Nils HirselandPERRY RHODAN ONLINE CLUB (PROC) HomepageHeft 16
Fanzyklus des Perry Rhodan Online Club

Ritter der Tiefe

Sie warten Jahrtausende - nun sollen sie aufbrechen

Was bisher geschah

Anfang 1291 NGZ steht Perry Rhodan mit den anderen Zellaktivatorträgern im Kampf gegen Shabazza und dessen Meister, während die Terrororganisation MORDRED Camelot-Büros angreift. Sie kann zwar dank dem schnellen Eingreifen von Homer G. Adams, unterstützt vom Saggittonen Aurec, besiegt werden, wobei Cauthon Despair, ein ehemaliger Zögling Rhodans und Mitanführer der Terrorgruppe, sogar geläutert zu den Camelotern zurückkehrt, doch die eigentliche Bedrohung geht durch eine Macht hinter der MORDRED aus – Dorgon!

Niemand weiß genau, wer oder was sich hinter Dorgon versteckt, lediglich die Galaxis, aus der die den Galaktikern an Technik weit überlegenen Dorgonen gekommen sind ist bekann: M 100! Unter der Führung von Homer G. Adams und Aurec brechen 10 Schiffe in die fremde Welt auf, um herauszufinden, was sich hinter Dorgon befindet und eine eventuelle Gefahr zu beseitigen.

Die IVANHOE trifft auf die ersten Völker Dorgons und auf die eigentliche Macht selbst. Die Galaktiker bekommen die grausame Hand der militaristischen Dorgonen zu spüren. Es gelingt den Galaktikern, einige wertvolle Informationen zu erbeuten. Das Schlagwort Dom fällt dabei. Wobei es sich um Dom handelt, ist noch unklar, vermutlich aber das Zentrum der dorgonischen Macht. Die Besatzung der IVANHOE untersucht derweil die wichtige Welt Mesoph und erlangt neue wertvolle Informationen.

Unterdessen bahnen sich in der fernen Galaxis Shagor wichtige Ereignisse an, denn in der Galaxis Shagor befinden sich noch RITTER DER TIEFE...

Hauptpersonen

Gal'Arn – Ein Ritter der Tiefe, der nun helfen soll

Arib'Dar – Lehrmeister der Ritter der Tiefe

Jaktar – Ein Ghanakke

Irasuul, Krassasus und Nirisar – Weitere Anwärter für den Titel der Ritter der Tiefe

Goshkan – Ein ungestümer Schüler

Sipustov – Der Kosmokrat hat einen neuen Auftrag für die Abtrünnigen

Prolog. Aus den Erzählungen eines Ritters der Tiefe

Mein Leben neigt sich dem Ende entgegen. Ich bin alt und schwach geworden. Der natürliche Lauf der Dinge macht auch nicht vor einem Ritter der Tiefe halt.

Ritter der Tiefe... eine ehrenvolle Bezeichnung, die jedoch den auszuübenden Aufgaben nicht gerecht wird. Wir sind keine Ritter, wir sind Knappen der Kosmokraten, jener gewaltigen Entitäten, die sich selbst zu den höchsten Ordnungswesen im Universum erklärt haben.

Blanker Hohn! Es wäre eine Verschwendung des Kosmos, wenn die Kosmokraten das Höchste an Geschöpfen darstellen würden.

Sie dulden keinen Widerspruch, ihre Befehle müssen - so grausam sie auch sind - bedingungslos ausgeführt werden. Sie handeln so unmenschlich, ein Leben - oder Milliarden von Leben - sind ihnen nichts wert, denn sie haben nur ihre kosmische Ordnung im Sinn.

Für sie ist die Bewahrung des moralischen Kodes wichtiger als das Leben aller Existenzen. Sie verlieren dabei jedoch die wirklich wichtigen Dinge aus ihren Augen.

Sicherlich sind der moralische Kode, der Kampf gegen die Mächte des Chaos von kosmischer Bedeutung, doch was nützt es, wenn es keine Lebewesen mehr gibt, die den Sieg auskosten können und in einer friedlichen Welt leben?

Die Kosmokraten sind nicht böse, sie sind nur engstirnig und bürokratisch. Sie sind auf jeden Fall nicht das personifizierte Gute.

Was die Chaotarchen angeht, so bin ich mir nicht sicher. Sicher bin ich nur, daß sie auf jeden Fall wenig Positives in sich vereinigen. Da es schlechte Kosmokraten gibt, müßte man fast annehmen, daß es auch gute Chaotarchen gibt, aber meine Erfahrungen haben andere Ergebnisse geliefert. Es gibt das personifizierte Böse unter den Chaotarchen. Nicht bei jedem, doch es ist vorhanden! So wie es auch, ob man es hören will oder nicht, gute Kosmokraten gibt, die jedoch ihre Meinung nicht durchsetzen konnten.

Mir war auf jeden Fall der Status des Ritters der Tiefe etwas, was mich mit Scham und Trauer erfüllte. Ein Ritter der Tiefe sollte Leben beschützen und nicht vernichten, wenn der Zweck die Mittel heiligte.

Deshalb ging ich meinen eigenen Weg und traf auf diese Galaxis – die Galaxis Shagor. Eine interessante Galaxis, die jedoch viel Unterstützung brauchte.

Vor fast 50.000 Jahren war ich auf dem Planeten Elaran gelandet, wo Wesen lebten, die so aussahen wie ich. Sie waren auch Menschen. Doch es gab noch viele andere Völker und Lebewesen in der Galaxis. Ich begab mich in den Tiefschlaf, bis der junge Elare Alar Ben-Kan Duril mich für einige Hundert Jahren aufweckte. Genauer gesagt hatte er meinen getreuen Roboter Vergana reaktiviert, der mich aus dem Tiefschlaf befreite.

Die Galaxis Shagor wurde damals von dem Volk der Utonak bereits seit 4000 Jahren unterjocht. Der junge Elare bat mich um Hilfe. Da ich immer noch ein Ritter der Tiefe war, obwohl ich mich von den Kosmokraten losgesagt hatte, mußte ich helfen. In meinem Herzen war ich Ritter der Tiefe, denn diesen Status konnte mir keine Entität entziehen. Ich fühlte mich berufen, allen Wesen zu helfen, so gut ich es eben konnte.

Ich schaffte es, den Shagoern zu helfen und die Utonak zu vertreiben. Doch langsam wurde ich alt. Der Kampf hatte an meinen Kräften gezehrt.

Die Galaxis Shagor lag mir jedoch am Herzen. Warum durften nur Kosmokraten Ritter der Tiefe ernennen? Welches Recht hatten sie dazu? Keines!

Ich beschloß selbst einen Orden zu gründen und ließ auf Elaran ein Gebäude nachbauen, welches dem Dom Kesdschan nachempfunden war.

Mein erster Schüler wurde natürlich Alar Ben-Kan Duril. Er war weise und hatte das Nötige im Herz, um ein Verfechter des Guten zu werden.

Sicherlich würden die Geschichtsschreiber streiten, ob ich ein Dieb war oder mir nur etwas holte, was mir zustand, als ich etwas vom Ultimaten Stoff mitnahm, nachdem ich mich von den Kosmokraten verabschiedete.

Niemand hatte etwas bemerkt, als ich auf der Station war, wo nur wenige Milligramm des geheimnisvollen Stoffes lagerten. Der wachhabende Kommandant vertraute mir. Es tat mir leid, daß ich ihn enttäuschen mußte. Nachdem ich die Milligramm des Stoffes hatte, flog ich mit meinem Raumschiff weit weit weg. Ich reiste zwei Jahre lang, bis ich nach Shagor kam. Ich hoffte, so meine Spuren verwischt zu haben. Die darauffolgenden 50.000 Jahre Tiefschlaf taten wahrscheinlich ein übriges.

Ich ließ den Stoff im neuen Dom aufbewahren und Schwerter aus Metall anfertigen. Die Außenlegierung besteht aus kleinsten Teilen des Ultimativen Stoffes. Dieses Schwert, stärker und effektiver als jede Energiewaffe, sollte zum Symbol eines Ritters der Tiefe werden. Schließlich brauchten Ritter ihre Schwerter...

Duril hatte schnell alles erlernt und wurde, allerdings ohne psionischen Schlag, von mir selbst zum Ritter der Tiefer ernannt.

Mein Ziel war es, in der Galaxis Shagor eine Truppe von Rechtshütern aufzubauen und so meinen Anteil dazu beizutragen, den Namen der Ritter der Tiefe wieder reinzuwaschen. Doch intergalaktisch konnten dies nur die Kosmokraten machen, die sich jedoch an vielen Verbrechen im Namen der Gerechtigkeit schuldig gemacht haben.

Jetzt ist Ben-Kan Duril der Meister, meine Zeit ist abgelaufen. An ihm liegt es, das zu vollenden, was ich begonnen habe. Nur der oberste Meister darf von der wahren Geschichte der Ritter der Tiefe erfahren, nie ein anderer Ritter aus Shagor.

Ich bete, daß die Kosmokraten niemals diese Galaxis erreichen werden, denn das hätte sie nicht verdient. Ich bete, daß diese Galaxis in Frieden lebt und stets von den Rittern der Tiefe behütet wird.

Der Schleier der Nacht legt sich um meine Augen. Ich werde nun ruhen, ewig ruhen. Ich blicke auf ein erfülltes Leben zurück und kann nun beruhigt sterben, denn ich weiß, zuletzt habe ich etwas Reines und Gutes getan.

Jedar Balar am Tag seines Todes, 39.800 v.Chr. in der Galaxis Shagor

1. Shagor

Die Galaxis Shagor war 325 Millionen Lichtjahre von der Milchstraße entfernt. Die Spiralgalaxie besaß eine Länge von 51.000 Lichtjahren und eine Breite von knapp 20.000 Lichtjahren. Damit war sie fast halb so groß wie die Milchstraße.

Im Zentrum befand sich ein schwarzes Loch, welches von historischer Bedeutung war, denn die Scharen der Utonak wurden dank dem Ritter der Tiefe Jedar Belar an diesem Schwarzen Loch geschlagen.

Die Völker Shagors lebten, knapp 43.000 Jahre danach, friedlich in einer Republik zusammen, über die der Orden der Ritter der Tiefe wachte.

Etliche Völker gaben der Galaxis Leben. Die humanoiden Elaren waren die mächtigste Fraktion. Auf dem Planeten Elaran war nicht nur der Sitz der Ritter der Tiefe, sondern auch der des Senats der Republik.

Weitere wichtige Völker waren die pferdeähnlichen Ghanakken, die humanoiden Kegelköpfe der Pontanaren, die elefantenähnlichen Katronen und die kugelförmigen Zifanis.

Doch es gab weitaus mehr verschiedene Intelligenzen in der Galaxis, viele Kolonisten und Umweltangepaßte, die der Galaxis einen bunten Touch verliehen.

Elaran war eine grüne Welt, auf der die Natur sehr gepflegt wurde. Der neue Dom der Ritter der Tiefe stand inmitten eines Waldes. Er war etwa 100 Meter hoch und durchmaß etwa das Doppelte. Der Dom war nicht nur eine Weihestätte zur Ernennung eines neuen Ritters der Tiefe, sondern auch Schule und Wohnort zugleich.

Schon im frühen Kindesalter wurden die angehenden Ritter der Tiefe ausgesucht. Es mußten besondere Kinder und Jugendliche sein, dessen moralisches und ethisches Empfinden weit über dem Durchschnitt liegen mußte.

Alle vier Jahre wurden Prüfungen durchgeführt, in dem ein Schüler sein Erlerntes zeigen mußte. War er erfolgreich, wurde er in den Kreis der Ritter aufgenommen. Jedoch galt es stets die konstante Zahl von 100 Ritter der Tiefe zu halten. Sie durfte weder über- noch unterschritten werden.

An diesem Morgen waren es noch drei Tage bis zur alles entscheidenden Prüfung, an der vier Schüler teilnahmen.

Gal'Arn hatte beschlossen, sie noch einmal hart anzupacken und sie so auf die schwere Prüfung vorzubereiten.

Der Elare im mittleren Alter ritt auf einem pferdeähnlichen Wesen mit zwei Hörnern und sechs Beinen. Aus Rücksicht auf die Natur verzichtete der Ritter der Tiefe auf einen lauten Gleiter, der die Tiere im Wald verschreckt hätte.

