
Ein intergalaktischer Krieg tobt im Jahre 1307 NGZ. Angezettelt von den Söhnen des Chaos und geführt von ihren bereitwilligen Helfen, den Imperien Dorgon und Quarterium, sind die estartischen Galaxien, Cartwheel, M 100, M 87 und die Lokale Gruppe ins Chaos gestürzt worden.
Während Perry Rhodan Seite an Seite mit dem Saggittonen Aurec gegen das Quarterium und MODRORs Armeen in der Lokalen Gruppe kämpft, stehen die Zellaktivatorträger Atlan, Alaska Saedelaere und Icho Tolot vor ihrer Exekution durch die Alysker. Dabei plante DORGON einst, dass die Alysker eine Allianz mit den Terranern schmieden sollten, um gegen MODROR zu kämpfen.
Denn die Gefahr von MODROR wird von Minute zu Minute größer. Atlan und seine Begleiter erfahren mehr über den Kosmotarchen MODROR und das kosmische Projekt. Rodrom wird gefangen genommen und sie erfahren, dass eine gewaltige Raumflotte von einer Million Raumschiffen im Kreuz der Galaxien bereit steht, um die Milchstraße zu erobern. Die Heimatwelt der Alysker wird angegriffen und vernichtet. Atlan sucht die Kyberklonflotte, während ein Alysker nur noch eine Alternative sieht. Es ist EORTHORS ENTSCHEIDUNG …
Kleinwüchsige.
Die SIMS glitt aus dem Linearraum und bremste mit starken Werten ab. Eorthor lehnte sich zurück und wartete. Er befand drei Lichtjahre vom Xamourisystem entfernt.
Er wusste, dass es nicht lange dauern würde, bis die Kyberklone hier waren. Alles war vorbereitet. Der Gürtel um seine Hüften imitierte die Aura eines Ritters der Tiefe. Es war eine schwer zu knackende Nuss gewesen, sie so wirklichkeitsgetreu zu machen. Zwei Jahre hatte er sich in seinem Labor verbarrikadiert gehabt. Erst als er mit dem Prototyp einige Versuche angestellt hatte, war er zufrieden gewesen. War in Kontakt getreten mit Lebewesen, welche mit den Dienern der Kosmokraten oft zu tun gehabt hatten. Niemand war misstrauisch geworden. Alle waren der Überzeugung gewesen, einem wahrhaften Ritter der Tiefe gegenüber zu stehen. Also würde er leichtes Spiel mit dem Kyberklonen haben. Und wenn nicht …
Ein Schiff kam aus dem Linearraum. Noch eins und ein weiteres. Bald waren es zwanzig an der Zahl.
Ein Funksignal erreichte die SIMS.
Das Hologramm baute sich direkt vor Eorthor auf. Er erkannte an der Gestalt die eindeutige Charakteristikeines Kyberklons. Schwarze Hautfarbe, unbekleidet bis auf große klobige Stiefel und Schwebezustand. Der Alysker fand, dass sein Gegenüber etwas Roboterhaftes an sich hatte. Er machte sich gedanklich eine Notiz, alles über diese Wesen herauszufinden.
Kyberklone waren eine Laune der Kosmokraten. Es gab nur wenige Geschöpfe, die künstlich von einigen Kosmokraten erschaffen wurden. Einst hatte es einen Prototyp gegeben, der immer wieder geklont wurde und mit kybernetischen Implantaten verbessert wurde. Diese Kunstgeschöpfe wurden im Allgemeinen von den Kosmokraten als Kyberklone bezeichnet. Sie waren loyale und zuverlässige Diener der Hohen Mächte.
Ich bin Elossar! Du befindest dich in einer Sperrzone! Erkläre den Grund oder verschwinde! Andernfalls werden wir dich auslöschen!
Begrüßt man so einen Diener der Kosmokraten? Bringt mich zu Eurem Anführer!
, schnaubte Eorthor.
Du kannst dein Gesuch mir schildern. Ich spreche für Evspor.
Das werde ich sicherlich nicht tun! Ich werde zwei Stunden warten. Wenn sich dann Evspor nicht bei mir meldet, werde ich abfliegen und den Kosmokraten mitteilen, dass die Kyberklone die Zusammenarbeit verweigern. Für das, was dann geschieht, seid ihr selbst verantwortlich
, gab der Unsterbliche nach Außen hin gelassen von sich und unterbrach die Verbindung.
Jetzt würde es sich entscheiden.
Das Spiel hat begonnen. Ihr seid am Zug
, flüsterte er.
Evspor ließ ihn nur die Hälfte der Zeit warten.
Er erschien höchstpersönlich und lud Eorthor auf sein Schiff ein.
Der Alysker nahm an.
Der Kyberklon empfing ihn in dessen Zentrale.
Was wünschen die Kosmokraten von uns?
, kam er gleich grußlos zur Sache.
Ihr sollt dem Kosmotarchen DORGON im Kampf gegen dessen Widersacher MODROR beistehen.
Wir haben schon eine Aufgabe. Die Bewachung des Kosmonukleotid TRIICLE-3 mit dem Eigennamen UDJAT. Nach der Auslöschung der abtrünnigen Xamouri vor mehr als 7500 Jahren ist dies unsere einzig relevante Aufgabe.
Ich weiß. Aber diese hat jetzt Nachrang. Es reicht, wenn nur ein Schiff aus Eurer Flotte hier Stellung hält.
Wer sagt, dass du die Wahrheit erzählst?
Sagt meine Aura nicht genug aus?
Evspor betrachtete Eorthor einige Zeit schweigend. Dann antwortete er: Du bist ein Ritter der Tiefe!
Die Überraschung war unüberhörbar.
Der Alysker lächelte.
Ich denke, das müsste reichen, um dich zu überzeugen.
Der Kyberklon verharrte eine Zeit lang bewegungslos.
Eorthor entschloss sich abzuwarten. Jetzt kam es darauf an.
Sein Armband scannte auf allen Frequenzen, um später alle eingehenden Daten auswerten zu können. Je mehr er über diese schwebenden Wesen wusste, desto besser.
Evspor ergriff wieder das Wort.
Die Kyberklonflotte begibt sich mit dir zu NESJOR. Dort wird dir der Oberbefehl anerkannt werden, solltest du die Auraprüfung der Station bestehen.
Der Alysker fluchte innerlich. Er bezweifelte, dass er einer speziellen Prüfung der Aura bestehen würde.
Er würde versuchen müssen, diesen Test zu umgehen.
Doch bevor er etwas erwidern konnte, wandte Evspor sich von ihm ab. Die Besuchszeit war zu Ende.
Schweigend ließ er sich von zwei anderen Kyberklonen zu seinem Beiboot geleiten.
Wieder auf der SIMS angekommen, wurde ihm mitgeteilt, dass die Flotte in den nächsten Stunden aufbrechen würde. Er bekam sogar Zieldaten übermittelt. In der Zwischenzeit kümmerte er sich um die Daten, die sein Armband gesammelt hatte. Er erkannte, dass die Kyberklone selbst untereinander fortwährend Datenpakete austauschten.
Diese waren sehr gut verschlüsselt. Die SIMS stellte einen Großteil ihrer Rechenleistung zur Verfügung, um die Codes zu knacken. Dennoch würde es länger dauern, bis er ein Resultat erwarten konnte. Er nutzte die Zeit, um zu überlegen, wie er dieser Aura-Überprüfung entschlüpfen konnte. Er könnte darauf beharren, dass man dies später auch noch nachholen könnte. Erst müsse so schnell wie möglich MODROR bekämpft werden. Oder sich einfach stur stellen. Er als Ritter der Tiefe habe es nicht nötig, getestet zu werden.
Der Aufbruch selbst ging ohne Vorkommnisse von sich.
Fünf Stunden danach hatte er Zugriff auf einen Teil der Kybdatenpakete. Ununterbrochen kommunizierten diese Biomasseroboterhybriden miteinander. Unzählige Befehlsstrukturen wurden untereinander ausgetauscht.
Eine spontane Idee nahm Formen an.
Er wusste, wie er das Ganze umgehen konnte.
Wie er die Kyberklone übernehmen konnte. Er programmierte sie einfach um. Für einen Wissenschaftler seiner Genialität würde das ein Leichtes sein. Lächelnd schrieb er ein Programm, mit dem er die volle Dominanz in diesem Datenaustausch übernehmen konnte.
Die SIMS teilte ihm mit, dass sie sich einem Asteroidengürtel genähert hatten. Dort befand sich einst die Welt Xamour. Jahrtausende hatte dieses Volk den Kosmokraten gedient, doch Degeneration und Gier hatten sie vom eigentlichen Auftrag – dem Schutz des Kosmonukleotides UDJAT – abgebracht. Sie wurden bestraft, ausgerottet. Nun hatten die Kyberklone die Bewachung übernommen.
Eine gigantische Station erschien auf dem Frontschirm. Das Zentrum der Kyberklone. Es hatte die Größe eines Planeten. Eorthor wurde aufgefordert, in einer Parkposition zu warten, bis weitere Anweisungen kommen würden.
Als sich nach weiteren zwei Stunden nichts tat, reichte es dem Alysker. Er hatte auch noch anderes zu tun.
Es wurde Zeit, die Initiative zu ergreifen.
Eorthor klinkte sich in die interne Kommunikation der Kyberklone ein und versuchte die Besatzung eines der kleineren, abseits gelegen Schiffe zu übernehmen.
Die ersten Sekunden sah es aus, als würde es funktionieren. Doch dann überlagerte ein starker Impuls alle seine Befehle.
Es brach die Hölle aus.
Einige Schiffe der Kyberklone explodierten ohne etwas Konkretes gemacht zu haben. Andere trieben plötzlich unkontrolliert und offensichtlich ohne Antrieb umher. Der Funkverkehr war nicht mehr existent. Und die Station selbst eröffnete schlagartig das Feuer auf die SIMS. Und das, obwohl sein Schiff außer Reichweite ihrer Waffen war! Fluchend ergriff der Unsterbliche die Flucht. Hatte er auf voller Linie versagt? Nein! Sicher nicht! Die Kyberklone waren nur fehlerhaft. Das war alles. Sie waren unbrauchbar für DORGON und die Alysker.
Ein letzter Blick zeigte ihm an, dass sämtliche noch funktionsfähigen Schiffe an der Station andockten.
Sollten sie doch verrotten! Er hatte noch anderes zu tun!
Ich hab ihn!
, rief Denise.
Alaska Saedelaere zuckte merklich zusammen. Er war wohl kurz eingeschlafen.
Vor etwa zwei Stunden hatten sie die Spur in einem kleinen unbedeutenden Sonnensystem zu Eorthors Schiff verloren.
Seit seiner Flucht von der Hauptwelt der Alysker waren Alaska, Denise Joorn, Jaques de Funes und Leopold ihm mit dem Buckelschiff gefolgt.
Denise hatte Alaska erzählt, dass sie vermutete, Eorthor flöge zu den Koordinaten der Kyberklonflotte. Diese galt seit tausenden von Jahren als verschollen.
