Nils HirselandPERRY RHODAN ONLINE CLUB (PROC) HomepageHeft 76
DORGON - Die Fan-Serie des Perry Rhodan Online Clubs

Land der Pharaonen

Denise Joorn erfährt die Geschichte der Pharaonen – und der Gott der Unterwelt treibt sein Unwesen

Was bisher geschah

Im Jahre 1298 NGZ ist die Galaxis Cartwheel als neue Heimat zahlreicher Pilger von fünfzig verschiedenen Völkern anerkannt. Mit all ihren Kräften wollen sie auf Anraten der friedlichen Entität DORGON ein Bollwerk gegen die Armeen der finsteren Entität MODROR und seiner schrecklichen Söhne des Chaos errichten, die seit 1291 NGZ mit verschiedenen Mitteln ihrer schier endlosen Macht aus noch unklaren Gründen den Galaktikern den Krieg erklärt haben.

Jenseits von diesen Ereignissen hat die Archäologin Denise Joorn ein altes Geheimnis der Geschichte der Menschheit gelöst. Ohne die Gefährlichkeit zu erahnen, wird sie Zeugin der Auferstehung des Gottes Osiris, der zu einer Bedrohung der Erde wird.

Während er sein Unwesen auf Terra treibt, erfährt Denise Joorn in alten Aufzeichnungen mehr über das LAND DER PHARAONEN …

Hauptpersonen

Ach-et-Aton – Der Sonnenpharao Kemets vertraut der falschen Gottheit

Neferetiti – Die Schöne, die aus dem fremden Land gekommen ist

Meriré – Chronist aus der Zeit des Aton-Kultes

Aton – Ein zweifelhafter Gott des Friedens

Anubis – Der Schakalgott ist wütend über Betrüger

Prolog. Denise Joorn

Zeitlos leuchteten die Sterne am Firmament. Ein zeitloser Himmel in einem zeitlosen Land. Bauten aus längst vergangenen Tagen standen neben modernen Hochhäusern und Raumhäfen.

Ägypten war eines der traditionellsten Länder Terras, denn es symbolisierte so viele verschiedenen Kulturen direkt nebeneinander.

Zwei alte Obelisken aus der Zeit des Pharaos Sethos I. standen vor dem Portal des Luxushotels in Kairo. Dort befand sich auch eine TLD-Abteilung, in der noch zu später Stunde gearbeitet wurde.

Denise Joorn hatte die Erzählungen von Imhotep und Neferti noch nicht verdaut. Diese Zeitzeugenberichte waren mehr wert gewesen als alle bisherigen Funde von Ägyptologen, sah man von den SÄULEN DER EWIGKEIT, der Entdeckung des Auges des Laire und den Berichten von Atlan einmal ab.

Doch diese Papyri bewiesen die Existenz der altägyptischen Götter, zumindest die von Anubis, Thot, Isis und Horus, die Imhotep und Neferti erleucht hatten.

Die Terranerin band sich ihre Haare zu einem Zopf zusammen und nahm ohne hinzusehen ihre Tasse Kaffee, doch das schwarze Getränk schmeckte ihr so kalt gar nicht mehr. Sie stand auf und ging zur Kaffeemaschine. Dort goss sie sich ein neues Getränk ein.

Ein flüchtiger Blick auf das Chronometer verriet ihr, dass sie vier Stunden über den Erzählungen von Imhotep und Neferti gesessen hatte.

Es war spät nachts, doch Denise war in keiner Weise müde. Perry Rhodan, Stewart Landry und der restliche Suchtrupp durchkämmten die Gegend um Gise in der Hoffnung, Osiris irgendwo dort zu finden.

Denise konnte ihnen dabei wenig helfen. Sie war zwar eine Forscherin, doch der Terranische Liga Dienst hatte weitaus mehr Möglichkeiten bei dieser Art von Forschung.

Voller Ehrfurcht betrachtete sie die Papyri. Das war der Lohn für ihre Nachforschungen seit 1296 NGZ. Über zwei Jahre hatte sie auf Seshur und der Erde gesucht, musste sich gegen Kawai Muhalla und Johannes van Kehm behaupten. Doch nun hatte sie die Wahrheit erfahren. Ein Geheimnis, welches seit Jahrtausenden von Muhallas Vorgängern vertuscht wurde.

Sie konnte den Blick nicht von dem Papyri des Meriré lassen. Meriré war der oberste Hohepriester des Aton gewesen. Er lebte zu der Zeit des ketzerischen Sonnenpharaos Echnaton, jenem Pharao, der mit der berühmten Nofretete verheiratet war und die alten Götter abschaffen ließ. Seine Regentschaft war der Sonnenscheibe Aton gewidmet, doch nach dessen Tod wurden die alten Sitten wiederhergestellt.

Gebannt setzte sie sich wieder auf ihren Stuhl und öffnete die Schriftrolle. Dann begann sie zu lesen und tauchte in eine Welt ein, die mehr als 5000 Jahre zurücklag …

1. Kemet im Jahre 1350 vor Christus

Du erscheinst in der Vollkommenheit deiner Schönheit
Am Himmelshorizont,
Du lebendige Sonne,
Die Leben zuweist;
Du bist aufgegangen am östlichen Horizont,
Du hast jedes Land erfüllt mit deiner Schönheit.
Du bist schön, gewaltig und strahlend,
Du bist hoch über jedem Land,
Deine Strahlen umfassen die Länder
Bis ans Ende deiner ganzen Schöpfung.
Als das Sonnenprinzip
Regierst du die Länder bis an ihre Grenzen,
Du unterwirfst sie deinem geliebten Sohn.

Du bist fern,
Aber deine Strahlen sind auf Erden,
Du bist in unserem Angesicht,
Aber man kann deinen Gang nicht erkennen;
Gehst du unter in der westlichen Lichtregion,
Ist die Erde in Finsternis, in der Verfassung des Todes.
Die Menschen schlafen in ihren Kammern,
Verhüllt sind ihre Köpfe,
Niemand erkennt seinen Bruder.
Stiehlt man ihre Habe unter ihren Köpfen,
So merken sie es nicht.
Alle Löwen kommen aus ihren Höhlen,
Alles Gewürm sticht.
Die Erde liegt in Schweigen,
Die tiefere Finsternis herrscht,
Ihr Schöpfer ist untergegangen an seinem Horizont.

Du erhebst dich des Morgens am Horizont,
Du leuchtest als Sonne des Tages,
Du vertreibst die Finsternis,
Du verbreitest deine Strahlen.
Die zwei Länder feiern dir zu Ehren,
Die Menschen erwachen,
Sie stehen auf ihren Füßen,
Du hast sie aufgerichtet.
Sie reinigen ihre Körper und ziehen Leinengewänder an,
Ihre Arme sind erhoben in Lobgebärden bei deinem Erscheinen.
Das ganze Land tut seine Arbeit,
Alles Vieh sättigt sich an seinen Kräutern,
Bäume und Pflanzen wachsen,
Die Vögel fliegen auf aus ihren Nestern,
Ihre Flügel entbreitet in Lobgebärden für deine Lebenskraft,
Alles Wild tanzt auf seinen Füßen,
Alles, was auffliegt und sich niederlässt,
Sie leben wenn du für sie aufgehst.
Die Schiffe fahren stromab und stromauf in gleicher Weise.
Jeder Tag ist eröffnet durch dein Erscheinen.
Die Fische im Fluss hüpfen vor deinem Angesicht,
Deine Strahlen dringen ins Innere des Großen Grünen.

Du bewirkst, dass der Embryo bei den Frauen entsteht,
Du produzierst den Samen beim Mann,
Du erhältst den Sohn im Leib seiner Mutter am Leben,
Du beruhigst ihn,
Indem du seine Tränen stillst.
Du bist die Amme dessen,
Der sich noch im Schoß verbirgt,
Du spendest fortwährend den Hauch,
Der jeder Kreatur Leben schenkt.
Wenn sie herabkommt aus dem Leib,
Um zu atmen am Tag ihrer Geburt,
Öffnest du ihren Mund gänzlich
Uns sorgst für ihren Bedarf.
Wenn das Küken im Ei zwitschert in der Schale,
Dann gibst du ihm Luft darinnen,
Um es zu beleben.
Du hast für es befohlen
Eine strenge bemessene Zeit des Brütens,
In der es vollständig wird;
Es zerbricht seine Schale von innen,
Es schlüpft aus dem Ei, es spricht.
Zu festgelegtem Zeitpunkt
Schlüpft es heraus und läuft auf seinen Füßen.

Wie viel ist, was du geschaffen hast,
Indem es unseren Augen verborgen ist,
Du einziger Gott ohne gleichen.
Du hast die Erde erschaffen nach deinem Herz-Bewusstsein,
der du allein warst.

Menschen, Herden, jegliches Wild,
Alles was auf Erden ist
Und auf seinen Füßen läuft,
Alles, was in der Luft ist
Und mit seinen Flügeln auffliegt,
Die Fremdländer von Syrien und Nubien,
Das Land von Ägypten,
Du stellst jedermann an seinen Platz
Und schaffst seinen Bedarf.
Die Zungen sind verschieden im Sprechen,
Ihre Eigenschaften desgleichen,
Ihre Hautfarbe ist unterschiedlich,
Denn du unterscheidest die Fremdländer.
Du machst einen Nil in der unteren Welt
Und bringst ihn herauf nach deinem Belieben,
Um die Menschen Ägyptens am Leben zu erhalten,
Wie du sie geschaffen hast.
Du bist ihrer aller Herr,
Der sich abmüht mit ihnen,
Du Herr eines jeden Landes,
Der aufgeht für sie.
Du Sonne des Tages, gewaltig an Hoheit,
Alle fernen Länder, du schaffst ihren Lebensunterhalt,
Du hast einen Nil an den Himmel gesetzt,
Dass er herabsteige zu ihnen,
Er gibt den Wasserläufen ihre Form,
Um ihre Äcker und ihre Orte trunken zu machen.
Wie wirkungsvoll sind seine Pläne,
Du Herr der unendlichen Zeit,
Der Nil am Himmel,
Du gibst ihn den Fremdvölkern
Und den Wildtieren der Wüste,
Die auf ihren Füßen laufen;
Für das Geliebte Land,
Kommt der Nil aus der unteren Welt.

Deine Strahlen säugen alle Felder,
Wenn du aufgehst,
Leben sie und wachsen um deinetwillen.
Du fügst die Jahreszeiten,
Damit sich entwickele,
Was alles du schaffst:
Den Winter, die Menschen zu kühlen,
Die Hitze, damit sie dich schätzen.
Du hast den Himmel in der Ferne geschaffen,
Um an ihm aufzugehen,
Um alles zu sehen, was du erschaffst,
Du bleibst in deiner Einheit.
Du bist aufgegangen
In deiner Verkörperung als lebende Sonne,
Du bist erschienen und strahlend,
Du bist fern und nah zugleich.
Du erschaffst in Ewigkeit
Millionen Verkörperungen aus dir,
Dem Einen.
Städte und Dörfer, Äcker, Wege und Flüsse,
Alle Augen sehen dich ihnen gegenüber,
Indem du als Sonne des Tages
Über der Erde bist.
Wenn du gegangen bist,
Ist kein Geschöpf mehr da,
Das du gezeugt hast,
Damit du nicht deinen Leib
Als einziges deiner Geschöpfe sehen müsstest.

Keiner, den du gezeugt hast, sieht dich,
Du wohnst in meinem Herzen.
Kein anderer kennt dich,
Außer deinem Sohn Echnaton,
Du lässt ihn kundig sein deiner Pläne
Und deiner Macht.

Die Erde entsteht auf deinen Wink,
Wie du sie erschaffen hast.
Du gehst auf für sie,
Sie lebt.
Du gehst unter,
Sie stirbt.
Du bist die Lebenszeit selbst,
Man lebt durch dich.
Die Augen ruhen auf deiner Vollkommenheit,
Bis du untergehst,
Alle Arbeit wird niedergelegt,
Wenn du untergehst im Westen.

Wenn du aufgehst,
Lässt du alles Seiende wachsen für den König;
Eile ist in jedem Fuß,
Seit du die Erde gegründet hast.
Du richtest sie auf für deinen Sohn,
Der aus deinem Leibe kam,
Den König von Ober- und Unterägypten,
Der von der universellen Harmonie lebt,
Den Herrn der Zwei Länder,
Den Sohn des Re,
Der von der universellen Harmonie lebt,
Den Herrn der Kronen,
Echnaton,
Möge seine Lebensdauer groß sein!
Möge seine Große Gemahlin, die er liebt,
Die Herrin der zwei Länder,
Nofretete,
Leben und sich verjüngen,
Für alle Zeit in Ewigkeit.

Sonnenhymnus des Aton – 18. Dynastie unter König Amenhotep IV. – Echnaton

Ich bin Meriré, Hohepriester des Pharaos Ach-et-Aton, dem Pharao über Kemet, der Inkarnation des einen und wahren Gottes Aton.

Dessen war ich damals überzeugt. Doch heute sehe ich alles anders. Aton ist nicht der Gott der Wirklichkeit. Aton ist nicht die allmächtige Sonnenscheibe. Aton war ein Hirngespinst des Pharaos Ach-et-Aton und seiner bezaubernen Frau, der wunderschönen Neferetiti.

In hohem Alter und nach dem Ende des Pharaos musste ich eingestehen, gefrevelt zu haben. Ich hatte mich an Amun, Ré, Osiris und Horus versündigt. Ich hatte den Glauben an sie verloren und sie bestraften mich. Sie hatten Echnaton und Nofretete für ihr ketzerisches Verhalten bestfraft. Mit mir waren sie gnädig und trugen mir einen Auftrag zu. Ihre größte Bestrafung war sich mir zu offenbaren und mir damit zu zeigen, dass alles falsch war, an was ich geglaubt hatte.

Aton war eines Tages nicht mehr existent. An jenem Tage stand Anubis vor mir und beauftragte mich, die Geschichte ihrer und unseres Volkes weiter zu schreiben. So höret, was ich zu verkünden habe …

Nach dem Tode Nefertis und Menkaures gab es keine lebende Person mehr, die mit den Göttern in Kontakt getreten war. So blieb es auch. In den folgenden zweihundert Jahren hielten sich die Götter aus den Geschicken unseres Volkes zurück. Wir sollten lernen die Früchte der IV. Dynastie zu ernten. Der Pyramidenbau ging weiter, doch keine konnte die Pyramiden des Chufu, Chafre und Menkaure übertreffen.

Gottkönig Unas war der erste, der in seiner Pyramide Inschriften setzen ließ. Damit begann er die Pyramide einem Tempel gleichzusetzen.

Doch die hohen Kosten, die vielen Entbehrungen und die verlorenen Leben hinterließen ihre Spuren im Alten Reich. In der VI. Dynastie steuerte das Reich in eine Krise. Die Pyramiden wurden nun wesentlich kleiner, doch die Unzufriedenheit im Volk wuchs und die Macht der korrupten Beamten stieg von Tag zu Tag.

