Dorgon 167: Medvecâ

Was bisher geschah

Es herrscht ein intergalaktischer Krieg im Jahre 1307 NGZ. Erstmals ist es den vereinten Kräften der LFT, Saggittonen, Entropen und Galaktikern gelungen, dem bisher schier übermächtigen Quarterium empfindliche Niederlagen beizubringen.

Im August 1307 NGZ starb Quarteriumsfürst Torsor, im September erlitt das Quarterium eine Niederlage in Andromeda und im Oktober bis November 1307 NGZ besiegte Perry Rhodan mit tatkräftiger Unterstützung der Kosmokratenflotte unter dem Kommando des Alyskers Eorthor das Quarterium in der Lokalen Gruppe.

Nun befindet sich die LFT auf dem Vormarsch und eine Invasion Cartwheels ist nicht mehr unmöglich.

Fernab von diesen Geschehnissen nähert sich das kosmische Rätsel des Riffs der estartischen Galaxie Siom Som. Seit Monaten bereits sind Roi Danton und seine Begleiter auf dem Riff gestrandet. Die Situation der Riffaner ändert sich, als ihr Herr und Gott wieder erweckt wird. Nistant kehrt zum Riff zurück, doch vieles hat sich dort geändert. Es gibt einen neuen Herrn des Riffs, es ist der Fürst der Finsternis: MEDVEC …

Hauptpersonen

Roi Danton:
Perry Rhodans Sohn übt sich als Pirat.
Kathy Scolar:
Aurecs Verlobte trifft auf die finsteren Ylors.
Fürst Medvecâ:
Herr der Ylors.
Nataly Andrews:
Sie verändert sich!
Sato Ambush, Roland Meyers, Pyla, Crassp, Zerzu, Hakkh und Jock:
Dantons Begleiter auf der DUNKELSTERN
Kapitän Fyntross:
Der skrupellose Pirat ist nicht vertrauenswürdig
Kalky:
Ein knuddeliges, fleischfressendes Exemplar einer als weitgehend ausgestorben geltenden Spezies

Kapitel 1
Erinnerungen I

Vor vielen Millionen Jahren war unser Volk anders. Damals dienten wir den Kosmokraten, doch wir versagten. Du kennst die Geschichte, jeder Alysker kennt sie. Und doch erzählen wir sie uns immer wieder. Wieso nur?

Medi lauschte gespannt seinem Großvater. Er war uralt, schon damals alt gewesen. Er gehörte zur alten Generation, nicht zu den Neugeborenen Alyskern. Ihre Alterung stoppte mit der Zeit, so waren sie zur ewigen Jugend verdammt. Von den Alten gab es nur noch wenige, wusste Medi. Die Geburtenraten waren niedrig. Das alyskische Volk regulierte sich selbst.

Jene, die den Freitod wählten, mussten gründlich vorgehen, denn es war schwer. Es gab Gerüchte, dass nicht jeder starb, sondern Selbstmörder zu Ylors wurden, genauso, als ob sie mehr als dreißig Tage von Alysk entfernt waren.

Medi schauderte bei diesem Gedanken. Man starb und war doch nicht tot? Wie konnte das gehen? Welches Geheimnis steckte dahinter? Nicht einmal der große Eorthor wusste es.

Die meisten Ylors waren während einer Epidemie gestorben, doch es soll angeblich vereinzelte Ylors gegeben haben, die eine Resistenz gegen den Virus entwickelten und vom siebten Planeten geflohen waren. Sie geisterten im wahrsten Sinne des Wortes durch JinxJiang und töteten Wesen, die angeblich auch zu Ylors wurden.

Alle Völker des Kreuzes der Galaxien fürchteten sich vor den Untoten, wie sie genannt wurden. Vermutlich war dies nur Aberglaube. Medi dachte nicht mehr an die Ylors, sondern konzentrierte sich auf die Verabredung mit der schönen Norsha. Er verabschiedete sich von seinem Großvater und eilte zum Café.

Es war wie immer kalt. Schnee bedeckte die silbernen Türme und eine frostige Windbö ließ Medi erzittern. Er eilte in die Untergrundstation und schob sich zwischen den ganzen Alyskern hindurch.

Hoffentlich lief alles, wie ich er es sich erhoffte. Sie war Medis erste richtige Freundin. Nach 312 Jahren wurde es für ihn auch langsam Zeit, eine Frau zu beglücken. Sein Großvater hatte ihn immer wieder gedrängt, sich endlich einmal Die Hörner abzustoßen.

Medi dachte nicht so trivial, obgleich er sich schon manchmal ein ausschweifendes Leben gewünscht hätte. Doch es hatte sich niemals ergeben.

Als Sohn einer eher ärmlichen Arbeiterfamilie war er nicht unbedingt attraktiv für junge, hübsche Frauen.

Nun ja, endlich hatte er mal eine gefunden, die sich für ihn interessierte. Sie respektierte seine Leidenschaft für die Poesie und mochte seinen Hang zur Romantik.

Norsha wartete wie besprochen am Café. Hier war es gut gewärmt und vor der Witterung draußen geschützt. Sie sah hinreißend aus. Ihre blauen Augen funkelten, ihr großer, breiter Mund hatte sich zu einem liebenswerten Lächeln geformt. Medis Herz pochte höher. Er hatte den Tag genau geplant.

Hallo, hauchte sie freundlich und gab ihm eine zarte Umarmung. Wie war dein Tag? Meiner war mal wieder richtig stressig. Wir mussten eine Arbeit über Eorthors Ansichten zur sechsten Dimension schreiben. Schwer zu verstehen. Ich glaube, ich habe sie vergeigt.

Oh, sagte Medi nur und wusste nicht so recht, was er sagen sollte. Dann wechselte er das Thema. Dabei war die sechste Dimension eigentlich ein leichtes Thema, aber Alyskerinnen hatten ein kleineres Gehirn, das sagte auch schon Eorthor und der wusste nun einmal alles.

Bist du bereit für den Ausflug?, fragte er schließlich.

Sie lächelte und nickte. Sie gingen vergnügt zum Transmitter. Norsha erzählte Geschichten über ihre Freundinnen, ihre Studienwoche und dass sie 0,23 Gramm abgenommen hätte durch die neue Diät.

War für Medi nicht wirklich auszumachen, denn sie war rank und schlank, aber Frauen hatten da wohl ein anderes Empfinden als Männer. Sie erreichten die Transmitterstation und ließen sich über mehrere Stationen auf den Planeten Mures transportieren, der für seine idyllischen Plätze bekannt war. Er wurde nur von recht primitiven Cyragonenabkömmlingen bewohnt, die zwar die Existenz von Außerirdischen kannten, aber selbst noch nicht einmal die Atomenergie erfunden hatten.

Doch die vielen Berge, Seen, Wälder und Wiesen machten Mures zu einem schönen Plätzchen. Medi freute sich schon darauf, mit Norsha auf einer Wiese ein Picknick zu machen und sich von der Sonne bräunen zu lassen.

Er hatte ein Gedicht für sie geschrieben. Hoffentlich gefiel es ihr. Er schaute sie an, bevor sie durch den Transmitter gingen. Medi hatte ein riesiges Glück, sie gefunden zu haben. Es hatte eine Weile gedauert. Die richtige Frau musste für ihn im wahrsten Sinne des Wortes erst geboren werden, denn Norsha war nur 77 Jahre jung.

Er spürte, wie er sich auflöste und wieder zusammensetzte. Sie verließen die Transmitterhalle und es regnete!

Regen? Medi verwünschte das Wetter von Mures.

Sie eilten zum gemieteten Blockhaus.

Tut mir leid, so hatte ich mir das nicht vorgestellt, sagte Medi enttäuscht, als sie im Blockhaus waren.

Hey, das macht doch gar nichts. Norsha umarmte ihn und küsste Medi das erste Mal. So haben wir zwei endlich Zeit für uns.

Aber …

Zu mehr Worten war Medi nicht mehr imstande, denn ihre Zunge berührte plötzlich die Seine. Er ließ es bereitwillig mit sich geschehen. Sie küssten sich intensiv. Dann streichelte Norsha plötzlich sein Genital. Zärtlich fuhr sie immer wieder mit ihren Fingern über seine empfindliche Zone, während sie ihn küsste. Sanft schob sie sich von ihm ab und streifte sein Hemd ab. Dann zog sie ihr Kleid herunter und stand nur noch mit knapper Unterwäsche bekleidet vor ihm.

Medi küsste ihre pfirsichgroßen Brüste. Sie lachte. War er zu grob? Oh nein, er wollte es nicht vermasseln! Sie nahm ihn bei der Hand und sie gingen zum Bett. Norsha legte sich auf das Bett und streifte ihre Hose ab. Medi zog sich ganz aus und legte sich dazu.

Sanft massierte sie sein Glied, bis es erigiert war. Sie fuhr mit ihrer Zunge herüber. Medi fühlte sich wie im Himmel. Nachdem sie ihn verwöhnt hatte, bat sie ihn, dass er es nun tun sollte. Sie drückte seinen Kopf sanft zu ihrem Becken. Er küsste ihre Schenkel und fuhr mit der Zunge langsam zu ihrem Schoß. Es geschah mehr instinktiv. Sie stöhnte lustvoll auf, als er ihre Intimzone befriedigte. Nach einer Weile krallten sich ihre Finger in seinen Haaren fest und sie zog ihn langsam wieder zu ihr hoch.

Sie küsste ihn und drehte sich herum. Norsha saß auf ihm. Zärtlich führte sie sein Glied in sich hinein. Sie bewegte sich auf und ab, beugte sich zu ihm hinab und küsste ihn leidenschaftlich, während sie ihr Becken kreiselte.

In Medi kam ein ganz anderes Gefühl hoch. Er atmete schneller, sie drosselte das Tempo, küsste und streichelte ihn. Es war unbeschreiblich für ihn. Kein Gedicht hätte seine Emotionen in Worte fassen können. Keine Zeilen wären dem Glück gerecht geworden, welches Norsha ihm gerade bereitete.

Ihr Körper schien zu glühen. Sie stöhnte immer lauter. Ihre Hände krallten sich am Laken fest, sie fing an zu zittern und schrie laut auf. Dann kam auch Medi im höchsten Gefühl des Glücks.

Sie umarmte ihn, küsste ihn zärtlich auf die Lippen und sah ihm tief in die Augen.

Ich liebe dich, sagte Norsha.

Ich liebe dich auch, erwiderte Medi ernst. Er schloss sie in seine Arme. Ihre weiche, nasse Haut fühlte sich schön an. Sie legte sich neben ihn und kuschelte sich an ihn.

Siehst du, das Regenwetter hatte doch etwas Gutes.

Sie kicherte und drückte sich fest an Medi. Norsha erzählte noch etwas Belangloses, dann wurde ihre Stimme leiser und sie schlief ein. Medi dachte über den Sex noch lange nach und war noch nie so glücklich, wie in diesem Moment.

Kapitel 2
Im Walde

Wo sind wir?, fragte Nataly.

Irgendwo auf dem Riff. Keine Ahnung jedoch, wo wir uns genau befinden.

Kathy sah sich um. Die Sonne schien, aber es war nicht unbedingt warm. Sie standen vor einem großen Wald mit seltsam geschwungenen Bäumen, die rotschwarze Blätter trugen.

Wie weit kann so ein Mausbiber teleportieren?

Kathy zuckte mit den Schultern. Sicherlich ein paar hunderttausend Kilometer. Da die Sonne hier scheint, müssen wir uns weit entfernt haben.

Das glaube ich nicht. Nataly deutete auf die Nebelwand, die deutlich hinter einem großen Hügel erkennbar war. Dahinter war es schwarz. Offenbar befanden sie sich am Rande der Grenze zwischen Licht und Dunkelheit, also noch immer in der Nähe der Randzone zur Unterseite des Riffs.

Der Wald lag am Fuße des kleinen Berges. Kathy sah keinen Sinn darin, dass sie hier ausharrten, bis Hilfe kam. Es würde vermutlich seine Zeit dauern, bis die DUNKELSTERN sie fand. Sie schlug Nataly vor, in den Wald zu gehen.

Vielleicht kann uns ja der komische Mausbiber weiterhelfen. Der hat uns das schließlich eingebrockt, stimmte Nataly zu.

Kathy glaubte weniger, dass der Ilt ihnen helfen konnte. Er hatte auf sie keinen intelligenten Eindruck gemacht. Die beiden Terranerinnen gingen zögerlich auf den Wald zu.

Ziemlich dunkel da drin, bemerkte Nataly.

Auch Kathy war es nicht besonders wohl. Sie konnten vielleicht auch außen herumgehen. Vermutlich hatte Nataly mit dem Mausbiber doch recht. Er war ihr einziger Anhaltspunkt. Also mussten sie ihn suchen. Vielleicht konnten sie ihn dazu bringen, sie zurück zum Schiff zu teleportieren. Der erste Schritt in den Wald war am schwersten. Das Licht der Sonne fiel nur spärlich durch den dichten Blätterwald, doch es reichte, um genug zu sehen. Das ständige Knarren und seltsame Tierlaute taten ihr Übriges, um alles gruselig wirken zu lassen.

Sie wanderten mehr als eine Stunde durch die Wildnis und niemand begegnete ihnen. Endlich erkannte Kathy eine Lichtung. Sie hielten darauf zu. Auf der Wiese mit üppig gewachsenem Gras trampelte eine Herde Saurier entlang. Sie waren mindestens drei bis vier Meter hoch und erinnerten Kathy an einen Triceratops.

Nataly stupste ihre Freundin an und deutete nach rechts. Da saßen einige Mausbiber auf einer Anhöhe und tollten freudig durch die Gegend. Andere hatten alle Viere von sich gestreckt und lagen auf dem Boden und ließen sich die Sonne auf den Pelz brutzeln.

Eine ganze Herde Mausbiber. Es gibt hier also ein ganzes Volk. Wenn das Gucky sehen würde, meinte Nataly und lächelte.

Ja, der kleine Gucky würde sich freuen, dass es noch welche seiner Rasse oder zumindest derselben Gattung gab.

Nicht alle Mausbiber in der Herde hatten das typisch braunrote Fell. Einige von ihnen trugen auch weißen, schwarz-weißen oder grauen Pelz. Die beiden gingen näher zu den Ilts, die sie offenbar längst bemerkt hatten, denn einige starrten in ihre Richtung.

Behutsam gingen Kathy und Nataly in gebührendem Abstand an der Herde Sauriern vorbei und waren noch etwa zwanzig Meter von dem Mausbiberrudel entfernt.

Siehst du, ob der Frechdachs auch dabei ist?, fragte Nataly.

Nein, antwortete Kathy knapp.

Je näher sie ihnen kamen, desto unruhiger wurden die Ilts. Einige fingen an zu fauchen, stellten sich auf die Hinterbeinchen und fletschten die Zähne. Sie besaßen nicht nur einen Nagezahn, sondern ein ganzes Gebiss. Plötzlich spürte Kathy eine Druckwelle, die sie und Nataly zu Boden warf. Demnach waren die Ilts auch Telekineten. Kathy wurde plötzlich hochgehoben, mehrmals gedreht und unsanft zu Boden geworfen. Sie bekam noch so etwas wie ein sadistisches Gelächter der Ilts mit. Sie waren anscheinend doch nicht so behämmert, denn immerhin verstanden sie es, auf Kosten von Kathy ihren Spaß zu haben.

Langsam rappelte sich Kathy auf, da wurde sie wieder hochgehoben. Nun aber auch Nataly. Beide prallten mit voller Wucht gegeneinander, dann ließ man sie erneut fallen.

Aua, machte Nataly nur.

Kathy war auch nicht in der Lage, mehr zu sagen. Die Biester machten sich ein Vergnügen daraus, die beiden zu piesacken. Ein dickerer Ilt mit braunem Fell kam näher. Mit großen Augen und zaghaften, kleinen Schritten ging er auf allen Vieren auf sie zu.

Kathy saß auf dem Hosenboden und blickte dem Mausbiber in die großen, dunklen Kulleraugen. Er sah sie so traurig an, dass sie ihm nicht böse sein konnte. Der Mausbiber war gut im Futter. Es war daher definitiv nicht der, der sie hierher gebracht hatte.

Guck mal, er sieht jetzt ganz süß aus, meinte Kathy.

Wollen wir ihm einen Namen geben?, fragte Nataly.

Kathy streckte die Hand zu ihm aus. Er schnüffelte lange dran, dann fing er an, die Hand abzuschlecken. Kathy musste lachen, doch das verging ihr sofort, denn der Mausbiber biss auf einmal herzhaft in die Seite ihrer Hand. Schreiend zog sie die Hand zurück. Zu ihrer Erleichterung waren es nur winzige Bisswunden, aber es tat dennoch weh.

Ja, wir nennen ihn Arschloch!, sagte sie wütend zu Nataly.

Der Mausbiber kicherte und hielt sich seinen speckigen Bauch. Nataly holte plötzlich aus, packte ihn am Nacken und hämmerte seinen Kopf zweimal auf den Boden.

Aus, pfui!, brüllte sie, dann war der Mausbiber plötzlich hinter ihr und versetzte ihr einen Tritt in den Hintern. Auf einmal stand er wieder vor den beiden Frauen und grinste breit.

Nataly seufzte und Kathy ging es auch nicht viel besser. Was sollten sie mit diesem frechen Ilt nur machen? Oder wie konnte er ihnen weiterhelfen?

Vielleicht ist er Telepath?, vermutete Nataly. Ich denke jetzt einfach an unser Raumschiff, dass einer seiner Kumpanen uns entführt hat und wir wieder zurück wollen ...

Kathy blickte abwechselnd zum Ilt und zu Nataly. Doch keine Reaktionen vom Mausbiber mit der Plauze.

Ist halt nicht jeder der Retter des Universums, meinte Nataly resigniert.

Da kam ein zweiter Mausbiber an. Es war der, der sie entführt hatte. Er zeigte auf die beiden und gackerte. Der Übeltäter war offenbar sehr amüsiert. Kathy hätte dieses Pelzknäuel am liebsten über die Knie gelegt, aber das brachte wohl nicht viel, zumal er sicherlich weg teleportieren würde.

Der dicke Ilt schlug dem kleinen Mausbiber plötzlich auf den Kopf und piepste etwas Unverständliches. Offenbar rügte er ihn für sein Verhalten. Wenn sie sich doch nur miteinander verständigen könnten. Doch Kathy hatte nichts mit, nicht einmal einen Translator.

Der dicke Ilt deutete den beiden an, ihm zu folgen. Kathy schaute Nataly fragend an, die dann ihre Bereitschaft signalisierte. Sie folgten ihm zu den anderen Ilts, die mit großen Augen und wild schnüffelnd ihre Besucherinnen begutachteten.

Na immerhin haben wir wohl jetzt ein paar Freunde gefunden, meinte Nataly, als sich die ersten Mausbiber an sie anschmiegten. Kathy beobachtete die laut stampfenden Saurier und war in diesem Moment einfach nur ratlos. Es wurde langsam dunkel, die Sonne hing rot am Firmament.

Kathy kramte ihre Schachtel Zigaretten aus der Jacke. Sie zündete sich das Räucherstäbchen an und zog genüsslich daran. Plötzlich schwebte die Kippe aus ihrem Mund in Richtung des dicken Mausbibers.

Hey, das ist meine!

Der Mausbiber steckte sich die Zigarette in den Mund und zog daran. Dann fing er an zu husten und spuckte auf den Boden.

Jetzt kannst du sie behalten, sagte Kathy angeekelt. Zu ihrem Erstaunen nahm der Ilt einen zweiten Zug und guckte sie mit aufgequollenen, rot unterlaufenden Augen an. Dann fing er wild an zu kichern und zu gackern. Er hampelte herum, tanzte und rief immer wieder Hubi hui!.

Ist der high?, fragte Nataly erstaunt.

Offenbar. Naja, der Tabak kann sicher auch eine berauschende Wirkung haben auf fremdartige Wesen. Oh je …

Sie schnappte sich die Kippe und trat sie aus. Der Dicke ließ sich auf den Hintern plumpsen und rülpste herzhaft.

Scheint ja ein besonders kultiviertes Exemplar seiner Gattung zu sein, scherzte Nataly.

Dann fing der Ilt an sich zu kratzen, grabbelte mit den Fingern in seinem Hinterteil herum und fing an sich in der Nähe seines Genitalbereichs sauber zu lecken, was beide Frauen mit einem angewiderten ahhh kommentierten.

Der Mausbiber schien das bemerkt zu haben und starrte die beiden verständnislos an.

Versuchen wir es mal.

Was? Uns sauber …

Quatsch, wir versuchen mit ihm zu sprechen, Nataly!

Kathy deutete auf sich und sagte ihren Namen mehrmals. Dann zeigte sie auf Nataly und sagte ihren Namen.

Der Ilt sah sie an, als wären sie total bescheuert. Aber nach einer Weile begriff er, stand auf und schlug sich auf die Brust. Dann fing er wieder an zu husten.

Kallkkhschieminidruns!

Häh?, machte Nataly.

Kallkkhschieminidruns!, wiederholt der Ilt. Das war offenbar sein Name.

Der war viel zu lang, fand Kathy. Wir nennen dich Kalky!

Klingt gut, bestätigte Nataly.

Dann hoppelte der kleine, freche Ilt zu ihnen und deutete auf sich. Auch er hatte offenbar verstanden.

Cutschimischidruff.

Noch so einer mit einem komplizierten Namen.

Du heißt ab sofort Cuty. Das passt auch, er ist ja so niedlich, meinte Kathy und kraulte ihn vorsichtig. Der Kleine biss nicht zu, sondern schien die Streicheleinheit zu genießen.

Plötzlich wurden die Ilts unruhig. Die Sonne war untergegangen. Sie rannten auf einmal weg oder teleportierten über kurze Distanzen. Wo wollten sie hin? Nataly und Kathy liefen ihnen hinterher, doch sie konnten kaum mit ihnen mithalten.