Aurec hatte zum ersten Mal von der Kyberklonflotte 1296 NGZ gehört, als das Raumschiff BAMBUS von Cau Thon und Dscherro entführt worden war. Damals war es zum Planeten Xamour gebracht worden. Dort war Aurec auf den Kyberklon Evspor, dem letzten Bewacher des Kosmonukleotids UDJAT gestoßen.
Er hatte berichtet, dass seine Flotte verschwunden war und er auf weitere Instruktionen wartete. Evspor hatte sich später Aurec und den anderen angeschlossen, doch sein Schicksal war ungewiss. Es wurde vermutet, dass das Quarterium ihn für Forschungszwecke seziert hatte, doch niemand wusste etwas Genaues. Evspor war und blieb seit Jahren verschwunden.
Plötzlich schien sich in diesem System das Schiff des Alyskers in Luft aufgelöst zu haben, wie man auf der fernen Erde so gern sagte.
Doch Joorn wollte noch nicht aufgeben. Sie wollte weiter nach dem Unsterblichen suchen.
Alaska hatte sie gewähren lassen. Und wurde durch seine Geduld belohnt.
Die Orter des Buckelschiff hatten die SIMS aufgespürt. Es war kurz vor dem Eintritt in den Linearraum.
Dann nichts wie hinterher!
, murmelte der Terraner.
Endlich folgten sie ihm! Jetzt hatte er schon drei Mal das System verlassen gehabt. Um dann wieder zurückzukehren. Dabei hatte er ja schon auf den Tarnmodus des Schiffes verzichtet. Als er schon aufgeben wollte, sie direkt anzufunken, dass er noch da sei, geschah das Erhoffte. Das Buckelschiff nahm endlich wieder die Verfolgung auf. Kurz bevor sein Schiff in den Linearraum eindrang, wurde er auf ein Signal in der Ortung aufmerksam. Da war noch ein Schiff, das sich im System befand! Mit einer ausgezeichneten Tarnvorrichtung. Aber vor ihm, dem Unsterblichen Alysker Eorthor, ließ sich so schnell nichts verbergen. Er kannte den Neuankömmling. Es war eher einer Jacht. Ihr Name lautete …
Die HOR-ATEP funkte das Buckelschiff an, kaum dass sie im System erschienen war.
Atlan nickte Alaska und Denise zu.
Ich freue mich, euch bei bester Gesundheit vorzufinden. Wie ich vernahm, war es recht schlimm bei den Alyskern.
Wie ist die derzeitige Lage auf Alysk? Wisst ihr was darüber?
, fragte Osiris, der Kommandant der HOR-ATEP.
Nicht allzu gut. MODRORs Horden haben nicht viel übrig gelassen. Ich glaube, das Volk wird sich nicht mehr davon erholen können. Zu wenige haben überlebt.
Alaska erzählte, wie er und Denise, als der Angriff begann, die Flucht mit dem Buckelschiff geschafft hatten. Und dass sie hinter Eorthor her wären.
Osiris teilte ihnen mit, dass er Eorthors Raumschiff in der Ortung habe.
So brachen die HOR-ATEP und das Buckelschiff auf, um die SIMS nicht zu verlieren.
... war es recht schlimm bei den Alyskern.
Das war sie, diese Stimme! Er hatte sie eindeutig wieder erkannt.
Atlan!
, murmelte er voller Verachtung.
General Fykkar ließ mit einem Wink Verbindung zu Shul’Vedek herstellen.
Ich habe Atlan gefunden! Erlaubt mir, ihn auszulöschen!
Shul’Vedek schien kurz zu überlegen.
Dann murmelte er lächelnd.
Ja. Sorge dafür, dass das Leben des Arkonide ausgehaucht wird. Er steht uns schon zu lange im Weg.
Fykkar nickte und unterbrach die Verbindung. Er ließ sich ein Beiboot klarmachen. Mit seinem Flaggschiff Atlan aus dem Universum zu löschen wäre zu einfach. Er wollte ihm gegenüber stehen. Der Arkonide sollte wissen, wer ihn ins Jenseits beförderte. Fykkar wollte Atlan um Gnade flehen hören.
Schutzschirmbelastung 56 Prozent! Wenn es so weiter geht, kann ich nicht garantieren, dass das Schiff und wir das überstehen.
meinte Alaska und sah kurz zu Atlan hinüber.
Zu dicht war die Sternendichte hier im Kreuz der Galaxien. Eorthor schien sich immer weiter in Richtung des Galaxienwirbels zu nähern. Dort, wo alle vier Galaxien ineinander verschmolzen.
Die HOR-ATEP verkraftet es besser. Wir sind bei 17 Prozent. Ihr solltet vielleicht alle zu uns umsteigen. Es wird zwar eng, aber...
, den Rest ließ Osiris unausgesprochen. Der Terraner konnte ihn nicht sehen. Anscheinend befand sich der Kemete nicht im Erfassungsbereich der optischen Aufnahmegeräte.
Aber wenn er jetzt zustimmte, liefen sie alle Gefahr, den Alysker zu verlieren. Dann wäre die bisherige Reise umsonst gewesen.
Nein! Wir werden hier an Bord bleiben. Noch besteht keine Gefahr. Ich hab Vertrauen in das Buckelschiff
, entschied er.
Ein kurzer Blick auf Denises Gesicht bestätigte ihm, dass sie genauso dachte.
Atlan nickte. Einverstanden. Sollte es aber gefährlich werden, brechen wir lieber die Verfolgung einstweilen ab und ihr kommt zu uns! Eurer Leben ist wichtiger als dieses Vorhaben.
Da! Er tritt wieder in den Linearraum ein
, rief Denise. Los hinterher!
Saedelaere hatte kurz den Verdacht, dass Denise die Verfolgung und das Risiko gerne in Kauf nahm, um weiter mit dem Buckelschiff fliegen zu können. Sie war auf Eorthor fixiert. Hatte einen Narren an ihm gefressen. Es würde schwer werden, diese sture junge Frau vom Verlassen des Schiffes zu überzeugen.
Austritt …
Die Stimme der Bordsyntronik ging in einem lauten Krachen und Getöse unter. Das Buckelschiff bäumte sich auf, als wolle es mit aller Kraft einen imaginären Reiter abwerfen.
Alaska war froh, durch Prallfelder am Pilotensitz gehalten zu werden. Ohne diese wäre es sicherlich schmerzhaft geworden. Denise saß neben ihm und grinste. Es schien ihr Spaß zu machen. Alaska lächelte gequält zurück. 115 Prozent Belastung der Schirme
, erschien auf einer Anzeige vor seinen Augen. Jetzt hatten sie es übertrieben. Das Schicksal herausgefordert und verloren. Augenblicke noch, und die äußeren Kräfte würden durchschlagen. Würde ES ihn in sich aufnehmen? Konnte die Superintelligenz ihn überhaupt so fern von der Milchstraße spüren?
Die Syntronik selbst schien sich mit der Vernichtung noch nicht abzufinden und lenkte alle möglichen Energien in die Schutzschildstaffeln. Denise schrie etwas. Alaska konnte nicht annähernd verstehen, was sie ihm mitteilen wollte.
Irgendetwas explodierte hinter ihnen. Die Prallfelder schützten sie auch davor. Noch!
Die Hologramme verschwanden und es wurde umgehend finster.
Nur noch die Funken und das Feuer erleuchteten die Pilotenkanzel des Schiffes.
Der Schutzschirm des Buckelschiffes bricht gleich auseinander! Und ich bekomm keine Funkverbindung mehr
, teilte Osiris Atlan mit. Der Arkonide hatte die Gefahr ebenfalls an den Holoanzeigen erfasst. Alaskas Schiff erstrahlte in vielen hellen Farben aufgrund der Überlastung des schützenden Schirmes.
Wir müssen ihnen zur Hilfe kommen!
Schon dabei!
Osiris ließ sein Schiff längsseits des anderen Schiffes gehen und dehnte seinen Schild so weit aus, dass sich das Buckelschiff jetzt auch darin befand. Warnsignale erschienen.
Lange werde ich die schützende Blase nicht aufrechterhalten können. Die HOR-ATEP ist ebenfalls den Gravitationskräften ausgeliefert. Und je größer der Schild, um so …
Den Rest ließ er unausgesprochen.
Es muss so lange reichen, bis alle an Bord sind
, bestimmte Atlan und war schon auf dem Weg zur Schleuse.
Osiris teilte ihm über Funk mit, dass der Schild des Buckelschiffes sich verabschiedet hatte.
Sie waren gerade noch rechtzeitig zur Hilfe geeilt.
Icho Tolot fragte nach, ob er irgendwie helfen könne und verließ Osiris’ Schiff über das Beiboothangarschott.
Atlan holte ihn erst ein, als der Haluter sich schon an einem der Schleusen des beschädigten Schiffes zu schaffen machte.
Noch immer kein Kontakt! Meinen Ortern zufolge sind sämtliche Maschinen ausgefallen. Auch die Lebenserhaltungssysteme scheinen offline zu sein
, teilte der Kemete den Gefährten mit.
Icho schien es zu langsam zu gehen. Atlan sah, wie der Haluter einfach die Schleusentür aus der Verankerung riss. Unbewusst dachte er kurz an Begegnungen mit Wesen aus diesem Volk der Molekularumwandler lange vor Rhodan. So gut wie nichts konnte diese Kolosse aufhalten, wenn sie mal in Rage waren. Wenn er nicht wüsste, dass Icho in Wahrheit eigentlich ein sorgsames, gütiges, hilfsbereites Lebewesen war, würde er manchmal panisch die Flucht ergreifen.
Sein Anzug signalisierte eine ankommende Nachricht.
Erleichtert hörte er die Stimme eines unsterblichen Gefährten.
Die Dellen zahlt ihr mir!
Mehrere Gestallten in Raumanzügen erschienen aus dem Dunkeln des Schiffes.
Nimmst auch Kredit?
, scherzte der Arkonide zurück.
Ach, mit einer Mitfluggelegenheit gebe ich mich auch zufrieden.
Seid willkommen!
, hörte Atlan den Eigentümer der HOR-ATEP sprechen.
Wir haben anscheinend unser Ziel erreicht. Ich orte etwas sehr Großes. Wir befinden uns in einer Art Ruhezone von annähernd fünf Lichtjahren Durchmesser inmitten des Wirbels. Vor uns ist etwas sehr Großes mit der Masse eines Planeten
, klärte Osiris die anderen auf. Eben war die HOR-ATEP aus dem Hyperraum gestürzt.
Die SIMS hielt auf den Planeten zu, bremste aber mit sehr starken Werten ab.
Keine Atmosphäre anzumessen. Das ist ein toter Planet.
Vielleicht ist es das gar nicht
, widersprach Atlan dem Kemeten, Das Ganze kommt mir etwas sehr künstlich vor.
Eorthors Schiff parkte in sieben Millionen Kilometern Entfernung von dem Raumgiganten.
Ein Signal durchpflügte den Raum und erreichte sein Ziel.