Gal'Arn trug langes braunes Haar, welches glatt zu einem Zopf zusammengeflochten war. Sein markantes Gesicht wurde durch einen Oberlippen- und Kinnbart verfeinert. Seine braunen Augen strahlten Freundlichkeit, Ehrlichkeit und Ruhe aus.

Er trug ein ockerfarbenes Gewand unter seinem braunschwarzen Umhang. Links an seinem Gürtel hing das goldfarbene Schwert, welches mit einigen Mikrogramm aus ultimativem Stoff legiert war. Vor knapp 25.000 Jahren war der Stoff ausgegangen. Mehr als Hundert Schwerter konnten nicht produziert werden. Da jedoch das ultimative Schwert das Machtsymbol des RdT war, beschloß der damalige Meister die Anzahl der Ritter der Tiefe auf genau einhundert festzulegen.

Neben Gal'Arn ritt ein Ghanakke. Es war sein Orbiter Jaktar, der stolz und mit erhobenem Kopf auf dem Muny saß.

»Wem gibst du die meisten Chancen?« wollte das eselsähnliche Wesen in Anbetracht auf die bevorstehende Prüfung wissen.

Gal'Arn blickte seinen Weggefährten und Freund mit einem Schmunzeln an.

»Du verlangst doch nicht, daß ich mich für einen festlege und gar parteiisch werde?«

Jaktar verdrehte die Augen. Manchmal war sein Meister seiner Ansicht nach zu ehrlich und rechtsliebend. Der Ghanakke hatte Gal'Arn noch niemals über jemanden lästern hören. Ebenso wollte er seine Schüler stets gleich behandeln. Anscheinend war dem Ritter der Tiefe eine Festlegung, wer es schaffen könnte, nicht zu entlocken. Er hielt dies für eine Art Unfairneß den Schülern gegenüber, denen er ein Versagen vorhersagen würde.

»Aber Meister, nimm doch einmal an, nur vom reinen neutralen Standpunkt aus...« versuchte ihn Jaktar zu überzeugen.

Gal'Arn schüttelte nur amüsiert den Kopf. Sein Orbiter wieherte wütend, was auch das Muny dazu veranlaßte einen Laut abzugeben.

»Nehmen wir einmal an, alle schaffen die Prüfung und alle machen eine glänzende Karriere, wer von ihnen wäre denn da am besten, deiner Meinung nach?« stichelte der Ghanakke weiter, doch sein Meister ging nicht darauf ein.

»Dort ist der Dom«, sprach er und deutete auf das beeindruckende Gebäude, welches mitten in einer Lichtung des Waldes lag. Die Lichtung hatte einen Durchmesser von knapp 800 Metern. In der Mitte stand der neue Dom Kesdschan. Der Dom wurde von einer hohen Mauer umfaßt, einige Ställe und das Haus des obersten Ritters der Tiefe Arib'Dar befanden sich zusätzlich innerhalb des Walls.

Der weise dunkelhäutige Elare erwartete bereits seinen besten Ritter der Tiefe, der – das war kein Geheimnis – eines Tages die Nachfolge Arib'Dars antreten würde.

Die beiden Ankömmlinge banden ihre Munys an den Stall und liefen langsam auf einem sandigen Weg zu Dar.

Gal'Arn richtete seine Aufmerksamkeit auf ein Schwertduell zwischen den beiden Schülern Goshkan und Krassasus. Der riesige Goshkan, welcher zum Volk der Katronen gehörte, setzte das Sorgenkind Gal'Arns kräftig unter Druck. Krassasus konnte den mächtigen Schlägen des drei Zentner schweren Wesens nicht stand halten und verlor den Kampf.

Erschöpft sank er unter dem Dach eines Waffenstandes zusammen.

Goshkan lachte überlegen. Die Katronen gehörten zu den kriegerischsten Völkern in der Galaxis, die leider auch oft zu den Unruhestiftern gehörten.

Kaum ein Katrone hatte die Prüfung zum Ritter der Tiefe geschafft, viel zu ungestüm gingen sie dabei vor. Die Elefantenwesen sahen zudem recht seltsam aus. Auf dem mächtigen Oberkörper thronte ein Kopf mit einem etwa 70 cm langem Rüssel. Etwa 2 Meter lange gebogene Stoßzähne verliehen einem Katronen einen imposanten Eindruck. Jedoch besaß das Volk keine Ohrmuscheln, statt dessen sechs Hörner, die auf dem Haupt verteilt waren und drei Augen.

Der Unterkörper schien nicht zum Gesamtbild zu passen. Behaarte Pferdebeine mit Hufen und ein ledriger Schwanz ließen das Volk beinahe wie eine Mißgeburt aussehen.

Dennoch waren die grauen Wesen gewaltige Kampfmaschinen, die nicht zu unterschätzen waren.

Gal'Arn half dem niedergeschlagenen Krassasus wieder auf.

»Alles in Ordnung?« fragte er fürsorglich.

Der Pontanare nickte bedrückt, während Goshkan immer noch hämisch lachte. Der Ritter der Tiefe blickte vorwurfsvoll zu dem Riesen.

»Ein angehender Ritter der Tiefe lacht nicht über einen Geschlagenen«, sprach der Elare belehrend. »Du darfst niemals Freude fühlen, wenn du jemanden besiegt oder gar getötet hast, nur um deiner eigenen Herrlichkeit wegen!«

Goshkan grunzte unfreundlich und schwang mit dem Schwert hin und her.

»Ich bin eben ein perfekter Kämpfer. Krassasus ist eine Niete! Ich werde der neue Ritter der Tiefe werden!«

Zum Zeichen seiner Überlegenheit schlug er sich zweimal auf die Brust. Gal'Arn zückte sein Schwert und nahm eine Kampfposition ein. Grinsend wollte Goshkan auf die Herausforderung eingehen, da schlug Gal'Arn den Pfosten des Waffenstandes durch und das Dach krachte auf den Katronen. Er platschte zu Boden. Schreiend und voller Wut sprang er auf, da spürte er bereits das Schwert des Meisters an seiner Halsschlagader. Goshkan ließ das Schwert fallen. Gal'Arn zog seines zurück und schüttelte den Kopf.

»Nein, Goshkan, du bist noch lange nicht soweit, die Prüfung zu bestehen. Strenge dich mehr an!«

Nach diesem Intermezzo wandte sich Gal'Arn wieder Arib'Dar zu, der zusammen mit Jaktar das Geschehen beobachtet hatte.

»Sehr gut gelöst, mein Freund«, sprach der schwarze Elare ruhig. Beide begrüßten sich danach und gingen in Dars Haus, wo bereits das Essen auf sie wartete.

Der oberste Meister der RdT wohnte recht spartanisch. Er verzichtete freiwillig auf den technischen Komfort und wollte lieber bescheiden leben.

Auf dem Feuer brutzelte eine Suppe vor sich hin, die als Stärkung für Gal'Arn und Jaktar gedacht war. Die beiden Ankömmlinge setzen sich bereits an den Holztisch, während der kahlköpfige Farbige die Suppe auftischte.

»Laßt es euch schmecken. Sicher war der Ritt zum Dom wieder anstrengend, doch ich weiß es zu schätzen, daß ihr die Natur berücksichtigt und nicht mit eurem Raumschiff direkt neben der Lichtung landet.«

Gal'Arn schmunzelte.

»Ehrenwerter Arib'Dar, ich fürchte dazu ist die TERSAL mit ihren 100 Metern Länge doch etwas zu groß. Der Ritt auf einem Muny war angenehm und sehr erfrischend, nicht Jaktar?«

Der Elare blickte zu seinem Orbiter, der die Suppe regelrecht verschlang. überrascht sah sich der Ghanakke um und nickte hastig mit dem Kopf.

Arib'Dar wurde wieder ernst.

»Ich spüre viel zuviel Zorn und Arroganz in Goshkan. Er mag ein fähiger Krieger sein, doch ihm fehlt das, was ein Ritter der Tiefe braucht.«

Gal'Arn nickte zustimmend. Er bedauerte Goshkans Einstellung. Im Laufe der letzten sieben Jahre hatte er alles versucht, um den Katronen die richtigen Ansichten zu vermitteln, jedoch mit nur mäßigem Erfolg.

»Wann reist der Rat an?« wollte er nun wissen.

»In zwei Tagen ist er auf Elaran. Der alte Uwakor wird sein Amt niederlegen, was bedeutet, daß einer der Schüler die wirkliche Möglichkeit hat, ein Ritter der Tiefe zu werden«, erklärte Arib'Dar.

Der Rat bestand aus insgesamt dreizehn Rittern der Tiefe, auch Arib'Dar und Gal'Arn waren vertreten. Die anderen kamen aus allen Teilen der Galaxis, sei es aus Pontanar oder Ghannakon oder irgendeinem anderen Sternensystem. Diese Jury entschied dann nach den Prüfungen, wem der Ritterstatus verliehen wurde.

Nachdem Gal'Arn die Suppe verzehrt hatte, stand er auf und verabschiedete sich von Arib'Dar. Er mußte noch einiges mit den Schülern üben, deshalb wollte er keine Zeit verlieren.

In dem großen runden Gebäude erwarteten ihn bereits die vier Schüler. Neben Goshkan und Krassasus waren es der Pontanare Irasuul und die Elarin Nirisar, die Anwärter auf den Ritterstatus waren.

Der Dom wirkte wie eine Kirche. Gemälde von ehemaligen Rittern, Symbole und Statuen zierten den Unterrichtssaal.

Gal'Arn legte seinen Umhang ab. Sein ponchoähnliches Oberteil hing bis zu seinen Oberschenkeln. Darunter trug er eine schwarze Hose und schwarzbraune Stiefel.

Er setzte sich zu den anderen und ließ seinen Blick um die Beteiligten schweifen.

Irasuul war ein stolzer Pontanare mit außerordentlichen Fähigkeiten. Irasuul wurde vor 28 Jahren auf Pontanar geboren. Schon in jungen Jahren interessierte er sich für das galaktische Geschehen. Er war von der Aufgabe der RdT – Herstellung und Bewahrung des Friedens in Shagor – angetan und wollte sich deshalb ausbilden lassen. Der Pontanare war durchtrainiert und hatte auch seine langen schwarzen Haare zu einem Zopf zusammengebunden

Irasuul verfügte über hervorragende Kampftechniken und war ein Ausnahmeschüler.

Zu seiner rechten Seite saß Nirisar. Die Elarin war hübsch, aber nicht von auffälliger Natur. Sie besaß lange blonde Haare und blaugrüne Augen. Nirisar war eine recht emanzipierte Frau. Dies war mit ein Grund dafür, daß sie sich zur Ritterin der Tiefe ausbilden lassen wollte, war ihre Meinung, es wäre einfach dafür an der Zeit. Sie fühlte sich auserwählt der Galaxis zu helfen und ihr zu dienen.

Krassasus war Sohn reicher Politiker auf Elaran. Sie wollten aus ihrem Sohn etwas Besonderes machen, doch oft war Gal'Arn der Meinung, daß der Junge einfach überfordert war. über Goshkan brauchte man nicht viel Worte zu verlieren.

»Meine Schüler«, begann der Lehrmeister, »in drei Tagen wird der vielleicht wichtigste Moment eures Lebens anbrechen, denn es wird entschieden werden, ob ihr zu Rittern der Tiefe werdet oder nicht.«

Gal'Arn machte eine Kunstpause, damit sie die Chance hatten, seine Worte zu verinnerlichen. Dann fuhr er mit seiner ruhigen Stimme fort.

»Vergeßt nicht, daß ein Ritter der Tiefe nicht nur ein guter Athlet und Kämpfer ist, er muß rein im Herzen sein, jedes Leben achten und beschützen. Er kämpft nur, um sich und andere zu verteidigen. Ein Ritter der Tiefe ist nicht abfällig, arrogant oder übt diesen Beruf des Prestiges wegen aus.

Er muß weise handeln, frei von Angst, Gier und Vorurteilen sein. Wenn ihr diese Eigenschaften umsetzt, könnt ihr gute Friedensstreiter werden.«

Die Schüler blickten verlegen auf den Boden oder sahen sich gegenseitig an. Besonders Goshkan und Krassasus mieden den Blickkontakt zu ihrem Lehrer.

Schließlich stand Irasuul auf und hielt den Griff seines Schwertes fest in der rechten Hand.

