
Im März 1308 NGZ ist der große intergalaktische Krieg vorerst beendet. Friedensverhandlungen haben zu einem Waffenstillstand zwischen den Alliierten und dem Quarterium, sowie dem Kaiserreich Dorgon geführt. Der Protector Dorgonis, Volcus, ist der neue Kaiser Dorgons und versucht den Spagat zwischen beiden Parteien.
Nach der Zerstörung des Sternenportals in der Lokalen Gruppe ist Perry Rhodan mit einem Großteil der Flotte von Siom–Som abgeschnitten. Rodrom wurde durch Medvecâ und Nathalia aus seiner Inhaftierung befreit. Das Blatt scheint sich nun wieder zugunsten von MODROR zu wenden.
Während Aurec eine Expedition ins Riff vorbereitet, um seine geliebte Kathy zu retten, sind Elyn, Joak Cascal und Remus Scorbit, als Entropen verkleidet, in das Entropiasystem vorgedrungen und wurden enttarnt. Sie sehen sich nun einer wahren HEXEREI gegenüber …
Elyn war noch immer betäubt von dem grausamen Urteil. Cascal und Scorbit hatten sich – trotz der Drogen – gegen ihre Bewacher gesträubt. Aber gegen einen Tertiärentropen hatte ein Mensch im Nahkampf keine Chance; schon gar nicht, wenn er auch noch an den Boden gekettet war.
Jetzt gingen sie, gefesselt und mit jeweils einem Tertiärentropen an der Seite, den schmalen Korridor hinunter, der zum Teleporter führte. Man wollte sie nach Entrop–B überstellen. Elyn beobachtete die beiden Männer, die vor ihr gingen. Ihre Köpfe waren gesenkt. Die Schultern hingen herab. Sie hoffte, dass es nur eine Wirkung der Drogen war und man sie nicht wirklich gebrochen hatte.
Die kleine Gruppe näherte sich dem Raum mit dem Teleporter. Das Summen war unverkennbar. Offenbar wollte man keine Zeit verlieren und hatte das Tor bereits aktiviert. Elyns Schritt stockte einen Augenblick. Sofort versetzte ein Bewacher ihr einen Stoß. Eigentlich schnippte er nur mir einem Finger gegen ihre Schulter. Trotzdem stolperte sie nach vorn. Schweigend rieb sie sich die schmerzende Schulter.
Die Tür zum Teleporterraum öffnete sich automatisch und gab den Blick auf das geöffnete Portal frei. Nebel waberte vor dem blendenden Licht. Elyn blickte sich erstaunt um. Eigentlich hatte sie erwartet, Adelheid oder wenigstens Niada hier zu sehen, doch der Raum war leer. Keine Lilim und nicht einmal Denkerin 1 ließen sich sehen. Das Portal musste von Entrop–B aus aktiviert worden sein.
Ihre Bewacher blieben scheu zurück. Einer der drei bedeutete ihnen, durch das Portal zu treten. Elyn wich zur Seite und blickte sich nach den beiden Männern um. Von Cascal und Remus kam noch immer keine Reaktion. Man hatte ihnen auf Adelheids Geheiß eine weitere Dosis der Droge verabreicht. Sie wollte auf keinen Fall vor den Männern durch das Tor gehen. Zu groß war ihre Sorge, von ihnen getrennt zu werden. Andererseits, was spielte das noch für eine Rolle? Sie konnte nicht einmal sich selbst helfen.
Remus bekam einen Stoß von seinem Bewacher. Wie ein Schlafwandler setzte er sich in Bewegung. Ging an Elyn vorbei, ohne sie anzusehen. Nicht einmal vor dem Portal stockte er. Cascal folgte ihm von sich aus. Zum ersten Mal, seit die SI KITU sich in Bewegung gesetzt und sie aus dem Som System entführt hatte, spürte Elyn Verzweiflung in sich aufsteigen.
Es war anders. Elyn versteifte sich. Das Portal erzeugte nicht dasselbe Gefühl, wie sie es von dem auf der SI KITU kannte. Es fühlte sich überhaupt nicht wie ein Teleporter an. Sie hing im nirgendwo und war sich dessen bewusst. Das durfte nicht sein. Ihr Herz stockte. Für einen kurzen Augenblick geriet sie in Panik. Wollte man sie hier töten? Nein! Adelheid hatte von Verbrennen gesprochen. Diese Freude würde sich die schreckliche Alte sicher nicht nehmen lassen. Aber was geschah dann hier? Etwas, einem Luftzug gleich, streifte ihre Wange, schien durch sie hindurchzufließen. Sie hatte das Gefühl leicht angehoben zu werden und dann fühlte sie sich, wie auf einem Fließband voran geschoben. Die Berührung veränderte sich. Fühlte sich jetzt an, wie der warme Strahl einer Wasserdusche. Elyns Angst verlor sich. Ihr Körper entspannte sich und ließ sich willig treiben. Ihre Gedanken kehrten zum Anfang der Mission zurück. Eorthors Gesicht erschien. Sprach davon, die Daten von der SI KITU zu stehlen. Dann war sie wieder auf Entrop–C. Erlebte ihre und Remus Flucht erneut und die Verhandlung, bei der Adelheid sie zum Tod und die Männer zur Kastration verurteilt hatte. Ein Teil von ihr wunderte sich über den Gleichmut, mit dem sie sich daran erinnerte; aber hier – eingehüllt in dieses sanfte Etwas – erschienen ihr ihre eigenen Erinnerungen, wie die einer Fremden. Sie breitete ihre Arme aus. Dieses Schweben war unglaublich schön. Sie …
Der Stoß war brutal. Sie wurde nach vorn geschleudert und landete hart auf dem Boden. Verwirrt hob sie den Kopf. Das lange Haar hing ihr vorm Gesicht. Vor sich hörte sie ein Wispern.
… müssen es Adelheid sagen …!
Still!
Die Stimme war harsch und bekannt. Niada!
Elyn rappelte sich auf. Von den Männern war nichts zu sehen. Wo …?
Halt deinen Mund!
Niada stellte sich dicht vor Elyn. Von dir will ich keinen Laut hören, du elende Spionin.
Voller Verachtung spie Niada die Worte aus.
Elyn erwiderte den Blick aus den hasserfüllten Augen ruhig. Wo sind Remus und Joak!
Einen Augenblick sah es so aus, als wollte Niada zuschlagen, dann lächelte sie honigsüß. Sie haben eine Verabredung mit einer guten Freundin von mir. Christa!
Leicht kniff sie die Augen zusammen. Sie ist Heilerin!
Adelheid runzelte die Stirn. Eine Nachricht von Denkerin 1 für sie. Mit einer leichten Berührung des Monitors aktivierte sie das Kommunikationsgerät. Eine kurze, geschriebene Nachricht der Primärentropin, in der diese sie um eine Unterredung bat. Einen Augenblick war sie versucht, die Botschaft zu ignorieren. Sie wusste ohnehin, was die Alte von ihr wollte und das ärgerte sie. Aber die Bitte zu übergehen würde nur einen kurzen Aufschub bedeuten. Denkerin 1 war äußerst hartnäckig und konnte zudem ausgesprochen nachtragend sein.
Seufzend machte sie sich auf den Weg zu ihrem Quartier.
Sie schlug einfach mit der Hand gegen die Tür, statt den Summer zu benutzen. Der Eingang zu ihren spärlich eingerichteten Räumen öffnete sich sofort.
Edle Adelheid!
Die Denkerin schwebte in der Mitte es Zimmers auf ihrer Scheibe und nickte ihr freundlich zu.
Adelheid ignorierte ihre Freundlichkeit. Was gibt es so Dringendes, dass du mich von meinen Geschäften abhältst?
Geräuschlos schloss sich die Tür hinter ihr.
Ich bitte um Entschuldigung!
Sie lächelte freundlich. Ich wollte mit dir über das Urteil reden.
Sie kam sofort zur Sache; das war ungewöhnlich und verriet Adelheid, dass sie sich tatsächlich sorgte und dass es diesmal nicht bloß um normales Mitgefühl ging.
Ich wüsste nicht, was es da noch zu besprechen gibt. Wir haben das Urteil gefällt und ausgesprochen; damit ist es rechtskräftig!
Ihr habt es gefällt!
Ihre Stimme war nachdrücklich.
Niemand hat Einspruch erhoben.
Das ist richtig.
Sie wiegte den Kopf, der im Verhältnis zum Körper total überdimensioniert erschien. Ich wollte euch nicht diskreditieren.
Sie neigte den Kopf ein wenig.
Wie rücksichtsvoll.
Adelheid verbarg ihren Spott nicht. Und Ihr seid der Meinung, es diskreditiert mich weniger, wenn ich nachträglich ein Urteil revidiere?
Sie senkte kurz den Kopf. Ihr habt das Urteil allein gefällt. Ohne Rücksprache mit uns zu halten.
Der Vorwurf in ihrer Stimme stachelte ihren Ärger an. Ich wüsste nicht, was es da lange zu reden gegeben hätte. Eine Alyskerin hat sich als Lilim ausgegeben. Eine Frau, die noch dazu die Tochter eines Unruhstifters, Egomanen und Aggressors ist.
Geht es wirklich nur darum?
Die Stirn der Denkerin zerfurchte sich in offenem Misstrauen.
Warum verschwendest du meine Zeit?
Sie spürte ihren Ärger wachsen. Sag gerade heraus, worum es dir geht!
Ich befürchte, dass deine persönlichen Gefühle den Richtspruch bestimmt haben!
Einen Moment war Adelheid überrascht. Eine so direkte Antwort hatte sie nicht erwartet. Wie kannst du es wagen …?
, begann sie.
Denkerin 1 überraschte sie ein weiteres Mal, indem sie ihr ins Wort fiel. Ich habe die Aufzeichnungen von eurem Zusammenstoß mit Eorthor gesehen!
So!
Sie musterte sie kalt. Für gewöhnlich fand sie Denkerin 1 nützlich, aber heute überschritt sie die unsichtbare Grenze, die zwischen ihnen bisher für eine reibungslose Zusammenarbeit gesorgt hatte. Ich will nicht abstreiten, dass mein Gespräch mit Eorthor zu meiner Entscheidung beigetragen hat.
Die Hexe trat an eines der Fenster heran und wandte der Primärentropin in einer wohlkalkulierten Geste den Rücken zu. Dieses Gespräch mit Eorthor hat meine Sorgen bezüglich seiner Person bestätigt.
Nach einer Pause fuhr sie fort. Diese Geschichte mit dem Roboter ist bis heute nicht vollkommen aufgeklärt, aber es gibt Anlass zu der Annahme, dass er es war, der unsere Rechte verletzt hat.
Sie wandte sich schwungvoll um. Ich frage mich natürlich, warum er das getan hat. Man kann Eorthor viel vorwerfen, aber nicht, dass er Dinge nur um ihrer selbst willen tut. Er ist ein gefährlicher Mann! Mit allem was er tut verfolgt er ein Ziel. Stimmt Ihr mir da zu?
Der Denkerin musterte sie nachdenklich, schließlich nickte sie langsam. Nach allem was ich bisher über ihm weiß, eilt ihm nicht der Ruf voraus, unbedacht zu handeln.
Adelheid hatte ihren Zorn wieder unter Kontrolle. Ruhig und wie zu sich selbst sprechend fuhr sie fort: Nachdem die Spione entdeckt worden waren und man die Spuren verfolgt hat, die sie hinterlassen haben, ist eins klar geworden: Sie haben besonderes Augenmerk darauf gelegt, unsere Verteidigung auszuspionieren. Soviel konnte Niada aus den unberechtigten Dateizugriffen auf der SI KITU rekonstruieren.
Ah!
Die Scheibe schwebte ein Stück in die Höhe. Weiß man denn jetzt, auf welchem Weg sie sich den Zugang verschafft haben?
Nein!
Adelheid schüttelte bekümmert den Kopf. Wir haben kein Aufzeichnungsgerät bei ihnen gefunden.
Sie schwieg einen Moment. Ließ ihr die Zeit, um über die Tragweite ihrer Worte nachzudenken.
Die Scheibe sank wieder tiefer, bis sie fast den Boden berührte, und zeigte damit an, dass sie nachdachte. Als Denkerin 1 schließlich weiterredete, zeigte sich eine sorgenvolle Falte in der Mitte ihrer Stirn. Besteht die Möglichkeit, dass sie die Daten direkt an Eorthor gesandt haben?
Adelheid zuckte wieder besseren Wissens mit den Schultern. Das eben wissen wir nicht!
Sie seufzte. Niada konnte einiges von dem rekonstruieren, was gestohlen wurde, aber …
Erneut seufzte sie tief. Niemand kann sagen, ob die Alysker eine Möglichkeit haben, große Datenmengen über eine derartige Distanz direkt zu versenden. Wir hoffen, dass es nicht so ist, wobei unsere Hoffnung hauptsächlich darauf beruht, dass Eorthor nicht wissen konnte, dass wir in einer Hyperraumblase leben.
Gut! Gut!
Die Denkerin strich sich mit einer fahrigen Geste über die Stirn. Wenn wir das ausschließen, müssen sie einen Datenspeicher gehabt haben. Wo ist der?
Adelheid wandte sich wieder dem Fenster zu. Sie lächelte still in sich hinein. Die Denkerin folgte ihren Gedanken wie einem Drehbuch. Wie ich bereits sagte, wir haben nichts Derartiges bei ihnen gefunden!
Ihre Hand strich über das Kraftfeld, das die Fensteröffnung verschloss, und brachte es leicht zum Vibrieren. Natürlich besteht die Möglichkeit, dass es zerstört wurde.
Darauf können wir uns nicht verlassen.
Was bleibt uns übrig.
Sie atmete hörbar ein. Wir haben die Gefangenen geschlagen und gefoltert, aber über diesen Punkt haben sie sich ausgeschwiegen.
Die Denkerin biss sich auf die Lippen. Nicht auszudenken …
Deshalb mein hartes Urteil.
Adelheids Augen suchten die der Denkerin. Den Tod allein fürchten sie nicht genug, also muss ich ihnen etwas geben, vor dem sie sich mehr fürchten. Bei den Männern war das nicht schwer, bei Elyn …
Sie zuckte mit den Schultern. Nun … ich denke, ich habe etwas gefunden.
Dann willst du das Urteil nicht wirklich vollstrecken?
Nicht um jeden Preis!
Müde strich sie sich über die Stirn. Wirkte auf einmal wie eine alte zerbrechliche Frau. Ich werden ihnen Milde in Aussicht stellen, wenn sie mir sagen, was ich wissen will!
Die Tür schloss sich hinter Elyn. Mutlos blickte sie sich in der kleinen Zelle um. Hier gab es nichts als glatte Wände und eine Pritsche. Mit weichen Knien ließ sie sich auf das harte kalte Metall der Bettstatt fallen. Nicht einmal eine Decke gestand man ihr zu. Gedankenverloren strichen ihre Finger über das kalte Material. Seit sie an Bord der SI KITU gekommen war, verlief ihr Leben wie in einem Sturzflug. Sie hatte nichts mehr unter Kontrolle und jetzt hatte man sie auch noch von ihren Leidensgenossen getrennt.
Sie rief sich Joaks und Remus Gesichter vor Augen. Wo waren die beiden? Waren sie noch Männer? Oder Menschen? Lagen sie womöglich ganz in ihrer Nähe auf einem sterilen Lager und wussten nicht einmal mehr ihre Namen?
Müde strich sie sich eine Haarlocke aus der Stirn. Versuchte die Verzweiflung wegzuwischen. So zu denken half ihr nicht. Ihr Körper straffte sich. Noch war sie nicht tot und sie hatte noch immer eine Aufgabe. ALSKYP schien den Lilim entkommen zu sein, aber das Hightech-Ei hatte nicht alle Informationen, die ihr vorlagen. Ihre Gedanken kehrten zu dem Tag in der Bibliothek zurück, die sie gemeinsam mit Anjasia besucht hatte. Die wesentliche Information hatte sie übersehen. Ärgerlich biss sie sich auf die Lippen, aber die junge Lilim war eine derart angenehme Gesellschafterin gewesen, die sie zeitweilig ihre Situation und ihre Mission vergessen lassen hatte.
Anjasia hatte sie auf den Text aufmerksam gemacht. Der uralte Schöpfungsmythos um SI KITU. Demnach wurden die Entropen geschaffen, um das Übel, das MODROR und das Quarterium darstellten, zu beenden.
Quarterium!
Sie könnte sich ohrfeigen! Wenn die Geschichte mit SI KITU und der Erschaffung der Entropen wahr war, dann konnten sie das Quarterium noch nicht gekannt haben. Es existierte schlicht noch nicht! Sie zog die Beine an und stützte das Kinn auf die Knie. Vor ihrer Verhaftung hatte sie noch einige Boden- und DNA-Proben sammeln können, aber diese eben nicht mehr mit dem ALSKYP auswerten können. Die Proben waren sorgfältig an einem geheimen Ort versteckt. Irgendwie musste sie es schaffen, das Material an Eorthor zu schicken. Mit einem Seufzen erhob sie sich und tigerte durch die Zelle. Nur, dass sie dazu erst einmal hier heraus musste.
In ihrem Rücken öffnete sich die Tür. Elyn wandte sich um, einen Moment in der Hoffnung, dass man die Männer doch zu ihr in die Zelle schickte. Stattdessen blickte sie in Adelheids triumphierendes Gesicht.
Gefolgt von zwei Leibwächtern betrat die alte Lilim die Zelle. Denkst du über deinen Verrat nach, Alyskerin?
Aus meiner Sicht ist es kein Verrat!
Nein!
, spottete Adelheid. Natürlich nicht! Das brave kleine Mädchen hat nur getan, was der übermächtige Vater befohlen hat.
Sie verzog angewidert das Gesicht. Ich kenne deinen Vater, Kindchen!
Gegen ihren Willen musste Elyn grinsen. Kindchen war sie schon lange nicht mehr genannt worden. Vor allem nicht von jemandem, dessen mehrfache Urgroßmutter sie hätte sein können.
Wieso wundert mich das nicht?
Adelheid lachte über die rhetorische Frage. Weil er es versteht, sich in den Vordergrund zu drängen.
Die Falten um ihre Augen wurden tiefer. Er ist ein Wichtigtuer! Ein Gernegroß! Aber dieses Mal hat er sich empfindlich verrechnet.
Elyn erwiderte den fanatischen Blick schweigend. Was sollte sie auch sagen?
Ich weiß, dass er dich geschickt hat, Alyskerin! Und ich weiß, wieso! Aber er wird einsehen, dass er einen großen Fehler gemacht hat. Dieses Mal hat er sich den falschen Gegner ausgesucht.
Ihre Augen sprühten vor Feuer und selbst die graue Haut der faltigen Wangen gewann in ihrem Eifer wieder Farbe.
Aber deswegen bin ich nicht hier!
Die Alte trat einen Schritt zurück und musterte Elyn abschätzend. Ganz plötzlich war aller Eifer aus ihren Augen gewichen, hatte einem kalten Glanz Platz gemacht.
Ich bin hier, weil ich dir die Chance geben will, dein Leben zu retten!
Elyns Kopf ruckte überrascht hoch. Mit allem hatte sie gerechnet, nur nicht damit.
Adelheids Lächeln passte allerdings überhaupt nicht zu ihren Worten.
Ich bin geneigt dir dein Leben zu schenken, Alyskerin. Immerhin bist du dein Leben lang von den Worten des Mannes, der sich dein Vater nennt, verblendet worden.
Elyn spürte, wie sich die Haare an ihren Armen aufrichteten.
Es widerstrebt mir, dass eine Frau ihr Leben für die Taten eines Mannes hergeben soll.
Adelheids Stimme war samtweich und gütig, wie die einer lieben alten Oma. Elyn verspürte das dringende Verlangen ihre Hände um diesen faltigen Hals zu legen und solange zuzudrücken, bis das Entsetzen jede Bosheit aus diesen dunklen Augen vertrieb.
Andererseits solltest du als Frau über einigen Verstand verfügen, bist also nicht völlig von Schuld frei zu sprechen.
Elyn zwang sich zur Ruhe. Adelheid genoss ihr Spielchen, sie musste der schrecklichen Vettel nicht auch noch die Genugtuung geben, Emotionen zu zeigen.
Nun – ich bin kein Unmensch, wie du sehen wirst.
Ihre Hand glitt in eine Tasche ihres Gewandes und brachte ein Messer zum Vorschein.
Elyn richtete sich auf und blickte ihrer Peinigerin fest in die Augen. Das war es dann also! Hier und jetzt fand ihr Leben ein Ende. Nun – sie würde diesem Alptraum, der sich für ein menschliches Wesen hielt, zeigen, wie eine Alyskerin starb.
Adelheid holte aus und schleuderte ihr das Messer vor die Füße. Nimm es!
Verwirrt starrte Elyn auf die Klinge hinunter. Sie wich einen Schritt zurück.
Was ist, Alyskerin?
Adelheids Mund öffnete und schloss sich wie das Tor zu einem unendlichen Abgrund.
Ich gebe dir hier und jetzt eine Möglichkeit dem Feuertod zu entrinnen.
Sie lachte böse. Du brauchst dich nicht einmal zu töten.
Ihre Worte tropften wie Gift aus ihrem Mund. Es reicht, wenn du dich verstümmelst.
Die schmeichelnde Stimme jagte Elyn einen Schauer über den Rücken. Ein paar tiefe Furchen in dein hübsches Gesicht!
Das Lachen war das einer Psychopathin. Elyn wich einen weiteren Schritt zurück, spürte die Wand hinter sich. Sie lehnte sich mit Schulter dagegen, fühlte den kalten Stein.
Was ist, meine Kleine?
Adelheids Stimme vibrierte vor Befriedigung. Nur ein paar schnelle Schnitte! Ein wenig Schmerz und du ersparst die den Tod auf dem Scheiterhaufen.
Wieder war das Lachen böse. Das wäre kein schlechter Tausch. Kannst du dir vorstellen, wie es sich anfühlt, wenn das Feuer sich deiner Haut nähert?
Sie rückte näher. Die Hitze wirft Brandblasen auf deiner Haut, noch ehe die Flammen sie wirklich verzehren!
Adelheid stand jetzt vor ihr. Streckte eine Hand aus und strich ihr über die Wange. Die Haut rötet sich und beginnt zu pellen. Fast wie bei einem Sonnenbrand, aber tausendmal intensiver.
Die Stimme war leise. Eindringlich! Dann, wenn das Wasser aus den Zellen unter der Haut verdampft ist, fressen sich die Flammen in deine Haut.
Adelheids Finger strichen sanft und liebkosend Elyns Hals hinunter. Kannst du dir das vorstellen, Kindchen?
Adelheid hob die zweite Hand und nahm Elyns Gesicht in ihre Hände. Wie deine Beine verbrennen! Die Haut platzt auf, das Fleisch verglüht! Es stinkt erbärmlich, wie bei einem geschlachteten Schwein, wenn die Borsten von der Haut gebrannt werden.
Elyn fühlte ihre Knie zittern. Sie würgte, konnte den Blick aber nicht von den Augen dieser grässlichen Alten lösen.
Dann verkohlen deine Knochen!
Adelheids Hand strich Elyns Körper hinunter. Du schrumpfst von unten! Würdest fallen, wenn die Fesseln dich nicht hielten!
Adelheid trat einen Schritt zurück.
