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Die TAKOVRIAN trat ohne Komplikationen aus dem Hyperraum in den Normalraum ein. Sie befand sich nun am Rande des Systems. Die Sterne funkelten hell und gaben eine trügerische Ruhe vor. Joak Cascal, der Kommandant des großen Kugelraumers, lief unruhig auf und ab. Irgend etwas beunruhigte ihn sehr. Was es genau war, konnte er auch nicht sagen. Der Veteran aus dem Solaren Imperium schaute auf seinen Freund Sandal, der ruhig in seinem Sessel hockte und eine Hühnerkeule verspeiste. Dann ließ er seine Blicke um die Brückenbesatzung schweifen. Coreen Quon, die attraktive Erste Offizierin, lächelte Cascal zu. Wer den Terraner kannte, wußte, daß er nicht gerade ein Unschuldslamm in Sachen Frauen war, dennoch wollte er nichts mit Coreene anfangen, da der Verlust seiner Frau immer noch tief in ihm schmerzte. Auch der Tod der Cameloterin Nadine Schneider hatte seine Spuren hinterlassen. Zur Zeit gab es wichtigere Dinge. So zum Beispiel einen Schutz für das Camelotbüro auf Sverigor darzustellen. Cascal war jedoch bei dieser Mission besonders besorgt, da Zantra Solynger auf diesem Planeten war. Sie war einst die große Liebe von Cauthon Despair gewesen, eines Cauthon Despairs, der noch nicht zu einer diabolischen Maschine mutiert war. Wäre Cascal solch ein gefrustetes Monster, würde er sicher seine ehemalige Liebe wieder aufsuchen. Eine weibliche Ordonnanz brachte dem Kommandanten eine Tasse Kaffee. Er bedankte sich bei ihr mit einem charmanten Lächeln und sah ihr, mehr ihrem vollgeformten Hinterteil, eine Weile nach. »Reiß dich zusammen, du bist bei der Arbeit!« murmelte er leise zu sich selbst. Schnell nippte er etwas von der schwarzen Flüssigkeit. Irgendwie gefiel ihm der graue Teppichboden und die grauweißen Wände nicht sonderlich. »Ich finde, wir sollten hier mal tapezieren, wenn wir Zeit haben«, wandte er sich an Coreene Quon, die ihn nur verständnislos anlächelte. »Das sollte etwas gemütlicher und nicht so spießig hier aussehen.« »Schmeckt es dir?« wandte sich Joak seinem langjährigen Freund Sandal Tolk zu. Der Barbar von Exota-Alpha rülpste laut und bestätigte damit Cascals Anfrage, der wiederum nur kurz nickte und wieder zu seiner Ersten Offizierin ging. »Nehmen Sie bitte Funkkontakt mit den sverigischen Behörden auf und erbitten um Landeerlaubnis.« Sofort führte der Funker, Timber Padanone, seinen Wunsch aus. Er versuchte einige Male einen Kontakt herzustellen, jedoch vergebens. »Da ist nichts, Sir. Als ob keiner auf Empfang wäre...« Cascal verengte die Augenlider. »Das kann nicht sein! Versuchen Sie es weiter. Coreene, fliegen Sie bitte bis auf 100.000 Kilometer an die Welt heran.« Es dauerte nur wenige Minuten bis die befohlene Distanz erreicht wurde. Cascal sah aus dem Panoramafenster und achtete gleichzeitig auf die Ortung. Kein Schiff wurde angezeigt. Für eine Zwei-Milliarden-Metropole sehr ungewöhnlich. Es gab meistens irgendwelchen Raumverkehr. »Noch näher heran, wir fliegen in den Orbit!« Seine Stimme wurde leiser und brüchiger, je näher sie dem Planeten kamen. Schon von weitem konnte man langsam erkennen, daß etwas nicht stimmte. Sverigor war von einer dunklen Schicht aus Rauch und Rust eingehüllt. »Abtasten!« befahl Cascal mit zusammengebissenen Zähnen. Coreene Quon überwachte den Scan und zuckte zusammen, als sie die Ergebnisse sah. Fragend sah sie zu ihrem Kommandanten hoch. Sie blickte noch einmal auf die Auswertung und begann plötzlich zu weinen. Die Tränen flossen ihr vom Gesicht. Sie versuchte zwar diesen Gefühlsausbruch zu verbergen, doch es gelang ihr nicht. Cascal ging langsam auf Quon zu und nahm ihr den Ausdruck aus der Hand. Der Scan hatte keine Städte und Niederlassungen, keine technischen Aktivitäten oder 2 Milliarden Lebewesen entdeckt. Der Planet war tot! Cascal konnte immer noch nicht fassen, was er sah. Die TAKVORIAN steuerte durch den Rauchgürtel direkt auf New Stockholm zu. Dort, wo einst die Metropole war, stand nun eine Ruinenstadt. »Sir... auch die anderen.... die anderen Städte... Sie sind auch vernichtet!« berichtete der Orter Manuel Perez mit stockender Stimme. Niemand wagte es auszusprechen. Jeder starrte fassungslos auf die Trümmer. Alles war zerstört. Es standen keine Wälder mehr, nur noch eine trostlose Wüste aus Schutt und Asche. Zwei Milliarden Menschen wurden ausradiert. Wer konnte so etwas grauenvolles angerichtet haben? »Das waren die elenden Hunde der MORDRED!« fletschte Sandal Tolk wütend. Joak blickte ihn nur traurig an. Die Stimmung an Bord war gebrochen. Viele fingen an zu weinen und konnten dieses sinnlose Massaker nicht verstehen. Cascal überkam ein Schauer nach dem anderen. Er fing auch an leicht zu zittern, als er sich die Ausmaße dieser Katastrophe vor Augen hielt. »Versuchen Sie, nach Überlebenden zu suchen. Sicher haben irgendwelche Menschen Schutz gefunden. Ich will, daß jede Space-Jet, jeder Kreuzer, jeder Jäger, jeder SHIFT und jeder verdammte Gleiter nicht eher wieder zurückkehrt, bevor wir Überlebende gefunden haben!« Sofort machten sich die Stabsoffiziere daran, die Befehle ihres Kommandanten auszuführen. Innerhalb nur weniger Minuten waren alle mobilen Fahr- und Fluggeräte der TAKVORIAN auf dem Planeten und suchten nach noch lebenden Opfern der Katastrophe. Cascal selbst bewachte die Operation und forderte die Orter immer wieder auf, die Sektion abzutasten. Die ersten Nachrichten erreichten ihn vom Stoßtrupp nahe New Stockholm. Das bleiche Gesicht des Kommandanten Heran Konan erschien auf dem großen Bildschirm. »Sir... wir haben bis jetzt nur verkohlte Leichen entdeckt... es ist grausam... ich bitte drei meiner Besatzungsmitglieder wegen einer Magenverstimmung auf die TAKVORIAN zu bringen...« Cascal schlug wütend auf die Konsole. »Verdammt nochmal! Dann sollen sich ihre Leute vor Ort auskotzen! Ihr kehrt nicht eher zurück, bis ihr ein paar Leben gerettet habt!