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Nachdem auch die SAGRITON sich wieder in den Verband der zehn Schiffe eingegliedert hatte, beschlossen die beiden Expeditionsleiter Homer G. Adams und Aurec tiefer in Dorgon vorzudringen. Dank diverser Informationsquellen hatten die Navigatoren die Möglichkeit, erste Karten der Galaxis zu erstellen, die jedoch noch mehr als lückenhaft waren. Einige Tage lang kreuzte die Flotte in einem 2587 × 3890 Lichtjahre großen Sektor umher, ohne großartige neue Entdeckungen zu machen. Die ARAMIS hatte das Volk der Sublider entdeckt, eine primitive Arachnoidenspezies von der man keinerlei brauchbare Information erlangen konnte. In einer weiteren Besprechung beschlossen Aurec und Adams die Schiffe wieder ausschwärmen zu lassen. Die IVANHOE begab sich in nördliche Richtung und bewegte sich somit näher an das Zentrum der Galaxis Dorgon. Die TAKVORIAN, NELES und GOLDSTAR bildeten einen Verband, sowie die ARAMIS und RUDO und die SAGRITON und DRUSILLIA. Die SIOM SOM war bereits auf dem Weg in die Mächtigkeitsballung ESTARTU, um dort nach eventuellen Verbündeten im Kampf gegen Dorgon zu suchen. Aurec und Adams war inzwischen klar geworden, daß es schwer sein würde, einen friedlichen Dialog zu erreichen. Das Volk der Dorgonen schien aus überheblichen, arroganten und nationalistischen Kriegern zu bestehen, die an die Laren oder Arkoniden erinnerten. Die Technik und Macht des Imperiums war gewaltig und schien den Galaktikern weit überlegen – sowohl qualitativ als auch quantitativ! Jeder an Bord wußte genau, daß die Chancen sehr schlecht standen. Adams war ratlos, auch wenn er es offen niemals zugeben würde. Die Heimatgalaxis schien keine Trümpfe mehr im Ärmel zu haben. Er wußte nicht einmal, ob Perry Rhodan es geschafft hatte, die Gefahr durch MATERIA zu bannen. Doch selbst wenn, dann gab es noch Shabazza und dessen Meister. Sollten die Dorgonen tatsächlich eine Invasion gegen die Milchstraße planen, hatten die Galaktiker Adams Meinung nach keine allzu große Chance auf eine erfolgreiche Verteidigung der Heimatgalaxis. Betrübt ließ sich Adams auf sein Bett fallen und schloß die Augen. Er genoß die Stille, lauschte ihr förmlich. Ein unpassender Ton unterbrach diese Idylle – der Interkom summte auf. Der Unsterbliche pfiff frustriert durch die Zähne und setzte sich wieder auf. Nachdem er die Aktivierungstaste betätigt hatte, erschien das wohlgebräunte Gesicht des Saggittonen Aurec, dem sofort die zerzausten Haare Adams auffielen. »Ich hoffe, ich habe dich nicht aus dem Schlaf gerissen«, begann er bereits entschuldigend. »Nein, ich hatte mich nur etwas ausgeruht... Was gibt es, Aurec?« »Wir sind etwa 700 Lichtjahre von euch entfernt. Dieser Sektor scheint fast ausschließlich aus unbewohnten Systemen zu bestehen. Bisher keine einzige Station der Dorgonen. Wie sieht es bei euch aus?« Adams verdrehte die Augen. »Nun, wir haben uns bereits an einigen gut bevölkerten Systemen vorbei geschlichen. Jedoch scheint dieser Sektor wirklich keine Bevölkerungsballung darzustellen« »Verstehe.« Aurec bemerkte, wie bedrückt Homer G. Adams war. Sofort erkundigte er sich, was nicht stimmte. Adams wehrte erst ab, dann dachte er einen kleinen Moment lang nach. Mit irgend jemanden mußte er darüber reden. »Weißt du... Ich bin mir so langsam nicht mehr sicher, ob ich der ganzen Sache gewachsen bin«, erklärte er leicht beschämt. Aurec verstand nicht genau. »Was meinst du damit?« »Nun, ich habe meistens die Fäden aus der hinteren Reihe gezogen, meist versteckt und subtil agiert. Jetzt leite ich – mit dir zusammen natürlich – eine Expedition. Anfangs dachte ich, es sei noch ein Spaß, ein richtiges Abenteuer. Doch je mehr ich diese Dorgonen kennenlerne, desto mehr lerne ich sie zu fürchten...« Der Saggittone erwiderte nichts. Er wartete auf Adams weitere Ausführungen, die auch nicht lange auf sich warten ließen. »Wenn die Dorgonen die Milchstraße angreifen, werden Millionen, vielleicht sogar Milliarden von Lebewesen sterben müssen. Vielleicht stellt dieses Imperium eine größere Gefahr dar, als Shabazza und sein Meister! Unser kleiner Trupp ist sehr wichtig, ja fast hängt schon die Existenz der Milchstraße von unserem Gelingen, die Invasion zu stoppen, ab. Was ist, wenn ich einen Fehler mache? Ich bin es einfach nicht gewöhnt, wie Rhodan und Atlan...« Seufzend erhob sich der Zellaktivatorträger von seinem Bett und lief durch sein Zimmer. »Für uns alle ist die Expedition eine enorme Anforderung. Die Tatsache, daß wir genau wissen, welche Gefahr Dorgon darstellt, läßt uns nicht leichtfertig handeln. Du besitzt eine dreitausendjährige Erfahrung und hast die WIDDER knapp siebenhundert Jahre erfolgreich gegen Monos geleitet. Du wirst schon das richtige machen. Falls nicht, bin ich noch da, um dir auf die Finger zu schauen. Umgekehrt funktioniert das genauso. Wir beide teilen die Verantwortung und ich denke, wir sind der Sache gewachsen«, sprach Aurec heroisch und versuchte Adams aufzumuntern, der jedoch kopfschüttelnd stehenblieb und der Projektion von Aurec entgegensah. »Ich bin mir nicht sicher...« »Nun, dann schlage ich vor, du wirfst dich ins Bett und heulst dich kräftig aus. Weine, wie ein ängstliches Kind und bedauere dich selbst. Vielleicht erleichtert dich das, leider wird es aber das Problem mit den Dorgonen nicht lösen!« Der Saggittone ließ seine Worte auf den ehemaligen Hansesprecher wirken. Adams kratzte sich am Hinterkopf und nickte unmerklich. »Du hast recht, das bringt wenig. Das wäre doch gelacht! Wir stehen das durch und werden diesen Dorgonen zeigen, daß sie sich besser nicht mit uns anlegen sollten!«
Die IVANHOE flog weiter in die Galaxie hinein – und damit mitten ins Reich der Dorgonen. Im Moment befand sie sich in einer weiten Umlaufbahn einer einsamen Sonne, die etwa vom Sol-Typ war, jedoch keinerlei Trabanten hatte, sprich keine Planeten. Eine Sonne, wie es wohl unzählige in einer Galaxis geben mußte. Nach dem Zwischenfall bei den Harriden waren alle noch geschockt von der Gnadenlosigkeit und vor allem Verständnislosigkeit des dorgonischen Kommandanten. Bei ihrem Besuch auf den relativ unwichtigen Planeten landete ein dorgonisches Schiff, um Steuern einzutreiben. Obwohl die harridischen Einheimischen alles gaben, was sie geben konnten, ließen die Dorgonen das Fischerdorf niederbrennen. Bei zukünftigen Beobachtungen müßte man vorsichtiger sein – das war ihnen klar geworden. Nachdem die Space-Jet JAY JAY zerstört worden war, konnte das Einsatzkommando unter Mathew Wallace dank dem Posbi Lorif, Wissenschaftsoffizier der IVANHOE, knapp mit Hilfe eines Transmitters entkommen. Zur Zeit beobachtete die Besatzung passiv das Geschehen in der fremden Galaxis. Kommandant Xavier Jeamour wollte jedoch so bald wie möglich weitere Erkenntnisse über die Dorgonen sammeln, ganz wie von Adams angeordnet. Nervös fuhr er mit einer Hand über seine Halbglatze. Dazu würde wohl wieder ein Einsatzkommando nötig sein. Der Posbi Lorif saß mit an den Kontrollen der Ortung. Auch der Funk wurde die ganze Zeit über überwacht und alle gewonnenen Informationen fein säuberlich zur späteren Auswertung gespeichert. Im allgemeinen schien es sich um normalen Funkverkehr zu handeln. An das dekodieren von verschlüsselten Sendungen wollte man sich erst später machen. Als Posbi konnte er unglaublich schnell die Sendungen durcharbeiten und auswerten. Unterstützt wurde er bei seiner Arbeit von weiteren Besatzungsmitgliedern und vor allem dem Syntron der IVANHOE. Plötzlich hielt Lorif inne und wandte sich an den Kommandanten. »Sir, ich habe hier eine interessante Anomalie.