»Ich werde euch nicht enttäuschen, Meister! All diese Eigenschaften sind in mir. Ich werde die Prüfung bestehen, um Verfechter des Guten zu werden und das Böse bekämpfen.«

Goshkan grunzte laut. Ihm gefiel das Imponiergehabe des Pontanaren nicht sonderlich. Irasuul war der beste der vier, daran bestand kein Zweifel. Deshalb erntete der leicht eingebildete Pontanare auch viel Neid.

Irasuul war von sich selbst sehr überzeugt. Für ihn stand der Ausgang der Prüfung zweifelsfrei fest; die anderen würden versagen und er würde den Ritterstatus erlangen. Sicherlich tat es ihm leid, besonders für Nirisar, die immer nett und freundlich war und auch durchaus talentiert. Für Krassasus, der in seinen Augen ein Taugenichts war und besonders für den brutalen Goshkan hatte er jedoch keinerlei Mitleid übrig.

»Laßt uns weiter üben«, beschloß Gal'Arn.

Das Training war hart. Nicht nur was das Körperliche anbelangte, sondern auch das Geistige. Beides wurde im Training geübt. Nirisar verfügte, wie alle Elaren über psionische Fähigkeiten in der Suggestion und Telekinese, die jedoch nur schwach ausgeprägt waren.

Gal'Arn war in der Lage, geistig Schwächere zu beeinflussen, für kurze Momente die Telekinese anzuwenden. Ebenfalls besaß er einen ausgeprägten Spürsinn.

Nach dem Training hatten die Schüler frei und konnten tun, was sie wollten – innerhalb des Waldes.

Goshkan ging auf die Jagd und erlegte ein großes Wildschwein, welches er auch anschließend laut schmatzend in sich hineinstopfte. Krassasus zog es vor, im Wald mit seiner Freundin aus der Hauptstadt spazieren zu gehen.

Nirisar übte noch etwas an sich, während Irasuul in den Bergen meditierte. Oft suchte der Pontanare die Berge auf, vielleicht auch, um dem Raumschiff und dem Leichnam des Begründers des Ordens nahe zu sein, denn das Raumschiff Jedar Balars stand in einer Talsohle. Ben-Kan Duril hatte einst seinen Mentor dort begraben und jedes Wesen respektierte das Grab. Niemand wagte es, das Schiff zu betreten.

Nirisar vertrieb sich die Zeit mit weiteren Schwertübungen, hatte jedoch sichtlich Mühe dem holographischen Gegner standzuhalten. Frustriert deaktivierte sie das Programm. Erschreckt bemerkte sie, daß Gal'Arn sie die ganze Zeit beobachtet hatte.

Die Elarin sank traurig auf die Knie und durchfuhr ihr strohblondes Haar.

»Ich schaffe es nicht...«

Gal'Arn schritt auf sie zu und setzte sich neben seine Schülerin.

»Wer sagt das?«

»Ich weiß es... ich bin nicht würdig... !«

»Du hast Angst zu versagen«, stellte ihr Meister fest.

»Ja«, gab Nirisar zu und wischte sich die Tränen vom Gesicht.

»Du brauchst keine Angst zu haben. Du willst Ritterin der Tiefe werden? Dann tue es einfach. Versuche es nicht, tue es! Wenn du an dich glaubst, bist du stark. Aber wenn du an dir zweifelst, bist du schwach und angreifbar.«

Nirisar runzelte die Stirn.

»Aber ist der Pfad zwischen gesundem Selbstbewußtsein und Arroganz nicht sehr schmal?«

Gal'Arn legte seinen Arm auf ihre Schulter und lächelte warm. Diese Geste beruhigte die Schülerin sehr.

»Ja, du hast recht. Dieser Balanceakt zwischen den beiden Extremen gehört zu den wenigen Dingen, die nur schwer zu lehren sind. Jedes Wesen muß selbst in der Lage sein diesen Konflikt für sich zu meistern.«

Die Elarin nickte schwach.

»Bei dir habe ich jedoch keine Bedenken. Wenn du an dich glaubst, wirst du die Prüfung bestehen. Jetzt gehe am besten schlafen.«

Die beiden verabschiedeten sich voneinander.

Für die Schüler brach nun eine wichtige Zeit an.

2. Die Prüfung

In den zwei Tagen vor den Prüfungen hatte Gal'Arn noch einmal alles von seinen Lehrlingen gefordert. Er war insgesamt mit ihnen zufrieden. Selbst Goshkan und Krassasus hatten sich zusammengerissen.

Die anderen elf Ritter der Tiefe waren angereist. Die meisten von ihnen waren Elaren und Pontanaren, es waren aber auch zwei Zifisar und ein Katrone mit dabei.

Gal'Arn und Arib'Dar begrüßten ihre Kollegen und Freunde herzlich. Nach einem gemeinsamen Essen begab sich der Rat zu den Räumen, wo der Wettkampf stattfand.

Die vier Schüler traten nach wenigen Minuten hervor und mußten die ersten Tests über sich ergehen lassen. Zuerst wurden allgemeine Fragen zur Ethik gestellt. Die einzelnen Ritter der Tiefe versuchten die moralischen Werte der Anwärter herauszufinden. Bei diesen Übungen schnitten Irasuul und Nirisar am besten ab. Krassasus lag knapp dahinter, während die Einstellung von Goshkan oft zu radikal und exzentrisch für den Rat war, doch noch ließ sich niemand etwas anmerken.

Gal'Arn und Arib'Dar litten mit ihren Schülern.

Die zweite Prüfung brach an, es ging um die Kampftechniken und das Handeln in gefährlichen Situationen. Dazu wurden zwei Teams gebildet.

Zuerst sollte Irasuul seine Fähigkeiten in einem Zweikampf gegen Nirisar unter Beweis stellen. Ein heftiger Schwertkampf auf einer Brücke entbrannte, den Irasuul dank eines überraschenden Saltos über Nirisar für sich entscheiden konnte.

Anschließend wurden beide in einer simulierten Situation getestet. Ein Verbrecher war auf der Flucht und wurde von Nirisar und Irasuul entdeckt. Der Zifisar erklärte, daß er arm war und nur deshalb raubte. Nirisar schenkte ihm Glauben und versuchte den weinenden Dieb zu trösten, während Irasuul auf Distanz blieb, was sich auch als richtig bewies. Obwohl Nirisar menschlicher handelte, wurde sie vom Hologramm des Verbrechers getötet. Irasuul ergriff sofort sein Schwert und erlangte den Sieg.

Als dritte Aufgabe wurden beide in eine fiktive Mission geschickt, die sie lösen mußte. Sowohl der Pontanare als auch die Elarin konnten die Aufgabe zufriedenstellend bewältigen.

Damit war die Prüfung für die beiden beendet. Siegessicher und überlegen verließ Irasuul den Raum, während Nirisar an sich zweifelte, da sie zweimal versagt hatte.

Dennoch war Gal'Arn mit seinen beiden Schülern zufrieden, die ihr möglichstes gegeben hatten. Er wandte sich Arib'Dar zu, dessen Miene wenig verriet. Gespannt wartete er auf die anderen beiden Anwärter. Aus den Gesichtern der anderen Ritter konnte er teils Bewunderung, teils aber auch Unzufriedenheit erkennen.

Als nächstes waren Goshkan und Krassasus an der Reihe. Beide begannen mit einem Schwertduell gegeneinander. Goshkan ging wie üblich ungestüm und brutal vor, während Krassasus eher die Taktik von Gal'Arn anwendete und klug und geschickt vorging.

Beide kämpften mit echten Schwertern, wie auch beim Training. Dies sollte ihnen bereits das ernste Gefühl vermitteln. Der Rat setzte voraus, daß die Schüler reif genug waren, um sich gegenseitig nicht zu verletzen.

Krassasus entwaffnete Goshkan geschickt und konnte somit den Sieg erringen. Gal'Arn war sehr erbaut über den Gewinn seines Schützlings. Er hoffte insgeheim, daß Krassasus, der so unsicher war, es nun geschafft hatte. Aufrichtiges Mitleid fühlte Gal'Arn aber auch für Goshkan, der sich damit wohl alle Chancen verbaut hatte, ein Ritter der Tiefe zu werden. Der Elare bezweifelte stark, daß der Katrone in der Lage war bei den geistigen Prüfungen seine Niederlage wieder wett zu machen.

Plötzlich griff Goshkan zu seinem Schwert.

»Noch mal, ich gebe mich noch nicht geschlagen!« brüllte das Wesen.

Krassasus wußte nicht, was er machen sollte, da stürmte Goshkan bereits auf ihn zu und bohrte dem Elaren das Schwert durch den Bauch. Krassasus schrie laut auf.

Entsetzen brach unter den anwesenden Rittern aus. Gal'Arn zögerte keine Sekunde und rannte sofort zu dem schwer Verletzten. Krassasus brach zusammen und fiel in die Arme seines Meisters.

Goshkan hatte erst jetzt begriffen, was er getan hatte. Der Riese ließ das Schwert fallen und wurde sofort in Gewahrsam genommen.

Blut floß aus den Mundwinkeln von Krassasus. Wichtige Organe waren zerstört. Gal'Arn wußte, daß man ihn nicht mehr retten konnte.

»Habe... habe ich es geschafft?« fragte der Schüler mit schwacher Stimme.

Gal'Arn nickte lächelnd.

»Ja, du bist ein wahrer Ritter der Tiefe«, sprach er beruhigend.

Krassasus Lächeln fror ein, als der letzte Lebenshauch aus seinem Körper gewichen war. Etwas, was noch niemals passierte, war geschehen, ein Schüler starb im neuen Dom.

Der Rat hatte sich zurückgezogen. Gal'Arn und Jaktar hatten sich um den toten Körper Krassasus gekümmert. Arib'Dar übernahm die traurige Aufgabe die Angehörigen des jungen Elaren zu informieren.

Die sterblichen Überreste wurden mit einem Transmitter in ein Leichenschauhaus gebracht, wo sie bis zur Beerdigung ruhen sollten.

Goshkan, der seine Schandtat nicht zu bereuen schien, wurde mit Einverständnis der elarischen Polizei im Dom inhaftiert.

Gal'Arn und Jaktar saßen still im Kampfraum, wo Krassasus starb. Der Ritter der Tiefe war sichtlich angeschlagen. Er litt sehr unter diesem schrecklichen Ereignis. Er hatte zwei Schüler verloren, die ihm am Herzen lagen.

Krassasus war tot und Goshkan würde wahrscheinlich viele Jahre ins Gefängnis kommen, denn der Mord an einem Ritter der Tiefe oder einem Anwärter gehörte zu den schlimmsten Verbrechen in Shagor.

Trotz dieses grauenvollen Ereignisses wurde ein neuer Ritter der Tiefe bestimmt. Der Rat trat wieder in den Saal ein, wo bereits Nirisar und Irasuul warteten. Ihre Anspannung konnte man spüren. Während Irasuul versuchte nicht an den Tod Krassasus zu denken, konnte Nirisar kaum die Tränen zurückhalten.

Arib'Dar stellte sich vor den beiden Anwärtern und sah sie beide eindringlich an.

»Junge Schüler, der Rat hat entschieden. Leider kann nur einer von euch Ritter der Tiefe werden. Die Entscheidung fiel schwer, da ihr beide exzellente Anwärter auf den Status seid. Die Wahl fiel auf Irasuul.«

Gal'Arn blickte lächelnd seinem Schüler entgegen. Sein nächster Blick war eher traurig gestimmt, denn er galt Nirisar, die wäßrige Augen bekam.

Der Pontanare ging auf die Knie und erwartete den Ritterschlag. Arib'Dar sprach ein paar feierliche Worte und schlug mit einem goldenen Schwert des ehemaligen Ritters der Tiefe Irasuul zum Ritter.

Trotz dieses feierlichen Anlasses, überschattete der Tod Krassasus die gesamte Zeremonie. Gal'Arn war froh, als sie endlich vorbei war.

3. Der kosmische Auftrag

In den darauffolgenden zwei Tagen herrschte immer noch eine gedrückte Stimmung. Niemand vermochte über den Tod Krassasus zu sprechen.

Gal'Arn war meist der erste, der von dem Thema anfing. Doch hauptsächlich kümmerte er sich um Nirisar und Irasuul. Der Pontanare bedurfte keines Trostes, eher einer führenden Hand, während Nirisar entmutigt und traurig war.

»Nirisar, es wird noch andere Prüfungen geben. Das nächste Mal wirst du es schaffen«, versuchte Gal'Arn sie wieder aufzubauen, doch die Elarin war zu deprimiert, um sofort wieder neuen Mut zu schaffen.

