Dorgon 165: Die Schlacht um das Sternenportal

Was bisher geschah

Der intergalaktische Krieg tobt im November 1307 NGZ in vollen Zügen. Schauplatz der wichtigsten Kriegsereignisse ist die Lokale Gruppe. Nach der Niederlage der quarterialen Flotte unter Uwahn Jenmuhs nahe Draco im Oktober hat sich das Quarterium bis zum Sternenportal zurückgezogen.

Während Cauthon Despair als Oberbefehlshaber der quarterialen Flotte die Verteidigung des Portals übernimmt, drängt die Terranische 8. Flotte und ihre Verbündeten auf eine Entscheidungsschlacht. Es kommt zur SCHLACHT UM DAS STERNENPORTAL ...

Hauptpersonen

Cauthon Despair:
Der Oberbefehlshaber der quarterialen Flotte verteidigt das Sternenportal.
Perry Rhodan und Aurec:
Sie wollen das Quarterium aus der Lokalen Gruppe werfen.
Constance Zaryah Beccash:
Die Entropin will schlichten.
Katryna:
Die Hexenmeisterin führt das Kommando über die entropischen Streitkräfte.
Joak Cascal, Admiral Higgins und General McHenry:
Die Militärführung der T8F.
Imperatore de la Siniestro und Leticron:
Die quarteriale Führung sieht sich vor einer schweren Aufgabe.

Kapitel 1
Quarteriale Sorgen

Im November 1307 NGZ hatte sich die militärische Lage im Kampf um die Lokale Gruppe dramatisch verändert.

Nach den Niederlagen in Andromeda und bei der Draco-Galaxie hatte die Quarteriale Armada den Rückzug antreten müssen. Die Invasion der Milchstraße und die Besetzung Andromedas waren damit im Grunde gescheitert. Zu verdanken war dies zum einen der unerwarteten Hilfeleistung der Entropen, die die Flotte der LFT tatkräftig unterstützten und zum anderen der Unfähigkeit des selbstherrlichen Arkoniden Uwahn Jenmuhs, der sich selbst zwar für den größten Strategen des Universums gehalten hatte, aber an seinem maßlosen Ehrgeiz und Wahnsinn gescheitert war.

Das strategisch so wichtige Bündnis mit den Arkoniden hatte er durch ein heimtückisches Attentat auf Imperator Bostich, welches zudem auch noch fehlgeschlagen war, zunichtegemacht. Noch schlimmer war der Angriff auf die Terranische 8. Flotte, die zwischenzeitlich durch die Entropen und Aurecs Streitkräfte aus Andromeda verstärkt worden war. Blindlings war er den überlegenen Kräften in die Falle gegangen und hatte dabei eine schwere Niederlage einstecken müssen. Mehr als 50 000 Schiffe samt Besatzungen waren dabei verloren gegangen. Zwar wurde Jenmuhs anschließend von Imperatore de la Siniestro seines Postens enthoben, doch es war zu spät, um das militärische Desaster noch rückgängig machen zu können. So blieb der Quarterialen Flotte nur der Rückzug zum Sternenportal.

Dort sammelte das Quarterium seine Streitkräfte von immerhin noch 100 000 Supremo-Schlachtschiffen. Doch durch das Eingreifen der Entropen verfügte Perry Rhodan über 200 000 Schiffe und war damit weit in der Übermacht. Das Kräfteverhältnis hatte sich zu Ungunsten des Quarteriums verändert. Don Philippe de la Siniestro beschloss, mit seiner Familie nach Cartwheel zurückzukehren und übertrug Cauthon Despair die Verteidigung des Sternenportals. Um die Raumstation SOLARIS STATION sicherten die quarterialen Streitkräfte den Bereich des Sternenportals. Cauthon Despair verabschiedete den Imperatore, der die Heimreise nach Cartwheel antrat.

Der alte Spanier gab dem Silbernen Ritter noch ein paar Instruktionen. Es ist besser, wenn ich nach Cartwheel zurückkehre, um dort die Verteidigung vorzubereiten. Wir müssen auf alles gefasst sein. Rhodan könnte nun daran denken, uns einen Besuch in Cartwheel abzustatten.

Despair nickte düster. Ja, das wäre ihm zuzutrauen. Es könnte aber auch sein, dass er sich darauf beschränkt die ESTARTU-Galaxien zu befreien. Andererseits, wenn er Cartwheel erobert, ist der Krieg entschieden. Das könnte verlockend für ihn sein. Auf jeden Fall wird er versuchen, das Sternenportal einzunehmen, denn dann haben wir keine Möglichkeit mehr, die Milchstraße zu attackieren, können aber selbst jederzeit angegriffen werden.

Darum müssen Sie seine Pläne unbedingt zunichte machen, Despair. Ich übertrage Ihnen die volle Befehlsgewalt. Ganz Cartwheel blickt auf Sie.

Das wird nicht einfach werden. Mit diesen verfluchten Entropen sind sie uns überlegen.

Ich werde noch einmal 100 000 Schiffe zum Sternenportal beordern. Sie werden als Notreserve auf der anderen Seite, also auf der Seite Cartwheels, stationiert werden.

Das hörte Despair gern und gab ihm wieder Zuversicht.

Gut, wir werden Rhodan und seinen Verbündeten die Suppe nicht nur versalzen, sondern dafür sorgen, dass sie daran ersticken.

Die Zuversicht hielt nicht lange an. Despair hatte ein ungutes Gefühl, als hätte Rhodan noch nicht alle Trümpfe ausgespielt. Mit äußerster Vorsicht und Akribie wollte er sich auf die bevorstehende Schlacht vorbereiten. Er musste auf alles gefasst sein.

Als er seine Kabine betrat, wurde er sogleich von seiner Ordonnanz Nickie Yanes begrüßt. Ihre manchmal hyperaktive Art und Weise war einerseits elektrisierend, aber auf der anderen Seite oftmals auch nervig. Für heute beschloss Despair, sich von ihr aufheitern zu lassen. Es war ganz offensichtlich, dass sie in Cauthon verliebt war. Schon oft hatte er darüber nachgedacht, es nicht einfach mit sich geschehen zu lassen. Nickie war sicherlich keine Brettany, doch sie war auch nicht verkehrt. Yanes war wunderschön, hatte eine beeindruckende Energie und war gut zu ihm. Sie schien ihn zu mögen und zu akzeptieren, wie er war.

Doch Nickie war heute anders als sonst. Natürlich war sie freundlich, schenkte ihm ein Lächeln, aber sie wirkte irgendwie abwesend.

Dort steht dein Essen. Auf dem Schreibtisch liegen Berichte der Flotte. Ich muss los.

Wohin?, fragte er.

Och, zu einem Freund.

Einem Freund?

Cauthon wusste, was das bedeutete. Er las es ihren Augen ab. Sie leuchteten besonders, als sie ihren Freund erwähnte.

Ja, er ist Leutnant und befehligt eine Staffel Raumjäger. Er ist so lieb und nett zu mir. Nicht so wie manche andere Leute.

Das klang wie ein Vorwurf. Sicher war es auch so gemeint. Cauthon hatte ihr in der Tat wenig Anlass gegeben, sich Hoffnungen zu machen. Er hatte sie zu selten wirklich gut behandelt. Meistens war er ihr gegenüber mürrisch und reserviert gewesen in den Monaten, in denen sie ihm diente. Es war kein Wunder, dass sie Gesellschaft anderer suchte.

Wenn etwas ist, bin ich über das Interkom zu erreichen. Die Arbeit habe ich für heute erledigt. Bis dann!

Hastig verließ sie die Kabine. Cauthon realisierte, dass er Nickie Yanes verloren hatte, bevor er sich überhaupt im Klaren gewesen war, dass er ihr Herz gewinnen wollte. Natürlich hatte sie ihm gut getan in den letzten Monaten und ihm ein Hauch eines normalen Lebens gegeben. Da war jemand gewesen, die sich um ihn gekümmert hatte. Sie hatte nicht nur ihre Arbeit als Assistentin hervorragend gemacht, sondern sich um ihn persönlich gekümmert. Sie hatte gekocht, seine Kabinen aufgeräumt und sogar renoviert. Gut, das war nicht unbedingt schön geworden. Aber diese Aufmerksamkeit, die sie ihm entgegen brachte, hatte ihm gut getan. Alles vorbei. Er hatte die Chance verpasst. Traurig nahm er den Deckel vom Teller ab. Sie hatte Spaghetti gemacht. Sein Lieblingsessen. Doch Hunger hatte er nicht. Mechanisch öffnete er die Halterung seines Helms und nahm ihn vom Kopf.

Lustlos rührte er mit der Gabel in den Nudeln herum. Er stand auf, nahm den Teller und warf ihn in den Konverter.

Nicht einmal Nickie Yanes hatte sich wirklich in ihn verliebt. Zumindest nicht so tief gehend, dass sie auf ihn warten würde. Nun vergnügte sich mit einem adretten Offizier des Quarteriums. Einen Mann, der nicht so verschlossen war wie er, und sie bestimmt so richtig glücklich machte. Da konnte er als finsterer Sohn des Chaos nicht mithalten.

In einem Wutanfall schmiss er den Tisch um. Warum mussten ihn alle immer wieder verraten? Er war allein, ganz allein. Niemandem konnte er vertrauen.

Cauthon wandte sich den Berichten der Flotten zu. Genaustens las er sich die Meldungen durch. Hass stieg in ihm hoch. Es gab jemanden, der für alles büßen würde.

Rhodan! Er würde dafür sorgen, dass der Weltraum vor dem Sternenportal Rhodans Grab werden würde!

Kapitel 2
Terranische 8. Flotte

Nur ein Lichtjahr vom Sternenportal entfernt waren die 8. Terranische Flotte und die verbündete sogenannte Entropia-Flotte in Stellung gegangen und warteten auf den Einsatzbefehl. Doch Perry Rhodan zögerte noch, ihn zu erteilen. Es widerstrebte ihm, eine neue, blutige Schlacht einzuleiten, die wiederum unzähligen Terranern das Leben kosten würde. Nachdenklich betrachtete Rhodan die Projektion eines Panoramafensters im Konferenzraum an Bord des terranischen Flaggschiffes LEIF ERIKSSON. Der Saggittone Aurec stand neben ihm.

Ich ahne, was in dir vorgeht, mein terranischer Freund. Ich beneide dich nicht. Wie immer du dich entscheidest, es kann Leben retten oder kosten.

Perry Rhodan nickte schwer. Das ist die Bürde der Unsterblichkeit. Immer und immer wieder werden wir vor solche Entscheidungen gestellt und tragen die dabei die drückende Last der Verantwortung. Du siehst, die Unsterblichkeit hat auch ihre Schattenseiten.

Ich vermute, du willst weitere Opfer unter allen Umständen vermeiden?, erriet der Saggittone Rhodans Gedanken.

Der Unsterbliche nickte zustimmend. Ja, das würde ich gerne. Aber ob es möglich ist, ist eine andere Frage.

Die Unterhaltung wurde durch die eintretenden restlichen Teilnehmer der angesetzten Konferenz unterbrochen. Es waren Reginald Bull, Admiral Higgins und General McHenry. Begleitet wurden sie von den beiden Hexen Katryna und Constance Zarya Beccash. Als alle Platz genommen hatten, fragte General McHenry:

Sir, wann bekommen wir den Einsatzbefehl? Die Flotte ist bereit loszuschlagen.

Auch die entropische Flotte steht zum Angriff bereit, fügte Katryna hinzu.

Perry Rhodan blickte nachdenklich in die Runde, dann sagte er: Es wird – vorläufig – keinen Einsatzbefehl geben. Die Flotte bleibt in den derzeitigen Positionen rund um das Sternenportal.

Ungläubig blickten ihn General McHenry und Katryna an.

Das kann doch nur ein Irrtum sein?, fragte McHenry nach. Wir haben sie in der Zange, Sir! Wir müssen sie jetzt angreifen, bevor sie Verstärkung aus Cartwheel erhalten oder das Sternenportal verminen oder sprengen.

Wir sind ihnen jetzt überlegen. Greifen wir sie an und vernichten sie, unterstützte Katryna den General mit zischender Stimme.

Admiral Higgins räusperte sich. Vielleicht hat der Resident gute Gründe für seinen Entschluss, die er uns gerne mitteilen würde, sagte er in Richtung von McHenry und der Entropin.

Danke, Admiral. In der Tat ist es so, meinte Rhodan dankbar, wieder zu Wort kommen zu können.

General, was Sie sagen, ist vom militärischen Standpunkt sicher richtig, aber es gibt noch andere Standpunkte im Leben, die wichtig sind.

McHenry blickte verständnislos drein. Ach ja? Wir haben jetzt die Gelegenheit, einen großen militärischen Sieg zu erringen, der diese Auseinandersetzung ein für alle Mal beenden wird.

An solchen fragwürdigen Siegen bin ich wenig interessiert. Ich habe schon zu viele Kriege mitgemacht. Sie alle stehen in den Geschichtsbüchern. Doch wenn es darauf ankommt, sind die Kriege und ihre Sieger wieder vergessen, wenn es zu einem neuen Krieg kommt. Jedenfalls bin ich nicht gewillt, einfach so zigtausende von Raumschiffbesatzungen auf beiden Seiten zu opfern, ohne den Versuch unternommen zu haben, zu verhandeln.

McHenry schlug wütend mit der Faust auf den Tisch. Das kann doch wohl nicht wahr sein! Sie wollen mit diesen Stinktieren verhandeln? Wir können sie nicht nur aus der Lokalen Gruppe werfen, wir können durch das Sternenportal nach Cartwheel vordringen und nach Paxus, in den Palast von diesem verdammten alten Sack de la Siniestro marschieren und ihm Feuer unter seinen faltigen Hintern machen, ereiferte er sich.

Die Flotte der Entropen wird euch dabei unterstützen. Uns ist kein Opfer zu groß. Wir haben keine Angst, pflichtete Katryna dem General bei.

Bedingungslose Kapitulation ist das Einzige, was für diese Verbrecher noch in Frage kommen kann, meinte McHenry.

Es besteht vielleicht die Möglichkeit, dass das Quarterium, nach seinen schweren Niederlagen, Verhandlungen gegenüber aufgeschlossener ist, erklärte Rhodan. Wie der TLD erfahren hat, wurde Uwahn Jenmuhs abgesetzt. Er ist bereits wieder nach Cartwheel zurückgekehrt und hat keine militärische Machtposition mehr. Der Imperatore lässt nun vielleicht mit sich reden. Wir werden ihm unsere Bedingungen mitteilen und ihm die Chance geben, diesen Krieg zu beenden. Eine blutige Schlacht um das Sternenportal wäre dann vielleicht nicht mehr notwendig.

McHenry winkte unwirsch ab. Ob nun Jenmuhs, Despair oder dieser alte Sack, ist doch völlig scheißegal! Das sind doch alles Hurensöhne!

Admiral Higgins räusperte sich pikiert. Ich muss doch sehr bitten, General! Bitte mäßigen Sie Ihren Tonfall, es sind Damen anwesend.

McHenrys Gesicht lief rot an. Verdammt noch mal, wir sind im Krieg! Sie alle hier scheinen das Ganze für ein Spiel zu halten. Aber im Krieg zählen keine guten Manieren, sondern dass man überlebt und siegt. Und das tut man am Besten, indem man so viele feindliche Bastarde wie möglich zur Hölle schickt. Einen Krieg muss man total führen, wenn man ihn gewinnen will und nicht halbherzig. Wenn es nach mir ginge, würde ich nach Cartwheel einmarschieren und die quarterialen Planeten solange mit Arkonbomben bepflastern, bis diese Bastarde um Gnade winseln, ereiferte sich der General leidenschaftlich.

Perry Rhodan blickte den General nur kalt an. Zum Glück geht nicht nach Ihnen, General. Sie hätten gut in die Zeit gepasst, in der ich aufwuchs. Aber ich dachte, Leute Ihres Schlages wären ausgestorben, doch ich habe mich geirrt. Wie dem auch sei: Bevor wir uns in weitere militärische Abenteuer stürzen, werde ich versuchen, zu verhandeln, erklärte der Unsterbliche.

McHenry sah ihn verächtlich an. Ich habe Sie mal für einen großen Mann gehalten. Vielleicht waren Sie das früher einmal, aber heute sind Sie nur ein jämmerlicher Feigling.

Das geht zu weit, McHenry!, brüllte Reginald Bull, der bislang geschwiegen hatte.

Schon gut, Bully. Es scheint, der General ist überarbeitet. Eine Pause wird ihm sicher gut tun, damit er seine Gedanken wieder ordnen kann.

Mit versteinerter Miene wandte sich Rhodan wieder McHenry zu.

General McHenry, Sie sind hiermit auf unbestimmte Zeit beurlaubt. Ihr Kommando übernimmt bis auf weiteres, Admiral Higgins.

McHenry schnappte nach Luft. Aber … das können Sie doch nicht tun, Sir. Ich bitte Sie …

Das wäre alles, General. Sie können wegtreten, unterbrach ihn Rhodan ungerührt.