Unter der schier endlos langen Regentschaft des Königs Pepi II. war der Untergang des Alten Reiches nicht mehr zu verhindern. Der Greis Pepi verlor die Macht und wurde von machthungrigen Wesiren und Gaufürsten beeinflusst. Sein Einfluss schwand und die Macht der Beamten stieg. Nach dem Tode Pepis kamen noch zwei Könige. König Nikotris war der letzte der VI. Dynastie und nach ihm kam der endgültige Zusammenbruch des Alten Reiches.

Seit König Skorpion I. waren knapp tausend Jahre vergangen. Nun wurde die Tradition eines vereinten Kemet gebrochen. Menefru-Mirê verlor in der VII. Dynastie an Macht und die Städte Theben und das altehrwürdige Henensu gewannen an Mitbestimmung.

Viele Dutzende von Königen regierten in dem zweigeteilten Land miteinander und kurz nacheinander. Mord und Tod waren ihre ständigen Begleiter im Machtkampf mit den Gaufürsten und reichen Adligen.

Über zweihundert Jahre dauerte das Chaos an und erst die thebanischen Regenten Antef I. und sein Bruder Antef II. begannen mit einer erneuten Reichseinigung. Doch sie hatten nur ihren thebanischen Gau unter Kontrolle und konnten die Macht nur langsam ausweiten, jedoch sie hatten die Zeichen für eine erneute Wiedervereinigung des Reiches gesetzt.

In diesen Zeiten dachte jeder an die Prophezeiung des Neferti, die er einst König Snofru vorgetragen hatte. Alles war so eingetreten, wie er es vorausgesagt hatte. Doch wer war der Retter mit dem Namen Ameni? Wo blieb er?

Der Name des Retter war anders: Month ist zufrieden, Mentuhotep I.. In seiner fünfzigjährigen Regierungszeit festigte er das Reich erneut und brachte es zur alten Blüte. Zahlreiche Schlachten und Revolten schlug er nieder, doch das Blut war nicht umsonst geflossen, denn nun war unser Reich wieder vereint.

Mentuhotep I. war ein von den Göttern Erleuchteter, wie ich in alten Aufzeichnungen meiner Vorgänger fand. Horus und Isis sollen ihm erschienen sein und sprachen von der Verpflichtung sein Land wieder zu dem zu machen, was es unter Narmer, Djoser und Chufu gewesen war.

Mentuhotep nahm sich dies zu Herzen und machte es sich zur Aufgabe. Sein Name war fortan auf ewig unsterblich, denn er war eines Gottes gleich. Mentuhotep, der zweite Reichseiniger, Neb-hetep-re, der Re, unseren Herrn, erfreut!

Mentuhotep I. baute später einen gewaltigen Tempel am Westufer Thebens, welches zur Hauptstadt unseres Reiches wurde.

Mentuhotep I. forcierte den Kult um den Gott Amun und hinterließ ein gesfestigtes Reich. Seine Nachfolger waren Mentuhotep II. und Mentuhotep III. Mit ihnen endete die XI. Dynastie und Amenemhet I. war Begründer der XII. Dynastie unseres Reiches.

Amenemhet I. unterwarf Nubien und führte eine glorreiche Außenpolitik Kemets. Bereits unter seinem Vater Mentuhotep III. war er Wesir unseres Reiches.

Seine rund dreißigjährige Regentschaft brachte eine Zeit der Stabilität mit sich, wie sie Kemet seit rund zweihundert Jahren nicht mehr erlebt hatte. Unmittelbar nachdem Amenemhet I. den Thron bestieg, entsandte er eine Hapiflotte um die widerspenstigen Nubier an der Südgrenze niederzuschlagen. Danach gründete er ein neues Machtzentrum etwa 32 km südlich der alten Hauptstadt Memphis, fern von Theben, und nannte es »Itj-taui«, was »Der die beiden Länder ergreift« bedeutete.

Ebenso führte er die Mitregentschaft ein, die als seine wichtigste Tat betrachtet wurde und die XII. Dynastie überdauerte. Er ernannte im 20. Regierungsjahr seinen Sohn Senwosret I. zum Mitregenten und teilte für ein Jahrzehnt den Thron mit ihm ehe er ermordet wurde.

Glaubte man den Geschichten, dann befand sich Senwosret auf einem Feldzug gegen die Libyer, als Amenemhet I. ermordet wurde. Er eilte sogleich in die Hauptstadt zurück, verhinderte die Ausbreitung einer Verschwörung und stellte die Ordnung wieder her. Unter seiner Herrschaft erlebten Literatur und Kunsthandwerk eine neue Blüte, wie die exquisiten Schmuckbeigaben von Königsfrauen der XII. Dynastie uns in der XVIII. Dynastie zeigten. Befestigungsanlagen sicherten das Gebiet Ägyptens bis zum zweiten Katarakt und im ganzen Land wurden Steinbrüche und Bergwerke angelegt um Gold abzubauen bzw. Grauwacke und Schiefer zu holen.

Zu seinem dreißigjährigen Sed-Fest ließ er zwei Obelisken aus Rosengranit errichten, von denen jeder 20 Meter hoch und 121 Tonnen schwer. Drei Jahre vor seinem Tod setzte Senwosret I. seinen Sohn Amenemhet II. als Mitregenten ein. Senwosret war einer der letzten Pyaramidenbauer in unserer Geschichte.

Amenemhet II. folgte Senwosret I. Unter ihm erlebte das Reich eine weitere friedliche Zeit. Eine Expedition in Punt war sehr geheimnisvoll. Ein Fremder mit dem Namen Imhutes half Amenhemet II.. Viel berichtete der Gottkönig nicht darüber, doch in den Aufzeichnungen fiel mir, Meriré, jetzt etwas auf. Die Beschreibung des Imhutes ist genau die gleiche, wie die Beschreibung des Ré-Anhetes-Atlan, jenem Fremden Freund von Menes-Narmer, den ich aus den Schilderungen des Imhotep kennen gelernt hatte und dessen Name in den SÄULEN DER EWIGKEIT im Tempel von Memphis stehen.

War Ré-Anhetes-Atlan-Imhutes ein Gott, der ähnlich wie Horus und Isis und Anubis in einem Abstand von vielen Jahrhunderten zu uns kam, um uns zu erleuchten? Welch auserwähltes Volk sind wir, wenn uns soviel göttliche Aufmerksamkeit zuteil wurde?

Aus den Aufzeichnungen des Nefertis, die kein menschliches Wesen seit Nerferti selbst mehr gelesen hatte, erfahre ich, dass die Götter den Fremden einfach nur Atlan und seinen Gefährten Rico nennen. Sie schätzen ihn, wollen aber keinen Kontakt mit ihm herstellen. Ich bin nur Hohepriester des Aton, ich kann die Gedanken der Götter nicht nachvollziehen und maße mir nicht an sie zu interpretieren.

Das Mittlere Reich war in der XII. Dynastie von Frieden und klugen Regenten geprägt. Es gab nur ab und zu Kämpfe an der Südgrenze mit den Nubiern, doch wir konnten stets siegreich das Schlachtfeld verlassen.

Mit der XII. Dynastie kam jedoch wieder der Abschwung. Durch den Tod von Amenemhet IV. und das Ende der Regentschaft von Königin Sobeknofru ergaben sich Nachfolgeprobleme, die jedoch noch gelöst werden konnten.

Innenpolitisch brökelte das Reich durch die schwachen neuen Herrscher. Als dann die Heka-Chasut aus Asien in unser Reich einfielen, war unsere Macht vorerst gebrochen. Es begann, was wir die Zweite Zwischenzeit nannten. Das Mittlere Reich war vorbei. Es hielt von Mentuhotep I. bis Sobeknofru über knapp dreihundert Jahre.

Nun brach die Regentschaft der Heka-Chasut, einem Volk aus Palästina, nahe Syrien, an. Zuerst kam ihre Übernahme schleichend. Sie infiltrierten unser schwaches Reich in der XIII. und XIV. Dynastie, nahmen unsere Namen an, verehrten unsere Götter und so nahmen sie an unserer Gesellschaft teil und begannen sie zu beherrschen.

Doch die gottlosen Herrscher aus dem Fremden Land zeigten ihr wahres Gesicht. Sie beteten Seth und Apophis an. Sie plünderten Menefru-Mirê und stahlen die SÄULEN DER EWIGKEIT. Was Grabräuber nicht schon vor vielen Jahren oder Jahrhunderten gestohlen hatten, das nahmen sie an sich. Sie schändeten unsere Gräber und selbst die Pyramiden in Ro-Setau wurden nicht verschont. Über einige Jahrhunderte lebte unser Volk in Knechtschaft der Heka-Chasut und niemand wagte sich gegen sie aufzulehnen.

Niemand! Die Namen der Könige in der XVI. Dynastie sollen mit Schimpf und Schande bis in alle Ewigkeiten genannt werden! Nicht mehr Menefru-Mirê, Theben oder Abydos waren das Zentrum unseres Landes, sondern die Stadt Auaris.

Die Heka-Chasut fingen zwar an, unseren Glauben zu respektieren und brachten uns die Pferde ins Land, doch wir waren nicht frei.

Erst in der XVII. Dynastie, nach jahrhundertelanger Unterdrückung, gelang es thebanischen Fürsten den Kampf gegen die Heka-Chasut aufzunehmen. Während die Heka-Chasut im Norden des Landes regierten, trat in Theben ein neues Herrscherhaus in Erscheinung, dessen frühe Herrscher die Herrschaft der Heka-Chasut nicht in Frage stellten.

Die Feindschaft zwischen den Thebanern und den Heka-Chasut kam unter Ta'a II. zum Ausbruch. Unter Kamoses Nachfolger diente Ahmose, Sohn des Ebana. Er nahm nicht nur an der Belagerung von Auaris, teil sondern verfolgte die Heka-Chasut bis nach Palästina und belagerte ihre Stadt Scharuhen. Schließlich wurden die Heka-Chasut nach harten Kämpfen vertrieben und Ahmose I. gründete die XVII. Dynastie und das Neue Reich. Fortan trugen die Könige den Namen Pharao, also großes Haus, der Titel ihres Palastes. Der Pharao war der Sohn des Amun und die Inkarnation des Horus, er war mächtig und gewaltig wie der große Palast und der Titel Pharao sollte seine Größe symbolisieren.

Pharao Ahmose I. festigte unsere neuen Reichsgrenzen durch Blitzkriege gegen die Nubier im Süden und gegen die Syrer im Nordosten.

Die Glorie der Pharaonen der XVIII. Dynastie konnte man mit der VI. Dynastie vergleichen. Nach Amose I. kam Pharao Amenhotep I..

Amenhotep I. führte einige Feldzüge gegen das Land Kusch. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass er seinen Totentempel weit entfernt vom Ort seiner Bestattung errichtete. Nach dessen Tod übernahm Pharao Thutmosis I. die Macht.

Thutmosis I. war kein Sohn von Amenhotep I., sondern ein hochrangiger Offizier, der seinen Herrschaftsanspruch dadurch begründete, dass er Prinzessin Ahmose, Tochter von Amenhotep I., heiratete. Er errang einige glänzende Siege, von deren Erträge die gesamte XVIII. Dynastie zehren sollte. Gleichzeitig wuchs unter seiner Herrschaft der Einfluss der Amun-Priester in Theben.

Thutmosis II. war der Sohn einer minder bedeutenden Nebenfrau und um seine Position zu stärken, wurde er mit seiner Halbschwester Hatschepsut verheiratet und sie regierten zusammen etwa 14 Jahre. Mit der Nebenfrau Isis hatte er einen Sohn, Thutmosis III., der noch ein kleines Kind war, als er an die Macht gelangte.

Hatschepsut war eine willensstarke Frau, was schon ihr Gemahl, Thutmosis II., früh erkannte. Aus diesem Grund bestimmte er seinen Sohn Thutmosis III. ausdrücklich zu seinem Nachfolger. Dieser war aber zum Zeitpunkt seiner Krönung zum Pharao noch ein kleines Kind.

Die Regentschaft übernahm deshalb seine Tante und Stiefmutter Hatschepsut. Während ihrer Regierungszeit mit Thutmosis II. und während des ersten Regierungsjahres Thutmosis' III. begnügte sie sich mit ihrer Position als »große königliche Gemahlin« und war zufrieden, auf Reliefs hinter Thutmosis III. stehend dargestellt zu werden.

Sobald sie sich jedoch der Unterstützung hoher Beamter sicher sein konnte, begann sie die Position von Thutmosis III. zu untergraben. Sie legitimierte ihre Macht indem sie verkündete, Amun persönlich sei ihr Vater, der ihre Mutter Ahmose besucht habe, um sie, Hatschepsut, zu zeugen. Dies zielte auf den Nachweis ab, dass sie von Amun mit der Absicht gezeugt wurde um als Königin zu herrschen. Sie ließ sich mit allen Zeichen der Königswürde darstellen und nahm den Titel des weiblichen Horus Wosretkau an und nannte sich »König von Ober- und Unterkemet«. Schon bald begann sie mit dem Bau ihres Totentempels.

Unter der Aufsicht ihres Haushofmeisters und Architekten Senenmuts entstand der einzigartige Terrassentempel Hatschepsuts in unmittelbarer Nähe des Totentempels Mentuhoteps I..

Eine Besonderheit des Tempels war seine Ausrichtung nach Osten, die genau parallel zum mächtigen Amun-Tempel bei Karnak auf dem anderen Nilufer verlief. Senenmut war privilegierter Vertrauter Hatschepsuts, den die Königin in die allerhöchsten Staatsämer katapultierte. Gerüchte behaupteten, dass er seinen Aufstieg einer Liebesbeziehung zur Königin zu verdanken hätte. In jedem Fall war er unter anderem Vorsteher des Amuntempels sowie Verwalter der Kornspeicher, Felder, Herden, Gärten und Webstühle des Amun. Die Verwaltung des Landes lag ausschließlich in seinen Händen und nur der Hohepriester des Amun, Hapuseneb, konnte ihm in religiösen Dingen das Wasser reichen.

Während der Regierungszeit Hatschepsuts fanden zahlreiche Handelsexpeditionen statt, speziell die in das Land Punt.

Als Hatschepsut starb wurde vermutet, dass Thutmosis III. an ihrem Tod nicht ganz unschuldig war. In seinem Hass ließ er viele Denkmäler der Königin zerstören; zu lange musste er auf den Thron warten. Die größte Demütigung erfuhr Hatschepsut in dem Verschweigen ihres Namens in den Königslisten.

Nun endlich konnte Thutmosis III. sein Erbe und damit die Macht über Ober- und Unterkemet antreten. Senenmut, der persönliche Vertraute Hatschepsuts, war bereits ein Jahr vorher verstorben und stand Thutmosis nicht länger im Wege.