« Aus seinen Überlegungen aufgeschreckt, wandte sich Jeamour um. Seine innere Aufgewühltheit drang jedoch nicht nach außen. Er wirkte immer noch streng und diszipliniert. »Um was handelt es sich?« »In 2147,43 Lichtjahren Entfernung haben wir eine Art Konvoi geortet«, antwortete der Posbi und glaubte, damit sei alles gesagt. »Und was ist daran so ungewöhnlich? Oder anders gefragt: Was sagt uns, daß es kein gewöhnlicher Handelskonvoi ist?« Lorif hatte noch nicht so viel Erfahrung im Umgang mit Organischen, wenn er auch zweifelsohne wissenschaftlich sehr kompetent war. Daher war das Plasma des Posbi auch kurz erstaunt, während die kalte Computerlogik sofort die Begründung lieferte. »Auf den ersten Blick ist an diesem Konvoi auch nichts ungewöhnliches. Bei genauerer Betrachtung bemerkt man jedoch eine relativ kleine Jacht, die anscheinend von den vielen weiteren Einheiten eskortiert wird. Der Funkverkehr läßt darauf schließen, daß sich eine wichtige Persönlichkeit an Bord befindet.« Jeamour überlegte kurz. »Das klingt wirklich interessant. Vielleicht sollten wir dem Konvoi folgen...« »Vielleicht ist das keine besonders gute Idee, Sir!« wandte Irwan Dove ein. Der oxtornische Sicherheitschef der IVANHOE hatte die Vorgänge bisher weitgehend schweigend verfolgt. »Wir haben bereits festgestellt, wie hart die Dorgonen vorgehen. Wenn wir dann noch einer hohen Persönlichkeit folgen, sind wir schneller eine Zielscheibe, als uns lieb ist.« »Aber wir könnten sicher auch neue und wichtige Informationen über die Dorgonen sammeln«, entgegnete Jeamour. »Das sehe ich ein, aber trotzdem weiß ich nicht so recht, ob das Risiko nicht zu groß ist«, sagte der Oxtorner, während sein Widerstand gegen das Vorhaben zusehends geringer wurde. Im Grunde hielt er seinen Einspruch nur für seine Pflicht als Sicherheitsoffizier der IVANHOE. Der Posbi registrierte diese kleine Meinungsverschiedenheit mit Interesse – wie alles, was mit den Organischen zusammenhing. »Also ich bin dafür, wir folgen dem Konvoi. Wie schätzt du das Risiko ein, Lorif?« »Nicht geringer als bei unserer ersten Erkundung. Höchstwahrscheinlich wäre dieses Vorhaben risikoreicher – eben aus den von Dove genannten Gründen.« »Ich wäre trotzdem dafür, dem Konvoi zu folgen – mit sicherem Abstand natürlich.« »Für die Erfüllung unserer Mission, also der Informationsbeschaffung, halte ich das auch für eine gute Gelegenheit, Sir«, meinte Lorif schließlich. Jeamour warf einen Blick auf den gute 2 Meter großen Oxtorner. Dieser grinste zurück. »Wenn es sein muß, bin ich dabei.« Xavier Jeamour nickte. »Also gut. Folgen wir dem Konvoi mit sicherem Abstand. Außerdem soll Wallace hier auftauchen.« Der Oxtorner machte sich daran, mit dem Interkom Mathew Wallace zu erreichen.
Wann erreichen wir endlich Mesoph?« herrschte Priamus den Piloten seiner Jacht, der PRIAMUS I, an. Ungeduld und Langweile sprach aus dem alten, ledrigen Gesicht des Dorgonen. Der Pilot verzichtete jedoch auf eine Antwort. Er kannte seinen Herrn gut. Erstens wußte dieser ganz genau Bescheid und zweitens würde ihm eine Antwort nur wieder noch mehr Ärger einbringen. Auch Priamus hatte genug und verließ die Zentrale der PRIAMUS I wieder und ging in seine luxuriöse Hauptkabine. »So wahr ich der mächtigste Senator Dorgons bin, diese Flüge dauern immer noch viel zu lange«, murmelte er, während er sich in eine Naßzelle begab. »Kann das nicht schneller gehen, bei Domulus! Bei all unserer Technik und Macht!« zürnte Priamus weiter, während er eine Sklavin heran winkte, die ihm den Rücken massieren sollte. Für gewöhnlich setzten sich die Sklaven der Dorgonen aus allen anderen Völkern der Galaxis zusammen. Der alte Senator bevorzugte jedoch humanoide Sklaven, die den Dorgonen möglichst ähnlich sahen, meist von dorgonischen Kolonisten, die jedoch nicht zur Herrenrasse gehörten. Alles andere empfand er als eine Beleidigung für seine Augen. Und selbst die Humanoiden sprachen ihn nicht immer so an, wie er sich das wünschte. Seinen von sich selbst hochgepuschten Zorn ließ er an der hübschen Sklavin Saraah aus, die nur demütig und ängstlich die Launen ihres Herren ertrug. Sie hoffte, eines Tages von einem edlen Mann errettet zu werden, doch sie wußte nicht, ob ihr Wunsch jemals in Erfüllung gehen würde und wer dieser Held in ihrem Leben sein würde...
Als Mathew Wallace in der Zentrale ankam, erwartete Jeamour ihn bereits voller Ungeduld. »Ich nehme an, wir haben wieder etwas Interessantes entdeckt, Sir?« eröffnete Wallace das Gespräch ohne Umschweife. Kommandant Jeamour nickte. »Exakt.« Der Kapitän blickte zu dem hochgewachsenen und athletischen Piloten und Oberbefehlshaber der Space-Jets auf der IVANHOE hoch und begann seine Erläuterung. »Wissen wir etwas genaueres über das Ziel und Fracht dieses Konvois?« »Leider nichts, Mathew. Nur eben, daß es wohl eine sehr Wichtige ist. Wir hoffen, am Endziel des Konvois mehr erfahren zu können.« »Und das wird vermutlich ein Planet sein«, meinte Wallace. »Ja, das ist sehr wahrscheinlich. Für den Anflug auf einen geheimen Stützpunkt ist dieser Konvoi nun doch wieder zu auffällig. Der Zielplanet wird wahrscheinlich ebenfalls ein wichtiger Punkt der Dorgonen sein. Wahrscheinlich eine Art Hauptwelt eines Sektors.« »Vielleicht, vielleicht auch nicht. Wir wissen nicht, wieviele wichtige Planeten es in dieser doch sehr prunkvollen Galaxis gibt. Was ist meine Rolle dabei?« fragte Wallace, obwohl die Antwort ja eigentlich schon klar war. »Dein Team wird wieder das Bodenkommando darstellen. Außerdem werden Irwan Dove und Lorif dich begleiten. Das sollte helfen, möglichst viel herauszubekommen.« Wallace nickte. Damit war das Gespräch auch schon beendet. Die IVANHOE hielt sicheren Abstand zum dorgonischen Konvoi, ohne ihn jedoch aus der Ortung verlieren zu können. Nach etwa 2 Tagen schien der Konvoi sein Ziel zu erreichen, ein System mit orangefarbener Riesensonne. Laut den Informationen, die über Funk beschafft werden konnten, hieß das System Tovrus und der einzige bewohnte Planet Mesoph. Und auf diesen Planeten hielt der Konvoi nun zu. Die IVANHOE hielt sich weit außerhalb des Systems, um nicht entdeckt zu werden. Die letzten Vorbereitungen für das Einsatzkommando wurden gerade im Konferenzraum besprochen. Dort saßen neben Kommandant Xavier Jeamour natürlich Mathew Wallace und seine Crew bestehend aus Hendrik Swahn, Tim Beranoh und Cerak Atz, sowie dem Sicherheitschef Irwan Dove und dem Posbi Lorif. »Also, wichtig ist erstmal, unentdeckt zu bleiben. Solltet ihr entdeckt werden, können wir immer noch unsere friedlichen und vorsichtigen Absichten deutlich machen.« sagte Jeamour, was Dove ein Schmunzeln entlockte und Wallace mit einem Kopfschütteln kommentierte. »Euer Ziel ist es«, fuhr Jeamour ungebrochen fort, »soviel Informationen wie möglich zu beschaffen. Sowohl wie die Politik dieses Reiches aussieht, wie auch genaue Informationen über Ihre Technologie. Mit der Space-Jet CERO solltet ihr den Planeten relativ unbeschadet erreichen können.