Elyn zitterte jetzt deutlich. Ihr war egal, was dieses Monster über sie dachte. Die Alyskerin wollte nur noch, dass dieses Scheusal verschwand. Sie sollte gehen! Dieses schwarze Loch von einem Mund und diese fürchterlichen Hände, deren Berührung sie noch immer auf ihrer Haut fühlte.
Dann kommt das Feuer höher! Immer höher!
Mit jedem Wort näherte Adelheid sich rückwärts weiter der Tür. Es gibt Frauen, die durchhalten, bis die Flammen ihnen die Haare vom Kopf gefackelt haben und ihre Augen platzen.
Sie lachte und verließ die Zelle.
Elyn rutschte an der Wand hinunter zu Boden. Ihr Fuß stieß gegen das Messer und schob es ein Stück fort. Die Klinge glitzerte im schwachen Licht der Zellenbeleuchtung.
Hypnotisiert kehrten Elyns Augen immer wieder zu dem Messer zurück, das Adelheid ihr mit einer verächtlichen Geste vor die Füße geworfen hatte.
Sie zog ihre Stirn kraus. Eigentlich verdankten Remus und sie ausgerechnet Joak Cascal diesen Schlamassel. Musste er denn auch jeder terranisch aussehenden Frau hinterher schmachten? Sie schwor sich, dass Joak das leidtun würde, wenn sie hier jemals herauskam. Wenn …
Fehlte dir der Anstand oder einfach der Mut, dich zu töten?
Adelheids Stimme tropfte vor Hohn.
Elyn blinzelte. Sie konnte sich nicht daran erinnern, eingeschlafen zu sein. Wie kam sie hierher? Sie war nicht länger in der Gefängniszelle mit den entmutigend glatten Wänden. Sie war unter freiem Himmel, in einem umzäunten Garten. Vorsichtig stemmte sie sich auf ein Knie hoch. Der Boden war aus Stein, zeigte ein Mosaik, das sie aus dieser unmittelbaren Nähe nicht erkennen konnte. Adelheid stand weniger als zwei Meter entfernt. Auf ihrer Schulter hockte eine große schwarze Krähe. Elyn richtete sich auf. Zwischen ihr und der alten Lilim standen zwei muskelbepackte Tertiärentropen. Sie hatte ganz vergessen, wie groß diese Wesen waren. Adelheid ging wirklich kein Risiko ein.
Was ist, Mädchen …?
Adelheids Stimme tropfte samtweich aus ihrem Mund. Hat es dir die Sprache verschlagen?
Elyn schwieg. Was sollte sie auch sagen?
Ich habe beschlossen, dass du nicht länger auf deine Hinrichtung warten sollst.
Der faltige Mund verzog sich zu einem hässlichen Lächeln. Man hat ja schließlich ein Herz!
Adelheids Augen zeigten, dass die alte Frau ihren Triumph genoss. Vielleicht noch ein paar letzte Worte … oder einen letzten Wunsch?
Deinen Kopf, körperlos, von Würmern zerfressen, im Dreck!
Die Worte brachen gegen Elyns Willen aus ihr heraus. Alles in ihr schrie danach, sich nach vorn zu werfen. Der grässlichen Alten die Hände um den Hals zu legen und zuzudrücken. Ganz langsam! Den Blick fest auf diese Augen gerichtet. Sehen, wie die unbarmherzige Kälte langsam aus ihnen entwich und Angst Platz machte.
Adelheid lachte böse. Die Tertiärentropen strafften sich, als ob Elyns Gedanken auf ihrer Stirn abzulesen waren. Ein Messer blitzte in Adelheids Händen. Elyn spürte ihren Mund trocken werden. Was hatte die Alte vor? Wollte sie ihr persönlich die Kehle durchschneiden oder Schlimmeres? Sie biss die Zähne fest aufeinander. Sie würde nicht um ihr Leben betteln. Keinen Ton sollte Adelheid von ihr hören!
Keine Angst …!
Die Stimme der Lilim war jetzt kalt. Eiskalt!
Die alte Frau hob ihren Arm. Der große schwarze Vogel krabbelte schwerfällig von der schmächtigen Schulter auf den Arm. Kurz hinter dem Handgelenk blieb er sitzen. Die tiefschwarzen Knopfaugen musterten Elyn.
Gefällt sie dir?
Der Ton der Alten war wieder samtweich. Ein schönes Tier, nicht?
Ihre Augen streiften Zustimmung fordernd Elyns Gesicht. Eine Krummschnabelkrähe! Diese Vögel sind sehr eigenwillig. Schwer zu dressieren! Und noch schwerer zu füttern.
Sie strich dem dunklen Vogel sanft über den Kopf. Sie fressen ihre Beute nur, solange sie am Leben ist, weißt du?
Elyn schluckte. Unwillkürlich wanderten ihre Augen von den krallenbewehrten Füßen des Vogels, welche fast die Größe einer ihrer eigenen Hände hatten, zu dem mächtigen gebogenen Schnabel. Ohne Frage konnte das Vieh damit einen ihrer Arme brechen.
Deine letzte Chance, meine Liebe!
Adelheids Stimme war unbarmherzig. Zerschneide dein Gesicht und lebe, oder …
Ihre Hand mit der Krähe streckte sich aus. Der Vogel breitete seine Schwingen aus. Ein tiefes, misstönendes Krächzen stieg aus dem Brustkorb des Vogels auf und wuchs zu einem einzigen entsetzlichen Schrei an.
… wenn sie einmal angefangen haben zu fressen, hält sie nur noch der Tod der Beute auf.
Elyns Herz schlug bis zum Hals. Sie spürte die Angst in allen Fasern ihres Körpers. Adelheids Arm hob sich noch ein Stück. Wieder schrie der Vogel. Er stieß sich vom Arm seiner Herrin ab.
Glockenhell gellte Adelheids Lachen in den sonnendurchfluteten Himmel.
Elyn sank auf die Knie. Ihre Hand fand das Messer. Klammerte sich fest um den Griff. Ihr Körper fiel zur Seite. Eine der Krallen des Vogels streifte ihre Schulter. Der dünne Stoff ihrer Bluse schützte sie nicht. Ihr eigenes Blut spritze ihr ins Gesicht. Dann kam der Schmerz! Es brannte. Ihr Schrei übertönte das Kreischen des Vogels. Das Messer fest gepackt, wirbelte sie herum. Überließ sich ganz ihren Reflexen. Die Krähe fing ihren Sturzflug ab, zog einen kurzen Kreis und schwebte einen Augenblick über ihrem Opfer. Adelheid lachte! Elyns Herz hämmerte gegen ihre Rippen. Sie musste den Schmerz ignorieren und das Kreischen dieser fürchterlichen alten Frau. Sie musste sich konzentrieren. Die Krähe stieß herab. Elyn hechtete nach vorn. Diesmal schrammten die Krallen über ihre Waden. Hinterließen auch hier tiefe, fürchterlich brennende Furchen. Diesmal schaffte der Vogel es nicht, seinen Flug abzufangen. Die breiten Schwingen geöffnet hüpfte er über den Boden. Elyn rappelte sich auf. Sprang dem Tier hinterher. Der Vogel war schnell! Schneller als sie erwartet hatte. Er war schon wieder halb in der Luft. Mit weit geöffnetem Schnabel fing er ihren Angriff ab. Die Wucht ihres Zusammenpralls riss sie beide um. Der Vogel verfing sich in ihren langen dunklen Haaren. Wütend hackte der Schnabel auf das Hindernis. Scharfen Messern gleich bohrten sich die beiden Spitzen des Schnabels in Elyns gepeinigte Schulter. Sie konnte spüren, wie das Tier seinen Schnabel um ihren ungeschützten Muskel schloss. Die Alyskerin schrie! Ihre Hand stieß den Vogel vor sich, versuchte ihn wegzuschieben. Die Krähe ließ nicht los. Ihr Kopf ruckte hin und her zur Seite. Erneut spritzte das Blut. Elyn fühlte einen Ruck, dann löste sich der Schnabel aus ihrer Schulter. Ein Stück von Elyns Muskel blieb zwischen den beiden mahlenden Kiefern zurück.
Elyn empfand nackten Horror, während sie zusah, wie der Vogel einen Teil von ihr verschluckte. Dann kam die Wut. Sie schrie. Ihre Finger krallten sich in die bodenlosen schwarzen Augen. Der Vogel schlug sie mit dem Flügel. Schrie jetzt ebenfalls. Die Krallen schlugen sich in ihren Bauch. Elyn riss ihren linken Arm hoch. Für einen Augenblick schien die Welt stillzustehen, dann sackte die Krähe als lebloses Federbündel zu Boden. Elyn hatte nicht die Kraft, das Messer in der Hand zu behalten. Sie taumelte zurück. Presste die Hand auf ihre verletzte Schulter.
Eine schwere Hand packte sie, verhinderte, dass sie stürzte. Die beiden Tertiärentropen nahmen sie zwischen sich.
Das hast du nicht umsonst getan!
Adelheid stand vor ihr. Das Gesicht weiß vor Wut. Sie nickte den beiden Entropen zu. Der Entrope, der sie zuerst gepackt hatte, drehte Elyn wie eine Puppe auf der Stelle. Zwei seiner Hände legten sich wie eiserne Klammern um ihre Handgelenke. Er verdrehte ihre Arme, bis sich ihre Handgelenke hinter ihrem Rücken berührten. Eine weitere Hand packte ihre Haare, kurz über der Kopfhaut und bog ihren Kopf brutal in den Nacken. Die vierte Hand schob sich in ihrem Rücken unter ihren Gürtel. Ein Schatten fiel auf sie. Der zweite Entrope stand vor ihr, eine Hand erhoben. Der Schlag traf sie auf die Wange. Der Griff ihres ersten Peinigers verhinderte, dass der Schlag durch ein Wegdrehen des Kopfes abgemildert wurde. Die Finger einer anderen Hand bohrten sich ausgestreckt in ihren Magen. Elyn würgte. Finger bohrten sich in die Wunde an ihrer Schulter, erweiterten sie. Sie schrie. Tränen rannen ihr über das Gesicht. Ihre Peiniger blieben unbeeindruckt. Der Tertiärentrope ging methodisch zu Werk. Er nutzte seine vier Arme und verstand es, sie immer da zu treffen, wo sie es nicht erwartete. Elyn schmeckte Salz und Blut auf ihren Lippen. Sie hörte und sah längst nichts mehr. Da war nichts mehr als der Schmerz ihrer zerschlagenen Muskeln und der gebrochenen Knochen.
Constance zitterte. Sie konnte nicht glauben, was sie eben gehört hatte. Adelheid musste den Verstand verloren haben. Sie starrte den Monitor an, der das Innere einer Zelle zeigte. Elyn, die gefangene Alyskerin, war an der einen Wand zu Boden gesunken und starrte auf ein Messer, das zu ihren Füßen auf dem glatten Boden ruhte …
Constance!
Niadas Stimme drückte deutlich Ärger aus.
Verwirrt wandte sie sich der anderen Lilim zu. Niada musterte sie, als würde sie auf etwas warten. Constance brauchte ihre ganze Selbstbeherrschung, um den Blick der Anderen zurückzugeben. Niada schien von dem eben Gehörten nicht besonders beeindruckt zu sein. Entschuldige!
Constance schluckte trocken. Ich …
Du hast mir nicht zugehört!
Niadas Mundwinkel verzogen sich in einer abschätzigen Geste. Natürlich nicht! Statt dich mit deiner eigenen Verfehlung auseinanderzusetzen, verschwendest du deine Zeit damit diese Alyskerin zu bedauern.
Aber …
Sie wusste nicht, was sie erwidern sollte. Niadas Augen sagten ihr allzu deutlich, dass es nichts gab, was sie hören wollte. Niada war Adelheid treu ergeben. Nie würde sie etwas in Frage stellen oder kritisieren, was das Oberhaupt der Lilim befahl.
Erspar mir dein Gewäsch!
Sie deutete auf die Zelle. Ich kann das hier allein erledigen. Du bist mir ohnehin keine große Hilfe und als Gesellschaft …
, Niadas Gesicht verzog sich geringschätzig.
Ich hab jedenfalls keine Lust, auf deine entsetzte Fratze zu schauen. Scher dich weg und denke darüber nach, welcher Schaden durch deine Dummheit entstanden ist.
Aber …
Constance schluckte; spürte Wut in sich aufsteigen. Wie sollte ich wissen, dass dieses Hotel nicht gegen Einbrüche gesichert ist?
Die Anbiederei dieser Hure hätte dich warnen müssen.
Sie ist keine Hure!
Fast hätte Constance mit dem Fuß aufgestampft. Nicht zum ersten Mal verspürte sie eine gehörige Portion Zorn in sich aufsteigen, über die Arroganz und Engstirnigkeit, durch die sich ihre Führerinnen auszeichneten.
Und sie hat sich nicht angebiedert. Wir kannten uns schon. Ich habe sie angesprochen!
Aber sie hat dich zu diesem … Ausflug eingeladen! Und bestimmt nicht, weil sie dich so mag.
Niadas Mund wurde zu einem schmalen Strich. Ihr Gesicht sagte deutlich, dass sie sich überhaupt nicht vorstellen konnte, dass irgendjemand Constance mochte. Und in Zukunft wird sie dich noch viel weniger mögen.
Ihr Mund verzog sich zu einem hämischen Lachen. Falls sie den Mut hat, sich für das Leben zu entscheiden.
Ihr Lachen hätte Adelheid zur Ehre gereicht. Dann wird ihre verstümmelte Fratze sie jedes Mal, wenn sie in einen Spiegel blickt oder andere erschrocken vor ihr zurückweichen, daran erinnern, dass es deine Schuld ist! Und dass du mit die Verantwortung dafür trägst, was mit ihren beiden geliebten Männern geschehen ist.
Die hässlichen Worte, die Niada ihr entgegenschleuderte, ließen Constance zurücktaumeln. So also war das! Sie wandte sich um und stürmte aus dem Raum hinaus; Niadas gehässiges Lachen hinter sich.
Einen Moment stürmte sie nur vorwärts, wollte weg von dieser lachenden Hexe. Ihre Schritte verlangsamten sich erst, als sie das Gebäude verließ und das sanfte Licht der künstlichen Satelliten ihre Haut traf. Sie blieb stehen. Ihr Blick fiel auf eine Statue SI KITUs. Dieses schöne und dabei edle Antlitz, das alle Lilim verehrten und in deren Namen Adelheid angeblich handelte. Würde die Mutter der Lilim das tatsächlich dulden? Würde sie tatsächlich eine Strafe, wie das lebendige Verbrennen, gutheißen? Constances Augen hefteten sich an die steinernen Augen der Statue.
Scheiße!
Joak blieb vor der Zellentür stehen und starrte darauf. Ob sie das Urteil an Elyn schon vollstreckt haben?
Seine Frage galt nicht wirklich Remus. Wie sollte der ihm auch antworten. Schließlich hatte man sie beide mit Drogen vollgepumpt hierher gebracht. Joak erinnerte sich an kaum etwas. Der größte Teil der Gerichtsverhandlung war nur eine unwirkliche Erinnerung – wie ein böser Traum. Nur das Urteil hatte sich in sein Hirn eingebrannt. Kastration als Mann und als Mensch. Unwillkürlich griff seine Hand nach seinem Schädel und strich über das volle Haar.
Remus hielt in seinem endlosen Spaziergang, der ihn von einer Zellenwand zur anderen führte inne. Ich mag gar nicht daran denken!
Wie Eorthor wohl darauf reagieren wird?
Spielt für uns keine Rolle mehr.
In Remus Stimme hörte Joak dieselbe Angst, die auch in seinem Inneren wühlte. Dies war nicht das erste Mal, dass man ihn gefoltert hatte und er war auch schon zum Tod verurteilt worden. Das hilflose Warten in einer Zelle war nie angenehm. Die Angst kam immer. Angst davor zu sterben und auch Angst davor, nicht mit hocherhobenem Kopf vor den Henker zu treten. Aber dies hier war etwas ganz anderes. Man würde sie entmannen und ihnen im Hirn herumschnippeln, bis sie sich nicht einmal mehr der Tatsache bewusst waren, dass sie Menschen waren. Den erbärmlichen Rest ihres Lebens würden sie als lebende Zombies zubringen.
Er wandte sich um. Ihre Blicke trafen sich. Sprachen aus, was sie wegen der Überwachungskameras nicht laut sagen konnten. Diese Genugtuung würden sie ihren Peinigern nicht bieten; hier offen in Verzweiflung zu fallen. Obwohl …? Vielleicht lohnte es sich um die Gnade zu bitten, als Mann sterben zu dürfen. Vielleicht würde man sie zusammen mit Elyn verbrennen. Zu dritt aneinander gefesselt auf einem brennenden Haufen Holz stehend, umgeben von diesen Schönheiten, deren unbeteiligte Augen Zeugen ihres letzten Augenblicks sein würden.
Hinter ihm öffnete sich die Tür.
Wie hypnotisiert fixierte Constance die steinernen Augen. Fast war es, als ob das Monument zu ihr sprach. Alte Texte, die sie als Kind oder junges Mädchen gehört hatte, kamen ihr wieder in den Sinn. Texte über MUTTER.
Fabeln, Sinnbilder und Gleichnisse!
Die Mutter der Lilim hatte ihre Haltung zu Folter, Mord und Unterdrückung deutlich dargestellt. Sie riss sich von dem Monument los und schritt langsam und nachdenklich den Park hinunter. Nicht zum ersten Mal kreisten ihre Gedanken darum, wieso Ideale und Realität in ihrer Welt nicht immer konform gingen.
Natürlich war es falsch gewesen, was Elyn getan hatte. Die Alyskerin hatte sie benutzt, ihr Vertrauen missbraucht. Im ersten Moment war sie sehr verärgert gewesen, aber war es richtig, sie deswegen zu verbrennen? Welchen Sinn machte ein so qualvoller Tod? Der Schaden, den Elyn angerichtet hatte, wurde dadurch nicht rückgängig gemacht. Im Gegenteil! Es konnte durch das unbarmherzige Urteil ein noch größerer Schaden entstehen. Damit stießen sie ihre Verbündeten vor den Kopf!
Constance blieb stehen und sah sich um. Ohne sich dessen bewusst zu sein, hatten ihre Schritte sie zu dem Teil des Gebäudes gebracht, in dem Gefangene medizinisch versorgt wurden. Ihr Blick wanderte die hässliche Fassade hinauf zu dem Fenster, hinter dem sie die Behandlungsräume wusste. Das Licht brannte.
Die Frau war wunderschön! Bis auf die Augen. Das erste Mal in seinem Leben wich Joak vor einer Frau zurück. Diese Augen waren nicht nur kalt. Da war etwas in ihnen … Er konnte es nicht beschreiben.
Sie betrat den Raum, als könne nichts hier sie gefährden und musterte die beiden Männer, wie er ein Raumschiff im Reparaturdock betrachtet hätte.
Remus Scorbit und Joak Cascal?
Ihre Stimme war unbeschreiblich. Tief und volltönend. Zu jeder anderen Zeit hätte sie Joak in ihren Bann geschlagen.
Sie hob den Kopf und blickte ihn direkt an. Du bist Cascal?
Ja!
Es gelang ihm, seiner Stimme einen festen Klang zu geben.
Ihre Augen wanderten zu Remus. Scorbit!
Remus sparte sich die Antwort.
Sie trat einen weiteren Schritt auf sie zu. Einen Moment überlegte Joak, sie zu überrumpeln. Sie als Geisel zu nehmen und zu fliehen. Besser auf der Flucht getötet werden, als sich in dieses Schicksal zu ergeben. Er spürte, wie Remus sich neben ihm spannte. Sein Freund dachte dasselbe.
Die Tür wurde weiter aufgestoßen. Einer dieser schwarzen Vögel schob seinen Kopf herein. Joak spürte den Griff nach seinem Geist, konnte sich nicht dagegen wehren. Nicht einmal Remus eine Warnung zuraunen. Remus machte einen Schritt noch vorn, auf die Frau zu. Sie war nicht überrascht. Wich seinem Angriff elegant aus. Zu zweit hätte es gelingen können, aber allein lief Remus, der darauf vertraute, dass sein Partner neben ihm war, ins Leere.
Scorbit wirbelte herum. Seine weit aufgerissenen Augen richteten sich erstaunt auf Cascal, der noch immer am selben Fleck stand, unfähig sich zu rühren. Hinter Remus hob sich die Krähe in die Luft. Verzweifelt versuchte Joak, ihr mit den Augen zu folgen. Scorbit ein Zeichen zu geben. Der Freund nahm ihn nicht wahr. Die Frau griff ihn an und er musste reagieren. Dann schlug die Krähe zu. Dunkelheit umfing Joak.
Ganz langsam kehrte Joak ins Bewusstsein zurück und spürte Schmerzen. Ein Schock durchfuhr ihn. Hatte man ihn bereits entmannt? Sein Herz raste. Aber wenn der Eingriff schon stattgefunden hätte, wäre er kaum noch in Lage sich dessen bewusst zu werden. Wenigstens bei einem Teil der Operation. Er schluckte. Versuchte eine Hand zu bewegen. Es ging nicht!
Zögernd öffnete er die Augen und schloss sie sofort wieder. Das Licht war brutal hell. Vorsichtig startete er einen weiteren Versuch. Öffnete die Lieder diesmal ganz langsam. Er lag auf dem Rücken und starrte in eine helle Röhre, die von einer blendend weißen Decke herabhing. Irgendwo hinter ihm war ein Geräusch. Jemand war hier. Er hob den Kopf, etwas drückte gegen seine Stirn. Joak ließ sich zurücksinken. Überlegte einen Augenblick, ob er die Person, die außerhalb seines Sichtfeldes mit mehreren Instrumenten hantierte, anrufen sollte; entschied sich aber dagegen. Stattdessen schloss er die Augen und konzentrierte sich auf seinen Körper. Offenbar fehlte ihm noch nichts. Die Schmerzen rührten von einigen Riemen her, die an mehrere Stellen grausam eng um seinen Körper geschlungen waren. Sie erlaubten ihm keine Bewegung. Einzig den Kopf konnte er etwas wenden und ein klein wenig anheben, ehe er von einer Art Gummiband zurückgezogen wurde.
Vorsichtig drehte er den Kopf von links nach rechts. Remus lag rechts von ihm, genauso erbarmungslos gefesselt wie er selbst. Er blickte ihn an. Mit den Augen deutete er nach oben über seinen Kopf. Seine Lippen formten eine lautlose Frage. Er kam nicht dazu, die Frage zu beantworten. Jemand trat zwischen sie. Die Frau, die sie in der Zelle besucht hatte.
Sie beugte sich nacheinander über ihn und Remus.
Ich hatte noch keine Gelegenheit mich vorzustellen.
Sie gab ein paar Daten in ein Pad ein und legte es beiseite. Ich bin Christa!
Sie schenkte ihnen ein wundervolles Lachen. Ich werde euch behandeln.
Sie trat ein paar Schritte zurück, bis sie am Fußende der Pritschen stand.
Das war keine gültige Gerichtsverhandlung!
Remus hob seinen Kopf gegen den Widerstand der Fessel.
Richtig!
Christa nickte ernst. Das war ein Tribunal. Spionen gestehen wir nicht das Recht einer Verhandlung zu.
Auch keinen Rechtsbeistand?
Elyn hat euch verteidigt.
Das ist kaum dasselbe wie ein echter Rechtsbeistand!
Remus legte Empörung in seine Stimme.
Joak hörte dem Zwiegespräch schweigend zu. Mit Worten war Remus besser, wenigstens, wenn es um juristische Spitzfindigkeiten ging.
Keine Lilim würde euch verteidigen.
