
Ein intergalaktischer Krieg tobt im Jahre 1307 NGZ. Angezettelt von den Söhnen des Chaos und geführt von ihren bereitwilligen Helfern, den Imperien Dorgon und Quarterium, sind die estartischen Galaxien, Cartwheel, M 100, M 87 und die Lokale Gruppe ins Chaos gestürzt worden.
Denn die Gefahr durch MODROR wird von Minute zu Minute größer. Atlan und seine Begleiter erfahren mehr über den Kosmotarchen MODROR und das kosmische Projekt. Nach Gefangennahme von Rodrom sammelt sich eine gigantische Flotte von MODROR im Kreuz der Galaxien, doch der Alysker Eorthor vernichtet die Flotte und das Kreuz mit einer siebendimensionalen Bombe.
Derweil ist der Krieg nahe der Milchstraße ausgebrochen. Das Quarterium startet den FELDZUG LOKALE GRUPPE …
Aber so brutal und mitleidlos auch Menschen unterdrückt werden, soweit es auch gelingen mag, sie durch Phrasen, durch Schwenken von bunten Fetzen und durch Dröhnen von Pauken und Trommeln zu verblöden, immer und überall wird eine Grenze erreicht, wo weder Gewalt noch Brutalität, noch göttliche Erhabenheit, noch Versprechen, noch Heldenanbetung irgendeinen weiteren Erfolg haben. Das Leben ist wertlos geworden, weil der Mensch, so niedrig er auch sein mag, dennoch mehr von Leben verlangt, als nur zu essen und zu zeugen und für die Götter zu arbeiten und sie dafür noch anzuräuchern.
Wenn der Unterdrückte und Gequälte zu fühlen beginnt, dass sein Leben dem eines Tieres so ähnlich geworden ist, dass es kaum noch ähnlicher werden könnte, dann ist die Grenze bereits überschritten, und der Mensch verliert jegliche Vernunft und handelt wie ein Tier, um seine menschliche Würde wiederzugewinnen.
Aus B. Traven: Die Rebellion der Gehenkten
Ich war der Gestrandete der Zeit
und es war eigentlich nur ein geborgtes Leben, welches ich führte, obwohl ich dem Sensenmann schon mehrmals von der Schippe gesprungen war, aber es war nach wie vor mein Leben.
Von der Anzahl der Jahre, die seit meiner Geburt vergangen waren, konnte ich es locker mit einigen der Unsterblichen
aufnehmen, aber, und das bemerkte ich immer mehr, mir fehlte wohl deren Abgeklärtheit. Ich, und das würde so bleiben, solange die Nacht dem Tag folgte und so wahr ich Joaquin Manuel Cascal hieß, ich würde es immer für eine Torheit ohnegleichen halten, wenn man dem Aggressor nicht nur einmal die Wange hinhielt, sondern ihn gleich mehrmals einlud zuzuschlagen, bis man, schon am Rande der Niederlage, endlich einmal zurückschlug, natürlich nur um dann gleich angstvoll nachzufragen, ob man dem armen, missverstandenen Imperatore nicht zu hart angefasst hätte!
Doch in der glorreichen Führung der LFT hatte man vergessen, dass Angriff die beste Verteidigung darstellte. Nur alles vermeiden, was den Anschein von Angriffshandlungen erweckte. Mit Grausen dachte er an die gestrige Unterredung mit dem Erben des Universums
zurück, seine Heiligkeit
, der Terranische Resident höchstpersönlich, hatte es strikt abgelehnt, seinen Plan zur Eroberung Cartwheels zu unterstützen. Im Gegenteil: Rhodan hatte ihm gegenüber erklärt, dass er bereit sei, jede nur denkbare Kröte zu schlucken, nur um einen Bruderkrieg der Terraner untereinander zu vermeiden.
Nein, nein und nochmals nein! Ich konnte und wollte diese Politik nicht mittragen. Immer wieder tauchten die Gesichter von Jo’Rhy’Dav und Rütülly vor meinem inneren Auge auf. Ihre zerfetzten Leiber schrien nach Gerechtigkeit, erinnerten mich Nacht für Nacht in meinen Träumen daran, dass ich nur ein geborgtes Leben führte. Sie hatten ihr Leben dafür gegeben, dass ich überleben und entkommen konnte und nun hatte ich die verdammte Pflicht und Schuldigkeit, die Schlächter zur Rechenschaft zu ziehen.
Doch mit meiner Ansicht wurde ich immer mehr zum Störfaktor. Selbst der feige Verrat des Imperatore bei MODRORs Falle am Sternentor konnte Rhodans Ansicht nicht ändern. Man hatte mich schließlich damit abgespeist, ein Kommando in der neu formierten 8. Terranischen Flotte anzubieten. Ich war, wider besseres Wissen, darauf eingegangen, wohl wissend, dass dieses nur dazu diente, mich besser unter Kontrolle zu halten und ruhigzustellen. Innerlich schalt ich mich einen Narren, ich hatte den geeigneten Zeitpunkt versäumt, um mich abzusetzen.
Und warum? Meine Hormone hatten mal wieder verrückt gespielt, in Anya Guuze hatte ich geglaubt, endlich meine Partnerin fürs Leben gefunden zu haben. Fehlanzeige! Sie war einfach abgehauen, das Leben mit einem Helden
war ihr vermutlich zu gefährlich. Ich hätte sie suchen können, doch was hätte es eingebracht? Anya hatte ihre Entscheidung gegen mich getroffen. Ihr hinterherzulaufen, hätte die Situation nicht verbessert. Mir blieb nichts anderes übrig, als ihre Entscheidung trauernd zu respektieren.
Und noch immer lag Sandal Tolk auf Mimas und regenerierte sich von seinen schweren Verletzungen nach der Schlacht am Sternenportal. Ich vermisste meinen Freund und Kampfgefährten.
Und Myrielle Gatto befand sich mit den Mutanten irgendwo in Siom Som. Damit war nur ich von denen übrig, die von Objursha entkommen waren. Zumindest hier an der Front der Lokalen Gruppe. Sandal, Myrielle Gatto und mich verband der gemeinsame Hass gegen Despair und das Quarterium und Anya liebte ich. Doch niemand von ihnen war da. Ich fühlte mich so allein …
Die TERSAL unter dem Kommando von Gal’Arn jagte mit maximalem Überlichtfaktor durch das übergeordnete Raumgefüge. Maximalüberlichtfaktor bedeutete für das Schiff des ehemaligen Ritters der Tiefe 450-millionenfache Lichtgeschwindigkeit, eine Leistung, die nur durch das auf Kosmokratentechnik basierenden Hypertakttriebwerkes möglich wurde. Die TERSAL war in der letzten Zeit für die LFT und ihre Verbündeten nahezu unersetzbar geworden, denn nur das Ritterschiff konnte in einer vertretbaren Zeit die Verbindung zwischen den weit auseinanderliegenden Brennpunkten des gegenwärtigen Konfliktes gewährleisten, da das Quarterium die vollständige Kontrolle über die Sternentore erlangt hatte. Die LFT war also auf den konventionellen
Raumschiffsantrieb durch das Metagravtriebwerk angewiesen.
Im Moment war der ehemalige Terramarschall auf dem Weg zurück in die Außenbereiche der Milchstraße, um dort sein neues Kommando anzutreten. Begleitet wurde er von Will Dean und Remus Scorbit, die ebenfalls in die Flotte der LFT eingetreten waren. Außerdem waren noch einige überlebende Flottenangehörige mit an Bord gekommen, die ebenfalls unter seinem Befehl standen.
Ich betrat die Zentrale. Gal’Arn und Jonathan Andrews waren in eine lebhafte Diskussion vertieft. Ein Blick sagte mir, um was es ging. Eine rote Linie symbolisierte unseren Kurs in einem Hologramm, das die Galaxien der Lokalen Gruppe zeigte. Die Auseinandersetzung zwischen Gal’Arn und Jonathan schien sich darum zu drehen, ob wir direkten Kurs auf unser Ziel, einen Dunkelplaneten der Posbis im Halo der Milchstraße, nehmen, oder nach dem Motto Tarnen und Täuschen
unseren Kurs verschleiern sollten. Gal’Arn vertrat natürlich den Zick-Zack-Kurs, während Jonathan für den direkten Weg war. Ich schaltete mich ein und bat darum, dass wir schnellstmöglichst zu unserem Ziel gebracht wurden.
Meine Aufmerksamkeit wurde wieder auf das Hologramm gelenkt. Einige Positionen erstrahlten plötzlich in düsterem Rot. Jonathan schien meinen fragenden Blick bemerkt zu haben und erklärte mir den Sachverhalt.
Joak, jede rote Markierung stellt einen Stützpunkt der LFT dar, der durch das Quarterium vernichtet wird. Perry hat Anweisung gegeben, dass die Stützpunkte von den Besatzungen geräumt werden, jedoch leisten die Zentralsyntroniken Widerstand bis zur Vernichtung. Somit erreichen wir unser Ziel; wir gewinnen das, was wir dringend brauchen, Zeit und nochmals Zeit. Mit jedem Stützpunkt, den Jenmuhs vernichten lässt, wird seine Flotte aufgehalten und, das wird unser Schlächter später bemerken, verbraucht er Unmengen von Material ‑ Material, das er später aus Cartwheel wieder in langen Geleitzugoperationen nachführen muss!
Ich betrachtete die Holodarstellung der Lokalen Gruppe genauer. Jenmuhs schien voll in unsere Falle zu tappen. Mit einer an Besessenheit grenzenden Vernichtungswut schien er jeden Stützpunkt der LFT auf dem Wege zurück zur Milchstraße zu attackieren. Sollte er! Material konnte ersetzt werden, Menschenleben nicht. Und vor allem gewannen wir Zeit, Zeit die wir dazu nutzen wollten, die 8. Terranische Flotte neu zu formieren.
Lass dir nur Zeit, Jenmuhs, du gottverdammter Schlächter, dann wirst du schon bald dein blaues Wunder erleben.
Meinen letzten Gedanken musste ich laut ausgesprochen haben, denn sowohl Gal’Arn als auch Jonathan musterten mich nachdenklich. Und dann begann Gal’Arn auch schon mit seiner Gardinenpredigt.
Mister Cascal, bitte, Sie müssen ihr Trauma überwinden, sonst …
Mir reichte es. Es war immer dasselbe. Jeder dieser Gutmenschen glaubte, mir gute Ratschläge geben zu können, schien sich Sorgen um mein Seelenheil zu machen.
Wie könnt ihr über etwas urteilen, was ihr nicht kennt? Wart ihr auf Objursha? Wart ihr dabei, als denkenden Wesen zuerst die Würde genommen, sie zu Tieren gemacht wurden, um sie dann bestialisch abzuschlachten? Habt ihr das feiste, fette Scheusal, das sich Quarteriumsfürst nennt, gesehen, das sich über die Leiden der Verdammten auch noch amüsierte? Nein, all das habt ihr nicht erleben müssen. Ihr kennt nicht das Gefühl der ohnmächtigen Wut, die irgendwann in Hass, kalten, unbändigen Hass umschlägt. Denn dieser, und nur dieser, sorgt dafür, dass du am Leben bleibst, nur der Hass gibt dir die Kraft, um um den nächsten Tag zu kämpfen.
Jonathan schüttelte nur den Kopf.
Joak, du darfst deine Menschlichkeit nicht aufgeben. Wenn du dich vom Hass beherrschen lässt, dann wird dieser nach und nach deine Persönlichkeit umwandeln, bis dich nichts mehr, aber auch gar nichts, von den Schlächtern vom Schlage eines Jenmuhs oder eines Niesewitz unterscheidet. Kämpfe gegen deinen Hass an und gib der Liebe Raum in deinem Gefühlsleben.
Liebe, Jonathan? Sprichst du tatsächlich von dieser Schimäre, die starke Männer zu sabbernden Idioten macht? Wie willst du durch Liebe überleben, wenn dich der Stiefel einer brutalen, verrohten Soldateska immer wieder in den Dreck drückt! Du brauchst Hass, nichts weiter als erbarmungslosen blanken Hass, um dich nicht aufzugeben. Liebe, Moral und ähnliche Plattitüden helfen dir nicht weiter. Ich habe mir auf Objursha geschworen, dass ‑ und das meine ich genauso, wie ich es sage ‑ jeder, der für diesen Massenmord verantwortlich ist, dafür zahlen muss. Wie hieß es einst bei unseren Vorfahren? Auge um Auge, Zahn um Zahn! Und genau nach diesem Grundsatz werde ich handeln.
Gal’Arn verließ nun seine Position bei der Holodarstellung der Lokalen Gruppe und trat zu mir. Mit beiden Händen umfasste er meine Schultern.
Cascal, bitte kommen Sie zu sich. Hass erzeugt nur immer wieder neuen Hass. Ich bin …
Ich stieß diesen Ritter von mir und begann zu zittern. Verstand mich denn eigentlich niemand? Ich hatte fast den Eindruck, dass alle nach Entschuldigungen oder Rechtfertigungen für Siniestro und seine Speichellecker suchten. Konnte es sein, dass diese Gutmenschen tatsächlich glaubten, dass das Quarterium und seine Mörderbande mit Liebe und gutem Zureden zum Aufgeben bewegen sei?
Sei es wie es sei. Ich werde in Zukunft Jenmuhs oder Siniestro nur noch mit einem soliden Strahler in der Hand entgegentreten und zuerst schießen und dann fragen. Ihr könnt es ja mit Liebe und gutem Zureden versuchen.
Damit verließ ich die Zentrale. Ich hielt die Gesellschaft meiner früheren Freunde nicht mehr aus und diese waren wohl genauso wenig auf meine erpicht.
Das Interkom meiner Kabine meldete sich nervtötend. Voller Wut warf ich das Cognacglas gegen das Display des Kommunikationssystems. Doch das nutzte nichts. Das Signal steigerte sich zu einer schrillen Pfeifen, das durch Mark und Bein ging. Schließlich gab ich auf und aktivierte die Verbindung. Jonathan, wer hätte es auch sonst sein können, wurde sichtbar, das für ihn übliche Lächeln im Gesicht, aber ‑ und das war der Unterschied ‑ dieses Mal erreichte es nicht seine Augen. Jonathans berühmtes, jungenhaftes Lächeln war zu einer bloßen Grimasse verkommen.
Was gibt es?
, polterte ich in das Interkom. Mach es kurz, ich hab noch eine Verabredung mit der Cognacflasche!
Du wirst es nicht für möglich halten, wir haben unser Ziel erreicht. Es wäre sicher nicht abwegig, wenn du wieder in die Zentrale kommen würdest!
Gottverdammt, wenn es nicht anders geht, komme ich eben!
Mit diesen Worten beendete ich die Verbindung.
Nachdem ich wieder die Zentrale betreten hatte registrierte ich, dass die TERSAL bewegungslos im Raum stand. Ein Blick auf die halbrunde Darstellung, die die unmittelbare Schiffsumgebung wiedergab, zeigte ein grandioses Panorama. Unter uns war die Milchstraße in voller Pracht vor dem Schwarz des intergalaktischen Raumes zu sehen. Vor uns in unmittelbarer Flugrichtung war dieses Schwarz noch schwärzer und zeichnete eine in etwa kreisrunde Kontur schemenhaft nach. Das musste einer dieser legendären Dunkelplaneten sein, auf denen die Posbis ihre gigantischen Werftkapazitäten und Forschungseinrichtungen aufgebaut hatten. Wir hatten unser Ziel erreich, Overdark lag vor uns.
Kurze Zeit später erschien aus dem Schwarz ein winziger Lichtpunkt, der rasch größer wurde und schließlich Konturen annahm. Ein würfelförmiges Raumschiff mit ungefähr 15 Meter Kantenlänge hatte Kurs auf uns genommen und dockte wenig später am Außenhanger der TERSAL an. Die monotone Stimmausgabe der Bordsyntronik meldete, dass ein Besucher das Schiff betreten habe. Dieser erreichte fast zeitgleich mit Elyn die Zentrale. Der Alyskerin schien unser Besucher interessant genug, um ihre Kabine zu verlassen. Auch ich fiel bei dem Anblick, den der oder die Posbi bot, aus allen Wolken. Unser Besucher, oder wohl besser unsere Besucherin, gehörte ohne Zweifel zur Gattung der nach humanoidem Vorbild geformten Posbis an, aber ‑ und dieser Gedanke drängte sich mir förmlich auf ‑ geformt oder gar nachempfunden waren Vokabeln, die für diesen speziellen Vertreter der positronisch-biologischen Spezies einfach nicht passten. Geformt, in gewisser Hinsicht traf diese Formulierung zwar den Nagel auf den Kopf, aber das kam vor allem daher, dass ich ein Mann war, bei dem gewisse körperliche Reize der holden Weiblichkeit, zu gewissen Reaktionen führten. Kurz gesagt, der oder die Posbi glich einer atemberaubenden Vertreterin der weiblichen Hälfte der menschlichen Spezies. Doch bevor ich reagierte, begann die Posbi auch schon zu reden.
