![]() | ![]() | ![]() | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() |
Denise Joorn schaute kurz aus dem Fenster und streckte sich. Sie war erst vor wenigen Stunden in ihr Hotelzimmer zurück gekehrt, nachdem sie Rhodan über die Inhalte der Schriftrollen informiert hatte, die sie bei Kawai Muhalla gefunden hatte. Die Entwicklung, die sich in den Schriftrollen aufzeigte, die von Imhotep, Neferti und Meri-Ré geschrieben wurden, war so unglaublich, dass sie zuerst dachte, sie würde träumen. Und doch! Es war alles wahr. Nachdem sie sich ein Getränk am Servo bestellt hatte, nahm sie sich die restlichen Schriftrollen vor. Die erste Schriftrolle war von Tjija geschrieben worden, dem Gelehrten und Wesir von Ramses II.. Sie begann, die Schriftrolle aufmerksam durchzulesen.
Tausende von Truppen marschierten auf. Vor uns stand der Feind! »Es ist eine Falle!«, brüllte einer der Offiziere. Von überall her kommen sie in Streitwagen und zu Fuß. Warum hier? Wir hatten sie in viel weniger Zahl in Kadesch erwartet. Dieselben Gedanken schien sich auch mein großer Pharao zu machen. Ramses, der Große, stand in seinem Streitwagen und blickte auf die nahenden Feinde, die uns zahlenmäßig überlegen waren. Ramses war ein großer Feldherr und Pharao. Er schenkte Kemet die prächtigsten Tempel aller Zeiten. Doch nun hatte er sich geirrt und war in eine bittere Falle der Hethiter gegangen. »Ausschwärmen, die Flanken sichern!«, rief der Pharao. Sofort wurden seine Befehle ausgeführt, doch schon trafen Schwärme an Pfeilen unsere vordersten Soldaten, die leblos zu Boden fielen. Mit lautem Gebrüll rannten die hethitischen Bodentruppen auf die unseren zu. Von den Flanken kamen sie in Streitwagen. Auf einen Kemeten kamen mindestens drei der Asiaten. Mutig zogen unsere Soldaten die Schwerter und stürzten sich ins Getümmel. Mit Geschrei schlugen sie die Schwerter aufeinander ein. Viele wurden getroffen. Erstochen, enthauptet oder zerstückelt. Ein blutiger Kampf um Leben und Tod. Ich sah drei Soldaten unweit von mir. Einer wurde von einem Pfeil getroffen und fiel schreiend zu Boden. Die anderen beiden rannten zu drei hethitischen Soldaten und lieferten sich ein Schwertduell. Der eine konnte einen Hethiter niederstrecken, doch nur, um dem zweiten durchbohrt zu werden. Ein zweiter Hethiter fiel und ein Kemete kämpfte gegen einen Hethiter. Schweiß rann von der Stirn der beiden Männer. Sie parierten jeden Schlag, doch drei Pfeile trafen den Kemeten, der leblos in den Sand sank. »Oh, Pharao. Was tun wir?«, fragte der Oberbefehlshaber des Heeres ratlos. Ramses analysierte die Schlacht. Reihenweise fielen unsere Soldaten um. Sie konnten nichts gegen die hethitische Übermacht ausrichten. »Tjija!«, rief mich mein Pharao. »Ja, Pharao?« »Waren wir nicht schon in viel aussichtsloseren Situationen? Ist das jetzt das Ende?« Ich duckte mich, um nicht von einem Pfeil getroffen zu werden. Überall lagen Tote. Es stank nach Tod! Geschrei und Gebrüll wohin man nur hörte, nur noch übertönt durch das Aufeinanderschmettern der Schwertklingen. »Pharao, ich bin kein Hellseher«, antwortete ich. »Fragt Amun, nicht mich.« Ramses nickte schwach. Er warf sein Schwert hin und stieg vom Streitwagen ab. Dort verneigte er sich und kniete im Sand. Und er sprach: » Was ist das nun, mein Vater Amun? Hat denn ein Vater schon seines Sohnes vergessen? Habe ich denn etwas ohne dich getan? Wenn ich ging, oder stand, war es nicht auf deinen Anspruch hin? Und nie wich ich ab von dem Gedanken, den du befohlen hattest. Wie groß ist der große Herr von Theben! Mehr als dass die Fremdvölker ihm nahen könnten. Was sind diese Asiaten für dich, Amun? Die Elenden, die nichts von Gott wissen. Habe ich dir nicht sehr viele Denkmäler gemacht? Und deinen Tempel mit meinen Gefangenen gefüllt? Ich habe dir meinen Tempel von Millionen von Jahren gebaut und dir meine Habe zum Eigentum gegeben. Alle Länder zusammen bringe ich dir dar, um dein Opfer mit Speisen zu versehen. Ich lasse dir Zehntausende von Rindern opfern mit allen wohlriechenden Pflanzen. Nichts Gutes lasse ich ungetan in deinem Heiligtum. Ich baue dir große Tortürme und stelle selbst ihre Flaggenmasten auf. Obelisken bringe ich dir aus Elephantine und ich bin es, der Steine herbeiführt. Ich lasse dir Galeeren auf dem Meere fahren, um dir die Abgaben der Länder zu holen. Unheil soll den treffen, der deinen Gedanken abweist, aber gut geht es dem, der dich versteht. Mit liebendem Herzen soll man für dich handeln. Ich rufe zu dir, mein Vater Amun. Ich bin inmitten von Fremden, die ich nicht kenne. Alle Länder haben sich gegen mich verbunden und ich und meine Getreuen sind allein und kein anderer ist mit uns. Meine Soldaten kämpfen tapfer, doch sie sterben. Kaum einer von ihnen ist mehr bei mir. Wenn ich nach ihnen schreie, hört keiner von ihnen. Aber ich rufe, und merke, dass Amun besser für mich ist als Millionen von Fußtruppen und Hunderttausende von Wagenkämpfern, als zehntausend Mann an Brüdern und Kindern, die einmütig zusammenstehen; Amun ist besser als sie. Ich bin hierher gekommen auf den Gedanken deines Mundes, Amun, und ich bin nicht von deinem Gedanken gewichen.« Höre, Ramses. Fliehe jetzt mit deinen Truppen. Ziehe dich sofort zurück. Nur so kannst du dein Leben retten. Höre auf mich, denn ich bin die Stimme Amuns! Ramses blickte mich fragend an. Auch ich hatte die Stimme gehört. Plötzlich kamen die Hethiter nicht näher an uns heran. Sie prallten an der Luft ab, als seien sie gegen eine Wand gelaufen. Ramses ließ keine unnötige Sekunde verstreichen. »Rückzug!«, brüllte er. Sofort machten die Wagen kehrt und die Ägypter ritten so schnell es nur ging vom Feind weg. Doch da! Dann fielen die Naruna über die Reihen des Elenden von Hatti her, die ins Lager des Pharao eingebrochen waren; die Diener des Pharao töteten sie und ließen keinen entrinnen. Ihre Tapferkeit wurde gestärkt durch die große Kraft des Pharao, der als Berg von Kupfer und als Mauer von Eisen für immer hinter ihnen stand. Zumindest konnten wir sie vorerst zurückschlagen. Es war Rettung in letzter Sekunde. Dank des Wunders des Amun hatten wir Zeit gewonnen. Zeit, die die Naruna brauchten, um zu uns zu gelangen. Ramses warf mir einen Blick zu. »Amun hat dir geantwortet«, sagte ich. Wir bezogen unser Lager einige Kilometer vom Schlachtfeld entfernt im Schutz einer Bergkette. Ramses wirkte müde und angegriffen. Er lief an den Verwundeten vorbei und sprach ihnen Mut zu. Er wechselte kurz mit mir einen Blick und gebot, dass ich ihm folgen sollte. So tat ich es auch. Wir erreichten sein Zelt und er ließ sich erschöpft auf seine Liege fallen. Ich dachte über die Zeit nach, als alles begann. Die Hethiter litten noch unter der Pest, doch waren sie immer noch eine große Bedrohung für Kemet. Damals begann alles mit einem geordneten Abmarsch im fünften Jahr, am neunten Tag des zweiten Sommermonats. Das Heer, das über 20.000 Mann stark war, legte pro Tag etwa 15 bis 20 km zurück. Die Vorhut bildeten Kundschafter, dann folgte der Pharao in seinem Streitwagen, geschützt von seiner Leibgarde. Dahinter das Gros der Streitwagen, zweirädrige Wagen, bemannt mit je einem Kämpfer und einem Lenker. Dann kamen die Fußtruppen, eingeteilt in die vier Divisionen des Amun, des Re, des Ptah und des Seth. Während des Vormarsches wurden die Waffen im Tross mitgeführt. In der glühenden Hitze lief es sich leichter ohne Wurfspeer, Pfeile, Bogen, Axt, Schild und Krummschwert. Die Nächte verbrachte man in Zeltlagern, die durch einen Wall von Schilden geschützt wurden. Doch weder bei Nacht noch bei Tag kam es zu irgendwelchen Zwischenfällen. Am achten Tag des dritten Sommermonats erreichte Ramses mit seinem Heer den Ort Schabtuna etwas südlich von Kadesch und ließ ein Nachtlager errichten. Zuvor hatte sich eine kleine Elitetruppe, die Naruna, vom Hauptteil des Heeres getrennt, um weiter an der Küste nach Norden vorzustoßen und den Bewohnern von Amurru Angst einzujagen. Von einer Anhöhe aus konnte Ramses die 25 km entfernte Stadt bereits sehen. Doch der hethitische König Muwatallis zog unterdessen mit einer gewaltigen Armee aus Hethitern und Männern unterworfener oder verbündeter Länder Richtung Süden. Allein die Masse des Feindes sollte uns, die Kemeten, das Fürchten lehren: Muwatallis befehligte mit seinen 37.000 Männern fast doppelt so viele Soldaten wie Pharao Ramses. Dazu kamen noch 2.500 Streitwagen. Der Morgen des neunten Tages im dritten Monat der Sommerzeit brach an. Im Zelt des Pharaos im Hügelland südlich von Kadesch gab es ein schönes Erwachen zu Leben, Heil und Gesundheit. Dann, in der Morgenzeit erschien Pharao wie der Aufgang des Re. Die herrliche Rüstung des Kriegsgottes Month hatte er angelegt. Ramses ließ unverzüglich zum Aufbruch blasen. Er rückte weiter am Ostufer des Orontes vor. Er und sein Stab bildeten die Spitze, dahinter marschierte die Division des Amun. Jetzt beging Ramses leider seinen ersten strategischen Fehler: Er überquerte mit dieser Heeresgruppe den Orontes, ohne auf die drei anderen Divisionen zu warten. Der zweite Fehler folgte sogleich. In einem nahe gelegenen Wäldchen zerrten seine Späher zwei Männer aus einem Versteck und schleiften sie vor den Pharao. Vor Angst winselnd sanken die beiden zu Boden und riefen: »Unsere Brüder, welche zu den Großen des Stammes gehören, der sich jetzt unter dem Feind aus dem Hethiterland befindet, haben veranlasst, dass wir zum Pharao gekommen sind, um zu sagen: Wir wollen Vasallen des Pharao sein, den Fürsten aus dem Hethiterland aber wollen wir verlassen.