Sichtlich geschockt verließ McHenry den Konferenzraum. Fast hatte Rhodan schon wieder Mitleid mit ihm, aber auch nur fast.

Wer soll denn nun mit dem Quarterium verhandeln?, fragte Reginald Bull, als der General weg war.

Ich stelle mich freiwillig zur Verfügung. Ich bin bereit, mit Cauthon Despair zu sprechen. Vielleicht kann ich ihn überzeugen, meldete sich Constance Zaryah Beccash zu Wort.

Was denn, du?, zeigte sich Katryna verwundet.

Ja, ich. Oder traust du mir das etwa nicht zu?

Bitte mach es doch. Ist ja dein Risiko, gab Katryna schnippisch zurück.

Ich bin einverstanden, sagte Perry Rhodan. Vielleicht können Sie ja Cauthon Despair überzeugen. Hoffen wir das Beste.

Und befürchten wir das Schlimmste, murmelte Reginald Bull.

Kapitel 3
Intrigen und Liebe

Katryna war ganz und gar nicht zufrieden mit dem Verlauf der Konferenz. General McHenry hatte recht, aber er war ein ungeschickter Narr in diplomatischen Dingen. Durch seine Beurlaubung hatte Katryna einen potentiellen Verbündeten verloren, der Einfluss bei Rhodan besaß. Doch es gab noch einen anderen General, der zu den Freunden Perry Rhodans zählte, und den die Entropin auf ihre Seite ziehen wollte: Joak Cascal.

Joak Cascal hatte auf die Konferenz verzichtet und sich krankgemeldet. Trübsinnig lag er auf dem Bett in seinem Quartier. Zur Rechten eine Flasche Vurguzz und zur Linken eine Schachtel Zigaretten. Beides führte er sich abwechselnd zu Gemüte und trauerte nach wie vor Anya Guuze nach. Er konnte die unerwiderte Liebe von ihr einfach nicht überwinden. Noch schlimmer traf es ihn, dass sie seit einer Weile immer wieder mit einem LFT-Soldaten in ihrer Freizeit gesehen wurde. Konkurrenz? Vermutlich! Das Leben konnte so ungerecht sein. Cascals Leidensgedanken wurden durch den Summton an seiner Tür unterbrochen.

Herein, wenn's kein Haluter ist!, rief Cascal unwirsch.

Kurz darauf trat zu Joak Cascals großem Erstaunen die Entropin Katryna ein.

Sehe ich aus wie einer dieser hässlichen Riesen?, fragte Katryna mit einem zuckersüßen Lächeln auf den Lippen, das Cascal Lebensgeister wieder erweckte.

Aber nein, mitnichten. Ist nur ein alberner Spruch unter Soldaten, entgegnete der General noch immer überrascht.

Was führt Sie zu mir, Katryna?

Ich habe Sie auf der Konferenz vermisst, General Cascal.

Bitte nennen Sie mich Joak. Ich fühlte mich nicht wohl.

Ist das Ihre Medizin?, fragte die Entropin und deutete auf die leeren Vurguzz-Flaschen und Zigarettenkippen auf Cascals Nachttisch.

Ähem, nur zur Linderung, sagte Joak verlegen.

Die Einsamkeit kann sehr schmerzhaft sein, aber wir Entropen kennen ein gutes Mittel dagegen, sagte Katryna leise und küsste Cascal. Dann zog sie sich ihr Kleid aus und begann auch ihn auszuziehen. Der Terraner ließ sich die Behandlung nur zu gern gefallen.

Später lagen sie gemeinsam in seinem Bett und Cascal rauchte zufrieden eine Zigarette. Katryna schmiegte sich an ihn.

Du hast mich gar nicht gefragt, wie die Konferenz gewesen ist, flüsterte sie ihm ins Ohr.

Naja, was soll schon Besonderes gewesen sein? Sicherlich greifen wir bald das Sternenportal an, meinte Cascal in gelangweiltem Tonfall.

Im Gegenteil. Perry Rhodan will mit dem Quarterium verhandeln.

Joak zeigte sich etwas erstaunt. Nun, ich nehme an, man wird sie zur bedingungslosen Kapitulation auffordern.

Du irrst dich schon wieder. Rhodan will Frieden mit ihnen schließen. Constance wird mit Cauthon Despair verhandeln.

Ausgerechnet mit diesem Teufel. Ich glaube nicht, dass das Sinn machen wird, meinte Cascal unbehaglich.

Katryna stellte erfreut fest, dass sie Joak Cascal richtig eingeschätzt hatte. Er war empfänglich für sie und ihre Argumente. So konnte sie das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden. Sie würde noch einige Nächte investieren müssen, dann fraß er ihr aus der Hand.

Katryna traf sich in den nächsten Tagen regelmäßig mit Joak Cascal in dessen Kabine. Nach leidenschaftlichen Liebesspielen versuchte sie, den General für ihre Sache zu gewinnen.

Verhandlungen mit dem Quarterium sind sinnlos, flüsterte sie ihm jedes Mal ins Ohr. Perry Rhodan ist auf einem Irrweg, wenn er das glaubt. Das gesamte Quarterium und die Söhne des Chaos sind allesamt nur Werkzeuge MODRORs. MODROR will nicht verhandeln, er will nur alles zerstören. Darum müssen er und seine Werkzeuge erbarmungslos bekämpft werden, genau wie das Riff. Nur der totale Krieg gegen diese erbarmungslosen Feinde kann die Menschheit retten. Entweder wir oder die. Eine andere Wahl gibt es nicht!

Zufrieden stellte sie fest, dass ihre Einflussnahme allmählich Wirkung zeigte. Cascal Widerstand wurde schwächer.

Ich glaube, du hast recht, Katryna. Ich werde mit Rhodan darüber sprechen. Aber er ist sehr stur. Wenn er sich einmal etwas in den Kopf gesetzt hatte, führt er es auch durch.

Selbst der legendäre Perry Rhodan wird einsehen müssen, dass er seine geliebte Menschheit nur dann retten kann, wenn er MODROR, das Quarterium und auch das Riff mit Stumpf und Stil ausrottet, blieb Katryna stur.

Joak Cascal dachte intensiv über das Gehörte nach. Er musste sich eingestehen, dass Katryna nicht unrecht hatte. Das Wohl der Menschheit und der Milchstraße wog letztendlich schwerer als das Wohl der Feinde und ihrer Untertanen. Aber Cascal wusste auch, dass Perry Rhodan für solch drastische Methoden, wie sie Katryna vorschlug, niemals zu haben sein würde. Es musste doch einen Mittelweg geben.

Um auf andere Gedanken zu kommen, begab sich Joak Cascal in die Bordkantine. Dort herrschte reger Betrieb, so dass Cascal nach einem geeigneten Platz Ausschau halten musste. Er hätte auch in die Offiziersmesse gehen können, aber er wollte unter normalen Menschen sein. Als er nach einem freien Platz Ausschau hielt, entdeckte er an einem Tisch sitzend Anya Guuze. Doch zu seinem Leidwesen musste er feststellen, dass sie nicht allein war. Ein junger, gut aussehender, glatt geschniegelter Offizier saß bei ihr und unterhielt sich mit ihr angeregt. Ihr neuer Freund offenbar. Beide schienen gutgelaunt und lachten. Eifersucht, pure Eifersucht stieg plötzlich in Cascal hoch. Für solch einen Lackaffen hatte Anya ihn sausen lassen? Wütend wollte er kehrt machen und wieder gehen, als Anya ihn erkannte und ihm zuwinkte. Cascal spürte einerseits, dass er besser gehen sollte. Andererseits zog es ihn magnetisch zu Anya hin und so ging er zu ihr.

Hallo, Joak. Wie geht es dir?, fragte Anya freundlich.

Ging schon mal besser, gab Cascal mürrisch zurück.

Darf ich dir Leutnant Wesley vorstellen? Er kommt der Akademie und war bester seines Jahrgangs, erklärte Anya.

Der junge Leutnant erhob sich steif und salutierte. Cascal schätzte ihn als Streber und Karrieretypen ein und fand ihn wenig sympathisch.

Sir, es ist mir eine Ehre, Sie kennenzulernen, Sir, grüßte der Leutnant aalglatt.

Ach wirklich?

Natürlich, General. Auf der Akademie haben wir viel über ihre alten Geschichten gelernt. Sehr interessant, Sir.

Alt? Cascal fühlte Wut in sich hochsteigen. Dieser Typ hatte etwas, was ihn reizte. Oder war es nur die blanke Eifersucht?

Alte Geschichten? Du hältst mich wohl für ein Museumsstück, du Rotzlöffel!, fuhr Cascal den verdutzten Leutnant Wesley an, der sogleich ziemlich bleich vor Schreck wurde.

Ähem, nein, Sir. Das habe ich damit nicht sagen wollen. Ich meine nur, dass Ihre Geschichten schon lange her sind, stammelte Wesley verstört.

Der fängt ja gleich an zu heulen. Und so eine Flachpfeife ist dir lieber als ich?, wandte sich Cascal wütend an Anya.

Joak, bitte nicht so. Vielleicht ist es besser, wenn du jetzt gehst, erwiderte Anya traurig.

Doch sie steigerte damit nur Cascals Wut. Ach, ich soll gehen? Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen!

Leutnant Wesley nahm all seinen Mut zusammen und stellte sich zwischen Cascal und Anya. Mittlerweile war die halbe Kantine auf den Zwischenfall aufmerksam geworden und es hatte sich eine Menschenmenge um den Tisch gebildet.

Sir, bei allem Respekt: Ich muss Sie bitten, meine Freundin in Ruhe zu lassen.

Ach, deine Freundin? Das ist zufällig mein Mädchen. Wenn du sie haben willst, musst du sie dir verdienen, brüllte Cascal und verpasste dem verstörten Leutnant einen heftigen Kinnhaken, der ihm quer über den Tisch mitsamt dem Essen und dem Geschirr fallen ließ. Dann wandte er sich wieder an die ebenfalls völlig verdutzte Anya Guuze.

Schau mir in die Augen, Kleines, zitierte Cascal ein altes Sprichwort und küsste Anya leidenschaftlich. Dann verließ er die Kantine und die staunenden Besatzungsmitglieder.

Der Vorfall sprach sich natürlich schnell herum und auch Perry Rhodan erfuhr davon. So wurde Joak Cascal zu dem Terranischen Residenten zitiert. Auch Aurec war bei dem Gespräch anwesend.

Rhodan war alles andere als begeistert. General Cascal, ich bin äußerst ungehalten über Ihr Benehmen, wählte er absichtlich die förmliche Anrede. Sie haben sich wie ein pubertierender Schuljunge benommen. Sie sind General und somit ein Vorbild und eine Respektsperson für die Mannschaft und Ihre Untergebenen. Stattdessen verprügeln sie einen Ihrer Untergebenen. So etwas ist unentschuldbar!

Der Knilch hat mich provoziert und sich über mich lustig gemacht, verteidigte sich Cascal.

Selbst wenn es so war, gibt es dir noch lange nicht das Recht, ihn zusammenzuschlagen.

Nun war Rhodan zum gewohnten du übergangen.

Ich habe ihn nicht zusammengeschlagen, ich habe ihm lediglich einen einzigen Kinnhaken verpasst. Ich konnte ja nicht ahnen, dass das Bübchen nur aus Zuckerwatte ist. Wenn dies das Beste ist, was unsere Akademie zu bieten hat, dann gute Nacht. Dann sollten wir besser gleich aufgeben und vor dem Quarterium zu Kreuze kriechen.

Ich finde, wir sollten die Sache nicht aufbauschen, versuchte Aurec die Wogen zu glätten. Es genügt doch, wenn Joak sich entschuldigt und wir die Sache vergessen. Er hat aus Liebe zu Anya Guuze gehandelt.

Rhodan dachte angestrengt nach.

Nun, wenn er psychische Probleme hat, muss er sich zu unserer Kosmopsychologin Angela Knallfass in Behandlung begeben. Als General trägt er schließlich eine große Verantwortung für seine Untergebenen. Ein psychisch angeschlagener General wäre nicht in der Lage, Verantwortung für seine Untergebenen zu übernehmen, meinte er und wandte sich wieder Cascal zu. Wärest du bereit, dich in Behandlung zu unserer Bordpsychologin zu begeben?

Cascal schnappte nach Luft. Ich soll zu dem Knallfrosch, dieser Seelenklempnerin? Ich bin doch nicht bekloppt! Im Übrigen bin ich mir meiner Verantwortung durchaus bewusst – im Gegensatz zu Ihnen, Herr Terranischer Resident.

Wie darf ich das verstehen?, fragte Rhodan pikiert.

Anstatt hier untätig herumzusitzen und darauf zu warten, dass der Feind immer stärker wird, sollten wir lieber angreifen. Der Gegner ist angeschlagen, das müssen wir ausnutzen. Wir müssen ihn attackieren, wo immer wir können, dürfen ihn nicht zur Ruhe kommen lassen. Wir müssen die Quarterialen zurück nach Cartwheel treiben und sie dort mit Mann und Maus vernichten. Und dann nehmen wir uns MODROR und das Riff vor. Erst wenn alle unsere Feinde tot und vernichtet sind, haben wir endlich Ruhe. Aber dazu sind Sie ja offenbar nicht Manns genug! Der Perry Rhodan, den ich früher kannte, hätte sich nicht vor Angst in die Hosen gemacht.

Wütend schlug Perry Rhodan mit der Faust auf den Tisch. Jetzt habe ich aber genug! Spinnen denn hier alle meine Generäle? Da du offensichtlich ein Problem mit meiner Politik hast, ist es wohl das Beste, wenn ich dich von deinen Aufgaben vorläufig entbinde. Zumindest solange, bis du wieder bei Sinnen bist, sofern das überhaupt noch mal der Fall sein wird.

Grimmig salutierte Cascal und verließ Rhodans Kabine. Aurec stieß einen Seufzer aus.

Ja, bitte?, fragte Rhodan genervt.

Ich halte das für keine gute Idee, Perry. Ihn von seinen Aufgaben zu entbinden, wird ihn noch mehr destabilisieren, meinte der Saggittone.

Joak Cascal ist zweifellos einer meiner besten Leute, aber so wie er sich benimmt, richtet er womöglich noch schwereren Schaden an, hielt der Unsterbliche dagegen. Wir kommen jetzt in die entscheidende Phase dieses Konflikts. Da brauche ich Leute, auf die ich mich ohne Wenn und Aber verlassen kann und die bedingungslos zu mir stehen. Diesen Eindruck habe ich aber derzeit weder von General McHenry noch von Joak Cascal und darum bleibe ich bei Entscheidung.

Kapitel 4
Der goldene Käfig

Rosan Orbanashol de la Siniestro lag gelangweilt auf ihrer weichen Couch und starrte an die Decke. Ihrer Freundin Uthe, die auf dem Sessel kauerte, erging es nicht anders.

Sie waren weiterhin Gefangene des Quarteriums und lebten in ihrem goldenen Käfig. Uthe war es mehr oder weniger freiwillig, doch mehr und mehr zweifelte sie offenbar an Orlando de la Siniestro. Sie hatte Rosan eingestanden, dass sie viel an ihren Ex-Ehemann Remus dachte und einfach nicht in dieser Diktatur leben könne.

Rosan hatte keinen lebenden Mann, an den sie denken konnte, aber auch sie wollte Cartwheel verlassen.

Orly hat erzählt, dass der Angriff auf das Sternenportal nur noch eine Frage von Tagen ist. Die gesamte Region um Paxus ist im Alarmzustand, berichtete Uthe.

Ein Durchbruch ist zu bezweifeln. Sie werden wohl nicht kommen und Paxus oder Siniestro befreien.

Rosan seufzte. Das Quarterium war viel zu stark. Es würde mühelos Cartwheel verteidigen können. Und Rhodan würde nicht so ein Risiko eingehen. Statt dessen würde er nur versuchen, das Quarterium aus der Lokalen Gruppe zu drängen. An sich war das sehr schön, doch es würde ihnen aus ihrer misslichen Lage nicht weiterhelfen. Dabei waren sie auf Arkon I so nahe dran gewesen!

Gehen wir etwas essen, schlug Rosan schließlich vor. Sie bekam plötzlich Hunger. Uthe stimmte zu.

Die beiden Damen begaben sich in den Hauptspeisesaal des Madrider Königsschlosses auf Siniestro und bestellten bei den Bediensteten die Mahlzeiten ihrer Wahl.

Während Rosan genüsslich den Kartoffelsalat und die Würstchen in sich hinein schob, starrte Uthe auf das Fenster.

Was ist?, fragte Rosan.

Uthe deutete auf die beiden Personen im Garten. Nun sah Rosan sie auch. Stephanie unterhielt sich mit einem quarterialen Offizier. Von der Uniform zu urteilen war er ein Oberst. Rosan wusste gar nicht, dass sich Stephanie mit solchen niedrigen Liebhabern abgab.

Erkennst du ihn nicht?, fragte Uthe ziemlich besorgt.

Rosan schüttelte den Kopf. Irgendwo hatte sie diesen Mann sicherlich schon einmal gesehen, doch sie wusste nicht genau wo.

Uthe half ihr auf die Sprünge.