Er funkt uns an. Bin gespannt, was er zu sagen hat!
Es flimmerte kurz auf, und ein lebensgroßes Hologramm des unsterblichen Alyskers entstand im Raum.
Habt ihr es also geschafft, mir zu folgen?
Atlan nickte. Wieso hast du uns hierher gelockt, und was ist das für eine Station?
Eorthor lachte klangvoll.
Ich hielt dich für klüger, Arkonide. Das sticht doch jedem ins Auge.
Denise kam hinzu. Atlan sah ihr kurz ins Gesicht und wusste nur durch dessen Ausdruck, dass sie die Raumstation kannte. Jedoch bevor sie es aussprechen konnte, antwortete der Arkonide.
Ich nehme an, wir finden hier einen Hinweis über den Verbleib der so genannten Kyberklonflotte?
Gut geraten! Ich will gleich zur Sache kommen. In den Hangars dieser Station befindet sich die verschollene Kosmokratenflotte. Nur ohne die Besatzung. Für den Kampf gegen MODROR brauchen wir diese Schiffe unbedingt, wollen wir eine Chance zum Überleben haben.
Und was haben wir mit dieser Sache zu tun?
, fragte Atlan ungeduldig. Du hast uns sicher wegen einem speziellen Grund hierher gebracht.
Nicht euch. Sondern dich! Als ein Gesandter der Kosmokraten kannst nur du die Flotte wieder in Betrieb nehmen. Die Aura zum Beispiel, wie du sie besitzt, sollte ausreichen, um als würdig befunden zu werden.
Du meinst, ich flieg einfach hin, meld mich kurz und NESJOR gehört mir?
Eorthor schüttelte den Kopf.
Schön wär's, aber ganz so einfach ist es auch wieder nicht! Sagen wir mal, ich habe vor langer Zeit dafür gesorgt, dass NESJOR absolut keinen mehr an sich ran lässt. Aber um das zu erklären, reicht die Zeit einfach nicht. Die Station würde jedenfalls sofort auf jeden losgehen, der ihr zu nahe kommt. Das ist sicher.
Noch einfacher ausgedrückt, er hat es mal selbst versucht und hat, als angeblich treuer Gefährte der Kosmokraten, böse Dresche bezogen, raunte Atlans Extrasinn. Und will das jetzt nur nicht zugeben.
Atlan wusste natürlich über die wahren Ereignisse von Denise, schwieg sich aber darüber aus. Es hätte nichts gebracht, außer dass Eorthor unzugänglicher werden würde.
Also gut, diese Möglichkeit können wir wohl vergessen. Wie lautet Plan B? Ich hoffe doch, du hast einen!
Jetzt grinste der Alysker geheimnisvoll. Atlan meinte ein Funkeln in dessen Augen erkennen zu können.
Ich werde NESJOR mit einem Virus infizieren und so für einige Stunden beschäftigen. Dadurch fallen die Abwehreinrichtungen aus, und du brauchst dann nur noch landen. Der Weg zur Hauptzentrale dürfte dann nur noch ein kleines Problem sein. Nur dort kannst du den Lenksyntron von deiner Aura überzeugen.
Und wie viel Zeit habe ich voraussichtlich, bevor die Station erneut auf die Idee kommen könnte, anzugreifen?
Ich würde sagen zirka vier Stunden terranischer Zeit.
Geht es etwas genauer? Solche Schätzwerte bereiten mir Bauchschmerzen.
Plus, Minus eine halbe Stunde.
Na toll!
, murmelte Denise unzufrieden.
Gibt es eine Garantie, dass wir nicht zusammengeschossen werden, sobald wir versuchen, da drüben anzudocken?
, wollte Alaska Saedelaere wissen.
Ihr habt mein Wort, dass euch NESJOR, sobald der Virus drin ist, vier Stunden in Ruhe lässt. Ich mache als Wissenschaftler keine Fehler.
Und falls es in diesem speziellen Fall doch einen Fehler gibt, können wir uns nicht mal beschweren, weil dann eine Rückkehr so gut wie ausgeschlossen sein dürfte
, murmelte Denise in einem etwas muffigen Ton.
Wir werden uns darüber beraten und dir dann mitteilen, ob wir dem Ganzen zustimmen oder nicht
, ließ Atlan dann noch in Richtung Eorthor verlauten, bevor er die Verbindung deaktivierte.
Stumm fragend blickten ihn die anderen an.
Icho? Was sagst du zu dem Ganzen?
Der Haluter hatte es sich wegen seiner Größe im Beiboothangar bequem gemacht, aber das gesamte Gespräch über die internen Bordsysteme mitverfolgt.
Eorthor ist sehr von sich selbst überzeugt. Er selbst kann sich nicht vorstellen, einen Fehler zu machen.
Was nicht heißt, dass er irgendwann nicht doch wieder einen machen wird
, mischte sich Osiris ein.
Wie auch immer, dieses Schiff gehört letztendlich dir. Willst du es wagen?
Osiris seufzte Ja, die HOR-ATEP ist mein Schiff, Atlan. Aber ihr seid meine Passagiere und ich kann nicht ver…
Ich denke, wir sind alle alt genug, um selbst entscheiden zu können, was gut und was schlecht für uns ist
, unterbrach ihn Denise, Also werfen wir jetzt eine Münze oder gibt es jetzt eine klassische Abstimmung? So oder so, wer nicht mit will, soll in eins der Beiboote überwechseln und in sicherer Entfernung abwarten.
Atlan nickte nachdenklich mit dem Kopf.
Du hast Recht. Also stimmen wir ab!
Nach zehn Minuten gab es eine Entscheidung und Atlan kontaktierte Eorthor.
Okay! Wir gehen auf deinen Vorschlag ein!
Kurz drauf wurde durch die Alystronik der Virus an die Station übertragen, damit dieser dort seine Arbeit beginnen konnte.
Es dauerte nicht mal eine Minute, bis die Mitteilung kam, dass die Verteidigungssysteme der NESJOR nicht mehr aktiv waren. Eorthor bekräftigte diese Behauptung sogar dadurch, dass er mit der SIMS einen Annäherungskurs flog, ohne dass etwas geschah.
Osiris folgte nach kurzem Zögern mit der HOR-ATEP in geringem Abstand.
Der Arkonide hatte sich bereits ein wenig umgesehen.
Ich schlage vor, wir landen auf der Plattform dort vorne und suchen uns dann einen Zugang.
Alle stimmten ihm zu.
NESJOR reagierte immer noch nicht.
Ich werde mit Icho und Alaska aussteigen und die Zentrale aufsuchen. Sobald wir Erfolg haben, lassen wir es euch wissen. Osiris! Sollten wir uns vor den vier Stunden nicht melden, bringt euch in Sicherheit. Und pass auf Rodrom auf!
Der Angesprochene bestätigte dies durch ein kurzes Nicken.
Denise jedoch schien nicht mit Atlans Aussage einverstanden zu sein.
Ich werde mitkommen.
Nein, es ist besser …
Ich weiß, ich weiß, aber ich lasse mir sicher nicht dieses Abenteuer entgehen. Wenn du mich aufhalten willst, versuch es, Arkonide! Ansonsten bin ich auf jeden Fall dabei.
Atlan sah die Entschlossenheit in ihren Augen und widersprach nicht. Aber wenn ihr was geschah, würde er sich Vorwürfe machen.
Du Narr! In ihrem Alter ist es normal, eigene Entscheidungen zu treffen. Übrigens, vielleicht kann sie für euch nützlich sein, rügte ihn sein Extrasinn.
Also gut, gehen wir rein!
Ich orte ein Schott in 50 Metern Entfernung
, funkte Icho Tolot. Atlan empfing seine Stimme klar und deutlich. Er hatte mit den anderen in schweren Kampfanzügen die HOR-ATEP verlassen, um nun auf der Oberfläche der NESJOR nach einem Zugang zu suchen. Osiris war mit Jaques de Funés, Leopold, Roggle und Rodrom auf dem Raumschiff verblieben.
De Funés und Leopold waren ungewohnt ruhig gewesen und hatten sich zurückgezogen.
Roggle bestand darauf, auf Rodrom zu achten, damit dieser nicht die Chance hätte zu entkommen. Osiris bezweifelte, dass der Vorjul dieses Monster aufhalten könnte, sollte Rodrom aus dem energetischen Gefängnis entkommen können. Nichtsdestotrotz ließ er ihn gewähren.
Ich komme!
, rief Atlan und ließ sich von der Syntronik des Anzuges leiten. Als er ankam, waren die anderen schon zugegen.
Also ich messe gar nichts an
, erklärte Denise.
Ich denke mal, dass Ichos Instrumente besser sind als unsere
, meinte Alaska.
Tolots roter Kampfanzug hob sich kaum vom dunklen Rot der Schottwand ab. Atlan vertraute dem Haluter voll und ganz. Wenn dieser behauptete, dass hier ein Eingang zu finden sei, dann stimmte es auch.
Also, wie kommen wir da rein? Tolotos? Kannst du einen Öffnungsmechanismus anmessen?
Leider nein, Atlanos.
Wir haben nicht viel Zeit. Am besten wäre es, wir schneiden uns ein Loch hinein
, schlug Alaska vor.
Man könnte dies als Angriff werten und Gegenmaßnahmen treffen. Wer weiß, ob der Friede uns gegenüber dann noch gelten würde
, warnte Denise.
Wenn wir noch länger Zeit vertrödeln, werden wir es nicht rechtzeitig schaffen!
Alaska hat Recht. Wir müssen es riskieren!
, mischte sich Atlan ein.
Er sah, wie der Haluter seine Waffe hob. Es entstand ein grünliches Leuchten an der Stationswand. Unruhig sah Atlan umher. Doch nichts änderte sich. NESJOR schien nicht einzuschreiten. Oder war es noch zu früh, um aufatmen zu können? Waren gerade Kampfroboter auf dem Weg hierher?
Das wirst du noch früh genug merken, meldete sich sein Extrasinn.
Nach etwa einer Minute wurden seine Begleiter unruhig. Nichts hatte sich an der Wand verändert. Icho stellte seine Bemühungen ein. Osiris erkundigte sich über den Fortschritt.
Atlan klärte ihn auf.
Lasst mich mal ran. Ich werde es mit der HOR-ATEP selbst versuchen.
Alaska lachte. Warum umständlich, wenn es einfacher auch geht? Okay, versuch du dein Glück!
Kommt zuvor besser wieder an Bord! Falls was schief geht, können wir schneller verschwinden!
Einverstanden! Wir warten hier auf dich!
Icho? Was meinst du? Haben wir eine Chance?
Ich kann es dir leider nicht sagen, Atlan. Mir fehlen die Informationen und vor allem Zeit, um dies zu berechnen.
Eorthor beobachtete, wie die Milchstraßenbewohner wieder die HOR-ATEP betraten. Die Zeit verrann und Atlan war noch nicht einmal in der Station. Allmählich zweifelte er daran, dass der Arkonide es rechtzeitig schaffen würde.
