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Eine weitere Konferenz zwischen den Anführern der MORDRED war von Nummer Eins einberufen. Wieder wurde Dejabay als Treffpunkt der zehn Leiter der Terrororganisation bestimmt. Cauthon Despair betrat langsam, als hätte er alle Zeit der Welt, den Besprechungsraum. Die anderen Nummern waren bereits anwesend. Despair musterte die einzelnen Wesen. Er fühlte sich wohl bei dieser Aktion. Er konnte aus den Gesichtern der Leute lesen, während niemand seine Gesten interpretieren konnte. Außerdem besaß der Cameloter die Fähigkeit, die Gefühle seiner Gegenüber wahrzunehmen. Ein Vorteil, den Despair oft nutzte. Auch in diesem Fall esperte er die Gefühle der Anwesenden. Besonders fiel ihm die Anspannung von Ben Trayir auf. Der Ertruser fürchtete sich. Despair mußte nicht einmal Telepath sein, um zu wissen, warum er sich fürchtete. Bei der Eliminierung der Cameloter auf Plophos konnten sieben Menschen gerettet werden. Es kam noch schlimmer. Ein Raumer der MORDRED wurde von Camelotern zerstört. Dies war zwar nur eine Teilniederlage, dennoch eine Niederlage. Trayir hatte Angst vor der Reaktion von Nummer Eins. Die anderen hingegen waren gespannt. Ihnen bedeutete das Leben von Trayir nichts. Jeder der Anführer war auf seinen eigenen Vorteil aus. Nur der große Respekt vor Nummer Eins hielt sie davon ab, auf eigene Faust zu handeln oder sich gegenseitig zu bekämpfen. Eron Quartermagin, Nummer Neun, hoffte sogar auf eine drakonische Bestrafung von Nummer Acht, da er dann aufsteigen würde. Für Cauthon Despair waren diese Gedankengänge irrelevant. Einzig bedeutend war der Untergang Camelots. Despair verspürte immer noch großen Zorn und Haß gegen Rhodan und seine Anhänger. Er war fest von dem Willen besessen, die Unsterblichen zu brechen. Das waren seine Motive, nicht Geld oder Macht. Die Stimme von Nummer Eins erklang durch die Lautsprecher. Synchron dazu erschien das Symbol der MORDRED. »Wir haben uns hier versammelt, um über unsere weiteren Schritte zu beraten«, begann er mit ominöser Stimme. Keiner der Beteiligten sagte ein Wort. Vielmehr warteten sie auf das Ende der Kunstpause von Nummer Eins. »Bevor wir jedoch dazu kommen, will ich auf unseren Einsatz bei Plophos zu sprechen kommen.« Unwillkürlich zuckte Trayir zusammen. Die Blicke seiner Kollegen fielen auf ihn. Er fühlte sich unbehaglich und wünschte, er wäre woanders. Unaufgefordert stand Nummer Acht auf, um sich zu rechtfertigen. »Sir, die Cameloter haben Schutzschiffe zusammengestellt. Diese Information besaß ich nicht!« Es blieb still. Trayir zitterte leicht und fasste sich an das Kinn. Er fuhr sich über die Bartstoppeln und schluckte tief. »Außerdem...« fuhr er mit gebrochener Stimme fort. »Außerdem haben die Cameloter einen neuen Schiffstyp entworfen. Ich konnte nichts machen!« Nun ergriff Nummer Eins das Wort. »Uns ist durchaus bekannt, daß die Cameloter ein Schiff mit dem Namen TAKVORIAN, das einen Durchmesser von 1000 Metern hat und mit bester Technik ausgerüstet ist, nach Plophos entsendet haben. Die TAKVORIAN hat auch unser Schiff zerstört, was sicher an der Gefährlichkeit ihres Kommandanten, Joak Cascal, liegt.« Woher hat er nur diese Informationen? schienen alle Nummern gleichzeitig zu denken. Niemand kannte die wahre Identität von Nummer Eins. Viele vermuteten, er hätte etwas mit Camelot zu tun gehabt. Vielleicht war er auch ein Cameloter, wie Despair? Oder er besaß zumindest sehr gute Informanten auf der ehemaligen Freihänderwelt Phönix. Ein weiteres Anzeichen für die Stärke der MORDRED. Neben dem Respekt vor Nummer Eins kam noch eine weitere Komponente hinzu, die den Zusammenhalt der MORDRED garantierte – er eröffnete ihnen Perspektiven. Nummer Eins wollte mit der Vernichtung Camelots erst beginnen und somit die gefährlichsten Gegner ausschalten. Sein Endziel war die Machtübernahme in der Milchstraße. Die Verbrecher, die sich in führenden Positionen um ihn versammelt hatten, glaubten an die Umsetzbarkeit. Ben Trayir wirkte beruhigt, da Nummer Eins ihm keine Vorwürfe machte. Langsam setzte er sich wieder und wartete auf die weiteren Ausführungen seines Anführers. »Nummer Acht trifft keine Schuld. Er hat sein Hauptziel erreicht, die Camelotansiedlung auf Plophos zu vernichten.« »Was sind unsere nächsten Ziele?« wollte Horach Diebels, Nummer Sechs, wissen. »Nummer Drei arbeitet zur Zeit daran, Verbündete für die MORDRED zu gewinnen. Bis dahin werden wir jedoch mit der Zerstörung der Camelot-Büros fortfahren. Ich habe sechs neue Ziele ausgesucht. Sie lauten Sphinx, Archez, Lepso, Oxtorn, Gäa und die Welt Sverigor«, verkündete er mit einem leichten Unterton. Despair hob verwundert den Kopf als er den Namen Sverigor hörte. Nummer Eins wußte genau, wer auf Sverigor war. Cauthon Despair hatte bis jetzt gehofft, daß man Sverigor unbeachtet lassen würde. Den Nummern wurden die Welten zugeteilt. Nummer Vier, der Akone Argon von Lasaal, bekam seine Heimatwelt Sphinx. Nummer Fünf wurde Oxtorn zugesprochen. Horach Diebels konnte ebenfalls auf seinem Heimatplaneten Archez die Camelotniederlaßung vernichten. Trayir sollte Lepso übernehmen und Quartermagin meldete sich für Sverigor freiwillig. »Es wird sicher ein leichtes sein, diesen verweichlichten Kreaturen die Peitsche der MORDRED spüren zu lassen«, sagte er arrogant. »Nein, ich übernehme Sverigor!« mischte sich Despair ein. Irritiert drehte sich der Arkonide um und sah zu dem silbernen Ritter. »Ich hatte mich vorher bereiterklärt, diesen Planeten zu übernehmen«, rechtfertigte sich Quartermagin. Despair trat an ihn heran. Unwillkürlich wich der Arkonide der großen Gestalt aus. »Das ist doch ein völlig unwichtiger Planet, warum die Aufregung?« Despair überhörte die Frage. Er brauchte Quartermagin keine Rechenschaft abzulegen. Statt dessen wandte er sich Nummer Eins zu. »Lassen Sie mich Sverigor übernehmen!« sprach er in einem ungewöhnlich harten Tonfall gegenüber seinem Herren. Kein anderer hätte es gewagt, so entschlossen gegen Nummer Eins vorzugehen. In den letzten 8 Jahren des Aufbaus der MORDRED gab es insgesamt fünfzehn Nummern, doch sechs fanden aufgrund von Verrat oder Versagen den Tod. Nummer Eins kannte kein Pardon. Jeder der Anwesenden wartete gespannt auf die Antwort. »Nummer Neun wird Gäa übernehmen und Cauthon Despair wird auch Sverigor den langen Arm der MORDRED über alle Cameloter richten lassen. Die Sitzung ist beendet!« »Wie Ihr wünscht«, sprach Despair und verneigte sich kurz. Dann verließ er mit forschen Schritten den Konferenzsaal. Niemand der Beteiligten wusste, warum Despair so auf Sverigor bestanden hatte. Niemand konnte wissen, daß sie auf der Welt lebte.
Sverigor war eine LFT-Kolonie, die im Jahre 2569 alter Zeitrechnung, also noch zu Zeiten des Solaren Imperiums, von schwedischen Emigranten gegründet wurde. Daher hatte diese Welt auch einen nordeuropäischen Touch. Sverigor lag im Malmöön System, 1978 Lichtjahre von Sol entfernt. Die Sonne war ein gelber, mittelgroßer Stern. Das System besaß sieben weitere Planeten, doch nur Sverigor eignete sich als bewohnte Welt. Die Schwerkraft lag bei 0,83 Gravo, der Durchmesser betrug 10 867 Kilometer, die Durchschnittstemperatur bei den bewohnten Regionen lag knapp 10 °C. Die Hauptstadt der Welt mit 2 Milliarden Einwohnern trug den Namen New Stockholm und bot knapp 9 Millionen Menschen eine Heimat, weitere Metropolen waren New Trelleborg, New Göteborg oder New Malmö. Eine beeindruckende Natur zeichnete diesen Planeten aus und machte ihn zu einem beliebten Erholungsplatz für die Galaktiker. New Stockholm war an diesem Sonntagmorgen relativ leer und wirkte friedlich. Die Kriminalitätsrate auf Sverigor war ausgesprochen niedrig. Sverigor galt als eine Perle der Liga Freier Terraner. Das kleine Mädchen schlenderte vergnügt durch die Einkaufspassage. Susi war erst 7 Jahre alt und feierte heute ihren Geburtstag. An ihrer Hand hielt sie eine Plüschtier mit dem Namen Worzy, eine Abbildung des sverigeschen Menschenaffen. Das Stofftier hatte die Kleine sich seit über 5 Monaten gewünscht und nun auch bekommen. Die Eltern hätten es ihr auch vorher gekauft, doch sie zögerten es absichtlich etwas heraus, damit Susi an ihrem Geburtstag etwas besonderes bekam. Der Plan ging auch auf, Susi war überglücklich mit Worzy. Danach beschloß die Familie, die aus den Eltern, Susi und zwei größeren weiblichen Geschwistern bestand, einen Einkaufsbummel zu machen. Cathy und Inke, die beiden Schwestern, wollten natürlich in die Modeläden, um sich die neuesten Sachen zu kaufen. Eron Walther, Susis Vater, war wenig davon angetan. Während die 23-jährige Cathy sich in ziemlich knappe Klamotten warf, bevorzugte die 16-jährige Inke eine Mode aus dem Ende des 20. Jahrhunderts alter Terranischer Zeitrechnung, die wieder eine Renaissance erlebte. Eron mißfiel deutlich die schlabberige Jeans, der braune Kapuzenpullover und die raumstiefelwirkenden Schuhe. Aber Inke meinte, das sei »in«. Janny, Erons Ehefrau, kommentierte seine Blicke stets mit einem Lächeln. Sie mahnte ihren Mann dazu, den Kinder mehr Freizeit zu geben, die Eron ihnen dann schließlich auch gewährte. Die beiden blonden Mädchen liefen zur ihrem Vater. »Daddy, ich will heute abend in die Disco Shuby, darf Inke mitkommen?