Plötzlich ertönte der Klang eines Horns. Jetzt begriff Kathy, dass sie nicht mehr allein waren. Aus dem Dunkel sah sie auf einmal Lichter. Gleiter schossen plötzlich über die Wiese. So schnell sie konnten, liefen die beiden Terranerinnen über den Hügel.

Die Mausbiber waren längst weg. Nataly packte Kathy und zog sie ins Gebüsch. Die Gleiter brausten an ihnen vorbei. Ein Gleiter hielt einige Meter von ihnen entfernt an. Drei Wesen, die am ehesten an Schweine erinnerten, stiegen aus und warfen leuchtende Käfige auf den Boden. Das eine Schweinswesen aktivierte irgendetwas an dem Käfig. Nach einigen Sekunden materialisierte dort plötzlich ein Mausbiber.

Parafallen, wisperte Kathy. Die jagen die Mausbiber!

Der Vorgang wiederholte sich und die Käfige waren nach einer Weile gefüllt. Insgesamt waren sieben Ilts in den Käfigen gefangen, doch Kalky und Cuty waren nicht darunter, soweit Kathy es sehen konnte. Ein weiterer Gleiter fuhr auf. Er kam vom Berg mit dem Nebel. Zwei große, menschenähnliche Wesen stiegen aus. Doch ihre Körper waren verstümmelt, vernarbt. Sie sahen gruselig aus.

Das Schweinswesen begrüßte die beiden im Riff-Idiom mit Herren.

Kathy und Nataly beherrschten inzwischen die Sprache gut. Der Schweinsmann hielt einen Stock mit energetischen Spitze in einen der Käfige. Der Elektroschock ließ den Ilt laut und schrill aufschreien.

Es war so grausam. Am liebsten hätte Kathy den armen Kleinen sofort befreit!

Als der Ilt offenbar bewusstlos war, nahm das Schweinswesen ihn aus dem Käfig und gab ihm dem großen Menschen. Dieser schaute sich das Wesen an, dann verwandelte er sich plötzlich in eine grässliche Kreatur mit großem Maul und Zähnen und biss in den Ilt hinein. Er riss ihm die Gurgel raus und aß von seinem Fleisch. Nataly wollte aufschreien, doch Kathy hielt ihre Hand vor Natalys Mund.

Der Riese nahm ein Messer und schnitt den Biberschwanz ab. Er hing ihn sich als Trophäe an den Gürtel. Kathy wurde übel.

Das Fleisch ist zart und das Fell weich. Sehr gute Ware. Wir nehmen alle.

Das Schweinswesen freute sich. Er gab Anweisung, die Käfige auf den Gleiter der beiden Monster zu laden.

Sagt dem Fürsten, es ist immer wieder eine Freude für ihn zu arbeiten, sagte der Schweineartige und erhielt glänzendes Metall, offenbar Geld, als Preis von den beiden Wesen.

Nachdem alles eingeladen war, schwebten sämtliche Gleiter davon. Kathy hielt sich nur mit Mühe das Brechen zurück, während Nataly weinte. Der arme tote Ilt. Und das Schicksal der anderen sechs war ebenfalls besiegelt. Wie konnte ein Wesen nur so grausam sein? In barbarischen Zeiten Terras hatte es jedoch auch Menschen gegeben, die Tiere oder Halbintelligenzen für Fleisch und Kleidung töteten. Diese barbarischen Zeiten waren aber seit Jahrtausenden Gott sei Dank vorbei.

Kapitel 3
Erinnerungen II

Es hatte aufgehört zu regnen. Norsha lag immer noch fest an ihm gekuschelt und schlief. Medi war wieder wach geworden. Die drei Monde schienen direkt ins Fenster. So leise und behutsam es ging, stand er auf und wollte die Rollläden schließen. Da bemerkte er draußen zwei Gestalten.

Der eine packte den anderen und schien ihn zu schlagen. Er war viel größer. Medi zog sich schnell etwas über, vergewisserte sich, dass Norsha noch schlief, und eilte hinaus.

Aufhören!, rief er.

Der Mann hörte tatsächlich auf. Er starrte in Richtung Medi. Seine Augen leuchteten. Medi erschrak sich, wusste nicht, ob er nicht lieber zurückgehen sollte.

Der Fremde packte den anderen, legte ihn über die Schulter und rannte los. Medi hatte keine andere Wahl, als ihm zu folgen, sonst wäre der Mann vermutlich gestorben. Er hatte keinen Kommunikator bei sich, sonst hätte er um Hilfe rufen können. Es gab ein paar alyskische Sicherheitsbeamte in der Transmitterstation, die ihm sicher hätten helfen können. Doch dafür war nun keine Zeit mehr.

Er folgte dem Einheimischen durch das Dickicht. Medi wäre beinahe gestolpert, denn plötzlich stand er vor einem Abhang. Er konnte kaum etwas sehen und ging behutsam herunter. Nach einigen Metern erreichte er einen Weg, der zu einem alten Gemäuer führte. Das war bestimmt schon einige hundert Jahre alt.

Na ja, es war vielleicht jünger als er selbst. Aber im Gegensatz zu ihm war es seit Jahrhunderten vermutlich nicht mehr gepflegt worden.

Halten Sie an!, rief er dem Mann hinterher. Doch dieser hörte nicht. Er stürmte in das Gemäuer. Medi rannte hinterher, wollte ihm den Vorteil nehmen, sich in dem Gebäude zu verstecken. Medi erhaschte den Verbrecher auf dem Weg zu Treppe. Er eilte hoch und blieb plötzlich stehen.

Du bist kein primitiver Mureser, stellte der Mann fest.

Nein. Ich bin Alysker.

Oh, Alysker. Ja … Er lachte. Das war ich auch einmal.

Das Wesen warf den Mann einfach über das Geländer. Medi eilte zu ihm, doch er war tot. Eine klaffende Wunde am Hals musste ihn getötet haben. Es war schrecklich.

Waren … waren Sie das?

Das Wesen trat aus dem Dunkel hervor. Durch das Mondlicht konnte Medi ihn deutlich erkennen. Er erschrak. Das Wesen erinnerte an einen Alysker, doch er war bleich, wirkte verstümmelt. Das Gebiss war das eines Raubtieres.

Ja, ich hatte Hunger. Sein Blut war so süß.

Medi glaubte nicht, was er da hörte. Die Kreatur hatte das Blut des Muresers getrunken! Kein zivilisiertes Wesen tat so etwas!

Wieso?, brüllte Medi verzweifelt. Er war fassungslos über soviel Brutalität.

Ich ernähre mich davon. Wir brauchen das Blut oder vielmehr gewisse Stoffe im Blut, um leben zu können.

Medi verstand nicht. Er beschimpfte das Wesen als Mörder.

Mörder? Mörder sind diejenigen, die uns dazu gemacht haben. Als der Virus auf dem siebten Planeten ausbrach, da kannten unsere Brüder das Gegenmittel, doch sie zogen es vor, uns krepieren zu lassen. Doch auch wir Ylors waren Alysker. Wir entwickelten Gegengifte und der Virus mutierte!

Was?

Medi war völlig überrascht. Ein Ylors? Er stand tatsächlich einem Untoten gegenüber. Medi fing an zu zittern, hatte Angst.

Das versetzt dich in Erstaunen? Darf ich mich vorstellen? Einst war ich der anerkannte Fürst Glondifel, Militärberater von Nargul! Das ist Millionen Jahre her. Nun bin ich nur Glond, der Ylors. Ein Heimatloser, der vom Tod der anderen lebt.

Medi verlor plötzlich die Angst. Dieser Ylors war anders, als in die herzlosen, brutalen und primitiven Bestien in den Geschichten. Er wirkte beinahe kultiviert.

Glond schritt die Treppe herab.

Habe keine Furcht. Ich werde dich nicht essen. Du bist der Erste seit Jahrtausenden, der sich mit mir unterhält und weiß, was ich bin.

Medi sah ihn fragend an.

Es gibt noch welche von uns. Doch sie sind weit verstreut im Kreuz der Galaxien. Tausende und wir haben die Möglichkeit, noch viel mehr so zu machen, wie wir. Nicht nur Alysker.

Glond erklärte, dass der Virus, der die meisten Ylors hingerafft hatte, nach Experimenten mutiert war und nun nicht mehr tötete. Doch er veränderte die Überlebenden. Sie waren nun süchtig nach den Leukozyten, brauchten diese, um weiter bestehen zu können. Sie wurden empfindlich gegenüber dem Licht und waren noch weitgehend resistent gegenüber dem Tod. Seither streiften sie wie Untote durch das Kreuz der Galaxien, jagten ihre Lebensquellen und spotteten über die Sterblichkeit.

Die Ylors haben sich von den reißenden Bestien zu klugen Brüdern der Alysker entwickelt. Wir haben unsere Intelligenz wiedergefunden. Doch offiziell existieren wir nicht mehr. Eorthor lässt uns jagen und töten.

Wie?, wollte Medi wissen.

Desintegration ist sicherlich das effizienteste Mittel um einen Ylors zu vernichten. Hohe Konzentration von Licht lässt uns verbrennen. Ihn in die Luft jagen ist auch eine Möglichkeit.

Medi besaß diese Möglichkeiten nicht. Doch er wollte dem Ylors auch nichts mehr tun. Im Gegenteil, er tat ihm sogar leid. Es musste doch eine Möglichkeit geben, die Ylors in den Völkerbund des Kreuzes der Galaxien wieder zu integrieren. Die künstliche Gewinnung von weißen Blutkörperchen war sicherlich kein Problem. Kein Wesen musste mehr sterben. Medi erklärte dies dem Ylors.

Glond lachte voller Hohn und Spott. Das würde Eorthor nie zulassen. Die Ylors passen nicht in sein Weltbild, wir erinnern ihn immer an das Versagen der Alysker. Glond trat näher. Ich vergaß noch etwas zu erwähnen. Er packte Medi am Hals und drückte fest zu. Wir lieben unser Leben. Künstliches Blut schmeckt widerlich. Und die Befriedigung, die Beute zu jagen und zu erlegen, wollen wir keinesfalls missen.

Hilfe … Medi hustete.

Pscht, hab keine Angst, mein Sohn. Es ist gleich vorbei.

Medi fing an zu weinen. Ich will ... will nicht sterben. Norsha. Nein!

Ach? Du bist verliebt? Wie goldig. Wo ist sie? Ich will von ihr kosten! Nein, ich habe eine bessere Idee. Tue es selbst und erfahre, wie es ist, ein Ylors zu sein.

Glond öffnete seinen Mund und biss in den Hals von Medi. Dieser spürte starke Schmerzen, dann ein Gefühl des Glücks, gleichzusetzen mit dem Orgasmus nach dem Sex mit Norsha. Dann wurde ihm kalt. Er bekam keine Luft mehr und alles um ihn herum wurde dunkel.

Kapitel 4
Unter Mausbibern

Nach tagelangem Suchen hatten Kathy und Nataly endlich die Mausbiberherde wieder gefunden. Einige rannten weg, wagten es aber offenbar nicht zu teleportieren. Nur Kalky und Cuty verharrten an ihrem Platz und beäugten sie.

Zögerlich gingen die beiden Terranerinnen näher, bis Cuty schließlich auf sie zu watschelte. Nataly nahm ihn behutsam auf den Arm und streichelte ihn.

Kathy knurrte langsam der Magen. Sie hatten nicht viel gegessen, waren vorsichtig gewesen, was die Natur im Wald angeboten hatte. Beeren hätten giftig sein können, doch Gott sei Dank waren sie am Morgen nach der Jagd an einem Bauernhof vorbei gekommen. Auch dort lebten diese Schweinswesen. Die beiden hatten Obst und Wasser gestohlen. Soviel sie tragen konnten. Doch der Vorrat war langsam verbraucht.

Kathy deutete an, dass beide Hunger hatten. Kalky verstand offenbar als Erster und gab den beiden einen Salatkopf und zwei Mohrrüben, die er aus einer kleinen Höhle geholt hatte. Dann deutete er an, sie sollten mitkommen. Sie kamen in ein kleines Waldstück und staunten nicht schlecht, als sie Hütten entdeckten. Hier lebten die Ilts offenbar! In einer Grube loderte ein Feuer, Guckys Artgenossen waren also nicht so primitiv, wie sie zuerst angenommen hatten.

Auf einem Spieß briet eine dicke Mausbiberfrau mit grauem Fell ein Stück Fleisch. Im Gegensatz zu Gucky waren die Ilts im Riff also nicht nur Vegetarier, aber wer mochte es ihnen verdenken, das Leben schien für sie hart zu sein.

Die beiden setzten sich an das Lagerfeuer. Kalky watschelte in eine große Hütte. Wenig später kam er mit einem dürren, ausgemergelten Mausbiber zurück, der Schmuck um den Hals trug. Vielleicht war dies eine Art Häuptling.

Asha hasa schuhuschi?, fragte der Ilt.

Kathy hatte natürlich keine Ahnung, was der damit meinte. Sie zuckte mit den Schultern und sagte ihren Namen. Sie würden wohl noch einen weiten Weg vor sich haben. Kathy beschloss, den Mausbibern ihre Sprache zu lehren.

Liebster Aurec,

seit drei Wochen sind wir jetzt bei den Mausbibern. Sie haben mir einen Stift und Papier geschenkt. Vermutlich haben sie es von dem Bauernhof in der Nähe gestohlen.

Ich bin froh darüber, denn so kann ich Dir wenigstens schreiben, mein Liebster. Die drei Wochen waren auf gewisse Weise sogar schön. Obwohl wir in ständiger Angst leben, niemals mehr die DUNKELSTERN zu finden und von den seltsamen Schweinsmännern angegriffen zu werden, ist es schön bei den Ilts. Sie sind herzlich, verspielt, niedlich und machen sogar Fortschritte in der Sprache. Besonders Cuty und Kalky! Ich wünschte, Gucky könnte das mit ansehen.

Es sind bestimmt mehr als einhundert Mausbiber in dem Dorf im Wald. Sie besitzen wohl keine telepathischen Fähigkeiten, doch alle sind Telekineten und eine große Anzahl auch Teleporter.

Wir haben nun schon Oktober. Es ist schon wieder so lange her, dass wir uns gesehen haben. Und das für ganze zwei Tage nur! Es ist schrecklich. Zwei Tage in den letzten zwei Jahren! Ich bete, dass unsere Beziehung das aushält und Du Dir nicht eine Neue suchst, wie diese alyskische Tussi!

Aber nein, ich habe Vertrauen zu Dir. Du wirst mich nicht hängenlassen, wirst Du doch nicht? Du liebst mich doch noch? Langsam fange ich an zu zweifeln, denn wir sehen uns ja nie. Ich mache jetzt lieber mit dem Sprachunterricht für die Mausbiber weiter.

In Liebe, Deine Kathy!

Sie versuchte die Selbstzweifel, die seit Wochen an ihr nagten, zu vergessen, doch immer wieder fragte sie sich, ob Aurec nicht besser ohne sie dran wäre? Er brauchte Liebe, und wenn Kathy ständig von ihm getrennt war, konnte sie ihm keine geben.

Kathy blickte zu Nataly rüber.

Wieso schreibst du eigentlich nie Briefe an Jonathan?, wunderte sie sich.

Nataly schob sich eine Zigarette in den Mund, zündete sie an und zog genüsslich daran. Weil ich ihn nicht mehr liebe, fürchte ich.

Was?

Kathy war wie vor den Kopf gestoßen. Nataly liebte Jonathan nicht mehr? Niemals! Sie hatte doch über die Jahre hinweg immer wieder ihre ewige Liebe und Treue zu ihm betont.

Wir sind seit knapp elf Jahren zusammen und irgendwie ist die Luft raus bei mir. Ich habe es gemerkt, als ich ihn auf SOLARIS STATION wiedergesehen habe. Und es ist mir hier im Riff endgültig klargeworden. Ich liebe ihn nicht mehr.

Aber die Gefühle können doch nicht einfach weg sein? Ihr habt soviel durchgemacht, ihr seid verheiratet. Ich …

Kathy war sprachlos. Zwar hatte Nataly in der letzten Zeit immer wieder komische Andeutungen gemacht, aber das war doch seltsam. Sie verstand es nicht! Für Kathy war es das höchste Ziel, Aurec wiederzusehen. Der Gedanke gab ihr Kraft und ließ sie die ganze Hölle hier ertragen. Aber welche Ziele hatte Nataly?

Nataly schien Kathys zweifelnden Blick richtig zu interpretieren.

Ich bin eine unabhängige, selbstbewusste Frau geworden. Das abenteuerliche Leben macht mir Spaß. Es zeigt mir, dass ich selbst einiges drauf habe. Männer brauche ich dazu nicht mehr. Es ist schwer zu beschreiben, aber ich vermisse Jonathan nicht. Er fehlt mir nicht mehr. Es klingt hart, aber so ist es nun einmal.

So ist es nun mal? Nein, das ist mir zu schwammig! Da stimmt etwas nicht. Hast du einen anderen? Oh nein, doch nicht etwa Danton?

Nein, Quatsch!

Was ist es dann? Du bist früher deinem Ehemann sogar zum SONNENHAMMER gefolgt.

Die Zeiten ändern sich, Kathy, oder nicht? Damals warst du eine Verräterin!

Kathy fühlte sich jetzt angegriffen. Wieso spielte Nataly wieder darauf an. Sie dachte, Nataly hätte ihr das längst verziehen.

Es ist nicht Danton gewesen, sondern Roland Meyers. Wir hatten etwas Spaß. Eine Beziehung mit ihm will ich aber nicht. Wie gesagt, bin unabhängig.

Eine Affäre mit Roland Meyers? Kathy brauchte erst einmal eine Weile, um das alles zu verdauen. Sie dachte an Jonathan! Wie würde er es wohl aufnehmen? Bestimmt nicht gut. Was würde sie machen, wenn ihr Aurec gestehen würde, er liebe sie nicht mehr?

Sie würde durchdrehen, sterben wollen.

Nataly hatte doch alles Glück der Welt. Und sie warf es nun einfach weg und konnte es nicht einmal richtig erklären.

Wer weiß übrigens, ob wir jemals wieder zurückkehren? Morgen könnte der letzte Tag sein. Daran sollte man denken, damit man mehr vom heutigen Tag hat.

Sie stand auf und ging in den Wald. Kathy blickte ihr traurig hinterher. Nataly hatte sich verändert. Die zwei Jahre des Krieges waren nicht spurlos an ihr vorbeigegangen und hatten offenbar, nein wohl definitiv, ihre Ehe mit Jonathan zerstört.

Sie seufzte und wandte sich wieder an Cuty, der sie erwartungsvoll anstarrte.

Guten Morgen, Cuty!

Gutzen Morjen, Kathy. Weia gehtsen dir des?

Der Ilt kicherte. Kathy war gar nicht zum Lachen zumute. Sie dachte an Aurec und fing an zu weinen. Schnell wischte sie sich die Tränen vom Gesicht, doch Cuty hatte es längst bemerkt. Er setzte sich auf ihren Schoß und umarmte sie.

Kathy traurig?

Sie nickte nur.

Hab Kathy lieb. Nixa traurig tun. Cuty haben Kathy lieb.

Sie erwiderte die Umarmung und drückte ihn fest an sich.

Cuty jetzt nixa Luft bekomme …

Ups!

Sie ließ ihn wieder los und lachte verlegen. Das wollte sie natürlich auch nicht. Sie war heute wohl etwas durch den Wind.

Moin! Mann, ist das wieder ein beschissener Morgen! Na Cuty, hast du wieder Kacka auf Schwanz gemacht?

Kathy starrte Kalky, der gerade aus der Hütte kam und während er auf sie zuwatschelte, seinen Allerwertesten kratzte, entsetzt an. Er lernte wirklich sehr schnell. Insbesondere verstand er es gut sich die Kraftausdrücke, die Nataly und ihr manchmal rausrutschten, zu merken.

Ach ja! Was lernen wir heute? Wie ihr Terranerinnen nackt ausseht? Das würde mich biologisch sehr interessieren. Hast du auch irgendwo ein Fell?

Beinahe hätte Kathy ihm geantwortet, doch es wurde ihr zu bunt. Kalky war ziemlich frech und hatte manchmal eine ziemlich ekelhafte Art an sich. Vielleicht tat er das aber auch nur, um sie zu provozieren.

Häuptling Antzschiwuschdrug hielt indes seine morgendliche Ansprache an sein Volk.

Kalky verdrehte die Augen. Der Alte labert wieder seinen üblichen Stuss zusammen. Du hast nicht noch so eine Zigallnette oder wie das Ding heißt, was raucht und mich so glücklich macht?

Nein, mein kleiner, dicker Kiffer! Alle Zigaretten weg. Und erinnere mich nicht daran, ich krieg nämlich Entzugserscheinungen!

Heute war wirklich ein furchtbarer Tag für Kathy. Nataly kam nun auch wieder hinzu und wirkte auch nicht sonderlich gutgelaunt, aber eigentlich sah sie so jeden Morgen aus. Augenränder, zerzauseltes Haar und ein Blick, der ganze Legionen hätte töten können.

Fertig geschrieben?, fragte Kathy provozierend.

Ja, kam die knappe Antwort.

Erzuhlst die uns von Gucky! Renner des Uttiversums?, fragte Cuty mit seinem gebrochenem Interkosmo.

Der heißt Retter des Universums. Kapierst du denn gar nichts? Kalky sah seinen kleinen Bruder böse an.

Rettel des Fuffiverdums?

Ich gebs auf. Erzählt mir lieber von diesem Getränk, dass auch so ne Wirkung hat, wie eine Zigarette. Vurguzz!

Kalkys Augen leuchteten. Es war erstaunlich, welches Interesse er an den Rauschmitteln zeigte. Kathy seufzte. Leider hatte ihr Sprachunterricht zwar zur Verbesserung der Kommunikation beigetragen, doch wie sich herausstellte, war Cuty nicht in der Lage, die beiden zurück zur DUNKELSTERN zu teleportieren. Er war nur zufällig auf die DUNKELSTERN geraten und beherrschte die Teleportation noch nicht sehr präzise. Cuty war im Maßstab der Mausbiber noch ein Kleinkind. Kalky war der älteste Bruder von 21 Geschwistern. Cuty war das Nesthäkchen.

