Dorgon 158: Mysterium Ednil

Was bisher geschah

Im August 1307 NGZ herrscht überall Krieg. Das Quarterium zieht eine blutige Spur der Gewalt durch den Kosmos. Kriege in M 87, den estartischen Galaxien, Cartwheel und in der Lokalen Gruppe haben das Leben aller dort existierenden Wesen verändert.

Das Quarterium greift nach Andromeda, doch Perry Rhodan, Aurec und deren Verbündete trotzen der Armada des Regimes.

Doch in den estartischen Galaxien ist ein Ereignis eingetreten, welches weitaus größere Bedeutung haben kann: Die Ankunft des ominösen Riffs steht bevor, während Quarteriale, Dorgonen, Estarten und Saggittonen sich bekriegen. Fernab davon wird um die Vorherrschaft der bekannten Galaxien gekämpft. So auch in M87.

Gal’Arn, Jonathan Andrews, Elyn und Jaktar reisen mit der TERSAL nach M 87 und werden Zeuge des Angriffs der Entropen. Doch diese Ereignisse werden vom MYSTERIUM EDNIL in den Schatten gestellt …

Hauptpersonen

Cauthon Despair:
Der silberne Ritter trifft auf drei Mysterien.
Gal’Arn, Jonathan Andrews und Elyn:
Sie stellen den Kontakt zu den Entropen her.
Anya Guuze:
Sie kehrt wider Willen zum Quarterium zurück.
Constance Zaryah Beccash:
Eine Hexe der anderen Art.
Lydkor:
Der Sekundärentrope hat hoch gesteckte Ziele.
Michael Shorne, Diethar Mykke und Reynar Trybwater:
Sie sollen M 87 im Sinne des Quarteriums neu gestalten.

Prolog
Unterweisung

Jede noch so grausame Existenz hat einen guten Kern.

Constance dachte über die Aussage ihrer Mentorin Aynah lange nach. Diese These widersprach der entropischen Lehre gänzlich. Das Quarterium und alle Diener MODRORs waren von Grund auf böse. So hatte man es ihr, seitdem sie ein kleines Kind war, beigebracht. Doch die mysteriöse Hexenmeisterin Aynah war anderer Meinung gewesen. In den Jahren der Vorbereitung auf den Kriegseinsatz gegen MODROR und das Quarterium hatte sich Aynah als alte und weise Meisterin gezeigt, doch ihre Ansichten waren blasphemisch. Hätte der Hexenrat davon erfahren, wäre sie bestimmt exekutiert worden.

Constance musterte die Holografie des Mannes, der überall für Schrecken sorgte. Er gehörte zu MODRORs fähigsten Dienern. Cauthon Despair, der silberne Ritter! Doch Aynah hatte ihr immer wieder erklärt, dass Cauthon in seinem Herzen ein guter Mensch war. Constance hatte den geheimen Auftrag, Cauthon Despair kennen zu lernen und ihn zu bekehren. Despair sollte sich Rhodan anschließen und gegen seinen Meister wenden. Viele Ratschläge hatte Aynah ihr nicht gegeben, außer dass sie mit ihrem Herzen arbeiten sollte. Constance hatte nicht die leiseste Idee, wie sie das bewerkstelligen sollte. Sie war eine Hexe und keine Psychologin. Sie besaß zwar emotionale Fähigkeiten wie die Empathie und Telepathie, doch dienten diese zum Kontakt mit den anderen Hexen und der Koordination der Operationen.

Und dem Aufspüren von Feinden.

Ihre starke Empathie war wie ein Fluch für sie. Sie spürte positive und negative Emotionen über Lichtjahre hinweg. Oftmals in den schlimmsten Facetten. Und in diesen finsteren Tagen fühlte sie mehr Leid als Glück. Sie seufzte und drehte sich auf ihrer Couch herum. Als sie das leise Summen der Tür hörte, deaktivierte sie die Holografie. Ihr Lebensgefährte Lydkor betrat den Raum. Der Sekundärentrope sah in seiner Uniform wie immer sehr adrett aus. Sie begrüßte ihn mit einem Lächeln. Er setzte sich zu ihr und strich durch ihr schulterlanges, braunes Haar.

Schon bald erreichen wir Druithora, sagte er. Dann wird es ernst für uns.

Constance nahm die Operation gelassen. Ihr Volk hatte sich seit Jahrtausenden auf diese Aufgabe vorbereitet. Über Generationen hinweg war der Meisterplan von SI KITU persönlich entwickelt und optimiert worden. Was sollte da schon schiefgehen?

Keine Angst, bis jetzt läuft doch alles ganz gut. Meine Schwestern haben erfolgreiche Operationen in Siom Som und Andromeda durchgeführt. Zwar sträubt sich dieser Rhodan wohl noch, aber eine Allianz ist unausweichlich.

Du hast recht. Wir werden MODROR und die Quarterialen mit Stumpf und Stil ausrotten.

Doch genau das hatte Constance nicht gemeint. Man durfte eine ganze Nation nicht einfach so vernichten. Das entsprach der Politik von MODROR, aber doch nicht der von SI KITU. Doch manchmal war die Grenze beider Ansichten verschwommen. Der Fanatismus in Entropia war groß. Und das machte ihr Angst.

Lydkor grinste. Sein Blick schweifte an die Decke. Mit leuchtenden Augen sprach er: Ich hatte gestern einen Traum. Ich war es, der den gefürchteten silbernen Ritter tötete. Ich schlug seinen Kopf ab und hielt ihn unter dem Jubel meiner Truppen in die Höhe!

Nein!

Constance war lauter, als sie es beabsichtigt hatte. Lydkor sah sie verständnislos an.

Sie setzte sich hin und nahm seine Hand. Bitte versprich mir, dass du niemals gegen Despair kämpfen wirst. Niemand konnte ihn besiegen. Er wird dich töten. Es muss einen anderen Weg geben.

Lydkor schüttelte den Kopf. Du kleines, naives Hexchen. Irgendwann fällt jeder einmal. Auch ein Despair. Keine Sorge, ich werde mit ihm fertig.

Constance glaubte nicht daran. Sie hatte große Angst um Lydkor. Außerdem missfiel ihr seine herablassende Art ihr gegenüber. Bezeichne mich nicht als kleines naives Hexchen! Du weißt, das kann dich den Kopf kosten. Du wärst nicht der erste Mann, der wegen Chauvinismus verbrannt wird.

Es war schon manchmal seltsam, die Männer als gleichberechtigt zu akzeptieren, fand Constance. Sie waren stets impulsiv, arrogant und süchtig nach der körperlichen Liebe. Es war kein Wunder, dass man ihnen nur selten wahrhaft wichtige Positionen zutraute. Zumeist war es jedoch nur den Primärentropen bestimmt, bedeutende Posten zu bekleiden. Sekundärentropen hingegen hatten allenfalls militärische Kompetenzen, nie jedoch politische und gesellschaftliche Entscheidungen zu fällen. Ihre Beziehung zu Lydkor wurde daher oft belächelt oder gar kritisiert, doch nur ein Sekundärentrope passte biologisch zu einer Hexe. Und sie liebte ihn.

Es tut mir Leid. Du hast ja recht, mein Hasi, gab Lydkor nach und küsste Constances Hand demütig.

Trotzdem hatte Constance Angst um ihn. Außerdem schwirrte noch ihr geheimer Auftrag in ihrem Kopf herum. Sie sollte Despair bekehren und nicht zulassen, dass er starb. Also, selbst wenn ihr Geliebter erfolgreich war, dann war ihr Plan gescheitert. Sie hatte im Laufe der Jahre tiefes Vertrauen zu ihrer Lehrerin Aynah gewonnen. Wenn sie sagte, dass Despair eine wichtige Rolle spielte, dann war es so.

Lydkor drückte ihr einen dicken Kuss auf die Lippen. Für einen Moment vergaß sie die Sorgen und genoss das wundervolle Gefühl.

Als sich ihre Lippen trennten, blickte er sie lächelnd an. Du wirst sehen, dass ich einmal der größte Sekundärentrope aller Zeiten werde. Und dann können wir von mir aus auch heiraten und du kannst deine ganze Schar Kinder kriegen.

Das war Constances Traum. Viele Kinder und ein glückliches Leben. Als normale Entropin und nicht als Hexe. Aber das Ziel war in weite Ferne gerückt. Ihre Generation war die der Auserwählten. Sie zogen in den großen Krieg, um das Universum zu retten.

Constance schloss die Augen und fühlte in den Weltraum. Sie spürte das Leben in Druithora pulsieren. Doch die Emotionen war voller Trauer und Leid. Constances Kopf und Herz schmerzten. Sie baute einen mentalen Block auf, um nicht noch mehr Schmerzen zu ertragen.

Lydkor hatte sich inzwischen erhoben und starrte aus dem Fenster in den Weltraum. Er war voller Tatendrang, um gegen das Quarterium in den Kampf zu ziehen. Seine anfängliche Sorge hatte sich sicherlich auf Constance bezogen. Doch auch sie musste nun bald in den Krieg ziehen. Es waren nur noch wenige Stunden.

Kapitel 1
Protektorat M 87

Der Krieg in M 87 war zu großen Teilen entschieden und beendet. Die Völker Druithoras hatten sich ergeben. Es gab nur noch wenig Widerstand. Neben dem Zentrumsraum, der nach wie vor von den Festungen der Druisant beherrscht wurde,war natürlich der Internraum mit den Konstrukteuren des Zentrums das letzte Bollwerk der alten Herrscher. Es gelang den quarterialen Streitkräften bisher nicht, den Zentrumsbereich zu befrieden.

Eines Tages würden wir es schaffen, da war ich mir sicher. Die Konstrukteure des Zentrums hatten ihre Macht verloren. Sich im Internraum zu verschanzen, brachte ihnen zwar Zeit, änderte jedoch nichts an unserem Sieg in M 87. Nun galt es, diese Galaxie für das Quarterium auszubeuten. Zu diesem Zweck war ich mit den biederen Michael Shorne, Diethar Mykke und Reynar Trybwater nach M 87 gereist. Finanzministerium, Arbeitsministerium und die C.I.P hatten die Aufgabe, M 87 in eine wirtschaftliche – und militärische Hochburg des Quarteriums zu verwandeln.

Mein Augenmerk konzentrierte sich natürlich auf die militärischen Ressourcen. So schnell es ging mussten Raumwerften und sonstige Rüstungsbetriebe gebaut werden. Wir brauchten unbedingt mehr Nachschub. Der Krieg an drei Fronten kostete zu viel Material.

Ich las mir erneut den Bericht der C.I.P durch. Dort wurde der Angriff einer fremden Macht in den estartischen Galaxien vermeldet. So fremd waren diese Rasse mir jedoch nicht mehr. Die Entropen mischten sich inzwischen überall ein. Spione berichteten auch von entropischen Sichtungen in Andromeda. Wer waren diese blauhäutigen Kreaturen?

Ich hatte im Dezember vergangenen Jahres einen Stoßtrupp von ihnen kennen gelernt. Drei verschiedene Rassen waren mir begegnet. Eine Kriegerrasse, mächtig wie eine Bestie, dann eine entfernt humanoide Rasse und zum Schluss offenbar die Führungskaste, die so genannten Denker.

Sie hassten das Quarterium und wollten es vernichten. Doch wieso? Letztlich waren die Entropen auch für die Entführung der FLASH OF GLORY verantwortlich gewesen. Offenbar waren sie Alliierte von Rhodan oder suchten zumindest ein Bündnis.

Ich sah in den Weltraum. Unweit vor uns lag Pompeo-Poser, das Hauptquartier des Quarteriums in M 87. Als ob dort draußen irgendetwas auf mich wartete, musterte ich die Sterne und den leeren Raum. Es kam mir so vor, als würde mich jemand Unbekanntes suchen.

Quarteriums-Marschall?

Ich drehte mich um und wartete auf die Meldung meines getreuen Oberst Tantum.

Wir erreichen Pompeo-Poser in Kürze. Torsor erwartet Sie bereits.

Danke, Oberst. Informieren Sie unsere illustren Gäste. Sie sollen sich bereithalten.

Als ich mich für das Dinner vorbereitete, kam Nickie Yanes in mein Quartier. Wie so oft stürmte sie einfach herein, ohne sich vorher anzumelden.

Hey, Cauthon! Ich meine, Marschall. Sie räusperte sich und salutierte vor mir. Wir gehen heute auf eine Party?

Ich musterte Nickie, die ich erst seit wenigen Monaten kannte. Sie war im Grunde genommen meine Sekretärin oder Assistentin. Die Beziehung zu ihr war jedoch ungewöhnlich. Nickie bewunderte und verehrte mich. Sie war sehr zutraulich und tat vieles für mich. Sie kochte sogar. Es tat gut, dass eine schöne Frau mir zugetan war. Deshalb akzeptierte ich ihre Vertraulichkeit mir gegenüber. Aber offenbar bildete sie sich zu viel darauf ein.

Es tut mir Leid, aber die Einladung gilt mir. Nicht meiner Adjutantin.

Sie sah mich entgeistert an. Ihr Lächeln verschwand und sie blickte traurig auf den Boden. Ich verstehe. Natürlich steht es mir nicht zu. Viel Spaß bei der Feier. Ich melde mich derweil bei einem Himmelfahrtskommando. Hoffentlich sterbe ich dabei …

Ich seufzte und war erstaunt, wie schnell diese Frau eingeschnappt war. Sie blickte mich mit ihren braunen Augen an. Die Augen waren wässrig. Auch das noch! Hoffentlich fing sie jetzt nicht an zu weinen. Und was war, wenn sie wirklich eine Dummheit beging? Sie war zwar schön, aber nicht allzu intelligent. Vielleicht sollte ich sie mitnehmen. Immerhin war sie mir treu ergeben. Das war noch nie eine Frau zu mir gewesen.

Also gut. Zieh dir eine hübsche Kombination an. Du darfst mitkommen. Aber ich warne dich. Mykke, Shorne und Trybwater sind nicht die beste Gesellschaft für eine junge Dame.

Nickie jubelte schrill und fiel mir um den Hals. Schnell ließ sie davon ab und entschuldigte sich für ihren Ausbruch. Dann stürmte sie aus meiner Kabine, um sich wohl umzuziehen. Nickie Yanes war temperamentvoll wie ein Wirbelwind, aber auch ebenso unberechenbar.

Nickie hatte sich sehr fein zurechtgemacht. Ihre brünetten Haare waren zu einer wilden Mähne geföhnt. Um ihren Hals hatte sie ein schwarzes Bändchen gelegt. Die obere türkisfarbene Kombination lag eng an. Schultern und Arme waren frei. Ein kurzer weißer Rock ging bis zu den Unterschenkeln. Sie trug weiße, kniehohe Stiefel. Ich fand es etwas zu sehr aufgestylt, aber nun gut. Auf jeden Fall hatte die Kleine eine gute Figur und ihr Lächeln war schön. Das Anhimmeln gefiel mir irgendwie, auch wenn ich mir nicht sicher war, ob sie es wirklich ernst meinte. Immerhin war Nickie die einzige Person, die mir wohl aufrichtige Aufmerksamkeit schenkte.

Nachdem Brettany klarstellte, dass sie mich niemals aufgrund meiner Verbrechen lieben könnte, war ich erneut allein. Aber eigentlich war ich das stets gewesen. Faktisch hatte es nur eine Andeutung einer Liebe zwischen Brett und mir gegeben. Sie war einfach zu rein, zu nett und zu naiv, um mich zu lieben. Sie brauchte einen Märchenprinzen. Wahrscheinlich einen, der auf Seiten der LFTkämpfte.

Sehe ich hübsch aus?, fragte Nickie.

Ja, war meine knappe Antwort.

Wirklich? Sie drehte sich hin- und her und beäugte sich im Spiegel. Ist das zu einfach für ein Abendessen mit Ministern? Ich sollte mir lieber was anderes anziehen. Warte …

Sie stürmte wieder aus meinem Quartier in das ihrige. Und ich wartete und wartete. Nach einer Ewigkeit, in der ich einen ganzen Planeten hätte erobern können, war sie wieder da. Sie hatte die Stiefel in offene Stöckelschuhe eingetauscht und trug nun ein schwarzes, knielanges Kleid. Hoffentlich blieb es auch dabei.

Eigentlich sind Uniformen mehr geeignet, aber nun gut. Wir sind spät dran, komm jetzt. Ich stoppte vor der Tür und hob drohend den Finger. Vergiss nicht, du bist meine Adjutantin. Benimm dich auch so!

Nach dem üppigen Abendessen, bei dem insbesondere Diethar Mykke reichlich zugeschlagen hatte, diskutierten wir über die Lage an den Fronten. Torsor gab sich optimistisch, wollte dennoch die endgültige Vernichtung der Okefenokees erreichen.

Despair, wenn Sie einen Weg finden, wie wir den Internraum knacken, errichte ich Ihnen ein Denkmal auf Yanok.

Unsere Wissenschaftler müssen sich darum kümmern. Ich bin hier, damit wir den Nachschub erhöhen. Die Entropen könnten eine ernsthafte Gefahr für uns werden.

Diethar Mykke lachte abfällig. Lieber Despair, wie können Aliens eine Gefahr für Menschen darstellen? Sie sind dumm und uns weit unterlegen.

Wir wissen aber nichts über die Entropen. Ihre Technologie könnte uns überlegen sein. Doch selbst wenn nicht, dann wären sie eine zahlenmäßige Verstärkung für Rhodan und Aurec!

Mykke stopfte noch eine Gabel voll Sauerkraut in seinen fetten Rachen und winkte ab.