Das ist Helge von Hahn! Früher war er mal ein Freund von Remus und Jan gewesen. Das ist lange her und ich glaube nicht, dass er mich mag. Er wollte früher was von mir …

Jetzt fiel es Rosan wie Schuppen von den Augen. Sie erinnerte sich an den unsympathischen Terraner mit den Glubschaugen. Von Hahn war zusammen mit seinem Kumpel früher bei der USO gewesen. Rosan hatte sich einmal mit ihm angelegt. Hoffentlich erinnerte er sich nicht mehr daran. Stephanie sah die beiden nun auch, winkte und ging mit Oberst von Hahn in den Speisesaal.

Meine Lieben! Schmeckt es euch? Ach, Rosan isst mal wieder Würstchen. Das passt ja zur Figur. Stephanie kicherte widerlich. Darf ich euch Oberst von Hahn vorstellen? Ein verdienter Offizier des Quarteriums! Er hat die siegreichen Schlachten in Siom Som, M 87 und Andromeda geschlagen.

Von Hahn salutierte und grinste seltsam. Ich kenne die beiden Damen nur zu gut.

Rosan gefiel der Unterton in der Stimme nicht.

Tatsächlich?, fragte Stephanie zurück. Wer hätte das gedacht. Die feine Rosan und die beinahe jungfräuliche Uthe. Beide so bedacht auf ihr Image als Ladys …

Uthe warf ihr Besteck erbost auf den Tisch. Das ist ja wohl die Höhe! Ich habe mit dem niemals etwas gehabt. Auch wenn er es sich sehr gewünscht hat! Und Rosan ebenfalls nicht.

Nur ein Scherz, kleines Dummchen. Ach, Helge, Sie müssen wissen, dass Uthe wohl bald meine Schwägerin werden wird. Sie ist die Verlobte meines Bruders Orlando. Und, tja, meine Stiefmutter kennen Sie ja schon bereits.

Helge nickte grinsend. Seine Glubschaugen ruhten auf Rosans Ausschnitt. Sie musste keine Telepathin sein, um zu wissen, was er von ihr wollte. Das ganze Gespräch war sehr unangenehm.

Nun, und welche Befehle führen Sie nach Siniestro?, wollte Rosan schließlich wissen.

Oberst von Hahn wird der Leibgarde der Familie zugeteilt werden. Da der Feind vor der Tür steht, fühle ich mich sicherer, wenn wir fähige Beschützer haben.

Rosan atmete tief durch. Das bedeutete, dass dieser widerliche Typ die ganze Zeit in ihrer Nähe sein würde.

Ich habe die Ehre, die Holsteiner-Division von dem Herren Generalmarschall Peter de la Siniestro zu kommandieren. Sie wird für das Wohl und die Sicherheit der de la Siniestro Familie und aller Regierungsmitglieder sorgen, sagte von Hahn pathetisch.

Uthe seufzte. Dann mach deine Pflicht und lass uns in Ruhe essen. Dann fühlen wir uns sicherlich wohler!

Rosan schmunzelte über Uthes Aussage. Helge von Hahn jedoch bedachte die beiden mit einem tödlichen Blick. Nun betrat auch Brettany den Speisesaal. Stephanie verdrehte die Augen.

Lassen wir die Kinder alleine. Oberst von Hahn, ich werde Ihnen helfen, sich schnell an die neue Umgebung zu gewöhnen.

Von Hahn salutierte. Beide verließen den Raum. Brettany blickte ihnen verwundert hinterher.

Wer war das?

Jemand, der uns noch Ärger machen wird, antwortete Uthe ernst.

Kapitel 5
Hoffnung?

Constance Zaryah Beccash bereitete sich auf die Verhandlungen mit Cauthon Despair vor. Noch wusste sie aber nicht, ob es überhaupt stattfinden würde. Perry Rhodan hatte eine Botschaft an Cauthon Despair gesandt und um ein Treffen gebeten, aber bislang noch keine Antwort erhalten. So vertrieb sich Constance die Zeit in der Kantine. Dort fiel ihr Anya Guuze auf, die ihrer geschätzten Mentorin Aynah so sehr glich. Die Entropin beobachtete die Terranerin akribisch, um festzustellen, ob sie auch irgendwelche Gesten wie Aynah anwandte. Da Constance dabei wenig dezent vorging, fiel es Anya Guuze schon bald auf, dass sie observiert wurde. Sie stand von ihrem Tisch auf und setzte sich zu Constance.

Kann es sein, dass du mich beobachtest?, fragte Anya gerade heraus.

Constance errötete und kicherte vor sich hin. Dann wurde sie aber schnell wieder ernst.

Hast du das bemerkt?

Das war nicht weiter schwer, ehrlich gesagt. Warum tust du das?

Wie ich schon einmal bemerkte, weil du meiner Mentorin Aynah ähnelst. Es heißt auch, du würdest Nistants Ajinah ähneln, erklärte Constance.

Ja, das habe ich schon mitgekriegt. Ich kann mir aber, beim besten Willen keinen Reim darauf machen, warum mir die skurrilsten Männer den Hof machen. Angefangen hat es mit diesem Brok'Ton und dann kam Nistant, der mich für seine Ajinah hielt. Ich weiß aber nicht das Geringste von einer Ajinah oder einer Aynah. Ich habe noch nie etwas von denen gehört, erwiderte Anya etwas konsterniert. Ich möchte eigentlich auch nur meine Ruhe haben.

Constances Blick wurde ungewöhnlich ernst, als sie Anya direkt ansah.

Du kannst dies nicht alles einfach so abtun. Bedenke, dass wenn du doch etwas mit Ajinah zu tun hast und Nistant dir den Hof macht, es von kosmischer Bedeutung ist.

Anya schwieg betreten. Sie verstand nicht, worauf die entropische Hexe hinaus wollte und zog es daher vor, zu schweigen. Sie weigerte sich, darüber nachzudenken, denn das Ergebnis ihrer Überlegungen hätte sie vermutlich erschreckt. Sie wollte am liebsten nichts mehr mit diesen seltsamen Dingen zu tun haben. Und doch war sie mitten drin. Objursha, die finsteren Drachen von Rodrom, das Mysterium auf Ednil. Anya war in eine Geschichte verstrickt, die sie nur schwerlich verstand. Warum ausgerechnet sie?

Schließlich kam die ersehnte Antwort auf das Verhandlungsangebot durch das Quarterium. Cauthon Despair war einverstanden. Am 23. November sollte das Treffen stattfinden. Treffpunkt war SOLARIS STATION.

Constance flog dorthin, um Cauthon Despair Rhodans Bedingungen zu übermitteln. Als sie dem Silbernen Ritter gegenüberstand, war sie ziemlich nervös, gab sich aber locker.

Hallo, Cauthon. Nett, dich wiederzusehen.

Die Freude ist ganz auf meiner Seite, Constance, gab sich Despair freundlich. Schade, dass es unter solchen Umständen geschehen muss. Du willst also vermitteln?

Ja, ganz recht. Ich hoffe, es bringt was.

Despair bot der Hexe Platz an und schickte sein Gefolge aus dem Konferenzsaal hinaus, damit sie ungestört waren.

So sehr ich deine Bemühungen auch schätze, Constance, sagte der silberne Ritter dann, so befürchte ich doch, dass sie nutzlos sind. Wir stehen nun einmal auf völlig verschiedenen Seiten. Das Quarterium muss MODROR dienen und gehorchen. Da gibt es keinen Kompromiss.

Constance wirkte enttäuscht. Ist das deine Vision? Sklave von MODROR zu sein? Willst du das alle anderen im Universum dein Schicksal teilen?

Wir müssen MODROR gehorchen, blieb Despair stur.

Solange keine der Parteien von ihren Ansichten abweicht, wird es keinen Frieden geben, gab Constance zu Bedenken.

Das ist richtig. Wenn MODROR denn Frieden wünscht, dann wäre ich der Erste, der dem zustimmen würde. Ich wäre froh, wenn der Krieg vorbei wäre.

Dann höre dir doch wenigstens die Vorschläge an, die ich zu überbringen gekommen bin.

Also gut, lass hören, stimmte Despair zu.

Ich möchte vorweg betonen, dass es sich dabei um die Vorschläge Perry Rhodans und nicht der Entropen handelt, erklärte Constance.

Zur Kenntnis genommen. Ich höre.

Perry Rhodan fordert für einen Frieden drei wichtige Dinge: Erstens, Rückzug vom Sternenportal der Lokalen Gruppe. Zweitens, Rückzug aus allen estartischen Kolonien und besetzten Gebieten in Cartwheel. Und drittens die sofortige Schließung aller Entsorgungslager sowie Freilassung und Entschädigung aller Inhaftierten. Dies sind seine Bedingungen.

Cauthon Despair schwieg eine Weile, dann sagte er: Das habe ich mir gedacht. Das ist völlig inakzeptabel. Selbst wenn ich und der Imperatore mit all dem einverstanden wären, würde MODROR das niemals zulassen. Es gibt nur Sieg oder Niederlage. Wie ich schon sagte: Es gibt keinen Kompromiss, so sehr ich dies bedauere. Auch dein Charme und dein Liebreiz können meine Loyalität zu MODROR nicht erschüttern.

Constance nickte enttäuscht. Ihr wurde klar, dass sie versagt hatte. Sie hatte Cauthon Despair nicht läutern können. Offenbar hatte sich ihre Mentorin entweder in ihr oder in Despair getäuscht.

Dann gibt es nichts mehr zu sagen. Leb wohl, Cauthon.

Cauthon Despair dachte noch eine Weile über Constance Zaryah Beccash nach. Genauso wie Brettany war sie unerreichbar für ihn. Die ideologischen Gegensätze waren zu groß. Als Sohn des Chaos war sein einziger, ständiger Begleiter die Einsamkeit.

Der silberne Ritter kehrte niedergeschlagen zurück an Bord der EL CID. Das Scheitern der Verhandlungen bedeutete, dass die Schlacht nun unausweichlich war. Schon bald würden terranische, saggittonische, galaktische und entropische Schlachtschiffe in Scharen angreifen. Die Stunde der Entscheidungsschlacht war angebrochen. Obsiegte das Quarterium hier, würden sie vermutlich sogar den Krieg gewinnen können. Eine Niederlage bedeutete das endgültige Ende ihrer Eroberungspläne der Milchstraße.

Was auch immer in den nächsten Tagen geschah, es würde Millionen Tote fordern. Dieses Kräftemessen von Hunderttausenden Raumschiffen würde als die vielleicht größte Schlacht in diesem intergalaktischen Krieg eingehen.

Despair überlegte, ob er nicht selbst in einen Raumjäger steigen sollte. Nein, er hatte ein anderes Ziel: die LEIF ERIKSSON!

Das wäre ein Duell. Die EL CID versus Rhodans LEIF ERIKSSON. Rhodan gegen Despair im kalten Weltraum.

Dieser Gedanke entzückte ihn. Und wenn er dabei starb, hatte er wenigstens einen ruhmreichen Abgang. Es gab doch nichts, was ihn hier hielt. Niemand würde ihn vermissen, keiner um ihn weinen, kein Herz wäre gebrochen.

Er war zum Symbol der quarterialen Macht aber auch ihres Schreckens geworden. Er war der Inbegriff dessen. Damit musste er leben. Einsamkeit führte ihn in den Hass und gab ihm seine Stärke.

Ausgerechnet jetzt lief ihm Nickie über den Weg. Sie trug ihre quarteriale Uniform sogar ordnungsgemäß hochgeschlossen. Als sie ihn erblickte, salutierte sie und grüßte knapp.

Den Mann hinter Despair, den er erst jetzt bemerkte, begrüßte sie viel freundlicher. Sie gab ihm eine Umarmung und einen Kuss.

Jetzt wurde es Despair zu dumm. Ordonnanz!

Nickie drehte sich um und wurde wieder ernst. Was gibt es, Sir?

Despair warf einen Blick auf den Leutnant. Offenbar war das ihr seltsamer Freund.

Wartet nicht Arbeit auf dich? Schon bald werden die Terraner und ihre Alliierten angreifen. Ich benötige deine Hilfe bei den Vorbereitungen.

Nickie blickte ihn mit einer Mischung aus Wut und Enttäuschung an. Despair wusste nicht, ob es richtig war, was er tat, aber es störte ihn, dass sie nicht mehr für ihn da war, sondern für einen anderen. Es erinnerte ihn an Sanna Breen. Sanna hatte ihm soviel Zeit damals geschenkt, doch kaum war dieser Valerus da gewesen, war er abgemeldet. Es endete im Tod von Sanna und Valerus. Nickie sollte nicht das gleiche Schicksal ereilen.

Despair wandte sich an den Leutnant. Und Sie? Haben Sie nichts zu tun?

Sir, bei allem Respekt, Sie behandeln Miss Yanes ziemlich unfair. Ich bin Leutnant Marvrek von Bergel. Die von Bergels sind sehr einflussreiche Geschäftsleute auf Mankind.

Na und? Despair packte ihn am Hals und hob ihn hoch. Ihr Einfluss nützt Ihnen hier gar nichts, Leutnant. Wagen Sie es niemals wieder mich zu kritisieren oder Miss Yanes nahe zu kommen. Andernfalls wird ihre Einheit eine Erkundungsmission zur Terranischen 8. Flotte fliegen.

Von Bergen röchelte. Despair warf ihn gegen die Wand, warf einen Blick auf die verdutzte Nickie und ging in seine Kabine. Dort verdaute er seinen Wutanfall. Dennoch hatte er immer noch den tiefen Wunsch, Perry Rhodan in den nächsten Tagen zu töten.

Kapitel 6
Die Schlacht um das Sternenportal

Bitter enttäuscht kehrte Constance zur LEIF ERIKSSON zurück. Sie hatte versagt, konnte Despair nicht überzeugen und machte sich Vorwürfe, als sie Perry Rhodan über den Fehlschlag informierte.

Rhodan war gefasst.

Viele haben versucht, Despair zu läutern und sind gescheitert. Ich selbst habe einst an seine gute Seite geglaubt und versagt.

Constance wusste das nicht. Die wunderschöne Hexe forschte in Rhodans graublauen Augen, um zu erahnen, was er jetzt fühlte. Sie war nicht in der Lage seine Emotionen zu spüren, denn offenbar war imstande, diese zu verbergen. Alles, was die Hexe fühlte, war ein ausgeglichenes Muster, doch sie bezweifelte, dass Rhodan so ruhig war.

War er doch nicht, oder?

Es schlummert auch Gutes in ihm. Ihm ist wohl soviel Schreckliches widerfahren, dass er zu diesem Monster geworden ist. Ich sollte ihn nicht so schnell aufgeben.

Ehrenwert, Constance, jedoch möchte ich Ihnen keine falschen Hoffnungen machen.

Ich weiß …

Nun, ich muss jetzt eine Entscheidung treffen. Eine Schlacht ist nicht mehr vermeidbar. Bitte informieren Sie Katryna, dass ich sie sprechen möchte.

Constance nickte automatisch. Alle Entropen würden sich auf diese Schlacht freuen. Sogar ihr Freund und Lebensgefährte Lydkor würde voller Fanatismus kämpfen. Nur Constance freute sich nicht auf das Ereignis. Damit glich sie wohl den Terranern, denn auch ein Perry Rhodan hätte lieber die Schlacht verhindert, doch nun blieb dem Terraner keine Wahl mehr. Er musste diesen Krieg, den er so gerne vermieden hätte, zu einem bitteren Ende führen. Das Morden in den Entsorgungslagern Cartwheels musste gestoppt werden. So schnell wie möglich rief Perry Rhodan eine Konferenz zusammen, an denen neben Aurec und Reginald Bull auch Katryna und alle Militärführer teilnahmen. Auch Joak Cascal und General McHenry wurden reaktiviert, obwohl Rhodan kein gutes Gefühl dabei hatte. Aber er brauchte jetzt seine besten Leute. Betreten berichtete der Resident den Konferenzteilnehmern vom Scheitern der Gespräche.

Nun bleibt uns leider keine andere Wahl mehr, als anzugreifen. Wir werden am 2. Dezember das Sternenportal angreifen und einnehmen. Bitte arbeiten Sie so schnell wie möglich die Angriffspläne aus.

Selbstverständlich, Sir. Unser Planungsstab ist schon seit längerem mit dieser Aufgabe betraut, erklärte Admiral Higgins.

General McHenry frohlockte. Verlassen Sie sich nur ganz auf mich, Sir. Wir verpassen diesem Rostkübel Despair einen Arschtritt, dass er mit seiner Rüstung nach Paxus scheppert.

Katryna schwieg, was nicht nur Perry Rhodan, sondern auch Joak Cascal überraschte.

Constance Zaryah Beccash begab sich niedergeschlagen an Bord des Raumschiffes ENTROPA 127-D. Hier war auch ihr Lebensgefährte Lydkor stationiert.

Sie wollte noch einige schöne Momente mit ihm verbringen, bevor die Schlacht begann. Als sie zur Sektion seiner Division kam, wurde sie von Denker00077, dem Oberbefehlshaber der Division, und Lydkor erwartet. Der Tertiärentrope Kalmahn stand hinter den beiden. Alle begrüßten die Hexe ihrem Stand entsprechend.

