

Carjul stapfte wütend mit dem rechten Bein auf. »Nein, nein! Das ist inakzeptabel! Die KdZ verhandeln nicht mit Terroristen! Torsor ist der Drahtzieher des bestialischen Terrorismus. Wir werden ihn isolieren und notfalls beseitigen! Sie scheinen zu vergessen, dass er diesen Krieg begonnen hat und nicht wir! Im übrigen betrachten wir das Geschehen als rein innenpolitische Angelegenheit von Okefenok. Die Planeten Pelewon und Mooghan werden zu militärischem Sperrgebiet erklärt. Allen Ausländern ist der Zutritt ab sofort untersagt. Die Okefenokees dulden keine Einmischung in interne Angelegenheiten.«

Carjul verließ seinen Platz und begab sich zum Ausgang. Dort angekommen, wandte er sich noch einmal den ratlosen Ratsmitgliedern zu.

»Eines Tages werden Sie uns für unsere Härte noch dankbar sein«, meinte der Okefenokee und verließ den Saal.

»Das ist einfach skandalös!«, regte sich der Marquese auf.

»Wir müssen jetzt kühlen Kopf bewahren«, ermahnte ihn Sam. Der Somer sah sich in der Runde um. »Hat jemand Vorschläge?«

»Angesichts der dramatischen Umstände schlage ich vor, die Flotten in Alarmbereitschaft zu versetzen und einige Einheiten zu Beobachtung ins Monol-System zu schicken«, regte Cauthon Despair an. »Im übrigen sollten Maßnahmen zur Evakuierung Nataly Jargons und anderer ausländischer Staatsbürger, die sich noch dort befinden, getroffen werden.«

»TLD und Neue USO sind bereits in dieser Hinsicht tätig«, erklärte Joak Cascal.

Sam nickte zustimmend. »Gut, ich bin damit einverstanden. Wir müssen aber äußerst vorsichtig vorgehen. Die Hysterie der Okefenokees hinsichtlich der Bestien kann sehr gefährlich werden.«

Mit finsterem Blick fügte der Somer hinzu:

»Ich hoffe nur, dass sie nicht die beiden Planeten vernichten.«

Während die Politiker debattierten, spitzte sich die Situation auf den beiden Planeten Pelewon und Mooghan weiter zu. Die Bestien, die insgeheim Waffenlager angelegt hatten, gewannen allmählich die Oberhand und begannen, die Dumfries immer weiter zurück zu drängen.

Schließlich ordnete Carjul den Rückzug an. Die Einheiten der Dumfries zogen sich von den Planeten zurück. Die Mooghs und Pelewons schienen zu triumphieren.

Doch die Flotte der KdZ sammelte sich nur zu einem neuen Angriff. Inzwischen hatte Carjul sämtliche verfügbaren Schiffe um die beiden Planeten zusammengezogen und eine Blockade gebildet. Einzelne Schiffe der Mooghs und Pelewons, die den Versuch unternahmen die Planeten zu verlassen oder anzufliegen, wurden ohne Vorwarnung abgeschossen. Dann ließ Carjul Jäger und Bomber ausschwärmen, die die Planeten unter Beschuss nahmen.

3. Kommandounternehmen

Voller Sorge beobachtete Jonathan Andrews die Lage. Es war nicht zu fassen! Schon wieder ein militärischer Konflikt und wieder saß Nataly mitten drin. Am liebsten wäre er sofort aufgebrochen, um Nataly herauszuholen. Deshalb ging er zu Oberst Goss, um ihn um Urlaub zu bitten. Der Oberst erwartete Jonathan in seinem Büro.

»Ah, Andrews! Schön, dass Sie kommen. Ich wollte Sie ohnehin rufen lassen«, begrüßte er dem jungen Offizier.

Andrews salutierte. »Sir, ich bitte um Sonderurlaub.«

Goss schüttelte unwillig den Kopf. »Das ist leider unmöglich. Durch die neue politische Lage im Monol-System steht ein neuer Einsatz bevor. Die IVANHOE, die einen Sondereinsatz von TLD und Neuer USO unterstützt, hat sie und Lt. Commander Scorbit mit Ihrem AIRBLADE angefordert. Sie haben sich unverzüglich zur IVANHOE zu begeben.«

»Nimmt die IVANHOE aktiv an dem Einsatz teil?«, wollte Andrews wissen.

»Nicht direkt. Die IVANHOE wartet in sicherer Entfernung am Rande des Monol-Systems. Eine Space-Jet der Neuen USO, die BALTON WYT, wird das Sondereinsatzkommando nach Pelewon bringen.«

Andrews fasste einen Entschluss. »Dann bitte ich darum, dabei sein zu dürfen, Sir. Nataly Jargon, die mir sehr viel bedeutet, befindet sich auf Pelewon. Ich würde gerne bei ihr sein.«

Goss seufzte. »Ich würde jetzt auch gerne gemütlich zu Hause sitzen und bei meiner Frau sein. Aber meine Befehle lauten anders. Genauso wie Ihre Befehl anders lauten, Lt. Commander Andrews. Sie sind jetzt ein Offizier. Das bedeutet, dass Sie auch mehr Verantwortung haben. Sie müssen ein Vorbild für Ihre Untergebenen sein und ein zuverlässiger Untergebener für Ihre Vorgesetzten.«

»Aber, Sir, ich …«, setzte Jonathan an, doch Goss unterbrach ihn barsch.

»Genug jetzt, Andrews! Wir alle müssen im Dienst unser Privatleben zurückstellen. Sie haben Ihre Befehle! Sie und Lt. Commander Scorbit begeben sich unverzüglich zum Raumhafen. Die Unterredung ist damit beendet!«

Jonathan wusste, dass es keinen Zweck mehr hatte, mit dem Oberst zu debattieren. Er salutierte und verließ wortlos den Raum. Anschließend begab er sich zu seinem Freund Remus und berichtete ihm von der Situation.

»Dumme Lage, Jonathan«, meinte Remus. »Aber immerhin sind wir indirekt am Einsatz beteiligt. Vielleicht werden wir auch noch für den Notfall benötigt. Außerdem bin ich sicher, dass Gucky und das Einsatzkommando alles tun werden, um Nataly herauszuholen.«

Jonathan blieb skeptisch. »Das ist nicht dasselbe. Ich habe einfach das miese Gefühl, dass ihr etwas passieren könnte.«

Remus klopfte Andrews auf die Schulter. »Da ist verständlich. Aber es wird schon alles gut gehen. Wir sollten jetzt zum Raumhafen aufbrechen.«

Jonathan nickte, aber er war nicht überzeugt.

Kurze Zeit später begaben sich die beiden zum Raumhafen. Die IVANHOE befand sich bereits im Orbit und wartete nur noch auf die Ankunft des AIRBLADE, der auf dem Landefeld stand. Daneben wurde die BALTON WYT, mit der das Einsatzkommando aufbrechen sollte, startklar gemacht. Andrews steuerte seinen Gleiter zwischen die beiden Schiffe und sah sich um. Er entdeckte Gucky, der auf die Space-Jet zuwatschelte. Als er den Gleiter geparkt hatte, stieg er aus.

»Wo willst du hin, Jonathan? Zum AIRBLADE geht es in die andere Richtung«, erinnerte ihn Remus.

»Ich fliege mit der BALTON WYT. Mach's gut, Remus«, erklärte Andrews seinem entgeisterterten Freund.

»Wie bitte? Bist du total übergeschnappt?«

Jonathan Andrews ließ Remus stehen und rannte hinüber zur BALTON WYT und rief nach Gucky, der gerade in die Space-Jet steigen wollte.