Mein Name ist Waratu und ich darf im Namen des Zentralplasmas unsere Verbündeten einladen, auf Overdark zu landen. Wir haben eine für Sauerstoffatmer geeignete Umgebung vorbereitet. Die Kurskoordinaten, die eine gefahrlose Landung auf dem Planeten ermöglichen, werden gerade von meinem Schiff übermittelt.
Ich hatte mich inzwischen wieder gefangen und beschloss nun, den weiteren Ablauf selbst in die Hand zu nehmen, da Gal’Arn faktisch nur als Kurier diente.
Wir danken dem Vertreter des Zentralplasmas für die Einladung, der wir gerne nachkommen.
Die Datenübernahme war inzwischen abgeschlossen und die TERSAL näherte sich in einem verschlungenen Kurs dem Dunkelplaneten, während der Würfel direkten Kurs nahm. Die Ortung zeigte, dass der Planet schwer befestigt war, unzählige Raumminen, Kampfforts und auch natürliche Hindernisse machten den Landeanflug für Unbefugte wohl zu einem Selbstmordkommando. Doch die Syntronik führte uns sicher zu dem angegebenen Landeplatz.
Auf dem Planeten erwartete uns eine Überraschung, mit der niemand gerechnet hatte. Als wir die TERSAL verließen, die nach einer kurzen Inspektion wieder aufbrach, um die Verbindung mit unseren Streitkräften in M 87 aufzunehmen, wurden wir von Reginald Bull persönlich begrüßt. Der Residenzminister für Verteidigung war persönlich in der großen, unterirdischen Halle anwesend, in die uns der Posbi gebracht hatte.
Willkommen auf Overdark, einem Knotenpunkt des Werftnetzwerkes unserer biologisch-positronischen Freunde.
Mit diesen Worten war der Unsterbliche auf mich zugetreten und klopfte mir jovial auf die Schultern.
Wenig später startete die TERSAL wieder, Gal’Arn und Jonathan waren auf dem Weg zu ihrer eigentlichen Mission, die sie nach M 87 führte. In der Zwischenzeit hatte ich erfahren, dass mein alter Freund Tsi Ku Wang auf unserer Seite kämpfte und den letzten Stützpunkt der LFT in M 87 leitete. Ich hatte die Gelegenheit genutzt und Jonathan eine persönliche Botschaft an ihn mitgegeben. Viel lieber aber würde ich, wie früher, mit ihm durch die Straßen von New Terrania streifen und einige verschwiegene Kneipen unsicher machen.
Ich glaube an die Rache, denn mit ihr beginnt vielleicht der Sieg!
Pablo Neruda
Bull führte Will, Remus und mich dann in einen gemütlich eingerichteten Wohnbereich, der völlig nach den menschlichen Bedürfnissen eingerichtet war. Doch bei mir begannen die feinen Härchen sich aufzustellen, während mich eine Gänsehaut überzog. Vor einer Art offenen Kamin saß sie und flegelte ihre atemberaubende Figur auf einer Art Liegesessel.
Der ehemalige Solarmarschall hatte meinen Blick wohl bemerkt, denn mit einem anzüglichen Grinsen meinte er zu mir:
Ist sie nicht der Hammer? Eine Posbi als der fleischgewordene Traum aller einsamen Männer. Weißt du, wie unsere Blechkameraden auf die Idee gekommen sind, mal etwas wirklich revolutionäres wie sie zu schaffen?
Nein, keine Ahnung.
Vor einigen Monaten sind unsere Freunde im intergalaktischen Raum auf das Wrack eines Prospektorenschiffes gestoßen. Den Eigner fanden sie leider nur noch als Leiche vor, aber es war noch genug Energie für einen speziellen Androiden vorhanden, mit dem sich einsame Männer langweilige Raumflüge versüßen können, verstehst du? Unsere nicht mehr ganz nur logisch denkenden Verbündeten müssen hin und weg gewesen sein. Das Ergebnis ist nun Waratu und sie ist wirklich ein beeindruckendes Exemplar der Spezies humanoider Posbis. Man könnte sie als einen perfekten Androiden bezeichnen. Aber bevor wir zum eigentlichen Thema kommen, macht es euch erst mal gemütlich, es wird vielleicht das letzte Mal für lange Zeit sein.
Wir ließen uns nicht zweimal bitten und suchten uns passende Sitzgelegenheiten. Waratu erhob sich kurz und gab einige Codeketten in ein manuelles Terminal. Wenig später materialisierten auf dem niedrigen Tisch eine dickbauchige Flasche und fünf Gläser.
Synthetisierter terranischer Cognac!
, bedient euch.
Wir schenkten uns ein und vorsichtig nippte ich an meinem Glas. Synthetischer Cognac, normalerweise mache ich einen großen Bogen um dergleichen. Aber, zu meiner größten Überraschung, der Stoff der Posbis war gut, wirklich gut und durchaus trinkbar, was ich auch gleich mit einem größeren Schluck unter Beweis stellte.
Auch Bull hatte sein Glas bereits zur Hälfte geleert und eröffnete die Sitzung, indem er das Wort an die Posbi gab.
Die künstliche Schönheit hob ihr Glas, prostete uns zu und trank einen Schluck. Dann begann sie uns zu informieren.
Bevor wir zu unseren weiteren Plänen kommen, möchte ich euch einen kurzen Rückblick auf die Entwicklung meiner Rasse geben.
Sie machte eine kurze Pause und strich unbewusst mit den Händen über ihre atemberaubende Figur.
Wie ihr alle wisst, ist durch die Aktivierung der Chronofossilen ein Evolutionssprung eingetreten. Durch die Bionische Vernetzung sind wir über den Status als rein kybernetische Lebensform hinausgewachsen und entwickelten Stimmungen und Gefühle. Besonders die weitgehend nach humanoidem Vorbild entstandenen Vertreter meines Volkes sind besonders unabhängig und erforschen teilweise das Universum auf eigene Faust. Ein Exemplar dieser Spezies, der sich selbst Diabolo nennt, hat sich dem Imperatore angeschlossen und dient diesem als persönlicher Berater.
Das ist doch nichts Neues, Diabolo ist Siniestro treu ergeben und praktisch der Schatten seines Herrn.
Die Posbi beobachtete mich mit einem amüsanten Grinsen und fuhr fort:
Aber, aber lieber Joak, ich bitte dich darum, mich ausreden zu lassen. Diabolo ist dem Imperatore wohl treu ergeben, aber er scheint nicht mehr ganz mit der Politik seines Herrn einverstanden zu sein. Jedenfalls hat er uns über die nächsten Ziele des Quarteriums informiert, ob mit oder ohne Wissen Siniestros wissen wir nicht. Auf jeden Fall sind diese Informationen so brisant, dass sie zu einer völligen Änderung unserer Politik geführt haben. Die Posbis werden auf der Seite der LFT aktiv in den Kampf eingreifen.
Ich war platt, während Bull noch immer sich mit seinem Cognacglas beschäftigte und dann fortfuhr:
Unsere Quarteriumsfürsten scheint der Größenwahn gepackt zu haben, denn sie planen anscheinend einen Krieg an allen Fronten. Nach Diabolos Bericht soll sich Leticron um Siom Som und die Estartischen Galaxien kümmern und notfalls durch eine Politik der verbrannten Erde den Sieg erringen. Die ehemalige Mächtigkeitsballung ESTARTUs wird auf Anweisung MODRORs als äußerst wichtig erachtet, denn diesem ominösen RIFF scheint in Zukunft eine entscheidende Bedeutung zukommen. Despair und Torsor dagegen sollen endlich in M 87 für den Ruhe sorgen und den Internraum erobern, was wohl einem Völkermord an den KdZ gleichkommt. Den Gipfel des Ganzen bildet nun der neu ernannte Quarteriumsprotektor für die Lokale Gruppe, seine hochwohlgeborene Exzellenz Uwahn Jenmuhs höchstpersönlich. Was der fette Arkonide genau ausgekocht hat, soll dir am Besten wieder Waratu erzählen, sie hat die Informationen aus erster Hand, direkt von der Hundertsonnenwelt.
So langsam kam ich mir wie ein Punchingball vor, der von zwei ausgebufften Profis regelrecht ausgetrickst wurde. Bull und die Posbi schienen sich wohl glänzend zu verstehen und ihren Auftritt genau abgesprochen zu haben. Dabei stellte sich für mich die Frage, was Bull eigentlich mit seiner Vorgehensweise beabsichtigte. Die Antwort lag wohl auf der Hand: Bully, der gute alte Haudegen, hatte es wohl übernommen, mich wieder auf Vordermann zu bringen. Nun gut, ich hatte mich bereits entschlossen, gute Miene zum bösen Spiel zu machen.
Jenmuhs will, nach der Aussage Diabolos, das Göttliche Imperium direkt in den Konflikt zu verwickeln. Bostich soll auf der Seite des Quarteriums in den Krieg eingreifen.
In meinem Kopf begannen alle Alarmglocken zu gellen. Meine Befürchtungen schienen auch an meinem Gesichtsausdruck ablesbar sein, denn Bull ergänzte die Posbi: Keine Sorge, dieser Plan ist dank unserer Freunde etwas ins Stocken geraten …
Tatsächlich …?
Das Zentralplasma hat, nachdem Diabolo uns über die Pläne von Jenmuhs informiert hat, meinen Bruder Quohlfahrt nach Arkon gesandt. Wir haben dem Kristallimperium mitgeteilt, dass das Bündnis mit der LFT erneuert wurde und falls das Kristallimperium seinen Beistandspakt mit dem Quarterium erfüllt, wir von unseren Kenntnissen der Verteidigungsanlagen im Arkon-System Gebrauch machen werden, um die Terraner zu schützen.
Welche Kentnisse …?
, wollte ich wissen.
Die Posbi antwortete: Der Wissenstransfer während der Herrschaft SEELENQUELLs war durchaus zweigleisig, Bostich weiß, dass er Gefahr läuft, dass das Arkonsystem empfindlich durch uns oder die LFT getroffen werden könnte, sollte es zum Krieg kommen.
Sie machte eine kurze Pause und fuhr dann fort.
Kurz vor eurer Ankunft überbrachte uns seine persönliche Bevollmächtigte, eine herzögliche Zicke namens Seryklya ta Helonk, eine Botschaft, in der er erklärt, dass es von Seiten des Göttlichen Imperiums keinerlei Unterstützung für die Expansionspläne des Quarteriums geben wird. Das Kristallimperium werde dem Quarterium nur im Verteidigungsfall beistehen. Danach ist diese eingebildete Tussi weitergeflogen, wohl um Jenmuhs von der ablehnenden Haltung ihres Herrn zu berichten.
Ich überlegte kurz. Bostich änderte seine Haltung nicht. Von Anfang an gab es nur einen Beistandspakt der drei Kaiser im Verteidigungsfall. Doch das Quarterium hatte Dorgon bereits in Siom Som unterstützt. Was war, wenn man den Angriff der LFT auf eine Quarteriumsflotte schon als Angriff im Sinne des Beistandspaktes wertete? Ich glaubte jedoch nicht, dass Bostich das Risiko eines Krieges eingehen wollte, nachdem er die Posbis als Ernst zu nehmende Gefahr für das Arkonsystem einschätzen musste. Im Schachspiel um die Lokale Gruppe hatten die Galaktiker einen wichtigen Zug gemacht. Die Befürchtung, dass das Kristallimperium zusammen mit dem Quarterium unsere Machtstellungen in der Milchstraße aufrieb, war nun geringer – dennoch nicht unmöglich. Es hing vom Verlauf des Krieges ab. Sollte die LFT und sollten auch die Posbis empfindliche Niederlagen einstecken, würde Bostich seine Vorsicht verlieren und womöglich das Quarterium auf offensiv unterstützen.
Vorerst jedoch würde sich der Imperator des Kristallimperiums sicherlich zurücklehnen und in der Beobachterrolle bleiben.
Weiß eigentlich jemand Näheres über diese Frau?
, wollte ich wissen.
Nun war es Bull, der fortfuhr.
Diese Arkonidin stellt so etwas wie die große Unbekannte innerhalb der arkonidischen Herrschaftsstruktur dar. Die Informationen des Ligadienstes sind äußerst spärlich. Allerdings, und da sind sich alle Informanten einig, muss diese Frau als äußerst gefährlich eingeschätzt werden. Sie ist die Erbin eines der ältesten arkonidischen Adelsgeschlechtes, verfügt über ein geradezu astronomisches Vermögen und hat Bostich von Anfang an unterstützt. Nach allerdings unbestätigten Meldungen soll sie auf einer unbekannten Welt der Kralasenen erzogen und ausgebildet worden sein und innerhalb dieser Organisation einen Sonderstatus einnehmen.
Bull machte eine kurze Pause und nahm wieder einen Schluck.
Nachdem wir dich hinsichtlich des Hintergrundes etwas auf Vordermann gebracht haben, kommen wir zu unseren eigentlichen Plänen. Diese sind eng mit der Politik des Zentralplasmas verzahnt, ja ohne dieses gar nicht möglich.
Nach einem erneuten Schluck fuhr er fort:
Im Moment sieht es wohl so aus, dass unsere Lage militärisch wohl äußerst beschissen ist. Die Versäumnisse der letzten Jahrhunderte haben dazu geführt, dass die Flotte der LFT keinerlei taktische Offensivbefähigung hat. Selbst bei rein defensiven Aufgaben stoßen wir sehr schnell an unsere Grenzen. Uns fehlt ganz einfach die Zeit, um die Versäumnisse der Vergangenheit aufzuholen. Und genau hier kommen unsere Freunde ins Spiel. Das Zentralplasma sieht die Bedrohung durch MODROR und das Quarterium als so ernst an, dass ein bisher völlig geheim gehaltenes Projekt hier auf Overdark erstmals eingesetzt wird.
Nun mach es nicht so spannend, um was handelt es sich? Um eine geheimnisvolle Strahlenwaffe, die jeden Schutzschirm durchschlägt, oder was?
Bull grinste.
Besser, viel, viel besser. Sagt dir der Begriff Relativschirm etwas?
Ist das nicht eine Art Schutzschirm, mit dem die Posbis ihr Schiff in die Zukunft versetzen können und so vor Waffenwirkungen jeder Art sicher sind?
Genau, aber das wäre nichts Neues. Die Posbis haben eine Möglichkeit gefunden, die Wirkungsweise des Relativfeldes umzukehren, also statt in die Zukunft kann ein Objekt nun in die Vergangenheit versetzt werden. Dabei, und das ist der entscheidende Unterschied zu den alten Nullzeitdeformatoren oder den Zeittransmittern der MdI, wird die Hauptlinie der Realität verlassen und faktisch eine Nebenrealität erzeugt. Von dieser aus ist es beispielsweise nicht möglich, die eigene Vergangenheit zu verändern ...
Zu was soll dann eigentlich das Ganze zu gebrauchen sein? Nebenrealität, Hauptlinie? Was soll das?
Langsam, langsam mit den jungen Pferden, Joak. Die Wirkung des Feldes ist genial! Zuerst wird also eine exakte Kopie des Objekts erzeugt und diese Kopie dann in die Vergangenheit versetzt. Die Reichweite ist im Augenblick etwa auf 6 bis 8 Monate begrenzt. Die Posbis nennen diese Grenze den Zeropoint. Von dort aus beginnt ein normaler rückläufiger Zeitablauf innerhalb der Nebenrealität. Dieser läuft parallel zur Hauptlinie. Sobald eine entsprechende Zeit verstrichen ist, das Objekt also wieder an seinem Startzeitpunkt in der Relativ-Gegenwart angekommen ist, verliert das Feld seine Wirkung und es kommt zu einer Verschmelzung der Realitäten. Dabei werden die Änderungen der Nebenrealität in die Hauptrealität übernommen. Wenn beispielsweise in der Nebenrealität ein neues Schiff konstruiert und gebaut wurde, steht dieses einschließlich der Werftanlagen in der Hauptrealität zur Verfügung. Und, bevor ich es vergesse, der gesamte Planet ist soeben um ca. 6 Monate in die Vergangenheit versetzt worden. Also keine Panik, wenn plötzlich die Sterne oder die Milchstraße verschwunden sind. Wir haben diese Nebenrealität exklusiv für uns.
Nun reichte es mir, das ging eindeutig zu weit.
Bist du hier von allen guten Geistern verlassen? Wie kommst du dazu, uns ungefragt einfach irgendwohin zu versetzen?
Mit diesen Worten packte ich die Flasche und warf sie mit voller Kraft gegen die Wand. Mit einem lauten Knall, der einem altertümlichen Pistolenschuss glich, zerplatzte sie. Im Stillen dankte ich unseren Freunden aus Bits und Zellgewebe mit einem Stoßgebet, dass sie sich mit der üblichen Sorgfalt an das Vorbild gehalten hatten, die Flasche bestand aus gutem, alten Glas – es hätte meinem Ego wohl nicht geholfen, wenn sie aus irgend einem bruchsicheren Kunststoff bestanden hätte.
