Jens HirselandPERRY RHODAN ONLINE CLUB (PROC) HomepageHeft 34
Fanzyklus des Perry Rhodan Online Club

Der Rote Tod

Prosperoh wird heimgesucht - ein Ritter der Tiefe muß fliehen

Was bisher geschah

Im Jahre 1295 Neuer Galaktischer Zeitrechnung ist eine Zeit angebrochen, in der es der Liga Freier Terraner wieder besser geht.

Perry Rhodan ist Terranischer Resident und somit eigentlicher Regent der Welt Terra und ihrer vielen Kolonien.

Der PULS schlägt und die Koalition Thoregon hat ihr konstituierendes Jahr überstanden.

Auch die Ereignisse um die MORDRED liegen 4 Jahre zurück und der Schrecken, den diese Terrormacht für eine kurze Zeit verbreitet hat, ist nicht mehr gegenwärtig.

Die erfolgreiche Expedition nach Dorgon unter Aurec, Homer G. Adams und Joak Cascal hat nicht nur die Gefahr durch eine drohende Invasion aus M100 vereitelt, sondern auch in dem Volk der Dorgonen unter ihrem weisen Herrscher Uleman neue Verbündete gefunden.

So steuert die Menschheit auf das 14. Jahrhundert zu. Doch die Gefahren sind lange noch nicht gebannt. Das Kristallimperium Arkons greift unter Bostich I. nach den Sternen und noch immer laueren Cau Thon und sein Meister irgendwo im Universum und bereiten einen neuen unheilvollen Streich vor.

Doch während dieser Zeit erscheint DORGON, der Hüter von M 100, und wirbt in der Milchstraße für ein kosmisches Projekt, von dessen Erfolg das Wohl und Wehe aller Intelligenzwesen abhängig sei.

Derweil sind Gal'Arn und seine Gefährten der TERSAL, auf der Suche nach den Koordinaten Dorgons auf dem Planeten Zechon, in die Hände des düsteren Fürsten Prosperoh geraten. Die Lage scheint aussichtslos, da erscheint DER ROTE TOD...

Hauptpersonen

Prosperoh – Dem wahnsinnigen Sadisten ist ein besonderes Schicksal vorherbestimmt

Gal'Arn, Jonathan Andrews, Remus Scorbit und Jaktar – Sie sind zur Untätigkeit verurteilt

Uthe Scorbit, Anica, Jaquine und Jezzica Tazum – Die Damen planen die Befreiung der Gefangenen

Yasmin Weydner – Die junge Terranerin will nicht Prosperohs Eigentum werden

Eberhard Wieber – Der alte Terraner macht sich zum Affen

Der Rote Tod – Er holt Prosperoh und sein Volk

1. Die düstere Burg

Wieder war ein Tag in der Burg des Prinzen Prosperoh von Zechon verstrichen. Wieder war nichts geschehen.

Gal'Arn und seine Gefährten Jaktar, Jonathan Andrews und Remus Scorbit saßen nach wie vor im Burgverlies der mittelalterlichen Zechonen. Gal'Arn überlegte, wie es zu alledem hatte kommen können. Sie hatten sich einfach überrumpeln lassen. Doch wie hätten sie in die Nähe des Observatoriums sonst kommen sollen?

Die Burg war gut bewacht und schwer zugänglich. Doch sie wären immerhin frei gewesen und im Besitz ihrer Waffen geblieben. So aber waren sie dem despotischen Prinzen auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Es konnte Wochen dauern, womöglich sogar Monate bis man sich mit ihnen beschäftigte. Vielleicht vergaß man sie einfach.

Immerhin gab es jeden Tag zu essen und zu trinken, wenngleich auch nur die typische Kerkernahrung: Wasser und Brot.

»Das ist wirklich das allerletzte!« regte sich Jonathan Andrews auf.

»Irgendwann enden wir wie der Graf von Monte Christo.«

Gal'Arn schmunzelte. Jonathan hatte ihm die alte, terranische Geschichte vom Graf von Monte Christo schon erzählt. Sie hatten ja genügend Zeit. Es gab nichts zu tun, außer zu denken oder zu reden.

Die Kerkerzelle war wirklich wie aus einem Gruselfilm. Düster, feucht und nur mit Stroh bedeckt. Ihre Notdurft mußten die vier in einem Plumpsklo in der Ecke verrichten. Die Wärter ließen sich nur blicken, wenn sie die Latrine leerten oder Essen brachten.

»Immerhin kam der Graf von Monte Christo frei und nahm Rache«, sagte Remus Scorbit.

»Nicht die Rache ist unser Ziel, sondern die Freiheit und die Daten aus dem Observatorium. Außerdem müssen wir Uthe und die beiden Zechoninnen befreien«, gab Gal'Arn zu bedenken.

Remus senkte zerknirscht den Kopf. Daran hätte er auch denken können.

»Wie sollen wir denn hier herauskommen?« fragte Jaktar verzweifelt.

»Wir müssen Geduld haben und abwarten. Vielleicht finden die anderen einen Weg. Früher oder später ergibt sich für uns eine Gelegenheit zu fliehen. Wir werden sie nutzen«, meinte Gal'Arn zuversichtlich.

In seinem Innersten war er jedoch nicht so optimistisch. Ihm war klar, daß die übrigen Besatzungsmitglieder der TERSAL alles andere als heldenhaft waren. Es sah wirklich nicht sehr gut aus für sie.

2. In den Händen eines Tyrannen

Während die Gefangenen im düsteren Kerker sitzen mußten, ging Yasmin Weydner an der frischen Luft spazieren. Prinz Prosperoh begleitete sie. Er machte ihr eindeutige Avancen. Yasmin mußte gute Mine zum bösen Spiel machen. Doch lange konnte sie Prosperoh nicht mehr hinhalten. Sie mußten bald etwas unternehmen.

Außerdem stieg der innerliche Druck in der jungen Terranerin. Es war noch nicht lange her, da lebte sie ein ganz normales Leben. Nun mußte sie ein Abenteuer nach dem anderen durchstehen. Die schüchterne und zurückhaltende Weydner hoffte, keinen Fehler zu begehen, der die Rettungsaktion zum Scheitern verurteilte.

Prosperoh und Yasmin begaben sich auf den höchsten Burgturm. Dort zeigte der Prinz auf die karge Landschaft. Die Bäume waren verkümmert und Nebelschwaden bedeckten das Land.

»Wenn du meine Frau geworden bist, wird auch dir dies alles gehören«, versprach er.

Na toll, das habe ich mir schon immer gewünscht, dachte die junge Terranerin sarkastisch.

Am liebsten hätte sie diesem Verrückten ihre wahre Meinung gesagt, statt dessen antwortete sie artig:

»Das ist wunderbar, Prinz. Ihr seid der mächtigste Herrscher weit und breit.«

Prosperoh nickte zustimmend.

»Ja, das bin ich. Das ist wohl wahr.«

Ein Soldat kam die Stufen hinauf und salutierte.

»Was ist denn? Warum werden wir gestört?« fragte der Prinz unwirsch.

»Verzeiht, mein Prinz. Es sind wieder ein paar Bauern vor dem Tor. Sie sagen, sie kämen aus dem Nachbardorf und der rote Tod sei dorthin gekommen.«

Prosperoh verzog unwillig das Gesicht.

»Schon wieder dieses Bauernpack! Komm mit, Yasmin.«

Yasmin folgte Prosperoh auf einen anderen Aussichtsturm, der in der Nähe des Tores lag.

Vor dem Tor hatte sich eine Gruppe von Bauern versammelt. Auf einem Karren lagen einige Menschen. Sie schienen schwer krank zu sein. Yasmin bekam ein ungutes Gefühl. Erst vor wenigen Tagen hatte Prosperoh eine Gruppe von Bauern aus dem Dorf, aus dem Uthe und die anderen entführt worden waren, getötet.

»Bitte, edler Prinz, öffnet das Tor und gewährt uns Einlaß«, flehte der Anführer der Gruppe, ein älterer, magerer Mann. »Der Rote Tod hat uns aus unserem Dorf vertrieben. Nur unter Eurem Schutz sind wir sicher. Bitte, helft uns!«

»Wann war der Rote Tod bei euch?« fragte Prosperoh.

»Vor wenigen Tagen, die Hälfte der Dorfbewohner ist gestorben. Viele andere sind krank.«

Yasmin betrachtete die Kranken auf dem Wagen. Ihre Gesichter, waren von kleinen, roten Flecken bedeckt. Sie litten wahrscheinlich unter einer scharlachartigen Krankheit. Mit moderner Medizin konnte man ihnen sicher helfen.

Prosperoh dachte jedoch nicht daran, zu helfen.

»Verschwindet von hier. Nur weil ich heute gute Laune haben, lasse ich euch am Leben.«

Hinter dem armseligen Dorfbewohnern kam plötzlich eine prächtige Kutsche angerollt. Ein korpulenter, älterer Mann, der in edle Gewänder gekleidet war, wie sie alle Reichen auf Zechon trugen, stieg aus. Ihm folgte eine dunkelhaarige, schöne Frau.

»Graf Balomini«, hörte Yasmin Prosperoh sagen.

»Prinz Prosperoh, ich bitte Euch, öffnet die Tore! Ich bin ein Edelmann und nicht wie dieses wertlose Bauernpack. Wir sind vor dem Roten Tod geflüchtet. Laßt uns rein!« forderte der dicke Mann, dessen Backen rot anliefen, schwer atmend.

»Ihr habt Euch mir mehrmals widersetzt, Balomini. Und jetzt kommt Ihr angekrochen und winselt um Gnade. Nein, kommt nicht in Frage. Bleibt wo ihr seid. Ihr paßt sehr gut zu diesem Abschaum.«

Der Graf konnte sich nicht damit abfinden und unternahm noch einen verzweifelten Versuch.

»Prinz, ich bitte Euch! Hier, nehmt meine Frau. Ich weiß, daß Ihr sie begehrt. Sie gehört Euch, ich schenke sie Euch!«

Yasmin schauderte. Die Zechonen hatten eine widerliche Art und Weise mit Frauen umzugehen.

»Kein Interesse, Balomini«, lehnte Prosperoh ab. »Ich habe bereits eine neue Frau. Und so schön finde ich Eure Frau gar nicht!«

»Bitte, Prinz, überlegt es Euch!« flehte der Graf verzweifelt.

Prosperoh ließ sich eine Armbrust reichen.

»Gebt mir einen brennenden Pfeil!« befahl er seinen Soldaten. Mit einer Fackel wurde ein Pfeil angezündet. Prosperoh legte ihn auf die Armbrust und zielte auf Balomini.

»Hier ist meine Antwort, Balomini!«

Mit diesen Worten jagte Prosperoh den Brandpfeil in Balominis Körper. Kurz darauf stand der Graf in Flammen und verbrannte.

»Wachen, tötet die Bauern genauso«, befahl Prosperoh.

»Nein, bitte laßt sie leben!« rief Yasmin.

Prosperoh sah Yasmin an, als wäre sie ein Wesen von einem anderen Stern, was sie ja auch war.

»Du bist noch so unschuldig, aber ich werde dich schon auf den rechten Weg führen.«

Prosperoh gebot seinen Wachen zu feuern. Kurz darauf schossen die Soldaten auf die wehrlosen Bauern, die wie lebende Fackeln durch die Gegend liefen und qualvoll verbrannten. Wenig später war das grausige Schauspiel vorbei. Alle Bauern waren tot, auch die Frau von Graf Balomini war nicht verschont worden. Es stank so sehr nach verkohltem Fleisch, daß der schockierten Yasmin übel wurde.

»Sie mußten brennen, damit sie nicht den Roten Tod verbreiten«, erklärte Prosperoh der bemerkt hatte, daß die Terranerin bleich geworden war.

Dann klopfte er sich auf dem Bauch.

»So, jetzt habe ich aber Hunger. Laß uns zu Mittag essen.«

3. Leid

Schmerzen! Schmerzen! Schmerzen!

Das waren Karl-Adolf Braunhauers Gedanken, als er am späten Morgen erwacht war. Sein Kopf schmerzte, sein Herz und sein Rücken ebenso. Außerdem machte sich sein Blasenleiden wieder bemerkbar. Vielleicht hatte er doch die letzten Tage mehr getrunken, als ihm guttat.