Komm bitte mit!, bat sie ihren Freund. Er folgte ihr ohne Widerworte. Es war auch für einen Mann nicht schicklich, einer Lilim zu widersprechen. Doch Lydkor hatte es ab und an doch getan. Je mächtiger er im Militär wurde – zweifellos eine Domäne der Sekundärentropen – desto mehr wuchs auch sein Selbstbewusstsein. Doch Constance hatte nie die Absicht gehabt, ihn zu unterdrücken. Sie wollte einen gleichberechtigten Partner, der auf sie einging, verstand und ihre Entscheidungen akzeptierte.

Beide gingen in ihre Kabine. Constance legte sich auf die Couch und erzählte von ihrer Begegnung mit Cauthon Despair, von ihrem inzwischen festen Glauben, dass er nicht wirklich ein böses Geschöpf war und ihrer Traurigkeit, dass er dennoch so stark an MODROR festhielt.

Doch Lydkor schien das alles herzlich wenig zu interessieren. Er fing an, von der bevorstehenden Schlacht zu reden.

Vermutlich werden wir diesen Cauthon Despair töten. Ich wünschte, ich könnte ihn persönlich zur Strecke bringen.

Constance erschrak über diese Ansicht. Sie wollte nicht, dass Despair etwas geschah. Sie hatte irgendwie angefangen ihn zu mögen, auf eine gewisse Art und Weise. Constance wusste nicht, ob sie sich dafür schämen sollte oder nicht.

Das missfällt meiner Lilim wohl?

Sie sah Lydkor traurig an. Natürlich wusste er, dass sie glaubte, Despair sei nicht komplett böse. Sie hatten bereits darüber gesprochen und gestritten.

Nun, es wird dir auch missfallen, wenn ich dir von meiner Mission berichte. Eine Sondereinheit unter meinem Kommando soll nach Siniestro durchbrechen, um die Kaiserfamilie zu liquidieren!

Was? Das ist … nicht unsere Art!

Lydkor lachte.

Katryna hat recht. Du bist wirklich naiv und brauchst mehr Führung als jeder entropische Mann. Wir müssen Feuer mit Feuer bekämpfen! Und ich wurde für diese ehrenvolle Aufgabe ausgewählt.

Constance wollte das nicht glauben. Als sie in seinen Augen forschte und seine Gefühlslage spürte, wusste sie aber, dass es wahr war.

Es ist gefährlich! Cartwheel ist eine Festung. Es ist … Sie stockte. Die Hexenmeisterin will doch nicht Cartwheel direkt angreifen? Das ist kompletter Wahnsinn!

Lydkor lachte selbstgefällig.

Wir sind die stärkste Macht im Universum. Katryna wird uns zum Sieg führen. Dann wird sie bestimmt die Hohe Hexe werden.

Lydkor schien vom Ehrgeiz zerfressen zu sein. So kannte Constance ihn gar nicht. Er hatte sich im Krieg schrecklich verändert. Innerhalb weniger Monate war er zu einem Fanatiker mutiert.

Du klingst schon wie ein schwächlicher Mann, Constance! Du bist doch eine Lilim und solltest mich eigentlich zu meinen Taten anspornen. Doch du bist nur ängstlich und feige!

Feige?, wiederholte sie überrascht. Ich sorge mich um dich, weil ich dich liebe! Aber das zählt sicher nicht. Fein, geh in deinen Krieg. Du wirst nicht zurückkehren. Sie werden dich töten!

Dann ist das ein Abschied!

Lydkor drehte sich um und rannte aus der Kabine. Constance lief ihm hinterher, doch er war bereits weg. Sie fing an zu weinen. So wollte sie sich nicht von ihm verabschieden.

Sie fiel auf die Knie und betete zu SI KITU, dass er diesen Einsatz überleben würde.

Kurz nach der Konferenz suchte Katryna Cascal in dessen Kabine auf.

Hi, Baby. Ich weiß ja, wie toll ich bin, aber ist der Zeitpunkt jetzt nicht etwas ungünstig. Es gibt noch viel vorzubereiten. Aber heute Abend stehe ich dir gerne zur Verfügung, sagte Joak cool lächelnd.

Du notgeiler Narr! Ich bin nicht hier, um mich mit dir zu paaren. Ich brauche deine Hilfe in militärischer Hinsicht, fauchte ihn Katryna an.

Äh, ach so, das wusste ich ja nicht. Worum geht es denn?, fragte Cascal ziemlich überrascht.

Ich wusste von Anfang an, dass Rhodans Verhandlungsplan zum Scheitern verurteilt war, erklärte Katryna in hochmütigem Ton.

Ja, ich war etwas verwundert, dass du auf der Konferenz so schweigsam warst, sagte Cascal.

Weil ich insgeheim bereits einen geheimen Angriffsplan entworfen habe. Dazu benötige ich aber die Hilfe deiner 777. Raumeingreifdivision.

Verstehe, aber warum hast du Rhodan nichts davon erzählt?

Dann wäre es ja kein Geheimplan mehr. Außerdem braucht er davon vorerst noch nichts zu wissen. Er erfährt es noch früh genug.

Und wie sieht dein Plan aus?, fragte Cascal unbehaglich.

Eigentlich recht simpel. Die Entropen fliegen zusammen mit 777. Raumeingreifdivision einen direkten Angriff auf Paxus. Dort werfen wir eine Bombe ab, die den ganzen Planeten auf einen Schlag zerstört. Wenn wir Glück haben, erwischen wir die ganze Führungsclique des Quarteriums dabei.

Cascal rang entsetzt nach Luft. Und die Zivilbevölkerung?

Geht drauf. Das sind nun mal Kollateralschäden. Ich verstehe gar nicht, warum du fragst. Also, was ist? Bist du dabei?

Wütend schüttelte Cascal den Kopf. Den ganzen Planeten mit der gesamten Bevölkerung vernichten? Bei so einer Schweinerei mache ich nicht mit. Das geht doch entschieden zu weit.

Mit einem Mal verfinsterte sich Katrynas Gesicht. Entsetzt sah Joak Cascal, wie es zu einer hässlichen, diabolischen Fratze wurde, die einem antiken Dämon glich.

Du jämmerlicher Feigling! Ich habe meine wertvolle Zeit mit einem feigen Schwein verschwendet. Du willst ein Krieger sein! Ein Nichts bist du!, kreischte Katryna ihn an.

Ähem, unsere Beziehung ist hiermit beendet. Mit Schreckschrauben und Knusperhexen möchte ich nichts zu tun haben, erwiderte Cascal scheinbar ungerührt, obwohl er innerlich zutiefst erschrocken war.

Ihn wurde auf einmal klar, dass er sich in letzter Zeit wohl ziemlich daneben benommen hatte. Bevor Katryna, die sich langsam wieder beruhigte, etwas entgegnen konnte, verließ Cascal die Kabine und ging direkt zu Rhodan, um mit ihm zu sprechen. Es dauerte jedoch etwas, bis Rhodan Zeit für ihn hatte.

Ich möchte mich für mein Verhalten entschuldigen. Ich war leider etwas angespannt in letzter Zeit, eröffnete Cascal dem angenehm überraschten Residenten.

So könnte man es ausdrücken, sagte Rhodan mit einem leichten Schmunzeln im Gesicht. Wir wollen das vergessen. Ich kann nicht auf dich verzichten, Joak.

Heißt das, ich bin wieder voll im Dienst?

Allerdings, keine Zeit mehr für amouröse Abenteuer oder Ähnliches, meinte Perry Rhodan.

Cascal Miene verfinsterte sich, denn ihm fiel wieder Katryna ein, wegen der er ja eigentlich gekommen war.

Da ist etwas, das ich berichten muss, Sir.

Cascal erzählte Rhodan von seinem Treffen mit Katryna und ihrem waghalsigen Plan.

Rhodan wurde bleich. Das kann doch unmöglich Katrynas Ernst sein.

Ich fürchte doch, Sir. Wenn du sie gesehen hättest … Das war tödlicher Ernst.

Rhodan versuchte Katryna in ihrer Kabine zu erreichen, doch es meldete sich niemand. Rhodan kontaktierte die Kommandozentrale.

Stellen Sie fest, wo sich die Entropin Katryna derzeit aufhält!, befahl er dem diensthabenden Offizier. Doch wenig später erhielt der Terraner die Meldung, dass Katryna die LEIF ERIKSSON verlassen hatte.

Verflucht, was hat die jetzt vor?, zischte Joak Cascal.

Eilig verließen Rhodan und Cascal die Kabine und begaben sich in die Kommandozentrale. Dort empfing sie mit hochrotem Kopf, Reginald Bull.

Perry, es ist nicht zu glauben!, echauffierte sich Bully.

Was ist los?, fragte Rhodan mit düsterer Vorahnung.

Diese Knusperhexe ist völlig verrückt geworden. Sie hat der entropischen Flotte den Befehl gegeben, direkt auf das Sternenportal zuzufliegen. Was soll das? Wieso greifen die denn ohne uns an?

Sie wollen diesen Krieg wohl mit einem Schlag beenden, murmelte Rhodan.

Kapitel 7
Angriff der Entropen

Die Entropen hatten sich blitzschnell auf die neue Situation eingestellt, da sie von Katryna schon vorzeitig in Alarmbereitschaft versetzt worden waren. Die Hexe hatte zwar fest mit der Hilfe Joak Cascals und der Terraner gerechnet, aber sie war fest entschlossen, es auch ohne deren Hilfe zu wagen. Mit einem blitzschnellen Schlag wollte sie das Quarterium überrumpeln, durch das Sternentor hindurch stoßen und Paxus vernichten. Die Terraner sollten ihr dabei die Flanken sichern, und das Feuer auf sich ziehen. Nun musste sie eben entropische Schiffe opfern. Dies war bedauerlich, aber nicht zu ändern. Schon vor ihrem schnellen Abflug von der LEIF ERIKSSON hatte Katryna ihren Kommandeuren den Angriffsbefehl gegeben. Als sie an Bord ihres Flaggschiffes eintraf, war alles zum Angriff bereit. Die gesamten 150 000 Schiffe der entropischen Flotte rückten gegen das Sternenportal vor.

Cauthon Despair blieb der Angriff nicht lange verborgen, dennoch kam er zu diesem Zeitpunkt überraschend, denn er hatte mit einem gemeinsamen Angriff von LFT und Entropen gerechnet. Doch nun griffen die Entropen allein an. Die Hälfte ihrer Schiffe verwickelten die Quarterialen Einheiten in Gefechte. Die anderen 75 000 Schiffe brachen durch in Richtung Sternenportal. Dabei fielen zahlreiche ihrer Schiffe den frisch angelegten Minenfeldern zum Opfer. Doch der Minengürtel war noch nicht vollständig geschlossen worden, daher gelang dem Gros der entropischen Flotte der Durchbruch zum Sternenportal. Besorgt registrierte Despair die Situation, als ihm ein Offizier eine Eilmeldung brachte. Despair überflog sie gerade, als General da Rohn mit besorgter Miene zu ihm kam.

Marschall, die Entropen sind bis zum Sternenportal vorgedrungen. Wir werden sie nicht alle daran hindern können hindurch zu fliegen. Wir müssen sofort unsere Reserven in den Kampf schicken, meldete der Arkonide.

Lassen sie sie durch. Keinen unnötigen Widerstand. Konzentrieren Sie sich auf die, die nicht hindurch wollen, sagte Despair zu da Rohns Überraschung.

Aber, Marschall, dann brechen sie nach Cartwheel durch!, protestierte der General.

Sollen sie ruhig. Sie werden eine schöne Überraschung erleben. Sorgen Sie nur dafür, dass nur die Hälfte der Entropen durchkommen kann, erklärte Despair und reichte dem General die Meldung, die er soeben erhalten hatte.

Ich verstehe. Ich gebe sofort die notwendigen Befehle, sagte da Rohn als er die Meldung überflogen hatte, und machte sich eilig davon.

Despair hatte die Nachricht aus Cartwheel erhalten, dass man dort große Abwehrvorbereitungen getroffen hatte und die Entropen warm empfangen würde. Außerdem musste sich Despair dann nur noch mit der Hälfte der feindlichen Truppen auseinandersetzen. Verwundert stellte der Silberne Ritter fest, dass die terranischen Truppen nicht in den Kampf eingriffen. Er hoffte, dies zu seinem Vorteil ausnutzen zu können.

Durch den unerwarteten Vorstoß der Entropen geriet Perry Rhodan in Zugzwang. Die Terranische 8. Flotte war noch nicht angriffsbereit, da sie bislang in Warteposition gelegen hatte. Andererseits konnte er nicht tatenlos abwarten, was am Sternenportal geschah. Nach Rücksprache mit den Flottenkommandeuren befahl Rhodan die LFT-Flotte in den Kampf zu schicken, sobald sie einsatzbereit war, was allerdings noch einige Stunden dauern konnte.

Unterdessen gelang rund 70 000 Schiffen der Entropen der Durchbruch. Fünftausend Einheiten waren dem Abwehrfeuer und den Raumminen der Quarterialen Abwehr zum Opfer gefallen. Der Rest konnte das Sternenportal ungehindert passieren, da sich die Quarterialen weitgehend zurückhielten. Am 25. November 1307 NGZ erreichte die entropische Flotte Cartwheel.

Ungeduldig wartete Leticron, der Corun von Paricza auf die eingehenden Meldungen. Er war aus Siom-Som auf Befehl des Imperatore so schnell wie möglich herbeigeeilt um die Verteidigung Cartwheels zu organisieren, da Don Philippe einen Angriff auf die Heimatgalaxie durch das Sternenportal befürchtete. Immerhin hatte Perry Rhodans Verhandlungsangebot ihm genug Zeit verschafft, über einhunderttausend weitere Schlachtschiffe am Portal zusammenzuziehen. Zusammen mit der Verteidigungsflotte Cartwheel standen ihm nun fast 200 000 Supremoschiffe zur Verfügung. Außerdem hatte man einen tief gestaffelten Abwehrgürtel aus Raumforts und Raumminen rund um das Sternenportal in Cartwheel errichtet. Leticron verzog verächtlich die Mundwinkel. Auf Perry Rhodans Schwäche konnte man sich stets verlassen. Nun wartete Leticron auf Meldungen vom Sternenportal. Sein Adjutant kam auf ihn zugehastet.

Nun, Poleycra, was gibt es? Sprich!

Ein Kurierschiff von Marschall Despair ist eingetroffen, meldete Poleycra. Er hat Ihre Nachricht erhalten und meldet, dass der feindliche Angriff begonnen hat. Die Entropen können jeden Moment hier eintreffen. Despair will dafür sorgen, dass die nur zur Hälfte durchbrechen können. Aber sie können jede Minute hier eintreffen.

Gib sofort Alarm!, befahl Leticron. Sie können nicht alle auf einmal hier erscheinen. Sowie die ersten feindlichen Schiffe auftauchen, sofort mit allem was wir haben unter Beschuss nehmen.

Ja, Herr!, bestätigte Poleycra und hastete davon.

Entschlossen ballte Leticron die Faust. Er würde seinen Feinden einen heißen Empfang bereiten.

Kapitel 8
Angriff auf Cartwheel

Rosan schreckte hoch, als Sirenen ertönten. Sie stürmte aus ihrem Gemach auf den Flur. Uthe und Brettany liefen ihr entgegen.

70 000 feindliche Raumschiffe haben Cartwheel erreicht. Man befürchtet Angriffe auf Paxus, Mankind und Siniestro, erklärte Brett.

Für einen kurzen Moment dachte Rosan an ihren Ehemann Don Philippe. Der Imperatore weilte auf Paxus. Doch war es schlimm, wenn er starb? Vermutlich nicht. Er gehörte zu den Feinden.

Brett war ganz bleich. Sie tat Rosan leid. Ihr Bruder und ihr Vater schwebten in Gefahr. Auch Uthe schien sich Gedanken um Orlando zu haben. Plötzlich herrschte helle Aufregung auf dem Schloss. Holsteiner Gardisten rannten umher und brüllten Befehle.

Nun kam auch Stephanie aus ihrem Zimmer. Ihr Haar war zerzauselt und sie trug ihren Satinmantel. Rosan glaubte, einen Mann durch ihren Raum huschen zu sehen. Vermutlich hatte sie mal wieder ihren Spaß gehabt.

Was ist los?

Keine Ahnung, aber wir finden es heraus. Wo ist denn dein toller Oberst? Noch bei dir im Bett?

Steph warf Rosan einen kalten Blick zu. Plötzlich zitterte der Boden. Ein Bombenangriff! Die LFT und ihre Verbündeten bombardierten tatsächlich Siniestro! Unglaublich!

Rosan rannte auf den Balkon. Ein blaugrüner Schutzschirm war über das Schloss gespannt worden. Sie sah am Himmel etwa ein Dutzend entropische Eiraumschiffe und Jäger. Sie wurden von Supremos, Kreuzern, Jägern und Space-Jets gejagt. Die Raumabwehr-Batterien des Schlosses eröffneten mit einem lauten Knallen das Feuer.