« Er deaktivierte die Verbindung und lief wie ein wütender Tiger auf der Kommandobrücke hin und her. Tolk hingegen stand immer noch starr vor dem Panoramabildschirm. Er kniete nieder und betete für die Toten. So primitiv es erschien, es war das moralisch beste, was der Barbar jetzt tun konnte. Derweil hatte Cascal bereits umliegende Systeme informiert und eine Hyperkomnachricht nach Camelot und Terra entsandt. Es dürfte einige Stunden dauern, bis mehr Hilfskonvois kommen würden. Bis dahin mußte die Besatzung der TAKVORIAN versuchen Überlebende zu finden. Nach einer endlos wirkenden halben Stunde kamen die ersten Erfolgsmeldungen. Meist waren es Einwohner von entlegenen Siedlungen oder Unterwasser- und Untergrundstädten. Viele litten unter schweren Verletzungen oder standen unter Schock. Bilder von den Ruinen wurden übertragen. Coreene Quon erlitt einen Schwächeanfall als die Bilder von verkohlten Leichen gezeigt wurden. Tolk stützte sie und brachte sie behutsam in einen Ruheraum. Kaum einer konnte mit dieser Katastrophe fertig werden. Joak Cascal konnte nicht glauben, daß die MORDRED so skrupellos sein konnte. Ebenso mußten sie über eine sehr mächtige Waffe verfügen, ähnlich wie die Arkonbombe. Erste Schiffe tauchten nach zwei Stunden auf. Notlazarette wurden auf Sverigor eingerichtet. Dieses Unterfangen erwies sich als äußerst schwierig. Die Atmosphäre war von dem Rauch vergiftet worden. Die Temperatur sank stetig. Mit Hilfe eines Paratronschirms wurden die Lazarette abgesichert. »Sir, wir haben eine Space-Jet lokalisiert, die antriebslos vor sich hin treibt«, berichtete Perez, der sich langsam wieder gefangen hatte. »Sofort aufnehmen und mir melden, wer sich an Bord befindet.« Nicht sonderlich begeistert stellte der Terraner ebenfalls fest, daß die ersten Reporter vom TNN, SAT-T, TRL und ZTF eingetroffen waren. Die Sicherheitskräfte wurden von Cascal angewiesen, keinen Journalisten auf die TAKVORIAN oder in die Nähe der Medocamps zulassen. Wieder brachte die hübsche Ordonnanz Cascal einen starken Kaffee, den er auch dringend brauchte. Er blickte in ihre blauen Augen, die ihn traurig und fragend zugleich anstarrten. »Wie kann jemand nur zu so etwas fähig sein?« wollte sie mit weinerlicher Stimme wissen, als sie den Pott Kaffee auf die Konsole des Kommandantensessels stellte. »Ich weiß es nicht...« antwortete Cascal ehrlich. Ein weiterer Offizier, Heino Haranz, trat an den Veteran heran und salutierte. »Wir haben die Space-Jet erfolgreich geboren. Es befindet sich eine Frau an Bord, die wir als Zantra Solynger identifizieren konnten.« Cascal schreckte hoch. Zantra Solynger hatte das Massacker überlebt. Vielleicht konnte sie Licht in die Sache bringen. »Sie ist noch sehr erschöpft, ich würde mit einem Verhör noch etwas warten«, sprach Haranz als ahnte er Cascals nächste Frage im Voraus. Dieser nickte bloß und bedankte sich bei dem Offizier Camelots. Über Trivid konnte Cascal die ersten Berichte der Reporter verfolgen. Angewidert sah er den sensationsgeilen Journalisten zu, wie sie aus einem Völkermord eine Topstory machten. »Meine Damen und Herren, ich stehe hier am Schauplatz der größten Katastrophe seit dem Angriff der Tolkander. Knapp 2 Milliarden Lebewesen fielen einem brutalen Massaker zum Opfer. Was genau der Anlaß für diese Ausrottung eines ganzen Volkes war, steht noch nicht fest. Wir sind hier alle entsetzt und liefern ihnen die Bilder von den Leichen als erstes. Sobald wir ein Überlebenden zu fassen kriegen, werden wir ein Exklusivinterview mit ihm führen.« »Mistkerle!« meckerte Cascal und deaktivierte das Gerät. Er konnte nicht länger warten und lief zur Medostation, wo Zantra Solynger in Behandlung war. Völlig verstört saß sie auf einer Liege und starrte in den leeren Raum. Sie ist wirklich schön, dachte Cascal. Aber das war in dieser Situation mehr als nebensächlich. Behutsam trat er an sie heran. »Mein Name ist Joak Cascal, Kommandant der TAKVORIAN. Ich komme aus Camelot. Was ist auf dem Planeten vorgefallen?« fragte er leise und sanft. Sie reagierte nicht. Er faßte sie an ihre Schultern und merkte, daß sie am ganzen Körper zitterte. »Bitte, Zantra. Ich muß es wissen. Wer ist dafür verantwortlich?« Langsam suchten ihre blauen Augen die von Cascal. Sie starrten sich gegenseitig an. Er sah deutlich die Furcht in ihren großen Augen. »Er war es!« stotterte sie heiser. Die Tränen flossen ihr vom Gesicht. »Wer?« »Cauthon Despair! Er hat alle getötet. Cauthon Despair war es!« schrie sie und brach weinend zusammen. Cascal winkte einen Arzt her, der sich um Solynger kümmerte und versuchte sie zu beruhigen. Es war also tatsächlich war, die MORDRED war für den Massenmord verantwortlich. Man konnte mit Worten nicht beschreiben, was Cascal jetzt fühlte... Inzwischen konnte sie einige konkretere Aussagen machen«, berichtete Joak Cascal dem Hologramm von Homer G. Adams, der sichtlich angeschlagen war. »Despair erschien in ihrem Zimmer und drohte brachte ihren Freund um die Ecke. Danach stellte er ein Ultimatum. Trotz Warnung der Regierung und des Camelot-Büro-Leiters hörte niemand auf sie. Sie konnte rechtzeitig mit einer Space-Jet entkommen, als die VERDUN mit einem Verband von sechs weiteren Schiffen auftauchte und Raketen abschossen, die eine gewaltige Feuerwelle entstehen ließ und über den Planeten zog.« Adams brachte in den ersten Minuten kein einziges Wort heraus. Aurec – bereits auf dem Weg nach Sverigor – hatte sich auch den Bericht angehört und stellte sofort eine Verbindung mit Cistolo Khan her, der ebenfalls auf dem Weg nach Sverigor war. »Bis jetzt konnten vielleicht 200.000 Überlebende geborgen werden. Nicht sonderlich viel, doch wir hoffen, daß es noch mehr werden.« Adams schüttelte den Kopf. »Joak, es müssen mehr werden! Zwei Milliarden Lebewesen waren auf Sverigor. Zwei Milliarden!« »Ich weiß!« knurrte Cascal und biß sich auf die Lippe. »Es ist unfaßbar, was da geschehen ist. Ich hätte nicht erwartet, daß die MORDRED so weit gehen würde. Ich verfluche diesen Cauthon Despair!«