Und selbst wenn. Die gigantische Invasionsmacht MODRORs konnte nicht einmal die Kyberklonflotte aufhalten.
Und welche Mannschaft sollte die Kyberklone ersetzen? Eorthor hatte sie versehentlich deaktiviert, als er versucht hatte, die Kontrolle über sie zu erlangen. Die Folge war ein gigantischer Kurzschluss im kybernetischen Netz der Cyborgs.
NESJOR war seit mehr als zweitausend Jahren eine Geisterraumstation, denn kein Kyberklon bewegte sich mehr. Eorthor dachte wehmütig an diese Niederlage zurück. Er hatte das Rechengehirn der Raumstation soweit umprogrammiert, dass es zum Kreuz der Galaxien flog und sich im Zentrum der Galaxie versteckte, bis die Kyberklone wieder ihren Dienst aufnahmen.
Das war niemals geschehen. NESJOR hatte selbstständig Verteidigungsmaßnahmen getroffen und Eorthor war das Ganze entglitten. Er hatte die Kontrolle über die Kosmokratenstation verloren. Eine Verschwendung von 200 000 Schlachtschiffen. Doch selbst wenn; sie machten keinen Unterschied.
Es war zu spät dazu. MODRORs Truppen waren schon zu stark. Es gab nur noch eine Lösung, all der Gefahr ein Ende zu bereiten. Ja, er wusste, was zu tun war, wo er hinfliegen musste. Er griff wieder auf sein Vorhaben zurück. Doch das Ziel war ein anderes. Die Flotte des Gegners befand sich noch nicht in der Milchstraße. Aber im Kreuz der Galaxien! Er, Eorthor, würde ein für alle mal alles Gewürm von MODROR auslöschen. Oder den Terranern zumindest Zeit verschaffen. Es gab nur einen Weg, MODRORs Flotte zu stoppen. Nur einen einzigen …
Er programmierte die SIMS auf einen neuen Kurs.
Ein Hologramm zeigte ihm an, dass Osiris mit seinem Vorhaben Erfolg gehabt hatte. Die HOR-ATEP hatte mit ihren Desintegratoren ein Loch geschaffen. Groß genug, um auch einen Haluter nicht am Eindringen zu hindern. Die Unsterblichen und die Terranerin verließen eben wieder das Schiff und näherten sich dem Eingang.
Eorthor ließ die SIMS die Bombe aus dem Hangar ausschleusen.
Störsender verhinderten, dass die Ortungssysteme der HOR-ATEP darauf aufmerksam wurden.
Die neuste Tarnungstechnologie würde deren Existenz vertuschen.
Die Bombe nahm Fahrt auf und wechselte in den Hyperraum über.
Nichts mehr würde das Kommende aufhalten können. Nicht einmal der Alysker selbst.
Er aktivierte einen Funkkanal und verkündete:
Ich werde mich einstweilen um MODRORs Stoßtruppen kümmern. Wenn ich mit ihnen fertig bin, wird es keine mehr geben. Solltet ihr es schaffen, NESJOR in Besitz zu nehmen, verlasst sofort damit die Galaxie. Es wäre zu eurem Besten. Wir treffen uns später im Salo-System. Viel Glück und …
… Ende.
Die SIMS beschleunigte.
Atlan hörte Osiris fluchen.
Weiß jemand von euch, was er vorhaben könnte?
Keine Ahnung, aber ich werde ihm besser folgen. Da ihr jetzt in der Station seid, kann ich sowieso nichts mehr für euch tun außer warten.
Atlan blickte still seine Kameraden an. Niemand schien Einwände zu haben.
Einverstanden. Viel Glück!
Euch viel mehr! Und noch was! Wenn der Alysker euch bittet, die Galaxie zu verlassen, solltet ihr besser seinem Ersuchen nachkommen. Ich ahne Übles.
Nicht nur du!
Icho Tolot betrat als erster dieses riesige Gebilde, sah sich kurz um, und gab das vereinbarte Signal. Ein paar Augenblicke später standen alle in einem Gang, der nach menschlichen Maßstäben gigantische Ausmaße hatte.
Atlan winkte kurz, und schon waren sie alle auf dem Weg ins Innere des Komplexes. Niemand sprach ein Wort, doch Denise wurde zusehends nervöser. Sie konnte es kaum erwarten, hinter die Geheimnisse dieser uralten Station zu kommen. Ihr Eindruck, dass der Boden keine ebene Struktur besaß, wurde noch dadurch verstärkt, dass scheinbar unzählige Löcher und Erhebungen ohne einen für sie erkennbaren Sinn in alle Himmelsrichtungen an den Wänden erkennbar waren. Ihre Schwerkraftanzeige im Kampfanzug zeigte ihr ein halbes Gravo an Schwerkraft an. Also gab es ein Unten und ein Oben.
Jetzt ist wohl klar, wieso die Kyberklone schweben. Ohne Antigravs wäre das aber echt eine Folter. Man würde sich alle Knochen brechen. Wollen wir hoffen, dass keiner auf die Idee kommt, hier ein Wettrennen zu veranstalten
, schmunzelte Alaska.
Trotz der Situation, musste Joorn unwillkürlich lachen und meinte nur:
Zu spät! Wir sind schon mittendrin! In weniger als vier Stunden von hier bis in die Zentrale. Nur das zu Fuß bleibt uns erstmal erspart.
Icho hob eine seiner rechten Hände und alle sahen ihn an.
Ich habe hier mehrere energetische Punkte auf meinen Scanner, die schnell auf uns zukommen.
Atlan, Alaska und Denise hoben ihre Waffen. Es vergingen nur Sekunden und ein Dutzend Ortungsimpulse tauchten auf ihren eigenen Helmdisplays auf.
Es würde nicht mehr lange dauern, bis diese um die nächste Ecke in Sichtweite kamen.
Denise hatte kurz das Bedürfnis, die Station einfach zu verlassen. Mit einem kurzen Blick zu den anderen verschwand das Gefühl. Offenbar war sie die einzige, die diesen Gedanken gehabt hatte. Ohne sich zu bewegen und ihre Waffen im Anschlag warteten alle auf mögliche Ziele.
Ein eiförmiges Objekt kam in Sichtweite. Eine rötlich schimmernde, eindeutig metallisch glänzende Oberfläche identifizierte den Gegenstand als Roboter. Die Syntronik meldete sich mit genauerer Größenangabe. 22,54 Zentimeter Länge, Durchmesser 13,14 Zentimeter.
Nicht schießen! Nicht bewegen!
, ertönte Atlans Stimme.
Denise konnte jetzt die restlichen Objekte sehen. Alle in derselben Größe und Bauweise wie das erste.
Ohne ihre Geschwindigkeit in irgendeiner Art und Weise zu verringern, trieben alle Roboter den Eindringlingen entgegen. Das erste Objekt umflog dem Haluter knapp und die restlichen folgten dem ersten unverzüglich. Da die eiförmigen Gebilde nur Zentimeter an Joorn vorbeischwebten, konnte sie jetzt genauer hinschauen. Von der leuchtenden rötlichen Farbe der Maschine ging eine Faszination aus, die ihre Neugierde weckte.
Doch dieser Augenblick ging sehr schnell vorbei. Kurz Zeit später waren alle Roboter an ihnen vorbei und machten sich an der Beschädigung der Außenwand zu schaffen. Das Loch, das die Besucher geschaffen hatten um reinzukommen, wurde zusehends kleiner. Eine Art Prallfeld musste erschaffen worden sein und somit den Gang vom freien Raum abschotten, denn plötzlich strömte Gas in den Gang. Blinkende Lichter und einige Anzeigen in den Anzügen der vier bewiesen, dass es atembarer Sauerstoff war, der keine giftigen Stoffe enthielt.
Ich hatte so was vermutet. Die Station hat Wartungsroboter hergeschickt, um die von uns verursachten Schäden zu beheben
, hörte Denise die Stimme des Arkoniden in den Helmlautsprechern.
Ein erneuter Blick auf die fleißigen Helferlein bestätigte diese Aussage. Dass sie registriert worden waren, stand außer Zweifel. Trotzdem wurden die Eindringlinge nicht angegriffen. Ein Fakt, der sich aber jederzeit ändern konnte.
Icho setzte sich wieder in Bewegung und schwebte ins Innere der gigantischen Station.
Wir haben keine Zeit. Weiter geht’s!
Denise warf noch einen letzten Blick auf die eiförmigen Roboter, dann wandte sie sich ab und folgte den anderen.
A7532 an alle: Beschädigung von Sektor 2a3r44566 erreicht. Reparatur wurde eingeleitet.
A7532 an Z01: Vier biologische Objekte wurden entdeckt. Keine Daten zur Identifizierung vorhanden. Mögliche Ursache der organischen Strukturen mit der Beschädigung von Sektor 2a3r44566 liegt bei 99,58 Prozent. Erwarten weitere Anweisungen.
Z01 an A7532: Negativ. Fremde organische Strukturen wurden nicht erfasst. Erwarte Bestätigung, dass Schaden behoben wurde.
A7532 an Z01: Bewegung der fremden organischen Objekte Richtung Sektor 2a3r43566. Erwarten weitere Anweisungen.
Z01 an A7532: Negativ. Fremde organische Strukturen wurden nicht erfasst. Erwarte Bestätigung, dass Schaden behoben wurde.
A7532 an Z01: Verfolgung der organischen Strukturen durch Einheit A7532 wurde aufgenommen. Erwarten weitere Anweisungen.
Z01 an A7532: Negativ. Fremde organische Strukturen wurden nicht erfasst. Erwarte Bestätigung …
Seit einer Stunde waren sie in dieser gigantischen Station schon unterwegs. Immer wieder erschien eines der Kybeier hinter den Vieren. Alaska hatte den Wartungsrobotern diesen Namen verpasst. Denise äußerte die Vermutung, dass es immer dasselbe war, und Icho bestätigt dies. Die Energiesignatur sprach für sich. Die rötliche Oberfläche des Kybeis blitzte immer wieder hinter ihnen auf, hielt aber immer einen Sicherheitsabstand von wenigen Metern. Es verschwand manchmal kurzzeitig, um an anderer Stelle wieder aufzutauchen.
Der Kleine ist hartnäckig, findet ihr nicht?
, murmelte Alaska.
Dennoch scheint er keine Gefahr zu sein
, antwortete ihm der Arkonide.
Vielleicht sollten wir ihn nach dem Weg fragen?
, scherzte Joorn.
Die Männer lachten.
Der Gang endete ohne Vorwarnung. Eine Mauer versperrte ihnen den Weg.
Alaska fluchte und Denise blickte auf ihre Zeitanzeige.
Wir verlieren zu viel Zeit. Wir brauchen einen Lageplan oder etwas in der Art.
Ich würde vorschlagen, wir halten uns an Joorns Vorschlag. Fragen wir das Kybei nach dem richtigen Weg
, meinte Atlan.
Dieses Mal lachte niemand. Denise richtete ihren Blick auf das Ei, das in sechs Metern Entfernung über dem Boden schwebte.