« »Was wissen wir allgemein über Mesoph?« fragte Tim Beranoh. »Es herrscht eine erdähnliche Schwerkraft von etwa 0,9 g; die Durchschnittstemperatur auf dem Planeten beträgt etwa 40°C«, antwortete Lorif ziemlich detailliert. »Er hat keine nennbare Achsenneigung, also keine Jahreszeiten. Es gibt 2 große Kontinente, der Rest des Planeten ist mit Wasser und Insel überzogen. Dem Funkverkehr und sonstigen Emissionen nach zu urteilen, muß es sich um eine blühende Welt handeln. Aus der Entfernung schätzen wir die Bevölkerung auf etwa 3 Milliarden Individuen.« Beranoh nickte. »Wissen wir schon irgend etwas genaueres über die Zustände dort?« wollte Swahn wissen. »Nur eben soviel, daß es sich mit großer Sicherheit um eine sehr bedeutende Welt der Dorgonen handelt.« Damit schien er zufrieden. »Schon gut, du hattest recht«, meinte Wallace mit einem Schmunzeln in bezug auf die Diskussion, ob eine wichtige Welt das Ziel des Konvois war oder nicht. Jeamour warf Wallace nur einen irritierten Blick zu, denn er hatte gar nicht mehr an dieses Gespräch gedacht. »Sonst noch irgendwelche Fragen?« erkundigte sich der Kommandant abschließend. Da niemand etwas sagte nickte er und lächelte: »Gut, dann viel Glück!«
Wallace traf zusammen mit seinen Freunden an der Space-Jet CERO ein. Der Oxtorner und Lorif hatten noch einige Dinge zu erledigen, bevor sie starten würden. »Schade um die gute alte JAY JAY«, meinte Tim Beranoh. Ein zustimmendes »Hmm« zeigte, daß ihnen ihre alte Space-Jet JAY JAY doch lieb gewesen war. Diese war jedoch beim ersten Erkundungsflug in der fremden Galaxis zerstört worden. Daß Wallace und die anderen überlebt hatten, konnte man nur ihrer guten Ausbildung und einer netten Portion Glück zuschreiben – und natürlich dem Posbi. Doch Wallace hatte schon einen Plan, um die Moral seiner Crew und wahrscheinlich vor allem seine eigene wieder aufzubessern. Nicht umsonst hatte er seine alte Space-Jet nach einer alten Flamme von ihm benannt. »Syntron, weise der Space-Jet CERO eine neue Identifikation zu!« Die drei Terraner schauten ihn verwundert an. »Bestätige«, sagte die synthetische Stimme wie immer freundlich. »Die CERO wird zur JAY JAY II umbenannt«, instruierte er der Syntronik weiter und schaute dann auf seine Freunde. »He, hat jemand noch eine Flasche Sekt?« grinste er sie an. »Also ob ich etwas geahnt hätte!« pfiff Hendrik Swahn und zog eine solche aus einer Ecke des Hangars hervor. Cerak Atz verzog beide Mundwinkel nach unten. »So ein billiger Fusel!« sagte er todernst und mußte dann selbst lachen. In dem Moment kamen jedoch Dove und Lorif in den Hangar. Als der Sicherheitschef diese Flasche erblickte, konnte Wallace sie nicht schnell genug verschwinden lassen und grinste den Oxtorner unverhohlen an: »Können wir endlich starten?« Irwan Dove schluckte eine Bemerkung herunter und betrat die Space-Jet. Lorif sah sich verwundert zu dem Oxtorner um. »Sir, ich finde es äußerst befremdlich, daß in den Ecken des Hangars alkoholische Getränke gelagert werden. Weißt du nicht, daß laut Paragraph 156, Seite 899, Absatz 19, Zeile 45 die das Trinken alkoholischer Getränke im Dienst für Navigatoren verbietet?« Für den Posbi Lorif war das ganze mal wieder ein interessantes Schauspiel. Wie unpassend seine folgenden Informationen genau zu diesen Punkt waren, fiel ihm nicht mal weiter auf. Dove überhörte einfach die Rede des Posbis. »Wir wissen nun übrigens mehr über diese vermeintlich wichtige Person. Es handelt sich um einen gewissen Senator Priamus, der von einer wichtigen Versammlung auf Dom zurückkehrt. Dom scheint ein wichtiger Ort für alle Dorgonen zu sein. Expeditionsleiter Aurec hatte auch von diesem Ort gesprochen. Wir gehen davon aus, daß es sich um die Hauptwelt des gesamten dorgonischen Reiches handelt. Priamus ist der Senator und execo der Beherrscher der Welt Mesoph«, erklärte der Posbi munter, während die Crew die Space-Jet betrat. Die NELES hatte ein bewohntes System entdeckt. Der zweite Planet war eine Dschungelwelt, die primitives Leben beherbergte. Viel interessanter waren einige Ruinen, die auf eine alte Kultur hinwiesen. Einige der Gebäude sonderten noch Energie aus, was wohl von alten Generatoren stammen mußte. Cauthon Despair informierte unverzüglich Homer G. Adams und Joak Cascal über den Fund. »Ich bin der Meinung, wir sollten uns dort umsehen. Vielleicht könnten wir einige brauchbare Information über die Vergangenheit in Erfahrung bringen«, erklärte Despair seine Absicht. Er blickte durch den Besprechungsraum. Ihm gegenüber saß Homer G. Adams, links von ihm Joak Cascal und Sandal Tolk. Auf der rechten Seite befanden sich Sanna Breen, die ihm ein Lächeln zuwarf, Trabon Saranos, der Sicherheitschef der GOLDSTAR, und Sam Tyler, der sich auch gleich zu Wort meldete. »Was sollen uns diese Informationen bringen? Wir sollten die Dorgonen unschädlich machen und nicht in verstaubten Gemäuern nach Toten buddeln!« Despair fixierte seinen Blick auf den Terraner mit der hohen Stirn. »Nun, Sie sollten Ihre Fähigkeiten besser auf das Töten des Gegners beschränken und sich nicht vergeblich versuchen, Ihre geringe Hirnmasse anzustrengen, um die Hintergründe zu erkennen, Tyler!« »Das lasse ich mir nicht von so einem entstellten Freak sagen«, brummte Tyler und stand auf. Bevor er auf Despair losging, erhob sich auch Tolk auf und stellte sich zwischen die beiden. »Wenn ihr euch jetzt auf die Rübe haut, bringt uns das keinen Schritt weiter«, ermahnte er die beiden Kontrahenten. Tyler grinste breit und lief rückwärts wieder zu seinem Stuhl zurück und setzte sich hin. Sanna Breen warf ihm einen verachtenden Blick zu. Sie hatte Mitleid mit Cauthon, dem es sicher wehtat als entstellten Freak bezeichnet zu werden. »Wie dem auch sei«, begann der silberne Ritter erneut, »ich schlage vor, daß wir einen kleinen Trupp mit einer Space-Jet auf den Planeten landen lassen und einige Untersuchungen anstellen.« Adams warf Cascal einen flüchtigen Blick zu, der unmerklich nickte. »Also gut, dann stellen wir eine Crew zusammen. Freiwillige?« Sofort meldeten sich Cascal und Tolk. Der Veteran aus dem Solaren Imperium brauchte wieder Action. Er hatte sich sehr auf Nadine Schneider versteift und nun, da beide ein Paar waren, brauchte er nicht mehr um sie zu kämpfen. Sein Kopf war frei! Er konnte und wollte sich wieder auf die Expedition konzentrieren. Außerdem machte sich Sandal bereits über Joak lustig und bezeichnete ihn als Pantoffelhelden. Es wurde Zeit, daß die beiden wieder in einen handfesten Einsatz gingen. Auch Despair meldete sich für den Einsatz. Er bestand darauf, da es seine Idee war. Adams schenkte ihm das Vertrauen und ernannte ihn zusammen mit Cascal als Leiter der kleinen Expedition. Sanna Breen wollte ihren neuen Freund begleiten und auch Sam Tyler meldete sich. Adams akzeptierte, da Tyler sehr hart und ebenso fähig war. Sollten Gefahren auftreten, hatten sie eine schlagkräftige Truppe. Die Space-Jet SETHOS unter dem Kommando des Japaners Hiroshi Musarata brach mit insgesamt 10 Besatzungsmitgliedern auf, darunter auch etliche Wissenschaftler unter der Leitung des alten Biologen Friedrich Shoens.