Ihr seid nicht die einzigen Entropen.
Was ist deine Absicht, Scorbit?
Sie schenkte ihm ein süßes Lächeln. Oder ist es dir lieber, wenn ich dich Remus nenne?
Ihre Stimme gurrte seinen Vornamen mit einem verheißenden Unterton.
Ich …
Sie lachte und wandte sich einem Apparat zu, der neben der Lampe von der Decke herabhing. Du willst Zeit schinden.
Sie zog einen Roboterarm zu sich herunter.
Ich verlange …
Zu verlangen hast du gar nichts!
Christa drückte auf einen Schalter an der Seite des Armes. Ein kleines Sägeblatt am Kopf begann zu rotieren. Zufrieden nickte sie. Drehte den Arm über das Fußende von Remus' Liege und zog einen weiteren Roboterarm herunter.
Das hier wird ernste Konsequenzen nach sich ziehen!
Ein Knopfdruck am zweiten Arm brachte eine zuschnappende Zange am vorderen Ende zum Vorschein. Auch dieses Instrument platzierte sie am Fußende von Remus Pritsche. Für ernste Konsequenzen bin ich nicht zuständig!
Sie nahm wieder das Datenpad zur Hand und begann zu tippen.
Die beiden Arme fuhren in eine Position über Remus Körpermitte.
Ihr wisst gar nicht, was ihr der Damenwelt damit antut.
Etwas Besseres fiel Joak nicht ein.
Christa wandte sich ihm zu. Soll ich mit dir beginnen?
Joak schluckte.
Christa lächelte. Ihre Hand legte sich auf seine Hose und öffnete den Verschluss. Die Roboterarme schwenkten zu ihm hinüber.
Ich glaube nicht, dass euch viele Frauen vermissen werden.
Aus der Liege schoben sich zwei Teleskoparme und hoben Joaks Körper ein Stück an. Christa zog ihm Hose und Unterhose ohne besondere Rücksicht auf die Beine hinunter. Und was euch angeht …
Joaks Körper sank wieder auf die Liege zurück. Die Roboterarme senkten sich drohend herab. Wenn ich mit euch fertig bin, werdet ihr nicht einmal mehr wissen, was euch fehlt.
Joak schluckte. Er wand sich, versuchte den künstlichen Armen auszuweichen, die sich auf seine Haut heruntersenkten.
Ihr riskiert einen Krieg!
Remus' Stimme drückte seine hilflose Verzweiflung aus.
Das ist nicht meine Angelegenheit!
Christa zuckte gleichmütig mit den Schultern. Die Hüter der Thermodynamik werden alle Folgen bedacht haben.
Sie platzierte das Sägeblatt auf Joaks Haut. Sie denken und ich handele – so ist das bei uns!
Ich verlange eine weitere Anhörung!
Remus' Gesicht war blass. Sein Gesicht drückte deutlich die Qual darüber aus, der Misshandlung seines Freundes zusehen zu müssen.
Wozu?
Christa drückte ein paar Knöpfe auf ihrem Pad. Joaks Kopf wurde fest gegen die Kunststoffunterlage gepresst. Auch die anderen Riemen zogen sich weiter an. Er stöhnte vor Schmerz. Um sein Kinn lag jetzt eine weitere Metallfessel. Er war zum Schweigen verurteilt. Ihr seid überführte Spione!
Das Blatt der kleinen Säge setzte sich wieder in Bewegung. Die Zange näherte sich ihrem Ziel.
Mein Gott!
Remus stöhnte auf. Gib ihm wenigstens eine Betäubung.
Ich dachte, ihr seid harte Männer!
Christa grinste amüsiert. Keine Angst, Remus. Dein Freund wird sich nicht an die Schmerzen erinnern, wenn ich mit ihm fertig bin.
Das glattgeschliffene Blatt der Säge drang ein wenig in Joaks Haut ein. Blut rann ihm die Hüfte hinunter. Der Körper des Terraners spannte sich vor Schmerz.
Warte!
Constances Stimme.
Niemand hatte die Lilim eintreten hören.
Was willst du hier?
Adelheid schickt mich!
Sie deutete mit gerunzelter Stirn auf das rotierende Messer, das seinen Weg unbeirrt fortsetzte. Du solltest das anhalten.
Achselzuckend folgte Christa der Aufforderung.
Du sollst mit dem Eingriff noch warten.
Constance spielte mit einer Locke ihres üppigen Haares. Ich soll sie zu Adelheid bringen.
Christas Blick wanderte zur Tür. Wo sind die Wachen?
Ich habe gedacht, dass es besser ist, dir erst Bescheid zu sagen, bevor ich mir Wächter hole.
Du hast sicher nichts dagegen, wenn ich mir den Befehl von Adelheid bestätigen lasse?
Constance zuckte gleichgültig mit den Schultern. Christa wandte sich ab. Sofort kam Leben in Constance. Sie riss eines der Instrumente vom Tisch und schlug nach Christa. Die andere Lilim tauchte unter dem Angriff weg, als hätte sie ihn erwartet.
Wütend fuhr sie auf Constance los. Verräterin!
Die beiden Frauen gingen zu Boden. Remus hörte Constance aufschreien. Dann war es einen Augenblick still. Christas Kopf erschien wieder in seinem Blickfeld. Die Augen der Lilim funkelten vor Zorn. Wütend rappelte sie sich auf und wandte sich einer kleinen Tür zu, die in einen Nebenraum führte. Sie verschwand aus Remus' Blickfeld, aber er hörte ihre Stimme. Sie sprach mit jemandem.
Christa!
Die Stimme war die von Constance, aber das Wesen, das sich erhob, jagte Remus einen Schauer über den Rücken. Der Kopf war der von Constance, aber ihr, jetzt nackter, Körper war ungleich muskulöser und schillerte in verschiedenen Farben. Auf ihrem Rücken entfalteten sich ein paar Flügel. Schnell schwebte sie auf den Raum zu, in dem Christa verschwunden war. Die Hände nach vorne gestreckt wie die Klauen eines Monsters – und das war sie im Moment in Remus' Augen auch.
Ein Wesen aus der Mythologie – ein Succubus – schön und entsetzlich zugleich.
Christa erschien in der Tür. Ihre Augen weiteren sich, als sie Constance ansah. Sie wollte herumwirbeln, erstarrte aber mitten in der Bewegung. Ihr Körper wand sich, als ob er in einem Spinnennetz gefangen war. Constance griff nach einem Kasten. Ohne das ihre Füße den Boden berührten, schwebte sie auf Christa zu und schlug zu. Ein kurzer, trockener Schlag und die Lilim ging zu Boden. Constance wandte sich um. Ihre nackten Füße patschten über den Boden, als sie zu den Männern zurückkam. Mit fliegenden Fingern löste sie die Fesseln, die Remus hielten. Mühelos zog sie ihn hoch. Ohne dass sich ihre Lippen bewegten, hörte er in seinem Kopf den Befehl sich um Joak zu kümmern.
Die Lilim trat zurück und betrachtete ihr Werk. Die Alyskerin war noch immer ohne Bewusstsein, auch wenn sie die Spuren der Misshandlung durch die beiden Tertiärentropen getilgt hatte. Mona betrachtete das helle Gesicht der Frau. Unvorstellbar, dass sie ein Alter haben sollte, das weit über das von Adelheid und jeder lebenden Lilim hinausging. Niemand würde diese Frau auf älter als dreißig schätzen. Mona streckte die Hand aus und strich eine Strähne des mittlerweile wieder schwarzen Haares aus Elyns Gesicht. Zu schade, dass es bald nicht mehr existieren würde.
Die Alyskerin bewegte sich. Eine ihrer Hände fuhr hoch und tastete nach der Berührung. Eine noch halb unwillkürliche Bewegung.
Mona wartete, bis die dunklen Augen sich geöffnet und der Blick geklärt hatte.
Hallo, Elyn!
Die Gefangene wandte ihr den Kopf zu. Ich bin Mona.
Sie lächelte sanft. Ich habe die Verletzungen behandelt, die Adelheids Wachen dir zugefügt haben.
Elyn streckte vorsichtig ihre Glieder und richtete sich auf. Wieder betasteten ihre Hände ihr Gesicht. Ich spüre keine Schmerzen mehr.
Gut!
Mona nickte zufrieden.
Danke.
Elyns Stimme war dunkler als Mona erwartet hatte und im Augenblick noch ein wenig rau von der Narkose und den Schmerzmitteln.
Die Augen der Alyskerin suchten wieder ihren Blick und hielten ihn fest. Wieso hast du das getan?
Für einen Moment wusste sie nicht, was ihre Patientin meinte, dann fand sie die Antwort in Elyns Augen.
Ich mag keine Grausamkeit.
Die junge Heilerin setzte sich neben sie. Man sollte Gefangene nicht misshandeln. Das ist einer zivilisierten Gesellschaft unwürdig.
Das ist lebendiges Verbrennen auch.
Elyns Stimme war leise. Warum hat man mich überhaupt wieder ins Bewusstsein zurückgeholt?
Adelheid wollte das so.
Die Ärztin biss sich auf die Lippen. Wenn es nach mir ginge, würde überhaupt kein Todesurteil vollstreckt.
Elyn lächelte dankbar. Ein wenig Mitgefühl tat gut. Ein anderer Gedanke verdrängte den Augenblick des Trostes. Joak und Remus?
Sie blickte die Frau von der Seite an. Wie alle Lilim war sie wunderschön.
Sie mied Elyns Blick. Die beiden Männer, die man mit dir zusammen verurteilt hat?
Sie nickte. Wusste die Antwort, noch eher sie ausgesprochen war.
Das Urteil ist am Morgen vollstreckt worden.
Alles?
Sie schluckte. Fühlte einen leichten Schwindel nach ihren Sinnen greifen. Ich meine …?
Die Heilerin nickte schweigend.
Elyns Schultern sanken herab. Sie wünschte sich, man hätte die beiden Männer getötet. Was immer man von der Todesstrafe hielt, es gab Dinge, die schlimmer waren.
Constance steuerte das kleine Flugboot mit atemberaubender Geschwindigkeit in beängstigender Nähe über der Oberfläche. Die Hexe war eine geschickte Pilotin. Remus saß auf dem Sessel des Copiloten, die Hände untätig in den Schoß gelegt. Immer wieder schob sich das Bild der verwandelten Lilim vor sein inneres Auge. Das Gefühl von Bedrohung und gleichzeitig schmerzhaften Verlangen, das dieses Flügelwesen in ihm ausgelöst hatte.
Weshalb starrst du mich so an?
Constance wandte den Kopf und musterte den Terraner.
Das lenkte sein Denken kurz von dem erotischen Wesen ab.
Solltest du nicht …?
Seine Hand deutete nach draußen auf die rasend schnell dahin ziehenden Sträucher und Bäume. Wenn sie mit dieser Geschwindigkeit auch nur etwas leicht tangierten, würde niemand das Boot unter Kontrolle halten.
Constance ließ das Steuer los und lehnte sich zurück. Wieso?
Sein Erschrecken wich so schnell, wie es gekommen war. Natürlich! Niemand flog bei dieser Geschwindigkeit selbst. Sie hatte die Führung an die automatische Steuerung abgegeben.
Hinter ihm kicherte Joak. Er strafte den Freund mit einem bösen Blick.
Also?
Verwirrt richtete er die Augen wieder auf Constance. Die Augenbrauen der jungen Frau waren in einer fragenden Geste in die Höhe gezogen.
Ich …
Wieder drängte ihm ihre gewandelte Erscheinung ins Bewusstsein, wurde in den Hintergrund gedrängt, von einem anderen Bild.
Eine Armee von Lilim in ihrer gestaltwandlerischen Form. Nackt, verführerisch und mit unbekannten Fähigkeiten. Keine guten Gegner.
Entschuldige! Ich wollte nicht unhöflich sein. Ich wusste zwar, dass Lilim ihre Gestalt ändern können, aber ich habe es nie zuvor gesehen.
Sie lächelte. Wir machen es auch nur selten.
Ich danke dir, Constance!
Ich auch!
Joaks Stimme war ungewöhnlich ernst. Selbst ihm war die heitere Unbeschwertheit, mit der er sich sonst allen Dingen entgegenstellte, abhanden gekommen.
Constance Wangen röteten sich leicht und sie starrte wieder nach vorn auf die vorbeiziehende Landschaft.
Ich war sehr wütend auf euch. Auf Elyn! Weil ihr mich benutzt habt und weil ihr unsere Welt ausspioniert habt. Aber euch deswegen auf diese Art verstümmeln … eure Gehirne zu deformieren! Nein!
Sie schüttelte den Kopf. Das ist nicht richtig!
Ihr Blick kehrte zu ihnen zurück. Zumal ihr ja keine Feinde seid! Eigentlich, meine ich. Schließlich gibt es da draußen einen ganz anderen Gegner.
Remus nickte. Er verstand, was die junge Frau zu sagen versuchte.
Es ist so weit!
Eine unbekannte Lilim hatte ihren Kopf durch die Tür in das Behandlungszimmer gesteckt und deutete auf Elyn. Komm her!
Eine Minute noch!
Monas Hand legte sich um Elyns Handgelenk und zog die Alyskerin zurück auf die Liege. Ich muss ihr noch eine Spritze geben.
Wozu?
Deutlicher als jedes Wort drückten die Augen der Lilim aus, was sie dachte. In ein paar Minuten ist die nur noch ein Haufen Asche.
Warte draußen!
Die Hand der Ärztin bewegte sich, als ob sie ein lästiges Insekt verscheuchte. Die fremde Hexe gehorchte sofort.
Mona nahm eine Spritze aus einer Schublade und drückte eine Ampulle, die sie aus ihrem Kittel gezogen hatte, auf die Nadel Ich kann diese Barbarei nicht verhindern.
Sie zog die Flüssigkeit auf. Aber ich kann dir zumindest eine Droge geben, die deine Schmerzen dämpft und dafür sorgt, dass du schnell das Bewusstsein verlierst.
Sie wandte sich wieder Elyn zu und hielt die Spritze hoch. Nur, wenn du willst, natürlich.
Schweigend streckte die Alyskerin ihren Arm aus. Monas Hände waren sanft, der Einstich kaum zu spüren.
Vor der Tür wartete eine Eskorte; die beiden Tertiärentropen, die sie zusammengeschlagen hatten. Schweigend nahm Elyn den Platz zwischen ihnen ein. Die Lilim, die sie anführte, würdigte Elyn keines Blickes. Schweigend und schnell legten sie den Weg über die Flure zurück. Draußen empfing sie ein freundliches warmes Licht. Ihre Führerin brachte sie in einen umzäunten Innenhof.
Überrascht blickte Elyn um sich. Niemand war hier! Fast niemand. Nur zwei Lilim in weißen Roben, die neben einem Pfahl standen, der den Mittelpunkt des Hofes markierte. Ein gepflasterter Weg führte direkt auf sie zu. Links und rechts blühten zahlreiche Pflanzen und verbreiteten einen angenehmen Duft, nach Frühling und Leben. Elyn schauderte innerlich. Ihre Augen kreisten über diese kleine Oase, die Frieden versprach und in wenigen Minuten der Platz ihres grausamen Todes werden würde. Sie fühlte Angst! Nicht einmal vor dem Tod selbst, aber vor der Art, auf die es geschehen sollte.
Sie hielten neben dem Pfahl. Eigentlich war es eher eine Stange aus Metall; Metall, an dem deutlich Rußspuren zu sehen waren. Bis fast in Kniehöhe verschwand das untere Ende der Latte in einem Holzstapel. Trockenes Holz! Einer der Entropen packte sie und hob sie vom Boden hoch. Wie eine Puppe trug das Wesen sie auf den Scheiterhaufen, drückte sie mit dem Rücken gegen die Stange und fesselte sie. Nachdem er sein Werk beendet hatte, verließ er gemeinsam mit dem anderen Wächter und der Lilim schnell den Hof.
Elyn war allein mit den beiden weißgekleideten Hexen.
Wird Adelheid nicht …?
Ihr Mund war trocken. Erlaubte kaum, die Worte klar zu artikulieren. Hoffentlich hatte Mona die Dosis gut bemessen.
Eine der Frauen deutete nach oben. Elyns Blick folgte der angegebenen Richtung. Dort stand Adelheid, allein auf einem Balkon.
Die edle Adelheid ehrt dich damit, dass sie persönlich die ordnungsgemäße Hinrichtung überwacht.
Die Sprecherin überprüfte die Fesselung. Sie hat sich selbst vom ordnungsgemäßen Zustand und Aufbau des Scheiterhaufens überzeugt.
Sie nahm eine bauchige Flasche entgegen, die ihr die andere Hexe entgegenhielt. Aber sie wird sich nicht auch noch dem Gestank deines brennenden Kadavers aussetzen.
Die Hexe trat zurück und musterte ihr Werk zufrieden. Ihr Blick richtete sich nach oben zu Adelheid. Die alte Lilim nickte.
Die beiden Frauen zogen sich ein Stück vom Scheiterhaufen zurück. Eine der Frauen hielt einen zylinderförmigen Gegenstand in der Hand, den sie auf den unteren Rand des Holzstoßes richtete. Ein kurzer Blitz zuckte aus dem Kopf des Zylinders und brachte einen der Holzscheite zum Schwelen. Die Frau umrundete den Scheiterhaufen und wiederholte die Prozedur an drei Stellen. Das Holz begann zu glimmen. Sie stellte sich neben die zweite Lilim, den Blick Elyn zugewandt. Die beiden Hexen zogen sich spitze Kapuzen über und senkten die Köpfe.
Elyn blickte hoch zu Adelheid. Auch die alte Lilim hatte ihr Gesicht unter einer Kapuze verborgen. Der Geruch des brennenden Holzes ließ die Alyskerin den Blick wieder senken. Die ersten kleinen Flammen loderten auf, fraßen sich ins Holz. An einigen Stellen tropfte Öl auf sie hinunter, ließ sie flackern und fachte sie an. Das Holz begann zu knistern.
Elyn spürte die Hitze der Flammen, während sie hilflos zusah, wie das Feuer nach und nach den ganzen Holzstapel erfasste, bis er lichterloh brannte. Die Flammen schlugen hoch. Die ersten leckten, wie die Zungen einer Echse nach dem Stoff ihrer Kleidung. Die Luft wurde heiß, brannte in der Lunge. Elyns Augen begannen zu tränen. Sie sah das Holz nur noch wie durch einen Schleier. Die Geräusche wichen zurück. Die Droge begann zu wirken.
Wir müssen uns beeilen!
Remus starrte gebannt auf die Szene. Elyn stand inmitten lodernder Flammen auf einem Scheiterhaufen.
Constance jagte den Gleiter knapp über dem Boden, direkt auf den schmalen Durchgang zu. Haltet euch bereit!
Ihre Stimme war schrill vor Aufregung.
Joak zog Remus am Arm. Er hatte begriffen, was die junge Hexe plante. Sie hockten sich neben den Ausstieg, mit beiden Händen fest an die Haltegriffe neben der Tür geklammert.
Das Heck des Gleiters schleuderte herum. Warf die beiden Männer hart gegen die Wand. Fast zeitgleich öffnete sich der Einstieg. Remus hatte sich als Erster aufgerappelt. Er sprang aus dem Gleiter. Von irgendwo her ertönte ein Wutschrei. Adelheids Stimme! Es blieb ihm keine Zeit sich umzusehen. Zwei weißgekleidete Lilim stürzten sich auf ihn.
Er wich dem ungestümen Angriff aus. Eine der Hexen trat nach ihm. Er stolperte einen Schritt zurück, bekam dadurch freie Sicht auf Elyn. Der Kopf der Alyskerin hing schlaff auf die Brust. Die langen schwarzen Haare verdeckten das Gesicht. Remus Herz begann zu rasen. Hatte man sie doch getötet, eher man sie auf den Scheiterhaufen brachte? Ein Arm legte sich um seinen Hals. Die Frauen waren schnell. Sie versuchte ihm den Kehlkopf einzudrücken. Er zog den Kopf ein, sah aus dem Augenwinkel Joak aus dem Flugboot springen.
Die zweite Lilim musste ihn ebenfalls gehört haben. Sie wirbelte zu Cascal herum.
Remus rammte den Ellbogen nach hinten. Ein stechender Schmerz zog durch seinen Arm. Hinter ihm schnappte die Hexe nach Luft, hielt aber ihren Griff eisern geschlossen. Er ließ sich rückwärts fallen. Krachte mit seinem ganzen Gewicht auf ihren Bauch. Etwas knackte. Die Hexe stöhnte, ihre Hände fielen schlaff herab. Links von ihm krachte Joak zu Boden, rechts begann Elyns Kleidung zu brennen und noch immer bewegte die Alyskerin sich nicht. Remus machte einen Schritt auf die Flammen zu. Hinter ihm drehte sich der Gleiter, spuckte eine Salve auf eines der Häuser, die den Innenhof begrenzten.
Ein Fuß hakte sich in seinen. Brachte ihn zum Stolpern. Fluchend landete er auf den Ellbogen. Die Hexe hatte sich ebenfalls auf die Arme hochgestemmt. Hass loderte in ihren Augen. Aus den Augenwinkeln sah er, wie sich Elyns Kopf bewegte. Vielleicht war sie doch noch am Leben.
Die Lilim riss ihre Hand hoch, schleuderte ihm Dreck entgegen. Die Erde traf seinen Mund und seine Nase. Er hustete. Warf sich nach vorn. Mit aller Macht schlug er die Faust von unten gegen das Kinn der Hexe. Wie gefällt kippte sie nach hinten. Remus sprang auf. Etwas weiter weg rang Joak noch immer mit der zweiten Hexe. Er wandte sich ab. Die Flammen loderten um Elyn, fraßen an dem zarten Körper. Remus atmete tief ein. Sprang in die Flammen.
Adelheid schrie vor Wut. Sie erkannte Constances Gesicht im Cockpit des Flugbootes. Das unverfrorene Luder schoss auf den Balkon, auf dem sie stand, und zwang sie zurück. Adelheid warf noch einen Blick auf den Platz im Innenhof, der zum Ort ihres Triumphes über Eorthor hätte werden sollen. Eine der Henkerinnen lag auf dem Boden und rührte sich nicht mehr, die andere rang noch mit einem der Terraner. Die Schutzkrähe! Adelheid wirbelte herum und rannte in den Raum hinein. Das schwarze Tier stand in der Ecke. Noch im Laufen griff sie nach ihrem Armband und aktivierte es.
Denkerin 1 biss sich auf die wulstigen Lippen. So weit hätte es nie kommen dürfen. Adelheid hatte die Kontrolle über sich verloren und sich von ihrem Hass leiten lassen. Ihrem Hass auf Männer im Allgemeinen und auf Eorthor im Besonderen. Natürlich war der alte Alysker ein arrogantes, skrupelloses und zu tiefst amoralisches Wesen, aber durfte man seine Tochter dafür büßen lassen? Selbst wenn sie sich als Spionin schuldig gemacht hatte? Unschlüssig blickte er zur Treppe. Im Augenblick hatte es wenig Sinn mit Adelheid zu reden.
Joak schlug mit der Faust zu. Der Kopf der Hexe flog nach hinten, aber ihre Hände lösten sich nicht von seinem Hals. Ihre Wut verlieh ihr eine unglaubliche Kraft. Er spürte, wie sich ihre Fingernägel tief in seinen Hals gruben. Blut tropfte herab. Ihm wurde die Luft knapp und auf dem Scheiterhaufen rang Remus verzweifelt mit Elyns Fesseln. Die Flammen, die seinen eigenen Körper malträtiertem ignorierte der Terraner mit verbissenem Gesicht.