Der Mausbiber wurde auch gleich auf den jungen Offizier aufmerksam und sah ihn überrascht an.

»Hallo, Jonathan! Willst du mir alles Gute wünschen? Das ist nett von dir. Auch ein Retter des Universums kann gelegentlich Zuspruch gebrauchen«

Andrews grinste verlegen und kratzte sich am Kopf. »Äh, nicht direkt. Ich wollte euch vielmehr tatkräftig unterstützen.«

Gucky sah ihn verwundert an. »Hat Cascal die Befehle geändert? Ich dachte, du und Remus sollen den AIRBLADE zur IVANHOE bringen und dort die weitere Lage abwarten.«

»Ich handle auf eigene Verantwortung. Nataly ist auf Pelewon und sitzt mitten drin im Schlamassel. Ich muss sie herausholen. Bitte nimm mich mit, Gucky!«, flehte Jonathan.

Gucky schüttelte den Kopf. »Dass ihr Menschen immer Amok laufen müsst, wenn ihr verliebt seid. Das ist eine eurer Schwächen. Die andere ist, dass ihr es mit den Vorschriften sehr genau nehmt. Da du vorhast, gegen deine Befehle zu verstoßen, könnte dich das deine Karriere kosten. Die Terraner sind in solchen Dingen recht humorlos.«

»Das ist mir egal. Ich habe darüber nachgedacht. Nataly ist mir wichtiger als meine militärische Laufbahn. Wenn ihr etwas zustößt, ohne dass ich wenigstens den Versuch gemacht habe, sie zu retten, könnte ich mir das mein Leben lang nicht verzeihen.«

Gucky sah Andrews fest an. »Du bist wohl fest entschlossen, wie?«

Jonathan nickte. »Ja. Ich will mit euch kommen.«

Der Ilt seufzte. »Naja, ich bin ja auch mal jung und ungestüm gewesen und habe ebenfalls gegen sämtliche Vorschriften verstoßen. Also gut, ich nehme dich mit und lege später ein gutes Wort für dich ein. Ob es was nützt, weiß ich allerdings nicht.«

Andrews strahlte über das ganze Gesicht. »Ich danke dir, Gucky! Das werde ich dir nie vergessen. Ich hole nur rasch meine Ausrüstung und sage Remus Bescheid.«

»Hoffentlich ist die Tussi das wert«, unkte Gucky.

Doch Andrews hörte ihn nicht mehr. Er war wieder zum AIRBLADE gerannt und packte dort rasch einige Sachen zusammen.

»Was machst du denn?«, fragte ihn Remus ungehalten.

»Ich fliege mit der BALTON WYT. Gucky nimmt mich mit«, erklärte Andrews hastig.

»Du spinnst! Das ist doch total irre. Die schmeißen dich aus der Flotte, und das mit vollem Recht!«

»Ich werde selbst auf Pelewon nach Nataly suchen. Ich habe in den letzten Stunden festgestellt, dass sie mir wichtiger ist als alle andere«, verteidigte sich Jonathan.

Remus schüttelte seufzend den Kopf. »Dann bleibt mir nichts anderes übrig, als dir viel Glück zu wünschen.«

Die beiden schüttelten sich die Hände und verabschiedeten sich voneinander. Wenig später startete Remus mit dem AIRBLADE und Jonathan begab sich zur BALTON WYT. Gucky hatte die Mitglieder des Einsatzkommandos informiert, dass sie Verstärkung bekamen. Zur Besatzung zählte das Insel-Mutantenkorps das aus Gucky, Orlando de la Siniestro, Jeanne Blanc, Wulf Lane, Brad Callos sowie Jan Scorbit, der die Space-Jet steuerte, bestand.

»Willkommen an Bord der BALTON WYT, Jonathan«, begrüßte ihn der Leiter der Neuen USO. »Und keine Bange! Wenn sie dich feuern, kannst du bei der Neuen USO anfangen, vorausgesetzt wir kommen überhaupt lebend zurück«

»Sehr tröstlich«, erwiderte Jonathan.

Einige Minuten später startete die BALTON WYT und verließ den Orbit von Mankind.

»Wie sieht eigentlich euer Plan aus?«, fragte Andrews Gucky.

»Och, ganz einfach. Wir fliegen durch die Blockade, gehen runter zum Rats-Konsulat in Pelewon-City, holen dort die Mitarbeiter ab. Anschließend gehen zum Palast, fegen die Divisionen der Dumfries weg und holen Nataly und Torsor raus«, erklärte der Mausbiber allen Ernstes.

»Klingt gut«, meinte Andrews trocken.

»Wir haben einen tragbaren Transmitter dabei, den Gucky im Konsulat absetzt«, klärte Jan Scorbit auf. »Durch diesen evakuieren wir die Konsulatsmitarbeiter zur BALTON WYT

»Und natürlich auch Nataly Jargon«, fügte Gucky hinzu.

»Das klingt schon besser«, fand Jonathan.

»Wir erreichen das Monol-System. Die IVANHOE folgt uns in sicherem Abstand«, meldete Orly, der die Ortung übernommen hatte. »Ich habe außerdem eine Unmenge Schiffe im Orbit von Pelewon auf dem Schirm.«

»Es geht los. Macht euch bereit. Ich fliege so dicht wie möglich an Pelewon heran. Wir haben dann nicht viel Zeit«, sagte Jan Scorbit angespannt.

»Keine Sorge, ist ja nicht mein erster Einsatz«, gab sich Gucky zuversichtlich.

»Brad, du teleportierst mit Jeanne hinunter. Orly und Hank folgen, sobald wir den Transmitter in Betrieb genommen haben.«

Brad Callos nickte. »Okay, und was machst du?«

Der Mausbiber wandte sich Andrews zu. »Ich nehme dich mit, Johnny, dann kannst du den Transmitter tragen und montieren. Irgendwie musst du dich ja schließlich nützlich machen.«

»Geht klar«, entgegnete Andrews, der sich zwei Thermostrahler einsteckte.

»Fast wie John Wayne, der seine Braut vor den Indianern retten will«, meinte Gucky belustigt.

Andrews machte ein dummes Gesicht. »Wie wer?«

Gucky winkte ab. »Vergiss es.«

Die BALTON WYT tauchte aus dem Hyperraum. In einem waghalsigen Manöver steuerte Jan Scorbit das Schiff auf den Planeten zu.

»Macht euch bereit!«, rief Scorbit. »Ich kann nur kurze Zeit im Orbit bleiben, dann muss ich wieder verschwinden!«

Ringsherum tauchten mehere Kampfschiffe der Dumfries auf.

»Wer sind Sie? Identifzieren Sie sich!«, wurde Scorbit über Funk aufgefordert.

»Nicht schießen!«, antwortete Scorbit. »Wir sind ein terranisches Schiff und holen unser Konsulatspersonal ab. Wir haben keinerlei feindliche Absichten.«

»Sie haben keine Erlaubnis, den Planeten anzufliegen!«, kam es unfreundlich zurück. »Drehen Sie bei oder wir eröffnen das Feuer!«

»Jetzt, Gucky!«, rief Scorbit dem Mausbiber zu.

Gucky nahm Andrews, der den tragbaren Transmitter trug, bei der Hand und teleportierte mit ihm hinunter auf den Planeten. Danach folgte Brad Callos mit Jeanne Blanc.

Scorbit wendete die Space-Jet und setzte sich von den Dumfrie-Schiffen ab, blieb aber weit genug im Monol-System, um die Reichweite des Transmitters zu gewährleisten.