Die Space-Jet konnte sich anscheinend unentdeckt Mesoph nähern. Wahrscheinlich brachte die Rückkehr des Senators einige Aufruhr mit sich. Dieser konnte dem camelotischen Einsatzkommando nur Recht sein. Mit ihnen würde sich hoffentlich so schnell niemand beschäftigen. Tatsächlich kamen sie unbescholten in einen planetennahen Orbit. Für die Landung wählte man ein abgelegenes Gebiet, wo man die Space-Jet anschließend tarnen würde. Auch dies gelang ohne Probleme. Das Einsatzkommando war bereit. »Okay, wir können loslegen. Hendrik, Tim, Cerak und ich versuchen, uns unter das Volk zu mischen«, erläuterte Wallace seinen Plan. »Da wir Humanoide auf einen ziemlich bekannten Planeten der Galaxis sind, dürften wir nicht sonderlich auffallen – hoffe ich. Wie das mit euch aussieht, Irwan und Lorif, weiß ich das nicht so genau...« »Ich schlage vor, Irwan und ich operieren verdeckt«, brachte der Posbi Mathews Gedanken auch schon auf den Punkt. Erstaunlich! schoß es Wallace durch den Kopf, während Swahn, Beranoh, Atz und er auch schon die Antigravs unter ihrer scheinbar normalen Kombination aktivierten. Echte SERUNs wären schließlich zu auffällig gewesen und so hatte man die Standardkombinationen, wie man sie normalerweise an Bord von Schiffen trug, mit etwas High-Tech ausgestattet. Allerdings gab es an den Kombinationen keinerlei Abzeichen, die irgend etwas verraten könnten. Wallace nickte dem Oxtorner und dem Posbi noch einmal zu. »In 18 Planetenstunden treffen wir uns wieder hier, oder wenn jemand das Notsignal sendet. Ansonsten kein Kontakt. Viel Glück – falls einem Posbi Glück etwas bedeutet!« grinste er. Lorif wollte tatsächlich zu einer Entgegnung ansetzen. Schnell genug erhielt er jedoch von seinem Bioplasma die Information, daß das gar nicht nötig sei und auch nicht erwartet wurde. Außerdem entfernte sich das Quartett auch schon ziemlich schnell. »Irgendeine Idee, Lorif?« fragte Irwan Dove. »Bei unserem Anflug habe ich etwas Interessantes entdeckt. Vielleicht können wir dort Informationen beschaffen...«
Sie erreichten schon bald eine Art Stadt. Der Planet war schließlich ziemlich dicht besiedelt. Vielleicht war ihr Landeplatz eine Art Naturschutz- oder Jagdgebiet. Angekommen, deaktivierten sie ihre Antigravs und gingen auf das Stadtgebiet hinzu. Bisher hatten sie seltsamer Weise noch keinen Einwohner zu Gesicht bekommen. Sie wechselten auf ein Laufband über, die es hier ebenso wie in galaktischen Städten gab und die eigentlich niemals deaktiviert waren. Ihr Energiebedarf war zu unbedeutend. Es war sehr heiß und der Boden bestand zum größten Teil aus ockerfarbendem Sand. »Vielleicht handelt es sich hier um einen unwichtigen Außenbezirk oder so etwas ähnliches«, vermutete Cerak Atz. Da sahen sie aber auch schon den ersten Planetarier. Es handelte sich um einen humanoides Wesen, einem Terraner nicht ganz unähnlich. Aber das interessierte erst einmal weniger. Je weiter sie in die Stadt vordrangen, um so mehr Wesen benutzten die Laufbänder und um so mehr Gleiter zogen über ihren Köpfen hinweg. Man kam sich schon fast wie in einer typischen Metropole in der Milchstraße vor. Es wirkte nur alles viel antiker als in Terrania oder Olymp. Die vier Terraner schienen nicht im geringsten aufzufallen. Bei der Fülle von verschiedenen Lebewesen war das auch nicht weiter verwunderlich. Wahrscheinlich traf man hier Wesen aus allen Bereichen Dorgons. »Wir brauchen Informationen, Wallace!« drängten die anderen bald. »Ja, das weiß ich. Wir sollten versuchen, eine Art Infoterminal zu finden. Unsere Translatoren können mittlerweile auch die gängige Schrift interpretieren«, entgegnete Mathew eher genervt. Er wußte im Moment auch nicht großartig weiter. »Das halte ich für keine gute Idee«, meinte Beranoh. »Da erhalten wir doch nur zensierte, von der Regierung freigegebene Informationen.« »Und was schlägst du vor?« fragte Wallace. »Nun, vielleicht sollten wir einfach die Leute fragen...« »Guten Tag, mein Namen ist Mathew Wallace. Ich komme aus einer anderen Galaxis, der Milchstraße und hätte gerne Informationen über diese Galaxis, ihre Bewohner und die Dorgonen«, äffte Wallace. »Nein, die Idee ist zwar gut, aber wie stellt man es an?« »Wir sollten uns trennen und vereinzelt mit den Leuten ins Gespräch kommen. Fragt nach dem Weg zu irgendwas und versucht, sie nebenbei durch anscheinend unwesentliche Fragen auszuhorchen«, schlug Cerak Atz vor. Mathew schien skeptisch, sagte dann jedoch: »Besser als gar nichts. Aber seht zu, nicht aufzufallen. Das könnte tödlich sein. Wir treffen uns hier in etwa einer Stunde wieder. Versucht, soviel wie möglich herauszubekommen.« Damit trennte sich das Einsatzkommando. Wallace bewegte sich auf dem Laufband weiter, bis er zu einem Marktplatz kam. Im Hintergrund wurde Musik gespielt, meist von Bettlern oder Stadtmusikanten, die entweder versuchten Geld zu verdienen oder das Volk zu belustigen. Die meisten nichthumandoiden Wesen waren in Lumpen gekleidet. Auf jeden Fall konnte der Schotte den Unterschied zwischen Sklave und Herr genau erkennen. Mathew kam an einem Sklavenmarkt vorbei, wo eine hübsche dunkelhaarige Frau zusammen mit drei schweineähnlichen Kreaturen versteigert wurde. Der Käufer war ein fetter und alter Dorgone, vom Beruf wohl Landwirt. Die Frau sollte für ihn kochen und ihn befriedigen, während die drei Extraterrestrier wohl auf dem Acker schuften mußten. Tatsächlich war es einfacher, an einige Informationen zu kommen, als man zuerst angenommen hatte. Hendrik Swahn fand tatsächlich ein Infoterminal, welches er anzapfen konnte. Die dabei erhaltenen Informationen sollten als Basis fungieren, quasi als Grundwissen. Swahn machte aus den Infos ein kleines, kompaktes Datenpaket und sandte es den anderen zu, die sich danach orientieren konnten. So fragte man, wie man als Tourist auf dieser bedeutenden Welt Dorgons möglichst schnell so dieser oder jener Sehenswürdigkeit kommen konnte. Bald scheute sich das Einsatzteam nicht mehr, in Kontakt zu treten, da dies nicht weiter auffiel und ganz normal schien. Nur mit Lorif und Dove hatte man keinen Kontakt. Das hätte für die beiden auch gefährlich enden können, da sie verdeckt unterwegs waren. Nach etwa einer Stunde kontaktierte sich das Quartett gegenseitig, um sich dann später in Nähe der Hauptstadt des Planeten zu treffen. Mit der öffentlichen Rohrbahn konnte man schnell dorthin gelangen, außerdem lag sie von ihren Landepunkt eh nur knapp 750 terranische Kilometer entfernt. Die Nutzung der Rohrbahn war wie die öffentlichen Laufbänder kostenfrei. Mangels dorgonischer Zahlungsmittel brauchte man erst gar nicht versuchen, ein Gleitertaxi zu verwenden oder in eine Bar zu gehen. So traf man sich auf einen der vielen großen Plätze, mit denen die prächtige Metropole regelrecht gespickt war. »Das könnte jetzt interessant werden«, grinste Tim Beranoh. »Ja, ich denke, wir haben eine Menge herausgefunden«, stimmte Wallace ihm zu. »Also, was haben wir hier alles?« »Ich hätte da einen kleinen zusammenfassenden Bericht«, sagte Cerak Atz. Die anderen nickten ihm zustimmend zu. »Gut. Also, es scheint als wären die Dorgonen selbst – als Volk, die Herrscher über die Galaxis. Und das unumschränkt und unangefochten. Alle anderen Völker spielen für die Dorgonen nur untergeordnete Rollen. Viele sind Sklaven mächtiger dorgonischer Persönlichkeiten. Schon allein daraus spricht der Nationalstolz der Dorgonen, der noch dadurch verstärkt wird, das alle wichtigen...« Cerak stockte und schaute direkt in die Menge. Mathew schaute sich schnell um, konnte jedoch nichts erkennen: »Was ist los, Cerak?« Atz wandte seinen Blick ab und entgegnete: »Ich dachte nur kurz, ich hätte etwas gesehen. War aber nichts. Tut mir leid, wenn ich euch erschreckt habe...