Warum nur mußte er so sehr leiden? Was hatte er nur verbrochen, daß er so sehr mit Leiden geplagt wurde? Nun ja, er war halt nicht mehr der Jüngste. Er war jedoch fest davon überzeugt, daß es die anderen ohne ihn nicht schaffen würden.

Ohne mein Organisationstalent, meinen Weitblick und meine genialen Einfälle haben die anderen keine Chance, dachte er.

Auch Ottilie war inzwischen erwacht. Sie klagte wieder einmal über Schwindelanfälle. Die alte Terranerin war jedoch der Meinung, daß ihr Unwohlsein nichts mit den Alkoholmengen, die sie zu sich nahmen, zu tun hatte, sondern das es am schlechten Wetter lag.

In der Nacht hatte es etwas geschneit, was Braunhauer ungern zu Kenntnis nahm, da er Schnee haßte. Nachdem die beiden sich ihr Leid gegenseitig ausführlich geklagt hatten, gingen sie in den Speisesaal, wo das Mittagessen aufgetischt wurde.

Der Marquese, der schon mit Prosperoh, Yasmin und Jezzica Tazum am Tisch saß, begrüßte die Neuankömmlinge.

»Seid gegrüßt, liebe Freunde«, sagte er freundlich zu den beiden.

Die alten Terraner grüßten zurück. Plötzlich stolperte Karl-Adolf über Gwendo, der Getränke servierte und von dem alten Terraner übersehen worden war.

»Paß doch auf, du Rotznase!« herrschte Braunhauer den Zwerg unfreundlich an.

»So ein ungezogener Junge«, meinte auch Frau Braunhauer:

Haßerfüllt sah Gwendo die beiden an.

»Ich bin kein Junge! Ich bin ein erwachsener Mann!«

»Ein lächerlicher Giftzwerg bist du«, rief Eberhard Wieber, der ebenfalls gerade gekommen war.

»Man müßte dir mal Manieren beibringen. Zu meiner Zeit hatten solche kleinen Rüpel wie du nichts bei uns zu lachen«, fuhr er fort.

Prinz Prosperoh amüsierte sich über den Streit.

»Wir machen ein Spielchen. Wieber und Braunhauer spielen mit, wenn es Euch recht ist, Marquese«, schlug er vor.

Der Marquese lächelte und nickte gönnerhaft.

Prinz Prosperoh deutete auf zwei Flaschen, die vor ihm auf dem Tisch standen.

»Das sind zwei volle Flaschen Kiva-Schnaps, eine Spezialität unseres Landes. Wer von euch als erster die Flasche ausgetrunken hat, bekommt einen Preis«, sagte er.

Eberhard Wieber stimmte freudig zu. Karl-Adolf Braunhauer war weniger begeistert, da er sich nach dem letzten Fest noch nicht wieder trinkfest fühlte. Doch er stimmte zu, da er nicht den Mut besaß zu widersprechen. Doch Ottilie mischte sich ein.

»Vatichen, daß schaffst du nicht. Du bist alt und krank«, sagte sie.

»Halt den Mund! Natürlich schaffe ich das!« widersprach er barsch.

Braunhauer wollte sich vor Wieber und den anderen keine Blöße geben. Außerdem dachte er an den Preis, den Prosperoh versprochen hatte. Vielleicht gab es Gold oder Edelsteine zu gewinnen. Der Gier war größer als die Vernunft.

Gekränkt setzte sich Frau Braunhauer auf ihren Platz.

Jezzica Tazum blickte mit halb geöffnetem Mund die beiden alten Greise an, die freudig die Flaschen öffneten. Sie verstand diese zwei Terraner einfach nicht und war einfach nur angewidert von ihnen. Sie selbst trank zwar auch gerne einen über den Durst, aber sicherlich nicht in dieser gefährlichen Situation.

Plötzlich blickte sie nach rechts, denn von dort spürte sie die lüsternen Blicke des Marquese, der auf ihr Dekolleté starrte. Jezzica warf ihm einen bösen Blick zu und beschloß sich eine Jacke überzuziehen, die weniger Einblick gewährte.

»Also dann, beginnt nun!« befahl Prosperoh und richtete so wieder die Aufmerksamkeit der Terranerin und des alten Spaniers auf die beiden Greise.

Die beiden alten Männer setzten die Flaschen mit der durchsichtigen Flüssigkeit an den Mund und begannen zu trinken. Der Schnaps lief ihnen aus den Mundwinkeln übers Kinn und weiter herunter.

Yasmin rümpfte die Nase bei diesem ekligen Anblick.

Nachdem die beiden schon zwei Drittel der Flasche geleert hatten, mußte Braunhauer aufgeben. Er gab einen gewaltigen Rülpser von sich, faßte sich ans Herz und setzte sich echauffiert auf seinen Platz.

»Ich... ich k... kann nicht mehr«, murmelte er.

»Siehst du, Karl-Adolf, ich habe es dir ja gleich gesagt!« keifte seine Frau Ottilie.

Eberhard Wieber leerte hingegen den Rest der Flasche und strahlte über beide Backen.

Triumphierend reckte er den rechten Arm in die Höhe.

»Ich bin der Sieger!« lallte er.

Prosperoh erhob sich.

»Ja, Ihr seid der Sieger. Ich gratuliere. Nun zu eurem Preis. Da Ihr mich so gut amüsiert habt, sollt ihr auch etwas zu eurem Amüsement bekommen«, verkündete er.

Wiebers Blick wurde gierig. Er hoffte, eine schöne Frau für sich zu bekommen.

»Ich schenke Euch meinen Hofnarren Gwendo. Möge er Euch so gut unterhalten, wie mich.«

Eberhard Wieber machte ein Gesicht, als hätte er in eine saure Zitrone gebissen. Das hatte er nicht erwartet. Dafür diese Strapazen! Doch er traute sich nicht, Prosperoh dies zu sagen. In seiner Zeit hatte er bedingungslosen Gehorsam gegenüber höhergestellten Personen gelernt. Doch Gwendo sollte ihm diese Demütigung büßen.

Karl-Adolf Braunhauer lachte schadenfroh.

»Der Affe kann sich gleich mal nützlich machen. Draußen hat es geschneit. Laß ihn Schnee schieben. Der Schnee ist gefährlich für alte Leute wie uns. Wir könnten darüber stolpern«, meinte er.

»Ja, das ist eine gute Idee«, stimmte Wieber zu.

»Los, Zwerg, schiebe den Schnee von der Burg!« befahl er Gwendo.

Dieser sah Prosperoh hilfesuchend an.

»Bitte, Herr, das könnt Ihr nicht zulassen. Ich war der Leibdiener Eurer verstorbenen Frau«, flehte er.

»Wieber ist jetzt dein Herr und Meister. Du hast ihm zu gehorchen. Und jetzt geh!« lehnte der Prinz ab.

Gwendo blieb nichts anderes übrig, als diese für ihn sehr mühsame Arbeit zu erledigen. Er war Eberhard Wieber auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Als er gehen wollte, stellte ihm Wieber ein Bein. Gwendo stürzte unter dem Gelächter der Gäste auf den Boden.

»Der ist zu blöd, um geradeaus zu gehen«, lachte Wieber.

»Wenn du mit Schneeschieben fertig bist, wirst du bei mir und Braunhauers sauber machen.«

Gwendo schwor sich, grausame Rache an diesem Mann zu nehmen.

Dieses Spiel war nur eines von vielen, daß Prinz Prosperoh mit den Menschen trieb. Er gab rauschende Feste, bei denen er meistens seine Gäste demütigte. Nur Yasmin und Don Philipp waren vor ihm sicher.

»Freunde, bei mir seid ihr sicher. Ihr könnt solange auf meiner Burg bleiben, bis der Rote Tod abgezogen ist«, verkündete der Prinz seinen Gästen.

Damit hatte er sie in der Hand. Niemand wagte sich nach draußen, da alle die Seuche fürchteten.

Später trafen sich Uthe und Yasmin mit dem Marquese und auf dessen Zimmer. Auch Jezzica Tazum kam hinzu. Sie wirkte sehr entschlossen und energisch.

»Wir müssen machen, daß wir hier wegkommen. Lange kann ich mir diesen Irren nicht mehr vom Leib halten«, klagte Yasmin.

»Und wir müssen Remus, Gal'Arn und die anderen befreien. Mein Mann ist doch ohne mich völlig hilflos«, meinte Uthe.

Yasmin konnte sich ein Kichern nicht verkneifen. Jezzica hingegen blieb ernst. Ihr wäre es lieber gewesen, wenn Uthe Scorbit bereits einen Befreiungsplan gehabt hätte.

»Dazu müssen wir aber heraus finden, wo sie gefangengehalten werden. Vorher können wir keinen Ausbruch planen«, befand der Marquese.

»Und wie sollen wir das anstellen?«

Der Marquese entblößte seine gelben Zähne zu einem Lächeln.

»Überlaß das mir, mein Täubchen.«

Wenig später begab sich Don Philippe zu Prosperoh, der auf seinem Thron saß.

»Lieber Prinz, wie geht es Euch?«

»Danke, gut, mein lieber Don Philippe. Es ist selten, daß sich jemand nach meinem Wohlergehen erkundigt. Ihr seid ein wahrer Freund«, freute sich der Prinz.

Von mir aus könntest du sofort zur Hölle fahren, dachte der Marquese insgeheim und lächelte freundlich dabei.

»Wie ich hörte, habt ihr auch viele Sorgen zu bewältigen. Ihr seid sogar von Fremden beleidigt worden!« tat der alte Spanier entrüstet.

»Das stimmt. Wer hat Euch das gesagt?« fragte Prosperoh mißtrauisch.

»Die Dienerin namens Uthe. Sie hat mir die Geschichte erzählt. Inzwischen bereut sie ihr dreistes Verhalten.«

Prosperoh grinste.

»Ja, das kann ich mir denken. Ihr Mann und seine frechen Spießgesellen sitzen jetzt in meinem Verlies.«

Don Philippe tat erstaunt.

»Wirklich? Das würde ich mir doch gerne mal ansehen. Würde es Euch etwas ausmachen, wenn ich die Gefangenen und Euren Kerker besichtige?«

Prosperoh erhob sich.

»Nicht im Geringsten, Marquese. Ich führe Euch hin.«

Als sie gingen, lief ihnen Uthe über den Weg. Sie trug ein Tablett mit einer Karaffe Wein und zwei Bechern.

»Du begleitest uns, Mädchen. Wir kriegen unterwegs sicher Durst«, befahl Don Philippe. Dieses Vorgehen war mit Uthe abgesprochen, damit auch sie sich den Weg zur Kerkerzelle einprägte. Außerdem hatte sie Gelegenheit, Remus wenigsten einen Augenblick zu sehen.

»Eine ausgezeichnete Idee, verehrter Freund.«

Begleitet von zwei Wachen und Uthe führte Prosperoh den Marquese die Treppen hinab in den düsteren Kerker, der von einem halben Dutzend Soldaten bewacht wurde. Einige waren damit beschäftigt, einen Gefangenen zu foltern. Uthe schauderte. Sie kam sich vor wie in einem Schauerstück. Alles wirkte verkommen. Spinnen krabbelten aus den Ritzen der schimmeligen Wände. Prosperoh blieb vor einem düsteren Raum stehen.

»Dies ist mein ganzer Stolz, meine Folterkammer. Sie wurde schon von meinen Vorfahren angelegt«, erklärte Prosperoh voller Hingabe. Er wies auf einen Tisch, an dessen Ende sich eine große Säge befand.

»Dieses Gerät habe ich selbst entwickelt. Mit einem Automatismus wird die Säge, die normalerweise Bäume schneidet, dazu verwendet, Menschen in zwei Teile zu schneiden.«

Der Marquese tat beeindruckt.

»Phantastisch. Das erinnert mich an mein Schloß Zuhause. Wir haben dort ein Pendel, das an der Decke befestigt ist. Es schwingt dann langsam herunter auf das Opfer, das am Boden gefesselt liegt und trennt es letztendlich in der Mitte durch. Das dauert zwar länger, macht aber doppelt so viel Spaß.«

Prosperoh lachte.