Der Kampf auf Pelewon hatte sich wieder zugunsten der Dumfries gewendet. Die starke Luftflotte bombardierte den ganzen Planeten. Die Pelewon hatten kaum schwere Waffen, mit denen sie dem sie den Angriff etwas entgegensetzen konnten. Die meisten Bestien hatten in den Schutzbunkern Zuflucht gesucht. Aber viele waren den Bombenangriffen zum Opfer gefallen.

Gucky und Jonathan Andrews rematerialisierten inmitten von Pelewon-City. Kaum waren sie angekommen, hörten sie eine gewaltige Explosion. Beide wurde von der Druckwelle zu Boden geworfen, blieben aber unverletzt und rappelten sich wieder auf.

»Da sind wir ja genau im richtigen Augenblick gekommen«, meckerte Gucky.

»Hoffentlich ist Nataly nichts passiert«, sagte Jonathan Andrews besorgt.

»Keine Bewegung!«, herrschte sie eine unfreundliche Stimme an.

Gucky und Andrews hoben die Hände und drehten sich um. Vor ihnen standen zwei schwer bewaffnete Skoars die mit ihren Strahlern auf sie zielten. Der Ilt hatte schon ewig lange keine Skoars mehr gesehen, aber er wusste noch, wie unangenehm diese werden konnten.

Die Skoars waren etwa zwei Meter groß und besaßen wie die Haluter und Pelewon vier Arme. Ihre dunkelbraune Haut war faltig und lederartig. Einst waren sie die Soldatenkaste von M 87, doch als sie degenerierten, wurden sie von dem Dumfries abgelöst. Nun aber schienen sie wieder im Geschäft zu sein.

»Ihr seid keine Bestien«, stellte der zweite Skoar geistreich fest. »Wer seid ihr?«

»Wir sind harmlose Touristen auf der Durchreise, die plötzlich in einen Krieg geraten sind«, erzählte Gucky.

»Ach so«, machte der zweite Skoar.

Doch sein Partner war etwas intelligenter. »Fall doch nicht auf so etwas rein! Wenn das Touristen sind, wieso tragen sie dann Waffen?«

Der andere Skoar machte einen ratlosen Eindruck. »Weiß ich nicht.«

»Weil sie Waffenschmuggler sind, du Narr! Sie unterstützen die Bestien.«

»Wir wussten gar nicht, dass die tapferen Skoars hier in Cartwheel sind«, versuchte Gucky mit den beiden ins Gespräch zu kommen. Er hoffte auf friedliche Weise mit den beiden klar zu kommen, denn er wollte Ärger mit den KdZ möglichst vermeiden. Darum verzichtete er zunächst auf den Einsatz seiner telekinetischen Kräfte.

»Wir sind ein Sondereinsatzkommando und verhaften euch hiermit. Zieht euch nackt aus und kniet nieder!«, befahl der tatkräftige Soldat.

Davon war Gucky nicht sonderlich begeistert. »Ich bin ja grundsätzlich zu jedem Scherz bereit, aber man kann es auch übertreiben. Ihr seid doch wohl nicht etwas pervers oder so?«

»Schweig! Ihr habt keine Rechte! Ihr seid Bestienfreunde!«

»Das stimmt doch gar nicht!«, rief Jonathan dazwischen

Der erste Skoar versetzte ihm und Gucky einen Hieb, sodass die beiden benommen zu Boden gingen.

»Elende Terroristen! Ich werde euch auf der Flucht erschießen!«, brüllte der Soldat und legte auf die beiden an.

Doch bevor er abdrücken konnte, wurde er plötzlich in die Höhe gehoben und gegen eine Häuserwand geschleudert, wo er benommen liegen blieb. Der zweite Skoar begann ziellos um sich zu schießen. Dann traf ihn ein Paralysestrahl aus nächster Nähe und betäubte ihn. Brad Callos trat hervor, steckte seinen Paralysator wieder ein und kümmerte sich um Gucky, während Jeanne Blanc sich um Jonathan Andrews bemühte. Schnell waren die beiden wieder auf den Beinen.

»Da sind wir ja gerade noch rechtzeitig gekommen«, meinte die Telekinetin Jeanne.

Gucky winkte großspurig ab.

»Dann ist es ja gut«, erwiderte Jeanne lächelnd.

»Ist der Transmitter okay?«, erkundigte sich Brad Callos bei Andrews.

»Ja, alles bestens.«

»Gut. Wir haben das Konsulat gefunden. Es ist liegt eine Straße weiter von hier. Wir sollten uns sofort auf den Weg machen.«

Gucky zögerte noch. »Merkt ihr was? Es hat aufgehört Bomben zu regnen.«

»Dann greifen sie wahrscheinlich in Kürze mit Bodentruppen an«, mahnte Jonathan. »Los, beeilen wir uns!«

Unverzüglich machte sich das Team auf den Weg zum Konsulat. Die Straßen, die sie durchquerten waren sichtlich von den Angriffen gezeichnet. Gucky konnte es nicht verstehen. Immer wieder begannen humanoide Wesen aus irgendeinem Grund verheerende Kriege, die immer wieder Tod und Zerstörung mit sich brachten. Und jedes mal, wenn wieder Frieden herrschte, schworen die Politiker, dass es nie wieder Krieg geben sollte. Doch wenn es darauf ankam, waren diese Friedensappelle schnell wieder vergessen.

Gucky bedauerte, dass nicht die Mausbiber über das Universum herrschten. Die Ilts hatten noch nie einen Krieg begonnen. Doch leider schien Gucky der Letzte seiner Art zu sein. Gucky seufzte. Das Sinnieren brachte nichts. Er musste sich auf seine Aufgabe konzentrieren, die auch so schwierig genug war.

Ohne größere Probleme erreichten sie die diplomatische Vertretung des Paxus-Rates. Dort wurden sie vom Leiter der diplomatischen Mission erleichtert begrüßt.

»Herzlich willkommen. Mein Name ist Thom Vessels, ich bin hier der Leiter. Wir hatten schon die Befürchtung hier nicht mehr raus zu kommen.«

»Keine Sorge, mein Lieber. Wir holen Sie und die anderen hier heraus. Wir haben einen speziellen Transmitter dabei, der Sie auf ein wartendes Schiff bringt.«

Vessels führte das Team ins Innere des Konsulats.

»Glücklicherweise blieb unser Gebäude von den Angriffen weitgehend verschont. Die Okefenokees scheinen unsere Neutralität zu respektieren«, meinte der Diplomat.

»Meine nicht«, murmelte Gucky und griff sich an Kopf. Bei den Angriff des Skoars hatte sich der Ilt eine Beule zugezogen.

Vessels führte die vier in einen großen Saal, in dem sich die meisten Mitarbeiter des Konsulats versammelt hatten.

»Wie viele Leute sind hier beschäftigt?«

»Insgesamt fünfzig Leute verschiedener Nationen«, erklärte Vessels. »Da einige Urlaub hatten, sind wir glücklicherweise nicht so viele.«

»Ist Nataly Jargon hier?«, erkundigte sich Jonathan Andrews unruhig.

Vessels verneinte. »Wir haben seit ihrem Interview mit Torsor keinen Kontakt mehr zu ihr. Ich fürchte, sie ist immer noch in seinem Palast.«

»Dann müssen wir sofort zu ihr!«, drängte Andrews.

»Langsam, Jungchen!«, ermahnte ihn Gucky. »Erstmal stellst du den Transmitter auf, damit wir mit der Evakuierung beginnen können.«

Andrews schluckte. »Ja, natürlich. Ich fange sofort an.«

»Gut, wenn alles geklappt hat, gehen wir zum Palast und holen Nataly und Torsor«, bestimmte der Mausbiber.