« Überläufer also! Ramses erfuhr, dass sie zum Stamme der Scha-su-Beduinen gehörten, und fragte: »Wo sind sie, eure Brüder, die euch geschickt haben, um dies meiner Majestät kund zu tun?« Die Gefangenen antworteten: »Sie befinden sich beim elenden Herrn von Hatti und der hält sich in Aleppo auf, nördlich von Tunip und er fürchtet den Pharao so sehr, dass er sich nicht nach Süden wagt. Denn er hat erfahren, dass der Pharao nach Norden zieht.« Die Vorstellung von einem angstschlotternden Muwatallis gefiel Ramses so gut, dass er den Beduinen glaubte. Was für eine Gelegenheit! Kadesch lag vor ihm, ungeschützt, wie eine reife Frucht, die er nur zu pflücken brauchte! Was konnte ihm schon geschehen, ihm, dem strahlenden Gott? Doch die Wirklichkeit sah anders aus: Die aufgegriffenen Beduinen waren Spione, bezahlte Verräter, ausgeschickt vom hethitischen König selbst, um Ramses in die Falle zu locken. Während die Ägypter Muwatallis weit weg wähnten, lauerte dieser ganz in der Nähe. So stand er gerüstet und schlachtbereit hinter Kadesch, aber Seine Majestät wusste nicht, dass er dort war. Ramses war von Siegeszuversicht so geblendet, dass er alle Vorsicht fahren ließ. Er konsultierte nicht einmal seine Ratgeber, als er den Sturmangriff auf Kadesch befahl, und das nur mit der Division des Amun! Die anderen drei Heeresgruppen wollte er als Sieger von den Zinnen der eroberten Festung willkommen heißen. Seine Majestät aber war allein für sich mit seinem Gefolge; die Division des Amun marschierte in seinem Rücken. Ramses wollte Kadesch von Nordwesten her angreifen. Am Ausgangspunkt für die Attacke ließ er zunächst ein Lager errichten. Da erschien plötzlich einer seiner Kundschafter vor ihm mit zwei neuen Gefangenen im Schlepptau. Es war ihnen deutlich anzusehen, dass man sie verprügelt hatte, um ihnen die Zunge zu lockern. »Wer seid ihr?«, fragte Ramses. Der Atem stockte, als er nun die ganze Wahrheit erfuhr. »Wir gehören zum Herrn von Hatti. Er hat uns geschickt, um den Aufenthaltsort des Pharaos auszuspionieren. Siehe, der Herr von Hatti ist mit vielen Soldaten fremder Länder herbeigeeilt. Sie sind seine Bundesgenossen. Sie haben ihr Fußvolk und ihre Wagentruppe bei sich. Sie tragen Kriegswaffen und sind zahlreicher als die Sandkörner am Flussufer. Siehe, sie liegen voll gerüstet und kampfbereit hinter der alten Festung Kadesch!« Tjija, Gelehrter und Wesir am Hofe des Ramses II., 1212 v.Chr. Aus NATHANs Archiven: Terranische Geschichte – Das alte Ägypten, XIX. Dynastie (1293 v.Chr. bis 1185 v.Chr.) – Ramses II. Ramses II. wurde 1304 v.Chr. geboren. Sein vollständiger Name lautete Ramses (meriamum), was soviel bedeutete wie »Re hat ihn begünstigt, Geliebter des Amun«. Er besaß einen älteren Bruder. Dieser verstarb aber früh, so dass Ramses II. im Alter von 10 Jahren den Titel Ältester Königssohn zugesprochen kam. Ramses II. bestieg mit 25 Jahren im Jahr 1279 v.Chr. den Thron von Ägypten unter dem Thronnamen User-maat-re Setepen-re, was soviel wie »Machtvoll ist die Gerechtigkeit des Re, Auserwählter des Re« hieß, und regierte bis zu seinem Tode im Jahr 1213 v.Chr. Er hatte insgesamt neun Frauen und zeugte bis zu seinem Tode mehr als 90 Kinder. Er überzog das ganze Land mit seinen Baudenkmälern: unter anderem der berühmte Tempel in Abu Simbel, das Ramesseum in Theben, der Ausbau der Tempel von Karnak und Luxor und die Vollendung des Totentempels seines Vaters in Theben. Dazu erbaute er eine neue Hauptstadt Piramesse (»Haus des Ramses«).
Osiris hatte genug gesehen. Das Volk der Kemeten, welches er, seine Brüder und Schwestern beeinflusst hatten, existierte nicht mehr. Stattdessen herrschte nun ein Volk über diesen Planeten, welches sich Terraner nannte. Zuerst nahm er an, dass sie sich weiterentwickelt hatten. Technisch war dies auch so, doch die Exemplare, die Osiris bis jetzt begegnet waren, zeigten sich unreif und naiv. Laut Kawai Muhalla, einem selbst erklärten Diener Osiris, war der Beherrscher der Erde ein Mann Namens Perry Rhodan. Rhodan war laut Muhalla ein Diktator und Eroberer fremder Galaxien. Osiris hatte noch keine Beweise dafür gefunden, doch die Achtlosigkeit und Respektlosigkeit im Umgang mit den Ahnen schockierte Osiris am meisten. Was sollte er von einer Rasse halten, die ihre toten Ahnen ausgruben, um sie in Glasvitrinen für Geld zur Schau zu stellen? Seine Gefangenschaft in dem Stasefeld war vorbei. Die Strafe Amuns gegenüber den unsterblichen Kemeten war abgelaufen. Nun war es an der Zeit, dass sein Volk wieder kosmische Politik betrieb. Die Eroberung Terras wäre erst der Anfang. Anscheinend schlugen Amuns Plan und der Plan dieser Superintelligenz ES fehl. Vielleicht konnte Osiris noch Einiges retten. Doch er wusste noch zu wenig über die Ereignisse. Sollte er erst einmal Terra besetzt haben, könnte er sich jedoch ausgiebig über die Geschichte informieren. Nun aber befand er sich erst einmal in Theben. Hotels, Museen und katalogisierte Gräber. Mehr fand er nicht in Theben und Luxor. Osiris vermutete, dass die Terraner so ziemlich jedes Grab im Namen der Wissenschaft ausgehoben hatten. Der Kemete griff in seinen Gürtelhalfter und holte die Kontrolleinheit für seinen Fiktivtransmitter hervor. Der Zentralrechner hatte davon gesprochen, dass dort, in einer unterirdischen Station, noch die Stasekammern seiner Gefährten aktiv waren. Mit wenigen Handgriffen justierte er den Transmitter und trat durch den entstanden Bogen hindurch, um in Nullzeit im Tal der Könige wieder zu erscheinen. Dort warf er sich erstmal in den Sand, denn über ihm kreisten mehrere Flugmaschinen. Vorsichtig robbte er sich zur Seite und versuchte sich zu orientieren. Er drehte den Kopf zur Seite und erkannte die Formation von Säulen, die ihm der Zentralrechner gezeigt hatte. Er erhob sich langsam und schlich sich im Schutz von Felsen, Säulen und kargen Bäumen auf eine der Säulen zu. Osiris aktivierte einen Impuls an die zehn Shak'Arit-Roboter, die noch in der Station von Memphis warteten. Sie sollten sich per Transmitter bereits in die Thebenstation begeben. Auf einmal gellte eine Stimme über das ganze Gelände: »Dort! Dort ist er!« Osiris drehte sich um und erkannte, wie mehrere Männer und auch einige der Fluggleiter Kurs auf ihn nahmen. Alle Vorsicht fallen lassend, sprang Osiris auf und rannte, so schnell wie er konnte, auf die Säule zu. Nur noch wenige Meter, dann hatte er sie erreicht. Perry Rhodan schaute sich die Flucht aus seinem Gleiter an. Die wieder auferstandene Gottheit rannte mit großen Sprüngen auf eine der Säulen zu. Bevor er sie doch erreichte … verschwand er einfach. »Sofort bei der Säule landen!«, ordnete er an. »Und sorgt dafür, dass das Gelände weiträumig abgesperrt wird. Ein TLD-Kommando soll herkommen!« Inzwischen war der Gleiter bei der Säule gelandet. Perry Rhodan verließ den Gleiter und schritt vorsichtig auf die Säule zu. Dann versuchte er, die Seite der Säule zu berühren, an der Osiris verschwunden war. Es gelang ihm nicht. Diese Seite der Säule war zu einer materiellen Projektion geworden. Bevor er sich aber weitere Gedanken machen konnte, hörte er das Landegeräusch eines anderen Gleiters. Er drehte sich um und sah Stewart Landry mit drei Oxtornern und etwa zwanzig TARA-III-Roboter auf sich zukommen. Er winkte die Gruppe zu sich. »Kommt. Es gibt etwas Neues zu entdecken!«, rief er und machte einen Schritt auf die Säule zu. Als er wieder sehen konnte, bemerkte er, dass er und seine Begleiter sich in einer weiträumigen Halle befanden. An den Wänden standen etwa ein Dutzend Anubis-Statuen und sie bewegten sich auf die Gruppe zu … Osiris aktivierte auf den letzten Metern sein Funkgerät und strahlte den vorbereiteten Funkimpuls ab. Das Transmitterfeld nahm ihn auf und beförderte ihn in die große Vorhalle der Station. Mit einem weiteren Funkimpuls befahl er den aus Memphis kommenden Shak'Arit-Androiden, die Eindringlinge, die ihm sicherlich folgen würden, nur aufzuhalten, aber nicht zu töten. Nachdem er das gemacht hatte, rannte er zur Zentrale der Station. Die Pläne, die er vom Zentralrechner seiner Station bekommen hatte, waren Gold wert. Noch eine Biegung, noch eine Tür, dann war er da. Er ließ sich in einen Sessel fallen, rief die Kontrollen für die Stasekammern auf und schreckte auf. Hier lagen seine beiden Söhne und seine Frau. Und alle lebten noch. Mit zitternden Fingern startete er die Erweckungssequenz und wartete darauf, dass der Zentralrechner den Vollzug meldete. Er konnte es nicht mehr abwarten. Nur noch wenigen Minuten, dann waren sie vereint!