Noch einmal holte er aus. Legte seine ganze Wut und die Verzweiflung der vergangenen Stunden in den Schlag. Wieder flog der Kopf der Hexe nach hinten. Er schlug weiter zu. Wieder und wieder. Bis der Kopf der jungen Frau schlaff nach hinten fiel. Joak verschwendete keine Zeit. Er schleuderte den schlaffen Körper zur Seite und sprang zum Scheiterhaufen, in der Hand das kleine Werkzeug, das er aus dem Werkzeugkasten des Bootes genommen hatte.
Er drückte den Knopf. Sofort pulsierte ein rötlicher Energiestrahl am vorderen Ende. Er sprang. Landete neben Remus der verzweifelt versuchte Elyns Körper gegen das Feuer abzuschirmen. Seine beiden Freunde brannten. Joak riss den Schneidbrenner hoch und hoffte, dass er der Hitze lange genug trotzte.
Hasserfüllt blickte Adelheid dem Vogel hinterher, wie er sich vom Boden abstieß, zur Tür hinaus glitt und über den zerstörten Balkon nach unten segelte. So leicht würde sie ihre Beute nicht aufgeben. Sie sprang an eine der Konsolen und gab den Alarm für die Sicherheit ein. Hinter ihr zischte ein neuer Schuss des Gleiters in den Himmel. Sie biss sich auf die Lippen. Die Krähe! Aber nein. Da war sie! Mit einem hässlichen Schrei hob sich das künstliche Wesen in die Luft, um gleich wieder in einem Bogen nach unten zu stoßen. Ein Lächeln umspielte Adelheids Mund. Noch war nichts verloren. Der Hof war zu eng. Constance konnte nicht richtig manövrieren.
Die Fesseln fielen von Elyns Handgelenken. Sofort brach die junge Frau nach vorn zusammen. Remus fing sie und stolperte mit ihr aus dem Flammenmeer. Ließ sich sofort zu Boden fallen und wälzte sich herum. Versuchte die Flammen zu ersticken. Joak warf den Schneidbrenner fort, der bedenklich pulsierte, und wollte ihnen folgen. Seine Beine gehorchten ihm nicht. Er kannte das Gefühl! Angst griff nach ihm.
Der Terraner! Constance ließ den Gleiter zu Boden sinken. Die Schutzkrähe paralysierte ihn und Elyn und der Andere brannten. Sie riss den Gurt weg, griff nach der Energiepistole, die neben dem Pilotensessel befestigt war und stürzte zur Tür. Der Vogel war auf dem Pfahl gelandet. Sie nahm sich nicht die Zeit zum Zielen. Feuerte blind seine Richtung und stürzte auf Cascal zu. Er war am Rand der Flammen auf die Knie gesunken. Mit aller Macht zerrte sie an dem schweren Körper. Er fiel nach vorn. Rollte von dem brennenden Holz weg. Seine Hand fuchtelte durch die Luft und er lallte etwas. Constance konnte seine Worte nicht verstehen. Sie ignorierte ihn, wirbelte herum und warf sich auf Elyn, deren Kleidung immer noch glomm. Neben ihr rappelte sich Remus auf. Der Terraner sah furchtbar aus. Er hatte Brandblasen auf der Haut und seine Augenbrauen waren versenkt. Er taumelte an ihr vorbei und zog Cascal hoch. Sie tat dasselbe mit Elyn. Zerrte die Frau ohne Rücksicht zum Gleiter und hinein in die relative Sicherheit. Remus folgte ihr mit dem paralysierten Joak.
Denkerin 1 beeilte sich den engen Schacht hinauf zu schweben. Sie kannte Adelheid lange genug, um zu wissen, wie ihr nächster Schritt aussah. Ihre persönliche Wache aus Tertiärentropen würden auf jeden Fall zu spät kommen, um das Flugboot zu stoppen. Sie brauchte die Lufteinheiten und die unterstanden ihrem Kommando. Am oberen Ende des Schachtes versetzte sie seine Flugscheibe in den Schwebemodus. Alle vier Tentakel arbeiteten fieberhaft daran, die Abdeckung von der Konsole zu entfernen, dann drückte er den orangefarbenen Knopf, der die Hangartore der Flugboote verschloss. Eine Notvorrichtung, falls jemand mit einem Boot fliehen wollte. So schnell ihre Tentakel es erlaubten, drückte sie die Klappe wieder an ihren Platz und setzte den Weg in die Zentrale fort, wo er Adelheid finden würde. Es war eindeutig genug. Sie durfte nicht weiter zulassen, dass Unvernunft ihre Handlungen bestimmte. Natürlich war es eine unmögliche Tat von Eorthor, das er seine Tochter als Spionin schickte, aber es gab gewisse Regeln. Einen Spion im Einsatz zu töten … war in Ordnung. Einen Spion zu foltern, auch damit hatte er keine Probleme, aber persönliche Rachegelüste hatten bei einer solch ernsten Sache nichts verloren und deswegen erkaufte sie Constance mit den blockierten Toren genug Zeit, um zu fliehen. Adelheid musste sich zunächst beruhigen, damit man überhaupt an ihre Vernunft appellieren konnte. Ihre Flugscheibe neigte sich sanft zur Seite, als sie um die letzte Ecke bog.
Adelheid riss das Kommunikationsgerät aus seiner Verankerung und schrie mit überschlagender Stimme hinein. Alle Gleiter sollten starten und die Flüchtlinge stellen. Sie wollte Constance vor ihren Füßen auf dem Boden sehen. Anstatt sich zu beeilen, stammelte der Leiter in der Bereitschaftszentrale unverständliches Zeug vor sich hin. Ihre Hand umklammerte wütend das Gerät, als sie Denkerin 1 um die Ecke schweben sah. Die hatte ihr gerade noch gefehlt, aber halt … Immerhin waren ihre Leute in der Bereitschaft. Wütend, das Kommunikationsgerät wie einen Schild vor sich gestreckt, stürmte sie auf sie zu. Deine Affen sollten die Flüchtigen stellen.
Ruhig nahm sie das Gerät entgegen und ließ sich von dem unglücklichen Befehlshaber in der Zentrale berichten, dass die Hangartore blockierten. Mit ruhiger Stimme gab sie die notwenigen Anweisungen und nur wenig später sahen sie durch die Fensteröffnungen, wie sich mehrere Gleiter in die Luft erhoben. Viel zu spät. Adelheid riss ihr das Gerät aus der Hand. Mit fliegenden Fingern aktivierte sie einen neuen Code auf der kleinen Schalttafel. Die Leitstelle der Raumflotte meldete sich.
Alle Passagen zum Normalraum sperren! Sofort! Für jeden! Niemand darf rein und keiner raus! Nicht ohne meine ausdrückliche Genehmigung!
Denkerin 1 seufzte innerlich. Adelheid überschritt schon wieder ihre Kompetenzen, aber es war wohl sinnlos, sie im Moment darauf hinzuweisen. Das würde noch ein schweres Stück Arbeit werden.
Constances Herz wummerte wie eine schnell geschlagene Armeetrommel. Immer wieder spulten sich die letzte Minuten vor ihrem inneren Auge ab. Sie hatte Christa paralysiert, mit einer Gleiterkanone auf Adelheid gefeuert und eine Schutzkrähe zerstört. Fest umklammerten ihre Hände das Steuer, bis die Handknöchel weiß hervortraten. Was sollte sie jetzt tun? Adelheid hatte sie mit Sicherheit erkannt und selbst wenn nicht, würde Christas Aussage genügen, damit alle wüssten, dass nur sie Elyn gerettet haben konnte. Adelheid würde sehr böse mit ihr sein. Eine Hand legte sich auf ihre.
Wir sollten langsamer werden und das Boot landen, meinst du nicht?
Joaks Stimme! Der Terraner hatte sich schnell von dem Angriff der Schutzkrähe erholt. Sogar schon darüber gescherzt, dass er sich langsam daran gewöhnte. Sie blickte auf die vorbeirasende Landschaft. Er hatte recht. Sie mussten landen und sich um Elyn und Remus kümmern.
Eorthor starrte auf die Nachricht in seinen Händen. Elyn in den Händen von Adelheid! Und zum Tod verurteilt! Man würde seine Tochter verbrennen. Er spürte, dass er zitterte und nicht nur vor Wut. Ein Teil von ihm wunderte sich darüber, wie stark der Gefühlsaufruhr war, der ihn überflutete. Seine Elyn! Seine intelligente, starke und schöne Tochter. Die Fantasie erwies ihm einen Bärendienst und malte ihm in lebendigen Farben aus, wie die Flammen Elyns Haare verbrannten – er sah seine Tochter als glatzköpfige Horrorfratze, das Antlitz von der Hitze zerstört, deren Augen ihn anklagend ansahen. Wütend warf er den Datenkristall von sich. Was geschah hier mit ihm? Eine solche Schwäche war seiner nicht würdig. Trotzdem musste er etwas unternehmen. Diese verdammte Hexe wissen lassen, dass ihr Kampf jetzt persönlich geworden war.
Sanft landete die Lilim das Flugboot in der Höhle. Sie hatte es sicher und ohne zögern in eine Schlucht hineingelenkt. War herabfallenden Lawinen ausgewichen und hatte sich zwischen engen Pässen hindurchgeschlängelt. Joak nickte anerkennend. Die junge Hexe war nicht nur schön und mutig, sie war außerdem eine ausgezeichnete Pilotin.
Die Motoren kamen zur Ruhe und Constance sank erschöpft zurück. Schweißperlen standen auf ihrer Stirn.
Das war wunderbar!
Sanft legte Joak der jungen Frau seine Hand auf den Arm. Wir alle verdanken dir unser Leben, Constance!
Sie lächelte ihm erschöpft und dankbar zu. Ließ sich von ihm aus dem Pilotensessel helfen.
Was Adelheid tun wollte, war nicht richtig!
Joak nickte. Das sah er genauso. Zwar konnte man erwarten, mit dem Tod bestraft zu werden, wenn man sich als Spion erwischen ließ, aber was die alte Hexe geplant hatte, roch eindeutig nach Rache und Sadismus.
Gemeinsam begaben sie sich nach hinten, sahen auf Elyn und Remus herab. Die Alyskerin war noch immer ohne Bewusstsein.
Remus dagegen öffnete die Augen und drückte sich von der schmalen Pritsche hoch. Er hielt Constance seine rechte Hand entgegen. Ich danke dir, Constance!
Die Lilim errötete leicht. Verlegen und vorsichtig ergriff sie die Hand, die über und über mit Brandblasen übersät war.
Du wirst Ärger bekommen.
Scorbit blickte sie besorgt an.
Constance schluckte. Der Terraner lag verletzt und mit Schmerzen vor ihr und seine Sorge galt ihr. Es wird schon nicht so schlimm werden.
Sie kniete neben der Liege nieder, auf der Elyn lag und untersuchte die Alyskerin. Ihre Verbrennungen waren nicht so schlimm, wie sie erwartet hatte, was vermutlich Remus selbstlosem Einsatz zu verdanken war. Joak! In der Pilotenkanzel, gleich unter dem Statusmonitor, gibt es ein Fach, in dem eine medizinische Ausrüstung liegt.
Wortlos machte Cascal sich auf den Weg zurück in die Kanzel.
Constance hob Elyns Augenlieder und schaute der jungen Frau in die glasigen Pupillen. Drogen!
Was?
Remus, der neben ihr kniete, konnte sich kaum aufrecht halten.
Sie steht unter Drogen. Glaube ich!
Joak kam mit einem kleinen Koffer zurück. Constance griff danach, aber der Terraner zögerte einen Moment.
Was ist?
Irritiert blickte sie Cascal an.
Der Funk lief noch!
Er schluckte schwer. Sah die junge Hexe unglücklich an. Adelheid hat dich zur Verräterin erklärt!
Denkerin 1 blickte auf den Monitor und spielte die Nachricht ihres Agenten erneut ab. Eorthor hatte sehr aufgeregt reagiert. Stärker, als sie erwartet hatte. Nachdenklich wischte sie sich mit einem Tentakel über die Stirn. Dass Adelheids vorschnelles Urteil diplomatische Folgen nach sich ziehen würde, hatte sie erwartet, aber Eorthor reagierte fast genauso irrational wie Adelheid. Offensichtlich hatte auch der machtbesessene Alysker seine Schwächen. Er konnte nicht verlieren und er hing überraschenderweise an seiner Tochter. Denkerin 1 beglückwünschte sich dafür, dass er einen Agenten in Eorthors unmittelbare Nähe platziert hatte.
Schweigend hatte Constance den Koffer entgegen genommen, geöffnet und sich die passenden Salben herausgesucht, um Elyn zu behandeln. Ihr Gesicht war leichenblass und düstere Gedanken tobten hinter ihrer Stirn. Eine Verräterin! Sie! Mechanisch öffnete sie eine Verpackung und nahm eines der Geräte heraus, das die Selbstheilungskräfte eines Lebewesens stark beschleunigte. Allerdings funktionierte das nur, solange die Verletzungen nicht zu gravierend waren.
Was ist das?
Joak sah ihr über die Schulter. Sie erklärte ihm die Funktionsweise, soweit sie selber diese kannte, während ihre Hand das Gerät gleichmäßig über Elyns Wunden führte. Man konnte sehen, wie sich die Brandblasen zurückbildeten.
Constance?
In einem Reflex wollte Joak seine Hand auf Constances Schulter legen, zog sie aber im letzten Moment zurück.
Was?
Sie sah ihn nicht an. Ihre Stimme war fast tonlos.
Es schnürte Joak das Herz zusammen. Es tut mir so leid!
Was?
Sie wandte sich um, Überraschung in den großen Augen.
Dass …
, es widerstrebte ihm das Wort auszusprechen, dass man dich unsertwegen zur Verräterin erklärt hat.
Das ist nicht deine Schuld.
Doch! Doch das ist es.
Seiner Stimme hörte man an, dass es ihm ernst war mit dem, was er sagte. Ich war es, der das Armband aus deinem Quartier gestohlen hat. Ich war es, der es Eorthor gegeben hat, damit seine Techniker es entschlüsseln konnten und dann habe ich es wieder zurückgebracht.
Warst du der einzige Mensch, der das tun konnte?
Nein! Natürlich nicht, aber …
Dann gibt es nichts, wofür du dich entschuldigen musst, Joak Cascal.
Sie wandte sich wieder ihrer Patientin zu und ließ erstaunt das medizinische Gerät sinken. Auf Elyns Haut gab es keine Spur der Verletzung mehr. Sie überprüfte die Vitalzeichen der Alyskerin. Sie waren vollkommen normal.
Ich bin weder dir noch Remus böse. Auch wenn es natürlich unfein war, uns auszuspionieren. Und, was meine Entscheidung angeht, euch zu helfen, die habe ich ganz allein zu verantworten.
Beeindruckt blickte er die junge Frau an. Ihr Gesicht war noch immer blass, aber es strahlte jetzt auch Entschlossenheit und Härte aus.
Constance blickte wieder auf Elyn hinunter. Was mich verletzt, ist die Art, in der Elyn mich hintergangen hat.
Sie musterte die bewusstlose Frau. Die Behandlung hatte sie vollkommen geheilt, wie war das möglich?
Und trotzdem hast du sie gerettet!
Sie warf den Kopf zurück und wandte sich Remus zu. Mit einem neuen Gerät wiederholte sie bei ihm die Behandlung, die sie auch Elyn zukommen lassen hatte.
Das kühlt.
Der Terraner seufzte erleichtert. Remus hatte erwartet, dass die Behandlung schmerzhaft werden würde. Es ist angenehm.
Constance lächelte zum ersten Mal, seit Cascal ihr die Hiobsbotschaft überbrachte hatte. Deine Wunden sind zum Glück nur oberflächlich. Nicht so ernst wie die von Elyn.
Sie wandte kurz den Kopf und blickte auf die Alyskerin, deren Augenlider bereits flackerten. Eigentlich hätte es bei ihr gar nicht so schnell wirken dürfen.
Sie beendete Scorbits Behandlung und wandte sich wieder Elyn zu. Sie kommt zu sich.
Die junge Hexe runzelte die Stirn. Sie hatte bisher immer gedacht, dass Eorthors Tochter ihr Jhi nur nutzen konnte, um andere Wesen zu heilen.
Endlich kam die Verbindung zustande. Ungeduldig wandte Aurec sich dem Bild Eorthors zu.
Was willst du?
Unhöflich wie eh und je. Aber das war Aurec im Augenblick egal. Ich habe hier etwas gefunden, dass du dir ansehen solltest.
Lass mich in Ruhe!
Eorthor machte Anstalten, die Verbindung zu unterbrechen. Ich habe im Moment andere Sorgen.
Na dann!
Aurec legte seinerseits die Hand auf den Hebel, der die Kommunikation beenden würde. In dem Fall werde ich dieses eiförmige Ding, das an der Hülle eines Hexenschiffes klebte, selbst untersuchen. Ich dachte, es interessiert dich auch! Vermutlich eine Nachricht unserer Freunde …
Er legte den Hebel um und Eorthors Gesicht verschwand vom Monitor.
Gleich darauf flackerte es wieder auf. Nicht! Bitte …!
Aurec konnte sich nicht erinnern, dieses Wort schon einmal aus Eorthors Mund gehört zu haben. Er wollte schon eine entsprechende Bemerkung fallen lassen, als ihn etwas in den Augen des Alyskers zurückhielt. Wüsste er es nicht besser, würde er sagen, der Alte zeigte Angst.
Aurec! Zeig mir deinen Fund. Schnell!
Etwas in der Stimme veranlasste Aurec, den Techniker zu sich zu winken, der mit dem Ei in der Hand bereitstand.
ALSKYP!
Das klang fast wie ein Stoßseufzer. Die Situation wurde Aurec fast unheimlich. Wusste Eorthor etwas, was er nicht wusste?
Das ist die KI, die ich Elyn und deinen beiden Terranern mitgegeben habe.
Mit jedem Wort wurde er wieder mehr zu dem vertrauten, arroganten Alysker. Aurec spürte einen Anflug von Zorn. Eorthor behandelte ihn wie einen seiner Handlanger.
Elyns Leben steht auf dem Spiel!
Alle Wut verschwand aus Aurecs Gesicht. Was …?
Der Schreck fuhr ihm bis ins Mark.
Die Lilim haben sie erwischt. Adelheid will sie hinrichten lassen. Verbrennen! Vielleicht hat ALSKYP die Koordinaten der Entropenwelt.
Aurec riss das Ei an sich. Mit fliegenden Fingern gab er den Code ein, den Eorthor ihm übermittelte. Das ALSKYP erwachte zum Leben.
Elyn.
Constance lächelte.
Die Alyskerin schwang die unbekleideten Beine von der Liege und blickte sich in dem Flugboot um. Mir fehlt, glaube ich, ein wichtiger Teil der Geschichte.
Sie blickte Constance an. Für einen kurzen Augenblick huschte derselbe schuldige Gesichtsausdruck über ihr Gesicht, den auch Joak gezeigt hatte.
Constance!
Ihre Hand legte sich in einer vertraulichen Geste auf die Wange der Lilim. Es ist schön, dich zu sehen.
Das verdankst du ihr allein.
Joak schob sich neben die junge Hexe. Ohne weiteres Hallo erzählte er, wie die Lilim ihn und Remus vor der Verstümmelung bewahrt und dann zu Elyns Rettung beigetragen hatte.
Und das, nachdem ich dein Vertrauen auf so schändliche Weise missbraucht habe?
Ernst blickte die Alyskerin die Hexe an. Sie hielt jetzt Constances Hände mit den eigenen umfasst.
Das war wirklich gemein von dir!
Constance seufzte. Aber deswegen lass ich nicht zu, dass man dich verbrennt. Ihr alle außerhalb der Hyperraumblase seid irgendwo so gemein. Cauthon und selbst ihr, die ihr unsere Verbündeten seid, tut Dinge, die ich nicht so ganz verstehe.
Sie warf den Kopf zurück. Und sagt jetzt bitte nicht danke.
Für eine Sekunde blitzte der Schalk in ihren Augen auf. Überhaupt erschieße ich den Nächsten, der noch einmal
Danke
sagt.
Tapfere Lilim!
Joak setzte sich respektvoll neben Constance. Sein Blick bohrte sich in Elyns Augen. Adelheid hat Constance zur Verräterin erklärt!
Oh nein!
Elyns Augen verdunkelten sich.
Ja!
Die Hexe zog in gekünstelter Heiterkeit die Schultern hoch. Mit meiner Teilnahme an der Riffexpedition wird es nun wohl nichts mehr.
Elyn und die Terraner starrten sie an.
Was?
Joak fasste sich als Erster.
Ich sollte an einer Mission teilnehmen.
Constance sah verwirrt von einem zum Anderen.
Zum Riff?
Ja. Was …? Ich meine, warum ist das wichtig?
Constance!
Elyn seufzte. Es ist vermutlich nicht fair, nach allem, was du für uns getan hast, und den Folgen, die das für dich hat, danach zu fragen, aber … Was für eine Expedition?
Ich erzähle es dir, wenn du mir sagst, warum dich das so alarmiert.
Aurec plant ebenfalls eine Expedition dorthin.
Sie biss sich auf die Lippen. Er sucht dort nach einer Frau.
Maya Ki Toushi?
Constance blickte ihre Gesprächspartnerin verdutzt an.
Maya?
Elyn schüttelte den Kopf. Nein. Er sucht nach Kathy Scolar …
Wer ist Maya Ki Toushi?
Remus, der mit seinen angesengten Augenbrauen ein wenig merkwürdig aussah, stemmte sich jetzt ebenfalls von seinem Lager auf.
Maya ist eine Lilim. Sie wuchs unter Fremden auf und wir suchen sie. Niada hatte sie eigentlich schon, wusste aber nicht, dass wir sie brauchen. Seitdem hat Adelheid auch das Vertrauen in Niada verloren.
Constance seufzte. Sie kam den Fragen zuvor, die sie in den Augen ihrer Begleiter las. Maya hat Visionen, die uns zeigen können, wo wir Lilith wieder finden; unser aller Mutter. Es heißt, dass sie wieder erweckt werden kann von der Frau mit den Visionen.
Und deswegen plant ihr eine Expedition zum Riff?
Joak hörte aufmerksam zu.
Constance nickte. Ja, das wird eine große Sache und ich sollte dabei sein.
Sie lächelte unglücklich. Ich bin Empathin und das hätte meiner Karriere gut getan.
Und dann stolpern wir in dein Leben, zerstören deine berufliche Laufbahn und machen dich zur Ausgestoßenen.
Joak war wirklich unglücklich.
Constance strich sich fahrig über die Stirn. Sie wollte nichts mehr davon hören. Sie wünschte sich, dass sie sich zurückziehen und für sich allein sein könnte. Unwillkürlich fasste ihre Hand nach der Kette, die sie auf ihrer unglückseligen Reise gekauft hatte. Ein Stein, von ESTERATU selbst gesegnet. Das Amulett fühlte sich merkwürdig an. Keine Spur von der vertrauten Kühle. Sie blickte herunter. Das leuchtende Blau war verschwunden. Der Stein war nur noch ein verschrumpelter dunkler Knoten.
Nachdenklich schwebte Denkerin 1 auf ihrer Scheibe. Jetzt, wo Adelheid sich ein wenig beruhigt hatte, beteiligte sie sich wieder an der Suche nach den Spionen. Dass sie diese vor einer Kurzschlussreaktion Adelheids bewahrt hatte, bedeutete nicht, dass sie es akzeptierte, dass Spione frei in ihrer Heimat umher liefen.