Torsor schien meine Bedenken jedoch ernst zu nehmen.

Ich werde den Bau von Raumwerften für Supremo-Raumschiffe forcieren. Wir haben genügend Arbeitskräfte. Wenn wir erst einmal den Willen der Skoars und Dumfries gebrochen haben, werden sie uns dienlich sein. Er blickte nun auf Reynar Trybwater. Was jedoch Okefenokees, ihre Diener und die Druis angeht, so hoffe ich, dass schnellstens Entsorgungslager eingerichtet werden oder Transporte nach Objursha gehen.

Trybwater lächelte. Selbstverständlich, großer Torsor! Deshalb bin ich hier. Ich möchte ein Entsorgungslager auf Monol errichten.

Damit wir uns verstehen. Ich bin erst zufrieden, wenn der letzte Okefenokee in dieser Galaxie zu atmen aufgehört hat.

Mir gefiel Torsors Einstellung nicht, aber M 87 war sein Spielplatz. Das Leben der Okefenokees, Konstrukteure des Zentrums und der anderen Völker war es nicht wert, um mit einem Bündnispartner darüber zu streiten. Ich hielt mich einfach aus der Sache heraus. Dafür waren skrupellose Menschen wie Trybwater zuständig.

Was wird Ihre Aufgabe sein, Shorne?

Der gelackte Finanzminister nippte an seinem Weinglas und betrachtete die halb nackten Tänzerinnen, bevor er antwortete.

Wachstum, was sonst? Ich will aus M 87 eine Goldgrube machen. Die Bevölkerung muss ins Quarterium integriert werden, damit sie viel Geld bringen. Die Städte müssen aufgebaut werden, die Rüstung wird viele Arbeitsplätze bringen. Das wiederum macht die Bevölkerung reicher. Das Geld sollen sie natürlich in quarteriale Produkte anlegen. Ich erwarte ein Wachstum von 4000 Prozent für 1308 NGZ.

Sklaven erhalten keinen Lohn, gab Torsor zurück.

Shorne lachte. Nicht jeder wird versklavt werden. Gebt den Leuten eine illusionäre Freiheit und sie sind zufrieden. Im Endeffekt beuten wir sie genauso wie Sklaven aus, aber sie merken es nicht. So funktioniert freie Marktwirtschaft, mein Freund.

Vor uns baute sich die Holografie eines mächtigen Pelewon auf. Er verneigte sich vor Torsor. Herr, wir erhalten Meldung, dass das Geeg-System von fremden Raumschiffen angegriffen wird.

Torsor stand grollend auf. Was hat das zu bedeuten? Habt ihr Aufnahmen dieser Raumschiffe?

Eine zweite Holografie erschien. Schwarze, eiförmige Raumer griffen die abgelegene Welt an.

Entropen, stellte ich fest. Das war zu erwarten. Torsor, stellen Sie eine Raumflotte zusammen. Wir müssen die Entropen aus M 87 verjagen!

Kapitel 2
Point Odysseus

Die lange Reise der TERSAL hatte ein Ende gefunden. Sie hatte die letzte Bastion der LFT in M 87 erreicht; das Schiff des Ritters war in einen niedrigen Orbit um den unwirtlichen Eisplaneten gegangen, der in seinen Tiefen Point Odysseus barg!

Nach einem monatelangen Flug nach M 87 und einer Nerven zerreibenden Schleichfahrt durch die quarterialen Patrouillen hatten sie endlich die Position des Geheimstützpunktes erreicht. Jonathan Andrews lehnte sich entspannt zurück und zog an seiner Zigarette. In der linken Hand hielt er eine Flasche Bier. Seine volle Konzentration galt dem Computerspiel Sims Kolonisation. Er hatte sich ein nettes Fleckchen auf einem unbekannten Planeten ausgesucht und baute in der Siedlung sein neues Haus.

Wenn du nur immer so konzentriert wärest, bemerkte sein Mentor Gal’Arn zynisch und nahm Funkkontakt mit der Station auf.

Der ehemalige quarteriale Admiral Wang begrüßte den Ritter der Tiefe. Es ist schön, vertraute Gesichter zu sehen und Nachrichten aus der Heimat zu bekommen. Wir haben leider schlechte Nachrichten. Konstantinus ist tot. Er ist bei einer Aufklärungsmission gestorben. Ich habe nun das Kommando über die knapp tausend Männer und Frauen übernommen. Wir haben inzwischen rund 5000 SAPHYR-Jäger fertigen können, die jedoch größtenteils nur durch die Posbi-Syntronik gesteuert werden können, da uns die Männer fehlen.

Wang wirkt nüchtern wie eh und je, fand Andrews. Vielleicht auch etwas spießig.

Er speicherte sein Spiel ab und setzte zum Landeanflug an. Jaktar trottete mit einer Kanne Kaffee in die Zentrale.

Ah, gut. Jonathan, du solltest die Getränke tauschen.

Ja, Meister, knurrte Andrews und goss sich seine Tasse voll mit dem schwarzen Getränk. Nun kam auch Elyn dazu. Sie hatte sich zurechtgemacht, wobei sie das eigentlich gar nicht nötig hatte, fand Andrews. Sie war eine natürliche Schönheit.

Jonathan dachte wieder an Nataly, die ebenso schön war und die er liebte. Wie es seiner Frau wohl ging? Wo sie war? Immerhin war sie mit Kathy und Perrys exentrischen Sohn Roi Danton zusammen. Hoffentlich machte der sich nicht an Nataly ran. Wie sollte Jonathan mit einem Unsterblichen konkurrieren?

Aber vielleicht dachte Nataly gerade dasselbe in Bezug auf Elyn. Die Alyskerin war eine Schönheit im Kosmos, keine Frage, aber er liebte Nataly und blieb ihr treu. Und er ermahnte sich, dasselbe Vertrauen auch in seine Ehefrau zu haben.

Die TERSAL landete sanft in einem Tiefhangar von Point Odysseus. Einige Soldaten standen Spalier und Admiral Wang begrüßte die Besucher persönlich.

Es ist mir eine Ehre, meine Herren. Bitte kommen Sie mit!

Wang führte sie in einen Besprechungsraum. Warmes Essen stand bereit. Es gab Nudeln, sehr zur Freude von Jonathan. Gal’Arn berichtete dem Admiral von den Ereignissen am Sternenportal vor einigen Monaten. Wang erklärte, dass die Lage in M 87 unverändert war. Die Konstrukteure des Zentrums und die Druis hielten weiterhin den Internraum und den unmittelbaren Zentrumsbereich. Der Rest der Galaxie war faktisch unter quarterialer Kontrolle. Das Quarterium begann bereits mit der Kolonisation der Galaxie. Militärstützpunkte, kleinere Siedlungen, Raumwerften und ein Entsorgungslager waren im Bau.

Mit nur 5000 Raumjägern können wir keinen Krieg gegen Supremo-Schlachtschiffe gewinnen, sagte Gal’Arn mit aufrichtigem Bedauern. Und leider wird es keine Verstärkung aus der Milchstraße geben. Perry Rhodan muss sich selbst gegen das Quarterium wehren. Wir sind die einzige Unterstützung.

Dazu waren diese auch nicht vorgesehen. Die SAPHYR-Jäger sind für den Guerillakrieg konzipiert, antwortete der Chinese. Wenn wir keine Verstärkungen bekommen, was sollen wir dann hier ausrichten?

Der PALADIN-Roboter. Der Plan ist sowohl mir als auch Rhodan zuwider, doch die einzige Möglichkeit Instabilität in die Diktatur der Bestien zu bringen, ist die Beseitigung von Torsor, erklärte der Ritter der Tiefe.

Jonathan spürte, wie sehr Gal’Arn dieser Plan missfiel. Die geplante Tötung eines Lebewesens widersprach völlig seinem Kodex. Auch wenn Torsor im wahrsten Sinne des Wortes eine Bestie war, so planten sie einen kaltblütigen Mord.

Die Siganesen sollen also ein Attentat auf Torsor verüben. Das gefällt mir, doch Sie wissen auch, dass es für die Attentäter dann keine Hoffnung mehr geben wird?

Gal’Arn lehnte sich zurück und seufzte. Ja.

Ein weiterer Punkt, der allen nicht gefiel. Sie konnten doch nicht zulassen, dass die Siganesen für sie starben? Jonathan wäre es lieber gewesen, Torsor in einem fairen Kampf zu töten. Aber das war unmöglich. Er wurde bestens bewacht und außer dem PALADIN-Roboter gab es niemand, der an Torsor herankam.

Die Siganesen erstatten uns regelmäßig Bericht, sagte Wang und nuckelte an den Nudeln. Ich werde Ihnen eine Nachricht zukommen lassen, dass Sie Torsor töten sollen. Der Rest liegt dann in ihren Händen.

Gal’Arn nickte nur. Er stocherte im Essen herum. Jonathan bemerkte, dass sein Meister keinen Appetit mehr hatte. Auch Elyn wirkte bedrückt. Jonathan hatte seine Portion schon aufgegessen, aber er traute sich nicht, nach einem Nachschlag zu fragen.

Wie sind denn die neuen Raumjäger?, fragte er stattdessen.

Testen Sie es doch aus, meinte Wang und grinste.

Jonathan gefiel der Raumjäger auf Anhieb. Er glänzte in einer schönen schwarz-metallischen Farbe. Der rochenförmige Jäger war 40 Meter lang und 30 Meter breit. Ein wahrer Gigant, größer als eine Space-Jet. Er besaß Platz für acht Personen, konnte aber auch ohne Besatzung, nur durch den biologisch-syntronischen Rechnerverbund gesteuert, selbstständig operieren.

Die Bewaffnung ließ Jonathans Herz höher schlagen. Eine Transformkanone mit 3000 Gigatonnen Abstrahlleistung, zwei Schnellfeuer-Transformgeschütze mit einer Abstrahlleistung von 10 Gigatonnen bei 100 Schuss in der Minute und zwei schwere MVH-Geschütze. Dazu besaß der SAPHYR-Raumjäger noch zwölf überlichtschnelle Raumtorpedos, die in zwei Sechsergruppen unterhalb der Tragflächen befestigt waren.

Die Defensivbewaffnung beruhte auf einen vierfach gestaffelten Paratron/-Schutzschirm inklusive Paratron-Schüsselfangfeld.

Die Geschwindigkeit war auch nicht zu verachten. 2000 Kilometer in der Sekunde und eine Reichweite von bis zu 50 Millionen Lichtjahre. Nur fragte sich Andrews, ob das mit einem Raumjäger so erstrebenswert war. Der Metagrav-Antrieb war siganesische und swoonsche Mikrobauweise. Dazu besaß der Jäger noch ein Gravopulstriebwerk, ein Impulstriebwerk sowie einen Antigrav.

Als Extras bot der Raumjäger noch einen guten Ortungsschutz, einen biologisch-syntronischen Verbund mit eigener Intelligenz und Bewusstsein sowie ein paar Tiefschlafkammern, falls man doch die maximale Reichweite mal ausnutzen wollte.

Geiles Ding, sagte Jonathan. Darf ich ihn mal fliegen?

Ich bitte darum, sagte Wang.

Ich komme mit, meinte Elyn.

Jonathan warf einen Blick auf Jaktar und Gal’Arn. Sein Meister lehnte ab. Er war müde. In Wirklichkeit machte ihn der Tötungsauftrag zu schaffen, vermutete Jonathan. Jaktar lehnte pikiert ab und meinte, die TERSAL wäre besser.

Dann machen wir zwei eine hübsche Spritztour ins Blaue, stellte Jonathan fest und stieg in den Raumjäger. Elyn nahm neben ihm Platz.

Guten Tag, ich entführe Sie in die unendliche Weite des Kosmos, vernahmen sie eine Stimme. Lernen Sie die Grenzen der menschlichen Psyche kennen und werden sie eins mit dem Kosmos. Erweitern Sie Ihr Bewusstsein mit einem berauschenden Flug durch den Raum.

Wer ist das denn?, fragte Elyn lachend.

Ich bin Poet, der biologisch-syntronische Rechnerverbund an Bord. Ich stehe zu Ihrer Verfügung. Wollen wir uns über Karnells Interpretation aus dem Jahre 1281 NGZ über Freuds Werke unterhalten?

Nein, halt die Klappe und lass uns die Geschwindigkeit genießen, sagte Andrews und startete das Raumschiff.

Der Flug war in der Tat berauschend schön. Der SAPHYR-Jäger war trotz seiner immensen Größe schnell und wendig. Jonathan testete so viel wie möglich aus. Er machte Hyperraumsprünge quer durch die Galaxie.

Nach fünf Stunden wurde er langsam hungrig.

McFly gibt es hier nicht, oder?

Warte mal, ich hab da was, sagte Elyn.

Doch ein McFly?

Quatsch, ich orte enorme Aktivitäten im Geeg-System, etwa 50 Lichtjahre von uns entfernt. Das sind keine Supremo-Raumer, sondern mir unbekannte Raumschiffe.

Poet?

Ich finde keine Datenbankeinträge zu diesen Raumschiffen. Sie sind in der Tat unbekannt. Das ist aufregend. Entdecken wir eine neue Spezies? Werden sie nach uns benannt? Worüber die wohl philosophieren? Was ist deren Sinn des Lebens? Ich bin so neugierig!

Hm, dann gucken wir uns das mal an und testen den Ortungsschutz. Flieg uns zum Rand des Systems!

Jonathan warf Elyn einen Blick zu. Auf irgendwas waren sie da gestoßen.

Kapitel 3
Erste Kontakte

Angriff auf das Geeg-System

Constance dachte an ihre letzte Begegnung mit Aynah, während ihr Raumschiff aus dem Hyperraum fiel und die tapferen Entropen ihren ersten schicksalhaften Kampf führen würden.

Aynah erinnerte sie damals an die Tugenden und Prinzipien im Universum, nach den Dingen, für die es zu leben und zu sterben galt.

Was ist das höchste Gut im Universum?

Liebe und Freiheit, hatte Constance damals geantwortet.

Du hast recht, doch jeden Tag werden diese Rechte unterdrückt.

Dann müssen das Quarterium und MODROR vernichtet werden. Das ist SI KITUs Plan. Mit ihnen wird das Übel aus diesen Breiten des Universums ziehen, waren Constances Worte gewesen.

Aynah lachte milde.

Nein, meine Liebe. Sowohl MODROR als auch das Quarterium treten diese Rechte mit Füßen, aber sie sind nicht die Wurzel allen Übels. Der Kampf wird immer wieder ausgetragen. Wesen leben in Angst, dürfen nicht lieben, nicht frei reden und müssen sich dem Willen anderer unterwerfen, die selbst keine Toleranz zeigen. Es gibt viele Gesellschaften, in denen dies geschieht und auch Entropia ist nicht frei davon. Nein, ich denke sogar, dass Entropia sich in vielen Dingen seinem ärgsten Widersacher ähnelt. Du musst die Liebe in deinem Herzen hinaus tragen und nicht nur unsere Feinde, sondern auch dein eigenes Volk kurieren, denn es ist nicht alles heilig, was SI KITU spricht. Das Individuum muss stets freiheitlich denken und reden dürfen, ein Recht auf Entscheidungen haben. Dies ist in Entropia nicht der Fall. Sind wir so verschieden zum Quarterium? In unseren Grundfesten nicht …

Die Worte ihrer Mentorin hatten sie damals tief berührt. Doch noch heute dachte sie täglich darüber nach. Aynah hatte recht. Sie waren sich viel zu sicher gewesen, vertrauten auf SI KITU und scheuten auch nicht die brutalsten Mittel anzuwenden. Constance kannte die Pläne des Hexenrates. Sie sahen die Vernichtung von Billiarden Lebewesen vor, um MODROR zu stoppen. Die Frage war berechtigt. Wo war der Unterschied zu jenen, gegen die sie kämpften? Früher hatte sich Constance diese Fragen nicht gestellt, doch Aynah hatte sie zum Nachdenken bewegt. Als Aynah Entropia verlassen hatte, hatte Constance eine letzte Frage gestellt.

Was Aynah zu ihrer Denkweise gebracht hatte?

Ihre Mentorin hatte geantwortet: Einst dachte ich ähnlich sorglos und sparte mit der Liebe im falschen Moment. Als jemand meine Nähe brauchte, verweigerte ich mich ihm. Erst als mir ein anderer zeigte, wie sehr es auf die Werte im Universum ankommt, wollte ich mich ihm öffnen, doch es war zu spät. Er hatte einen Pfad des Todes eingeschlagen und nicht nur sein Schicksal, sondern das von vielen besiegelt. Ich habe große Schuld auf mich geladen, weil ich es damals nicht besser wusste. Deshalb sühne ich und versuche zu vermeiden, dass sich Fehler wiederholen.

Aynah hatte stets in Rätseln über ihre Vergangenheit gesprochen, doch Constance war sich gewiss, dass ihre Lehrerin sich die Schuld für ein schreckliches Ereignis gegeben hatte. Offenbar wollte Aynah Constance vor einem ähnlichen Schicksal bewahren. Aber wem sollte sie ihre Liebe verweigern? Sie liebte doch Lydkor und wollte ihn heiraten. Das war für eine Hexe schon sehr ungewöhnlich. Sie erntete viel Kritik dafür und ihre Beziehung zu einem ordinären Entropen war nicht gern gesehen. Natürlich hielten sich viele Hexen oft Liebhaber unter den Sekundärentropen, aber keine führte eine Beziehung mit ihnen. Außer den humanoiden Sekundärentropen war aber keine Art physisch für die Liebe geeignet. Jene, die mehr den Kampfentropen glichen, kamen natürlich nicht in Frage. Obwohl es Gerüchte gab, dass beispielsweise die Hexenmeisterin Katryna es auch mit den nichthumanoiden Formen der Sekundärentropen trieb. Das Sexleben der Hexenmeisterin war sowieso angeblich sehr ausgelassen. Sie hatte wohl auch Affären mit anderen Hexen. Constance wollte darüber nicht mehr nachdenken. Ihr Herz gehörte Lydkor und keinem anderen. Doch irgendwie befürchtete sie, dass dies nicht zu Aynahs Plan gehörte.