Nun, Nummer Neun, was sagen das Forum Raglund und das glorreiche Kristallimperium zu unserer Machtdemonstration?« Die Stimme von Nummer Eins klang voller Sarkasmus bei diesem Satz. Er saß auf einem Thron, der sich in einem gewaltigen Raum befand. Dieser Saal war düster und wirkte kalt. Genauso kalt wie sein Bewohner. Eine schwarze Kutte, die bis auf das Kinn alles vom Gesicht verdeckte, hüllte den Menschen ein, damit niemand ihn erkennen konnte. Eron Quartermagin, Nummer Neun, startete auch keinerlei Versuche. Zu groß war die Furcht vor Bestrafung. Wie wenig Menschenleben dem Anführer der MORDRED bedeuteten, zeigte das jüngste Beispiel, als er Cauthon Despair den Befehl zur Vernichtung Sverigors erteilte. »Sir, unsere Kontaktmänner im Forum Raglund ließen uns wissen, daß alle Völker von der grausamen Vorgehensweise bestürzt sind und sicher nichts mit uns zu tun haben wollen.« Der Arkonide war auf die Reaktion seines Gegenüber gespannt. Er erwartete einen Wutausbruch, doch Nummer Eins blieb ruhig. »Soso...« machte er statt dessen nur. Langsam erhob er sich von seinem Thron und wandte sich dem Fenster zu. Die blaue Sonne über der Welt Dermos ließ den gesamten Planeten in einer dunklen und bedrohlichen Atmosphäre erscheinen. Einige Raumjäger zischten am großen Panoramafenster des Palastes vorbei. Voller Stolz schien der Anführer die Aktivitäten seiner Gefolgsleute zu beobachten. »Bald wird der Tag gekommen sein, an dem ich am Fenster des HQ-Hanse stehe und eine große Parade meine Machtübernahme feiern wird«, sprach er ohne auf die Antwort von Quartermagin zu warten. »Nun, Sir, deshalb spreche ich zu Euch! Wie Ihr wißt, hat meine Familie enge Kontakte zu Imperator Bostich. Er zeigt sich zwar offiziell auch bestürzt, im Geheimen jedoch freut er sich über diese Niederlage der demokratischen Galaktiker. In einem Gespräch mit meiner Tante Orghan deutete er an, daß er durchaus an einem, inoffiziellen, Bündnis mit der MORDRED interessiert wäre«, berichtete der adlige Arkonide aus dem Hause der Quartermagins, jener Familie, die Imperator Bostich an die Macht gebracht hatte, indem sie Theta von Ariga ermorden ließ und Atlan die Schuld in die Schuhe zu schieben versuchte. Anfangs war Bostich wahrlich nur eine Marionette, doch im Laufe der Jahre hatte sich der Imperator gegen die Quartermagins abgesichert, damit er nicht eines Tages genauso abserviert wurde. »Sehr gut! Laßt Imperator Bostich eine Nachricht zukommen, daß ich mich mit ihm treffen will. Den Ort und Zeit werde ich nach seiner Zusage bekanntgeben.« Nummer Neun verbeugte sich vor seinem Herren und verließ den Thronsaal, um den Befehl auszuführen. Nummer Eins blickte auf die Festung von Dermos, der Hauptwelt der MORDRED. »Bald, Rhodan... bald!«
Nummer Drei wurde über den Interkom gerufen. Ein Offizier meldete sich und teilte Eyke mit, daß Cauthon Despair mit ihm in Kontakt treten wollte. Nummer Drei lief in sein Quartier und ließ eine Verbindung herstellen. »Ja, Nummer Zwei? Was kann ich für Sie tun?« »Sparen Sie sich ihre scheinheilige Freundlichkeit, General!« Despair blickte ihn eiskalt an. »An Bord Ihres Schiffes befinden zwei Spione.« »Ja, das weiß ich! Ich frage mich nur, woher Sie das wissen?« »Ich habe überall meine Informanten, General Eyke.« Nummer Drei atmete tief durch, um seine Abneigung und den angesammelten Frust herunterzuschlucken. Statt dessen fuhr er mit seinem Bericht fort. »Kein Grund zur Sorge, ich habe schon mehrere Suchtrupps los geschickt, um die Spione...« Despair unterbrach ihn scharf. »Ihre Ausflüchte interessieren mich nicht, General! Finden Sie die Eindringlinge und bringen Sie mir sie lebend!« Despairs Worte klangen hart und unumstößlich. Nummer Drei war froh, als der silberne Ritter die Verbindung einfach unterbrach. Oh, Mann, das stinkt vielleicht hier!« Will rümpfte die Nase. Auf ihrer Flucht vor der Mannschaft der TOBRUK waren der TLD-Agent Will Dean und der Somer Sam in einen Müllschacht geflüchtet, sehr zum Leidwesen ihrer Nasen. »Wie geht es nun weiter, großer Häuptling?« Sam versuchte, aus der Karte, die an der Wand hing, schlau zu werden und ignorierte Deans Kommentar. »Ich denke«, sagte er ruhig, als er sich von der Karte abwendete, »wir sollten versuchen, das Observatorium zu erreichen.« Der TLD-Agent blickte leicht irritiert auf das Gewirr, das sich Karte nannte und nickte Sam zu. »Wenn du meinst...« Sam schaute erst Will an und dann auf seinen Chronometer. »Ja Will, das meine ich! Nun laß uns gehen!« Er ging zu einer Notfall-Leiter und begann, die Stufen zu erklimmen. »Wenn wir uns lange genug versteckt halten, dann sollten ihre Patrouillen lascher werden und wir könnten dann mehr machen.« »Ähm, Sam, wie viele Etagen sind es denn bis zum Observatorium?« »Wenn ich mich nicht irre, werter Will, dann sind es ungefähr 23 Etagen, bis wir am Ziel sind.« Als Dean das hörte, verfluchte er den Konstrukteur des Schiffes. Er muß verrückt sein! Schon die Idee mit dem Müllentsorgungssystem war kraß, aber jetzt 23 Etagen hochklettern? Was hat mich bloß auf die Schnapsidee gebracht TLD-Agent zu werden? Inzwischen hatten wir die ersten zwei Etagen geschafft und ich war es auch! Auf vieles war ich ja bei meiner Ausbildung vorbereitet worden, aber daß ich in einem Müllentsorgungssystem die Notfall-Leitern benutzen mußte... Wenn ich je lebend nach Terra zurückkomme würde, würde ich der Akademie den Vorschlag machen diese »Hindernisstrecke« als Prüfung für zukünftige TLD Agenten zu nehmen... »Will, geht es?« fragte der kleine Somer, der anscheinend mehr Kondition als ich besaß. »Ich denke, also bin ich«, gab ich als Antwort. »Bist du dir da sicher mit dem Denken?« hörte ich von oben und fragte mich, wo da die sprichwörtliche Höflichkeit des Somers geblieben war. »Danke Sam! Genau das fehlte mir, jetzt fühle ich mich gleich viel besser«, antwortete ich ihm sarkastisch, doch ein lautes Grollen sorgte dafür, daß ich seine Antwort nicht verstehen konnte. Als das Grollen aufhörte, sagte Sam: »Es scheint, als hätten die Metagrav-Triebwerke gezündet.« Ich überlegte kurz, wie er auf diese Schlußfolgerung kam, denn schließlich hörte sich das Grollen doch mehr wie der leere Magen eines Haluters oder der Liebesschrei einer Oxtornerin an und nicht wie der Metagrav-Antrieb, doch ich schluckte meine Frage kommentarlos runter. Nach zwei endlosen Stunden Leiter hochklettern konnten meine Arme nicht mehr und ich bat Sam um 10 Minuten Pause. »Pause? Jetzt schon?« war das einzige, was ich von Sam dazu zu hören bekam, doch es war mir gleich, was er sagte. Ich setzte mich einfach auf eine der Wartungsebenen und schaute erschöpft die Leiter runter.