»Ihr seid wirklich ein Genießer. Ihr müßt mir unbedingt die Konstruktionspläne für dieses Pendel mitteilen. Das muß ich auch mal ausprobieren.«

Ein markerschütternder Schrei unterbrach die Fachsimpelei der beiden. Der Gefangene wurde in diesem Moment von der Säge durchschnitten.

Prosperoh wurde wütend und schlug den Kerkermeister ins Gesicht.

»Du Idiot! Wer hat dir gesagt, daß du den Gefangenen ohne meinen Befehl töten sollst? Jetzt haben der Marquese und ich den ganzen Spaß verpaßt!« regte er sich auf.

»Vergebt, Herr! Vergebt!«

»Nun gut, ich vergebe dir.«

Der Kerkermeister lächelte erleichtert.

»Ja, Herr? Vielen Dank!«

»Dafür wirst du als nächster die Säge ausprobieren. Diesmal allerdings als Opfer«, sagte Prosperoh mit kalter, unbewegter Miene.

»Nein, Herr! Bitte, habt Erbarmen!« schrie der Kerkermeister.

Doch alles Flehen half nicht. Der Mann wurde von den Wachen gepackt und auf den Tisch mit der Säge gelegt, die das bedauernswerte Opfer vom Rumpf bis zum Kopf durchschnitt.

Während Uthe dicht davor war, sich zu übergeben, verfolgte der Marquese das Geschehen mit unbewegter Miene.

»Wirklich beeindruckend, aber leider ein bißchen kurz«, fand er.

Uthe mußte dem alten Mann ein Kompliment machen. Er spielte seine Rolle mehr als überzeugend.

Spielte er sie wirklich nur?

Er und der sadistische Prinz leerten nun den mitgebrachten Wein.

Prosperoh wandte sich an einen der Wächter.

»Führt uns nun zu den Gefangenen.«

Der Wärter führte sie durch einen Gang an mehreren Zellen vorbei.

Plötzlich wurde Uthe am Hals gepackt. Sie mußte aufschreien und das Tablett mit dem Wein fallen lassen. Ein behaartes, stinkendes Wesen hatte durch die Gitterstäbe seiner Zelle nach ihr gegriffen. Grunzend würgte er sie.

»Frau, endlich Frau haben!« hörte Uthe den heruntergekommenen Gefangenen hervorbringen.

Aus seinem Mund, der mehr Löcher als Zähne aufwies, strömte fauliger Atem.

Der Marquese eilte herbei und schlug mit seinem Stock, den er stets bei sich trug, dem behaarten Mann auf den Arm. Schreiend ließ das Wesen, das einmal ein Mensch gewesen sein mußte, Uthe los.

»Danke, Herr«, brachte Uthe mühsam hervor.

»Nun ja, man ist ja schließlich Kavalier«, gab sich Don Philippe gönnerhaft und wandte sich an Prosperoh: »Mein lieber Prinz, was haltet Ihr Euch hier für Teufelskreaturen?«

»Ach der... Ich hatte ganz vergessen, daß ich den mal vor zwanzig Jahren eingesperrt habe. Ich wußte gar nicht, daß der noch lebt«, antwortete dieser erstaunt.

»Oh, das ist mir auch mal passiert«, sagte der Marquese, diesmal wahrheitsgetreu.

»Schade nur, daß der Wein verschüttet wurde. Das wird mir dieser Mistkerl büßen!« zischte Prosperoh wütend.

»Ein Glück nur, daß wir schon von dem guten Tropfen getrunken haben«, beruhigte ihn der Marquese.

Ohne weitere Zwischenfälle ging die Gruppe an das Ende des Korridors. Dort befand sich die Zelle mit den neuen Gefangenen. Prosperoh befahl einem der Wärter, die Tür zu öffnen, und die Gruppe trat ein.

»Das sind also die frechen Kerle, die es wagten, Euer Hoheit zu beleidigen. Tja, das habt ihr nun davon«, sagte der Marquese doppeldeutig als ihn Gal'Arn und die anderen erblickten.

Unbemerkt zwinkerte Uthe Remus und Gal'Arn zu.

»Wir haben uns dafür entschuldigt«, verteidigte sich Gal'Arn, der das Spiel mitspielte. Insgeheim schöpfte er wieder Hoffnung.

»Nur deshalb lebt ihr noch«, stellte Prosperoh klar. »Die Betonung liegt auf noch«, fügte er mit diabolischen Grinsen hinzu.

»Wir sind nicht arm. Wir können verhandeln«, schlug der Ritter der Tiefe vor.

»Dummerweise reizt mich das nicht. Ich bin schon der reichste Mann des Planeten. Am Ende der Feierlichkeiten werdet ihr sterben. Ich muß mir nur etwas amüsantes einfallen lassen. Bis dahin bleibt ihr hier.«

»Sind die das überhaupt wert? Sie könnten sich doch als Sklaven nützlich machen«, wandte Don Philippe ein.

»Das wäre auch eine Möglichkeit. Vielleicht vergesse ich sie auch einfach, genau wie den anderen Gefangenen«, meinte der Prinz.

Gal'Arn bemerkte, daß der Marquese unbemerkt ein Stück Papier hatte fallen lassen.

»So, nun zieht es mich wieder an die frische Luft. Hier stinkt es gar fürchterlich«, jammerte Don Philippe.

»Recht habt ihr. Laßt uns wieder gehen.«

Gleich darauf verließen Prosperoh, Don Philippe, Uthe und das Gefolge die Zelle, die wieder verschlossen wurde. Als einige Minuten verstrichen waren, griff Gal'Arn nach dem Stück Papier, das Don Philippe zurückgelassen hatte.

Auf den Zettel stand:

Haltet durch, Freunde!
Ich bin zusammen mit den anderen hier, um euch zu befreien.
Habt Geduld, wir finden schon einen Weg.

»Seht ihr, wir haben unsere Gefährten unterschätzt. Sie sind gekommen, um uns herauszuholen«, sagte Gal'Arn.

»Wenn das mal gutgeht. Nicht auszudenken, wenn sie auffliegen«, unkte Jonathan Andrews.

Remus stimmte ihm zu.

»Ja, dann wären die Braunhauers mit uns in derselben Zelle. Das wäre das Ende.«

Uthe war erleichtert, daß sie Remus gesund wiedergesehen hatte. Jetzt mußten sie einen Weg finden, die Wachen auszuschalten, um ihn und die anderen zu befreien. Wenn die Männer erst einmal frei waren, dann würden sie schnell aus dem Schloß entkommen können. Glücklicherweise hatte Prosperoh, in einem Anfall von Großmut, Uthe und die beiden jungen Zechoninnen Anica und Jaquine Yasmin Weydner als Zofen und Dienerinnen zugeteilt.

Es war klar, daß der Prinz Yasmin als Nachfolgerin von Kamelia ausersehen hatte. Uthe war ziemlich sicher, daß Prosperoh am schrecklichen Tod seiner Frau Schuld war. Zum Glück hatte er vergessen, aus welchem Grund er Anica und Jaquine mitgenommen hatte. Die beiden waren natürlich sehr traurig, daß ihre Eltern von Prosperoh ermordet worden waren. Uthe versuchte, sie wieder aufzumuntern.

»Wir werden bald hier herauskommen. Unsere Freunde von der TERSAL haben sich in die Burg eingeschlichen, um uns und die Männer zu befreien.«

»Was soll dann aus uns werden? Unsere Eltern und die Dorfbewohner sind alle tot. Wohin sollen wir gehen?« fragte Jaquine niedergeschlagen.

»Ihr kommt mit uns auf die TERSAL. Ich und Remus kümmern uns um euch. Ihr verlaßt diesen widerlichen Planeten«, beschloß Uthe.

Anica war begeistert.

»Och, hinaus in die große, weite Welt?«

»Ja, sozusagen ins große, weite Universum«, stimmte Uthe zu.

»Toll, ich war noch nie weg vom Dorf. Ist das Universum hinter den Bergen?« fragte Anica naiv.

»Ja, Anica. Sogar noch weiter weg.«

Prosperoh widmete sich unterdessen verstärkt Yasmin Weydner. Die junge Terranerin mußte sich sehr zusammenreißen, um die Gegenwart diese widerlichen Zechonen zu ertragen. Zwar war Prosperoh ein gut aussehender Mann, seine Grausamkeit stieß Yasmin jedoch völlig ab.

»Werte Yasmin, bald wirst du mein Weib sein. Darum möchte ich dir etwas zeigen.«

Prosperoh führte Yasmin die Treppen hinauf in den oberen Flügel, wo Prosperohs Privatgemächer lagen. Er ging mit Yasmin durch einige verschiedenfarbige Räume, die bis auf die wechselnden Farben völlig identisch waren.

Yasmin erinnerte sich daran, daß Uthe ihr davon erzählt hatte und daß sie im schwarzen Raum eine unheimliche Begegnung mit Kamelia und Prosperoh hatten. In diesen schwarzen Raum führte Prosperoh sie nun.

»Wie seltsam, alle Räume sehen gleich aus«, sagte sie zu dem Zechonen.

»Sie markieren verschiedene Phasen des Daseins. Hier ist nun die Endphase symbolisiert.«

»Mir ist aufgefallen, daß es hier nirgendwo im Schloß etwas Rotes gibt.«

Prosperoh nickte.

»Das ist richtig. Rot ist die Farbe des Roten Todes. Ich hasse diese Farbe. Darum habe ich sie in meinem Schloß verboten.«

Yasmin bemerkte eine häßliche, echsenähnliche Statue in der Mitte des Zimmers.

»Das ist Difus. Er ist mein Herr und bald auch der deine«, sprach der Prinz.

»Der Teufel? Niemals, ich habe noch nie etwas für Satanskult übrig gehabt«, widersprach Yasmin.

Prosperoh lächelte milde.

»Hängst du etwas an diesem schwachen, sogenannten gütigen Gott? Was tut er für die Schwachen und Kranken? Nichts. Er hat weder den Bauerntölpeln geholfen noch die Kranken vor dem Roten Tod beschützt. Er ist ein Versager, ein Nichts. Er kann nichts für dich tun.«

Prosperoh deutete auf die Statue.

»Difus hingegen ist stark. Er hilft den Starken, die sich durchsetzen und in seinem Sinne agieren. Nur die Finsternis bietet wahre Macht. Wer Difus als wahren Gott respektiert, den wird er fürstlich belohnen.«

»Aber Ihr seid doch schon reich und mächtig.«

»Das ist noch nicht genug. Ich muß unsterblich werden. Nur dann kann ich Difus ewig dienen. Eines Tages wird er mich zu sich holen und mir das ewige Leben geben. Und dann werde ich, Seite an Seite mit ihm, gegen deinen schwachen Gott kämpfen.«

Yasmin fröstelte. Es schien eine unheimliche, dunkle Macht von der Statue auszugehen.

»Habt Ihr einen Pakt mit dem Teufel geschlossen?« fragte sie erschrocken.

»Ja, ebenso wie Kamelia. Ich habe sie ihm geopfert, als Beweis meiner unerschütterlichen Treue. Je mehr Wesen ich töte, desto mehr wird Difus mich willkommen heißen.«

Yasmin ahnte, was als nächstes kommen würde.

»Wenn du mein Weib wirst, wirst auch du dich zu ihm bekennen, genau wie Kamelia.«

Niemals! schrie es in Yasmins Inneren. Doch sie traute sich nicht, es Prosperoh ins Gesicht zu schreien. Es stand zuviel auf dem Spiel. Freundlich nahm der Prinz sie bei der Hand.

»Komm, es gibt noch ein Geheimnis, daß ich dir zeigen werde.«

4. Das Fest

Eberhard Wieber fühlte sich nicht besonders gut, da er am Vorabend ausgiebig mit Niesewitz, Katschmarek und den Braunhauers gezecht hatte. Seine schlechte Laune ließ er wieder einmal an Gwendo aus.

»Gwendo, leere meine Latrine aus, aber dalli!« rief der alte Terraner.

Das war zuviel! Gwendo konnte es nicht mehr länger ertragen. Schon immer war er wegen seiner geringen Körpergröße gedemütigt worden, doch was ihm in den letzten Tagen widerfahren war, brachte das Faß zum Überlaufen. Er beschloß, sich an seinem Peiniger zu rächen. Wieber unterschätzte seine Intelligenz, das würde ihn teuer zu stehen kommen!