Die Energieladung eines entropischen Raumschiffes entlud sich über dem Schutzschirm. Über ihnen färbte sich der Himmel in ein feuriges rot. Die Frauen hinter Rosan schrien entsetzt auf – doch der Schutzschirm hielt dem Inferno stand. Die quarterialen Raumschiffe gewannen rasch die Oberhand und vernichteten ein entropisches Schiff nach dem anderen.

Nach fünf Minuten war der Horror vorbei. Eine entropische Raumfähre stürzte in die Gärten des Palastes.

Das sehen wir uns an, beschloss Rosan.

Hältst du das für eine gute Idee?, wollte Uthe wissen.

Rosan blickte sie ernst an und nickte nur. Sie hoffte, dass Uthe dies verstand. Wohlmöglich war das eine Chance, mit den Alliierten in Kontakt zu treten. Sie mussten es versuchen.

Macht was ihr wollt. Ich gehe wieder ins Bett, erklärte Stephanie und stolzierte zurück in das Schloss.

Brettany signalisierte, dass sie auch mitkommen würde. Rosan zog sich etwas anderes an. Auch Uthe wechselte ihre Sachen. Sie kam in einer engen, blauen Kombination aus ihrem Zimmer, die sehr ihre weiblichen Rundungen betonte.

Brettany hatte gleich drei Strahler besorgt. Rosan wusste, dass die vorsichtige Prinzessin nicht unrecht hatte. Vielleicht sahen die Entropen Feinde in ihnen. Die drei eilten durch den kunstvollen Garten und erreichten nach ein paar Minuten das rauchende Wrack.

Helge von Hahns Holsteiner waren noch nicht hier. Das sprach nicht gerade für diese Truppe.

Brettany zielte mit dem Strahler auf das Schiff. Etwas rührte sich dort. Plötzlich krochen zwei Entropen aus dem Raumschiff. Für Rosan und Uthe war der Anblick der blauhäutigen Humanoiden eine Premiere. Brettany war vor knapp einem Jahr zusammen mit Cauthon Despair auf Entropen gestoßen. Es war der Erstkontakt zwischen Quarterialen und Entropen gewesen.

Die Uniformen der beiden Entropen waren teilweise zerfetzt. Der eine hatte eine tiefe Wunde an der Stirn. Offenbar waren es Entropen verschiedener Gattung. Einer von ihn besaß vier Arme und drei Augen, war aber genauso groß wie sein zweiäugiger- und zweiarmiger Artgenosse.

Der Zweiäugige starrte die drei Damen entsetzt an.

Ihr … ihr seid Frauen!

Scharfsinnig, erwiderte Uthe.

Aber quarteriale Frauen! Das ist ein Unterschied! Ihr seid Dreck!, sagte der Dreiäugige.

Charmant. Ich glaube, ihr beiden seid nicht in der Position, um uns zu drohen, antwortete Brettany und zielte mit ihrem Strahler auf die beiden.

Rosan hob beschwichtigend eine Hand. Haben Sie die Möglichkeit, von hier zu fliehen?

Der zweiäugige Entrope starrte Rosan irritiert an.

Sie haben richtig gehört. Wir sind im Grunde genommen Gefangene des Quarteriums und würden gerne zurück in die Milchstraße. Zu Perry Rhodan!

Höre nicht auf sie, Lydkor! Diese Schlangen gehören zur De-la-Siniestro-Familie. Wir sollten sie töten!

Uns töten?, rief Uthe aufgeregt. Oh, jetzt verstehe ich! Sie sind Killer! Der Angriff galt den de la Siniestros! Reizend!

Lydkor, so der Name des zweiäugigen Entropen, nickte. Wir haben kläglich versagt. Ich habe Schande über mich, mein Volk und meine Freundin Constance Zaryah Beccash gebracht …

Resigniert setzte sich Lydkor auf ein Wrackteil. Brettany wurde hellhörig. Sie ging zwei Schritte näher an Lydkor heran.

Constance ist Ihre Freundin? Cauthon hat mir von ihr erzählt …

Der Silberne Ritter, murmelte der Entrope verächtlich. Ich wünschte, ich hätte die Möglichkeit, ihn zu töten. Doch so …

Plötzlich griff er nach Bretts Waffe. Der andere Entrope schlug Uthe ihren Strahler aus der Hand. Ehe Rosan reagieren konnte, hatte er sie schon gepackt und warf sie zu Boden.

Sie waren überwältigt! In diesem Moment stürmten von allen Seiten die Holsteiner-Gardisten aus den Gartenanlagen. Der erste Schuss fiel und traf den vierarmigen Entropen direkt in den Kopf. Er brach tot zusammen. Uthe reagierte als erste und schlug Lydkor die Waffe aus der Hand. Innerhalb weniger Sekunden waren sie wieder frei.

Helge von Hahn ging mit festem Schritt auf den Entropen zu und zog seinen Strahler.

Rosan stellte sich vor den Gefangenen. Halt! Er ist ein Kriegsgefangener und muss dementsprechend behandelt werden!

Sowohl Helge von Hahn als auch Lydkor starrten Rosan entgeistert an. Das ist eine militärische Operation, Imperatrice! Ich habe hier das Kommando!

Nein! Ich bin die Kaiserin! Sie werden es wohl nicht wagen, meinen Befehlen zu widersprechen, Herr Oberst?

Helge von Hahn rang mit sich. Rosan sah ihm deutlich an, dass er sie hasste. Dann warf er einen ebenso unfreundlichen Blick auf Uthe. Sie erwiderte ihn herausfordernd.

Du hast die First Lady gehört. Der Gefangene soll gut behandelt werden. Gemäß den Statuten des Galaktikums, verstanden? Kein Entsorgungslager, keine Folter. Du haftest uns für sein Wohl!

Vorerst!, sagte von Hahn zähneknirschend. Abführen!

Rosan blickte der Gruppe Quarterialer und dem einen Entropen hinterher. Sie hatte kein gutes Gefühl. Vermutlich hatte sie dem Entropen ein paar Stunden geschenkt, doch irgendwann würden sie ihn vermutlich töten.

Katryna frohlockte. Ihr Plan schien aufzugehen. Der Durchbruch durch das Sternenportal war gelungen. Nun galt es als nächsten Schritt nach Paxus zu gelangen, und den Planeten völlig zu zerstören. Wenn das nicht genügte, beabsichtigte Katryna so viele Planeten zu vernichten, bis das Quarterium bedingungslos kapitulierte. Diese Narren Perry Rhodan und Joak Cascal würden ihr noch die Füße vor Dankbarkeit küssen, wenn sie ihnen den Sieg verkündete. Sie waren eben typische Männer. Sie dachten nur mit ihrem besten Stück und kamen sich so unglaublich toll vor. Dabei waren sie einfältig wie Hunde. Katryna wandte sich an den Kommandanten ihres Schiffes, einem Denker und Primär-Entropen.

Unsere Flotte soll sich sammeln und dann nach Paxus durchbrechen, ordnete sie an.

Das ist nicht so einfach, gab der Kommandant zurück.

Wieso das? Wir haben sie doch überrascht, wunderte sich Katryna.

Offensichtlich waren sie nicht so überrascht, wie wir gehofft hatten, erklärte der Denker. Ihr Widerstand und ihre Abwehrstellungen sind stärker als von uns erwartet. Außerdem haben sie mindestens zweihunderttausend Kriegsschiffe gegen uns aufgeboten.

Und wenn schon! Vernichtet sie und brecht durch!

Dazu bräuchten wir unsere restliche Flotte, doch es kommt kein Nachschub mehr durch das Sternenportal. Man könnte fast geneigt sein zu sagen, dass wir in der Falle sitzen, meinte der Kommandant fast heiter.

Zu Katrynas Entsetzen behielt der Denker recht. Durch Leticrons ausgeklügelte Abwehrstrategie wurde die Flotte der Entropen mehr und mehr dezimiert. Zwar gelang es den Entropen weiter nach Cartwheel hinein zu gelangen, doch ihre Verbände wurden immer weiter auseinandergezogen und erlitten dabei hohe Verluste. Auch die Rückkehr zum Sternenportal wurde ihnen versperrt und es kamen keine entropischen Verstärkungen mehr durch das Sternentor, denn auf der anderen Seite des Portals verhinderte Cauthon Despair in einer strategisch klugen Abwehrschlacht, dass weitere entropische Einheiten durchbrechen konnten. Ihm zugute kam der Umstand, dass eine Koordination zwischen den Entropen und der Terranischen 8. Flotte so gut wie nicht vorhanden war. So konnte Despair einen Keil zwischen entropische und terranische Einheiten treiben.

Zufrieden beobachtete Leticron an Bord seines Schiffes den Verlauf der Schlacht. Es war ihm gelungen, die Entropen einerseits vom Sternenportal hinein nach Cartwheel zu locken, aber andererseits von Paxus und den anderen wichtigen Welten fernzuhalten. Leticron war sich sicher, dass die Entropen Paxus und die Hauptwelten angreifen wollten. Er selbst hätte nicht anders gehandelt. Er wunderte sich nur über die überhastete Strategie der Entropen und wieso keine terranischen Schiffe an dem Angriff beteiligt waren. Gab es womöglich Meinungsverschiedenheiten zwischen den feindlichen Alliierten?

Während Leticron darüber nachdachte, meldete sich der Imperatore bei ihm.

Nun, Leticron, wie ist die Lage?, fragte der alte Spanier beunruhigt.

Es sieht gut für uns aus. Wir haben den Feind zersplittert. Wenn die Entropen keine Verstärkung erhalten, werden wir sie bald vernichtet haben.

Gut, ich hoffe Despair ist Herr der Lage bei SOLARIS STATION.

Davon gehe ich aus, Imperatore.

Während Leticron sprach, kam Poleycra in die Zentrale und salutierte ehrerbietig.

Was gibt es?, wollte Leticron wissen.

Wir haben Funksprüche der Entropen abgehört. Den Oberbefehl über die feindliche Flotte hat die Hexenmeisterin Katryna Lyta Sharonaa. Wir haben ihr Flaggschiff lokalisiert. Sollen wir es angreifen und vernichten?, fragte der Adjutant.

Leticron wollte die Frage bejahen, doch der Imperatore hatte die Meldung mit angehört und kam dem Überschweren zuvor.

Nein, keinesfalls! Ich will sie lebend haben. Sie wäre eine wertvolle Geisel, durch die wir mehr über die Entropen und Rhodans Pläne erfahren können.

Leticron gefiel das zwar nicht, aber die Argumentation des Imperatores war nicht von der Hand zu weisen. Auch Leticron war neugierig zu erfahren, wieso die Entropen ohne Rhodans Unterstützung angegriffen hatten. Er wandte sich an Poleycra.

Du hast den Befehl des Imperatore gehört. Fordert die Entropen zur sofortigen Kapitulation auf. Wenn sie sich weigern, entert ihr das Flaggschiff und nehmt diese Katryna gefangen.

Ja, Herr!, bestätigte Poleycra ergeben und eilte aus der Zentrale.

Wir kriegen sie, versicherte Leticron dem Imperatore.

Das wäre schön. Diese Hexenmeisterin soll sehr gut aussehen, wie man so hört, meinte der alte Spanier mit einem Unterton der Leticron nicht gefiel.

Die Flotte der Entropen war im Verlauf der Schlacht immer mehr zersplittert und dezimiert worden. Da die Verteidiger sich mit den Gegebenheiten in Cartwheel besser auskannten, waren sie im Vorteil. Sie griffen immer wieder in verschieden Formationen und mit unterschiedlichen Taktiken an, auf die sich die Denker der entropischen Schiffe nur schwer einstellen konnten. Zu sehr war die entropische Taktik darauf ausgerichtet gewesen, nach Paxus vorzustoßen und den Planeten zu vernichten. Man hatte einen Überraschungsschlag geplant, doch nun war man selbst überrascht worden.

Wir müssen Paxus erreichen und zerstören. Koste es, was es wolle! Es sind doch nur noch wenige Lichtjahre!, schrie Katryna ihren Kommandanten an.

Dies ist leichter gesagt als getan, meinte der Denker. Wir sind nicht in der Lage in den Hyperraum einzutauchen. Ich fürchte, der Angriff ist fehlgeschlagen. Wir sollten versuchen, zurück zum Sternenportal zu gelangen. Das dürfte schon schwierig genug werden.

Acht Lichtjahre waren sie von Paxus noch entfernt. Zwei Lichtjahre vom Sternenportal. So nah und doch so fern.

Katryna hätte vor lauter Wut am liebsten auf den Primär-Entropen eingeschlagen, aber eine Meldung hinderte sie daran.

Wir erhalten eine Nachricht von den Quarterialen, meldete ein Sekundärentrope.

Lass hören!, forderte Katryna ihn auf.

Auf dem Bildschirm erschien der Überschwere Poleycra.

An die Hexenmeisterin Katryna! Du und deine Streitkräfte sind besiegt. In seiner Großmut will der Imperatore von Cartwheel dir dein Leben schenken, wenn du auf der Stelle kapitulierst, verkündete er.

Du und dein Imperatore könnte euch euren Großmut in den Hintern stecken, fauchte Katryna zurück.

Wie du willst. Dann werden wir euch entern.

Poleycra verschwand wieder vom Bildschirm und der entropische Kommandant blickte besorgt drein.

Passt dir was nicht?, fragte Katryna gereizt.

Zu kapitulieren ist unter diesen Umständen eine durchaus kluge Option. Wir sind nämlich von unseren Verbänden abgeschnitten worden und von Quarterialen eingekreist, gab der Primär-Entrope zu bedenken.

Das sagst du mir erst jetzt? Wozu bist du eigentlich ein Denker? Dummer Mann! Männer an Bord bringen nur Unglück, meckerte Katryna ihn an.

Katryna befahl mit ihrem Schiff zum Sternenportal durchzubrechen. Doch es war schon zu spät. Die Quarterialen vernichteten alle ihre Begleitschiffe, bis nur noch Katrynas Flaggschiff übrig war. Die Quarterialen trieben sie vor sich her, bis sie ihr Schiff einholten und enterten. Dabei gingen die Überschweren rigoros und rücksichtlos vor. Jeder, der Widerstand leistete, wurde niedergemacht. Die Entropen leisten zwar erbitterten Widerstand, konnten aber das Vordringen der Grautruppen nicht verhindern. Schließlich stürmten sie die Kommandozentrale und töteten alle bis auf Katryna, die sich gezwungen sah, aufzugeben. Widerstandlos ließ sie sich festnehmen.

Inzwischen war auch die Abwehrschlacht um Cartwheel endgültig entschieden. Da die Entropen sich weigerten zu kapitulieren, wurden fast alle 70 000 Schiffe vernichtet. Nur einige wenige konnten sich durch das Sternenportal retten. Am 27. November war der Kampf beendet und Katryna wurde nach Paxus gebracht.

Auf Paxus wurde der deutliche Sieg mit großer Erleichterung aufgenommen. Die Serie der Niederlagen schien gestoppt worden zu sein. Der Imperatore wandte sich per Trivid in einer Ansprache an die beunruhigte Bevölkerung Cartwheels und verurteilte den Angriff der Entropen aufs schärfste. Er versicherte, die Lage sei wieder unter Kontrolle und lobte den Einsatz der quarterialen Flotte. Die regierungstreuen Medien schlachteten den Sieg propagandistisch aus und hoben besonders die Gefangennahme Katrynas hervor. Auch die Führungsspitze des Quarteriums war wieder zuversichtlicher. Man hatte den Entropen, die bisher dem Quarterium eine Niederlage nach der anderen zugefügt hatten, endlich eine schwere Niederlage zugefügt.

Auf Anraten von Marschall Sizemore wollte man die defensive Strategie fortsetzten. Cauthon Despair verteidigte das Sternenportal und Leticron und Sizemore die Heimatfront. Wenn es den Entropen wieder gelingen sollte, durchzubrechen, würden sie wieder auf den starken quarterialen Abwehrriegel treffen. Auf diese Weise wollte man den Gegner ausbluten lassen, um ihm dann mit einer Gegenoffensive zu antworten und endgültig zurückzuwerfen. Der Imperatore war wieder optimistischer und hoffte, das Blatt noch einmal wenden zu können. Früher oder später musste MODROR Verstärkung schicken, dann würde es man es schaffen. Das Wichtigste war nun, den Feind von Cartwheel fernzuhalten, dies schien durchführbar. Außerdem hatte man mit Katryna eine wertvolle Geisel.

Wo ist diese entropische Hexe untergebracht?, erkundigte sich der Imperatore bei Leticron, als sie wieder in seinem Palast auf Paxus waren.

Sie sitzt da, wo sie hingehört – im Hochsicherheitstrakt des CIP-Gefängnisses. Wenn es nach mir ginge, käme sie gleich in ein Entsorgungslager, entgegnete der Überschwere.

Aber, aber! So behandelt man doch keine Dame. Ich wünsche, dass sie in den Palast gebracht wird und gut behandelt wird – natürlich unter strenger Bewachung.