»Wir werden sehen«, wich sie dem Gespräch aus und lief in den Wald, um alleine zu sein. Gal'Arn seufzte laut und beobachtete Irasuul, der seinen Orbiter einwies. Die Wahl fiel dabei auf den Ghanakken Thobenar. Gal'Arn war amüsiert darüber, denn anscheinend hatte der Vetter von Jaktar etwas Hilfestellung bei der Bewerbung von seinem Verwandten bekommen.

Thobenar war, so hatte Jaktar oft erzählt, ein Sorgenkind der Familie. Der gutgläubige und friedliche, aber tolpatschige und leicht beschränkte Ghanakke hatte es schwer gehabt, einen Beruf zu finden.

Gal'Arn hoffte, daß er seiner Aufgabe als Orbiter gerecht werden konnte. Thobenar schlenderte durch den Innenhof der Anlage. Dabei musterte er dies und das und tatschte alles an, was er noch nicht kannte. Als er ein Hypertechwerkzeug von einem Schrank holen wollte, riß er dabei einige Holzlatten mit sich, die ihm auf den Kopf prasselten.

Jaktar ging kopfschüttelnd an seinem Vetter vorbei. Gal'Arn lachte das erste Mal wieder seit dem tragischen Unglück.

»Ich weiß es zu schätzen, daß du und Irasuul ihm eine Chance gebt«, meinte Jaktar etwas frustriert als er sah, wie sein Vetter versuchte das Chaos wieder ungeschehen zu machen.

Der Rittermeister machte eine verständnisvolle Geste.

»Jeder, der eine Chance verdient, bekommt sie bei uns. Ich bin sicher, daß Thobenar ein gewissenhafter und liebenswerter Gefährte für Irasuul werden wird.«

»Oder eine Nervensäge«, wieherte Jaktar gespielt zynisch.

Dann wurde der Ghanakke wieder ernst. Sein Blick schweifte zu dem kleinen Inhaftierungsblock, in dem noch Goshkan saß, bis ihm der Prozeß gemacht wurde.

»Er war mir eigentlich nie richtig sympathisch, aber das hätte ich ihm nicht zugetraut«, erklärte er mit leiser Stimme.

Gal'Arn nickte schweigend. Der Ritter der Tiefe war tief enttäuscht. Er hatte in den vergangenen Jahren Goshkan viel Zeit geopfert, die sicher nicht dazu bestimmt war, einen Killer auszubilden. Nirisar war inzwischen wieder zurückgekehrt, während Irasuul versuchte Thobenar etwas mehr Feingefühl in aller Hinsicht beizubringen.

Wie aus dem Nichts erschien ein alter, dicker Mann mit einem friedlichen Lächeln und einer freundlichen Ausstrahlung. Eine blauglimmernde Aura umgab den Menschen mit dem weißen Haar, der sich langsam Gal'Arn näherte.

»Sei gegrüßt, Ritter der Tiefe«, sprach der dicke Mann freundlich.

Gal'Arn nickte zur Begrüßung leicht mit dem Kopf.

»Wer bist du, Fremder?«

»Ein Freund.«

»Du bist kein Elare?«

»Nein.«

Hastig eilte Arib'Dar aus seinem Haus und blieb entsetzt stehen, als er das Wesen vor sich sah, als hätte er einen Geist gesehen. Vorsichtig schritt der Rittermeister näher und musterte den Fremden voller Ehrfurcht.

Irasuul hatte seine Hand am Schwert, während Thobenar vor sich hin stierte. Jaktar und Nirisar hielten sich zurück. Der Ghanakke wurde mißtrauisch.

»Dieses Wesen scheint aus Energie zu sein, so wie es leuchtet«, flüsterte er zu Nirisar, die dieselbe Feststellung machte.

Inzwischen hatte Arib'Dar den Fremden erreicht, der sich auch nun zu Dar hinwandte.

»Bist... bist du aus Energie?«

»In dieser Form ja«, beantwortete sein Gegenüber.

Gal'Arn hatte seine anfängliche Überraschung überwunden.

»Nun, sei willkommen Fremder. Bitte sage uns doch, wer du bist.«

»So sei es, ich bin Sipustov. Ein Kosmokrat!«

Arib'Dar zuckte zusammen, als er das Wort Kosmokrat hörte. Schweiß lief ihm von der Stirn. Ratlos sah er zu Gal'Arn hinüber, der mit dem Begriff nichts anfangen konnte.

»Ich kenne kein Volk der Kosmokraten, woher stammst du?« forschte Gal'Arn weiter nach, während Arib'Dar genau Bescheid wußte.

Sipustov begann zu lachen. Es war teils amüsiertes, teils arrogantes Lachen, welches Gal'Arn sehr verwunderte.

Noch nie hatte der Ritter der Tiefe ein Geisteswesen gesehen. Sicher war er davon überzeugt, daß es solche Entitäten gab, vielleicht einen Gott, so konnte der RdT besser mit der momentanen Situation umgehen.

»Weiß denn niemand von euch Einfältigen, wer wir Kosmokraten sind?« sprach der dicke Mann mit der leuchtenden Aura herausfordernd. Da meldete sich Arib'Dar.

»Ich weiß es«, erklärte der Rittermeister. »Oder ich weiß zumindest das, was der Begründer unseres Ordens, der ehrenwerte Jedar Balar, mir und meinen Vorgängern mitgeteilt hat.«

Sipustov rümpfte die Nase.

»Der ehrwürdige Jedar Balar«, äffte die Entität nach. »Ein Dieb war er, nicht mehr!«

Diese Anschuldigung war hart. Irasuul zog sofort sein Schwert und streckte es dem Kosmokraten entgegen.

»Jedar Balar war ein großer Mann! Dir Fettwanst steht es nicht zu, ihn zu beleidigen. Ich fordere dich zum Duell!« schrie der junge Pontanare aufgebracht und nahm eine Kampfhaltung ein. Gal'Arn näherte sich seinem ehemaligen Schüler, um rechtzeitig eingreifen zu können.

»Ich sehe nun, was er mit dem wertvollen Material gemacht hat. Eine Verschwendung!« sagte Sipustov unbeeindruckt.

Arib'Dar ordnete an, daß Irasuul die Waffe senken sollte. Widerwillig befolgte der frisch gebackene Ritter der Tiefe die Anweisung.

»Sag mir, Sipustov, warum bist du hier? Etwa um uns zu bestrafen, wie es Jedar Balar einst angekündigt hat? Wir haben nur Gutes getan! Wir sind ehrbare Ritter der Tiefe!«

Ein Hauch von Verzweiflung lag in Dars Stimme. Gal'Arn verstand immer noch nicht, um wen es sich bei dem Kosmokraten handelte.

»Nun, sicher würde eine Strafe angemessen sein, doch diese hätte Jedar Balar entgegen nehmen müssen, da er jedoch nicht mehr unter den Lebenden weilt, dürft ihr die grenzenlose Großzügigkeit der Kosmokraten erfahren«, erklärte der Kosmokrat gönnerhaft. »Dennoch will ich auch festhalten, daß dieser Orden kein offiziell anerkannter Orden der Ritter der Tiefe ist. Keiner von euch hat jemals den psionischen Schlag erhalten. Aber wieder sind wir sehr großzügig und sehen eure Bemühungen. Um es einfach für euch zu machen: Wir brauchen eure... nein, laßt es mich anders ausdrücken, wir haben einen Auftrag für euch.«

Irasuul strafte Sipustov mit einem abfälligen Lächeln. Der junge Ritter der Tiefe war über die letzte Aussage empört. Gal'Arn hingegen blieb ruhig und beobachtete den Rittermeister, der mit dunkler Miene den Worten des Fremden folgte. Aus seinem Gesicht konnte er ablesen, daß Arib'Dar etwas wußte. Anscheinend hatte dieser Kosmokrat mit allem recht, wovon er sprach. Das gefiel dem Ritter der Tiefe nicht sonderlich.

»Was für ein Auftrag soll das sein?« forschte Gal'Arn nach und stellte sich demonstrativ vor das Energiewesen.

»Es gibt in einer Galaxis mit dem eigentümlichen Namen Milchstraße ein Volk namens Terraner. Diese sind zusammen mit anderen unbedeutenden Völkern in die Galaxis Dorgon unterwegs. Jedoch wissen sie nicht, was sie dort erwartet. Finstere Mächte versuchen die galaktische Ordnung in Chaos zu stürzen«, erklärte das Geisteswesen langsam.

Gal'Arn runzelte die Stirn und verschränkte die Arme vor seinen Bauch.

»Ich kenne kein Volk mit dem Namen Terraner, noch die Milchstraße oder Dorgon. Wie sollen wir bei deinem Problem helfen können? Und warum ausgerechnet wir?«

Sipustov machte eine ratlose Geste. Es dauerte eine Weile, bis er wieder anfing zu sprechen.

»Nun, wir haben zur Zeit einen Engpaß an fähigem Personal. Da ihr, wenn man beide Augen zudrückt, ein guter Abklatsch von Rittern der Tiefe seid, glauben wir, daß ihr in der Lage sein müßtet, den Terranern zu helfen.«

Irasuul schüttelte über soviel Arroganz den Kopf. Am liebsten wäre er diesem Kosmokraten an die Gurgel gegangen.

Arib'Dar schwieg. Anscheinend war er über das Auftauchen dieses Fremden völlig entsetzt gewesen. Gal'Arn konnte sich nicht den Grund dafür erklären. Statt dessen wandte er sich wieder Sipustov zu.

»Wenn wir nur ein Abklatsch der Ritter der Tiefe sind, warum beauftragt Ihr dann nicht die wahren Ritter?«

Gal'Arn verwendete mit Absicht die dritte Form Singular, da die Bewohner der Galaxis Shagor meist nur Personen duzten, denen sie vertrauten. Gal'Arn traute diesem Kosmokraten auf alle Fälle nicht.

»Es gibt nur noch zwei Ritter der Tiefe, die am Leben sind. Beide haben sich von uns losgesagt, wie einst Jedar Balar. Die Menschen scheinen nicht so belastbar zu sein, wie ich feststellen mußte. Diese beiden Ritter der Tiefe heißen Perry Rhodan und Atlan, sie stammen aus der Galaxis Milchstraße. Es liegt in unserem Interesse, daß ihr die Aufgabe übernehmt.«

»Warum sollten wir das tun?«

»Weil ihr einen Ehrenkodex habt. In Dorgon braut sich etwas zusammen, was Milliarden von Lebewesen, vielleicht sogar Billionen vernichten könnte. Das könnt ihr nicht zulassen. Ein gefürchteter und mächtiger Feind der Kosmokraten ist wieder aktiv. Seine Pläne sind grausam, sie könnten das Ende des Universums bedeuten!«

Es herrschte nun eine Weile Stille. Die Worte wirkten auf Gal'Arn und die anderen beiden Ritter der Tiefe.

Thobenar wackelte auf Irasuul zu.

»Herr, Herr, wir dürfen nicht zusehen wie viele, viele, Männer sterben. Wir müssen helfen!«

Jaktar stieß seinen Vetter an und legte seinen Finger auf die Lippen. Selbst Thobenar wußte, daß er nun zu schweigen hatte.

Gal'Arn ging einige Schritte auf den Kosmokraten zu.

»Wir brauchen etwas Bedenkzeit. Viel zu viele Fragen sind ungeklärt. Wie können wir etwas retten, wozu ihr mächtigen Wesen nicht einmal in der Lage seid?«

Sipustov neigte den Kopf für eine Weile, dann blickte er wieder zu dem Ritter der Tiefe hoch. Seine grauen Augen glänzten seltsam.

»Ihr werdet schon sehen, wenn ihr Dorgon erreicht habt. Hier habt ihr einen Memowürfel. Dort befinden sich die Koordinaten Dorgons. Seid ihr dort erst einmal angekommen, werde ich mich wieder mit euch in Verbindung setzen.

Von euch hängt nun das Schicksal des Universums ab. Ich hoffe, ihr seid wirkliche Ritter der Tiefe!«

Mit diesen Worten verschwand das Geisteswesen einfach. Alles war ruhig und wirkte wie vorher. Niemand wagte ein Wort zu sagen. Nur das Gezwitscher der Vögel verlieh der düsteren Atmosphäre einen friedlichen Kontrast.