Denise Joorn schaute kurz von den Schriftrollen auf und dachte nach. Eine »unsichtbare« Stimme, die sich als die Stimme Amuns bezeichnet hatte, riet dem Pharao Ramses, sich zurück zu ziehen, dann wurde gleichzeitig eine Art Schutzschirm aufgebaut. Und das im alten Ägypten. Es war kaum zu glauben. Denise widmete sich wieder ihren Schriftrollen und begann weiter zu lesen. In dieser dramatischen Situation erwies sich Ramses als geistesgegenwärtig und tatkräftig. Er rief seine Berater zu sich und informierte sie über die drohende Katastrophe. »Die Feinde liegen hinter der alten Festung Kadesch, während meine Statthalter in den fremden Gebieten und unsere Führer, denen die Länder des Pharao unterstehen, nicht im Stande waren, uns über ihr Eintreffen in Kenntnis zu setzen!« Der königliche Generalstab, repräsentiert durch Nacht-Hotep, bestätigte zerknirscht: »Es war ein schwerer Fehler, dass der Gouverneur der Fremdländer und die Befehlshaber des Pharao unfähig waren, den Feind aus Hatti von sich aus auszukundschaften, wo immer er auch war, um täglich Seiner Majestät Meldung über ihn zu erstatten.« Fieberhaft überlegte der Pharao. Wie konnte das Blatt gewendet werden? Wenn wenigstens die Division des Re schon hier wäre! Auf die des Ptah und des Seth konnte man in der gegenwärtigen Situation nicht rechnen. Sie waren mit Sicherheit noch zu weit entfernt. Vergebens! Es war schon zu spät. Noch während Ramses Kriegsrat hielt, griff Muwatallis an. Die hethitischen Streitwagen machten sich über die Heeresgruppe des Re her, die den Orontes überquert hatte und ahnungslos am Flussufer entlang marschierte, um zu Ramses und den Amun-Kämpfern zu stoßen. Muwatallis hatte diesen Angriff eher als Überfall denn als Feldschlacht geplant. Sonst hätte er wohl kaum seine Fußtruppen in Deckung gelassen. Er baute ganz auf das Überraschungsmoment. Die Re-Soldaten hatten jedenfalls keine Chance. Sie wurden zu Hunderten niedergemacht, und wem die Flucht gelang, konnte sich glücklich preisen. In helllichter Panik versuchten die Überlebenden, sich zum König durchzuschlagen, die siegreichen hethitischen Horden dicht auf den Fersen. Eilends beendete der Pharao die Besprechung, denn der Kriegslärm war schon zu hören. Ein knapper Befehl nach dem anderen: »Zu den Waffen! Anspannen! Her mit der Leibwache! Wo war der Schildträger?« Ramses sprang auf seinen Streitwagen, ergriff Pfeil und Bogen und stürzte sich ins Kampfgetümmel. Einen Pfeil nach dem anderen schoss er ab, stieß Schlachtrufe aus, je, er verfiel geradezu in einen Blutrausch. Seine Majestät war mächtig, sein Herz war tapfer, niemand konnte vor ihm bestehen. Seine ganze Umgebung stand in Flammen, mit seinem Gluthauch verbrannte er jedes Fremdland. Seine Augen waren wild, als er sie erblickte, und seine Macht loderte wie ein Feuer gegen sie auf. Er scherte sich nicht um die Fremdvölker, er betrachtete sie als Stroh, als er in die Mitte der Schar der Feinde von Hatti hinein eilte. Doch auch die kemetischen Soldaten fürchteten sich sehr. Grauenerregend waren sie, diese Hethiter, wie sie auf ihren Streitwagen standen und Tod säten. Dann fielen die Naruna über die Reihen des elenden Besiegten von Hatti her, die ins Lager des Pharao eingebrochen waren; die Diener des Pharao töteten sie und ließen keinen entrinnen. Ihre Tapferkeit wurde durch die große Kraft des Pharao gestärkt, der als Berg von Kupfer und als Mauer von Eisen für immer hinter ihnen stand. Der hethitische Gegenangriff endete in einem Blutbad. Muwatallis hatte aus der anfänglichen Überlegenheit kein Kapital schlagen können. War er wirklich so gelähmt vor Schreck über den Kampf des ägyptischen Königs? Oder hatte er die entscheidende Schlacht erst für später geplant? Hätte Muwatallis seine Fußtruppen zu diesem Zeitpunkt eingesetzt, wäre Ramses verloren gewesen. Doch er tat es nicht. Der schon für unabwendbar gehaltene hethitische Sieg wurde so zumindest in ein Unentschieden verwandelt. Fest stand, Ramses war nur knapp einer militärischen Katastrophe entgangen. Er starrte an die Wand und überlegte, was falsch gelaufen war. Mein Pharao tat mir in diesem Moment Leid. Mit zwei aufgeriebenen Heeresabteilungen waren weder Schlacht noch Krieg zu gewinnen, umso weniger als auf dem anderen Ufer des Orontes 37.000 ausgeruhte hethitische Soldaten warteten. »Wir haben die Schlacht verloren. Wie feige sind eure Herzen, meine Wagenkämpfer! Keiner von euch verdient Vertrauen. Ist einer unter euch, dem ich keine Wohltaten erwiesen hätte? Gutwillig habe ich euch zu hohen Offizieren gemacht. Ich habe euch den Arbeitsdienst im Militär erlassen, weil ich mir sagte: ›Sie werden sich nicht verändert haben, wenn sie mit mir in die Schlacht ziehen.‹ Aber siehe, kein Mann unter euch blieb bei mir, um mir im Kampf die Hand zu reichen! Seht, Amun hat mir den Sieg gegeben, als weder die Infanterie noch die Wagentruppe mir zur Seite stand. Ich war allein, kein hoher Offizier ist mir gefolgt, kein Wagenkämpfer, kein Soldat meiner Armee und kein Hauptmann …« »Doch noch kannst du den Krieg gewinnen«, riet ich ihm. Ramses schöpfte neuen Mut. Der Kampf gegen die Hethiter war noch lange nicht verloren. Schon wenige Tage danach begannen die nächsten Feldzüge. Die Jahre strichen ins Land. Die Situation mit den Hethitern entspannte sich etwas, doch der Krieg dauerte noch viele Jahre. Ramses war und wird der größte Herrscher der XIX. Dynastie sein, dessen war ich mir sicher. Nach dem gewaltsamen Tode von Tut-Anch-Amun und der Abschaffung des Atonkultes regierte Haremhab eine längere Zeit. Sein militärisches Talent wurde bereits früh erkannt und er diente bereits unter Amenhotep III. als Offizier, wurde Oberster Befehlshaber unter Ach-et-Aton und wurde später königlicher Stellvertreter von Tut-Anch-Amun. Nach dessen Tode und des seines Nachfolgers Aja sah Haremhab endlich seine Chance auf den Thron. Er ernannte sich selbst zum König und bekräftigte den Anspruch durch die Heirat mit der Hofdame Mutnodjme, einer angeblichen Schwester Neferetitis. Sobald er Pharao war, stellte er die ursprüngliche Ordnung wieder her. Er eröffnete die Tempel des Amun erneut und setzte die Priesterschaft wieder ein. Um jedoch den Druck der Priesterschaft auf den Pharao zu verringern, ernannte er nur Militärs zu Priestern, auf deren Loyalität er sich verlassen konnte. Während seiner dreißigjährigen Herrschaft begnügte er sich mit der Absicherung nach innen, für auswärtige Beziehungen gibt es kaum Hinweise, wenn man von einem Feldzug nach Kusch und einer Handelsexpedition nach Süden absah. Nach Haremhabs nicht ganz freiwilligen Abgang, kam Ramses an die Macht. Er war der Großvater meines Pharaos. Er stammte vom Militär und begründete die jetzige Dynastie. Ramses regierte jedoch nur zwei Jahre. Wie sein Vater Ramses I. hatte Sethos die Titel eines Wesirs und Oberbefehlshabers der Armee inne gehabt. Er nahm Tuja, die Tochter des Streitwagen-Offiziers Raja, zur Frau, die ihm drei Kinder gebar – einen Sohn, der früh verstarb, und eine Tochter namens Tija; das dritte Kind, wieder ein Junge, wurde nach seinem Großvater benannt. Als Ramses II. sollte er als mächtigster Pharao Kemets zu meiner Zeit auf dem Thron regieren. Sethos unternahm bereits im ersten Amtsjahr eine Militärexpedition nach Syrien und innerhalb von sechs Jahren mehrere Feldzüge, von denen die Nord- und Ostfassade des Karnak-Tempels berichteten. Vorbild bei den militärischen Interventionen war sein Vorgänger Thutmosis III. und er war fest entschlossen, an den Tatenruhm seiner Vorgänger anzuknüpfen. Ein weiteres militärisches Glanzstück war die Eroberung der besagten hethitischen Festung Kadesch, die er jedoch bald wieder an die Hethiter abtreten musste. Auch auf dem architektonischen und künstlerischen Sektor erlebte Kemet unter Sethos eine erneute Blütezeit. Er begann mit dem Bau der großen Säulenhalle im Tempel des Amun, die später von Pharao Ramses fertig gestellt wurde. Diese Halle nahm eine Grundfläche von 102 mal 53 Metern ein. Sie wurde von 134 monumentalen Pfeilern getragen; die inneren zwölf überragten knapp die äußeren Reihen mit ihren 23 Metern Höhe. Die einzige Beleuchtung war das durch Steingitter in der Decke hereinfallende Sonnenlicht, welches die Strahlen des Sonnengottes Ra symbolisieren sollte. In Abydos entstand der Totentempel Sethos, der von auch von Pharao Ramses II. fertig gestellt wurde, da Sethos während der Bauarbeiten verstarb. Im 21. Regierungsjahr des Ramses – er war zu diesem Zeitpunkt 46 Jahre alt und lebte glücklich mit der Liebe seines Lebens Nefertari als Hauptgemahlin – passierte etwas Sonderbares, was Ramses auf Dauer veränderte. Ich war bei ihm, als es geschah. Wir philosophierten über die damalige Schlacht bei Kadesch. Der Krieg war immer noch nicht gewonnen, auch wenn wir es historisch so dargestellt hatten, dass Ramses die Schlacht bei Kadesch gewonnen hatte. »Treuer Tjija, seit meiner Thronbesteigung kennen wir uns. Seit dieser Zeit kämpfen wir auch gegen die Hethiter. Ein Krieg, den man scheinbar nicht gewinnen kann.« »Du kannst, wenn du andere Waffen wählst«, hörten wir plötzlich eine weibliche Stimme. Überrascht drehten wir uns um. Vor uns stand eine wunderschöne Frau in einem langen, weißen Kleid. Ihr Amulett am Hals trug die Zeichen des Isis. Ramses und ich wussten, wer sie war. »Isis, die Schutzgöttin«, sprach er bedächtig. Isis lächelte. »Deine Intuition spricht für dich, Pharao.« Ramses sank auf die Knie und ich tat es ihm nach. »Steht auf! Mich dürstet es nicht nach Huldigung«, sprach Isis. »Ich bin hier, um dir einen Rat zu geben.« Ramses hörte gespannt zu. »Ein Krieg muss nicht immer das richtige Mittel sein. Seit vielen Jahren bekriegen sich beide Völker. Es ist Zeit für Frieden. Zeit, zu vergessen, was einst war. Ramses, du bist ein starker Pharao. Ein Mann, der sich mit den glorreichen Pharaonen Skorpion, Narmer, Djoser, Chufu und Thutmosis messen kann. Ich habe sie alle gekannt. Sie sind nun bei Osiris, meinem Gemahl. Auch du wirst den Weg dorthin finden, wenn du dich für den richtigen Weg entscheidest, nicht ein Pharao des Krieges zu sein, sondern ein Pharao des Friedens.« Ramses lauschte jeder Silbe von Isis. Er schien zu verstehen. Genau zu verstehen. In seinen einundzwanzig Jahren war er sehr kriegerisch gewesen. Sei es, dass er nicht freiwillig das geknechtete Volk Moses gehen lassen wollte oder dass er zu engstirnig war, mit den Hethitern Frieden zu schließen. »Du, Teje«, wandte sich Isis an mich. »Du hast nun zum zweiten Mal mit deinem Pharao einen Gott getroffen. Einst bei Kadesch, als mein Sohn Horus im Namen Amuns euch half und nun mich. Ich möchte, dass du die Geschichte von Ramses und seinen Vorgängern bis Tut-Anch-Amun niederschreibst. Eines Tages werde ich wiederkommen und mir die Aufzeichnungen holen. Ein Platz an der Seite meines Mannes sei dir sicher.« Ich war sprachlos und verneigte mich vor ihr. Dann verschwand sie plötzlich. Eingehüllt in ein Leuchten löste sie sich auf. Ramses sah mich an. Wir sagten kein Wort, doch wussten wir, was zu tun war. Im 21. Jahr seiner Regierung schloss nun Ramses mit dem neuen König Hattuschilis den ersten bekannten Friedensvertrag der Weltgeschichte. Der Vertrag war in babylonischer Sprache abgefasst, der Diplomatensprache der damaligen Zeit. Hethitische und kemetische Rechtsgelehrte hatten bei der Endfassung zusammengearbeitet. Ramses ließ den Vertragstext an die Mauern des Tempels von Karnak und an die seines Totentempels meißeln. Zwei Hauptanliegen bildeten den Kern des Inhalts: Brüderlichkeit und Frieden. Beide Parteien verpflichteten sich zu gegenseitigem Respekt, Anerkennung der Legitimität des jeweiligen Herrschers, zu Waffenhilfe, Flüchtlingsaustausch und Amnestie für Gefangene. Die beiden Könige, Ramses und Hattuschilis, standen in regem Briefkontakt. Immer wieder wurde in den Briefen Ramses' II. die große Freude über den Friedensschluss deutlich. Er wollte ein König des Friedens werden und Freundschaft zwischen ihm und Hattuschilis, zwischen Kemet und dem Hethiterreich stiften. Das war Isis' Wille und hinter Isis stand der Wille Amuns! So schrieb er: »Und was mein Bruder mir geschrieben hat, lautet wie folgt: Die Gottheit wird in Ewigkeit nicht zulassen, dass gegen das andere Land Feindseligkeiten ausgeübt werden – so hat mein Bruder mir geschrieben; der Sonnengott der Ägypter und der Wettergott der Hethiter werden alle guten Beziehungen gewähren; sie werden gewähren, dass alle Beziehungen bewirkt werden, die ich ersehne. Und siehe, sehr schön ist die Silbertafel, die mir mein Bruder gesandt hat, um große Bruderschaft und großen Frieden zu gewähren und auf ewig nicht zuzulassen, dass Feindschaft zwischen dem Land Ägypten und dem Hethiterland entsteht.« Und Ramses regierte in den über sechzig Jahren seiner Amtszeit weise. Er war in meinen Augen der größte Pharao und ich bezweifle, dass jemand ihn überbieten wird. Im hohen Alter von 94 Jahren, vier Jahre älter, als ich es nun war, verstarb mein Freund und hinterließ die prächtige neue Stadt Pi-Rammesse und unzählige, gewaltige Tempel. Doch seine größte Errungenschaft war der Frieden mit den Hethitern. Bis zum Ende seines Lebens war er davon regelrecht beseelt, das kemetische Volk zu einem friedlichen Volk der Gerechtigkeit zu machen. Leider reichte sein eines Leben nicht aus. Nun war ich an der Reihe, ins Jenseits überzutreten. Isis erschien mir und nahm meine Aufzeichnungen und fügte sie die Schilderungen des Imhotep, Neferti und Meriré hinzu. Dann begleitete sie mich auf dem Weg zu Osiris … Tjija, Gelehrter und Wesir am Hofe des Ramses II., 1212 v.Chr.