« Eron Walther verschränkte die Arme vor den Bauch und spielte den strengen Vater. »Sie war doch schon die letzten zehnmal mit dir in der Disco.« Inke guckte verlegen auf den Boden. »Na siehst du! Dann ist es doch nichts ungewöhnliches mehr, bitte Daddy!« bettelte die jüngere Tochter. »Außerdem hat sie ein Date«, warf Cathy ein. Erons Miene verzog sich schlagartig nach unten. »Ein Date? Etwa mit einem Jungen?« Die beiden Mädchen sahen sich verblüfft an. »Was denkst du denn, Dad?« fragte Cathy. »Er heißt Ric und ist Disc Jockey im Shuby. Er ist absolut cool!« schwärmte Inke. »Also gut!« stimmte er mit einem leichten Lächeln zu und zückte ein paar Galaxscheine aus der Brieftasche, denn er wußte, daß sie ihr Taschengeld bereits ausgegeben hatten und nun er den Ersatz für das leere Konto darstellte. Inke gab ihrem Vater ein Küßchen auf die Wange und lief freudig mit ihrer Schwester in den nächsten Modeladen. Susi und ihre Mutter waren inzwischen in einem Spielwarenladen verschwunden. Eron sah seine kleine Tochter bereits wild vor einem Puppenhaus mit Syntron herumhüpfen. An der Kopfbewegung seiner Frau sah er, daß sie den Wunsch Susis nicht abschlagen konnte. »Oh nein!« seufzte der Sverige und blickte traurig in seine Brieftasche, deren Inhalt mehr und mehr schrumpfte.
Despair erreichte die VERDUN, die in dem gewaltigen Hangar der Station auf Dejabay stand. Etliche Wartungsroboter arbeiteten an der Außenhülle des Schlachtschiffes der Quasarklasse. Einige Soldaten salutierten, als Despair an ihnen vorbeischritt. Der Erste Offizier, Soran Tomahr, ein junger und enthusiastischer Zaliter empfing seinen Kommandanten. »Sir, wie war die Besprechung? Haben wir neue Instruktionen?« erkundigte sich Tomahr. Despair schenkte ihm nur einen kurzen Blick, dann sprach er: »Unser nächstes Ziel steht fest. Es wird ein weiterer harter Schlag für Camelot werden!« »Ich freue mich bereits darauf, Sir!« Tomahr ließ Despair alleine weiter in das Schiffsinnere gehen. Der silberne Ritter dachte nicht mehr über seinen aufdringlichen Ersten Offizier nach, der zweifelsohne fähig war, es jedoch übertrieb. Er lief auf die ausgefahrene Brücke und bestieg einen Antigrav. In seinem Kopf schwirrten etliche Gedanken und Erinnerungen umher, die er versuchte zu verdrängen. Diese Erinnerungen hielten ihn nur von seinem Auftrag ab. Doch wie konnte er sie vergessen? Sie war das einzig Gute, was ihm im Leben widerfahren war. Nun sollte auch sie sterben? Zweifelsohne hatte auch sie ihn enttäuscht und am Ende allein gelassen. Dafür haßte er sie, doch er hegte auch in seinem Inneren positive Gefühle für sie. Welche jedoch überwiegten, konnte er nicht feststellen. Despair war sich seiner Gefühle nicht im Klaren. Er wurde in seinen Überlegungen von Admiral Kenneth Kolley unterbrochen. Der Soldat machte eine Ehrenbezeugung vor seinem Kommandanten. »Wie lange braucht das Schiff, um startklar zu sein?« »In 45 Minuten können wir abheben, Sir!« »Sehr gut, Admiral! Setzen Sie den Kurs für das Malmöön-System. Wir werden uns des Camelot-Büros auf Sverigor annehmen.« Kolley machte sich sofort an die Arbeit, während Despair langsam durch die Kommandozentrale ging. Er hatte nicht mehr damit gerechnet, sie jemals wiederzusehen. Das Schicksal hatte anders entschieden, so dachte er. Was sollte er nun tun? Er wußte nicht, was er ihr sagen sollte, wenn sie ihm gegenüber stehen würde. Sie konnte ihn nicht einmal mehr wiedererkennen. Sein Aussehen unter seiner Maske würde sie abschrecken. Es war einer der wenigen Momente, in denen Despair wünschte, sein Leben wäre anders verlaufen. Doch es war seine Bestimmung, die Unsterblichen zu bekämpfen. Niemand konnte sich seinem Schicksal in den Weg stellen. Ihr würde es auch nicht gelingen! Sie hätte auch keinerlei Interesse daran, denn du bedeutest ihr nichts, lief es durch seine Gedanken. Es keimte Haß in ihm auf. Beinahe hatte er vergessen, warum er zu dem geworden war, was er nun darstellte. Sie, wie auch all die anderen, hatten ihn seiner Meinung nach nur benutzt! Niemand hatte ihn wirklich gemocht oder gar geliebt. Für diese schlechte Behandlung sollten nun alle den Preis zahlen. Vielleicht würde er mit ihr reden, vielleicht würde er sie aber auch sofort töten... Sir, Nummer Eins wünscht Sie zu sprechen«, meldete Kolley. Cauthon Despair war immer noch mit seinen Gedanken bei Zantra Solynger. Er stand in einem Gewissenskonflikt. Einerseits hatte er sie geliebt, doch andererseits... Er unterbrach seine Gedankenspiele und lief durch die Kommandozentrale in einen separaten Raum. Das Hologramm von Nummer Eins erschien. Nur Despair konnte es sehen. Das Gesicht seines Herren war von einer schwarzen Kutte verdeckt worden, dennoch wußte Cauthon Despair, wer sich dahinter verbarg. »Was wünscht Ihr, mein Meister?« erkundigte sich Despair ergeben. »Ich bin besorgt über Ihren momentanen Auftrag«, erklang die dunkle, alt wirkende, Stimme des Anführers der MORDRED. »Ich verstehe das nicht, Herr«, gestand der silberne Ritter, der vor dem Hologramm kniete. »Wir wissen beide, wer sich auf Sverigor befindet. Ich fürchte, Ihr seid Euch nicht über Eure Gefühle im klaren, Cauthon Despair!« Nummer Eins hatte recht. Er kannte Despair sehr gut. Doch wollte der Cameloter ihm nicht seine Zweifel eingestehen. »Ich bin mir meiner Gefühle im klaren. Mein Auftrag ist die Vernichtung des Camelot-Büros!« sagte er entschlossen, um Nummer Eins und vor allem sich selbst von seiner Loyalität zu überzeugen. »Sehr gut! Meldet Euch, sobald Ihr auf dieser erbärmlichen Welt angekommen seid«, waren die letzten Worte seines Meisters, bevor das Hologramm erlosch. Despair stand auf und blickte aus dem Fenster. Die VERDUN tauchte aus dem Hyperraum auf und vor ihr lag der kleine blaue Planet Sverigor. Ein paar Sekunden danach materialisierte der restliche Verband von sechs weiteren Kugelraumern, mit einem Durchmesser von 1000 Metern. Sie waren quasi die ständige Begleitung der VERDUN. Despair starrte auf Sverigor, er wußte, die Zeit des Wiedersehens war gekommen. Es wurde dunkel, nachdem ich hinabfiel. Rhodan hatte mir nicht geholfen. Wie alle anderen ließ er mich im Stich. Der Aufprall war sehr schmerzvoll. Ich konnte die Schmerzen nicht ertragen und verlor das Bewußtsein. Als ich wieder aufwachte, war alles so anders. Ich spürte keinen Schmerz mehr, aber ich spürte auch einige Glieder meines Körpers nicht mehr, so wie ich es früher gefühlt hatte. Es war so, als wären andere Körperteile an mir dran. Ich konnte mich kaum bewegen, denn jemand hatte mich auf eine Liege angebunden. Das Atmen fiel mir sehr schwer, meine Lungen fühlten sich zerstört an. Ich blickte auf meinen Brustkorb und zitterte vor Angst, als ich sah, daß eine Metallplatte meine Knochen ersetzte. Der Aufprall hätte mich wahrscheinlich getötet, doch irgend jemand hatte mich gerettet. Doch wer war es? Rhodan? Die Fesseln lösten sich automatisch. Langsam erhob ich mich. Es war schwer die neuen Körperteile unter Kontrolle zu behalten. Soviel von meinem Körper war anders. Ich war anders. Ein Spiegel stand vor mir und ich fing an zu weinen, als ich mich selbst sah. Zantra war sofort in meinen Gedanken. Mit diesem entstellten Gesicht hatte ich keine Chance mehr von ihr geliebt zu werden. Ich war ein Monster in ihren Augen. Eine Maschine, kein Mensch. Links neben mir stand eine silberne Rüstung. Eine Mischung aus einem Raumanzug und einer mittelalterlichen Ritterrüstung. Sie wirkte auf mich imposant und schien extra für mich angefertigt zu sein. Eine Rüstung, die meine Häßlichkeit verbergen sollte. »Lege die Rüstung an, Cauthon Despair«, forderte mich eine Stimme auf, die mir bekannt vorkam. »Wer bist du?« wollte ich wissen. »Dein Retter!« Ich folgte seiner Aufforderung und legte die Rüstung an. Sie erleichterte mir den Umgang mit meinen neuen Gliedern erheblich. Die Uniform besaß eine Atemhilfe und viele technische Extras. Ich wirkte düster und diabolisch in dieser Rüstung. Vielleicht sollte es so sein? »Was wird jetzt aus mir?« »Diese Frage beantworte ich dir gerne, Cauthon Despair«, sagte die Stimme, die jetzt näher wirkte. Ich drehte mich um und erblickte meinen Retter. Ich war überrascht, denn ihn hatte ich nicht hier erwartet. »Ich bin ein Monster und bin heimatlos. Ich habe kein Ziel und keine Bestimmung«, sprach ich in voller Melancholie. Mein Gegenüber grinste überlegen. »Doch, deine Bestimmung ist es, Rache zu nehmen!«