Andrews und Brad Callos begannen sofort mit dem Aufbau des Transmitters. Nach etwa einer Viertelstunde war er einsatzbereit. Gucky sendete einen Funknachricht an Jan Scorbit und teilte ihm mit, dass alles fertig war. Kurz darauf materialisierten Orly de la Siniestro und Wulf Lane im Konsulat.

»Das hat ja gut geklappt. Alles in Ordnung bei euch?«, erkundigte sich Orly.

»Ja, bis auf meinen Kopf«, gab Gucky zurück.

»Dann sollten wir sofort beginnen«, meinte Wulf Lane. »Scorbit kann sich die Dumfries nur noch kurze Zeit vom Leib halten. Außerdem haben wir beobachtet, dass die Dumfries mit der Landung von großen Truppeneinheiten begonnen haben.«

»Okay. Wulf, du kümmerst dich um die Evakuierung. Orly, du begleitest uns in Torsors Palast«, entschied Gucky.

»Endlich. Los kommt, beeilt euch!«, drängelte Andrews.

Gucky verdrehte die Augen. »Liebeskranke!«

Gucky und Brad Callos teleportierten mit Orly, Jonathan Andrews und Jeanne Blanc zum Regierungsgebäude. Aus der Ferne hörten sie Schüsse und Explosionen. Die Kämpfe waren wieder aufgeflammt.

»Das sind Bodenkämpfe«, meinte Jonathan beunruhigt. »Im Palast scheint gekämpft zu werden.«

Gucky sah zum Palast, der arg in Mitleidenschaft gezogen worden war. »Der Schutzschirm ist erloschen. Wir können hinein teleportieren.«

Der Mausbiber fasste Orly und Andrews an den Händen und teleportierte mit ihnen in den Palast. Brad Callos folgte mit Jeanne Blanc. Im Palast herrschte Chaos. Einheiten der Skoars waren eingedrungen und schossen wild um sich. Viele tote Skoars und Pelewons lagen in den Gängen. Die Bestien fügten den Skoars hohe Verluste zu, aber diese waren zahlenmäßig überlegen und setzten Spezialwaffen gegen die Pelewons ein.

»Wo kann nur Nataly sein?«, fragte Andrews.

Gucky konzentrierte sich und versuchte Nataly Jargon zu espern. »Ich habe sie. Sie ist bei Torsor. Kommt, ich bringe euch hin.«

Die vier teleportierten in Torsors Kommandozentrale.

»Jonathan! Gucky, ihr seid gekommen!«, freute sich Nataly und umarmte Andrews.

»Für Liebesszenen ist jetzt keine Zeit!«, rief Gucky. »Ich lese gerade die Gedanken von einigen Skoars, die sich mit Torsor in die Luft sprengen wollen!«

Kaum hatte der Ilt ausgesprochen, stürmten vier Skoars brüllend in die Zentrale und stürmten auf Torsor zu.

»Lassen Sie sie nicht an sich herankommen, Torsor!«, schrie Gucky. »Das sind Selbstmordattentäter!«

Torsor erschoss einen der Skoars. Gucky und Jeanne Blanc schleuderten die drei anderen telekinetisch aus dem Raum. Dort wurden sie von Torsors restlichen Leibwächtern angegriffen. Dabei entluden sich die Sprengsätze und töteten die Skoars mitsamt den Pelewons. Die Decke des Korridors stürzte ein und versperrte den Zugang zur Zentrale.

»Sie sitzen fest, Torsor. Ich schlage vor, Sie kommen mit uns damit wir Sie zum Paxus-Rat bringen. Dort können Sie vor den Ratsmitgliedern sprechen«, sagte Gucky zu Torsor.

»Nein, ich bleibe hier. Bei meinem Volk«, lehnte Torsor ab.

»Was wollen Sie denn hier noch ausrichten. Sie sitzen alleine in der Zentrale fest. Nur wenn Sie vor der Öffentlichkeit auf Ihr Problem aufmerksam machen, können Sie etwas für ihr Volk tun«, meinte Nataly.

Torsor überlegte kurz, dann stimmte er zu.

»Also gut. Ich begleite Sie nach Paxus. Ich hoffe, es gelingt dem Rat die Okefenokees zur Einsicht zu bringen. Sonst gibt es eine Katastrophe.«

»Sehr vernünftig«, meinte Gucky.

Kaum hatte Gucky ausgesprochen, wurde der Raum von einer heftigen Erschütterung durchzogen.

»Sie beschießen den Palast mit Artillerie«, vermutete Jonathan Andrews.

Gucky nahm Funkkontakt zu Wulf Lane auf. »Wulf, wie weit seid ihr?«

»Die Evakuierung ist abgeschlossen«, antwortete der Mutant. »Nur noch ich bin hier. Aber sie haben soeben begonnen, das Gebäude zu beschießen. Ich fürchte jeden Moment kommt die Decke runter.«

»Mach, dass du wegkommst, Wulf. Lasst den Transmitter aktiviert. Wir versuchen uns durchzuschlagen.«

»Okay, Ende.«

Gucky wandte sich wieder seinem Team zu. »Also los. Wir machen erstmal, dass wir hier rauskommen. Zuerst bringen wir das Team raus, dann komme ich nochmal und hole Torsor, weil er so ein extra großer Brocken ist. Dann schlagen wir uns wieder zum Konsulat durch.«

Über Pelewon wartete Carjuls Flaggschiff. Zufrieden beobachtete der Führer der Okefenokees die Vernichtung der pelwonischen Infrastruktur. Er war fest entschlossen, den Aufstand der Bestien im Keim und mit rücksichtsloser Härte zu ersticken. Leider war es noch nicht gelungen Torsor zu verhaften oder zu töten. Ein Offizier der Dumfries kam zu Carjul und salutierte vor ihm.

»Ja, Kommandant?«

»Wir haben zwei kleine terranische Schiffe geortet.«

»Lasst sie in Ruhe. Ich will keine diplomatischen Verwicklungen mit dem Paxus-Rat.«

»Außerdem haben wir die Strahlung eines aktiven Transmitters angemessen.«

»Wo?«

»Im Konsulat des Paxus-Rats.«

»Sicher evakuieren sie ihr Personal. Das war zu erwarten.«

Carjul hielt inne. Ihm kam ein beunruhigender Gedanke. »Es könnte allerdings auch sein, dass sie versuchen Torsor von hier weg zu bringen. Das muss verhindert werden, Kommandant! Zerstören Sie den Transmitter!«

»Mit allen Mitteln?«, vergewisserte sich der Kommandant.

Carjul überlegte einen Augenblick, dann sagte er: »Wenn es sein muss, ja.«

Auch an Bord der IVANHOE verfolgte man das Geschehen.

Irwan Dove überbrachte dem Kommandanten Jeamour eine Meldung.

»Sir, Jan Scorbit hat gemeldet, dass die Konsulatsmitarbeiter evakuiert worden. Aber bis auf Wulf Lane fehlt das ganze Rettungsteam. Außerdem meldet Scorbit, dass ihm die Dumfries immer näher rücken. Er bittet um Instruktionen.«

Jeamour überlegte nicht lange. »Wenn er sich nicht mehr länger halten kann, soll er zur IVANHOE kommen.«

»Und was passiert mit Gucky und dem Team?«, fragte der Oxtorner.

»Wir schicken den AIRBLADE. Sie sollen versuchen, sie raus zu holen. Da uns Mr. Andrews abhanden gekommen ist, nimmt Mathew Wallace seinen Platz ein.«

Gucky materialisierte mit Torsor bei den anderen, die er kurz zuvor in einer Seitenstraße abgesetzt hatte. Die Stadt glich mittlerweile einem Trümmerhaufen. Die Dumfries hatten mit ihrer Militäraktion ganze Arbeit geleistet.