Sie beobachtete Adelheid, die sich seit Stunden nicht von dem Kommandopult für die Sucheinheiten wegbewegt hatte. Mit der gleichen Inbrunst koordinierte ihr Protegé Niada die Truppen draußen. Die beiden standen in ständigem Kontakt und da die Zugänge zum Normalraum noch immer gesperrt waren, war es nur eine Frage der Zeit, bis die Flüchtigen wieder eingefangen waren, und dann musste sie vorbereitet sein. Sie durfte nicht zulassen, dass Adelheid wieder eigenmächtig handelte und schlimmer noch, sie in ihrem Sinne manipulierte. Ihre Scheibe drehte sich um hundertachtzig Grad. Es war an der Zeit, sich mit Gnichoch und Ursa zu besprechen.
Unsere Schwierigkeiten sind also noch nicht vorbei!
Remus lehnte sich erschöpft zurück. Wäre ja auch zu schön gewesen.
Wie lange kann Adelheid die Zugänge zum Normalraum gesperrt halten?
Elyn nahm einen Schluck Wasser aus dem Rationsbeutel, den sie an Bord gefunden hatte.
Lange genug, fürchte ich!
Constance zuckte hilflos mit den Schultern. Die junge Hexe war mit ihren Kräften langsam am Ende.
Wenigstens sind wir wieder vereint.
Joak erhob sich und streckte sich ausgiebig, dabei wandte er sich der großen Front des Bootes zu. Das Blinken stach im ins Auge. Mit zwei Schritten war er im Cockpit. Constance!
Erschrocken sprang die junge Lilim auf. Die Unterhaltung verstummte.
Constance genügte ein kurzer Blick auf die Konsole. Mit einem Fluch warf sie sich auf den Pilotensessel. Festhalten!
Geistesgegenwärtig warf Joak sich auf den Sitz des Copiloten. Keinen Augenblick zu früh. Das kleine Boot schoss, wie ein Projektil aus der Mündung, aus der Höhle heraus und rammte fast ein größeres Boot. Joak blickte sich nach Remus und Elyn um. Die beiden saßen gut gesichert auf ihren Plätzen. Zum zweiten Mal blieb ihnen nichts weiter, als auf die Flugkünste der Hexe zu vertrauen.
Da!
Niadas Finger schoss wie ein Speer nach vorn. Da sind sie!
Ihre Pilotin reagierte augenblicklich. Sie riss den Gleiter so heftig herum, dass Niada gegen die Wand geschleudert wurde. Das Boot der Flüchtigen war aus einer Höhle herausgeschossen und fast mit dem vordersten Aufklärer kollidiert. Erst im letzten Moment war es zur Seite weggezogen. Der Pilot, wer immer es war, musste in Panik sein. In Niada erwachte der Jagdinstinkt. Sie warf sich auf den zweiten Sitz und riss mit ihren Kommandocodes die Waffenkontrolle an sich. Gleichzeitig schlug sie die Hand flach auf die Kommunikationsanlage. Niemand schießt auf das Schiff! Sie gehören mir! Schneidet ihnen einfach den Weg ab!
Joak zerdrückte einen Fluch zwischen den Lippen. Hier so nutzlos auf dem zweiten Platz zu sitzen gefiel ihm ganz und gar nicht. Da draußen waren mindestens sieben Flugboote, die sie verfolgten. Eines flog sogar an ihrer Seite. Wie aktiviere ich die Feuerkontrollen?
Bist du verrückt?
Constances Stimme klag gepresst und empört. Das sind meine Leute. Wahrscheinlich sind Freunde von mir mit auf den Gleitern. Du wirst niemanden töten.
Fest packten ihre Hände das Steuer. Sie erhöhte die Geschwindigkeit weiter, obwohl das Tempo für das Gelände ohnehin schon viel zu hoch war. Links und rechts rasten die Felswände wie Schemen vorbei und unter ihnen zog der Boden wie ein außer Kontrolle geratenes Fließband dahin.
Joak hasste die Passivität, zu der er verurteilt war. Sollten wir nicht etwas höher gehen?
Nein!
Constance biss die Zähne fest zusammen.
Ich dachte nur …
Joak!
Elyns Stimme war sanft. Sie konnte Cascal gut verstehen. Vielleicht solltest du sie nicht ablenken.
Der Terraner wandte den Kopf. Fast musste sie über sein unglückliches Gesicht lachen. Seine Schultern zuckten hilflos, dann schaute er wieder nach vorn. Die Füße fest in den Boden gestemmt, schien er unsichtbare Kontrollelemente zu bedienen.
Elyn lehnte ihren Kopf wieder an die Rückwand des Bootes. Es war nicht einfach, sich auf seine Gedanken zu konzentrieren, wenn man in einem zerbrechlichen kleinen Boot dahinschoss. Ihre Bodenproben! Elyn schrak hoch. Sie brauchte ihre Proben, die sie versteckt hatte. Sonst war womöglich alles umsonst. Umso mehr, da sie nicht wusste, ob ALSKYP entkommen war.
Niada fluchte. Wieder war das Boot ihr im letzten Moment entkommen. Sie überlegte fieberhaft. Der Pilot schien das Gelände zu kennen, das sprach dafür, dass es Constance war, die das Boot steuerte. Sie runzelte die Stirn. Bisher hatte sie von dieser Träumerin eigentlich keine besonders hohe Meinung gehabt. Allerdings, bedachte man ihre Fähigkeiten als Fahrerin; es gab da eine Geschichte wie sie eine feindliche Wüstengegend durchquert hatte. Auf jeden Fall würde sie sich näher mit Constance beschäftigen. Falls Adelheid sie am Leben ließ. Niada zog das Flugboot hoch und ließ es in einer steilen Kurve wieder fallen. Versuchte vor das flüchtende Schiff zu ziehen.
Niadas Parademanöver! Schweiß rann Constance die Stirn herunter. Brannte in ihren Augen. Ihre Gedanken jagten mit unglaublicher Geschwindigkeit hinter der Stirn. Niada würde sich vor sie setzten und kurz vorher ihren Schild aktivieren. Die Energie des Schildes reichte aus, ihre Instrumente zu blenden. Dann waren sie verloren. Sie schloss die Augen und biss die Zähne aufeinander. Ohne vorher zu stoppen, schaltete sie auf Gegenschub um. Das kleine Schiff bäumte sich auf, die Motoren kreischten bei dieser derben Misshandlung, dann schossen sie rückwärts. Constance betete zu SI KITU, dass niemand direkt hinter ihr flog.
Der Boden näherte sich rasend schnell und mit ihm das Ziel. Niadas Hand schwebte über dem Knopf, der den Schild auslöste. In wenigen Minuten konnte sie Adelheid ihren Erfolg melden. Sie riss die Nase des Schiffes hoch, weg vom Boden. Der Schild flackerte auf, nahm ihr kurz die Sicht. Aber der erwartete Schlag, mit dem ihr Schild das verfolgte Boot treffen sollte, blieb aus. Niada kreischte vor Wut.
Joak öffnete vorsichtig die Augen. Er hatte nie damit gerechnet, dass ihm ein Flug einmal auf den Magen schlagen könnte, aber das Manöver, das Constance gerade vollbracht hatte, war der komplette Wahnsinn. Er würde es sich merken.
Wir müssen raus.
Die Lilim schälte sich bereits aus den Gurten. Er wird explodieren.
Zu viert taumelten sie durch die Luke. Sie waren noch immer in der Schlucht.
Los!
Constance deutete auf eine schmale Passage. Wir müssen weg.
Sie rannten los. Kamen nur wenige Meter weit, dann explodierte der Gleiter. Die Druckwelle warf sie zu Boden.
Constance war sofort wieder auf den Beinen. Wenn wir Glück haben, verschwendet sie Zeit damit herauszufinden, ob wir mit explodiert sind.
Die nächsten Minuten rannten sie über Geröll, sprangen über Büsche und die Reste von Lawinen und arbeiteten sich tiefer in den engen Riss hinein. Immerhin konnte man sie von der Luft aus nicht sehen.
Elyn schloss zu Constance auf. Ich muss etwas abholen!
Was?
Die Lilim rannte konzentriert weiter.
Elyn erkannte, dass sie den Landeplatz mit dem zerstörten Gleiter keineswegs zufällig gewählt hatte. Constance wusste genau, wo sie sich befanden und wohin sie sie führte. Ich hab Bodenproben genommen, die ich nicht zurücklassen möchte. Ich muss sie holen.
Solltest du nicht erstmal dafür sorgen, dass du hier mit heiler Haut herauskommst?
Constance setzte mit Leichtigkeit über einen Stein weg. Ich meine, immerhin bist du nicht allein. Die beiden Männer vertrauen dir.
Wie sollte sie Constance das erklären. Hier ging es nicht darum, Eorthors Willen zu erfüllen, sondern Aurec zu helfen. Dem depressiven Aurec, der jeden Tag mit sich haderte, an dem er nicht nach Kathy suchen konnte.
Nervös beobachtete Constance ihre Umgebung. Sie konnte nicht fassen, was sie hier tat. Anstatt sich in ein sicheres Versteck zurückzuziehen und zu überlegen, wie sie alle aus dieser gefährlichen Situation herauskamen, hatte sie Elyn nachgegeben. Die Alyskerin bestand darauf ihre Bodenproben, die sie in einem Hotelzimmer versteckt hatte, zu holen. Dumm nur, dass dieses Hotel auf Entrop-C lag.
Ich stimme Constance zu.
Joak zog die Stirn in Falten und betrachtete argwöhnisch das Haus, in dem sich der Teleporter befand. Das ist Wahnsinn, Elyn.
Ich sehe das genauso.
Remus nickte. Selbst wenn ALSKYP nicht entkommen ist, sollten wir lieber auf die Proben verzichten und überlegen, wie wir hier wegkommen. Immerhin haben wir auch so einiges zu berichten.
Elyn schüttelte den Kopf. Das, was wir haben, ist nichts! Wir brauchen die Proben. Ohne die sind selbst ALSKYPs Daten nur die Hälfte wert.
Was ist dieses ALSKYP, von dem ihr andauernd redet?
Constance ließ den Eingang des Teleporterhauses nicht aus den Augen. Es wurde nicht bewacht und das gefiel ihr ganz und gar nicht.
Die beiden Terraner blickten Elyn fragend an.
Die Alyskerin antwortete der Hexe. ALSKYP ist eine Entwicklung meines Vaters. Es ist etwa so groß.
Mit den Händen maß sie ein Straußenei ab. Eine Kombination aus Alysker- und Kypertechtechnologie – sprachgesteuert –, die darauf spezialisiert ist, fremde Systeme zu hacken und Daten nach einem vorher festgelegten Suchmuster herunterzuladen. Und es ist begrenzt in der Lage, autark zu handeln.
Die Hexe zog fragend eine Augenbraue hoch. Autark?
In engen Grenzen!
Elyn zuckte mit den Schultern. Es ist darauf programmiert, einem Gegner nicht in die Hände zu fallen. Es zerstört sich oder flieht!
Mehr wollte sie nicht sagen. Sie mochte Constance, aber sie war immer noch eine Lilim und musste nicht die letzten Geheimnisse des Eis erfahren, dass es fähig war, mit Datenquellen zu kommunizieren und den Weg nach Haus auch ohne Programmierung zu finden.
Constances Stirn umwölkte sich; die Vorstellung, dass Eorthor sensible Daten in die Hände fielen, gefiel ihr nicht. Was sind das für Proben, Elyn?
Der Alyskerin entging der Unterton in der Stimme der Lilim nicht. So unbefangen wir möglich antwortete sie: Bodenproben – Sand, Steine und so ein Zeug. Ich interessiere mich für die Geschichte deiner Heimat. Wie diese Welt entstand, ob sie sich vollständig von den Planeten im Normalraum unterscheidet oder ob es Gemeinsamkeiten gibt.
Das war wenigstens keine vollkommene Lüge.
Constance fühlte sich elend. Was tat sie hier? Diese Leute vor einer sadistischen Bestrafung zu retten war eine Sache, aber was Elyn nun verlangte … Andererseits … Sie seufzte lautlos. Sie hatte nicht den Eindruck, dass Elyn sie belog, und wenn etwas Schaden anrichtete, dann dieses Hightechei. Dagegen konnte sie wohl kaum noch etwas tun.
Ich habe einen raumtauglichen Gleiter. Mit dem kommen wir genauso gut nach Entrop-C. Es dauert ein wenig länger, ist aber sicherer.
Kann man mit diesem Teleporter das Entropia-System verlassen?
Elyns Frage klang harmlos. Constance schüttelte den Kopf. Nein! Verlassen kann man das System nur mit einem Schiff.
Warum sollte Adelheid dann damit rechnen, dass wir einen Teleporter benutzen?
Die Hexe biss sich auf die Unterlippe. Verdammte Alyskerin. Sie würde ihren Kopf wieder durchsetzen, aber sie wollte sich wenigstens nicht kampflos ergeben.
Damit muss sie nicht rechnen. Der Teleporter wird bewacht und seine Benutzung protokolliert.
Elyn zuckte mit den Schultern. Sie verließ kurzerhand die Deckung und rannte auf das Gebäude zu.
Joak und Remus folgten ihr. Constance zerdrückte einen Fluch zwischen den Lippen und schloss sich ihnen an. Elyn stürmte einfach in das Innere des Gebäudes. Genau auf eine der Wachen zu. Überrascht musste die Lilim zusehen, wie die Alyskerin den nicht minder verwirrten Sekundärentropen angriff und zu Boden warf. Die beiden Terraner zogen die Waffen, die sie aus dem abgestürzten Flugboot mitgenommen hatten. Zu dritt stürmten sie weiter. Constance rannte ihnen nach, betete zu SI KITU, dass niemand getötet wurde.
Wütend starrte Aurec den Alysker an. Über den Daten, die er dem ALSKYP entnommen hatte, schien er seine Tochter vollkommen zu vergessen.
Was willst du denn, dass ich tue?
Eorthors Augen musterten ihn ruhig und überlegen. Aurec hasste diesen Ausdruck. Mit NESJOR den Normalraum verlassen und das Entropia-System angreifen?
Er wollte keineswegs seine drei Freunde im Entropiasystem zurücklassen. Zu viel hatte er mit Joak, Remus und Elyn durchgemacht, um sie so schändlich im Stich zu lassen.
Du schweigst?
Eorthors Augen streiften ihn berechnend. Denkst du darüber nach, dich mit deiner SAGRITON einer Invasion anzuschließen?
, spottete der Alysker.
Aurec unterbrach die Verbindung. Sollte das arrogante Ekel doch mit seinem Ei glücklich werden. Er jedenfalls würde etwas unternehmen.
Sofort nahm er Kontakt zu Roi Danton auf, der allerdings auf Som verweilte.
Das lebensgroße Hologramm des Sohnes von Perry Rhodan erschien in der Zentrale der SAGRITON. Im Hintergrund sah der Saggittone den Chronisten Jaaron Jargon in einem Sonnenstuhl am Schreiben. Pyla saß daneben oder lag vielmehr in der Sonne. Wallace und Jan Scorbit waren ebenfalls dort. Sie alle machten einen vergnügten Eindruck und bereiteten sich auf ihre Reise zu diesem skurrilen Grimm T. Caphorn vor, um herauszufinden, was er über das Riff wusste.
Oui?
Schlechte Nachrichten! Unsere Spione sind in Schwierigkeiten.
Aurec schilderte Roi, was geschehen war. Viel wusste der Saggittone ja selbst nicht, doch auch Perry Rhodans Sohn war dafür, nicht tatenlos herumzusitzen und zu warten, bis Eorthor mit den Analysen dieser Ei–KI fertig war.
Hat Constance endgültig ihren Verstand verloren?
Niada konnte nicht fassen, was man ihr gerade gemeldet hatte. Sie hatten den Teleporter nach Entrop-A benutzt. Wie weit wollte sie mit ihren Verrat gehen? Sie stellte eine Verbindung nach Entrop-A her und informierte die Sicherheit dort, dann meldete sie sich bei Adelheid und erstattete Bericht.
Idiotin!
Das Gesicht der alten Lilim verschwand kurz vom Monitor.
Niada starrte verwirrt auf den leeren Schirm. Anstatt eines Lobes für ihr schnelles Handeln beschimpfte man sie. Manchmal war es schwer, Adelheid nicht zu hassen.
Adelheid erschien wieder. Sie sind auf Entrop-C!
Aber die Logbücher …
Kann man manipulieren.
Adelheid unterbrach ihren Einwand mit einer wegwerfenden Geste. Vergiss nicht … wir reden hier über Eorthors Tochter! Sie wird Entropia verlassen wollen und das geht am besten vom Hafen auf Entrop-C aus. Dem einzigen Hafen, denn sie selbst kennt. Sie wird sich nicht auf Constance verlassen.
Adelheids Stimme war fest. Sie irrte sich bestimmt nicht. Ich vermute, das Mädchen hat einiges bei ihrem Papa gelernt.
Die Logs des Teleporters manipulieren?
Niada schüttelte skeptisch den Kopf. Sie müsste es ja auf beiden Seiten getan haben und …
Niada!
Adelheids Gesicht wirkte amüsiert, nicht wütend, wie sie befürchtet hatte. Hör auf zu denken und schwing deinen Hintern nach Entrop-C. Wir treffen uns da!
Constances Atmen raste. Das war ein unglaublicher Adrenalinschub gewesen. Zu viert hatten sie den Teleporterraum gestürmt, besetzt und dann hatte Elyn das Log manipuliert. Beeindruckt hatte sie der Alyskerin zugesehen und bedauert, dass sie keine wirkliche Verbündete war. Von Eorthors Tochter hätten die Lilim eine ganze Menge lernen können.
Zum ersten Mal glaubte sie daran, dass ihren Schützlingen die Flucht gelingen konnte. Sie wischte den Gedanken beiseite. Wollte sich nicht damit beschäftigen, was sie selbst tun würde. Elyn und die beiden Terraner gingen ganz selbstverständlich davon aus, dass Constance sie begleiten würde. Sie selbst war sich dessen nicht so sicher. Ihrem Gewissen folgen war eine Sache, Entropia zu verraten eine ganz andere.
Adelheids Grinsen war diabolisch. Immer wieder war sie in Gedanken durchgegangen, was die Alyskerin wohl tun würde. Auf den Vorteil ihrer Manipulation vertrauen und sich direkt zum Hafen wenden oder hatte sie die Nerven, erst einmal Informationen einzuholen? Sich zu überzeugen, dass ihre List geglückt war, so wie Adelheid es machen würde? Die Augen der Hexe glühten. Die Passagen zum Normalraum waren gesperrt. Den Hafen konnte sie eine Weile sich selbst überlassen. Sie konnte es sich leisten zu spielen. Entschied sich dafür, dass Elyn ihr nicht unähnlich war. Sie würde sich ein Versteck suchen und Informationen sammeln. Ja! Das war es was sie tun würde. Ihre Hände aktivierten die Kommunikationsanlage. Gaben den Befehl ein, eine gewisse Kategorie von Hotels darüber zu informieren, dass die Spione bei ihnen absteigen könnten. Nicht die ganz einfachen Häuser und auch nicht die Zwielichtigen. Nein! Adelheid wusste genau, welche Häuser sie an Elyns Stelle bevorzugen würde. Ihre Augen glühten unheimlich. Die alte Lilim hatte das Jagdfieber gepackt.
Ein Mittelklassehaus, das von einer nicht mehr jungen Lilim mit verkniffenem Gesicht geführt wurde. Graues Haar! Constance schüttelte den Kopf, wie konnte man sich derart gehen lassen. Die Zeichen des Alters waren doch wirklich kein unumgängliches Schicksal.
Elyn nickte der Frau zu und steuerte, gefolgt von den Männern, den Flur im Erdgeschoss an. Ihr blieb keine Wahl als den dreien zu folgen.
Am Ende des Ganges legte die Alyskerin ihren Daumen in die dafür vorgesehene Mulde und die Tür zu ihrem Zimmer glitt zur Seite. Das Zimmer war einfach und sauber. Elyn schloss die Tür sorgfältig hinter ihnen und ging zum Bett hinüber. Sie kniete sich auf die weiche Matratze und legte die Handflächen flach auf die schmale Konsole, die sich über dem Kopfende befand. Etwas knackte und ein Teil der Wandverkleidung fiel auf das Kopfkissen.
Die Alyskerin kümmerte sich nicht darum. Mit beiden Händen griff sie in die dunkle Öffnung. Als sie die Arme zurückzog, hielt sie vorsichtig einen Beutel zwischen den Fingern. Sie verstaute ihn sorgfältig am Körper. So!
Sie sprang vom Bett herab und lächelte. Das war es. Wir können los.
Wegen dem kleinen Täschchen so ein Risiko?
Joaks Blick zeigte deutlicher als jedes Wort, dass er nicht daran glaubte, dass der Inhalt das Wagnis rechtfertigte.
Kommt schon.
Elyn verließ das Zimmer.
Joak zog die Wangen zwischen seine Zähne. Irre ich mich oder wird sie ihrem Vater ähnlicher?
Nicht ähnlicher!
Remus versuchte das ungute Gefühl abzuschütteln, dass ihn seit ihrem Abschuss verfolgte. Sie hat seine Willensstärke und eine gute Portion seines Selbstbewusstseins. Ihre Fähigkeit zum Mitleid und ihre Attraktivität überdecken das nur meistens.
Sie ist nicht wie er.
Constance schüttelte bestimmt den Kopf.
Gemeinsam verließen sie das Zimmer.
Vergesst nicht, die Tür zu schließen!
Elyn wandte nur kurz den Kopf. Was sagtest du gerade, werte Constance?
Gegen ihren Willen musste sie über Joaks Worte lächeln.
Elyn steuerte direkt den Ausgang an. Sie würde nicht auschecken! Ein weiteres Täuschungsmanöver.
Die Wirtin warf Constance einen merkwürdigen Blick zu. Wieso verabschiedete sie ihre Gäste nicht? Joak blieb so unvermittelt vor ihr stehen, dass sie gegen seinen Rücken prallte und den Terraner ins Stolpern brachte.
Elyns Gesicht war göttlich! Selbstzufrieden schritt Adelheid inmitten der verwandelten Hexen. Allesamt in der Gestalt geflügelter Dämonen richteten sie ihre Waffen drohend auf die Alyskerin. Sie war vollkommen überrumpelt. Ein wenig bedauerte die alte Lilim es, dass sie ihr keine längere Jagd geliefert hatte. Hallo, mein Kind!
Der zweite Terraner erschien unter der Tür, erstarrte kurz und stolperte dann vorwärts. Constances Gesicht erschien hinter ihm. Adelheids Anblick paralysierte sie. Die alte Hexe spürte den Konflikt, der im Inneren der abtrünnigen Lilim tobte, und lächelte. Sie gab Niada ein Zeichen.
Der Ausdruck auf Constances Gesicht veränderte sich. Niada wusste ihre Fähigkeiten ausgesprochen brutal einsetzen. Adelheid ließ sie gewähren. Ihr Protegé hatte genug einstecken müssen.
Ihre Aufmerksamkeit wandte sich wieder Elyn zu. Die beiden Männer interessierten sie nicht, wie sie dastanden, gefangen zwischen Faszination und Entsetzen.