Mitten im intergalaktischen Leerraum, in der Nähe der Zwerggalaxie NGC 185, trieb eine größere Ansammlung Supremo-Raumschiffe antriebslos im Raum. Einem Beobachter wäre aufgefallen, dass es sich ausschließlich um A- und B-Typen handelte. Die Schiffe hatten sich in Form eines komplexen Kristalls um ein im Mittelpunkt befindliches Schlachtschiff gruppiert – der Sinn dieser Formation war eindeutig, es handelte sich um den sogenannten Igel
, eine nach einem ausgestorbenen terranischen Nagetier benannte Verteidigungsformation. Die Frage, die sich aus dieser Flottenkonzentration ergab, war, wer wohl hier mit allen Mitteln beschützt werden sollte.
Das kleine Spezialschiff fiel an den übergebenen Rendezvouskoordinaten aus dem Hyperraum. Voller Unbehagen blickte ich zu der Arkonidin hinüber, die die Position der Kommandantin einnahm. Mein Unbehagen wurde verstärkt, wenn ich an die bevorstehende Unterredung mit dem Gos’Shekur dachte. Ein altes Sprichwort meines Volkes lautete: Wenn Berkomnair anfingen zu kämpfen, konnte der Bekkar nur zertrampelt werden.
Zhdopanda, ich müsste jetzt den Erkennungscode senden, sonst könnte es sein, dass da drüben irgend jemand die Nerven verliert.
Die selbst für mich atemberaubende, aber völlig unnahbare Sonderbotschafterin des Imperators musterte mich mit einer Arroganz, wie sie nur Frauen aus den höchsten Adelskreisen des Huhany’Tussan ausstrahlen können, bevor sie mich fragte:
General da Rohn, können Sie mich darüber aufklären, was an der Person dieses fetten Zayna, der sich selbst zum Gos’Shekur ernannt hat, so wertvoll sein soll, dass die Taigonii der Flotte ihn schützen müssen?
Ich schlug verlegen die Augen nieder. Auch ich hatte mich gefragt, mit welcher taktischen Bedrohung die Flottenführung es rechtfertigen konnte, dass allein ein Viertel der Supremo-A-Schlachtschiffe aus der Kampflinie abgezogen wurde. Ich empfand diese Maßnahme als eine klassische taktische Fehlleistung, denn gerade unsere schweren Einheiten wurden entlang der Nachschublinien gebraucht, um diese zu schützen.
Senden Sie den Erkennungscode! Je schneller ich hier fertig bin, umso besser!
Vor uns salutierte die persönliche Leibgarde des Gos’Shekur, die in ihren Fantasieuniformen angetreten war. Selbst einem militärischen Laien wäre aufgefallen, dass diese Truppe wohl eher nicht für den Kampf geeignet war. Aus den Augenwinkeln bemerkte ich, dass sich die Mundwinkel der Herzogin verächtlich nach unten zogen. Wieder kamen mir die Gerüchte in den Sinn, die über sie im Umlauf waren.
Seryklya ta Helonk, Erbin des uralten arkonidischen Adelsgeschlechtes der Helonk, das mehrmals bereits den Imperator gestellt hatte, genoss in Adelskreisen einen überaus zweifelhaften Ruf. Offiziell galt sie als die Tochter Admor da Helonks, der als Cel'Mascant der Tu-Ra-Cel die Rechte Hand von Theta da Ariga gewesen war, inoffiziell munkelte man, dass sie ein Bastard des Mascants mit einer Priesterhure der Zarakh’Famii sei. Nach der Ermordung der Imperatrice war der Mascant maßgebend an der Ernennung von Gaumarol da Bostich zum Imperator beteiligt gewesen und während der Auseinandersetzungen mit den alten Familien ums Leben gekommen. Unter dem Schutze des Imperators, als sein persönliches Mündel, hatte sie eine erstklassige Ausbildung genossen, um dann im Alter von 14 Jahren spurlos zu verschwinden. Während dieser Zeit hatte die Familie ta Helonk ein Unglück nach dem anderen ereilt. Alle erbberechtigten Nachkommen waren ums Leben gekommen, so dass zum Schluss nur noch Seryklya übrig geblieben war. Gerüchte besagten, dass sie in den acht Jahren, in denen sie verschwunden gewesen war, die Weihe als Priesterin der Zarakh’Famii erhalten und eine Sonderausbildung der Kralasenen durchlaufen hatte.
Was dann folgte, war ein unerhörter Aufstieg an der Seite Bostichs gewesen, der sie zu seiner persönlichen Vertrauten, zu seinem persönlichen Schatten gemacht hatte. Dabei ging sie, soweit man den Gerüchten glauben konnte, über Leichen. Auf jeden Fall war sie nicht die Person, mit der ich über eine längere Zeit allein zusammen sein wollte.
Ohne sich um irgendwelche Protokollregelungen zu kümmern, schritt sie zielgerichtet auf Jenmuhs zu. Dieser wurde sichtbar unsicher und wich einige Schritte zurück.
Ich freue mich, die persönliche Bevollmächtigte des Imperators willkommen zu heißen.
Ta Helonk musterte den Quarteriumsfürsten mit einem geradezu abfälligen Gesichtsausdruck und meinte kurz angebunden:
Auf ihr falsches Gesülze kann ich verzichten! Meinen Sie nicht, es wäre besser, wenn ich Ihnen die Antwort des göttlichen Imperators nicht in aller Öffentlichkeit geben muss?
Jenmuhs schien es die Sprache zu verschlagen. Er lief rot an und setzte mehrmals zu einer Antwort an. Dann drehte er sich wortlos um und watschelte in einer grotesken Parodie eines ehrfurchtsgebietenden Herrschers aus dem festlich dekorierten Sitzungssaal.
Bostichs persönliche Bevollmächtigte folgte ihm und gab mir durch ein Handzeichen zu verstehen, dass ich mit ihr kommen solle. Mir war dabei überhaupt nicht wohl, denn es war zu befürchten, dass sich Jenmuhs später an mich erinnern würde. Eine Aussicht, die mich den Kopf kosten konnte. Wie war das mit den Berkomnair noch einmal?
Es war vorbei. Bostichs Schatten hatte die ARKON wieder verlassen. Das Ergebnis der Unterredung war ernüchternd. Bostich wollte keinen Angriffskrieg führen. Natürlich hatten wir darauf gehofft, eine zweite Front in der Milchstraße hätte dem Krieg eine entschiedene Wendung gegeben, aber Bostich hatte dem Quarterium durch die wenig diplomatische Art seiner persönlichen Bevollmächtigten ta Helonk eben genau jene Träume zerstört. Nur die Furcht vor der Reaktion des Imperators hatte Jenmuhs wohl davon abgehalten, diese Herzogin durch ein Erschießungskommando eliminieren zu lassen.
Ich bekam dann die dankbare
Aufgabe, für ihre Verabschiedung zu sorgen. Wenig später verschwand das kleine Spezialschiff der Kralasenen im Hyperraum.
Vor einigen Tontas waren Orlando de la Siniestro, Generalmarschall Red Sizemore und Generaloberst Alcanar Benington mit der PAXUS angekommen. Ich erlaubte mir ein fieses Grinsen, denn Jenmuhs bekam nun doch seinen prunkvollen Empfang und sein üppiges Festessen, während draußen, entlang der Geleitzugroute, unsere Soldaten tagtäglich krepierten.
Ich hatte während meiner Ausbildung auch terranische Militärgeschichte studiert und wusste genau, was uns bevorstand: Abnutzungskrieg nannten die terranischen Barbaren ihre Taktik. Ein großer Heerführer der terranischen Frühzeit namens Napoleon, der einen Kontinent namens Europa unter seiner Herrschaft vereinigen wollte, hatte durch diese Taktik letztendlich den Krieg, sein Kaiserreich und seine Freiheit verloren. Ich hätte ein Narr sein müssen, wenn mir nicht die Parallelen zwischen der damaligen Situation Napoleons und unserer jetzigen Situation ins Auge fallen würden. Auch Napoleon war seinen Gegnern militärisch haushoch überlegen, verfügte über die besser ausgebildeten Soldaten. Aber das alles nutzte ihm nichts, denn in den Weiten des Kaiserreiches Russland ging seine Armee unter, zermürbt von den tagtäglichen Angriffen, besiegt von der Unmöglichkeit, die riesige Armee über tausende von Längeneinheiten ausreichend mit Nachschub zu versorgen.
Es war ein Witz! Der Einzige, dem diese Analogie auffiel, war ich, Mandor da Rohn, ein Arkonide, während sich Sizemore und Benington, die ihre eigene Geschichte eigentlich viel besser als ich kennen sollten, in Fantasien von siegreichen Schlachten, von der Niederwerfung des eigenen Volkes ergaben. Was für Narren!
Nein!, verbesserte ich mich. Nicht nur sie waren Narren, wir alle waren es, denn die Geschichte zeigte eindeutig, dass Krieg, Gewalt und Unterdrückung immer in die Barbarei führten, dass die Reiche der rücksichtslosen Potentaten dem Untergang geweiht waren. Und doch würde ich wieder meine tiefe Verbeugung vor der Verkörperung alle jener Schrecken machen, würde wieder den Tod von tausenden, ja millionen Wesen für sie planen ‑ nichts weiter als ein nützliches Werkzeug in ihren Händen.
Das ausgiebige Essen war vorbei und Jenmuhs hatte uns in den Lageraum gebeten. Die Techniker der ARKON hatten in der Mitte des Raumes, über dem ovalen Konferenztisch, eine holografische Karte der lokalen Gruppe zwischen dem Sternentor und der Milchstraße projiziert.
Als Getränk hatte Jenmuhs Namahoora auftischen lassen, wohl um uns am Ende alle unter den Tisch zu saufen. Innerlich bedauerte ich meine terranischen Kollegen. Namahoora führt durch häufigen Genuss zu einer Art Gewöhnung des Körpers an den Namahoora-Rausch. Die positiven Empfindungen werden verstärkt, während negative Folgen immer geringer werden. Dabei macht dieses Getränk meines Volkes, im Gegensatz zu Rauschmitteln, nicht süchtig. Als Arkonide war ich natürlich an den Genuss gewohnt, doch Benington und Sizemore dürfte ein ausgewachsener Rausch mit allen negativen Begleiterscheinungen erwarten. Ich wusste, dass Jenmuhs dazu neigte, seine vermeintliche Überlegenheit über andere Menschen auf diese Weise zu demonstrieren.
Und nun kam mein Part. Ich sollte die allgemeine Schilderung der Lage mit einer Würdigung
der strategischen Fähigkeiten des Gos’Shekur verbinden, der allein durch seine Genialität die LFT niederwerfen und Rhodan in die Gefilde der Zarakhgoth schicken würde.
Nun, ich tat mein Bestes und Jenmuhs schien zufrieden mit der Würdigung
seiner Verdienste zu sein, denn er nickte mir mehrmals huldvoll zu. Das Ergebnis war militärisch eine totale Verkennung der Wirklichkeit, Sizemore hatte das wohl erkannt, denn sein Gesichtsausdruck sprach Bände. Benington dagegen machte sich noch mehr zum Idioten. Übrigens, wenn ich etwas an den Terranern liebe, dann ihre Schimpfworte, denn mit einem geradezu verklärten Gesicht versicherte er dem göttlichen
Gos’Shekur immer wieder, dass allein seine Genialität die Garantie dafür sei, den Sieg über die Volksverräter
zu erringen. Orlando dagegen hatte sich abgesondert und brütete vor sich hin. Für mich sah es aus, als ob der Sohn des Imperatore mit seinen Gedanken ganz woanders war. Er schien größere Probleme zu haben, denn er schüttete das Namahoora geradezu in sich hinein. Gut, er würde später die Folgen kennenlernen.
Der von mir und Sizemore entwickelte Plan sah vor, dass nachdem es uns durch die ablehnende Haltung des Huhany’Tussan unmöglich geworden war, in der unmittelbaren Nähe der Milchstraße einen Brückenkopf zu bilden, eine der Andromeda vorgelagerten Zwerggalaxien zu diesem Zwecke zu erobern. Es war für uns in erster Linie wichtig, eine feste Basis in vertretbarer Nähe zur Milchstraße zu haben, von der aus wir die weiteren Aktionen gegen die LFT koordinieren konnten. Vor allem sollte diese Basis das prekäre Nachschubproblem entschärfen. Wieder zeigte sich, ähnlich wie in Siom-Som, dass beim Aufbau der quartialen Flotte ein gravierender Fehler begangen worden war. Wir verfügten über keinerlei Tenderschiffe, wie sie in den Flotten der LFT oder des Huhany’Tussan eingesetzt wurden, sondern waren bei Reparatur und Wartung der Supremos auf entsprechende Stützpunktwelten angewiesen. Wir brauchten unbedingt eine sichere Ausgangsbasis, in die sich unsere Schiffe und Mannschaften zurückziehen konnten.
In der Holodarstellung wurde inzwischen diese Kleingalaxie gezeigt, die nur 350 000 Lichtjahre von Andromeda entfernt war. Auch der Abstand zur Milchstraße war mit 2,3 Millionen Lichtjahren noch annehmbar. Unsere Planung sah vor, dass wir im Halo der Galaxie den 7. Planeten einer blauen Riesensonne, der eine Sauerstoff-Wasserstoffatmosphäre besaß, zu einem Werftplaneten ausbauen würden.
Dann machte Jenmuhs wieder einen entscheidenden Fehler. Anstatt sich mit den Tefrodern in Verbindung zu setzen, wollte er diese einfach vor vollendete Tatsachen stellen. Und so kam es, wie es kommen musste. Als dann noch unsere Kundschafter meldeten, dass die Maahks einige Stützpunkte unterhielten, ordnete der Gos’Shekur die Vernichtung der Stützpunkte an. Er war keinem logischen Argument zugänglich und bedrohte den Sohn des Imperatore und mich mit einem Kriegsgerichtsverfahren. Unsere schnellsten Verbände führten gegen die Stützpunkte der Methanatmer Vernichtungsangriffe. Innerhalb weniger Stunden hatten wir uns schon halb Andromeda zum Feind gemacht. Auf die Vorhaltungen Admiral Siniestros entgegnete Jenmuhs, dass er nur dabei wäre, die ABR sinnvoll weiterzuführen, denn intelligente Methanatmer könnten doch nur ein Irrtum der Natur sein und es wäre wohl sein Auftrag, diesen Irrtum zu bereinigen.
Da begann ich für unser Verhältnis zu den Tefrodern schwarz zu sehen. Womöglich kam Jenmuhs in seiner überragenden Genialität noch auf die Idee, dass vor der Eroberung der Milchstraße die Niederwerfung Andromedas stehen müsse.
Nach der Katastrophe, die MODRORs Falle am Sternentor für unzählige friedfertige Galaktiker bedeutete, nach dem millionenfachen Tod, den die Söhne des Chaos und ihre Helfershelfer auf dem falschen WANDERER verursacht hatten, folgte die Hölle eines Krieges ohne Gnade. Während auf der Seite des Quarteriums schon immer ein unterlegener und besiegter Gegner, der am Boden lag, ohne Gnade und Barmherzigkeit vernichtet wurde, war der unbedingte Wille zur Vernichtung auf Seiten der LFT neu. Dazu kam noch, dass durch das Eingreifen der Posbis ein Verbündeter auf Seiten der LFT stand, für den der Begriff Rücksichtnahme nicht vorhanden war. Das Quarterium hatte Wind gesät und Sturm geerntet …
(Unabhängiger Korrespondent Roppert Mohlburry im Juni 1307 NGZ)
Der kleine Konvoi war aus dem Sternentor getreten und wurde sofort durch eine Rotte kleiner Supremo-E-Kreuzer empfangen. Die 500 Meter durchmessenden Schiffe gruppierten sich so, dass sie jede Kursabweichung notfalls mit einem Feuerschlag unterbinden konnten.
Die größeren Schiffe hielten sich im Hintergrund und schienen eine feste Position in einem Abwehrriegel eingenommen zu haben. Um einige Lichtjahre versetzt verharrte ein riesiges Objekt, das faktisch oberhalb des Sternentores und etwas seitlich zu SOLARISSTATION stand. URGUNGAAR, MODRORs gewaltige Raumstation, beherrschte den Raumsektor.
Die aus dem Sternentor gekommenen Schiffe schienen näher zusammenzurücken. Es war klar, dass die Schlachtkreuzer genügen würden, um dem gesamten Konvoi mit einem Feuerschlag der Transformgeschütze den Garaus zu machen.
An Bord eines der walzenförmigen Schiffe verfolgte man die Einkreisung durch die Wachflotte des Quarteriums mit gemischten Gefühlen.
Setz endlich unseren Autorisierungscode ab, sonst fangen die noch an, uns abzuschießen!
Die vierschrötig wirkende weibliche Gestalt, deren tizianrote Haare in mehreren Zöpfen auf den Rücken fielen, rückte dem vor dem Hyperfunkterminal sitzenden Mann bedrohlich auf die Pelle.