Aus Sicherheitsgründen wollten Gucky und Brad Callos in kurzen Abständen an das Konsulat heran teleportieren. Bei den anhaltenden Gefechten schien es ihnen zu riskant sofort hinein zu springen. Die Gefahr, mitten in eine Explosion zu springen, war zu groß, zumal Wulf Lane von einem Beschuss des Gebäudes gesprochen hatte. Die Gruppe ging also zu Fuß in die Nähe des Konsulats.

»Wir sollten uns beeilen«, drängte Andrews, der Nataly Jargon bei der Hand genommen hatte.

»Da vorne ist es schon«, sagte Jeanne Blanc.

Der Anblick des Konsulatsgebäudes löste allerdings keine große Freude aus. Das ganze Gelände war von Dumfries und ihren Panzerfahrzeugen sowie Geschützen umstellt.

»Überall Dummfriesen! Hier muss irgendwo ein Nest sein«, stöhnte Gucky.

»Und was nun?«, fragte Nataly.

»Ich springe mit Torsor hinein, um zu sehen ob der Transmitter noch aktiv ist. Ihr wartet hier.«

Der Ilt nahm den Pelewon an der Hand und teleportierte mit ihm ins Konsulatsgebäude.

Kaum waren sie materialisiert, sahen sie wie der Transmitter von Dumfries umstellt wurde.

Einer der Soldaten bemerkte die beiden.

»Da sind sie! Knallt sie ab!«, rief er seinen Kameraden zu, die umgehend das Feuer eröffneten.

Geistesgegenwärtig teleportierte Gucky mit Torsor wieder zurück zu den anderen.

»Was war denn?«, fragte Orly de la Siniestro.

Gucky fasste sich ans Herz und lehnte sich an eine Wand. »Frag Torsor. Ich habe einen Schock für's Leben bekommen.«

»Du wirst allmählich zu alt für diesen Scheiß«, zog ihn Jonathan auf.

Der Mausbiber tat empört und stemmte die Ärmchen in die Hüften. »Ich und zu alt? Lächerlich!«

Torsor unterbrach das Streitgespräch. »Die Dumfries haben den Transmitter gefunden und wahrscheinlich zerstört. Es gibt kein Entkommen. Jetzt bleibt uns nur noch der ehrenvolle Tod!«

»Wir können uns verstecken«, schlug Andrews vor.

Kaum hatte er ausgesprochen, schlug eine Energiesalve dicht neben der Gruppe ein.

»Scharfschützen!«, rief Brad Callos.

Die Gruppe suchte hinter einigen Trümmern Deckung.

Gucky versuchte Kontakt mit der BALTON WYT aufzunehmen, was aber misslang. »Ich kriege keine Verbindung zum Schiff. Sie stören den Funk.«

Wieder schlug eine Energiesalve dicht bei ihnen ein.

»Es ist nur einer«, stellte Torsor fest.

Orly konnte den Standort des Scharfschützen ausmachen. Es war ein Skoar, der auf einem gegenüberliegenden Dach hockte. Er konzentrierte sich auf den Soldaten und sandte dann seinen Schatten aus. Langsam war er in der Lage seine mutantischen Fähigkeiten zu kontrollieren. Der Schatten schlug den Skoar nieder, der vom Dach stürzte und reglos liegen blieb.

»Danke, Orly. Jetzt sollten wir verschwinden«, meinte Gucky.

Die Gruppe wollte sich auf den Weg machen, doch es tauchten erneut Dumfries und Skoars auf, die die Gruppe umstellten.

»Werft die Waffen weg oder ihr seid tot!«, brüllte der Anführer, ein Skoar.

»Es hat keinen Zweck«, meinte Torsor. »Sie müssen sich ergeben. Sie sind nur an mir interessiert.«

Gucky seufzte. Er wusste, wann er sich geschlagen geben musste. Es hatte keinen Sinn, das Leben aller zu riskieren.

»Also gut, wir ergeben uns!«, rief er den Soldaten zu.

Plötzlich tauchte im Tieflug ein Raumschiff auf. Es flog über die völlig überraschten Dumfries und Skoars hinweg und feuerte mit seinen Bordkanonen, was die Soldaten in heillose Verwirrung stürzte. Gucky und Jeanne Blanc reagierten sofort und entwaffneten telekinetisch mehrere der Soldaten. Als dann auch noch Torsor brüllend auf sie zurannte, ergriffen sie die Flucht.

»Das ist unser AIRBLADE!«, jubelte Jonathan Andrews und umarmte Nataly.

Der AIRBLADE verharrte im Tiefflug über den Trümmern. Gucky und Brad Callos teleportierten nacheinander mit dem Team in das Schiff. Keine Sekunde zu früh, denn schon rückten die Dumfries mit Panzerfahrzeugen wieder heran und eröffneten das Feuer. Doch zu spät, der AIRBLADE raste hinaus in den Orbit von Pelewon. Bevor die Blockadeflotte reagieren, hatte das schnelle, wendige Schiff sie durchbrochen. Außerdem hatten die Schiffsbesatzung die Order von Carjul bekommen, die Terraner nicht anzugreifen, da er sonst diplomatische Verwicklungen fürchtete.

Freudig wurden die Retter Remus Scorbit und Matthew Wallace von Andrews und seinen Gefährten begrüßt.

»Das war genau im richtigen Augenblick, alter Freund«, freute sich Jonathan.

»Wie immer«, entgegnete Remus. »Den ganzen Zirkus hättest du dir also sparen können. Wir wären sowieso hierher geflogen … Wie ich sehe, ist Nataly wohlauf.«

Nataly machte ein fragendes Gesicht. »Was meinst du damit, Remus?«

Scorbit erzählte ihr von Jonathans Entschluss, wegen ihr zu desertieren.

Die junge Frau war sichtlich gerührt von Andrews Engagement und umarmte ihn herzlich. »Das werde ich dir nie vergessen, Jonathan.«

»Ich hoffe nur, Kommandant Jeamour hat auch so viel Verständnis«, unkte Andrews.

Ohne weitere Probleme steuerte der AIRBLADE die IVANHOE an und landete in einem der Hangars. Auch die BALTON WYT war unterdessen wohlbehalten zurückgekehrt. Die IVANHOE verließ sofort das Monol-System und nahm Kurs auf Paxus. Die Mission war erfolgreich abgeschlossen worden. Xavier Jeamour begrüßte die Neuankömmlinge.

Zunächst wandte er sich an Torsor. »Willkommen an Bord der IVANHOE. Wir haben den Auftrag, Sie so schnell wie möglich nach Paxus zu geleiten. Ich hoffe, das ist in Ihrem Sinne.«

»Ich danke Ihnen für Ihre Rettung«, erwiderte Torsor. »Doch das Los meines Volkes erfüllt mich mit Trauer. Daher ist es auch in meinem Sinne, so schnell wie möglich vor dem Paxus-Rat zu sprechen.«

Jeamour wandte sich nun Jonathan Andrews zu. »Mr. Andrews, was mache ich nun mit Ihnen? Ihre Eigenmächtigkeiten haben mich nicht gerade begeistert.«

Andrews wirkte verlegen. »Es tut mir Leid, Sir. Ich bin bereit die Konsequenzen zu tragen.«

»Vergib ihm, denn er wusste nicht was er tat«, mischte sich Gucky ein. »Außerdem war er eine große Hilfe für uns.«

Jeamour lächelte. Als er jung war, hätte er ebenso gehandelt. Aber das wollte er Andrews nicht unbedingt auf die Nase binden.