Auch sein Herrschaftsanspruch war königlicher Herkunft, denn zu seiner königlichen Abstammung war er auch mit Prinzessin Neferure, der Tochter Hatschepsuts verheiratet. Kurz nach seiner Machtergreifung ließ er das Andenken an seine Stiefmutter von den meisten Denkmälern tilgen. Besonders in ihrem Totentempel ließ er Reliefs ausmeißeln und zahlreiche Statuen zerstören. Die von Hatschepsut errichteten Obelisken im Tempel von Karnak ließ er einmauern, um die Inschriften unzugänglich zu machen.

Nach dem Tod der großen königlichen Gemahlin, Neferure, nahm er Hatschepsut-Meritre zur Hauptfrau, die ihm den Thronfolger, Amenhotep II., gebar.

Thutmosis war ein ausgezeichneter Feldherr, was er bei seinen insgesamt 17 Feldzügen in den Vorderen Orient ausreichend unter Beweis stellen konnte. Er hinterließ seinem Sohn, Amenhotep II. ein mächtiges und wohlgeordnetes Reich und dank der Beute seiner Feldzüge gelangte Ägypten zu Wohlstand. Als Thutmosis III. starb, überlebte ihn Hatschepsut-Meritre.

Amenhotep II. unternahm mehrere Feldzüge um verschiedene Unruhen niederzuschlagen.

Um Thutmosis IV. rankte sich die Legende, dass er im Schatten der Sphinx einschlief und träumte, dass er die Königswürde erhielte, sobald die Sphinx von Sand gereinigt würde. Umgehend begann er mit den Reinigungsarbeiten und wurde König. Unter seiner Regierung entstanden einige der schönsten und bekanntesten Privatgräber der thebanischen Nekropole.

Dann brach die Zeit des Amenhotep III. an. Er war der Vater meines Pharaos und unter seiner Herrschaft wurde ich geboren. Die Regierung Amenhotep III. brachte eine Zeit der Stabilität und wirtschaftlichen Blüte mit sich, wie sie die ägyptische Geschichte selten gesehen hat. Es waren kaum militärische Unternehmungen notwendig, das Reich war gefestigt und die Grenzen waren sicher. Er besaß einen großen Harem, in dem sich auch Prinzessinnen aus fremden Ländern befanden, die aus Gründen der Staatsräson geheiratet wurden. Seine Hauptfrau, Teje, war jedoch nicht von königlichem Blut sondern war die Tochter eines Fürsten namens Juja und seiner Frau Tuja. Er heiratete sie bereits vor seiner Thronbesteigung und sie gebar ihm sechs Kinder.

Eines davon war Amenhotep IV., mein Pharao. Ich war zur Zeit des Amenhotep III. ein Hohepriester in seinem Tempel des Amun in Theben.

Amenhotep IV. war ein junger, stolzer und gut aussehender Königssohn. Auch wenn sein älterer Bruder die Thronnachfolge bestreiten würde, so sahen doch viele Amenhotep IV. als neuen Pharao an.

Dann, im vierunddreißigsten Regierungsjahr des Amenhotep III. – seit zehn Jahren stand ich in seinem Dienste – geschah das, was Amenhotep IV veränderte.

Meriré, komm mit, mein Freund. Wir gehen auf die Jagd für Amun!«, forderte er.

Amenhotep stand vor mir, schlank, muskulös, ein Schwarm aller Frauen. Sein Lächeln war freundlich. Er legte seine Hand auf meine Schulter.

»Aber Herr, ich bin ein Hohepriester, kein Flusspferdjäger am Hapi«, erklärte ich und fuhr mir mit der Hand über meine Glatze, um den Schweiß abzuwischen.

»Eben, und ich brauche den Beistand des Amun. Wir fahren mit zwei Streitwagen den Hapi entlang bis Edfu und sehen, was uns dort so alles vor den Bogen kreucht und fleucht, Meriré!«

Ich wusste, dass Amenhotep nicht mit sich reden ließ. Seufzend begleitete ich ihn und wir fuhren weit hinaus in Richtung des ersten Katarakt. Begleitet wurden wir von einem Streitwagen mit drei Medjaj des Pharaos.

Wir ritten den ersten Tag und die erste Nacht durch. Der Weg nach Edfu war weit und Amenhotep wollte sich beeilen. Am nächsten Morgen ritten wir etwas gemütlicher. Amenhotep war ruhig. Ein Zeichen dafür, dass er über etwas nachdachte. Es dauerte nicht lange, da band er mich in seine Gedanken ein.

»Die Priesterschaft bereitet mir Sorgen, mein Freund.«

Ich fühlte mich vor den Kopf gestoßen, denn ich war Teil der Priesterschaft. Doch ich spürte, dass er nicht mich verurteilte, sondern Semanch-Amun, den obersten Wesir und Hohenpriester. Er nutzte seine Macht aus und versuchte sie zu erweitern, wo es nur ging. Semanch-Amun hatte wenig mit dem Glauben zu tun. Er handelte nicht im Namen Amuns, Osiris oder Isis sondern in seinem eigenen.

»Edler Prinz, ich weiß, dass du über Semanch-Amun besorgt bist, doch er allein kann wenig bewirken. Amun wird es nicht zulassen.«

Amenhotep lachte bitter. »Amun! Horus, Osiris, Isis, Anubis. Wie viele Götter haben wir eigentlich? Unzählige! Es ist doch Torheit, all diese zu verehren.«

»Du sprichst mit der Zunge eines Ketzers«, ermahnte ich den jungen Thronfolger Amenhoteps des Dritten. Er warf mir einen strafenden Blick zu.

»Aton ist der einzige Gott, an den ich wirklich glaube im Moment. Du kennst die Erzählungen meines Vaters?«

Natürlich kannte ich sie. Pharao Amenhotep III. berichtete, der Gott Aton sei ihm erschienen. Dabei war Aton nur eine weitere, untergeordnete Form von dem Sonnengott Ré beziehungsweise Amun. Aton war die Sonnenscheibe, eine allgegenwärtige Macht, doch kein Gott im eigentlichen Sinn. Jeder am Hof, der die Geschichte des Pharaos kannte, bezweifelte sie zurecht.

Ich beschloss zu Schweigen.

»Ist denn der Glaube an einen einzigen, allmächtigen Gott so abwegig? Ein Gott des Friedens und der Liebe?«, stellte Amenhotep fragend in den Raum.

Ich antwortete: »Sind Osiris, Horus und Isis keine Götter des Friedens und der Liebe? Steht nicht überall geschrieben, dass sie Toleranz, Frieden und Gerechtigkeit von uns fordern?«

»Es gibt keinen Beweis für ihre Existenz. Sollen sie mir doch erscheinen, dann glaube ich an sie. Doch mein Vater hat Aton gesehen!«

»Verlange nicht von mir als Priester des Amun dessen Existenz abzustreiten, edler Prinz«, schloss ich das Thema ab. »Das würde gegen meine Berufung verstoßen. Konzentrieren wir uns lieber auf die Jagd.«

Amenhotep lenkte ebenfalls ein. Wir ritten schweigend weiter, bis wir endlich Rast machten.

Es wurde Nacht und wieder Tag. Zwei Nächte und Tage ritten wir, bis wir Edfu erreichten. Dort rasteten wir von der Jagd. Amenhotep hatte einige Löwen getötet und war stolz auf seine Beute.

Der Hohepriester des Horus-Tempels in Edfu besuchte uns an diesem Abend, als wir bei Wein, Brot und Fleisch saßen. Er war sehr aufgeregt. Er verneigte sich vor dem Prinzen Kemets.

»Herr, oh, Herr! Wir haben etwas seltsames gesehen, unweit von hier. Jenseits des Ostufers des Hapi«, erklärter er unterwürfig.

Der Hohepriester traute sich kaum ihn oder mich anzuschauen.

»Jenseits des Ostufers sagst du, Hameb-Ptah? Dort sind doch keine Siedlungen, soweit ich weiß.« Amenhoteps Augen funkelten seltsam. Es war sein unruhiger Blick, der viele nervös machten. Es war ein ständig forschender Blick. Wonach suchte mein Kronprinz?

Hameb-Ptah bestätigte seine Aussage. »Ein Gebilde steht dort. Es glüht wie die Sonne selbst und speit Feuer, wenn wir uns ihm nähern.«

Amenhotep blickte mich fragend an. Ich machte eine ratlose Geste. Offiziell. Amenhotep wusste sie jedoch genau zu deuten. Ich wollte damit aussagen, dass ich die Wahrheit nicht wusste und man sie nur erfahren würde, wenn man sich jenseits des Ostufers begab.

»Also gut, Hameb-Ptah. Ich werde mit ein paar Männern noch heute aufbrechen. Ein Dutzend Soldaten sollen mich begleiten.«

Und so geschah es, dass wir in kürzester Zeit aufbrachen. Die Reise über den Hapi verlief ohne Zwischenfälle. Mit einem kleinen Boot überquerten wir den heiligen Fluss. Von dort aus ritten wir zwei Stunden bis wir zur besagten Stelle kamen.

Amenhotep wirkte angespannt. Seine Augen funkelten wieder so unruhig, je näher wir dem Ort des seltsamen Objektes kamen. Und tatsächlich befand sich dort etwas, was ich nicht glauben würde, wenn ich es mit eigenen Augen nicht gesehen hätte.

Im Sand befand sich ein scheibenförmiges Etwas aus einer bronzeähnlichen Legierung. Überall leuchtete es hell. Aber es spie kein Feuer.

Während Hameb-Ptah voller Erfurcht stehen blieb, ritt Amenhotep mutig weiter. Dieser Ort schien ihn magisch anzuziehen.

»Prinz, sei vorsichtig!«, rief ich ihm voller Sorge zu.

Doch er hörte gar nicht auf mich. Er ritt direkt zu der seltsamen Erscheinung und erst kurz vor ihr, stieg er von seinem Ross ab. Mit langsamen und bedächtigen Schritten, lief er darauf zu. Plötzlich hörten wir eine laute Stimme. Sie dröhnte in unseren Ohren, war mächtig und gewaltig.

HÖRE, AMENHOTEP! ICH BIN ATON, DER EINZIG WAHRE GOTT IN KEMET. ICH SPRECHE ZU DIR, DENN DU BIST EIN AUSERWÄHLTER!

DU SOLLST MEINEN GLAUBEN PREISEN UND DEINEM VOLK MIT ALLEN MITTELN DAS WORT ATONS LEHREN. DIE LÜGEN DER PRIESTERSCHAFT MÜSSEN AUFHÖREN. ES DÜRFEN KEINE ANDEREN GÖTZEN NEBEN MIR ERRICHTET UND ANGEBETET WERDEN.

HÖRE MEINEN BEFEHL, DENN ICH BIN ATON, DEIN GOTT!

Wir alle waren wie gelähmt. Amenhotep hob die Arme und sank auf die Knie. Er verneigte sich vor seinem neuen Gott.

Ich ritt nun zu ihm und stieg hastig ab. Wütend, aber in festem Glaube, Amun würde bei mir sein, brüllte ich das Etwas an, welches sich Aton nannte.

»Wie kannst du es wagen? Wer bist du, der es wagt, die Macht von Amun, Osiris und Anubis herauszufordern?«

Ein lautes, unangenehmes Lachen hallte durch die Wüste.

Plötzlich hob sich der Sand viele Meter hoch in die Luft, wirbelte herum und zog am Himmel umher. Dann fiel er zu Boden. Ich erschrak, doch das war nicht alles, was uns Aton bot. Aus ihm schossen Feuerpfeile, die in der Luft explodierten und die Nacht zum Tage werden ließen. Voller Demut fielen wir in den Staub und winselten um unser Leben.

ICH BIN ATON, DER SONNENGOTT. ICH KANN DIE NACHT ZUM TAGE WERDEN LASSEN.

AMENHOTEP, MEIN FREUND, VERKÜNDE MEINE WORTE. BETET NUR DEN EINEN, DEN WAHREN GOTT AN. ICH WERDE EUCH FRIEDEN UND LIEBE BRINGEN. ETWAS WOZU AMUN UND OSIRIS NICHT IM STANDEN WAREN, DENN EURE GESCHICHTE IST VOLLER TOD UND MORD.

ICH HÄTTE DEINE GEFOLGSLEUTE TÖTEN KÖNNEN, DOCH ICH BIN EIN GOTT DER GERECHTIGKEIT!

GEHT NUN! AMENHOTEP, REISE NACH ABYDOS. DORT WARTET EIN GESCHENK AUF DICH.

Amenhotep schien noch so viele Fragen zu haben, doch er schwieg. Mit glühender Verehrung betrachtete er Aton, der plötzlich im Erdboden versank und die karge Wüste zurückließ. Der Prinz brauchte noch eine ganze Weile, bis er sich gefangen hatte. Verwundert starrte er mich an, als ich meine Hand auf seine Schulter legte.

»Aton hat sich uns offenbart. Noch vor wenigen Tagen haben wir darüber gesprochen. Nun ist es Wahrheit geworden. Das ist das Zeichen des Aton, des einzig wahren Gottes. Komm, wir reisen nach Abydos!«

Voller Tatendrang sprang Amenhotep auf, stieg auf sein Pferd und ritt los. Ich und Hameb-Ptah wechselten einen Blick. Wir selbst konnten kaum glauben, was passiert war. Hatte Amenhotep tatsächlich Recht? War Aton der einzige Gott? Hameb-Ptah glaubte nicht daran. Er sah es als Trick von Seth oder Apophis an, die Amun und Osiris schmälern wollten. Natürlich kam das in Betracht.

Aber was immer da auch zu uns gesprochen hatte, es stammte nicht von dieser Welt …

Wenige Tage später waren wir in Abydos, der heiligen Stadt. Fast nirgendwo standen so viele Tempel wie in der altehrwürdigen Stadt. Wir hatten uns inzwischen von den Strapazen und dem ersten Schock erholt.

Nur Amenhotep war in seltsamer Laune. Er wirkte wie ein kleines Kind. Ungeduldig lief er durch die Tempelhallen und schien nach seinem »Geschenk« zu suchen. Er betrat den Tempel des Horus und plötzlich blieb er ruckartig stehen.

»Aton spricht mit mir …«

Wir sahen uns fragend an. Dann wandte sich Amenhotep zu uns. »Lasst mich allein im Tempel. Geht! Sofort!«

Ohne Widerrede gingen alle. Nur ich sollte dort bleiben. Amenhotep sah mich als Freund und Vertrauten an. Anscheinend wollte er in dieser Stunde nicht alleine sein. Plötzlich hörten wir Schritte. Sie waren leise und ließen auf eine grazile Frau schließen und in der Tat kam aus den hinteren Räumen eine Frau auf uns zu.