Die Ilts lebten in den Wäldern, in Höhlen und auf den Weiden. Sie ernährten sich hauptsächlich von Wurzeln, Salaten und Früchten, aßen aber auch Fleisch. Zumeist aber eher Aas, welches sie kochten. Die Mausbiber waren keine ausgesprochenen Jäger, obwohl sie als Telekineten und Teleporter leicht dazu in der Lage waren, aber offenbar verfügten sie doch über eine gewisse Ethik und töteten wohl nur sehr selten und wenn auch nur, wenn sie wirklich Hunger hatten.

Sie lebten isoliert in den Wäldern und erzählten, dass es so seit Anbeginn der Zeit war. Die Großen Fremden kümmerten sie herzlich wenig, doch sie wussten, dass die Großen Jagd auf sie machten. Es gab noch andere Mausbiberstämme, doch viele waren inzwischen ausgerottet.

Die Weiden waren immer unsicherer geworden, doch wo immer sie auch hinzogen, die Großen folgten ihnen. Kathy vermutete, dass die Entfernung, in der die Mausbiber rechneten, nicht groß war. Da die Schweinswesen und ihre Auftraggeber über Parafallen und Gleiter verfügten, besaßen sie einen soliden technischen Standard. Damit konnten sie bestimmt Mausbiber schnell lokalisieren.

Die Ilts schwebten in großer Gefahr und wurden wahrscheinlich nur in Ruhe gelassen, damit sie sich natürlich vermehrten und so die Population konstant blieb.

Doch Kathy vermutete, dass das Volk der Mausbiber auch hier zu einer bedrohten Art gehörte. Die Ilts waren im Glauben, dass sie im Wald sicher waren, doch Kathy bezweifelte das. Sicher konnte man die Ilts auch hier orten. Man ließ sie nur in Ruhe, bis wieder Bedarf an ihrem Fleisch und Fell war.

Hör zu, Kalky! Ohne Technik sind wir hier aufgeschmissen. Wir können nicht bis an unser Lebensende hier versauern, meinte Nataly. Wir müssen etwas unternehmen.

Huschi schöny hyri!, brüllte der Stammesälteste plötzlich.

Was?, fragte Kathy.

Unser Opa meint, dass es hier doch schön ist und wieso ihr weg wollt, übersetzte Kalky.

Weil wir auch Familie haben, dort oben in den Sternen. Und da wollen wir wieder hin!, erklärte Kathy.

Kalky stand auf. Und ich helfe euch dabei. Eure Welt klingt interessant! Diesen Gucky will ich mal kennenlernen.

Kathy lachte und war ziemlich überrascht. Ausgerechnet Kalky bot ihnen Hilfe an, dabei hatte sie selten so einen Egozentriker kennengelernt, aber offenbar pochte tief hinter seiner Speckschicht doch ein gutes Herz.

Also gut. Wir haben nur eine Chance, die DUNKELSTERN zu finden, wenn wir an Technik herankommen. Wir müssen also welche suchen, meinte Kathy.

Dann werden wir eine Expedition starten. Viele Fußmärsche oder wenige Teleportationen in Richtung der ewig scheinenden Sonne sind Städte mit Türmen aus leuchtendem Stoff. Dort werden wir sicherlich etwas finden, nur …

Was denn, Kalky?, wollte Nataly wissen.

Wir müssen durch das Gebiet der Husaaven, die ihr als Schweinsmänner bezeichnet. Und diesen gefährlichen Weg müssen wir zu Fuß bestreiten, da ich mich nicht traue zu teleportieren. Ihre Fallen ... nun ja, ich möchte in keinem solchen Käfig landen.

Das verstand Kathy nur zu gut. Sie war dem Ilt dankbar, dass er sie begleiten wollte. Leider fanden sich keine anderen Freiwilligen für die Mission, was Kalky sichtlich schockierte. Er sprach davon, dass sie zu der leuchtenden Stadt wohl Monate unterwegs sein würden. Doch es war besser, als Monate des Nichtstuns.

Kapitel 5
Erinnerungen III

Gier!

Verlangen!

Rausch!

Danach sehnte es Medi. Die Wunde puckerte und brannte. Sein ganzer Körper bebte innerlich vor Begierde. Ein Durst nach süßem Saft trocknete seine Kehle aus.

Norsha, schoss es ihm durch den Kopf. Sie musste noch schlafen. Ein Schmerz durchzuckte Medi. Er ging auf die Knie. Sein Schädel hämmerte. Wo war er?

Jetzt fiel es ihm ein.

Glond?

Stille!

Wo war der Ylors? Was hatte er ihm angetan? Medi riss sich zusammen und lief zurück zum Blockhaus. Er wusste nicht, wie lange er weg war. Norsha erwartete ihn.

Medi! Wo warst du?

Sie erschrak, als sie das Blut sah. Sofort kümmerte sie sich um ihn. Rasch reinigte sie die Wunde und sprühte Plasma drauf.

Was ist passiert, Liebling?

Ich wurde angegriffen. Als ich die Fensterläden schließen wollte, sah ich, wie ein Mann überfallen wurde. Ich versuchte ihm zu helfen, doch der Angreifer hat mich irgendwie erwischt und ist entkommen. Ich muss wohl eine Weile bewusstlos gewesen sein.

Medi erzählte Norsha nichts von dem Ylors. Er wollte sie nicht beunruhigen. Sie sollte noch in Stimmung sein. Sie beugte sich vor, um die Wunde zu verbinden. Oh, sie roch so gut. Eine Brust blitzte aus dem Morgenmantel heraus. Mehr als diesen kleinen Fetzen trug sie nicht. Medi hätte sie am liebsten sofort gepackt und es mit ihr auf dem Fußboden getrieben. Der Drang sie zu berühren, von ihren Lippen zu kosten, sie zu lecken war unvorstellbar groß.

Medi spürte eine noch nie geahnte Lust in sich. Er fühlte sich stark und mächtig. Er fühlte, wie das Blut des Ylors in ihm rann. Wie der Virus sich verbreitete. Eigentlich hätte er sich fürchten müssen, doch er genoss es. Was war er schon als Alysker? Ein Nichts, der endlich nach über dreihundert Jahren mal ein Mädchen flachlegen durfte. Ein Poet und ein Dichter. Ein Weichling!

Das Universum stand ihm offen. Nicht nur dieser blöde, schimmlige Planet Alysk!

Und Norsha

Er konnte nicht mehr widerstehen, riss ihr den Mantel vom Leib und schleckte an ihren Brüsten. Sie wehrte sich nur ein wenig, sah Medi verständnislos an und wurde dann doch von der Ekstase angesteckt.

Hastig vereinte er sich mit ihr. Sie schrie kurz auf, dann ließ er sich mit ihr zu Boden fallen und stieß immer wieder zu.

Medi … du tust mir weh.

Das war mir in diesem Moment gleich. Nur seine Lust zählte für ihn. Medi wollte keine romantischen Momente der Sanftheit. Roh und wild gab er sich seinen Gelüsten hin, bis er in ihr kam.

Er unterdrückte das Verlangen, von ihrem Saft zu kosten. Er wollte Norsha nicht töten und er wusste nicht, wie er sie zu einem Ylors machte. War er denn selbst schon einer? Er stand auf, wurde müde und fiel ins Bett.

Norsha legte sich nach einer Weile zu ihm. Du warst so grob. Was ist geschehen dort draußen? Belastet es dich?

Medi musste lachen. Sie zeigte sogar noch Verständnis für seinen Ausbruch. Sie war schwach und doch liebenswert zugleich. Norsha sollte Medis Gefährtin bleiben.

Er sah ihr in die Augen und plötzlich war die Liebe wieder da. Was tat er eigentlich? Er entwickelte sich zu einem Monster! Das durfte nicht sein. Er musste diesen Virus bekämpfen! Er wollte ein wundervolles Leben mit Norsha führen und keine mordende Bestie werden! Er musste kämpfen!

Medi erhob sich. Wir müssen zurück nach Alysk. Ich fürchte, ich bin krank. Nur Eorthor kann mir helfen!

Medi wollte aufstehen, doch seine Knie wurden weich. Alles wurde wieder schwarz um ihn herum. Ein stechender Schmerz lähmte seinen ganzen Körper. Leise und so unendlich fern hörte er Norshas Stimme, dann wurde es still.

Kapitel 6
Thol2777

Etwas irritiert betrachtete Roi Danton seinen Ersten Offizier Roland Meyers und die Riffanerin Pyla, die ihm gegenüber saßen und kichernd kuschelten. Meyers hatte deutlich zu viel Tholrum getrunken. Seine Haare waren zerzaust und die Augen rot unterlaufen.

Pyla war wie immer – wirkte, als hätte sie ein Fass Vurguzz getrunken, aber so war sie oftmals auch, wenn sie nüchtern war. Nicht ganz so extrem, aber unverkennbar sie selbst.

Tja, viel hatten sie auch nicht zu tun, außer herumzusitzen und zu trinken. Sie hatten wenig Einfluss auf die Reparatur der DUNKELSTERN. Seit Wochen dümpelten sie in den Kneipen herum. Roi empfand die Warterei als schrecklich langweilig. Nicht einmal mit Pyla konnte er sich vergnügen, da sie offenbar einen Narren an Roland Meyers gefressen hatte. Der smarte Ex-Quarteriale ließ auch nichts anbrennen. Erst Nataly Andrews, nun Pyla und sicherlich hatte er mit Maya Ki Toushi auch nicht nur Schach gespielt.

Rois Ego war etwas angeschlagen dadurch. Nicht, dass er eifersüchtig war, doch irgendwie geknickt. Doch er ließ es sich nicht anmerken, dachte er zumindest, denn plötzlich fragte Pyla säuselnd: Was ist denn los mit dir?

Danton war nicht danach, mit ihr jetzt zu reden. Er erhob sich, machte eine knappe Verbeugung und ging. Pyla ließ aber nicht locker. Sie folgte ihm durch die stickige Kneipe.

Hey, lass uns tanzen!

Sie kicherte, Roi verdrehte nur die Augen. Wieso hatte er diese Frau eigentlich mitgenommen? War es purer Egoismus? Wollte er sich nur die Chance auf etwas Abwechslung erhalten? Oder war ihm wirklich daran gelegen, ihren Wunsch zu den Sternen zu Reisen zu entsprechen? Er wusste es nicht, aber aus ungeklärten Gründen machte es ihn wütend, sie mit Meyers zu sehen. Dieser Typ war Roi langsam nicht mehr geheuer, sozusagen unsympathisch. Danton hatte wenig Zeit mit Jonathan Andrews und dessen Meister Gal’Arn verbracht, doch er wusste, dass der Terraner ein feiner Kerl war und sicher so etwas nicht verdiente.

Wieso mussten selbst die Terraner noch so schlecht sein? Enttäuscht nahm Roi einen großen Zug aus der Schnapsflasche.

Sein Papa hatte es doch versucht! Sicher konnte er generell die Spezies Mensch immer wieder vorantreiben, aber es kam doch auch ebenso beständig zu Rückschlägen.

Das Quarterium war der jüngste Beweis dafür. Roi seufzte. Und was tat er dagegen? Saß in einer Kneipe und soff Schnaps. Nun, immerhin war es ihm gelungen, das Riff näher zu erforschen, erste Verbündete zu gewinnen und leider drei Leute seiner Crew zu verlieren.

Er machte sich Vorwürfe! Was war, wenn Kathy und Nataly nun schon tot wären? Seit Wochen waren sie verschwunden und er hatte keine Möglichkeit, nach ihnen zu suchen. Ohne Raumschiff war das nicht möglich. Er besaß kein Geld, um ein weiteres zu heuern und Fyntross wollte ihm nicht helfen.

Der Fischkopf wartete wahrscheinlich nur, bis sich die richtige Gelegenheit für ihn bot, Roi den Hals abzuschneiden und sowohl die DUNKELSTERN als auch das Abbild der Ajinah abzunehmen. Doch er wäre nicht Roi Danton, König der Freihändler, wenn er nicht einen Plan B in der Tasche hätte.

Pyla hatte sich inzwischen wieder Meyers gekrallt, der auch willig mit ihr durch die Gegend hüpfte. Plötzlich verstummte die Musik. Die Wesen machten Platz für Kapitän Fyntross, Mumdök und ein fettes humanoides Schweinswesen, welches Danton unwirsch angrunzte.

Ich nehme nicht an, dass das unser Abendbrot ist?

Setzt euch, forderte Fyntross einigermaßen höflich. Das ist Tscherko, Lord der Husaaven, einem Volk auf dem Riff.

Einem mächtigen Volk! Wir handeln sogar mit den Ylors, erklärte Tscherko stolz.

Roi war über diese Information wenig erfreut. Das Misstrauen gegenüber dem Husaaven wuchs. Pyla schwankte zu ihnen und setzte sich grinsend neben Danton.

Tscherko grunzte abfällig. Eine Buuralerin! Wir schätzen dieses Pack nicht.

Fyntross lachte. Das ist das Bordmädchen der DUNKELSTERN. Mit ihren Diensten hält sie die Crew bei Laune.

Gar nicht, mischte sich Pyla ein. Hat jemand eine Zigarette für mich? Ich bezahle auch.

Nun lachte Tscherko. Womit?

Das wurde Roi jetzt zu bunt. Monsieurs et Madame, wie kann uns diese wandelnde Leberwurst weiterhelfen?

Natürlich wusste keiner etwas mit dem Begriff Leberwurst etwas anzufangen. Fyntross schaltete jedoch am schnellsten.

Tscherko soll einen erneuten Kontakt mit Medvecâ herstellen. Wir wollen immer noch das Bildnis der Ajinah loswerden.

Pyla versuchte derweil ein Kartenhaus aus Bierdeckeln zu bauen. Vergeblich jedoch.

Roi half ihr, doch auch er scheiterte. Konzentriert half er der Buuralerin die ersten Karten wieder aufzustellen, doch als sie die zweite Etage baute, brach alles wieder zusammen. Mit innerer Genugtuung registrierte Roi, dass sein offensichtliches Desinteresse zu Unbehagen bei seinen Gegenübern führte.

Nach einigen Minuten der Stille fragte Danton schließlich: Mit was handeln Sie eigentlich mit den Ylors?

Tiere! Die Ylors schätzen das Fleisch und das Fell der Springbiber.

Springbiber? Danton wurde hellhörig.

Ja! Sie können sich schneller als andere bewegen, erklärte Tscherko bedeutungsvoll. Er lehnte sich über den Tisch, was ihm bei seiner Figur jedoch schwer fiel. Sie sind Teleporter.

Teleporter?

Aye!, bestätigte Tscherko und starrte Danton aus seinen Schweinsaugen ehrfürchtig an. Er schien Respekt vor den Springbibern zu haben. Offenbar gab es keine parapsychologisch begabte Wesen außer ihnen auf dem Riff. Auf der anderen Seite war ihm der Begriff der Teleportation bekannt.

Für Roi bedeutete dies endlich eine Spur! Gut möglich, dass einer dieser Springbiber Kathy und Nataly entführt hatte.

Ich will noch ein Bier!, mischte sich Pyla ein und grinste seltsam. Und ich will tanzen.

Kann dieses Weibsbild nicht einmal die Klappe halten? Ich schlitze ihr gleich die Kehle durch, blubberte Fyntross ungehalten. Immerhin reichte das, damit Pyla kurzzeitig ihren Mund hielt. Doch nicht für lange. Sie streckte Fyntross die Zunge raus und erwiderte: Das wird Roilein nicht zulassen. Wenn du mich töten willst, musst du erst an ihm vorbei!

Wie?, fragte Roi entsetzt, während Fyntross vielsagend grinste. Danton wechselte schnell das Thema. Wo finden wir diese Springbiber? Ich habe Interesse an ihnen.

Wieso?, wollte Tscherko wissen.

Weil zwei seiner Besatzungsmitglieder von einem Springbiber entführt wurden, nahm Fyntross vorweg.

Aber du kennst doch die Region der Springbiber, Fyntross.

Tatsächlich?, fragte Danton irritiert.

Fyntross stieß einen gleichgültigen Laut aus.

Du hast mich nicht gefragt, Terraner!

Kaum zu glauben! Hätte Fyntross ihnen die Koordinaten der Heimat der Springbiber gegeben, wären Kathy und Nataly vielleicht schon längst in Sicherheit. Eines war jedoch gewiss; Fyntross war nicht zu trauen. Das bestärkte Roi Danton auch in seinem Vorhaben.

Und selbst wenn, erklärte Tscherko gleichgültig. Zwei schwache Frauen würden im Wald oder auf den Steppen nicht lange überleben. Die Ylors jagen in diesem Gebiet. Und wenn sie einem Husaaven in die Hände gefallen sind, sind sie vermutlich zu Futter verarbeitet worden.

Wie gemein!, meinte Pyla geistreich.

Roi hatte langsam genug. Er zog seinen Strahler und richtete ihn auf Tscherko. Nun, dann wirst du deine Kontakte spielen lassen, sonst werde ich dich zu Futter verarbeiten. Hier ist der Deal. Ihr bekommt das Abbild von Ajinah kostenlos, doch dazu müsst ihr mir helfen, Kathy und Nataly lebend zurückzubekommen. Sollten sie Geiseln der Ylors sein, werden wir das Bildnis als Tausch anbieten.

Niemals, mischte sich Mumdök ein. Das ist viel zu wertvoll.

Roi richtete den Strahler nun auf den Persy, der augenblicklich anfing zu zittern. Das Leben eines Individuums ist immer mehr wert als tote Materie, mein schwabbeliger Freund.

Ist das so?, fragte Fyntross, zog seinen Energiestrahler und richtete ihn auf Pyla, die entsetzt aufgluckste. Dann übergib uns sofort das Abbild oder ich töte deine kleine Freundin.

Dann töte ich dich, erwiderte Danton und zielte auf Fyntross.

Dieser lachte verlegen. Ein Patt. Nun gut. Ich halte Dantons Vorschlag für annehmbar. Lassen wir ihn nach den beiden Terranerinnen suchen und Tscherko wird mit Medvecâ verhandeln. Fyntross senkte die Waffe.

Also gut. Wir brechen auf, sobald die DUNKELSTERN einsatzbereit ist, schloss Mumdök die Besprechung. Danton stimmte zu, nahm Pyla bei der Hand und verließ die illustre Kneipe.

Meinst du, wir finden Kathy und die zickige Frau?

Die zickige Frau und du haben immerhin eines gemeinsam: Meyers!

Ich bin nicht so eine!

Vielleicht wirklich nicht.

Roi wollte darüber nicht diskutieren. Er musste nachdenken und brauchte die Koordinaten von Tscherko vor dem Abflug. Weder Fyntross noch irgendjemand anderes von den Piraten durfte an Bord der DUNKELSTERN. Im Moment wurde sie gut von Dantons Leuten bewacht, doch er war sich gewiss, dass Fyntross die erste Gelegenheit nutzen würde, Danton in den Rücken zu fallen.

Er sah zu Pyla. Die nächsten Tage oder gar Wochen werden sehr gefährlich werden. Bist du sicher, dass du das durchstehst?

Sie versuchte zu salutieren. Ja, Monsieur! Dann kicherte sie los.

Roi atmete tief durch. Er teilte nicht ihren Optimismus.

Kapitel 7
Erinnerungen IV

Dunkelheit!

Wo war er? Was war geschehen?

Norsha?, brüllte er.

Keine Antwort.

Medi öffnete die Augen. Das All! Soweit er sehen konnte, Sterne! Er versuchte sich zu bewegen, doch es war alles so eng hier.

Ein Sarg! Es dämmerte Medi! Er war beigesetzt worden. Sie hatten ihn zu den Sternen geschickt. Aber er war doch nicht tot. Er lebte! Er lebte, das mussten sie doch wissen!

Er verwünschte sie alle! Wie konnte Norsha ihm das antun? Medi zitterte, es dürstete ihm nach Blut, dem köstlich süßen Saft, den er noch niemals getrunken hatte. Er fing an zu weinen, als er realisierte, dass er nun bald auf jeden Fall starb.

Hätte er doch wenigstens Norsha noch einmal gesehen. Sich von ihr verabschieden können. Sie hatte ihm den schönsten Moment in seinem Leben geschenkt. Und danach hatte er sie so schlecht behandelt. Doch sie hatte es ihm verziehen, weil sie ihn liebte. Er liebte sie auch. Und ihr sollte sein letzter Gedanke gelten.

Hört ihn euch an, den Poeten!

Was war das?

Er jammert und klagt, möchte am liebsten wieder unter den Rockzipfel seiner Freundin.

Wer sprach da?

Wir sind die Ylors. Du bist gestorben, mein Freund. Du hast das Blockhaus nicht lebend verlassen. Doch du bist wiedergeboren als Ylors. So ist der Lauf des Virus nun einmal. Und wie du vielleicht bemerkt hast, sind wir mächtiger als die Alysker. Wir beherrschen Telepathie.

Medi war ein Ylors?

Nun war es Gewissheit. Doch im Gegensatz zu dem Tag im Blockhaus freute er sich nicht darüber.

Glond?

Ja, ich bin hier. Wir sind Meister des Geistes und des Körpers geworden. Nutze deine übersinnlichen Fähigkeiten. Suche ein Raumschiff, bringe es her, damit sie dich abholen.

Medi verstand nicht, was Glond von ihm wollte. Da bemerkte er es plötzlich. Tausende von Stimmen wuselten in seinem Kopf herum. Er hörte sie oder las sie. Das war Telepathie! Medi konzentrierte sich auf umliegende Stimmen in der Nähe. Da war ein Kommandant eines Transporters.

Komm zu mir und hole mich!, rief Medi.

Er befahl es ihm und fühlte, wie sich der schwache Geist des Talsonen ihm beugte.

Es dauerte einige Tage, dann wurde sein Sarg gefunden und vom Raumschiff aufgenommen. Medi hatte großen Durst! Die Besatzung der Talsonen starrte ehrfürchtig auf den Sarg. Medi öffnete die Augen, sie erschraken, dann öffneten sie den Sarg.