Die zwanzig TARA-III-Roboter reagierten schneller als Rhodan und die Oxtorner. Sie eröffneten das Feuer auf die zwölf Androiden. Doch das Strahlenfeuer prallte an den Schutzschirmen ab und konnte den Androiden nichts anhaben. Weiterhin glitten die Anubis-Wächter auf die Gruppe zu und begannen plötzlich ebenfalls zu feuern. Perry Rhodan sah nur noch eine Feuerwand auf sich zu rasen und schloss bereits mit dem Leben ab. Die Druckwelle war so hart, dass er gegen eine der Wände prallte und für kurze Zeit das Bewusstsein verlor. Osiris wurde immer ungeduldiger. Es würde noch etwa zehn Minuten dauern, bevor die Wiedererweckungssequenz abgeschlossen war. Ein kurzer Blick auf den Kontrollmonitor zeigte ihm, dass die ihm gefolgten Terraner nicht gegen die Shak'Arit-Androiden ankamen. Er beobachtete, dass die Shak'Arits die terranischen Roboter einen nach dem anderen ausschalteten. Nur schemenhaft in all dem Staub konnte er die Körper der Menschen sehen, die die Roboter begleitet hatten. Sie schienen alle noch zu leben. Bevor er sich aber noch weitere Gedanken darüber machen konnte, zeigten ihm mehrere Signale an, dass die Erweckungssequenz beendet war. Mit schnellen Schritten machte er sich auf den Weg zum Staseraum. Dort angekommen, blieb er erstmal stehen und ließ seine Blicke über die drei Personen schweifen, die sich gerade benommen aufrichteten. Da war Anubis, einer seiner Söhne. Weder seine gewaltige Größe von 213 Zentimetern, noch sein Gewicht von 119 Kilogramm waren das Auffälligste an ihm. Nein, das auffälligste war sein Kopf. Vor mehreren tausend Jahren war er künstlich aus einem Kemeten und einem Shak'Arit geklont worden. Daher sah sein Kopf aus wie der eines Wolfes. Er trug ebenso – wie Osiris selbst – einen Zellaktivator und war früher der oberste Millitärführer des Volkes der Kemeten gewesen. Dann fiel sein Blick auf Horus. Auch er war – wie Anubis – geklont worden, und zwar aus dem Genmaterial eines Kemeten und eines Hersi'Thor. Daher war sein Körperbau humanoid, aber sein Kopf sah aus wie der eines Falken. Er war 183 Zentimeter groß und wog 79 Kilogramm. Als letztes blieb sein Blick bei seiner Frau und Schwester Isis hängen. Erinnerungen wurden wach, als er seinen Blick an der 175 Zentimeter kleinen Kemetin rauf und runter wandern ließ. Das tiefschwarze Haar und die tiefschwarzen zeitlosen Augen schlugen ihn in seinen Bann. Auch sie trug einen Zellaktivator, weil sie ebenfalls an dem Himmelfahrtskommando im Auftrag von Amun teilgenommen hatte – und das auch nur, weil sie ihren Bruder nicht alleine lassen wollte. Er trat auf seine Frau und seine Söhne zu, half ihnen aus den Stasekammern und umarmte sie. Die Benommenheit fiel immer mehr von ihnen ab. Die Freude über das Wiedersehen war groß, immerhin hatten sie sich mehrere tausend Jahre nicht gesehen. »Kommt«, sprach Osiris. »Wir haben nicht viel Zeit.« Gemeinsam verließen die vier Götter den Staseraum und gingen zum zentralen Transmitterraum. Nachdenklich ließ er den Blick über die zerstörten Roboter der Terraner wandern, bis sein Blick auf einen Terraner in einem blauen Raumanzug fiel. Perry Rhodan. Innerlich zuckte er plötzlich zusammen, als er die machtvolle Aura dieses Terraners spürte. Er fühlte etwas, was er beim ersten Aufeinandertreffen nicht vernommen hatte. Konnte es sein …? Er gab den Robotern den Befehl, nichts zu unternehmen, und trat auf den Mann zu. War es wirklich möglich …? Er wollte gerade einen Satz sagen, als er ein wildes Geschrei hörte. Osiris sah nur noch in am Rande, wie sich zwei der »großen« Terraner auf Anubis stürzten. Anubis fegte mit einer kaum zu sehenden Bewegung seiner Arme einen von den Beinen, während er den anderen packte und ihn gegen die Wand schleuderte, wo er benommen liegen blieb. Gerade als der dritte Oxtorner auf Anubis stürzen wollte, rief der Mann in dem blauen Anzug einige Worte und der Oxtorner verharrte in seinen Bewegungen. Nachdenklich ließ Osiris den Blick noch über Perry Rhodan schweifen, um sich dann umzudrehen und mit seinen Gefährten in einen Transmitter zu gehen, der in einer der Wände verborgen war. Kaum hindurch getreten, programmierte Osiris den Transmitter, startete die Selbstzerstörungssequenz und trat dann mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen wieder in den Transmitter. Sekunden später, nachdem Osiris durch den Transmitter getreten war, explodierte die Station. Perry Rhodan schaute lange Zeit auf den Transmitter, durch den die Gottheit und seine drei Gefährten geflohen waren. Er meinte in den anderen drei Personen Anubis, Horus und Isis erkannt zu haben, drei weitere Götter aus dem alten Ägypten. Seufzend rappelte er sich auf und winkte die Oxtorner zu sich. Gemeinsam, jeder seinen Gedanken nachhängend, verließen sie die Station durch das Transmitterportal. Rhodan bemerkte, dass die Oxtorner geknickt waren. Selten ging ein Wesen so mit den umweltangepassten Terranern um, wie es Anubis getan hatte. Die Stärke dieses Schakalwesens war beeindruckend. Kaum waren sie wieder an der Oberfläche, da erhielt Perry einen Funkspruch, dass sich in der Nähe von Gise eine große Explosion ereignet hatte. Er sprang zu seinem Gleiter, der immer noch in der Nähe stand, startete ihn und nahm Kurs auf Gise. Schon von weitem konnte er die riesige Staubwolke sehen, die am Himmel hing. Er landete, verließ den Gleiter, stellte sich auf eine kleine Erhebung und schaute hinab. Orisis meinte den Hauch der Explosion in seinem Rücken noch zu spüren, während von vorne kühle und frische Luft sein Gesicht streichelte. Er nahm einen tiefen Atemzug und drehte sich zur Seite. Es war nur wenige Minuten her, dass er seine Frau Isis und seine beiden Söhne Horus und Anubis aus ihren Stasekammern befreit hatte und doch wirkten sie, als hätten sie nur ein paar Stunden geschlafen und nicht Tausende von Jahren. »Kommt!«, sagte Osiris. »Es gibt viel zu tun!« Gemeinsam verließen sie das kleine Gebäude, welches am Rand eines großen Platzes in der Hauptstadt des Planeten Kemets, Atum, stand. Osiris ließ sein Auge schweifen und erblickte in der Mitte des Platzes das Herzstück des alten Imperiums – die Amun-Ré-Pyramide. Sie wurde von Ptah zu Ehren ihres »Gottes« und Auftraggebers Amun gebaut. Sie erhielt den Beinamen Ré in Bezug auf die gleichnamige Sonne im Kemetsystem. Etwa zwölftausend Jahre war an dem gewaltigen Monument gebaut worden. Sie hatte eine Kantenlänge von 3000 Metern und eine Höhe von 1852,35 Metern. Bis zum freiwilligen Tod von Ptah diente sie als Symbol für den Glauben. In der Pyramide befanden sich Museen, die größte Bibliothek, einfach alles, was Kemet symbolisierte. Zusätzlich war dort der größte Rechner eingebaut worden. Von dort wurde alles Technische auf Kemet gesteuert. Nach dem Tod von Ptah wurde die Pyramide von Amun höchstpersönlich restauriert. Ein Hilfsvolk umhüllte die Pyramide dabei mit einen goldenen Stoff. Das Innere wurde durch Technik ersetzt, die den Kemeten auch noch heute unbekannt war. Es war die Technik von Amuns Volk. Osiris holte tief Luft. Er war zwar zirka 272.000 Jahre alt, doch selbst er erschauerte noch immer, als er den Hauch der Jahrtausende spürte, die von der Pyramide ausgingen. Er war jetzt seit fast 19.000 Jahren nicht mehr auf Kemet gewesen und doch, so erkannte er, hatte sich nichts geändert. Golden schimmerte die Pyramide in den Sonnenstrahlen. Einst war sie das Machtzentrum seines Volkes und jetzt ein geheimnisvolles Monument, welches den Seelen der Kemeten Platz bot. Was würde die Zukunft für die letzten der Kemeten bringen? Und was war aus ihren vergeistigten Artgenossen in der Pyramide geworden? Osiris hing diesen Gedanken so sehr nach, dass er gar nicht merkte, dass er und seine drei Begleiter von einem Transmitterfeld in eine der vielen Nebenzentralen gebracht wurden. Erst als er den fremden Geruch merkte, kam er wieder vollends in die Realität zurück. Er schaute sich um. 19.000 Jahre hatte er in einem Sarkophag gelegen und was war das Ergebnis? Auf der Erde hatten nicht die Völker am Hapi gesiegt. 19.000 Jahre, in denen er und seines gleichen soviel hätten machen können, obwohl es ihnen verboten gewesen war. Verboten von Amun, ihrem höchsten Gott und Auftraggeber. Sein Zorn wurde übermächtig, als er daran dachte, wer es war, der das Zeitschloss an seine Stasiskammer angebracht hatte. Seth, sein eigener Bruder. Müde ließ er sich in einen Sessel fallen. Seine Gedanken eilten wenige Stunden zurück. Er sah diesen großen Mann vor sich in seinem blauen Anzug. Es war Perry Rhodan. Bevor er sich jedoch darauf konzentrieren konnte, verschwand der Begriff wieder. Perry Rhodan war also ein Diener höherer Wesen, genau wie er selbst. Das deckte sich jedoch nicht mit den Schilderungen von Kawai Muhalla. Ein Diener der Kosmokraten war kein Diktator. Er würde die Erde erobern, Perry Rhodan gefangen nehmen und dann versuchen, Kontakt mit Amun aufzunehmen. Er würde schon wissen, was er mit diesem Abtrünnigen machen sollte. Doch dafür brauchte er Helfer. Er hob den Kopf und ließ seinen Blick über seine Frau und seine beiden Söhne schweifen, die ihn erwartungsvoll anschauten. Er ließ den Blick weiter wandern und seine Augen blieben an einem Monitor hängen. Das war eindeutig eine Kontrolleinheit für Stasiskammern. Irgendwo in der Pyramide lagen drei Personen in Stasis und sie warteten nur darauf, geweckt zu werden. Er sprang auf und rannte so schnell aus der Zentrale, dass ihm weder seine Frau noch seine beiden Söhne folgen konnten. Nach wenigen Metern baute sich ein Transmitterfeld vor ihm auf, das ihn noch tiefer in die Eingeweide der Pyramide schleuderte. Nach einer kurzen Orientierungsphase wusste er, wo er war: In einer Nebenzentrale, von wo die Stasiskammern der Pyramide gesteuert wurden. Er blickte auf einen Monitor und sah drei der etwa zwei Meter langen Sarkophage. Hier ruhten seine Gefährten Hathor, Thot und … und … sein Bruder Seth. Seth, der ihm das alles angetan hatte! Er sah sich für einen kurzen Moment auf einem Monitor die Lebensignale an und startete dann die Erweckungssequenz.