A7532 an Z01: Fremde organische Strukturen haben Bewegung in Sektor 2a3r34553 eingestellt. Erwarten weitere Anweisungen.
Z01 an A7532: Negativ. Fremde organische Strukturen wurde nicht erfasst. Erwarte Bestätigung, dass Schaden behoben wurde.
A8352 an alle: Eine weitere fremde Struktur in Sektor 2a3r44566 registriert. Erwarten weitere Anweisungen!
Z01 an A8352: Negativ. Fremde organische Strukturen wurden nicht erfasst. Erwarte Bestätigung, dass Schaden behoben wurde.
A7532 an A8352: Erfassung von eindringenden organischen Strukturen durch Z01 negativ. Möglicher Schaden in Z01 bei 86,23 Prozent. Aktivierung von interner Sicherungseinheit A3482. Prüfung einleiten.
Sicherungseinheit A3482 an A7532: Prüfung POSITIV. Reparatur ist sofort durchzuführen. Überwachung der organischen Strukturen in Sektor 2a3r34553 fortführen.
Sicherungseinheit A3482 an A8352: Sicherheitsmaßnahmen Stufe zwei einleiten. Verhinderung Eindringen der fremden organischen Strukturen Sektor 2a3r44566 durch Waffen positiv.
A8352 an Sicherungseinheit A3482: Positiv.
A7532 an Sicherungseinheit A3482: Registriere eingehendes Signal. Ursache organische fremde Strukturen. Anfrage zur Datenübertragung. Erwarten weitere Anweisungen.
Sicherungseinheit A3482 an A7532: Negativ. Keine Autorisation durch Z01. Sicherheitsmaßnahmen Stufe zwei bei Einheit A7532 aktivieren. Interne Datensicherung durchführen. Berechtigung der Selbstabschaltung der Einheit A7532 bei weiterem Signaleingang positiv. Signalzugang verschlüsseln. Bestätigung.
A7532 an Sicherungseinheit A3482: Positiv. Eingehende Signalstärke konstant. Maßnahmen zur Abwehr ohne Wirkung. Selbstabschaltung wurde eingeleitet. Interne Daten gesichert. Einheit A7532 stellt Betrieb ein.
Ende.
Sicherungseinheit A3482 an Sonderwacheinheit KLOTZ: Sicherheitsmaßnahmen Stufe zwei wurde aktiviert. Sonderwacheinheit KLOTZ wird angewiesen, Maßnahmen zur internen Abwehr von fremden organischen Strukturen in Sektor 2a3r34553 einzuleiten.
Sonderwacheinheit KLOTZ an Sicherungseinheit A3482: Aktivierung positiv. Abwehrmaßnahmen werden durchgeführt.
Das Ei fiel zu Boden und rührte sich nicht mehr.
Was ist jetzt passiert?
fragte Atlan etwas verdutzt.
Keine Ahnung
, antwortete Alaska mit einem kurzen Blick zu Icho.
Der Haluter antwortete: Der Versuch, die Daten über meine Syntronik aus dem Speicher des Kybeis abzurufen wurden abgeblockt. Und dann hat es sich einfach abgeschaltet. Ich probiere mal etwas anderes. Gebt mir ein paar Minuten! Mal schauen, ob ich das Ding reaktivieren kann.
Icho Tolot zauberte ein kleines tellerförmiges Gerät aus seinem roten Kampfanzug hervor und ließ sich neben dem Kybei nieder.
In Denise machte sich ein Gefühl des Mitleids für das unförmige Ding breit.
Unsinn!, ermahnte sie mit sich selbst in Gedanken. Das ist doch nur eine Maschine! Menschliche Empfindungen sind dem Ding fremd. Es hat keinen Funken Leben.
Atlan und der Terraner tasteten mit ihren Scannern die Wände ab. Sie suchten Zugänge zu Räumen, Hallen oder ähnlichem. Bisher waren sie nur durch endlose irrgartenähnliche Gänge gewandert, aber das hatte an dieser Wand ein vorläufiges Ende gefunden.
Alle waren sich der Tatsache bewusst, dass wenn nicht bald ein Wunder geschah und NESJOR mit dem Virus fertig wurde, die Eindringlinge, also sie, als Ziele herhalten mussten. Aber die Möglichkeit, in so kurzer Zeit die Zentrale zu finden, in einer Station, welche die Größe eines Planeten hatte, sank mit jeder Sekunde.
Nach einer langen halben Stunde terranischer Zeit erwachte das Kybei zu neuem Leben und Icho richtete sich wieder auf.
Ich habe es unter meiner Kontrolle
, stellte er fest. Es wird uns zur Zentrale bringen.
Das Kybei schwebte in Brusthöhe von Denise und hielt inne. Ein verblüffter Aufschrei Atlans ließ sie sich ihm zuwenden.
Eine der Wände war verschwunden. Ein neuer endloser Gang offenbarte sich ihnen.
Der Wartungsroboter setzte sich in Bewegung. Joorn und die anderen schwebten hinterher.
Nach einiger Zeit erschien eine optisch endlose Halle. Eine Mischung aus Maschinen und Grünanlagen säumte alle Wände, die Denise erblickte. Tausende von Kybeiern flitzten umher.
Aus den Pflanzen stellen sie Ressourcen her. Zur weiteren Verarbeitung
, erklärte der Haluter, der immer noch Daten aus den Speichern des Kybeis abzurufen schien. Wofür genau kann ich noch nicht sagen. Bekomme über den Roboter keine Verbindung zu anderen, geschweige denn zum Zentralleitsystem.
Ihr Führer schwebte in Richtung einiger gebäudeartiger Strukturen. Erst jetzt erkannte Joorn, dass diese zu einer Art Frachtbahnhof gehörten.
Denise betrachtete die unterschiedlichen Arten von riesigen rötlichen Containern. Schwerelos gemacht schwebten sie statisch einen halben Meter über dem metallenen Boden.
Icho näherte sich einem dieser Container und drang durch eine Öffnung ein.
Dieser und der rechts von euch brechen in etwas mehr als einer Stunde auf. Beide haben als Ziel eine Sektion nahe der Zentrale. Leider müssen wir uns auf beide aufteilen, da wir nicht alle in einen der Container passen
, erklärte er den anderen, während er wieder zu ihnen zurückkehrte.
Sollten wir wider Erwarten getrennt werden, werde ich euch zur Sicherheit den Konstruktionsplan in eure Syntrons übertragen. So könnt ihr euch notfalls euren eigenen Weg suchen.
Wie lange wird diese Zugfahrt dauern?
, wollte Atlan wissen.
Es wird eng werden. Wir werden die besagte Sektion etwa zehn Minuten vor Eorthors Deadlineangabe erreichen.
Auf den Holos war zu erkennen, wie die HOR-ATEP Fahrt aufnahm und der SIMS folgte. Keines der Schiffe hatte das Beiboot der SSSUKSS orten können. General Fykkar hatte dieses inzwischen verlassen und schwebte an das Loch heran, welches Osiris Schiff in die Station geschossen hatte.
Kleine eiförmige Roboter waren dabei, den Schaden zu beheben. Der Cyborg richtete seinen rechten Arm auf das Prallfeld, das die Baustelle gegen das Vakuum absicherte und löste seine Thermowaffe aus. Der Schutzschild löste sich auf. Die entweichende Luft riss die Wartungsroboter ins All. Fykkar fing einen lässig mit seiner Linken auf und zerquetschte diesen ohne allzu viel Anstrengung. Etwas Besseres, als mit der Technik MODRORs aufgerüstet worden zu sein, hätte ihm nicht passieren können.
Belustigt sah er zu, wie die Eier das Feuer auf ihn eröffneten. Die Strahlen verpufften wirkungslos in seinem Körperschutzschirm. Vier schoss er ab. Dann verlor er die Lust daran und drang in die Station ein. Die Roboter stellten den Beschuss ein und machten sich wieder an der Schadensstelle zu schaffen.
Fykkar sah sich um und überlegte, wie er am schnellsten den Arkoniden finden konnte.
Die Container setzten sich in Bewegung. Von der Beschleunigung merkte man jedoch nichts. Anscheinend war Antigravitation vorhanden, die dies verhinderte, vermutete Denise Joorn.
Sie hatte es sich am seitlichen Ausgang bequem gemacht und bestaunte die Aussicht, welche an ihr vorbeizog. Eine Art Symbiose von Pflanzen mit Maschinen. Groß angelegte Parks inmitten fremdartiger Maschinenblöcke. Abertausende dieser Kybeier schwirrten umher. Aber auch größere Exemplare Roboter verschiedenster Bauart gingen Arbeiten nach. Ein tellerähnliches Objekt von mehreren Metern Durchmessern verströmte Dämpfe. Ein Dutzend Kastenförmige hoben und senkten sich vom Boden, ohne dass die Terranerin einen Grund dafür erkennen konnte. Ein gigantischer kyberklonartiger Robot schwebte neben den Containern her. Zwei große Halbkugeln schienen einfach still und bewegungslos über bläulich großen Bäumen zu schweben.
Und, wie sieht es aus?
, fragte Atlan, während er sich neben Denise setzte. Was hältst du von diesem Biotropischen Maschinenpark?
Joorn sah ihm an. Äußerst interessant. Diese Ästhetik. Die Hektik und dennoch diese Ruhe. Ich würde am liebsten aussteigen und mir alles genauer ansehen. Kaum zu glauben, dass die Kyberklone ausgestorben sind. Bei diesem Treiben dort draußen!
Atlan lachte.
Ja, das ist oft so bei Robotern. Die machen einfach stur weiter und weiter bis ihnen der Saft ausgeht. Weißt du was? Wenn wir die Station für uns gewonnen haben, kannst du dich umsehen so oft und solange du willst. Aber zuvor müssen wir rechtzeitig die Zentrale erreichen.
Denise sah wieder gedankenverloren hinaus.
Ja, erst mussten sie das Ganze in Besitz nehmen. Dann konnte sie sich nach Lebenslust austoben. Hier gab es sicher sehr viel zu erforschen. Eine Millionen Jahre alte, planetengroße Station. Vielleicht fand sie heraus, was damals wirklich mit der Flotte geschah.
Plötzlich hörte sie Atlan aufschreien. Sein SERUN aktivierte den Körperschild. Ihrer entstand fast zur gleichen Zeit. Verwirrt versucht sie die Gefahr zu erkennen, folgte Atlans Blick.
Der gigantische Kyberklon, der neben ihnen hergeschwebt war, hatte seine Arme in ihre Richtung gestreckt. Dann wurde es hell.
Geblendet schloss Denise die Augen. Der Container wurde wie von einem durchsichtigen großen Vorschlaghammer getroffen. Die Antigravs des Zuges versagten. Alles wurde durchgerüttelt. Plötzlich wurde es finster und der Container beruhigte sich wieder. Denise wurde klar, dass sie sich jetzt in einem Tunnel befanden.
Sie waren gerettet. Der Tunnel war zu eng für diesen Riesen.
Er hat uns verfehlt!
, rief sie erleichtert.