Nummer Eins wanderte unruhig in dem großen Saal umher, als sich der Lift öffnete und Eron Quartermagin heraustrat. Er ging schnellen Schrittes über die Brücke, die zwei Schächten überspannte, und verneigte sich vor seinem Anführer. »Sprechen Sie, Nummer Neun!« »Meiner Tante Orghan zur Folge ist Bostich sehr an einem Treffen interessiert. Er wartet auf den Zeitpunkt und die Koordinaten.« Ein Grinsen lief über das Gesicht von Nummer Eins. Seine Pläne schienen allmählich in Erfüllung zu gehen. Einer Koalition mit dem Kristallimperium, dem mächtigsten Block in der Milchstraße, schien nichts mehr im Wege zu stehen. »Gut! Sehr gut!« lobte er die Arbeit von Nummer Neun, der sich erhoffte, langsam in der Hierachie aufzusteigen. »Informiert den Imperator des Kristallimperiums, daß wir uns in drei Tagen im Singuul-System im Orbit des Satelliten des Planeten Pilsus II treffen. Dort werde ich ihn erwarten. Teilen Sie ebenfalls Cauthon Despair mit, daß die VERDUN abflugbereit gemacht werden soll.« »Ja, Sir!« brüllte Quartermagin und marschierte aus dem Raum. Nummer Eins gefiel der blinde Gehorsam, den der Arkonide zu Tage legte. Vielleicht würde er bald eine bedeutendere Nummer in der MORDRED sein.
Guten Morgen, Schatz!« Ich öffnete langsam meine Augen. Vor mir stand eine wunderschöne Frau in einem hautengen Body, der mehr zeigte als er versteckte. Als ich mich aufrichtete, stellte ich fest, daß ich in einem großen altmodischen Himmelbett lag. Das gesamte Zimmer war seltsam eingerichtet und als ich zum Fenster trat und hinausblicken wollte, sah ich nur Sand, überall Sand. »Wo in ES Namen bin ich hier?« entfuhr es mir. Als ich mich umdrehte, stand die Frau vor mir und versuchte, meinen Overall zu öffnen. Innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde wurde ich knallrot und versuchte, ihre Hände davon abzuhalten, mir an die Wäsche zu gehen. »Ich kenne keinen ES, aber du weißt doch, wo wir sind, Caldyn Magoon«, flüsterte die Frau mir ins Ohr. Ich stieß sie von mir und blickte sie fassungslos an. »Caldyn Magoon? Das muß ein Mißverständnis sein, Madam! Ich bin Will Dean, Agent des TLD und auf einer wichtigen Mission die Galaxis zu retten!« Die Frau schaute mich leicht irritiert an und sagte: »Hattest du wieder diese Alpträume? Du solltest nicht so viel von diesem Ramsch lesen.« Plötzlich wurde es Nacht und als ich diesmal die Augen öffnete, blickte ihn in das besorgte Gesicht von Sam. »Na endlich wachst du auf Will, ich dachte schon, ich darf den Weg alleine fortsetzen.« Ich blickte auf meinen Chronometer und stellte fest, daß mir sechs Stunden fehlten. »Nun steh endlich auf Will! Wir haben sowieso schon viel Zeit wegen dir verloren, also beweg' dich endlich!« Sam kletterte bereits die Leiter empor und ich folgte, so schnell ich konnte. »Blöder kleiner Kanarienvogel«, quetschte ich leise zwischen den Zähnen hindurch, während ich ihm folgte. »Als du geschlafen hattest«, Sams Stimme klang irgendwie besorgt, »konnte ich dank eines kleinen Camelot-Tricks den Funkverkehr des Schiffes abhören.« Camelot-Trick? Was meinte er damit? »Die TOBRUK wird ins Singuul System abgeordnet, um bei einem wichtigen Treffen die VERDUN zu eskortieren. Nummer Eins persönlich ist an Bord. Nun halte dich fest; er will sich mit Imperator Bostich treffen!« Will war etwas geschockt. Solch eine unheilvolle Allianz konnte von Vorentscheidung für die Galaxis sein. »Was machen wir nun?« wollte ich wissen und blickte den Somer ratlos an. Am liebsten hätte ich ein Kommando gestartet, um das Treffen zu verhindern, doch Sam würde niemals auf solch einen Vorschlag eingehen. »Ganz einfach, wir bilden ein Kommando und verhindern dieses Treffen!« Verdutzt sah ich das kleine Vogelwesen an und versuchte mir ein Lachen zu verkneifen.