Zantra Solynger und Ygor Szulykatz lagen im Bett und kuschelten sich aneinander. Beide rauchten eine Zigarette und genossen die Züge. »Mann, war ich, ich meine, war das wieder toll«, flüsterte der Sverige seiner Freundin ins Ohr. Zantra lächelte nur. Sie machte sich um die Zukunft Camelots Sorgen. Die Angriffe auf verschiedene Camelot-Büros alarmierte auch die Menschen auf Sverigor. Ulman Tamm, der Leiter der Unsterblichenstation auf dem Planeten, hatte eine Sonderkonferenz einberufen, um alle über die Gefahr zu informieren. Zantra war förmlich versteinert, als vor ein paar Tagen das Trividvideo von Cauthon Despair gezeigt wurde. Sie wußte nicht, was sie davon halten sollte. Cauthon war in ihren Augen ein netter, aber unfähiger Junge gewesen, der ihr unzuverlässig erschienen war. Sein Tod traf sie natürlich, doch schnell hatte sie sich ein Leben auf Sverigor aufgebaut. Nach acht Jahren war sie eine der wichtigsten Camelotmitarbeiterinnen auf dieser Welt. Sie hatte seit knapp zwei Jahren eine Beziehung mit Ygor Szulykatz und liebte den Frauenheld innig. Schon einmal hatte Cauthon sie in Schwierigkeiten gebracht. Das war das letzte Mal, daß sie etwas von ihm gehört hatte. Seine Unachtsamkeit und der daraus resultierende Unfall hatte sie stark gekränkt. Ihrer Meinung nach konnte sie sich nicht auf Cauthon verlassen. Zudem war Sverigor ihr wichtiger. Zantra hatte zwar daran gedacht, etwas mit dem jungen Cameloter anzufangen, doch er schien kein Interesse zu haben oder zu schüchtern zu sein. Nachdem sie auf Sverigor war, verlor sie auch schnell jeglichen Kontakt zu ihm, bis die Todesnachricht kam. Es stellte wenig Probleme für sie dar, ihn im Laufe der Zeit zu vergessen. Solynger war glücklich auf diesem Planeten und nun wurde dieses Glück von Despair bedroht. Der Interkom summte auf einmal laut auf. Sie nahm ab und ihre Mutter, Maice Solynger, meldete sich. »Zantra, ich und Michael sind in der Nähe von Sverigor und kommen heute zum Besuch vorbei.« »Was?« »Freut dich das nicht?« »Doch... natürlich, ich muß dann wohl aufräumen... !« Zantras Mutter lachte leise. »Dann beeile dich, wir sind in drei Stunden am Raumhafen« Die Verbindung wurde von Maice Solynger beendet. Zantra stieg aus dem Bett und zog sich ein T-Shirt über ihren nackten Oberkörper. Mit einem lauten Seufzen bemühte sich auch Ygor hoch. »Ich muß aber noch an einem Gleiter arbeiten, kann dir nicht beim Aufräumen helfen«, meinte er und kleidete sich aufreizend langsam an. »Habe ich mir gedacht, ich kriege das schon irgendwie alleine hin. Maice und Michael hätten aber auch früher Bescheid geben können«, antwortete die hübsche Cameloterin. Auch Ygor arbeitete für die Organisation. Er war Techniker und kümmerte sich hauptsächlich um die Pflege der Gleiter und Shuttle. Er selbst sah sich als einen absoluten Gigolo an und viele Frauen und Mädchen liefen hinter ihm her. Zantra mußte hart um ihn kämpfen, »siegte« jedoch letztendlich. Beide küßten sich innig und bereiteten sich auf den Besuch vor. Susi und ihre Eltern kamen vom Einkaufen zurück. Ihre beiden Schwestern trieben sich noch in der Stadt herum. Die Vorbereitungen für den Kindergeburtstag begannen. Janny Walther kümmerte sich natürlich um den Kuchen, während Eron und Susi die Zimmer herrichteten. Insgesamt 20 Freunde des kleinen Mädchens sollten kommen. Sie trällerte freudig ein Kinderlied und spielte mit Worzy. »Danke nochmals für den Worzy, Daddy! Du bist der liebste Daddy der ganzen Welt!« sagte sie und umarmte ihren Vater, der sichtlich gerührt war. Niemand ahnte von dem drohenden Unheil... Der Frachter HAPAG flog langsam in Richtung Sverigor. Die Besatzung bestand aus sieben Blues, zwölf Terranern und zwei Springern. Der bunte Haufen hatte den Auftrag neue Importe nach Sverigor zu transportieren. Michael Ruhter und Maice Solynger arbeiteten ebenfalls auf diesem Frachter. Ruhter war nicht der leibliche Vater von Zantra. Er heiratete vor knapp 12 Jahren Maice Solynger und versucht seither den Vaterersatz zu spielen. Oft war er zu streng zu Zantra, doch sie verstanden sich alles in allem gut. Beide sprachen über den Besuch bei Zantra Solynger. »Hoffentlich hat sie sich von diesem Typen, wie hieß er doch gleich, getrennt!« meinte Michael Ruhter unwirsch. »Ygor war sein Name. Sie liebt ihn nun einmal«, erklärte seine Frau. Ruhter lachte und lief im Raum unruhig umher. »Mir soll es eigentlich egal sein, ist ja ihr Leben, aber mir gefällt dieser Ygor nicht. Sie hätte einen anständigen Mann nehmen sollen.« Maice stand auch auf und ging zu Ruhter. Behutsam nahm sie seine Hand und streichelte sie etwas. »Vielleicht läuft uns ja ein netter Mann über den Weg, der was für Zantra wäre«, meinte sie scherzhaft. Plötzlich piepte der Orter laut auf. Jülöö, der Ortungsleiter, eilte zu der Konsole und glaubte seinen vier Augen nicht. »Bei allen Kreaturen! Kommt mal her, das müßt ihr euch ansehen«, sagte er aufgeregt. Michael und Maice folgten schnell dem Aufruf. Sieben Punkte erschienen auf dem Abtasterfeld. »Die sind ganz schön groß. Laß' mal einen detaillierten Scan machen«, meinte Michael Ruhter. Der Syntron konnte die Schiffstypen als Kugelraumer von 1000 Metern bzw. 3500 Metern identifizieren, jedoch die Schiffe waren nirgendwo katalogisiert. Es herrschte eine Weile Stille in der kleinen Kommandobrücke, die unaufgeräumt wirkte. Ruhter faßte sich ans Kinn. Der Captain eilte nun auch in die Zentrale. Der Springer mit dem Rauschebart war ebenso verdutzt wie die anderen. »Funkkontakt aufnehmen, das kommt mir sehr seltsam vor. Sverigor verfügt nicht über solche großen Raumer. Niemand verfügt über solche großen Raumer«, erklärte er den anderen. Sofort wurde ein Hypercomspruch abgeschickt. Auf einmal verschwanden sechs Punkte. »Was ist denn nun los? Die können doch nicht einfach verschwinden!« brabbelte der Springer. Das Schiff wurde von einem heftigen Ruck erschüttert. Der größte Raumer näherte sich rasant dem Frachter. »Ausweichmanöver! Bloß weg hier!« brüllte Ruhter durch den Raum. Da war es bereits zu spät, ein Traktorstrahl hatte die HAPAG erfaßt. Sie wurde in einen Hangar gelotst. Maice fing an zu zittern und zeterte in Panik los. Man hörte förmlich, wie das Schott einrastete. Langsam öffnete sich die Luke und ein ritterähnlicher Humanoid trat langsam an die Galaktiker heran. Maice schrie in Panik auf. Ruhter hatte größte Mühe, seine Frau zu beruhigen. Der dicke Springer ging zu dem Ritter, der von etlichen Soldaten eskortiert wurde. »Ich bin...« »Es ist unwichtig wer Sie sind, Springer!« unterbrach ihn der silberne Ritter. »Wer bist du?« »Ich bin Cauthon Despair, Vertreter der MORDRED«, erklärte er. »Sie waren zur falschen Zeit am falschen Ort.« »Was soll das heißen?« rief Michael Ruhter. »Moment mal, Cauthon? Cauthon Despair? Warst du nicht einmal auf Camelot und hattest meine Tochter belästigt?« wollte Maice wissen. Ruhter zuckte innerlich zusammen, als er den unüberlegten Satz seiner Ehefrau hörte. Despair schritt gemächlich zu der Terranerin heran. Er musterte sie durch sein dunkles Visier. Der Cameloter esperte in ihren Gedanken und überprüfte, ob es tatsächlich Zantras Mutter war. Ihre Aussage wurde bestätigt. »Sehr interessant, Maice Solynger. Endlich begegnen wir uns auch!« sprach Despair sarkastisch. »Du hast dich aber ganz schön verändert! Zantra hatte mir ein Foto von dir gezeigt. Was soll das, Junge? Reicht es nicht, daß du ihren Gleiter schon zu Schrott gefahren hast?« meckerte Maice in einem schrillen Tonfall. »Ich werde noch viel mehr zerstören!« entgegnete er und packte sie an der Kehle. Langsam hob er die Frau hoch. Maice wackelte mit den Beinen und röchelte laut. Michael Ruhter versuchte Despair zu stoppen, doch die Soldaten schlugen ihn nieder. Da ließ auch der silberne Ritter die Mutter von Zantra los. »Das wäre noch zu einfach. Ich habe etwas besonderes mit euch vor. Die anderen Besatzungsmitglieder werden samt dem Frachter zerstört.« Die Soldaten befolgten sofort den Befehl und schossen alle nieder. Der Frachter wurde, da man kein Aufsehen im System erregen wollte, nur ausgeschleust und trieb als Geisterraumschiff durch das All. Waldmanns Heil!« riefen alle Jäger gleichzeitig und brachen auf, um die Jagdsaison auf Sverigor zu beginnen. Nur ein ganz kleiner Teil an Wild durfte erlegt werden. Sverigor gehörte, trotz der hervorragenden sozialen Struktur, zu den wenigen LFT-Welten, auf denen die Jagd noch erlaubt war. Frank Rademann war ein Hobbyjäger. Sein Geld verdiente er bei der Galaxiskasse. Der 47-jährige Terraner machte auf Sverigor Urlaub und wollte einige Trophäen wieder mit nach Hause bringen. Jedoch hatte er auch starke Konkurrenz, besonders in seinem Rivalen Siegfried Wiek. Der alte Terraner, der auf einer Schule als Biologie und Weltenkundelehrer arbeitete, war die letzten sieben Jahre immer wieder zum Jägermeister geworden, da er am meisten Tier niederstreckte. Diesmal wollte Rademann jedoch endlich auftrumpfen. Zu diesem Zweck hatte er sich eine völlig neue Ausrüstung zusammengestellt. Viel mehr High Tech als in den vorangegangen Jahren. Damit hoffte er Wiek zu schlagen, den dieser schwor noch auf die alte Technik, sprich Hund und Projektilgewehr. Langsam pirschte sich der Galaxiskassenangestellte durch den dichten Wald. Mit Hilfe eines Individualabtasters scannte er die Region nach Lebensformen. Da hatte er auch bereits ein großes Reh entdeckt. Langsam zielte er mit einem Schockstrahler auf das wehrlose Tier, doch plötzlich schallte ein Knall durch die Bäume. Erschreckt rannte das Wild sofort los. »Verdammt!