Uns schon
, antwortete Alaska Aber Ichos Container nicht! Der ist weg!
Der Haluter hatte den großen Roboter schon in Verdacht gehabt, als dieser erschienen und neben den Containern hergeflogen war. Und scheinbar hatte er sich nicht geirrt. Als der Roboter auf ihn zielte, warf Icho sich aus dem vermeintlichen Schussfeld durch die Rückwand des Waggons. Getroffen wurde er dennoch. Der Schutzschild brach zusammen und der Rest des gegnerischen Beschusses prallte an seinem molekular verhärteten Körper ab. Er schlug am Boden auf, rollte sich ab, schlug einen länglichen Raupenroboter beiseite und rannte los. Hinter ihm zerriss es seinen Container. Icho Ziel waren nun hohe maschinenartige Quader in etwa zweihundert Metern Entfernung. Diese könnte er als Deckung nutzen. Im Zickzack laufend beschleunigte er auf über hundert Stundenkilometer. Ein baumstammdicker Energiestrahl, welcher knapp neben ihm einschlug, überzeugte ihn, dass der acht Meter große Kampfroboter hinter ihm her war. So waren wenigstens seine Freunde außer Gefahr und in relativer Sicherheit.
Er hatte die erste Deckung erreicht und zog seine Kombistrahler. Noch immer im Laufen drehte er sich nach hinten und wartete auf das Erscheinen des Widersachers. Diesen empfing er mit einer kompletten Ladung seiner Waffen.
Scheinbar unbeeindruckt erwiderte der Kybrob das Feuer. Icho Tolots Schild hatte wieder seine Arbeit aufgenommen und hielt dieses Mal stand. Anscheinend setzte der Feind schwächere Waffen ein, um Schäden an der Umgebung im Rahmen zu halten. Der Haluter erreichte den nächsten Quader und brachte diesen zwischen sich und seinen Rivalen. Er umrundete den Maschinenblock. Plötzlich war er hinter dem Riesen und schickte ihm eine volle Salbe in den Rücken. Der Kyb bremste ab und wandte sich zu ihm um. Icho, der noch immer auf Höchstgeschwindigkeit war, rammte ihn, einem Geschoss gleich.
Die Schilde beider Kontrahenten neutralisierten sich gegenseitig und sie gingen zu Boden. Icho war jetzt auf dem Kyb, hatte seine Waffen fallen lassen und hämmerte mit seinen Fäusten auf dessen Schädel ein. Der Roboter packte ihn und warf den Haluter von sich. Doch bevor er sich aufrichten konnte, war Tolot schon wieder oben auf und deformierte weiter den Kopf. Der Kyb wälzte sich umher und versuchte aus der misslichen Lage zu kommen, doch der Haluter war einfach nicht mehr abzuschütteln. Dann stellte der Rob die Bewegungen ein. Icho Tolot hatte ihm sein zentrales Gehirn vom Kopf gerissen.
Noch zehn Minuten.
Die Container kamen zum Stillstand. Viel Zeit war vergangen. Funkkontakt zum Haluter hatten sie während der Fahrt nicht herstellen können. Atlan machte sich Sorgen um Icho. Er hoffte, dass dieser den Angriff überlebt hatte. Die drei befanden sich nun wieder in einer Art Frachtbahnhof. Sein SERUN zeigte ihm den restlichen Weg an. Sie hatten noch zehn Minuten. Um keine Zeit zu verlieren, starteten alle die Antigravs und gaben Vollschub. Einige Zeit ging es einen hellen Gang entlang.
Noch sechs Minuten.
Vor einem Wartungsschacht machten sie Halt. Alaska versuchte, das kleine Schott zu öffnen. Atlans Extrasinn ermahnte den Arkoniden, dass sie deswegen zu viel Zeit verlören. Atlan gab ihm Recht und forderte Alaska auf, beiseite zu treten. Dann eröffneten er und Denise das Feuer. Der Eingang war frei. Atlan ging gebückt vor. Ihm folgte der Terraner. Denise kam zuletzt.
Noch vier Minuten.
Joorn schrie auf. Atlan wandte sich um und sah den Grund. Kybeier!
Denises Schutzschild leuchtete unter dem Beschuss der Wartungsroboter auf.
Sie erwiderte das Feuer.
Weiter!
, befahl Atlan Lasst euch nicht davon aufhalten!
Sie kamen in einen Verteilerschacht. In zehn verschiedene Richtungen ging es weiter. Atlan musste nach oben. Als er nach oben schwebte, sah er, dass nun auch aus den anderen Schächten Kybeier erschienen. Alaska und Denise wurden von ihm abgedrängt.
Noch zwei Minuten.
Der Arkonide hielt inne.
Mach dir um uns keine Sorgen, Atlan! Schau, dass du weiter kommst!
, hörte er Alaskas Stimme über Funk. Wir werden allein mit denen fertig!
Kurz überlegte er, ob er nicht doch seinen Freunden helfen sollte. Doch sein Extrasinn war anderer Meinung.
Wenn du nicht rechtzeitig die Zentrale erreichst, werden die Kybeier deine geringste Sorge sein.
So beschleunigte er wieder. Über ihm befand sich wieder ein Schott. Atlan beschoss es noch während des Fluges. Dann krachte er durch die restlichen Schottteile. Sein Schutzschild besorgte den Rest. Der SERUN gab Alarmsignale von sich.
Überlastung!
Noch eine Minute.
Er befand sich wieder in einem der größeren Gänge. Und vor ihm der Eingang zur Zentrale. Kybeier erschienen wieder und feuerten ohne Vorwarnung. Atlan dankte den Göttern Arkons, dass er es mit Wartungsrobotern zu tun hatte und nicht mit Kampfdroiden. Die Kybeier konnten ihm erst im Dutzend gefährlich werden. Allerdings würden sie diese Anzahl demnächst erreichen! Es musste Millionen von ihnen ihn NESJOR geben. Er flog los. Immer die Zentrale als Ziel. Der Serun meldete Schirmüberlastung 127%.
Noch ein paar Sekunden und der Schild würde zusammenbrechen.
Dann war er in der Zentrale. Die Kybeier stellten wie auf Befehl den Beschuss ein. Atlans bremste ab.
Plötzlich wurde er von einem Fesselfeld erfasst und zu Boden gerissen. Die Zeit war abgelaufen. NESJOR hatte wieder die Kontrolle.
Zu spät!, hörte er seinen Extrasinn sagen. Wir haben verloren.
Sie wurden gezwungen, die Flucht in unbekanntes Terrain zu ergreifen. Die Kybeier trieben sie vor sich her.
Dann war der Schacht zu Ende. Sackgasse. Denise schaltete ihren Schild mit dem Alaskas zusammen. Dadurch würden sie bis zum Unvermeidlichen etwas Zeit gewinnen.
Die Droiden waren jetzt überall. Das andere Ende des Schachtes war optisch nicht mehr auszumachen.
Pausenlos feuerten beide Parteien aufeinander ein.
Unzählige Kybeier brachen zusammen. Unzählige kamen nach.
Die SERUNs der beiden Terraner gaben Überlastungsmeldungen über den Zustand der Schirme von sich.
Denise begriff, dass dies das Ende war.
Sie würde in wenigen Augenblicken sterben.
Sie warf einen letzten Blick zu Alaska.
Auf einmal stellte die Gegenseite das Feuer ein. Verwundert wartete Joorn auf das Folgende. Dann begriff sie.
Atlan!
, rief sie erleichtert. Er hat es geschafft.
Die Kybeier, inzwischen waren sie unzählbar, wichen zur Seite und machten einer zwanzig Mal größeren Ausführung ihrerseits Platz.
Nein
, murmelte Alaska und schoss wieder. Sie haben nur ihren großen Bruder zur Party eingeladen!
Fykkar war es fast schon Leid, auf diese Wartungsroboter zu schießen. Aber sie hatten ihm den Kampf angesagt. Noch immer hatte er Atlan nicht gefunden. Inzwischen sah er ein, wie aussichtslos sein Suchen war. Immerhin hatte diese Station die Größe eines Planeten. Und er hatte es einfach nicht geschafft, sich in die Datenströme einzuhacken. Zu unterschiedlich war seine Technologie zu der der der Station. Sein Blick fiel auf eine Stelle im Gang. Dort befanden sich besonders viele dieser Störenfriede. Wollten sie etwa verhindern, dass er dieser Nische zu Nahe kam? Sollte er etwas Wichtiges nicht sehen?
Dummköpfe! Obwohl sie immer noch ununterbrochen auf ihn schossen, belasteten sie seinen Schutzschild kaum. So schwebte er einfach in die Nische, die Kybeier schob er einfach beiseite. Diejenigen, die sich ihm zu lange entgegen stellten, wurden einfach von seinem Schild desintegriert.
Sich nicht weiter um die Störenfriede kümmernd, musterte er das duschkopfartige Gerät über ihm.
Dann wurde es hell. Ein Energiestoß ungeahntem Ausmaßes fuhr durch seinen Körper. Alle Systeme versagten. Unermessliche Schmerzimpulse erreichten sein Gehirn. Ihm wurde bewusst, dass sein Körper brannte. Dann wurde es dunkel. Er verlor das Bewusstsein.
Wie lange Fykkar ohne Bewusstsein gewesen war, wusste er nicht. Als er jedenfalls wieder zu sich kam, hatte er keinen Zugriff mehr auf seine Cyborgteile. Gerade mal das Notprogramm, das ihn am Leben hielt, schien noch zu funktionieren. Er versuchte sich zu erinnern, was geschehen war. Die Kybeier hatten ihm eine Falle gestellt, und er war voll hineingetappt. Das wurde ihm jetzt bewusst. Irgendwas hatte ihn erwischt. Etwas, das seinen Schild einfach durchschlagen und ihn geröstet hatte. Jetzt war er blind. Kein Zugriff auf das Augenoptiksystem.
Er versuchte den Kopf zu bewegen. Aber ohne die Unterstützung der anderen Cyborgsysteme war das Exoskelett seines Körpers zu schwer, um das allein zu schaffen. Doch dann spürte er einen Impuls. Er hatte wieder Zugriff auf die Diagnose. Er war schwer beschädigt worden und Nanos hatten die Arbeit aufgenommen, um ihn wieder flott zu bekommen. Eine Art Hochgefühl erfüllte ihn.
Bald würde er sich wieder aufrichten können und dann konnten diese verdammten Robots was erleben! Er würde sich einen nach dem anderen holen und mit Freuden auslöschen. Alles, was er brauchte, war etwas Zeit und Ruhe, um zu regenerieren. Aber dazu musste er erst mal wissen, wie es in seiner Umgebung aussah. Fykkar bekam Zugriff auf sein rechtes künstliches Auge. Anfangs verschwommen, richtete sich die Optik schnell scharf. Er lag zur Seite mit dem Gesicht an eine Wand gelehnt.