Die TAKVORIAN wurde inzwischen von knapp 500 Hilfsraumern bei der Suche nach Überlebenden unterstützt. Die LFT und das Forum Raglund, sowie viele autarke Systeme hatten Hilfskonvois geschickt. Die SAGRITON war ebenfalls vor wenigen Stunden eingetroffen. Mit besorgter Miene begrüßte Aurec Joak Cascal, der sich immer noch in der Kommandozentrale befand und die Operation koordinierte. Bis jetzt hatten es nur zwei Reporter geschafft, bis zur TAKVORIAN vorzudringen. Homer G. Adams hatte Joak angewiesen, einige Informationen preiszugeben. Die Galaktiker sollten vor der MORDRED gewarnt werden. Jedoch hatte er nicht bedacht, daß die Medien ihren Senf noch dazugaben. So wurde Camelot als Sündenbock benutzt und quasi für die Attacken der MORDRED verantwortlich gemacht. Das alte Spiel, den Unsterblichen alle Schuld zuzuweisen, wurde wieder gespielt. Es hatte bereits einige Konsequenzen. Viele Administratoren hatten Camelot öffentlich aufgefordert, ihre Büros zu räumen, um nicht eine Gefahr für den jeweiligen Planeten darzustellen. Adams sah sich gezwungen, diesen Wünschen nachzukommen. Er hatte keine andere Wahl. Die LFT stand noch hinter Camelot und garantierte volle Unterstützung im humanitären Bereich. »Wie viele Überlebende?« wollte Aurec wissen und beobachtete auf den vielen Bildschirmen die Rettungsversuche. »Ungefähr 20 bis 30 Millionen bis jetzt. Man erwartet ungefähr das Dreifache an Überlebenden. Insgesamt vielleicht 5 % der gesamten Bevölkerung.« Diese Worte klangen bitter. 100 Millionen Wesen klang auf den ersten Blick gewaltig, doch man mußte in Relation setzen, daß etwa zwei Milliarden Wesen in dem Holocaust umgekommen waren. Eine unglaubliche Zahl. Aurec und Cascal verfolgten stumm die Rettungsaktionen. Es gab auch nichts mehr zu sagen.
Wie lange noch?« donnerte die dunkle und heisere Stimme des Imperators durch die Kommandozentrale des Kugelgiganten ARKON. Die Navigatoren erzitterten bei diesen Worten. Der strenge Blick des alten Arkoniden ging über jeden einzelnen in der Kommandozentrale. Der stellvertrende Kommandant, Hermon Zarton, salutierte vor seinem Imperator. »Noch 7 Stunden und 16 Minuten, Eure Hoheit«, ertönte die Stimme des Offiziers. »Danach könnt ihr mit dem von uns präparierten Frachter in das Singuul-System fliegen, um wenig Auffallen zu erregen.« Bostich machte einen abfälligen Laut und winkte ab. Er kehrte, begleitet von etwa zehn Leibwächtern und etwa einem Dutzend Dienern, in seine Kabine zurück, wo er sich auf das bevorstehende Treffen vorbereitete. Die Zerstörung Sverigors war eine beeindruckende Maßnahme und Bostich war sich sicher, daß er diese MORDRED für seine Pläne ausnutzen konnte. Die MORDRED schien eine sehr mächtige und gefährliche Organisation zu sein. Kaum eine Terrororganisation hatte eine ganze Zivilisation ausgelöscht. Bostich war einerseits erschreckt über dieses skrupellose Vorgehen, andererseits auch wieder beeindruckt. Viel wußte er auch nicht. Camelot war stark geschwächt. Viele Büros waren vernichtet, viele wurden geräumt. Arkon sollte sich auf alle Fälle mit der MORDRED verbünden, zum einen aus reinem Selbstschutz, zum anderen, um die Machtposition des Imperiums weiter auszubauen und die der anderen zu schwächen. Bostich stützte sich am Sims des Fensters ab und starrte in den Hyperraum. Er lächelte, als ihm der Ausspruch des Verräters Atlan ins Gedächtnis kam. »Ja, der größte Feind der Terraner sind die Terraner. Selbst und du, Atlan, kannst nichts dran ändern. Der Terraner ist für jegliche Perversion offen!« Bostich lachte laut auf und genoß den Gedanken, daß er bald die Galaxis alleine beherrschen würde, denn das Forum Raglund würde nicht lange Widerstand leisten können, dafür hatten seine Agenten schon gesorgt.
Sam, Sind wir bald da?« Ich wußte genau, daß ich das schon bestimmt zehnmal gefragt hatte, aber mir taten langsam aber sicher restlos alle Knochen weh, sogar die, von denen ich nicht mal wußte, daß ich sie hatte. »Hmm, ja ich denke, wir haben es fast geschafft. Noch vier Etagen und wir müßten da sein.« Als Sam dies sagte, jubelte ich innerlich, bedeutete es doch endlich die ersehnte Erlösung. Zwei Stunden später war es dann endlich soweit und wir betraten die Ebene, wo sich laut Sam das Observatorium befinden sollte. Als ich mich völlig erschöpft und keuchend auf den Boden setzte, um auszuruhen, blieb mir fast der Atem stecken, denn Sam sah aus, als hätte er gerade sechzehn Stunden geschlafen. Er blickte mich besorgt an und murmelte etwas von 20 Minuten Pause, doch ich nickte schon ein. Als ich diesmal die Augen öffnete wußte ich sofort, daß etwas nicht stimmte. Ein Terraner kann nicht ohne Raumanzug im Weltraum überleben und das sah doch verdächtig nach Weltraum aus. Ich schwebte über der Milchstraße und konnte regelrecht mit ansehen, wie sie sich drehte, es war atemberaubend, und doch, wieso hatte ich solche komischen Träume? Erst diese Frau und nun dies, was bedeutete es? Doch im Grunde war es mir auch egal, ich wollte nur wieder in dieses Schiff und so schloß ich die Augen. Als sie wieder aufmachte, schaute ich die Augen des Somers. Und Sam sah gar nicht erfreut aus. »Sam, ähm, es tut mir ja leid, daß ich wieder eingeschlafen bin, aber...