« fluchte Rademann. Er ging einige hundert Meter weiter und sah Siegfried Wiek, der freudig einen erlegten Fuchs am Schwanz hielt und grinste. »Dir werde ich es noch zeigen und wenn es das letzte ist, was ich tue!« murmelte Rademann und machte sich wieder auf die Jagd. Zantra war spät dran. Sie hatte sich beim Aufräumen verschätzt. Es war sowieso nicht ihre große Stärke. Wenn es hochkam, räumte sie richtig einmal im Jahr auf. Ygor erwartete sie bereits am Raumhafen. Schnell hastete sie zu ihm. »Sind sie schon da?« wollte sie wissen. »Nein, die HAPAG ist bis jetzt noch nicht gelandet, sollte aber eigentlich ja schon vor einer halben Stunde den Planeten erreicht haben«, erklärte ihr Freund und Liebhaber. Beide machten einen ratlosen Eindruck und warteten eine weitere halbe Stunde. Ygor wurde immer ungeduldiger. »Können wir nicht was besseres machen?« meinte er mit einem verschmitzten Lächeln, doch Zantra begann sich Sorgen zu machen, wo ihre Mutter und ihr Stiefvater blieben. Da trat ein Mann vom Raumhafenpersonal an sie heran. »Entschuldige, bist du Zantra Solynger?« fragte er vorsichtig. Er trug auf einem Antigrav zwei kleine Körbe, die mit einer Schleife versehen waren. »Ja, warum?« »Ich habe hier ein Präsent von sie. Mit den besten Grüßen von der HAPAG«, erzählte er Sverige und überreichte die Körbe. Anschließend hielt er die Hand auf. Unwillig drückte ihm Ygor Szulykatz ein paar Galax in die Hand. Zantra beugte stellte die schweren Körbe auf den Boden und blickte verdutzt zu ihrem Freund. »Nun öffne schon die Körbe«, forderte er sie auf. Sie beugte sich vor den ersten Korb und zog an der lieblos angemachten roten Schleife. Dann hob sie den Decke. Sie konnte nicht genau erkennen, was drin war. Langsam streckte Zantra ihre Hand hinein und fühlte etwas weiches, seidiges. Es fühlte sich wie Haare an. Sie packte den Schopf und hob den Inhalt langsam hoch. Als sie erkannte, was sie in der Hand hielt, weiteten sich ihre Augen. Solynger begann zu zittern und schrie laut auf. Entsetzt ließ sie den Kopf ihrer Mutter fallen und sank weinend auf den Boden. Die Polizei öffnete den zweiten Korb, in dem sich der Kopf von Michael Ruhter befand. Zantra stand noch unter Schock. Ygor Szulykatz tröstete sie nur wenig. Er brachte sie wieder zum Camelot-Büro, wo sie bereits von Ulman Tamm in die Arme genommen wurde. Er kondolierte ihr und versuchte die Cameloterin etwas aufzubauen, jedoch vergebens. Sie legte sich etwas hin, um sich zu erholen. »Die Polizei kann sich auch keinen Reim darauf bilden. Angeblich kam ein militaristisch wirkender Mann zu dem Raumhafenpersonal und gab die beiden Körbe ab. Das einzig merkwürdige an diesem Mann war, daß er die Mitarbeiter siezte«, erklärte Tamm den anderen, die noch still in ihren Sesseln saßen. Das Camelot-Büro auf Sverigor beherbergte insgesamt 20 Lebewesen. »Hat Zantra irgendwelche Feinde?« wollte Harold Shak wissen, der für die Sicherheit in dem Büro verantwortlich war. Tamm schüttelte den Kopf. »Was sagt die Polizei Sverigors dazu? Wir wollten bis jetzt noch vermeiden uns öffentlich bekannt zu geben«, sprach der Blue Pytüü. »Wie gesagt, sie wissen es nicht und meinen, es könnte die Tat eines Irren sein. Im Moment sucht die Raumhafenwache die HAPAG.« Tamm ging unruhig durch den Raum umher. Ihm war die ganze Sache nicht sonderlich geheuer. »Themawechsel! Was wird eigentlich aus der versprochenen Schutzflotte?« wandte Shak ein. Tamm nickte mit dem Kopf und machte eine ratlose Geste. »Adams muß deshalb mit den Regierungen sprechen. Angeblich sei aber bereits in den nächsten Tagen die TAKVORIAN für ein paar Tage auf Sverigor. Wir müssen nur etwas Geduld haben.« Shak lachte sarkastisch und schlug in die Hände. Dann fuhr er sich durch sein wildes blondes Haar. »Solange die Typen der MORDRED die gleiche Geduld haben, kein Problem!« Zantra Solynger hatte es endlich geschafft, einzuschlafen. Sie brauchte dafür etliche Beruhigungsmittel. Der Tag neigte sich langsam dem Ende. Die Sonne auf Sverigor, die sowieso nicht lange zu dieser Jahreszeit schien, ging unter. Ein rötliches Licht fiel durch das Fenster in das Schlafzimmer herein. Sie drehte sich unruhig umher und stöhnte leise. Plötzlich schreckte sie hoch und riß die Augen auf. Sie brauchte eine Weile, um sich zu beruhigen, dann legte sie sich wieder hin. Tränen flossen ihr vom Gesicht. »Es ist lange her, als wir uns das letzte Mal begegneten«, hörte sie eine dunkle, metallisch wirkende Stimme. Sofort setzte sie sich auf und erblickte auch den 2 Meter großen Humanoiden, der langsam auf ihr Bett zuschritt. »Versuche nicht um Hilfe zu schreien, ich werde dir nichts tun, Zantra Solynger.« »Wer bist du?« »Erkennst du mich nicht?« »Nein!« Zantra hatte große Angst vor dem Fremden, der durch seine Rüstung unheimlich wirkte. »Vor acht Jahren sah ich anders aus. Nun siehst du was aus mir geworden ist, dank deiner und Rhodans fahrlässigem Handeln!« Jetzt erkannte sie ihren Gegenüber. Sie konnte es nicht glauben. Die Gerüchte waren doch war. Er lebte noch! »Cauthon... !« flüsterte sie. Ihre Stimme vibrierte. »Was willst du von mir?« Despair stand nun direkt vor ihrem Bett und blickte auf Zantra hinab. Er beugte sich herab und berührte mit seiner Hand ihre Wange. Zantra zuckte zusammen. Als er dies bemerkte, nahm er wieder die Hand von ihrem Gesicht. Despair blickte in ihre angsterfüllten Augen. Er esperte, was sie jetzt fühlte. »Du fürchtest dich«, sagte er mit seiner dunklen und ruhigen Stimme. Zantra sah ihn weiter verängstigt an und erwiderte nichts auf seine Feststellung. »Einst fürchtete ich mich auch, nun ist die Angst mein Verbündeter. Die Angst schwächt alle Lebensformen, seien es die Starken, die sogenannten Furchtlosen, die Korrupten, die Mörder, die Helden, die Unschuldigen oder die Schwachen. Angst zwingt sie zu Fehlern, die ich ausnutze. Daher ist die Angst einer meiner wichtigsten Verbündeten.« »Geh weg!« schrie Zantra laut. Die Augen der schönen Cameloterin wurden wäßrig. Ja, sie hatte Angst! Sie fürchtete um ihr Leben. »Ich bin hierhergekommen, um dieses Camelot-Büro zu zerstören«, erklärte Despair, ohne auf Zantras letzte Aussage einzugehen. »Wir haben dir doch nichts getan, laß uns in Frieden!« wehrte sich Zantra und rutschte zur anderen Seite des Bettes. Sie stand auf und suchte in der Schublade nach etwas. Bevor sie jedoch den Thermostrahler auf Despair richten konnte, stand der Hüne bereits vor ihr und packte sie unsanft am Arm. Sofort ließ sie den Strahler zu Boden fallen. »Ihr steht der galaktischen Ordnung im Weg. Deshalb wird Camelot ausgelöscht werden!« erklärte Cauthon Despair. In seinen Worten lag Haß und Verachtung, doch sprach er sie in dem gewohnten ruhigen Tonfall aus. »Warum tust du das? Du bist ein Monster!« Diese Worte trafen Despair innerlich, doch er ließ sich nichts anmerken. Er wußte, daß es niemals ein Happy End zwischen ihnen beiden geben würde. »Es ist mein Schicksal. Einst war ich anders, doch du und Rhodan haben mein Leben zerstört...« Zantra sah ihn verständnislos an. »Du warst doch derjenige, der meinen Gleiter zu Schrott fuhr und mich verletzte!« wehrte sich Solynger ihrem Gegenüber. »Eine Banalität im Vergleich zu dem, was mit mir passierte. Dafür wirst auch du den Preis zahlen, Zantra Solynger!« Sie sackte auf den Boden und begann zu weinen. Despair spürte keinerlei Mitglied für sie. In seinen Augen hatte sie keines verdient. »So jemanden wie dich liebte ich einmal...« flüsterte sie mit zittriger Stimme. Der silberne Ritter wirkte nun leicht irritiert. Er half Zantra wieder hoch, die ihn jedoch versuchte wegzustoßen. »Für mich hatte nie jemand Gefühle gezeigt, auch du nicht!« »Wenn du das glaubst, bitte!« Despair nahm ein paar Schritte Abstand von ihr. Sie hatte ihn geliebt! All die Jahre war er fest davon überzeugt, daß er nur ein Zeitvertreib für Solynger gewesen war. »Wenn du mich... liebtest... warum hast du mir dann nie verziehen?« wollte er von ihr wissen. »Warum hast du nicht die Courage gehabt, dich richtig zu entschuldigen?« antwortete sie mit einer Gegenfrage. Despair schwieg. »Nun töte mich endlich schon, wenn es deine perversen Gedanken befriedigt oder willst du vielleicht erst noch das von mir holen, was ich dir damals verwehrte?