Man hatte sie also gefasst! Nun, das war schließlich zu erwarten gewesen. Denkerin 1 schwebte zum Gefängnistrakt. Gnichoch und Ursa folgten ihr. Adelheid musste zur Vernunft gebracht werden.
Die alte Lilim erwartete sie im Besprechungsraum. Ihr Gesicht verriet deutlich, dass sie genau wusste, was die Hüter der Thermodynamik von ihr wollten.
Edle Adelheid!
Denkerin 1 gab ihrer Stimme einen neutralen Klang. Ich beglückwünsche dich zu deinem Erfolg.
Sie nickte wohlwollend. Nahm auch die Gratulation der beiden anderen entgegen. Und?
Adelheids tiefgründiges Lächeln irritierte sie. Sie schaffte es immer wieder, dass sie sich unsicher fühlte. Wir müssen über das Urteil reden.
Ihre Augenbrauen glitten fragend in die Höhe. Welches Urteil?
Ursa trat einen Schritt vor. Ihr habt doch nicht …?
Erschrocken blickten die drei Hüter auf die Lilim.
Ich habe drei Spione gefangen und sie zur sicheren Verwahrung paralysieren lassen.
Das Aufatmen ihrer drei Kollegen amüsierte sie. Sie musste sich eingestehen, dass die Jagd ihr Vergnügen bereitet hatte und noch mehr natürlich ihr Triumph; dem diese drei nun mit ihrem Auftreten als Bittsteller eine besondere Würze verliehen.
Denkerin 1 senkte ihren unförmigen Kopf zu einer Geste, die ein Nicken andeutete. Wir …
… sollten diese drei lästigen Elemente aus dem System hinauswerfen.
Adelheid genoss es, ihr ins Wort zu fallen. Sie wusste genau, was die drei verlangen würden. Da war es besser ihnen zuvorzukommen. Das ist meine Meinung. Wir verbannen sie aus Entropia und wenn sie jemals wieder wagen, hierher zurückzukommen, ist ihr Leben verwirkt. Natürlich werde ich dann Elyn nicht noch einmal das Privileg gewähren, wie eine Hexe sterben zu dürfen.
Es ist schon wieder Eorthor!
Der Melder stand unsicher in der Tür der Kabine. Eigentlich waren Aurecs Befehle bezüglich des Alyskers klar gewesen, aber etwas an Eorthors Worten hatte den Mann bewogen, den Kanzler entgegen dessen Weisung aufzusuchen. Er sagt, es gibt Neuigkeiten über Elyn.
Neuigkeiten über Elyn! Aurec hob müde den Kopf. Entsprach das der Wahrheit oder wollte der Alte ihn nur ködern? Andererseits – er betrachtete Elyn als Freundin und sie war seine einzige Hoffnung für Kathy. Er konnte noch immer nicht fassen, was mit seiner Liebe geschehen sein sollte. Wenn es ihm gelang sie zu finden, dann brauchte er auch Elyns Hilfe mehr als je zuvor!
Er gab dem Melder ein Zeichen, das Gespräch in seine Kabine durchzustellen.
Niedergeschlagen starrte Elyn vor sich auf den Boden der Zelle. Wenigstens hatte man sie diesmal nicht voneinander getrennt. Sie hob den Kopf und musterte ihre Leidensgenossen. Remus, der mit undurchdringlichem Gesicht auf einer der Pritschen saß, und Joak, der sich auf rührende Weise um Constance bemühte. Die junge Hexe tat ihr leid. Sie hatte sich spontan entschlossen zu helfen und nun war ihr Leben zerstört. Nicht einmal mehr Sicherheit für ihr Leben konnte Elyn der Lilim anbieten und das nur, weil sie starrköpfig darauf behaart hatte, ihren Willen durchzusetzen.
Die Zellentür öffnete sich. Adelheid trat ein und nickte Elyn zu. Hoch mit euch!
Ihr Herz schlug schneller. Führte man sie jetzt endgültig zu ihrer Hinrichtung? Starb sie gleich Seite an Seite mit Constance den Flammentod?
Constance erhob sich, schüttelte Joaks Hand ab und trat mit erhobenem Kopf auf Adelheid zu. Die Alte bedeutete ihr mit dem Kopf hinauszugehen. Elyn wartete nicht länger. Sie folgte der jungen Hexe. Draußen wurden sie von einer Eskorte Tertiärentropen erwartet. Mit schnellen Schritten führte man sie durch das Gebäude. Elyn erkannte es als das Haus, in dem sich die Teleporterstation befand. Aber man führte sie nicht hinunter. Sie wandte den Kopf und blickte Adelheid über die Schulter hinweg an.
Vorsicht, Kindchen!
Die alte Hexe lächelte boshaft. Fall nicht über deine Füße! Am Ende denkt dein Papa noch, wir waren nicht nett zu dir.
Was hatte das zu bedeuten? Elyn fühlte sich alarmiert. Was für eine neue Teufelei plante Adelheid nun wieder?
Der Flur endete vor der Außentür. Grob wurde sie von einem der Wächter hindurchgeschoben. Draußen stand ein Gleiter. Größer als der, mit dem sie geflohen waren. Constance ging die Rampe herauf, ohne sich umzusehen. Elyn blieb am Fuß der Rampe stehen. Einer der Tertiärentropen wollte sie weiterschieben, aber Adelheid verbot es mit einem Kopfschütteln. Sie wartete, bis Scorbit und Cascal vor ihr die Rampe hinaufgingen, und folgte ihnen. Im Inneren des Gleiters brannte nur ein gedämpftes Licht. Man führte sie ins Heck und wieder in eine Zelle. Der Gleiter hob ab, kaum, dass sich die Tür hinter ihnen geschlossen hatte.
Einen Moment starrte Aurec bewegungslos auf den erlöschenden Monitor. Konnte das wahr sein? Oder wollte der Alysker ihn manipulieren? Davon abhalten etwas zur Rettung von Joak, Remus und Elyn zu unternehmen? Nicht zum ersten Mal fragte er sich, warum Eorthor ihnen überhaupt geholfen hatte. Was kümmerte ihn Kathy? Aber bei diesem Egomanen wusste man ja nie, woran man war. Er seufzte. Verdammter Eorthor! Verdammte Hexen! Verdammtes Riff! Er schlug mit der flachen Hand auf die Konsole. Aktivierte die Sprechverbindung zur Brücke und gab den Befehl, Som anzufliegen.
Was bedeutet das jetzt?
Joak richtete seine Frage an Constance.
Sie schüttelte den Kopf. Ich weiß es nicht. Möglich, dass wir uns vor den Hütern der Thermodynamik rechtfertigen müssen.
Hmm.
Remus verzog das Gesicht. Wenn sie nur wenigstens darauf verzichten, uns wieder unter Drogen zu setzen.
Sie sollten uns lieber mehr geben als beim letzten Mal.
Joak lachte mit morbidem Humor. Oder willst du mitkriegen, wie man dich in einen Eunuchen verwandelt?
Nicht wirklich!
Remus grinste verzagt.
Na ja!
Joak erhob sich von der Bank, die in der einen Wand der Zelle eingelassen war, und tigerte durch den engen Raum. Vielleicht haben wir ja auch Glück und werden dann zu Frauen ehrenhalber befördert und mit Elyn und Constance zusammen verbrannt.
Joaks laute Überlegungen zauberten sogar ein Lächeln auf die Lippen der ernsten Alyskerin.
Die Motoren des Gleiters wurden gedrosselt. Dann setzte das Flugboot auf. Eine Weile geschah überhaupt nichts.
Und jetzt?
Joak fiel die Warterei am schwersten. Haben sie uns in einem Teich versenkt? Oder auf einem künstlichen Satelliten ausgesetzt?
Die Tür der Zelle glitt auf, aber niemand trat ein. Und sie erhielten auch über den Lautsprecher keine Anweisung, wie sie sich zu verhalten hatten.
Entschlossen näherte sich Elyn der Tür. Niemand stand davor. Sie trat auf den Flur hinaus. Nichts! Die anderen drängten hinter ihr aus der Zelle hinaus. Der einzige Weg führte nach vorn, weder zum Schott oder zum Cockpit. Das Schott war geöffnet. Elyn steckte den Kopf hinaus. Sie waren an Bord eines größeren Schiffes. Die SI KITU! Unten an der Rampe stand Adelheid und erteilte Befehle. Niada stand neben ihr.
Langsam schritten sie die Rampe hinunter. Niada sagte etwas zu Adelheid, worauf die alte Frau sich zu ihnen umwandte.
Ah!
Sie lächelte erneut. Da sind ja unsere Gäste.
Elyn presste die Lippen aufeinander. Am liebsten hätte sie einen Sprung nach vorn getan und Adelheid dieses Grinsen aus dem Gesicht geschlagen, aber sie beherrschte sich.
Niada wird euch euer Quartier zeigen. Es ist auf derselben Ebene wie die Kantine.
Adelheid hob eine Hand, darin baumelten drei Armbänder.
Elyn erkannte sie sofort. Die Fälschungen, die Eorthor für sie angefertigt hatte.
Bitte seid so gut und legt eure Armbänder wieder an.
Adelheid hielt ihnen die schmalen Bänder hin. Wenn ihr sie brav tragt, könnt ihr euch zwischen der Kantine und euren Quartieren frei bewegen. Wird einer von euch an einem anderen Ort entdeckt oder versucht gar das Band zu entfernen, dann wird der Betreffende auf dem untersten Deck in eine Dunkelzelle gesperrt.
Sie nahmen die Bänder entgegen und legten sie sich um die Handgelenke. Ohne dass sie etwas dazutun mussten, schoben sich die beiden Enden zusammen. Etwas klickte. Und das harte Material schnitt ihnen ins Fleisch.
Ich habe sie etwas modifizieren lassen.
Das Strahlen der alten Lilim galt in erster Linie Elyn. Obwohl die Hauptfunktionalität von Eorthor stammt. Dank seiner Arbeit können wir euch perfekt überwachen.
Was hast du mit uns vor?
Elyn gelang es, ihr Gesicht unbewegt zu halten.
Ich? Mit euch? Vor?
Adelheids Gesicht drückte Unverständnis aus. Ihr seid nicht willkommene Personen und ich werfe euch aus Entropia heraus. Das ist alles.
Bedeutet das, du setzt uns im All aus?
Joaks Augen drückten deutlich aus, was er der alten Hexe wünschte.
Wie barbarisch!
Die alte Lilim schüttelte den Kopf. So etwas Unzivilisiertes würde keine Lilim tun.
Ach!
Joak brauchte einfach ein Ventil. Und verbrennen und verstümmeln ist nicht barbarisch?
Was das Verbrennen angeht, so habe ich Elyn damit eine Ehre erwiesen, dass sie wie eine von uns sterben sollte. Und nicht wie …
Adelheid suchte nach dem richtigen Wort. … wie ein gemeiner Verbrecher
Sie hätte ebenso gut Mann
sagen können. Joak spürte die Verbitterung wie einen verdorbenen Drops im Hals. Tolle Ehre!
Du verstehst das nicht!
Ihr Lächeln war geringschätzig. Natürlich nicht!
Was geschieht mit Constance?
, schaltete Elyn sich ein. Stellst du sie auf den Scheiterhaufen?
Nein!
Adelheids Augen suchten den Blick der jüngeren Lilim. Constance wird selbst über ihr Schicksal bestimmen.
Die beiden Frauen maßen sich in einem stummen Duell, dann fuhr Adelheid fort: Ihr werdet in Som einem Vertreter Eorthors übergeben. Constance ist es freigestellt, euch zu begleiten. Niemand wird ihr etwas antun, aber sie ist aus dem Entropia-System verbannt. Zurückzukehren würde dann den Tod für sie bedeuten!
Einen Moment herrschte Schweigen. Constances Gesicht wurde aschfahl. Die junge Hexe taumelte leicht. Und die Alternative?
Du stehst zu deiner Schuld und bekommst eine angemessene Strafe!
Er ist was?
Eorthors Stimme wurde laut.
Der Melder, der ihm die Nachricht gebracht hatte, dass Aurecs Schiff zu einem der Ankerpunkte zum Entropia System aufgebrochen war, sank in sich zusammen. Er ist …
ICH BIN NICHT TAUB!
Verärgert wedelte der Alysker dem unglücklichen Mann vor dem Gesicht herum. Wütend schob er den Melder zur Seite und stürmte zur nächsten Sprechanlage. Der Kommunikationsoffizier der Brücke meldete sich. Eorthor überfuhr den verdutzten Mann und verlangte eine sofortige Verbindung zu Aurec.
Das kann nicht dein Ernst sein!
Joaks Stimme drückte Unglauben aus, genau wie die Gesichter von Elyn und Remus.
Constance erwiderte seinen Blick fest. Meine Entscheidung ist gefallen!
Constance …
Nein!
Sie schüttelte Joaks Hand ab. Darüber gibt es nichts mehr zu reden.
Bitte, Constance!
Elyns große Augen hielten den Blick der Lilim fest. Du hast Adelheid doch gehört! Sie wird dich bestrafen.
Constance seufzte. Ein Teil von ihr war durchaus der Meinung, dass sie eine Strafe verdiente, denn immerhin hatte sie die Lilim hintergangen. Ich war mir bewusst, dass es für mich Konsequenzen haben würde, wenn ich euch helfe.
Ja, aber …!
Elyn unterbrach Joak: Adelheids Strafe wird grausam sein.
Das kannst du nicht wissen.
Constance sprach die Worte aus, obwohl sie selbst sie nicht glaubte. Tatsächlich hatte sie furchtbare Angst vor dem, was Adelheid ihr antun würde.
Doch!
Elyns Stimme war bestimmt. Und dazu muss ich nicht einmal in der Lage sein, ihre Gedanken zu lesen. Ich habe ihre Augen gesehen, Constance! Da war etwas … diabolisches in ihnen.
In ihrer Aufregung bemerkte sie nicht einmal, dass sie einen terranischen Ausdruck benutzt hatte. Etwas … Ich kann es nicht erklären. Ich bitte dich nur, Constance! Hör auf mich! Komm mit uns. Ich werde dir helfen, dir ein neues Leben aufzubauen. Alles, was du willst.
So wie ich!
Cascals Augen unterstrichen sein Versprechen.
Und ich!
fügte Remus mit seiner dunklen, angenehmen Stimme hinzu.
Constance fühlte sich elend. Wollten sie denn nicht begreifen? Ich kann nicht!
Ihre Stimme war leise, fast ein Flüstern. Versteht doch! Ich bin eine Lilim! Entropia ist mein Zuhause. Nie mehr dahin zurückzukehren, vor meinen Freundinnen als verantwortungslose Verräterin dazustehen …
Ihre Augen wurden groß. … und vor Lydkor!
Lydkor! Constances entropischer Geliebter. Elyns senkte den Kopf. Was konnte sie dagegen sagen? Ihr blieb nichts weiter als die Hoffnung, dass Adelheid Milde walten ließ.
Eorthors übellauniges und arrogantes Gesicht erschien auf dem Monitor. Im Augenblick wirkte er allerdings gar nicht so arrogant. Eher ernsthaft besorgt. Das milderte Aurecs Zorn ein wenig.
Was willst du? Ich denke wir haben alles besprochen?
Es gibt Nachricht von Adelheid!
Das hast du mir schon ausrichten lassen.
Aurec schnaubte. Nur deswegen rede ich überhaupt mit dir.
Eorthor biss sich auf die Zunge. Wie konnte dieser aufgeblasene Saggittone es wagen, so mit ihm zu reden? Er zwang sich, ruhig zu bleiben. Elyn kommt frei!
Was?
Aurec war ehrlich überrascht.
Adelheid lässt Elyn gehen. Sie wird nur aus Entropia verbannt.
Und die beiden Terraner?
Terraner?
Eorthor ließ sein Erstaunen erkennen. Keine Ahnung! Wen interessiert das?
Mich!
Der Alysker zuckte die Schultern. Dann frag halt selbst nach.
Sein Finger piekte in Richtung Aurec auf den Monitor. Du bist Som am nächsten! Da soll die Übergabe stattfinden.
Das war wieder typisch für ihn. Keine höfliche Frage, ob er das tun würde. Nein! Eorthor legte fest und Aurec würde es tun. Um das Wohl seiner Freunde.
Aurec informierte Roi Danton, dass er ebenfalls zur Übergabe erscheinen sollte. Das hatte Vorrang. Zur Sicherheit sollte er die IVANHOE II in Alarmbereitschaft versetzen.
Aurec!
Adelheid lächelte den Saggittonen zuvorkommend an. Ich freue mich, dich zu sehen.
Höfflich erwiderte Aurec den Gruß der Hexe, während er das Beiboot der IVANHOE II verließ. Roi Danton, Irwan Dove, Lorif und Mathew Wallace folgten ihm.
Aurec war froh, dass er vor allem Danton bei sich hatte. Der ausgebuffte Sohn Rhodans würde sicherlich in seiner saloppen Umgangsform den Entropen einen gewissen Respekt abverlangen.
Bonjour, Madame Adelheid. Hach, Ihr seht heute wieder zum Eierabschrecken aus, wenn Ihr mir das Kompliment erlaubt?
Aurec verkniff sich ein Grinsen. Adelheids Blick gefror. Sie fasste es wohl nicht als Kompliment auf.
Unbehaglich sah Aurec sich um. Er war hier an Bord der SI KITU, Adelheids Schiff, und damit in ihrer Gewalt. Nicht auszudenken, wenn die alte Lilim nicht fair spielte. Ein weiterer Entrope näherte sich ihnen. Aurec erkannte ihn als Denkerin 1.
Die Entropin stoppte ihre Flugscheibe in gebührender Entfernung und grüßte ihn respektvoll. Wenigsten ihr Gruß war ernst gemeint. Aurec! Ihr ehrt uns.
Er wollte der Entropin auf die angebrachte Weise antworten, aber Denkerin 1 fuhr bereits fort: Auch wenn der Anlass überaus …
Die Tentakel wedelten durch die Luft. … unangenehm ist.
Der Saggittone senkte den Kopf. Ich kann mich nur für dieses Vergehen entschuldigen. Ich …
Schon gut!
Adelheid grinste versöhnlich. Niemand hier unterstellt dir, dass du über dieses schändliche Vorhaben informiert warst.
Die alte Hexe lachte böse. Oder dass du aus den Informationen, die Elyn sich niederträchtig beschafft hat, deinen Nutzen ziehst.
Er spürte seine Wangen rot werden. Seine Hände kribbelten vor intensivem Verlangen, das wissende Grinsen dieser alten Vettel abzuschneiden, indem er diese um ihren Hals legte.
Oh, doch doch, Aurec wusste davon, wie ich auch!
, erklärte Danton so dreist, dass es Aurec erschreckte. Zusammen mit dem lieben Cascal und dem grummeligen Eorthor haben wir den Plan entworfen.
Ist das so?
, fragte Adelheid säuerlich.
Oui! Sinnlos, Nespa? Denn hättet ihr uns von Anfang an als Verbündete behandelt, wären wir gar nicht zu misstrauischen Spionageoperationen ermutigt worden.
Roi grinste überlegen.
Wir haben wohl alle noch viel zu lernen
, ergänzte Denkerin 1 halbwegs versöhnlich.
Endlich tauchte Elyn auf. Die beiden Terraner und Constance folgten ihr.
Elyn!
Aurec ging ihr entgegen. Niemand schien etwas dagegen einzuwenden zu haben.
Die Alyskerin erwiderte seine Umarmung.
Bist du unversehrt?
Leise flüsterte er die Frage in ihr schwarzes Haar.
Es geht uns allen ganz gut!
Laut fügte sie hinzu: Ich grüße dich, Aurec.
Der Saggittone nickte den beiden Terranern zu. Sein Blick blieb einen Moment an Remus hängen, dem die Augenbrauen fehlten. Dann gab er Constance die Hand.
Aurec!
Adelheids samtene Stimme jagte ihm einen kalten Schauer über den Rücken. Jetzt kam es. Langsam wandte er sich der Hexe zu. Denkerin 1, die neben ihr schwebte, wirkte ebenfalls unruhig.
Die Hexe trug noch immer ihr Lächeln wie einen Schild vor sich. Nimm deine Freunde und schaffe sie von meinem Schiff herunter!
Die Stimme der Alten wurde nun kalt wie Eis.
Mit Schaudern dachte er daran, was geschehen würde, wenn sich Adelheid und Eorthor jemals gemeinsam auf ein Ziel konzentrieren würden. Statt einer Antwort nickte er nur. Constance blieb an Adelheids Seite zurück. Elyn und die beiden Männer wandten sich um. Constance schüttelte leicht den Kopf. Mit traurigen Augen folgten sie Aurec, Danton und den anderen in die Space-Jet.
In einem ruhigen Tempo flog das kleine Raumschiff um den Planeten herum. Die IVANHOE II erwartete sie auf der anderen Seite. Wallace sendete zuerst jedoch einen Funkspruch an Jan Scorbit und informierte ihn, dass sein Bruder relativ wohlauf war. Lorif beschwerte sich über die unhöflichen Manieren der Entropen. Aurec begab sich zu den Geretteten nach hinten.
Was war das mit Constance?
Remus starrte zu Boden und Cascal schwieg entgegen seiner Gewohnheit.
Sie wird fürchterlichen Ärger bekommen.
Schweren Herzens erzählte Elyn dem Saggittonen die ganze Geschichte. Dass sie der jungen Lilim ihr Leben verdankten und vor welche Wahl Adelheid die Hexe gestellt hatte.
Aurec schwieg betroffen. Auch wenn er fürchtete, das Elyn mit ihren Sorgen recht behielt, so konnte er die Lilim nur zu gut verstehen. Dass sie es ablehnte, von ihrem Volk und ihrer Liebe getrennt zu werden. Übermannt von seinem eigenen Schmerz, senkte er den Kopf.
Constance, meine Liebe!
Adelheid stand an einem der Käfige und streichelte ihren neuen Liebling – einen jungen Krummschnabelraben, der den Platz des Tieres eingenommen hatte, das von Elyn getötet worden war.
Du hast mich herbefohlen?
Die Alte nickte und setzte den Vogel zurück auf seine Stange. Sorgfältig überprüfte sie die Kette an seinem Fuß. Er ist noch nicht richtig abgerichtet.
Sie zwinkerte Constance zu. Ist nicht einfach bei ihnen, aber das ist dir ja bekannt.
Constances Herz raste. Wollte sie das Tier auf sie hetzen? Sollte sie bei lebendigem Leib gefressen werden? So ein Vieh mit bloßen Händen zu bezwingen, traute sie sich nicht zu. Adelheid entfernte sich ein paar Schritte von dem Tier und winkte ihr auffordernd zu. Langsam setzten sich Constances Füße in Bewegung. Wie in Trance folgte sie der Alten.
Ich war überrascht, dass du die Konsequenzen für deine Taten tragen willst.
Adelheid blieb vor einer Nische stehen, die mit einem Tuch verhängt war. Immerhin ist das ein sehr schweres Vergehen.
Sie wandte sich um und musterte Constance. Und es ist auch nicht das erste Mal, dass du mich enttäuschst.
Adelheid musste nicht sagen, worauf die anspielte. Constance hatte Lydkor gegenüber noch immer ein schlechtes Gewissen, wenn sie an Despair oder Kaiser Volcus und sein Angebot dachte.
Ich habe lange überlegt, was ich wohl mit dir machen soll, Kind.
Adelheids nachdenkliche Stimme brachte Constances Herz dazu, wild zu hämmern. Ich …
Oh! Ich weiß.
Das Lächeln der Alten wurde verständnisvoll. Du hast es nicht böse gemeint. Und mittlerweile tut es dir leid.