Leticron brummte unmutig. Ich glaube nicht, dass sie eine zweite Rosan Orbanashol ist, der ich nach wie vor nicht traue. Diese Katryna ist jedoch noch viel gefährlicher. Ich kann nur vor ihr warnen. Die Terraner ließen Hexen früher auf dem Scheiterhaufen brennen. Wir sollten diesem Beispiel folgen.

Don Philippe winkte jedoch ab. Sie ist doch nur eine zarte Frau. Ich möchte mir erst ein persönliches Bild von ihr machen, bevor ich über ihr Schicksal entscheide. Außerdem kann sie uns vielleicht wertvolle Informationen geben, die uns weiterhelfen.

Überlasst sie mir und meinen Folterexperten und sie wird uns jede gewünschte Information geben, meinte Leticron.

Ach, wie primitiv. Nein, ich versuche es erst auf meine Weise. Lassen sie sie zu mir bringen, Leticron.

Wie Sie wünschen, grummelte der Überschwere missmutig.

Kapitel 9
Das Schicksal eines Entropen

Die Schlacht um Cartwheel war nach kurzer Zeit bereits entschieden. Die Entropen hatten auf der ganzen Linie verloren.

Rosan, Uthe und Brettany hatten sich von dem Schock des Angriffes erholt. Viel war nicht zu Bruch gegangen. Ein paar Vasen und Gläser waren bei den Erschütterungen zu Boden gefallen.

Rosan fragte sich, wie fanatisch die Entropen waren, wenn sie bereitwillig zu so einem Himmelfahrtskommando aufbrachen. Sie mussten doch gewusst haben, dass sie keine Chance hatten.

Stephanie stolzierte in bester Laune in den Aufenthaltssaal und begrüßte Rosan, Uthe und Brettany. Auch Peter kam wenige Sekunden später hinzu. Er wirkte so verstört wie immer.

Ein herrlicher Tag. Ein großer Sieg für das Quarterium!, jubelte Stephanie.

Die anderen schwiegen. Natürlich dachte sie nicht an die unzähligen Toten. So etwas interessierte die Tochter des Imperatore nicht.

Ich … ich habe gehört, dass meine Holsteiner gute Arbeit geleistet haben und die Damen gerettet haben?

Peters pockiges Gesicht war blass wie eh und je und doch regte sich etwas in ihm. So etwas wie stolz.

Ja, das haben sie. Das hast du gut gemacht, Peter, antwortete Brettany. Doch in der Behandlung von Gefangenen müssen sie noch einiges lernen. Eine gute Soldateneinheit handelt auch ehrenvoll.

Pah! Was weißt du schon. Du bist ein Mädchen! Ist es unehrenvoll, wenn man einen wilden Eber erschießt, wenn er dich angreift? Wohl kaum! Und mehr sind die Entropen auch nicht. Sie sind Tiere! Grunzende, stinkende Tiere! Peter lachte irre.

Brettany sah ihren Bruder entsetzt ab, während Uthe Rosan einen vielsagenden Blick zuwarf.

Einige Gleiter fuhren plötzlich vor. Die Tür öffnete sich und der Imperatore höchstpersönlich betrat das Schloss. Seine Kinder rannten ihm zur Begrüßung entgegen. Rosan blieb sitzen und trank lieber noch ein Glas Wein.

Ihr seid tapfer gewesen, lobte de la Siniestro seine beiden Töchter.

Die Holsteiner haben die Damen beschützt. Auf meine Gardisten kannst du dich verlassen, meinte Peter.

De la Siniestro nickte. Gut! Nun habe ich noch dringende Geschäfte zu erledigen. Ich werde die Anführerin dieses Angriffes verhören. Das wird sehr gefährlich.

Wollen wir nicht ein Familienessen daraus machen? Offenbar willst du ja mit ihr essen, sonst würde dein persönlicher Speisesaal nicht hergerichtet werden?, mischte sich Rosan grinsend ein.

De la Siniestro wurde rot und lachte verlegen. Diplomatie, mein Liebes! Wir müssen unsere Feinde gut behandeln, sonst können wir niemals Frieden schließen.

Ach?, sagte Brett an Peter gerichtet.

Nun geht, meine Lieben! Lasst Papa die Reichsgeschäfte tätigen.

Rosan stand nun auf und ging zur Treppe. Wenn du erwartest, dass ich eine eifersüchtige oder verständnisvolle Ehefrau spiele, kannst du lange warten. Mir ist das gleichgültig. Schönen Abend!

Kapitel 10
Katrynas Heißhunger

Noch am selben Abend wurde Katryna in den Palast und in den Salon des Imperatore gebracht, der ein Diner zu zweit servieren ließ. Die Familie fügte sich seinen Anordnungen. Zur Sicherheit hatte er aber Rosan und Uthe einschließen lassen.

Ich heiße Sie auf Paxus herzlich willkommen, Señora Katryna. Bitte nehmen Sie Platz.

Widerwillig setzte sich die Entropin an den reich gedeckten Tisch.

Sie werden sicherlich hungrig sein. Betrachten Sie dieses bescheidene Mahl als kleine Wiedergutmachung für die Ungelegenheiten, die Sie erlitten haben, sagte der alte Spanier freundlich.

Katryna registrierte überrascht, dass der Imperatore ihr freundlich gesonnen war. Offenbar fand er sie höchst attraktiv. Katryna war sich ihrer Ausstrahlung auf Männer wohl bewusst und nutzte diese immer wieder für ihre Zwecke.

Männer waren wir Hunde. Sie folgten ihr blindlings, wenn man ihnen genügend Aufmerksamkeit schenkte, ein paar Leckerlis gab und mit der Peitsche züchtigte, wenn es angebracht war. Was für einen Hund das Fressen war, war für einen Mann der Sex. Bekam er ihn, war er ihr hörig!

Das wollte sie auch dieses Mal tun. Anfangs hatte sie vorgehabt dem Imperatore einfach ins Gesicht zu spucken, doch nun beschloss sie ihre Strategie zu ändern und dem alten Mann, den sie absolut hässlich und abstoßend fand, entgegen zu kommen.

Oh, vielen Dank, eure Exzellenz! Ich bin halb verhungert. Die Strapazen der letzten Stunden waren einfach zu viel für mich, gab sich Katryna jammerhaft.

Sie wusste, dass der Imperatore aus einer Epoche der Terraner stammte, in der die Männer die Frauen für schwach und hilflos hielten und sich als ihre Beschützer aufspielten. Sie hielten sich für Kavaliere. Katryna konnte zwar mit solcher chauvinistischer Romantik nichts anfangen, wollte aber diese Taktik einnehmen, um den Imperatore für sich zu gewinnen. Sie wollte die beschützenswerte Frau mimen.

Dabei war der männliche Beschützerinstinkt doch schon sexistisch genug. Hätte es ihr nicht zum Vorteil gereicht, würde sie es diesem Macho zeigen! Die terranischen Männer beschützten die Frauen nicht, sie unterdrückten sie!

Essen Sie, Señora, damit Sie wieder zu Kräften kommen.

Katryna tat so als würde sie mit Heißhunger essen und trinken.

Ach, das tut gut, seufzte sie theatralisch. Ich weiß gar nicht, wie ich Ihnen danken soll, Imperatore. Sie sind so ganz anders, als ich erwartet hatte. Mit solch einem galanten, ritterlichen Verhalten hatte ich unter diesen Umständen nicht gerechnet.

Der alte Spanier schmunzelte leicht verlegen. Katryna dankte Lilith, dass dieser einfältige Mann auf ihr Getue hereinfiel. Wahrscheinlich regte sich schon einiges bei ihm. Doch nur deshalb war er so höflich zu ihr. Er wollte ihren Körper! Das war das Einzige, was einen Mann interessierte. Primitiv und so unendlich berechnend waren die Männer! Wie Schweine und Affen gaben sie sich seit vielen Evolutionsstufen immer wieder derselben Sache hin und ließen ihr Handeln und Tun davon beeinflussen. Ihr Gehirn hatte sich nicht weiterentwickelt – ganz im Gegensatz zu dem einer Frau. Frauen waren beherrschter, cleverer und intelligenter. Deshalb waren sie von Mutter Natur – ja auch eine Frau – als Primärgeschlecht vorgesehen! Das Einzige, was der Mann ihnen voraus hatte, war seine rücksichtslose Brutalität, mit denen er die Frauen unterjochte!

Aber das ist doch selbstverständlich. Das hätte jeder andere doch auch getan, meinte er scheinbar bescheiden.

Katryna hatte kurz den Faden verloren, so sehr hatte sie über den Abschaum Mann nachgedacht. Hastig antwortete sie dem Imperatore: Nein, nein! Ritterlichkeit ist durchaus nicht selbstverständlich heutzutage. Wenn ich nur an diesen groben Klotz denke, diesen Leticron …

Sie müssen es ihm nachsehen, Señora. Er ist nun einmal nur ein Krieger, sagte Don Philippe mild lächelnd.

Katryna erwiderte das Lächeln des alten Mannes. Es scheint mir, man hat mich falsch über sie informiert. Man sagte mir, Sie seien eine blutrünstige Bestie, aber vor mir sehe ich einen höchst zivilisierten, kultivierten Mann. Vielleicht müssen beide Seiten ihren Standpunkt noch einmal überdenken.

Der Imperatore war angenehm berührt. Gleichzeitig fühlte er sich von der Entropin erotisch angezogen.

Vielleicht sollten wir uns näher kennenlernen. An einem intimeren Ort können wir sicherlich besser darüber diskutieren, meinte Don Philippe.

Katryna triumphierte innerlich. Dieser alte Lustgreis war scharf auf sie. Das war die einmalige Gelegenheit mit ihm allein zu sein und den Imperatore zu töten.

Zunächst tat die Hexe damenhaft zurückhaltend, aber je mehr Don Philippe auf sie einredete, desto mehr reduzierte sie ihren Widerstand und schließlich gab sie nach und folgte ihm in sein Schlafgemach, vor dem zwei Wächter postiert waren.

Wachen, lasst uns allein!, befahl der Imperatore den Wächtern, die sogleich entschwanden. Dann führte er Katryna in sein Schlafgemach.

Wie schön doch Ihr Palast ist, schwärmte die Hexe heuchlerisch und malte sich bereits aus, wie es wäre, wenn bekannt würde, dass sie den Imperator des Quarteriums getötet hätte? Würde SI KITU persönlich sie ehren und zur Hohen Hexe ernennen? Dann würde sie alle Lilim beherrschen! Das war von Kindheit an ihr Ziel gewesen! Sie würde die Hohe Hexe Adelheid und ihre Brut in Rente schicken!

Noch vor kurzem wollten Sie dies alles zerstören, gab Don Philippe zu bedenken.

Da kannte ich Sie noch nicht. Ich hätte beinahe einen schrecklichen Fehler begangen. Das ist alles die Schuld von Perry Rhodan! Er hat mich gegen Sie aufgehetzt.

Wir sollten an diesem schönen Abend nicht von Politik reden, meinte der Imperator und küsste Katrynas Hand. Die Hexe musste sich zusammennehmen, um nicht vor Ekel zu erschauern, doch die Aussicht den Kopf des Quarteriums töten zu können, ließ sie alles andere vergessen.

Sonst bin ich eher zurückhaltend, aber du machst mich schwach, hauchte sie dem alten Mann ins Ohr und streichelte ihn. Jetzt war er in ihrer Hand. Doch als sie schon zum tödlichen Angriff ansetzen wollte, klopfte es heftig an der Tür.

Mach auf, Vater! Ich bin es, dein Sohn!, grölte eine Stimme von draußen.

Unwirsch öffnete Don Philippe die Tür. Vor ihm stand sein Sohn Peter in einer Gala-Uniform aus dem 18. Jahrhundert.

Was ist denn? Ich wünsche, jetzt nicht gestört zu werden. Das habe ich dir doch vorhin gesagt, empfing der alte Spanier seinen Sohn unfreundlich.

Aber Vater! Wir waren doch für heute Abend verabredet. Doch wolltest dir doch meine Modellsoldaten ansehen und mit mir den Sieg feiern, erinnerte Peter seinen Vater.

Ach ja, richtig. Leider muss ich für heute absagen, Peter. Ich habe noch dringende Verhandlungen zu führen, bedauerte der Imperatore.

Peter erblickte nun Katryna im Schlafgemach seines Vaters. Hasserfüllt starrte er sie an. Verhandlungen mit der da? Da gibt es nichts zu verhandeln! Hexen gehören auf den Scheiterhaufen! Tod allen Entropen! Ich hasse sie! Ich hasse sie so sehr!, echauffierte sich Peter rot anlaufend.

Katryna hatte sich inzwischen auf das Bett gelegt und betrachtete den irrsinnigen Sohn des Spaniers gelangweilt. Noch ein dummer Mann, der seine animalischen Instinkte nicht im Zaum halten konnte.

Nun wurde der Imperatore wütend. Schluss jetzt! Benimm dich gefälligst. Verschwinde und lass mich in Ruhe!, rief er und knallte die Tür vor seinem verdutzten Sohn zu. Dann wandte er sich wieder Katryna zu. Ich bitte um Verzeihung. Er ist ein wenig … naiv und temperamentvoll, aber ansonsten ein guter Kerl.

Da bin ich aber beruhigt. Deine Ausstrahlung und deine autoritäre Art haben mich noch mehr beeindruckt. Du bist ein Mann nach meinem Geschmack, entgegnete Katryna und fuhr sich verführerisch mit den Händen über den Körper.

Ich schlage vor, dass wir die Verhandlungen fortsetzen. Komm zu mir, lockte sie Don Phillipe an, der sich dies nicht zweimal sagen ließ.

Lüstern blickte er sie an und zog sich seinen Gehrock aus. Dann nahm er sie in Arme und küsste sie. Doch während er das tat, vollzog sich eine Wandlung mit Katryna. Ihr Succubus-Gesicht kam zum Vorschein. Hörner wuchsen ihr aus dem Kopf, ihre Hände wurden zu Klauen und ihre Zähne erinnerten an die Reißzähne eines Wolfes. Flügel wuchsen aus ihrem Rücken und ein langer Schweif wirbelte aus ihrem Hinterteil. Entsetzt ließ der Imperatore von ihr ab.

Was ist denn nun los?, fragte er entgeistert.

Nun bist du des Todes, antwortete ihm Katryna und starrte ihn voller Hass an.

Unwillig stampfte Leticron durch die Korridore des Palastes. Es gefiel ihm nicht, dass Don Philippe so viel Zeit mit dieser Hexe verbrachte. Dieser alte Narr würde in seiner Lüsternheit aus Katryna noch eine zweite Rosan Orbanashol machen, fürchtete er. Leticron hielt diese Frau für gefährlich. Je eher man sie beseitigte, desto besser. Der Überschwere wurde von Peter de la Siniestro aus seinen düsteren Gedanken gerissen. Wutentbrannt und mit hochrotem Kopf kam ihm der Klon-Sohn des Imperatores entgegen.

Ärger gehabt?, fragte Leticron höflich, obwohl es ihn eigentlich nicht im geringsten interessierte. Peter war offensichtlich geisteskrank und hatte ständig Ärger mit irgend jemanden.

Es ist unglaublich! Mein eigener Vater vergisst unsere Verabredung. Und anstatt mit mir zu spielen, vergnügt er sich in seinem Schlafzimmer mit dieser Hexe, erklärte Peter.

Mit Katryna?, fragte Leticron beunruhigt.

Jawohl, mit dieser Entropen-Hexe. Selbst die Wache hat er weggeschickt. Ich hasse sie! Ich hasse sie so sehr!

Das gefiel Leticron nicht. Der Imperatore war ohne Bewachung ganz allein mit dieser gefährlichen Frau, von der niemand wusste, was sie eigentlich plante. Den Überschweren überkam ein unruhiges Gefühl. Ihm fielen Despairs Berichte ein, dass die Hexe Constance offenbar über parapsychische Fähigkeiten verfügte und sogar in der Lage war, ihren Körper zu verformen. Was wenn jede Hexe das tun konnte? Bestimmt jedoch eine Hexenmeisterin wie Katryna!

Eilig ging er zum Gemach des Imperatores, um nach dem Rechten zu sehen. Als er auf das Schlafzimmer zuging, hörte er den Imperatore schreien.

Voller Grauen starrte der Imperatore auf das Wesen, das er vor wenigen Minuten noch begehrte, und sah ungläubig, wie aus dem Rücken der Hexe Drachenflügel wuchsen. Der alte Spanier hatte schon viel gesehen und an sich an vieles gewöhnt in der für ihn neuen Zeit, aber das war für ihn, der noch aus dem 18. Jahrhundert stammte, dann doch zu viel. Er konnte nur noch voller Entsetzen schreien. Das Wesen, das zuvor noch Katryna gewesen war, versetzte ihm einen Hieb mit seinen Krallen am Arm und verursachte eine dort eine blutende Wunde. Erneut schrie der Imperatore auf.