« »Okay, fahr fort«, nickte Wallace ihm zu, schaute sich jedoch noch etwas verunsichert um. »Also, die Dorgonen besitzen einen wirklich großen Nationalstolz. Alle wichtigen Positionen in Wirtschaft und Politik sind von Dorgonen besetzt und werden es wohl auch immer sein. Selbst die Armee besteht nur aus Dorgonen. Außerdorgonische Söldner oder ähnliches gibt es nicht. Auch nicht etwas ähnliches wie die Naats bei den Arkoniden. Viele andere Völker stammen auch von den Dorgonen ab, so ähnlich wie bei uns, wo sich aus Kolonialvölkern der Arkoniden später neue Völker abgesplittert haben, wie die Springer, die Aras und viele mehr.« »Das klingt schon mal ganz interessant. Aber wir wissen immer noch nicht viel über den Regierungsapparat und die Technik der Dorgonen. Die Stadtarchitektur verrät uns da nicht allzuviel. Alles Standards, die es bei uns in ähnlicher Form gibt.« Wallace schien enttäuscht. »Wobei es schwierig sein wird, unauffällig Informationen über die Regierung zu erhalten... obwohl, das geht eigentlich noch. Aber was ist mit Technologie?« fragte Swahn. »Da finden Lorif und Irwan hoffentlich mehr raus«, hoffte Atz. »Aber wir sind hier schließlich auch noch nicht fertig.« »Genau. Ich schlage vor, wir gehen vor wie bisher und teilen uns wieder auf. Der Regierungsapparat sollte unser vorrangiges Ziel sein. Technologie fällt eher in den Bereich von Dove und Lorif.« Damit trennte sich das Quartett wieder. Die SETHOS schleuste sich aus der NELES aus und ging nur wenige Sekunden danach in den Hyperraum. An Bord waren nun Cauthon Despair und Joak Cascal als Einsatzleiter, Sandal Tolk, Sanna Breen, Sam Tyler, Chris Japar, der Biologe Dr. Friedrich Shoens sowie zehn Besatzungsmitglieder der SETHOS unter dem Kommando des Asiaten Hiroshi Musarata. Nach nur knapp 20 Minuten hatte die SETHOS das 7 Lichtjahre entfernte System erreicht. Die Abtaster zeigten keine Raumschiffaktivitäten an. Despair gab Musarata ein Zeichen, sich dem Orbit des Planeten zu nähern, der laut dorgonischer Sternenkarte Churash hieß. »Fliegen Sie den dritten Kontinenten an. Dort haben wir einige Energieemissionen geortet«, meinte Cascal und deutete auf die Landmasse, die auf einer Holographie dargestellt war. Musarata folgte der Anweisung und tauchte mit der SETHOS in die Wolkendecke ab. Als die Space-Jet diese passiert hatte, sahen die Besatzungsmitglieder bereits den grünen Kontinenten. »Laut Messungen besteht der Kontinent aus 80% Dschungel. Die Luftfeuchtigkeit liegt bei fast 100% und die Durchschnittstemperatur bei etwa 40° Celsius«, erklärte Friedrich Shoens. »Tolle Aussichten!« brummte Cascal. »Können Sie die Ruinen bereits genau lokalisieren?« forschte Cauthon Despair nach. Der Ortungschef der SETHOS, der Topsider Trok Korat, gab einen unwirschen Laut von sich und nickte. Er deutete auf einen Punkt auf einer holographischen Karte der Region. »Dort liegt etwas. Ebenfalls scanne ich dort Lebensformen und Energieaktivitäten, Sir.« Despair sah sich die Lage in der Karte genau an und blickte aus dem Fenster. »Musarata, landen Sie etwa 10 Kilometer von der Ruinenstadt entfernt. Wir stellen derweil eine Einheit zusammen, die mich zu den Ruinen begleitet.« »Warum landen wir nicht direkt bei den Ruinen?« fragte Tolk dumpf. »Ich will nicht riskieren, daß wir die Aufmerksamkeit von irgendwelchen Eingeborenen auf uns ziehen. Daher marschieren wir durch den Dschungel. Ich denke, das dürfte mit unseren Anzügen kein Problem darstellen.« Plötzlich sackte die Space-Jet ab. »Was ist los?« rief Cascal. »Keine Ahnung, Sir! Alle Geräte sind gestört. Wir schmieren ab!« Musarata hatte auf manuelle Steuerung gestellt und die Antigravfelder aktiviert, die jedoch nur für einen kurzen Moment den freien Fall stoppten, dann sackte die SETHOS weiter ab und streifte einige Baumkronen. »Reservegeneratoren!« rief der Kommandant. Wie aufs Stichwort raste sein Erster Offizier, der Olympgeborene Bruno Brunaris, los und versuchte den Generator wieder zum Laufen zu bringen. Für kurze Zeit bekam die SETHOS wieder Energie. Ausreichend um sie wieder unter Kontrolle zu bringen, doch nach etwa einer Minute fiel auch der Notgenerator aus. Die SETHOS schmierte schräg ab und raste mitten auf das Dickicht des Dschungels zu. »Festhalten!« schrie Cascal. Da stürzte die Space-Jet bereits durch die Baumkronen und schlug unsanft auf den Boden auf. Durch die Wucht wurde das Raumschiff wieder einige Meter hochgeschleudert und setzte erneut auf. Es rutschte noch einige hundert Meter und hinterließ eine Schneise hinter sich, bevor das Schiff endlich stoppte.
Der Posbi und der Oxtorner hatten sich mittlerweile einem Hangar am Rande des Hauptraumhafens angenähert. Lorif hatte während der Ortung beim Anflug entdeckt, daß es sich um einen wichtigen Hangar handeln könnte, der jedoch verhältnismäßig lasch bewacht wurde. »Ich halte das für eine hervorragende Möglichkeit, mehr über die Technologie der Dorgonen herauszufinden«, meinte der Posbi. »Da kann ich dir zustimmen«, entgegnete der Oxtorner nur. Sie hatten ihre SERUNs angezogen, spezielle camelotische Modelle mit besserer Anti-Ortung – unter anderem. Tatsächlich konnte sich das ungleiche Team dem Hangar nähern. Im Schutze ihrer Deflektoren betraten sie ihn. Einige Dorgonen standen herum, anscheinend Wachen. Sie schienen nicht besonders aufmerksam zu sein, man vertraute offenbar auf die Automatik oder war so überheblich, daß sie nicht damit rechneten, daß irgend jemand mit Tarnfeldern den Raum betreten könnte. Das wichtigste jedoch: Eines der ominösen Adlerschiffe stand dort und schien gewartet zu werden. Mehrere große Schotte standen offen und in eines davon glitt gerade ein Container. Die Emissionen des Schiffes schien sie vor der Automatik abzuschirmen, sie wurden nicht entdeckt. Irwan deutete Lorif an, ihm zu folgen. Mit seinen guten zwei Metern war der Oxtorner nicht mal viel größer als Lorif mit exakten 185 cm. Aber das konnte wegen der Deflektoren eh keiner sehen. Dove schritt auf das nächste offene Schott zu und spähte kurz hinein. Keinerlei Personen bei der Arbeit. Er sah sich weiter um und nutze auch die Passivortung seines SERUN. Dann entschloß er sich, das Schiff zu betreten. »Es wäre doch sicher gut, in ein intaktes Adlerschiff zu gelangen, um mehr über die Technik zu erfahren, oder?« »Natürlich, Irwan! Du meinst also, wir sollten dieses Schiff näher erforschen?« »Eine bessere Gelegenheit bekommen wir so schnell nicht wieder! Also los!« Noch einmal vergewisserte Dove sich, daß die Luft rein war, dann winkte er dem Posbi nochmals, ihm zu folgen. Sie drangen in das Schiff ein. Niemand schien sie zu bemerken. willkürlich wählte der Oxtorner die Richtung, in die er zu gehen gedachte. »Moment, Dove. Ich denke, wir sollten diese Richtung wählen. Wenn meine Orter nicht alles täuscht, finden wir dort wichtige Aggregate. Jedenfalls vermute ich das aufgrund der Emissionen« Irwan schaute kurz in die Richtung, zog die Schultern hoch und schlich dann dort lang. Ihre Antigravs hatten sie längst deaktiviert, um die Gefahr einer Entdeckung zu verringern. Deflektoren waren jedoch weiterhin ein Muß, da sie sonst von einen zufällig vorbeilaufenden Dorgonen entdeckt worden wären. Schließlich gelangten die beiden in eine riesige Halle, wo verschiedene Geräte summten und es insgesamt ziemlich konfus aussah. Jemand mit technischem Fachverstand, wie der Posbi, entdeckte jedoch sofort, das alles seinen optimalen Platz hatte und in gewisser Weise eine Art Ordnung herrschte. Ohne ein weiteres Wort machte sich der Posbi an die Arbeit und untersuchte die Maschinen mit seinen eigenen Mitteln und denen des SERUN. Der Oxtorner untersuchte die Umgebung auf Überwachungseinrichtungen und stand Schmiere, wie man in anderen Kreisen wohl gesagt hätte.