Prinz Prosperoh hatte für den Abend zu einem Kostümfest eingeladen. Gwendo beschloß diesen Umstand für seine Zwecke zu nutzen. Vielleicht nahm ihn Prosperoh auch wieder in seine Dienste, wenn ihm sein Plan, Wieber loszuwerden, gelang. Der Prinz hatte Respekt vor innovativen Ideen.

Gwendo besorgte ein Kostüm für Wieber und ging dann wieder zu ihm.

»Wo steckst du denn wieder, du kleiner dummer Zwerg? Zu Hause würde man so etwas wie dich in den Vorgarten stellen«, regte sich die alte Terraner auf.

»Verzeiht mir, mein Herr. Ich habe ein Kostüm für Euch besorgt«, entschuldigte sich Gwendo.

Wiebers gelbes, zerfurchtes Gesicht, das von Tränensäcken und Falten umgeben war, machte einen Ausdruck des Erstaunens.

»Kostümfest? Was für ein Kostümfest?«

Gwendo erklärte es ihm.

»Seine Hoheit, der Prinz, hat für heute abend zu einem Kostümfest geladen. Natürlich sind auch alle Ehrengäste dabei. Da darf ein so wichtiger Mann wir Ihr nicht fehlen.«

Das überzeugte Eberhard Wieber natürlich.

»So ist das. Da muß ich natürlich dabei sein. Darauf muß ich mir einen genehmigen.«

Wieber ging zum Tisch und goß sich einen Schnaps ein, den er mit einem Atemzug leerte.

»Und was für ein Kostüm hast du mir besorgt? Als Edelmann, Ritter oder Tarzan?« fragte er.

»Viel besser. Ein Goro.«

»Ein was?« fragte Wieber verdutzt.

»Wartet, ich zeige es Euch.«

Gwendo holte einen Karton hervor und nahm den Inhalt heraus. Es war ein Affenkostüm.

Das hatte Wieber nicht erwartet.

»Das ist ja ein Affe! Ich soll als Affe gehen! Na warte, du... !«

Wieber holte aus und verpaßte Gwendo eine Ohrfeige. Der Zwerg fiel von der Wucht zu Boden.

»Haltet ein, Herr! Ein Goro ist hier bei uns Symbol für Stärke und sexuelle Potenz. Ihr werdet die Attraktion des Abends sein!« erklärte er dem wütenden Deutschen.

Wieber beruhigte sich wieder. Er ging wieder zum Tisch und leerte ein weiteres Glas Schnaps.

»So ist das. Du meinst, das ist hier was besonderes?« fragte er milder.

»Ja, Herr. Besonders die Frauen werden Euch zu Füßen liegen. Denkt nur, wenn ihr den Saal betretet, werden alle Blicke auf Euch gerichtet sein. Ihr spielt einen wilden Goro und erobert Euch eine attraktive Frau.«

Das wirkte auf dem alten Mann. Er hatte schon lange keine Frau mehr gehabt. Das war eine willkommende Gelegenheit.

»Also gut. Ich gehe als Affe, äh, Goro.«

Gwendo triumphierte. Wieber war noch dümmer als er gedacht hatte. Er hatte ihn bei seiner Eitelkeit und seinem Paarungswillen gepackt. Der Zwerg lachte innerlich. Wie dumm die Männer doch waren. Wenn die Aussicht auf eine Frau sie lockte, machten sie sich sehr schnell zum Affen.

Prosperoh hatte Yasmin unterdessen in den entgegengesetzten Flügel geführt. Dort begaben sie sich in einen großen Turm. Ein riesiges Fernrohr ragte aus der Turmkuppel hervor.

Das mußte das Sternenobservatorium sein, das sie gesucht hatten. Yasmin betrachtete aufmerksam die Umgebung. Der Turm paßte nicht zu der Bauweise der übrigen Burg. Er wirkte besser erhalten, obwohl er älter als die Burg sein mußte. Im Inneren des Raums befand sich eine komplett erhaltende Ortungsstation. Und sie arbeitete! Ein Positronik sorgte für den automatischen Ablauf der Anlage. Wahrscheinlich wurden alle Sternendaten gesammelt und in der Anlage gespeichert. Womöglich auch die Koordinaten Dorgons!

»Das ist ja phantastisch!« tat Yasmin gegenüber Prosperoh erstaunt.

»Ja, es ist ein Wunderwerk. Es wurde vor vielen Jahren von fremden Wesen, die von einem anderen Stern kamen, erbaut. Diese Wesen sind wohl tot, aber ihre Anlage arbeitet immer noch. Leider kann ich diese fremdartige Technik nicht richtig verstehen oder bedienen. Niemand auf diesem Planeten kann es.«

Yasmin traute sich zu, sich mit dieser Technik vertraut zu machen. Mit Hilfe von Gal'Arn sollte es möglich sein, die gesuchten Koordinaten – sofern sie gespeichert waren – zu finden.

»Eines Tages wird Difus uns zeigen, wie wir es bedienen müssen. Dann werden wir die totale Macht besitzen und sie zu seinem Ruhm nutzen«, erklärte Prosperoh beschwörend.

Yasmin wurde dieser wahnwitzige Fanatiker immer unheimlicher. Sie konnte seine Gegenwart nicht mehr lange ertragen. Prosperoh trat auf sie zu und küßte ihre Hand.

»Heute abend, wenn der Kostümball stattfindet, werde ich unsere baldige Vermählung bekannt geben. Dann gehörst du mir und damit auch ihm.«

5. Zum Affen machen...

Mit viel Mühe hatte sich Eberhard Wieber in das Affenkostüm hineingezwängt. Ohne Gwendos Hilfe hätte er es auch nicht geschafft. Skeptisch betrachtete Wieber sich im Spiegel.

»Und du meinst wirklich, dieses Kostüm wirkt auf Frauen?«

»Aber ja, Herr. Besonders auf die jungen, attraktiven. In unserer Gegend verehren die Frauen reifere Männer. In Eurem Kostüm verkörpert ihr die geballte Erotik« log Gwendo.

Wieber nahm den Affenkopf ab und betrachtete sein faltiges Gesicht im Spiegel.

»So ist das. Na dann freue ich schon auf heute abend. Leider ist es in dem Kostüm so warm.«

Dir wird bald noch wärmer werden, du Narr! dachte Gwendo grimmig.

»Für eine schöne Frau müßt ihr ein kleines Opfer bringen. Ich werde Euch begleiten. Ich verkleide mich als Euer Dompteur, einen Mann aus einem fernen Land, der die Bestie bezähmt hat«, erklärte er.

»So ist das. Wenn du deine Sache gutmachst, nehme ich dich zur Belohnung mit nach Hause, wenn wir abreisen.«

Gwendo nickte ergeben. Er ahnte immer mehr, daß mit Wieber, dem Marquese und den anderen etwas nicht stimmte. Wahrscheinlich steckten sie mit den Fremden, die vor kurzem gefangengenommen worden waren, unter einer Decke. Aber Gwendo schwieg, um sich auch an Prosperoh zu rächen, der ihm diese Demütigung zugefügt hatte.

Lange halte ich das nicht mehr aus! Dieser Mann ist wahnsinnig!« klagte Yasmin ihr Leid.

Sie, Uthe, Jezzica und der Marquese hatten sich im Zimmer Don Philippes versammelt, um die weitere Vorgehensweise zu besprechen.

»Du mußt durchhalten. Es geht um unser aller Leben«, ermunterte Uthe sie.

»Keine Sorge, lange sollten wir ohnehin nicht mehr warten. Heute abend, während des Kostümfestes, schlagen wir zu«, bestimmte der Marquese.

»Ist das auch der richtige Zeitpunkt?« fragte Uthe skeptisch.

»Auf jeden Fall, mein Kind. Alle werden mal wieder betrunken sein. Wir kennen jetzt den Weg zum Kerker und wissen, wo Gal'Arn und die anderen gefangen gehalten werden. Du, Uthe, mußt dafür sorgen, daß die Wachen genug zu trinken bekommen. Das ist eine alte Kriegslist. Als die Franzosen unser Siniestro besetzten, haben wir die Besatzung betrunken gemacht und sie anschließend überwältigt. Euer Metallmann hat mir dazu ein paar Schlafmittel mitgegeben.«

»Sie meinen den Medorobot? Das ist eine gute Idee. Uthe kann den Wachen das Mittel in den Wein mischen«, schlug Yasmin vor.

»Anica und Jaquine werden mir dabei helfen«, erklärte Uthe. »Wir werden sie mitnehmen, wenn wir fliehen.«

»Ich helfe dir auch«, meinte Jezzica und stemmte die Hände in die Hüften.

»Zwei weitere junge, hübsche Damen an Bord. Wie schön«, freute sich der Marquese.

»Unterstehen Sie sich, sie anzufassen, sonst bekommen Sie es mit mir zu tun!« protestierte Uthe.

Verlegen wandte sich der Marquese zu seiner Truhe, die er als Gepäck mitgebracht hatte.

»Nun ja, um wieder zum Ausbruch zurückzukommen. Wir haben ja noch einige eurer modernen Pistolen mitgenommen.«

Yasmin ging dazwischen.

»Vorsicht, Marquese, sonst tun sie sich noch weh.«

»Oho! Ich bin ein erfahrener Pistolenschütze! Ob nun mit Kugeln oder diesen Feuerstrahlen, daß macht doch keinen Unterschied!« protestierte der Spanier.

Yasmin holte ein Dutzend Thermostrahler aus der Kiste. Ein paar davon gab sie Uthe und Jezzica.

»Versteckt sie so gut ihr könnt. Gal'Arn und die anderen werden sie gut gebrauchen können.«

Einen kleinen Thermostrahler behielt Yasmin für sich.

Uthe war angenehm begeistert von Yasmins Tatkraft. Die sonst so ruhige und zurückhaltende Terranerin wuchs aus sich heraus.

»Den nehme ich mit, falls mir dieser irre Prinz zu nahe kommt«, sagte sie entschlossen.

Uthe nickte zustimmend.

»Gut, ich werde Anica und Jaquine informieren, damit sie mir helfen«, erklärte sie.

»Dann sage ich den Braunhauers sowie Wieber, Katschmarek und Niesewitz Bescheid«, erklärte Don Philippe.

»Meinen Sie, die können mit den Waffen umgehen?« zeigte sich Yasmin skeptisch.

»Zumindest die drei Deutschen. Sie sagten, sie hätten in der Wehrmacht gedient, der besten Armee aller Zeiten. Wenn das stimmt, müßten sie gut mit Waffen umgehen können.«

»Auf ihre Verantwortung, Marquese.«

»Es wird gelingen. Die anderen müssen Bescheid wissen, damit sie sich bereithalten können, wenn es losgeht. Um Mitternacht sollte der Alkohol seine Wirkung getan haben. Dann schlagen wir zu.«

Während Uthe Scorbit und Jezzica Tazum Anica und Jaquine in den Plan einweihten, ging Don Philippe in das Zimmer der Braunhauers, in dem auch Katschmarek und Niesewitz saßen. Die vier hatten etliche halb leere Flaschen mit Alkohol und Bier auf dem Tisch zu stehen. Sie trugen mittelalterliche Kostüme, die sie sich für den Maskenball hatten anfertigen lassen. Und befanden sich schon in bester Partylaune.

»Schluß mit der Sauferei!« befahl der Marquese streng.

»Heute abend befreien wir die Gefangenen, deshalb gibt es heute keinen Alkohol mehr.«

»Was denn? Ausgerechnet auf der Party? Das ist aber unfair!« protestierte Katschmarek.

»Gerade wegen der Feier, das ist ja die List, die ich vorhabe.«

Der Marquese erklärte den anderen seinen Plan, dann holte er aus seinem Rock drei Thermostrahler hervor und legte sie auf den Tisch.

»Hier, die sind für euch. Da es ein Kostümfest ist, werden sie den Einheimischen nicht weiter ungewöhnlich vorkommen.«

In die Augen von Katschmarek und Niesewitz trat ein freudiger Glanz.