Neue Informationen empfing sein Gehirn. Er hatte jetzt teilweisen Zugang auf den Bewegungsorganismus. Er befahl den Systemen, sich von der Wand wegzudrehen. Erst beim dritten Versuch kam der mächtige Cyborg-Körper in Bewegung. Er kippte in die Rückenlage. General Fykkar konnte sich ein Bild von der Umgebung machen und sah …
A3451 an Sicherungseinheit A3482: Objekt war 5,345 Sekunden Energieentladung von Gigatronenergiespeicher 13 und 35 ausgesetzt. Objekt scheint schwer beschädigt. Orte schwache energetische Impulse. Erwarte weitere Anweisungen!
Sicherungseinheit A3482 an A3451: Desintegratorstrahler einsetzen. Erwarte Bestätigung!
A3451 an Sicherungseinheit A3482: Desintegratorbeschuss beginnt. Insektoider Cyborg terminiert!
Dann war das Fesselfeld weg. Eine Stimme in der Sprache der Kosmokraten erfüllte die Luft: Willkommen, Ritter der Tiefe! NESJOR unterstellt sich aufgrund der Notlage deinem Befehl.
Atlan richtete sich auf.
Ich befehle dir, sofort alle Angriffe auf Fremdpersonen einzustellen, die sich in dieser Station befinden und sie als freundlich einzustufen!
Verstanden!
Von welcher Notlage sprichst du?
Vor 198 533 456 Zeitzyklen wurde von einem Wesen, welches sich als Gesandter der Kosmokraten ausgegeben hatte, versucht in die Kybbefehlskette einzugreifen. Nach Sicherheitsprotokoll 18/6 wurde ein Selbstzerstörungssignal ausgesandt, welches dafür sorgte, dass alle Kyberklone unwiderruflich den Betrieb einstellten. Die Flotte schaltete auf Autopilot um und dockte bis auf ein Schiff in NESJOR an. Es gelang zwar dem Hochstapler, NESJOR zu diesem Sektor zu bringen, doch es gelang der Station danach, die Sicherheitsschaltungen zu aktivieren und ihn zum Rückzug zu zwingen. Seitdem warten wir auf weitere Instruktionen.
Das Schiff, das im Xamourisystem zurückblieb, um es zu bewachen!, meldete sich sein Extrasinn.
Sorge dafür, dass alle, die mit mir kamen, den Weg hierher finden.
Der Arkonide erinnerte sich wieder an Eorthors Warnung.
Und zeig mir die hiesige Galaxie!
, verlangte er und sah zufrieden, wie ein übersichtliches Holo vor ihm erschien.
Dank seines fotografischen Gedächtnisses fand der Arkonide sofort das Salo-System wieder.
Wir werden das Kreuz der Galaxien verlassen. Wie lange wird es dauern, bis NESJOR zu diesem Rand des Seitenarmes zu genau diesem System aufbrechen kann?
Die Station ist jederzeit bereit, um aufzubrechen. Alle Systeme arbeiteten innerhalb der Norm.
Na dann! Notstart! Setzt die NESJOR in Bewegung!
Als Eorthor das Salo-System erreichte, ortete die SIMS 1900 Schiffe seines Volkes. Das war der Rest seines unsterblichen Volkes. Auf den 1900 Raumschiffen befanden sich knapp 1 200 000 Alysker. Sie waren vermutlich die Letzten ihres Volkes.
Zufrieden schickte er über ein weit verteiltes getarntes Satellitennetz einen Funkimpuls aus. Jedes Alyskerschiff in den vier Galaxien konnte dieses nun empfangen. Jeder Alysker wusste nun anhand der Daten, dass alle Mitglieder des Volkes sich schnellstmöglich im Salo-System einzufinden hatten. Notfallpläne dieser Art hatten die Alysker schon vor Jahrtausenden ausgearbeitet.
Eigentlich war Eorthors Signal nur eine Zugabe. Jeder Alysker wusste ohnehin: Sollte Alysk überrannt werden, ist das Salo-System anzufliegen, um sich zu sammeln.
Natürlich würden MODROR Schergen den Funkimpuls auch erhalten, doch ohne spezielles Wissen würden diese sehr lange brauchen, um dahinter zu kommen, was Sache ist.
Das Salo-System war im Geheimen zu einer wahren Festung ausgebaut worden. Tausende von Raumforts, mit den neuesten Waffen bestückt, sicherten die Systemgrenzen ab.
Doch das war dem Alysker egal. Er und die Letzten seines Volkes würden nicht mehr lange hier bleiben.
Die HOR-ATEP erschien in sicherer Entfernung und Osiris bat um Einlass.
Eorthor genehmigte es dem Kemeten.
Die NESJOR kam übergangslos aus dem Hyperraum mitten im Salo-System an. Bevor Eorthor reagieren konnte, hatten die Raumforts das Feuer eröffnet. Die riesenhafte Raumstation antworte ebenfalls sofort.
Innerhalb kürzester Zeit existierten Hunderte von Raumforts nicht mehr, als beide Parteien das Feuer einstellten.
Atlan nahm sofort Kontakt mit der SIMS auf.
Ich würde sagen, wir haben unsere Flotten nicht ganz unter Kontrolle! Ich hoffe, dass niemand zu Schaden gekommen ist!
Sei beruhigt, das sind alles automatisch gesteuerte Anlagen. Habe nicht damit gerechnet, dass ihr es noch hinbekommt! Wir haben nicht viel Zeit!
Wieso? Was ist passiert?
Wir müssen hier alle verschwinden und zwar so schnell wie möglich!
Wir haben diese NESJOR, so weit es bisher möglich war, unter Kontrolle!
Keine Zeit für lange Erklärungen, nur soviel: Das Kreuz der Galaxien mitsamt der feindlichen Flotte steht vor dem Untergang. Ein Prozess ist eingetreten, den nicht einmal ich mehr stoppen kann. Wir müssen umgehend mit der Kampfstation und den alyskischen Einheiten, den letzten Überlebenden meines Volkes, das Kreuz der Galaxien verlassen, sonst sterben wir auch.
Atlan wurde blass und nickte nur noch langsam.
Gut. Verstanden. Verlassen wir diese Gegend und bringen wir uns in Sicherheit.
In schneller Eile wurden die restlichen verbliebenen Alyskerschiffe in den Hangars von NESJOR untergebracht.
Als die HOR-ATEP andockte, bat Osiris Atlan, in die Galaxie Manjardon zu fliegen, um dort mit DORGON in Kontakt zu treten. Dieser stimmte zu. Es wurde wahrlich Zeit, mit DORGON zu sprechen.
Kurze Zeit später nahmen die SIMS und NESJOR Geschwindigkeit auf und verschwanden zusammen im Hyperraum.
Dann kam er.
Dieser Augenblick, der alles unwiderruflich verändern würde.
Das All verwandelte sich scheinbar in ein Lebewesen ungeheureren Ausmaßes. Ein Betrachter musste unwillkürlich den Eindruck bekommen, dass etwas anfing, tief Luft zu holen.
Lautlos. Dann schien es, als wenn dieses Etwas versuchen würde, eine kompaktere Version von sich selber zu erzeugen.
Ein riesiger saugender unsichtbarer Punkt entstand, der alles an sich riss. Gewaltig und keinen Protest duldend.
Alle Materie, die sich in näherer Umgebung befand, wurde spontan zu einem einzigen Punkt gezogen. Ab diesem Moment gab es nicht mal ansatzweise die Möglichkeit, Widerstand zu leisten. Ein Todeskampf, der seinesgleichen suchte, begann.
Nichts, was nur den Hauch zu Gegenwehr besaß.
Es wurden Schockwellen erzeugt, die selbst in Randsystemen angrenzender Galaxien beispiellose Zerstörungen verursachten.
Ganze Himmelskörper wurden aus ihrer Umlaufbahn gerissen und in eine Todesbahn gezwungen.
Ein unabhängiger Beobachter hätte Todesgeschreie ganzer Völker wie ein Brise wahrgenommen, der mit einem leisen Wispern in der Ferne begann, und während er mit atemberaubender Geschwindigkeit heranraste, zu martialischer Lautstärke anschwoll, um dann, nachdem er den Betrachter passiert hatte, wie ein Windhauch in der Ferne zu verklingen. So als hätte eine galaktische Achterbahn mit planetengroßen Wagen in der engsten Haltestelle, die vorhanden war, ihr Ende gefunden. Doch all diese Laute nahm niemand mehr wahr. Kein Lebewesen, das sich in Reichweite dieses beispiellosen Sogs befand, würde davon erzählen können.
Eine Galaxie hörte auf zu existieren. Ohne eine messbare Spur zu hinterlassen. Die Gravitation überbrückte die Distanz, die zwischen den nächsten Sternansammlungen bestand, und setze ihr zerstörerisches Werk ohne messbaren Geschwindigkeitsverlust fort.
Ungezählte Raumschiffe wurden mit Brachialgewalt aus ihrer Bahn gezerrt, und ihre Mannschaften mussten mit Entsetzen feststellen, dass ihre Vernichtung unmittelbar und unaufhaltsam bevorstand. Ebenso viele Schiffe waren nicht in der Lage, den ersten Erschütterungen Stand zu halten und gingen in einen Lichtblitz auf.
Eine unmessbare Anzahl von Planeten wurde zerrissen und verwandelte sich in Staubwolken, um sich auf den Weg zum Zentrum der Apokalypse zu machen. Die Gravitationswerte innerhalb des Zerstörungsbereiches nahmen Ausmaße an, die nicht mehr gemessen werden konnten und die jenseits jedes begreifbaren Ausmaßes lagen.
Eine weitere der vier Galaxien begann sich aufzulösen und ihren Weg in Richtung der zentralen Destruktion zu suchen. Es sah aus wie eine Gummidecke, die in die Länge gezogen wurde. Ein wirklicher Albtraum nahm immer größere Formen an.
Dann war mit einem Mal Schluss. Das Monster machte eine Pause. Musste Luft
holen.
Im Kern der Vernichtung hatte eine unförmige Kugel Gestalt angenommen. Die angezogene Materie war mit Titanengewalt komprimiert worden, und die entstandene Energie suchte nun einen Ausweg.
Trotz der unglaublich hohen Dichte dieses Klumpens pflanzten sich Schockwellen auf der Oberfläche fort und verstärkten sich jedes Mal, wenn sie aufeinander trafen.
Und dann entstand die ultimative Singularität, ein schwarzes Loch der Superlative, etwas, das es normalerweise innerhalb der Raumzeit gar nicht geben durfte. Die über dem Einsteinraum eingerollten Dimensionen entfalteten sich, Zeit und Raum hörten auf zu bestehen, für einen unendlich kurzen Augenblick – oder war dieser unendlich lang? – entartete die Materie zu einem Zustand, der den Urknall widerspiegelte. Danach entfaltete sich die Singularität wieder schlagartig, für einen außenstehenden Beobachter mit millionenfacher Lichtgeschwindigkeit. Doch innerhalb des Gebildes spielte dies keine Rolle – Zeit und Raum waren noch nicht entstanden.