Sie zu beschreiben, war für mich schwer, denn ihre Schönheit konnte man kaum in Worte fassen. Ihre Haut war weich und makellos. Die Farbe war wie bronze. Ihre langen, glatten, schwarzen Haare waren mit goldenen Kettchen verflochten. Ihr schulterfreies, weißes Kleid aus feinstem Stoff betonte ihre perfekte Figur und ihre weiblichen Rundungen. Sie trug goldene Armreife, Ketten und Ringe. Ihre Finger- und Fußnägel waren schwarz lackiert. Selbst ihre Schuhe glänzten golden.

Der Kopf der schönen Fremden ruhte auf einen langen, schlanken Hals. Ihre großen Augen wurden durch die Schminke geprägt. Die dunklen Augen funkelten voller Lebensenergie und Stärke. Sie hatte hohe Wangenknochen, eine zierliche Nase und sinnliche Lippen. Ihr Lächeln ließ selbst mein Herz höher schlagen. Ein Herz, das eigentlich nur Amun gewidmet war.

Amenhotep starrte sie entgeistert an. Er dachte anscheinend das gleiche wie ich. War sie ein Geschenk Atons? Nur ein Gott konnte diese Schönheit erschaffen.

»Wer … wer …?«, stammelte Amenhotep.

»Wer ich bin?« Die Stimme der Schönen, die gekommen war, klang ruhig und sanft. Sie stemmte ihre Hände in die Hüften und lächelte. »Mein Name ist Nofre Thet vom Volke der Akonen.«

»Es klingt wie Neferetiti, die Schöne ist gekommen«, sagte Amenhotep voller Begeisterung.

Er atmete hastig und war aufgeregt. Ich sah es ihm deutlich an. Aber auch Neferetiti bemerkte es. Mit einem sanften Lächeln beruhigte sie den Prinzen wieder.

»Aus welcher Region stammen die Akonen? Ich habe nie etwas von ihnen gehört«, sprach ich. Meine Höflichkeit gebot es, mich danach Nofre Thet vorzustellen.

»Meriré, wir kommen von sehr weit her. Weiter als du es dir vorstellen kannst. Wir sind ein erleuchtetes Volk von Aton, dem einzigen Gott.«

»Du kennst ihn?«, rief Amenhotep aufgeregt.

»Aber ja«, sagte sie warmherzig. »Er ist mein Herr und hat mich gesandt, um dir beizustehen. Um mit dir seinen Kult aufzubauen und … um dich zu lieben, zu ehren und dir Kinder zu gebären.«

Amenhotep glaubte sich verhört zu haben. Doch Neferetiti sank auf die Knie und bat um seine Gunst. Amenhotep musste sich in diesem Moment mächtig und bestätigt fühlen. Er ging langsam auf Neferetiti zu und strich ihr über ihr weiches Haar. Dann nahm er ihre Hand und sie stand auf.

»Wenn du mich lieben willst, dann erweise ich dir die Gunst. Tue nichts, was du nicht willst, Nofre Thet, oh du wundervolle Akonin. Aber wisse, dass du mich zum glücklichsten Mann machen würdest, wenn du meine große Gemahlin werden würdest.«

Neferetiti schmunzelte und ihre Lippen berührten die seinen. Ich kam mir etwas deplatziert vor. Anscheinend war es bei den beiden Liebe auf den ersten Blick.

»Amenhotep, zusammen werden wir Kemet verändern und zu neuem Ruhm führen. Wir werden Frieden und Liebe predigen und als weise Herrscher über dein Land regieren. Doch als Geschenk Atons darfst du mich deinem Vater nicht vorstellen«, erklärte sie und musste beim letzten Satz kichern.

Amenhotep blickte mich hilfesuchend an. Ich ahnte, dass ich mir nun etwas für die Fremde Schönheit ausdenken musste. Zu seinem Glück fiel mir auch etwas ein. Die Adlige Tiji war vor langen Jahren verwitwet und nach Memphis mit ihren Töchtern gezogen. Neferetiti könnte als ihre Tochter vorgestellt werden. Ich war in der Lage, Tiji zu überzeugen und auch die unangenehmen Fragen zu verhindern.

Als ich Amenhotep den Vorschlag unterbreitete, war er zufrieden. Die Liebe schien ihn überglücklich aber auch achtlos zu machen. Er nahm alles so hin, wie es urplötzlich gekommen war. Konnte er Nofre Thet wirklich trauen? War Aton wirklich der einzige Gott? Und predigte er wirklich von Liebe?

Ich wusste es nicht und bat innerlich, Amun würde mir erscheinen, doch meine Gebete wurden nicht erhört.

Wir kehrten nach Theben zurück. Der Palast des Amenhotep, dem göttlichen Pharao, war gewaltig. Riesige Säulen stützte das Große Haus und Statuen des Amun, Osiris und Horus bewachten den Pharao.

Amenhotep, inzwischen in seinem vierunddreißigsten Regierungsjahr, war über 50 Jahre alt. Man sah ihm das Alter an. Er war schwach und senil geworden. Die Regierungsgeschäfte erledigte zumeist die Große Gemahlin Teje, eine starke Frau und geschickt in Diplomatie und Korrespondenz mit unseren Nachbarvölkern.

Neferetiti wurde dem Pharao vorgestellt, der entzückt von der Schönheit der Auserwählten seines Sohnes war. Wie wir es vereinbart hatten, wurde Neferetiti als Tochter der Adligen Tiji vorgestellt, um ihre wahre Identität zu verschleiern. Auch Teje nahm ihre neue »Tochter« warmherzig auf. Und so wurden sie vermählt und Amenhotep bestieg ein Jahr später als Mitregent den Thron. Im Jahre 38 des Amenhoteps III. war es dann soweit. Der alte Pharao begann den Weg zu Osiris und Ré und Amenhotep IV. war der neue Regent von Ober- und Unterkemet.

Neferetiti wurde seine Große Königliche Gemahlin und wurde von Teje in die Kunst der Diplomatie unterwiesen. Alles hätte nicht besser sein können. Die Liebe zwischen Amenhotep und Neferetiti war gewachsen. Es bestand ein unzertrennliches Band zwischen dem Königspaar, so dass Amenhotep nicht einmal eine Nebenfrau erwählte. Das Pharaonenpärchen genoss die Gunst des Volkes.

Doch es gab zwei Dinge, die wie ein dunkler Schatten über dem Frieden Kemets lagen. Die korrupte Priesterschaft des Amun sowie Amenhoteps und Neferetitis Affinität zum Sonnengott Aton. In den letzten vier Jahren hatte sich der Glaube noch verstärkt und war zur Lebensaufgabe des Amenhotep geworden.

Mich beängstigte das, denn die Priesterschaft des Amun würde niemals freiwillig ihre Macht abgeben.

Voller Besorgnis wandte ich mich im ersten Regierungsmonat an Pharao Amenhotep und seine wunderschöne Frau Neferetiti.

»Oh, edler Sohn des Amun, gewährt mir eine Audienz«, begann ich demütig, als ich den Thronsaal betrat. Es waren noch einige Berater und Teje anwesend.

Amenhotep zeigte sich erfreut mich zu sehen. »Mein lieber Freund, Meriré, du musst nicht um eine Audienz fragen. Mein Ohr ist dir jederzeit offen.«

Ich machte eine Geste des Dankes und verneigte mich vor Neferetiti und Teje. Neferetiti gebot dem Gefolge den Raum zu verlassen. Sie schien deutlich zu spüren, dass mir etwas auf dem Herzen lag, wovon andere nichts wissen sollten.

»Was wünscht du von uns?«, wollte sie wissen.

Ihre Augen funkelten geheimnisvoll. Ihre Schönheit war wie am ersten Tage. Es benötigte nicht die Schminke und den goldenen Schmuck, um die Akonin Nofre Thet wie eine Göttin aussehen zu lassen. Doch diese Beigaben machten sie noch viel göttlicher.

»Meine Königin besitzt eine gute Intuition. Mein Anliegen ist äußerst prekär, denn es geht um eure Verehrung des Gottes Aton.«

Teje warf dem Königspaar einen vielsagenden Blick zu. Es war jedoch kein strafender Blick. Anscheinend gehörte auch sie zu den Verehrern des Aton.

»Was ist mit unserem Gott? Zweifelst du immer noch an ihm? Hast du vergessen, was vor vier Jahren geschehen ist?«, fragte Amenhotep fast zornig.

Ich hatte Angst! Auch wenn Amenhotep mein Freund war, so wusste ich, dass er sehr jähzornig und zu unüberlegten Taten jederzeit bereit war.

»Oh, Pharao, ich habe Furcht vor den Konsequenzen. Ich habe unsere Begegnung mit Aton nicht vergessen und welch unschätzbares Geschenk er uns gemacht hat.« Mein Blick fiel auf Neferetiti, die geschmeichelt schmunzelte.

Tejes Gesicht hingegen drückte Strenge aus. Königin Teje stammte aus bürgerlichen, aber wichtigen Kreisen und heiratete Amenhotep III. zu Beginn seiner Regierungszeit. Als Gattin Amenophis' III. gebar sie ihm insgesamt sechs Kinder, darunter natürlich auch unseren Pharao Amenhotep IV..

»Doch glaube ich«, führte ich weiter aus, »dass ich weiß, was du anstrebst. Du strebst eine monotheistische Verehrung des Atons an. Doch wie kannst du dich anmaßen, die alten Götter unter Aton zu stellen?«

Wütend sprang Amenhotep auf und warf seine königlichen Insignien zu Boden. »Wie kannst du es wagen, so anmaßend mit mir zu reden, Meriré? Ich bin dein Pharao. Ich bin die höchste Instanz hinter Aton! Er hat sich mir erleuchtet. Du warst dabei. Alle anderen Götter sind nur Lügen und Erfindungen geistesschwacher Narren gewesen!«

Reumütig warf ich mich auf den Boden und hoffte, er würde sich abreagieren. Neferetiti stand auf und legte ihre Hand auf die Schulter ihres Gemahls.

»Beruhige dich«, beschwor sie ihn. »Meriré hat recht. Das Volk würde eine abrupte Änderung ihrer Religion nicht verstehen. Wir müssen den Glauben Atons langsam an dein Volk heranführen.«

Amenhotep schien sich langsam zu beruhigen. Er half mir hoch und entschuldigte sich für sein Benehmen. Mir stand es eigentlich nicht zu, eine Entschuldigung anzunehmen, denn mein Pharao konnte sich benehmen, wie er wollte. Doch als Freund vergaß ich seinen Wutanfall sehr schnell.

»Mein Sohn, deine Frau spricht weise«, sprach Teje. »Wir verehren den Aton und ich würde mein Leben für ihn geben. Doch wir müssen bedacht sein. Wir können nicht von heute auf morgen mit jahrtausendalter Tradition brechen.«

Ihr altes Gesicht wirkte verbittert seit dem Tod ihres Mannes, doch Teje konnte auch eine sehr liebevolle und warmherzige Frau sein, daher wurde sie oft mit den Göttinnen Hathor und Sachmet gleichgesetzt.

Amenhotep nickte schwach.

»Und was schlagt ihr vor?«, wollte er niedergeschlagen wissen.

Neferetiti spielte ihre Intelligenz aus. Sie war nicht nur atemberaubend schön, sondern auch klug. Sie schlug dem Pharao vor, allmählich den Atonkult zu verstärken, die Amun-Priesterschaft zu untergraben, nach einer Weile Aton als oberste Gottheit neben den anderen zu verehren und ein paar Jahre später ihn zum alleinigen Gott zu machen.

Amenhotep war damit einverstanden. Er wirkte erschöpft und lehnte sich an seine Gemahlin. Amenhotep schien mit der neuen Verantwortung noch nicht klar zu kommen.

Einige Monate später begann die Verbreitung von Atons Glauben. Er wurde mit Amun und Ré gleich gesetzt. Die Sonnenscheibe des Aton symbolisierte das Leben. Die Nacht war eine atonlose Zeit in der weder Lebende noch Tote ihre Ruhe fanden und in ständiger Angst leben mussten.

Eingeleitet wurde der neue Atonkult mit dem Bau eines Tempels in Karnak. Weise schickte Amenhotep den Hohepriester Mai zu einer Expedition in die östliche Wüste. So hatte er genügend Zeit, ohne den Druck der Priesterschaft, seinen Atontempel errichten zu lassen.

Das Volk verstand die neue Theologie noch nicht und betete weiter zu Amun, Isis und den Lokalgottheiten. Amenhotep regte das sehr auf. Doch auch die Amun-Priesterschaft regte der Glaube an Aton auf. Ich selbst bekam den Druck der obersten Wesire und Hohepriester zu spüren.

Amun-Hohepriester Mai sah seine Macht gefährdet und versuchte Amenhotep von dessen Kurs abzubringen. Die Opfergelder wurden weniger für die Priesterschaft. Amenhotep sammelte viel Gold an. Natürlich gefiel das den Priestern nicht, denn vieles aus der Staatskasse wurde für den Bau von neuen Tempeln verwendet.

Im fünften Regierungsjahr kam es dann zu einer Wende im leisen Aton-Amun Konflikt, als der Hohepriester Mai Amenhotep aufsuchte.

Mai, ein hochgewachsener Priester im mittleren Alter mit kahlgeschorenem Kopf und einem Oberlippenbart betrat ohne Ehrfurcht den Thornsaal des Peer-aa.

Amenhotep und Neferetiti spielten mit ihrem knapp einjährigen Kind Merit-Aton. Neferetitis Schönheit und graziler Körperbau wurden durch die Geburt nicht getrübt. Merit-Aton, die kleine Tochter des Amenhotep hatte jedoch eine Besonderheit. Ihr Hinterkopf war länger als die von normalen Menschen. Neferetiti erklärte, dass das Kind auch eins Atons sei und seine Gestalt annahm. Amenhotep war stolz, dass Aton der Mitvater des Kindes war und fragte sich nicht einmal, warum Neferetiti die Gestalt des Aton kannte. Mir fiel es damals schon auf, dass Neferetiti einen engeren Kontakt zu Aton haben musste als mein Pharao selbst.

Hohepriester Mai verzog die Mundwinkel, als er die liebende Familie sah. »Wie rührend. Doch weniger rührend ist die Stimmung des Volkes. Dein Gott Aton, Pharao, sorgt für Verunsicherung und Unverständnis. Seit dem Reichseiniger König Narmer verehren wir Amun, Ré, Osiris, Horus, Isis, Anubis und viele andere Götter, die uns beschützen und uns Halt geben. Ihr brecht mit dieser Tradition. Ich frage mich, warum?« Abscheu und Unverständnis lag in den Worten Mais.