»Nun, da ich Sie ohnehin nach Pelewon geschickt hätte, und Sie gewissermaßen nur voraus geflogen sind, werde ich noch einmal beide Augen zudrücken und keine Meldung machen. Lassen Sie sich so etwas nicht noch mal einfallen«, sagte der Kommandant streng.

»Nein, Sir«, versicherte Andrews erleichtert.

4. Die Stunde der Bestien

Die IVANHOE flog mit Höchstgeschwindigkeit nach Paxus, während die Okefenokees ihre Militäraktion auf Pelewon und Mooghan mit unverminderter Härte fortsetzten. Carjul hatte sich wieder nach Paxus begeben, da eine außerordentliche Sitzung des Rates einberufen worden war.

Auf Paxus angekommen wurde Torsor zum Parlamentsgebäude gebracht, wo er eine Rede halten wollte. Unter großen Sicherheitsvorkehrungen wurde der Autonomieführer zum Parlamentssaal gebracht. Als er den Saal betrat, kam in der Lobby der KdZ-Vertreter zu einem Tumult. Die Okefenokees und Dumfries empörten sich heftig über die Anwesenheit der Bestie. Generalsekretär Sruel Allok Mok sorgte für Ruhe.

»Ich fordere alle Delegierten auf, sich auf ihre Plätze zu begeben und Ruhe zu halten«, gebot er. »Als erstes erteile ich Autonomieführer Torsor das Wort.«

»Terrorführer! Terrorführer muss es heißen!«, rief ein Dumfrie dazwischen.

Torsor bedachte ihn mit einem finsteren Blick, was den Dumfrie verstummen ließ.

»Verehrte Delegierte des Rates und des Parlaments«, begann der Pelewon, »Aufgrund der langjährigen Unterdrückung und des Staatsterrorismus, den die KdZ und ihre Hilfsvölker gegen unsere Völker betreiben, sahen wir keinen anderen Weg mehr, als um unsere Freiheit zu kämpfen.

Wir sind verzweifelt. Wir haben mit allen Mitteln versucht eine friedliche Lösung herbeizuführen. Wie jedes andere Volk im Universum wollten auch wir nur unsere Freiheit. Wir wollten als gleichberechtigte Nation neben den anderen Völkern in Frieden leben und die Mission DORGONs erfüllen. Als wir hierher kamen, hatten wir die Hoffnung auf ein besseres Leben als in M 87. Wir wollten nicht mehr für die Fehler unserer Vorfahren bestraft werden und hatten die Hoffnung, dass die KdZ uns hier, weitab von M 87, unsere Unabhängigkeit gewähren würden. Doch stattdessen wurden wir wie bessere Sklaven behandelt.

Die sogenannte Autonomie, die wir auf unseren Planeten erhielten, ist der Rede nicht wert. Da alle diplomatischen Bemühungen des Rates an der Sturheit der Okefenokees gescheitert sind, wählten wir den Kampf. Doch während wir uns auf militärische Ziele beschränkten, zerstörten die Hilfsvölker der KdZ unsere Städte und zivilen Einrichtungen und betreiben Staatsterror von grauenhaften Ausmaß gegen unser Volk, mit dem Ziel, die verhassten Bestien endgültig auszurotten.

Dies war von Anfang an das Ziel Carjuls. Er und sein Hass sind die treibende Kraft in diesem Konflikt. Doch auch jetzt noch appelliere ich an Carjul den Krieg gegen uns zu beenden und mit uns eine friedliche Lösung zu finden.

Wir fordern eine internationale Schutztruppe bestehend aus Arkoniden, Terranern und Pariczanern anstelle der Besatzungsmacht der Dumfries. Dann muss eine Lösung für unsere Unabhängigkeit gefunden werden. Es liegt nun allein an Carjul. Er hat die Wahl: Frieden oder Krieg.«

Unter dem Applaus der Mehrheit des Parlaments beendete Torsor seine Rede. Als nächstes trat nun Carjul ans Rednerpult, um zu antworten.

»Verehrte Delegierte! Ich hoffe inständig, dass Sie nicht auf das Friedensgesäusel dieser Bestie hereinfallen. Torsor ist ein Lügner!«

Buh-Rufe gegen Carjul wurden laut. Doch dieser blieb unbeeindruckt.

»Lange Jahrtausende waren es die Konstrukteure des Zentrums, die das Universum vor der Bedrohung durch die schrecklichen Bestien geschützt hatten. Das darf nicht vergessen werden! Torsor redet von Terror, doch ich sage: Torsor ist ein Terrorist der schlimmsten Sorte! Wir haben das Recht, uns gegen Terrorismus zu wehren! Auch mit militärischen Mitteln.«

Carjul redete sich immer mehr in Rage. Beifall erhielt er allerdings nur von seinen eigenen Leuten.

»Torsor redet von Frieden und Unabhängigkeit. Das ich nicht lache! Seit wann verstehen die Bestien etwas von diesen Dingen? Sie kennen nur Unterdrückung und Krieg! Sie warten nur darauf, wieder über die zivilisierten Nationen herfallen zu können und alles in ihre Gewalt zu bringen oder zu zerstören. Darum sage ich, dass die Bestien niemals unabhängig sein dürfen. Sie stellen eine zu große Gefahr für uns alle dar. Die Bestien sind kein wahres, gleichberechtigtes Leben. Sie sind Monster, niedriger als Tiere! Ich werde niemals zulassen, dass sie frei sein werden! Eher rotten wir sie alle aus! Nur tote Bestien sind gute Bestien!«

Die letzten Worte seiner Rede hatte Carjul heraus geschrien. Lähmendes Entsetzen machte sich unter den Parlamentariern breit. Dass der Konflikt so tief saß, hatte niemand für möglich gehalten.

Sam war schockiert von Carjuls Worten. Er wusste nicht, wie man jetzt noch eine friedliche Lösung finden sollte. Auch der Marquese schwieg.

Goz Gongan, der Vertreter der Haluter, war angewidert. Er stand auf und sprach: »Auch wir Haluter haben uns gebessert. Wollen Sie uns auch vernichten, Konstrukteur des Zentrums? Wir sind bereit, unseren Brüdern zu helfen, wo es nur geht.«

Ein Raunen ging durch das Parlament. Alles entwickelte sich in Richtung Krieg.

Ruhig erhob sich Torsor von seinem Sitz. Gespannt warteten die Delegierten darauf, was der Pelewon nun sagen würde.

»Verehrte Delegierte, Sie haben Carjuls Worte gehört: Er will keinen Frieden; er will die totale Vernichtung unseres Volkes«, verkündete der Gigant in sachlichem Tonfall. »Von nun an trägt allein Carjul die Verantwortung für das, was noch geschehen wird. Das Volk der Pelewons und Mooghs befindet sich im Krieg und hat keine andere Wahl, als militärisch zu antworten.«

Carjul lächelte höhnisch. »Jetzt zeigst du endlich einmal dein wahres Gesicht, Bestienführer. Doch wir fürchten euch nicht. Die Militäraktionen unserer Streitkräfte werden fortgesetzt. Ich erkläre den totalen Krieg, solange bis die Bestien bedingungslos kapitulieren oder vernichtet worden sind. Wir werden siegen«, gab sich der Okefenokee selbstsicher.

Torsor aktivierte ein Funkgerät, das an seinem Arm angebracht war und sprach ein paar Sätze in der Sprache der Pelewon hinein. Goz Gongan verstand genau, was der Pelewon mitteilte und blickte ihn überrascht an. Torsor wechselte einen kurzen Blick mit dem Vertreter seines Brudervolkes. Dann wandte er sich wieder den Delegierten zu.