Das Bärenwesen half ihm aus dem Sarg. Ein Wunder! Was ist geschehen? Wie seit Ihr in dieses Behältnis gekommen?

Medi beschloss, eine Ausrede zu verwenden. Er erklärte den einfältigen Talsonen, dass dies eine Rettungskapsel war und seine Jacht in Not geraten war.

Ihr seid meine Rettung, Talsonen, schloss er. Ich bin Alysker und muss zurück in meine Heimat. Sonst werde ich Opfer des Fluches der Kosmokraten!

Wie ist Euer Name, Herr?

Medi war er nicht mehr. Medi war tot.

Ich bin Medvecâ.

Medvecâ wollte nicht nach Alysk. Vorerst nicht. Er hatte andere Pläne, nun da er ein Ylors war. Er nutzte seine suggestiven Fähigkeiten, um die Talsonen zu beeinflussen. Sie brachten ihn nach Mures. Dort hatte alles seinen Anfang genommen.

Medvecâ konnte dem Drang nicht mehr länger standhalten. Er fühlte sich schlecht, schwach und ausgebrannt. Der Virus machte sich bemerkbar. Er wusste nicht, wielange ein Ylors ohne Blut überlebte, doch er wollte es auch nicht ausprobieren.

Er begab sich in ein Dorf, als es Nacht wurde, denn die Sonne brannte tatsächlich auf seiner Haut. Die Bürger feierten ausgelassen ein Dorffest. Die Menschen waren betrunken und eine leichte Beute. Medvecâ wollte aber etwas Leckeres haben. Sein Augenmerk fiel auf die Dirne, die neben einer Bude stand.

Es war ein Leichtes sie zu beeinflussen. Sie leistete keinen großen Widerstand, lächelte mich an und folgte mir ein Stückchen in den Wald. Er musterte sie. Dunkle Haare und Augen, ein athletischer Körperbau. Ja, sie war wirklich lecker.

Du bezahlst aber, klar? Nur weil hier ein Fest ist, brauchst du nicht zu denken, dass ich es umsonst tue!

Geld wird deine geringste Sorge sein.

Sie lächelte und machte sich frei. Das war sehr zuvorkommend. Ohne Umschweife biss er in sie hinein, riss ihr die Gurgel heraus und trank ihr Inneres.

Wohlige Schauer überkamen ihn. Medvecâ ließ ihren leblosen Körper fallen, schleckte das Blut von seinen Fingern und genoss das Leben, das nun in seinen Adern pulste.

Nun war er endgültig ein Ylors.

Medvecâs nächstes Ziel war Glond, sein Schöpfer! Er betrat die dunkle Ruine. Es fiel ihm erst beim zweiten Besuch auf, dass sie schäbig war. Warum lebte ein Herr über die Nacht in so einem baufälligen Gemäuer? Wieso nutzten die Ylors ihre Macht nicht aus?

Weil Eorthor uns vernichten würde. Wir sind nur noch einige zehntausend im gesamten Kreuz der Galaxien. Was sollen wir gegen unsere Brüder ausrichten? Wir sind dazu verdammt, in der Finsternis unerkannt zu leben.

Medvecâ musterte Glond abfällig. Er war verweichlicht. Doch vorerst brauchte er ihn.

Unterweise mich in den Künsten eines Ylors.

Glond betrachtete den jungen Ylors, dann nickte er. Und so geschah es die nächsten Monate. Medvecâ lernte alles über die Ylors. Sie besaßen telepathische und suggestive Fähigkeiten, waren aber auch in der Lage, ihre Gestalt zu verwandeln. Ja, sie konnten sogar in anderer Form fliegen. Medvecâ genoss mit jedem Opfer mehr und mehr seine Macht und vermisste nichts mehr von seinem alten Leben.

Bis auf eines: Norsha!

Ein Jahr war seit seinem Tod vergangen. Genau vor einem Jahr war es geschehen. Der Tag, der sein Leben verändert hatte. Er wippte gelangweilt auf dem Sessel hin und her, während er die Bilanzen seines Unternehmens studierte.

Im Gegensatz zu Glond hatte er sich den Planeten Mures zu nutzen gemacht und ein wirtschaftliches Imperium aufgebaut. Er besaß viele Ländereien und war ein Fürst auf Mures. Die Leute bewunderten den kühnen, klugen Medvecâ und er genoss diese Macht.

Doch heute war es anders. Es dürstete ihn nicht nach Blut, sondern sein Herz war von einer seltsamen Sehnsucht umgeben. Vor einem Jahr …

Er stand auf und verließ sein Anwesen. Er ging den Weg zum Blockhaus zu Fuß. Dort hatte er sein altes Leben verloren. In diesen vier Wänden hatte er Norsha geliebt und ebenso verloren. Es wäre ein Leichtes gewesen, sie wiederzufinden, doch er hatte Angst, dass er sie infizierte. Norsha liebte er immer noch aufrichtig.

Zwei Alysker standen vor dem Blockhaus. Ein Mann und eine Frau. Sie kniete sich nieder und legte Blumen davor. Ihr schulterlanges, blondes Haar war zu einem Pferdeschwanz gebunden. Das war unmöglich! Medvecâ ging näher.

Es war Norsha! Er wollte zu ihr, doch der Mann nahm sie in den Arm und küsste sie. Sie hatte also einen Neuen! Medvecâ wurde wütend. Er war gerade einmal ein Jahr tot und sie trieb es mit jemand anderen!

Das durfte nicht geschehen! Sie gehörte ihm! Ihm allein! Sie hatte gesagt, dass sie ihn liebte!

Medvecâ legte jegliche Vernunft beiseite und ging zu ihr. Er hätte sie beeinflussen können, doch das wollte er nicht.

Guten Abend, Norsha!

Erschrocken drehte sie sich um. Sie sah Medvecâ an, als hätte sie einen Geist gesehen. An dem war auch so. Medvecâ atmete tief durch.

Rührend, dass du meinen Todestag gedenkst. Medi ist tot führ wahr. Doch Medvecâ lebt und hat sich diesen Planeten als Domizil ausgesucht.

Norsha starrte ihn immer noch wortlos an.

Was ist denn, mein Liebling? Freust du dich gar nicht, mich wiederzusehen?

Wer immer Sie auch sind, hören Sie auf mit Ihren Späßen, sonst …, mischte sich der andere Alysker ein und spielte mit seinen Muskeln. Was für ein Prolet!

Sonst wird was geschehen? Töten Sie mich? Oh, das können Sie nicht, denn ich bin es schon. Fürst Medvecâ ist ein Lord der Ylors.

Norsha fing an zu weinen. Ihr Freund nahm sie am Arm und wollte mit ihr gehen.

Diese Welt verlässt niemand ohne meine Genehmigung!

Er drehte sich um. Das werden wir ja sehen, Medvecâ.

Du wirst hierbleiben!, befahl ich ihm. Und er gehorchte. Der Alysker blieb wie angewurzelt stehen. Ich ordnete an, er sollte auf die Knie gehen und er tat es.

Er ist so schwach …

Norsha sah Medvecâ skeptisch an. Ich kannte einen Alysker, der war ebenso schwach. Ein Poet und Dichter. Diesen Mann liebte ich. Doch ich weiß nicht, was du bist!

Diese Worte schmerzten Medvecâ. Dabei wollte er doch Norsha nur wiedersehen, in ihrer Nähe sein und ihre Wärme spüren.

Ich hatte nicht darum gebeten, ein Ylors zu werden, doch ich habe diese Bürde auf mich genommen. Ich existiere und dafür entschuldige ich mich nicht. Das Einzige, was aus meinem vorherigen Leben geblieben ist, bist du.

Er erklärte ihr, was geschehen war. Sie hörte in aller Ruhe zu.

Es gibt noch viele Ylors, doch wir sind Ausgestoßene. Wir werden geächtet, weil wir anders sind. Doch haben wir nicht auch das Recht zu leben und zu lieben?

Norsha ging einen Schritt auf Medvecâ zu, dann einen Weiteren, bis sie schließlich vor ihm stand. Dann umarmte sie ihn. Medvecâ hörte die Stimmen der anderen Ylors in seinem Kopf wirr durcheinander sprechen. Sie waren nicht einverstanden damit. Ein Ylors liebte nichts außer sich selbst.

Doch es ging ihm anders. Er war nicht wie die anderen Ylors. Norsha war das Bindeglied zu seinem alten und neuen Leben. Und vielleicht war dies die Chance für das Volk der Ylors ihren Frieden mit den Alyskern zu machen?

Wenn er Norshas Liebe gewiss sein konnte, würde er sogar künstliches Blut trinken. Seine Liebe zu ihr war stärker als seine niederen Triebe. Er hätte sie jetzt beißen können, doch nichts hätte ihn dazu getrieben.

Was soll jetzt geschehen?, fragte sie und wischte sich die Tränen aus dem Gesicht.

Hilf mir! Liebst du mich noch? Wenn ja, dann hilf mir diesen Dämon in mir zu besiegen! Ich brauche dich, Norsha! Zusammen können wir es schaffen. Und wir können mit Eorthor reden und die Ylors reintegrieren. Sie brauchen auch nur Hoffnung und Liebe. Die Liebe ihrer Brüder und Schwestern.

Sie umarmte mich erneut. Ja, ich helfe dir, wenn ich es kann.

Sie ging zum anderen Alysker. Medvecâ ließ ihn aus seinem suggestiven Bann frei. Norsha schien ihm einiges zu erklären. Der langhaarige Alysker erhob sich und ging zu Medvecâ.

Es ist Norshas Wunsch, den ich akzeptiere. Doch wenn es nach mir ginge, würde ich alle Ylors desintegrieren!

Er warf Norsha einen letzten Blick zu und ging.

Sie blickte ihm traurig hinterher. Dann wandte sie sich wieder an ihn. Ich kann es immer noch nicht glauben, dass du lebst.

Leben? Vielleicht. Ich weiß es nicht. Möglich, dass ich heute seit einem Jahr bewusst wieder existiere. Das liegt an dir.

Sie schenkte ihm ein Lächeln. Norsha gab ihm Kraft. Kraft von dieser Seuche loszukommen. Wenn ihm es gelang, bestand auch Hoffnung für die anderen Ylors, sich zu wandeln.

Gemeinsam suchten sie Eorthor auf. Der große Alysker, der Herr ihres Volkes und des Kreuzes der Galaxien, musterte beide mit seinen violettbraunen Augen streng.

Es ist selten, dass ich gewöhnlichen Alyskern eine Audienz gewähre. Dies hat nichts mit Arroganz zu tun, doch was könnt ihr mir berichten, was ich nicht schon im Laufe der Millionen Jahre selbst erfahren habe?

Dass ich ein Ylors bin!

Eorthor blickte Medvecâ entgeistert an. Medvecâ, der Norshas Hand hielt, berichtete Eorthor von seinem Schicksal.

Die Ylors fühlen sich wie Aussätzige und geben dir und den anderen die Schuld für ihren Untergang.

Eorthor ließ sich auf seinen Formenergiesessel nieder und schien nachzudenken. Dann suchte er offenbar in dem Rechner nach irgendetwas.

912 Menschen sind auf Merus im vergangenen Jahr auf grausame Weise gestorben. Zerfetzt, Blut leer. Die Einheimischen schreiben dies wilden Tieren oder Dämonen zu. Dies war wohl das Werk von dir und Glondifel. Wenn ihr mehr als zehntausend Ylors in den vier Galaxien seid, und jeder 406 Wesen im Jahr schlachtet, sind das schon einmal 4.060.000 unschuldige Tote im Jahr. Und du redest davon, dass die Ylors missverstanden werden?

Medvecâ spürte Norshas Blicke auf ihn ruhen. Wie würde sie damit umgehen, dass er mehr als 400 Meruser ermordet hatte?

Ich bin mir dieser Verbrechen bewusst. Doch ich kann davon loskommen. Norsha hilft mir dabei. Hilf du nun meinen Brüdern und reintegriere sie.

Du wagst es mir Befehle zu erteilen, Medvecâ? Du bist ein junger Ylors und glaubst bereits, der Fürst der Ylors zu sein! Du weißt nichts über ihre bösartige Natur. Ich gebe dir den Rat, dich am besten selbst zu desintegrieren!

Nein, stieß Norsha aus.

Medvecâ versuchte Kontakt zu den anderen Ylors aufzunehmen, doch niemand antwortete. Waren sie wütend über sein Handeln?

Eorthor lachte plötzlich. Dieses Areal ist gegen parapsychologische Kräfte abgeschirmt. Du wirst deine Artgenossen nicht um Hilfe bitten können.

Eorthor rief einen weiteren Alysker zu sich. Medvecâ konnte sein Überraschen kaum verbergen. Es war der Begleiter von Norsha gewesen.

Gindore?, fragte sie entsetzt.

Gindore ist mein Neffe!, erklärte Eorthor. Er ist mir seit Äonen ein treuer Diener. Ich wusste schon vor deinem Besuch von der Rückkehr der Ylors. Wir haben DNS-Muster von dir genommen und suchen bereits nach deinen Artgenossen. Wir werden sie finden und endgültig wegsperren. Kein Ylors darf sich mehr frei bewegen, denn wenn er es tut, wird er morden!

Gindore hob den Desintegrator und richtete ihn auf Medvecâ. In diesem Moment fühlte sich Medvecâ von Eorthor und den Alyskern verraten. Er hatte sich ihnen anvertraut, dem großen Eorthor vertraut und dieser hatte ihn schäbig hintergangen. Es würde niemals ein glückliches Leben für die Ylors im Kreuz der Galaxien geben. Sie waren geächtet, Ungeheuer in den Augen der anderen und würden es immer bleiben.

Er blickte zu Norsha. Sie starrte ihn an, ging langsam ein paar Schritte zurück. Nein! Nicht auch noch Norsha!

Vielleicht hat Eorthor recht. Ich liebe dich, aber ich kann nicht mit ansehen, wie du Lebewesen ermordest.

Tränen liefen über ihre Wangen. Nun war Medvecâ endgültig allein. Nichts konnte ihn mehr davon bewahren, ein Ylors zu sein. Sie hatten ihn dazu getrieben.

Wohlmöglich blockierten sie seine telepathischen und suggestiven Fähigkeiten, aber wie sah es mit seiner Gestaltumwandlung aus? Medvecâ konzentrierte sich und verwandelte sich in einer reißende Bestie mit einem tödlichen Gebiss, Flügeln und der Kraft von zehn Alyskern. Norsha schrie auf. Medvecâ wollte auf Gindore zustürmen, doch er konnte sich nicht bewegen. Jetzt erkannte er, dass er sich in einem Fesselfeld befand.

Siehst du, junge Norsha, nun zeigt der Ylors sein wahres Gesicht, sagte Eorthor traurig. Sie sehen aus wie jene, die wir liebten, doch sie sind es nicht mehr. Sie erwecken in uns die Hoffnung, das Verlorene wiederzuerlangen, doch in Wirklichkeit nehmen sie auch unsere Seelen. Die Ylors sind ein Produkt des Fluches der Kosmokraten. Gleich, ob sie nun eine neue Evolutionsstufe erreicht haben, sie bleiben Geschöpfe der Finsternis und des Todes.

Eorthor ordnete an, Medvecâ wegzubringen. Er verwandelte sich zurück und rief nach Norsha, doch sie wandte sich weinend von ihm ab.

Damit hatte er sie endgültig verloren und ebenso das Leben als Alysker.

Kapitel 8
Piratenspiele

Ein guter Kommandant erkannte die Fähigkeiten seiner Besatzungsmitglieder, so verborgen und unterschiedlich sie auch waren.

Nach weiteren zwei Wochen des endlosen Wartens war die DUNKELSTERN einsatzbereit und auch die VIPER war von Sato Ambush und Roland Meyers teilweise repariert worden.

Zumindest so sehr, wie es Roi Danton für nötig hielt. Die Zeit des Aufbruchs vom Tholmond2777, der Piratenmond, stand kurz bevor. Und jetzt wurde es gefährlich. Jeder lauerte doch nur darauf, Roi den Kopf abzuhacken, seine Crew zu erschießen und die DUNKELSTERN mitsamt dem Bildnis von Ajinah in Beschlag zu nehmen. Meyers und Sato bewachten die DUNKELSTERN streng und hatten alles nach Trojanern untersucht. In der Tat hatte Ambush einige plumpe Fallen im Computersystem entdeckt. Fyntross tickte ähnlich wie Danton zu dessen Erstaunen.

Roi hatte aber noch ein oder zwei geheime Waffen in petto. Es war der Vorabend des Aufbruchs. Mumdök hatte zu einer Abschiedsfeier in der Residenz des verstorbenen Bullfah eingeladen.

Danton hatte nur eine Begleitung gewählt. Jemand, der ihm am geeignetsten für seinen Plan erschien.

Bist du bereit, Schätzchen?

Pyla hüpfte aus ihrer Kabine und hatte sich zurechtgemacht. Naja, eigentlich nicht wirklich. Ihr Haar war locker zusammengebunden und sie trug eher schlichte Kleidung und war nicht so aufreizend gekleidet, wie es Kathy Scolar oft der Fall war. Die Gute! Roi vermisste sie. Aber vielleicht würde er sie ja bald schon finden.

Meyers und Ambush sahen Roi skeptisch an.

Sicher, dass nicht lieber ich mitkommen soll, falls es Schwierigkeiten gibt?, wollte Meyers wissen.

Mon ami, Pyla ist genau die Richtige. Keine Sorge. Haltet ihr die DUNKELSTERN startklar.

Danton ließ Pyla einhaken und verließ mit ihr die DUNKELSTERN. Den Weg zu Bullfahs Palast legten sie zu Fuß zurück, obgleich die Tochter des Bürgermeisters immer wieder jammerte, es sei ihr zu weit. Wie verweichlicht diese Menschen von heute waren. Danton war früher zu weitaus schlechterem Wetter durch die Gegend marschiert. Schneestürme wie auch Sturm und Eisregen hatten ihn nicht aufgehalten.

Und was soll ich nochmal auf dieser wichtigen Mission machen?, wollte Pyla wissen.

Sei einfach du selbst. Feier und trink so gut, wie es geht.

Zu heiterer Musik wurden die beiden in den Palast gelassen. Danton registrierte, dass nur Mumdök und Fyntross sowie Tscherok anwesend waren. Vermutlich würden Krash und seine Leute sich bereits auf der VIPER befinden oder einen Angriff auf die DUNKELSTERN vorbereiten. Sie setzten sich hin.

Mumdök hob ein vollgeschleimtes Glas in die Höhe.

Auf unser Bündnis. Eine Allianz fürs Leben!

Danton fand diesen Spruch schon immer doof, aber er erhob sein Glas und es ging los.

Noch Stunden später saßen sie im Palast und soffen ausgelassen. Roi war schon recht übel, doch dank seines Zellaktivators konnte er mehr vertragen als die anderen. Es gab aber da wohl jemanden, der noch trinkfester war. Pyla! Sie leerte ein Glas nach dem anderen und Fyntross hielt mit. Sie hatte ihm am ganzen Abend geneckt und offenbar bei der Ehre erwischt. Ein Dorfmädchen durfte doch keinen Piratenkapitän unter den Tisch trinken.

Pyla fing an zu tanzen und Fyntross stimmte ein. Der Fischkopf war schon recht angeschlagen. Pyla nahm eine neue Flasche und flößte sie Fyntross ein, der es bereitwillig mit sich geschehen ließ.

Lustige Fête. Nicht, Schweinebacke?

Roi stieß Tscherko an. Der Husaave erbrach sich auf seinen Oberkörper und Bauch. Angewidert wandte sich Roi schnell ab. Aber schon mal einer weniger.

Mumdök glotzte Pyla lüstern an. Wieso standen eigentlich fette Moluskenwesen auf menschliche Weibchen?

Komm her, Kleines und kraule meinen Bauch!

Fyntross hielt Pyla an der Taille fest. Nein, sie ist meine Trinkkumpanin. Komm, flöße mir noch mehr von dem Rum ein.

Pyla blickte Roi hilfesuchend an. Der bedeutete ihr, ruhig weiterzumachen, obwohl es zugegeben recht unfair von ihm war. Das war selbst für sie etwas zu ekelhaft. Sie gab Fyntross wie einem Baby die Flasche, bis er nach hinten fiel und liegenblieb. Mumdök wabbelte wie ein Wackelpudding zur Musik umher und forderte Pyla auf, für ihn zu tanzen.

Plötzlich stand Fyntross auf und zog seinen Säbel. Dabei warf er ihn jedoch an die Decke.

Er packte Pyla an ihren langen, blonden Haaren und zog sie zu sich.

Ich habe deinen Plan durchschaut, Danton! Du wolltest uns abfüllen und dann verschwinden.

Nicht doch …

Mumdök rappelte sich auf und griff mit seinen Tentakeln nach Pyla und Fyntross.

Ich will sie haben!, gellte der Persy und zog beide herunter. Er drückte die schreiende Pyla und Fyntross an seinen Bauch. Mühsam befreite sich Fyntross, doch da zerschlug Roi bereits eine Flasche über dessen Kopf. Diesmal war der Fischkopf wirklich ausgeschaltet.

Pyla schrie und strampelte, während sich immer mehr grüngelber Schleim über sie ergoss. Das war in der Tat widerwärtig. Roi würde ihr ja gerne aus dieser misslichen Lage helfen, doch irgendwie wollte er sie jetzt gar nicht mehr berühren.

Also zog er den Strahler und paralysierte Mumdök. Der Schleimbolzen verharrte in seinen Bewegungen. Pyla schaffte es aus eigener Kraft, sich zu befreien und schüttelte sich vor Ekel.

So ungefähr fühlte ich mich, als du mich mit dem Schnaps bespuckt hast, erklärte Roi und gab ihr die Tischdecke, um sich einigermaßen zu säubern.

Mir ist schlecht. Zu viel Alkohol und Schleim. Ich … Pyla schwankte und knickte ein. Offenbar war das alles doch zu viel, dabei hatte sie Rois Plan erfüllt und die meisten hier abgefüllt oder zumindest arg geschwächt. Er hatte sich ihrer Fähigkeiten als gute Trinkerin zunutze gemacht. Seine Bescheidenheit verbot ihm, sich aber noch weiter zu loben.