« Sam schaute mich verwirrt an und sagte dann: »Du hast geschlafen? Oh, das ist mir gar nicht aufgefallen.« In der tat ein schneller Blick auf meinen Chronometer bestätigte mir, daß ich gerade für 10 Sekunden die Augen geschlossen hatte. Ich beschloß, mich nach dieser Mission einmal gründlich von den TLD-Ärzten checken zu lassen. Wir betraten vorsichtig den Gang und orientierten uns. Sam übernahm, wie gewohnt, die Führung und brachte uns in das unbenutzte Observatorium. Kaum waren wir eingetreten, suchte Sam ein Versteck für uns. Auch wenn ich wegen unseren »leichten« Geruch nicht unbedingt dran glaubte, daß das wirklich etwas bringen würde. Nachdem Sam einen passenden Unterschlupf gefunden hatte, durchsuchte er als nächstes die Syntrondatenbank nach Informationen über Singuul und über unseren aktuellen Kurs. »Also Singuul, ein Stern der G-Klasse, ein 43 Planetensystem. Soweit ich sehe, ist Pilsus II unser Ziel, ein marsähnlicher Planet mit einem Radius von 39.763 Kilometern, laut der Datenbank hat er einen Mond namens Ithil. Bei konstanter Geschwindigkeit sind wir in spätestens drei Stunden dort.« »Und was nun?« fragte ich Sam. »Hmm, ich denke, es würde vorteilhaft sein, wenn wir Bostich vorher abfangen, um zu verhindern, daß die beiden sich beraten können.« Klang ganz vernünftig, fand ich. »Nur wie sollen wir das anstellen, Sam?« Der blaue Vogel grübelte angestrengt nach und durchforschte dann wieder die Datenbank des Schiffes. »Ja, so könnte es gehen...« »Was könnte so gehen?« »Im Hangar III ist eine einzelne Space-Jet, die können wir zur Flucht benutzen. Der Grigoroffprojektor ist vollgeladen und – ganz wichtig für uns – sie ist unbewacht.« Ich nickte Sam zu. »Ja, und wie kommen wir am schnellsten zu Hangar III? Sag bitte nicht, durch den Müllschacht...« Sam schaute mich entsetzt an – scheinbar fühlte er auch kein Interesse mehr, durch den Schacht zu klettern – und schaute kurz auf das Display vor ihm. »Nein, Hangar III ist auf dieser Etage, folge mir.« Wir gingen aus dem Observatorium hinaus und machten uns auf den Weg zum Hangar III. So weit, so gut.« Sams Flüstern war in dem großen leeren Hangar gut zu hören. »Und nun, Sam? Flüchten wir?« Der blaue Somer schritt langsam die Treppe zur offenen Pol-Luke hoch, als die TOBRUK plötzlich in das Normaluniversum eintauchte. Sam und ich eilten in einen Kontrollraum, um uns über den Standort zu informieren. »Wir sind jetzt im Dermos-System. Anscheinend liegt hier der Hauptsitz der MORDRED. Sehr interessant. Wir sind quasi in der Höhle des Löwen!« Wir beide beobachteten auf dem Bildschirm, wie sich ein zweites Schiff näherte. Wir konnten es einwandfrei als die VERDUN identifizieren. »An Bord dieses Schiffes sind die zwei größten galaktischen Verbrecher der Neuen Galaktischen Zeitrechnung«, sagte ich wütend. Sam überlegte prompt, ob es tatsächlich stimmte, doch wir hatten keine Zeit für Statistiken. Plötzlich tauchte noch ein drittes Schiff auf. Es war kleiner als die VERDUN und sah sowieso völlig anders aus. Es glich einem Adler und hatte laut Orter eine Länge von 1500 Metern. Es schwebte langsam an der VERDUN vorbei. Dieser Schiffstyp, wie auch die Schriftzeichen waren uns beiden völlig fremd. Was für ein Schiff war das? Woher stammte es? Hatte die MORDRED einen geheimen Verbündeten? Das Adlerschiff beschleunigte und verschwand in den Weiten des Alls. Auch die VERDUN aktivierte ihr Metagravtriebwerk. An dem Ruck, der durch das Schiff ging, merkten wir beide, daß nun auch die TOBRUK in den Hyperraum ging. Mit aller Wahrscheinlichkeit war das Ziel das Singuulsystem. Es war nur die Frage, ob bis dahin noch ein Zwischenstopp gemacht wurde oder nicht. Sam schlug vor, in die Space-Jet zu gehen. Kaum betraten wir die Kommandozentrale der kleinen Space-Jet, hantierte Sam schon am Bordcomputer herum. »Die Space-Jet könnte theoretisch einen Alarmstart machen, doch dazu müßten wir erst einmal auf Unterlichtgeschwindigkeit gehen«, meinte er mit seiner dunklen Stimme. Da kam mir auch schon die Idee. Ich schlug vor, eine Explosion an Bord auszulösen, die das Schiff zwang, einen kurzen Zwischenstopp zu machen. Der Somer war mit meiner Idee einverstanden. Ich machte mich sofort ans Werk. Innerhalb von knapp 20 Minuten hatte ich einen Sprengsatz zusammengebastelt und machte mich auf den Weg zum Hangar II, der nahe den Energieleitungen lag. Dort brachte ich den kleinen Thermaldetonator an und schlich mich wieder zurück zum anderen Hangar. »So, in 20 Minuten geht der Sprengsatz hoch. Da müssen die bestimmt stoppen!« meinte ich voller Euphorie. Tatsächlich detonierte der Sprengsatz auch planmäßig. Die TOBRUK war gezwungen zu stoppen, da ein Riß in der Außenhülle oder das Versagen wichtiger Generatoren während des Metagravfluges verheerende Folgen haben könnte. Sam öffnete die Hangarschotts und die Space-Jet schoß aus dem Hangar heraus. Wir hatten es geschafft.