Die Alarmsirenen schrillten hoch. Die Hexe öffnete ihren Geist und spürte Aufregung und Panik unter der Bevölkerung des Planeten Geegival, den insektoiden Jinguisem. Aber sie fühlte auch die Präsenz der quarterialen Soldaten und Pelewon. Ihre Herzen waren ebenso schwer und voller Sorge, wie die der Angreifer – der Entropen! Doch bei ihrem Volk mischte sich der Siegeswille in die Gefühlslage ein. Sie waren optimistisch und wollten den Sieg.

Ihr Freund Lydkor befand sich bereits bei seinen Truppen. Sie würden Geegival stürmen und den quarterialen Stützpunkt vernichten. Constance war vorerst zur Untätigkeit verdammt. Es war nicht ihre Aufgabe, so eine Art von Krieg zu führen. Sie hatte die Funktion einer Späherin und Strategin, die die Schwächen der Gegner herausfand, analysierte und Pläne ausarbeitete, um diese Schwächen des Gegners auszunützen.

Deshalb beobachtete Constance die Schlacht mit Auge und Bewusstsein. Es war schwer, denn sie fühlte, wie viele Wesen ihr Leben ließen. Die Energieentladungen über und auf Geegival ließen sie erzittern. Jedes Mal, wenn eine Bombe detonierte, zuckte sie zusammen und betete, dass Lydkor nicht unter den Toten war. Sie spürte zwar Impulse und Emotionen der Wesen, war aber nicht in der Lage, einen Einzelnen genau zu lokalisieren, wie es ein Telepath konnte.

Die Schlacht tobte in vollen Zügen. Denker00033 thronte auf seiner Schale und gab taktische Befehle.

Das Aussehen der Denker war selbst für Constance nur als skurril zu bezeichnen, obwohl sie von Geburt an diese Wesen kannte. Bei männlichen Exemplaren war ein riesiger Kopf durch einen langen, dünnen Hals mit dem fast ballförmigen Torso verbunden. Aus dem Torso ragten vier lange, tentakelförmige Arme, die nach allen Seiten beweglich waren. Diese endeten in jeweils einer schmalen, sechsgliedrigen Hand mit zwei gegenüberliegenden Daumen. Irgendwelche Gliedmaßen, die zur Fortbewegung dienen konnten, fehlen völlig – sprich, sie hatten keine Beine, keine Füße oder dergleichen. Die Hautfarbe war wie bei allen Entropen – bis auf die Hexen – blau. Da Denker00033 jedoch bereits älter war, war die blaue Farbe heller als bei jüngeren Artgenossen.

Der ovale Kopf wurde durch vier paarweise angeordnete Augen und eine gewaltige Knollennase beherrscht. Den absonderlichen Eindruck komplett machten die beiden seitlich angeordneten Schlappohren und mit langen Haaren bedeckt waren. Der übrige Kopf war kahl.

Weibliche Vertreter der Spezies sind größer und besitzen einen etwas anderen Körperbau.

Der 125 Zentimeter kleine Entrope bemerkte zwar Constances Anwesenheit, ignorierte sie jedoch gänzlich. Der Primär-Entrope konnte Constance nicht leiden. Das ließ er sie jeden Moment spüren, als hätte sie es nicht sowieso bei ihm espern können.

Primär-Entropen waren generell frauenfeindlich. Nicht einmal die Denkerinnen mochten die Hexen oder gar ihre Artgenossen. Constance wusste nicht, wieso die Denker und Denkerinnen der Primärentropen stets so unfreundlich waren. Dafür, dass sie allgemein als Volk des Geistes bezeichnet wurden, zeigte sich ihr Geist recht eindimensional und stur.

Nach drei Stunden war das Gemetzel vorbei. Die Entropen hatten gewonnen, die quarterialen Soldaten ergaben sich oder verließen fluchtartig das System. Ein Sieg auf ganzer Linie. Jubel ging durch die Herzen der Gewinner.

Constance ließ sich von der Euphorie anstecken. Nun sollte der nächste Schachzug erfolgen.

Denker00033, bitte sende eine Nachricht an das quarteriale Oberkommando. Wir fordern ein Gespräch mit dem Anführer.

Sie lächelte Denker an, der ihre freundliche Geste natürlich nicht erwiderte. Sie hatte aber auch nichts anderes erwartet. Die Holografie von Lydkor baute sich vor Denker und Constance auf. Sie lächelte und winkte ihm zu, Lydkor versuchte sie wohl zu ignorieren.

Mit einem Gewinnerlächeln erstattete er Bericht. Wir haben die Kreauer in die Flucht geschlagen. Viele von ihnen sind tot. Meine Männer haben gute Arbeit geleistet. Ein Sieg für Entropia! Ein Sieg für SI KITU!

Constance gefiel es nicht, wie Lydkor redete. Kreauer war das Schimpfwort für alle Quarteriale. Es bedeutete soviel wie das, was man ausschied. Während Lydkor Lobeshymnen auf den Kampf sprach, spürte Constance außergewöhnliche Wesen am Rand des Systems. Sie waren anders als die Empfindungen der Quarterialen oder Entropen, aber es waren auch keine Empfindungen von Wesen Druithoras.

Denker, bitte sende einen Funkspruch an das Schiff am Rand des Systems.

Der Denker sah Constance verwundert an. Er befahl seinem Ortungsoffizier, eine Abtastung durchzuführen. Lydkor war unterdessen offenbar ungehalten über Constances Einmischung. Er sagte zwar nichts, doch sie fühlte seine negativen Schwingungen.

Dort befindet sich kein Raumschiff, Denker, meldete der Ortungsoffizier ratlos.

Doch, dort ist eines. Ich fühle es! Sende einen Spruch in terranischer Sprache und bitte um ein Gespräch mit der Crew. Sage ihnen, dass wir ihnen nichts tun wollen.

Denker sah sie an, als sei sie total verrückt geworden. Aber er tat, worum sie ihn bat. Immerhin musste auch er wissen, dass sie über besondere Fähigkeiten verfügte. Sicher besaß das fremde Raumschiff eine exzellente Tarnvorrichtung, aber die Gedanken abzuschirmen, war eine viel schwierigere Sache.

Eine Weile lang geschah nichts. Denker00033 und Lydkor sahen Constance erbost an.

Was ist in dich gefahren? Darf ich jetzt endlich meinen Bericht fortführen? Ich wollte gerade von der großen Schlacht an einem Ferienpark erzählen. Wir sind dort auf eine Garnison Bestien getroffen …

Lydkor wurde durch den Funkoffizier unterbrochen.

Wir erhalten Kontakt. Der eingehende Hyperfunkspruch ist in Interkosmo. Ein Terraner namens Jonathan Andrews und die Alyskerin Elyn grüßen die Entropen. Sie möchten jedoch nicht an Bord kommen, da sie uns nicht trauen …

Constance lachte, während Denker noch finsterer drein schaute. Die Beziehung zwischen Primärentropen und Hexen war stets gespannt, da beide Völker sich selbst als die führende Kaste ansahen, wobei die Hexen als Lilim eine direkte Abstammung von SI KITUs Tochter nachgewiesen wurde.

Lydkor, stelle eine schnelle Eingreiftruppe zusammen. Wir holen uns diese Kreauer. Dann werden sie schon mit uns reden.

Nein! Ich mache das auf meine Art und Weise, warf Constance ein. Sie ging zum Funker. Sage ihnen, dass ich sie gerne sprechen will. Ort und Zeit sollen sie bestimmen. Ich komme auch allein, aber ich möchte mit den Terranern über eine Allianz sprechen.

Natürlich kannte sie die Namen Jonathan Andrews und Elyn. Die beiden waren Helden der Terraner. Die Alyskerin war die Tochter Eorthors, des legendären Alyskers, der die Geburt der beiden Kosmotarchen miterlebt hatte.

Sie haben ihr Einverständnis erklärt, sagte der Funker und deutete auf das Hologramm von Jonathan Andrews und Elyn. Jetzt kam Constances große Stunde. Plötzlich aber spürte sie so etwas wie Lampenfieber. Sie war total aufgeregt. Die Knie wurden weich und ihre Hände zitterten. Immerhin war das ihr erster Einsatz. Sie holte tief Luft und begrüßte die beiden mit einem Lächeln.

Ihr habt nicht den Mut, mit mir persönlich zu reden? Schade …

Die beiden sahen sich verdutzt an. Constance biss sich auf die Lippe. Eigentlich wollte sie das anders ausdrücken.

Na, und ihr Entropen habt nicht den Mut, nur mit Steinschleudern gegen Bestien zu kämpfen? Oder hat das andere Gründe?, fragte der Terraner patzig.

Constance verstand die Äußerung nicht.

Was wünscht ihr von uns?, wollte die Alyskerin wissen.

Wir sind Freunde. Wir wollen mit den Terranern in Druithora eine Allianz für das Leben abschließen. Gemeinsam können wir diese Galaxie befreien, meine Freunde.

Wir werden dein Anliegen mit den Verantwortlichen besprechen. Erwarte bitte jetzt nicht von uns eine Antwort. Verstehe unser Misstrauen gegenüber den Entropen, erwiderte Andrews.

Ich habe Verständnis dafür, dass ihr Angst habt. Das ist nur natürlich. Ihr müsst euch nicht dafür schämen.

Andrews lachte nun. Ist das Humor oder ernst gemeint? Nun gut. Wir melden uns, bitte ruft nicht an. Noch eine Frage zum Abschluss, wie …?

Ich euch gefunden habe? Es lag nicht an eurem Ortungssystem. Das funktioniert tadellos. Wir können euch nicht orten. Aber ich kann euch fühlen.

Denker grunzte entsetzt vor sich hin. Constance schenkte den Geräuschen des Primär-Entropen keine weitere Aufmerksamkeit. Die Holografien der beiden erloschen. Sie war stolz auf sich. Immerhin war der erste Kontakt mit der LFT in M 87 hergestellt worden. Sie lächelte Denker und Lydkor an.

Wie dumm bist du eigentlich, Hexe? Wir waren im Vorteil. Nun wissen die, dass wir sie nicht orten können. Hervorragend gemacht, meckerte Denker00033.

Sie verstand das nicht. Die LFT-Menschen waren doch die Freunde der Entropen. Oder nicht?

Einige Stunden waren vergangen. Constance ruhte sich aus und schlief. Das tat sie immer gerne. Schlafen war gesund und gut für Geist und Körper, fand sie. Wesen, die ständig arbeiteten und sich nie ausruhten, wurden krank und griesgrämig. So wollte sie nicht werden. Lydkor war inzwischen auf dem Raumschiff eingetroffen. Er begrüßte sie mit einem kurzen Kuss auf die Lippen.

Lydkor war immer noch sauer.

Was ist los? Habe ich dich gekränkt?

Das wollen wir nicht analysieren. Der heutige Tag war ein ganz Großer für mich. Aber das interessiert dich offenbar nicht.

Natürlich tut es das. Aber erwartest du, dass ich jubele, wenn du viele Leben auslöschst?

Das ist meine Berufung. Ich kämpfe für die Freiheit des Universums. Für die Vision SI KITUs!

Sie wollte mit ihm darüber diskutieren, doch er blockte ab. Lydkor war immer so sensibel, wenn es um seine Erfolge ging. Er wollte emanzipiert sein und beweisen, dass Männer auch ihren Beitrag für das entropische Volk leisten konnten. Zollte Constance ihm nicht genügend Aufmerksamkeit, war er eingeschnappt und fing manchmal sogar zu weinen an.

Plötzlich kam eine Meldung von Denker0003.

20 000 quarteriale Schlachtschiffe der A-Klasse sind auf dem Weg hierher. Doch es wird dich freuen, dass dieser Dreck Despair mit dir reden will. Er hat uns Koordinaten einer spärlich bewohnten Welt übermittelt. Dort will er dich treffen.

Wie hoch ist das Risiko?

Gering, sagte Denker und lächelte seltsam. Und selbst wenn es hoch wäre, würde ich dich dort hinschicken. Es ist ja schließlich deine Aufgabe, mit dem Gegner zu reden, um seine Schwächen herauszufinden.

Sie atmete tief durch. Denker hatte recht, aber es bestand auch die Gefahr, dass Cauthon Despair sie in eine Falle lockte.

Ich werde mit meinen Truppen für Constances Sicherheit sorgen, warf Lydkor ein.

Dann ist es beschlossen. Nimm Kurs auf diesen Planeten.

Ein schicksalhaftes Treffen

Wir hätten die entropische Delegation auslöschen und das Geeg-System mit einer druithorischen Novabombe vernichten können, doch das war nicht meine Intention. Ich wollte mehr über unseren ominösen Feind herausfinden. Warum war das entropische Volk gegen uns? Woher kam es? Die Informationen waren vage. Offenbar stand die Entität SI KITU hinter den entropischen Bestrebungen, uns und MODROR zu vernichten.

Aber wieso?

Oberst Tantum meldete per Interkom, dass ein entropisches Eiraumschiff soeben in das System eingetreten war. Ich sah mich in der Gegend um. Es war dunkel auf der Lichtung. Ringsherum ragten turmhohe Nadelbäume in den Himmel. Der Boden war weich. Ich stand allein mit drei Grautruppen unter dem Kommando meines getreuen Major Korral von der 501. Division in dieser Lichtung und wartete auf die Entropen. Sie hätten mich ebenso gut angreifen können, aber ich hoffte, dass auch sie neugierig auf ihren Gegner waren. Natürlich hatte ich nicht jegliche Vorsicht fallen gelassen. Innerhalb von einer Sekunde war die EL CID in der Lage, einen Schutzschirm um uns zu spannen. Zehntausend Mann der 501. standen im Umkreis von mehreren Kilometern bereit. Aber hier – in einem Radius von rund zwei Kilometern – befanden sich nur die vier Soldaten und ich.

Das änderte sich, als ein helles Licht am Horizont erschien. Es wurde immer größer. Dann landete die etwa zehn Meter durchmessende eiförmige Kapsel. Ich war gespannt. Ein Schott glitt zur Seite. Ich erblickte einen blauhäutigen, humanoiden Entropen mit einem roten Sichelkamm. Er war etwa zwei Meter groß und trug eine grüne Uniform. Hinter ihm stampften zwei der großen Entropen, die große Ähnlichkeit mit einer Bestie aufwiesen. Dann folgte eine zierliche Gestalt. Sie war in eine Robe verhüllt. Ich vermochte das Gesicht der Person nicht zu erkennen. Die drei Entropen blieben fünf Meter vor uns stehen. Nur die grazile Gestalt bewegte sich mit gesenktem Haupt auf uns zu. Sie blieb zwei Meter vor mir stehen. Ich ging einen Schritt auf den Entropen zu. Dann hob er seinen Kopf.

Er war eine Sie! Eine Frau! Ihre grünbraunen Augen sahen mich forschend an. Sie war wunderschön und völlig menschlich. Ihre Hautfarbe, alles an ihr entsprach einer südländischen Terranerin am ehesten, sicherlich nicht einer Entropin.

Jetzt dämmerte es mir! Sie war eine Hexe. Niesewitz hatte von der Hexe Niada berichtet. Auch sie war ein Mensch. Waren die Hexen die Beherrscher der Entropen? Steckten Menschen dahinter? Aber wieso bekämpften sie dann ihre Brüder mit solchem Hass?

Sie schenkte mir ein freundliches Lächeln. Sie war wunderschön. Ich glaubte, ihre Wärme förmlich zu fühlen. Irgendetwas Besonderes ging von ihr aus.

Ich danke Ihnen, dass Sie gekommen sind, begann ich und stellte mich ihr vor.

Ich weiß, wer Sie sind. Ihr blutiger Ruf ist Ihnen vorausgeeilt.

Das saß. Aber sie sagte es so seltsam. Als ob sie es nicht böse meinte. Noch immer lächelte sie.

Aber man sagte mir auch, dass Sie ein Mann mit einem großen Herzen sind, der nach der reinen Liebe sucht, diese nur nicht gefunden hat. Kann so jemand wirklich abgrundtief böse sein?

Was sagte sie da? Das war ziemlich direkt und entsprach sicherlich nicht der diplomatischen Etikette. Woher wusste sie, wie es in mir aussah? Natürlich suchte ich nach einer Frau, die mich liebte. Wieso war sie in der Lage, in mein Herz zu blicken? Ich war mir nicht sicher, ob ich die Fremde fürchten oder mich in sie verlieben sollte.

Wie ist Ihr Name?, fragte ich schließlich.

Constance Zaryah Beccash. Ich bin eine Hexe, eine Lilim. Beraterin von Denker00033 und gehöre zu den Verantwortlichen der Befreiung von Druithora.

Nun schmunzelte ich, was sie natürlich nicht sah. Druithora wurde von den Pelewon befreit. Euer Angriff ist ein Fehler. Ihr werdet das Quarterium nicht besiegen können. Wenn ihr euch auf einen Krieg einlässt, werdet ihr untergehen.