Doch nun stand er vor einem Problem. Pyla war K.O.! Ihm blieb also nichts anderes übrig, als sie auf die Schulter zu legen und sich auch einzusauen.

Das hatte er in seinem Plan nicht bedacht. Während er ächzend mit Pyla auf der Schulter aus dem Palast ging und unbemerkt an den Wachen vorbei schlich, informierte er Ambush, die DUNKELSTERN zu starten.

Noch rechtzeitig kamen er und Pyla an. Er warf sie auf einen Sessel in der Kommandozentrale.

Meyers stieß ihn wütend an. Was haben Sie mit ihr gemacht, Danton?

Sie hat tapfer getrunken und sich einschleimen lassen. Jetzt muss sie etwas schlafen. An die Maschinen, Meyers! Das ist ein Befehl!

Roi wurde im Ton sehr ernst. Ihm ging Meyers mit seiner Art langsam auf die Nerven! Meyers nickte und rannte an die Kontrollen. Die DUNKELSTERN hob ab.

Sato-san! Darf ich bitten?

Sato machte eine kurze Verbeugung. Dann aktivierte er den kleinen Virus auf der VIPER, der sämtliche Datenbanken auf dem Raumschiff löschte. Während der Reparaturen auf der VIPER hatte Sato Ambush einen Virus in der Syntronik installiert. Die Speichermedien wurden einfach neu formatiert und waren anschließend leer. Fyntross konnte ohne die Syntronik nichts mit der VIPER anfangen.

Ich bin ein schlimmer Finger, meinte Roi zynisch.

Die DUNKELSTERN verließ den Orbit von Thol2777 und steuerte auf das Riff zu. Roi hatte die Koordinaten von dem Reich der Husaaven. Dort lebten auch die sogenannten Springbiber. Sie galt es zu finden, denn sie führten ihn hoffentlich zu Kathy und Nataly!

Kapitel 9
Erinnerungen V

Glond war tot!

Medvecâ spürte es. Die telepathische Verbindung war abgebrochen. Man hatte ihn aufgespürt und getötet. Trauer erfüllte Medvecâ, denn Glond war so eine Art Vater für ihn gewesen.

Er hatte ihm niemals Vorwürfe gemacht, dass Medvecâ vor 3900 Jahren mit Eorthor Kontakt aufgenommen hatte. Seit dieser Zeit waren die Ylors erneut zu Gejagten geworden. Wer sich nicht in eine Reservation einsperren ließ, wurde getötet.

Und doch war die Zahl der Ylors angestiegen, denn Medvecâ hatte sich nach seiner Flucht vor 3700 Jahren sehr verändert. Er hatte noch mehr Verantwortung für sein Volk übernommen und es versteckt. In Randbezirken der vierten Galaxie des Kreuzes der Galaxien, dort, wo kaum ein Raumfahrer sich aufgrund der kosmischen Stürme hinwagte, lebten sie.

Doch noch immer gab es viele Ylors, die im Kreuz der Galaxien auf die Jagd gingen. Sie wurden von den sogenannten Ylors-Jägern zur Strecke gebracht.

Medvecâ gehörte zu den meist gesuchtesten Ylors. Hunderte Jäger hatten versucht, ihn zur Strecke zu bringen. Nach einer Weile hatte Medvecâ angefangen, ihre Köpfe zu sammeln.

Medvecâ streichelte über den kälter werdenden Körper seiner Gespielin. Sie atmete flach, starrte ihn entsetzt an. Er verwischte mit seinem Finger das Blut an ihrer Kehle und beobachtete, wie sie langsam starb. War es so schlimm? Nein, für die junge Cyragonin war es ein Segen, denn sie würde eine von ihnen werden.

Er war gnädig gewesen, hätte sie auch endgültig töten können, doch je mehr Ylors sie waren, desto mächtiger wurden sie. Medvecâ bereitete sich auf einen neuen Krieg vor. Die Alysker sollten ausgelöscht werden! Oder noch besser, sie sollten zu Ylors werden!

Alle bis auf Eorthor! Er sollte mit ansehen, wie sein geliebtes, reines Volk unterging.

Dann wäre Medvecâ der Herr des Kreuzes der Galaxien und Norsha würde seine Königin werden. Noch immer dachte er an Norsha. Mit seinen 4200 Jahren hatte er keine Frau wie sie getroffen. Sie war seine erste und letzte Liebe.

Er hatte sich alle Mühe gegeben, Norsha frei zu halten. Jeder Liebhaber war gestorben oder hatte sie sitzenlassen. Natürlich war es sein Weg gewesen. Sie hatte keine Kinder und keinen Ehemann. Sie war allein – so wie er! Früher oder später würde die Einsamkeit sie in seine Arme treiben.

Medvecâ hatte sie beobachtet, aber seit seiner Flucht nicht mehr mit ihr gesprochen.

Bald war es an der Zeit! Er hatte ein Heer von drei Millionen Ylors aufgebaut. Dabei hatte er Unterstützung von einem Gönner erfahren, der selbst einst ein Alysker war.

Träumst du wieder, Medvecâ? Denkst du an dieses Stück feines Fleisch?

Rodrom!

Der rote Tod, wie er von einigen genannt wurde, stand plötzlich in seiner Halle. Die anderen Ylors starrten ihn knurrend an. Nicht jeder Ylors besaß die Intelligenz von Medvecâ. Durch die Vermischung mit anderen Völkern gab es viele Arten von Ylors und nur die Alysker besaßen die besonderen Fähigkeiten. Doch die anderen waren hervorragende Kämpfer.

Eine Schwäche von Wesen aus Fleisch und Blut ist die Liebe. Ein Geisteswesen verspürt so etwas nicht. Seine Liebe gilt dem Universum, dessen Wunder und dessen Schrecken.

Medvecâ war von Rodrom beeindruckt. Er hatte noch nie eine so negative Kreatur gesehen. Rodrom besaß viel Kraft und Energie, die förmlich ansteckte.

Drei Millionen Kämpfer sind nicht genug, junger Freund. Du wirst verlieren. Doch ich biete dir eine Alternative.

Welche?

Verlasst das Kreuz der Galaxien! Ich gebe euch die Koordinaten einer Galaxie. Fliegt dorthin und lasst euch vom Riff aufnehmen. Das Riff ist ein kosmisches Wunder. Besiedelt es und gestaltet es im Sinne von MODROR, unserem Herrn!

Medvecâ dachte darüber nach. Es gab acht Millionen Ylors im ganzen Kreuz der Galaxien. Und ihre militärischen Mittel waren beschränkt. Rodrom hatte wahrscheinlich recht, doch es fiel Medvecâ schwer, seinen Traum von Rache aufzugeben.

Rodrom schien dies zu bemerken.

Auch ich will Eorthor sterben sehen. Es wird geschehen. Begreife, Medvecâ, wir denken in anderen Dimensionen. Eine Million Jahre sind für uns Unsterbliche nur ein Moment. Du wirst eines Tages Eorthor zu Grabe tragen, dessen bin ich mir sicher.

Rodrom brachte Medvecâ offenbar viel Vertrauen entgegen. Er war genauso alt wie Eorthor. Medvecâ hatte einiges über Rodrom in Erfahrung gebracht. So war er an dem kosmischen Projekt beteiligt gewesen, was zum Fluch der Kosmokraten geführt hatte. Rodrom war gestorben und kehrte viele Millionen Jahre später als Inkarnation des Kosmotarchen MODROR wieder.

Seither führte er immer wieder Angriffe auf das Kreuz der Galaxien an. Doch nun verfolgte er offenbar einen neuen Plan.

Wirst du meinem Rat folgen?, fragte er schließlich.

Medvecâ dachte erneut darüber nach. Das Riff könnte für sie eine neue Heimat bedeuten. In aller Ruhe würde er als Fürst der Ylors eine neue Rasse aufbauen, um eines Tages zum Kreuz der Galaxien zurückzukehren. Dann würde er Eorthor vernichten!

Ja! Ich werde alle Ylors mobilisieren. Wir werden zum Riff aufbrechen, wie es dein Wunsch ist.

Doch Medvecâ wollte nicht allein dorthin. Er wollte Norsha mitnehmen und teilte dies auch Rodrom mit. Der Sichtschlitz des roten Helms verfärbte sich. War er wütend oder belustigt?

Solange Norsha eine Alyske ist, wirst du kein Glück mit ihr finden. Wenn sie die Königin der Ylors werden soll, muss sie zu einer werden!, riet Rodrom.

Medvecâ hatte Angst davor. Er wollte sie nicht töten! Der Gedanke, sich an ihr zu vergehen, erschreckte ihn. Nein, es war nicht nötig, dass sie eine Ylors wurde. Und doch sollte sie ihn zum Riff begleiten.

Medvecâ wartete nun schon über eine Stunde vor dem Blockhaus. Natürlich war es nicht mehr dasselbe, doch auch das neue Haus strahlte eine Idylle aus. Merus hatte sich inzwischen zu einer kleinen Welt von Raumfahrern entwickelt.

Endlich kam Norsha! Sie war immer noch so wunderschön wie damals. Medvecâ ging ihr entgegen.

Ich danke dir, sagte er nur.

Sie verstand offenbar. Offenbar kann ich dir nicht entrinnen. Du hast doch all die Jahre dafür gesorgt, dass ich allein bin.

Woher wusste sie das? War Medvecâ zu plump vorgegangen? Er fühlte sich plötzlich schuldig und traurig. Er wollte ihr doch nichts antun, doch ohne sie wollte er nicht existieren.

Ich werde das Kreuz der Galaxien verlassen. Alle Ylors werden gehen und eine neue Heimat suchen. Ich will, dass du mitkommst. An meiner Seite sollst du glücklich werden!

Sie wirkte nicht überzeugt. Ein Leben mit Bestien? Trinken wir zum Frühstück Blut statt Saft und berauschen uns an den Eingeweiden von Jungfrauen am Mittagstisch? Mein Leben ist sinnlos geworden. Es ist lang gewesen und ich hege den alyskischen Todeswunsch.

Nein! Das durfte nicht sein!

Norsha, wir zwei haben eine Zukunft. Du bist meine Königin! Gemeinsam werden wir aus den Ylors ein vernünftiges Volk machen. Ich brauche deine Liebe, um dies zu bewerkstelligen!

Du hattest meine Liebe, Medi! Du hättest mich nicht beschatten sollen und mein Leben verpfuschen. Du hättest kommen sollen und mit mir reden. Dann hätten wir vielleicht eine Chance gehabt. Ich will und kann dich nicht begleiten.

Medvecâ gelang es nicht, die Tränen zu unterdrücken. 3900 Jahre lang hatte er Norsha geliebt und nur die Hoffnung auf eine gemeinsame Zukunft hatte ihn zu neuen Taten angespornt. Er war ein Ylors und dafür entschuldigte er sich nicht! Was für andere grausam war, war für einen Ylors normal. Sie waren tragische Geschöpfe der dunklen Seite und dennoch wollten sie auch lieben und geliebt werden.

Nein! Er wollte auf Norsha nicht verzichten!

Wenn du nicht freiwillig mitkommst, muss ich dich dazu zwingen. Bitte bring mich nicht dazu!

Sie trat zwei Schritte zurück und zog einen Desintegrator. Ich will kein Leben als Ylors führen. Du wolltest es auch nicht, doch hast dich verändert.

Nun beeinflusste Medvecâ sie das erste Mal. Er zwang sie, ihren Desintegrator fallenzulassen. Dann ging er zu ihr, küsste sie.

Ich liebe dich, Norsha. Verzeih mir …!, sagte er und biss zu. Er saugte ihr Leben aus ihrem Körper. Als sie erschlaffte, trug er sie zu seinem Raumschiff und verließ Merus. Nie wieder würde Medvecâ diese Welt wiedersehen.

Er hatte Norsha getötet, doch schon bald würde sie als Ylors wiedergeboren werden und an seiner Seite das Volk regieren.

Kapitel 10
Licht und Schatten

Kalky verzichtete meistens darauf zu teleportieren, doch er ließ sich selbst telekinetisch in der Luft schweben, um nicht laufen zu müssen. Damit hatte er Kathy und Nataly einiges voraus, die beide nach den zwei Wochen Fußmarsch erledigt waren.

Sie hatten während ihres Marsches allerhand gesehen. Viele kleine Dörfer in denen verschiedene Rassen lebten, die zumeist aber primitiv waren. Dann moderne Energietankstationen und tagelang nur Wälder und Wiesen ohne ein Zeichen von Zivilisation.

Die Landschaft in dieser Region des Riffs war atemberaubend. Die Wälder waren dicht und voll üppiger Flora und Fauna. Mannigfaltig präsentierte sich das Leben in der Natur. Zweiköpfige Vögel, riesige Saurier, glitzernde Insekten und sechsbeinige, blaue Pferde.

Kathy konnte nicht mehr. Sie brauchte eine Pause.

Nataly blieb stehen und seufzte. Mit deiner Einstellung schaffen wir es nie, bis zur nächsten größeren Siedlung! Vielleicht sollten wir dich einfach zurücklassen!

Jetzt reichte es Kathy langsam. Nataly war in letzter Zeit unausstehlich geworden. Erst hatte sie erzählt, dass sie Jonathan nicht mehr liebte, keine Gemeinsamkeiten mit ihm hatte und er sie sowieso nicht mehr verstand und nun wurde sie immer kälter und abweisender. Was war mit ihr los? Kathy sprang auf und stellte sich provozierend vor Nataly, die immerhin etwas kleiner war als sie selbst.

Vielleicht sollten wir wirklich getrennte Wege gehen. Ich will nach Hause! Du ja offensichtlich nicht. Ich sehne mich nach Aurec, was du willst, ist mir nicht so ganz klar! Dein Benehmen ist schrecklich! Du hast dich sehr, sehr verändert.

Nataly zündete sich eine Zigarette an und starrte Kathy böse an. Kathy registrierte fassungslos, dass sie immer noch eine Schachtel besaß und vor ihr versteckt gehalten hatte.

Den Mist muss ich mir nicht anhören, du dumme Schlampe! Bin ich jetzt die Böse, nur weil ich erkannt habe, dass meine Ehe mit Jonathan völlig nutzlos war? Nur weil ich dich darauf aufmerksam mache, dass wir in einer fremden Welt voller Gefahren sind und nicht auf einem Wandertag? Ja, ist es das?

Nataly war schon immer temperamentvoll gewesen, doch langsam nahm sie sich zu viel raus.

Mädels, ich will ja nicht stören, aber …, warf Kalky ein. Aber es wird dunkel und wir sind nicht sehr weit von den Ylors entfernt.

Kathy nahm ihren Rucksack und ging weiter. Sie hatte keine Lust mehr, sich mit Nataly auseinanderzusetzen. Sie war in ihren Augen undankbar geworden. Sollte sie doch froh sein, dass sie einen tollen Mann wie Jonathan zuhause hatte, der sicherlich in diesem Moment an Nataly dachte und hoffte, sie bald wiederzusehen. Aber nein, nun wollte Nataly sich plötzlich selbst verwirklichen und warf alles über Bord, was ihr früher wichtig war.

Es wurde schneller dunkler, als es Kathy vermutet hatte. Gewitterwolken zogen plötzlich in rasanter Geschwindigkeit heran und verdeckten die Sonne.

Sie hatten bestimmt fast 500 Kilometer in den letzten zwei Wochen zurückgelegt, mussten aber immer an der Schwelle zwischen der Region der ewigen Finsternis und dem Tageslicht entlang wandern, da die immer noch 200 Kilometer weit entfernte Stadt ebenfalls in dieser Region lag. Es fing an zu regnen.

Na, ist unser Püppchen aus Zucker?, fragte Nataly zickig und deutete damit an, dass ihr der Regen nichts ausmachte.

Die nicht, aber ich, meldete sich Kalky zu Wort.

Kathy war froh, dass der Mausbiber bei ihnen war. Nicht nur, dass er sich in der Region gut auskannte, er war recht ruhig und sogar schlichtend geworden, seitdem Nataly und Kathy sich angifteten.

Wir suchen uns eine Höhle, meinte der Ilt. Da können wir rasten. In der Dunkelheit ist es sowieso sicherer.

Weicheier!

Kathy hörte das Heulen von Wölfen. Die klangen gar nicht so weit entfernt.

Ja, bin ein Weichei! Lieber als weich gekocht im Magen eines Ylors zu landen, meinte Kalky und deutete auf eine Höhle.

Kathy lief ein kalter Schauer über den Rücken. Immer wieder heulten die Wölfe, kreischten irgendwelche Tiere unheimlich. Das war in den zwei Wochen nicht geschehen. Irgendetwas war heute anders. Sie hatte das Gefühl, verfolgt zu werden. War das nur Paranoia? Übertriebene Angst oder war da wirklich etwas dran?

Kathy rannte die letzten Schritte zur Höhle und fühlte sich schon etwas sicherer, als sie drin war.

Nataly lachte ihr hinterher. Dann der nächste Schock. Die Höhle war bereits vermietet. Ein etwa drei Meter großes Insekt starrte sie mit acht Augen an.

Kathy fing an zu schreien und lief raus. Da können wir nicht rein. Wird mir zu eng.

Nataly leuchtete mit einer Lampe hinein und zuckte kurz zusammen, als sie das Insekt sah. Kathy registrierte mit Genugtuung, dass Nataly ja doch noch Gefühle hatte.

Es hörte auf zu regnen. Kalky schüttelte das Wasser aus seinem Fell.

Ich hab Hunger!, maulte der Mausbiber.

Du hast immer Hunger, Fettwanst!, entgegnete Nataly wenig freundlich. Dann flog sie plötzlich einen Meter hoch und fiel unsanft auf den Boden.

Ich bin höchstens vollschlank, du zickige Terranerin!

Nataly nahm etwas Erde und warf es Kalky ins Gesicht. Blödes Mistvieh! Ich hab die Schnauze voll von euch. Ich gehe alleine weiter. Krepiert doch hier!

Nataly stapfte wütend davon. Zuerst wollte Kathy sie aufhalten, doch es hätte keinen Sinn gehabt. Nataly war stur und musste sich erst einmal abkühlen. Vielleicht war das alles hier einfach zu viel für sie und sie fing an durchzudrehen.

Kathy setzte sich auf einen Stein und vergrub das Gesicht in ihren Händen.

Soll ich sie festhalten?

Nein. Wir warten ein paar Stunden, bis sie wieder zurückkommt. Sie hat solche Phasen. Essen wir etwas und ruhen. Auch wenn alles nass ist, ein Feuer sollten wir nicht machen.

Kathy wünschte, sie hätte zumindest einen Energie- und Wärmespender. Die Dinger leuchteten nicht und wären unauffällig gewesen. Aber sie hatten keinerlei Technik.

Kathy kramte in ihrem Rucksack. Viel zu essen hatten sie auch nicht mehr. Der kleine Mausbiber fraß für drei. Es nahm alles, was da war. Im Gegensatz zu Gucky waren diese Mausbiber keine Vegetarier. Sie aßen auch Fleisch. Und Kalky mochte besonders fettes Fleisch. Kathy schüttelte sich bei dem Gedanken.

Sie nahm lieber etwas von dem Gemüse und dem Brot. Eine kleine Ration nur.

Nach zwei Stunden kehrte Nataly endlich wieder zurück. Kathy war froh, dass sie sich beruhigt hatte. Sie auf ihren Ausraster anzusprechen, hätte sowieso nichts gebracht.

Ich habe einen Unterschlupf gefunden. Folgt mir, sagte Nataly emotionslos und ging wieder zurück.

Kathy nickte zu Kalky und die beiden machten sich auf den Weg. Sie folgten Nataly zu einer Lichtung.

Nataly blieb stehen. Hier ist es.

Hier ist was?, wollte Kalky wissen.

Nataly grinste seltsam. Hier erwartet er uns. Er hat mir telepathisch seine Geschichte erzählt. Der Ärmste ist nur traurig, weil seine geliebte Norsha gestorben ist und er sie nicht retten konnte. Weil sein Volk von seinen Brüdern ausgestoßen wurde. Ich fühle mit ihm.

Kalky machte eine Geste zu Kathy, dass Nataly nun bescheuert war. Kathy bekam ein ungutes Gefühl. Sie drehte sich um, sah ein Leuchten aus dem Wald. Mehrere Leuchten. Es waren Augen! Sie kamen näher. Nun erkannte sie auch den Rest des Körpers. Grauenvolle, verstümmelte Körper.

Die Ylors!

Sie waren überall. Kathy wusste, dass Kalky nicht teleportieren konnte, ohne Gefahr zu laufen, in eine Parafalle zu tappen.

Nataly? Du hast uns verraten!

Beifall! Jemand klatschte. Die grimmigen Ylors machten Platz und ein gutaussehender Mann, der wie ein Alysker aussah, trat hervor.

Richtig erkannt! Ich habe Natalys Geist schon früh erfasst, ihr mein Leben erzählt, meine Qualen, meine Sehnsüchte. Darf ich mich vorstellen? Ich bin Fürst Medvecâ, der Herr der Ylors!

Medvecâ machte eine Verbeugung.

Die Auserwählte meines Herzens ist vor Äonen verstorben. Norsha, meine erste und letzte Liebe bis jetzt. Ich machte sie zu einer von meinen, doch ihre Organe zersetzten sich, nachdem das alyskische Leben aus ihr gewichen war. Sie hatte nicht gewollt, so zu werden wie ich. Keine Frau konnte ihren Platz füllen. Sie waren ein Zeitvertreib, eine kurzweilige Stillung der Gier.

Fein, ich möchte weder Ihre Gier stillen noch ihre Frau werden, sorry!, meinte Kathy und wich einen Schritt zurück.

Medvecâ lachte. Aber nein! Diesen Platz nimmt schon Nataly ein. Sie ist charismatisch, stark und hat einen großen Willen! Sie ist von enormer Schönheit und wird an meiner Seite das Volk der Ylors regieren!

Nataly schob sich an Kathy vorbei und ging zu dem Fürsten. Beide küssten sich leidenschaftlich.