Gal'Arn blickte zu Arib'Dar, der sichtlich bedrückt wirkte.

»Ich wußte, daß eines Tages dieser Moment kommen würde. Informiert die anderen Ritter der Tiefe. Morgen müssen alle hier sein, denn ich habe etwas Wichtiges zu berichten.«

Innerhalb von einem Tag schafften es wirklich alle einhundert Ritter der Tiefe sich auf Elaran zu versammeln. Weder Gal'Arn, Irasuul noch Arib'Dar hatten den anderen Rittern etwas von der Begegnung mit dem Kosmokraten erzählt.

Gegen Abend, die Sonne stand bereits am Firmament und verlieh dem Himmel einen orangefarbenden Ton, hatten sich die einhundert Shagoner im Dom versammelt.

Arib'Dar hatte den großen Saal nur mit einigen Fackeln erhellen lassen, als er sich vor seinen Artgenossen stellte und seinen Blick über die einhundert Wesen schweifen ließ. Er sah Pontanaren, Elaren, Katronen und einige andere Völker.

Der Rittermeister wußte, daß sie alle hervorragende Ritter der Tiefe waren. Und er wußte, daß sie alle darüber entsetzt sein werden, was sie gleich erfahren würden.

Ohne etwas zu sagen, aktivierte er ein Hologramm. Ein Humanoide erschien in der Mitte des Saals. Er wirkte imposant, war völlig in schwarz gekleidet und hatte lange schwarze Haare. Sein Gesicht war vom Leben gekennzeichnet.

»Seid gegrüßt, Ritter der Tiefe. Dies ist ein Notfallprogramm, welches nur in Kraft tritt, wenn ein Kosmokrat erschienen ist«, begann das Hologramm.

Die Anwesenden erkannten sofort den Mann, der zu ihnen sprach. Auf fast jedem Planeten stand eine Statue von ihm, so auch auf Elaran, ja sogar im Dom.

Es war Jedar Balar, der erste Ritter der Tiefe!

»Ihr alle kennt mich«, fuhr der erste Ritter der Tiefe fort. »Ich bin Jedar Balar, der erste Ritter der Tiefe in Shagor. Die Betonung liegt auf Shagor, denn es gab bereits Ritter der Tiefe vor mir. Es ist sicherlich schwer zu glauben für euch, doch die Wahrheit ist, daß die Ritter der Tiefe ein Orden sind, die dem Volk der Kosmokraten unterstehen. Vor unzähligen Äonen wurden die Ritter der Tiefe die Nachfolger des Volkes der Porleyter, die auch den Kosmokraten dienten.«

Gal'Arn, aber auch die anderen hörten gespannt den Worten ihres großen Vorbildes zu.

»Die Kosmokraten sind mächtige Geisteswesen, die jenseits der sogenannten Materiequellen leben. Noch nie hat ein Normalsterblicher diese Gefilde betreten. Die Kosmokraten sehen sich selbst als Mächte der Ordnung. Sie versuchen eine permanente Ruhe und Ordnung in das Universum zu bringen. Ihr Gegenpart stellen dabei die Mächte des Chaos, die versuchen gerade diese Ordnung zu vernichten.

Seit Millionen von Jahren bekämpfen sich diese beiden Parteien. Doch auch die Kosmokraten sind an Regeln gebunden, die für uns nur schwer nachzuvollziehen sind. So können sie nicht im normalen Universum frei agieren. Sie brauchen Hilfsvölker oder Hilfsorganisationen wie die Ritter der Tiefe. Die Ritter wurden mit besonderen Privilegien ausgestattet und erhielten im wahren Dom Kesdschan auf Khrat den psionischen Ritterschlag.

Was an sich alles edel und ehrenvoll klingt, entpuppt sich allerdings als ein starres und dummes System. Die Kosmokraten wollen ihre Ordnung um jeden Preis durchsetzen und gleichen bei den Methoden oft den dämonischen Chaotarchen. Ich konnte es nicht mit meinem Gewissen vereinbaren, für den Frieden zu streiten und doch unschuldige Wesen zu ermorden, auf Geheiß der Kosmokraten. Diese Entitäten haben den Überblick verloren und den Sinn für das Leben. Für sie zählt nur noch der Erfolg.

Um es banal zu erklären: Es ist Krieg. Die eine Partei liegt jenseits einer Brücke. Die andere muß nur noch die Brücke passieren, um die erste Partei zu erreichen. Die Brücke wird gesprengt. Auf der Brücke lebten viele kleine Insekten, Millionen von ihnen. Die Insekten sind in der Realität jedoch Milliarden denkende Lebewesen aus Tausenden von Galaxien.«

Balar machte eine Kunstpause. Alle Ritter waren tief beeindruckt und schockiert zugleich. Gal'Arn wirkte sehr in sich gekehrt, wie die meisten der RdT in Shagor. Für viele brach sicherlich jetzt eine Welt zusammen.

»Deshalb wandte ich mich von den Kosmokraten ab und floh! Lange Zeit war ich auf der Flucht, denn sie verfolgten mich. Ich hatte mir etwas von dem wertvollen und geheimnisvollen Ultimativen Stoff mitgenommen, den die Kosmokraten ihr eigen nannten, wie auch ihre Hilfsvölker. Widerspruch wurde nicht geduldet. Der Pakt mit den Kosmokraten war ein Pakt auf Lebenszeit. Genauso wie bei den Chaotarchen sahen die Kosmokraten Neutrale automatisch als Feinde an.

Dann strandete ich auf Elaran, wo ich knapp 50.000 Jahre im Tiefschlaf überdauerte. Eine Zeit, die zwar den Kosmokraten wenig erscheint, jedoch ausreichte, um die Suche nach mir zu beenden. Ich wollte weiterhin Gutes tun und entschloß mich Shagor zu helfen, ja sogar den Orden der Ritter der Tiefe hier aufleben zu lassen.

Die edlen Motive sollten dabei aber im Vordergrund stehen. Jeder Ritter der Tiefe sollte sich mit Leib und Seele dem Frieden, der Gerechtigkeit und der Harmonie widmen.

Es sollte eine Ehre für den Ritter der Tiefe sein, sich für den Schutz der Bevölkerung einzusetzen. Jederzeit sollte er bereit sein, zu helfen, ohne Kompromisse oder Bedingungen.

Ich bin sicher, ihr seid diesen Ansprüchen gerecht geworden und, wann immer ihr diese Nachricht hört, so bin ich davon überzeugt, daß der Name der Ritter der Tiefe reingewaschen ist und ihr Shagor zu einem friedlichen Hort gemacht habt.

Jetzt ist ein Kosmokrat aufgetaucht und hat euch verunsichert. Ich weiß nicht, was er von euch verlangt hat. In seiner Arroganz wird er unseren Orden geschmäht haben, doch vergeßt nicht, ihr seid die wahren Ritter der Tiefe, denn euer Herz ist rein und gut...«

Das Hologramm erlosch. Nach einer kurzen Stille brach eine heftige Diskussion unter den RdT aus.

Arib'Dar ergriff sofort die Initiative und begann von dem unverhofften Besuch des Kosmokraten Sipustov zu sprechen.

Die Meinungen waren unterschiedlich. Die meisten Ritter der Tiefe sahen das Ende von Shagor und des Ordens gekommen.

»Wir können diesem Kosmokraten nicht trauen, vielleicht ist alles eine Falle«, meinte der Pontanare Jovkos Tarson.

Sein Gegenüber schüttelte heftig den Kopf.

»Wenn die Kosmokraten so mächtig sind, dann können wir uns ihnen nicht widersetzen, denn das würde den Untergang Shagors nach sich ziehen!« erklärte der alte Elare Jinnus Farn.

Arib'Dar lauschte der Beratung und wagte kein Wort zu sagen. Das Auftauchen des Kosmokraten hatte ihn schwer getroffen.

»Warum haben wir niemals von den Kosmokraten erfahren?« warf Irasuul ein.

Der jüngste Ritter der Tiefe hatte eine provokative Frage gestellt. Arib'Dar ging auf den Pontanaren zu.

»Weil es Jedar Balars Wunsch war. Er wollte, daß nur der jeweilige Rittermeister das Geheimnis mit sich trägt. Ich war einst genauso schockiert wie ihr und bald wäre es Gal'Arn gewesen, doch wir müssen damit umgehen. Auch wenn wir stets der Meinung waren, daß der Orden hier in Shagor entstanden war, so sind wir wahre Ritter der Tiefe!«

Wieder entbrannte eine heftige Diskussion. Dar versuchte vergeblich für Ruhe zu sorgen, doch niemand schien auf ihn zu hören. Resignierend ließ er die Arme herunter sacken und setzte sich auf einen Sessel.

Tarson und Farn begannen sich zu streiten, so wie auch viele andere Ritter. Sie waren sich uneins und zerstritten. So etwas gab es noch nie in der Geschichte der Ritter der Tiefe aus Shagor. Gal'Arn schritt um die Streithähne herum und stellte sich neben seinen Meister.

»Wir sind Ritter der Tiefe und keine zänkischen Waschweiber«, begann er mit harter Stimme. Sofort verlagerte sich die Aufmerksamkeit auf ihn.

»Wir können jetzt über die Vergangenheit streiten oder philosophieren. Wir können aber auch an die Zukunft denken. Warum sollte uns so ein arroganter und mächtiger Kosmokrat um Hilfe bitten? Dies kann nur der Fall sein, wenn er uns wirklich braucht.

Wir haben einen Eid auf den Frieden und die Gerechtigkeit geschworen. Wir müssen ihn erfüllen. Der Eid bindet uns nicht allein an Shagor.«

»Doch, das tut er. Wir können uns doch nicht um alles kümmern?« warf der Katrone Upnam Waq ein.

Er wedelte dabei heftig mit seinem Rüssel, was ein Zeichen der Aufregung war.

»Vielleicht können einige von euch die Augen verschließen, ich kann es jedenfalls nicht. Ich werde nach Dorgon fliegen!«

Jeder sah überrascht Gal'Arn an, selbst Arib'Dar.

»Du rennst geradewegs in dein Verderben, Gal'Arn!« rief Tarson dazwischen.

»Mag sein, aber ich will nicht mit dem schlechten Gewissen leben, daß ich untätig hier herum saß, während gegen eine kosmische Bedrohung angekämpft werden muß«, verteidigte sich der Ritter.

Die Worte trafen einige Rechtstreiter hart. Sie fühlten sich von Gal'Arn beleidigt und verließen erbost den Saal.

»Gal'Arn war schon immer ein Querdenker, soll er doch hingehen, wo immer er hin will!« fauchte Tarson abwertend.

»Ich finde, er hat recht. Wir dürfen uns nicht durch Nichtstun strafen«, erklärte Jinnus Farn.

Die Debatte schien endlos lange anzudauern.

Die Ritter der Tiefe kamen zu keiner Einigung. Die Mehrzahl war dafür, das Auftauchen des Kosmokraten zu ignorieren und sich weiter um Shagor zu kümmern.

Gal'Arn vertrat jedoch die Meinung, man müsse nach Dorgon fliegen, um für den Frieden zu streiten. Der Elare spürte, daß irgendeine große Gefahr über dem Universum lag und unzählige von Intelligenzen bedrohte.

Arib'Dar schlug eine Abstimmung vor, die mit 46 Stimmen gegen einen Flug nach Dorgon sprach, 15 Enthaltungen hatte und 39 Prostimmen.

Damit wurde Gal'Arns Antrag knapp abgelehnt. Der Ritter zeigte sich jedoch unbeeindruckt.

»Dann werde ich ohne eure Genehmigung fliegen!«

Ein Raunen hallte durch den Raum. Wieder standen einige Ritter der Tiefe, Tarson allen voran, erbost auf und taten ihr Unmut kund. Noch nie hatte es ein Ritter gewagt, sich einer Abstimmung des Rates zu widersetzen.

Arib'Dar versuchte sie zu beruhigen.

»Ich gehe auch mit«, warf nun Irasuul ein und stellte sich demonstrativ neben seinen ehemaligen Lehrer.

Nirisar, Jaktar und Thobenar, die das Geschehen von Außen beobachteten, meldeten sich ebenfalls leise, doch niemand konnte das bemerken.

Arib'Dar hob beschwörend die Hände.