Los, worauf wartest du noch, brauchst du eine extra Einladung?
Gemach, Gnädigste! Ich hab’s gleich. Sie muss hier irgendwo liegen.
Der Mann begann hektisch auf der Ablagekonsole vor dem Terminal herumzuwühlen. Speichermedien in allen Arten und Formen wurden immer hektischer durcheinandergewühlt.
Das darf doch nicht wahr sein! Das muss der blutrote Geist von Archetz gewesen sein. Ich hab den Speicher doch hier bereit gelegt.
Die Frau knirschte mit den Zähnen und begann, die Finger der gewaltigen Pranken knacksen zu lassen.
Wenn du jetzt nicht den Code abschickst, schlag ich dir den Schädel ein.
Der Mann begann immer hektischer zu suchen.
Keine Notwendigkeit gewalttätig zu werden. Ich hab’s doch gleich gesagt, hier liegt er.
Mit diesen Worten schob er einen Speicherkristall in die Leseeinheit.
Voila, wie die Terraner sagen. Jetzt kann es los gehen. Galax, Galax und Galax wird rollen, oder nicht, Gnädigste?
Halt die Klappe!Wwas ist das hier überhaupt für ein Saustall? Unter meinem unnützen Alten habt ihr ja scheinbar machen können, was ihr wollt. Aber damit ist Schluss. Bei mir wird gearbeitet, bis die Schei…
Ja, ja weiß schon. Scheiße am Kochen, nicht wahr, aber ich bin ein freier Springer und du kannst nicht einfach ...
Freier Springer? Dass ich nicht lache. Unfähiger Faulenzer trifft es eher.
Aber Gnädigste, so lasse ich nicht mit mi…
Weiter kam er nicht. Es machte klatsch und gleich darauf noch mal klatsch. Die Springerin hatte gerade zwei gewaltige Ohrfeigen ausgeteilt.
Merk dir eines, du unfähiger Faulenzer, nenn mich nie wieder Gnädigste. Für dich bin ich die Chefin!
Mit diesen Worten stapfte sie wieder auf die übrige Besatzung zu.
Noch jemand, der Lust auf ein Paar rote Ohren hat?
Niemand rührte sich. Im Stillen, ganz, ganz geheim, wünschten sich viele jedoch den alten Patriarchen Klessvool zurück, doch der saß nach wie vor auf Paxus und ließ sich, zusammen mit seinem Duzfreund Niesewitz, regelmäßig volllaufen. Nachdem einige Unternehmungen der Klessvool-Sippe in letzter Zeit schiefgelaufen waren, hatte Gryssin, die bessere Hälfte Klessvools, kurzerhand die Leitung der laufenden Geschäfte übernommen. Und seitdem war nichts mehr so, wie es einmal war. Unter Klessvool war das Leben an Bord angenehm und in ruhigen Bahnen verlaufen, doch nun herrschte ein anderer Wind: Gryssin hielt nichts, aber auch gar nichts, von einem gelegentlichen Schwätzchen unter Kollegen, das natürlich mit einem Gläschen verbunden wurde – und sie scheute sich nicht, ihre Ansichten auch handfest durchzusetzen. Das war ihrer Meinung auch bitter nötig, denn im letzten halben Jahr hatten sie nur Verlustgeschäfte gemacht.
Zuerst waren einige neue Schiffe, die unter dem Befehl ihres Sohnes Razeep standen, in Siom-Som verloren gegangen. Razeep und seine Schwester Chiisma waren seitdem verschollen und wahrscheinlich tot. Nicht, dass sie das besonders traurig machte, Razeep war ein Großmaul gewesen, eben der typische Sohn seines unfähigen Vaters, und Chiisma schlug völlig aus der Art. Dieses aufsässige Weibsstück behauptete doch allen Ernstes, dass der Profit nicht jedes Mittel heiligt. Danach, und das war besonders ärgerlich, brachen die guten Handelspfründe mit den Kontoren in der Milchstraße weg, über die sie die Kleider, Wertsachen und sonstige verwertbare Bestände aus der ABR verkauft hatten. Die LFT, Kralas möge sie strafen, hatte sämtliche Niederlassungen ihrer Sippe geschlossen und ihnen die Handelskonzession entzogen.
Der Konvoi hatte Fahrt aufgenommen. Da alle Schiffe mit Metagrav-Triebwerken ausgerüstet waren, konnten sie nach dem Empfang der Kursdaten sofort wieder in den Hyperraum wechseln. Auf der Strecke waren fünf Orientierungsaustritte vorgesehen und genau an diesen Punkten würde es gefährlich werden. Aber, und damit relativierte sich natürlich die Gefahr, der Weltraum war groß und es müsste schon mit dem terranischen Teufel zugehen, wenn sie ausgerechnet während der Orientierungsetappen durch Flotten der LFT abgefangen würden.
Durch diesen Auftrag würde sich die Sippe auf einen Schlag finanziell erholen. Man konnte über die Führung des Quarteriums denken wie man wollte, aber zumindest war die Bezahlung äußerst lohnend. Das war wohl aber auch das Mindeste, denn die Fracht, die sie beförderten, war der millionenfache Tod. Die Fracht, tief verstaut in den Bäuchen der Schiffe, bestand aus Nova- und Arkon-Bomben. Zwar war Gryssin von einem undefinierbaren Grauen erfüllt, wenn sie an die todbringende Fracht dachte, aber schließlich war das Prinzip ihrer Sippe schon immer das Motto Geld stinkt nicht
gewesen.
Mit einer Erschütterung des normalen
Raum-Zeit Kontinuums verließ die kleine Flotte den Einstein-Raum. Hyperphysikalische Stoßfronten, die durch die einzelnen Singularitäten der Metagrav-Vortex-Hyperfelder erzeugt wurden, pflanzten sich innerhalb des übergeordneten Kontinuums fort. Und wo Emissionen auftraten, konnten diese auch angemessen und ausgewertet werden. Und genau diese Aufgabe übernahmen die PIRANHIAs. Die Spezialschiffe auf der Basis der Hülle eines CERES-Kreuzers waren entlang der Route vom Sternenportal zur Milchstraße stationiert. Im Schutze ihres Semi-Transit-Feldes waren sie selbst vor jeder Entdeckung sicher. Im Chaos, das während der Ereignisse um den falschen Planeten WANDERER auftrat, hatte Admiral Higgins die Spezialschiffe aus der Schlacht abgezogen und mit modifizierten Fernortungsgeräten ausgerüstet. An von NATHAN vorausberechneten Positionen zwischen dem Sternentor und der Milchstraße gingen die Kreuzer in den STF-Zustand und warteten. Ihre einzige Aufgabe war es, die Kursdaten eventueller Flotten oder Geleitzüge des Quarteriums an das Oberkommando weiterzugeben. Die Auswertung der Daten erfolgte an Bord des Spezialschiffes ZUSE, einer mobilen Bio-Syntronik, die faktisch nach NATHAN den leistungsfähigsten Großrechner der Menschheit darstellte. Basis ZUSEs bildete eine 3000 Meter Box der Posbis, die auch die biologische Komponente, das Plasma, stellten.
So wurde der Hyperraumeintritt des Springer-Geleitzuges natürlich durch die PIRANHIAs angemessen und die Daten weitergeleitet. An Bord der ZUSE entstand bereits nach dem zweiten Orientierungsaustritt die Prognose des wahrscheinlichen Kurses, der dann an General Scott C. McHenry weitergeleitet wurde. McHenry hatte den Oberbefehl über die Jagdkommandos übernommen, während Admiral Higgins an der Seite Perry Rhodans versuchen wollte, die quarterialen Flotten in die Tiefen der Lokalen Gruppe zu locken, um die zum Aufbau der 8. Terranischen Flotte benötigte Zeit zu gewinnen. Jeder Tag, der dadurch gewonnen wurde, verbesserte die Ausgangsposition der LFT, denn die gewaltige Rüstungsmaschinerie der Posbis war angelaufen und schickte sich an, die quantitative Überlegenheit des Quarteriums auszugleichen.
Doch im Moment war die LFT noch äußerst verwundbar. Einem gezielten Stoß ins Herz des terranischen Sternenreiches hätte man nichts entgegenzusetzen gehabt. Deshalb war es wichtig, Jenmuhs mit dem Kern der quartialen Flotte im Raum um das Sternentor festzuhalten bzw. in die Tiefen der Lokalen Gruppe zu locken.
Der kugelförmige Gigant mit einem Durchmesser von 1800 Metern bewegte sich, nur durch die Massenträgheit angetrieben, im Unterlichtbereich. Um die SHERMAN, das Flaggschiff General McHenrys, gruppierte sich der Verband Cereaus
, der aus sämtlichen Schiffsklassen der LFT zusammengesetzt war.
Die Schlachtschiffe und Schlachtkreuzer waren um den ENTDECKER und die BOX gruppiert, während die Kreuzer der VESTA- und CERES-Klasse einen lockeren Sicherungsring bildeten. Der Verband Cereaus
war, genau wie die der unter dem Befehl von Admiral Higgins stehenden Einheiten der 8. Terranischen Flotte, noch lange nicht auf Sollstärke. Genau genommen handelte es sich um ein nach der Niederlage am Sternentor aus den noch kampffähigen Einheiten gebildetes letztes Aufgebot. Sie mussten Zeit gewinnen, bis die Verstärkungen von den Dunkelplaneten der Posbis und den Luna-Werften fertiggestellt und eingetroffen waren.
General McHenry hatte seine Schiffe, die den traurigen Rest der Schlacht am Sternentor darstellten, in zehn Angriffsrotten aufgeteilt. Hierdurch war es möglich, mehrere Geleitzüge getrennt anzugreifen. Alle Rotten hatten den Auftrag, die Versorgungsschiffe des Quarteriums zu stellen und zu vernichten. Vorher sollte, wenn möglich, den Besatzungen noch Gelegenheit gegeben werden, sich mit den Beibooten in Sicherheit zu bringen. Für die einzelnen Angriffsrotten stand die eigene Sicherheit an erster Stelle, beim Auftauchen quarterialer Sicherungsschiffe sollte der Angriff sofort abgebrochen werden.
Der Kampfverband trieb im intergalaktischen Raum, faktisch im kosmischen Niemandsland. Und doch hatte man festgestellt, dass der Raum zwischen den Galaxien alles andere als leer war – im Gegenteil, Dark Matter, die Dunkle Materie, beherrschte alles. Die an Bord der Schiffe befindlichen Wissenschaftler waren völlig aus dem Häuschen, bevor sie durch McHenry zurechtgewiesen wurden. Hier zeigte sich, dass auch die Wissenschaft des 14. Jahrhunderts NGZ noch vor völligem Neuland stand. Die gesamte Forschung hatte sich bisher auf die Inseln des Lebens, die Galaxien, konzentriert ‑ der weite Raum dazwischen, die vermeintliche Wüste des intergalaktischen Raumes, wurde völlig vernachlässigt. Zu Unrecht, wie sich jetzt zeigte. Von Leere oder Wüste konnte keine Rede sein ‑ der Raum zwischen den Galaxien war erfüllt mit unbekannter Materie und unbekannten Energiefeldern, die man in Anlehnung an theoretische Konzepte terranischer Forscher des ausgehenden 20. Jahrhunderts alter Zeitrechnung als Dunkle Materie und Dunkle Energie bezeichnete. Hier zeigten sich die negativen Folgen der übernommenen arkonidischen Technik und Wissenschaft, durch die alle Forschungsansätze nicht mehr weiter verfolgt wurden, für die kein arkonidisches Vorbild vorhanden war. Doch auch die Wissenschaftler an Bord von McHenrys Flotte mussten ihre Forschungsvorhaben auf später verschieben, denn in der aktuellen Lage hatte das nackte Überleben Vorrang vor allen wissenschaftlichen Erkenntnissen.
McHenry war über eine Konferenzschaltung mit den Kommandanten der Rotten verbunden und besprach den nächsten Einsatz. Das Quarterium schien eine größere Operation vorzubereiten, denn aus dem Raum um das Sternentor wurde reger Schiffsverkehr in Richtung Milchstraße/Andromeda gemeldet. Deshalb entschloss sich der terranische Kommandeur alle zur Verfügung stehenden Einheiten einzusetzen, um den Nachschub des Gegners empfindlich zu stören.
Die SHERMAN fiel mit 8 NOVA-Schlachtschiffen, 12 ODIN-Schlachtkreuzern und etwa 40 VESTA- und CERES-Kreuzern aus dem Hyperraum. Die anderen Jagdgruppen waren ähnlich zusammengesetzt, nur dass ihnen keine Schiffe der ENTDECKER-Klasse zur Verfügung standen. Die 1800 m durchmessenden Riesen waren innerhalb der Flotte der LFT noch immer Mangelware. McHenry nannte die Operation, im Andenken an einen von ihm als Vorbild verehrten amerikanischen Panzer-General des 2. Weltkrieges, Patton-Strike
.
Vor dem Verband befanden sich etwa 120 Walzenraumer der Springer, die nach dem Austritt der LFT-Flotte aus dem Hyperraum zu beschleunigen versuchten, um sich im übergeordneten Kontinuum in Sicherheit zu bringen.
McHenry hatte eine Gefechtsleitverbindung mit dem ihm unterstellten Schiffen aufgebaut und brüllte in das Feldmikrofon:
Setzt diesen Sauhunden eine Salve genau vor den Bug. Das Pack soll die Hölle zu sehen bekommen.
Wenig später erschütterte der Abschuss der beiden 4000-Gigatonnen-Pol-Transformbatterien das gewaltige Schiff. Acht Bomben des schwersten Kalibers wurden in den Fluchtkurs der Springerschiffe abgestrahlt und entfesselten im Kursvektor der Walzen die Hölle. Dazu kam noch eine komplette Salve der NOVAs.
So, und jetzt möchte ich eine Verbindung mit dem Gesindel, aber pronto!
Wenig später wurde das zornbebende Gesicht einer Springerin auf dem Panoramaschirm sichtbar.
Ich protestiere hiermit auf das Schärfste gegen die Beeinträchtigung des freien Handels zwischen den Galaxien. Sie verkappter Mörder haben kein Recht, meine Schiffe am Weiterflug zu hindern.
McHenry war bei diesen Vorwürfen ebenfalls rot vor Zorn geworden.
Wie haben Sie mich gerade genannt? Mörder? Ich glaube eher, diese Bezeichnung trifft auf Ihre Sippschaft zu. Wo ist denn euer so genannter Patriarch? Ich glaube, Klessvool heißt er. Ich will ihn sofort auf dem Schirm sehen!
Da musst du terranischer Emporkömmling mit mir Vorlieb nehmen. Klessvool hat sich aufs Altenteil zurückgezogen. Ich leite nun die Sippe.
Auch gut. Jetzt hör mir mal genau zu, du alte Vettel! Ihr habt genau eine Zeiteinheit, die Schiffe zu verlassen, danach eröffnen wir das Feuer. Ich würde euch also empfehlen, schnellstens in die Beiboote zu gehen und ein bewohnbares System anzusteuern.
Die Springerin begann zu grinsen. Und was ist, wenn wir das nicht tun, Terraner? Was wollt ihr dann machen? Feuern? Dass ich nicht lache. Ich sag dir mal, was wir tun werden: Wir werden jetzt wieder beschleunigen und du, du kannst mich mal da, du weißt schon, da wo niemals die Sonne scheint!
Sobald ein Raumschiff Fahrt aufnimmt, werden wir das Feuer eröffnen. Wir sind im Krieg. Das Quarterium hat mit seinem Überfall am Sternenportal der LFT den Krieg erklärt. Und glauben Sie mir, Gnädigste, ich werde das Feuer eröffnen lassen …
Das wäre Mord, kaltblütiger Mord an Unschuldigen!
Mord? Unschuldig? Deine Sippe profitiert doch durch Sklavenhandel, die Artenbestandsregulierung und den Untaten des Krieges durch das Quarterium. Ihr steht auf der Gehaltsliste des Imperatore und seid daher in meinen Augen nichts weiter als seine Handlanger. Ihr habt noch 60 Minuten – nein, nur noch 55 Minuten.
Vor Wut bebend schaltete McHenry ab.
Dieser Abschaum! Die glauben wohl, dass sie uns verarschen können. Aber nicht mit mir, nicht mit dem alten Scott McHenry.
Gespannt verfolgten die Besatzungen der kleinen Schlachtflotte den weiteren Verlauf. Die Springer schienen endlich den Ernst der Stunde erkannt haben, denn immer mehr Beiboote verließen die großen Walzenschiffe. Die kleinen Schiffe begannen sich zu sammeln und vollführten dabei komplexe Kursmanöver. Mit zunehmendem Missvergnügen beobachtete McHenry das Durcheinander.
Da wird doch der Hund in der Pfanne verrückt
, murmelte er vor sich hin. Und plötzlich: Pol-Batterie, fertig machen zum Einzelschuss. Die meinen wohl schlauer zu sein als wir!