Kathy sah angewidert weg. Sie musste an Jonathan denken. Er tat ihr so sehr leid! Jetzt verstand sie so langsam. Nataly stand unter der Beeinflussung von Medvecâ. Deshalb hatte sie so seltsam reagiert. Kathy musste sie aus dieser Suggestion befreien.

Wer sagt denn, dass Nataly nicht auch nur gefüllt wird? Ich meine, eine Lückenfüllerin ist?, warf Kalky plötzlich ein.

Er sprach Kathy aus der Seele. Nataly sah sie erbost an.

Medvecâ lachte wieder überlegen. Es wird euch entsetzen, aber Nataly ist aus freien Stücken zu mir gekommen. Eine Gefährtin, die unter Zwang zu mir kommt, ist nutzlos für mich. Ja, Nataly war mit ihrem Leben unzufrieden. Sie wollte nicht mehr mit Jonathan zusammen sein. Sie hasste den Krieg und das Martyrium, welches sie dank Jonathan, ihrem senilen Onkel und dir, Kathy, ertragen musste. Ich habe ihr ein neues Leben gezeigt. Und dieses Leben werde ich ihr nun auch schenken.

Kathy konnte nicht glauben, was sie hörte! Nataly war freiwillig zu Medvecâ gegangen? Das war eine Lüge!

Bringt den Mausbiber in die Fleischfabrik und Kathy in den tiefsten, schimmeligen Kerker. Aber tötet sie nicht. Noch nicht, sagte Nataly mit einer Kälte, die Kathy erschrak.

Die Ylors packten beide und zogen sie weg. Kathy wurde von Kalky getrennt. Sein Schicksal war wie ihres besiegelt. Sie verfluchte Nataly, die sie einst als beste Freundin bezeichnet hatte.

Kapitel 11
Der Fürst und seine Fürstin

Medvecâ sah seine Auserwählte an, die vor ihm stand. Sie war schön, stürmisch und unbeugsam, doch bald würde ihre rebellierende Seele, sich seinem Willen endgültig beugen.

Es war nicht gelogen, dass Nataly sich anfangs mit ihrem freien Willen Interesse an Medvecâ gezeigt hatte. Doch noch immer war sie von der Seuche der Moral befallen. Aber nicht mehr lange.

Obgleich seine Gedanken bei der anderen Terranerin waren. Kathy Scolar war noch prächtiger als Nataly. Doch es würde seine Zeit dauern, bis sie sich ihm unterwerfen würde. Vorerst begnügte er sich mit Nataly. Mit ihrem Fleisch und ihrem ungebändigten Willen.

Nataly, du bist wunderschön.

Er musterte sie von Kopf bis Fuß. Ihr Körper wurde von einem seidenen, roten Kleid bedeckt, welches in der Mitte tief ausgeschnitten war und viel von ihren wohlgeformten Brüsten offenbarte. Und genau danach dürstete es dem Fürsten der Ylors. Seine Begierde wuchs von Sekunde zu Sekunde. Er stand auf, zog an ihren langen, blonden Haaren und kostete von ihren vollen Lippen.

Zuerst schien sie sich zu wehren. Sie kratzte, versuchte sich aus seinem Griff zu winden. Doch in ihren Augen erwachte die animalische Gier nach Leben, die Gier nach Macht! Ihr Körper entspannte sich und dann fühlte er ihre Hand in seinem Schritt.

Doch er ließ von ihr ab, ging ein paar Schritte zurück. Verständnislos sah sie ihn an.

Was ist los, mein Fürst? Willst du mich nicht mehr?

Doch, aber wie ist es mit dir, Nataly? Ich gebe dir die Möglichkeit zu gehen. Kehre zu deinem Mann zurück und lebe sein langweiliges Leben. Oder schließe dich mir an, als meine Gefährtin, meine Fürstin! Kein Wunsch wird dir verwehrt werden, du wirst über Tausende allein herrschen und deine Rolle im Kosmos neu bestimmen können. Wähle nun!

Sie schien darüber nachzudenken, blickte tief in Medvecâs Augen. Dann glitten ihre Hände zu den feinen Bändern, die ihr Kleid hielten. Sie öffnete sie und das Kleid sank zu ihren Füßen. Nackt stand sie vor Medvecâ, der lächelte.

Sie gab sich ihm freiwillig hin. Sie erkannte offenbar, dass es besser war, sich mit einem Titanen wie ihm einzulassen, statt mit einem saufenden, verweichlichten Raumfahrer und Möchtegern-Ritterschüler.

Medvecâ trat nun wieder näher.

Dein Mann bedeutet dir nichts?

Er war immer noch misstrauisch.

Ich empfinde nichts mehr für ihn, wünsche ihm aber auch nichts Böses. Ich brauche einen Mann, der meine Qualitäten erkennt. Und jemand, der mich fördert!

Medvecâ lachte. Oh, ich sehe deine Qualitäten deutlich vor mir, Nataly! Und ich werde dich fördern, das verspreche ich dir.

Sie trat näher zu ihm und küsste ihn leidenschaftlich. Medvecâ und Nataly gaben sich hemmungslos ihrer Lust hin.

Nataly lag nackt auf ihrem Bett und rauchte genüsslich an der Zigarette. Medvecâ stand vor dem Bett und blickte auf sie herab. Es war nun Zeit, ihr neues Leben zu geben.

Er beugte sich über sie, kostete von ihren Lippen. Seine Zunge glitt über ihren Mund, dann zum Hals, herunter zur Schulter. Spielerisch glitten seine Lippen zur Halsbeuge und suchten das pulsierende Leben. Dann biss er sie und saugte ihr erbärmliches, terranisches Leben aus dem Körper. Nataly zuckte, schrie und erschlaffte schließlich.

Medvecâ erhob sich und lachte. Natalys Haut wurde bleich. Dann öffnete sie die Augen.

Willkommen Tochter der Ylors!, begrüßte er sie.

Nataly schenkte ihm ein kaltes Lächeln. Sie war nun eine Ylors, eine untote Unsterbliche. Doch es wurde Zeit für ihre erste Prüfung.

Du hast mir von einem Dorf berichtet. Wir gehen dort hin. Dort kannst du deiner Lust dann freien Lauf lassen.

Nataly erhob sich, wischte das Blut von ihrer Schulter und zog sich an. Ihre blauen Augen leuchteten kalt. Medvecâ spürte, dass sie ihm vollends ergeben war.

Er hatte erneut triumphiert und ein Wesen der Finsternis geschaffen.

Doch eines war nicht genug!

Nataly und Medvecâ gingen allein zum Dorf. Es war dunkel und stürmisch. Ein Wetter, wie es Medvecâ liebte. Es war ein Leichtes gewesen, die technischen Anlagen zu deaktivieren. Sie schlugen keinen Alarm und wehrten den kommenden Angriff auch nicht mehr ab.

Einige primitive Dorfbewohner kamen zu ihnen. Medvecâ las ihre Gedanken wie ein offenes Buch. Hurtel war der Bürgermeister der Gemeinde. Seine blinde Tochter hieß Carah und hatte Angst vor Medvecâ. Sie fühlte das Unheil. Der spastische Paddy war ein Narr. Doch auch er fürchtete sie.

Einige Dorfbewohner zogen Mistgabeln und Waffen, wie der närrische Bauer Kroll. Diese dummen Menschen. Glaubten sie wirklich, dass sie damit Medvecâ aufhielten?

Nataly Andrews! Dein Besuch ist überraschend. Roi Danton sucht dich.

Tatsächlich? Wo ist er?, wollte sie wissen.

Er ist zu einem Mond geflogen, sagte Paddy und lachte. Er hat Pyla und Jock mitgenommen. Sie sind jetzt bei den Sternen. Paddy deutete in den Himmel.

Und wer sind Sie?, fragte Hurtel.

Fürst Medvecâ. Ich bin gekommen, um dein Dorf auszulöschen und jeden Bewohner zu töten.

Medvecâ gab ein Zeichen an Veritor. Die Ylors stürmten heraus. Telekinetisch packte er Carah und zog sie zu sich. Hurtel wollte eingreifen, doch Nataly stürzte sich auf ihn. Sie biss in Hurtels Hals und riss ein Stück Fleisch heraus.

Medvecâ genoss die Furcht des Mädchens. Sie zitterte am ganzen Leib, weinte wie ein Baby. Das steigerte seine Lust nur noch mehr. Langsam setzte er an und biss ihr in die Halsbeuge. Genüsslich saugte er ihr Blut aus. Während er sich an ihr labte, zerfetzte eine berauschte Nataly den Körper von Hurtel. Der spastische Paddy schrie wie am Spieß, aber rührte sich nicht. Als von Hurtel nicht mehr viel übrig war, wandte sich Nataly an Paddy. Sie packte ihn bei den Haaren und stürzte sich auf ihn. Sie war völlig von Sinnen und schlug auf den Mann ein, der um sein Leben winselte und voller Schmerzen schrie.

Medvecâ widmete sich wieder Carah. Ihr Herz pochte voller Aufregung. Er bohrte mit seiner Hand in ihre Brust und riss das Herz heraus. Ihr lebloser Körper sackte zu Boden. Medvecâ betrachtete das Organ, welches langsam aufhörte zu schlagen.

Paddy schrie um sein Leben, doch Nataly war erbarmungslos. Paddy war blutüberströmt. Sie leckte das Blut von seinem Gesicht, dann zerkratzte sie es mit einer Wonne, die Medvecâ erstaunte. Der dumme Bauernjunge schrie wie am Spieß. Sie spielte mit ihm.

Die anderen Ylors schlachteten die Dorfbewohner ab. Sie fraßen ihr Fleisch, tranken ihr Blut und steckten die Häuser in Brand. Medvecâs Brüder johlten im Rausch des Blutes.

Medvecâ lachte! Ein herrlicher Abend. Nataly quälte den armen, dummen Paddy auf das grausamste. Sie verstümmelte ihn und ließ ihn nur sehr langsam und schmerzvoll sterben. Medvecâ erregte das! Sie hatte mehr Potential, als er dachte. Soviel Grausamkeit war bewundernswert. Nach einer halben Ewigkeit war schließlich der letzte Atemzug aus Paddy gewichen.

Alle waren tot! Natalys Augen leuchteten hell, Blut tropfte aus ihrem Mund.

Exzellent, meine Liebste! Du hast dich wahrlich bewiesen. Nun widme dich deiner nächsten Aufgabe. Finde Roi Danton!

Kapitel 12
In der Finsternis

Kathy kauerte in der Ecke der dunklen, feuchten und schimmeligen Zelle. Es war kalt, ihre Kleider noch klamm vom Regen. Seit einigen Stunden saß sie in diesem tristen Raum.

Was war mit Kalky geschehen? Es gab wohl keine Hoffnung mehr für den Mausbiber. Nichts würde ihn mehr retten können, es sei denn, ein Superschlachtschiff der LFT würde plötzlich auftauchen und alle Ylors zusammenschießen. Aber das würde nicht geschehen. Stattdessen würde Kathy vermutlich ihr Lebensende in diesem Gefängnis verbringen. Von ihrer besten Freundin Nataly verraten und verkauft! Kathy kam nicht darüber hinweg, wieso Nataly alles und jeden verriet, um ein Leben mit diesem Vampirfürsten zu führen. Das war doch völlig absurd!

War das vielleicht nur ein schräger Plan von Roi Danton, den Kathy nicht kannte? Sollte Nataly vielleicht nur vortäuschen, dass sie eine Dienerin von Medvecâ war? Dann würde ja alles noch gut werden.

Lautes Gebrüll, grelle Schreie und markerschütterndes Wimmern ließen Kathy erschauen und sich noch mehr zusammenkauern. Die Beine hatte sie angewinkelt und ihre Arme die Knie umschlossen.

Die Zellentür öffnete sich. Ein Wesen wurde hineingeworfen. Keuchend fiel es zu Boden und jammerte in einer fremden Sprache. Der Ylors-Wächter grunzte zufrieden, spuckte auf das Geschöpf und schloss die Tür.

Kathy schaute mitleidig auf den geschundenen Fithuul. Sein zarter, gläserner Körper war unglaublich schmal. Sie erkannte das hellblaue Blut wild durch und aus dem Körper zirkulieren. Sie musste keine Medizinerin sein, um zu wissen, dass dieses Wesen im Sterben lag.

Sie traute sich nicht, näher an den Fithuul zu gehen. Sie misstraute diesem Wesen genauso wie den Ylors und Nataly. Auf der anderen Seite war er doch auch ein Gefangener. Er litt genauso wie Kathy, hatte dieselben Ängste. Sie nahm ihren Mut zusammen und kroch zu ihm. Behutsam legte drehte sie ihn um und legte ein Stück Stoff unter seinen Kopf.

Was haben sie dir nur angetan?

Der Fithuul starrte Kathy mit seinen großen, einfarbigen Augen an und atmete schwer. Es klang wie ein Fisch, der versuchte, an Land nach Luft zu ringen. Mit seinen feingliedrigen Händen versuchte er, Kathy am Kopf zu berühren, doch er war viel zu schwach. Der Arm sank schlaff zu Boden.

Mühsam rückte das Wesen ein Stückchen von der Terranerin ab, lehnte sich gegen die kalte, feuchte Mauerwand und schlief ein.

Kathy stand auf und ging umher. Nach einer Weile wurde sie müde und sie legte sich an ihre Schlafstelle und versuchte sich etwas auszuruhen.

Ein wohliger Schauer weckte sie in den nächsten Tag. Es war ein Gefühl der Befriedigung, der grenzenlosen Zufriedenheit. Wie ein Drogenrausch. Schließlich kannte sich Kathy Scolar damit aus, in ihrer frühen Teenagerzeit hatte sie selbst Drogen genommen. Doch dieses Gefühl war anders. Es kam noch etwas hinzu – ein Schmerz!

Als ob sich jemand an ihr festsaugte. Sie öffnete die Augen und stellte erschrocken fest, dass der Fithuul an ihrem Oberarm nuckelte. Die großen Augen starrten sie gierig an, während er ihr Blut aus ihrem Arm zog. Kathy schrie auf und stieß mit ihren Beinen den Fithuul von ihr. Er hatte sich in ihren Arm fest gebissen und riss ein Stücken Fleisch aus, als Kathy ihn wegstieß. Sie schrie auf. Das wohlige Gefühl war längst dem Schmerz und der Angst gewichen. Erschrocken starrte sie auf ihre Wunde. Die Fithuul gab seltsame, schrille Geräusche von sich. Ihr Blut tropfte aus seinem Mund.

Kathy wurde auf einmal sehr müde und schwach. Sie durfte nicht einschlafen, denn sonst würde der Fithuul wieder über sie herfallen. Es gab nur eine Möglichkeit. Der Fithuul musste sterben. Aber ging das überhaupt, wenn er bereits ein Ylors war? War er es denn?

Sie wollte aufstehen, spürte aber ihre Beine nicht mehr. Kathy fiel zu Boden. Ihre Kräfte hatten sie verlassen. Sie konnte sich nicht mehr gegen den Fithuul wehren.

Langsam öffnete Kathy die Augen. Es war das gleiche Bild, wie jeden Tag. Ein dunkler Raum mit schemenhaften Gestalten um sie herum. Wo war sie? Es war jedenfalls nicht der Kerker. Sie lag auf einem weichen Bett, doch sie erkannte nichts um sie herum. Alles war verschwommen und Kathy war so unendlich schwach und müde. Jede Bewegung eines Fingers strengte an. Ihr Geist war teils wach, teils fühlte sie sich so, als sei sie in Trance.

Sie war wehrlos und das erregte sie plötzlich. Sie wusste nicht wieso, aber plötzlich war wieder dieses wohlige, befriedigende Gefühl da. Sie spürte, wie sie jemand streichelte. Eine Silhouette vor ihren Augen nahm Form an. Langsam hob Kathy ihre beiden Arme und streichelte das Gesicht der Frau. Es war Nataly! Ihre Augen leuchteten in einem irisierenden Gelb.

Kathy fühlte sich zu ihr hingezogen. Sie war ein vertrautes Gesicht. Ein schönes Gesicht. Nataly lächelte.

Komm in unseren Schoß, Kathy! Werde Eins mit uns. Du kannst es sowieso nicht verhindern. Du wirst sterben. Genieße es! Lasse es mit dir geschehen. Es ist wundervoll.

Sie lächelte, küsste Kathys Hals und biss lasziv in die Beuge des Schulteransatzes. Kathy hatte keine Kraft mehr, sich zu wehren. Sie besaß keine Energie mehr. Jeden Tag das Gleiche. Es fiel ihr wieder ein. Nataly quälte sie grausam und nahm ihr Tag für Tag mehr Lebensenergie. Solange, bis sie letztlich sterben würde.

Wo war Aurec? Er war nicht bei ihr. Nur in ihrem Herzen und vor ihrem geistigen Auge existierte er. Mühsam und mit letzter Kraft drückte sie Nataly von sich, doch die Halblinguidin war stärker als Kathy. Sie ließ nicht von ihr ab und der Terranerin blieb nichts anderes übrig, als sich in ihr Schicksal zu ergeben.

Und was würde dann geschehen? Würde sie als Geisteswesen existieren? In eine Superintelligenz aufgehen? Im Hyperraum verwehen? Ihr Gedächtnis verlieren? Ihre Erinnerungen an Aurec, ihre Gefühle für ihn? Sollte alles doch vergänglich sein? Kathy wollte das nicht! Aber die Alternative schien noch schlimmer.

Wehre dich nicht, meine Liebste! Füge dich in dein Schicksal als Braut von mir, Fürst Medvecâ!

Die Stimme war in ihrem Kopf. Der Herr der Ylors sprach zu ihr. Und sie las seine Gedanken, seine Vergangenheit. Einst war er der junge, poetische Alysker Medi gewesen. Er war romantisch gewesen und hatte die Alyske Norsha geliebt. Alles war wundervoll gewesen, bis er vom Ylors Glond zu einem Wesen der Nacht gemacht wurde. Aus Medi wurde Medvecâ – ein Racheengel der Ylors, der sein Volk zu zweifelhaften Ruhm geführt hatte, ihm immerhin aber eine neue Perspektive und Heimat geboten. Norsha war nach Jahrtausenden den Freitod gestorben und Medvecâ war stets nach der Suche nach Ersatz.

Nun sollten Nataly und Kathy seine Bräute werden. Nataly war es bereits. Sie nannte sich nun Natalia, offenbar gefiel ihr die Verniedlichung am Ende ihres Namens nicht mehr.

Kathy spürte, dass Medvecâ von einem dauernden Rausch besessen war. Gier, Lust und das Streben nach Macht bestimmten sein Denken und Handeln.

Ah, du suchst in mir nach Antworten auf meine Existenz? Oder willst du erfahren, mit wem du dich einlässt? Wir drei können unsere physische Begierden voll auskosten und anschließend wie ein Wirbelwind über das Riff brausen, um es zu erobern! Du wirst Aurec vergessen, so wie ich Norsha vergessen habe. Ihr Tod war das Beste, was mir je geschehen konnte, denn es machte mich frei von der Krankheit Liebe!

So wollte Kathy nicht werden!

Sie wollte Aurec nicht vergessen. Ihre Liebe zu ihm hatte sie stark gemacht, ihr Leben verändert. Von einer hysterischen, Drogen konsumierenden Tresenbedienung war sie zur verantwortungsvollen Abenteurerin geworden, deren Leben endlich einen Sinn hatte!

Das war nur eine Zwischenstation, liebste Katharina! Ja, so wird dein neuer Name sein. Nun ist es an der Zeit, deine vollendete Daseinsform anzunehmen. Zusammen mit Natalia werden wir kosmische Geschichte schreiben.

Plötzlich stand rechts Medvecâ neben ihr, während Nataly zu ihrer Linken neben ihr lag und sie streichelte. Kathy wehrte sich, wollte das nicht geschehen lassen, aber sie hatte keine Kraft. Sie fühlte sich so schwach, so leer. Im wahrsten Sinne des Wortes ausgesaugt.

Medvecâ legte sich rechts von ihr auf das Bett und streichelte Kathys Haar. Mit seinem Zeigefinger tippte er in ihre blutende Wunde. Nataly beugte sich über Kathy, um ihr Blut von Medvecâs Finger zu lutschen.

Dann küssten sich beide. Kathy war das unangenehm. Sie wollte hier weg. Medvecâ lachte, während Nataly ihre ehemalige Freundin finster anblickte. Sie riss Kathys Oberteil in zwei Teile und packte sie am Hals. Dann bohrte sie mit ihren Fingern in Kathys Halswunde herum. Es tat schrecklich weh. Kathy wollte schreien, aber die Kraft fehlte ihr. Sie blickte in Natalys kalte Augen.

Tut es weh? Das ist die Bestrafung! Böse Kathy!

Kathy hoffte, dass es bald aufhörte. Sie begann Nataly zu hassen, für den Schmerz, den sie ihr bereitete. Aber Nataly genoss es offensichtlich. Ihre Augen glänzend in finsterem Fanatismus.

Kathy ertrug den Schmerz nicht mehr lange. Sie nahm alle Kraft zusammen, ballte die rechte Hand zur Faust und schlug in Natalys Gesicht.

Du dumme Hure! Jetzt mach ich dich so was von fertig, das sag ich dir! Jetzt hast du ein echtes Problem, sag ich dir!

Nataly fletschte die Zähne, legte ihre Hände um Kathys Hals und drückte zu. Kathy versuchte vergeblich, die Hände von ihrem Hals zu drücken. Die Luft wurde knapp, der innere Druck im Kopf stieg an. Sie hatte das Gefühl, als würde ihr Gehirn gleich zerplatzen, doch Fürst Medvecâ stieß Nataly zur Seite.

Nicht so, Natalia! Wie auch du ist sie meine Braut.

Medvecâ lachte diabolisch. Dann berührte er Kathy an ihren intimen Stellen. Er küsste ihre Brüste. Nataly kam langsam hinzu und fing nun auch an, an Kathy zu spielen. Sie wollte das eigentlich nicht, konnte sie aber nicht wehren! Sie dachte darüber nach, dass sie gerade Aurec betrog und doch fing sie es langsam an zu genießen, wie die beiden sie verwöhnten.