« provozierte sie ihn, doch Cauthon Despair erwiderte nichts mehr. Er wußte nicht, was er mit ihr machen sollte. Zantra hingegen ging nun mutig auf Despair zu. »Rhodan sagte mir, du wärest gestorben. Was ist damals passiert und warum trägst du diese Rüstung, bist du nicht Mann genug, um dich mir zu zeigen?« Zantra wußte nicht, wie sehr sie damit Despair provozierte. Sie hatte keine Ahnung von dem Sturz. Ihre Hände berührten seinen Brustpanzer und glitten langsam über seinen Körper. »Ich will dich spüren«, hauchte sie leise. Ihre Hände glitten über sein Gesicht und sie fand eine Öffnung des Helms. Langsam löste sie die Befestigungen. Cauthon wehrte sich nicht. Er war in diesem Moment ratlos. Da plötzlich trat Ygor Szulykatz in den Raum herein. Sofort ließ Zantra Despair los, der die Öffnungen wieder verschloß. »Was soll das denn? Wer ist das, häh?« fragte Ygor unfreundlich. Er ging auf Zantra zu und packte sie an ihren Schultern. »Das ist...« »Ein Einbrecher, oder was!« beantwortete Ygor die Frage selbst. Sofort zückte er seinen Thermostrahler und hielt ihn auf Cauthon Despair. »Keine Bewegung, sonst knalle ich dich über den Haufen!« Er wandte sich seiner Geliebten zu und vergewisserte sich nach ihrer Verfassung. »Wahrscheinlich wolltest du sie vergewaltigen, oder was? Falsch gedacht! Nur ich darf sie berühren!« Despair esperte in den Gefühlen von Ygor Szulykatz. Der Sverigor strotzte nur so vor Arroganz und Selbstüberschätzung. Seine Gefühle für Zantra waren unaufrichtig. Er begehrte sie, liebte sie aber nicht. Für ihn war sie nur eine von vielen, wie es denn Anschein hatte. Despair brachte dies zum Brodeln. Jemand, der das Glück hatte mit Zantra zu leben, wußte es nicht einmal zu würdigen. dachte Cauthon voller Abscheu gegenüber Ygor Szulykatz. Dieser Mann verdient den Tod! »Sie langweilen mich, Sverige«, sagte Despair langsam und überheblich. »Was? Du Dreckskerl meinst, ich langweile dich? Willst du Schläge, oder was? Häh? Willst du, daß ich dir ein Loch unten reinschieße, oder was?« Genervt hob Despair seine Hand und begann den Sverigen zu beeinflussen. Sofort ließ er die Waffe fallen und ging zum Fenster. »Sie sind nichts weiter, als ein dreckiger kleiner Bauer, Ygor Szulykatz. Sie sind so dreckig, daß die Maden bereits an ihnen hochkrabbeln und sie annagen«, suggerierte Despair ihn ein. Der kleine Geist Szulykatzs war für die Suggestion Despairs natürlich empfänglich. Sofort sah er Sverige Tausende von Maden an sich hochklettern, die sich langsam in sein Fleisch bohrten. Laut schrie er auf und packte Zantra wieder an ihren Schultern. »Hilf mir... hilf mir!« brüllte er voller Angst. Zantra konnte nicht verstehen, was vor sich ging. Sie wußte nichts von Despairs mutantischen Fähigkeiten. »Dort draußen, Sverige, ist ein Swimmingpool, der dich rettet!« sprach der zweite MORDRED Anführer zu Ygor. Schreiend und zuckend torkelte Zantras Freund und Geliebter auf das Fenster zu, das sich automatisch öffnete. »Nein!« schrie Zantra und versuchte Ygor festzuhalten, doch es war zu spät. Der Sverige sprang aus dem Stockwerk. Sein Körper krachte auf den harten Asphalt auf. Weinend sah Zantra ihren Freund knapp 30 Meter tiefer sterben. »Ich gebe dir ein Ultimatum von einer Stunde. Sei bis dahin verschwunden, oder dein Schicksal ist besiegelt«, meinte Cauthon Despair warnend und verließ ihr Zimmer. Zantra Solynger blickte ihm traurig hinterher. Die Geburtstagsfeier von Susi lief auf vollen Touren. Seit etlichen Stunden spielten die Kinder im großen Garten der Walthers herum. Normalerweise hätten sie bereits lange schlafen gehen müssen, doch diesmal machten alle Eltern eine Ausnahme. Susi spielte mit einigen anderen Verstecken. Sie rannte durch den Garten und fand hinter einem großen Blumentopf Unterschlupf. »Achtung, ich komme«, rief ein dicker Junge, der mit dem Suchen dran war. Er fand alle, bis auf Susi, die somit die Gewinnerin des Spiels war. Anschließend gab es noch etwas Kuchen und Gebäck, bevor es langsam Zeit war, den wunderschönen Geburtstag ausklingen zu lassen. »Daddy!« rief Susi und eilte auf ihren Vater zu. »Ich danke dir für diesen Geburtstag, den werde ich nie nie nie vergessen!« Die Kleine kuschelte sich an ihren Vater und drückte ihn fest. Janny Walther nahm sofort einen Fotoapparat und knipste ein Bild. Cathy und Inke hingegen machten sich für die große Party in der Disco bereit. Despairs Shuttle erreichte die VERDUN. Wütend stieg er aus dem Raumschiff aus und schritt wieder zur Kommandozentrale. »Admiral Kolley, bereiten Sie den Ansturm auf das Camelot-Büro vor. Wir greifen in 40 Minuten an!« kommandierte er. »Ja, Sir! Nummer Eins wünscht Sie zu sprechen.« Sofort stoppte der silberne Ritter und blickte seinen stellvertretenden Kommandanten an. Despair ahnte, was Nummer Eins von ihm wollte. Er ordnete an, einer Verbindung in seinen Raum zu legen. Das Hologramm stand bereits, als Despair den Raum betrat. »Was wünscht Ihr, mein Meister?« »Despair, Ihr habt Euch mit Zantra Solynger getroffen, obwohl ich ausdrücklich zu verstehen gab, daß ich dies nicht dulde.« »Ja, mein Meister! Ich mußte sie wiedersehen.« »Sie ist eine Gefahr für Euch. Sie muß endlich sterben!« Despair zögerte einen Moment. Er hatte gehofft, daß er niemals in diesen Konflikt kommen würde. »Wir könnten sie vielleicht als Verbündete gewinnen?« »Sie ist ohne Wert von uns. Despair, ich erwarte von Euch, daß Ihr sie vernichtet!« »Sie stellt keinerlei Gefahr für uns dar, mein Meister. Wir könnten sie auch laufen lassen. Es würde unseren Sieg über Camelot nicht verhindern...« Nummer Eins wurde wütend. »Jeder Cameloter ist eine Gefahr für die permanente Ordnung in der Galaxis«, erklärte der Anführer der Terrormacht MORDRED. »Es wird Zeit, daß die MORDRED ihre gesamte Macht ausspielt. Unsere Verbündeten wollen einen Waffentest sehen. Sverigor ist dafür bestens geeignet.« Despair wußte, was das bedeutete. Es gab keine Rettung mehr für Zantra, wie auch für all die anderen. »Camelot ist eine Gefahr, wie auch Zantra Solynger. Vergeßt nicht, was sie Euch angetan hat. Löscht sie aus, alle!« »Wie Ihr wünscht.« Das Hologramm wurde beendet. Langsam und gebrochen stand Despair auf. Er wußte, es gab keine Alternative mehr. Dennoch wollte er ihr die letzten 30 Minuten Frist geben, dann würde die Hölle losbrechen. Despair schritt auf Admiral Kolley zu, der gerade dabei war, einen Offizier, dessen Uniform nicht gebügelt war, zusammenzustauchen. »Admiral, wir haben neue Befehle. Formatieren Sie die Flotte und bereiten Sie die Sternfusionsbomben der Verbündeten vor!« »Sir?« Kolley war sich nicht sicher, ob er den Befehl korrekt verstanden hatte. »Sie haben richtig verstanden. Wir testen die Waffen an Sverigor. Bereiten Sie alles vor und warten auf mein Kommando. Ich begebe mich noch einmal auf diese Welt.« »Ja, Sir!« Despair lief zu seinem Shuttle und flog nach New Stockholm. Er wollte sich ein Bild von den Menschen machen, die es bald nicht mehr geben sollte...
Sein Shuttle landete auf einem kleinen Raumhafen nahe einer Kette von Nachtclubs. Er stieg aus und verließ das Parkdeck. Dabei traf er keine Wesen. So war es ihm am Liebsten. Despair wollte meistens allein sein, damit ihn niemand verletzte. Zwei jugendliche Mädchen standen auf der Straße und schienen sich zu langweilen. Sie liefen hin und her und überquerten provozierend langsam die Straße. Einige Gleiter waren gezwungen langsamer zu fahren oder gar anzuhalten. Als Despair an dem ersten blonden Mädchen vorbei wollte, stellte sie sich direkt vor ihn. Er stoppte und musterte sie. »Was willst du?« Sie antwortete nicht und blickte ihn gemein an. »Du glaubst, du bist jetzt stark in dieser Position? Du bist ein erbärmliches Wesen, laß mich durch!« Er beeinflußte die Sverigin, die sofort zur Seite wich. Despair schritt an dem zweiten Teenie vorbei, die es nicht wagte, sich ihm in den Weg zu stellen. Wieder einmal zeigten diese Wesen, wie verkommen die Galaxis war. Für die Gesellschaft zählte es nicht mehr, miteinander zu leben. Jeder wollte seinen eigenen Spaß. Wenn sie dabei Gleichgesinnte trafen, sehr gut, doch Außenseiter wurden verletzt und schlecht behandelt. So wie einst er auch. Das war der Grund warum er so wurde... Cathy und Inke tanzten fröhlich dem Rhythmus der Musik in der Disco Shuby. Ric war an den Geräten und hüpfte im Sound der elektronischen Klänge hin und her. Die Musik hörte sich an wie eine defekte Kettensäge, die immer wieder angelassen wurde. Die Jugendlichen fanden den Sound hervorragend und tanzten, bis sie nicht mehr konnten. Cathy machte eine kurze Pause und vergnügte sich mit ihrem Freund Ian. Auch Ric wechselte mit jemanden anderen und ging zu Inke. »Hey, wie fandest du mich?« »Cool!