Denise Joorn legte die Schriftrolle beiseite und dachte wieder nach. Die Göttin Isis war die Tochter der Nut und des Geb und eine sehr mächtige und beliebte Gottheit. Sie war ihrem Bruder und Gemahl Osiris treu ergeben. Die Schriftzeichen ihres Namens bedeuten das Wort Thronsitz, dessen Verkörperung sie ursprünglich wohl gewesen war. Man identifizierte sie vor allem mit dem ägyptischen Thron, da sie und Osiris die ersten Herrscher in einem goldenen Zeitalter gewesen waren und Isis die Mutter des Horus und somit aller nachfolgenden Könige Ägyptens war. Als Osiris von Seth ermordet wurde, erweckte Isis ihren Gatten wieder zum Leben. Sie wurde oft als Vogel dargestellt, der seine Flügel schützend über Osiris ausbreitete. Sie bewahrte ihren Sohn Horus so lange vor den Machenschaften des Seth, bis er seine Erbe als rechtmäßiger Thronfolger antreten konnte. Und diese Gottheit war Ramses erschienen und riet ihm, Frieden mit den Hethitern zu schließen. Denise seufzte laut auf und verfluchte diese Entdeckungen. Jahrzehntelang hatte sie versucht, alles über das alte Ägypten zu lernen. Und nun? Nun stellte sich fast alles falsch heraus. So zu sagen alles umsonst gelernt. Sie nahm die nächste Schriftrolle zur Hand und fing erneut an zu lesen. Meine Soldaten eroberten nun endlich die Stadt der Ägypter, die sich einst Kemeten nannten, im Sturm. Die Ägypter waren ein seltsames Volk. Ein Gemisch aus Griechen und Kemeten. Die alten Monumente der Kemeten waren mehr als beeindruckend. Die Pyramiden von Gise, die Tempel von Karnak und die Grabanlagen von Theben. Eine gewisse Faszination ging von diesem Land aus. Faszination, die jedoch Julius Caesar und Marcus Antonius zum Verhängnis wurden. Besonders, als sie sich mit der ägyptischen Natter Pharaonin Kleopatra einließen. Caesar wurde hinterrücks ermordet. Seinen Tod beklage ich noch heute. Die Ambitionen der Pharaonin waren mir offensichtlich. Sie wollte Kemet wieder zu dem machen, was es zu Zeiten von Ramses II. gewesen war – die größte Weltmacht auf Erden. Doch das war Rom und ich gedenke es dabei bleiben zu lassen. Ein Zenturio riss mich aus meinen Gedanken. »Caesar, wir haben den Palast eingenommen. Kleopatra ist in unserer Hand. Die Ägypter sind geschlagen.« Mit Genugtuung vernahm ich seine Worte. Ich, Octavian, Caesar von Rom, hatte endgültig gesiegt! Das aufmüpfige Ägypten war nun eine Provinz von uns! Diesen Moment wollte ich auskosten. Vor allem auf die Begegnung mit der ach so schönen Kleopatra wollte ich genießen. Ich erinnere mich an ihren pompösen Besuch in Rom. Ich war noch jung, als sie hochnäsig durch die Straßen von Rom zog und Julius Caesar bezirzte. So sehr, dass ein Sohn, Caesarion, daraus entstand und Julius, mein geliebter Adoptivvater, sich den Zorn des Senats und ruchloser »Getreuer« zuzog und in den Iden des März ermordet wurde. »Ich werde persönlich in den Palast gehen. Richtet der Pharaonin aus, dass ich sie zu sehen wünsche.« Ich ließ mir Zeit, denn ich wollte diesen Moment auskosten. Zuerst betrat ich die gewaltigen Säulen. Ich blickte schwer bei diesen vielen Gottheiten durch. Teils waren sie griechischen Ursprungs, teilweise aber auch kemetischen. Einige Götter wurden miteinander verschmolzen. Wahrscheinlich, da das dumme Volk sich nicht so viele merken konnte. Ich betrat danach eine Bibliothek. Ein dickbäuchiger Ägypter stand darin und pflegte die Papyrusrollen. »Du, ich will Aufzeichnungen ab der griechischen Ära lesen!«, rief ich. Erschrocken suchte der Diener ein paar Unterlagen heraus. »Ich will doch nicht uninformiert der letzten Pharaonin gegenübertreten«, fügte ich zynisch hinzu. Die langatmige Schilderung des Herodot kannte ich bereits. So widmete ich mich einer Zusammenfassung eines griechischen Geschichtsschreibers. Dort stand geschrieben: »Die Ptolemäer. Nachdem das Alte Reich der Kemeten zusammenfiel, herrschten viele Fremdvölker über sie. Darunter auch die Perser. Doch jeder behielt die Traditionen bei. Selbst als die Griechen die Perser aus Ägypten vertrieben, verfiel man dem Pharaonenkult, würdigte ihre Religion und ließ dem Volk ihre Traditionen. Die Geschichte der Ptolemäer begann mit dem berühmten Griechen Alexander dem Großen, der Ägypten von der persischen Herrschaft befreite. Nach seinem Tod wurden die eroberten Reiche unter seinen drei Generälen aufgeteilt, wobei sich Ptolemaios die Krone Ägyptens aufsetzte. Er war der Sohn des Lagos, weswegen die Ptolemäer manchmal auch als Lagiden bezeichnet werden. Dessen Frau Arsinoë stammt aus einer Seitenlinie des makedonischen Herrscherhauses. Die Dynastie der makedonischen Ptolemäer war geprägt von Machtgeplänkel, Inzucht und Mord. Trotzdem legten sie sich Titulaturen wie Philadelphos – Bruder/Schwester liebend –, Philopator – Vater liebend – und Philometer – Mutter liebend – zu. Um ihre gute Einstellung zum Volk zu zeigen, hatten manche Beinamen wie Euergetes – Wohltäter –, Soter – Retter –, Epiphanes – Gott erscheinend – oder Philopatris – Vaterland liebend –. Geheiratet wurden stets die Schwestern, so wie Ptolemaios II. Philadelphos es eingeführt hatte. Gestört hat das niemanden, denn diese Sitte war auch schon bei den kemetischen Pharaonen bekannt. Man huldigte auch weiterhin den kemetischen Göttern und baute Tempel im ägyptischen Stil mit griechischen Einflüssen zu ihren Ehren. Die kemetische Sprache lernte, außer Kleopatra, keiner von ihnen. Nach den ersten friedlichen hundert Jahren gingen die Intrigen los, und um an die Macht zu kommen, schreckte man auch nicht vor Mord in der eigenen Familie zurück. Da war Ptolemaios VIII. Euergetes, der auch Physkon – Bierbauch – genannt wurde. Er soll den eigenen Sohn aus der Ehe mit seiner Schwester umgebracht und ihn seiner Schwester-Gemahlin zerstückelt zum Essen serviert haben. Zum Reich der Ptolemäer gehörten, neben Zypern und Kyrene, auch Teile von Syrien, die aber nach dem 5. Syrienkrieg verloren waren. Als Gouverneur der Gebiete wurde immer die nahe Verwandtschaft, meistens die ehelichen und unehelichen Söhne, eingesetzt. Das Volk zeigte sich nach der anfänglichen Freude über die Befreiung der Perser auch nicht gerade angetan von den griechischen Herrschern, was sie in Revolten und Aufständen zum Ausdruck brachten. Dazu kam noch, dass sie unter den Fittichen Roms standen und ständig mit der Angst leben mussten, von der Übermacht erobert zu werden. Trotzdem wurden alle Aufstände erfolgreich niedergeschlagen und Ägypten war das Land, das sich am längsten gegen die Römer behaupten konnte. Kleopatras Vater Ptolemaios XII., der vom Volk solch Beinamen wie ›der Flötenspieler‹ oder ›der neue Dionysos‹ bekam, ging es mit den Römern nicht anders. Er wurde zwar nach der Ermordung Ptolemaios IX. vom Volk anerkannt, tat sich aber mit den Römern sehr schwer. Das Testament Ptolemaios XI. Alexander II. hatte nämlich einen ganz anderen Pharao auf der Liste stehen. Und so wurde er von den Römern erpresst und zu hohen Abgaben gezwungen. Ptolemaios XII. kam auf die Idee, durch Bestechung der römischen Machthaber von Rom anerkannt zu werden, was ihm auch prompt gelang. Selbst Gaius Julius Caesar bestach er mit 6000 Talenten. Das reichte, um den Senat von seinem Herrschaftsanspruch zu überzeugen. Doch leider hörten die Probleme für ihn damit nicht auf. Die Römer nahmen die damals zu Ägypten gehörige Insel Zypern gewaltsam in ihre Hand. Ptolemaios wagte nicht dagegen zu protestieren, was den Unmut des Volkes erregte. Auch die hohen Steuergelder, die für die Bestechungsgelder erhoben werden mussten, und die ewige Angst, dass Rom sie einfach überrannte, trugen nicht gerade zu einer guten Stimmung des Volkes bei. Von den einflussreichen Personen am Hofe wurde Ptolemaios XII. schließlich gezwungen zu flüchten, wobei er in Rom in der Villa des Pompeius Unterschlupf fand. Während seiner Abwesenheit regierten seine Frau Kleopatra VI. und seine Tochter Kleopatra Berenike das Land, bis er zurückkehrte. Dies verdankte er nur der Unterstützung Roms und seinen Schuldnern, die einsahen, dass er ohne auf dem Thron Ägyptens zu sitzen seine Schulden von gigantischen 17,5 Millionen Dinaren schwerlich begleichen konnte. Berenike weigerte sich aber, den Thron wieder herzugeben, und so musste ihr Vater den Thron durch zwei Schlachten zurückerobern. Seine Tochter wurde wegen ihrer Aufmüpfigkeit ermordet. Ein Teil der römischen Truppen blieb in Alexandria, um Ptolemaios vor seinem eigenen Volk zu schützen. Als Nachfolger setzte er im Testament seinen 10-jährigen Sohn Ptolemaios XIII. und seine Tochter Kleopatra VII. Philopator fest. Seine Tochter war auch schon in seinem letzten Regierungsjahr Mitregentin. Die beiden Geschwister mussten heiraten und sahen ein katastrophales Ägypten vor sich – durch die hohen Abgaben litt das Volk an großen Hungersnöten, die Leute flohen vom Land in die Stadt und die Kriminalität hatte erschreckende Ausmaße genommen. Ein halbes Jahr lang hielt Kleopatra ihren älteren Bruder Ptolemaios XIII. Philopator Philadelphos erfolgreich aus den Regierungsgeschäften heraus. Wiederum dank Rom und seinen Ministern gelang es ihm jedoch, den Thron zu bekommen und Kleopatra zu vertreiben. Unterdessen regierte ein Mann namens Gaius Julius Caesar, geboren am 13. Quinctilis, die römische Großmacht. Sein größter Widersacher war derjenige, der schon Kleopatras Vater bei sich aufnahm – Pompeius. Nach langem Machtgeplänkel siegte schließlich Caesar und verfolgte Pompeius bis nach Alexandria, wo er beim minderjährigen Ptolemaios XIII. um der Freundschaft seines