»Meine Freunde, unsere Gemüter sind erhitzt. Es ist besser, wir brechen heute ab und beraten uns morgen weiter. Das ist mein letztes Wort.«

Jeder befolgte den Rat des Rittermeisters und begab sich in sein Quartier. Gal'Arn suchte kopfschüttelnd das Weite, gefolgt von Irasuul. Arib'Dar rief beiden mehrmals hinterher, doch sie gingen weiter. Zu enttäuscht waren die beiden Ritter der Tiefe über das Verhalten ihrer Mitstreiter.

Inzwischen war es Nacht. Der Mond hing sichelförmig über Elaran. An den Toren des Anwesens brannten noch einige Energiefackeln und spendeten Licht.

Zwei Roboter hielten an jedem Tor Wache.

Gal'Arn, Irasuul, die beiden Ghanakken und Nirisar hatten sich in das Haus des Ritters der Tiefe zurückgezogen.

»Du hast auf jeden Fall unsere Unterstützung«, sagte Nirisar selbstbewußt.

Gal'Arn nickte nur schwach mit dem Kopf. Der Ritter hatte sich auf sehr brüchiges Eis begeben. Die Ritter der Tiefe konnten ihn wegen seiner Mißachtung des Ratsbeschlusses ausstoßen, doch er mußte so handeln. Gal'Arn spürte deutlich die Gefahr. Er glaubte dem Kosmokraten. Solch ein Wesen kam nur freiwillig an, wenn es etwas brauchte.

Und dies war die Hilfe der Ritter der Tiefe, dessen war er sich sicher.

»Sollte der Rat morgen immer noch derselben Meinung sein, werden wir ohne ihre Erlaubnis mit der TERSAL aufbrechen«, erklärte Arn.

Dann blickte er zu seinem Freund und Orbiter herüber.

»Doch vorher müssen wir noch etwas erledigen, komm Jaktar!«

Beide standen auf und verrieten nicht, wohin sie gingen, denn das, was sie vorhatten war ein weiterer Verstoß gegen die Etikette des Ordens.

Es war besser, wenn Irasuul, Nirisar und Thobenar nichts davon wußten.

»Wo gehen wir hin?« forschte Jaktar nach, während er seine Montur anlegte. Gal'Arn streifte seinen Poncho über.

»Wir werden zu Jedar Balars Schiff gehen. Sicher finden wir dort ein brauchbares Equipment für unsere Expedition.«

»Oje, oje, wir brechen auch wirklich alle Regeln...« seufzte Jaktar und schwang sich auf das Muny, doch Gal'Arn zog es diesmal vor, einen Gleiter zu benutzen. Der Ghanakke mußte sich beeilen, um noch in den Gleiter zu springen.

Nachdem Gal'Arn die Sicherheitsschaltung kurz deaktiviert hatte, verschwanden beide in der Dunkelheit des Waldes.

Goshkan kauerte in seiner Zelle und sah seinem Schicksal entgegen. Je länger er in der Zelle verweilte, desto mehr Haß gegen Gal'Arn und die Ritter der Tiefe staute sich in dem Katronen auf. In seinen Augen hatte er nichts falsches getan. Krassasus war ein schwacher Mensch, der den Tod verdient hatte. Ja, es war eine gute Tat, die er beging. Goshkan hatte es genossen, Krassasus das Leben zu nehmen. Er fühlte sich mächtig und unbesiegbar. Es macht ihm Spaß. Doch nun war alles vorbei. Bald würde ein Gericht über ihn urteilen, dann würde er den Rest seines Lebens in einem Gefängnis verbringen. Keine Macht, kein Ruhm, kein Ansehen...

»Wärter, ich habe Hunger!« brüllte das Elefantenwesen laut durch die Korridore, doch niemand kam. Auch nach dem zweiten und dritten Ruf, hielt es niemand für nötig, zu kommen.

Plötzlich hörte er Schritte. Jemand schritt langsam auf ihn zu. Unruhig zappelte Goshkan in seiner Zelle hin und her.

Ein orangefarbenes Licht erhellte die Korridore, langsam sah er den dunklen Schatten der nahenden Person.

Da sah er die fremde Gestalt. Sie war völlig in schwarz gekleidet, schwarze Stiefel, Hose, Umhang, Handschuhe und Kutte. Das Gesicht unter der Kapuze war rot mit einem seltsamen Mal verziert. Die Augen glühten gelb. In ihnen stand Haß, Finsternis und Bosheit geschrieben. Goshkan fühlte sich unbehaglich.

»Wer bist du?« wollte der Katrone von seinem Gegenüber wissen.

»Dein Retter, Goshkan!«

»Wieso willst du mich retten, Fremder?«

»Weil wir gemeinsame Feinde haben. Sie haben dich verschmäht und dich deiner Freiheit beraubt. Du haßt sie dafür und würdest sie alle vernichten, ist es nicht so?«

Die dunkle und heisere Stimme des Rothäutigen begann Goshkan zu gefallen. Sie wirkte zwar unheimlich, doch gerade dieses Detail zog den Katronen magisch an.

»Ja, ich würde sie alle grausam töten!« schrie er und schlug sich dabei auf die Brust, dann begann er an den Gitterstäben zu rütteln.

»Laß mich frei! Ich tue alles dafür!« bettelte er.

Der Fremde hielt in der rechten Hand einen etwa 2 Meter hohen Stab, der am Ende mit einem Totenschädel verziert war. An den Seiten waren messerscharfe Klingen angebracht. Der Stab glänzte wie die Schwerter der Ritter der Tiefe.

»Ist der Stab auch aus Ultimativem Stoff?«

»Ja, ist er. Gehe zur Seite!«

Der Fremde öffnete zuerst das Kraftfeld, dann die Gitter. Laut lachend rannte Goshkan heraus und suchte nach einer Waffe.

»Gib mir Gewehre, Schwerter, Strahler... !«

»Eines nach dem anderen, ungestümer Katrone«, sprach das dunkle Wesen. »Etwa einhundert Ritter der Tiefe sind hier. Der Dom und seine Anlage machen einen harmlosen Eindruck, doch ich habe ein seltsames Gefühl...«

Goshkan nickte verständnisvoll.

»Du hast recht. Sobald sich eine große Ansammlung von Energie der Anlage nähert, werden Verteidigungssysteme aktiviert. Eine Vorsorge. Kein Raumschiff, Panzer oder Gleiter kann sich unbemerkt nähern, ohne das automatisch die Verteidigungsanlagen aktiviert werden.

»Gut, dann deaktiviere sie, damit meine Truppen den Dom vernichten können.«

Goshkan machte eine Art Ehrenbezeugung und lief den Korridor entlang. Dabei stolperte er fast über die Leichen der Wächter.

Beide schlichen sich zum Hauptgenerator. Dabei machte der Katrone beim Waffenlager halt. Er kannte noch den Code, jedoch war dieser geändert worden. Wütend trat er gegen die Konsole.

»Was machst du da?« hörte er eine alte Stimme sagen.

Der Ritter der Tiefe Jinnus Farn hatte den Lärm gehört und rannte zu den beiden Gestalten. Goshkan wollte los rennen, doch der Fremde hielt ihn zurück.

»Wer seid ihr? Oh nein, du bist doch Goshkan! Ergib dich!«

Farn zog sein Schwert und richtete es gegen den Katronen. Der Fremde mit der roten Haut hatte sich inzwischen versteckt.

»So einfach kommst du nicht davon. Ich würde nur zu gern wissen, wie du dich befreit hast. Wachen!«

Farn drehte sich kurz um, da tauchte der Fremde bereits auf und ging in Kampfposition. Mit einem gewaltigen Satz sprang er zum Ritter der Tiefe, der nur die ersten beiden Schläge gegen den Stab abwehren konnte. Der Fremde machte einen Salto über den Ritter und rammte ihn das untere Ende des spitzen Stabes in den Oberkörper.

Ächzend ließ Farn das Schwert fallen, welches sofort Goshkan ergriff und wieder zustach. Immer wieder und wieder bohrte er das Schwert in den Körper des sterbenden Ritters der Tiefe. Goshkan war in einem regelrechten Blutrausch. Er konnte nicht mehr aufhören, erst als der Fremde ihm das Schwert aus der Hand schlug.

»Wer bist du, daß du es wagst, mir Befehle zu erteilen?« brüllte das Ungetüm.

»Ich bin Cau Thon, dein neuer Meister!«

Der Gleiter hatte innerhalb von wenigen Minuten die kleine Bergkette hinter dem Wald erreicht. Auf einem der höchsten Berge stand das Schiff Jedar Balars in voller Pracht.

Gal'Arn landete den Gleiter nahe dem Schiff. Er stieg aus und las die Worte, die auf dem Schiff standen. Sie stammten von einer fremden Sprache und bedeuteten soviel wie »Frieden und Freiheit«.

»Meister, bist du sicher, daß wir hier herein müssen? Mir kommt das vor, wie die Entweihung eines Gottestempels«, wandte Jaktar ängstlich ein.

Gal'Arn drehte sich zu dem eselsähnlichen Lebewesen um und legte ihm seine Hand auf die Schulter.

»Jedar Balar war ein Mensch, wie du und ich. Er war kein Gott, sondern ein sehr guter Mensch und Ritter der Tiefe. Sicherlich würde er unseren Schritt begrüßen. Glaube mir, an unserer Stelle hätte er genauso gehandelt.«

»Na gut, wenn du meinst. Dann mal rein!«

Beide gingen zur Einstiegsluke, die bereits ausgefahren war. Sie gingen den kleinen Steg hoch. Kaum bei der Tür angekommen, öffnete sich das Schott auch bereits.

»Sei willkommen, Ritter der Tiefe«, erklang eine mechanische Stimme. Die beiden sahen sich verwundert um.

»Eine Positronik?« fragte Jaktar ahnungslos.

»Nein, keine Syntronik, eine Positronik schon gar nicht. Ich bin Vergana, der Orbiter Jedar Balars.«

Ein goldener Roboter in Menschengestalt trat hervor. Gal'Arn wußte für den ersten Moment nichts zu sagen. Das hatte selbst ihn überrascht. Der Android mußte beinahe 100.000 Jahre alt sein.

»Es tut mir leid, Vergana, daß wir gestört haben... wir...« stammelte der Ritter der Tiefe ratlos herum.

Der Android winkte ab und näherte sich den beiden Besuchern.

»Keine Sorge, ihr habt nicht gestört. Mein Meister hatte mir aufgetragen, jeden Ritter der Tiefe willkommen zu heißen. Oh, du willst wissen, woher ich weiß, daß du ein Ritter bist? Nun, dein Schwert besteht aus Ultimaten Stoff. Ein gutes Erkennungszeichen. Folgt mir!«

Der Roboter wanderte in stacksigen Schritten durch die Korridore des Schiffes. Gal'Arn und Jaktar folgten wortlos. Sie nutzten die Zeit, um sich umzusehen. Das Innere des Raumschiffes war von der Zeit gekennzeichnet. Vergana schien kein guter Putzroboter zu sein. Spinnweben hingen überall. Die einst silberne Wandfarbe war nun blaßgrau, die Möbel wirkten verrottet und alt, was auch kein Wunder war, denn seit knapp 40.000 Jahren hatte kein Wesen aus Shagor mehr dieses Schiff betreten.

Vergana erklärte, daß er der Wächter des Schiffes sei und sich niemals gezeigt hatte, da sein Meister von ihm verlangte, immer im Schiff zu bleiben und es zu bewachen. Er sollte, falls ein Ritter der Tiefe Hilfe brauchte, ihm diese zukommen lassen.

»Wir brauchen Hilfe, Vergana«, erklärte Gal'Arn. »Ein Kosmokrat ist uns erschienen und hat uns den Auftrag gegeben in eine Galaxis namens Dorgon zu fliegen. Von dort soll eine Gefahr ausgehen, die sich auf das ganze Universum auswirken könnte.«

»Soso, ein Kosmokrat ist aufgetaucht. Die wird man wohl nie los. Eure Hilfe haben sie gefordert? Da kann man wohl schlecht nein sagen...«

Jaktar kam der Android sehr wunderlich vor.

»Kannst du uns helfen?« fragte er sichtlich ungeduldig.

»Und ob ich das kann. Einige Geräte sind zwar etwas verstaubt, doch bringt ruhig euer Schiff her und ich werde es aufrüsten!«

Gal'Arn gab dem Ghanakken ein Zeichen, das er sofort verstand. Jaktar eilte los, um zur TERSAL zu gelangen.

»Du mußt nicht den Gleiter nehmen. Wir haben hier auch Transmitter«, schlug Vergana vor.