« Beide unterhielten sich eine Weile. Ric erzählte meist von sich. Er legte auf dem Parkett eine Tanzeinlage ein, die von allen mit Jubel begleitet wurde. Er bewegte sich eigentlich ziemlich unrhythmisch, doch das war gerade das besondere an dem Tanz. Inke war jedenfalls von den Künsten des DJs hingerissen. Es dauerte auch nicht lange, da küßten sich beide innig und zogen sich auf eine Couch zurück. Cathy und ihr Freund Ian kuschelten sich beim Tanzen aneinander. »Wann sagst du endlich deinen Eltern von uns?« wollte Ian wissen, der sich gerade heute drei neue Nasenringe einpiercen ließ. Auch seine restliche Erscheinung war eher furchteinflößend als anziehend. Die Haare waren kurzrasiert und etliche Piercings pflasterten seinen gedrungenen Körper. Dennoch fand ihn Cathy unwiderstehlich. »Noch nicht! Du weißt doch, daß mein Daddy etwas konservativ ist. Er würde dein Outfit nicht sonderlich mögen...« Ian verstand dies nicht, aber es war ihm auch relativ egal. »Hauptsache wir haben nachher unseren Spaß!« sagte er und tanzte mit ihr weiter. Ein anderer Gast der Disco Shuby wirkte ebenfalls furchteinflößend. Es war Cauthon Despair. Er wollte sich einen Eindruck über das Leben der Sverigen machen, vor dem Waffentest. Die Sverigen galten als ein sehr freizügiges, und feierfreudiges Volk. Despairs Eindruck wurde bestätigt. Die Menschen strahlten Heiterkeit, Zufriedenheit und Freundlichkeit aus. Die Touristen, waren es Blues, Topsider, Terraner, Akonen oder Unither, wurden warmherzig willkommen und zuvorkommend behandelt. Dennoch waren die Menschen in seinen Augen dumm, denn für sie zählte nur der Spaß und die Freude. Einige üppig proportionierte Frauen tanzten auf einem Podium zur Belustigung der Gäste. Wie Schweine, die ihre nächste Ration erwarten, geifern sie auf die Entblößung ihrer Brüste, dachte Despair voller Abscheu. Verschwitzt und völlig erledigt tanzten viele auf der Fläche nach der – in Despairs Ohren – gräßlichen Musik. Wäre vieles anders gelaufen, hätte er vielleicht auch nach so einer Musik getanzt, ohne es für abartig zu halten. Er näherte sich einem der Tresen. Ein großes und ansprechendes Barmädchen mit kurzen brünetten Haaren und einem Traumkörper lächelte den Maskierten an. »Hi, was darf es sein?« »Nichts...« »Woher kommst du, Raumfahrer?« Sie versuchte unbedingt mit ihm Konversation aufzunehmen. Warum? Warum waren diese Menschen so freundlich? Kein Wunder, daß Sverigor als Traumwelt galt und Zantra es hierher gezogen hatte. »Von weit her«, antwortete ihr Cauthon Despair. »Wie ist dein Name?« Ihm wurde das Gespräch immer unangenehmer, doch irgendwie interessierte ihn der Verlauf auch. »Cauthon Despair«, gab er als wahrheitsgemäße Antwort. »Ich bin Bridd.« Er schwieg und blickte auf das Chronometer. Noch 20 Minuten bis zum Test der Waffen. Er sah auf all die Menschen, die sich hier amüsierten. Es war nur ein Bruchteil der knapp 2 Milliarden Lebensformen auf dieser Welt. Bridd schwang ihrer Hüften zu der terranischen Musik hin und her. Despair erregte das wenig. Wieder sah er auf das Chronometer. Noch 19 Minuten... Zantra hatte bis jetzt vergeblich versucht ihren Vorgesetzten Ulman Tamm von ihrem Gespräch mit Cauthon Despair zu überzeugen. Zudem stand sie völlig unter Schock. »Wenn Despair hier war, warum haben unsere Abtaster kein Alarm gegeben, als er im Büro war?« wollte Shak wissen. »Ich weiß es nicht, aber wie erklärst du dir den Tod von Ygor?« schluchzte sie laut. Tamm nahm sie in den Arm und tröstete. »Du hast viel durchgemacht. Wir werden das prüfen und in Alarmbereitschaft bleiben.« Zantra löste sich aus der Umarmung. »Dann ist es vielleicht zu spät. Wir müssen hier sofort weg! Ich mache die Space-Jet startklar, okay?« »Nein, du bleibst hier«, befahl Tamm. Sie schlug ihm ins Gesicht und rannte aus dem Raum. Shak lief ihr hinterher. An der Space-Jet angekommen, lehnte sie sich erschöpft gegen die Landestützen. »Es war ein furchtbarer Tag für dich«, redete Shak auf sie ein. »Der Tod deiner Mutter, deines Stiefvaters und von Ygor. Es gibt kaum etwas schlimmeres. Aber du mußt dich zusammenreißen!« »Warum glaubt ihr mir nicht? Ihr wißt doch, daß Cauthon Despair den Auftrag hat, alle Camelot-Büros zu zerstören. Warum ist es dann so unwahrscheinlich, daß er hier auftaucht?« Harold Shak ging auf die Cameloterin vorsichtig zu und versuchte sie zu beruhigen. Er berührte sie leicht mit seiner Hand. »Alles wird gut«, sagte er leise. »Du Blödmann, ihr haltet mich alle für schwachsinnig, aber Cauthon Despair ist auf Sverigor und will es zerstören!« Shak wäre beinahe gewillt ihr zu glauben, doch sein Vertrauen in die Abtaster und die Technik Camelots war größer als sein Wille, einer Frau zu glauben, die schwere Schicksalsschläge an diesem Tage erlebt hatte. Er zückte eine Spritze mit einem Beruhigungsmittel, doch Zantra reagierte blitzschnell und packte sein Handgelenk. Dies geschah so plötzlich, daß sie es herumdrehte und er sich die Injektion selbst einspritzte. Mit entsetzten Augen sank er zu Boden und schlief ein. Susi, jetzt wird es aber Zeit fürs Bett«, ermahnte sie ihre Mutter mit einem leichten Lächeln. Die Kleine war auch bereits müde und holte sich Worzy zu sich. Schnell schloß sie die Augen und schlief ein. Es war ein anstrengender Tag für das Mädchen gewesen. Janny und Eron Walther setzten sich ins Wohnzimmer vor die Couch und sahen noch etwas Trividvideo. Es lief eine Show mit dem galaktisch bekannten Moderator Tomas Goddschnalk mit dem Titel »Wetten Nicht?«, die live aus der Marshall Halle in Terrania City übertragen wurde. Beide amüsierten sich sehr über die Sendung. »Was jetzt wohl Cathy und Inke machen? Ich hoffe, dieser Ric oder wie der heißt, ist ein anständiger Kerl«, brummelte Eron. »Aber sicher doch«, meinte seine Frau. Komm mit, drüben ist eine kleine Scheune«, flüsterte Ric Inke ins Ohr. Sie war etwas überrascht. »Aber...« »Was ist denn? Hast du denn keine Lust?« »Doch, aber es ist mein...« Er legte seinen Finger auf ihre Lippen und lächelte. »Keine Sorge, ich bin vorsichtig.« Leidenschaftlich küßten sich beide und standen auf. Inke gab Cathy ein Zeichen, wo sie hingingen. Mit einem breiten Grinsen winkte ihre ältere Schwester ihr zu. Despair stand immer noch am Tresen und beobachtete die Menschen. Sie waren unwissend. Wer von ihnen machte sich über die Beantwortung der Dritten Ultimaten Frage Gedanken? Wer wußte schon, daß der Moralische Kode keine Darmkrankheit war, sondern das Gefüge des Universums bildete? Wer konnte alle Zellaktivatorträger aufzählen? Wer machte sich Gedanken um den Kosmos? Niemand! Despair verachtete sie deshalb. Die Menschheit war auf einem guten Weg, doch die Degeneration der Unsterblichen und aller Lebewesen in der Milchstraße hatte sie weit zurückgeworfen. Nummer Eins jedoch konnte sie wieder auf den richtigen Weg bringen. Dafür mußten Opfer gebracht werden. Despair mußte seinem Meister gehorchen. Nur so konnte das Endziel erreicht werden. Niemand hier würde verstehen, was in knapp 10 Minuten passieren würde. Niemand in der Galaxis würde es tolerieren, doch es mußte passieren. Nummer Eins hatte es so bestimmt. Er wußte, daß es wichtig für den gesamten Plan war. Wieder blickte er auf das Chronometer. Es war Zeit! Despair blickte zu Bridd herüber. Ein nettes Mädchen... Sehr bedauerlich... dachte er »Leb wohl!« verabschiedete er sich von ihr. Etwas verdutzt und traurig sah sie ihm hinterher. Der silberne Ritter eilte zu seinem Shuttle und startete unverzüglich. Das Schiff brauchte vielleicht 5 Minuten, um die VERDUN, die sich langsam dem Orbit von Sverigor näherte, zu erreichen. Despair lief auf die Kommandostation, wo die Vorbereitungen für den Waffentest abgeschlossen waren. »Admiral, berichten Sie!« »Sir, alles ist vorbereitet. Wir warten auf Ihre Instruktionen. Wenn ich mir jedoch erlauben dürfte anzumerken, daß auf der Welt Sverigor über 2 Milliarden Lebensformen existieren. Vielleicht sollten wir auf einem anderen Planeten die Effektivität unserer Waffen testen?« »Die Befehle von Nummer Eins sind unmißverständlich. Ich teile seine Ansichten. Stören Sie den Hyperfunk der Sverigen. Die Schiffe sollen sich aufteilen und sieben gleich große Territorien anfliegen.« Im Camelot-Büro herrschte große Aufregung, als man den bewußtlosen Harold Shak fand. Tamm wollte nach Zantra suchen lassen, doch sie war mit einer Space-Jet verschwunden. Langsam glaubte der Leiter der Camelotniederlassung daran, daß Solynger wahnsinnig geworden war. Shak wachte wieder auf und berichtete, daß sie seinen Trick mit der Injektion durchschaut hatte. »Wir fragen auf Camelot nach, was wir machen sollen«, entschied Tamm und ging zur Hyperfunkanlage. Jedoch erschien kein Hologramm, auch keine Funkverbindung. Das einzige, was die Cameloter hörten, war ein Rauschen. »Warum können wir sie nicht anfunken? Ist die Anlage defekt?« wollte er wissen. Sofort machte sich Shak daran das Gerät zu untersuchen, doch er fand keinen Fehler. »Es scheint, als würde jemand eine Funkblockade über uns legen...« überlegte Harold Shak ruhig. Tamm wurde jedoch immer unruhiger. »Was ist, wenn sie recht hatte? Eine Funkstörung von außerhalb könnte eines bedeuten; Die MORDRED... !«