Wallace betrat einen großen Platz. Es schien sich um einen weiteren Marktplatz zu handeln, den überall waren Stände verteilt, an denen alle möglichen Lebensformen ihre Waren anboten. Er schaute sich nach Leuten um, denen er wohl Informationen entlocken konnte. Dann entdeckte er jemanden. Eine junge, humanoide Frau. Sie sah zwar traurig aus, war aber wunderschön. Die Frau trug ein purpurfarbenes Kopftuch und ein hellrotes Gewand. Interessiert starrte er sie an und ging dabei weiter. Mathew hätte fast einen anderen Passanten umgelaufen. Die wunderschöne Frau, auf die immer noch Wallaces Augenmerk fiel, trug einen ziemlich großen Korb mit Früchten, der seiner Ansicht nach viel zu schwer für sie sein mußte. Er eilte hinter ihr her. Als er sie einholte, fragte er: »Kann ich dir helfen?« Sie sah ihn an und lächelte kurz, setzte dann jedoch wieder ihren traurigen Blick auf, der irgendwie zu ihren graugrünen Augen paßte. Das Lächeln gefiel Wallace jedoch eher. »Du bist nicht von hier, oder?« fragte sie. »Äh...« Im gleichen Moment ärgerte er sich über dieses blöde Äh. »Nein, ich komme von weiter her. Was meinst du?« »Was soll ich denn meinen?« fragte sie irritiert und fing an zu lächeln. Auch Mathew schmunzelte über beide Wangen. »Den Korb meine ich. Darf ich ihn tragen?« Wieder wurde sie von einem Moment zum anderen ernst. »Du solltest dich nicht mit einer Sklavin des Senators abgeben...« »Und warum nicht?« »Es könnte dir schaden.« »Wenn ich dir helfen kann, trage ich keinen Schaden davon.« Während Wallace sich fragte, woher er das hatte, errötete sie leicht und senkte den Kopf. »Ähm, mein Name ist Mathew, Mathew Wallace.« Sie schaute wieder zu ihm auf. »Saraah.« »Ein schöner Name.« »Vielleicht solltest du jetzt besser gehen...« »Kann ich dich denn wiedersehen?« »Du weißt nicht, was du da sagst. Ich bin eine Sklavin. Und du...« Sie stocke und schien ihn einen Moment ernst zu mustern. »Du bist wirklich von weit her, oder?« Sie betonte das Wort seltsam. Er nickte. Wallace wollte alles auf eine Karte setzen. »Nun gut, ich möchte dir die Wahrheit sagen. Ich denke ich kann dir vertrauen. Meine Freunde und ich kommen von einer etwa 50 Millionen Lichtjahre entfernten Galaxis. Wir brauchen Informationen über deine Galaxis Dorgon.« Sie schien nachzudenken. »Du bist verrückt! Ich könnte dich jetzt einfach anzeigen. Du hättest nichts zu lachen!« Sie erkannte den Ausdruck in seinen Augen. »Du meinst es wirklich ernst? Vielleicht... vielleicht kann ich helfen, aber jetzt muß ich zurück. Sonst wird man mich vermissen und das wäre gar nicht gut. Ich... ich habe leider keine Möglichkeit...« »Wir werden uns wiedersehen«, meinte Wallace und verabschiedete sich von ihr. Saraah lief eilig den Platz entlang und verschwand in der Masse. Sie ließ ihn einfach da stehen. Eine Minute konnte er sich nicht rühren. Er mußte Saraah wiedersehen. Doch im Moment drängte die Zeit, er mußte sich mit seinen Freunden treffen. Am Treffpunkt angekommen waren seine Freunde schon da. »Ah, der Chef ist auch endlich da«, grinste Cerak Atz. »Ich bin da etwas Interessantem auf der Spur. Aber erzählt erstmal, was ihr raus gefunden habt«, erwiderte Wallace. »Nun, leider nicht viel Neues, nichts von großer Bedeutung. Wir können später einen detaillierten Bericht schreiben. Was nun? Ich glaube kaum, daß wir noch viel herausfinden können, ohne aufzufallen.« Tim schaute ihn fragend an. »Wie gesagt, ich habe vielleicht eine interessante Informationsquelle...« Er beschloß ihnen vorerst nichts von Saraah erzählen, jedenfalls nichts genaues. »Ich treffe mich nachher mit ihr. Ist aber ziemlich gefährlich, weshalb ich allein gehen werde. Vorerst müssen wir erstmal noch raus finden, wo dieser Senator Priamus seinen Sitz hat.« Swahn sah skeptisch an: »Bist du sicher, daß du allein gehen willst? Vielleicht ist es auch eine Falle der Dorgonen!« »Sei beruhigt, Hendrik. Ein Mann allein hat in diesem Fall bessere Chancen als mehrere.« Hendrik Swahn schien immer noch skeptisch, lenkte dann jedoch ein: »Gut, du bist der Boß.« »Nun, wie steht es mit dem Senator?« »Oh, das ist nicht schwer...« Cerak bediente sich gerade seines Pikosyns, der ebenfalls in der Kombination verborgen war. »Ich habe hier einen oberflächlichen Stadtplan. Das Grundstück von Priamus ist eingezeichnet. Eine Art Landhaus, etwas weiter außerhalb. Gut abgesichert und nicht zu übersehen. Der Senator scheint eine Menge Geld zu haben. Er hat sich gleich nach seiner Ankunft dorthin zurückgezogen. Für morgen ist eine Art Parade angesagt. Er wird dann von seinen Untergebenen hier auf Mesoph begrüßt, wie es scheint. Moment, ich überspiele dir den Plan.« »Und was machen wir, während du dich mit deinem Informanten triffst?« wollte Cerak wissen. »Unsere Zeit hier läuft ab. Ich schlage vor, ihr begebt euch zur JAY JAY zurück und wartet dort auf Irwan und Lorif. Hoffentlich konnten sie technische Erkenntnisse erlangen. Wenn wir dann wieder alle zusammen sind, können wir uns überlegen, wie wir weiter vorgehen.« Seine Freunde nickten ihm zu und entfernten sich dann Richtung Space-Jet. Er befaßte sich kurz mit dem Stadtplan und schlug dann einen Weg ein, der ihn über Umwege zu Priamus' Grundstück führen würde. Ich muß verrückt sein! warf er sich in Gedanken selbst vor.