Jaktar folgte dem Rat und ließ sich auf die TERSAL abstrahlen.

Es würde jedoch vielleicht einige Minuten dauern, bis das V-förmige Schiff des Ritters der Tiefe das Schiff von Balar erreicht hatte.

4. Der Angriff

Goshkan hatte den Energiegenerator deaktiviert. Kaum war das Verteidigungssystem zusammengebrochen, gab Cau Thon bereits ein Zeichen.

Plötzlich tauchte ein H-förmiges Schiff über dem Dom auf und landete neben der Lichtung. Die Bäume, die im Weg standen, wurden einfach niedergebrannt.

»Was ist das?« forschte der Katrone nach.

»Das ist die KARAN, mein Schiff«, sprach Cau Thon. In seiner Stimme lag viel Stolz, denn die KARAN war ein ganz besonderes Schiff.

Die Ladeluke öffnete sich und etwa zwei Dutzend völlig in schwarz gekleidete Soldaten marschierten auf die Lichtung zu. Ihre Helme wirkten Totenschädel ähnlich. Goshkan konnte nicht erkennen, ob es Lebewesen oder Roboter waren.

Die ersten Ritter der Tiefe wurden bereits durch den Lärm wach. Die Robotwachen taten ihres dazu, nachdem sie das fremde Schiff landen sahen. Sofort eilte einer der Droiden zu Arib'Dar und informierte ihn. Schnell zog er sich ein Gewand an und bewaffnete sich. Die anderen Ritter wurden ebenfalls alarmiert.

Goshkan rannte zu den anderen Generatoren und schlug schreiend mit seinem Schwert auf die elektrischen Anlagen, die explodierten. Ein Feuer breitete sich rasant aus.

Die dunklen Truppen Cau Thons erreichten das Gebiet des Doms. Cau Thon stellte sich vor seine Anhänger und schwang den Stab in die Höhe.

»Soldaten, vernichtet sie im Namen des Chaos!« rief er so gut er es konnte mit seiner heiseren Stimme. Sofort begannen die Truppen zu schießen. Gnadenlos wurden die Diener der Ritter niedergemetzelt.

Der Dom fing Feuer. Vier Ritter stürmten mit ihren goldenen Schwertern auf die Gegner zu und strecken etwa ein Dutzend nieder, bevor sie in einem Hagel aus Energiesalven ihr Leben ließen. Irasuul, Nirisar und Thobenar rannten zum Dom und verschanzten sich dort.

»Zu den Waffen, wir müssen Strahler nehmen!« rief Arib'Dar und deutete auf die Waffenlager hin.

Die Ritter der Tiefe wurden an ihrer schwächsten Stellen, dem ehrwürdigen Ort des Doms – wo sich kein Shagoner getraut hätte hinzugehen – erwischt und blutig für ihre Nachlässigkeit bestraft.

Cau Thon stürmte selbst in das Kampfgetümmel und duellierte sich mit einigen Ritter der Tiefe. Jovkos Tarson griff den dunklen Abgesandten von hinten an und streifte ihn mit seinem Schwert an der Schulter. Thon rannte nach vorn und machte eine Flugrolle. Kaum war er wieder oben, wirbelte er mit seinem Stab um 180 Grad und schlug gegen Tarsons Schwert.

»Wer zur Hölle bist du?«

»Der Teufel!«

Thon begann eine Angriffsserie und drängte den Pontanaren immer weiter zurück, der mit einer Drehung versuchte mehr Schwung zu bekommen, doch Cau Thon setzte beide Enden des Stabes geschickt ein. Schweiß lief von der Stirn des Ritters.

Mit dem unteren Ende des Stabes versetzte Cau Thon seinem Gegner einen Hieb gegen das linke Bein. Die messerscharfen Klingen schnitten eine tiefe Fleischwunde. Tarson schrie laut auf und fiel nach hinten. Auf dem Rücken liegend versuchte er die Schläge Thons abzuwehren, doch Cau Thon schlug ihm das Schwert aus der Hand.

»Ich ergebe mich, hab Erbarmen!«

Thon grinste.

»Erbarmen ist etwas für Gute«, sagte er und stieß den Stab in den Bauch des Ritters der Tiefe, der noch etwas zuckte, bevor der letzte Hauch des Lebens aus ihm gewichen war.

»Vernichtet sie, jeden von ihnen!« brüllte Cau Thon und spornte somit seine Soldaten an, das Massaker gründlich zu ende zubringen.

Die TERSAL war inzwischen neben der »FRIEDEN UND FREIHEIT« gelandet. Vergana machte sich sofort daran, die Technik seines Raumers in die TERSAL einzubauen. Der Android erklärte, daß er die Technik der Shagoner studiert habe. Daher wüßte er genau, was zu tun wäre.

Jaktar ging gelangweilt durch die Gegend und erkannte nach kurzer Zeit das Lodern am Himmel. Beim zweiten Blick begriff er, daß der Dom in Flammen stand!

»Meister, der Dom brennt, der Dom brennt!« wieherte der Ghanakke aufgeregt und schlackerte heftig mit den Ohren.

Gal'Arn rannte zu dem Hügel, wo er den Angriff sehen konnte. Seinem Auge entging auch nicht das fremde Schiff, welches unweit von der Lichtung stand.

»Vergana, baue alles ein, wir kommen wieder!« rief Gal'Arn. Bevor der Roboter etwas antworten konnte, waren beide bereits mit dem Gleiter in Richtung Dom verschwunden.

Der Kampf tobte mit unverminderter Härte. Die Ritter der Tiefe kämpften um ihr Leben. Arib'Dar hatte sich Irasuul angeschlossen und im Inneren des Doms verschanzt.

Schnell griff er zu einem Interkomgerät und informierte die elarische Armee. Wenige Minuten später flogen die ersten Flugpanzer an.

Cau Thon bemerkte dies und alarmierte die KARAN. Das H-förmige Schiff stieg auf und begann mit dem Feuer gegen die Streitkräfte Elarans. Die Geschütze und Panzer feuerten zurück, doch sie konnten nichts gegen die überlegene Technik anrichten.

»Sie kommen nicht bis hierher«, stellte Irasuul bitter fest.

Arib'Dar fehlten die Worte. Plötzlich verstummte das Feuer. Der Dom brannte, langsam wurde es gefährlich für die Insassen.

»Kommt heraus, wir tun euch nichts«, hörten sie eine vertraute Stimme sagen. Der Rittermeister nahm allen Mut zusammen und ging zum Eingang. Je näher er kam, desto mehr schloß er mit dem Leben ab. Arib'Dar erkannte Goshkan.

»Goshkan, du hast nicht nur Krassasus ermordet, du hast uns alle verraten und bist verantwortlich für dieses Massaker. Ich hoffe, du wirst eines Tages dafür büßen.«

Der Katrone lachte. Cau Thon lief zu ihm.

Arib'Dar blickte um sich. überall lagen die Leichen der Ritter der Tiefe. Viele Freunde hatten ihr Leben gelassen. Der Orden stand am Abgrund.

Wut und Haß überkam den Rittermeister. Er zog sein Schwert und lief schreiend auf Goshkan zu, der ebenfalls sein Schwert zog und den ersten Schlag parierte. Ein Duell entbrannte zwischen den beiden. Cau Thon sah interessiert zu, als plötzlich der Gleiter Gal'Arns in die Anlage sauste. Irasuul und die anderen mußten ihrem Meister helfen und liefen feuernd aus dem Dom. Die restlichen RdT nutzten ebenfalls die Gelegenheit und griffen an. In dem Tumult konnte man Gal'Arn nicht mehr finden.

Irritiert verfolgte der Ritter den Kampf zwischen Goshkan und Arib'Dar. Doch er bemerkte noch mehr, der Rittermeister wurde von Hieb zu Hieb schwächer. Gal'Arn zog sein Schwert und wollte Dar helfen, während Jaktar ihm Feuerschutz gab. Doch weit kam Arn nicht, denn da stellte sich bereits Cau Thon ihm entgegen.

»So, du Möchtegern-Ritter der Tiefe, jetzt wollen wir einmal sehen, wie gut deine Künste im Vergleich zu einem Kämpfer des Chaos wirklich sind«, sprach Thon herausfordernd und setzte bereits zum ersten Schlag an, den Gal'Arn konterte und Cau Thon in Verlegenheit brachte.

Doch die dunkle Inkarnation zeigte erst jetzt ihre Fähigkeiten, indem sie über Gal'Arn sprang und während des Saltos einen Schlag ansetzte, der den Ritter am Arm verletzte. Beim nächsten Hieb duckte sich Gal'Arn und schlug gegen das Bein Thons, der getroffen hinfiel.

»Jaktar, hole Irasuul und die anderen. Flieht zur TERSAL. Wir treffen uns dort. Ich muß Arib'Dar retten!« rief er seinem Orbiter zu.

Er versetzte Cau Thon einen weiteren Tritt, damit er vorerst am Boden blieb, doch Cau Thon rappelte sich schnell wieder auf und zwang Gal'Arn das Duell weiterzuführen.

Währenddessen versuchte Arib'Dar seinem Gegner zu entkommen. Er rannte in den Dom, doch ein brennender Balken, der vor ihm herunterstürzte, blockierte den Weg. Entsetzt drehte sich der Rittermeister um, da stand bereits Goshkan vor ihm und schlug Arib das Schwert aus der Hand. Klirrend fiel es zu Boden.

Goshkan warf jedoch auch sein Schwert hin. Arib'Dar versuchte wegzulaufen, doch der Riese packte ihn und warf ihn gegen die Wand. Dann schlug er mit seinen Fäusten auf den wehrlosen Elaren ein. Jeglicher Versuch Arib'Dars sich zu verteidigen, war sinnlos. Blutend sackte er zu Boden.

»Du arrogantes Stück Dreck. Ich wäre der beste Ritter der Tiefe geworden. Jetzt zahlst du den Preis für deine Arroganz, Arib'Dar!« fletschte der Katrone und bohrte seine Stoßzähne in den Brustkorb des Rittermeisters.

Gal'Arn beobachtete die Szene.

»Nein!!!« schrie er laut und versuchte zu Arib'Dar zu eilen, der im Sterben lag.

Ein Fehler, denn Cau Thon setzte bereits zum tödlichen Schlag an, da schoß der Gleiter an ihm vorbei. Irasuul packte seinen Meister und zog ihn in das Fluggerät. Gal'Arn wehrte sich mit Händen und Füßen gegen diesen Rettungsversuch. Als er erkannte, daß Arib'Dar tot war, ließ er sich wehrlos in den Gleiter ziehen. Goshkan stand vor Freude brüllend vor der Leiche und riß ihr den Schädel samt Rückrad heraus.

Noch nie hatte Gal'Arn für irgendein Wesen soviel Abscheu empfunden, wie für seinen ehemaligen Schüler Goshkan. Er schwor, diesen Katronen selbst zu richten!

Dann konzentrierte er sich wieder zwangsläufig auf das Geschehen in und um den Gleiter. Jaktar, Nirisar, Irasuul und Thobenar waren an Bord.

Der Rest fiel dem Massaker zum Opfer.

»Schnell zur TERSAL. Wir müssen fliehen. Wir müssen nach Dorgon«, erklärte Gal'Arn.

»Nach Dorgon? Wir müssen Shagor vor den Invasoren verteidigen!« rief Irasuul dazwischen.

»Nein, die sind nicht an Shagor interessiert, sondern an uns. Dieser Rote in der schwarzen Kutte sagte, er sei ein Kämpfer des Chaos. Sipustov hatte recht. Wir müssen nach Dorgon!«

Der Dom stand in Flammen, die letzten Ritter wurden geschlagen. Cau Thon sah dem davonfliegenden Gleiter hinterher, dann blickte er zu Goshkan, der immer noch wie in Trance vor der verstümmelten Leiche seines ehemaligen Rittermeisters stand.

Während Cau Thon sich auf den Weg zum Katronen machte, durchsuchten die düsteren Soldaten alle Häuser, Ställe und Keller, um auch wirklich sicher zu sein, daß niemand überlebt hatte.

Goshkan betrachtete fasziniert den Kopf Arib'Dars.

»Herr, siehst du? In seinen Augen steht das Entsetzen, es ist eingefroren und für immer festgehalten«, erklärte er voller Begeisterung.