Nein!

Kathy krallte sich an Medvecâs Haaren fest und zog sich hoch. Sie versuchte aus dem Bett zu steigen, doch Nataly gab ihr eine Ohrfeige. Kathy gab nicht auf, alles tat ihr weh, aber sie wollte hier raus! Sie schubste Nataly vom Bett und spürte Medvecâ in ihrem Rücken. Mit ihrem Ellbogen verpasste sie ihm ein Schlag auf die Nase.

Kathy stand auf und wankte. Doch sie lief los. Nur weg von hier. Erst jetzt bemerkte sie, dass sie außer dem zerfetzten Nachthemd nichts trug. Die Gänge waren dunkel. Sie wusste nicht, wohin sie laufen sollte.

Nataly hatte sie inzwischen eingeholt und sprang Kathy in den Rücken. Ächzend krachte sie zu Boden. Nataly riss Kathy herum.

Du Miststück. Ich töte dich jetzt!

Sie zog einen Dolch und rammte ihn in Kathys Brust. Kathy hatte nicht mehr die Kraft für einen lauten Schrei. Sie keuchte die Luft aus und wusste, dass es nun vorbei war. Es wurde noch kälter. Nataly zog den Dolch aus ihrem Fleisch und stieß wieder hinein. Und wieder und wieder und wieder!

Kathy spürte den Schmerz irgendwann nicht mehr. Nur am Rande bekam sie mit, dass Nataly und Medvecâ sich an ihrem Fleische labten. Der ganze Körper war ein einziger großer Schmerz, doch die unendliche Müdigkeit war noch größer. Kathy dachte an Aurec und die Dinge, die niemals geschehen würden. Die Heirat mit Aurec. Niemals würde sie ein weißes Hochzeitskleid tragen dürfen, keine romantische Heirat im saggittorisch-terranischen Stil, keine Kinder, kein Leben. Alles vorbei! Alles zu Ende! Sie hatte gekämpft, doch es hatte nichts genützt.

Sie hatte Aurec enttäuscht. Er würde bestimmt um sie trauern, aber hoffentlich würde er eine Frau finden, die ihn aufrichtig liebte und den Abenteuern gewachsen war. Kathy dachte an Elyn. Sie war eifersüchtig auf die Alyske gewesen, doch nun war es egal. Kathy starb und Aurec brauchte jemanden, die sich um ihn kümmerte, ihn liebte und Kraft gab. Vermutlich war Elyn die Richtige. Sie sollte auf Kathys Aurec aufpassen.

Der Schmerz wurde intensiver, dann wurde ihr Schwarz vor Augen. Die Müdigkeit wurde größer. Kathy versuchte noch kurz dagegen anzukämpfen, dann war es vorbei und die Nacht umgab Körper und Geist von Kathy Scolar.

Kapitel 13
Auf der Suche

Roi Danton starrte resignierend auf die Abtastungsergebnisse aus dem Reich der Husaaven. Es war recht groß. Ambush war es inzwischen gelungen, die Ortung mit den Individualimpulsen der Terraner zu programmieren. Das Ergebnis war ernüchternd – nichts! Kathy und Nataly befanden sich nicht mehr bei den Husaaven. Das bedeutete, sie waren entweder woanders oder tot.

Roi blickte auf das Chronometer. Es war Ende November 1307 NGZ. Über ein halbes Jahr waren sie nun im Riff. Und offenbar war dieses Abenteuer viel zu verlustreich ausgegangen.

Was konnten sie noch tun? Sie hatten vor einigen Tagen einige Siedlungen von einigen hundert mausbiberähnlichen Wesen entdeckt. Doch auch dort waren keine Terraner zu lokalisieren. Leider konnte Danton und seine Crew nicht frei agieren. Ylors-Raumschiffe und Husaaven patrouillierten im gesamten Gebiet. Roi wollte nicht entdeckt werden. Einem Angriff von den Ylors würde die DUNKELSTERN nicht standhalten.

Er hatte auch die Verantwortung für die anderen Besatzungsmitglieder: Sato Ambush, Roland Meyers, Crassp, Zerzu, Hakkh, Jock und Pyla.

Er sah zur schönen Bürgermeistertochter herüber. Sie strahlte mal wieder über beide Wangen. Wahrlich war sie eine offene Frohnatur. Und sie hatte sich auf dem Tholmond wacker geschlagen.

Roi?

Was gibt es, Sato?

Der Pararealist schaute Danton ernst an. Wir haben einen Hilferuf aus dem Dorf erhalten. Es ist ein automatisches Notrufsignal.

Pyla sah Danton besorgt an. Auch Jock hatte es mitbekommen und forderte, dass sie unverzüglich zum Dorf fliegen sollten. Roi gab dem Wunsch nach. Die DUNKELSTERN flog mit Höchstgeschwindigkeit zum Dorf.

Seht nur, sie senden uns ein Rauchsignal, meinte Pyla.

Roi sah sich über den Bildschirm das Areal an.

Das ist kein Rauchsignal, Pyla!, antwortete Roi mit belegte Stimme. Sie blickte ihn fragend an, schien dann langsam zu verstehen, dass es sich um brennende Häuser handelte.

Macht das Shuttle startklar. Roland, Sie kommen mit. Jock, du auch.

Ich auch!, schrie Pyla.

Danton nickte schwach. Es wäre nicht fair gewesen, sie zurückzulassen. Es ging um ihr Volk. Doch Roi war sich nicht sicher, ob sie das überstehen würde. Er befürchtete das Schlimmste.

Nach zehn Minuten war die Fähre startklar und flog zum Dorf. Aus jedem Haus rauchte es. Das komplette Dorf war zerstört. Roi ging voran, doch Jock eilte voraus. Er blieb weinend stehen und sackte auf den Boden, als er die ersten Leichen sah. Pyla wollte auch loslaufen, doch Roi hielt sie fest. Sie zerrte und rief, sie wolle hin, doch diesen Anblick wollte Danton ihr ersparen.

Er nahm sie in den Arm, während sie laut weinte. Roi erkannte, dass überall Teile von Menschen lagen. Meyers ging durch die Kadaver, während Jock wild durch das Dorf lief.

Der ehemalige Quarteriale ging zu Roi und schüttelte den Kopf.

Hier hat keiner überlebt. Das waren die Ylors. Die Leichen sind übel zugerichtet.

Papa? Carah? Paddy?, stotterte Pyla.

Ich habe ihre Leichen gefunden. Das solltest du dir nicht antun.

Sie schrie und wollte sich von Roi losreißen, doch er hielt sie fest. Es fiel ihm selbst schwer, die Ruhe zu bewahren. Anfangs hatte er nicht viel von Pyla gehalten, doch sicherlich gönnte er ihr dies nicht. Er empfand großes Mitleid für Pyla. Sie und Jock waren die letzten Überlebenden des Dorfes. Hätte Roi die Dorfbewohner nicht in seine Spielchen involviert, wären sie vermutlich noch am Leben.

Er trug eine Mitschuld an ihrem Ende. Natürlich hatte er sie nicht ermordet, doch er hätte klug genug sein müssen, um so etwas vorauszusehen.

Ein gellendes Gelächter ließ ihn erschrecken. Es klang wie das Gekichere einer Hexe.

Nataly, stieß Meyers hervor. Du lebst?

Roi schob Pyla sanft von sich und drehte sich um. Nataly wirkte nicht wie sonst. Sie trug eine dunkle Kombination, ihre Haare waren wirr und sie war noch bleicher als sonst. Ihre Augen leuchteten gelblich.

Liebster Roland, ich habe dich so sehr vermisst. Aber nun sind wir wieder vereint.

Meyers ging zu ihr.

Nicht!, rief Danton, doch es war bereits zu spät. Er stand direkt vor Nataly.

Wo ist Kathy, wollte Meyers wissen.

Oh, sie ist tot. Mausetot.

Was? Aber wie?, fragte Meyers entsetzt.

Roi ging mit Pyla langsam ein Stückchen näher. Er wollte Meyers noch einmal warnen, da zog Nataly einen Dolch und rammte ihn Meyers in die Brust.

So!, erwiderte Nataly kalt.

Dann fletschte sie ihre Zähne und biss in den Schildknorpel des Kehlkopfes. Sie stieß Meyers weg. Er fiel leblos zu Boden. Pyla schrie erneut auf. Roi konnte nicht fassen, was geschehen war. Nataly hatte Roland Meyers getötet. Sie kaute noch auf dem Adamsapfel herum. Das Blut floss aus ihren Mundwinkeln.

Roi zog seinen Strahler.

Nataly lachte diabolisch. Damit wirst du mich nicht aufhalten können. Ich bin eine Fürstin der Ylors!

Sie breitete die Arme aus und drehte sich mehrmals um ihre eigene Achse.

Ihr seid so dumm. Es war ein Spaß, alle hier zu töten, sag ich dir! Sie jammerten und winselten um ihr Leben. Aber ich habe sie erbarmungslos abgeschlachtet. Sie waren so köstlich, sag ich dir!

Roi war fassungslos. Nataly war zu einer Ylors geworden und Kathy tot. Hätte er doch nur intensiver nach ihnen gesucht. Roi machte sich schwere Vorwürfe in diesem Moment. Er hatte komplett versagt. Den Tod aller Dorfbewohner und von Nataly und Kathy hatte er zu verantworten.

Und nun war auch noch Roland Meyers tot. Roi wusste in diesem Moment nicht, was er tun sollte. Da spürte er das Zittern von Pyla an seinem Körper. Er musste sich zusammenreißen, damit nicht auch noch sie starb. Und was war mit Jock?

Jock, komm her!, rief Roi.

Doch er antwortete nicht.

Jock?

Pyla, die sich immer noch an Danton festkrallte, drehte sich um und blickte nach hinten. Dann schrie sie. Roi musste sich nicht umdrehen, um zu wissen, dass auch Jock tot war.

Nun bemerkte er eine ganze Reihe an Ylors, die sie umzingelten. Danton und Pyla waren auf sich allein gestellt. Das konnte nichts werden.

Du bist nun ein Gefangener des Herren des Riffs – Fürst Medvecâ! Ergib dich und dein Leben wird vorerst geschont.

Und was ist mit ihr?

Ich werde sie fressen, was sonst? Wird bestimmt ein Spaß werden. Nataly kicherte.

Wie konnte sich ein Mensch in der kurzen Zeit so sehr verändern? Gut, Roi hatte auch schon einmal als Torric so seine Probleme gehabt. Das gehörte jetzt aber nicht hier her. Wie konnte er Pylas und sein Leben retten?

Er blickte in den Himmel. Die DUNKELSTERN nahm an Fahrt auf. Gut! Sato Ambush würde schon etwas einfallen.

Also Kathy ist auch tot?

Gewissermaßen. Aber ich war auch tot und nun lebe ich erst richtig.

Verstehe ich das richtig, sie wird auch zu einem Ylors?

Nataly lachte nur.

Die DUNKELSTERN fing nun an zu feuern. Mit gezielten Schüssen setzte sie einen Feuerkreis um Roi und Pyla. Dann flog ein Beiboot heraus und schwebte zwei Meter über ihnen. Die Luke öffnete sich. Roi schob Pyla hinein und klammerte sich an den Halterungen fest.

Los!

Crassp bestätigte und steuerte die Fähre zur DUNKELSTERN. Roi brauchte etwas, um das Ganze zu verarbeiten. Meyers tot. Nataly und Kathy Ylors. Das ganze Dorf vernichtet. Pyla weinte bitter. Sie tat ihm so leid. Das hatte er nicht gewollt.

In diesem Moment vergaß er die Maske des unnahbaren Edelpiraten oder Freihändlerkönigs. Es war nicht die Zeit für einen Witz, sondern ernstes Mitgefühl zu zeigen. Sanft nahm er Pyla in den Arm und versuchte sie zu trösten.

Die Fähre landete inzwischen im Hangar.

Komm, sagte er und zerrte sie mit sich. Als sie in der Kommandozentrale angekommen waren, setzte er sie auf einen Sessel. Sie war völlig fertig.

Nun musste er an das Schiff denken.

Kapitän, zwei Raumschiffe halten direkt auf uns zu, meldete Crassp entsetzt.

Auf dem großen Bildschirm wurden tatsächlich zwei walzenförmige Raumschiffe mit kunstvollen Verzierungen an den Seiten erkennbar. Danton identifizierte sie als Ylorsraumschiffe.

Plötzlich erschien das Gesicht von Nataly Andrews auf dem Monitor. Roi hätte sie am liebsten mit eigenen Händen erwürgt.

Nataly! Wieso?

Nataly Andrews ist tot! Ich bin Nathalia, Gemahlin von Fürst Medvecâ

Ihr Lächeln war kalt und erbarmungslos. Es war richtiggehend bösartig.

Natalia formte die Lippen zu einem Schmollmund und versuchte unschuldig auszusehen. Heult die kleine Schlampe? Es war schön, ihre Familie auszulöschen. Ebenso berauschend, wie Kathy und Roland umzubringen.

Was ist geschehen, Nataly? Was hat dich verändert?

Fürst Medvecâ hat endlich meinem Leben einen Sinn gegeben. Verantwortung, Macht, Respekt und Anerkennung! Ich bin keine Terranerin mehr, sondern eine Ylors!

Ah. Und denkst du dabei auch an den armen Johnny?

Für Jonathan hege ich keinerlei Gefühle mehr. Schon bevor ich eine Ylors wurde nicht mehr. Er war unbedeutend, nur ein Klotz an meinem Bein.

Das kam alles so plötzlich. Danton hatte Nataly als eine moralisch hochstehende Frau kennengelernt. Obgleich sie vor einigen Monaten bei seinen Anzüglichkeiten mitgespielt hatte. War das schon ein Anzeichen gewesen? Wie dem auch sei, das war nicht mehr die Nataly von einst. Sie war ein Ylors, ein seelenloses Wesen geworden. Und die Mörderin von Kathy!

Mein Gemahl Medvecâ zeigt Interesse an euch. Zum ersten und letzten Mal, Danton! Ergebt euch oder sterbt!

Nataly zeigte ein kaltes Lächeln. Für Roi gab es nur einen Ausweg. Er gab Sato Ambush ein Zeichen. Es war unmissverständlich. Feuer frei!

Sofort feuerte die DUNKELSTERN mit allem, was sie hatte auf die beiden Ylorsraumschiffe.

Vollgas raus hier! Richtung Nebel!, brüllte Danton.

Doch da wurde die DUNKELSTERN bereits getroffen.

Die DUNKELSTERN glich einem Schrotthaufen, doch sie musste durchhalten. Noch ein paar Millionen Kilometer!

Überall brannte es! Pyla kreischte und weinte.

Roi Danton holte aus dem Raumschiff raus, was noch möglich war. Doch die beiden Raumschiffe der Ylors kamen immer näher.

Aber ebenfalls der Nebel.

Wieder erschien das Gesicht von Nathalia auf dem Monitor.

Böser, böser Roi. Ich werde dich an die Leine nehmen und bestrafen müssen. Du wirst mir nicht entkommen, das sag ich dir!

Konnte die Alte nicht einmal die Klappe halten? Bei jeder Aktion spürte Danton Nathalias kalte, blaue Augen auf sich ruhen.

Die Raumer kamen näher und näher. Es hatte keinen Zweck. Roi erkannte, dass sie unterlegen waren.

Wir ergeben uns.

Was?, rief Crassp.

Ja, es hat keinen Sinn. Nataly, wir geben auf.

Sie lachte. So so! Aber nun ist es zu spät. Du hast mich lange genug geärgert, sag ich dir! Ich bin eine Frau und Frauen sind launisch. Deshalb habe ich meine Entscheidung geändert. Ihr sterbt jetzt, so oder so!

Roi seufzte. Getötet von einem arroganten Weibsbild. Schlimmer geht’s nimmer! Angestrengt überlegte er, wie er Natalia davon überzeugte, sie doch am Leben zu lassen.

Unweit der drei Raumschiffe öffnete sich plötzlich das Weltall. Ein blaues Energiefeld entstand, in der Mitte öffnete sich eine Art Portal. Das Gebilde glich einem Schwarzen Loch.

Ein Raumschiff wurde aus dem Loch katapultiert. Es war ungefähr zwei Kilometer groß, besaß eine spitze Form und drei hohe Türme auf der Oberfläche. Die Hülle war schmutzig, dreckig, wirkte fast eingefallen und uralt.

Das Raumschiff wirkte auf Danton gespenstisch. Ein grüner Dunst umgab die Unterseite des Sternenschiffes. Nataly oder Nathalia wirkte plötzlich unruhig und sah immer wieder auf irgendwelche Kontrollen. Nun begriff Danton, dass das kein Ylors-Raumschiff war.

Das fremde Schiff wendete und flog nun auf Parallelkurs mit den beiden Ylors-Raumschiffen. Dann feuerte es zwei donnernde, grelle Energieringe auf ein Schiff ab. Dieses verging sofort im goldenen Feuer.

Was soll das? Wer ist das?, keifte Nataly.

Das fremde Schiff hielt direkt auf Natalys Schiff zu. Noch immer bestand die Verbindung und ließ Roi direkt an dem Geschehen teilhaben.

Die Halblinguidin stieß einige unverständliche Befehle aus, während ihre Hände hektisch über diverse Kontrollen huschten. Um das übriggebliebene Walzenschiff legte sich plötzlich ein giftgrüner Schleier, während die Verbindung abriss. Gleichzeitig griffen wieder zwei der grellen Energieringe nach dem Schiff. Und dann war es vorbei. Wieder die goldene Energieentladung, doch das Zentrum des kollabierenden Rings war leer, nur grüne Überladungsblitze zeugten von dem Energieinferno.

Das Schiff war weg.

Und was war mit Nataly Andrews oder vielmehr Nathalia, der Giftschlange von Medvecâ?

Kapitel 14
STERNENMEER

Mit betretenden Schweigen starrte Danton in den Weltraum. Kathy war tot! Ermordet von Nataly, ihrer besten Freundin. Wie Aurec das wohl aufnehmen würde? Würde der Tod von Kathy ihn zerbrechen lassen? Sie brauchten Aurec dringend. Die Saggittonen, einfach alle!

Roi Danton dachte auch an Jonathan Andrews. Ihm die traurige Nachricht mitzuteilen, dass seine Frau eine Mörderin geworden sei und nichts mehr mit ihm zu tun haben wollte, war eine schwere Bürde.

Meyers war auch tot. Pyla war die einzige Überlebendes des Dorfes. Die Todesliste der Ylors war sehr lang.

Das fremde Raumschiff hielt langsam direkt auf die DUNKELSTERN zu. Waren sie die Nächsten? Danton bezweifelte es. Es war eine Rettungsaktion des fremden Raumers gewesen. Wer immer es befehligte, er hatte der Crew der DUNKELSTERN das Leben gerettet.

Wir erhalten einen Funkspruch auf Interkosmo, Sir! Der Kommandant der STERNENMEER möchte mit Ihnen sprechen!

STERNENMEER war also der Name dieses eigentümlichen Raumschiffes. Danton nickte.

Plötzlich erschien wie aus dem Nichts eine Gestalt vor ihm. Danton zuckte zusammen, denn dieses Wesen sah aus wie lebendiges Gespenst. Die filzigen, dunklen Haare hingen nass und wirr in das ausgemergelte Totengesicht. Der Körper war von einer schwarzbraunen Kombination bedeckt, an der jede Menge Waffen baumelten. Er trug einen zerrissenen, mit Schimmel bedeckten Umhang.

Hoffentlich verlangte er keine Umarmung als Dank, dachte sich Roi angewidert.

Vielen … vielen Dank für die Rettung. Sie sind …?

Ich bin Nistant! Erbauer des Riffs und sein rechtmäßiger Herrscher. Eure Anwesenheit ist mir seit Eurer Begegnung mit Cul’Arc bekannt.

Das war also Nistant! Der Legende nach musste dieses Wesen einige Millionen Jahre alt sein. Nicht, dass er so auch aussah, aber es war trotzdem ein seltsames Gefühl, zu glauben, dass dieses Wesen so alt war!

Die Ylors haben während meines langen Schlafes in der Dunkelheit die Kontrolle übernommen. Ich bin mir bewusst, dass das Auftauchen des Riffs auf euch alle furchteinflößend wirkt. Doch seid gewiss, wir wollen kein Leid bringen. Auch wenn dies das Volk der Hexen anders sieht. Eine von ihnen war bei euch?

Maya!, stieß Crassp hervor.

Wo ist sie? Wisst Ihr etwas, dann sagt es bitte, fügte Sato Ambush hinzu.

Nistant lachte kurz. Nein! Wir suchen sie selbst.

Eine Frau ist in der Hand der Ylors. Angeblich tot, aber …, sagte Danton.

Dann ist jede Hoffnung vergebens. Medvecâ wird sie zu seinesgleichen machen und sie wird ein Wesen ohne Seele sein. Wie jenes Weib, welches knapp meiner Bestrafung entgangen ist.

Nathalia? Woher …?

Wir haben euer Funkgespräch mitgehört. Ihr Schiff ist jedoch entkommen, bevor die Energiestrahlen es zerstört hätten. Und es gibt keine Hoffnung für die zweite Frau. Wenn sie von einem Ylors getötet worden ist, dann wäre es besser, wenn sie tot bleibt.

Besser tot blieb? Dann befürchtete Nistant also, dass Kathy ebenfalls zu einer Ylors werden könnte. Oder war sie es bereits? Wurde sie dann genauso ein finsteres Wesen, wie Nataly Andrews?

Ihr verlasst das Riff?, fragte Nistant schließlich.

Oui, wir werden den Einwohnern Siom Soms mitteilen, dass Ihr ihnen kein Leid bringt, doch versteht, dass dies nicht ausreichen wird. Was ist das Ziel des Riffs? Warum seid Ihr in Siom Som?

Nistant wanderte durch die Kommandozentrale und musterte die Crew. Besonders die Riffaner hatten deutlichen Respekt vor ihm. Pyla weinte immer noch. Nistant blieb stehen und legte seine Hand auf ihre Schulter.