Frank Rademann legte sich auf die Lauer. Diesmal wollte er Siegfried Wiek schlagen. Begehrtes Ziel war ein sverigescher Rotbär, der bis zu 5 Meter groß werden konnte. Das durchaus gefährliche Tier begab sich ausschließlich nachts auf die Jagd. Rademann hatte bereits einige Köder und Fallen ausgelegt. Überall waren zudem Bewegungsmelder angebracht. Doch auch Wiek pirschte sich mit seinem deutschen Schäferhund Hagen von Tronje an das Territorium des Rotbären heran. »Komm, Hagen von Tronje, unser ist der Fang«, flüsterte er seinem Hund zu und lud das Gewehr. Rademann hatte Wiek bereits entdeckt. »Verdammt!« fluchte er laut, da tauchte plötzlich der Rotbär imposant auf. Sofort hielt Rademann mit der Waffe auf ihn. Der Rotbär grummelte laut und stürzte sich auf ein Reh. Das Tier hatte keine Chance und wurde von den Pranken des Ungetüms sofort getötet. »Gleich habe ich dich«, sagten Wiek und Rademann gleichzeitig, wo sie doch an verschiedenen Positionen saßen. Die High-Tech Waffe fuhr das Visier aus und Rademann preßte sein linkes Augen daran. Der Finger lag ruhig am Abzug. Er wollte nur noch auf den richtigen Moment warten. Es war soweit! Er drückte ab und ein Blitz schoß durch das Dickicht. Der Rotbär jaulte auf und brach zusammen. »Ja!« schrie der Galaxiskassenangestellte voller Freude auf und hopste hin und her. Er rannte zu dem erlegten Tier, doch er erblickte bereits Siegfried Wiek mit seinem deutschen Schäferhund Hagen von Tronje bei seiner Trophäe. Wiek grinste breit. »Ich war wieder schneller, Frank!« jubilierte er. »Nein! Das ist nicht war. Ich habe geschossen und getroffen!« Wiek stocherte mit seinem antiken Gewehr im Fell des Bären herum und fand zwei Einschußlöcher. Beide hatten getroffen. Das kann doch nicht wahr sein, dachte Rademann gefrustet. Nun hatte er den langersehnten Rotbären erlegt und doch kam ihm wieder Siegfried Wiek dazwischen. Enttäuscht setzte er sich auf einen Baumstumpf und resignierte. Er sah zu dem Deutsch-Terraner hoch, der stolz ein Foto von dem Rotbären machte. Wir sind allein hier. Niemand könnte mir etwas nachweisen... Rademann sah zu seiner Waffe. Er brauchte einfach nur abzudrücken und der Bär war sein. Langsam hob er die Waffe und entsicherte sie wieder. »Weißt du was? Wir teilen uns den Fang. Einer kriegt den Kopf, der andere das Fell. Was meinst du?« schlug Wiek vor. Rademann war erstaunt über dieses Angebot, doch er wollte den Rotbären alleine haben. Den Kopf wollte er über sein Kamin hängen und das Fell als Teppich in sein Schlafzimmer. Er legte an und zielte auf Wiek. »Was soll das?« »Der Bär gehört mir allein!« Plötzlich begann der Boden zu erzittern. Die Tiere liefen panisch durch den Wald. Die beiden Jäger rannten so schnell sie konnten aus dem Wald heraus. Ein gewaltiger Schatten überdeckte sie. Der Kugelraumer schwebte majestätisch über den Wald hinweg. Er überdeckte nicht nur den Wald, sondern auch etliche Felder. »Beim alten Fritz, so ein großes Schiff gibt es doch nicht mehr!« murmelte Wiek in seinen Bart. Rademann stand entsetzt vor dem kilometerdurchmessenden Raumschiff. »Was machen wir jetzt?« wollte er wissen, doch auch der Euroterraner konnte ihm keine Antwort geben. Beide sahen dem Spektakel stumm und hilflos zu. Sir, wir passieren den Wald vor New Stockholm. Die sverigische Raumwacht fragt, was wir vorhaben.« »Antworten Sie ihnen nicht. Bereiten Sie die Sternfusionsbomben vor. Feuer auf mein Kommando.« Kolley atmete tief durch und salutierte vor Despair. Eilenden Schrittes ging er zu der Interkomanlage und gab den Befehl an den Geschützstand weiter. Was in Cauthon Despair vorging, konnte keines der Besatzungsmitglieder der VERDUN wissen. Der Konflikt, der in dem dunklen Ritter stattfand, war nur ihm selbst nicht verborgen geblieben. Dort unten auf dem Planeten lebten 2 Milliarden Wesen. Kinder, Liebespärchen, glückliche Familien, deren Leben in weniger als einer Stunde ausgelöscht sein würde. Hatte er das Recht über diese Lebewesen zu urteilen? Er senkte den Kopf. War er denn glücklich? Konnte er es jemals sein? Nein! Sein Leben war dazu bestimmt dunklen Kräften zu dienen. Einst hatte er an die Worte seines Meisters geglaubt, daß die MORDRED Frieden und Gerechtigkeit über die Galaxis bringen würde, doch längst war ihm klar, daß er einen Pakt mit dem Teufel geschlossen hatte. Morgen schon würde er selbst ein Teufel sein. Was wäre, wenn er einfach den Befehl gäbe, das Manöver abzubrechen? Nummer Eins würde ihn zur Rechenschaft ziehen. Er hätte dann versagt! Das wollte Despair nicht! All die Jahre hatten ihn die Menschen und Kreaturen der Galaxis schlecht behandelt. Sie kümmerten sich nicht um seine Gefühle. Warum sollte er es nun auf einmal umgekehrt tun? Sie verdienten den Tod! Sie waren alle dumm und einfältig. Während er stets bestrebt war die kosmischen Geheimnisse zu ergründen, wollten diese Wesen nichts davon wissen. Für sie gab es wichtigeres. Viele waren freundlich, viele waren naiv und viele glaubten stark und gemein zu sein. Er erinnerte sich an das Mädchen, welches sich ihm in den Weg stellte. Ich werde euch zeigen, wie gemein man sein kann, dachte er voller Haß. Die Galaxis sollte sein Leid teilen mit der Vernichtung Sverigors. Es gab keinen anderen Weg: Sverigor mußte zerstört werden. Die VERDUN hatte New Stockholm erreicht. Auch die anderen Schiffe des Verbandes flogen direkt über den wichtigsten Städten. Einige Abfangjäger erreichten die VERDUN, da sie immer noch nicht antwortete. Despair ging zum großen Panoramafenster und blickte auf die lebendige Stadt. Er fühlte die Wesen dort unten. Noch fühlte er sie. Bald war es vorbei. Es bereitete ihm Schmerzen, ihr Glück und ihre Freude zu spüren, während sein Leben von tiefem Leid geprägt war. Die unglücklichen Gefühle von Sverigen trösteten ihn auch nicht. Der Schmerz mußte beendet werden. »Admiral, Feuer!« Tamm und Shak hatten versucht, die Regierung zu warnen, doch niemand hörte auf sie. Nun war es zu spät. Ulman Tamm machte sich große Vorwürfe. Er hätte auf Zantra Solynger hören müssen. Nun rannten beide zu ihrem Gleiter und brausten los. So schnell wie möglich mußten sie eine Space-Jet erreichen. Shak trat kräftig aufs Gas. So bemerkte er auch nicht das blonde Mädchen, welches sich provozierend vor den Gleiter stellte. Sie wußte, daß er bremsen mußte, ihr konnte nichts passieren, dachte sie. Doch Shak war zu aufgeregt. Er sah sie zu spät und fuhr sie um. »Oh nein! Das wollte ich nicht... Wir müssen zurück und ihr helfen!« »Dafür ist es jetzt sowieso zu spät«, sprach Tamm resignierend. Beide sahen den grellen Blitz und erlebten die Detonation mit. Die gewaltige Welle aus Feuer raste auf New Stockholm zu und besiegelte ihr Schicksal. Die Sirenen holten Susi aus dem Schlaf. Sie suchte instinktiv nach ihrem Worzy. Müde ging sie langsam zu ihren Eltern. »Daddy, Mama, was ist los?« fragte sie besorgt. Ihre Mutter nahm Susi kurz in den Arm und drückte sie. »Wir haben keine Ahnung. Wahrscheinlich irgendwo ein Brand in der Stadt.« Eron Walther war weniger von einem Brand überzeugt. Er ging auf den Balkon und sah das gewaltige Raumschiff über der Hauptstadt Sverigors. Er wich etwas zurück, obwohl er genau wußte, daß dies nichts brachte. »Was ist das?« wollte Susi wissen. »Keine Ahnung, aber das Ding ist sicher für den Alarm verantwortlich. Komm, geh wieder zurück in dein Zimmer.« Eron gab seiner Frau einen Wink und sie brachte die Kleine wieder zurück in das Kinderzimmer. Janny lief schnell wieder zurück zum Balkon und ergriff die Hand von Eron. Beide wurden Zeugen eines kurzen Kampfes von sverigischen Abfangjägern und dem riesigen Kugelraumer. Die Abfangjäger hatten keine Chance. »Warum machen die nichts?« »Ich weiß es nicht. Vielleicht sollten wir einen Luftschutzbunker aufsuchen?« antwortete ihr Mann und stellte eine neue Frage in den Raum. Doch es war dafür zu spät. Das Aufblitzen der Rakete ließ den beiden Sverigen einen Schauer über den Rücken laufen. Am besten, wir verschwinden so schnell wie möglich von diesem Planeten«, schlug Rademann vor. Diesmal waren sich die beiden Rivalen einig. Schnell hasteten sie zu ihren Gleitern. »Komm schon, Hagen von Tronje!« rief Wiek seinem Hund hinterher, der bei dem Rotbären unruhig hin und her lief und bellte. »Der Rotbär!« sagten beide gleichzeitig. »Den können wir nicht einfach hier lassen!