Constance starrte mich seltsam an. Sie wirkte enttäuscht. Und ratlos. Wir schwiegen. Offenbar war sie eine schlechte Diplomatin, denn sie rang nach Worten.

Kommt nur mit euren Schiffen, wir werden sie vernichten!

Der Entrope mit dem Sichelkamm auf dem Kopf trat näher. In seinen Augen stand Hass! Und offenbar galt dieser mir. Wie ein eitler Pfau stolzierte dieser Typ um mich herum. Offenbar besaß er ein großes Selbstvertrauen.

Und wer sind Sie?

Ich bin Lydkor, Sekundärentrope und Beschützer von Constance Beccash. Wir haben keine Angst vor euch Quarterialen. Wir werden euch vernichten.

Ich musterte den blauhäutigen Entropen, der wie eine Mischung aus einem Galornen und einem Terraner aussah. Sein Gesicht war feist; er war zwar groß und kräftig, aber nicht trainiert. Major Korral hantierte an seinem Gewehr herum. Die Lage war angespannt. Ein Wink von mir und meine Männer würden diese seltsamen Entropen niederschießen. Ich war mir sicher, dass die 501. diesen Kampf gewinnen würde – aber ich wollte nicht kämpfen, noch nicht. Stattdessen forschte ich in den grün, blau und auch braun irisierenden Augen der Hexe Constance Zaryah Beccash. Sie war wunderschön. In diesem Moment schenkte sie mir ein Lächeln. Es wirkte ehrlich und warmherzig. Und es entspannte die Situation.

Wir sind hier, um zu verhandeln. Ich bin bereit, mit Constance zu reden, jedoch nicht mit einem zweitklassigen Entropen.

Lydkor zog sein Schwert, doch ehe er es aus der Scheide hatte, hatte Major Korral ihn bereits im Visier. 1:0 für das Quarterium.

Haltet ein! So darf das nicht enden. Wir sind doch hier, um zu verhandeln, stellte Constance klar.

Nun, dann sagt mir den Grund, warum ihr hier seid, forderte ich.

Wir kämpfen gegen MODROR und seine Verbündeten. Sagt euch von dem Kosmotarchen los und helft Perry Rhodan im Kampf gegen die Finsternis. Dann können auch wir Freunde sein.

Ich brauchte nicht lange zu überlegen, um zu antworten.

Wir würden alles, wofür wir gekämpft haben, damit verraten. Das Quarterium ist dabei, mit MODRORs Hilfe eine neue Menschheit zu erschaffen. Wir bringen Ordnung und Frieden in das Universum. Das erfordert einen hohen Blutzoll, doch ich habe MODRORs Visionen gesehen, seinen Plan, sein Ziel. Dafür lohnt es sich zu kämpfen. Es tut mir Leid, aber wir werden MODROR und uns nicht verraten.

Constance sah enttäuscht aus. Dann wird es Krieg geben. Noch mehr Mord und Totschlag. Ist es das, was Sie wollten? Ich kann das nicht glauben.

Ich wollte antworten, doch ich brachte keinen Ton hervor. Der Weg zum Elysium MODRORs war blutig. Wir begingen viele Verbrechen. Heiligt der Zweck die Mittel? Wie oft hatte ich mir diese Frage gestellt. Es gab aber kein zurück mehr für das Quarterium. Unser Schicksal war an das von MODROR gebunden. Bis zur Reformierung des Universums oder unseren Untergang.

Gehen Sie jetzt, Constance. Ich danke Ihnen für den Versuch, doch unsere Ansichten sind zu verschieden. Wenn Sie Frieden wünschen, dann ziehen Sie sich aus M 87 zurück und unterlassen Sie die militärische Unterstützung unserer Gegner in Siom Som und in der Lokalen Gruppe.

Constance sah mich mit versteinerter Miene an. Was erwartete sie jetzt? Sie sah enttäuscht aus. Ist das dein letztes Wort, Cauthon Despair?

Ja. Ich sehe keinen Weg zu einer Einigung, da wir offenbar beide an das glauben, wofür wir kämpfen.

Constance nickte bedrückt und wandte sich von mir ab. Sie ging ein paar Schritte, blieb stehen und drehte sich zu mir um.

Jemand sagte mir, dass für dich noch Hoffnung bestehen würde. Dass du kein schlechter Mensch bist, sondern ein Wesen mit einem großen Herz. Ich befürchte, dass das ein Irrtum war.

Sie ging weiter. Ich blickte ihr lange hinterher. Auch die anderen Entropen zogen sich zurück. Die ganzen Verhandlungen waren sehr seltsam gewesen. Es kam mir so vor, als hätte die Hexe Constance Beccash es auf mich abgesehen. Aber wieso? Wer hatte ihr gesagt, ich wäre ein guter Mensch?

Ich befürchtete, dass wir die Entropen nicht so schnell wieder los werden würden.

Kapitel 4
Kolonisationspolitik

Es war windig auf Pompeo-Poser, obgleich ich wenig davon spürte. Meine Rüstung schützte mich sehr gut vor den Auswirkungen der Witterung. Doch die gelbgrünen Bäume bogen sich ächzend unter dem Druck der Luft. Eine Windhose bildete sich einige Kilometer von uns entfernt. Sofort dämmten quarteriale Raumjäger den Sturm ein und veränderten seine Richtung, sodass er uns nicht gefährdete.

Es waren seit meiner Begegnung mit Constance Zaryah Beccash, der Hexe aus Entropia, zwei Tage vergangen. Sie hatte mich durchaus fasziniert, doch wir waren zu keiner Übereinkunft gekommen. Die Entropen verlangten, dass wir uns von MODROR los sagen und aus allen eroberten Gebieten zurückziehen sollten. Eine Unmöglichkeit! Eine Frechheit!

Natürlich würden wir dieser Forderung niemals nachkommen. Also trennten sich unsere Wege vorerst, doch ich war mir sicher, dass ich Constance schon bald wiedersehen würde.

Die Entropen waren ein Bestandteil der anberaumten Konferenz von einem Dutzend Vertretern des Quarteriums. Hauptsächlich ging es dabei um die Frage der Kolonisation von Druithora. Erste Eckpunkte hatte ich vor wenigen Tagen ja mit Torsor, Shorne, Mykke und Trybwater besprochen. Sieben weitere Mitglieder der Quarterialen Führungsriege wurden erwartet.

Zuerst traf C.I.P-Kommandeur Erich Village ein. Der steife Terraner war Anwalt gewesen. Er war natürlich für die Artenbestandsregulierung mit verantwortlich und sollte dem Ganzen einen juristischen Anstrich geben. Nach dem Tod von General-Kommandeur Stevan da Reych hatte Village einen schweren Stand gehabt, doch es war ihm wohl gelungen, in Reini Katschmarek einen neuen Gönner zu finden. Katschmarek stieg als Zweiter aus dem Gleiter aus. Damit waren Herr und Diener vereint. Sie begrüßten uns herzlich.

Generalmarschall Keitar und zu allem Überfluss Peter und Stephanie de la Siniestro waren die Nächsten, die auf Pompeo-Poser ankamen.

Peter inspizierte die Truppen, während Stephanie natürlich sofort auf mich zuhielt.

Cauthon, mein silberner Schatz. Bläst du Trübsal, weil mein dummes Schwesterherz dich nicht will? So ist das eben, wenn man der Freak des Imperatore ist.

Sie kicherte und hielt Abstand zu mir. Offenbar fürchtete sie wohl, ich würde sie packen und erwürgen. Ganz unrecht hatte Stephanie nicht.

Weshalb nehmt ihr beide an der Besprechung teil?, wollte ich wissen.

Als Außenministerin bin ich natürlich auch für die neuen Kolonien mit verantwortlich. Und Peter … Tja, der will die Truppe inspizieren und einen kühnen Plan vorstellen, wie der Internraum erobert wird. Lassen wir ihm doch den Spaß.

Stephanie blickte mich seltsam an. Dann zog sie es vor, schweigend an mir vorbei zu gehen. Vielleicht hatte sie irgendeinen willigen Mann entdeckt.

Ein runder Gleiter in weißen Farben hielt am Eingangstor. Zwei Centrussoldaten salutierten für den aussteigenden Legat Falcus, inzwischen Außenminister des Dorgonischen Reiches, obwohl dieses Amt nur ehrenhalber war, denn Dorgon gehörte seit einigen Monaten zum Quarterium, nachdem ich das Massaker an Commanus, Arimad und den anderen verübt hatte. Zusammen mit meinen Chaosbrüdern Cau Thon und Goshkan hatte er sie alle abschlachtet. Ich bereute noch immer zutiefst diese Morde, insbesondere den an Arimad.

Danach hatte ich den Senat auf Dom vernichtet und fast jeden Senator umgebracht. De la Siniestro hatte sich zum dorgonischen Kaiser gekrönt und somit das Quarterium und Dorgon zum legitimen größten Reich der Menschheit im Universum vereint.

In seiner Bescheidenheit hatte er jedoch Commanus Bruder Elgalar zum Co-Kaiser und Statthalter von M 100 und dessen Kolonien ernannt. Carilla war Innen- und Verteidigungsminister geworden und trug offiziell den Titel Oberkommandant der Flotte Dorgons. Im Grunde genommen unterstand Carilla sogar Despair.

Falcus war der dritte Dorgone im Bunde. Als Legat vertrat er Elgalar innen- wie auch außenpolitisch und stellte eine Art Bindeglied zwischen den beiden Galaxien M 100 und Cartwheel dar.

Der arrogante Dorgone stolzierte vor mir hinweg und schenkte mir ein mildes Lächeln. Ich zog kurz an seinem Schwert, da erschrak Falcus und eilte davon.

Die siebte Person war ein terranischer Geschäftsmann und trug den schillernden Namen Marcello Zeem. Der Sunnyboy aus Terrania City war Despair gänzlich unbekannt, doch er hatte von Shorne gehört, dass Zeem einst ein Protegé von ihm gewesen war. Zeem sollte den Handel in M 87 forcieren und hatte gegenüber Shorne den Vorteil, auch noch Geschäfte in der Milchstraße tätigen zu können. Dies war keinem quarterialen Geschäftsmann zur Zeit möglich – USO, TAXIT und LFT schotteten alles ab und unterbanden alle quarterialen Aktivitäten in ihrem Einflussbereich.

Zeem arbeitete in der Milchstraße für Shorne Industries und erhielt im Gegenzug die Möglichkeit, sich in M 87 ein Standbein aufzubauen. Begleitet wurde er von einer attraktiven, kleinen Blondine, die Despair beim genauen Hinsehen einen kleinen Schock versetzte.

Es war Anya Guuze!

Sie blieb am Gleiter von Zeem stehen und wollte wieder einsteigen. Ich gab zwei Wachen ein Zeichen, sie aufzuhalten. Anya blieb stehen, blickte mit einer Mischung aus Angst und Trotz die Wachen an, dann zu ihrem Chef. Der wandte sich an mich.

Oh, die Kleine ist doch nur meine Assistentin. Ich weiß, dass sie mal Schwierigkeiten mit dem Quarterium hatte, aber sie ist nur hier, um mir meine Arbeit zu erleichtern.

Ich blickte Zeem an. Der geschniegelte Unternehmer wirkte aalglatt wie sein Mentor Shorne. Mir gefiel Anya Guuzes Anwesenheit nicht besonders. Wenn ich sie sah, musste ich an Joak Cascal denken. Ohne Anyas Hilfe wäre Cascal auf Objursha gestorben. Auf der anderen Seite war sie wunderschön und wirkte so zart und zerbrechlich. Ich ging zu ihr.

Anya, welch ein wundervollen Anblick Sie immer noch sind. Sie kehren freiwillig in den Schoß des Quarteriums zurück?

Freiwillig? Ganz bestimmt nicht! Aber das ist eine lange Geschichte …

Ich bin gespannt.

Anya Guuze saß an ihrem Schreibtisch und langweilte sich über die monotone Arbeit. Wieder einmal musste sie irgendwelche sinnlosen Akten anlegen, Tabellen und Präsentationen für ihren Arbeitgeber Marcello Zeem erstellen.

Sie hatte sich ihre Rückkehr ins normale Leben anders vorgestellt. Nachdem sie den schweren Entschluss gefasst hatte, von Joak Cascal und seiner Clique von Unsterblichen und Helden Abstand zu gewinnen, war sie nach Terra zurückgekehrt. Dort hatte sie der erste Schock ereilt. Denn einen Tag nach ihrem Abflug von SOLARIS STATION war dort die Hölle losgebrochen – das Quarterium hatte der LFT den Krieg erklärt und MODROR als neusten Verbündeten präsentiert.

Sofort kamen Erinnerungen an Objursha zurück. Die Drachen, das unvorstellbare Leid. Zu ihrer Erleichterung war Cascal nichts passiert. Darüber war sie froh gewesen. Sie wusste, dass er etwas für sie empfand und er war ihr auch nicht egal, doch das Leben an der Seite eines Abenteurers machte ihr Angst. Ständig in Gefahr zu leben und sich um sein und ihr Leben sorgen zu müssen. Das war nichts für sie.

Nachdem Anya wieder auf Terra angekommen war, verweilte sie bei ihrer Familie und suchte sich einen neuen Job. Das war schwieriger als sie dachte und so wurde sie letztendlich als Assistentin des Unternehmers Marcello Zeem eingestellt. Zeem war ein Zögling des Multimilliardärs Michael Shorne gewesen, hatte sich aber für die LFT entschieden, statt dem Quarterium zu dienen. Das gefiel Anya. Sie machte keinen Hehl aus ihrer Abneigung gegenüber dem Quarterium und natürlich kamen auch Fragen, wieso sie denn nach Terra zurückgekehrt war. Sie verschwieg ihren Aufenthalt bei Objursha und ihre Verbindung zu Cascal und Perry Rhodan.

Statt von brutalen quarterialen Aufsehern gefoltert zu werden, machte sie nun seit einigen Monaten einen zwar langweiligen aber schmerzfreien Bürojob.

Sie hatte die politische Entwicklung verfolgt. Der erste Angriff des Quarteriums stand kurz bevor, als sie zu einer zweimonatigen Reise aufbrachen. Zeem machte ein Geheimnis um den Zielort und hatte erklärt, es sei ein Geheimnis und eine Überraschung zugleich. Nachdem sie fünf lange Wochen auf Zeems 500-Meter-Raumschiff FINANZ verbracht hatte, war heute der Tag, an dem ihr Chef das Geheimnis lüften würde.

Sie war schon gespannt und freute sich darauf, endlich wieder auf einem Planeten zu gehen und die Sonne zu genießen. Die FINANZ war zwar ein sehr luxuriöses Raumschiff und bot für Zeem und seine einhundertfünfzig Mitarbeiter besten Komfort, doch der Schein einer echten Sonne war mit nichts zu vergleichen. Frische Luft zu atmen, Bäume und echte Tiere zu sehen.

Anya fragte sich, wo sie sich wohl befanden? Sie waren bestimmt irgendwo in der Lokalen Gruppe. Da Anya die Abrechnungen für Zeem machte, wusste sie, dass er den Antrieb hatte aufrüsten lassen und Konverter für einen schnellen Fernflug eingebaut worden waren.

Marcello Zeem betrat den Raum. Er wirkte wie immer gut gekleidet und strahlte die nötige Seriosität eines Geschäftsmannes aus. Ich habe Kaffee in meinem Büro verschüttet, machst du das nachher sauber?

Das war nicht unbedingt die Arbeit, die Anya wollte. Aber es war besser als nichts und sie hatte Aufstiegsmöglichkeiten. Immerhin befand sie sich mit ihm auf einer enorm wichtigen Reise. Wo fliegen wir denn nun hin? Du wolltest es sagen, sobald wir in der Nähe des Zielortes sind. Fast niemand weiß etwas und die Brücke darf kaum einer betreten. Also, wo geht es hin?

Zeem lächelte. Na gut, ich will nicht so sein. Der große Deal, den ich demnächst abschließe, wird mit der Regierung der Galaxie Druithora sein. M 87, falls dir der Name nichts sagt.

Anya erschrak.

Zeem Cooperation wird in Zusammenarbeit mit der Regierung die Führung im Neuaufbau von M 87 haben. Das bringt mir Milliarden, ach was – Billiarden! Ich habe ausgesorgt, für immer! Schon in wenigen Tagen erreichen wir Pompeo-Poser. Du musst verstehen, dass ich das niemand sagen konnte. Womöglich befinden sich noch TLD-Agenten hier an Bord.

Anya glaubte, sie befände sich in einem Albtraum. Das durfte alles nicht wahr sein! Sie lag bestimmt in ihrer Kabine und schlief. Gleich würde sie aufwachen und das Gespräch hatte nie stattgefunden. Nach einer Weile der Stille bemerkte sie, dass es offenbar doch kein Traum war. Sie waren in M 87! Einer Galaxie des Quarteriums! Genau dahin wollte sie ganz bestimmt nicht mehr. Nie wieder wollte sie einen Quarterialen wiedersehen.

Du bist so schweigsam, Anya?, fragte Zeem. Ach ich weiß, du machst dir Sorgen wegen dem Quarterium. Die erinnern sich doch gar nicht an dich. Ich mag sie ja auch nicht, aber die bringen Geld. Als erfolgreicher Unternehmer muss man die Zeichen der Zeit erkennen. Die Aktie der LFT fällt, während die des Quarteriums ins Unermessliche steigt. Schon bald wird Perry Rhodan entmachtet sein und de la Siniestro gibt die Befehle auf Terra.