Vaters Willen Unterschlupf suchte. Die Ägypter fanden aber in Caesar den mächtigeren Verbündeten, lockten Pompeius in einem Hinterhalt und schenkten Caesar seinen Kopf. In Ägypten herrschte weiterhin Krieg zwischen Kleopatra und ihrem älteren Bruder. Kleopatra erhoffte sich bei Caesar Hilfe. Erzählungen zufolge soll sie sich aus Angst vor der Armee ihres Bruders in einen Teppich eingerollt haben und so unentdeckt zu Caesar gelangt sein. Dieser war über diese List so beeindruckt und amüsiert, dass er für sie Partei ergriff und ihr, gegen den Willen des Volkes, wieder den Thron neben ihrem Bruder zuwies. Ihren jüngeren Bruder Ptolemaios XIV. und ihre Schwester Arsinoe setzte er als Regenten von Zypern ein und so ging diese Insel nach 10 Jahren wieder zurück an die Ptolemäer. Die Anwesenheit der Römer und die neuerliche Versöhnung der beiden Herrscher gefiel den Alexandrianern gar nicht. Es kam zum so genannten Alexandrianischen Krieg, in dem die Ägypter unter der Führung eines Mannes namens Potheinos, der auch schon bei der Vertreibung Kleopatras mitwirkte, gegen die Römer kämpften. Doch Caesar nahm Ptolemaios XIII. als Geisel und schaffte es trotz der Übermacht der Ägypter, Teile der Stadt Alexandria unter seiner Kontrolle zu halten. Im Hafen steckte er Schiffe in Brand, aber das Feuer geriet außer Kontrolle und ein Großteil der berühmten Bibliothek mit 40.000 Schriftrollen fiel den Flammen zum Opfer. Caesar ließ Ptolemaios, der Verhandlungsbereitschaft vorgetäuscht hatte, frei und wurde durch diesen Fehler fast getötet. Rettung kam aus Kleinasien. Der Feldherr Mithridates von Pergamon eilte Caesar mit seinem Truppen zu Hilfe und gewann den Krieg. Ptolemaios wurde getötet und Caesar unternahm mit Kleopatra die legendäre Schifffahrt auf dem Nil. Kleopatra bestieg nun den Thron zusammen mit ihrem 11-jährigen Bruder Ptolemaios XIV. Philopator, der durch ein Testament, das die Römer befolgen mussten, zum Nachfolger erklärt wurde. Er blieb aber im Laufe seiner 4-jährigen Regierung, die durch Gift beendet wurde, immer im Hintergrund. Das Volk hasste Kleopatra und so musste Caesar, als er nach Rom zurück kehrte, Truppen zu ihrem Schutz in Alexandria zurück lassen. Kleopatra war zu dieser Zeit von ihm im 7. Monat schwanger. Ptolemaios XV. Caesarion wurde geboren. Ptolemaios, um die ägyptische Nachfolge zu unterstreichen, Caesarion, um ihn als Erbe Caesars hervorzuheben. Kleopatra folgte ihrem Geliebten nach Rom, um die Nachfolge ihres Sohnes von Caesar, der übrigens mit Pompeia verheiratet war, zu bestätigen. Die Bürger Roms waren schockiert, konnten aber auch ihr Interesse an der »Orientalin« nicht verbergen. Es kam zum Streit zwischen dem Tribun Antonius und Octavian, dem Adoptivsohn Caesars, der die Vaterschaft nicht glauben wollte. Kleopatra schaffte es nicht, Caesar rechtzeitig zu überzeugen. In den Iden des März wurde der Tyrann, der sich am Ende seines Lebens mit Titeln überhäufen ließ und den Senat anfeindete, durch denselbigen ermordet. Kleopatra flüchtete mit ihrem Sohn zurück nach Ägypten. Kurze Zeit später starb Ptolemaios XIV. und ihr Sohn Caesarion wurde mit drei Jahren offiziell zum Mitregenten ernannt. Nach Caesars Tod gelang es Antonius, zusammen mit Octavian die beiden Caesarmörder Brutus und Cassius zu besiegen, und er übernahm die Organisation des Ostens. Kleopatra musste nach dem Tod Caesars neue Verbündete für Ägypten suchen und reiste an die Südküste Kleinasiens, nach Tarsos. Antonius war der ägyptischen Königin ebenfalls verfallen. Dennoch konnten beide ein politisches Interesse an der Beziehung nicht abstreiten – Kleopatra brauchte Schutz und Macht, Antonius die ägyptischen Vorräte von Gold und Getreide für sein Heer. Trotzdem schien die Liebe der 28-jährigen und des 42-jährigen im Vordergrund zu stehen, wie Berichte erzählen. Dann kamen die beiden Zwillinge Alexander Helios und Kleopatra Selene zur Welt. Um die Verbindung mit Octavian zu bestärken, heiratete Antonius die Schwester des Octavian, Octavia, aus dessen Ehe zwei Töchter, beide mit dem Namen Antonia, hervor gingen. Aber er kehrte recht bald zu Kleopatra zurück und nahm sie zur Frau. Ihr drittes Kind trug den Namen Ptolemaios Philadelphos. Auf Geheiß seiner Gattin ließ er ihre Schwester Arsinoë töten. Später ernannte er Caesarion zum ›König der Könige‹ und Kleopatra zur ›Königin der Könige‹. Kleopatra schenkte ihrem Gatten einen Tempel in Alexandria. Doch leider währte ihr Glück nicht lange. Antonius stritt sich mit Octavian immer mehr um die Macht Roms. Senatoren, die vorher zu ihm gehalten hatten, gingen wegen der Verbindung zu Kleopatra auf die Seite Oktavians über. Als die Römer ein Testament zu Gesicht bekamen, in dem Antonius Kleopatra und ihren Kindern das römische Reich vererbte, rief der Senat Antonius offiziell zum Feind Roms aus. Octavian nutzte diese Gelegenheit, das Volk gegen ihn anzustacheln und erklärte den Krieg – nicht Antonius, sondern der Königin von Ägypten. In der Seeschlacht von Actium im Nordwesten Griechenlands ergriff Kleopatra mit ihrer ägyptischen Flotte die Flucht. Antonius folgte ihr. Agrippa, ein sehr guter Freund Octavians, siegte.« Gaius Octavius Caesar, 27 v.Chr.
Nachdenklich ließ Osiris den Blick über die drei Personen schweifen, die vor ihm standen. Da war Hathor, die 173 cm große Kemetin, mit den schwarzen Haaren. Sie hatte ebenfalls vor einer halben Ewigkeit beim Kampf gegen die Besatzer und Udjat mitgeholfen. Auch Thot, der 197 cm große Hersi'Thor, überlebte das Himmelfahrtskommando. Osiris schätze den Wissenschaftler vor allem wegen seiner Treue, die Thot ihm entgegenbrachte. Am längsten verweilte Osiris' Blick aber auf seinem Bruder Seth. Er wusste nicht, ob er ihn lieben oder hassen sollte. Auch er hatte an dem Himmelfahrtskommando teilgenommen und hatte deshalb, genau wie Hathor und Thot, einen Zellaktivator bekommen. Er wusste auch, dass es Seth war, der ihn in die Stasiskammer gebracht hatte. Daraufhin meldete sich Amun und nahm Seth seinen Zellaktivator ab. Doch anstelle zu sterben, stahl Seth den Zellaktivator seiner eigenen Frau Nephtys und legte sie in eine Tiefschlafkammer, bis er einen neuen Zellaktivator für sie bekommen würde. Jäher Zorn brodelte in Osiris hoch. Er trat ganz nahe an seinen Bruder heran. »Ich weiß, was du getan hast. Und du wirst für jede deiner Taten büßen. Aber nicht jetzt. Ich brauche eure Hilfe. Folgt mir.« Seth war auch für kemetische Verhältnisse ein seltsames Wesen. Eine Mischung aus Anubis und Horus, nur kleiner. Er wandte sich an seinen Bruder. »Mein geliebter Bruder, wir müssen nach Seshur, um meiner Frau zu helfen. Sie benötigt noch einen Zellaktivator von mir. Der von Selket wäre doch jetzt frei, nicht wahr?« Seth sprach die Worte in einem gefährlichen Unterton aus. Osiris stoppte und blickte seinen Bruder an. »Nephtys ist tot. Getötet von unwissenden Terranern.« Seth tat überrascht und bestürzt. »Sie sollen dafür büßen«, versprach er. Osiris ging nicht auf die Worte ein und lief weiter. Perry Rhodan stand auf einer Erhebung und schaute sich das Schlachtfeld an, das ehemals eine alte unterirdische ägyptische Station gewesen war. Er sah auch die vielen Menschen, hauptsächlich TLD-Agenten, die zwischen den Trümmern umher eilten, und doch waren seine Gedanken ganz woanders. Er meinte immer noch diesen Blick der Gottheit Osiris auf sich zu spüren und er hatte auch ganz genau diese Aura wahrgenommen, die ihn eingehüllt hatte wie einen Mantel. Er war sich seiner Sache zwar nicht sicher, aber er hatte diese Aura schon einmal gespürt. Vor mehreren tausend Jahren. Bevor er sich jedoch weiter mit dem Gedanken befassen konnte, trat Stewart Landry an seine Seite und bat ihn, mitzukommen. Unterwegs erklärte der Agent ihm, was vorgefallen war: »Unsere Leute hatten noch einen unversehrten Raum jenseits der Menkaurepyramide entdeckt. Allerdings wurde beim Betreten der gesamte Komplex auch zerstört. Die Explosion war so stark, dass sie sogar einige Tempelanlagen auf der Oberfläche des Gise-Plateaus in Mitleidenschaft gezogen hat.« Rhodan hörte schweigend zu. Osiris hatte es nicht nur hervorragend verstanden, 19.000 Jahre sich auf der Erde zu verstecken, sondern auch seine Spuren zu verwischen. »Unsere Leute haben jedoch einige Bruchstücke ihrer fremden Technik an einigen Außeneingängen der Gise-Station gefunden«, berichtete Landry weiter. Er wurde in einen gerade freigelegten Raum geführt. Dort auf einem Tisch standen mehrere Bruchstücke einer Technik, die Rhodan sofort erkannte. »Das ist ein Fiktivtransmitter«, erklärte er schwer atmend. »Ich bekam in der Gründungszeit der Dritten Macht von der Superintelligenz ES zwei Stück. Erst später erfuhren wir, dass sie aus den Arsenalen unterhalb des Dom Kesdschan stammten. Das ist eindeutig Kosmokratentechnik!« Während sich das Schweigen ausbreitete und alle über diese Entdeckung nachdachten, drehte sich Rhodan um und rannte zum nächsten Gleiter. Nur wenige Sekunden später war er in der Luft und nahm Kurs auf Kairo. Er musste unbedingt mit Denise Joorn sprechen. Nur wenige Stunden später hatte Osiris die Reaktivierung ihrer Flotte eingeleitet. Er wandte sich an Anubis. »Anubis, in deine Hände lege ich die Flotten. Sorge dafür, dass sie bald einsatzbereit sind, damit wir Terra erobern können.« Anubis schlug sich auf die Brust. Er fletschte mit seinen Zähnen und knurrte bedrohlich. »Es ist mir eine Ehre, bei Amun!« Und so begann die Reaktivierung einer 400.000 Einheiten starken Flotte mit Millionen über Millionen Shak'Arit-Soldaten. Osiris lächelte überlegen. »Gefährten, bald wieder werden wir auf der Erde residieren.«