Der Explosionsdruck trieb kataklystische Energiewolken, die wie eine Wand aus dem Feuer der Schöpfung wirkten, auseinander – durch die Bombe des Alyskers wiederholte sich der Akt der Geburt des Universums im Kleinen und schließlich begannen die Materiewolken sich abzukühlen und, den Gesetzen der Schwerkraft folgend, sich zusammenzuballen. Zeit und Raum traten wieder ihre Herrschaft an. Doch erst die Zukunft würde zeigen, ob diese Vergewaltigung der Natur, die totale Zerstörung der Raumzeit, ohne Folgen geblieben war. An der Stelle des Kreuzes der Galaxien befanden sich riesige Materiewolken, die sich bereits zu neuen Strukturen zusammenballten. Von außen hatte es nach wie vor den Anschein, als ob die Prozesse, entgegen jedem bekannten Naturgesetz, mit Überlichtgeschwindigkeit, oder außerhalb der Raumzeit abliefen.
Atlan starrte entsetzt auf das Szenario. Das Kreuz der Galaxien war in einem Inferno untergegangen. Die Kampfstation NESJOR war in einem Hyperraumflug 800 000 Lichtjahre von dem ehemaligen Standort der vier Galaxien entfernt und doch wähnte sich Atlan noch nicht wirklich in Sicherheit.
Er gab sofort den Befehl, erneut in den Hyperraum zu gehen. Er wollte nur noch weg und zwar so weit wie möglich. Was war geschehen? Was hatte diese Apokalypse ausgelöst? Nur Eorthor kannte die Antwort, doch der Alysker schwieg.
Eines Tages würde Atlan es herausfinden, das schwor er sich.
Nun galt es, zur Galaxie Manjardon aufzubrechen, in der sie DORGON treffen wollten. Doch Osiris warnte den Arkoniden, denn es ging dem Kosmotarchen nicht gut.
Es wäre auch zu viel verlangt gewesen, wenn die Strapazen nun ein Ende gehabt hätten.
Atlan warf einen letzten Blick auf das Kreuz der Galaxien, in dem soeben Milliarden Lebewesen den Tod gefunden hatten.
Billiarden, korrigierte Atlans Extrasinn kalt.
Unvorstellbar.
Alles Leben hatte aufgehört zu existieren. Auch die Feinde waren geschlagen, aber ihr Schicksal war grausam gewesen. Es war eine unvorstellbare hohe Anzahl an Opfern in diesem sinnlosen kosmischen Krieg.
Atlan wandte sich mit Schaudern ab.
Siehst du, Roggle. Nicht wir sind die Bösen. Die Alysker und ihre Freunde sind es! Sie haben dein Volk ausgelöscht und jetzt auch noch gleich vier Galaxien auf einen Streich! Ich habe dich telepathisch mitlauschen lassen bei dem Gespräch mit Eorthor.
Er hat die Bombe gelegt! Nicht ich!
Denk an all die unzähligen armen Lebewesen, denen soeben das Lebenslicht ausgeblasen wurde. Findest du, DORGON ist gut zu den anderen? Nein, wie kann das sein, wenn seine Vertreter zu so etwas fähig sind. Trauere nicht, mein Kleiner. Jetzt bin ich da. Ich, Rodrom, werde dich beschützen, gegen Eorthor, Alaska und die anderen. Doch du musst noch viel lernen! Ich werde dir alles beibringen, was nötig ist! Bald wirst du verstehen. Und verrate niemandem, dass ich mit dir telepathischen Kontakt herstellen kann! Sie würden dich sicher bestrafen! Komm setz dich und lausche meinen Worten! Über die Wahrheit. Die richtige einzige Wahrheit!
Ende
Das Kreuz der Galaxien existiert in seiner ursprünglichen Form nicht mehr. Eorthor hat den Tod von Billiarden Lebewesen in Kauf genommen, um MODRORs gewaltige Armada zu vernichten. Im nächsten Roman wechselt die Handlung nach Cartwheel. Dort schildert Jens Hirseland in Heft 154 das Schicksal von Rosan Orbanashol-Nordment und den de la Siniestros.
DIE NEUE IMPERATRICE
erscheint in 10 Tagen.
MODROR hat eine schwere Niederlage erlitten, seine riesige Flotte ist vernichtet. Doch um welchen Preis? Das Kreuz der Galaxien ist vernichtet, in einer Wiederholung des Urknalls untergegangen.
Billionen und Aberbillionen von Lebewesen sind in einem Sekundenbruchteil im Gluthauch der Ewigkeit vergangen. Es ist zu vermuten, dass dieser Akt der Barbarei gegen Gesetze des Kosmos nicht ohne Folgen bleiben wird. Die Frage wird nur sein, wer wird diese Folgen tragen müssen? Wird es der Verursacher, der Alysker Eorthor, und die begünstigten Galaktiker sein oder, und das ist, was ich hoffe, erkennen die übergeordneten Mächte, dass die eigentliche Ursache für diese Barbarei in der mörderischen Expansionspolitik MODRORs und seiner Vasallen liegt. Die Zukunft wird hierauf eine Antwort geben.
Als positives
Ergebnis bleibt jedoch festzuhalten, dass Eorthor der LFT und ihren Verbündeten in der Lokalen Gruppe noch eine Chance durch die Vernichtung von MODRORs Flotte eröffnet hat. Und damit komme ich zu einem anderen Thema.
So langsam glaube ich, dass auch der Alte Arkonide
senil zu werden beginnt – oder die Gutmenschen
um Perry & Co. haben endgültig auf ihn abgefärbt. Denn anders ist es nicht zu erklären, dass selbst er auf Roggle hereinfällt – der letzte Vorjul als Bewacher von MODROR Alter Ego – welch geniale Entscheidung; der alte Lordadmiral
hätte wohl jeden für diesen Geniestreich mit Schimpf und Schande (und ohne Pensionsansprüche!!) aus der USO ausgeschlossen
Jürgen Freier
Geboren: unbekannt
Größe: 2,39 Meter
Gewicht: 210 kg
Bemerkungen: Sieht aus wie eine humanoide Hornisse. Brutal, ehrgeizig, herrisch. Von sich und seiner Rasse überzeugt.
General Fykkar ist einer der führenden Militärs von Insektoidia. Er tritt das erste Mal bei Gefangennahme von Alaska Saedelaere in Erscheinung und sieht in dem Hautträger eine Gefahr. Fykkar ist Patriot und Soldat durch und durch. Er würde alles tun, um seine Welt zu verteidigen. So jagt er Alaska Saedelaere, Denise Joorn und später auch Atlan und Icho Tolot bis nach Trokan. Er schließt sich Monos an und will Atlan töten. Als sich herausstellt, dass das Grüne Universum
, die Herrschaft der Insektoiden und auch Monos nur eine potenzielle Zukunft als Prüfung für Atlan und seine Gefährten darstellt, ist Fykkar der einzige Überlebende dieser Pararealität, nachdem er sich auf dem Raumschiff von Atlan und seinen Gefährten eingeschlichen hatte.
So reist er mit ins Kreuz der Galaxien, wird jedoch im Kampf gegen Icho Tolot auf dem Planeten Cyragon schwer verletzt. Rodrom entdeckt ihn und stellt ihn unter die Obhut des Larsaargenerals Shul’Vedek, der Fykkar mit Cyborgelementen wieder zusammen flickt. Fykkar schwört Rache gegenüber Atlan und es gelingt ihm, sich unbemerkt auf die Kosmokratenstation NESJOR einzuschleichen, doch er wird von der Wachmannschaft angegriffen und stirbt dabei.
Die Wachflotte der Kosmokraten mit dem eigentümlichen Namen Kyberklonflotte
wurde vor 10 000 Jahren (5100 v. Chr.) als Strafexpedition zum Planeten Xamour entsendet, um die Xamouri vollständig auszuradieren. Nach erfolgreicher Operation hat die 200 000 Raumschiff starke Flotte auf der Raumstation NESJOR Position bezogen, um das Kosmonukleotid TRIICLE-3 (UDJAT) zu bewachen.
Mehr als siebentausend Jahre bewachen die Kyberklone, die Ähnlichkeit zu Taurecs Kreation aus dem Arresum aufweisen, das Kosmonukleotid, um Attacken von negativen Superintelligenzen und vor allem MODROR entgegen zu wirken. Im Jahre 1296 NGZ existiert nur noch ein verlorenen Schiff – die Flotte ist verschwunden und die Lösung liegt offenbar im Kreuz der Galaxien.
Vor knapp 2500 Jahren hat Eorthor in der Hoffnung, MODRORs Armeen zu vernichten, sich als Ritter der Tiefe ausgegeben und die Kyberklonflotte mitsamt der Raumstation NESJOR zum Kreuz der Galaxien gelockt. Sein Plan schlug jedoch durch die installierten Sicherheitsschaltungen fehl und die Kyberklone wurden irreparabel geschädigt. Durch die Sicherheitsschaltung wurde auch Eorthor der Zugang verwehrt und die Kosmokratenflotte war bis 1307 NGZ inaktiv, denn erst als Atlan mit seiner Ritter-Aura die Station betreten hatte, aktivierte sich das System und stellte sich unter seinem Befehl.
Das Kosmonukleotid UDJAT trägt die Bezeichnung TRIICLE-3. Es ist zwei Millionen Lichtjahre von Cartwheel entfernt verankert. Seit unzähligen Jahrhunderttausenden wird um UDJAT aus noch unbekannten Gründen gekämpft.
Kosmonukleotide sind unvorstellbar große Ansammlungen von psionischen Informationsstrukturen, die die Gegebenheiten und die Entwicklung des Teils des Universums festlegen, für die sie zuständig
sind. Mehrere Kosmonukleotide zusammen ergeben ein Kosmogen. Alle Kosmogene zusammen wiederum ergeben die Doppelhelix des Moralischen Codes, der in die TIEFE eingebettet ist.
UDJAT (TRIICLE-3) gehört wie TRIICLE-9 (der ehemalige Frostrubin) zum Kosmogen TRIICLE. Ob dies eine besondere Bedeutung hat, ist zur Zeit nicht bekannt.
Die Kosmokraten verteidigen viele Kosmonukleotide mit Hilfsvölkern und Wachflotten gegen die Mächte des Chaos. Die Kemeten, Xamour und auch Kyberklone gehörten zu den Beschützern des Nukleotids. Ihre Auftraggeber waren die Kosmokraten Sipustov und Amun.
Die DORGON-Serie – Das Riff – ist eine nicht kommerzielle Publikation des PERRY RHODAN ONLINE CLUB e.V.. Band 153 zuletzt geändert am 2007-07-12. Autor: Leo Fegerl. Titelbild-Zeichner: John Buurman. Korrekturleser: Jürgen Freier und Alexander Nofftz. Generiert mit Xtory 3.1 von Alexander Nofftz. Homepage: http://www.dorgon.net/. E-Mail: dorgon@proc.org. Adresse: PROC e.V.; z. Hd. Nils Hirseland; Redder 15; D-23730 Sierksdorf; Deutschland. Copyright © 1999–2007. Alle Rechte vorbehalten!