Zeem setzte sich neben Anya und legte seine Hand auf ihre Schulter. Und er wird jene reich belohnen, die sich ihm vorher angeschlossen haben. Ich habe den Deal Michael Shorne zu verdanken, meinem Mentor.

Zeem lachte fröhlich. Anya war nicht zum Lachen zumute. Sie hatte Angst, dachte wieder an ihre furchtbare Zeit auf Objursha. Erst da waren ihr die Augen geöffnet worden. Sie hatte früher geglaubt, als Ehefrau eines C.I.P-Agenten ein tolles Leben zu führen, doch alles war nur Schein. Sie war die Frau eines Mittäters beim Massenmord gewesen und letztlich hatte er sie auch fallen gelassen, zugelassen, dass sie gefoltert wurde. Und nun? Niemals hätte sie im Traum daran gedacht, dass ihr neuer Chef mit dem Quarterium Geschäfte machte.

Sie verwünschte sich für ihre Dummheit. Sie hätte misstrauischer sein müssen.

Zeems rechte Hand Val Korch betrat das Büro. Marcello, wir sind da. Das Quarterium hat uns Landeerlaubnis erteilt.

Gut, ich werde die Belegschaft informieren. Anya, auf diesem Memostick sind meine Konzepte. Bitte arbeite sie in eine Präsentation ein. Du wirst mich zur Konferenz begleiten.

Niemals!

Was?

Ich gehe da nicht hin. Das sind Quarteriale. Ich will das nicht!

Zeem sah sie enttäuscht an. Das kümmerte sie herzlich wenig, denn sie war erst recht enttäuscht.

Das wird lustig werden. Eine schöne Party im glamourösen Stil. So etwas hast du noch nicht erlebt, Anya!

Ach ja? Ich war schon auf der ersten Hochzeitsfeier vom Imperatore de la Siniestro, bei der Reichsgründung und diversen anderen rauschenden Festen. Davon habe ich ehrlich gesagt mehr als genug!

Na endlich redest du mal darüber, meinte Zeem. Natürlich wusste ich, dass du einen gewissen Status im Quarterium hattest. Es uns zu verschweigen, brachte nicht viel. Du bist eine kleine Berühmtheit.

Zeem lachte und sah Anya gönnerhaft an.

Du hast viel erlebt. Die Wiedergeburt von Leticron, die Entführung der BAMBUS, Kidnapping im Siniestro-Schloss und die Artenbestandsregulierung. Ich verstehe ja, dass du Angst hast, aber ich brauche dich dort. Du bist fähig und ich könnte mir durchaus vorstellen, dass du irgendwann im Vorstand von Zeem Cooperation sitzen wirst. Wenn wir die größte Handelsmacht in M 87 werden wollen, brauche ich Männer und Frauen, auf die ich mich verlassen kann!

Sie dachte darüber nach. Der Vorschlag klang sehr verführerisch. Doch Zeem begriff offenbar nicht, dass er sich mit Verbrechern einließ. Kannst du denn für meine Sicherheit garantieren? Ich bin nicht beliebt, da ich eine Zeugin der Verbrechen auf Objursha bin. Die würden mich doch sofort umbringen.

Dann hätten die das schon auf Terra getan, Kleines. Das Thema Objursha ist bekannt, aber so richtig interessiert es keinen mehr. Es sind doch sowieso nur Aliens. Also, komm schon. Ich garantiere dir, dass dir niemand auch nur ein güldenes Haar krümmt.

Anya war nicht wohl bei der Sache. Am liebsten wäre sie auf der FINANZ geblieben. Eines stand auf jeden Fall schon für sie fest. Sobald sie wieder auf Terra war, würde sie sofort kündigen. Und wenn sie irgendwo als Putzfrau arbeiten musste. Alles war besser, als etwas mit dem Quarterium zu tun zu haben. Doch was sollte sie jetzt machen? Offenbar war Marcello ihr noch wohl gesonnen. Wenn sie ihn als Fürsprecher verlor, war sie ganz allein in einer über 40 Millionen Lichtjahre entfernten Galaxie. Also musste sie vorerst das Spiel mitspielen, bis sie wieder zu hause waren.

Also gut, ich komme mit.

*

Anya berichtete mir in kurzen und knappen Worten, wie es ihr in den letzten Monaten ergangen war. Sie hatte Angst, das spürte ich. Ich konnte es ihr nicht verdenken, denn schließlich floh sie vor uns.

Ich gebe Ihnen mein Wort, Anya, dass Ihnen kein Leid geschehen wird, sagte ich zu ihr. Sie sind als Mitarbeiterin eines Geschäftspartners hier und genießen so etwas wie diplomatische Immunität.

Danke, Despair. Sie verstehen sicher, dass ich Ihnen nicht unbedingt traue, oder?

Das verstehe ich. Und doch bin ich der Einzige hier, der wahrscheinlich ehrlich zu Ihnen ist. Es war naiv, mit Zeem zusammenzuarbeiten. Er wahrt zwar nach Außen den Schein eines LFT-Bürgers, doch er ist sogar Parteimitglied und enger Freund von Shorne. Das Geld und die Gier lockte ihn nach M 87. Mir war das gleich, ich will den Krieg hier schnell beenden, um mich auf den Nächsten zu konzentrieren.

Terra?

Ja, Terra. Wir kämpfen in Andromeda um die Vorherrschaft der Lokalen Gruppe. Ihr Freund Joak Cascal ist wohl auch dort. Leider noch nicht tot, aber das wird sich bald ändern.

Anya blickte mich böse an. Sie hätte mir am liebsten sicherlich die Meinung gesagt und Cascal in heroischen Worten den Sieg gewünscht, aber sie hielt es wohl für klüger zu schweigen.

Ich wandte mich an ihren Chef Marcello Zeem. Mister Zeem, Anya wird nicht an der Besprechung teilnehmen.

Ich glaube, das erörtere ich lieber mit meinem Freund Michael, antwortete Zeem abfällig.

Habe ich mich nicht klar ausgedrückt, Zeem? Frau Guuze sollte lieber einen Spaziergang auf Pompeo-Poser machen. Sie ist für solch eine Konferenz nicht geeignet.

Zeem zuckte zusammen. Er nickte hastig und gab Anya die Anweisung, sich die Zeit zu vertreiben. Dann ging er weiter. Anya blickte mich entgeistert an.

Auf dieser Konferenz werden Dinge besprochen, die Sie zu sehr mitnehmen würden. Ich tue Ihnen einen Gefallen damit. Und uns – falls Sie sich wieder mit Cascal zusammentun sollten.

Ich ließ Anya stehen. Das Universum war erstaunlich klein. In regelmäßiger Unregelmäßigkeit lief mir Anya über den Weg. Auf gewisse Weise mochte ich sie und je weniger sie über unsere Kolonisationspläne wusste, desto besser. Sie bewegte sich auf dünnem Eis und war dem Tod näher, als sie dachte.

Zu Mozarts Kleiner Nachtmusik versammelten sich die Vertreter des Quarteriums, Dorgons und der Wirtschaft in dem prunkvollen Saal, um über die Zukunft von M 87 zu diskutieren.

Die Rostbratwürstchen sind lecker, meinte Diethar Mykke, der sich gleich auf das kalte Buffet stürzte.

Marcello Zeem, Michael Shorne und Reynar Trybwater waren in eine Diskussion über die Kolonisationspolitik vertieft. Katschmarek und sein Adjutant Kommandeur Village gesellten sich dazu, während Stephanie gelangweilt durch den Raum flanierte.

Dann kamen die Militärs. Generalmarschall Keitar Ma’Tiga Leson und Generalmarschall Peter de la Siniestro. Der Sohn des Imperatore stolzierte wie ein eitler Pfau durch den Raum und musterte alle abfällig.

Als Letzter betrat Torsor den Saal, der unter seinen Schritten erzitterte. Mit dabei hatte er Admiral Irkuleb, den Oberbefehlshaber der Druithora-Raumflotte.

Der kleinere der beiden Giganten erhielt einige Instruktionen vom Herren der Bestien und verabschiedete sich salutierend mit bebenden Schritten.

Torsor nahm in dem Sessel aus Formenergie Platz. Selbst sitzend wirkte das über fünf Meter große Geschöpf gewaltig. Seine drei feuerroten Augen blickten die Teilnehmer stechend an. Ich nahm schweigend am anderen Kopfende Platz. Es lag an Torsor, die Konferenz zu eröffnen.

Die Konstrukteure des Zentrums sind hartnäckig, obgleich wir Druithora praktisch kontrollieren. Die Ankunft der Entropen ist unerwartet, doch Admiral Irkuleb wird sich persönlich darum kümmern. Planen wir also die Zukunft meiner Heimatgalaxie unter der Herrschaft der Bestien.

Kann ich noch etwas Sauerkraut haben?, fragte Mykke eine Ordonnanz. Torsor blickte ihn finster an.

Meine Vision ist ein starkes Druithora als Bestandteil des Quarteriums. Obgleich euer Hass auf Extraterrestrier stark ist, werden Völker wie die Dumfries, Skoars und andere hier auch zukünftig leben. Jedes Wesen, das sich ideologisch in unsere Dienste stellt, darf weiterexistieren.

Mykke hämmerte schmatzend mit der flachen Hand auf den Tisch. Die anderen taten es ihm nach. Dies war ein Zeichen der Zustimmung.

Kommen wir nun zum Grund unseres fröhlichen Meetings, begann Michael Shorne. Es gibt drei große Themen: Den Widerstand in M 87, die Artenbestandsregulierung und die Kolonisierung dieser Galaxie. Mit welchem Thema sollen wir beginnen?

Das, welches am meisten Kohle bringt, warf Zeem ein und lachte. Die anderen hämmerten wieder erheitert auf den Tisch.

Gerne, Michael Shorne aktivierte eine Holografie. Mister Zeem wird eine exklusive Handelskonzession von uns erhalten. Sein Ziel ist es, in Zusammenarbeit mit Diethar Mykke als Arbeitsminister und mir M 87 auch wirtschaftlich produktiv zu machen. Neben der Reintegrierung der einzelnen Völker ist ein wirtschaftlicher Aufschwung unbedingt erforderlich. Produktivität und Wachstum müssen eindeutig im Vordergrund unserer Politik stehen. Insbesondere in der Rüstung. Das Quarterium als Staat und auch seine assoziierten Firmen schreiben schwarze Zahlen, doch die Nachfrage ist im Krieg höher als die Produktionsleistung. Deshalb müssen wir uns anstrengen, diese zu erhöhen.

Das rief nun den Chef von Anya Guuze auf den Plan. Er erläuterte in einer langweiligen Rede seine Pläne. Mit Hilfe der Bevölkerung wollte er die Raumschiffsproduktion verdoppeln. Schon innerhalb weniger Monate sollen Supremo-Werften fertig gestellt werden. Zu diesem Zweck sollte die Produktion vorläufig unter staatliche Lenkung gestellt werden.

Die M 87-Wesen werden jedoch nicht wirklich frei sein, schloss er seine einstündige Ansprache. Da würde alles vor die Hunde gehen. Wir gaukeln ihnen eine freie Marktwirtschaft mit diversen Anbietern vor, die jedoch alle mir und Shorne unterstehen. So gehen die Gewinne in meine und die Staatskasse des Quarteriums. Das Volk ist motiviert, denkt, es hat Freiheit und wird so auch die Konstrukteure des Zentrums bald vergessen haben.

Er erntete dafür heftiges Tischhämmern.

Damit leiten wir das nächste Thema ein, sagte Torsor. Die Artenbestandsregulierung. Katschmarek, Trybwater, Village!

Reynar Trybwater, General-Kommandeur der Cartwheel Intelligence Protective und inzwischen zweite Mann hinter Niesewitz, stand auf. Meine Herren, ich danke Ihnen für die Aufmerksamkeit. Herr Mykke, seien Sie nicht so schüchtern, ich sehe doch, dass Sie noch Nachschlag möchten.

Gelächter brachte aus.

Solche Tagungen machen mich immer richtig hungrig, meinte Mykke verlegen.

Gut, machen wir eine Pause.

Die Teilnehmer gaben sich nun genüsslich dem Vurguzz, Essen und Zigaretten hin. Torsor thronte weiter in seinem Sessel und ich hatte auch keine Lust aufzustehen.

Nach zwanzig Minuten war die Pause endlich zu Ende. Trybwater referierte weiter.

Auf Monol ist mit dem Bau eines Entsorgungslagers begonnen worden. Dieses spezielle EL wird recht abgeschottet von der Außenwelt sein, da wir auch verhindern wollen, dass die KdZ sich durch die Kristalltürme regenerieren können.

So einen Kristall will ich sehen, der Asche wieder zu Fleisch macht, warf Katschmarek ein.

Trybwater lachte. Wir sind nicht in der Lage, die Kristalle zu beherrschen, daher gehen wir auf Nummer sicher. Torsor möchte sie auch nicht zerstören, denn vielleicht würden sie uns noch nutzen. Im Gegensatz zu Cartwheel und Siom-Som gehen wir hier übrigens human vor.

Human mit den Biestern? Wieso?, wollte Mykke wissen.

Wie der Quarteriumsfürst eingangs erklärte, wünscht er keine Massenvernichtung der Bevölkerung. Wir werden uns auf die Okefenokees sowie militärische und politische Gegner beschränken. Die Zivilbevölkerung soll geschont werden. Doch, verehrter Herr Mykke, ich darf Sie beruhigen, die Anzahl der KdZ und deren loyalen Vasallen geht in die Millionen.

Gelächter brachte aus.

Unsere Männer sollen ja auch hier die Ärmel hochkrempeln. Arbeit macht nämlich frei. Prost!, warf Katschmarek dazwischen und nahm einen Schluck Vurguuz.

Erich Village durfte nun auch etwas sagen. Wir müssen natürlich auch an die Kommunikation in der Öffentlichkeit denken. Die ABR ist ein heikles Thema. Offiziell sind die Geschehnisse auf Objursha auch weiterhin geleugnet worden. Ich persönlich habe eine Reportage mit INSELNET auf Objursha gedreht, in der wir die Bevölkerung von der Harmlosigkeit eines solchen Lagers überzeugt haben. Ähnlich gehen wir auch in M 87 vor. Wir sprechen von Evakuierung in autonome Gebiete, Resozialisierung und harmonische Gleichstellung der Gesellschaft in Druithora. Bitte kein Wort von Massenmord oder Hinrichtung! Danke sehr, meine Herren.

Nun setz dich mal wieder, Bubi, sagte Mykke und fing an laut zu lachen. Die anderen stimmten ein und hämmerten mit den Händen wieder auf den Tisch.

In ein paar Jahren schert es sowieso kein Schwein mehr, ob wir die ganzen Viecher ausgerottet haben, meinte Generalmarschall Leson.

Torsor leitete die nächste Pause ein. Nachdem sich die Teilnehmer ihre Bäuche vollgeschlag und sich fröhlich unterhalten hatten, ging es zum nächsten Tagesordnungspunkt.

Nun ergriff ich das Wort. Wir haben neue Gegner. Die Entropen haben das Geeg-System besetzt und stellen klar, dass sie nicht eher Ruhe geben, bis MODROR und seine Verbündeten vernichtet sind. Verhandlungen mit der Hexe Constance Zaryah Beccash blieben erfolglos.

Ich habe gehört, dass sie ein heißer Feger sein soll, Despair?, fragte Michael Shorne.

Vielleicht sollte ich lieber die Verhandlungen führen, sagte Mykke gell lachend. Für so etwas braucht man einen richtigen Mann mit einem starken Speer!

Ach hör doch auf, Diethar! Selbst der beste quarteriale Besen kann die Vagina einer Alienschlampe nicht mehr sauber kehren, warf Katschmarek ein.

Alle lachten los und hämmerten wieder mit den Händen auf den Tisch. Stephanie und Torsor blieben ruhig und mir wurde bei dem Geschwätz dieser primitiven Idioten schlecht.

Die beste Lösung ist die Artenbestandsregulierung, meine Herren, meinte Village ruhig. Da die Entropen offenbar fanatisch an ihre Sachen glauben, müssen wir drastische Mittel ergreifen.

Torsor stimmte Village zu. Während sich das Problem der Konstrukteure des Zentrums mit der Zeit von selbst erledigen wird, sehe ich in den Entropen eine Gefahr für das gesamte Reich. Wir müssen schnell handeln.

Wir evakuieren also alle Entropen?, fragte Stephanie sarkastisch. Doch zuvor müssen wir wissen, wo sie überhaupt leben. Sie tauchen in allen Galaxien auf, ohne eine Spur ihrer Herkunft zu hinterlassen.

Darum wird sich die C.I.P kümmern, versprach Trybwater. Wir werden unsere besten Agenten ansetzen.

Fassen wir nun also die Besprechung zusammen, begann Torsor, doch Generalmarschall Leson meldete sich zu Wort.

Eine Frage noch: Weitere Vorgehensweise Geeg-System?

Novabombe, sagte Torsor knapp.

Leson starrte die Bestie entsetzt an und selbst mir wurde schlecht bei dem Gedanken. Torsor war bereit, Millionen Jinguisem einfach so zu töten, damit die Entropen auch vernichtet wurden.

Bei allem Respekt, Torsor, aber das ist keine gute Idee, wagte Stephanie zu Widersprechen. Wir vernichten unsere eigenen Ressourcen und die Entropen werden vermutlich wieder fliehen. Wir müssen subtiler vorgehen.