Irwan Dove und der Posbi Lorif weilten jetzt schon einige Stunden an Bord des Adlerschiffes. Lorif hatte mittlerweile einiges Interessantes herausgefunden; das meiste wurde von ihm zur späteren Verwertung aufgezeichnet. Bisher hatte sie niemand entdeckt. Trotzdem ließ Doves Wachsamkeit nicht nach. So kam es auch, daß er einen Trupp Dorgonen, der sich auf ihren Standpunkt zu bewegte, noch rechtzeitig entdeckte. »Lorif, wir müssen sofort weg von hier. Dorgonen. Etwa Zwanzig – Bewaffnet!« Schon bedeutete er dem Posbi, ihm zu folgen, als er auch aus der anderen Richtung einen Trupp Dorgonen ortete. Der Posbi löste sich langsam von den Instrumenten. Mehrere Kabel liefen von seinem SERUN und ihn in die Maschine. Er holte sie langsam und vorsichtig zurück. »Mist, Sie scheinen uns entdeckt zu haben! Wie kommen wir jetzt weg? Mach schneller!« Lorif schaltete schnell. Als alle Kabel wieder eingefahren waren, eilte er auf ein geschlossenes Schott zu und machte sich am Öffnungsmechanismus zu schaffen. »Bist du dir sicher, was du da tust?« Der Oxtorner wirkte skeptisch. Lorif fuhr unbeirrt fort. Einige Sekunden später öffnete sich das Schott. »Hier lang!« forderte er Dove auf. Sie eilten einen weiteren Korridor entlang. Unterdessen mußten die dorgonischen Truppen bemerkt haben, daß sich Eindringlinge in dem Schiff befanden. Sie aktivierten ihre Antigravs und rasten den Fliehenden hinterher. Die Flüchtenden beschleunigten ihr Tempo noch. Eine Zeit lang schien der Posbi einen guten Plan zu haben. »Sieht aus, als würden wir sie langsam abhängen, Lorif. Wo kommen wir hier raus? Solange wir in dem verfluchten Schiff sind, sehe ich auf Dauer schwarz.« Plötzlich blieb Lorif vor einem verschlossenen Schott vor ihnen stehen. »Was ist?« »Das wäre ein Schott nach draußen. Aber es ist verriegelt und es sieht nicht so aus, als hätte ich genügend Zeit, es zu knacken«, erwiderte Lorif und deutete hinter sie, wo die Dorgonen in Schußposition gingen. Schon schlugen erste Strahlenschüsse auf ihren Schirmen ein. »Verdammt!« Der Oxtorner lief zu Seite in einen anderen Gang, der Posbi dicht an ihm dran. Punktfeuer belastete den Schirm des Posbis für kurze Zeit so stark, daß es fast schien, als würde er zusammenbrechen. Die Syntronik deaktivierte jedoch sofort den Deflektor und führte die freien Energien dem Schirm zu. »Puh, das war knapp. Deflektoren aus, die bringen uns im Moment sowieso nichts. Sollten wir aber heraus kommen, müssen die Anti-Ortung und die Deflektoren sofort wieder aktiviert werden!« fügte Dove überflüssigerweise hinzu. Die Dorgonen hinter ihnen hatten mittlerweile wieder aufgeholt und eröffneten erneut das Feuer. Akustisch verstärkt hörten sie die Aufforderung: »Fremde Eindringlinge, ergebt euch! Ihr habt keine Möglichkeit zu entkommen!« Die Translatoren waren bereits bei dem Abhören des Hyperfunks in Dorgon reichlich gefüttert worden. Aber natürlich dachte weder der Oxtorner noch der Posbi daran, sich zu ergeben. Das wäre fatal gewesen! Schließlich würden die Dorgonen dann über die Erkundungsschiffe aus der Milchstraße Bescheid wissen. Erste Treffer schlugen in die Schirme. Irwan feuerte mit dem Desintegrator zurück. Lorif schloß sich dem an. Doch auf Dauer hatten sie gegen die Dorgonen nicht den Hauch einer Chance, das war ihnen klar. »Was machen wir jetzt? In diesem Schiff sind wir gefangen. Wir müssen raus! Sind die Schotte wohl desintegratorfest?« »Ich schätze, auf Dauer nicht. Aber wir haben wohl nicht die Zeit, lange genug auf das Schott schießen zu können«, meinte der Posbi. Sein Schirm glühte wieder grell blau auf und die beiden hasteten um die Ecke in einen anderen Korridor. »Sie treiben uns in eine Falle«, vermutete Irwan Dove. »Vielleicht können wir ihre und unsere Strahler zusammen zum Öffnen einer Schleuse verwenden?« Einen Moment schien Lorif zu überlegen, verstand dann jedoch, was Dove beabsichtigte. »Ziemlich risikoreich.« »Aber vielleicht unsere einzige Chance!« Da wurden sie auch schon von vorne ebenfalls unter Beschuß genommen. Die Schirme erreichten ihre Belastungsgrenze. Wieder jagten die beiden um eine Ecke. »Schnell, auf ein Außenschott zu!« Der Posbi deutete in eine Richtung. Auf die dorgonischen Rufe achteten sie schon fast gar nicht mehr. Nach zwei weiteren Abbiegungen und weiteren gefährlichen aufglühen der Schirme der Galaktiker glitten sie geradeaus auf ein Schott zu. »Das ist es!« rief der Posbi und beide zielten mit ihren Desintegratoren. Der Oxtorner zog eine Mikrobombe aus einer der SERUN-Taschen und warf sie ebenfalls in Richtung Schott. »Runter!« rief er Lorif zu. Beide versuchten, am Boden in Deckung zu kommen. Von hinten her fuhren schwere Strahlenschüsse über sie hinweg ebenfalls auf das Schott zu, das sich schon bedrohlich rot verfärbte. »Achtung! Sie versuchen, das Außenschott S45-9a aufzuschmelzen!« rief einer der Soldaten. Zumindest war ihr Vorhaben enttarnt, doch ob das etwas ändern würde? Anscheinend verzweifelt zielten die Dorgonen genauer auf den Posbi, der zumindest im Moment ein gutes Ziel abgab. Erneut flackerte der Paratron des Posbis bedrohlich auf. Plötzlich blendete sie etwas und eine Druckwelle riß sie den Gang hinunter. Doch die beiden Galaktiker hatten ihr Ziel erreicht. Im Schott klaffte ein riesiges Loch. »Schnell!« rief Dove nur. Dann blickte er auf seinen Begleiter. »Lorif!« Der Posbi war getroffen! Für einen kurzen Moment mußten die Strahlen den Schutzschild durchschlagen haben. Sicherlich hatte die Mikrobombe ihr übriges dazu getan. »Kein besonders schlimmer Defekt. Wir müssen los«, sagte der Posbi nur, aktivierte Antigrav, Deflektor und Anti-Ortung. Der Oxtorner tat es ihm gleich und flog hinter ihm her. Sie waren froh, als sie um die Ecke waren und somit im Moment nicht unter direktem Feuer standen. Draußen mußten sie jedoch feststellen, daß man gerade dabei war, den Hangar zu schließen. Vor dem Ausgang stand ein Trupp Dorgonen und legte bereits auf sie an. Der Oxtorner reagierte schnell und machte einige chaotische Ausweichmanöver. In dem folgenden Energiegewitter konnten die Dorgonen sie nicht mehr so leicht entdecken. Den kurzen Moment der Unsichtbarkeit nutzend flohen Dove und Lorif durch das sich noch immer schließende Hangartor. Draußen näherten sich jedoch bereits Gleiter, die sie vielleicht orten konnten. Dove wies an, in Richtung Stadtzentrum zu fliehen. Wenn sie die Dorgonen erstmal abgehängt hatten, konnten sie in Ruhe zum Raumschiff zurückkehren. Zwischen den hohen zivilen Gebäuden würde man es nicht wagen, die Gleitergeschütze zu verwenden. Meinte zumindest Dove, der recht zu behalten schien. Der gegnerische Kommandant sah sie wahrscheinlich erst einmal als entkommen an. Jedenfalls schickte er ihnen keinen weiteren Trupp mehr nach, was Lorif durchaus bemerkenswert fand. »Sie werden sicher versuchen, uns später – eventuell beim Verlassen des Planeten – zu erwischen!« meinte das künstliche Lebewesen. »Das denke ich auch. Noch einmal werden wir denen nicht so leicht entkommen. Das nächste mal unterschätzen sie uns nicht. Aber für den Moment sind wir die erstmal los. Was ist mit deiner... Verletzung?« wollte Dove wissen. »Oh, das ist nichts schlimmes. Es wird sich an Bord der Space-Jet leicht beheben lassen« Sie kehrten unbehelligt zur Space-Jet zurück und fanden die JAY JAY II genauso vor, wie sie sie verlassen hatten. Dort angekommen, begab sich der Posbi in die Medostation, um sich reparieren oder heilen zu lassen – je nachdem, wie man es sah. Währenddessen überspielte Dove die gewonnenen Informationen aus ihren SERUNs in die Bordsyntronik. Jetzt hieß es, auf die anderen zu warten. Und zu hoffen, die Dorgonen würden die Space-Jet nicht finden.