In ihrer Stimme lag die Verzweiflung einer Mutter, die zu lange zu nachsichtig mit ihrem Kind war. So ist es immer!
Das Lächeln gefror. Adelheids Hand hob sich zum Vorhang und zog ihn zurück. Dahinter stand eine Art Pranger aus Kunststoff. Dieses Mal muss ich dich bestrafen.
Was …?
Constance musste schlucken. Was passiert mit mir?
Ich werde dich nicht töten. Keine Angst.
Adelheids Gesicht war streng. Betrachte das, was passiert, als pädagogische Maßnahme.
Adelheid deutete auf den Block, der aussah, wie ein unbequemer Sessel. Knie dich da drauf.
Wie unter einem Zwang gehorchte die junge Hexe.
Zieh dein Hemd aus und dann beuge dich nach vorn.
Mit vor Angst zitternden Fingern kam sie der Aufforderung nach. Die Bluse warf sie achtlos zur Seite und legte sich mit ihrem Oberkörper auf den kalten Kunststoff.
Gut!
Adelheid fesselte ihr die Hände, so dass Constances Arme vollkommen gerade und mit der empfindlichen Innenseite nach oben zu liegen kamen. Dann nahm sie eine schwere Lederdecke und bedeckte den Körper der jüngeren Lilim damit. Unter dem Block sog sie etwas hervor, dass wie eine Mischung aus Vogelkäfig und Helm aussah. Das Ding drückte sie Constance auf den Kopf. Wir wollen ja nicht, dass deinem hübschen Gesicht etwas passiert.
Constances Herz hämmerte wild gegen ihre Rippen. Angst zeigte sich in ihren großen Augen.
Die alte Hexe nahm einen Topf Honig und schmierte das klebrige Zeug auf Constances Arme. Nachdem das Werk vollendet war, verschloss sie den Topf sorgfältig und verstaute ihn unter einem Regal. Sie stellte sich auf die Zehen. Griff über ihren Kopf in ein Bord und zog einen Beutel heraus. Mit langsamen und akribischen Bewegungen verteilte sie Körner über die honigverschmierten Arme.
Die jungen Lilim wurde der Mund trocken. Sie ahnte was kam, noch ehe Adelheid an den Käfig der Nagerkrähe herantrat. Vorsichtig nahm die Alte den Vogel heraus und kam zu ihr zurück. Mit einem hässlichen Schrei stieß sich die Krähe von Adelheids Arm ab. Sie stieg hoch und flog einen Kreis unter dem Dach.
Adelheid wandte sich ab. Verließ den Raum und ließ Constance allein mit der Krähe zurück. Langsam schraubte sich der Vogel über Constances Körper tiefer herab. Landete auf ihrem Rücken. Sie spürte das Gewicht, trotz des schützenden Leders. Der Vogel machte einen Schritt nach vorn. Hopste! Constance spürte Tränen über ihre Wangen rinnen. Die Krähe saß auf ihrer Schulter. Mit einem Auge peilte sie Constances Gesicht an. Dann hackte der Schnabel nach einem Auge. Prallte von den schützenden Gitterstäben ab. Wütend kreischte das Tier. Hakte noch einige Male nach dem unerreichbaren Gesicht.
Constance schluchzte. Sie zitterte am ganzen Körper.
Der Vogel blickte sich im. Beäugte ihre nackten Arme. Hüpfte näher. Pickte einmal zaghaft. Erwischte ein Korn. Pickte noch einmal und dann noch einmal. Die scharfe Schnabelspitze hinterließ blutige Striemen auf Constances Haut. Die Krähe schrie triumphierend und hakte zu. Grub ihren Schnabel tief in Constances Fleisch. Warf den Kopf zurück und schluckte Körner, Honig und einen Fetzen von der Haut der Lilim herunter. Constance schrie!
Ein Bett! Joak machte sich nicht die Mühe, seine Kleidung abzulegen. In voller Montur fiel er auf die weiche Matratze und schnarchte, noch ehe sein Kopf das Kissen berührt hatte. Die junge Frau, die ihn zu seiner Kabine geleitet hatte, lächelte und verschloss leise die Tür. Obwohl Aurec seine Gäste direkt auf die Krankenstation des Schiffes gebracht hatte, machten bereits erste Gerüchte über ihre Abenteuer auf dem geheimnisvollen Planeten der Hexen die Runde an Bord. Das Mädchen lächelte. Auch wenn Joak nicht sehr gesprächig gewesen war, heute würde sie in der Kantine im Mittelpunkt stehen.
Eine heiße Dusche. Elyn ließ ihre Kleider zu Boden gleiten. Sie drehte das kalte Wasser auf. Vorsichtig prüfte sie mit einem Zeh die Temperatur, ehe sie unter den Massagestrahl trat. Mit geschlossenen Augen genoss sie einen Augenblick lang einfach die Kühle. Sie konnte es immer noch nicht fassen, dass Adelheid sie einfach hatte gehen lassen.
In Gedanken durchlebte sie noch einmal die letzten Stunden. Es war ein Wunder, das keiner von ihnen schwerer verletzt war. Sie dachte an Remus, der sich in die Flammen des Scheiterhaufens gestellt hatte, um ihr Leben zu retten. Er lag noch auf der Krankenstation, weil die Ärzte seine Haut und die Haarwurzeln regenerieren wollten.
An Cascal, der sich noch immer die Schuld an ihrer Gefangennahme gab. Dabei hatte er seinen Fehler schon mehrfach wieder gut gemacht.
Elyn seufzte wohlig.
Ganz langsam ließ der Schrecken des Feuers nach.
Eorthor blickte sich im Hangar der IVANHOE um. Keine Spur von Aurec. Wahrscheinlich schmollte der Saggittone immer noch. Sollte er! Eorthor schnaubte verächtlich. Aurec fehlte es eindeutig an Härte. Er wischte den Offizier beiseite, den man zu seinem Empfang herbeordert hatte, und machte sich auf den Weg zur Brücke.
Aurec kam ihm auf halben Weg entgegen. Eorthor! Ich …
Spar dir das!
Seine Hand beschrieb eine wegwerfende Geste. Wo ist sie?
Deine Tochter erholt sich! Ebenso wie die beiden Terraner. Die drei haben eine ganze Menge mitgemacht.
Ich will sie sofort im Konferenzraum sehen!
Nein!
Noch nie in seinem Leben hatte Aurec ein Nein
so sehr genossen.
Wie? Nein …?
Der Alysker war tatsächlich aus dem Konzept gebracht.
Remus ist noch auf der Krankenstation. Cascal und Elyn brauchen Ruhe. Anordnung der Ärzte.
Ärzte!
Eorthor legte seine ganze Verachtung in dieses eine Wort. Elyn braucht keine Erholung! Sie ist meine Tochter.
Irrte er sich, oder hörte er tatsächlich einen Anflug von Stolz in Eorthors Stimme? Man hat deine Tochter auf einen Holzstoß gestellt und angezündet, nachdem man sie zuvor geschlagen und gefoltert hat. Ich denke da braucht auch eine Unsterbliche etwas Ruhe. Selbst wenn sie Eorthors Tochter ist.
Elyn arbeite allein im Labor. Sie war am Morgen sehr früh aufgestanden, um mit der Arbeit an den mitgebrachten Proben zu beginnen. Das war von allen erstaunlichen Dingen, das unglaublichste. Man hatte weder sie noch die beiden Terraner durchsucht, nachdem Adelheid und ihre Hexen sie wieder eingefangen hatten.
Sorgfältig bereitete sie die Gesteinsproben und die Mineralien vor. Um die DNA würde sie sich später kümmern. Einen Teil schnitt sie in dünne Scheiben, um sie unter dem Mikroskop zu untersuchen, den Rest zerstampfte sie zu einem Pulver. Zu jedem Reagenzglas fügte sie sorgfältig abgemessene Chemikalien hinzu. Einige stellte sie beiseite, andere schob sie in den Brutschrank. Dann begann sie mit der Analyse der Steinscheiben. Die Struktur kam ihr bekannt vor. Vorsichtig drehte sie den Glasträger. Ja – eindeutig, das war die gleiche Maserung, die sie schon von einigen Steinarten auf Galornia in Cartwheel kannte. Gekannt hatte, verbesserte sie sich, den schließlich war der Kolonialplanet vor mehr als zwei Jahren zerstört worden.
Sie legte die Objektträger beiseite und wandte sich den Reagenzgläsern zu. Auch hier dasselbe Ergebnis. Ihre Finger flogen über die Tastatur des Computers und verglichen Dateien und Objekte. Das Ergebnis blieb das Gleiche.
Elyn?
Hallo, Vater!
Sie wandte sich nicht um.
Seit wann bist du schon hier?
Sie schaute auf die Uhr. Sie hatte fast drei Stunden am Stück gearbeitet.
Wieso hast du mich nicht geweckt?
Ich wusste nicht, dass du an Bord bist. Ich dachte, du wärst noch auf NESJOR.
Schön, dass du wieder da bist.
Jetzt wandte sie sich doch um. Aus Eorthors Mund war das ein richtiger Gefühlsausbruch. Danke!
Sie zog den Schwenkarm mit dem Computerbildschirm zu sich heran. Schau dir das mal an und vergleiche es mit den Proben unter dem Mikroskop.
Proben?
Sie nickte. Ich konnte Gesteins- und DNA-Proben mitbringen.
Proben?
Eorthor war aufgeregt. Er äugte durch das Okular und verglich, was er sah, mit den Dateien auf dem Bildschirm. Die DNA?
Hab ich noch nicht ausgewertet.
Elyn eilte zum Kühlschrank und öffnete ihn. Gemeinsam mit ihrem Vater begann sie, die Proben zu analysieren.
Elyn hatte eilig eine Besprechung einberufen. Aurec, Joak Cascal, Roi Danton, Mathew Wallace, Xavier Jeamour und der Ritter der Tiefe Gal’Arn blickten ihnen gespannt entgegen. Die beiden Alysker waren gleichermaßen aufgeregt gewesen, als sie die Konferenz einberufen hatten.
Eorthor nahm sich nicht die Zeit sich zu setzen. Er legte sofort los. Er berichtete von den Übereinstimmungen bei den Gesteins- und Mineralproben. Da diese absolut identisch mit denen von Galornia waren und das so etwas eigentlich nicht möglich war, weil die Bedingungen, unter denen Planeten sich entwickelten, von Region zu Region unterschiedlich waren. Absolut identische Voraussetzungen konnte es nicht geben.
Aber das ist noch nicht alles.
Eorthor musterte seine Zuhörer der Reihe nach. Die Luft im Raum knisterte förmlich vor Spannung. Elyn hat auch DNA-Proben von allen Entropenvölkern beschafft.
Er aktivierte den großen Bildschirm vor der geöffneten Seite des U-förmigen Konferenztisches. Die DNA aller Entropen enthält Fragmente von drei Rassen – den Pelewon/Moogh, den Galornen und …
Eorthor nickte in Cascals Richtung. … den Terranern!
Die Lilim haben noch einen weiteren DNA-Code.
Die Köpfe wandten sich synchron Elyn zu. Leider konnten wir den nicht zuordnen.
Schweigen senkte sich über den Raum. Jeder der Zuhörer versuchte auf seine Weise mit dem eben Gehörten fertig zu werden und zu begreifen, was das bedeutete.
Das ist der Hammer!
Joak öffnete und schloss den Mund ohne einen weiteren Ton hervorzubringen.
Begreift ihr, was das bedeutet?
Eorthors Augen sprühten vor Eifer.
Ich …! Ähm! Nicht wirklich.
Cascal schüttelte den Kopf, um die Benommenheit abzuschütteln. Er war mit den Hexen verwandt! Das war einfach unglaublich. Obwohl … Wenn er es recht bedachte …
Das Entropia-System muss mit dem ehemaligen Galornia System aus Cartwheel identisch sein!
Die Münder seiner Zuhörer blieben offen stehen.
Ist das nicht ein bisschen …
Gal’Arn verstummte.
Eorthor schüttelte den Kopf. Das Hauptsystem der Thoregon-Völker in Cartwheel wurde anscheinend nicht zerstört, sondern aus der normalen Raumzeit herausgerissen!
Die Augen quollen seinen Zuhörer aus den Höhlen. Das war … einfach undenkbar. Wie und auf welchem Weg sollte so etwas geschehen?
Aber dann sind die Entropen ja … ich meine die Zeit … das bedeutet doch …
Joak rang nach Worten. Blickte zwischen Eorthor und Elyn hin und her.
Was bedeutet das für die Entstehung der Entropen …?
Hilflos verstummte er.
Die Gesichter der anderen spiegelten abwechselnd Unglauben, Verwirrung und Entsetzen wieder, als Eorthor fortfuhr.
Die Zeit seit dem Verschwinden des Galornia-Systems ist viel zu kurz gewesen, als das sich eine derart neue Spezies entwickeln konnte. Das bedeutet, das System wurde nicht nur aus dem Raum, sondern auch aus seiner Raumzeit gerissen.
Dann sind die Entropen also ursprünglich aus Galornen, Bestien, Terranern und sonstigen Thoregon-Völkern hervorgegangen?
Eorthor nickte. Nach allem, was wir wissen, ist das Galornia-System verschwunden, nachdem Torsors Bestien die Thoregon-Koalition zerschlagen haben.
Aber wie …?
Gal’Arn war nicht weniger erschüttert als alle anderen.
SI KITU!
Eorthors Stimme ließ keinen Platz für Zweifel.
Schweigend wartete Aurec auf ein Zustandekommen der Verbindung. Er hatte sich so hingestellt, dass die Kamera, die das Bild übertrug, nur ihn erfasste.
Adelheids Gesicht erschien auf dem Monitor. Was ist denn jetzt schon wieder?
Die alte Lilim machte einen genervten Eindruck.
Ich entschuldige mich für die Störung, edle Adelheid.
Aurec konnte nicht verhindern, dass er die Hexe jetzt mit neuen Augen sah.
Ja?
Adelheid musterte ihn befremdet. Hast du mich gerufen, um mich anzustarren?
Er riss sich zusammen. Es war nicht an der Zeit, die Entropen mit ihrer Entdeckung zu konfrontieren. Niemand außerhalb dieses Raumes, würde zunächst von der Entdeckung der beiden Alysker erfahren. Ich bitte um Entschuldigung. Die Verbindung schien gerade nicht stabil zu sein.
Er straffte sich. Ich wollte in aller Form um die Erlaubnis ersuchen, das Portal nach Terra benutzen zu dürfen.
Was?
Adelheids Stimme peitschte durch den Raum. Das ist doch die Höhe!
Sie wandte sich um.
Neben ihr schwebte Denkerin 1 ins Bild. Die edle Adelheid hat recht.
Empörung schwang in ihrer Stimme mit. Wie könnt ihr es wagen, nachdem ihr uns derart niederträchtig hintergangen habt, auch nur an eine derartige Bitte zu denken?
Ihr Doppelkinn waberte vor Entrüstung.
Außerdem …
Adelheid hatte ihren Gefühlsausbruch überwunden. Ihre Stimme war kalt wie Eis. Wir sind mit einem Projekt beschäftigt. Es erfordert unsere ganze Aufmerksamkeit.
Ihre Hand senkte sich auf die Konsole, um die Verbindung zu unterbrechen.
Warte!
Aurec hob die Hand.
Wir ziehen es vor, erst einmal nichts mehr von euch zu hören, Bündnispartner!
Der Bildschirm erlosch.
Wichtiges Projekt!
Eorthor schüttelte den Kopf. Krähen züchten!
Nein!
Überrascht wandten sie sich Cascal zu.
Eine Expedition ins Riff!
Was?
Aurecs Stimme war alarmiert.
Joak hat recht.
Elyn erinnerte sich deutlich an Constances Worte. Die Entropen planen eine Expedition ins Riff, um nach Maya Ki Toushi zu suchen.
Weshalb?
Aurec fühlte eine starke Unruhe. Die Entropen betrachteten das Riff ausschließlich als Gefahr, die es zu vernichten galt. Mit allem, was sich darin befand, also auch mit Kathy. Sein Blick suchte Elyn. Die Alyskerin ahnte seine Gedanken. Sie nickte ihm zustimmend zu. Aurec sah auf das Chronometer. Es war der 14. März 1308 NGZ. Roi Danton war vor wenigen Stunden zusammen mit Mathew Wallace, dem Chronisten Jaaron Jargon, der Riffanerin Pyla, einer Hexe namens Yvonne und Jan Scorbit zur Welt Herton IV aufgebrochen, um der Einladung dieses seltsamen Sektengurus Grimm T. Caphorn zu folgen. Doch er brauchte sie für die Expedition. So legte er endgültig das Datum für den Aufbruch auf den 20. März diesen Jahres fest.
Dann sollte es zum Riff gehen. Um mehr über das geheimnisvolle kosmische Wunder in Erfahrung zu bringen, den Entropen zuvorzukommen und um Kathy endlich zu retten!
Ende
Im nächsten Roman beschreibt Nils Hirseland, wie Jaaron Jargon, Pyla, Anya Guuze und Roi Danton der Einladung des Sektengurus Grimm T. Caphorn auf die Welt Herton IV folgen. Dort treffen sie auf Cauthon Despair.
Band 175 ist der Jubiläumsband zum zehnjährigen Bestehen der Dorgon-Serie.
Das verquere Unternehmen Ausspionierung Entropias
ist durch die selbstlose Hilfe der etwas weltfremden Hexe Constance noch einmal gut für unsere drei Möchtegernspione
ausgegangen, diese sind wohlbehalten wieder nach Siom-Som zurückgekehrt und Eorthor, als der eigentliche Nutznießer der völlig überzogenen Aktion, kann triumphieren.
Wie bereits aus meinem letzten Kommentar zu entnehmen war, halte ich das ganze Unternehmen für absolut überflüssig und, man verzeihe mir meine etwas blumige Wortwahl, völlig schwachsinnig.
Man sollte den Sinn des ganzen Unternehmens nur einmal umdrehen, um sich die Situation der Entropen zu verdeutlichen. Wie würde beispielsweise die LFT mit Perry Rhodan an der Spitze reagieren, wenn Lilim unter Einsatz ihrer Para-Fähigkeiten führende Mitglieder der Ligaadministration beeinflussen und dann Luna infiltrieren würden, um beispielsweise durch eine besondere Syntronik NATHAN anzuzapfen und so die militärischen Geheimnisse der LFT auszuspionieren. Dabei kommt noch hinzu, dass gerade die Position und der Zugang der Passageanker der Hyperraumblase essentielle Bedeutung für die Sicherheit Entropias haben, da nur über diese das entropische System angreifbar wird. Bei der ganzen Streichelpolitik, die die LFT und die quarteriale Opposition gegenüber dem mörderischen Regime des Imperatore verfolgt, steht zu befürchten, dass diese Informationen über kurz oder lang nach Paxus gelangen und früher oder später quarteriale Mörder den Weg nach Entropia finden werden. In ihrer schizophrenen Haltung gegenüber dem Reich des Imperatore scheint es so, dass man den Lügen und Beschwichtigungen des alten Spaniers mehr Beachtung schenkt, als den legitimen Interessen eines, zugegeben etwas gewöhnungsbedürftigen, Bündnispartners, der jedoch seine Bündnistreue bereits mit dem Leben ungezählter Entropen unter Beweis gestellt hat.
Den Gipfel des ganzen Irrsinns (man verzeihe mir meine harten Worte) leistet sich Aurec, indem er überlegt, das Entropia-System direkt anzugreifen, um die drei Spione zu befreien. SIKITU sei Dank ist es nicht dazu gekommen, da Adelheid rechtzeitig einlenkte. Und doch zeigt gerade dieses Beispiel das irrationale Verhalten der gesamten chauvinistischen Führungsriege der Alliierten, die anscheinend durch eine weiblich dominierte Gesellschaft zutiefst verunsichert wird.
Galornia wurde mit dem gesamten Galor-System durch die Entität SI KITU
nach dem Angriff durch Torsors Bestien am 12. April 1306 NGZ aus dem normalen Raum-Zeit-Kontinium gelöst und in eine Para-Realität eingebettet. Dabei wurde das System einem anderen Zeitbezugsrahmen unterworfen, was bedeutet, dass – im Vergleich zum normalen Einsteinuniversum
– ein Zeitsprung in die Vergangenheit von etwa 500 000 Jahren stattgefunden hat.
Als das ehemalige Galor-System im Jahr 1307 NGZ wieder in das normale
Raum-Zeit-Kontinium zurückkehrt, hat die Kultur der sich aus den überlebenden Galornen und Bestien entwickelten entropischen Volksgemeinschaft eine Entwicklung von ca. fünfhunderttausend Standard-Jahren hinter sich. Die unterschiedlichen Völker arbeiten eng zusammen und bezeichnen sich selbst als Entropen. Die Evolution der heute vorhandenen Populationen erscheint rätselhaft, jedoch belegen archäologische Funde auf Entrop-A (dem ehemaligen Galornia), dass der Ausprägung der heutigen Formen der unterschiedlichen Entropen – zumindest teilweise – eine natürliche Evolution zugrunde lag. Allerdings müssen auch mehrmals Eingriffe in den Genpool der verschiedenen entropischen Völker stattgefunden haben, bzw. muss in der Vergangenheit die natürliche Mutationsrate sehr hoch gewesen sein.
Die Bevölkerung Entropias besteht zur Jetztzeit (14. Jahrhundert NGZ) aus vier unterschiedlichen Rassen (siehe eigene Glossareinträge), die die Entropische Volksallianz bilden. Das Verhältnis der vier Rassen ist durch eine sehr ausgeprägte Arbeitsteilung und Spezialisierung bestimmt, die terranische Soziologen und Anthropologen bei oberflächlicher Betrachtung an einen Insektenstaat erinnerte.
Auf Galornia überlebten anscheinend hauptsächlich Galornen und gestrandete Bestien, was in den beiden quantitativ vorherrschenden Populationen der Sekundär- und Tertiärentropen zum Ausdruck kommt. Für diese der Populationen konnten die Anthropologen entsprechende Fossilien auf Entrop-A nachweisen. Inwieweit überlebende Terraner und andere Thoregon-Völker in den Genpool der entropischen Volksgemeinschaft eingegangen sind, ist Gegenstand einer erbitterten wissenschaftlichen Auseinandersetzung zwischen den Genetikern der Untersuchungskommission der Universität Terrania. Auf jeden Fall ist die genetische Herkunft und anthropologische Entwicklung der Primärentropen und vor allem der sogenannten Hexen
noch lange nicht geklärt, was auch daran liegt, dass die Hexen
zwar einem wissenschaftlichen Team der Universität Terrania umfassende Untersuchungen auf Entrop-A erlaubt haben, jedoch sich nach wie vor weigern, sich selbst für biologische, genetische und anthropologischen Untersuchungen zur Verfügung zu stellen.
Das Sonnensystem von Entropia befindet sich in einer Hyperraumblase.
Acht Planeten bilden dabei den inneren Ring
, die alle eine Schwerkraft von 1,2 g besitzen. Diese Planeten verfügen über eine normale
Stickstoff-Sauerstoff-Atmosphäre und entsprechen weitgehend der ursprünglichen Welt Galornia. Auf der elliptischen Umlaufbahn sind die Planeten in Form eines Achtecks angeordnet und tragen die Eigennamen Entrop-A bis Entrop-H.