»Waffen! Richtige Waffen zu schießen! Da ist ja toll!« freute sich Reinhard.

»Könnt ihr wirklich damit umgehen?« vergewisserte sich der Marquese.

Werner Niesewitz stampfte energisch mit einem Bein auf den Boden auf.

»Selbstverständlich! Wir sind Veteranen des großen 2.Weltkrieges! Wir waren Soldaten der ruhmreichen Deutschen Wehrmacht, die fast die ganze Welt unterworfen hätte.«

»Aus dem >hätte< schließe ich, daß Sie den Krieg verloren haben.«

»Ja, aber erst zum Schluß!« warf Katschmarek ein.

Dem Marquese fiel auf, daß jemand fehlte.

»Wo ist eigentlich Wieber?« erkundigte er sich.

»Der ist mit seinem Kostüm beschäftigt und will heute nicht mehr gestört werden«, erklärte Niesewitz.

»Dieser Esel! Wenn er den Anschluß verpaßt, hat er Pech gehabt. Nun, wir haben noch eine Waffe übrig.«

Don Philippe wandte sich an Karl-Adolf Braunhauer, der mit skeptischer, leidender Miene auf seinem Stuhl saß und nervös mit seinem rechten Fuß hin und her schurrte.

»Was ist mit Ihnen, Señor Braunhauer? Ihre Frau sagte, Sie seien auch ein Kriegsveteran.«

»Ja, natürlich mein Mann war bei Hammel und wurde kurz vor Ende des Krieges verschüttet!« mischte sich Ottilie Braunhauer ein.

»Bei Widder, Ottilie, bei Widder!« stellte Braunhauer richtig.

»Jedenfalls wurdest du verschüttet und schwer verletzt! Darunter leidet mein Mann heute noch! Du kannst dir das nicht vorstellen, Herr Käse«, erwiderte Ottilie pikiert und füllte sich ein Schnapsglas voll, das sie umgehend leerte.

»Ich war bei der Widerstandsorganisation Widder während der Monos-Diktatur. Wir mußten gegen die, die, die Leute kämpfen, die halb aus Metall waren. Ach ja, Cantaro hießen sie. Während der letzten Kriegstage wurde ich verschüttet.«

»Furchtbar, von einem Haus?« erkundigte sich Don Philippe mitfühlend.

»Nein, von meinen Kameraden. Ich sprang als erster in einen Granattrichter, leider kamen die anderen zwanzig Mann hinterher und sprangen auf mich herauf. Es war entsetzlich.«

»Darauf trinken wir einen!« rief Katschmarek.

»Ich habe gesagt, es wird nicht mehr gesoffen!« widersprach Don Philippe wütend. Eingeschüchtert ließ Katschmarek von der Flasche ab.

»Spielverderber«, murmelte er.

Der Marquese wandte sich wieder an Braunhauer.

»Demnach können Sie also mit diesen modernen Waffen umgehen?« fragte er.

»Ja, ich hatte damals auch so eine.«

»Gut, dann nehmen Sie die dritte Feuerpistole.«

Der Marquese legte sie vor Braunhauer auf den Tisch.

»Lieber nicht, Vatichen, du wirst dir noch weh tun. Du kennst dich doch gar nicht mehr aus mit diesen, diesen... ich komme nicht auf das Wort«, mischte sich Ottilie wieder ein.

»Halt den Mund, Ottilie! Ich kann alles«, wies ihr Mann sie barsch zurück.

Ächzend erhob sich Braunhauer und salutierte vor den Marquese.

»Wenn das Vaterland mich ruft, werde ich zur Stelle sein«, sagte er pathetisch. »Doch zuvor muß ich noch die Toilette aufsuchen. Im Moment ruft mich meine Blase.«

Das kann ja heiter werden. Aber wer rechnet schon damit, daß diese Idioten einen Überraschungsangriff starten? dachte Don Philippe.

Ottilie Braunhauers nervige Stimme riß den Marquese aus seinen Überlegungen.

»Ach, vielleicht könnte mir noch jemand erklären, worum es bei all dem eigentlich geht.«

6. Die Feier

Am Abend begann endlich der große Maskenball. Prosperoh wollte, daß es ein unvergeßlicher Höhepunkt der Festlichkeiten werden sollte. Das würde es auch werden.

Alle Gäste hatten sich versammelt. Eine Musikkapelle spielte mittelalterliche Klänge, zu denen die Gäste eifrig tanzten. Alle Kostüme waren erlaubt. Nur die Farbe Rot zu tragen, war von Prosperoh strengstens verboten worden.

Der Marquese und Yasmin bekamen die Ehrenplätze neben dem Prinzen zugewiesen. Während der Marquese sich ein Outfit des 18.Jahrhundert hatte anfertigen lassen, trug Yasmin wieder ihre normale Bordkombination, die sie als Kostüm ausgab.

»Was für ein interessantes Kostüm. Ein Frau in Hosen, daß habe ich noch nie gesehen«, staunte Prosperoh.

»Ich freue mich, daß es Euch gefällt, Prinz«, entgegnete die Terranerin diplomatisch.

Der Marquese blickte sich um.

Er suchte nach den Braunhauers. Unwillig sah er, daß Ottilie Braunhauer nicht viel von seinem strikten Alkoholverbot zu halten schien. Karl-Adolf hielt hingegen noch durch und begnügte sich mit Mineralwasser, was er mit seinem Blasenleiden begründete. Niesewitz und Katschmarek konnte Don Philippe nicht sehen. Sie sollten sich in der Nähe bereithalten.

Dann entdeckte er Uthe. Neben ihr stand Jezzica Tazum, die ein sehr aufreizendes gelbes Kleid, das aus sehr knappen Shorts und einem bauchfreien Top bestand, trug. Viele Männer gierten ihr hinterher. Anscheinend war es Taktik, da sie mit diesem Outfit sicherlich die Wachen ablenken konnte.

Unauffällig nickte er ihr zu. Jezzica, Uthe und die Zechoninnen sollten damit beginnen, die Kerkerwachen mit Wein zu versorgen.

Kommt, es geht los«, sagte Uthe zu Anica und Jaquine.

Jezzica hatte bereits ein Tablett mit mehreren Weinkrügen geholt und begab sich mit den anderen drei zu den Kerkern.

»Zuerst bekommen die Wächter im Kerker den Wein mit dem Schlafmittel. Dann nehmen wir uns die anderen vor. Den Rest müssen wir leider mit Waffengewalt erledigen.«

»Kein Problem«, grinste Jezzica. Das Gefühl eine Waffe in der Hand zu halten, sagte ihr auf irgendeine Weise sogar zu.

Die drei nahmen ihre Tabletts mit den Weinkrügen und folgten Tazum. Sie wollten die Treppe zu den Verliesen heruntergehen, als plötzlich jemand mit strenger Stimme rief:

»Halt!«

Es war Fürst Tychmon, mit dem sie vor einigen Tagen eine unangenehme Begegnung gehabt hatten.

»Wo wollt ihr denn hin?« fragte Tychmon bösartig.

»Wir bringen den Wachen etwas Wein. Prinz Prosperoh möchte, daß sie auch ihre Freude haben«, antwortete Uthe.

»So, der wird wohl auf seine alten Tage sentimental. Viel zu schade für diesen Abschaum.«

Tychmon roch an einem Weinkrug.

»Ich will auch etwas davon haben. Zuerst probiere ich den Wein, dann euch.«

Uthe, die schon das Schlafmittel in die Krüge gegeben hatte, schaltete sofort.

»Aber gern, Herr. Probiert von den köstlichen Wein. Und wenn wir mit unserer Arbeit fertig sind, besuchen wir Euch.«

»Gut, ich will, daß ihr alle vier in mein Schlafzimmer kommt. Und jetzt gib mir was zu trinken. Ich bin durstig«, befahl der Fürst.

Tychmon faßte um Jezzicas Hüften und stierte in ihren Ausschnitt. Er nahm etwas Wein und goß es in ihr Dekolleté. Jezzica zuckte kurz zusammen, als das kalte Naß ihre Haut berührte. Mit der linken Hand tastete sie nach ihrem Strahler, doch Uthe legte ihre Hand wiederum auf die von Jezzica und gebot ihr damit Einhalt.

Widerwillig spielte die Terranerin mit. Sie umklammerte Tychmon und küßte ihn auf die Lippen. Der Fürst war erregt.

Jezzica glitt langsam zu seinen Beinen herunter und lächelte ihn vielsagend an. Uthe und die beiden Zechoninnen betrachteten dieses Schauspiel, ohne zu wissen, was Tazum damit bezweckte.

Tychmon genoß diese Darbietung jedenfalls. Die blonde Terranerin öffnete die Hose des Fürsten, dann nahm sie ein Glas von dem Wein und schüttete es ihm in die Hose.

Tychmon zuckte zurück und stieß Tazum von sich, die sich vor Lachen kaum halten konnte. Uthe war weniger begeistert von der Tat.

»Du kleine Schlampe!« fluchte der Zechone laut.

Jezzica war wieder nahe dran, den Strahler zu ziehen, doch Uthe ging dazwischen.

»Vergebt ihr Herr! Es gehört zu ihrem erregenden Vorspiel, wenn Ihr versteht. Bitte trinkt ein Glas Wein zur Beruhigung.«

Uthe schenkte ihm ein Glas bis oben hin voll ein. Gierig trank der beleibte Mann davon.

Seine Miene verzog sich gleich darauf.

»Ich hoffe, ihr seid besser im Bett als dieser Wein. Ich warte in meinem Schlafgemach auf euch.«

Da kannst du aber lange warten, dachte sich Uthe.

Als Tychmon endlich gegangen war, begaben sich die vier in den Kerker.

»Was sollte das?« wollte Uthe Scorbit von Jezzica wissen.

»Was denn? Dieser Miese Typ hat eine Abreibung verdient. Am liebsten hätte ich ihn niedergeschossen!«

Uthe schüttelte mit dem Kopf.

»An unsere Befreiungsaktion denkst du wohl gar nicht?« stellte sie in den Raum.

Jezzica Tazum schwieg. Sie wußte selbst, daß sie etwas überreagiert hatte. Doch das gehörte zu ihren Charakterschwächen. Sie war eine sehr impulsive Frau.

»Seid vorsichtig. Hier unten gibt es gefährliche Kreaturen«, warnte Uthe die beiden zechonischen Mädchen und die Terranerin. Die unerfreuliche Begegnung mit dem gefangenen Mann am Vortag, war ihr noch in unguter Erinnerung.

Eberhard Wieber betrachtete sich im Spiegel und war mit dem Ergebnis durchaus zufrieden.

»Wir müssen nun gehen, Herr. Der Maskenball ist in vollem Gange«, erinnerte Gwendo.

Wieber winkte ab.

»Ja ja, nun sei mal nicht so vorlaut, du kleiner Gnom. Wann wir gehen, bestimme immer noch ich. Meinst du, ich sehe gut aus?«

»Prächtig, Herr. Einfach prächtig. Alle Frauen werden hingerissen sein.«

Wieber lächelte zufrieden. In Wahrheit sah er einfach lächerlich aus.

»Ja, das glaube ich auch. Reini und Werner werden vor Neid erblassen.«

Gwendo überreichte Wieber den Affenkopf. Nachdem der alte Mann noch einen Schnaps getrunken hatte, setzte er ihn sich auf.

»Ihr müßt brüllen und grunzen, damit es echt wirkt«, schlug Gwendo vor.

Wieber gab einige seltsame Töne von sich und wankte hin und her.

»Phantastisch! Einfach furchteinflößend!« log der Zwerg.

»Dann laß uns gehen«, sagte Wieber.

Uthe Scorbit, Jezzica Tazum, Anica und Jaquine hatten den Kerker erreicht. Dort befanden sich sechs Männer zur Bewachung. Fünf der Leute saßen an einem Tisch und spielten Karten. Der sechste, der mit einer Lanze bewaffnet war, trat auf sie zu.

»Was wollt ihr hier, Dienerinnen?« fragte er streng.

Nun ergriff Jezzica wieder die Initiative. Sie geizte dabei nicht mit ihren Reizen und setzte sich auf den Schoß des Kommandanten.