Nach einigen Minuten schien das Durcheinander noch chaotischer zu werden. Und dann war klar, was das Manöver sollte. Im Schutz der Beiboote begannen plötzlich einige der Walzen mit Höchstgeschwindigkeit zu beschleunigen. McHenry reagierte augenblicklich.
Pol-Batterie, Feuer frei, direkt in den Flugvektor! Danach Rundruf an das ganze Pack!
Rundruf steht, Sir!
General McHenry an Springerschiffe. Brechen Sie sofort den Fluchtkurs ab, oder wir eröffnen das Wirkungsfeuer, ich wiederhole, sofort abbrechen, oder es knallt!
Da wurde kurz die Springerin sichtbar, die offensichtlich antwortete.
Wie gesagt General, du kannst mich, und zwar kreuzweise, von oben nach unten oder auch umgekehrt, wenn’s genehm ist!
McHenry an alle, Feuer frei auf die flüchtenden Schiffe, putzt das Grobzeug aus dem Kosmos!
Und dann begann das Inferno. Die SHERMAN begann zu beben, als beide Pol-Batterien im Salventakt zu feuern begannen. Auch die NOVA- und ODIN-Schlachtschiffe gingen in den Salventakt über. Vor den flüchtenden Springerschiffen entstand eine Wand aus atomarem Feuer, in die die Schiffe mit hoher relativistischer Geschwindigkeit hineinflogen. Und, wie in einer Kettenreaktion, begannen die Walzen zu explodieren. Doch es waren keine normalen Explosionen, nein, es schien als ob die Hölle ihre Pforten öffnen würde.
Wieder war es McHenry, der zuerst reagierte.
Alle Reserven auf den Paratron und dann nur eines, weg hier, so schnell wie möglich!
, schrie er über den Rundruf.
Die Kugeln beschleunigten mit Höchstwerten. Dabei wurde der Metagrav-Feldantrieb durch die Impulstriebwerke unterstützt. Wenig später war es geschafft. Die SHERMAN war aus der Gefahrenzone. Wenig später gingen die Meldungen der Begleitschiffe ein. Fast alle Einheiten waren noch einmal davongekommen. Nur zwei Kreuzer der VESTA-Klasse waren so schwer beschädigt, dass sie aufgegeben werden mussten. Die Besatzungen wurden von den anderen Schiffen übernommen.
Was war das eigentlich, was da hochgegangen ist?
, erkundigte sich McHenry bei seiner Zentralebesatzung.
Ich denke, dass die Springer mit Arkon- und Novabomben vollgepackt waren, Sir
, antwortete der Leiter der Schiffsverteidigung Major Soumi Joronen. Die sind vermutlich hochgegangen, als die Schutzschirme zusammengebrochen sind.
McHenry pfiff durch die Zähne. Da scheinen wir wohl einen respektablen Fang gemacht zu haben, wenn Jenmuhs diese Bomben erhalten hätte ‑ nicht auszudenken!
Ganz so erfolgreich waren wir wohl nicht: Ein Springerschiff ist entkommen, wahrscheinlich das Schiff dieser komischen Patriarchin.
Was sagen Sie da, Oberstleutnant? Die alte Vettel soll entkommen sein? Bei allen Raumteufeln, ausgerechnet …
Es kommt noch schlimmer: Fast alle Beiboote haben das Inferno nicht überstanden. Die Springer sind bis auf wenige Boote von der Explosion ihrer eigenen Bomben vernichtet worden.
McHenry schien einen Augenblick mit sich zu kämpfen. Doch dann, mit einem verkniffenen Gesichtsausdruck, kam sein Befehl an seine kleine Flotte:
Überlebende suchen und aufnehmen!
Doch die Offiziere in der Zentrale konnten hören, wie er vor sich hin murmelte. Jetzt hab ich das verdammte Springerpack am Hals.
Die Bewertung der Leistung der Führung der LFT kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. In den Massenmedien werden natürlich Perry Rhodan, Aurec und der neue Liebling des Boulevards,
JoakCascal, als die Retter gefeiert, doch den, zumindest meiner Meinung nach, entscheidenden Anteil hatte General Scott McHenry. Ohne den alten Haudegen und seinen mit verbissener Beharrlichkeit geführten Krieg gegen die Nachschublinien des Quarteriums würde das Quarterium vermutlich schon vor den Toren Terras stehen. Die von McHenry geführte KampfgruppePatton-Strikeund einige kemetische Einheiten haben nach verlässlichen Quellen große Erfolge erzielt und die Nachschublinien geschwächt.Ich möchte hiermit ausdrücklich den verdienten General gegen unberechtigte und verleumderische Angriffe der Boulevardpresse in Schutz nehmen, indem ich feststelle, dass allein das Quarterium der Aggressor war und ist. Die Tausenden und Abertausenden von Toten, die auf der Seite des Quarteriums zu beklagen sind, liegen allein und ausschließlich in der Verantwortung der militärischen Führung des Quarteriums. Es kommt mir als eine Idiotie und gleichzeitige Infamie sondergleichen vor, wenn bereits jetzt gefordert wird, General McHenry als Kriegsverbrecher vor Gericht zu stellen und die gleichen Kreise dem Alleinherrscher Cartwheels, dem Despoten Siniestro, in das ‑ entschuldigen Sie, ich kann es nicht anders ausdrücken ‑ hochherrschaftliche Hinterteil kriechen. Hierzu kann ich nur noch feststellen: Schande, Schande und nochmal Schande über diese gesinnungslose Journaille.
(Unabhängiger Korrespondent Roppert Mohlburry)
Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.
Bertolt Brecht
Es war soweit. Nochmals überblickte ich die in Reih und Glied stehenden ehemaligen Freiwilligen, die sich als Rekruten für den Kampf gegen MODROR und das Quarterium gemeldet hatten. Neben mir standen die wenigen Veteranen, die zusammen mit mir in den vergangenen 158 Tagen aus unbedarften Zivilisten, die nichts hatten, als den Willen für die Freiheit der Menschheit zu kämpfen und zu sterben, die wohl härteste Truppe diesseits und jenseits des Sternentores geformt hatten. Auch Remus und Will hatten ihren Anteil und nicht zu vergessen der ehemalige Staatsmarschall, der genau wie wir sich am tagtäglichen Ausbildungsdrill beteiligte. Einige von ihnen gehörten bereits der Entsatztruppe an, die während der Schlacht um das Sternenportal die Befreiung auf dem Pseudo-WANDERER geführt hatten. Doch auch viele Neue waren unter ihnen.
Hier, im sprichwörtlichen Nirgendwo, überall und nirgends, wurde das Schwert der 8. Terranischen Flotte geschmiedet. Aus einem bunt zusammengewürfelten Haufen aller Nationalitäten entstand die 777. Raumeingreifdivision, meine Truppe.
Jetzt, zum Abschluss der Ausbildung, wurden die Besten der Besten zu einer Eliteeinheit ohnegleichen zusammengefasst, die mein persönliches Kommando werden sollte. Reginald Bull persönlich ließ es sich nicht nehmen, dieser Truppe den Namen zu geben, den sie selbst gewählt hatte.
Freyt-Kompanie!
Inoffiziell hatten sie sich von Anfang an so genannt, doch nun wurde ihnen die Bezeichnung in allen militärischen Ehren zugesprochen.
Bully ‑ ja, wir waren nach diversen Besäufnissen bei der Kurzform seines Namens angelangt ‑ schritt die Kolonne meiner Elite ab. Zur Freyt-Kompanie gehörten Frauen und Männer, die freiwillig auf Führungsaufgaben in anderen Kompanien verzichtet, sogar einen Offiziersrang abgelehnt hatten. Sie alle einte eines, der unbedingte Wille zu siegen und der Mut, notfalls das eigene Leben für das Leben und die Freiheit der Kameraden in die Waagschale zu werfen. Auch Will und Remus gehörten zu diesem verschworenen Haufen, auch sie hatte darauf verzichtet, in einer der anderen Kompanien zu Amt und Würden zu kommen.
Freyt-Kompanie ‑ der Name stand für eine Pflichterfüllung ohnegleichen, die in der Selbstaufgabe gipfelte. Michael Freyt, der Name von Rhodans Stellvertreter als Großadministrator, würde die Eingeweihten immer an eine der schlimmsten Krisen in der Geschichte der Menschheit erinnern. Einer Krise, die Dank der Pflichterfüllung und Selbstopferung des Solar-Marschalls, weitgehend geräuschlos und ohne von der Öffentlichkeit bemerkt zu werden gelöst werden konnte. Es war allein Michael Freyt, der dafür sorgte, dass nach der Zerstörung des Physiotrons auf Wanderer nicht der Kampf aller gegen alle unter den bisherigen Unsterblichen begann. Kaum jemand weiß heute noch, dass er es war, der zuerst durch NATHAN eine Liste der wichtigsten Menschen aufstellte, und dann dafür sorgte, dass die Mehrheit der zum Tode verurteilten ehemaligen Unsterblichen unerkannt im All verschwand. Die gefundenen Zellaktivatoren wurden dann weitgehend nach der Liste Freyts verteilt. Er selbst hatte sich von der Liste gestrichen, um den anderen zum Tode verurteilten Unsterblichen ein Beispiel zu geben.
… im Gedenken an meinen alten Freund Michael, für den Pflichterfüllung und Dienst an der Menschheit immer an erster Stelle standen.
Ich schreckte aus meinen Tagträumen empor und bekam gerade noch Bullys letzte Worte mit. Ja, der Name Michael Freyts würde wie kein anderer die Tugenden symbolisieren, die im Endeffekt den Sieg über das Quarterium und MODROR bringen würden.
Die Liste war endlos. Ich kannte sie alle, hatte mit ihnen im Dreck gelegen, kannte ihre Stärken und auch ihre Schwächen und sie kannten auch meine. Bully heftete nun die Rangabzeichen an die bisher blanken Kragenspiegel der tiefblauen Uniformen. Auch das war ein Novum. Innerhalb der Freyt-Kompanie wurden sämtliche Offiziere und Mannschaftsdienstgrade gewählt, es sprach übrigens für die Fähigkeiten von Remus und Will, dass sie beide zu Offizieren bestimmt wurden.
Wenig später war die Zeremonie beendet.
Wir hatten noch etwa sechs Stunden Zeit, bis ‑ wenn die Vorhersagen der Posbis stimmten ‑ die Verschmelzung mit der Hauptrealität stattfinden würde. Bald würden wir zurück sein, das Quarterium, der Schlächter Jenmuhs, die ganze verkommene Siniestro-Clique würde ihr blaues Wunder erleben.
Es war soweit. Bald würde wieder der freie Weltraum sichtbar werden. Wir waren an Bord der Schiffe gegangen. Die neuen Kreuzer der INVINCIBLE-Klasse stellen alles in den Schatten, was jemals aus der Kooperation zwischen terranischen Ingenieuren und den Posbis entstanden war. Diese Schiffe würden für die nächste Zeit, vielleicht für Jahre, unsere Heimat sein. Wir hatten in unzähligen Simulationen jede nur denkbare Situation durchgespielt, alles was noch fehlte, war der Ernstfall. Und der stand, da war ich mir sicher, kurz bevor.
Der Übergang war da. Die Verschmelzung der Realitäten verlief geradezu unspektakulär. Ein kurzes Flimmern, das die Wahrnehmung verzerrte, war alles. Keine Leuchterscheinungen, keine hyperphysikalischen Schockfronten, nichts auffallendes. Die Wahrnehmung klärte sich und im nachtschwarzen Himmel des Dunkelplaneten überstrahlte die Spirale der Milchstraße den spärlichen Sternenhimmel. Ich konnte es kaum glauben, selbst der positronische Zeitmesser an meinem Handgelenk zeigte das erwartete Datum: 21. Juni 1307 NGZ 10:24 Uhr
Alles war gut gegangen. Die Ruhe des intergalaktischen Leerraums wurde durch regen Schiffsverkehr gestört. Aus den Tiefen des Leerraumes zwischen der Milchstraße und Andromeda wurden immer mehr Raumer zusammengezogen. Die gewaltigen Würfel der 3000-Meter-BOXEN beherrschten die Szene. Daneben wirkten die kugelförmigen INVINCIBLE-Kreuzer mit ihrem Durchmesser von 260 Meter wie Spielzeugmurmeln. Und doch würde dieser Schiffstyp die Wende bringen. Die gigantischen BOXEN, die den Ultra-Schlachtschiffen zuzuordnen waren, brauchten wir als Gegengewicht zu den Supremo-A-Typen. Der direkte Vergleich hatte leider gezeigt, dass ein Entdecker zwar gegen die quarterialen Giganten bestehen konnte, aber mehr nicht. Hier würden die BOXEN der Posbis mehr als ein Gegengewicht bilden.
Die eigentliche Last der kriegerischen Auseinandersetzung hatten jedoch die kleinen INVINCIBLE-Kreuzer zu tragen. Sie waren das Transportmittel der REDs, sie würden die Frauen und Männer der Raumeingreiftruppen auf dem Schlachtfeld absetzen und die, welche der Moloch des Krieges verschont hatte, wieder an Bord nehmen.
Die Simulationen NATHANs hatten ergeben, dass die militärische Entscheidung im planetennahen Raumkampf mit verbundenen Landeoperationen fallen würde, und genau für dieses taktische Szenario wurden die INVINCIBLE-Kreuzer konzipiert. Ein besonderer Glücksfall bestand darin, dass sich die Posbis bereit erklärt hatten, die Produktion eines Großteils der überschweren Kreuzer zu übernehmen. Da die Unterlegenheit der Flotten der LFT mit Großkampfschiffen durch entsprechende Kontingente von BOXEN der 3000-Meter-Kategorie ausgeglichen wurden, konnten sich die Luna-Werften auf die Produktion von Raumjägern und kleineren Einheiten konzentrieren. Zu diesem Zweck wurde das Entdecker-Programm vorübergehend gestoppt, um entsprechende Werftkapazitäten für die NIMROD-II-Raumjäger und die INVINCIBLE-Kreuzer freizubekommen. Die Industrie Terras war zwar seit den Zeiten des Solaren Imperiums nicht mehr auf Kriegswirtschaft umgestellt worden, aber die Bedrohung durch die Horden MODRORs bewirkte eine Änderung der Haltung der Abgeordneten des Residenzparlamentes. Es war wie Hohn, ausgerechnet der Terror MODRORs überbrückte die Differenzen, die normalerweise das Parlament der LFT blockierten. Die überwiegende Mehrheit der Abgeordneten gab in einem fraktionsübergreifenden Initiativantrag Reginald Bull, als Residenzminister für Verteidigung, freie Hand bei der Abwehr der Invasion durch das Quarterium. Terra hatte den Kampf gegen Terror und Unterdrückung aufgenommen.
Die Freyt-Kompanie war mit drei anderen Kompanien der 1. Brigade der 777. RED an Bord der DERINGHOUSE gegangen. Der INVINCIBLE-Kreuzer war mein Flaggschiff und würde in den nächsten Wochen und Monaten unser Zuhause sein. Die zusammen mit den Fragmentraumern gebildete Flotte war auf dem Weg nach Andromeda, um die Reste der 8. Terranischen Flotte zu entlasten, die zusammen mit tefrodischen Einheiten in einem erbitterten Abwehrkampf gegen das Quarterium standen.
Jenmuhs hatte, nachdem er in der Andromeda vorgelagerten Zwerggalaxie Pearl jeden Widerstand rücksichtslos gebrochen hatte, den Tefrodern ein Ultimatum gestellt. Das Neue Tamanium solle unter seiner Regentschaft Teil des Quarteriums werden und vor allem den Nachschub und die Wartung der Supremo-Einheiten übernehmen. Der Hohe Tamrat und Virth des Neuen Tamaniums Sha Otarin hatte Jenmuhs Ultimatum empört abgelehnt, worauf der Quarteriumsfürst Tefrod den Krieg erklärte. Daraufhin hatte sich Perry Rhodan, zusammen mit einem Teil der 8. Terranischen Flotte unter dem Kommando von Admiral Higgins, nach Tefrod zurückgezogen und war ein Bündnis mit dem Tamanium eingegangen.
Der geplante Genozid
Für die in Andromeda beheimateten Maahks wurde die Präsenz des Quarterium äußerst gefährlich, ja gar lebensbedrohlich. Bereits zum dritten Mal schicken sich Menschen an, sie zu unterdrücken oder gar auszurotten?
Obwohl die Maahks offiziell bis zu diesem Zeitpunkt auch im Quarterium als anerkannte Intelligenzwesen angesehen wurden, da sie Logiker und hoch entwickelt waren, zeigte sich das Quarterium arrogant und die Artenbestandsregulierung schwebt wie ein Damoklesschwert über der Rasse der Methanatmer.
Wie wird die LFT reagieren? Werden Perry Rhodan und seine tapferen Männer und Frauen in Andromeda den Kampf suchen, um Verbrechen gegen Maahks und Tefroder zu verhindern? Als aufrichtiger Terraner glaube ich mit ganzem Herzen daran!