Torsor schwieg. Offenbar setzte er sich ernsthaft mit dieser Option auseinander. Das unterschied ihn von seinen Artgenossen, den Pelewon und Moogh. Sie agierten oft nur brutal und wenig überlegt.

Es gibt Lösungen für eure Probleme, meine Freunde.

Was? Ich drehte mich überrascht um. Die Stimme kannte ich und sie gehörte niemand anderes als Cau Thon! Plötzlich standen er und Goshkan mitten im Saal. Wie waren sie hergekommen?

Meine Brüder … Cau Thon schlug mir freundschaftlich auf die Schulter. Er nickte den anderen zu. Überlasst die Entropen mir und Goshkan. Ihr kümmert euch um das Ende der Konstrukteure des Zentrums.

Wie sollen wir dies bewerkstelligen?, wollte Torsor wissen. Die Energien der Hohlraumsonne sind zu mächtig. Hinzu kommen der Paratronkäfig und die mächtigen Abwehrfestungen der Druis.

Wie ihr wisst, hat MODROR den SONNENHAMMER konstruiert. Er war stark genug, um ins Zentrum einer Sonne vorzudringen, wo immerhin einige Millionen Grad vorherrschen. Ich biete euch im Namen MODRORs eine ähnliche Kampfstation an, mit deren Hilfe ihr in den Hohlraum vordringen könnt. Wir sind jedoch nur im Besitz von einem Prototypen. Euer Angriff muss beim ersten Mal von Erfolg gekrönt sein.

Torsor stand auf und schlug sich mit allen vier Fäusten gegen die Brust. Das wird er, treuer Verbündeter. Ich schulde deinem Herren meinen Dank. Wo ist diese Kampfstation?

Cau Thon lächelte. So voller Tatendrang, hervorragend. Die Kampfstation erwartet euch bei Monol. Der Dscherr’Urk Kommandant Ultur erwartet deine Befehle, Torsor. Handle weise und beende den Krieg in M 87 endgültig!

Die anderen im Saal schwiegen. Sie starrten Cau Thon ehrfürchtig an. Nicht einmal Mykke sagte ein Ton, was bei seiner losen Klappe sehr erstaunlich war. Die Angst vor den beiden Söhnen des Chaos war einfach zu groß.

Wie bekämpfen wir die Entropen?, wollte ich schließlich von meinem Chaos-Bruder wissen.

Direkt in ihrem Herzen, antwortete Goshkan. Wir werden genau dort operieren.

Demnach besitzt ihr die Koordinaten der Heimatwelt der Entropen?

Cau Thon winkte ab. Es ist nur eine Frage der Zeit. Wir haben Vermutungen, aber noch suchen wir nach der Lösung. Ich gebe euch jedoch recht, dass wir die Entropen mit Stumpf und Stil ausradieren müssen. Sie sind gefährlich und ihre Wurzeln reichen tief in die Vergangenheit zurück. Seid also auf der Hut vor SI KITU und ihren Hexen.

Cau Thons Warnung war eindringlich. Wie ich befürchtete, hatten wir es mit einem starken Gegner zu tun. Wieso auch immer SI KITU mit DORGON zusammenarbeitete, offenbar waren die Entropen überzeugte Anhänger der Lehre von SI KITU und kämpften mit großem Fanatismus für die Entität. Es kam mir so vor, als hätten sie sich sehr lange auf diesen Krieg vorbereitet.

Torsor beendete die Konferenz. Die Teilnehmer standen schweigend auf, offenbar immer noch von der Anwesenheit von Cau Thon und Goshkan beeindruckt.

Du würdest einen reichhaltigen Braten abgeben, sagte Goshkan zu Diethar Mykke, dem der Schweiß von der Stirn lief. Hastig entschuldigte sich Mykke und eilte so schnell es ging davon.

Meine beiden Chaos-Brüder begleiteten mich nach draußen. Die Sonne Scintilla schien hell. Anya Guuze und ein Mitarbeiter von Zeem kamen auf uns zu. Ich bekam das Ende des Gesprächs mit.

Weißt du Anya, ich rasiere mir die Beine, um den Frauen nachempfinden zu können. Willst du mal meine schönen Beine anfassen?

Äh, nein danke, Val. Lieber nicht.

Was war das denn für ein Irrer? Anya blickte mich mit ihren wundervollen blauen Augen an. Sie sah im Schein der Sonne bezaubernd aus und glich einem Engel. Einfach nur wunderschön.

Cau Thon packte mich. Wer ist die da?

Da stand Anya schon vor uns.

Anya …

Sie wich zurück, als sie Cau Thon und Goshkan bemerkte. Cau Thon starrte sie an, als hätte er einen Geist gesehen. Ich spürte, dass die Terranerin sich vor meinen Brüdern fürchtete. Das war nur natürlich, das tat so ziemlich jedes Lebewesen.

Soso, Anya. Gib gut auf sie Acht, Cauthon. Sie scheint etwas Besonderes zu sein.

War sie das? Ich meinte, natürlich war sie das irgendwie, aber die Worte Cau Thons verwirrten mich. Es war das erste Mal, dass er sagte, ich solle auf eine schöne Frau aufpassen und sie nicht enthaupten. Irgendetwas stimmte nicht. Die Art, wie er sie ansah, gab mir zu denken. Kannte Cau Thon Anya von irgendwo her? Doch das war unmöglich. Sie war eine gewöhnliche Terranerin.

Ich betrachtete sie genauer. Sie sah mich an, der Mund leicht geöffnet, ihre großen Vorderzähne strahlten in reinem weiß. Ihre Augen leuchteten schöner als die Scintilla-Sonne. Beim genauen Hinsehen war sie ebenso faszinierend wie die Hexe Constance. Auf gewisse Weise ähnelten sich beide sogar etwas.

Was war Anya für eine Frau? War sie wirklich auf der Flucht vor einem Leben mit den Unsterblichen? Einem Dasein in Verantwortung? Oder merkte sie inzwischen bereits, dass es unausweichlich für sie war? Dass es ihr Schicksal war?

Hey, Anya und Val!, rief Marcello Zeem und lief auf uns zu. Alles ist hervorragend gelaufen. Ich sehe schon, wie ich die Milliarden scheffeln werde. Ach, ist das Leben schön.

Anya Guuze wirkte nicht erfreut. Sie lächelte zwar verhalten, doch das war nur eine Maske. Vermutlich war sie sauer auf ihren Chef, dass er sie in unsere Gesellschaft gebracht hatte.

Ist sie deine Mitarbeiterin?, wollte Cau Thon wissen.

Ja, willst du sie abwerben oder wie? Ist nur eine Frage des Preises. Du weißt ja, jeder ist käuflich. Auf den Erfolg und ewige Liquidität!

Cau Thon blickte Marcello Zeem finster an und spuckte dann vor ihm aus. Diese Einstellung hat mein Volk ausgerottet! Cauthon, achte darauf, dass sich diese Krankheit nicht verbreitet!

Thon gab Goshkan ein Zeichen. Der gigantische Katrone brummte in Zeems Richtung und folgte dann seinem Herren.

Wir sehen uns bald wieder, Cauthon. Doch nun müssen wir in der Lokalen Gruppe nach dem rechten sehen. Bedenke, was ich dir gesagt habe. Und eines noch. Cau Thon drehte sich um. Vergiss letztes Weihnachten nicht. Es wiederholt sich. In M 87!

Cau Thon lachte und drückte einen Knopf. Wie aus dem Nichts schälte sich die KARAN aus dem Himmel. Cau Thon und Goshkan lösten sich auf, wenige Momente später startete die KARAN und verschwand im Horizont.

Was meinte er damit?, wollte Zeem wissen.

Das frage ich mich auch. Weihnachten?

Nicht das, Despair. Ich meinte das mit der Krankheit …

Kapitel 5
Ankünfte

Visionen

Ihre Schwingen breiteten sich vor mir aus. Aus ihren glutroten Augen spie mir der Hass entgegen. Doch davon verstand ich mehr als jedes andere Wesen im Universum. Ich erwartete ihren tödlichen Angriff. Meine Brüder hatte sie bereits in ein ewiges Verlies gesteckt. Dies wollte sie auch mit mir machen, doch wie ich Lilith kannte, würde sie mich doch lieber töten und die Befehle ihrer Auftraggeber ignorieren. So oder so, ich musste sie bezwingen, sonst war alles verloren, wofür ich so unendlich lange schon gelebt hatte.

Mit einem lauten Schrei schnellte das Geschöpf auf mich zu. Ihr gewaltiger Succubus-Körper kam immer näher. Ich zog mein Caritschwert und schnitt ihr in einen Flügel. Ihre Krallen jedoch bohrten sich in meine Schulter.

Wir beide waren verletzt, doch der Kampf war nicht vorbei. Lilith wendete und flog, wenn auch wackelig, erneut auf mich zu. Ich zog zwei Dolche und warf sie auf sie. Dem einen wich die Dämonin aus, doch der Zweite traf in ihre Brust. Sie fiel zu Boden. Ich rannte vorwärts, das Schwert immer noch in der Hand. Als ich zustechen wollte, um ihr Schicksal zu besiegeln, sprang sie hoch und rammte ihre Krallen in mein Herz. Die Schmerzen waren grausam.

Wenn ich sterbe, wirst du mit mir gehen.

Ich hob das Schwert und stach es ihr in den Rücken. Ich drehte es zweimal herum. Die Wirbel knackten und Lilith schrie wie am Spieß. Sie krallte sich an mir fest. Nur langsam schaffte ich es, sie von mir wegzudrücken.

Ich war zu unachtsam gewesen. Lag es am Alter? An der Todessehnsucht? Ich fiel zu Boden und wusste, dass ich nun sterben würde. Ich fasste an meine offene Brust und nahm das heraus, was mir am meisten Schmerzen in meinem langen Leben verursacht hatte.

Wenn ein Mann seinen Herzschlägen zuhört, ist es gewiss, dass er auf sein Ende wartet.

So geschah es nun mit mir. Doch ich hörte dem schwächer werdenden Schlagen meines Herzens nicht nur zu, ich sah es mir an. In meinen Händen pumpte blutig das Stück Fleisch.

Neben mir lag Lilith. Sie war tot. Wenigstens diese Genugtuung. Das Riff war nicht mehr in Gefahr. Mit ihr starb das Geheimnis des Riffs. Ich konnte unbesorgt dem Schicksal meiner Kinder entgegen sehen.

Ich spürte, wie ich immer schwächer wurde, wie das Halten des Herzens zur Last wurde. Die Glieder wurden taub, die Augenlider schwer. Ich schloss die Augen und sah das Elysium.

Ein Engel nahm mich in Empfang. Schöner hätte kein Engel sein können. Ihr langes, seidiges blondes Haar wehte im Wind. Ihre zierlichen, weiblichen Formen wurden durch das enge, weiße Kleid betont. Doch das Schönste an ihr war das Gesicht. So zart, so strahlend mit ihren großen blauen Augen. Ihr herzliches Lächeln umgab meine fröstelnde Seele mit Wärme.

Ajinah!

Meine geliebte Ajinah. Ich sah sie vor meinem geistigen Auge und glaubte fest, ihr Geist leitete meine Seele in die neue Existenz. Nach all den Jahrtausenden war sie mir so nahe.

Ich wollte meine Hand nach ihr ausstrecken, doch mir fehlte die Kraft. Auch der andere Arm sank zu Boden. Langsam ließ ich mein Herz aus den Fingern gleiten.

Gleich war es vorbei. Doch ich hatte keine Angst, kannte keine Reue oder Wehmut. Es war wie eine Erlösung. Und wenn Ajinah im anderen Leben auf mich wartete, lohnte sich der Weg. Nie gab es eine Frau, die ich mehr liebte als sie. Nun waren wir wieder vereint … nun … Ajinah …

Constance schreckte hoch. Sie war schweißgebadet. Es war dunkel um sie herum. Sie hatte geträumt. Erleichtert atmete sie durch. Sie fasste an ihre Brust und spürte das Pochen ihres Herzens. Jetzt war sie erleichtert. Der Traum war so real gewesen. Sie erinnerte sich an jedes Detail, an jeden Schmerz, den er durchlitten hatte. Wer war er? Und wer war seine Gegnerin gewesen?

War es tatsächlich Lilith, jene, von der alle Lilim abstammten? Die Mutter aller Hexen und Tochter der SI KITU? Lilith war ein Mythos. Sie hatte vor Äonen von Jahren gelebt und sich dem Mann verweigert. Der Legende zur Folge hatte sie damit die Ära der Frau als vorherrschendes Geschlecht auf Entropia eingeleitet.

Offenbar war die Frau in Constances Traum eine Hexe gewesen, denn sie hatte im Succubus-Körper gekämpft.

Was hatte sie geträumt? Etwas längst Geschehenes? Oder etwas, was bald passieren würde?

Ihr war ganz flau in der Magengegend. Sie zitterte am ganzen Körper. Constance blickte nach links. Lydkor hatte nichts mitbekommen. Er schnarchte laut vor sich hin.

Sie gab ihm einen leichten Schlag auf die Schulter, damit er aufhörte, die grässlichen Geräusche von sich zu geben. Endlich gab er Ruhe. Constance legte sich wieder hin und machte ihren Geist frei. Sie esperte in den Weltraum hinaus, in der Hoffnung vielleicht auch schöne Gedanken zu fühlen. Sie ließ ihre Seele weit in den Kosmos baumeln und war glücklich dabei. Nur sie und das weite Weltall. Da spürte sie die Impulse von vier Geschöpfen, die reinen Herzens waren. Sie waren gut, es mussten noch Kinder sein. Doch ihre Herzen waren schwer, sie trugen eine Last. Besonders eine von ihnen. Dann fühlte sie noch einen Impuls – und schreckte wieder hoch!

Der war ziemlich ähnlich, wie in dem Traum! Sie konzentrierte sich auf das Muster. Es gab zwei davon, doch eines war schwach. Es kam aus einem anderen Teil der Galaxie.

Doch beide hatten dieselbe Ausstrahlung. Diese Melancholie, dieser Schmerz. Sehnsucht und Stolz, vermischt mit Wut und Hoffnung. Ein innerer Konflikt spielte sich in ihnen ab. Eine gewisse Gefahr ging von ihnen aus, das fühlte sie deutlich. Constance versuchte, die Signale zu orten, doch es gelang ihr nicht. Das eine war ständig in Bewegung und das zweite kam von irgendwo in Zentrumsnähe von M 87. Doch das war ein dehnbarer Begriff.

Wem immer auch diese Impulse gehörten, es ging Gefahr, tödliche Gefahr von ihnen aus.

Befürchtungen

Trauen wir der Hexe?

Jonathan Andrews sah fragend seinen Meister Gal’Arn an, der ruhig den Schilderungen seines Schülers und von Elyn zugehört hatte. Jonathan war sich selbst nicht sicher, ob man diesen seltsamen Entropen trauen durfte. Viel wusste er jedoch nicht über sie, außer aus den Berichten von Perry Rhodan.

Doch sie gingen mit unglaublicher Härte vor. Die Eroberung des Geeg-Systems war zwar militärisch ein Glanzstück gewesen, jedoch mit viel Blut erkauft worden.

Constance hatte sich freundlich, wenn auch seltsam direkt gegeben. Sie war wunderschön und gut gebaut, wie Jonathan fand. Vielleicht ein Grund, ihr zu trauen.

Er blickte in die Runde. Admiral Wang betrat den Raum. Er wirkte noch ernster als sonst.

Was ist los?, wollte Gal’Arn wissen.

Wir haben eine Meldung des PALADINs. Die Bestien wurden in Alarmbereitschaft versetzt. Große Truppenteile wurden nach Monol verlegt, auch die Siganesen. Sie vermuten, dass dort etwas Großes stattfinden wird.

Wang erzählte, dass die Siganesen von einer Konferenz auf Pompeo-Poser berichtet hatten, an der auch Cauthon Despair, Cau Thon und Goshkan teilgenommen hatten. Das ließ nichts Gutes vermuten. Bis jetzt hatte sich MODROR in M 87 weitgehend zurückgehalten, doch Andrews erinnerte sich noch lebhaft an das plötzliche Auftauchen von Cau Thon im Internraum während ihrer Audienz bei Taruntur.

Was ist, wenn Cau Thon wieder dorthin will? Um die KdZ endgültig zu vernichten?

Es könnte sich aber auch um einen Großangriff auf das Geeg-System handeln, meinte Wang.

Beides ist möglich, stellte Gal’Arn fest. Es gibt nur eine Möglichkeit, das herauszufinden. Wir müssen nach Monol.

Gut, ich mache einen SAPHYR-Jäger startklar, sagte Jonathan und wollte sich schon auf den Weg machen.

Wir nehmen lieber die TERSAL, entschied der Ritter der Tiefe. Sie ist kampferprobt und der kosmokratisch-kemetische Ortungsschutz sollte effizienter sein.

Admiral Wang warf Gal’Arn einen enttäuschten Blick. Auch Jonathan hätte lieber einen SAPHYR-Jäger geflogen, doch er sah ein, dass Gal’Arn recht hatte. Auf die gute alte TERSAL war immer Verlass gewesen.

Und welche Befehle haben Sie für uns, Ritter?, wollte Wang wissen.

1000 SAPHYR-Jäger sollen in der Nähe von Monol auf uns warten. Falls etwas schief geht …

Admiral Wang verneigte sich. Gal’Arn gab Jonathan, Elyn und Jaktar ein Zeichen. Sie machten sich auf dem Weg zu ihrem Raumschiff.