»Alle da oben feiern und ihr müßt schuften. Da dachte sich der Prinz, daß wir euch etwas aufheitern sollen«, erklärte sie und strich mit dem Zeigefinger durch seinen filzigen Bart. Ein kalter Schauer lief ihr beim Anblick der lüsternen Zechonen über den Rücken, doch sie beherrschte sich.

Uthe präsentierte den Wachen ihr Tablett mit den Weinkrügen und Bechern und lächelte freundlich.

»Wir bringen euch köstlichen Wein. Seine Hoheit, der Prinz, wünscht, daß auch ihr euch amüsiert.«

Der Soldat roch gierig an dem Wein.

»Das laß ich mir gefallen. He, Leute, es gibt Wein für uns!« rief er seinen Kameraden zu.

Diese waren natürlich hocherfreut. Anica und Jaquine stellten ihre Krüge und Becher ebenfalls ab. Sofort machten sich die Soldaten darüber her.

Als die drei sich abwandten, rief einer der Soldaten:

»He, Mädels, bleibt doch hier und feiert mit uns.«

»Wir sind leider schon bei einer anderen Party eingeladen. Aber wir kommen später wieder und sehen nach euch«, versicherte Uthe treuherzig.

Nun stand auch Jezzica wieder auf und gab dem Soldaten einen Abschiedskuß, der widerlich schmeckte.

»Wir kommen wieder, versprochen, mein heldenhafter Soldat. Dann will ich dein Schwert spüren...«

Sie lächelte und zwinkerte mit den Augen. Der Soldat grinste breit und winkte mit der einen Hand hinterher, in der anderen Hand sein Weinglas haltend.

Kaum hatte sich Jezzica umgedreht, gefror ihr Lächeln und sie spuckte auf den Boden, um den ekelerregenden und ranzigen Geschmack seiner Lippen von den ihren zu bekommen.

Erleichtert atmeten alle auf, als sie den Kerker verlassen hatten. Nur Anica schien immer noch nicht begriffen zu haben, um was es eigentlich ging. Sie befolgte jedoch gehorsam alle Anweisungen.

»In etwa einer Stunde müßten sie fest schlafen, dann gehen wir nach unten. Bis dahin verteilt soviel Wein wie möglich an die anderen Wachen«, wies Uthe die beiden Zechoninnen an.

»Machen wir, du kannst dich auf uns verlassen.«

»Hoffentlich wirkt der Wein auch«, stellte Jezzica mit besorgter Mine fragend in den Raum.

7. Flambierter Goro

Die Stimmung des Festes stieg stetig an. Der Alkohol floß in Strömen. Prosperoh beobachtete interessiert die ausschweifende Stimmung seines Festes.

»Sie sind wie primitive Tiere«, sagte er zu Yasmin.

»Da kann ich nicht widersprechen«, entgegnete diese.

Prosperoh lächelte freundlich.

»Bald wirst du ihre Herrscherin sein und mein Weib.«

Aber nur über meine Leiche, dachte Yasmin. Aber sie lächelte zurück und erwiderte:

»Gewiß, verehrter Prinz.«

Die Aufmerksamkeit der beiden wurde auf eine ertönende Fanfare gelenkt. Dann trat Gwendo herein. Er hielt eine Leine, an dessen Ende er einen seltsam wirkenden, schwarzen Affen führte. Eberhard Wieber in Aktion.

»Meine Damen und Herren! Ich bitte um Eure Aufmerksamkeit!« rief Gwendo.

»Ich präsentiere Euch Goro, die wilde Bestie aus dem Land hinter den Wäldern!«

Eberhard Wieber beschloß seine Rolle besonders gut zu spielen und fing an grunzen und sich wild auf die Brust zu trommeln. Doch er übertrieb es und bekam einen Hustenanfall.

»Das ist Eberhard, ich erkenne ihm am Husten«, sagte Frau Braunhauer zu ihrem Mann.

Dieser faßte sich an die Brust und hustete demonstrativ.

»Ich glaube, ich bekomme auch einen Husten«, jammerte er.

Wieber rannte inzwischen quer durch den Saal und verfolgte wohlproportionierte Damen, die lachend und kreischend vor ihm davonliefen. Gwendo, der ihn an der Leine hielte, trippelte hinterher und rief mit keifender Stimme:

»Habt acht! Hütet euch vor Eberhard Wieber, dem Monster aus dem Urwald!«

Als Wieber außer Atem war, mußte er stehenbleiben.

»Ich kann nicht mehr. Ich muß mal verschnaufen«, jammerte er prustend.

»Natürlich, Herr. Ruht Euch aus. Gleich habt Ihr es hinter Euch«, flüsterte Gwendo scheinbar liebenswürdig, doch in Wahrheit hatte er sich einen teuflischen Plan ausgedacht, um Wieber zu töten. Der alte Mann bemerkte nicht, daß Gwendo ein Seil um seine Taille herumschlug. Das andere Ende befestigte der Zwerg an einem Rad, das zu Dekoration an der Decke hing und mit einem Flaschenzug hoch und herunter geholt werden konnte.

»Was machst du denn da, Zwerg?« fragte Wieber ahnungslos.

»Ich bereite die nächste Attraktion für die Gäste vor. Euer Ende!« rief Gwendo böse.

Bevor Wieber begriff, was ihm geschah, hatte Gwendo eine brennende Fackel geholt und zündete das Affenkostüm damit an. Im Nu stand Fellkostüm in Flammen.

Wieber schrie und tobte, doch bevor er etwas tun konnte, setzte der Zwerg den Flaschenzug in Bewegung. Wieber, den er mit dem Seil an das Metallrad gefesselt hatte, wurde ihn die Höhe gezogen. Zappelnd und schreiend hing er brennend an der steinernen Decke. Niemand von den Zechonen griff ein.

Im Gegenteil, die adligen Männer und Frauen standen johlend und lachend herum und amüsierten sich über den schrecklichen Tod des alten Mannes. Der Marquese eilte mit Katschmarek und Niesewitz herbei, doch es war zu spät. Durch das Fell des Affenkostüms war Wieber in kürzester Zeit verbrannt. Gwendo reckte triumphierend die Arme in die Höhe.

»Das war meine Rache!« rief er.

Yasmin stand regungslos am Tisch und hielt sich die Hände vor dem Gesicht. Sie war den Tränen nahe. Doch Prosperoh schien sich zu amüsieren.

Der Marquese schüttelte ungläubig den Kopf. Wie hatte das nur passieren können.

»Ich protestiere, Prinz! Wieber war einer meiner Leute!« rief er wütend.

Doch Prosperoh gab sich gelassen.

»Seid nicht böse deshalb, verehrter Freund. Ich werde Euch dafür gebührend entschädigen. Es war doch sehr amüsant. Wieber war zweifellos der Star des Abends. Da Gwendo mich gut unterhalten hat, werde ich ihm noch mal vergeben.«

Der Marquese beschloß, aus taktischen Gründen gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Wieber war ohnehin nicht mehr zu helfen.

»Wie Ihr meint, Prinz.«

»Laßt uns etwas trinken. Gwendo, sorge dafür, daß die Reste von Wieber entfernt werden! Es fängt an zu stinken.«

In der Tat hatte sich im Raum der Geruch von verkohltem Fleisch breit gemacht.

Ungläubig beobachteten Don Philippe, Katschmarek, Niesewitz und die Braunhauers, wie die verkohlten Überreste Wiebers von der Decke genommen wurden.

»Adieu, Eberhard, alter Saufkumpan«, sagte Katschmarek mit trauriger Stimme.

»Das wird dieser Zwerg noch bereuen«, zischte Niesewitz.

»Diesmal hatte Wieber ein schlimmeres Leiden als Sie«, sagte Marquese zu den Braunhauers.

»Ach, mir ist ja auch so heiß«, stöhnte Ottilie.

8. Die Befreiung

Während im Saal das Fest trotz des Todes von Eberhard Wieber fröhlich weiterging, schlichen sich Uthe, Jezzica, Anica und Jaquine wieder hinunter in den Kerker.

»Das Schlafmittel müßte jetzt eigentlich gewirkt haben«, meinte Uthe zu den anderen.

Als sie den Wachraum des Kerkers betraten, sahen sie vier Wächter schnarchend auf ihren Plätzen sitzend. Einer lag auf dem Fußboden. Alle schliefen tief und fest.

Jezzica atmete erleichtert auf.

»Es sind aber nur fünf. Einer fehlt«, stellte Jaquine beunruhigt fest.

»Und der muß den Schlüssel haben. Die hier haben jedenfalls keinen«, sagte Uthe.

»Mist, das ist der Kommandant mit dem ranzigen Lippengeschmack«, stellte Tazum unwirsch fest.

Die Terranerin holte ihren Thermostrahler hervor.

»Ihr bleibt hier und haltet Wache«, flüsterte sie zu Jaquine und Anica.

Uthe Scorbit beschloß, auch ihren Thermostrahler zu nehmen und folgte Jezzica. Sie hastete hinter der Terranerin her, bis sie den Anschluß erreicht hatte. Jezzica gebot ihr mit einer Handbewegung, leise zu sein.

Entschlossen betraten sie dann den Korridor, der zur Zelle der Gefangenen führte.

Dort erblickten die beiden terranischen Frauen den sechsten Wächter. Er lag vor einer offenen Zellentür. Vorsichtig sah Jezzica nach dem Mann. Er war tot. Daran war jedoch nicht das Schlafmittel schuld. Der Soldat war erwürgt worden.

Tazum machte eine ratlose Geste in Richtung Scorbit.

Bevor Uthe weiterdenken konnte, wurde sie von der behaarten Pranke eines Mannes gepackt.

»Frau! Endlich Frau haben!« grunzte der Mann.

Uthe schrie auf. Es war derselbe Unhold, der sie am Tag zuvor schon einmal bedroht hatte.

Die Terranerin kam nicht mehr dazu, ihren Strahler auf denn Gefangenen abzufeuern, denn das Monstrum, dessen dichte Behaarung sie an einen Werwolf aus einem Horrorfilm erinnerte, schlug ihr die Waffe aus der Hand. Dann warf er Uthe zu Boden und warf sich grunzend auf sie.

»Jaquine, Anica! Hilfe!« schrie Uthe.

Schnell kamen die beiden angerannt.

Anica fing an, zu schreien und hysterisch hin und herzulaufen.

»Was sollen wir tun?« fragte Jaquine.

Uthe entdeckte, daß der Schlüsselbund, den sie gesucht hatte, im Schloß der Zellentür steckte.

»Nimm den Schlüssel und befreie die Männer! Schnell! Es ist die Zelle am Ende des Korridors!« rief sie verzweifelt.

Der Unhold begann, ihr die Kleider vom Leib zu reißen. Jezzica griff nun auch ein. Sie zielte zuerst auf den Angreifer, doch die Gefahr, Uthe zu treffen war zu groß. So warf sie sich auf ihn und umklammerte mit ihren beiden Armen seinen Hals. Doch der immer noch recht kräftige Gefangene schüttelte sie ab. Jezzica fiel unsanft gegen die Wand. Der Aufprall raubte ihr für einige Momente die Luft.

Jaquine griff sich den Schlüssel. Dann rannte sie zu Ende des Korridors und versuchte, die Zellentür zu öffnen. Es dauerte einige Augenblicke, bis sie den richtigen Schlüssel gefunden hatte, dann öffnete sie die schwere Tür. Gal'Arn, Jonathan Andrews, Jaktar und Remus Scorbit kamen ihr entgegen. Remus hörte Uthe schreien.

»Wo ist Uthe? Was ist mit ihr?« fragte er Jaquine.

»Sie wird von einen Monster bedroht! Helft ihr!« rief die Zechonin.

Schnell rannten die Männer zur Zelle. Gemeinsam gelang ihnen, den rasenden Irren von Uthe herunterzuziehen. Doch der Mann wehrte sich mit der Kraft eines Besessenen. Er schlug Jonathan und Jaktar nieder.

Brüllend schlug der Wahnsinnige um sich. Schaum stand ihm vor dem Mund. Remus entdeckte den Thermostrahler, den Uthe verloren hatte, nahm ihn und schoß den gefährlichen Mann nieder. Tödlich getroffen sank der Gefangene röchelnd zusammen. Ein paar Sekunden wand sich sein Leib in konvulsivischen Zuckungen, dann war er tot.