(Roppert Mohlburry)
Die 50 INVINCIBLE-Kreuzer, die zur 777. RED gehörten, fielen im Tefa-System aus dem Hyperraum. Ich hatte die Kommandanten der uns begleitenden Fragmentraumer gebeten, sich General McHenry anzuschließen, um gemeinsam die Nachschublinien anzugreifen. Durch die 3000-Meter-BOXEN würde McHenry in der Lage sein, auch Geleitzugkonvois zu attackieren, die durch Supremo-A-Schiffe geschützt wurden. Durch die Unterstützung der Posbis würde unsere Position schrittweise besser werden. Doch vorläufig war das Quarterium noch immer um weit mehr als den Faktor 5 überlegen. Ein Vernichtungsschlag in Richtung Terra noch immer möglich und wahrscheinlich.
Admiral Higgins hatte darum gebeten, dass die 777. auf Tefrod Stellung beziehen solle, da ihm keine Raumeingreiftruppen zur Verfügung standen. Dadurch würden wir zwar die taktische Beweglichkeit verlieren, aber die Verfügung über eigene Kampftruppen war für Rhodan und Higgins unverzichtbar. Mir wäre zwar wesentlich wohler gewesen, wenn zumindest die BOXEN ebenfalls auf Tefrod stationiert worden wären, aber es war mir auch klar, dass die Geleitzugjagd im Moment wichtiger war.
Ich führte die kleine Flotte fast senkrecht zu der Ekliptik des Systems in Richtung des 3. Planeten. Die wolkenverhangene Kugel Tefrods wurde innerhalb des Holo-Gefechtsprojektionskubus sichtbar, der das Zentrum der Zentrale der DERINGHOUSE bildete. Langsam wurde die Kugel größer und Details der Oberfläche zeichneten sich ab. Der Kreuzer stürzte auf den Hauptkontinent Virfendor zu, an dessen Westküste Vircho, die Hauptstadt des Planeten lag. Etwas außerhalb der Stadt, auf der Nazar-Ebene, befand sich der ausgedehnte Raumhafen, der unser Ziel darstellte. Um den Prallschirm des Schiffes bildete sich ein lodernder Feuerschweif, der den Eintritt in die Atmosphäre des erdähnlichen Planeten zeigte. Der Pilot verzögerte die Fahrt und schaltete auf den Antigrav-Antrieb um. Wir wollten durch unsere Landung nicht alles in Schutt und Asche legen. Wenig später landete die Kugel, sanft wie eine Feder, auf dem riesigen Areal.
Wir waren im Zentrum des Exils der Ersten Menschheit angekommen.
Wenig später näherte sich ein größerer Gleiter aus der Richtung der Küste. Die in militärischen Tarnfarben gestrichene Maschine landete unweit der DERINGHOUSE. An der Seite der Maschine öffnete sich ein Schott und ein hochgewachsener Mann in einem dunkelblau schimmernden Anzug mit einem seltsamen silberfarbigen Relief auf der rechten Brustseite schwebte langsam zu Boden.
Ich musste das Holo nicht vergrößern, um unser Begrüßungskomitee zu erkennen: Der Terranische Resident hatte sich persönlich bemüht, um uns auf Tefrod willkommen zu heißen. Und es schien endlich soweit zu sein, dass der Ernst der Situation bis zu ihm durchgedrungen war, zumindest konnte man den angelegten Galornenanzug entsprechend interpretieren.
Ich machte einige Entspannungsübungen, die ich von Atlan in grauer Vergangenheit übernommen hatte. Ich musste sachlich bleiben, musste meine Vorbehalte gegen die Appeasementpolitik der Ligaführung unterdrücken. Dann machte ich mich auf den Weg nach draußen, um den Residenten zu begrüßen.
Rhodan musterte mich mit zusammengekniffenem Mund. Schließlich verzog sich sein Gesicht zu einer Andeutung eines Lächelns.
Willkommen, Joak! Es fällt mir zwar schwer, aber ich bin froh, deinen sturen Eisenschädel auf Tefrod zu sehen!
Es dauerte einen Moment bis ich begriff, dass Rhodan eine zweideutige, durchaus zynische Bemerkung mit seiner Begrüßung verknüpft hatte. Ich ließ einen Moment verstreichen, bis ich antwortete.
Naja, ich wäre eigentlich auch viel lieber woanders, aber eines sollte man noch bedenken: Lieber einen Eisenschädel als ein zermatschtes Gehirn!
Das war zwar nicht besonders geistreich, aber in der Eile fiel mir nichts Besseres ein. Rhodans Mund verzog sich nun zu einem eindeutigen Grinsen. Jetzt endlich erinnerte er mich an den alten Risikopiloten, mit dem man durch Dick und Dünn gehen konnte. Ein Teil der Tünche aus Seriosität und Verantwortung, die ihn wohl zentimeterdick bedeckte und blockierte, fiel von ihm ab. Vielleicht würde sich unsere Zusammenarbeit doch angenehmer gestalten, als ich gedacht hatte.
Dann machte er einige Schritte auf mich zu und umarmte mich. Der Risikopilot hatte endgültig das beengende Korsett gesprengt.
Komm steig ein, wir sind zu einer Besprechung mit dem Virth auf die Regierungsinsel geladen. Seine Exzellenz Tamrat Sha Otarin möchte mit uns die aktuelle Lage erörtern.
Wenig später waren wir auf dem Weg. Der Gleiter fädelte sich in den nachmittäglichen Verkehr über der Hauptstadt ein. Er schien wohl über eine Art Überlegitimation zu verfügen, die es ihm ermöglichte, ohne irgendwelche Staus die Regierungsinsel zu erreichen. Was mir dabei besonders auffiel, war der friedfertige Charakter, den die Hauptstadt und das ganze Umfeld bot. Selbst im Terrania der LFT war mehr Militär sichtbar. Die Tefroder schienen nach dem Ende der Meister der Insel in einer überaus friedvollen Gesellschaft zu leben. Nicht, dass ich ihnen das nicht zustand, aber für die bevorstehenden Auseinandersetzungen war dies wohl nicht gerade hilfreich.
Der Gleiter landete schließlich auf einem kleinen Flugfeld inmitten der Regierungsinsel. Perry und ich stiegen aus und wurden von einer kleinen Delegation begrüßt. Der Virth war an seiner konservativen Kleidung gut zu erkennen, er trug als einziger eine hochgeschlossene, hemdähnliche Jacke und eine Kopfbedeckung, die mich an einen uralten terranischen Zylinder erinnerte. Für mich als Verhandlungspartner wesentlich interessanter war der Maahk, der durch einen klobigen Schutzanzug vor der für ihn giftigen Atmosphäre geschützt wurde. Sein Name war nicht schwer zu raten, es war immer der Vorteil der Methanatmer, dass Individuen, die berechtigt waren, für die Gesamtheit der Maahks zu sprechen, den Namen Grek-1 trugen.
Die Verhandlungen zogen sich hin, ohne dass wir wesentliche Fortschritte machten. Die Maahks misstrauten uns, was ich ihren nicht verübeln konnte, und wollten den Kampf gegen Jenmuhs alleine führen. Die Tefroder glaubten, trotz des Ultimatums und der Kriegserklärung, dass sie in dem Konflikt weitgehend neutral bleiben könnten. Wir einigten uns schließlich darauf, dass wir nach einem geeigneten Stützpunkt suchen würden, um Jenmuhs im Auge zu behalten. Nachdem der offizielle Teil vorbei war, wurde uns noch die Tochter von Sha Otarin vorgestellt. Shara Otarin war eine typische Tefroderin, groß gewachsen, schlank, samtbraune Haut und blauschwarze Haare, die in der Sonne geheimnisvoll schimmerten. Mein Ego begann sich wieder aufzurichten, sie war genau richtig, um meine durch Anya Guuze verletzte Seele wieder zu heilen.
Perry, Shara, Remus und ich waren unterwegs. Unterwegs war gut, eigentlich durchstöberten wir alte Aufzeichnungen aus der Zeit der Meister der Insel. Der Virth hatte seine Tochter gebeten, uns mit ihrer Ortskenntnis bei der Suche nach einen Stützpunkt zu unterstützen. Für mich war es geradezu erschreckend, wie wenig sich die Tefroder mit der Zeitepoche der Meister der Insel beschäftigten. Diese Epoche, immerhin über 25 000 Jahre ihrer Geschichte, wurde fast vollständig ausgeblendet und verdrängt. Die alten Anlagen waren einfach stillgelegt und dann vergessen worden. Ich mochte nicht daran denken, was da alles aus den Hinterlassenschaften der Herren Andromedas noch auf seine Wiederentdeckung wartete. Es war unser Glück, dass Shara sich privat für diese Hinterlassenschaften interessierte und sie als die Tochter des Virth natürlich unbegrenzten Zugang hatte. Ohne sie wäre unsere Suche vergeblich geblieben.
Ich fand es faszinierend, die alten Dokumente, Aufzeichnungen und Datenbanken zu durchstöbern. Dabei stießen wir bereits ganz am Anfang auf eine Überraschung. Viele Aufzeichnungen waren nicht zugänglich, da sie in einem verschlüsselten Holo-Format abgespeichert waren. Nach unseren Kenntnissen war die Aufzeichnungstechnik als Hologramm aber erst ab den ersten Jahrhunderten der Neuen Galaktischen Zeitrechnung möglich. Dass die Meister der Insel über diese Technik verfügt hatten, war absolut unbekannt.
Jedoch, so interessant diese Entdeckung auch war, im Moment konnten wir uns nicht darum kümmern. Ein kurzer Blick zu den anderen bestätigte meine Ansicht. Die verschlüsselten Speicherkristalle wurden beiseite gelegt und weiter ging es. Schließlich ließ mich ein leiser Ruf des Erstaunens aufblicken. Shara schien etwas entdeckt zu haben. Auch Perry und Remus wurden aufmerksam. Die Tefroderin legte einen Speicherkristall in einen Datenprojektor und auf einer Projektionsfläche wurde ein Planet sichtbar. Fragend blickte ich ihr in die Augen. Sie schenkte mir ein belustigendes Blinzeln aus den durch etwas ähnlichem als Mascara stark betonten Augen, bevor sie uns aufklärte.
Dies ist der fünfte Planet unseres Systems. Eine Welt, die für uns keinerlei Bedeutung hat. Der Planet entspricht von der Größe und Beschaffenheit in etwa dem ehemaligen Mars, nur ist er viel kälter. Nach diesen Aufzeichnungen muss sich auf dieser Welt ein kompletter Geheimstützpunkt der MdI befinden, mit unterirdischen Hangar-Anlagen für Hunderte von Schiffen.
Es war Perry, der ihr antwortete. Diese Station ist genau das, was wir suchen. Der Planet verfügt über keinerlei sichtbare Anlagen und dürfte von einem eventuellen Angreifer als unbedeutend eingestuft werden. Können wir uns die Station ansehen?
Natürlich. Ich denke, dass Joak
, dabei zwinkerte sie mir wieder verschwörerisch zu, gerne bereit ist, ein Schiff zur Verfügung zu stellen.
Und ob ich das war. Wir verabredeten, dass wir mit der DERINGHOUSE am nächsten Morgen den Planeten erkunden wollten. Doch in der Nacht hatte ich noch eine andere Erkundung vor. Shara, die Tochter des Virth, hatte mich durch ihr Verhalten unmissverständlich in ihr Bett eingeladen. Und ich wäre ein Narr gewesen, wenn ich diese Einladung nicht angenommen hätte. Doch irgend etwas lief falsch. Gut, wir verstanden uns blendend, unterhielten uns die ganze Nacht, alberten wie zwei Geschwister herum, doch dieses unmissverständliche Etwas, dieses eindeutige Gefühl, das Männlein und Weiblein zueinander zog, kam zwischen uns nicht auf. Ich fragte Shara dann irgendwann danach und erhielt die Antwort, dass es ihr genauso ging.
Es war für die DERINGHOUSE nur ein Katzensprung und für mich eine willkommene Abwechslung. Nach einigen Umkreisungen setzten wir zur Landung an. Da wir inzwischen so etwas wie ein Bündnis mit den Tefrodern eingegangen waren, hatte ich nichts dagegen, dass Shara in der Zentrale des Kreuzers anwesend war. Außerdem waren noch Aurec und Sha Otarin an Bord gekommen. Der Saggitone wollte persönlich die Überreste der Meister der Insel begutachten und den Virth interessierte natürlich die Hinterlassenschaften seiner Vorfahren. Die LEIF ERIKSSON war auf Tefrod zurückgeblieben.
Ich war gerade dabei, Shara die Technik der DERINGHOUSE zu erklären, was mir ein wissendes Grinsen von Perry einbrachte, als die Alarmsirenen durch das Schiff kreischten. Direkt vor uns in Flugrichtung entstanden plötzlich unbekannte hyperenergetische Stoßfronten in der Atmosphäre. Bevor ich reagieren und entsprechende Befehle geben konnte, kam mir Perry zuvor. Der Terranische Resident zeigte mal wieder, warum man ihn früher als Sofortumschalter bezeichnet hatte. Ich nahm die Position des Feuerleitoffiziers ein. Es lag nahe, dass irgendwelche Hinterlassenschaften aus der Zeit der MdI zu neuem Leben erwacht waren. Die DERINGHOUSE fing an, wie ein junges Fohlen zu bocken, und ein nervenzerreißendes Kreischen erfüllte die Zentrale. Ich ließ die Zielerfassungen sämtlicher Waffensysteme nach einem Ziel suchen, doch nichts, absolut keinerlei energetische Aktivitäten wurden erkennbar. Das Kreischen wurde immer unerträglicher, um plötzlich abzubrechen. Ich hörte den Befehl Perry Rhodans, doch irgend etwas sagte mir, dass es längst zu spät war.
Vorsicht Situationstransmitter, Gegenschub mit allem, was wir haben!
Doch vor uns baute sich ein flammender Ring auf, der das Schiff verschlang. Nachdem die DERINGHOUSE entmaterialisiert war, erlosch der Feuerring. Nichts, überhaupt nichts wieß darauf hin, dass sich hier vor wenigen Sekunden ein Schiff befunden hatte.
Ich blickte auf den Holo-Kubus, der unsere Umgebung zeigte. Perry und Aurec waren neben mich getreten, während sich Shara in meine Arme geflüchtet hatte. Was wir in der Holo-Darstellung des uns umgebenden Raumes zu sehen bekamen, verschlug mir die Sprache. Perry und Aurec schien es ähnlich zu gehen. Wir befanden uns mitten in einem riesigen Felsendom und schwebten, wohl durch Prallfeldprojektoren gehalten, etwa 20 Meter über dem Hallenboden des halbkugelförmigen Raumes. Ein Blick zu Perry zeigte mir, dass der Unsterbliche genauso verblüfft war wie ich. Da war eine Technik am Werk, die uns überlegen war. Und diese Technik konnte, soweit ich es beurteilen konnte, nicht von den Meistern der Insel stammen.
Ein Raumschiff durch einen Situationstransmitter zu entführen und dann in einem geschlossenen Raum in Sekundenbruchteilen faktisch auf Null abzubremsen, ohne dass das Schiff an den Wänden zerschellte, ging weit über unsere technischen Möglichkeiten hinaus. Die Ortungsoffizierin Leutnant di Ravola meldete, dass unsere aktive Ortung blockiert wurde. Sowohl die Normalortung, als auch die Überlichtsysteme versagten außerhalb eines Radius von 30 Metern um das Schiff. Es war, als ob das Schiff vom Nichts umgeben wäre. Doch dem war nicht so, wie die passiven Ortungssysteme zeigten. Perry und Aurec waren hinzugekommen und verfolgten interessiert die Ergebnisse der Ortungsversuche. Perry schlug dann vor, einen Gegenstand mit einem Traktorstrahl vom Schiff wegzubewegen.
Die Idee war hervorragend und nach wenigen Minuten schwebte ein MODULA-Kampfroboter aus einer Schleuse. Der Roboter verzichtete auf den Einsatz seiner Systeme und wurde ausschließlich durch den Traktorstrahl gehalten. Langsam näherte er sich der ominösen Grenze. Gebannt beobachteten wir, was beim Überschreiten passieren würde.
Vier, drei, zwei und eins!
Leutnant di Ravola zählte langsam nach unten. Jetzt war es soweit. Der Robot überschritt die ominöse Linie und … stürzte einfach aus einer Höhe von etwa 60 Metern auf den Hangerboden. Ein komplexes Stück terranischer Technik war in Schrott verwandelt worden. Es schien, als ob sämtliche Systeme des MODULA bei Überschreiten der Linie ausgefallen wären. Wir saßen fest. Ich würde meine Pension verwetten, wenn irgendwelche energetischen Systeme außerhalb der Zone um den Kreuzer funktionieren würden. Da kam mir eine Idee, wie wir wenigstens nach draußen kommen würden. Strickleitern, wir mussten Strickleitern bauen.