Aussichten

Anya lag müde in ihrem Bett und dachte über den heutigen Tag nach. Von der Konferenz hatte sie wenig mitbekommen und Marcello Zeem sagte ihr nur wenig darüber. Ihre Gedanken kreisten einerseits um die Begegnung mit Cauthon Despair aber auch um den unheimlichen Auftritt von Cau Thon. Es war das erste Mal, dass sie ihn persönlich getroffen hatte. Er und Goshkan waren einfach nur Furcht einflößend.

Wieso hatte Cau Thon sie als etwas Besonderes bezeichnet? Er wollte doch nicht etwa was von ihr? Rothäutige, glatzköpfige Massenmörder gehörten nicht zu den Kerlen, die sie bevorzugte.

Sie spürte einen leichten Ruck. Das Raumschiff setzte sich in Bewegung. Wo sie wohl hinflogen? Zurück nach Hause? Sie bezweifelte das stark, denn Marcello Zeem hatte bestimmt noch nicht genug vom Geschäftemachen. Sie stand auf und zog sich an. Nach 25 Minuten vor dem Spiegel fühlte sie sich bereit, die Kabine zu verlassen.

Sie suchte die Kommandozentrale auf. Diesmal durfte sie ohne Probleme passieren. Marcello und Val waren dort. Sie betrachtete den Stellvertreter von Zeem etwas genauer.

Morgen! Hast du etwa …?

Ja, etwas Schminke und Lippenstift. Jetzt weiß ich, wie du dich fühlst. Willst du mal meinen Lippenstift kosten?

Geh weg …

Sie wandte sich an Zeem. Wo fliegen wir denn nun schon wieder hin?

Nicht so gehässig, kleine Anya. Eigentlich hätte ich gut und gern Lust dich zu feuern, aber offenbar haben die Verantwortlichen des Quarteriums Gefallen an dir gefunden. Despair und seine Brüder des Chaos waren ja ganz wild auf dich.

Und gerade dieser Umstand bereitete ihr so viel Angst. Während Cauthon Despair noch eine gewisse Sympathie trotz seiner Raumritterrüstung ausstrahlte, waren Cau Thon und Goshkan brutale Bestien. Sie hatte nicht vergessen, dass Cau Thon für die Entführung der BAMBUS vor mehr als zehn Jahren verantwortlich gewesen war. Und vermutlich steckten er und sein Meister hinter vielen Verbrechen des Quarteriums. Über Goshkan hatte sie nur gelesen, ihn Gott sei Dank niemals in Aktion erlebt. Das wollte sie auch so belassen.

Sie seufzte und setzte sich in einen Sessel. In was für ein Schlamassel war sie da wieder geraten? Sie wollte nur noch nach Hause. Das brachte sie wieder auf die neugierige Frage, wo sie jetzt hinflogen.

Wir befinden uns auf dem Weg zum Planeten Ednil. Dort lebt das Volk der Perlians. Sie haben sich aus dem Krieg heraus gehalten und waren in den Magellanischen Wolken sogar Diener der Uleb. Die Uleb sind …

Ich weiß, was die waren. Ganz so doof bin ich nicht. Die Uleb haben der Menschheit vor rund 2000 Jahren viel Kummer bereitet. Sie waren Nachkommen der Bestien, die aus M 87 geflohen sind. Und du erhoffst dir jetzt von den Perlians neue Geschäfte?

Na ja, ich gebe ja zu, dass ich in erster Linie den Profit sehe. Korrekt, auf Ednil wollen wir unser erstes Handelszentrum eröffnen. Und wenn du weiter so frech bist, lasse ich dich dort als Geschäftsführerin. Dann wirst du Terra nie wiedersehen!

Anya schwieg. Sie wollte eigentlich ihrem Chef noch die Meinung sagen, aber dazu war sie im Moment nicht in der Position. Sie musste die Zeit in M 87 durchstehen.

Kapitel 6
Die letzte Schlacht

Jonathan Andrews war nicht wohl beim Anblick der gigantischen Raumstation. Die keilförmige Konstruktion hatte eine Länge von zehn Kilometern. Um sie herum kreuzten hunderte Supremo-Schlachtschiffe.

Sie bereiten definitiv einen Angriff vor, sagte Jonathan. Nur gegen wen?

Die Supremos sind nicht zum Angriff hier, meinte Gal’Arn.

Was?, fragte Elyn.

Es sind viel zu wenig. Sie dienen als Wachflotte. Jedoch sind jede Menge Truppentransporter hier. Offenbar wird das gigantische Raumschiff mit Soldaten der Bestien gefüllt. Nein, ich glaube, der Angriff wird nur durch diese riesige Station durchgeführt.

Jonathan sah sich das Gebilde genauer an. Dann aktivierte er die Datenbank der TERSAL. Er suchte nach dem Begriff SONNENHAMMER und ein Bild der Todesstation von MODROR erschien auf dem Display.

Bingo.

Die anderen bemerkten nun auch das Bild und schauten es sich an. Obwohl der SONNENHAMMER weitaus größer gewesen war, glich die Bauweise dem neuen Raumschiff.

Elyn aktivierte die Abtaster. Ich habe da auch eine Vermutung Die Legierung der Außenhülle entspricht der des SONNENHAMMERs. Sie wurde für extreme Hitze konzipiert.

Für den Flug in eine Sonne, stellte Gal’Arn bitter fest. Dieser Miniatur-SONNENHAMMER soll in den Internraum fliegen.

Und was machen wir jetzt? Wie letztes Mal einfach reinfliegen und zwei Arkonbomben verstecken? Das ging doch schon damals in die Hose, meinte Jaktar.

Gal’Arn schüttelte den Kopf. Wir müssen ihn zerstören, bevor er einsatzbereit ist. Jaktar, kontaktiere Wang. Wir brauchen alle 5000 SAPHYR-Jäger. Jonathan, wir müssen uns mit der Hexe in Verbindung setzen. Wenn die Entropen uns wirklich helfen wollen, können sie es jetzt beweisen.

In Natura war Constance Zaryah Beccash noch schöner als auf der Holografie, fand Jonathan Andrews. Sie war auch ziemlich gut gebaut, was ihren Vorbau anging. Eine hübsche Frau durch und durch. Wieso ihre anderen Artgenossen aber alle blau waren und teilweise vier Arme und drei Augen besaßen, verstand er nicht so ganz.

Anstandslos hatten die Entropen die TERSAL ins Geeg-System einfliegen lassen, nachdem Jonathan eine Nachricht an die Entropen geschickt hatte.

Gal’Arn verbeugte sich vor Constance.

Sie lächelte verlegen. Hallo. Du bist der Ritter, richtig? Du hast ein langes Schwert.

Jonathan musste loslachen. Gal’Arn wirkte peinlich berührt. Er sah die Hexe verdutzt an. Sie zeigte auf sein Caritschwert.

Danke sehr. Es ist ein uraltes Schwert, mehr als 90 000 Jahre alt. Es wurde aus dem Ultimativen Stoff gefertigt.

Kosmokratenwaffen sind Müll!

Verwundert schauten Gal’Arn, Jonathan, Elyn und Jaktar den Entropen mit dem roten Sichelkamm an. Er wirkte alles andere als freundlich. Neben ihm schwebte auf einer Scheibe ein fetter Entrope mit Tentakeln und einem großen Kopf.

Das sind Denker00033 und Lydkor. Sie sind für das Militär in M 87 zuständig. Ich mehr für das Mündliche und so. Also die Diplomatie und die zwischenmenschlichen Beziehungen …

Ah ja, machte Gal’Arn und räusperte sich, als Jonathan immer noch lachte. Wir danken für die Audienz. Gefahr zieht herbei. MODROR hat dem Quarterium offenbar eine Waffe geschenkt, mit deren Hilfe sie in den Internraum vordringen können.

Jaktar zeigte einen Memowürfel in seiner Handfläche. Die Holografie des kleinen SONNENHAMMERs erschien. Daneben wurden technische Daten eingeblendet.

Im Moment befindet er sich bei Monol und wird mit quarterialen Truppen beladen. Wir müssen zuschlagen, bevor er sich auf den Weg macht.

Constance blickte offenbar Hilfe suchend Lydkor und Denker00033 an.

Der Entrope auf der Scheibe schwebte zum Hologramm und musterte es. Dann blickte er ernst zu Gal’Arn. Obwohl ihr Menschen ja ziemlich minderbemittelt seid, schenken wir euch Glauben. Mein überragender Intellekt erkennt die Gefahr durchaus. Wir werden euch erlauben, sich unserem Angriff anzuschließen.

Wie großzügig, dachte Jonathan. Dieses Spanferkel auf Tablett war offenbar noch arroganter als so manche Vertreter des Quarteriums. Er war gespannt, wie Gal’Arn darauf reagieren würde.

Wir danken für das Bündnis, bestehen jedoch darauf, dass wir gleichberechtigt vorgehen. Wir verfügen über mehr Erfahrung als ihr und sind kampferprobt.

Was?, brüllte der Denker.

Bitte, hört auf euch zu streiten!, forderte Constance. Natürlich wird diese Operation gemeinsam von uns geführt werden. Gal’Arn und Denker werden sich das Kommando schon teilen müssen. Es …

Sie stockte. Constance wankte. Lydkor ging auf sie zu und stützte sie.

Ich spüre es wieder, hauchte sie.

Was?, wollte Denker wissen. Hast du wieder eine Vision? Kannst du sie lokalisieren?

Constance knickte zusammen.

Lydkor half ihr wieder hoch. Er packte sie und schüttelte sie. Sag schon! Reiß dich zusammen!

Constance schrie. Sie stieß sich von Lydkor los und taumelte durch die Kabine. Sie stützte sich am Tisch ab. Ich fühle ihren Schmerz. Sie sind fast dort. Nur Wesen mit reinen Herzen können dort hinein. Die Kleinen. Sie sind es. Oh nein, ich spüre ihn tief in mir.

Kann die nicht mal die ganzen Zweideutigkeiten lassen?, fragte Jonathan. Wen spürt sie?

Ihn vom Riff … er kehrt zurück …

Lydkor und Denker sahen sich entsetzt an. Nein, da war noch mehr. Jonathan erkannte Angst und Panik in ihren Gesichtern. Wen meinten sie mit ihm von Riff? Was für ein Riff? Doch, Jonathan erinnerte sich daran. Perry Rhodan war das erste Mal im Dezember letzten Jahres auf den Begriff gestoßen. Offenbar stand es unmittelbar vor der Ankunft.

Ich … ich muss … Sternenkarte, stieß sie stockend hervor.

Sofort erschien das Hologramm einer Sternenkarte von M 87. Sie suchte herum, vergrößerte die Region nahe des Zentrums. Dann zeigte sie auf ein Gebiet mit einem Radius von 300 Lichtjahren.

Dort irgendwo …

Es gibt dort vier besiedelte Welten. Die größte ist der Wasserplanet Ednil, Heimat der Perlians, berichtete Gal’Arn. Wer hält sich dort auf? Wir müssen es wissen.

Constance seufzte. Sie setzte sich langsam hin und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Vor acht Monaten haben wir versucht, die Auferstehung von Cul’Arc zu verhindern. SI KITU hat uns nicht über alles informiert, doch wir wissen, dass die Erweckung seines Bruders Brok’Ton ungeahnte Konsequenzen für uns haben wird. Das Riff ist eine uralte Welt, die sich Siom-Som nähert. Cul’Arc ist ein Anführer davon und wenn Brok’Ton erwacht, werden sie übermächtig werden.

Und wieso befindet sich dieser Brok’Ton in M 87?, wollte der Ritter der Tiefe wissen. Wieso muss er wiedererweckt werden?

Vor Äonen wurden Cul’Arc und Brok’Ton in ewige Gefängnisse verbannt, erzählte der Denker. Die Kosmokraten und unsere Herrin SI KITU hatten damit zu tun. Auch der Herr des Riffs, Nistant, sollte dorthin verbannt werden, doch er starb im Zweikampf.

Constance sah ihn verwirrt an.

Mit einem verächtlichen Lächeln sagte er: Du bist nicht allwissend, Hexe. Du bist jung und der Hexenrat hat nicht allzu großes Vertrauen in deine Fähigkeiten. Du kennst die Geschichte nicht? Doch du kennst sie – du hast davon geträumt. Vom legendären Zweikampf zwischen Lilith und Nistant.

Er wandte sich wieder an die Menschen.

In SI KITUs Prophezeiung heißt es, dass, wenn die beiden Brüder sich mit dem dritten Erben vereinen, er von den Toten auferstehen und als Gott des Riffs zurückkehren wird. Doch er wird dem Universum Tod und Zerstörung bringen.

Andrews stieß einen Pfiff aus. Hörten die ganzen Probleme denn nicht mal irgendwann auf? War der Mini-SONNENHAMMER nicht schon schwierig genug? Jetzt musste noch eine verstaubte Mumie wieder auferstehen und für Unruhe sorgen.

Die Hexe Niada wurde mit der Liquidierung von Cul’Arc beauftragt. Sie hat sogar Unterstützung durch euch Terraner. Ein Roi Danton und seine Begleiter wurden von SI KITU auserwählt, ihr zu helfen.

Nataly!, stieß Andrews hervor. Dann hat euer Volk sie also entführt? Ihr verdammten …

Er wollte auf den Denker losgehen, doch Gal’Arn hielt ihn zurück.

Das nützt keinem etwas, sagte er ernst.

Jonathan hielt inne. Doch dieses Entropenvolk war ihm nicht geheuer. Sie hatten ihm seine Nataly gestohlen. Doch da kam ihm eine Idee. Wenn wir diesen Brok’Ton schnappen, wird er sich nicht mit seinen Brüdern vereinigen können, richtig? Wenn wir euch dabei helfen, will ich, dass du, Constance, Kontakt mit dieser Niada aufnimmst und Nataly zu mir zurück bringst.

Lachhaft, sagte der Denker.

Ich hab nicht mit dir gesprochen, Flummi. Wenn du nicht bald die Klappe hältst, stoße ich dich von deinem hohen Tablett.

Der Denker schwieg.

Wir dürfen den Angriff auf den Internraum nicht vergessen, erinnerte Elyn.

Constance hatte sich inzwischen wieder gefasst. Sie blickte alle an und ging ein paar Schritte durch den Raum. Sie spielte dabei an den Bändchen ihres Kleides.

Wir teilen uns auf. Ich muss nach Ednil, um die Erweckung von Brok’Ton zu verhindern. Lydkor und der Denker werden den Angriff auf den SONNENHAMMER starten.

Ich werde dich begleiten, sagte Gal’Arn. Mein Orbiter Jaktar ebenfalls. Jonathan und Elyn werden am Angriff teilnehmen.

Nein, ich will diesen Brok’Ton wegen Nataly fangen.

Das überlasse mir und Jaktar! Wir werden alles tun, um mit Nataly in Kontakt zu treten. Das werden wir doch? Er sah Constance ernst an.

Ja, ich werde sobald wie möglich mit Niada Kontakt aufnehmen. Sie wird wissen, wie es deiner Gefährtin geht. Vielleicht ist sie jedoch auch schon tot, dann regen wir uns völlig umsonst auf. Sie lachte schrill.

Jonathan hätte in diesem Moment gerne ihren schönen Hals umgedreht.

Wenn man durch den Weltraum flog, wirkte alles so friedlich. Die unendliche schwarze Leere wurde nur durch das Schimmern von Abermilliarden Sternen unterbrochen. Diese endlose Ruhe und der faszinierende Anblick gab Jonathan Andrews immer das Gefühl, dem Kosmos ganz nahe zu sein, sich auf gewisse Art und Weise erleuchtet zu fühlen.

Es gab nichts Schöneres, als durch das Weltall zu fliegen. Ein Raumfahrer fand inneren Frieden, wenn er es nicht als alltägliche Arbeit ansah, sondern als Geschenk und Wunder. Ob sich so auch Perry Rhodan damals gefühlt hatte, als er mit der STARDUST die Erde verlassen und somit eine neue Ära der Menschheit eingeleitet hatte?

Das Schrillen der Ortungsanzeige riss Jonathan aus seinen Gedanken. Vor ihm erschien der SONNENHAMMER in seiner gewaltigen Größe. Nun wurde es ernst. Jetzt bot der schöne Leerraum eine tödliche Frucht. Er gab ein Signal an die 5000 SAPHYR-Raumjäger und 10 000 entropische Ei-Raumschiffe.

Der Angriff begann! Jonathan wechselte einen letzten Blick mit Elyn, dann beschleunigte er den SAPHYR-Jäger und raste zusammen mit 15 000 weiteren Schiffen auf die Kampfstation zu. Er aktivierte die Waffen. Mehr als Zeichen anstatt als ernst gemeinten Angriff feuerte er zwei Raumtorpedos auf den SONNENHAMMER ab. Wie zu erwarten verpufften sie am Schutzschirm. Die Supremoraumschiffe erwiderten unverzüglich das Feuer, doch die Entropen nahmen das Gefecht auf. Sie splitteten ihre Flotte. 4000 Schlachtschiffe kümmerten sich um die Wachraumschiffe, während der Großteil mit den SAPHYR-Raumjägern den Angriff auf die Raumstation vornahm.

Die Entropen schleusten Beiboote aus. Sie beschossen die ziemlich wehrlosen Truppentransporter. Als Soldat fühlte Andrews mit den sterbenden Bestien. Obgleich sie Feinde waren und wenig gute Eigenschaften besaßen, starben sie ohne eine Chance. Die Entropen hatten inzwischen System in ihren Angriff gebracht. Zu je einhundert Schiffen bombardierten sie in Wellen die Station.