Remus half Uthe auf und umarmte seine Frau.

»Alles in Ordnung, Uthe?« fragte Remus besorgt.

»Fast hätte er mich vergewaltigt. Er war wie ein wildes Tier. Zum Glück seid ihr rechtzeitig gekommen.«

Uthe rümpfte die Nase und ging auf Distanz zu ihrem Mann.

»Du stinkst, mein Lieber. Du mußt mal wieder unter die Dusche.«

»Leider gab es in unserem Etablissement keine solche moderne Einrichtung«, erwiderte Remus beleidigt.

»Wo sind die anderen?« unterbrach Gal'Arn den drohenden »Ehestreit«.

Uthe berichtete ihm, was vorgefallen war.

»Ich weiß auch, wo das gesuchte Sternenobservatorium ist. Prosperoh hat es Yasmin gezeigt und sie hat mir den Weg genau beschrieben. Es befindet sich im größten Turm der Burg.«

Uthe ging zu einem Korb, den sie mitgebracht hatte, und holte die Thermostrahler hervor, die sie dort versteckt hatte.

»Ausgezeichnete Arbeit, Uthe. Jetzt kommen wir hier heraus«, lobte Gal'Arn.

Jonathan half der benommenen Jezzica hoch und umarmte sie.

»Bevor wir die anderen holen, gehen wir zum Observatorium, um die Daten von Dorgon zu finden«, stellte er fest.

Gal'Arn nickte mit dem Kopf und deutete an, den Kerker schnell zu verlassen.

Im großen Festsaal wurde weiter gefeiert. Der Alkohol floß in die Strömen und die adligen Damen konnten sich ihrer wollüstigen Männer kaum noch erwehren. Nervös sah der Marquese auf seine Uhr. Es war kurz nach Mitternacht. War die Befreiung gelungen?

Der alte Spanier wurde in seinen Überlegungen unterbrochen, als Prosperoh sich erhob und den Becher hob.

»Meine Freunde, hiermit gebe ich meine bevorstehende Heirat mit Yasmin Weydner bekannt. Bereits morgen werden wir die Trauung vollziehen.«

Die Zechonen jubelten ihrem Herrscher zu, während Yasmin nervös nach ihrem Strahler tastete, den sie unter ihrer Kleidung versteckt hatte. Notfalls würde sie versuchen, auf eigene Faust zu entkommen.

Uthe hatte Gal'Arn und die anderen zum Turm geführt.

»Die Wachen werden hier auch schlafen. Jaquine und Anica haben ihnen von dem Wein gegeben«, erklärte die junge Terranerin.

»Ihr habt klug und human gehandelt«, lobte Gal'Arn die vier Frauen.

Jezzica blickte verstohlen auf den Boden. Hätte Uthe sie nicht zurückgehalten, wäre der Plan vielleicht schiefgegangen. Doch Uthe erwähnte nichts davon, so beschloß Tazum auch zu schweigen.

Die Gruppe ging die Stufen zum Observatorium hinauf. Die Wachen lagen auf der Treppe und schliefen fest. Die Tür zum Innenraum war jedoch verschlossen. Jonathan Andrews gab einen gezielten Schuß auf das Türschloß ab und öffnete dann die Tür.

Als alle hineingegangen waren, begannen Gal'Arn und Jaktar die Instrumente zu studieren. Als sie sich mit der Technik vertraut gemacht hatten, begannen sie mit der Auswertung der Daten.

Plötzlich erschien unvermittelt eine Gestalt in der Mitte des Raumes. Es war eine Frau. Wie aus dem Nichts war sie aufgetaucht. Andrews und Remus zogen ihre Waffen.

»Wartet!« rief Gal'Arn.

Der Ritter der Tiefe wandte sich an die Frau, die eine Terranerin zu sein schien.

»Wer bist du? Woher kommst du?« fragte er sie.

»Ich bin Nadine Schneider. Ich bin ein Konzept der Entität DORGON, antwortete die Frau mit teilnahmsloser Stimme. »Ich habe euch folgende Botschaft zu überbringen: Sucht nicht nach der Galaxis Dorgon. Die TERSAL soll sofort in die Milchstraße aufbrechen. Dort werdet ihr DORGON zu Gesicht bekommen. Die Koordinaten der Milchstraße sind bereits im Rechner dieser Positronik gespeichert. Ihr braucht sie nur noch abzurufen.«

»Höre mich an, Nadine Schneider. Wenn du ein Konzept von diesem DORGON bist, und der scheint ja ein netter Kerl zu sein, kannst du uns sicher helfen«, meinte Jonathan.

»Ja, wir bitten dich um Hilfe«, schloß sich Gal'Arn an.

Doch Nadine Schneider reagierte nicht auf ihre Worte. Die Erscheinung löste sich auf. So plötzlich, wie sie gekommen war, verschwand sie wieder.

Gal'Arn wirkte nachdenklich.

»Wir sollen also nicht nach Dorgon fliegen, sondern in eure Heimatgalaxis Milchstraße.«

»Die Idee finde ich gar nicht so schlecht«, meinte Uthe.

»Außerdem sollen wir dort auf diesen DORGON treffen, wer immer das ist«, erinnerte Jaktar.

»Dann werden wir also in die Milchstraße aufbrechen. Ich werde die Daten abrufen«, entschied Gal'Arn.

Der Ritter der Tiefe betätigte einige Apparaturen. Genau wie Nadine Schneider versprochen hatte, lagen die Koordinaten der Milchstraße bereit. Gal'Arn rief sie ab.

»Ich habe die Koordinaten. Jetzt laßt uns aufbrechen. Wir müssen die anderen holen«, sagte er als er fertig war.

»Niemand werdet ihr holen. Im Gegenteil, man wird euch holen!« rief eine unfreundliche Stimme.

Uthe erschrak. An der Tür stand, mit einem großen Schwert bewaffnet, Fürst Tychmon.

»Ich hatte euch doch befohlen in mein Schlafgemach zu kommen. Statt dessen vergnügt ihr euch hier mit anderen Männern«, sagte er grimmig.

»Wir sind haben alte Freunde getroffen«, erwiderte Uthe sarkastisch.

Drohend kam der Fürst näher. Er starrte Jezzica Tazum an, die sich provokativ vor ihn stellte und die Hände in die Hüften stemmte.

»Ihr kommt jetzt mit mir in mein Schlafzimmer und werdet dort meine Gelüste befriedigen«, verlangte Tychmon.

»Wir denken gar nicht daran!« rief Jezzica.

»Fürst, gebt auf. Laßt uns in Frieden gehen«, schaltete sich Gal'Arn in das Gespräch ein.

»Schweigt! Ihr seid doch die Fremden? Was habt Ihr hier im Observatorium zu suchen? Ihr seid hier eingedrungen! Dafür hacke ich euch in Stücke!«

Tychmon stürzte überraschend auf Gal'Arn zu. Doch bevor er zuschlagen konnte traf ihn der Schuß aus Jezzicas Strahler. Der Fürst schrie auf, ließ sein Schwert fallen und taumelte zur Tür.

»Mord! Mord!« rief er.

Doch niemand konnte ihn hören. Der Festlärm übertönte sein Rufen und die Wachen waren nach wie vor besinnungslos.

Tychmon taumelte zur Treppe, dort stolperte er und stürzte die Stufen hinab. Am Ende der Treppe blieb er regungslos liegen.

Andrews blickte überrascht zu Jezzica.

»Dieser Typ wurde mir einfach überdrüssig!« erklärte sie und steckte den Strahler wieder ein.

»Ich hoffe, ich werde dir nicht einmal überdrüssig«, unkte Andrews und erntete ein gezwungenes Lächeln von Jezzica ein.

Gal'Arn und die anderen verließen das Observatorium und gingen die Treppe hinunter. Der Ritter der Tiefe sah nach dem Gestürzten.

»Er ist tot«, stellte er fest.

»Das hat er sich selbst zuzuschreiben!« sagte Uthe entschlossen. »Er war komplett verrückt. Wie alle in diesem Schloß. Wir müssen jetzt unbedingt Yasmin und die anderen herausholen!«

Gal'Arn nickte zustimmend.

»Dann laßt uns gehen.«

Die Gruppe ging in Richtung des Festsaals.

9. Kampf der Zwerge

Dort hatte die Stimmung den Siedepunkt erreicht. Ausgelassen tanzten und feierten die Zechonen die bevorstehende Hochzeit ihres Prinzen.

Niemand schien auf Gwendo zu achten, der sich zurückgezogen hatte. Gwendo hatte beschlossen, die Burg und Prosperoh zu verlassen. Vorher wollte er sich jedoch noch entschädigen und ging in das Gemach seines ehemaligen Herren.

Er wußte, wo der Prinz seine Wertsachen aufbewahrte – in einer Truhe. Gwendo öffnete sie und nahm sich soviel Gold und Juwelen heraus, wie er tragen konnte. Dann begab er sich in Eberhard Wiebers Gemach, um sich dort ebenfalls nach Wertsachen zu suchen. Gwendo fand, daß er sich eine Entschädigung für all die Demütigungen, die Wieber ihm zugefügte, verdient hatte. Als er sich an Wiebers Gepäck zu schaffen machte, wurde er in seiner Tätigkeit unterbrochen.

»Na, du Zwerg! Willst wohl klauen?«

Erschrocken fuhr Gwendo herum. Hinter ihm standen Katschmarek und Niesewitz.

»Du hast unseren besten Freund und Trinkbruder Eberhard auf dem Gewissen. Dafür wirst du jetzt bezahlen«, drohte Niesewitz.

»Bitte nicht!« flehte Gwendo.

Er zeigte, was er aus Prosperohs Gemach gestohlen hatte.

»Seht, ich habe Gold. Wenn ihr mich gehen laßt, gebe ich es euch.«

Niesewitz lachte nur.

»Interessant, dieses Angebot nehmen wir gerne an. Nur eine kleine Änderung gibt es. Du gibt es uns und stirbst trotzdem. Pack ihn, Reini!«

Katschmarek griff sich Gwendo und hielt ihn fest, während Niesewitz ihn fesselte und dann zum primitiven Heizofen des Zimmers ging.

»Es ist kalt hier. Der Ofen muß dringend angeheizt werden.«

Gwendo wurde mit einem Schlag klar, auf welch grausame Weise sich die beiden Freunde seines Peinigers an ihm rächen wollten. Er hätte Prosperoh doch von seinem Verdacht unterrichten sollen, nun war es zu spät.

»Nein, bitte nicht! Habt Erbarmen!« flehte der Zwerg vergeblich.

»Soviel, wie du mit unserem Freund hattest«, entgegnete Niesewitz.

Niesewitz öffnete die Ofentür. Der Ofen brannte und lief auf vollen Touren.

»Rein mit ihm!« befahl er Katschmarek.

Dieser schob den gefesselten, hilflosen Zwerg in den brennenden Ofen. Gwendo schrie markerschütternd, doch das rührte die beiden Männer nicht. Niesewitz verschloß die Ofentür.

Während Gwendo im Ofen verbrannte, genehmigten sich die beiden Altterraner einen Schnaps.

»Auf Eberhard. Er wäre stolz auf uns«, sinnierte Niesewitz.

»Auf Eberhard! Prost!« stimmte Katschmarek ihm zu.

Mit einem Atemzug leerten die beiden ihre Gläser.

10. Der Rote Tod

Im Festsaal war die Stimmung auf dem Siedepunkt. Die Gäste wälzten sich auf dem Fußboden und fielen wollüstig übereinander her.

»Ich glaube, meine Liebe, es wird Zeit, sich zurückzuziehen. Wir wollen in mein Schlafgemach gehen, um ebenfalls unsere Gelüste zu befriedigen«, sagte Prosperoh in ernstem Ton.

Yasmin glaubte sich verhört zu haben.

»Aber, verehrter Prinz, doch nicht vor der Trauung!« versuchte sie Zeit zu gewinnen.

»Bei uns ist es üblich, einen Tag vor der Trauung das Objekt der Begierde erst einmal zu testen. Bei euch scheinen die Sitten wohl anders zu sein.«

Prosperoh lächelte finster.