Amenhotep war wütend über das Auftreten seines Hohenpriesters. »Mai, ich weiß, dass die Amun-Priester sehr mächtig sind, doch dein Auftreten ist voller Respektlosigkeit mir und meiner Familie gegenüber. Zügele dein Verhalten, denn du bist nicht unersetzbar.«

Mai verneigte sich. Es war eine unehrliche Geste, doch er hatte keine andere Wahl. Er musste sich entschuldigen.

»Ich bin besorgt, Pharao. Wir müssen etwas tun, um das Volk zu besänftigen und vor allem um Amun zu besänftigen«, erklärte er mit leiser Stimme. Ein kalter Unterton der Berechenbarkeit lag in ihr.

Neferetiti kam zu Amenhotep und flüsterte ihm etwas ins Ohr. Dann wandte sie sich an den Hohepriester. »Du bist nicht um das Volk besorgt, sondern um dein eigenes Wohlergehen!«

»Ich verstehe nicht?«, heuchelte Mai.

Nofre Thet lachte bitter. »Oh doch, du verstehst gut. Dir geht es um deine Macht. Amenhotep III. konntet ihr vielleicht einigermaßen beeinflussen, doch mein Mann und ich werden uns nichts von euch sagen lassen. Amenhotep hat etwas zu verkünden. Du bist der erste, der es hören wird.«

Amenhotep blickte seine Frau ernst an. Er nahm seine königlichen Insignien und lief damit auf Mai zu.

Da Neferetiti etwas lauter geworden war, waren einige auf das Gespräch aufmerksam geworden. Berater, Soldaten und Priester beobachteten nun das Geschehen im Thronsaal. Auch Teje war nun anwesend. Ich lauschte gespannt den Worten meines Pharaos.

»Von heute an wird Aton der oberste Gott Kemets sein!«

Ein Raunen fuhr durch den Raum. Worte des Jubels, aber auch Rufe wie »Ketzer!« und »Das ist das Ende Kemets!« hallten durch die Menge.

»Was? Das ist nicht dein Ernst, Pharao!« Fassungslosigkeit lag in Mais Stimme. Er hatte viel erwartet, doch nicht das!

»Es ist Atons Wille und mein Befehl. Auf halbem Wege zwischen Theben und Memphis soll am Ostufer des Hapi eine neue Reichshauptstadt gebaut werden. Sie soll den Namen Achit-Aton, Horizont des Aton, tragen. Der Bau hat unverzüglich zu beginnen und ist mit oberster Priorität zu behandeln.«

Mai blickte ratlos seine Mitpriester an. Auch sie wussten nicht, was sie machen sollten. Fast schon flehend wandte er sich erneut an Amenhotep.

Amenhotep lachte verächtlich, als Mai auf die Knie fiel und vor seinem Pharao flehte. Neferetiti blickte ihn kalt an und setzte sich gleichgültig auf ihren Thron.

Amenhotep ging zum Hohepriester und sprach: »Von nun an heiße ich nicht mehr Amenhotep. Ich bin Pharao Ach-et-Aton!«

Dann versetzte er Mai einen Tritt ins Gesicht. Kreischend fiel der Hohepriester auf den Rücken und jammerte vor Schmerzen.

Ach-et-Aton war damit jedoch noch nicht zufrieden. Er rief ein paar Wachen und ließ Mai wegen Hochverrat an Aton verhaften. In diesem Moment rief er mich zu ihm. Mir wurde die größte Ehre zuteil, denn ich sollte nun erster Hohepriester des Aton werden. Ich fügte mich meinem Schicksal, obwohl ich tief im Inneren nicht von Aton überzeugt war.

Einige Priester wollten gegen die Wachen vorgehen und Mai befreien. Es kam zu einem Handgemenge und zwei Priester wurden getötet. Neferetiti war darüber sehr erschrocken und eilte zu den sterbenden Priestern. Als noch mehr getötet werden sollten, warf sie sich dazwischen und gebot den Wachen Einhalt.

Ach-et-Aton verstand das nicht. Wütend packte er seine Frau. Es war das erste Mal, dass er sie so behandelte.

»Was fällt dir ein, Weib?«, brüllte er sie an.

Neferetiti riss sich los und ohrfeigte ihn. »Du weißt wohl nicht, wessen Geschenk ich bin? Ich komme von Aton! Und Aton will keine Toten. Merk dir das, geliebter Gemahl!«

Ach-et-Aton starrte sie fassungslos an. Für einen Moment fixierten sich seine ruhelosen Augen auf ihr Gesicht. Dann senkte er beschämt den Kopf und befahl den Wachen die Priester laufen zu lassen. Er hatte eingesehen, dass Nofre Thet recht gehabt hatte.

Neferetiti lief gekränkt zu ihrem Kind und nahm es Teje aus den Armen. »Soll dein Kind mit ansehen müssen, wie Menschen sterben? Ist es das, was du willst?«, schrie sie ihren Mann vor allen Priestern und Beratern an.

»Ist es denn mein Kind oder das Kind des Aton?«, rief er unsicher zurück. Seine Stimme zitterte und sein Körper bebte.

Ich wusste, dass Amenhotep oder Ach-et-Aton, wie er sich jetzt nannte, unter starker Spannung stand.

Neferetiti wollte zuerst etwas sagen, doch dann schwieg sie für einen Moment. Ich glaubte in ihrem schönen Gesicht auch Unsicherheit zu erkennen.

»Ist das nicht das gleiche?«, sagte sie schließlich. »Du bist Atons Auserwählter. Handle nun auch danach.«

Mit diesen Worten verließ sie mit Merit-Aton den Thronsaal. Ach-et-Aton blickte wütend seine Berater an.

»Tutu, Ramose. Kommt her!«, rief der Pharao.

Tutu war ein Syrer. Ein Ausländer, der jedoch fest an Aton glaubte und daher die Gunst des Pharaos erlangte. Er war Kammermeister und hatte ein sehr wichtiges Amt inne. Ramose war General und ebenso zuverlässig.

»Edler, Ach-et-Aton, was ist dein Begehren?«, wollte Tutu wissen. Ich misstraute dem Syrer. Für ihn zählte nur die Macht. Er würde sie um jeden Preis durchsetzen.

»Ich übertrage dir die Bewachung des Baus von Achit-Aton. Meriré soll sich um die Tempel des Aton kümmern und Ramose für die Sicherheit sorgen«, erklärte Ach-et-Aton.

Dann packte er Tutu und starrte ihn verwirrt an. Seine Lippen führte er an das Ohr des Syrers. »Ich vertraue dir, Tutu. Sorge dafür, dass niemand den Bau von Achit-Aton gefährdet.«

Ach-et-Aton umklammerte die Schultern seines Getreuen.

»Ich vertraue dir, Tutu. Ich vertraue dir …«

Der Syrer verneigte sich und machte sich sofort an die Arbeit. Rahmose sorgte für die militärische Präsenz beim Bau von Achit-Aton. Ich selbst sollte mich um die religiösen Einrichtungen kümmern. Und als dann Achit-Aton fertig war, geschah das Wundersame …

Zwei Jahre hatte der Bau nur gebraucht. Seit sieben Jahren war Ach-et-Aton nun im Amt und hatte mit Neferetiti zwei weitere Töchter, Maket-Aton und Anches-en-pa-Aton, gezeugt. Auch sie wiesen den charakteristischen, länglichen Hinterkopf auf. Sie waren Kinder des Aton. Die Ehe zwischen Ach-et-Aton und Neferetiti war wieder gefestigt. Ihr Streit längst vergessen und der innigen Liebe gewichen. Nofre Thet wirkte immer noch jung und schön. Sie war um keinen Tag gealtert und zeigte auch nicht das typische Bild einer Mutter von drei Kindern. Jeder fragte sich, wie sie ihre Schönheit bewahrte.

In der Nacht besuchten wir, das hieß der Pharao Ach-et-Aton, Neferetiti, Ramose, Tutu und ich selbst, die fertige Stadt Achit-Aton. Der neue Tempel zu ehren Atons war einmalig. Ich hoffte, damit Aton und auch Ach-et-Aton zufriedengestellt zu haben.

Bedächtig wanderte Ach-et-Aton durch die Hallen des Tempels und war sichtlich beeindruckt von dem Monument.

»Wahrlich eines Gottes würdig«, sprach er mehr zu sich selbst als zu uns.

JA, ACH-ET-ATON! MIR GEFÄLLT DIESER TEMPEL WAHRLICH, hallte es durch Tempel. Aton sprach zu uns.

»Werft euch auf den Boden!«, befahl der Pharao und alle bis auf Nofre Thet taten das. Sie trat näher an Ach-et-Aton heran, der sich ebenfalls verneigte.

ACH-ET-ATON, DU HAST GUTE ARBEIT GELEISTET. ICH BIN ZUFRIEDEN. MIT ACHIT-ATON HAST DU EINE GUTE RESIDENZ FÜR MICH GESCHAFFEN. FORTAN WERDE ICH IN DIESEM TEMPEL WOHNEN. ICH VERLANGE, DASS NUR DU MICH ANNBETEST. ICH WILL KEINE DEKADENTE PRIESTERSCHAFT UM MICH VERSAMMELT WISSEN. NUR DU, NOFRE THET UND MERIRÈ SOLLEN DIREKT ZU MIR BETEN.

Ach-et-Aton war sehr erstaunt über diese Ehre. Doch wen sollte das Volk anbeten? Etwa noch die alten Götter? Das durfte nicht sein. Aton schien zu wissen, was seinen Schützling grämte.

DU WIRST DER MITTLER ZWISCHEN MIR UND DEINEM VOLKE SEIN. VON NUN AN SOLL NUR ICH ANGEBETET WERDEN. VERTILGT DIE GÖTZENBILDER DER ANDEREN GÖTTER AUS KEMET UND BETET ZU MIR. DAS VOLK WIRD DICH ANBETEN, ALS SOHN DES ATON. ES WIRD DEINE FAMILIE ANBETEN ALS GÖTTLICHE FAMILIE. UND DU WIRST IHRE GEBETE AN MICH WEITERGEBEN. BRINGT MIR OPFERGABEN IN FORM VON GOLD UND NAHRUNG. HULDIGT MIR BEI JEDEM SONNENAUFGANG, DENN ICH BIN ES, DER DAS LICHT ERSCHEINEN LÄSST.

Ach-et-Aton hob seine Arme und fiel auf den Boden. »So wird es geschehen, oh Aton! So wird es geschehen!«

Und so geschah es auch. Die alten Götter wurden abgeschafft und es wurde den Bürgern Kemets verboten zu den alten Göttern zu beten. An ihre Stelle trat die königliche Familie. Sie sollten die Plätze von Osiris, Isis, Hathor, Horus und all den anderen einnehmen. Zu ihnen sollte man für Aton beten. Die königliche Familie würde diese Gebete dann an den Sonnengott weitergeben.

In den nächsten Monaten gab es heftige Auseinandersetzungen mit den Priestern des Amun. Natürlich weigerten sie sich den neuen Atonkult anzunehmen. Und diejenigen die es taten, hatten nicht viel davon, denn die Opfergaben wurden von Ach-et-Aton oder mir selbst verwaltet. Keiner konnte mehr etwas in die eigene Tasche wirtschaften und viele Priester wurden arbeitslos. Natürlich kam es deshalb zu großen Unruhen. Der inzwischen wieder freigelassene Mai zettelte einen Aufstand an, der jedoch blutig niedergeschlagen wurde. Ramose tötete Mai eigenhändig und die Amunpriesterschaft wurde aufgelöst.

Das, was ich befürchtet hatte, trat ein. Der Glauben an Aton wurde gewaltsam durchgesetzt. In den Köpfen der Bürger lebten die alten Götter weiter, doch Ach-et-Aton konnte und wollte das nicht respektieren. So begann er eine Gewaltherrschaft auszuüben.

Auch die Außenpolitik litt unter Ach-et-Atons Fanatismus. Nur dank Teje, die jedoch immer älter und kränker wurde, konnte der gute Kontakt zu den ausländischen Reichen gewahrt werden. Als sie im Jahre acht des Ach-et-Aton starb, war das ganze Volk in tiefer Trauer. Für diesen Moment waren wir wieder vereint. Vereint in Trauer und großer Huldigung einer großen Frau unserer Zeit.

Neferetiti übernahm in den kommenden Jahren die politischen Geschäfte, da Ach-et-Aton sich nur noch auf Aton konzentrierte. Sie schenkte ihm noch drei weitere Töchter. Doch ihr zweites Kind, Maket-Aton, starb in frühen Kindesjahren. Ich persönlich hatte den Eindruck, das Neferetiti nicht über den Tod ihres Kindes hinweg kam. Alle Töchter des Aton hatten den langen Hinterkopf. Es war ein Zeichen für ihre göttliche Herkunft, doch Ach-et-Aton sehnte sich nach einem Sohn! Ein Thronfolger!

So nahm er das Recht des Pharaos in Anspruch und erwählte Nebenfrauen. Kija hieß die rassige Schönheit aus Unterägypten. Ich werde nie die Szenen vergessen, die ich zufällig mitbekam als Neferetiti Ach-et-Aton und Kija beim Liebesakt ertappte. Es war im Jahre zwölf seines Regierungsjahres.

Neferetiti kam gerade von ihren Töchtern. Merit-Aton war inzwischen elf Jahre alt und wuchs zu einer Frau heran. Die anderen Kinder waren noch jung und spielten oft bis in die Nacht hinein mit ihrer Mutter.

Neferetiti trug ein rotes Gewand, welches eine Schulter freiließ. Sie war die Schönheit wie vor fünfzehn Jahren. Keinen Tag älter war sie geworden. Ich wusste immer noch nicht das Geheimnis ihrer Schönheit.

Sie lächelte mir zu. Neferetiti war immer so freundlich zu uns allen. Sie war in den Jahren zu einer wahren Königin gewachsen. Sie konnte das, was der Pharao oftmals falsch gemacht hatte, gerade wieder richtig stellen. Außenpolitisch führte sie das Geschick von Teje fort und auch beim Volk war sie beliebt, auch wenn der Schatten von Ach-et-Aton ihr viel Ruhm nahm, da er mit dem Atonfanatismus alles zunichte machte. Doch letztlich war Nofre Thet, wie sich die Akonin früher nannte, selbst eine Anhängerin Atons, vielleicht sogar die Größte von allen. Doch sie war geschickter im Umgang mit dem Glauben als Ach-et-Aton.

Ich bekam mit, wie sie die Tür zum Schlafgemach öffnete und laut schrie. Entsetzt hastete ich in den Gang, um zu sehen, ob ihr etwas geschehen war. Körperlich ging es ihr gut, doch seelisch war sie verletzt. Ich hielt mich im Hintergrund, bekam aber alles mit.

Wütend rannte Neferetiti in das Zimmer, in dem sich Ach-et-Aton mit Kija vergnügte. Die Kemetin saß nackt auf dem ebenso nackten König. Ihr Körper war vom Schweiß völlig nass. Nofre Thet packte sie an den Haaren und zog sie schmerzhaft von ihrem Ehemann herunter.