Der Tod deiner Nächsten ist traurig. Sie waren Kinder des Riffs. Du wirst bei den Terraner neue Freunde finden.

Dann wandte er sich wieder Roi Danton zu.

Alles zu seiner Zeit, Roi Danton alias Michael Rhodan.

Ihr wisst viel.

Das macht das Alter. Doch eines frage ich mich, Nistant wanderte wieder umher, kennt Ihr eine Frau mit dem Namen Anya Guuze?

Danton stieß einen Pfiff aus.

Ja, die kenne ich. Woher kennt Ihr sie denn?

Wir sind uns auf Ednil an der Stätte meiner Wiedergeburt begegnet.

Ednil? M 87? Roi vermutete, dass einiges geschehen war, seitdem er im Riff gewesen war. Immerhin waren es nun schon fast sieben Monate. Tobte immer noch der Krieg überall? Ging es allen gut, die ihm am Herzen lagen?

Soll ich Mademoiselle Guuze von Ihnen grüßen? Sind Sie zwei befreundet?

Nistant lachte. Ihr seid doch im Besitz des Bildnisses von Ajinah? Würdet Ihr es bitte holen?

Roi Danton begriff so langsam. Das Bild! Er eilte zur Stelle, auf der es stand, nahm es und brachte es Nistant. Dann betrachtete er das Bild noch einmal und nun fiel es ihm wie Schuppen von den Augen!

Die Frau auf dem Marmorbild glich Anya Guuze wie aus dem Gesicht geschnitten!

Fragend starrte Danton Nistant an.

Eben darum, mein Freund! Es ist so, als würde Ajinah wieder leben. Anya Guuze ist ihre Reinkarnation. Sie ist das Herz der Sterne, nachdem ich seit Äonen suche. Der Geist von Ajinah schlummert in ihr und wartet darauf, geweckt zu werden!

Wie romantisch, aber dennoch vielleicht etwas übertrieben, fand Danton. Er gab Nistant das Bildnis wieder.

Ich habe es auch geputzt, meinte Danton und grinste.

Nistant nahm es wortlos. Danton war dieser lebende Totenkopf ziemlich unheimlich und doch wirkte er ja so zuvorkommend und höflich. Ähnlich wie diese Fledermaus Cul’Arc.

Ach, wie geht es eigentlich Ihrem geflügelten Freund?

Er ist tot. Und doch lebt er.

In diesem Moment verwandelte sich Nistant in das Fledermauswesen Cul’Arc. Danton war ehrlich beeindruckt. Nistant verwandelte sich wieder zurück.

Er ist ein Teil von mir. So war es von Beginn an.

Nun, ich könnte noch stundenlang plaudern, aber wir müssen auch mal wieder nach Hause. Es ist schon reichlich spät.

Irgendwie wollte Danton dieses Gespräch schnell beenden, denn Nistant wurde ihm immer unheimlicher.

Wir werden uns wiedersehen, Danton! Wenn Ihr mein Herz der Sterne findet, gebt Acht auf Anya! Ihr könnt den Nebel passieren. Ich habe entsprechende Vorkehrungen getroffen.

Danton nickte. Nistant löste sich auf. Wenige Sekunden später nahm die STERNENMEER an Fahrt auf und verschwand.

Befehle, Roi-san?, fragte Ambush leise.

Nach Siom Som und dann hoffen, dass wir Freunden und nicht Feinden in die Arme fliegen.

Epilog

Erhebe dich!, wisperten die Stimmen in ihrem Kopf. Sie konnte nicht atmen und doch war sie nicht tot. Die Last der Erde lag auf ihr. Wie sollte sie sich erheben? Doch es ging plötzlich ganz einfach. Ihr Körper schnellte hoch, grub sich selbst aus. Endlich kam sie aus dem klaustrophobischen Zustand heraus und fing an zu atmen. Sie atmete die frische Luft, spürte die Regentropfen auf ihrem Körper.

Nun öffnete sie die Augen. Wo befand sie sich? Es war offenbar ein Friedhof. In der Dunkelheit erkannte sie Grabsteine und Skulpturen.

Es regnete und ein starker Wind blies, doch das machte ihr nichts aus. Erst jetzt dachte sie über ihre Wunden nach. Instinktiv fasste sie sich an den Hals und ihre Brust, doch die Verletzungen waren nicht mehr fühlbar.

Der Regen peitschte ihr ins Gesicht. Sie lebte und war gestorben. Und doch fühlte sie sich lebendiger denn je. Sie wollte ihr Lust zügeln, doch es fiel ihr schwer. Sie wollte jetzt etwas essen, trinken, mit jemandem schlafen.

Ja, sie wollte … sie würde unersättlich sein! Ein neues, ungekanntes Gefühl stieg in ihr hoch. Die Lust zu jagen, jemanden zu töten!

Sie schüttelte die Gedanken wieder ab, nahm sich vor zu widerstehen, doch der Wunsch nach Exzessen kam tief aus ihrem Inneren. Plötzlich trat ein Mann aus dem Schatten hervor.

Sie erkannte ihn wieder. Es war Fürst Medvecâ. Er lächelte sie an und sagte:

Willkommen, Katherina! Du bist meine zweite Braut!

Ende

Viel ist geschehen, während Roi Danton im Riff war. Die VIPER ist vernichtet, Nataly Andrews und Kathy Scolar sind dem Fürsten der Ylors Medvecâ verfallen.

Im nächsten Roman schildert Jürgen Freier die weiteren Ereignisse in Siom Som. Wie wird die Bevölkerung Roi Dantons Erzählungen aufnehmen und wird Nistant sich wirklich an die Einwohner Siom Soms wenden? Mehr darüber in Heft 168 mit dem Titel

Sturm über Siom-Som

Kommentar

Und wieder wurde ein Mosaiksteinchen enthüllt, das uns weitere Informationen vor allem über die Geschichte der Alysker gibt. Die Bestrafung durch die Ordnungsmächte, nach dem Scheitern der Verschmelzung von Kosmokraten und Chaotarchen, machte nicht nur die Überlebenden Alysker unsterblich, sondern schuf auch eine Art negatives Leben, eben die Ylors. Und auch hier ergibt jedes Informationshäppchen mindestens zwei neue Fragen!

Waren auch die Ylors in grauer Vorzeit auf der Erde aktiv? Die in allen Kulturen vorhandene Angst vor Blutsaugern, den Vampiren, legt diesen Gedanken nahe. Die Geschichte Terras hat gezeigt, dass alle Mythen und Legenden in ihrem Kern über tatsächliche Ereignisse berichteten.

Lemuria wurde von einer verlachten Überlieferung für Esoteriker und Spinner zur Erinnerung an die glorreiche Vergangenheit der Menschheit, Atlantis stieg aus den Fluten empor, Götter und Göttinnen erwachten zum Leben, jede kollektive Angst des menschlichen Rassegedächtnisses wurde zwischen den Sternen zur erbarmungslosen Wirklichkeit.

Stehen wir nun wieder vor neuen Enthüllungen über unsere Geschichte und unser Schicksal?

Daneben spitzt sich das Verhältnis zwischen den Hauptakteuren immer mehr zu. Sowohl Aurec als auch Jonathan Andrews scheinen ihre Liebsten verloren zu haben. Hier erhebt sich die Frage, wie wird Aurec, wie wird Jonathan mit dieser neuen Entwicklung umgehen? Und natürlich sind Kathy und Nataly tatsächlich zu eiskalten Blutsaugern à la Medvecâ geworden?

Fragen, Fragen und nochmals Fragen …

Jürgen Freier

Glossar

Medvecâ

Geboren: vor ca. 7 Millionen Jahren

Geburtsort: Alysk

Größe: 1,94 Meter

Gewicht: 96 Kilogramm

Augenfarbe: silbrig / braun / orange

Haarfarbe: schwarz

Medvecâ ist der Anführer der Ylors. Er wird oftmals als Fürst der Finsternis bezeichnet. In seiner Jugend ist Medvecâ der schüchterne Alysker Medi, der mit über dreihundert Jahren seine erste Freundin kennen lernt; Norsha! Während ihres ersten Liebesurlaubes wird Medi vom Ylors Glond gebissen und stirbt. Er verwandelt sich in einen Ylors und wird vom Kollektiv der Ylors aufgenommen. Telepathisch steht er so jederzeit in Kontakt mit seinen Artgenossen.

Aus Medi wird im Laufe der Zeit Medvecâ. Er baut innerhalb kürzester Zeit auf der Welt Mures – jener Ort, an dem Medi auch gestorben ist – ein kleines Reich auf und tritt als reicher Unternehmer auf. In Wirklichkeit durchlebt er mit Glond die schlimmsten und brutalsten Phantasien am muralischen Volk aus. Er gibt sich Norsha zu erkennen und bittet um ihre Hilfe. Letztendlich unterstützt sie ihn. Beide suchen Eorthor auf. Noch schlummert Gutes in Medvecâ. Er will die Ylors in den Bund des Kreuzes der Galaxien erneut integrieren, doch Eorthor lehnt ab und nimmt Medvecâ gefangen.

Nach jahrtausendelanger Gefangenschaft kann Medvecâ fliehen und muss feststellen, dass die Ylors von den Alyskern gejagt und getötet werden. Es wird niemals Frieden zwischen den beiden Brüdervölkern geben. Zu diesem Zeitpunkt wendet sich Rodrom an Medvecâ und bietet ihm eine neue Heimat – das Riff!

Medvecâ stimmt zu und siedelt mit allen Ylors in eine andere Galaxie um, wo sie später vom Riff aufgenommen werden. Norsha sollte ihn begleiten, doch sie wählt den Freitod.

Damit ist Medvecâs Weg zur Finsternis komplett. Der letzte Bezug zum alten, alyskischen Leben ist dahin. Medvecâ baut sich auf dem Riff mit den Ylors ein Imperium auf und schwingt sich zum heimlichen Herrscher über das Riff auf. Seit Millionen von Jahren ist Medvecâ der eigentliche Herrscher des Riffs, überlässt den Riffanern jedoch ihre Autarkie und zieht es vor, in Abgeschiedenheit zu leben.

Charakterlich ist Medvecâ von Arroganz und Eitelkeit geprägt. Er ist zwar sehr intelligent, aber auch ebenso überheblich. Positive Gefühle besitzt er kaum. Die Jagd nach Fleisch und Leben erregt ihn. Das Gefühl ein lebendes Wesen zu erlegen, ist der höchste Genuss für ihn. Natürlich sieht er es besonders auf humanoide Frauen ab, um seinen schier unendlichen Durst nach Sex, Tod und Blut zu stillen.

Medvecâ wird über die Ankunft von Roi Danton auf dem Riff natürlich informiert. Er beeinflusst Nataly Andrews, hat aber ein leichtes Spiel mit ihr, da sie ein williges Opfer ist. Er ernennt Nataly als Nathalia zu seiner Braut, ebenso wie Kathy Scolar (Katherina), nachdem sie von Nathalia getötet wurde.

Ylors

Die Ylors (der Ylors, die Ylors) sind ein Nebenvolk der Alysker. Sie sind nach der Bestrafung durch die Kosmokraten vor 190 Millionen Jahren entstanden. Ylors entstehen, wenn Alysker länger als 30 Tage ihrem Heimatsystem (Heimatsonne) fernbleiben und auch manchmal, wenn sie den Freitod wählen.

So entstehen zwar weiter unsterbliche Wesen, doch sie sind missgebildet, roh und animalisch. Die Ylors stehen im kompletten Gegensatz zu den grazilen und Schönheit liebenden Alysker. Die Ylors haben dunklere Haut, sind vernarbt, erinnern dennoch deutlich an Alysker.

Die Ylors werden als Krankheit und Plage angesehen. Man deportiert sie auf einen Planeten im Alysksystem. Ein Virus rafft sie dahin und sie gelten Äonen lang als ausgestorben.

Jedoch hat sich der Virus verändert und die Ylors ebenfalls verändert. Er hat ihnen besondere Fähigkeiten, wie Telepathie, gegeben, aber auch den Blutdurst. So streifen die Ylors als Sternenvampire durch das Kreuz der Galaxien. Sie sind Einzelgänger und fürchten die Alysker.

Die Ur-Ylors, also jene, die aus Alyskern entstanden sind, sind in der Lage, ihr Virus auch in Cyragonen etc. zu verbreiten. So entstehen neue Ylors. Mit der Zeit baut sich eine neue Population auf, die aber niemals von den Alyskern und anderen Völkern des Kreuzes der Galaxien akzeptiert werden.

Unter der Führung von Medvecâ verlassen die Ylors vor etwa 7 Millionen Jahren ihre Heimat und siedeln sich auf dem Riff an. Dort leben sie in ewiger Dunkelheit, gehen auf die Jagd und sind die eigentlichen Beherrscher des Riffs.

Norsha

Geboren: vor. ca 7 Millionen Jahren

Gestorben: vor ca 7 Millionen Jahren

Herkunft: Alysk, Kreuz der Galaxien

Größe: 1,78 Meter

Gewicht: 60 Kilogramm

Augenfarbe: blau

Haarfarbe: blond

Norsha ist eine Alyskerin. Sie lernt den jungen Poetin Medi kennen und lieben. Bei ihrem ersten gemeinsamen Liebesurlaub stirbt Medi, was Norsha das Herz bricht. Als sie erfährt, dass Medi ein Ylors ist, ist sie zuerst entsetzt, hilft ihm aber später. Das rechte Vertrauen ist dennoch nicht vorhanden. Nachdem Eorthor Medvecâ verhaftet und dieser schließlich entkommt, wird Norshas Leben von Medvecâ beeinflusst. Sie lebt einsam und allein, bis Medvecâ ihr das Angebot macht, seine Frau zu werden – die Herrin über die Ylors.

Norsha lehnt ab und wählt den Freitod. Sie lässt ihre Organe durch eine kleine, künstliche Sonde in ihrem Körper desintegrieren, nachdem Medvecâ sie gebissen hat. So verhindert sie, dass sie als Ylors wiedergeboren wird.

Kathy Scolar

Geboren: 15.04.1277 NGZ

Geburtsort: Terra

Größe: 1,74 Meter

Gewicht: 60 kg

Augenfarbe: braun

Haarfarbe: braun

Bemerkungen: schlank, attraktiv, freundlich, ursprünglich etwas naiv, sensibel und nicht stark belastbar. Nahm gerne Drogen, um in die richtige Stimmung zu kommen.

Die am 15.04.1277 NGZ geborene Terranerin mit den braungrünen Augen hat im zarten Alter von nur 19 Jahren Aurec kennengelernt und ist zusammen mit ihm nach Barym verschleppt worden. Dort haben beide zueinandergefunden, doch Kathy ist von dem Sohn des Chaos Cau Thon beeinflusst gewesen und hat 1297 NGZ schließlich Aurec und seine Gefährten im Kampf verraten.

Kathy erleidet danach ein Trauma und wird zum psychischen Wrack. Acht Jahre lang lebt sie in einem Pflegeheim und wird nach Cartwheel gebracht, wo sie für die Entsorgung vorbereitet werden soll. Kathy erholt sich jedoch und trifft im Heim auf Joak Cascal, der vom Quarterium aus dem Verkehr gezogen wird. Gemeinsam fliehen sie und kämpfen sich durch Paxus. Kathy wird von Aurec gerettet und ihre Liebe keimt neu auf.

Die veränderte Kathy Scolar, inzwischen Ende Zwanzig, hat es schwer, einige Menschen von ihrem neuen Wesen zu überzeugen. Obwohl sie Unterschlupf bei Nataly Andrews und ihrem Onkel Jaaron Jargon findet, dauert es sehr lange, bis Nataly und Kathy Vertrauen zueinander fanden. Erst nach Kriegsausbruch zwischen dem Quarterium und den Saggittonen im August 1305 NGZ, der Verfolgung von Nataly, Jaaron und Kathy entsteht eine echte Freundschaft zwischen den beiden.

Auch ihre Liebe zu Aurec bzw. Jonathan Andrews verbindet sie, denn beide Männer sind im Krieg – weit weg von ihnen. Kathy, Nataly und Jaaron flüchten von Mankind nach Saggittor und von dort wieder nach Mankind in die LFT-Botschaft nach vielen Abenteuern. Erst im Jahre 1307 NGZ werden sie auf Bitten von Aurec und Perry Rhodan während der Friedenskonferenz WANDERER vom Imperatore ausgeliefert.

Doch das Wiedersehen dauert nicht einmal drei Tage, denn während Aurec auf dem Pseudo-WANDERER kämpft, gerät Kathy als Gefangene auf die FLASH OF GLORY. Die FOG wird von den Entropen unter dem Kommando der Hexe Niada entführt. Kathy soll zusammen mit Roi Danton, Sato Ambush, Nataly, Jaaron Jargon sowie Roland Meyers und dessen Crew zum ominösen Riff aufbrechen. Dort sollen sie die Entropen im Kampf gegen das Riff unterstützen. Die Entropen sehen die FOG und Roi Danton dabei als wichtig an, nicht Kathy und ihre Freunde.

Dank der aggressiven Art geraten Kathy Scolar, Nataly Andrews und Roi Danton sowie deren Begleiter in Gefangenschaft, doch es gelingt besonders Kathy, das Vertrauen der Riffaner Tashree und Cul'Arc zu erlangen. Als der Tholmond angegriffen wird, müssen sie fliehen. Die VIPER gerät dabei in das Riff und wird nach dem Flug in die Nebelbarriere beschädigt. Kathy Scolar und die anderen werden später von dem Riffpiraten Fyntross gefangen genommen und zur Welt Thol2727 gebracht, einer üblen Piratenwelt. Kathy muss als Dienerin des fetten Persy-Mafiafürsten Bullfah herhalten und wird später als Küchenfrau in die Kombüse von Fyntross Raumschiff DUNKELSTERN gesteckt.

Nach der erfolgreichen Enterung der DUNKELSTERN durch Danton ist Kathy mit ihren Freunden wieder vereint und vorerst frei, doch die DUNKELSTERN wird von Kapitän Fyntross, der nun im Besitz der VIPER ist, gejagt!

Nataly Jargon

Geboren: 15.06.1269 NGZ

Geburtsort: England, Terra

Größe: 1,66 Meter

Gewicht: 55 kg

Augenfarbe: dunkelblond

Bemerkungen: erotischer und zierlicher Körperbau. Hat eine elegante und besondere Ausstrahlung, wirkt sehr natürlich. Draufgängerisch und versteht es, ihren Mann zu stehen.

Nataly wurde als Tochter des Linguiden Borrom Jargon und der Terranerin Anne-Lee Hendserson geboren.

Sie besuchte vornehme Privatschulen und genoss eine gute Ausbildung. Jedoch war all das der Abenteuerin zu langweilig und mit 16 riss sie von zu Hause aus.

Ein Jahr später musste sie jedoch aus finanziellen Nöten zurückkehren. Nutzte jedoch die Chance, als ihr Onkel nach Terra zog, und zog mit ihm zusammen, um ihn bei seiner Arbeit zu unterstützen.

Nataly ist nur selten auf der Hauptwelt der Linguiden gewesen und ist mehr eine Terranerin, dennoch fühlt sie sich ihrem Volk verbunden. Sie zieht zusammen mit Jaaron im Jahre 1296 NGZ nach Cartwheel und unterstützt ihren Onkel bei seiner Arbeit an den Cartwheel-Chroniken.

Eine Arbeit, die nicht ganz einfach ist, da Nataly in ein Abenteuer nach dem anderen verstrickt wird. So steckt sie mitten in der Lingus-Krise, als die Arkoniden die friedliche Welt besetzen. Hierbei lernt sie Jonathan Andrews kennen, verliebt sich und heiratet ihn schließlich.

Während Jonathan aktiv gegen das Quarterium kämpft, bleibt Nataly bei ihrem Onkel Jaaron Jargon zurück und begleitet diesen, als sie schließlich vor den Häschern des Quarteriums fliehen müssen. Während dieser Zeit schließt sich ihnen auch Kathy Scolar an, die aus einem Sammellager für zur Entsorgung vorgesehene Häftlinge entfliehen konnte. Nataly und Kathy werden schließlich Freundinnen, da sich ihre Situation in vielerlei Hinsicht gleicht. Nach vielfältigen Abenteuern können sie schließlich als Geste des guten Willens des Imperatore anlässlich der Friedenskonferenz auf dem falschen WANDERER in die Lokale Gruppe ausreisen, um jedoch kurz danach wieder in die Hände der C.I.P zu fallen. Dazwischen lag eine kurze Zeit des Zusammenseins mit ihren Partnern.

Beide Frauen werden zusammen mit Perry Rhodans Sohn Roi Danton durch die Entropen unter dem Befehl der Hexe Niada an Bord der FLASH OF GLORY nach Siom Som entführt, um das dort eingetroffene Riff zu erkunden. Dabei werden sie schließlich von den Bewohnern des Riffs gefangen genommen.

An Bord eines Beibootes der FLASH OF GLORY können sie schließlich von einem Tholmond fliehen, nur um wenig später nach einer Kollision mit dem Schmiegschirm des Riffs in die Hände der Riffpiraten zu fallen. Roi Danton gelingt es, dank seiner schauspielerischen Fähigkeiten, als Piratenkapitän anerkannt zu werden. Schließlich kommt es zu Auseinandersetzungen mit dem Piratenkapitän Fyntross, was dazu führt, dass sie alle auf dem Riff stranden.

Die DORGON-Serie – Das Riff – ist eine nicht kommerzielle Publikation des PERRY RHODAN ONLINE CLUB e.V.. Band 167 zuletzt geändert am 2008-04-03. Autor: Nils Hirseland. Titelbild-Zeichner: Gaby Hylla. Korrekturleser: Jürgen Freier und Alexander Nofftz. Generiert mit Xtory 3.1 von Alexander Nofftz. Homepage: http://www.dorgon.net/. E-Mail: dorgon@proc.org. Adresse: PROC e.V.; z. Hd. Nils Hirseland; Redder 15; D-23730 Sierksdorf; Deutschland. Copyright © 1999–2007. Alle Rechte vorbehalten!