»Verehrte Delegierte, Vertreter der KdZ! Hiermit erkläre ich offiziell die Unabhängigkeit der Welten Pelewon und Mooghan. Gleichzeitig erkläre ich Okefenok den Krieg, den wir nicht gewollt haben. Soeben habe ich meiner Flotte den Gegenangriff auf Okefenok befohlen.«

Carjul lachte höhnisch. »Gegenangriff? Womit denn?«

Torsor sah den Okefenokee kalt an. »Mit 150.000 Einhundert-Meter-Raumern, die in Hyperraumblasen versteckt auf den Tag ihres Einsatzes warteten. Haben Sie wirklich geglaubt, wir würden uns wehrlos abschlachten lassen, Carjul?«

Carjul erschauerte. Er glaubte dem Pelewon sofort, da er diesen Tag immer gefürchtet hatte. Hastig eilte Carjul aus dem Sitzungssaal, um seinen Planeten zu warnen.

Sam war fassungslos. Wie hatten sie es nur so weit kommen lassen können? Oder war diese Entwicklung von vornherein nicht zu verhindern gewesen. Sam begann allmählich an der Weisheit DORGONs zu zweifeln, da diese Entität so viele verschiedene Völker mitsamt ihren unzähligen Konflikten nach Cartwheel gerufen hatte.

Unverzüglich sandte Carjul einen Hyperkomspruch nach Okefenok. Doch es war bereits zu spät. Die 150.000 Einheiten der Pelewon und Mooghs hatten den Planeten bereits erreicht. Da sich fast die gesamte Flotte der Dumfries über Mooghan und Pelewon befand, war Okefenok dem Angriff nahezu schutzlos ausgeliefert. Mit einer solch massierten Offensive hatte selbst Carjul nicht gerechnet und so wurde der Planet mit voller Wucht von dem Angriff getroffen. Die Bestien machten ihrem Name alle Ehre und griffen wahllos alle Gebäude und zivilen Einrichtungen an und zerstörten sie in kürzester Zeit. Sie setzten die gefürchteten Intervallstrahler ein, die unzählige Gebäude vernichteten. Allein in den ersten Minuten starben hunderttausende Okefenokees und Dumfries.

Als INSELNET die ersten Berichte lieferte, erschauerte Sam. Er fragte sich, ob Carjul nicht doch Recht gehabt hatte, mit seiner Warnung vor den Bestien. Was war, wenn die Bestien ihre Angriffe auf ganz Cartwheel ausweiteten?

Torsor schien seine Gedanken zu erraten: »Der Rat braucht keine Sorge zu haben. Unsere Aktionen gelten nur unseren Feinden. Unsere Freunde hingegen haben vor uns nichts zu befürchten«, sagte er doppeldeutig.

Carjul betrat den Ratssaal wieder und hob drohend seine Faust gegen den Koloss, was bei dem kleinen Okefenokee eher unfreiwillig komisch wirkte. »Ihr elenden Bestien! Unsere Raumflotte ist euch immer noch überlegen. Ich habe befohlen, sie sofort nach Okefenok zu entsenden!«

Torsor blickte kalt zu ihm herab. »Glauben Sie, das habe ich nicht bedacht? In den Hyperraumblasen wartet noch einmal die doppelte Anzahl an Schiffen. Fast jeder der 50 Millionen Pelewon und Moogh verfügt über Kampferfahrung und ist bereit loszuschlagen. Und um Ihre Flotte kümmern wir uns bereits.«

Carjul erstarrte. Er war zu keiner Aussage mehr fähig.

Wie Carjul gesagt hatte, setzte sich seine Flotte von Pelewon und Mooghan ab, um nach Okefenok zu fliegen mit dem Ziel zu retten was noch zu retten war. Doch die Flotte der Dumfries und Skoars wurde von tausend kubusförmigen 3000 Meter Schlachtschiffen abgefangen, die plötzlich aus dem Hyperraum stürzten. Die Kubusschiffe wurden von 20.000 Einhundert-Meter-Kugelraumern unterstützt. Damit hatten die Streitkräfte der KdZ nicht gerechnet. Ihre Einheiten reagierten völlig überrascht und wurden von allen Seiten angegriffen. Innerhalb kürzester Zeit erlitten sie verheerende Verluste. Die Bestien kannten kein Pardon und dezimierten die gegnerischen Streitkräfte mehr und mehr. Die Dumfries begannen sich zu sammeln und versuchten durchzubrechen. Doch trotz heftiger Gegenwehr zeichnete sich eine vernichtende Niederlage ab.

Carjul saß wie versteinert auf seinem Platz im Parlamentssaal. Einer seiner Adjutanten hatte ihm gerade die neuesten Meldungen überbracht. Die totale Vernichtung des Planeten Okefenok und seiner Streitkräfte drohte. Schwach erhob sich Carjul von seinem Platz.

»Ich bitte, nein ich flehe die Abgeordneten des Rates an, uns militärisch beizustehen«, sagte er mit brüchiger Stimme.

Doch die Delegierten lehnten sein Ersuchen mit klarer Mehrheit ab. Keiner wollte sich auf einen Krieg gegen die Bestien einlassen.

Carjul senkte den Kopf. Von seinem großen Selbstbewusstsein war nichts mehr zu sehen.

»In diesem Fall müssen wir untergehen«, murmelte er.

Torsor trat auf ihn zu. »Nein, das müssen Sie nicht. Gewähren Sie uns die Unabhängigkeit und ziehen sich nach Okefenok zurück. Dann werden die Angriffe sofort eingestellt.«

Der Marquese sah seine Stunde gekommen und erhob sich. »Carjul, Sie sollten das großzügige Angebot Torsors annehmen. Hätten Sie von Anfang an eine diplomatische Lösung angestrebt, hätte sich das sinnlose Blutvergießen vermeiden lassen. Doch noch ist es nicht zu spät. Willigen Sie ein!«

»Nicht zu spät? Es ist alles aus. Das werden Sie auch noch irgendwann merken. Wir können sie nicht mehr schützen«, sagte Carjul resignierend. Einige Minuten verharrte Carjul reglos, dann sagte er:

»Also gut. Ich erkläre hiermit formal die Unabhängigkeit der Bestien. Sie sind uns von nun an nicht mehr untergeben. Uns bleibt nur die Kapitulation. Was von nun an geschieht, liegt nicht mehr in meiner Verantwortung.«

Ohne ein weiteres Wort zu sagen, verließ Carjul den Saal. Torsor, Leticron und Cauthon Despair triumphierten. Dieses Ziel war erreicht worden.

5. Das Ziel erreicht

Torsor hielt sein Wort. Sofort nach der Erklärung zog er seine Streitkräfte von Okefenok zurück und ließ die Reste von Carjuls Flotte unbehelligt dorthin zurückkehren. Allerdings mussten die Okefenokees sich vertraglich verpflichten, Schadenersatz für die von ihnen gemachten Zerstörungen auf Mooghan und Pelewon zu leisten. Außerdem mussten sie sich einem Nichtangriffspakt bereit erklären. Die Flotte der Okefenokees war ohnehin so stark angeschlagen worden, dass sie vorläufig zu keinem Angriff mehr fähig war. Umso stärker präsentierte sich die Flotte der Pelewon, die einen neuen, unübersehbaren Machtfaktor in Cartwheel bildeten. Okefenok hingegen war fast völlig zerstört worden. Carjuls Sturheit war nun zum Bumerang für die Okefenokees geworden, die lange brauchen würden, um den Planeten wieder aufzubauen.

Dies alles nahm Sam mit großer Sorge zur Kenntnis. Viele Völker reagierten mit Besorgnis auf den Machtanstieg der Bestien und fürchteten, dass diese noch mehr Appetit auf Kriege bekommen konnten. Das befürchtete auch Sam, der zutiefst betroffen von den Vorgängen war und von der Tatsache, dass er als Generalsekretär das Massaker nicht verhindern konnte. Er sprach mit dem Maquese darüber.