Im selben Moment stürmte Leticron zur Tür herein. Auch der abgebrühte Überschwere musste vor Erstaunen einen Moment innehalten. Dann aber reagierte er blitzschnell. Hinter ihm war Peter hereingekommen und fing nun auch entsetzt an zu schreien. Leticron sah, dass Peter wie gewöhnlich einen Säbel bei sich trug, und griff ihn sich. Laut brüllend und Zähne fletschend kam Katryna auf ihn zugestürmt. Leticron nahm den Säbel und trennte damit Katrynas Kopf mit einem einzigen wuchtigen Hieb ab. Der Kopf fiel auf den Boden und rollte direkt vor Peters Füße. Der Sohn des Imperatores starrte entsetzt auf den Kopf. Kreidebleich blickte auch der Imperatore auf das Geschehen. Sein Arm blutete leicht.

Sind Sie verletzt?, fragte Leticron besorgt.

Der alte Spanier winkte ab.

Es geht schon. Nur ein Kratzer. Was für eine Kreatur der Hölle war das nur?

Das war Katryna. Ich sagte schon, dass man diese Hexen nicht unterschätzen soll. Und schon gar nicht sollte man sie in sein Schlafzimmer lassen, meinte Leticron leicht vorwurfsvoll.

Tja, ist eigentlich schade. Sie sah so toll aus. Nur fünf Minuten später …

Dann wären Sie jetzt tot, Imperatore.

Ich verdanke Ihnen mein Leben, Leticron.

Eigentlich eher Ihrem Sohn. Wenn er mich nicht aufmerksam gemacht hätte …

Der gute Peter. Wo ist er denn?, wollte der Imperatore wissen und sah sich suchend um.

Da liegt er.

Leticron deutete auf den Fußboden. Dort lag Peter de la Siniestro. Er war in Ohnmacht gefallen.

Kapitel 11
Die Schlacht

Die Schlacht am Sternenportal der Lokalen Gruppe tobte indessen weiter. Cauthon Despair verteidigte mit seiner Flotte nach wie den unmittelbaren Raum um das Sternentor, während Leticron es sich nicht nehmen ließ, eine Raumsonde mit Katrynas Kopf an Bord durch das Sternenportal an die Entropen zu schicken. Der Tod Katrynas und die Vernichtung der halben entropischen Flotte versetzte den Entropen einen Schock. Am 5. Dezember stellten sie den Angriff auf das Sternenportal ein. Auch die Terranische 8. Flotte sah ohne Unterstützung der Entropen keine Möglichkeit für einen alleinigen Angriff. Es war zu einem Patt gekommen.

Schockiert betrachtete Constance Katrynas abgetrennten Kopf, der in einem hübsch verzierten Paket lag. Daneben eine Schreibfolie, geschrieben von Leticron, auf der stand:

Liebesgrüße aus Cartwheel. Nur nicht den Kopf verlieren.

Es ist entsetzlich, meinte Constance mit Tränen in den Augen. Sie war immer so stark, sie schien unverwundbar zu sein. Und nun dies.

Niemand ist unverwundbar, meinte Perry Rhodan und legte tröstend eine Hand auf Constances Schulter.

Wie soll es nun weitergehen? Wer wird die Entropen führen?, fragte Aurec.

Ich habe eine Nachricht in die Heimat gesendet. Die obersten Hexen müssen nun entscheiden, wie es weitergeht, meinte Constance.

Ohne die Hilfe der Entropen können wir das Sternenportal nicht einnehmen, beklagte Reginald Bull. Katryna hat mit ihrer Irrsinnstat dem Quarterium in die Hände gespielt. Cauthon Despairs Abwehrriegel ist jetzt zu stark für uns.

Andererseits sind sie nicht stark genug, um uns anzugreifen. Beide Seiten befinden sich in einer Pattsituation, entgegnete Perry Rhodan. Der Freund aus alten Tagen betrachtete ihn forschend. Konnte es sein, dass Perry gar nicht so betrübt über die jetzige Situation war?

An Bord der EL CID lenkte Despair die Abwehr. Die Flotte hielt sich gut, doch ewig konnte dies nicht weitergehen. Despair musste eine Entscheidung erzwingen – durch die Vernichtung der LEIF ERIKSSON! Rhodans Tod würde den Widerstand brechen.

Oberst Tantum, formieren Sie einen Flottenverband zu unserer Unterstützung, nur große Schiffe. Wir werden die LEIF ERIKSSON angreifen.

Rhodans Raumschiff war nur zwei Millionen Kilometer von SOLARIS STATION entfernt, welche immer noch hart umkämpft war. Fast zwei Dutzend Schiffe sicherten Rhodans Flaggschiff ab. Sie bildeten einen Kreis um das Herzstück der Terranischen 8. Flotte. Sie wollten ihren Helden schützen, doch Despair würde diesen Wall zerbrechen.

Nickie Yanes betrat die Zentrale. Ihre Augen waren wässrig. Despair hatte jetzt keine Zeit für sie. Aber seine Ordonnanz ging direkt auf ihn zu.

Was gibt es?, fragte er sie barsch.

Sie schniefte etwas und sah Cauthon ernst an. Von Bergen ist tot. Sein Geschwader wurde vor wenigen Minuten aufgerieben.

So ist nun einmal der Krieg.

Kennst du denn gar kein Mitgefühl? Schert dich das Leben all deiner Besatzungsmitglieder gar nichts? Sie verehren dich und so schätzt du sie? Ich vergöttere dich und du bist nur kalt zu mir.

Es war jetzt nicht an der Zeit, um darüber zu diskutieren. Am liebsten hätte er Nickie der Kommandozentrale verwiesen, doch vermutlich hätte sie dann noch mehr Ärger bereitet.

Nickie, wir reden später darüber. Wir bereiten uns auf einen Angriff gegen die LEIF ERIKSSON vor. Damit bringe ich die Entscheidung und das Blutvergießen wird enden.

Neue Ortungsmeldungen, Sir!, brüllte Oberst Tantum entsetzt. Zehn-, nein Fünf… Die Stimme Tantums überschlug sich. …zigtausende Schlachtschiffe materialisieren plötzlich. Eine gigantische Raumstation … wir …

Despair starrte wie paralyisiert auf die Anzeigen. Tantum hatte recht. Der Raumschifftyp war Despair unbekannt. Es gab zwei Möglichkeiten. Entweder es waren Verbündete Rhodans oder Streitkräfte von MODROR.

Rhodan beobachtete den Kurs der EL CID. Es würde offenbar bald zu einem Angriff kommen.

Sir, bitte kommen Sie sofort in die Zentrale. Es ist sehr dringend, ertönte die Stimme von Admiral Higgins aus dem Interkom.

Was ist denn los, Higgins?, wollte Rhodan wissen.

Eine riesige Anzahl von unbekannten Raumschiffen trifft in diesem Moment aus dem Sternenportal aus, meldete Higgins erregt. Es sind schätzungsweise mindestens hunderttausend Einheiten und es werden immer mehr. In ihrer Mitte befindet sich eine riesige Raumstation.

Rhodan wurde unruhig. Sollte MODROR jetzt in diesem Augenblick dem Quarterium zu Hilfe kommen? Dann blieb ihnen nur noch die sofortige Flucht.

Ich bin schon unterwegs, sagte der Terraner.

Eiligst begaben sich Rhodan, Bull, Aurec und die Hexe Constance in die Kommandozentrale der LEIF ERIKSSON. Auf dem Panoramabildschirm waren unzählige Raumschiffe zu sehen, die sich um eine gewaltige Raumstation gruppierten.

Haben Sie den Schiffstyp identifizieren können, Admiral Higgins?, erkundigte sich Rhodan, während er in seinem Sessel Platz nahm.

Noch nicht, Sir. Ich schätze, dass es sich um etwa 200 000 Einheiten handelt.

Wenn das MODRORs Flotte ist, dann sitzen wir aber total in der Scheiße, unkte Reginald Bull.

Sir, die fremden Schiffe greifen die Positionen der Quarterialen Flotte an!, meldete ein Offizier aufgeregt.

Was?, fragte Rhodan ungläubig.

Sir, ein eingehendes Hyperkomgespräch!, meldete der Funker.

Legen Sie es auf den Schirm, Sparks!, befahl Rhodan.

Kurz darauf erschien ein großer, hagerer, düster wirkender Mann mit spitzen Ohren auf dem Bildschirm.

Ich bin Eorthor, Kommandeur der Kyberklon-Kosmokratenflotte und durch die Kosmokraten zum Raumherrn berufen. Wir sind hier, um das Sternenportal von den feindlichen Kräften MODRORs zu säubern, erklärte der Mann nüchtern, als sei es das Selbstverständlichste von der Welt.

Ich heiße Sie herzlich in der Lokalen Gruppe willkommen, Eorthor. Ihre Hilfe ist uns sehr willkommen, begrüßte Rhodan erleichtert den Alysker. Er wusste von Elyn, dass Eorthor ihr Vater war.

Das kann ich mir denken. Wir werden die Sache schon regeln. Sie und ihre Flotte brauchen sich vorerst gar nicht mehr einzumischen, sagte Eorthor in gönnerhaften Tonfall.

Aber …

Mit einer herrischen Geste brachte Eorthor den Terraner zum Schweigen. Wir sprechen später, wenn ich meine Arbeit erledigt habe. Dann bringe ich Ihnen auch Ihre Freunde Alaska Saedelaere und Osiris mit.

Ohne eine Antwort Rhodans abzuwarten, schaltete der Alysker ab.

Reizendes Kerlchen. Typischer Kosmokratenbürokrat, meinte Reginald Bull abfällig.

Kann man wohl sagen, fand auch Perry Rhodan. Aber in diesem Fall höchst willkommen.

Kapitel 12
Rückzug

Der Angriff kam für die quarteriale Flotte völlig überraschend. Man hatte sich nach der Niederlage der Entropen und dem Tod Katrynas vorerst vor weiteren Angriffen sicher gefühlt. Doch nun griff völlig unerwartet diese gewaltige Flotte an. Von allen Seiten kamen sie und zerstörten mit ihren überlegenen Waffen Schiff um Schiff. Hilflos musste Cauthon Despair an Bord der EL CID ansehen, wie sich seine Flotte in ihre Bestandteile auflöste. Die quartiale Flotte wehrte sich zwar so gut sie konnte, aber gegen diese Übermacht war sie chancenlos.

Was sollen wir tun? Es sind einfach zu viele. Unsere Einheiten befinden sich bald in völliger Auflösung, meldete da Rohn entsetzt dem Quarteriums-Marschall.

Cauthon Despair blickte ihn düster an. Ihm war klar, dass es nur noch eines gab. Geben Sie den Befehl zum Rückzug. Wir räumen das Sternenportal und ziehen uns nach Cartwheel zurück, mit dem was noch übrig ist.

Während da Rohn sich daran machte, Despairs Befehl in die Tat umzusetzen, verfolgte der Quarteriums-Marschall den weiteren Verlauf der Schlacht anhand der Holodarstellung. Er beneidete Perry Rhodan um dessen Verbündete. Sie ließen ihn nicht im Stich, im Gegensatz zu MODROR. Zum ersten Mal in seinem Leben war Cauthon Despair bitter enttäuscht von MODROR.

So schnell sie konnte setzte sich die quarteriale Flotte in Richtung Cartwheel ab, dabei erlitt sie nochmals erhebliche Verluste. Mehr als fünfzigtausend Schiffe gingen bei diesem Debakel für das Quarterium verloren. Es blieb nicht einmal mehr die Zeit, SOLARIS STATION zu räumen. Die quarteriale Besatzung musste bedingungslos kapitulieren. Nach acht Monaten Besatzungszeit musste das Quarterium die Lokale Gruppe endgültig verlassen.

Kapitel 13
Der Raumherr der Kosmokraten

Bei den Terranern und ihren Verbündeten herrschte große Freude über diesen Erfolg.

Aurec und Elyn betraten den Hangar 43. In Kürze würde ein Kurierboot landen. Beide waren aufgeregt, denn für Aurec war die Nachricht, dass sich Saggittonen an Bord der Raumschiffe befanden, eine große Überraschung gewesen. Elyn hingegen wollte ihren Vater wieder in die Arme schließen. Sie war glücklich, dass er sich endlich durchgerungen hatte, den Terranern und ihren Verbündeten zu helfen.

Das kleine Raumschiff setzte sanft auf den Metallboden auf. Drei Wesen stiegen aus. Das erste Geschöpf identifizierte Aurec als den Holpigon Utzmuk. Das Moluskenwesen war vor mehr als zehn Jahren in DORGON aufgegangen, nachdem Rodrom mit dem SONNENHAMMER die Galaxie Saggittor vernichtet hatte. Damals hatten die Völker nicht genügend Raumschiffe zur Evakuierung einer ganzen Galaxie. Jene Wesen aus Saggittor – ob nun Saggittonen, Holpigons, Trötter, Varnider oder Multivons – die sich nicht retten konnten, wurden von DORGON aufgenommen, der Aurec versprach, sich um sein Volk zu kümmern.

Der zweite Mann war ein Terraner. Aurec wusste, dass es Alaska Saedelaere war, ebenfalls ein relativ Unsterblicher. Der Zellaktivatorträger wirkte blass und müde.

Zuletzt stieg Eorthor aus.

Vater!, rief Elyn glücklich und rannte auf ihn zu. Sie fiel ihm um den Hals, was dem unsterblichen Alysker offenbar unangenehm war, denn es störte seinen würdevollen Auftritt. Aber offenbar konnte er sich der Liebe seiner Tochter nicht erwehren. Zögerlich erwiderte er ihre Umarmung und schloss sie dann fest in seine Arme.

Aurec freute sich über Elyns Glück. Sie war eine herzensgute Frau. Utzmuk kroch in einer schleimigen Spur auf Aurec zu. Der Saggittone beugte sich herab, um auf Augenhöhe mit dem Schneckenwesen zu sein.

Es freut mich sehr, dich wiederzusehen. Bitte berichte mir, was mit euch geschehen ist.

DORGON hatte uns aufgenommen und ein Zuhause gegeben. Wir lebten im Paradies, bis der Virus Prosperoh den Kosmotarchen verunreinigte. Doch Atlan und seine Gefährten haben uns gerettet. Für viele von uns ist die Zeit im Paradies nun vorbei – denn wir werden von Euch gebraucht, mein Herr!

Aurec verstand nicht so ganz.

Alle 200 000 Schiffe sind von Saggittonen bemannt. Ein Teil der vergeistigten Saggittonen, Varnider, Holpigons, Trötter und Multivons sind zurückgekehrt, um ihrem Volk zu dienen. Du bist der Kanzler, wir unterstehen deinem Befehl.

Die Schnecke machte den Ansatz einer Verbeugung. Nun begriff Aurec so langsam. Millionen Saggittonen waren zurückgekehrt. Er hatte nun auch die Verantwortung für sie. Beinahe für ein ganzes Volk. Es mussten mehrere Millionen sein, wenn er es genau überlegte. Seine Brüder waren auf diesen Raumschiffen verteilt.

Wieso?, fragte Aurec den Holpigon erstaunt.

Es war unsere Aufgabe. DORGON hatte es von Anfang an so vorgesehen. Er hatte aus der Vernichtung Saggittors eine Tugend gemacht und uns aufbewahrt, bis der Tag gekommen war, damit wir die Kosmokratenflotte von NESJOR bemannen durften.

Aurec fühlte sich in diesem Moment dankbar. Dankbar, weil DORGON ihm ein Teil seines Volkes zurückgebracht hatte. Es gab wieder mehr Hoffnung. Und doch …

Wird es nicht schwer für euch sein? Ihr habt in einem Paradies gelebt und nun …

Der Holpigon lachte, wobei er sehr weit gelbe Brocken durch die Gegend spuckte. DORGON hat uns viel gegeben, aber nicht alles. Es war ein schönes Leben, jedoch nicht so tief und fest in DORGON, wie es anderen Konzepten vergönnt ist. Wir haben keine kosmischen Wunder erlebt und lebten stets in dem Bewusstsein, dass dieser schöne Urlaub eines Tages vorbei sein wird.

Aurec brauchte eine Weile, um das alles zu verarbeiten. Und er sah auch gleich ein großes Problem auf ihn zukommen. Es war beinahe zwei Meter groß und hatte spitze Ohren.

Aurec, das ist mein Vater Eorthor!

Der Saggittone erhob sich und grüßte den mächtigen Alysker, der so unendlich alt war.

Für einen sterblichen Grünschnabel hast du viel geleistet, Saggittone. Meine Tochter berichtet nur Gutes über dich.

Und ich kann nur Gutes über Elyn sagen. Sie war in den letzten Jahren eine gute Freundin und wichtige Stütze für uns alle. Du kannst stolz auf deine Tochter sein, Eorthor!

Der Alyske wirkte überrascht, sah erstaunt zu seiner Tochter, als würde er ihr das gar nicht zutrauen.

Nun denn! Wo befindet sich Perry Rhodan? Ich muss ihn instruieren.

Rhodan wird sich nichts befehlen lassen, erwiderte Aurec provokant. Elyn sah ihn entsetzt an.

Eorthor hingegen blickte sich im Hangar um und schien den Saggittonen komplett zu ignorieren.

Elyn, zeige mir bitte, wo ich Rhodan finde. Es eilt. Wir haben keine Zeit zu verlieren.