Der äußere Ring
wird durch die restlichen sechs Planeten gebildet, die sich ebenfalls auf einer konzentrischen Umlaufbahn befinden und ein Sechseck bilden. Bei diesen Planeten handelt es sich ausschließlich um Eiswelten mit einer Stickstof-Methan-Atmosphäre, deren Schwerkraft bei 3,2 g liegt. Diese Welten bilden durch gewaltige Rohstoffvorkommen die industrielle Basis der entropischen Volksgemeinschaft und tragen die Eigennamen Mol-I bis Mol-VI.
Zur aktuellen Handlungszeit sind die Welten Entrop-B bis Entrop-H von einer gemischten Bevölkerung aus allen Mitgliedern der entropischen Volksgemeinschaft besiedelt. Entrop-A ist ausschließlich den Hexen
und den Denkern
vorbehalten.
Auf den äußeren Welten
befinden sich gewaltige Fabrik- und Werftanlagen, die vor allem durch die Primär- und Sekundärentropen gewartet werden.
Das gesamte Entrop-System stellt eine eigene Para-Realität dar und ist durch ein unbekanntes Energiefeld gegenüber dem normalen Einstein-Universum abgetrennt. Inwieweit das gesamte System innerhalb des Raumes bewegt oder versetzt werden kann, ist unbekannt.
Entwicklung
Über die Herkunft der Denker
ist fast nichts bekannt, sie gleichen in ihrem Aussehen keinem anderen entropischen Volk. Genanalysen legen jedoch die Vermutung nahe, dass sie entweder durch Genmanipulation oder beschleunigte Mutation aus dem Genpool der ursprünglichen Bestien und Galornen entstanden sind. Eventuell sind hierbei genetische Eigenschaften anderer Thoregon-Völker beteiligt.
Physionomie
Das Aussehen der Denker
kann nur als skurril bezeichnet werden. Bei männlichen Exemplaren ist ein riesiger Kopf durch einen langen, dünnen Hals mit dem fast ballförmigen Torso verbunden. Aus dem Torso ragen vier lange, tentakelförmige Arme, die nach allen Seiten beweglich sind. Diese enden in jeweils einer schmalen, sechsgliedrigen Hand mit zwei gegenüberliegenden Daumen. Irgendwelche Gliedmaßen, die zur Fortbewegung dienen können, fehlen völlig. Die Hautfarbe ist blau, wird jedoch mit zunehmendem Alter immer heller.
Der ovale Kopf wird durch vier paarweise angeordnete Augen und eine gewaltige Knollennase beherrscht. Den absonderlichen Eindruck komplett machen die beiden seitlich angeordneten Schlappohren, die an einen Cocker-Spaniel erinnern und mit langen Haaren bedeckt sind. Der übrige Kopf ist kahl.
Weibliche Vertreter der Spezies sind größer und besitzen einen etwas anderen Körperbau. Der Torso ist bei ihnen nicht kugelförmig, sondern gleicht mehr einem Flaschenkürbis, der in der Mitte eingeschnürt ist.
Haarfarbe
Bis auf die behaarten Schlappohren kahl, bei männlichen Denkern
ist die Farbe der Ohrhaare überwiegend braun, bei weiblichen Exemplaren schimmern diese in allen Regenbogenfarben.
Körpermaße
Die Größe variiert zwischen etwa 1,20 und 1,60 m, wobei die weiblichen Denkerinnen
grundsätzlich größer sind.
Gewicht: Durchschnittlich etwa 60 bis 90 kg.
Augenfarbe: Keine bestimmte.
Stoffwechsel, körperliche Fähigkeiten
Auch die Denker
sind warmblütig. Sie ernähren sich rein vegetarisch durch feine Kräuter und Pflanzensprossen, die sie roh verzehren. Darüber hinaus essen sie gewisse Knollenwurzeln, die jedoch zuvor gekocht werden müssen.
Der Körper ist äußerst widerstandsfähig, nur der gewaltige Kopf ist gegen äußere Einwirkungen, z. B. durch Schläge, empfindlich.
Die Denker
haben die Fähigkeit, sich innerhalb von Schwerefeldern zu bewegen, d. h. sie besitzen eine Art natürlichen Antigravantrieb. Aus diesem Grund benötigen sie zur Fortbewegung auch keine Gliedmaßen. Dabei kann der Körper auf über 60 km/h beschleunigt werden. Wenn Gefahr droht, sind sie in der Lage, den unteren Teil des Körpers, ähnlich wie ein Haluter, strukturell zu verhärten und praktisch ein natürliches Geschoss zu bilden. Allerdings können massive Hindernisse nicht durchschlagen werden, da der Kopf nicht geschützt ist.
Die Lebenserwartung ist unterschiedlich und bewegt sich in einem Zeitrahmen von etwa 300 bis 800 Jahren. Die Ursache hierfür ist unbekannt.
Partnerschaft und Fortpflanzung
Das Volk des Geistes
ist zweigeschlechtlich, wobei die Fortpflanzung durch einen komplizierten Prozess erfolgt. Während des Paarungsaktes ist der weibliche Teil dominant, der Empfängnis geht ein intensiver Akt voraus, der bis zu 90 Minuten dauern kann.
Nach vollzogener Befruchtung reift der Fötus zuerst innerhalb der Vorgebärmutter des weiblichen Teiles und durchläuft dort die erste Entwicklungsphase, die etwa 90 Tage dauert. Während dieser Zeit ist der männliche Partner durch spezielle Hormone, die nur während weiterer Geschlechtsakte vom weiblichen Partner übertragen werden können, an diesen gebunden. Nach Abschluss dieser Phase muss der Fötus während eines weiteren Paarungsaktes vom weiblichen auf den männlichen Partner übertragen werden, der in der Zwischenzeit – unter dem Einfluss der übertragenen Hormone – einen Brutbeutel entwickelt hat. Nach der Übertragung wächst der Fötus innerhalb dieses Brutbeutels heran und verlässt diesen nach etwa 160 Tagen.
Mit dieser Geburt
endet die Verantwortung des männlichen Partners, die weitere Erziehung ist allein die Sache der Mutter. Jedoch bleiben beim männlichen Partner Hormonreste zurück, die es im Normalfall verhindern, dass sich die gleichen Partner ein zweites Mal paaren. Während der durchschnittlichen Lebenszeit einer Denkerin
ist diese – im Abstand von mehreren Jahren – etwa 5 bis 12 Mal empfängnisbereit.
Die Kindheit der Denker
dauert etwa 30 bis 35 Jahre; die Mutter bildet dabei mit ihren noch nicht erwachsenen Kindern eine Familie. Oft kommt es vor, dass sich Schwestern bei der Erziehung ihrer Kinder zusammenschließen, und eine Großfamilie bilden.
Die Väter der Kinder spielen dabei keine Rolle.
Eine Besonderheit der männlichen Denker
ist, dass sie normalerweise außerhalb einer Fortpflanzungspartnerschaft nur über latente Geschlechtsorgane verfügen, erst der Wunsch einer weiblichen Denkerin
nach Paarung führt – wiederum durch Hormonübertragung – zur Ausbildung der Geschlechtsorgane. Dabei kann der weibliche Teil bewusst steuern, ob der Paarungsakt zur Empfängnis führen soll.
Darüber hinaus nähren und erziehen die Denkerinnen
die Babys der Sekundärentropen, die sich zu Hexen
entwickelt haben. Diese werden in ihrer Kindheit Teil der Großfamilie.
Besondere Fähigkeiten
Das Volk des Geistes
verfügt über ausgeprägte parapsychologische Fähigkeiten, die jedoch geschlechtsspezifisch sind. Beide Geschlechter sind starke Telepaten.
Männliche Denker
sind Suggestoren und in der Lage, die völlige Kontrolle über den Körper eines anderen Lebewesens zu übernehmen. Diese Fähigkeit kann dazu benutzt werden, andere Lebewesen durch psionische Überladung des Nervensystems zu töten.
Die Denkerinnen
sind Telekineten und können, ähnlich wie die Báalol-Priester, gegen sie gerichtete psionische Energie auf einen möglichen Angreifer zurückwerfen. Allerdings verfügen sie im Unterschied zu den Antis nicht über die Fähigkeit der Individualaufladung von Schutzschirmen.
Im Unterschied zu den anderen entropischen Völkern haben die Denker
keine individuellen Namen, sondern tragen nur eine Nummer, die ihren Rang innerhalb der Volksgemeinschaft widerspiegelt.
Das Volk des Geistes
denkt überwiegend rein logisch, hat jedoch einen grotesken Humor, der auf andere Wesen oft sehr verletzend wirkt.
Die Sekundärentropen sind als die eigentlichen Nachfahren der ursprünglichen Galornen anzusehen, jedoch – und das ist unzweifelhaft – müssen in der Vergangenheit Vermischungen mit zweigeschlechtlichen Bestien aufgetreten sein, was durch entsprechende Körpermerkmale und Genanalysen eindeutig nachzuweisen ist. Bei den heutigen Formen sind jedoch keine Paarungen mit den Nachkommen der Bestien (Tertiärentropen) bekannt. Außerdem legen unregelmäßig auftretende atypische Geburten nahe, dass auch das Erbgut von humanitären Rassen im Genpool der Sekundärentropen enthalten ist. Die Sekundärentropen sind ausschließlich zweigeschlechtlich.
Physionomie
Die Sekundärentropen sind schlanker als ihre Vorfahren, jedoch genauso muskulös. Ihre Hautfarbe ist ein helles Blau, das manchmal leicht rötlich schimmert. Der Kopf wird von einem stacheligen Kamm abgeschlossen.
Genau wie die Tertiärentropen verfügen sie über drei Augen und sind sechsgliedrig, wobei die beiden Armpaare jedoch nicht unterschiedlich ausgeprägt sind.
Männliche Vertreter der Spezies verfügen über einen ausgeprägten Vollbart, während dieser bei den weiblichen Vertreterinnen ihres Volkes fehlt. Statt dessen ist der Kopf durch einen weichen Haarflaum bedeckt.
Der weibliche Teil der Spezies hat – im Unterschied zu den Ur-Galornen – markante Geschlechtsmerkmale herausgebildet. Nach Eintritt der Pubertät entwickeln die weiblichen Sekundärentropen ausgeprägte Brüste, die jedoch im Unterschied zu den menschlichen Frauen aus reinem Muskelgewebe bestehen und sich nach dem Ende der Gebärfähigkeit wieder zurückbilden. Im Gegensatz zu den männlichen Vertretern der Spezies verfügen sie über leichte telepathische Fähigkeiten.
Wie eingangs bereits ausgeführt, können auch atypische Exemplare der Sekundärentropen geboren werden. Diese gleichen, bis auf die typischen Schläfenhörner, dem Volk der Macht.
Haarfarbe
Männliche Sekundärentropen haben keinen Haarwuchs, jedoch ausgeprägten Bartwuchs, was als Merkmal einer ausgeprägten Männlichkeit gilt. Die weiblichen Sekundärentropen haben einen feinen Flaum, der den Kopf bedeckt. Beiden ist ein stacheliger Kamm auf dem Kopf gemeinsam. Die Bart- oder Flaumfarbe kann das gesamte Farbspektrum umfassen.
Körpermaße
Die Körpergröße variiert zwischen ca. 1,90 und 2,10 m, die Schulterbreite beträgt etwa 0,80 m, wobei die männlichen Sekundärentropen in der Regel größer und muskulöser sind.
Gewicht: Durchschnittlich etwa bis 170 kg.
Augenfarbe: Dunkles rot
Stoffwechsel, körperliche Fähigkeiten
Auch die Sekundärentropen sind Warmblütler. Ihr Nahrungsspektrum umfasst sowohl pflanzliche, als auch tierische Nahrung. Normalerweise bevorzugen sie jedoch pflanzliche Nahrung. Sekundärentropinnen nehmen jedoch während einer Schwangerschaft auch tierische Nahrungsmittel zu sich.
Sekundärentropen können ihr Blut mit Sauerstoff übersättigen, so dass sie bis zu 35 Minuten in einer sauerstoffarmen oder sauerstofflosen Umwelt ohne technische Hilfsmittel überleben können. Jedoch verfügen sie nicht über die Fähigkeit, im Vakuum ohne entsprechende Ausrüstung zu überleben.
Die genetische Verwandtschaft mit den Tertiärentropen kommt auch darin zum Ausdruck, dass sie sich ebenfalls an unterschiedliche Schwerefelder anpassen können. Jedoch liegt die Bandbreite der natürlichen Anpassung nur zwischen 1 und etwa 2,5 g.
Weibliche Sekundärentropen sind schwache natürliche Telepathen, die jedoch nur in der Lage sind, sich mit den anderen Mitgliedern der entropischen Volksgemeinschaft in Verbindung zu setzen.
Die Lebenserwartung der männlichen Sekundärentropen beträgt etwa 650 Jahre, während weibliche Vertreterinnen der Spezies über 800 Jahre alt werden können.
Partnerschaft und Fortpflanzung
Sekundärentropen leben in einer Vielehe, was hauptsächlich darauf zurückzuführen ist, dass das Verhältnis von männlicher zu weiblicher Bevölkerung 5:1 beträgt. Aus diesem Grund sehen die Sekundärentropen ihre Partnerin als besonders schützenswert an. Eine geschlossene Ehe besteht normalerweise auf Lebenszeit und kann nur unter besonderen Umständen geschieden werden. Eine Sekundärentropin lebt in der Regel mit vier bis fünf männlichen Ehepartnern zusammen und bleibt in gesondert geschützten Familienburgen
zurück. Ihr obliegt die Erziehung der Kinder, wobei normalerweise ein männlicher Partner die Rolle des Vaters
der Kinder ausfüllt und sie in der Erziehung unterstützt. Während der Lebensspanne von etwa 800 Jahren kann eine Sekundärentropin, im Gegensatz zu den Ur-Galorninnen, etwa 12 bis 15 Kinder gebären. Eine Schwangerschaft dauert ca. 30 bis 32 Monate. Nach einer Geburt erlischt die Empfängnisbereitschaft für etwa 20 Jahre.
Die weiblichen Sekundärentropen leben sehr zurückgezogen in besonders geschützten Familienburgen
und treten normalerweise nicht in der Öffentlichkeit auf.
Weiblichen Föten können während der Schwangerschaft, unter ungeklärten Umständen, überragende parapsychologische Fähigkeiten und eine völlig abweichende Physionomie entwickeln. Diese Säuglinge teleportieren sofort nach der Entbindung nach Entrop-A. Dabei kann es öfters zu Fehlteleportationen kommen, d. h. die Säuglinge teleportieren entweder in den freien Raum, oder sind nicht in der Lage, telepathisch auf sich aufmerksam zu machen und sterben. Diese Geburten sind äußerst selten, deshalb liegt der Anteil dieser als Hexen
bezeichneten Art weit unter einem Promille der Gesamtbevölkerung.
Des Weiteren entwickeln etwa 5 % der männlichen Säuglinge eine weitgehend humanitäre Physionomie, d. h. sie gleichen mehr oder weniger den humanitären Völkern, wobei ihr Aussehen jedoch stark variieren kann.
Besondere Fähigkeiten
Männliche Sekundärentropen sind sehr muskulös und in ihrer Jugend schlank. Mit zunehmendem Alter neigen sie zur Fettleibigkeit und nähern sich immer mehr dem Aussehen der ursprünglichen Galornen. Sie verfügen nur über geringe paraphysikalische Fähigkeiten, die meist nur latent vorhanden sind. Dafür haben sie eine ausgesprochene Begabung in technischer und wissenschaftlicher Hinsicht. In der ersten Hälfte ihres Lebens sind sie eigentlich sehr gute Kämpfer, jedoch trat diese Fähigkeit nach der Bildung des gemeinsamen Reiches mit den Tertiärentropen in den Hintergrund. Zur aktuellen Handlungszeit sind sie hauptsächlich in der Forschung und Entwicklung tätig und bilden vor allem das technische Personal der gemeinsamen Raumflotte.
Die Tertiärentropen sind überwiegend aus dem Genpool der auf Galornia gestrandeten Bestien entstanden. Zu diesen gehörten sowohl eingeschlechtliche, als auch zweigeschlechtliche Exemplare. Aus archäologischen Funden und uralten Mythen kann geschlossen werden, dass es dabei mehrmals zu gemeinsamen Nachkommen mit den überlebenden Galornen gekommen sein muss. Die heutigen Formen der Tertiärentropen sind jedoch ausschließlich eingeschlechtlich und vermehren sich durch Knospung. Dabei ist jedoch eine Art Paarung
notwendig, d. h. zwei Tertiärentropen lösen gegenseitig die Knospung aus. Es kommt nach allen bisherigen Erkenntnissen dabei jedoch nicht zum Austausch von Gen-Material.
Physionomie
Die Tertiärentropen sind in Körperbau und Aussehen sehr stark haluter- oder bestienähnlich, wobei aber eine ausgeprägte Individualität hinsichtlich des Aussehens festgestellt werden kann. Die lederartige Haut ist dunkelblau bis schwarzviolett und mit einem ausgeprägten Muster von tiefen Rillen und Kerben versehen.
Den auffälligsten Unterschied zu den Haluterähnlichen bildet die Kopfform. Diese ist, im Gegensatz zu den Halutern und ihren Vorfahren, fast eiförmig, wobei die Spitze
des Kopfeies
in einen kurzen Halsansatz übergeht. Dadurch sind die Primärentropen in der Lage, ihren Kopf zu bewegen. Das Gesicht wird durch drei grüne Augen beherrscht, die in einem stumpfwinklichen Dreieck im oberen Bereich angeordnet sind. Dadurch hat eine Neo-Bestie ein Gesichtsfeld von etwa 180°, wobei er seinen Kopf um jeweils 45° nach links oder rechts drehen kann. Von der Schädeldecke aus verläuft ein gezackter, rot-violetter Kamm, der an einen Saurier erinnert, bis zum Halsansatz.
Genau wie bei den Haluterähnlichen, sind die Glieder in Zweierpaaren angeordnet, wobei die muskulösen Beine
im Vergleich zu Haluterähnlichen etwa doppelt so lang sind. Das oberhalb der Körpermitte befindliche Armpaar kann, wie bei den Halutern, als Laufarm benutzt werden. Im Unterschied zu den Halutern verfügt jedoch auch dieses Armpaar über Greifhände, die vor allem für schwere, grobe Arbeiten gebraucht werden. Das obere Armpaar ist entsprechend dem humanoiden Körperbau seitlich an den breiten Schultern angeordnet und wird hauptsächlich für feinmotorische Tätigkeiten gebraucht.
Körpermaße: Die Körpergröße variiert zwischen ca. 4,50 und 6,20 m, die Schulterbreite beträgt etwa 1,70 bis 2,50 m.
Gewicht: Durchschnittlich etwa 1.500 bis 3.200 kg.
Augenfarbe: Irisierendes Grün
Haarfarbe: Keine, jedoch zackenförmiger Kamm, der von der Schädeldecke bis in den Nacken verläuft und je nach Erregungszustand zwischen Rot und Violett wechselt.
Stoffwechsel, körperliche Fähigkeiten
Der Hauptunterschied zu den Haluterähnlichen liegt jedoch in der Körperbiologie und -chemie. Tertiärentropen sind normalerweise Warmblüter und brauchen biologische Nahrung. Ihr Nahrungsspektrum reicht dabei jedoch von pflanzlicher Nahrung jeder Art (so können sie ohne weiteres Baumstämme verdauen) bis zu jeder denkbaren tierischen Nahrung. Dabei bevorzugen sie, wenn vorhanden, tierische Nahrung, die sie roh verzehren. Allerdings können sie innerhalb ihres Körpers Nahrungsdepots anlegen, die es ermöglichen, etwa 20 Tage ohne Nahrung auszukommen. Wenn diese zu Neige gehen, verfällt der Körper in eine Art Stasis, der es ermöglicht, nochmals etwa 30 Tage zu überleben. In diesem Zustand verhalten sie sich wie Kaltblüter, sind jedoch geistig voll aktiv. Diese Stasis kann durch bewusste Entscheidung einmalig unterbrochen werden, jedoch nach spätestens 24 Stunden muss eine ausreichende Nahrungsaufnahme erfolgen, ansonsten stirbt der Körper; er verhungert. Während dieser Phase erwachen die latent vorhandenen telepathischen Fähigkeiten, um mit einem Artgenossen oder einem anderen Mitglied der entropischen Volksgemeinschaft Kontakt aufzunehmen.
Eine Besonderheit besteht darin, dass sich ihre Muskulatur automatisch der Schwerkraft der Umgebung anpasst, d. h. ihre Körperkraft wächst entsprechend dem umgebenden Gravitationsfeld, die Grenze liegt bei etwa 6 g. Jedoch ist dieser Prozess nicht bewusst steuerbar.
Die durchschnittliche Lebensspanne der Tertiärentropen beträgt ca. 400 bis 500 Jahre, wird jedoch durch jede Knospung um etwa 50 Jahre verkürzt.
Fortpflanzung
Tertiärentropen sind eingeschlechtlich, wobei die Fortpflanzung durch Knospung erfolgt. Die Knospung kann jedoch nicht individuell ausgelöst werden, sondern setzt einen ebenfalls zur Knospung bereiten Partner voraus. In einer Art Paarungsprozess
wird dabei gegenseitig die Bildung eines Samens
aus dem Körpergewebe des Primärentropen ausgelöst.
Nach der Bildung des Samens
reift dieser zuerst innerhalb der Körpergewebes zu einer Miniausgabe eines Primärentropen heran, bis er sich nach Abschluss der Embryophase
nach etwa 60 Tagen vom Körper des Mutterentropen
abschnürt. Ab dieser Phase ist das Kind
ein eigenständiges Lebewesen, das eine Kindheit von etwa 10 Jahren durchläuft, bis es als Erwachsen gelten kann. Während dieser Zeit entwickelt es individuelle Körpermerkmale.
Besondere Fähigkeiten
Tertiärentropen sind durch ihren Körperbau dazu prädestiniert, den Schutz der übrigen Völker der entropischen Volksgemeinschaft zu übernehmen. Man könnte sie auch als die Soldatenkaste bezeichnen. Jedoch – und darin werden sie oft verkannt – verfügen sie über eine beträchtliche Intelligenz und sind keinesfalls als hirnlose Tötungsmaschinen anzusehen.
Tertiärentropen sind sehr widerstandsfähig, jedoch in dieser Hinsicht Haluterähnlichen klar unterlegen. Vor allem verfügen sie nicht über die Fähigkeit, ihren Körper molekular zu verändern, sie sind genau wie Humanoide äußerlich verletzbar. Allerdings verfügen sie über die Fähigkeit der beschränkten Zellregeneration, die sie bewusst steuern können. So können auch schwere Verletzungen, die jedoch nicht tödlich sein dürfen, innerhalb kurzer Zeit geheilt werden. Je nach Schwere der Verletzung verfallen sie dabei in Stasis und müssen danach große Nahrungsmengen zu sich nehmen.
Die DORGON-Serie – Das Riff – ist eine nicht kommerzielle Publikation des PERRY RHODAN ONLINE CLUB e.V.. Band 174 zuletzt geändert am 2009-06-25. Autor: F. M. Christians. Titelbild-Zeichner: Dirk Christians . Korrekturleser: Jürgen Freier und Alexander Nofftz. Generiert mit Xtory 3.1 von Alexander Nofftz. Homepage: http://www.dorgon.net/. E-Mail: dorgon@proc.org. Adresse: PROC e.V.; z. Hd. Nils Hirseland; Redder 15; D-23730 Sierksdorf; Deutschland. Copyright © 1999–2007. Alle Rechte vorbehalten!