»Was fällt dir ein, du primitive Schlampe?«, brüllte Neferetiti die zweite Gemahlin an.

Ach-et-Aton zog sich einen Mantel über und beobachtete zuerst das Geschehen.

Als Neferetiti jedoch auf Kija einschlug, griff er ein. Er packte Neferetitis Arm und warf sie auf das Bett.

»Was fällt dir ein, Weib? Ich bin der Pharao und es ist mein Recht mir so viele Nebenfrauen zu halten, wie es mir beliebt. Wenn du nicht in der Lage bist mir einen Sohn zu schenken, dann ist es Kija vielleicht!«

Kija stand auf und legte ihren Arm auf Ach-et-Aton. Sie stand immer noch nackt vor Neferetiti, die nicht glauben konnte, was sie da sah. Kija leckte mit ihrer Zunge den Schweiß von Ach-et-Atons Brust. Neferetiti fing an zu weinen, als sie bemerkte, dass es Ach-et-Aton gefiel. Sie lief aus dem Gemach. Aus Angst, dass sie sich das Leben nehmen wollte, folgte ich ihr unauffällig.

Ihr Weg führte mich zum Tempel des Aton. Ich nahm an, dass sie zu Aton beten würde, doch ich irrte mich gewaltig. Sie schritt zielstrebig hinter die große Sonnenscheibe in der Mitte des Raumes und aktivierte einen Knopf. Es öffnete sich eine Geheimtür, die nicht einmal ich kannte. Neferetiti lief hastig die Treppen hinunter. Ich folgte ihr, ohne, dass sie es mitbekam. Dort unten spielten sich unglaubliche Dinge ab. Es muss der Sitz des Aton gewesen sein, denn ich erkannte die künstlichen Lichter an der Wand wieder. Ich fand unsere Goldschätze und Nahrungsgaben.

Langsam und bedächtig schritt ich voran. Ich war wie in Trance. Einerseits hatte ich große Furcht vor dem, was kam. Doch auf der anderen Seite war meine Neugier zu groß. Wohin führte mich der Weg von der geheimnisvollen Nofre Thet? Zu Aton?

Ich erreichte einen großen Saal. Überall standen seltsame Dinge mit künstlichen Lichtern, die blinkten und seltsame Geräusche von sich gaben. Am anderen Ende befand sich ein Wohnbereich. Auf einer Liege lag ein Mensch. Ich erschrak. Er hatte fast so einen länglichen Hinterkopf wie die Kinder Neferetitis! Nur sein Kopf ging mehr in die Höhe.

Er trug eine seltsame Kombination, deren Stoff ich nicht kannte. Seine Sandalen waren sehr hoch und geschlossen. Er lächelte, als er Neferetiti sah.

»Nofre, hast du Sehnsucht nach mir?«

Traurig setzte sich die Königin zu dem Fremden mit dem langen Kopf. Sie seufzte und vergrub ihr Gesicht zwischen ihre Hände.

»Er hat mich mit einer der Primitiven betrogen«, schluchzte sie.

Das Gesicht des Fremden mit dem Namen Tarol zeigte keine Regung. »Und wenn schon. Hauptsache er verehrt mich weiterhin als Aton und weitet unseren Kult aus. Bis jetzt lebt es sich ganz gut. Als Gott geht es mir ziemlich gut. Nicht so wie auf Aralon, wo ich als Doktor in einer drittklassigen Klinik arbeiten musste. Viele Überstunden, keine Anerkennung. Das ist hier anders. Hier bin ich Aton, der Gott der Sonne.«

Der Fremde lachte seltsam und stopfte sich mit Essen voll. Ich glaubte nicht, was ich da hörte. ER war Aton? Was war Aralon? Ich verstand nichts mehr. Mein Kopf schwirrte und ich drohte meinen Verstand zu verlieren. Doch ich musste weiter mit anhören, was er zu sagen hatte. Ich musste es einfach!

Er streichelte Neferetitis Arm.

»Ich liebe ihn aber«, gestand sie.

»Du vergisst, dass die Kemeten nicht soviel Moral haben wie wir. Sie kennen keine monotheistischen Ehen. Es ist keine Liebesentsagung, wenn er mit einer anderen Frau schläft. Es ist ihre Kultur. Du wirst dich auch damit abfinden müssen, dass er mit deinen Kindern schlafen wird, wenn sie reif sind.«

Nofre Thet wandte sich angewidert ab. »Ich werde mich an diese barbarische Kultur nicht gewöhnen können!«

Sie stand auf und lief durch den Raum. Ich versteckte mich noch weiter im vorderen Raum, damit sie mich nicht sah.

»Ich will wieder zurück nach Akon. Hätte ich dir bloß nicht vertraut, Tarol Venderu, du hervorragender Arawissenschaftler!« Spott und Hohn war aus ihrer Stimme zu erkennen, obwohl ich keine Ahnung hatte, was sie da eigentlich redete.

»Wieso?«, wunderte sich der Ara, der sich als Aton ausgab. »Mein Ortungsschutzsystem hat einwandfrei funktioniert. Es ist Millionen wert und ihr Akonen wollt es bestimmt haben. Die Station der Arkoniden auf diesem Planeten konnte uns nicht orten. Auch diese seltsamen Ortungsgeräte bei den drei großen Pyramiden nicht. Es hat also einwandfrei funktioniert.«

»Nur hast du vergessen, dass dein Schiffssystem überlastet wurde und das zu irreparablen Schäden geführt hat und wir hier seit sechszehn Jahren festsitzen!«, konterte Nofre Thet.

Nun stand auch Aton auf. An seiner Stimme erkannte ich ihn. Doch ich wusste das alles nicht einzuordnen. Waren es nun Götter oder nicht? Die Art wie er sprach, deutete darauf hin, dass sie von den Sternen kamen. Das konnten doch nur Götter sein. Doch ich wurde das Gefühl nicht los, dass dieser Ara namens Tarol Venderu das kemetische Volk an der Nase herumführte und Neferetiti war seine Gehilfin.

Aton legte seine Hände auf Neferetitis Schultern und küsste sie.

»Bitte nicht«, flüsterte sie.

»Warum nicht? Ist es nicht Zeit für ein siebtes Kind? Ich finde es schon schade, dass ich als Vater nicht einmal meine sechs Kinder sehen kann. Immerhin sind es Halbaras.«

»Es sind nur noch fünf Kinder. Maket-Aton …«

»Ach die! Fünf sind ja auch genug. Vergiss nicht, dass sie uns helfen werden, eine neue Dynastie zu gründen. Und vergiss nicht, dass ich deinen geliebten Ach-et-Aton sofort töte, wenn du dich mir verweigerst.«

Ich konnte nicht fassen, was da vor sich ging. Aton redete gar nicht wie ein Gott, sondern wie ein gemeiner Verbrecher. Er erpresste Neferetiti, die ihr Kleid auszog und sich ihm hingab. Wie anstößig von mir in diesem Moment ihren wunderschönen Körper zu bewundern. Sie war einmalig schön. Doch auch traurig und verzweifelt. Aton nahm sich den Körper Neferetitis, doch ihre Liebe galt Ach-et-Aton, der von diesem Möchtegerngott an der Nase herumgeführt wurde.

Ich hatte genug gesehen und verließ die unterirdische Kammer. Völlig entsetzt, ausgebrannt und leer setzte ich mich auf die Stufen des Altars und begann zu weinen. Mein gesamtes Weltbild war zerstört. Alles an was ich geglaubt hatte, war dahin. Aton war ein Schwindler von einem anderen Stern. Nofre Thet anscheinend seine mehr oder minder freiwillige Helferin und mein Pharao, der alles für Aton gab, sogar die Liebe seines Volkes, war hintergangen und verraten worden.

Nichts war mir geblieben. Zum ersten Mal seit vielen Jahren betete ich wieder zu Amun. Mein Gefühl damals hatte recht gehabt. Aton war kein Gott der Liebe und des Friedens, sondern ein Gott des Hasses!

Ich sank auf die Knie, hob die Arme und huldigte Amun. Ich bat Osiris, Isis und Anubis um Vergebung für mein dummes Verhalten. Ich bat um Vergebung für mein gesamtes Volk!

»Du betest jetzt wieder zu den richtigen Göttern. Dir möge verziehen sein, Meriré!«

Ich erschrak. Ich fragte mich, wie viel Belastung mein Herz an diesem Tage noch ertragen konnte. Als ich dann das Wesen vor mir sah, fing ich an zu schreien. Ich schrie meine Angst heraus. Dann fing ich an zu lachen und zu weinen. Beides gleichzeitig. Ich fiel auf den Boden und kroch demütig zu dem Wesen. Ich küsste die Füße des Wesens. Seine Hand packte mich und hob mich hoch. Dann stellte er mich wieder hin.

»Anubis!«, sprach ich voller Ehrfurcht.

Der schakalköpfige Gott stand in einer goldenen Rüstung vor mir und fletschte die Zähne. Er wirkte zornig.

»Ja, ich bin Anubis! Beweist das die Existenz von uns? Lange Jahrhunderte haben wir geruht. Seit dem Untergang des alten Reiches haben wir euch passiv beobachtet. Wir hatten große Hoffnungen in euch gesetzt, als Amose das Reich einte. Auch Thutmosis III. zeigte sich würdig, euer Volk richtig zu leiten. Doch nun? Wir erwachten, als wir hören, dass ein fremdes Schiff Kemet erreicht hat. Und was stellten wir fest? Ach-et-Aton ist ein verweichlichter Versager und Sonnenfetischist!«

Die wütenden Worte des Anubis ließen mich erschaudern.

»Aton ist ein Betrüger. Ein drittklassiger Arzt und Wissenschaftler von der Welt Aralon. Nichts besonderes. Nun gut, für euch vielleicht, aber nicht für eure Götter. Aton ist kein Gott! Meriré, du hast das rechtzeitig erkannt. Deshalb bist du ein Auserwählter.«

Er gab mir einige Papyrirollen. Ich wusste gar nicht, was ich sagen sollte. Geschweige denn, was ich tun sollte. So viele Götter waren mir begegnet. Womit hatte ich das verdient? Diese Ehre, meinte ich.

Ich nahm die Papyrirollen und las kurz darin. Es waren Aufzeichnungen des Imhotep und des Neferti.

»Schließe an diesen Aufzeichnungen an! Führe die Chronik deines Volkes weiter. Und zwar die Realität. Ich möchte keine Geschichte über die Schönheit des Landes, wo alle unschönen Szenen verschwiegen werden. Schreibe über die Wahrheit, Meriré!«

Ich verneigte mich. »Ja, Gott Anubis. Ich werde deinen Befehl ausführen.«

»Es ist eine Bitte, Meriré.«

Ich blickte Anubis in die rotgelben Augen. Er war wirklich ein Gott der Güte und der Gnade. Ich verneigte mich erneut.

»Zu keinem Menschen ein Wort. Niemand, vor allem nicht Ach-et-Aton und Nofre Thet dürfen etwas davon erfahren. Wir werden uns wiedersehen.«

Nun verschwand der Gott. Kurz darauf kam Neferetiti aus ihrem Versteck und erschrak als sie mich sah. Ich versteckte die alten Aufzeichnungen in einer Schatulle und blickte die Königin fragend an. Wir beide blickten uns fragend an.

»Warst du unten?«, flüsterte sie mit belegter Stimme.

Ich nickte nur.

Sie sank auf die Knie und fing an zu weinen. Ich konnte meine Königin nicht so sehen. Ich half ihr hoch und setzte sie auf die Stufen des Altars.

»Hast du alles mitbekommen, Meriré?«

»Alles, meine Königin.«

Sie trocknete ihre Tränen. Neferetiti zitterte am ganzen Leib. Sie begann mir zu erzählen, wer sie wirklich war. Zu dem Zeitpunkt begriff ich es nicht so ganz, doch ich gebe es wortgetreu wieder:

Nofre Thet war eine Offizierin vom Planeten Akon. Er liegt viele tausend Lichtjahre von der Erde entfernt. Da die Akonen in gewollter Isolation leben, agierte sie verdeckt, als sie Kontakt mit dem Ara-Wissenschaftler Tarol Venderu aufnahm, der ein neuwertigen Ortungsschutz für Weltraumschiffe erfunden hatte. Sie begab sich mit ihm auf einen Testflug und sie erreichten dieses abgelegene System mit einer arkonidischen Unterwasserstation. Dort wollten sie ihren ersten Test durchführen, der auch erfolgreich war, doch das Schiffssystem war überlastet und brach zusammen. So musste das Weltraumschiff am Ostufer des Hapi notlanden. Die Schäden waren nicht mehr zu reparieren und Nofre Thet saß mit dem Ara auf der Welt fest.

Tarol hatte nun die Idee, das beste daraus zu machen und das ansässige Volk auszunutzen. Da ihm unser starker religiöser Glaube auffiel, machte er sich das zu nutzen und wollte einen Kult um Aton aufbauen. Er bekam mit, wie Amenhotep III. die Sonnenscheibe Aton verehrte. Tarol erschien Amenhotep III. und damit begann der Sonnenkult, den Ach-et-Aton nun vollenden sollte.

Das Treffen in der Wüste mit seinem Raumschiff war geplant. Nofre Thet sollte als königliche Gemahlin dafür Sorge tragen, dass Ach-et-Aton im Namen Atons agierte und dem Ara ein schönes Leben machte. Dabei verliebte sich jedoch die einsame Akonin in Ach-et-Aton und wollte fortan mit ihm ein glückliches Leben führen.

Doch dabei gab es zwei Probleme: Ach-et-Aton selbst, der schon zu fanatisch war, und Aton selbst, denn der Ara drohte Nofre Thet selbst und auch ihre Familie zu töten, sollte sie sich gegen ihn wenden. Ihre Liebe zu ihrer Familie war zu stark und daher entschloss sie sich, Venderus Launen zu ertragen. Er ging sogar so weit, dass er sie körperlich begehrte, woraus die Kinder der Neferetiti entstanden. Er selbst wollte nicht, dass sie Kinder von Ach-et-Aton bekam. Deshalb verhütete sie beim Liebesakt. Sie verwendete jedoch keinen Krokodilkot, wie es bei uns üblich war, sondern etwas »Moderneres« wie sie es bezeichnete.

Nofre Thet wollte lieber heute als morgen mit der Betrügerei aufhören, doch sie konnte es nicht, da es ihr Leben und das ihrer Familie kosten würde.

Für mich war diese Beichte wie ein Schock. Dieser ganze Abend war ein Schock! Ich selbst brauchte eine Weile, um das zu verstehen.

Nach diesem schicksalsträchtigem Abend, entspannte sich das Verhältnis zwischen Ach-et-Aton und Neferetiti wieder. Der Pharao ließ sich von Kija scheiden und erwählte wieder Neferetiti als Hauptfrau. Ein paar Monate lief alles gut. Ich verrichtete meinen Dienst weiter für Aton, obwohl ich heimlich nun die Priesterschaft der alten Götter unterstützte.