Wir hatten endlich die ominöse Grenze hinter uns gelassen. Ja, meine Idee hatte funktioniert und Perry war ebenfalls noch etwas eingefallen, so dass wir nicht ganz wehrlos waren. Wie vermutet unterband irgend etwas sämtliche Energieübertragungen, damit funktionierten auch keinerlei Energiestrahlwaffen. Ich blickte noch einmal zurück und stellte die Zieloptik meiner Thermorak scharf. Innerlich musste ich grinsen. Gelobt sei die Bürokratie der LFT, vor der selbst die Posbis kapitulieren mussten. An Bord eines terranischen Schiffes musste ein Satz Projektilwaffen mitgeführt werden. Nach diversen Entwicklungsmustern wurde eine Waffe entwickelt, bei der Mini-Raketengeschosse als Munition verwendet wurden. Zusammen mit Shara und Aurec wollte ich zum Ende des Hangers vorstoßen, während Perry, Remus und Will uns den Rücken sichern würden. Doch es kam alles anders.
Gerade, als wir das Hangarende mit einem klobigen Schott erreicht hatten und dieses öffnen wollten, rematerialisierten plötzlich etwa 20 Kampfroboter. Vom Aussehen erinnerten sie stark an terranische TARAs, jedoch waren sie etwas graziler als die terranischen Modelle. Und bei ihnen funktionierte die moderne Technik, wie das blaue Leuchten der Feldbegrenzungsschicht von individuellen Paratronschirmen zeigte. Es dauerte einen Moment, bis ich begriff.
Verloren, wir hatten verloren. Hier hatten wir mit unseren Thermoraks keinerlei Chancen. Sollten die Meister der Insel letztendlich doch noch gesiegt haben? Eines war mit klar, wenn wir hier getötet würden, würde das Quarterium den Sieg davontragen. Siniestro als der neue Führer der Menschheit! Mir wurde schlecht, einfach nur schlecht.
Doch nichts geschah und meine grauen Zellen begannen wieder zu arbeiten. Hier stimmte nichts, einfach nichts. Roboter aus der Zeit der MdI mit Paratronschirmen! Was ging hier vor? Waren wir auf die Hinterlassenschaft eines Zeitexperimentes gestoßen? Es konnte nicht die Wirklichkeit sein. Wenn Mirona Thetin und ihre Verbrecherclique über diese Technologie verfügt hätten, wäre das Solare Imperium sang- und klanglos untergegangen.
Doch plötzlich erloschen die Paratrons. Die Roboter senkten die Waffenarme und traten zurück. Aus einem Kommunikationsgerät ertönte eine unmodulierte Stimme.
Willkommen, Maghan! Bitte folgt den Robotern in die Zentrale.
Ich blickte auf und bemerkte, dass Perry, der inzwischen zu uns getreten war, von einer Art Aura umhüllt wurde, die in dem Moment erlosch.
Das musste seine Ritteraura sein.
Wir, wahrscheinlich besser Perry, mussten gerade einen Test durchlaufen und bestanden haben. Nur wurde die Lage immer verworrener. Was hatte die Ritteraura Perrys mit den Meistern der Insel zu tun? Ich aktivierte versuchsweise mein Kommunikationsgerät. Tatsächlich, das Gerät funktionierte wieder. Die Energiesperre, oder was immer uns da blockiert hatte, war aufgehoben. Ich nahm Verbindung mit Oberstleutnant Mezhal, dem Kommandanten der DERINGHOUSE, auf und berichtete ihm von der Entwicklung. Der Epsaler erhielt die Order, nichts zu unternehmen und vor allem keine Maßnahmen zu ergreifen, die als feindlich interpretiert werden konnten. Oberstleutnant Mezhal bestätigte meine Anweisungen und teilte mir noch mit, dass der Virth beabsichtigte, ebenfalls zu uns zu stoßen. Ich willigte ein, wir befanden uns schließlich im Kerngebiet des tefrodischen Reiches.
Wir waren um einige Antworten reicher, aber die Rätsel und Ungereimtheiten hatten sich eher noch vergrößert. Ich saß mit Aurec und Perry in der Messe der DERINGHOUSE zusammen und beobachte mit ihnen das Eindocken meiner 50 INVINCIBLE-Kreuzer – im Gegensatz zu unserer Ankunft wurden sie auf normalem Wege eingeschleust. Perry würde mit der LEIF ERIKSSON und den Resten der 8. Terranischen Flotte unter Admiral Higgins das Tefa-System wieder verlassen und versuchen, Jenmuhs weiter an der Nase herumzuführen. Die 777. würde jedoch auf dem Stützpunkt bleiben. Wir mussten nur noch die nächsten zwei bis drei Wochen überstehen, dann würden die Verstärkungen aus der Milchstraße eingetroffen sein, die es uns endlich ermöglichen würden, gegenüber Jenmuhs in die Offensive zu gehen.
Aber zurück zur Entwicklung innerhalb des alten MdI-Stützpunktes. Zusammen mit dem Virth waren wir den Robotern in die Zentrale der alten Station gefolgt. Es war tatsächlich so, dass die Ritteraura Perrys uns gerettet hatte. Mehr noch, Perry war als bedingt weisungsberechtigt anerkannt worden. Auf seine Frage nach dem Zusammenhang zwischen der Rittern der Tiefe und den Meistern der Insel verweigerte die zentrale Positronik der Station jedoch jede Auskunft. Nur soviel war dem Zentralrechner zu entlocken, dass irgendwann in der Vergangenheit eine Sicherheitsschaltung angesprochen hatte und den Renegaten die Kontrolle über wesentliche Bereiche der Technik entzogen hatte. Genauere Angaben wurden wiederum verweigert. Der Begriff Renegaten wurde übrigens von der Positronik verwendet, sodass die Ziele der Meister der Insel ursprünglich andere gewesen sein mussten. Interessant war auch, dass neben Perry auch Aurec den gleichen Status wie Perry erhielt. Ich übrigens nicht, was mir schon etwas negativ aufstieß. Natürlich, die Gutmenschen waren auch etwas Besonderes.
Anschließend war noch ein Ereignis eingetreten, das vor allem den Virth betraf: Seine Tochter war verschwunden. Das Zentralgehirn der Station hatte erklärt, dass sie auf ihre Aufgabe vorbereitet werden müsse. Darüber hinaus wieder die übliche Angabe: keine Berechtigung, was mich beunruhigte ‑ selbst die Ritteraura des Terranischen Residenten schien hier nur bedingt gültig zu sein. Was, wenn dieser alte Blechkasten beschloss, dass wir plötzlich überhaupt keine Berechtigung mehr haben würden?
Der Feind meines Feindes ist mein Freund!Anonymes altterranisches Sprichwort
Die kleine Flotte der eiförmigen Raumschiffe trat am Rande der Zentrumszone aus dem übergeordneten Kontinuum. Vor den Abgesandten der Entropischen Völkerallianz lag das Tefa-System, dessen dritter Planet Tefrod das Ziel der Abordnung war. Gleichzeitig war die 2. Expeditionsflotte in der Zentrumszone in Wartestellung gegangen. Die 25 000 Schiffe umfassende Flotte war bereit, die Entropie gegen die Handlanger MODRORs zu verteidigen.
Katryna Lyta Sharonaa versetzte dem humanitären Sekundärentropen, der im Augenblick dafür zuständig war, die Gelüste seiner Herrin zu befriedigen, einen mentalen Schlag, der den an einen schlanken Galornen erinnernden Humanoiden sämtliche Ängste seines Unterbewusstseins erleben ließ und zu einem sabbernden Idioten machte. Viele der humanoiden Sekundärentropen überstanden diese Erinnerungen an das kollektive Trauma ihrer Rasse nicht ohne schwerwiegende psychische Folgen.
Es war ein Witz, aber Constance, eine ihrer Adjutantinnen, versuchte immer, diese Wracks wieder zu heilen. Ihre Laune wurde noch schlechter, als sie an den Schützling von Zaryah dachte. Sie musste auf die Gefühlvolle
, wie sie Zabryna einmal spöttisch genannt hatte, ein Auge haben. Constance schlug völlig aus der Art, allein ihre überragenden Para-Fähigkeiten verboten es, sie aus dem operativen Führungskreis der gegenwärtigen Aktion auszuschließen. Der Sekundärentrope hatte inzwischen sabbernd und klagend die Suite verlassen, was mich wieder an die Hauptursache meiner schlechten Laune erinnerte.
Es war einfach beschämend, mir als Hexenmeisterin unwürdig, dass sie auf Anweisung des Rates der Wächterinnen ihre menschliche Gestalt während der gesamten Mission, selbst an Bord der entropischen Schiffe, beibehalten musste. In ihrer menschlichen Gestalt konnte sie einfach nicht durch diese Versager befriedigt werden, dazu brauchte sie die Kraft und Macht ihrer Hexengestalt. Aber das war ihr verboten. Sie hatte sich zwar schon öfters über diese Verbote hinweggesetzt, aber hier an Bord waren einfach zu viele Augen, und die Primärentropen würden sie mit dem größten Vergnügen an den Rat melden, etwas, was sie überhaupt nicht brauchen konnte.
Es war an der Zeit, dass sich die Machtstruktur Entropias entscheidend änderte. Der Rat hatte ausgedient, war ein Überbleibsel der Vergangenheit. Es war ihr Ziel, als Hexenkönigin die alleinige Macht zu ergreifen. Sie murmelte dieses verfemte Wort nochmals genüsslich vor sich hin ‑ Hexenkönigin! Dann würde sie endlich die Macht haben, die alleinige Herrschaft für die Hexen auszuüben. Und dann würde es keine unsinnigen Beschränkungen mehr geben. Die Hexen waren das beherrschende Volk Entropias. Die Volksgemeinschaft, wie sie von den Schwestern der Entropie nach den dunklen Jahrhunderten durchgesetzt wurde, war ein Irrweg.
Sie aktivierte das Interkom und bestellte Zabryna zum Rapport. Das Miststück wusste genau, dass ihr weiterer Aufstieg untrennbar mit dem ihrem verbunden war. Würde die Hexenmeisterin fallen, dann war auch sie am Ende. Und das würde sie ausnutzen, denn sie brauchte nach der Enttäuschung mit dem Sekundärentropen Entspannung, vor allem, da ihr eine ungeliebte Aufgabe bevorstand. Ihre Wut auf den Rat der Wächterinnen wurde noch größer, als sie an die Anweisungen bezüglich dieses überbewerteten männlichen Irrtums der Schöpfung dachte. Unterstützung um jeden Preis, dem chauvinistischen Erben des Universums durfte nichts geschehen. Als Befehlshaberin der entropischen Expeditionsflotte hatte sie dafür zu sorgen, dass die Sicherheit Perry Rhodans garantiert werden würde. Einen Moment malte sie sich im Gedanken aus, wie sich dieser Resident unter ihr winden würde und wie sie sich in ihre Hexenform wandeln … Nein, das brachte nichts, sie konnte nicht … Wütend warf sie die Tasse mit dem Tee an die Wand. Die Tasse zerschellte über dem Türschott und der Rest des Gebräus lief nach unten, wo gerade Zabryna dabei war, die Türe zu öffnen. Es war natürlich nicht zu vermeiden, dass sie von den Resten getroffen wurde. Wütend zischte sie dieses falsche Luder an, die sich beeilte, ihrer Herrin zu Diensten zu sein.
Interessiert betrachtete die Hexe die entgegenkommenden Männer. Grinsend wandte sie sich Zabryna zu, die neben ihr stand.
Merke dir eines, Liebes: Männer, egal wer sie sind, haben immer zu dir zu kommen und nicht umgekehrt. Wir haben das Sagen, die haben zu kuschen. Lasse sie noch ein wenig schmoren, bevor du sie mit deiner Anwesenheit beglückst.
Nach einigen Minuten öffnete sich die Bodenschleuse des eiförmigen Giganten und auf einer Antigravplattform schwebten die Entropen auf den Raumhafen. Die Hexen wurden durch eine Siebenschaft Tertiärentropen und vier Sekundärentropen begleitet. Die haluterähnlichen Riesen sprangen von der Plattform und bauten sich gegenüber den wartenden Menschen auf. Ihr ganzes Gehabe wirkte martialisch und bedrohlich. Wieder wartete die Hexe und es war ihr anzusehen, dass sie die Situation genoss. Schließlich erbarmten sie sich und folgten ihren Untergebenen.
Zabryna baute sich vor den Tertiärentropen auf. Sie trug eine äußerst gewagte Kombination, die mehr zeigte, als sie verbarg. Mit wiegenden Hüften steuerte sie genau auf den Terranischen Residenten zu. Dieser wich automatisch einige Schritte zurück. Die körperliche Nähe der Hexe war ihm sichtlich unangenehm.
Ich freue mich außerordentlich, Sie endlich kennen zu lernen. Auf Entropia haben Sie einen geradezu legendären Ruf, Resident. Alle Hexen werden mich beneiden, dass ich Sie persönlich kennenlernen durfte.
Dann wandte sie sich an den Virth, der neben Perry stand.
Exzellenz, könnten Sie mich bitte über die weiteren Planungen aufklären? Ich bin sehr daran interessiert, unser Bündnis gegen die Expansionsgelüste
, bei diesem Wort grinste sie die Männer anzüglich an, des Quarteriums so schnell wie möglich unter Dach und Fach zu bekommen.
Der Regent des tefrodischen Reiches schien von der plumpen Anmache der Hexe äußerst angetan zu sein, denn mit einem jovialen Lächeln legte er einen Arm um ihre Schulter und antwortete:
Ich darf Sie als Vertreterin einer befreundeten Macht in den Palast der Morgenröte auf der Regierungsinsel einladen. Dort werden wir bei einem geselligen Beisammensein hoffentlich schnell zu einer Einigung und zu einer Abgrenzung der gegenseitigen Interessen kommen.
Nach diesen Worten dirigierte er die ganze Gesellschaft zu einem bereitstehenden Gleiter, der sie auf die vor der Küste gelegene Regierungsinsel bringen sollte.
Der Virth ließ an einer großen Tafel alles auftischen, was Tefrod an Köstlichkeiten zu bieten hatte. Nachdem sie gesättigt waren, erhob sich die Hexe, ein Glas perlenden Wein in der Hand. Mit diesem prostete sie zuerst Perry Rhodan und dann dem Virth zu.
Auf das Bündnis der positiven Kräfte des Universums. Tefrod als Vertreter der alten Menschheit, Terra als Vertreter der neuen Menschheit und Entropia als die mächtige Schutzmacht, die gegen die Kräfte der Finsternis und des Untergangs steht. Schließen wir den Bund der Stärke, der unter der Führung der Hexen das Quarterium und alle anderen Kreaturen MODRORs vernichten wird.
Sie machte eine kurze Pause, die von dem Terranischen Residenten genutzt wurde, um seine Vorbehalte geltend zu machen.
Ich danke der Vertreterin Entropias für das Entgegenkommen und bin als Vertreter der Liga Freier Terraner gerne bereit, sowohl dem Tefrodischen Reich, als auch der Entropischen Volksgemeinschaft im Falle eines Angriffes beizustehen. Wir werden …
Weiter kam er jedoch nicht. Zabryna fiel ihm grob ins Wort.
So war mein Angebot nicht gemeint. Wenn ich von einem Bund spreche, dann meine ich, dass wir selbst aktiv werden müssen und nicht darauf warten dürfen, bis uns die Horden MODRORs Tod und Vernichtung bringen. Das Verhalten des Terranischen Residenten zeigt wieder deutlich, dass er, wie jeder Mann, nicht dazu geeignet ist, das gemeinsame Bündnis zu führen. Wir müssen selbst zum Angriff übergehen. Die Entropische Volksgemeinschaft hat eine Biowaffe entwickelt, durch die die Bedrohung durch das Quarterium ein für alle Mal ein Ende gesetzt werden kann. Diese Waffe, ein spezielles Virus, aktiviert sich über die Änderung der ÜBSEF-Konstante eines Lebewesens, die durch die Übernahme des finsteren Denkens MODRORs verursacht wird. Das aktivierte Virus zerstört beispielsweise beim Menschen den Hypothalamus, der das vegetative System steuert.
Als die Hexe ihren Plan weiter erklären wollte, unterbrach sie Perry Rhodan.
Niemals wird die LFT, werde ich das Einverständnis für einen solchen Plan geben. Das würde einem Völkermord entsprechen, wir wären mindestens genauso schlimm wie das Quarterium, das wir bekämpfen. Unter diesen Umständen kann es keinerlei Bündnis zwischen uns und Entropia geben. Ich bitte deshalb die entropische Vertreterin Tefrod zu verlassen.
Die Hexe erhob sich und musterte Perry Rhodan verächtlich. Mit ihrem Gefolge im Schlepptau verließ sie den Palast des Virth. Der erste Kontakt zwischen Terranern und Entropen war gescheitert.
Aurec blieb mit Perry im Palast des Virth zurück. Joak Cascal war wieder in den Archiven verschwunden und suchte nach weiteren Erkenntnissen aus der Zeit der Meister der Insel.