Offenbar war es der Alyske peinlich. Sie blickte aus ihren großen, violettblauen Augen zu Aurec und sagte schließlich: Folge mir einfach, Vater. Ich bringe dich zu ihm. Doch Aurec hat recht. Du bist nicht Rhodans Befehlshaber, sondern Verbündeter. Vergiss dies bitte nicht.

Eorthor schüttelte genervt den Kopf. Nein, du irrst dich. Ich bin nun der Raumherr der Kosmokraten.

Zwischenzeitlich war auch Osiris eingetroffen. Er war mit der HOR-ATEP zur LEIF ERIKSSON geflogen. Alle Beteiligten trafen sich nun im großen Besprechungsraum, in dem Perry Rhodan bereits wartete.

Die Begrüßung mit Eorthor fiel knapp aus, was an dem Alysker lag. Ganz im Gegensatz zu Osiris und Alaska, die sich freuten, Rhodan und Reginald Bull wiederzusehen. Saedelaere und der Kemete berichteten Rhodan von ihren Erlebnissen im Kreuz der Galaxien und in Manjardon.

Beeindruckt setzte sich Perry Rhodan in seinen Sessel und lauschte den Berichten. Eorthor ging ungeduldig auf und ab, ließ aber den Terranern ihre Zeit, um die Abenteuer von kosmischer Bedeutung zu verarbeiten. Aurec war immer noch von der Rückkehr der Saggittonen beeindruckt. Elyn wurde bleich, als Osiris erzählte, das Kreuz der Galaxien sei durch eine 7-dimensionale Bombe vernichtet worden. Sie blickte ihren Vater seltsam mit wässrigen Augen an.

Aurec wusste, wie sie sich fühlte. Er hatte zwar eben ein Teil seines Volkes wiedergefunden, aber er kannte das Gefühl, als so viele seiner Rasse starben. Es gab nur noch ein paar tausend Alysker, die die Kernbesatzung von NESJOR bildeten.

Instinktiv stellte er sich neben Elyn und legte ihr tröstend die Hand auf ihre Schulter. Sie hatte ihm selbst schon oft genug Mut und Hoffnung gemacht. Es war nur fair, sich zu revanchieren.

Das sind mal wieder höchst kosmische Vorgänge, meinte Perry Rhodan, als Osiris und Saedelaere ihre Erzählungen beendet hatten.

In der Tat, stimmte ihm Eorthor zu. Daher ist es von größter Wichtigkeit, dass jemand das Kommando führt, der diesen kosmischen Vorgängen gewachsen ist. Aus diesem Grund übernehme ich das Oberkommando über die alliierte Flotte.

Aha, und warum Sie?, fragte Aurec respektlos.

Eorthor warf dem Saggittonen einen strafenden Blick zu.

Ich bin dir zwar keine Rechenschaft schuldig, Saggittone, aber ich will dir sagen, dass ich vom Kosmokraten SIPUSTOV höchstpersönlich beauftragt wurde, diesen Krieg zu gewinnen – und genau das beabsichtige ich zu tun!

Eorthor sah sich herausfordernd unter den Anwesenden um, so als erwarte er Widerspruch. Als keiner kam, wollte er fortfahren, doch ein Offizier platzte mitten in die Besprechung herein. Er war nicht allein. Eine seltsam wirkende, uralte Frau war in seiner Begleitung.

Was soll das? Wer wagt es mich zu unterbrechen?, herrschte Eorthor den jungen Offizier an, der sich entschuldigend an Perry Rhodan wandte.

Verzeihung, Sir, aber diese, ähem, Dame ist soeben hier eingetroffen und wünscht Sie und Constance Zaryah Beccash dringend zu sprechen, erklärte der Mann verlegen.

Constance sprang von ihrem Sessel, auf dem sie bislang schweigend gesessen hatte, auf. Adelheid! Du hier?

Die angesprochene alte Frau entblößte ihre gelben, löchrigen Zähne zu einem Lächeln. Sie hatte lange, graue, struppige Haare, die von einem schwarzen Kopftuch zusammengehalten wurden, und trug ein langes, schwarzes Gewand. In ihrer Rechten hielt seinen langen Stab, der ihr als Krückstock diente.

Constance, mein liebes Kind. Ich freue mich dich wiederzusehen, begrüßte die Alte Constance freundlich.

Wer ist diese Kreatur?, fragte Eorthor ungehalten.

Wer ich bin? Das fragst du, du junger Popanz? Ich bin Adelheid!, stellte die Alte resolut klar und klopfte dabei mit ihrem Stock auf den Boden.

Die sieht aus wie aus Grimms Märchen. Da kann man ja Alpträume kriegen, raunte Reginald Bull Perry Rhodan zu.

Rhodan räusperte sich verlegen. Das ist ja schön und gut, meine Dame. Aber wir befinden uns in einer wichtigen Besprechung, die eigentlich nicht gestört werden sollte.

Adelheid kicherte schrill und demonstrierte damit, dass sie Rhodans Einwand herzlich wenig kümmerte.

Adelheid ist die Vorsitzende des Hohen Rates der Hexen, stellte Constance fest. Sie ist die Hohe Hexe der Lilim! Sie hat mehr Recht hier zu sein als ich!

Nach dem tragischen Tod von Katryna übernehme ich vorerst auf Beschluss des Hohen Rates die Befehlsgewalt über die Entropischen Verbände selbst, erklärte Adelheid.

Dann sind Sie selbstverständlich willkommen. Ich begrüße Sie an Bord der LEIF ERIKSSON, sagte Perry Rhodan.

Eorthor ergriff wieder ungeduldig das Wort. Mir ist das Einerlei, wer die Entropen oder die Terraner kommandiert. Denn den Oberbefehl über die gesamte Operation habe ich. Und ich erkläre hiermit, dass unser nächstes Ziel die Eroberung von Cartwheel ist.

Perry Rhodan hatte dies befürchtet. Ich halte das für vorschnell. So etwas muss gut überlegt werden. Nach ihrer schweren Niederlage können sie uns nicht mehr angreifen, gab der Terraner zu bedenken.

Eorthor blickte Rhodan nur unwillig an. Gerade weil sie geschwächt sind, ist jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen, um schnell zu handeln und diese Schlangengrube auszuräuchern. Das Quarterium ist geschwächt, und ehe MODROR erneut zu ihren Gunsten eingreift, muss der Sieg errungen werden. Und das geht am besten mit der Einnahme Cartwheels.

Ich finde, das klingt durchaus logisch, meinte Aurec.

Auch Reginald Bull, Osiris und die Entropen sprachen sich dafür aus, so dass auch Perry Rhodan widerstrebend zustimmte.

Also gut, dann greifen wir an. Aber wir brauchen eine Atempause. Wir haben seit Monaten im Kampf gestanden, und unsere Truppen brauchen einen Monat Ruhe.

Auch die entropische Flotte muss wieder aufgefrischt werden, pflichtete die seltsame Adelheid dem Terraner bei.

Ihr werdet nicht mehr benötigt. Um Cartwheel zu erobern, brauche ich keine Unterstützung durch die Hexenbrut!

Adelheid maß den Alysker mit einem Blick, der diesen unwillkürlich zurückschrecken ließ. Doch bevor die Situation eskalieren konnte, griff Perry Rhodan ein und erklärte:

Die LFT ist mit der Entropischen Volksgemeinschaft verbündet und wird sich an dieses Bündnis halten.

Nun gut. Ich gebe euch und euren Truppen einen Monat Zeit. Am 15. Januar 1308 NGZ eurer Zeitrechnung werden wir Cartwheel angreifen, bestimmte Eorthor und verließ grußlos den Raum.

Epilog

Im Palast des Imperatores auf Paxus herrschte niedergeschlagene Stimmung. Nur Rosan und Uthe wirkten seltsam vergnügt beim Essen. Doch das verwunderte den Imperatore nicht. Beide waren eigentlich Fremdkörper im Quarterium. Und doch waren sie nun Besitz der Familie de la Siniestro. Irgendwann würde er vielleicht ihren Willen brechen. Es sei denn …

Die zuversichtliche Stimmung des Imperatores war in blankes Entsetzen umgeschlagen.

Oh mein Gott, womit habe ich das verdient?, klagte der alte Spanier Cauthon Despair und dem Posbi Diabolo sein Leid. 150 000 Raumschiffe haben wir verloren. Und wofür? Für nichts!

Tja, Sie sind wieder fast da, wo Sie angefangen haben, Imperatore, meinte Diabolo.

Schlimmer noch! Nun, da Perry Rhodan mit einer Armada vor den Toren Cartwheels steht, steht die Existenz des Reiches auf dem Spiel.

Sie hätten eben mit Perry Rhodan verhandeln sollen, solange unser Verhandlungsposition noch günstig war. Jetzt haben wir nicht mehr viel zu bieten – außer den besetzten ESTARTU-Galaxien.

Ja, ich hätte verhandeln sollen. Das sehe ich ein. Und ich würde auch verhandeln, um das Quarterium zu retten. Aber wie wird MODROR reagieren, wenn ich das tue?

Hilfesuchend sah der Imperatore Cauthon Despair an. Doch der silberne Ritter wusste auch keine Antwort auf diese Frage.

Ich weiß es nicht, Imperatore. MODROR hält es anscheinend nicht für nötig, sich zu melden. Seit August dieses Jahres haben wir weder etwas von ihm noch von Cau Thon gehört. Vielleicht hat auch MODROR ernsthafte Probleme, von denen wir nichts wissen, mutmaßte Despair.

Das bedeutet, Sie müssen selbst eine Entscheidung treffen, Imperatore. Und das möglichst bald, sagte Diabolo eindringlich.

Ratlos sackte der Imperatore in seinem Thronsessel zusammen. Er sah ein, dass der Posbi recht hatte. Ohne MODRORs Anweisungen musste er selbst zwischen Krieg und Frieden entscheiden. Doch diese Entscheidung war schwer, und die Zeit lief ihm davon. Zum ersten Mal seit seinem Amtsantritt war Don Philippe de la Siniestro ratlos.

Ende

Bevor wir die weitere Entwicklung am Sternentor schildern, wechseln wir wieder den Schauplatz, indem wir zu dem geheimnisvollen Riff umblenden.

Nils Hirseland schildert in Band 166 die weiteren Abenteuer von Perry Rhodans Sohn Roi Danton, der von den Riffpiraten gejagt wird. Der Titel des Romans lautet:

Riffpiraten

Kommentar

Durch die Ankunft der alten Kosmokraten-Station NESJOR am Sternentor hat sich das Kräfteverhältnis eindeutig zugunsten der LFT und ihrer Verbündeten verschoben. Allerdings scheint es, dass im Moment die Differenzen zwischen den Alliierten nur durch das gemeinsame Ziel der Ausschaltung der quarterialen Führung überdeckt werden. Hier ergibt sich die Frage, wie lange diese Konflikte überbrückt werden können, denn eigentlich ist der Kampf gegen die quarteriale Bedrohung die einzige Gemeinsamkeit, die zwischen Terranern, Entropen und dem neuen Raumherrn der Kosmokraten besteht.

Auch ist bisher noch in keiner Weise geklärt, welchen Status Eorthor als Raumherr hat und inwieweit die Kosmokraten selbst eingreifen werden.

Das Quarterium wird, sofern MODROR nicht zusätzliche Unterstützung bereitstellt, allerdings nicht mehr die Kraft aufbringen, selbst in die Offensive zu gehen. Deshalb ist zu befürchten, dass die Unterdrückung in den von ihm beherrschten Gebieten noch gesteigert wird. Die menschliche Geschichte beweist zur Genüge, dass gerade wesensverachtende Diktaturen eine Politik der verbrannten Erde betreiben, bevor sie fallen. Unter Umständen könnte deshalb Perry Rhodan der Versuchung erliegen, mit dem Imperatore einen Friedensvertrag zu schließen, durch den die Machtverhältnisse in Cartwheel nicht angetastet werden. Im Gegenzug müsste der Imperatore wohl einige Zugeständnisse machen und vor allem die ABR-Maßnahmen beenden.

Wie jedoch ein solcher Kompromiss von den unterdrückten Völkern aufgefasst und welche Folgen er für ihr Verhältnis zur LFT haben würde, bleibt abzuwarten.

Jürgen Freier

Glossar

Kyberklonflotte

Geschichte:

Bei der als Kyberklonflotte bezeichneten Flotte handelt es sich um einheitliche Kampfschiffe von unbekannter Herkunft, die auf der kosmokratischen Kampfstation NESJOR stationiert sind. Es ist anzunehmen, dass diese Schiffe in der Vergangenheit als Gegengewicht zu den Traitanks der Terminalen Kolonne TRAITOR eingesetzt wurden, bevor die Kosmokraten-Station durch die verschiedenen Typen der Kobaltblauen Walzen ersetzt wurden. Auf NESJOR sind zur Handlungszeit (1307 NGZ) ca. 200 000 Spindelwalzen stationiert.

Aufbau:

Die Schiffe der Kyberklonflotte haben alle einheitliche Abmessungen und ein identisches, spindelförmiges Design. Die jeweiligen Spindelenden sind halbkugelförmig abgerundet. Die zwischen Violett und Dunkelrot schimmernde glatte Oberfläche ist nur durch diverse Projektionsköpfe durchbrochen, während vorhandene Schottöffnungen nahtlos in die Oberfläche eingepasst sind.

Länge: 492 m
Größter Durchmesser: 81,75 m
Kleinster Durchmesser: 64,25 m

Bewaffnung:

Die defensiven und offensiven Waffensysteme der spindelförmigen Walzen sind noch nicht endgültig erforscht, neben den üblichen Impulsstrahlern, Desintegratoren und Thermostrahlern wurde noch ein überlichtschnell wirkendes Strahlenwaffensystem unbekannter Funktionalität festgestellt. Dieses Waffensystem erwies sich bei der Schlacht am Sternentor gegenüber den Paratron- und Hypertronschirmen der Supremo-Schiffe weit überlegen.

Erste Forschungsergebnisse der Alysker lassen vermuten, dass dieses Waffensystem nach dem Konstantriss-Nadelpunkt-Prinzip arbeitet, wobei die durch das röhrenförmige Hyperfeld abgestrahlte Energiematrix einer Gravitationsbombe die eigentliche Waffenwirkung darstellt. Gegnerische Schirme werden also durch einen überlichtschnellen Gravitationsschock faktisch zertrümmert, wobei die Restenergie des Hyperaufrisses in der Regel genügt, um das nun schutzlose Schiff zu zerstören.

Als defensives System kommt ein Schutzschirmsystem zum Einsatz, das nach Eorthors Aussage innerhalb des Bereiches von 90 bis 110 TKp im SHF-Band des Hyperspektrums arbeitet. Dieses Schirm-System scheint ähnlich zu funktionieren, wie die Quintadimtransferfähigkeiten Ribald Corellos und strahlt Materie und Energie über entsprechende Felder in den Hyperraum ab. Erst das direkte Wirkungsfeuer mehrerer Supremo-A- und Supremo-B-Schlachtschiffe, kann das Schirmfeld überlasten.

Technik:

Über die verwendete Technik bestehen sehr unvollständige Erkenntnisse, da weite Teile der Schiffe nicht zugänglich sind. So ist der gesamte Triebwerks- und Kraftwerksbereich unzugänglich und anscheinend durch Dimensionsfelder geschützt. Ob sich in den unzugänglichen Sektoren weitere Waffensysteme befinden, ist unbekannt. Auch Eorthor und die Alysker haben bisher keinen Zugang zu diesen Bereichen erlangt. Da äußerlich keinerlei Triebwerköffnungen erkennbar sind, wird angenommen, dass im Unter-, wie auch der Überlichtbereich, Feldtriebwerke eingesetzt werden.

Beschleunigung Unterlicht: 1600 km/s2
Überlichtfaktor: 140 Mio

Besatzung:

Ursprünglich konnten die Spindelwalzen durch jeweils einen Kyberklon gesteuert werden. Allerdings ergaben Untersuchungen, dass diese Schiffe auch für eine Besatzung mit weitgehend humanoiden Proportionen vorgesehen waren. Entsprechende Unterkünfte für bis zu 80 Besatzungsmitglieder waren vorhanden. Bei entsprechenden Tests mit alyskischer bzw. saggittonischer Besatzungen wurde festgestellt, dass zur Beherrschung der Schiffsfunktionen eine Mindestbesatzung von 5 Saggittonen bzw. Alyskern notwendig war.

Die DORGON-Serie – Das Riff – ist eine nicht kommerzielle Publikation des PERRY RHODAN ONLINE CLUB e.V.. Band 165 zuletzt geändert am 2008-01-06. Autor: Jens Hirseland. Titelbild-Zeichner: Holger Hinzberg. Korrekturleser: Jürgen Freier und Alexander Nofftz. Generiert mit Xtory 3.1 von Alexander Nofftz. Homepage: http://www.dorgon.net/. E-Mail: dorgon@proc.org. Adresse: PROC e.V.; z. Hd. Nils Hirseland; Redder 15; D-23730 Sierksdorf; Deutschland. Copyright © 1999–2007. Alle Rechte vorbehalten!