Zantra Solynger wurde inzwischen nach Camelot gebracht, wo sie bereits am Landeplatz von Homer G. Adams und Wirsal Cell empfangen wurde. Fürsorglich kümmerten sich beide um die Überlebende des Massakers. Nach einigen Stunden war Zantra bereit für eine Besprechung mit den beiden. Inzwischen war auch Aurec wieder hinzu gestoßen, der die neuesten Berichte von Sverigor brachte. »Inzwischen haben wir 86 Millionen Überlebende gefunden«, erklärte der Saggittone den Anwesenden. »Die meisten waren in irgendwelchen unterirdischen Anlagen oder Städten als der Angriff stattfand.« Wirsal Cell kauerte in seinem Sessel und machte einen nachdenklichen Eindruck. »Ich kann immer noch nicht verstehen, wie Cauthon so etwas tun konnte. Er mag zwar fehlgeleitet sein, doch seine Endziele waren edel. Er wollte den Frieden in die Galaxis bringen, nicht Leid und Tod.« Aurec lachte bitter. »Anscheinend hat sich dein Schützling sehr verändert!« »Der Sturz und die Folgen müssen zuviel für ihn gewesen sein«, vermutete der ehemalige Mentor Despairs. »Jemand scheint ihn zudem negativ zu beeinflussen. Ich nehme an, es ist der ominöse Anführer der MORDRED. Zwischenzeitlich haben wir eine neue Nachricht der MORDRED bekommen, in der Despair davon spricht, daß Nummer Eins unseren Untergang besiegeln wird.« Viel wußte man dennoch nicht über die MORDRED. Man tappte völlig im Dunklen. Über die Stärke dieser Terrormacht konnte man nur mutmaßen. »Was hatte Despair zu dir gesagt, Zantra?« wollte nun Homer G. Adams wissen. Die Cameloterin sah immer noch mitgenommen aus. Für sie war eine Welt zusammengebrochen. Zantra war gewohnt, im Mittelpunkt zu stehen, und nun war alles zerstört. Ein einziges Wesen hatte ihr ganzes Leben vernichtet. Es war Rache. Rache dafür, daß sie ihn einst verschmähte. Zantra hätte niemals gedacht, als sie Despair in Wut fallen ließ, weil er ihren Gleiter ruiniert hatte, daß sie eines Tages den Preis dafür zahlen mußte. Für sie war Cauthon nur ein Flirt gewesen, ein kleiner Zeitvertreib, den man nun einmal – ihrer Meinung nach – in diesem Alter öfters hatte. Auf seine Gefühle hatte sie nicht geachtet. Ihre Gefühle waren ihr weitaus wichtiger gewesen. Er hatte sie verletzt. Wie er sich fühlte, ob er sich deshalb Vorwürfe machte, war ihr relativ egal gewesen. Sie hatte damals sogar gehofft, daß er sich schlecht fühlte. Sie spürte die Blicke der anderen im Raum. Besonders Wirsal Cell musterte sie mit großer Verachtung. Sie konnte ahnen, was er dachte. Er machte sie für den Fall Despairs verantwortlich, obwohl er es doch war, der ihn aufgehetzt hatte. Homer G. Adams riß sie aus ihren Gedankengängen. »Was hatte Despair zu dir gesagt?« wiederholte er seine Frage mit Nachdruck. Sie räusperte sich und blickte in die Runde. »Er hatte mir viele private Dinge gesagt...« begann sie. »Sicher, wie sehr du ihn enttäuscht hast?« stichelte Cell zynisch. Zantra warf ihm einen bösen Blick zu. Bevor sie etwas erwidern konnte, mischte sich Aurec ein. »Mich interessieren nicht die privaten Dinge, sondern, ob er etwas über die MORDRED verraten hat!« Zantra schüttelte den Kopf und blickte verlegen auf den Boden. »Er hatte mir nichts über die MORDRED gesagt. Ich weiß nur, daß er gefährlich ist und sterben muß, oder er wird uns alle töten!« Aurec und Adams saßen eine Weile alleine im Konferenzraum und stierten durch die Gegend. Jeder schien auf eine Idee des anderen zu warten. »Gibt es schon Nachrichten von Sam?« fragte Aurec. »Nein, der Kontakt ist abgebrochen«, antwortete Adams kaum hörbar. Er war niedergeschlagen und erledigt. Die MORDRED zehrte an seinen Kräften. »Dann sollte schnellstens jemand nach dem Rechten sehen. Ich würde Cascal vorschlagen. Er ist mit den Bergungsversuchen relativ fertig. Inzwischen sind genügend Schiffe eingetroffen. Joak muß sich wieder um die MORDRED kümmern.« Adams wußte, daß der Saggittone recht hatte. Er informierte Cascal und legte ihm Nahe, so bald wie möglich nach Stiftermann III aufzubrechen. Er sank wieder in den Sessel und seufzte tief. »Wäre doch bloß Perry hier...« Völlig erledigt schleppte sich Aurec zu seiner Kabine. In Gedanken versunken, rempelte er aus Versehen eine Frau an. »Oh, das tut mir sehr leid. Wir kann ich das wieder gutmachen?« entschuldigte er sich sofort. Erst jetzt erkannte er das Gesicht der Halbarkonidin. Es war Rosan Orbanashol-Nordment. Ein Lächeln kam über sein Gesicht. Auch Rosan freute sich sehr den Saggittonen wiederzusehen. »Aurec!« rief sie freudig und fiel ihm um den Hals. »Wie ist es dir die Jahre über ergangen?« »Das besprechen wir am besten in meinem Quartier.« Beide gingen in die luxuriöse Suite des Saggittonen, der Rosan einen Platz und etwas zu trinken anbot. Sie hatte sich in den fünf Jahren nicht verändert. Ihre braunrot gewellten Haare hingen bis knapp unter den Schultern und die roten Augen der halben Terranerin und halben Arkonidin strahlten immer noch dieses Feuer aus. Er bemerkte den Ehering an ihrem Finger. »Wyll?« fragte er mit einem Schmunzeln. Sie grinste über beide Wangen und nickte. »Herzlichen Glückwunsch!« Aurec begann von sich zu erzählen. Nachdem die LONDON abgeflogen war, konzentrierte er sich auf das Regieren einer ganzen Galaxis. Die ersten Monate waren schwer, doch schnell erlangte er die Liebe und den Respekt seines Volkes. Nachdem die letzten nationalistischen Organisationen bekämpft worden waren, widmete sich die Republik Saggittor sozialen Problemen und der Forschung. Eines Tages war Aurec danach gewesen, seine Freunde in der Milchstraße zu besuchen. Allen voran natürlich Perry Rhodan. Aber auch Shel Norkat wollte er wiedersehen. Er liebte sie immer noch und wollte es, trotz ihres schmerzlichen Fehltritts, mit ihr versuchen und sie mit nach Saggittor nehmen. Rosan schaute verlegen auf den Boden. »Du weißt, was damals passierte?« »Ja.« »Es war die Hölle. Diese Hölle mußten ich und Wyll zweimal durchleben.« »Zweimal?« Rosan erzählte dem Saggittonen von der LONDON II, die Ende des vergangenen Jahres startete, um das Wrack der ersten LONDON auszuschlachten. Sie sprach von der Entführung durch den wahnsinnigen arkonidischen Mascanten Prothon von Mindros und dem gefährlichen Schlangenvolk der Casaro. »Diesmal konnten jedoch die meisten gerettet werden. Die Katastrophe hatte sich nicht ein zweites Mal wiederholt«, erklärte Rosan. Sie nippte an ihrem Glas und blickte Aurec an, der ihr betrübt gegenüber saß. »Wie ist sie gestorben?« wollte er nun wissen. Rosan schluckte hörbar. Sie war dabei gewesen, als Shel Norkat ihr Leben verlor. Die Bilder konnte die ehemalige Orbanashol nie vergessen. »Als das Schiff sank und das Heck höher und höher stieg, klammerte sie sich am Geländer fest, doch sie hatte keine Kraft mehr und stürzte, als das Heck senkrecht in der Höhe stand in die Tiefe...« Aurec sah verbittert in sein Glas. Er bedauerte, daß alles so gekommen war, doch nun mußte er wieder in der Gegenwart leben. Die MORDRED galt es zu bekämpfen. Er unterhielt sich noch eine Weile mit Rosan über die Gefahr der MORDRED, dann mußte sie wieder zu Wyll gehen. Rosan lud den Saggittonen zum Abendessen mit den beiden ein. Natürlich hatte Aurec nichts dagegen. Kaum hatte Rosan die Suite verlassen, nickte der Saggittone auch ein. Viel zu wenig Schlaf hatte er in den letzten Wochen bekommen.