Denise gab dem Servo den Befehl, ein Fenster zu öffnen. Die frische Luft, die in das Zimmer strömte, weckte neue Lebensgeister in ihr. Bisher war sie noch auf keine Hinweise auf die auferstandenen Götter gestoßen. Aber sie hoffte, dass sich das noch ändern würde, darum las sie weiter. Euer Geschichtsschreiber ist auf aktuellem Stand. Informiert ihn, da er bald das letzte Kapitel der Ptolemäer schreiben kann«, wies ich den fettwanstigen, ägyptischen Bibliothekar an. Ich gab zwei Zenturios ein Zeichen und sie folgten mir zu den privaten Gemächern der Pharaonin. Auf meinem Weg dorthin wurde ich von Götzenbildern aller möglichen Gottheiten angestarrt. Ich fühlte mich etwas unwohl. Wir verehrten Mars, Jupiter und die anderen Götter nicht in dem Maße, wie die Ägypter es taten. »Vorsicht!«, brüllte einer der Zenturios. Ehe ich mich versah, waren wir von drei ägyptischen Medjaj, einer Art Prätorianergarde für die Pharaonen, umringt. Ich griff sofort zu meinem Schwert. Es war ein Mann-gegen-Mann-Kampf. Doch schnell wurde einer meiner Zenturios getötet und wir waren in der Unterzahl. Ich warf mich auf meinen Gegner und schlug ihm so die Waffe aus der Hand. Wir rangen auf dem Marmorboden des Palastes. Seine gewaltigen Pranken legten sich um meinen Hals und raubten mir die Luft. Ich spürte, wie mein Schädel zu zerplatzen drohte. Mit letzter Kraft winkelte ich mein Bein an, meine Hände tasteten nach meinem Stiefel, in dem ein Messer steckte. Luft! Luft! Mit zitternden Händen bekam ich das Messer zu fassen, riss es aus der Halterung und rammte es in den Nacken des Ägypters. Er ließ noch nicht los, so tat ich es erneut und erneut. Endlich erschlafften seine Hände und er hörte auf zu atmen. Derweil waren drei andere Zenturios und mein Getreuer Diener Agrippa angekommen und töteten die beiden Angreifer. Agrippa half mir hoch. Benommen setzte ich meinen Weg zu Kleopatra fort. »Bist du unverletzt, mein Caesar?« »Relativ. Wo ist nun die Königin?«, wollte ich wissen. Der bärtige Agrippa deutete mir den Weg. Als ich losgehen wollte, hielt er mich jedoch fest. Ernst blickte ich ihn an. »Marcus Antonius ist tot!« »Was?«, fragte ich fassungslos. »Er hat den Freitod gewählt und liegt zur Einbalsamierung in einer Kammer im Ostflügel des Palastes«, erklärte Agrippa. »Ein denkwürdiger Tag. Antonius war ein großer Mann. Doch nun ist er ein toter Mann. Agrippa, was ist mit Caesarion? Habt ihr den Jungen gefangen?« Der Tribun schüttelte den Kopf. Ich packte ihn wütend an den Schultern. »Was? Wo ist er?« »Auch tot …« Meine Augen weiteten sich, als ich das hörte. Der Sohn Caesars und Kleopatras war tot. Agrippa hatte ihn umgebracht. Das wollte ich doch nicht. Ich wollte doch kein unschuldiges Kind töten lassen! Es sollte nur verschwinden, irgendwo von einer Bauernfamilie aufgezogen werden, damit es mir den Thron nicht streitig machen konnte. Aber töten? Ein Kind? »Wieso?«, brüllte ich ungehalten. »Waren meine Befehle nicht eindeutig?« »Ja, mein Caesar. Für mich waren sie eindeutig«, entschuldigte sich Agrippa. »Doch nicht für diesen korrupten ägyptischen Hohepriester, der das Kind auf meinen Befehl wegbringen sollte. Als Caesarion sich wehrte, erschlug er ihn.« Fassungslos blickte ich mich um. Mein Blick fiel auf meinen Brustpanzer. Blut klebte an meiner weißen Rüstung. Blut! Blut eines Mörders. Das Blut vieler klebte an meinen Händen. Nun auch das eines Kindes. Ich forderte ein nasses Tuch, um es sauber machen zu können. Mein Befehl wurde sofort ausgeführt und meine Rüstung strahlte, als ich das Privatgemach von Kleopatra erreichte. In ihrem Privatgemach lag Kleopatra auf ihrem Bett und schien zu schlafen. Ich gebot den Wachen, uns alleine zu lassen. Diesen Triumph wollte ich auskosten. Ich wanderte mit der Überheblichkeit eines Siegers durch ihren Raum und betrachtete mir ihre Gebetsnische. Dort stand ein Haustempel mit einer Statue der Isis und des Osiris. Altkemetische Götter, die auch im griechischen Ägypten nicht an Bedeutung verloren hatten. Kurz betrachtete ich die goldenen Figuren, dann stellte ich sie wieder ab und ging zu Kleopatra. Für ihre neununddreißig Jahre war sie immer noch eine sehr schöne Frau. Doch sie war gebrochen und wirkte des Lebens müde. Ihre Haare waren zerzaust, die Schminke von Tränen auf dem Gesicht zerlaufen, die Haut bleich. Für einen kurzen Moment fühlte ich Mitleid mit ihr. Ihr Reich war in Scherben, die Männer, die sie liebte, tot und das Schicksal ihrer Kinder ungewiss. Bei Jupiter, ich war bereit gewesen, ihren Bastard zu töten. Doch für diesen Moment konnte ich es nicht. Ich riss mich zusammen und rüttelte die Königin wach. Erschrocken blickt sie mich an und fuhr hoch. Ich trat ein paar Schritte zurück und lachte überlegen. »Pharaonin Kleopatra, ich bin gekommen, um deine Kapitulation anzunehmen.« Kleopatra wischte sich die Tränen vom Gesicht und versuchte die Schminke wieder etwas zu richten. Sie erhob sich vom Bett und starrte mich an. Ihre Augen waren leer und traurig. Die stolze Frau war gebrochen. Obwohl ich mir vornahm, diesen Moment auszukosten, bekam ich plötzlich mehr das Gefühl des Mitleids als der Genugtuung. Was war mit mir los? »Bedarf es denn meiner Kapitulation? Was ist mein Wort denn noch wert, Octavian? Nichts. Ägypten, nein, Kemet ist besiegt. Ich habe versucht, es zu dem zu machen, was es vor der Besetzung durch die Römer, Griechen und Perser war. Einst war Kemet das mächtigste Land über mehr als 2000 Jahre. Von Skorpion I. bis zu Kleopatra VII. regierten Pharaonen über 3000 Jahre am Nil, den sie damals Hapi nannten. Große Pharaonen hinterließen große Denkmäler. Chufu, Chafre und Menkaure hinterließen die drei großen Pyramiden bei Gise. Pharao Ramses II. hinterließ unzählige Tempel und den ersten Friedensvertrag der Weltgeschichte. Was hinterlasse ich? Das Reich in Trümmern. Ich übergebe es in deine Hände, Octavian.« Sie sank auf die Knie und nahm meine Hand. Ich lächelte abfällig und stieß sie von mir. »Dein Angebot lockt mich nicht. Octavian wird alleine über die Welt regieren. Dazu braucht er nicht Kleopatras Hilfe!« Kleopatra stand auf. Für einen Moment spürte ich ihren stolzen, unbeugsamen Blick auf mir ruhen. »Wenn dem so ist, Octavian. Was willst du nun? Mich auch töten?« »Das liegt mir fern. Es ist genug Blut geflossen. Ich werde gnädig sein. Du darfst weiter regieren in Ägypten. Natürlich wird Ägypten eine römische Provinz werden. Ich will, dass du mich nach Rom begleitest. Als Gast selbstverständlich. Dort wirst du verkünden, dass Ägypten als römische Provinz von nun an Caesar dienen wird. « Sie blickte mich verächtlich an. Ihre Mundwinkel zuckten. Am liebsten hätte sie mich eigenhändig erwürgt. Ich spürte das genau. Es amüsierte mich auf eine gewisse Weise. »Das römische Volk wird meine Leiche bewundern können. Die Genugtuung, mich als Sklavin vorzuführen, werde ich dir nicht geben.« »Was redest du da? Du wirst gut bewacht. Du wirst dir kein Leid antun können.« »Wenn ich bereit bin, vor Osiris zu treten und mein Herz von Anubis aufwiegen zu lassen, dann wird es auch so geschehen. Keiner wird das verhindern können. Auch du nicht.« Wir schwiegen. Wie konnte ich sie überzeugen? Ich wollte den Triumph in Rom auskosten und Kleopatra als Beute meines Siegesfeldzuges wäre ideal gewesen. »Ich werde mitkommen«, sprach sie plötzlich. »Zu welchen Bedingungen?«, wollte ich wissen. »Mein Sohn Caesarion soll eines Tages über Ägypten regieren dürfen. Dann komme ich mit. Versprich mir, dass du ihm nichts mehr antun wirst. Dann verspreche ich, bei seinem Leben, dich nach Rom zu begleiten.« Mir stockte der Atem. Sie wusste nicht, dass Caesarion bereits tot war. Woher sollte sie es auch wissen? Sie glaubte an die Loyalität des Hohepriesters. Ich selbst hatte keine Ahnung, was aus ihren Kindern aus der Ehe mit Marcus Antonius geworden war. Es waren Knaben im jungen Alter. Keine Gefahr für uns. Caesarion hingegen war ein Jugendlicher gewesen. Dennoch ein Kind, welches gemeuchelt wurde. Ich suchte nach Worten für Kleopatra, wollte ihr die Wahrheit sagen, doch meine Lippen bildeten keine Silbe. Stattdessen sagte ich: »Ich werde tun, was in meiner Macht steht. Bereite dich nun vor. Ich gewähre dir die Zeit, Marcus Antonius zu bestatten. Dann brechen wir auf. Solltest du Wünsche haben, so sollen deine Dienerinnen es Agrippa vortragen. Jeder Wunsch wird dir gewährt werden.« Kleopatra bedankte sich und wünschte, dass ich sie nun mit der Leiche von Marcus Antonius allein ließe. Ich befolgte ihren Wunsch. Ein letzter Blick fiel auf den Leichnam meines Widersachers. Er war tot. Einfach tot. Wie ein Traum erschien mir dieser Sieg. Er war so endgültig und triumphal. Doch etwas in meinem Inneren widerstrebte ihn zu feiern. Ich saß auf meinem Thron und beobachtete die Soldaten, wie sie den Sieg feierten. Es war eine Stunde der Freude, denn Rom hatte Ägypten bezwungen und einen großen Sieg davongetragen. Agrippa kam zu mir und überreichte mir einen Papyrus von Kleopatra. »Sie hat einen Wunsch? Ist die Bestattung von Marcus Antonius vollzogen?« »Nun, das dauert bei den Ägyptern etwas länger. 70 Tage und Nächte«, erklärte Agrippa leicht amüsiert. Ein seltsames Volk, dachte ich und öffnete den Papyrus. Dort stand geschrieben: »Octavian, mein einziger Wunsch ist nach alter kemetischer Tradition mit Marcus Antonius und meinem Sohn Caesarion beigesetzt zu werden.