»Machen Sie sich keine Vorwürfe, Sam«, meinte der alte Spanier. »Sie hätten es nicht verhindern können. Es war Carjuls Schuld. Seine Engstirnigkeit hat die Situation eskalieren lassen.«

Sam sah ihn skeptisch an. »Und wenn Carjul recht hatte? Wenn das erst der Anfang ist und die Bestien wirklich so schlimm sind, wie er sagt? Wenn Sie uns auch angreifen?«

Der Marquese winkte ab. »Ach, das glaube ich nicht. Torsor hat uns als Freunde bezeichnet. Wir haben uns bemüht, für sein Volk eine gerechte Lösung zu finden. Das weiss er zu schätzen. Wir haben nichts von den Pelewon zu befürchten. Ich treffe mich schon bald mit Torsor, um die guten Beziehungen auszubauen.«

Sam blickte aus dem Fenster seines Büros. Seit den furchtbaren Ereignissen sah er die Zukunft Cartwheels mit Skepsis.

»Ich hoffe, Sie behalten recht.«

Während der Generalsekretär des Paxus-Rates pessimistisch in die Zukunft blickte, frohlockten andere. Torso, der – auf schreckliche Art und Weise – sein Ziel, die Unabhängigkeit seines Volkes, erreicht hatte, traf sich mit den Söhnen den Chaos Leticron, Despair, Cau Thon und Don Philippe in Leticrons Burg auf New Paricza.

Die vier saßen an einem runden Tisch. Cau Thon begrüßte den Anführer der Bestien.

»Willkommen, mein Freund. Wir gratulieren Ihnen zu Ihrer hervorragenden Aktion. Sie haben alles bestens gemacht.«

»Danke, Cau Thon. Es gab eine kleine Verzögerung des Gegenangriffs, weil die Mutanten mir dazwischen kamen. Doch letztendlich kam mir das gar nicht ungelegen, denn so konnte ich noch einmal meinen ›Friedenswillen‹ vor dem Rat bekunden. Und dank Carjuls Borniertheit wurde die Aktion zu einem vollen Erfolg. Denn wenn er auf meinen ›Friedensvorschlag‹ eingegangen wäre, hätte ich den Angriff auf Okefenok nicht starten können und die KdZ hätten ihre Flotte noch immer.«

»Sie hatten seine Sturheit vorausgesehen. Mit seinem Auftreten hat er sich sämtliche Sympathien verspielt«, meinte der Marquese.

»Die Okefenokees konnten gar nicht anders handeln. Ihr Hass und ihre Furcht gegen uns ist zu tief verwurzelt. Aber jetzt sind sie keine Gefahr mehr hier in Cartwheel.«

»Gut. In der nächsten Zeit sollten sich die Pelewons ruhig verhalten, um die Furcht vieler Leute, die sich nach der Zerstörung Okefenoks breitgemacht hat, zu zerstreuen«, riet Cau Thon.

»Unser Bund der vier ist nun perfekt. Wie soll es nun weitergehen?«, wollte Leticron wissen.

Cau Thon lehnte sich zurück. »Nun, da die Pelewons ihre Unabhängigkeit haben, können sie mit Terra, Arkon und New Paricza ein offizielles Bündnis eingehen. Das kann der Marquese gleich nach unserer Sitzung verkünden. Das wird die ängstlichen Gemüter beruhigen.«

»Und dann?«, fragte Leticron weiter.

Cau Thon wandte sich dem Marquese zu. »Der nächste Schritt wird sein, dass Sie, Marquese, zum Kanzler des Paxus-Rates werden. Leticron, Uwan Jenmuhs, Torsor und Despair werden Ihnen als neu zu bildender Rat dabei zur Seite stehen.«

Don Philippe tat überrascht. »Kanzler – ich? Und dazu ein neuer Rat. Dazu müsste der alte Rat gehen. Wie soll dies geschehen?«

Cau Thon lächelte finster. »Mit Terror.«

ENDE

Auch Heft 79, geschrieben von Neuautor Michael Berg, spielt in Cartwheel und behandelt die wachsende Gefahr einer Terrororganisation.

Der Roman trägt den Titel

Die Boten des Hexameron

Die Bestien von M 87

Vor ca. 80.000 Jahren beherrschten die kriegerischen Skoars einem kleinen Raumsektor in der Galaxis M 87. Um sich ihrer Feinde erwehren zu können, hatten sie auf einem abgelegenen Planeten übermächtige, eingeschlechtliche Androidenkämpfer mit zwei Gehirnen gezüchtet. Als man das Projekt wegen eines Krieges für zwei Jahre sich selbst überlassen hatte, hatten sich die Androiden selbständig gemacht. Zunächst hatten sie die Heimatwelt der Gegner der Skoars angegriffen und neun der zehn Milliarden Bewohner getötet. In den folgenden zwanzig Jahren war es zu dreitausend ähnlichen Überfällen gekommen. Die Technologie der Skoars hatten die sogenannten »Bestien«, die gelernt hätten, ihre Vermehrungsrate wirkungsvoll zu steigern, mit großer Geschwindigkeit weiterentwickelt. Die bedrohten Völker von M 87 hatten sich daraufhin vereinigt und waren von den Konstrukteuren des Zentrums in einem Kastensystem straff organisiert worden.

Nach einem Jahrtausende währenden Kampf hatten dreißigtausend Schiffe der Skoars schließlich in einer letzten Raumschlacht zweitausend Einheiten der Androiden unter großen Verlusten zurückgeschlagen. Der Heimatplanet der einhundert Millionen Bestien war schließlich entdeckt und mit seinen Bewohnern völlig vernichtet worden. Nur einige tausend Androiden hatte man auf eine Gefängniswelt deportiert. Allerdings war einem Schiff der Androiden die Flucht aus M 87 gelungen. Die Konstrukteure des Zentrums hatten daraufhin eine Paratronfalle installiert, durch deren Streustrahlung das blaue Leuchten von M 87 hervorgerufen wurde. Sie sollte den Bestienschiffen mit ihrem speziellen Antriebssystem das Eindringen nach M 87 unmöglich machen und bewärte sich bei deren erneutem Auftauchen vor 53.000 Jahren.

Vor zehntausend Jahren hatten die Bestien, die zu dieser Zeit viel größer als die ursprünglichen Androiden gewesen waren, M 87 zum dritten Mal angegriffen. Mit fünfzigtausend Kampfraumern hatte man die achthundert mit weiterentwickelten Triebwerken ausgerüsteten Schiffe der Angreifer aber erneut zurückschlagen können. Die Konstrukteure des Zentrums hatten die Parafalle anschließend dem neuen Antriebssystem der Bestien angepasst.

Björn Habben

Der DORGON-Zyklus - Osiris - ist eine nicht kommerzielle Publikation des PERRY RHODAN ONLINE CLUBs. Heft 78 von Jens Hirseland. Titelbild: Gerd Schenk. Technischer Berater: Sebastian Schäfer. Versand: PROC. Lektorat, Nachbearbeitung: Rene Schweinberger und Henriette Zirl. DORGON-Kommentar: Björn Habben. Umsetzung in Endformate: Alexander Nofftz. Generiert mit Xtory (SAXON, LaTeX). Homepage: http://www.dorgon.net/. eMail: dorgon@proc.org. Adresse: PROC c/o Nils Hirseland, Redder 15, 23730 Sierksdorf. Copyright © 1999-2002. Alle Rechte vorbehalten!