Die ARKON stoppte etwa 10 Lichtjahre vor dem Singuul-System. Der Frachter stand bereit, um den Imperator inkognito in das System zu bringen, das eine oft durchflogende Route war. So konnte er gewährleisten, daß ihn niemand entdeckte. Die ARKON flog nun direkt zu dem Mond des Planeten Pilsal II und wachte über das Treffen. Vier Wachen eskortierten Bostich auf dem Frachter, der sich recht langsam dem Singuul-System näherte. Plötzlich tauchte eine Space-Jet auf und nahm Funkkontakt mit Bostich auf. »Hier spricht Nummer Elf der MORDRED. Wir bitten um Antwort von Imperator Bostich. Dean und Sam hatten den Frachter beobachtet und ahnten, daß der Imperator an Bord war. Sie wurden auch bestätigt, als sich einer der Offiziere meldete. »Identifiziere dich, Space-Jet!« Sam sendete einen MORDRED-Code und das Wappen. Er baute einige Dinge ein, die einfach nur jemand von der MORDRED wissen konnte oder jemand, der sich dort eingeschlichen hatte. »Wo ist Nummer Eins?« erklang eine weitere Stimme. Es war die des Imperators. Will Dean und Sam sahen sich gegenseitig an. Der TLD-Agent ergriff wieder die Initiative. »Er wartet im geheimen Stützpunkt auf Euch. Wir sollen Euch begleiten. Zu diesem Zweck bitten wir an Bord kommen zu dürfen!« Bostich schien eine Weile zu zögern, dann akzeptierte er. Der Schutzschirm wurde heruntergefahren, da passierte es auch schon. Die Paralysestrahlen der Space-Jet betäubten die fünf Insassen des Frachters. Wo bleibt Bostich?« wollte Nummer Eins entnervt wissen, doch weder Cauthon Despair, noch Eron Quartermagin oder Walther Eyke konnten ihm eine Antwort geben. Eyke wirkte in Despairs Augen sehr nervös. Anscheinend hatte er größere Probleme mit den Spionen gehabt, als er zugeben wollte. Despair wollte sich dies auch nicht mehr lang mit ansehen. Er überlegte bereits, Nummer Eins vorzuschlagen, Eyke durch Quartermagin zu ersetzen. Der emsige Arkonide nahm wieder nervös Verbindung mit der ARKON auf, doch auch der Kommandant des Raumers konnte sich die Verspätung nicht erklären. »Sie werden sich doch nicht verirrt haben?« fragte Nummer Eins zynisch. Nach drei Stunden gab er den Befehl zum Rückflug. Das Treffen war geplatzt. Die Arkoniden begaben sich sofort auf die Suche nach ihrem Imperator, während die VERDUN wieder ins Dermon-System flog. Die TOBRUK allerdings blieb ebenfalls in diesem Sektor. Sie hatte etwas anderes zu suchen. Der Imperator fand sich und seine Leute in einer Scheune wieder. Mühevoll schleppte er sich heraus und wurde von der Sonne geblendet. Er schien sich auf einem Bauernhof zu befinden. Jedenfalls arbeiteten einige Leute an einem Feld. Schweine und Hühner liefen über den Hof. Beinahe wäre Bostich über eines der Tiere gestolpert. »Bauer! Sage mir, wo ich mich befinde!« befahl er mit unfreundlicher Stimme. Der Mann drehte sich um. Er war deutlich erkennbar ein Abkömmling der Terraner. »Guter Mann, wir sind auf Persasol«, erklärte er höflich. »Was für eine entlegene Welt ist das? Antworte endlich, alter Mann!« Bostich tobte vor Wut. Er war auf einen Trick hereingefallen. Sicherlich war dieser Mann nicht von der MORDRED, sondern ein TLD-Agent, von der IPRASA oder Camelot. Bostich weckte seine Wachen auf und drohte ihnen mit der Exekution. »Wo ist das nächste Raumschiff?« wollte er nun von dem Einheimischen wissen, der anfing zu lachen. »Wir haben hier keine Raumschiffe. Wir halten nicht viel von diesem modernen Schnickschnack. Aber in sieben Tagen kommt ein Raumbus, mit dem kannst du nach Kondan fliegen. Da gibt es viele Raumschiffe...« Bostich setzte sich resignierend auf eine Bank. Aus dem Treffen mit Nummer Eins wurde vorerst nichts. Wer immer ihn auch entführt hatte, er hatte gewonnen... Ich würde jetzt zu gerne Bostichs Gesicht sehen!« grinste Will freudig. Auch Sam machte einen amüsierten Eindruck. »Nun sollten wir schnell nach Camelot fliegen. Wir haben jetzt die Koordinaten der Hauptwelt Dermos. Wir könnten sie jetzt schlagen!« Eine wichtige Wende schien eingeleitet zu werden. Die beiden hatten die wichtigsten Informationen bisher erbeuten können. Sam war stolz, daß sein Versuch etwas gebracht hatte. Plötzlich wurde das Schiff jedoch durchgeschüttelt. Dean setzte sich an den Orter. »Verdammt, die TOBRUK!« Sofort beschleunigte die Space-Jet, doch es schien unmöglich, den Verfolger abzuhängen. Die TOBRUK gewann mehr und mehr an Raum. Es schien als wäre die Informationen über die MORDRED wertlos, da sie es niemanden mehr berichten konnten. ENDE Sam und Will Dean konnten in letzter Sekunde das Treffen von Nummer Eins und Imperator Bostich verhindern, außerdem konnten sie wichtige und vielleicht entscheidende Informationen über die Terrormacht erbeuten. Wie es mit ihnen weitergeht, schildert Ralf König in Heft 8. Es trägt den Titel Hetzjagd Der DORGON-Zyklus - MORDRED-Zyklus - ist eine nicht kommerzielle Publikation des PERRY RHODAN ONLINE CLUBs. Heft 7 von Miguel Solasse. Titelbild: Stefan Lechner. Technischer Berater: Sebastian Schäfer. Versand: PROC. Lektorat, Nachbearbeitung: Klaus Wiehoff. DORGON-Kommentar: . Umsetzung in Endformate: Alexander Nofftz. Satz: Xtory (SAXON, LaTeX). Internet: http://www.dorgon.de. eMail: dorgon@proc.org. Adresse: PROC c/o Nils Hirseland, Redder 15, 23730 Sierksdorf. Copyright © 2001. Alle Rechte vorbehalten! | ![]() | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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