Anschließend nahm er ein kleines Seil und band sich den Totenschädel an seinen Gürtel. Thon blickte den Shagoner verständnislos an.

»Wer waren die Ritter in dem Gleiter?« wollte er wissen, ohne auf Goshkans Perversitäten einzugehen.

»Das war Gal'Arn und seine Brut. Die fähigsten und gefährlichsten Ritter der Tiefe.«

Cau Thon verstand schnell. Sofort rief er einen Offizier zu sich und befahl ihm, die Verfolgung aufzunehmen. Angestrengt versuchte Goshkan ein Gesicht unter dem dunklen Visier des Soldaten zu erkennen, jedoch vergeblich.

Kampfgleiter fuhren aus der KARAN heraus und wurden innerhalb von wenigen Sekunden bemannt, dann stiegen sie gen Himmel und begannen die Jagd auf die Shagoner.

Das Elefantenwesen hatte sich allmählich von seinem Blutrausch erholt. Goshkan säuberte sein Schwert und blickte sich um. Die Kuppel des neuen Dom Kesdschan brach zusammen. Man konnte einige Schreie hören. Anscheinend hatten sich doch noch einige Diener oder gar Ritter in dem Gebäude aufgehalten.

»Goshkan, du hast gute Arbeit geleistet. Doch der Kampf ist nicht vorbei. Ich kann einen Schüler wie dich gebrauchen. Schließe dich mir an«, schlug Cau Thon vor. Seine Augen funkelten satanisch, als er dem Katronen das Angebot unterbreitete.

Ohne lange zu zögern nahm Goshkan an. Er war voller Begeisterung. Das Töten hatte ihm gefallen, er war an keine lästigen Regeln gebunden und konnte handeln, wie er wollte. Jedem Wesen konnte er zeigen, daß er Macht besaß. Jedem außer Cau Thon. Dennoch brannte Goshkan noch eine Frage auf den Lippen.

»Herr, woher kommst du und warum hast du die Ritter vernichtet?«

»Ich komme von sehr weit her. Eines Tages wirst du meine Heimat kennenlernen. Die Ritter der Tiefe koalieren mit unseren ärgsten Feinden, dafür mußten sie vernichtet werden. Goshkan, du wirst bald Zeuge einer neuen Epoche werden. Niemand kann das Schicksal mehr aufhalten. Die Kosmokraten erleiden ihre größte Niederlage. Das Armageddon ist unaufhaltsam!«

Ohne weitere Fragen zu stellen folgte Goshkan seinem neuen Meister zur KARAN. Das H-förmige Schiff hatte in der Mitte eine etwa 100 Meter durchmessende Kugel, welche wohl das eigentliche Schiff darstellte. Die Spannweite betrug etwa 300 Meter, die Länge knapp 800 Meter.

Aus der offenen Luke schimmerte ein rotes Licht. Cau Thon ging darauf zu. Goshkan zögerte eine Weile. Für einen kurzen Moment überkam ihm ein Gefühl wie Angst. Cau Thon schien das zu bemerken.

»Du fürchtest dich?« stellte er leise fest.

Goshkan sagte nichts, statt dessen sah er verlegen auf den Boden.

»Du hast es nicht nötig, dich zu fürchten, denn von nun an ist die Angst dein Verbündeter!«

Schneller!« riefen Thobenar und Nirisar zusammen.

Jaktar hatte jedoch den Gleiter bereits auf Höchstgeschwindigkeit gejagt. Die feindlichen Fluggeräte kamen immer näher.

»Flieg durch den Wald«, riet Gal'Arn.

»Da kann man sehr schlecht manövrieren«, warnte der Ghanakke.

»Eben!«

Jaktar verstand und verwünschte diesen Tag. Mit einem lauten Heulen tauchte er unter die Baumkronen ab.

»Oh nein, oh nein, viel zu viele Bäume!« krächzte Thobenar ängstlich und klammerte sich an Nirisar. Zwei Gleiter Cau Thons folgten den Shagonern. Aus vollen Rohren feuerten sie und trafen den Gleiter an der Seite, was die Insassen mit einem lauten Schrei kommentierten.

»Nach links!« schrie Nirisar.

»Nein, nach rechts!« wandte Irasuul ebenso laut ein.

Jaktar drehte sich erbost um.

»Haltet die Klappe, ihr seid nur Beifahrer«, wieherte er zurück.

Der Gleiter machte eine scharfe Drehung nach links und schoß dann in einen Seitenarm des Waldes rechts herein. Der andere Gleiter schaffte noch die Linksdrehung, donnerte dann aber gegen einen dicken Baum.

Jaktar nutzt dies und schoß wieder nach oben. Der Gleiter war schnell wieder über den Baumkronen, drehte sich und feuerte auf den zweiten feindlichen Gleiter, der kurz danach aus dem Wald hochstieg, um getroffen abzustürzen.

Mit Höchsttempo erreichten die fünf Insassen die TERSAL, wo sie bereits Vergana erwartete. Der goldene Roboter watschelte auf Gal'Arn und Jaktar zu.

»Gut, daß ihr wieder hier seid. Ich habe die Schutzschilde und Waffensysteme, den Antrieb sowie die Ortung verbessert und noch einige kleine Extras eingebaut. Leider war die Zeit sehr knapp bemessen, so daß ich nur wenige Neuerungen vornehmen konnte. Das tut mir natürlich leid, aber ein Roboter ist eben auch nur ein Mensch, obwohl dieser Ausspruch schon ein Widerspruch in sich ist, womit ich sagen will, daß...«

»Danke, sei jetzt ruhig und steig ein, wir werden verfolgt«, unterbrach Gal'Arn den Redefluß des ehemaligen Orbiters von Jedar Balar.

»Nein, ich bleibe hier. Fliegt los und rettet das Universum. Wenn ich euch einen Rat geben darf, fliegt durch das Schwarze Loch, so könnt ihr eure Spur verwischen und kommt schneller ans Ziel. Ich habe zusätzliche Stabilisatoren und Navigationssysteme für solch einen Flug eingebaut. Viel Glück!«

Gal'Arn wechselte kurz einen Blickkontakt mit Jaktar, dann rannten alle fünf in die TERSAL. Der Ghanakke schwang sich sofort an den Steuersessel, Gal'Arn setzte sich rechts neben ihn.

»Wow«, entfuhr es dem Orbiter als er die ganzen Neuigkeiten entdeckte.

»Keine Zeit, um das alles erst auszuprobieren. Wir müssen los«, warf Gal'Arn ein und startete bereits die Maschinen.

Mit einem lauten Heulen hob die TERSAL von der Oberfläche ab. Kaum hatte sie genügend Höhe erreicht, starteten die Planetentriebwerke und katapultierten das Schiff in den Himmel.

Sieben Gleiter und vier Flugpanzer schossen kurz danach zur Ebene, wo sie Vergana empfing.

»Guten Tag, ihr düsteren Gesellen. Was kann ich für euch tun?«

Ein Flugpanzer richtete sein Geschütz auf die hochsteigende TERSAL. Die Soldaten ignorierten einfach den Goldenen.

»Tja, dann lebt wohl!« sprach er und aktivierte einen Impuls.

Die FRIEDEN UND FREIHEIT explodierte und die gewaltige Feuerwelle vernichtete nicht nur Vergana selbst, sondern löschte auch die Flugpanzer und Gleiter der Angreifer aus.

Die TERSAL hingegen konnte ungehindert Elaran verlassen und ging sofort danach auf Lichtgeschwindigkeit.

Die TERSAL hatte innerhalb von zwei Stunden das Zentrum der Galaxis Shagor erreicht. Das Schwarze Loch rotierte um sich selbst.

»Da sollen wir hinein?«

Jaktar war sichtlich beunruhigt. Er aktivierte die neuen Navigationssysteme und sah den Ereignishorizont vor sich.

»Wir sollten uns das noch einmal überlegen«, erklärte der Ghanakke weiter. «Ich kann nicht sicher sagen, daß wir da wieder heil herauskommen...«

Bevor Gal'Arn etwas sagen konnte, wurde die TERSAL beschossen. Die Ortung zeigte das H-förmige Schiff an.

»Wir haben keine andere Wahl, mein Freund«, sprach Gal'Arn.

Jaktar verstand und aktivierte die Triebwerke. Mit vollem Schub schoß das Schiff des Ritters der Tiefe in das Schwarze Loch. Die KARAN stoppte kurz ihren Flug. Nur wenige Minuten, nachdem die TERSAL verschwunden war, setzte auch das Schiff Cau Thons zum Flug durch das Schwarze Loch an.

ENDE

Die Geschehnisse um Dorgon scheinen von größerer Wichtigkeit zu sein, als bisher angenommen. Nicht umsonst hat ein Kosmokrat einen nicht anerkannten Ritter Orden um Hilfe gebeten.

Wie es in diesem Handlungsstrang weitergeht, schildert Nils Hirseland in Heft 17 mit dem Titel

Fremde Welten

DORGON Kommentar
gut... ?

Eine interessante Wendung zeichnet sich ab: Es gibt also noch einen Orden der Ritter der Tiefe? Gut, man mag vielleicht mittlerweile auf einem Stand sein, der sich mit artefaktartiger LowTech vergleichen lässt, aber was zählt ist doch wohl weniger das Material als vielmehr die moralischen Werte...

Oder?

Wie der RdT Jedar Balar schon in seinem Bericht andeutete, ist zweiteres selbst unter den höchstentwickelten bekannten Wesenheiten ein sehr variabler Punkt.

Beginnen wir mal mit der Betrachtung der Kosmokraten.

»Die Kosmokraten sind nicht böse, sie sind nur engstirnig und bürokratisch. Sie sind auf jeden Fall nicht das personifizierte Gute.«

Hier stellt sich zuerst die Frage: Was ist gut? Selbst vom menschlichen Standpunkt aus ist »gut« ein sehr wenig definierter Begriff. Ja, es mag zwar bei den meisten Menschen eine vage Vorstellung geben, was »gut« sein soll, aber dennoch sind extreme Unterschiede vorhanden; was für den einen gut ist, mag dem anderen sehr missfallen...

Selbst wenn man davon ausgeht, dass »gut« in jedem Fall bedeuten muss, dass etwas für einen beliebigen anderen nicht »schlecht« ist (eine ohnehin nahezu unerfüllbare Bedingung), dann tauchen auch hier wieder Differenzen auf. Wie zum Beispiel definiert man, WELCHE anderen hierbei betroffen sind. Ist etwas dann gut, wenn es für einen Angehörigen einer bestimmten Rasse oder Bevölkerungsgruppe nicht schlecht ist? Was ist dann mit dem restlichen Volk? Wenn es nur für einen anderen Menschen nicht schlecht ist? Was ist dann mit Außerirdischen? Wenn es nur für ein anderes Intelligenzwesen nicht schlecht ist? Was ist dann mit Tieren... ?

So lässt sich diese Reihe sicherlich endlos fortsetzen. Irgendeiner, der sich beschwert, wird sich immer finden; man kann es nicht allen gleichzeitig rechtmachen – und wenn doch, dann nicht auch noch sich selbst!

Wenn man nun bedenkt, dass all dies hier Angeführte, nur ein kleiner Abglanz der riesigen Diskussion, die man tatsächlich darüber führen könnte (es würde sicher Jahre dauern, ohne dass man jemals zu einem Ergebnis käme!), doch nur Argumente einer menschlichen Moralvorstellung sind, und welche unermesslichen Differenzen es gäbe, würde man über- und untergeordnete Entitäten noch mit einbeziehen, kann man sich ja vorstellen, wie schwer es wäre, tatsächlich eine für alle Beteiligten gute Definition von »gut« zu erhalten.

In diesem Sinne: gute Unterhaltung....

Martin Schuster

Der DORGON-Zyklus - Der Inselzyklus - ist eine nicht kommerzielle Publikation des PERRY RHODAN ONLINE CLUBs. Heft 16 von Nils Hirseland. Titelbild: Rüdiger W. Wick. Technischer Berater: Sebastian Schäfer. Versand: PROC. Lektorat, Nachbearbeitung: Klaus Wiehoff. DORGON-Kommentar: Martin Schuster. Umsetzung in Endformate: Alexander Nofftz. Satz: Xtory (SAXON, LaTeX). Internet: http://www.dorgon.de. eMail: dorgon@proc.org. Adresse: PROC c/o Nils Hirseland, Redder 15, 23730 Sierksdorf. Copyright © 2001. Alle Rechte vorbehalten!