Beide wussten, dass sie sich unter Umständen für lange Zeit nicht wiedersehen würden. Aurec hatte sich entschlossen, zusammen mit Joak Cascal im Tefa-System zu bleiben, während Perry wieder mit der LEIF ERIKSSON zu der unter Admiral Higgins wartenden Flotte stoßen würde.
Aurec war deprimiert, er vermisste Kathy. Auch die Information, dass diese in der Obhut der Entropen war, konnte seine Sorgen nicht mindern. Wenn diese Zabryna eine typische Vertreterin der Hexen war, konnte man von Sicherheit für sie wohl kaum reden. Doch er hatte von hier aus keinerlei Möglichkeit, etwas für ihre Sicherheit zu tun. Und Saggitor, was war mit seiner Heimatwelt, deren Regent er auf dem Papier nach wie vor war?
Perry Rhodan gelang es, ihn in einem langen Gespräch klar zu machen, dass ihr Kampf gegen MODROR einen Sinn habe, dass nur der Widerstand gegen das Quarterium auch eine persönliche Zukunft für Aurec und Kathy eröffnen würde.
Von Pearl ausgehend erreichte die Vorhut der quarterialen Raumflotte Andromeda. Nachdem der Virth nochmals ein Ultimatum von Jenmuhs unbeantwortet gelassen hatte, stießen Stoßkeile der quarterialen Invasionsverbände direkt nach Tefrod vor. Die tefrodische Regierung leistete in Absprache mit Perry Rhodan keinen offenen Widerstand, denn dieser hätte nur zu einem Gemetzel an der Zivilbevölkerung geführt.
Zuvor war jedoch Perry Rhodan in den Tiefen Andromedas verschwunden, während Aurec und Joak Cascal endgültig in dem alten Stützpunkt der MdI untertauchten.
Am 21. Juni 1307 NGZ erreichte Jenmuhs mit dem Großteil der Flotte Tefrod. Er annektierte das tefrodische Reich und erklärte es zum Protektorat des Quarteriums. Voller Stolz ging die Meldung Andromeda ist quarterial
nach Paxus.
Ende
Der Krieg hat nun auch die Lokale Gruppe erreicht. Jürgen Freier schildert im Band 156 den weiteren Verlauf des Kriegs.
In den Tiefen Andromedas
kommt es zur entscheidenden Auseinandersetzung zwischen der LFT und dem Quarterium.
Der Krieg in der Lokalen Gruppe hat begonnen! Das Quarterium greift LFT-Stationen an, besetzt Kleingalaxien und fordert sogar von Andromeda totale Unterwerfung. Nur in der Allianz mit Imperator Bostich hat es einen Knacks gegeben. Durch das Eingreifen der Posbis und der Androhung eines Angriffs auf das arkonidische Reich, sollte das Kristallimperium plötzlich ebenfalls gegen die LFT in den Krieg ziehen, hat sich eine Patt-Situation ergeben. Bostich riskiert, im Falle eines Angriffs einen verlustreichen Krieg mit den nicht zu unterschätzenden Posbis. Dies hat er auch Jenmuhs durch die wenig sympathische Seryklya ta Helonk klar gemacht, die übrigens in meinen Augen keine geeignete Diplomatin ist.
Das Quarterium befindet sich mit dem Kristallimperium inzwischen auf Augenhöhe. Bostich sollte seine Verbündeten aus Cartwheel nicht vor den Kopf stoßen – auf der anderen Seite ist für ihn die ganze Situation nicht angenehm. Gewinnt die LFT, ändert sich nichts, die Macht des Kristallimperiums verbessert sich nicht und die LFT gewinnt an Selbstbewusstsein. Erobert das Quarterium die halbe Milchstraße, hat Bostich ein expansives Imperium plötzlich vor der Haustür. Wer sagt, dass der Imperatore de la Siniestro nicht auch das Kristallimperium schlucken will? Jenmuhs würde das jedenfalls begrüßen, da der Gos’Shekur allzu gerne selbst Imperator von Arkon wäre.
Die Situation bleibt weiterhin spannend.
Nils Hirseland
Bekkar – Nagetier (maus- oder rattenähnlich)
Berkomnair – elefantenähnliches Zugtier auf Iprasa (6. Planet Arkons)
Cel'Mascant – Chef der Geheimdienste im Range eines Admirals
Gos’Shekur – Kristallkönig
Huhany’Tussan – Göttliches Imperium
Taigonii – Heroen, im übertragenen Sinne Elite
Tonta(s) – Stunde (entspricht etwa 1,4 terranischen Stunden)
Tu-Ra-Cel – Dachorganisation aller arkonidischen Geheimdienste
Zarakh’Famii – Frauen der Dunkelheit (mystischer Frauenorden)
Zarakhgoth – unzugängliche Dunkelheit, entspricht der terranischen Hölle
Zhdopanda – Hochedle (Anrede für Edle erster Klasse – Herzog/in)
Zyana – abwertend für Behinderte, eine der schlimmsten Beleidigungen
Geboren: 1276 NGZ
Geburtsort: unbekannt (Iprasa?)
Größe: 1,82 Meter
Gewicht: ca.72 kg
Augenfarbe: rot/gold
Haarfarbe: weiß mit hellgoldenen Strähnen (echt?)
Bemerkungen: Verfügt über eines der größten Privatvermögen des Huhany’Tussan und ist in den klassischen arkonidischen Kampfdisziplinen ausgebildet. Sehr eng mit Bostich verbunden, tritt oft als seine persönliche Bevollmächtigte auf, wenn keine diplomatische Lösung angestrebt wird.
Seryklya ta Helonk ist selbst für eine Arkonidin von außergewöhnlicher Schönheit. Dabei ist diese jedoch kalt und berechnend; die enge Vertraute Bostichs wirkt unnahbar. Sie gehört im Range einer Herzogin dem arkonidischen Hochadel an und stellt das letzte lebende Familienmitglied der ta Helonk dar.
Gerüchte besagen, dass sie den Kralasenen und den Zarakh’Famii, den Frauen der Dunkelheit, angehört, über die keine genauen Informationen vorliegen. Alles in Allem kann vermutet werden, dass sie äußerst gefährlich und so etwas wie Bostichs persönliche Henkerin gegenüber dem Hochadel darstellt.
Geboren: unbekannt
Alter: unbekannt, sieht aus wie eine Terranerin im mittleren Alter
Größe: 1,67 Meter
Gewicht: ca. 55 Kilogramm
Haarfarbe: blond
Augenfarbe: blau
Merkmale: sehr erotische Ausstrahlung, perfekter Körper, strahlt Reife und Unberechenbarkeit aus. Hochgradig intelligent, aber auch pervers und gefährlich.
Kartyna, die Hexe, gehört zu den mächtigsten Vertretern der Entropen. Sie wird als Hexenmeisterin bezeichnet und scheint in einer Hierarchie die Vorgesetzte von Niada, Zabryna und Constance zu sein. Als Hexenmeisterin gehört sie dem Rat der Entropen an und macht entropische Politik. Katryna ist eine selbstbewusste Emanze, die das Spiel mit dem Feuer liebt. Sie ist für sexuelle Eskapaden bekannt, aber auch für die manipulativen Kräfte gegenüber Männern.
Über ihre Jugend ist wenig bekannt. Katryna versteht es, sich selbst als Geheimnis zu präsentieren, damit sie aufregender wirkt. Sie scheut den Kampf nicht, sucht geradezu Risiken und Gefahr. Katryna selbst sieht sich als größte aller Hexen und fühlt sich regelrecht Si Kitu gleich.
Kartyna verfügt, wie jede Hexe
, über die Fähigkeiten einer Gestaltwandlerin. Alle Hexen sind in der Lage, als Frau menschliche Gestalt anzunehmen. Nach allen bisher vorliegenden Informationen können jedoch Hexen, wenn sie sich in menschliche Gestalt verwandelt haben, nicht auf ihr überragendes Psi-Potenzial zugreifen. Hierzu müssen sie sich wieder in ihre ursprüngliche Gestalt zurückverwandeln. Über ihr ursprüngliches Aussehen liegen im Moment keine Informationen vor.
Geboren: unbekannt
Alter: unbekannt, hat das Aussehen einer etwa 25-jährigen Terranerin
Größe: 1,62 Meter
Gewicht: ca. 49 Kilogramm
Haarfarbe: blond
Augenfarbe: grünblau
Zabryna ist die Adjutantin der Hexenmeisterin Katryna und gehört zusammen mit Niada und Constance zu dem operativen Stab
der Hexen.
Zabryna ist eine Karrierefrau, die alles tut, um in der Hierarchie der Hexen aufzusteigen. Deshalb versteht sie sich mit ihrer ebenso intriganten Meisterin sehr gut. Zabryna ist ambitioniert und gerät deshalb auch oft mit Niada aneinander, die ebenfalls irgendwann auf Katrynas Nachfolge schielt. Zabryna hänselt oftmals Constance für ihre pazifistische Art und lebt ihre sexuellen Phantasien mit Sekundärentropen und gleichgeschlechtlichen Hexen ohne Hemmungen aus.
Zabryna verfügt über einen scharfen, wachen Verstand und ist überaus intrigant. Sie ist eine ausgezeichnete Diplomatin und wird daher von Katryna hauptsächlich eingesetzt, um eine Beziehung zu anderen Völkern aufzubauen.
Zabryna verfügt, wie jede Hexe
, über die Fähigkeiten einer Gestaltwandlerin. Alle Hexen sind in der Lage, als Frau menschliche Gestalt anzunehmen. Nach allen bisher vorliegenden Informationen können jedoch Hexen, wenn sie sich in menschliche Gestalt verwandelt haben, nicht auf ihr überragendes Psi-Potenzial zugreifen. Hierzu müssen sie sich wieder in ihre ursprüngliche Gestalt zurückverwandeln. Über ihr ursprüngliches Aussehen liegen im Moment keine Informationen vor.
JoakManuel Cascal
Geboren: 3387
Geburtsort: Terra
Größe: 1,92 Meter
Gewicht: ca. 85 kg
Augenfarbe: graublau
Haarfarbe: schwarz
Bemerkungen: sehr muskulös; kräftige Schulter; schmale Hüften; hellgraue Augen, charmant (besonders zu Frauen), Draufgänger, intelligent, charismatisch.
Cascal war Oberst der ehemaligen Solaren Flotte, im Jahre 3387 geboren, 1,92 m groß, sehr muskulös, kräftige Schultern, schmale Hüften, markantes Gesicht mit hellgrauen Augen und schwarzem Lockenhaar, Schädelplattenimplantat aus Terkonit, das ihn mental stabilisiert. Die Stimme ist tief und wohlklingend.
Charaktereigenschaften: klug, stolz, selbstbewusst und harter, kompromissloser Kämpfer, mental stabilisiert infolge der erlittenen Verletzung. Ehemals Kommandant eines Leichten Kreuzers der Solaren Flotte, hat sich Cascal wegen angeblichen Howalgoniumschmuggels vor Gericht zu verantworten. Seine Unschuld kann nicht bewiesen werden, er flieht nach erfolgter Verurteilung von Terra und schließt sich den Prospektoren an. Rehabilitierung erfolgt im Jahre 3432 nach tatkräftiger Unterstützung Perry Rhodans während eines Einsatzes auf dem Planeten Astera. Daraufhin kehrt er zur Solaren Flotte zurück und wechselt kurze Zeit später zur Solaren Abwehr, wo er mit wichtigen Spezialaufträgen betraut wird.
Nachdem die Schwarmkrise gelöst wurde, zieht Joak Cascal auf die Welt Exota Alpha, wo auch sein Freund Sandal Tolk lebt. Nachdem die Laren die Milchstraße besetzten, plant Leticron im Jahre 3466 einen Angriff auf die Kolonie. Zuvor erscheint allerdings ein fremdes Schiff, welches dem Volk der Casaro entstammt. Cascal und Tolk verfolgen mit der VIVIAN BONTAINER das Schiff und geraten in eine Falle. Sie sitzen 1400 Jahre in einer Raumzeitfalte fest, bevor sie auf drei Flüchtlinge des Luxusraumers LONDON II treffen, mit deren Hilfe sie die Raumzeitfalte verlassen können. Die VIVIAN BONATINER, wie auch der Großteil der Besatzung, wird beim Versuch, die LONDON II aus den Klauen der Casaro bzw. dem brutalen arkonidischen General Mindros zu befreien, zerstört. Cascal und Tolk überleben allerdings und tragen maßgeblich an der Rettung der LONDON II bei. Danach nehmen beide Atlans Angebot an, auf Camelot zu dienen.
Während dem Kampf gegen die MORDRED sind Cascal und Tolk stets auf der TAKVORIAN unterwegs, um den Büros Unterstützung zu geben. Es kommt im Orbit über Stiftermann III zu einem Duell mit der TOBRUK, dem Schlachtschiff von Nummer Drei, Walther Eyke, bei dem Cascal dank des legendären Korum-Khan Manövers die TOBRUK vernichten kann.
Joak Cascal ist, ebenso wie sein Freund Sandal Tolk, Mitglied an der Expedition nach M 100. Neben Aurec und Homer G. Adams stellt er den dritten Expeditionsleiter dar. Während des Fluges verliebt sich Cascal in Nadine Schneider, eine Abgesandte der Superintelligenz Dorgon, doch als sich das herausstellt, endet die Beziehung, da Nadine wieder zu der Entität zurückkehrt. Ebenfalls wird Cascals Schlachtschiff, die TAKVORIAN, vernichtet.
Nach der Expedition steht Cascal Rhodan tatkräftig zur Seite und überwacht den Bau des neuen Ultraschlachtschiffes CHRISTOPH COLUMBUS. Der langwierige Bau muss allerdings ohne Cascals hinzutun beendet werden, denn im Jahre 1296 NGZ bricht Cascal zusammen mit vielen Millionen Terranern und deren Kolonisten zur Insel Cartwheel auf, um DORGONs Projekt mitzugestalten. Cascal wird von Tifflor und auch dessen späteren Nachfolger, dem Marquese von Siniestro, als Terramarschall eingesetzt. Somit hat Joak Cascal nicht nur den Oberbefehl über die Streitkräfte im Terrablock, sondern ist auch der Stellvertreter des Marquese.
Während der Schlacht im HELL-Sektor 1298 NGZ findet Joak Cascal heraus, dass Cauthon Despair in Wirklichkeit MODROR dient. Doch er kann die Information nicht mehr weitergeben, da er schwer verletzt wird und ins Koma fällt. Er erwacht nicht mehr daraus und stirbt 1303 NGZ angeblich an den Folgen der Verletzung.
1305 NGZ taucht ein ehemaliger Offizier namens Danny Mulder auf, der behauptet, Joak Cascal zu sein. Mulder ist seit der Schlacht im HELL-Sektor in psychiatrischer Behandlung.
Es stellt sich heraus, dass Mulder wirklich Cascal ist und sein Gedächtnis und Aussehen manipuliert worden sind. Zusammen mit Kathy Scolar gelingt ihm die Flucht. Er deckt eine Intrige des Quarteriums auf, doch wird er von Despair gefangen genommen und zusammen mit Neve Prometh, die ihm während seiner Flucht behilflich gewesen ist, nach Objursha deportiert.
Nachdem er zusammen mit Anya Guuze und der Mutantin Myrielle Gatto durch die Kemeten Anubis und Horus sowie seinen alten Freund Sandal Tolk befreit wurde, veränderte sich das Wesen des Terraners. Vor allem nach den Ereignissen um den falschen Planeten WANDERER wurde aus dem ehemals lebensbejahenden, charmanten Draufgänger ein düsterer Grübler, der nur noch ein Ziel kannte: Rache am Quarterium.
Ab Mitte des Jahres 1307 NGZ kehrt Cascal in den aktiven Dienst der LFT zurück und übernimmt den Oberbefehl über die 777. Raumeingreifdivision im Range eines Generals. Sein Flaggschiff wird der INVINCIBLE-II-Kreuzer DERINGHOUSE.
Die INVINCIBLE-Klasse wurde als Angriffskreuzer mit überschwerer Bewaffnung konzipiert.
Abmessungen: 260 m Durchmesser ohne RoRo-Hanger und Ringwulst
Besatzung: Stamm 180 Personen, maximal 1400 Personen.
Offensiv-Bewaffnung: 1 Vierlings-Transformkanone (jeweils 6000 Gt. Abstrahlleistung), 8 Transformkanonen (jeweils 3000 Gt. Abstrahlleistung) 24 Transformkanonen (jeweils 1000 Gt. Abstrahlleistung), 12 Konstantriss-Nadelpunkt-Kanonen, 84 MVH-Geschütze (Desintegrator/Impuls) 16 schwere Paralysegeschütze 120 überlichtschnelle Raumtorpedos 1200 Lenkwaffen für planetare Ziele
Defensiv-Bewaffnung: vierfach gestaffelter HÜ- und fünffacher Paratronschirm, Prallschirm, Virtuellbildner, Deflektor
Antrieb: Metagrav (max. Beschleunigung: 1450 km/s², erreichbarer ÜL