Die Hethiter gewannen inzwischen an Macht und unsere Grenzen wurden vernachlässigt. Tutu und Ramose waren überfordert, da Ach-et-Aton nur noch Aton im Kopf hatte. Tag ein, Tag aus.

Nofre Thet verlor so oder so ihren Mann. Auch wenn in unzähligen Reliefs die liebende Familie dargestellt war, so war es seit einiger Zeit nur ein Trugbild.

Die Königin wusste, dass sie etwas unternehmen musste. Und das tat sie …

An jenem Abend verweilte ich im Atontempel. Ich musste wieder einmal den Ara füttern und ihn mit Gold beschenken. Welch Ironie, denn ich war der Oberste Hohepriester des Aton und glaubte gar nicht mehr an ihn.

Neferetiti kam zu mir. Ihr Gesicht war ernst.

»Meriré, es ist Zeit, dass Aton an Macht verliert«, sprach sie.

Überrascht blickte ich sie an.

»Ich verliere Amenhotep, denn Mann, den ich liebe. Er ist ein Fanatiker. Für ihn gibt es nur noch Aton und sonst nichts anderes. Tagsüber ist er wie ein Despot, weil er Aton mit sich glaubt. Nachts ist er wie ein ängstliches Kind, weil Aton nicht da ist. Er klammert sich an mich und bittet um Schutz. Er wird wahnsinnig, verliert den Verstand. Es kann so nicht weitergehen.«

Die letzten Worte hat sie mit gebrochener Stimme gesprochen. Sie wollte ihren Ehemann nicht verlieren. Sie wollte ihre Familie nicht verlieren. Sie unterdrückte die Tränen und sprach weiter.

»Meine Kinder drohen genauso zu werden wie er. Das Volk hasst uns und es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis sie revoltieren. Wir müssen zu den alten Zeiten zurückkehren, bevor es zu spät ist.«

Sie zog ein seltsames Etwas aus ihrem Kleid hervor. Anscheinend war es eine Waffe. Ein länglicher Lauf mit einem Loch am Ende und ein Griff mit einem Abzug am anderen Ende. Ihre Augen schienen mich zu durchdringen. Diese funkelnde Lebensfreude war vergangen. Ihre Schönheit war nach sechszehn Jahren nicht gewichen, doch ihr Lebensmut.

Plötzlich zischte ein Blitz durch den Tempel. Er traf Neferetiti, die laut aufschrie. Ich wich voller Furcht zurück. Die Königin ließ ihre Waffe fallen und blickte mich mit starren Augen und geöffnetem Mund an. Dann sank sie auf die Knie und fiel zu Boden. Sie hielt sich mit beiden Händen eine große Wunde an der Hüfte.

Ich wollte zu ihr eilen, doch da stand Aton persönlich vor mir. Er hatte ein diabolisches Lächeln aufgesetzt. Er besaß die gleiche Waffe, wie meine Königin und konnte damit Feuer speien. Ein Blitz aus Feuer ging direkt vor meine Füße. Angsterfüllt warf ich mich auf den Boden und betete zu Amun, er möge mich beschützen.

»Amun wird dir auch nicht viel weiterhelfen, du dummer Eingeborener. Was verstehst du schon von Gottheiten? Ich bin ein Gott, weil ich dir technisch einige tausend Jahre voraus bin. Deshalb kriechst du im Staub vor mir!«

Aton ging zu Neferetiti. Sie rang nach Luft, war schweißgebadet und ihr Blick totenstarr. Doch noch lebte sie.

»Naives Kind. Nun wird Ach-et-Aton ohne dich regieren. Aber das macht nichts. Eine Mitwisserin weniger. Nur den Spaß mit dir werde ich vermissen. Aber es gibt ja noch deine Töchter.«

Aton lachte gehässig. Er lachte mit der Arroganz eines Gottes, dem alles und jeder gehörte.

Neferetiti wollte sich aufrappeln, um Aton am Hals zu packen, doch sie schaffte es nicht. Ihre blutige Hand glitt von seinem Hemd ab und erschlaffte auf dem Boden. Aton trat ihr in die Wunde. Sie schrie laut auf.

Oh, mein Gott! Warum kann ich meiner Königin nicht helfen? Ich kann das nicht mit ansehen, sie so leiden zu sehen. Welch Scheusal ist Aton! Sie stirbt und er lässt sie in der Gewissheit sterben, dass er ihre Familie ausnutzen wird.

Neferetiti hechelte nach Luft. Ihr Blick streife den meinen. Ich fing an zu weinen. Ich fühlte mit meiner Königin, die ich so verehrte. Sie opferte sich für ihre Familie, die fehlgeleitet war. Doch niemand konnte dieses Leid abwenden.

»So, und nun könnt ihr vor eure Götter treten«, sagte Aton und zielte auf mich.

Ich wusste, dass nun meine Zeit gekommen war. Bevor er seine Blitze auf mich schleuderte, hörte ich das Heulen eines Wolfes, das Knurren eines Schakals. Überrascht drehte sich Aton um und blickte Anubis an.

»Wer zum Teufel bist du?«

»Ich bin Anubis. Ich soll dir schöne Grüße von Amun und Osiris ausrichten, du dreckiger Ara!«

Aton schoss, doch Anubis verschwand und tauchte plötzlich hinter Aton auf. Anubis schlug ihm die Waffe aus der Hand und packte ihn am Hals. Er hob ihn hoch und drückte fest zu. Aton röchelte. Dann knackte sein Genick. Der zitternde Körper des »Gottes« erschlaffte. Aus Atons Lungen wich das Leben.

Er war tot!

Anubis warf ihn zu Boden. Dann ging er zu Neferetiti und streichelte der Sterbenden über ihr Haar. Er hob sie hoch und trug sie zu mir. Ich blickte in ihre starren Augen. Die Schöne war nun auf ewig gegangen …

»Ich werde sie bestatten. Sage Ach-et-Aton, dass sie zu ihrem Volk zurückgekehrt ist. Er wird den Kult um Aton weiter ausführen, doch mit Ach-et-Atons Tod und dem seiner Kinder wird Atons Glaube verschwinden. Meriré, führe weiter Buch über das Schicksal der Kemeten und greife nicht in ihr Schicksal ein.

Mit Atons Tod ist sein Bann gebrochen. Mit der Zeit wird Normalität in Kemet zurückkehren. Wir werden uns wiedersehen, mein Freund.«

Anubis löste sich mit Neferetiti und der Leiche des Aton auf. Ich blieb zurück und grübelte die ganze Nacht über das, was geschehen war, nach.

Dann kehrte ich zu Ach-et-Aton zurück und erklärte ihm, dass Neferetiti das Land verlassen hatte. Er brach weinend zusammen und verstand die Welt nicht mehr. Ich ließ ihn im Glauben, dass sie noch lebte, aber gehen musste, um das Leben von ihm und seinen Kindern zu schützen. Er glaubte das. Ich sagte nichts über Aton und Anubis. Ach-et-Aton hätte es nicht geglaubt. Sein Wahn war zu stark.

In den folgenden Jahren ging es mit ihm bergab. Er heiratete Merit-Aton und einige Nebenfrauen, die ihm auch einen Thronfolger schenkten, Tut-Anch-Aton. In den letzten Jahren seiner Regentschaft, regierte Semenchkaré mit. Dieser heiratete Merit-Aton, damit seine Thronfolge legitim war.

Die Priesterschaft der Amun reformierten sich – unter meiner geheimen Anleitung – und revoltierten gegen Ach-et-Aton. Das Land drohte zu zerfallen und Ach-et-Aton zog daraus die Konsequenzen.

Ich fand ihn eines Abends blutend vor der Büste der Neferetiti, die vom Bildhauer Thutmose angefertigt wurde. Ich beugte mich über ihn und legte seinen Kopf in meinen Schoß.

»Nun werde ich mit Aton eins werden«, sagte er schwach.

»Ja, mein Pharao und Freund. Das wirst du«, antwortete ich bitter. Es entsprach der Wahrheit, denn Aton war längst tot.

Ach-et-Atons Blick fixierte sich auf Neferetiti. »Sie ist so wunderschön. Ich werde sie immer lieben …«

»Und sie wird dich immer lieben, Amenhotep. Du wirst sie im Jenseits wiedersehen. Ich habe zu Amun gebetet und er wird dir alle Sünden vergeben. Osiris und Anubis sind gute Götter, sie verzeihen deinen Fehltritt.«

Ach-et-Aton begriff, dass ich nicht mehr an Aton glaubte. In seinen letzten Minuten erzählte ich ihm von jenen Nächten, als ich Aton und Anubis traf und wie Aton und Neferetiti ihr Leben verloren.

Eine Träne rann über sein Gesicht, denn er musste einsehen, dass all das, wofür er einstand, eine Lüge war. Er hatte sich getäuscht und alles verloren. Ach-et-Aton wollte noch etwas zu mir sagen, doch er griff nur meine Hand und drückte sie fest. Sein letzter Blick galt der Schönen, die gekommen war, bevor er einschlief.

Nach Ach-et-Atons Tod war der Kult um Aton noch nicht ganz gebrochen. Merit-Aton zeigte ähnlich viel Fanatismus, doch sie starb nicht einmal ein Jahr nach ihrem Vater. Sie wurde von den Amunpriestern ermordet. Semenchkaré erging es nicht besser und Tut-Anch-Aton bestieg den Thron. Er führte die alten Götter wieder ein und der Kreislauf hatte sich geschlossen. Anubis hatte Recht behalten. In allen Dingen.

Als ich im Sterben lag und die letzten Zeilen schrieb, erschien er mir und tröstete mich, dass ich im Jenseits eins werden würde mit Osiris.

Das war in der Tat genügend Trost für mich. Ich war Zeuge der ergreifenden Geschichte unseres Volkes. Der Träumer Ach-et-Aton hatte versucht, ein neues Kemet aufzubauen. Seine Liebe zu Aton hatte ihn blind gemacht. Erst in der Stunde seines Todes fand er heraus, wer ihn wirklich geliebt hatte.

Und diese Frau, unvergänglich soll ihre Schönheit sein, starb aus Liebe zu ihrem Mann und ihren Kindern. Ihretwegen gab sie ihr pompöses Leben auf und kämpfte gegen Aton. Sie hätte wie er sich als Gottheit verehren lassen können. Doch sie wollte nicht ihre eigene Familie belügen und sie verlieren.

Das Andenken an Nofre Thet, der Akonin, soll auf immer hochgehalten werden …

Meriré, Hohepriester des Aton, 1330 v. Chr.

2. Jagd auf Osiris

Menefru-Mirê, wie es Osiris aus seiner Zeit kannte, existierte nicht mehr. Es war nicht viel übrig geblieben von der alten Reichshauptstadt, die etwa 4000 Jahre gestanden hatte. Arabische Fürsten ließen sie einst abtragen, um die Grundsteine Kairos zu legen.

Das heutige Memphis war eine kleine, moderne Siedlung. Doch im Zentrum der Kleinstadt befand sich ein gewaltiges Freilichtmuseum mit den Zeugnissen von Menefru-Mirê.

Unter Memphis hatte Osiris eine weitere Station. Aus dieser Station wurde sehr oft im alten Reich heraus operiert. Sie lag direkt unter dem ehemaligen Palast des Menes-Narmer. Dort standen heute wieder die SÄULEN DER EWIGKEIT.

Osiris wanderte durch die kleine Stadt, begleitet von zwei Shak'Arit Soldaten. Die restlichen befanden sich in der unterirdischen Station. Der Gott der Unterwelt und Fruchtbarkeit empfand das neue Memphis als eine schöne Stadt, doch dieses terranische Merchandising, wie sie es nannten, widerte ihn an. In seinen Augen schändeten die Terraner das Andenken seiner Schützlinge.

Über dem Museum schwebte ein Restaurant von der Firma SHORNE INDUSTRY. Es war zwanzig Meter hoch und hatte einen Durchmesser von achtzig Metern. Die scheibenförmige Gaststätte war in ein Nobelrestaurant, einem Imbiss und einer Bar unterteilt.

Osiris knurrte der Magen. Seit seiner Auferstehung hatte er nichts gegessen und selbst eine Gottheit verspürte so etwas wie Hunger.

So beschloss er, mit den beiden Shak'Arits sich in das schwebende Restaurant zu begeben. Der Weg zum Nobelrestaurant wurde ihm auf Grund seiner Bekleidung verweigert. Man verwies ihn auf den Schnellimbiss. Osiris wunderte sich über gar nichts mehr. Die Terraner hatten schon immer einen Hang zum Kastendenken. Es schien sich nicht gebessert zu haben. Arme wurden ausgeschlossen und Reiche wurden verehrt.

Im Schnellimbiss saßen jede Menge illustre Wesen aus der Galaxis. Terraner, Blues, Ertruser, Unither und Topsider drängelten sich an die zwei Tresen, um etwas Essbares zu bestellen.

Auf der Speisekarte standen terranische und galaktische Spezialitäten, aber auch altägyptische Gerichte. So versuchte man anscheinend den Wesen einen kulinarischen Eindruck des antiken Reiches zu vermitteln. Jedoch nicht, ohne Geld dafür zu verlangen.

Dreht sich hier alles nur um Geld?, fragte sich Osiris.

Geduldig wartete er, bis sich der Imbiss geleert hatte. Nun hatte er Zeit, sich etwas Nahrung zu bestellen.

Zwei Bedienungen standen hinter dem Tresen. Die eine war eine dicke Epsalerin, die andere eine schlanke Terranerin. Osiris entschied sich nach dem Äußeren und lief zur rothaarigen Terranerin. Ihr volles Haar war kurz geschnitten. Sie blickte Osiris mit ihren großen Augen an und lächelte gequält.

Osiris hob seine Augenbraue und musterte sie von oben bis unten. Fast schon abfällig war sein Blick, obgleich die Bedienung einen Körper besaß, der ihre weiblichen Rundungen sehr betonte.

»Was darf es sein?«, wollte sie wissen.

Osiris betrachtete die Karte. »Was kannst du mir empfehlen, Terranerin? Wie lautet dein Name?«

Verwundert blickte sie den Kemeten an. »Was geht dich das an?«

Sie überlegte dann kurz und verwünschte ihre Äußerung. Osiris war ziemlich attraktiv und sie wurde nicht oft von so einem schönen Fremden nach dem Namen gefragt. Meist wurde sie von Trunkenbolden und arroganten Geschäftsleuten oder Söhnen reicher Eltern angebaggert.

»Beryth ist mein Name«, antwortete sie nun doch.

Osiris lächelte milde. Jedoch wurde er schnell wieder ernst. Er war nur hier um Nahrung aufzunehmen und wollte gar keinen Kontakt mit den Terranern, die ihn jagten.