»Glaubst du, ich habe nicht bemerkt, daß ihr aus einer anderen Welt kommt? Doch ich fand es interessant, einmal andere Wesen zu sehen, als diese stumpfsinnigen Tiere. Doch nun ist der Spaß vorbei.«

Yasmin griff zu ihrem Strahler, doch bevor sie ihn zog, wurde Prosperoh plötzlich bleich.

Sein Blick richtete sich auf eine Gestalt, die an der Tür zum Festsaal erschienen war.

Die Gestalt war von Kopf bis Fuß in eine rote Kutte gekleidet und trug einen langen Umhang. Der Kopf wurde von einem Helm bedeckt, dessen sichelförmiger Schlitz auf der Oberseite die Augenhöhe erahnen ließ. Yasmin fand die Gestalt unheimlich.

»Ich hatte doch verboten, etwas Rotes zu tragen!« regte sich Prinz Prosperoh auf.

Der Rote ging quer durch den Festsaal.

»He du! Bleib stehen! Wer bist du, daß du es wagst meine Befehle zu mißachten!« rief Prosperoh wütend.

Doch der Rote achtete nicht auf den Prinzen und ging seelenruhig weiter. Prosperoh stand auf und folgte ihm. Yasmin wollte ebenfalls gehen, als plötzlich jemand eine faltige, kalte Hand auf ihre Schulter legte. Entsetzt schrie sie auf. Doch dann erkannte sie, wem die Hand gehörte.

»Marquese! Wie konnten Sie mich so erschrecken?«

»Tut mir leid, mein schönes Kind. Aber ich halte es für besser schleunigst zu verschwinden. Ich habe die Braunhauers nach draußen in den Hof geschickt. Dort treffen wir uns mit Niesewitz und Katschmarek und wenn alles gut gegangen ist, auch mit Uthe und unseren befreiten Freunden.«

»Haben Sie auch diesen unheimlichen Roten gesehen, Marquese?«

Don Philippe nickte.

»Ja, und auch, was er hinterläßt.«

Der Marquese deutete auf einige Leute, an denen der Rote vorbeigegangen war. Sie fingen an aus Nase, Ohren und Mund zu bluten. Ihr Hautfarbe begann sich rot zu verfärben.

»Der Rote Tod!« schrie Yasmin entsetzt auf.

Der Marquese nahm sie bei der Hand.

»Wir sollten verschwinden, bevor wir ihm begegnen.«

Das ließ sich die Terranerin nicht zweimal sagen. So schnell, wie der betagte Spanier konnte, begaben sie sich nach draußen. Unterwegs begegneten ihnen Gal'Arn und die anderen.

»Mein Plan hat also funktioniert! Ihr seid frei«, freute sich der Marquese.

»Wir sind Ihnen Dank schuldig, Marquese«, sagte Gal'Arn.

»Wir sollten jetzt besser verschwinden«, drängte Yasmin.

Sie erklärte Gal'Arn, was im Saal vorgefallen war.

Der Ritter der Tiefe wirkte nachdenklich.

»Sehr seltsam. Aber du hast Recht. Wir kehren so schnell wie möglich zur TERSAL zurück. Aber wir benötigen ein Transportmittel.«

Der Marquese lächelte.

»Dafür habe ich gesorgt. Ich habe Katschmarek und Niesewitz angewiesen, Prinz Prosperohs Kutsche zu organisieren.«

Kaum hatte der Marquese ausgesprochen, kam die Kutsche auch schon angerollt. Niesewitz lenkte die Kutsche. Katschmarek saß neben ihm, die Braunhauers im Inneren der Kutsche.

»Jetzt zahlt es sich aus, daß ich früher bei der Kavallerie war«, sagte Niesewitz.

Die Kutschentür öffnete sich und Frau Braunhauer, die wieder einmal einen höchst angetrunkenen Eindruck machte, versuchte auszusteigen.

»Mir ist auf einmal so schwindlig. Das muß am Wetter liegen«, sagte sie mit schwerer Stimme.

»Oh nein! Nicht schon wieder!« rief Uthe.

Doch es war schon zu spät. Ottilie stolperte und fiel schreiend hin.

»Ich bin gestürzt! Ich bin gestürzt!« rief sie laut.

»Die schreit doch wieder alles zusammen!« meckerte Remus.

Kurzerhand zog Uthe einen Paralysator und betäubte die quengelnde Frau damit.

»So, jetzt könnt ihr sie in Ruhe einladen«, meinte sie zu ihrem Mann.

Doch während die Männer sich daran machten, die schwerfällige Frau in die Kutsche zu hieven, kamen einige Schloßwachen, die das Geschrei mitbekommen hatten, angerannt.

»Halt, stehenbleiben!« riefen sie.

Jaktar und Gal'Arn feuerten mit ihren Paralysatoren auf sie, während Remus und Jonathan fluchend die alte Braunhauer in die Kutsche luden. Natürlich gab Karl-Adolf Braunhauer wieder seine »kompetenten« Kommandos. Als die Soldaten alle betäubt am Boden lagen, quetschten sich auch Gal'Arn und Jaktar in die Kutsche, die dann über die Zugbrücke, die Katschmarek zuvor heruntergelassen hatte, davonfuhr.

11. Die Begegnung mit Difus

Während seine Gefangenen entschwanden, folgte Prosperoh eiligst der Roten Gestalt, die quer durch das ganze Schloß ging. Alle Zechonen, an denen er vorbeiging, begannen zu bluten und sich rot zu verfärben.

»Halt, bleibe stehen! Ich befehle dir, sofort stehenzubleiben!« rief Prosperoh wütend.

Endlich hielt der Rote an. Langsam drehte er sich zu Prosperoh um.

»Wer bist du?« fragte Prosperoh ängstlich.

»Ich bin der, auf den du wartest«, sprach der Rote mit kalter Stimme.

»Erkennst du mich nicht mehr? Als du ein Junge von 18 Jahren warst, sind wir uns schon einmal begegnet.«

Prosperoh erschrak. Seine Miene verriet blankes Entsetzen.

»Der Rote Tod«, flüsterte er.

»Wenn du mich so nennen willst«, erwiderte der Rote gleichgültig. »Aber ich bringe dir nicht den Tod. Ich bringe dir und deinem Volk eine neue Form von Existenz. Ich werde alle Zechonen in mich aufnehmen. Auf dich, Prosperoh, wartet eine große Aufgabe. In den Jahren deiner Herrschaft hast du dich als würdiges Wesen des Chaos und des Unheils erwiesen.«

Prosperoh beruhigte sich wieder.

»Hat... hat Difus, mein Herr und Meister, dich geschickt?« fragte er zuversichtlich.

Das Wesen in der roten Rüstung blickte ihn unverwandt an.

»Mein Herr hat viele Namen und viele Gesichter. Aber du hast Recht, ich bin ein Abgesandter dessen, den du verehrst. Ich bringe dich zu ihm. Er hat dich wohlwollend beobachtet und ihm hat gefallen, wie du vorgehst. Er hält dich für würdig, größere Aufgaben zu übernehmen.«

»Was für Aufgaben?«

»Kampf gegen seine Feinde. Die verhaßten Hüter der Ordnung.«

Prosperoh strahlte. Ein langersehnter Traum ging für ihn in Erfüllung. An Yasmin und die anderen dachte er nicht mehr.

Wohlbehalten erreichte die Kutsche den Landeplatz der TERSAL.

Während Remus und Jonathan unter dem Kommando von Karl-Adolf Braunhauer dessen Frau Ottilie in ihr Bett verfrachteten, damit sie ihren Rausch ausschlafen konnte, begannen Gal'Arn und Jaktar mit den Startvorbereitungen.

Niemand achtete auf Niesewitz und Katschmarek, die unbemerkt ihren Schatz, den sie Gwendo abgenommen hatten, versteckten.

»Fliegen wir jetzt zu diesem DORGON?« erkundigte sich der Marquese neugierig.

»Nein, wir fliegen in die Milchstraße zu ihrem Heimatplaneten Terra. Dort sollen wir DORGON treffen«, erklärte Gal'Arn.

»Wunderbar, das ist ja noch besser. Ich kann es kaum erwarten, wieder nach Hause zu kommen. Ich bin neugierig, was sich dort alles verändert hat«, freute sich Don Philippe.

Und wie ich es zu meinem Vorteil nutzen kann, fügte er in Gedanken hinzu.

»Laßt uns diesen gräßlichen Planeten schnell verlassen«, sagte Gal'Arn.

Kurz darauf startete die TERSAL und nahm Kurs in Richtung Milchstraße.

Epilog. Epilog

Auf Prinz Prosperohs Burg lebte niemand mehr. Alle Zechonen waren verschwunden. Auch auf allen anderen Städten und Siedlungen des Planeten lebte niemand mehr. Der Rote Tod hatte alle Zechonen in sich aufgenommen. Niemand, der diesen Planet noch einmal besuchte, würde je erfahren was mit seiner Bevölkerung geschehen war.

ENDE

Gal'Arn, Jaktar, Andrews und die anderen konnten noch einmal in letzter Sekunde von Zechon fliehen und haben dank Nadine Schneider jetzt die Koordinaten der Milchstraße. Das Geheimnis um diesen seltsamen Roten Tod bleibt vorerst ungeklärt. Im nächsten Roman blenden wir wieder in die Milchstraße um. Heft 35 trägt den Titel

Das Treffen der letzten Ritter

und bildet den Debütroman unseres neuen Autoren Tobias Schäfer.

DORGON Kommentar
Kommando zurück

Noch im letzten Heft habe ich es vorausgesehen, jetzt ist es tatsächlich passiert – die TERSAL samt Besatzung soll nun doch nicht nach Dorgon. Statt dessen hält Nadine Schneider, die Botin DORGONs, zum Kurs auf die Milchstraße an, und wo eine Superintelligenz ruft, da haben die Menschen zu gehorchen.

Fraglich ist da nur, woher die plötzliche Befehlsänderung stammt – zwar ist mittlerweile bekannt, dass sämtliche »Vorhersagen« der heimatlichen Superintelligenz ES in erster Linie aus dem über 18 Millionen Jahre geschlossenen Zeitkreislauf des Chronisten stammen, aber ist DORGONs Zeitplanung tatsächlich so konfus und ungeordnet, dass er selbst nicht weiß, wann er seine Leute wo braucht?

Natürlich besteht immer noch die Möglichkeit, dass es sich bei allen Abenteuern der Leute von der TERSAL um Absicht handelte, oder dass es sich um einen »Alternativplan« für den Fall handelte, dass die Terraner mit der »Befriedung« Dorgons alleine zurechtkommen... Aber wer kann schon wissen, was im Kopf einer Superintelligenz vorgeht?

Eben diese Frage bringt uns auf das alte Problem zurück, das auch bereits von ES her wohlbekannt ist – warum zum Kuckuck kann nicht endlich einmal eine Superintelligenz im Klartext reden, anstatt immer nur dürftig-rätselhafte Andeutungen fallen zu lassen? Hier kommt jetzt wieder der alte Vergleich von Menschen mit Mücken ins Spiel – aber warum sollten die Mücken nach der Pfeife des Menschen tanzen, wenn dieser ihnen noch nicht einmal einen vernünftigen Grund dafür gibt?

DORGONs Absichten bleiben schleierhaft, ebenso wie die Rolle Cau Thons (und/oder des Roten Todes?) in dieser Angelegenheit. Ob man da als »Mücke« wohl Klarheit hineinbringen kann... ?

Martin Schuster

Der DORGON-Zyklus - Der Inselzyklus - ist eine nicht kommerzielle Publikation des PERRY RHODAN ONLINE CLUBs. Heft 34 von Jens Hirseland. Titelbild: Reiner Stucke. Technischer Berater: Sebastian Schäfer. Versand: PROC. Lektorat, Nachbearbeitung: Klaus Wiehoff. DORGON-Kommentar: Martin Schuster. Umsetzung in Endformate: Alexander Nofftz. Satz: Xtory (SAXON, LaTeX). Internet: http://www.dorgon.de. eMail: dorgon@proc.org. Adresse: PROC c/o Nils Hirseland, Redder 15, 23730 Sierksdorf. Copyright © 2001. Alle Rechte vorbehalten!