« meinte Rademann und rannte wieder zurück. Wiek blieb stehen und blickte besorgt zu dem Kugelraumer, der bereits über New Stockholm war. Rademann mühte sich sichtlich mit dem Rotbären ab. Nun entschied sich auch Siegfried Wiek mit anzupacken. Ein greller Blitz und ein zischender Ton ließen beide hochschrecken. Sie blickten der Rakete entgegen, die über New Stockholm abgeschossen wurde. Sie steuerte direkt auf das höchste Gebäude zu, wendete dann allerdings und verließ die Stadt. Entsetzt bemerkten beide, daß sie direkt auf den Wald zusteuerte. Sie zerrten an dem Rotbären, da sie um keinen Preis die Beute hier lassen wollten. Es war Rademanns größte Trophäe, die konnte er nicht einfach verrotten lassen. Die Rakete detonierte im Wald. Ein greller Blitz, der beiden in den Augen schmerzte, stieg über den Wald empor. Dann folgte der Knall, der schlimmer war als tausend Donner eines Gewitters. Eine Windböhe erfaßte die beiden Jäger und warf sie zu Boden. Der Wald stand in Flammen und der Feuerwall wurde immer höher und höher. Wie eine gigantische Welle raste er auf beide zu. Sie wußten, daß sie nun mit ihrer Trophäe sterben würden. Die Regierung Sverigors war gelähmt. Die Warnung des Camelot-Büros kam zu spät. Zantra hatte versucht, sie zu warnen. Doch die Terranerin kam ohne Termin nicht einmal an der bürokratischen Sekretärin vorbei. Nun standen sieben Kugelraumer über der Touristenwelt und warfen todbringende Bomben ab. Es kam alles zu schnell, um noch rechtzeitig zu evakuieren. Zantra hatte versucht Radiosender zu informieren, doch die Zeit war zu knapp. Als sie die VERDUN über New Stockholm erblickte, beschloß sie mit der Space-Jet zu starten und versuchte zu entkommen. Inke und Ric lagen auf dem weichen Heu und kuschelten sich aneinander. Langsam zog er ihren Pullover aus und berührte ihre Brust. Sie wehrte sich etwas dagegen, da noch nie ein Junge bei ihr soweit gegangen war. »Ich weiß nicht... es ist mein...« stotterte sie. »Keine Angst, ich werde vorsichtig sein«, sagte Ric leise zur Beruhigung. Auf einmal bebte die ganze Scheune und ein ohrenbetäubender Lärm ließ das Pärchen zusammenzucken. Ric stand schnell auf und wollte aus dem Fenster sehen. Er sah die riesige Feuerwelle direkt auf sie zukommen. »Scheiße«, schrie er und fing an zu weinen. Schnell begriff er, daß er nicht aus diesem Horror entrinnen konnte. Inke schrie laut auf, als sie die Feuerwelle sah, die ein Haus nach dem anderen einäscherte. »Ich will zu Mama und Papa!« Die Tränen flossen ihr vom Gesicht. Unruhig liefen beide hin und her. Weinend hielten sie sich fest und wurden von dem Feuer erfaßt. In der Disco hatte man den lauten Knall der Detonation nicht gehört. Die Wesen aus allen Teilen der Galaxis feierten fröhlich weiter. Ian und Cathy gingen auf die Tanzfläche und folgten dem Rhythmus der Musik. Ein Blue und ein Topsider schunkelten vor Bridds Tresen mit einem Glas Vurguzz hin und her. Sie dachte kurz an den Fremden in der silbernen Rüstung. Er wirkte irgendwie interessant auf sie, doch wahrscheinlich, so dachte sie, würde sie ihn nie wieder sehen. Die Bardame wußte nicht, wie recht sie damit hatte. Als sie einen Vurguzz nachschenken wollte, begann das Glas zu zittern. Sie bemerkte schnell, daß der ganze Raum bebte. Die Musik wurde etwas leiser geschaltet. Plötzlich durchbrach eine Feuersbrunst die Wände. Dann ging alles schnell. Bridd sah auf die Tanzfläche. Alle Wesen verglühten in der Hitze. Sie wich zurück, doch das brachte ihr vielleicht ein paar Millisekunden, dann wurde auch sie von der Welle erfaßt. Eron und Janny standen starr vor Angst am Fenster, als sie sahen, daß die Welle immer näher kamen. Alles geschah so schnell, daß niemand mehr die Zeit hatte, irgendwie zu reagieren. Susi kam aus ihrem Zimmer, den Worzy in ihrer Hand, und sah zu ihren Eltern. Es kam ihr vor, wie ein Film in Zeitlupe. Sie blickte aus dem Fenster. Die Stadt stand in Flammen und das grelle Leuchten kam immer näher. Sie zitterte vor Angst. Sie wußte nicht genau, was passieren würde, doch sie hatte Angst. Die Kleine sah zu ihren Eltern, die die gleiche Furcht vor dem grellen Leuchten hatten. Der Lärm war unerträglich. Sie hörte auf der Straße Menschen schreien, dann wurde der Lärm des Feuerwalls zu laut, um irgendetwas anderes zu hören. Der Druck preßte sie gegen die Wand. Susi mußte mit ansehen, wie ihre Eltern in den Flammen umkamen, langsam die Haare abbrannten und das Fleisch förmlich vom Schädel herunterlief. Sie schrie laut auf, mehr konnte sie nicht mehr, da begann für Millisekunden auch der grausame Schmerz bei ihr, dann war alles vorbei... Bedrückt beobachtete man auf der Kommandobrücke der VERDUN den Untergang der Welt. Kenneth Kolley konnte die Bilder, die die Sonden übermittelten, nicht mitansehen. Er war ein Soldat, der loyal zur MORDRED stand, doch er mußte sich nicht alles antun. Despair stützte sich am Geländer ab. Die Gefühle der Milliarden von Wesen, die in Panik aufschrieen und plötzlich auf ewig verstummten, bereiteten ihn einen großen Schmerz. Auch wenn sie es vielleicht verdient hatten, es ist so grausam... ! Kolley brachte die Meldungen der anderen Schiffe. Die Sternenfusionsbomben hatten vollen Erfolg gezeigt. In einem 1 km hohen Feuerwall sauste die Welle mit einer Geschwindigkeit von 3000 Stundenkilometern über den Planeten hinweg. Sieben solcher Bomben wurden abgeworfen, so daß die vollständige »Abgrasung« der Welt innerhalb weniger Stunden abgeschlossen war. Die gesamte Oberfläche und knapp 200 Meter im Inneren des Planeten wurden ausgelöscht. Unterwasseransiedlungen wurden durch den Abwurf einer Sternenfusionsbombe, die den Ozean verdampfen ließ, auch vernichtet. Despair war beeindruckt und schockiert zugleich über die Effektivität dieser Waffe der fremden Verbündeten. Er gab den Befehl zum Rückzug. Die sieben Schiffe flogen unter der Führung der VERDUN ab. Kolley meldete, daß Nummer Eins den Kontakt mit Despair erwünschte. Der silberne Ritter zog sich zurück und erwartete das Hologramm von Nummer Eins. »Berichten Sie, Despair!« erklang die harte Stimme ruhig. »Der Waffentest war ein voller Erfolg. Den ersten Berichten zufolge schätzen unsere Stabsoffiziere, daß etwa 95% der sverigischen Bevölkerung ausgelöscht wurde. »5% zu wenig...« Nummer Eins fing an über seine eigene Bemerkung zu lachen. Es war ein diabolisches Lachen, das selbst Cauthon Despair innerlich in Aufruhr versetzte. »Die Bomben haben einen 1 km hohen Feuerwall gebildet, der sich sogar in die Erde bohrte«, berichtete Despair. »Die Ozeane verdampften. Es ist nur noch ein Trümmerhaufen und eine Wüste voller Asche von der einst so schönen Welt übrig, mein Meister.« Der Anführer der MORDRED zeigte sich beeindruckt. »Sie haben gute Arbeit geleistet. Die LFT ist wirtschaftlich stark geschwächt und wird nun auch von der MORDRED in Furcht sprechen. Doch dieses dekadente Pack in Terrania wird nicht in der Lage sein, uns ernsthaft zu gefährden.« Für Despairs Geschmack war Nummer Eins zu selbstsicher. Was machte ihn so sicher, daß Khan und Daschmagan nichts unternahmen? Aber was sollten sie unternehmen? Und vor allem gegen wen und wo? Die Situation für Camelot und die LFT war äußerst unangenehm, da die MORDRED wie ein Raubtier – schnell und unberechenbar – zuschlug. »Kehren Sie wieder nach Dermos zurück! Ich werde mich jetzt selbst um das Kristallimperium kümmern. Imperator Bostich ist sicher an einer Zusammenarbeit interessiert. Ebenfalls trifft ein Adlerschiff in den nächsten Tagen ein.« Das Hologramm erlosch. Langsam erhob sich Despair und schritt in die Kommandozentrale. Die Offiziere hatten inzwischen wieder ihre gewohnte Arbeit aufgenommen. Niemand wollte mehr an den Völkermord denken, den man vor einigen Minuten begangen hatte. Jeder versuchte mit der Ausrede »Ich mußte es doch tun, denn es war ein Befehl« ein schlechtes Gewissen zu vermeiden. Despair wußte, daß dieser Schritt für die Ziele der MORDRED wichtig war. Die Terraner mußten aus ihrer Dekadenz erwachen und wieder zu dem werden, was sie zu Zeiten des Solaren Imperiums darstellten. Doch heiligte der Zweck die Mittel? Diese Fragen ließ der silberne Ritter unbeantwortet und zog sich in seine Kabine zurück. Sein letzter Befehl war, nicht die Space-Jets und Raumschiffe anzugreifen, die es schafften, dem Inferno zu entkommen. ENDE Das Unfaßbare ist passiert: Ein ganzer Planet wurde von der MORDRED unter dem Befehl von Nummer Eins ausgelöscht, Milliarden von Toten auf der Welt Sverigor. Wie Camelot und die LFT auf diesen entsetzlichen Völkermord reagieren. Was Nummer Eins mit Imperator Bostich vorhat, wird Miguel Solasse im siebenten Heft des MORDRED-Zyklus mit dem Titel Unheilvolles Treffen beschreiben. Der DORGON-Zyklus - MORDRED-Zyklus - ist eine nicht kommerzielle Publikation des PERRY RHODAN ONLINE CLUBs. Heft 6 von Nils Hirseland. Titelbild: Erwin Eggenberger. Technischer Berater: Sebastian Schäfer. Versand: PROC. Lektorat, Nachbearbeitung: Klaus Wiehoff. DORGON-Kommentar: . Umsetzung in Endformate: Alexander Nofftz. Satz: Xtory (SAXON, LaTeX). Internet: http://www.dorgon.de. eMail: dorgon@proc.org. Adresse: PROC c/o Nils Hirseland, Redder 15, 23730 Sierksdorf. Copyright © 2001. Alle Rechte vorbehalten! | ![]() | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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