Die Gegenwehr war sehr gering. Offenbar war die Besatzung auf so einen Angriff nicht vorbereitet gewesen. Nun setzte sich die Station in Bewegung. Es war nur eine Frage der Zeit, bis sie in den Hyperraum eintauchen würde. Sie mussten schnell handeln.

Der SONNENHAMMER wird entkommen, sagte Elyn besorgt.

Ich weiß. Hier Andrews an Denker und Wang. Punktfeuer in Hangarnähe. Zur Not müssen wir das Ding kapern.

Was haben Sie vor?, wollte Wang wissen.

Wir bringen den Schutzschirm am Hangar zum Kollabieren und fliegen mit soviel SAPHYR-Jägern und entropischen Beibooten wie möglich rein, bevor er sich regeneriert. So haben wir die Möglichkeit, ihn auch während des Fluges noch zu stoppen.

Elyn stieß nun einen Pfiff aus. Darf ich noch aussteigen?

Nein, sagte Andrews und lächelte schelmisch.

Hier ist Denker. Wir akzeptieren deinen Vorschlag. Punktfeuer beginnt jetzt. Raumschiffe halten sich bereit.

Es dauerte nur wenige Minuten, dann war eine Strukturlücke geschaffen. Andrews preschte mit seinem Jäger voran. Auf der Anzeige sah er, dass weitere quarteriale Supremos eintrafen. Die Schlacht wurde größer. Die Kampfstation war bereits fast auf Lichtgeschwindigkeit.

Als die Raumjäger ihre Geschwindigkeit angeglichen hatten, mussten sie abrupt abbremsen, als in den Hangar sausten. Dies gelangt nicht jedem Raumschiff, so dass einige gegen den Hangar donnerten und explodierten. Unsanft brachte Jonathan den Jäger zur Landung. Ihm folgten zwanzig weiter SAPHYR-Jäger und zehn entropische Fähren. Dann zerprallte ein SAPHYR-Jäger am wiedererrichteten Schutzschirm. Nun waren sie auf sich allein gestellt.

Kapitel 7
Unbekannte Bedrohung

Ednil

Anya Guuze betrachtete die zwei blauen Sonnen im Bourjaily-System, um die auch der Wasserplanet Ednil kreiste. Ednil war der einzige Planet in diesem Sonnensystem. 90 Prozent der Oberfläche waren mit Wasser bedeckt. Es gab nur kleine Inseln, die weit voneinander lagen. Die größte Insel lag in Äquatornähe. Der Großteil des Lebens spielte sich unter Wasser ab. Auf dem Grund der flachen Ozeane standen die großen Städte der Perlians.

Anya fragte sich, was Marcello Zeem den Perlians wohl andrehen wollte. Neben ihr saß Val Korch und lackierte sich die Fingernägel. Zeem kauerte an seinem Schreibtisch und bereitete emsig Angebote vor.

Die Perlian nahmen Kontakt mit der FINANZ auf. Das lebensgroße Abbild eines Perlians erschien in der Kommandozentrale. Anya bewunderte das grazile Äußere, die silberne, schuppige fast durchsichtige Haut. Der große Kopf des Perlians hatte zwei große, gelbliche Augen. Sie wusste von dem Zeitauge in der Stirn. Es war nicht zu erkennen, doch eine Runzelung der Stirn ließ vermuten, wo das Organ saß.

Ich bin Redil, zuständig für fremde Besucher. Ich grüße euch, Terraner. Eure Botschaft hat uns erreicht. Wir akzeptieren euer Anliegen und bitten euch, auf der Plattform Magellan zu landen. Die Koordinaten übermitteln wir euch in diesem Moment.

Val Korch stellte den Nagellack beiseite, pustete etwas auf die Fingernägel und überprüfte auf dem Rechner die Daten. Er nickte Marcello Zeem zu. Hervorragend, wir werden uns gut verstehen, Mister Redil.

Finanzvorsteher Chadin wird euch mit mir empfangen. Dann werden wir über die Geschäfte reden.

Das Hologramm des Perlian erlosch. Zeem gab Anweisung, zu der Landeplattform zu fliegen. Die FINANZ tauchte in die Atmosphäre ein, durchstieß die Wolkendecke und steuerte auf die Wasseroberfläche zu.

Anya gefiel dieser Planet. Viel Wasser und Sonne. Nur wo war der Strand? Vielleicht hielten sie ja die Besprechung auf einer der idyllischen Inseln ab. Sie konnte sich dann an den Strand legen und in Ruhe abschalten.

Zu ihrer Enttäuschung steuerte die FINANZ eine rostige Plattform an. Einige andere Kugelraumer und kleinere Raumschiffe und Gleiter standen dort. Offenbar war die Plattform so eine Art Raumhafen auf diesem Planeten. Die Magellan-Plattform war quadratisch mit einer Kantenlänge von drei Kilometern. Sie wirkte aber nur aufgrund der Größe gewaltig, ansonsten war sie schlicht gehalten und wirkte alt. Regen und Meerwasser taten wohl ein Übriges.

Die FINANZ landete behutsam. Marcello winkte Val Korch und Anya zu sich. Ihr beide kommt mit.

Anya folgte den beiden Männern in den Antigravschacht. Sie schwebten zur Außenschleuse, die sie bis zum Boden der Plattform brachte. Dort wurden sie bereits von zwei Perlians erwartet. Beim Aussteigen wäre Anya beinahe ohnmächtig geworden, so heiß war es.

Willkommen Terraner, ich bin Chadin. Rednil habt ihr bereits kennen gelernt. Oh, ich sehe, euch bekommt die Temperatur nicht. Dabei ist es heute recht kalt mit 53 Grad Celsius. Nun ja, kommt in diesen Gleiter. Wir reisen in unsere Hauptstadt Perlon.

Anya wurde ganz schlecht, ihr Herz pochte schnell und ihr Kreislauf fuhr Achterbahn. Endlich saßen sie in einem klimatisierten Gleiter. Auch Zeem und Korch wirkten angeschlagen.

Der Gleiter tauchte ins Meer ab. Das Wasser war klar und sie konnte weit in die Tiefe blicken. Erst nach einer Weile wurden Lichter aktiviert. Scheinwerfer erhellten das Dunkel des Ozeans. Anya sah schwimmende Perlians um sie herum. Drei von ihnen schnellten am Gleiter vorbei und hielten auf eine Kugel zu, die plötzlich zu leuchten anfing.

Ihre Wohnung, erklärte Rednil. Es gibt Perlians, die ihre Häuser direkt im Meer haben.

Es war ein wunderschöner Anblick. Auf einer Ebene arbeiteten Perlians auf einer Art Feld und ernteten Seepflanzen.

Das letzte Mal, dass wir Besuch aus der Milchstraße bekamen, ist wohl fast eintausend Jahre her, als der Haluter Icho Tolot uns kurz aufsuchte. Es hat sich seitdem viel getan. Wir sind fester Bestandteil der Völkergemeinschaft von Druithora. Wir beliefern die Völker mit Mineralien aus der Tiefe, aber auch Nahrung und Medizin. Es gibt viele Perlians aus den Magellanischen Wolken, die in ihrer Heimat zurückgekehrt sind. Leider hat sich nun alles wieder verändert …

Anya konnte sich schon denken, worauf Rednil anspielte. Die Invasion der Bestien und des Quarteriums versetzte dieses Volk bestimmt in Angst und Schrecken.

Keine Sorge, lieber Freund, sagte Zeem. Die Perlians haben sich im Krieg neutral verhalten und werden dafür vom Quarterium belohnt werden. Die Bestien sehen in euch ja immer noch Verbündete. Wir sind hier, um Handel zu betreiben.

Anya erkannte nun schon die Stadt unter dem Meer. Sie war wunderschön. Durchsichtige Kuppeln, hell erleuchtete Türme und kunstvoll geschwungene Brücken und Bögen prägten das architektonische Wunderwerk der Perlians.

Das Unterseeboot flog zu einem Landeplatz. Eine kleine Strukturlücke öffnete sich und das Boot schwebte hindurch. Die Antigravtriebwerke wurden aktiviert und langsam glitt es über den nassen Boden.

Keine Sorge, wir haben die Luft mit einer für euch atembaren Atmosphäre angereichert und halten diese bei 21 Grad Celsius kühl, erklärte Rednil.

Chadin und Rednil führten Anya, Marcello Zeem und Val Korch in eine große Halle. Die Kuppel war durchsichtig. Anya beobachtete die reichhaltige Fischwelt um sie herum. Fische in allerlei Farben und Formen schwammen über dem Dach.

Ein Surren ließ sie auf den Boden schauen. Aus diesem stiegen eine große Tischtafel und bequeme Sessel hervor.

Nehmt Platz, bat Chadin.

Ein dritter Perlian servierte Getränke und Kleinigkeiten zum Essen. Anya starrte gierig auf die ganzen Leckereien, entschloss sich aber für das Gemüse, da sie auf ihre Figur achten wollte. Schließlich wollte sie nicht, dass die grazilen Perlians sie seltsam angafften, sollten sie doch noch an irgendeinen Strand gehen.

Ah, wir erhalten gerade Nachricht, dass Ihre quarterialen Freunde auch eingetroffen sind.

Anya blickte sich erschrocken um. Dann sah sie Zeem böse an. Sie wusste nicht, dass Quarteriale auch an der Besprechung teilnehmen würden. Eine Marschmusik wurde gespielt. Anya konnte keine Lautsprecher in der großen Halle ausmachen.

Michael Shorne, Diethar Mykke und Cauthon Despair höchstpersönlich betraten den Kuppelsaal.

Despair zeigte den Ansatz einer Verbeugung vor Anya. Sie nickte ihm irritiert zu. Zu allem Übel nahm er auch noch neben ihr Platz. Mykke fläzte sich ihr gegenüber in den Sessel und glotzte sie mit seinem feisten, aufdringlichen Lächeln an.

Aus den Boxen erklang nun terranische Folklore. Offenbar hatten sich die Perlians gut vorbereitet.

Zuerst wollen wir betonen, dass wir eine neutrale und friedliche Nation sind, eröffnete Chadin die Besprechung. Und den Pelewon und ihren Abkömmlingen geschichtlich eng verbunden sind.

Anya wertete das als ein Zeichen der Angst. Dass Perlians in den Magellanischen Wolken die Diener der Uleb waren, war mehr als zweitausend Jahre her. Sicherlich war kein Perlian stolz darauf, denn auf Terra brüstete sich ja auch keiner mit Adolf Hitler, Iratio Hondro oder sagte, dass die Monos-Zeit echt klasse gewesen war.

Wobei, wenn sie sich die Quarterialen näher ansah, glaubte sie, dass es doch Terraner gab, die solche Zeiten wiederhaben wollten.

Ich beobachtete während dieser langweiligen Konferenz die wunderschöne Anya Guuze. Ihre blauen Augen glänzten schöner als der Ozean auf Ednil im Schein seiner beiden Sonnen.

Das Geschwätz der feigen Perlians und der geldgierigen Terraner interessierte mich nicht. In der Nähe dieser Frau fühlte ich mich wohl. Sie wirkte so unsicher, hatte bestimmt große Furcht. Doch sie musste keine Angst haben, ich beschützte sie schon vor dem lüsternen Diethar Mykke oder der C.I.P.

Ich seufzte. Nein, nicht schon wieder! Jedes Mal, wenn ich eine schöne Frau erblickte, erging es mir ganz anders. Die Meisten, die ich begehrt hatte, starben eines grausamen Todes. Die eine hasste mich und eigentlich war nur Brettany friedlich geblieben. Doch im Grunde genommen hatte ich ja sowieso mit keiner etwas gehabt. Nicht mal ein Kuss war dabei herausgekommen. Das innigste Erlebnis waren Umarmungen gewesen.

Trostlos. Vielleicht würde Nickie Yanes mich ja lieben. Fanatisch genug war sie, aber ich empfand wenig für sie. Sie war irgendwie etwas bescheuert und unberechenbar. Die Hexe Constance war auch sehr süß, aber auch seltsam und letztendlich meine Feindin.

Und wieso sollte Anya etwas für mich empfinden? So eine Frau konnte jeden Terraner in Cartwheel und der Milchstraße haben. Außerdem liebte sie nicht unbedingt das Quarterium. Und da ich nun einmal die rechte Hand des Imperatore war, müsste sie sich wohl mit meiner Arbeit abfinden. Das war ihr sicher nicht möglich.

Und was sagt das quarteriale Militär dazu?

Wie? Wer fragte mich was?

Marcello Zeem sah mich fragend an.

Einverstanden, sagte ich knapp. Es ging doch sowieso nur um Wirtschaftswachstum. Das hatte keine militärische Bedeutung.

Irgendwie war ich in seltsamer Stimmung. Mir war kalt. Wieso nur? Mein Herz pochte und der Kreislauf war auch nicht in bester Verfassung. Eigentlich müsste der Zellaktivator doch solche Lappalien kompensieren. Oder war es mehr ein psychisches Problem? Die Anwesenheit dieses Engels brachte wohl den Kreislauf jeden Mannes in Wallung, aber daran lag es nicht. Ich fühlte eine seltsame Kälte, seitdem ich auf Ednil war. Aber es war irgendwie eine vertraute Kälte. Schwer zu definieren.

Dann machen wir eine kurze Pause, beschloss Rednil und verneigte sich. Ich blickte dem schlanken Wesen hinterher.

Major Korral rannte in den Raum. Er stieß dabei beinahe Rednil um, der erschrocken zur Seite wich.

Ich wusste sofort, es war etwas geschehen. Was gibt es?

Sir …

Er blickte sich um. Ich verstand und ging mit ihm in die andere Ecke des Saals.

LFT und Entropen haben einen Angriff auf die Station von MODROR durchgeführt. Sie konnten sie zwar nicht ernsthaft beschädigen, doch es sind feindliche Truppen an Bord der Station.

Wie gefährlich ist die Situation?

Nun, Torsor sagt, er hätte alles im Griff. Die Terraner und Entropen haben zwar einen Brückenkopf gebildet und einen Hangar besetzt, doch sie seien in der Falle.

Gut, informieren Sie Torsor, er möge mit den LFT-Soldaten schonend umgehen. So viele Gefangene wie möglich. Die Entropen kann er alle niedermetzeln.

Major Korral verneigte sich und verließ den Saal wieder. Die LFT-ler waren unsere Brüder, doch mit den Entropen hatte ich wenig Mitleid. Ich mochte sie nicht, bis auf diese Constance.

Die Perlians servierten Alkohol und alle griffen fleißig zu. Nun endete diese unwichtige Konferenz auch noch in einem Besäufnis. Das konnte ja lustig werden. Ich beschloss, nur noch eine Stunde hier zu bleiben, dann sah ich mir lieber die Situation auf der Station von MODROR an. Obwohl die Operation in Torsors Händen eigentlich kaum schief gehen konnte. Doch sicherlich waren wieder irgendwelche besonderen LFT-ler an Bord der Station.

Nach einer Stunde waren Shorne, Zeem, dessen Berater und Mykke schon voll wie Eimer und johlten laut Quarterium – oh, schönes Quarterium, Heimat aller Menschen.

Anya nippte an ihrem dritten Cocktail und strahlte mich auch so seltsam an. Sie hatte wohl auch schon einem im Tee.

Gefällt es Ihnen jetzt an unserer Seite?, fragte ich sie.

Nein, aber der Alkohol macht es im Moment erträglicher. Die Perlians haben echt leckere Cocktails. Wollen Sie auch mal? Ist sogar ein Strohhalm dabei.

Impertinentes Frauenzimmer! Ich musste diese Maske nicht mehr tragen, denn dank MODROR war ich nicht mehr das Monster von einst. Die Deformationen waren weg und ich war ein gut aussehender Mann. Nahm ich zumindest an. Doch dieses Visier verlieh mir Macht und flößte den anderen Angst ein.

Doch manche schienen diesen Respekt langsam zu verlieren, zumindest mit Zunahme der Promille.

Danke, ich trinke nicht im Dienst. Ich trinke eigentlich gar keinen Alkohol, wenn es sich vermeiden lässt.

Na, ist wohl auch besser so. Aber der ist wirklich lecker. Egal, eigentlich würde ich jetzt lieber ganz schnell zurück nach Terra. Doch stattdessen sitze ich 60 Millionen Lichtjahre von Zuhause entfernt in einer Unterwasserstadt mit Fischköpfen und Arschlöchern. Sorry, aber ist doch wahr …

Sie haben aber keine Angst, mir das zu erzählen?

Sie sah mich an. Mir wurde schon wieder ganz anders, das lag jetzt aber an ihr.

Sie scheinen mich irgendwie zu mögen. Ich weiß nicht warum, aber ich habe das Gefühl, Sie werden mir nichts antun, Herr Quarterium-Marschall.

Cauthon. Wir kennen uns lange genug.

Das ist mir jetzt irgendwie unheimlich. Ich meine, Sie … du bist der gefürchtete Silberne Ritter. Nicht, dass ich schon jede Menge seltsame Leute in den letzten zehn Jahren kennen gelernt hätte. Ich erinnere mich da noch an irren Ian Gheddy.

Wie konnte ich den vergessen? Immerhin hatte ich seinen Bruder Charlie abgestochen, als der versucht hatte, den Imperatore zu töten. Ich musterte Anya. Sie wirkte traurig. Sie musste damals Ian erschießen. Dreimal hatte sie mit dem Thermostrahler auf ihn gefeuert. Es war ihr erster Toter. Auch wenn es Notwehr war, so musste es sie doch damals sehr mitgenommen haben.

Du hast damals richtig gehandelt. Ia