« Ich warf den Papyrus in die Ecke und rannte aus dem Raum. Ich lief direkt zu ihrem Gemach und stieß die Tür auf. Kleopatra lag auf ihrem Bett, eingekleidet in ein goldenes Kleid, wie es einer Pharaonin gebührte. In ihren Händen hielt sie die Insignien des alten Kemet. Geißel und Krummstab. Sie trug die Krone Ober- und Unterägyptens auf ihrem Haupt. Ich bemerkte den geöffneten Korb und die Schlange, die durch den Raum kroch. Sie hatte sich vergiftet! Zwei ihrer Dienerinnen lagen ihr zu Füßen. Eine lebte noch. Ich packte sie und fragte: »War das weise von deiner Herrin?« Und sie antwortete: »Ja, es war weise. Denn es ist ein Abschied in Würde.« Dann starb sie in meinen Händen. Ich legte ihre Leiche behutsam auf den Boden und betrachtete Kleopatra. Sie lebte noch. Ich wusste, dass nichts sie mehr retten konnte. Sie musste gefühlt haben, dass ihr Sohn gestorben war. »Ich gewähre deinen letzten Wunsch«, sprach ich mit belegter Stimme. Sie reagierte nicht darauf. Statt dessen flüsterte sie ein Gebet. Teilweise sprach sie in der alten kemetischen Sprache. Ich verstand nur wenig davon. Doch was ich verstand, das gebe ich wieder: »Oh Osiris, nimm mich auf in die Unterwelt. Oh, Isis, ich rufe dich, meine Göttin. Geleite mich ins Jenseits. Ich werde Rechenschaft ablegen vor den Richtern und mein Herz mit der Feder aufwiegen lassen.« Plötzlich schloss die Tür von innen. Ich drehte mich überrascht um und zog mein Schwert. Vor mir stand eine männliche Gestalt. Sie war 192 Zentimeter groß. Mächtig und athletisch gebaut. Sein Oberkörper war nackt. Eine lange Hose und seltsam hohe Stiefel bedeckten den Rest des Körpers. An seinen Handgelenken hatte er sonderbare Armreife, die blinkten. Sein Gesicht war ausdrucksvoll. Er hatte kurze, schwarze Haare. Die dunklen Augen schienen mich zu durchdringen. »Wer bist du? Du wagst es mich, Caesar Octavian, zu stören?« Der Mann ging auf mich zu und lächelte. Ich nahm mein Schwert und gab ihm zu verstehen, dass ich ihn töten würde, wenn er mir zu nahe kam. Doch er hörte nicht darauf. Ich stieß mein Schwert in seinen Bauch. Doch ich stieß in die Luft. Er war durchsichtig. Überhaupt nicht materiell. Er lief wie ein Geist durch mich hindurch. »Bist du überrascht, Octavian? Ich bin Osiris. Eigentlich nur eine Projektion, denn ich liege im Tiefschlaf. Doch es würde zu lange dauern, um es zu erklären.« Ich schluckte hörbar. Ich wusste, dass Osiris der Gott der Unterwelt im alten Kemet war. Doch der konnte doch unmöglich wirklich existieren? Das konnte nicht sein! Nein! »Wir haben nicht soviel Zeit, denn Kleopatra liegt im Sterben.« Ich steckte mein Schwert in den Halfter, da ich erkannte, dass ich nichts gegen ihn ausrichten konnte. Er war auch nicht darauf aus, mich zu töten. Er streichelte über Kleopatras Gesicht. Wobei seine Hand durch ihr Gesicht hindurchging, da er nicht stofflich war. »Kleopatra. Ich bin hier und geleite dein Ka zu mir. Du magst die letzte Pharaonin sein und ein großes Reich ist nun endgültig am Ende. Du magst nicht die Errungenschaften eines Djoser, Chufu oder Ramses haben, doch dein Herz war am rechten Fleck. Du hast auf deine Weise versucht, Kemet zu altem Glanz erhellen zu lassen. Dafür sollst du belohnt werden und in mein Reich gelangen.« Auf Kleopatras Lippen erkannte ich ein Lächeln. Sie bekam noch mit, was Osiris ihr gesagt hatte. Dann waren ihre Augen starr. Sie war tot. Ich stand wie ein Schuljunge daneben und blickte Osiris verwirrt an. Zum ersten Mal wusste ich, dass Rom nicht die mächtigste Macht war. »Und du, Octavian, merke dir: Kriege und Mord machen keinen Mann groß. Die Kemeten hatten von mir vor mehr als 3000 Jahren den Auftrag bekommen, diesen Planeten zu zivilisieren und ein Volk mir hohen ethischen und moralischen Tugenden zu bilden. Sie haben leider versagt. Sorge dafür, dass Rom nicht versagen wird. Der Menschheit ist ein wichtiges Schicksal vorbestimmt. Regiere von nun an weise und gerecht, Octavian! Es ist genug Blut geflossen.« Bevor ich etwas sagen konnte, war Osiris verschwunden. Wo er stand lagen einige Papyrusrollen. Schriften des Imhotep, Neferti, Meriré und Tiji. »Schreibe von diesem Vorfall, Octavian!«, hörte ich die Stimme Osiris'. »Schreibe über dein Leben. Dann lege die Rollen zu Füßen des Sphinx in Gise.« Und so tat ich es auch. Ich schrieb über die Geschehnisse bis zu meiner Begegnung mit Osiris und vergrub sie zu Füßen des Sphinx. Die Schilderungen dauerten drei lange Jahre. In diesen Jahren machte ich mir Gedanken über die Worte des Osiris, doch ich erzählte sie niemandem. Wer hätte sie mir auch geglaubt? Von diesem Tage an, verspreche ich, weise und in Frieden zu regieren. Rom soll einst das größte Reich auf der Welt werden. Doch es soll die Völker kultivieren. Von diesem Tage an, ist der ungestüme und oftmals brutale Octavian nicht mehr existent. Ich bin nun Augustus. Caesar Augustus, 27. v.Chr.
Denise legte die Schriftrolle beiseite, trat ans Fenster und nahm einen tiefen Atemzug. Osiris war in Form einer holographischen Projektion der sterbenden Kleopatra und Octavian erschienen und hatte anschließend Kleopatras Ka mit sich genommen. Sie überlegte,was das wohl sein konnte. Ihre Seele vielleicht? Anschließend gab er dem Römer den Rat, ein Reich des Friedens aufzubauen und damit die Nachfolger der Kemeten zu werden. Stutzig machte sie vor allem die Tatsache, dass diese Götter wahrscheinlich mehr als 3000 Jahre das Ägyptische Königreich beherrscht und geleitet hatten. Irgendwie ließ das gewisse Parallelen zu Atlan zu. Vielleicht waren diese Götter eine Gruppe von außerirdischen Wesen, die auf der Erde gestrandet waren und versucht hatten, eine Kultur aufzubauen, um irgendwann mal wieder nach Hause zu kommen. Vielleicht sollte man versuchen, mit diesen Wesen zu reden und aufhören sie zu jagen. Denise musste unbedingt mit Perry Rhodan reden und ihm diese neuesten Erkenntnisse mitteilen. Sie wandte sich um, nahm ein paar Sachen an sich und wollte gerade zur Tür gehen, als sich der Servo meldete. »Ein Besucher ist auf dem Weg zu dir.« Denise Joorn schaute verblüfft auf und fragte: »Wer?« »Perry Rhodan.« Denise trat auf die Tür zu und öffnete sie, bevor der Unsterbliche klopfen konnte. »Perry, gut, dass du kommst«, sagte sie. »Ich wollte gerade los, um dir von den Inhalten der anderen Schriftrollen erzählen!« »Und ich bin gekommen, um ein paar Fragen zu stellen. Aber fange du an zu erzählen.« Und so fing Denise Joorn an, Perry Rhodan über die Ereignisse aus dem alten Ägypten zu informieren. Das wiederholte Auftauchen der Götter und das positive Einmischen in die ägyptische Politik. Sie schloss mit den Worten: »Ich denke, dass dieser Osiris sehr allein ist und er versucht, nach Hause zu kommen. Wir sollten aufhören, Jagd auf ihn zumachen und versuchen mit ihm zu reden.« Perry Rhodan sah sie mit seinen blauen Augen ruhig an und sagte: »Erstens ist er nicht mehr alleine und zweitens …« In wenigen Worten erzählte er von der Flucht von Osiris ins Tal der Könige, von dem Kampf gegen die Anubis-Soldaten, das Auftauchen der Götter Isis, Anubis und Horus, die Flucht der drei Götter und der Explosion in Gise. Perry Rhodan endete mit den Worten: »Im Moment wissen wir nicht, wo sich die vier Götter aufhalten. Wir gehen aber noch davon aus, dass sie leben.« Schweigen breitete sich im Raum aus, während jeder seinen Gedanken nachhing. Doch gerade, als Denise was sagen wollte, meldete sich Stewart Landry über Rhodans Funkgerät. »Sir, wir haben Probleme.« »Was gibt es?« »Wir haben einige beunruhigende Ortermeldungen erhalten. Aus der Richtung des Orionnebel.« »Wie beunruhigend?« »Genau können wir das nicht sagen, weil die Ortungsergebnisse sehr diffus sind. NATHAN hat aber einige Vergleiche angestellt. Die Ortungssignale ähneln sehr den Signalen, die terranische Raumschiffkommandanten im Jahr 3459 alter Zeitrechung in der Nähe des Solsystems aufgenommen haben.« Perry dachte kurz nach. »3459 alter Zeitrechnung. Damals fielen die Laren im Auftrag des Konzils der Sieben in die Milchstraße ein.« Er dachte weiter nach. »Die Hyperblase!«, entfuhr es ihm. »Genau«, entgegnete Landry. »Die Signale ähneln sehr denen, die damals aufgenommen wurden. So weit wir es erkennen können, wird auch gerade der Tunnel in das vierdimensionale Standarduniversum geschaltet. Und noch eins können wir mit ziemlicher Sicherheit sagen.« »Was?« »Dort sind schwerste Maschinenanlagen angelaufen. Unsere Experten sagen, das es Anlagen von 350.000 bis 450.000 Raumschiffen sind …« ENDE Nun konnte Osiris auch seine Gefährten erwecken und die Reaktivierung der gigantischen Pyramidenflotte hat begonnen. Düstere Zeiten stehen Terra bevor. Im nächsten Roman wechselt die Handlungsebene nach Cartwheel. Dort eskaliert die Feindschaft zwischen den Völkern von M 87. Aufstand der Bestien ist der Titel von Heft 78 und wird von Jens Hirseland geschrieben sein.
Der DORGON-Zyklus - Osiris - ist eine nicht kommerzielle Publikation des PERRY RHODAN ONLINE CLUBs. Heft 77 von Björn Habben. Titelbild: Gerd Schenk. Technischer Berater: Sebastian Schäfer. Versand: PROC. Lektorat, Nachbearbeitung: Rene Schweinberger und Henriette Zirl. DORGON-Kommentar: Björn Habben. Umsetzung in Endformate: Alexander Nofftz. Generiert mit Xtory (SAXON, LaTeX). Homepage: http://www.dorgon.net/. eMail: dorgon@proc.org. Adresse: PROC c/o Nils Hirseland, Redder 15, 23730 Sierksdorf. Copyright © 1999-2002. Alle Rechte vorbehalten! | ![]() | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() | ![]() | ![]() | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||