»Was kannst du empfehlen?«

»Wir haben Okrillsteak mit Pommes im Angebot.«

Osiris nickte schwach. Beryth drehte sich um und informierte den Koch. Dann kümmerte sie sich um andere Kunden. Osiris blieb starr vor dem Tresen stehen und war tief in Gedanken versunken.

Nach fünf Minuten brachte ihm die Bedienung das Essen. Osiris reagierte nicht darauf.

»Hallo?«, machte Beryth Recavur.

Nun endlich gab es eine Regung im stählernen Körper des Osiris. Er nahm das Essen und bedankte sich.

»Wollen deine Hunde auch etwas? Die sehen ziemlich ausgehungert aus«, forschte die Terranerin nach.

»Nein«, sagte Osiris nur knapp und setzte sich an einen Tisch.

Das Okrillsteak schmeckte ihm ganz gut. Ab und zu wechselte er einen Blick mit der Terranerin Beryth. Vielleicht sollte er sie einfach zu einigen Dingen befragen, um mehr über das Volk herauszufinden.

Ein Geschäftsmann betrat den Imbiss. Er war in einem feinen, blauen Anzug gekleidet und bewegte sich sehr grazil. Fast schon zu grazil für einen Mann, wie Osiris fand.

»Guten Tag, ich möchte eine Currywurst mit Pommes Frites aus arkonidischen Kartoffeln. Das Curry sollte von Oxtorne stammen. Da ist es etwas feiner und wohlschmeckender, gute Frau.«

Osiris bemerkte, dass Beryth den Kunden entgeistert anschaute. Sprachlos ging sie zum Koch und fragte ihn, ob man arkonidische Kartoffeln vorrätig hatte. Die Antwort fiel negativ aus.

Der Geschäftsmann setzte sich an den Tresen, schlug die Beine übereinander und zündete sich eine Zigarette an, die mit er angewinkelten Arm nach oben hielt.

»Tut mir Leid, aber wir haben nur Kartoffelexporte aus der Liga Freier Terraner«, erklärte die Terranerin gelassen.

»Nun denn, dann servieren Sie mir einen arkonidischen Fisch mit einem Archezsalat. Und bitte zügig, Bedienung!«

Beryth musste sich beherrschen. Osiris fand dieses Zwischenspiel sehr amüsant.

»Gut, in zwanzig Minuten. Der Salat muss erst zubereitet werden.«

»Warum sagen Sie nicht fünfzehn Minuten?«

Die Terranerin blickte ihn verständnislos an und zuckte mit den Schultern.

»Warum sagen Sie nicht zehn Minuten? Warum sagen Sie nicht fünf Minuten?«

Osiris empfand diesen Menschen als aufdringlich und abstoßend.

»Warum sagen Sie nicht sofort?«, stichelte der Geschäftsmann weiter.

»Weil du blöder Sack kapieren musst, dass das Gericht eine Weile dauert!«, meckerte Beryth zurück.

Osiris freute sich innerlich über diese Antwort. Die Terranerin hatte Format. Sie war nur eine Dienerin, doch sie wagte es sich gegen einen Höheren aufzulehnen. Immerhin!

»Ich bin Jorst-Hentrik von Bloom und Vertriebsvorstand des Terranischen Herold, der größten Versicherungsfirma galaxisweit. Was fällt Ihnen impertinenter Person eigentlich ein? Ich sorge dafür, dass Sie Ihren Beruf verlieren und nach Cartwheel ziehen müssen, weil Sie hier niemand haben will.

Mädchen, Sie haben einen schweren Fehler begangen. Sie werden Ihres Lebens nicht mehr froh sein.«

Osiris wurde übel bei dieser trivialen Einschüchterung. Bei dieser Beryth mochte es vielleicht wirken, doch in Osiris Augen wirkte der Geschäftsmann mit seiner aufgesetzten Boshaftigkeit einfach nur lächerlich.

Dennoch behandelte er sie nicht richtig. Er war respektlos im Umgang mit der Terranerin und drohte ihr. Das gefiel dem Kemeten nicht. So stand er auf und ging zu Jorst-Hentrik von Bloom.

»Finden Sie nicht Ihre Respeklosigkeit anmaßend? Die Frau übt ihren Beruf sehr gut aus. Wenn das Essen seine Zeit braucht, um wohlschmeckend serviert zu werden, müssen Sie das akzeptieren.«

Von Bloom zog aufgeregt an seiner Zigarette und betrachtete Osiris sehr genau. In den Augen des Terraners stand Begehren und Verlangen. Offensichtlich erregte ihn Osiris. Der Kemete bemerkte dies durchaus. Er fühlte sich jedoch keineswegs geschmeichelt.

»Und wer sind Sie, guter Mann?«

»Das würden Sie doch nicht verstehen, Terraner. Ich bin Osiris, Gott der Unterwelt und des Lebens in einem. Führer des Volkes der Kemeten und Diener höherer Mächte.«

Von Bloom lächelte unehrlich. Er war innerlich pikiert über diese Attacke, wollte jedoch den Anschein des Unantastbaren waren.

»Dieses kleine Dummchen ist doch so unwichtig wie der Dreck unter meinen Schuhen. Aber vielleicht sollten wir zwei uns näher unterhalten, Sir?«

Osiris verlor die Geduld. Dieser arrogante Mensch war charakterlich so eindimensional wie dumm. Osiris packte von Bloom am Kragen und warf ihn unsanft auf den Tresen.

»Solche widerlichen Intriganten regen mich auf. Du hast nichts erreicht außer etwas Geld zu besitzen. Was macht dich besser als die anderen? Nichts!«

»Ich bin ein normaler Terraner. Viele sind so wie ich«, stammelte von Bloom voller Panik.

Osiris schleuderte den Geschäftsmann auf den Boden. »Und darum habt ihr es auch nicht verdient, in Freiheit zu leben.«

Wütend warf Osiris noch einen Blick auf die Terranerin Beryth, die ihn mit einer Mischung aus Angst und Neugier ansah. Sie hatte schon längst die Polizei informiert, denn sie sah in beiden Männern eine Gefahr.

»Terranerin … Beryth, ich benötige mehr Informationen über die terranische Kultur. Sind denn alle so, wie der? Habt ihr die arrogante und dekadente Linie der Römer eingeschlagen?«

Beryth Recavur wusste nicht, was sie antworten sollte. Sie spürte Osiris fragende Blicke. »Ich … ich … war nie so gut in Geschichte, aber wir haben viel Gutes getan«, stammelte sie aufgeregt. »Perry Rhodan ist doch ein Held …«

Bloom keuchte auf. Osiris versetzte ihm einen schmerzhaften Tritt in die Seite. Man hörte das Brechen einiger Rippen.

Nun plötzlich bewegten sich die beiden Shak'Arit-Roboter. Der rechte Androide wies Osiris darauf hin, dass sich einige bewaffnete Terraner dem Imbiss näherten. Sofort ließ Osiris von dem Geschäftsmann ab und starrte aufgebracht Beryth an.

Jetzt fürchtete sie wirklich um ihr Leben.

»Intelligente Frau! Doch du kannst nicht ahnen, dass deine Artgenossen weder mir noch meinen Androiden gewachsen sind.«

»Das wollen wir noch herausfinden!«, ertönte eine Stimme.

Osiris drehte sich um und Perry Rhodan stand am Eingang. Neben und hinter ihm ein halbes Dutzend TLD-Agenten.

»Perry Rhodan, nehme ich an! Wie habt ihr mich gefunden?«, wollte er wissen.

Stolz und furchtlos stellte er sich vor Rhodan und den TLD-Beamten, die mit gezogener Waffe sich im Raum verteilten.

»Wir suchen dich seit Tagen, Osiris. Jede Polizeimeldung läuft in unserem Sicherheitsnetz auf. Wir kommen nicht, um dich zu töten. Wir wollen reden«, sprach Rhodan eindringlich.

Osiris gab den Shak'Arits ein Zeichen, sofort stürzten sie sich auf die TLD-Agenten.

Rhodan fluchte hörbar über die Sturheit des Kemeten. Er gab zwei Oxtornern ein Zeichen. Sie sollten Osiris gefangen nehmen.

Osiris wurde von ihnen in die Mangel genommen. Sie packten ihn und warfen ihn über den Tresen. Dabei krachte er gegen ein Regal mit Geschirr und schnitt sich den linken Oberarm auf.

Neben sich bemerkte Osiris noch Beryth Recavur, die sich hinter dem Tresen versteckt hielt und entsetzt aufschrie. Für einen kurzen Moment überlegte er, sie als Geisel zu nehmen. Doch das war unehrenhaft. Stattdessen zog er eine Paralysegaspatrone aus seinem Gürtel und warf sie in dem Raum.

Das Gift zeigte sofort seine Wirkung. Nur Perry Rhodans Galornenanzug reagierte blitzschnell und spannte einen Helm um Rhodans Kopf. Beryth brach hustend zusammen und schlief ein, wie auch die anderen TLD-Agenten.

»Osiris! Wir sind keine Feinde«, erklärte Rhodan. »Ich will doch nur reden.«

»Wir werden reden. Wenn die Zeit gekommen ist, Perry Rhodan, Diktator von Terra!«, brüllte Osiris und strahlte sich via Fiktivtransmitter ab.

Erneut war Osiris entkommen. Das zweite Mal bereits...

Epilog. Denise Joorn

Denise stieß die Luft aus. Akonen, Aras und die fremden Götter Kemets im alten Ägypten. Nicht einmal Atlan wusste davon. Der Atonkult bekam eine völlig neue Bedeutung. Die Geschichte musste neu geschrieben werden. Wahrscheinlich wollte deshalb kein Ägyptologe seinen Irrtum zugeben.

Der Interkom summte auf. Wie in Trance aktivierte ihn Denise.

»Gut, wir erwarten dich dort.«

Landry beendete die Verbindung.

Eilig packte Denise ihre Sachen und verstaute die Papyrusrollen sehr sorgfältig. Am liebsten hätte sie die Aufzeichnungen von Tiji und Octavian sofort weitergelesen, doch erst musste sie mit Rhodan sprechen.

Denise nickte schwach.

Auf Landrys Lippen bildete sich ein feines Lächeln. Es war mehr gequält. »Sir, aber dieser Osiris macht nicht den Eindruck eines guten Willens …«

Osiris war leicht am Arm verwundet. Die Auseinandersetzung mit den Terranern hatte ihn mehr angestrengt als angenommen. Sie hatten sich zu guten Kämpfern entwickelt. Doch waren sie das nicht schon immer?

Seine Gedanken streiften um seine Frau Isis und seine Kinder Horus und Anubis. Dort schliefen sie. Warteten auf die Verstreichung von Amuns Frist. Warteten auf sein Erwachen. Beides war nun abgelaufen.

Es war an der Zeit, dass die Kemeten wieder zurück ins Rampenlicht der kosmischen Geschehnisse traten. Osiris war unzufrieden, wie sich die Terraner entwickelt hatten. Er wollte den Kurs der Milchstraße ändern. Doch vorher mussten seine Gefährten erweckt werden.

ENDE

Nach den unglaublichen Schilderungen des Meriré weiß die Menschheit nun mehr über die sogenannte Armana-Zeit und das Einwirken eines Aras als Aton und einer Akonin als Nofrete.

Im nächsten Roman geht es weiter mit den alten ägyptischen Erzählungen und der Verfolgung von Osiris.

Björn Habben feiert mit Heft 77 sein Debut als Autor. Der Ostfriese ist bereits als Kommentarschreiber bei DORGON bestens bekannt. Der Roman trägt den Titel

Auferstehung der Götter

Mythos oder Wahrheit

Ein Gott aus dem alten Ägypten ist auf der Erde aufgetaucht – Osiris.

Nach den Überlieferungen aus dem alten Ägypten zählt er zu den bedeutendsten Gottheiten seiner Zeit. Seine einstige Rolle als Fruchtbarkeitsgott zeigt sich in der Symbolik des ihm zugeordneten Getreidekorns mit seinem natürlichen Wachstumskreislauf: die Saatkörner werden in die Erde gegeben (Begräbnis), ruhen einige Zeit im Dunkeln (Unterwelt) und keimen dann zu einer neuen Saat auf (Auferstehung). Nachdem sich der Osiris-Kult immer weiter ausbreitete, nahm Osiris das Wesen anderer Gottheiten an, die er schliesslich ganz verdrängte. Osiris hatte einen starken Bezug zum Königtum und wurde daher gewöhnlich mit den Königsinsignien Geissel und Krummstab dargestellt. Er war der Sohn der Himmelsgöttin Nut und des Erdgottes Geb und der erste König Ägyptens. Als Osiris von seinem missgünstigen Bruder Seth ermordet wurde, erweckte seine Gattin Isis ihn wieder zum Leben. Sie zeugten den Sohn Horus, der später seine Herrschaft antreten sollte. Die Zauberkräfte der Isis bewahrten den Leichnam des Osiris vor der Verwesung, so dass der Gott in der Unterwelt zu neuem Leben auferstehen konnte. Er herrschte über das Reich der Toten, bewachte den Zutritt der Verstorbenen in die Unterwelt und verkörperte die Sonne in ihrer nächtlichen Form. Als Symbol der Wiederauferstehung wurde Osiris von zahlreichen Anhängern seines Kults verehrt.

Der Osiris, auf den die Terraner nun treffen, ist ca. 192 Zentimeter groß und hat schwarze Augen und schwarzes Haar.

Der interessanteste Punkt ist aber, das Osiris unsterblich ist und das er und seine damaligen Mitstreiter versucht haben, über Jahrtausende hinweg die Entwicklung des Menschen voran zutreiben. Also das selbe, was auch Atlan versucht hat. Wir wissen, dass Atlan gescheitert ist und auch die Götter des Land Kemet sind wohl gescheitert, weil es ja wohl sonst etwas anders auf der Welt aussehen würde. Woran sind sie gescheitert? Das wissen die Terraner noch nicht. Aber wahrscheinlich wird es sehr wichtig sein, das die Terraner es erfahren.

Björn Habben

Der DORGON-Zyklus - Osiris - ist eine nicht kommerzielle Publikation des PERRY RHODAN ONLINE CLUBs. Heft 76 von Nils Hirseland. Titelbild: Klaus G. Schimanski. Technischer Berater: Sebastian Schäfer. Versand: PROC. Lektorat, Nachbearbeitung: Rene Schweinberger und Henriette Zirl. DORGON-Kommentar: Björn Habben. Umsetzung in Endformate: Alexander Nofftz. Generiert mit Xtory (SAXON, LaTeX). Homepage: http://www.dorgon.net/. eMail: dorgon@proc.org. Adresse: PROC c/o Nils Hirseland, Redder 15, 23730 Sierksdorf. Copyright © 1999-2002. Alle Rechte vorbehalten!