Qualm drang aus der Space-Jet und Regentropfen platschten auf die graumetallische Außenhaut. Der Krach war verhallt und die Geräusche der Tiefe ließen den Dschungel friedlich und lebendig wirken, ohne irgendwie auf das hinzuweisen, was sich vor wenigen Minuten zugetragen hatte. Cauthon Despair kam als erster wieder zur Besinnung. Sofort kümmerte er sich um Sanna Breen. Für einen kurzen Augenblick befürchtete er, daß sie den Absturz nicht überlebt hatte, doch er bemerkte schnell, daß sie noch atmete. Sanna hatte an der Stirn eine klaffende Wunde. Sam Tyler begann zu brummen und stieß unsanft seinen Freund Chris an, der auch wieder erwachte. »Oh Mann, der Typ hätte die Space-Jet vorher checken sollen!« meckerte Tyler und stieß den Kommandanten an, der leblos vom Stuhl fiel. »Er kann dafür nicht mehr zur Rechenschaft gezogen werden, Tyler«, erklärte Despair sarkastisch. »Ich glaube auch nicht, daß er dafür verantwortlich war«, meldete sich Joak Cascal zu Wort. »Ich denke eher, daß auf diesem Planeten irgendwelche Störfelder installiert sind, die für den Ausfall aller Systeme verantwortlich waren.« »Möglich«, meinte Despair und forderte anschließend die anderen auf, sich um den Rest der Besatzung zu kümmern. Friedrich Shoens versorgte sofort die Verletzten. Die Statusmeldungen waren sehr ernüchternd. Außer Despair, Cascal, Tolk, Tyler, Japar, Breen und Shoens hatten fünf weitere Besatzungsmitgleider überlebt. Der Rest hatte den Absturz nicht lebend überstanden. »Können wir Funkkontakt mit der NELES aufnehmen?« wollte der silberne Ritter wissen. Cascal setzte sich an die Apparaturen und versuchte vergeblich die Funkanlage zu reaktivieren. Mit einem Kopfschütteln beantwortete er Despairs Frage. »Nun gut, dann werden wir uns auf dem Planeten umsehen.« »Fein, ich habe schon große Lust, den Typen in den Arsch zu schießen, die dafür verantwortlich sind!« Tyler hob drohend seine Kombiwaffe. Cascal griff sich seinen SERUN um ihn anzulegen, doch der Pikosyn reagierte nicht. Schnell begriff der Terraner. »Verdammt, auch die SERUNs sind ausgefallen!« »Wenn jegliche Technik ausgefallen ist, was ist dann mit den Thermostrahlern?« erkundigte sich Sanna Breen, immer noch leicht benommen von der Wunde an ihrem Kopf, die jedoch bereits von Doktor Shoens verarztet wurde. Tyler nahm einen Strahler und richtete ihn auf Sanna Breen, die erschreckt zurück wich. Dann drückte er ab! Nichts geschah. Cauthon Despair hatte bereits sein Schwert gezogen und sich vor Sanna gestellt. Mit einem geschickten Schlag, entwaffnete er den Terraner mit der hohen Stirn. »Du elender Bastard, das machst du nicht noch einmal!« brüllte Tyler und rannte auf Despair los, doch Chris hielt ihn zurück. Der silberne Ritter begab sich in Kampfposition und war bereit, Tyler mit seinem Schwert zu enthaupten. »Hört endlich auf!« brüllte Cascal genervt. »Euer Streit hilft uns nicht weiter. Sam, benehmen Sie sich endlich, sonst arrestiere ich Sie, verstanden?!« Tyler schnaufte kurz durch und beruhigte sich in der Tat wieder. Er hob die Rechte zum Zeichen des Friedens. Despair entspannte sich und steckte das Schwert wieder in seinen Halfter. »Gehen wir...« Die elf Überlebenden verließen die Space-Jet und versuchten die Ruinen zu finden, was jedoch schwer war, da ihnen keine Taster zur Verfügung standen. Die Außentemperatur lag bei 47 Grad Celsius, die Luftfeuchtigkeit bei knapp 89 %. Es war unerträglich. Sanna Breen beschloß, ihre Hose zu kürzen und auch die Ärmel ihres Hemdes. Cascal hatte Probleme seinen Blick von der attraktiven Terranerin abzuwenden, doch Tolk erinnerte ihn an seine Freundin Nadine. Nach etwa 2 Stunden machten sie eine erste Rast. Doktor Shoens untersuchte interessiert die Pflanzen und Tiere. »Sehen Sie doch, Cascal. So eine Schlange haben wir noch nie gesehen!« jubelte der Wissenschaftler und deutete auf die dünne blaue Schlange, die sich um einen weiteren blauen Baum schlang. »Sie scheint mit diesem Baum verbunden zu sein«, erklärte Shoens und deutete auf das Ende der Schlange hin, welches tatsächlich mit dem Baum verwachsen war. Sein Kollege, Doktor Dorams, ging näher zum Baum und begutachtete das etwa 5 Zentimeter dicke und 70 Zentimeter lange Reptil. »Seien Sie vorsichtig, Doc!« ermahnte Cascal und schüttelte nur den Kopf über das manchmal kindliche Verhalten der Wissenschaftler, wenn sie etwas Neues entdeckt hatten. Despair setzte sich auf einen Baumstumpf und ruhte sich aus. Sanna beschloß sich neben ihm zu setzen. »Wie geht es deiner Wunde?« erkundigte sich der Ritter. »Es geht wieder, danke!« Sanna fuhr sich mit ihren Händen durch das verschwitzte Haar. »Diese Hitze ist unerträglich. Wie machst du das?« »Was?« »In dieser Rüstung...« »Ich habe eine eingebaute Klimaanlage, die nicht auf Hyperraumbasis funktioniert.« Sanna blickte ihn ernst an. »Ich habe Angst...« »Wovor?« »Vor diesem Planeten. Irgend etwas stimmt hier nicht. Nenne es weibliche Intuition, aber ich habe Angst, daß wir diese Welt nicht mehr lebend verlassen«, erklärte sie und faßte sich unbehaglich an die Schultern. Despair sah sie an. In diesem Moment sah sie für ihn schutzbedürftig und allein aus. Einst hatte er solche Leute verachtet – nun würde er sie am liebsten in den Arm nehmen und vor allem Bösen im Universum beschützen. Zum ersten Mal gestand er sich ein, daß er sich in Sanna Breen verliebt hatte. Doch er beschloß, seine Gefühle ihr nicht zu gestehen. Cauthon war sich im klaren, daß sie kein normales Paar werden konnten. Er war für den Rest seines Lebens entstellt. Ihm war ein anderes Schicksal vorherbestimmt. Ein lauter Schrei riß beide aus ihrer Unterhaltung. Es war Doktor Dorams! Der Baumstumpf entpuppte sich als eine Riesenschlange, die eigentliche Schlange! Das über ein Meter dicke und etwa zehn Meter hohe Reptil stürzte sich auf den Wissenschaftler und biß ihn in den Rumpf, danach verschlang sie den schreienden Terraner. Tyler und Chris feuerten sofort mit ihren Kombiwaffe Projektilgeschosse auf die Schlange, die nun Friedrich Shoens angriff. Da außer ihnen nur noch Tolk und Despair mit funktionierenden Waffen bestückt waren, liefen die beiden sofort los und attackierten das Ungetüm. Tolk spannte seinen Bogen und beschoß es mit Brandpfeilen, während Despair die Schlange durchschnitt. Nach wenigen Minuten war der Kampf vorbei und siegreich für die Galaktiker ausgegangen. Doch dieser Sieg rief Walt Dorams nicht wieder ins Leben zurück. Despair befahl weiterzugehen. Er wollte vor Einbruch der Nacht die Ruinenstadt erreicht haben. Der silberne Ritter hoffte, damit mehr Unheil zu verhindern, doch er konnte nicht ahnen, was sie in der Stadt erwarten würde.
Tatsächlich konnten sie die Stadt kurz vor Sonnenuntergang erreichen. Sie lag versteckt zwischen den unzähligen Bäumen. Der weitere Weg war von Zwischenfällen verschont geblieben. Zur Sicherheit wich Despair jedoch Sanna Breen nicht von der Seite. Sie merkte deutlich, daß er sich um sie sorgte. Einerseits verlieh ihr dies Sicherheit, denn sie fühlte sich nicht bedroht an seiner Seite. Zum anderen spürte Sanna, daß er einiges für sie empfand – und auch sie selbst fühlte sich zu dem geheimnisvollen Mann angezogen. »Tyler, Chris und Sandal gehen vor!« kommandierte Cascal. Die drei schlichen sich durch das Dickicht und erreichten die seltsam gebauten Ruinen. Meist waren es Türme mit vielen Etagen. An jeder Etage war eine Lücke, die wohl einen Eingang darstellte. Die Bauten waren oft bis zu einhundert Meter hoch und liefen nach oben oval aus. Größtenteils waren sie aus Stein gebaut. Tolk empfand sie als äußerst häßlich und spartanisch. »Seltsam...« murmelte Tyler. »Was ist?« wollte Tolk wissen. »Viele Etagen aber keine Verbindung, keine Treppe, keine Leiter... nichts. Das Haus beginnt mit einer Wohnung in der untersten Etage. Irgendwie müssen die Bewohner doch aber in die anderen Etagen gekommen sein.« Tylers Gedanken waren gar nicht so falsch. Tolk sah sich verwundert um und grübelte nach der Lösung. Beim besten Willen fiel ihm jedoch nichts ein. Sie konzentrierten sich wieder auf eventuelle Gefahren. Nachdem sie nichts finden konnten, gaben sie Cascal und Despair ein Zeichen, daß sie unbesorgt folgen konnten. Die Stadt wirkte düster. »Es ist so ruhig hier...« flüsterte Sanna sehr leise, fast als hätte sie Angst diese Stille zu unterbrechen. »Zu ruhig«, sinnte Despair. Cascal und die anderen sahen ihn fragend an. »Die Tiere sind verstummt.« Die Gruppe lief weiter durch die Stadt. Sie schien fast nur aus gleichartigen Gebäuden zu bestehen. Viele waren auch eingestürzt. »Wie alt sind diese Bauten, Shoens?« erkundigte sich Cascal. »Schwer zu sagen. Meine Instrumente funktionieren nur begrenzt. Ich würde allerdings sagen, daß sie einige Hunderttausend Jahre alt sind. Deshalb kann diese Stadt sehr wenig über ihre Bewohner aussagen. Vieles dürfte inzwischen verfault oder von der Natur überwuchert sein«, erklärte der Wissenschaftler. Tyler und Chris gingen auf eine Mulde im Boden zu. Sie entdeckten eine Höhle, deren Eingang jedoch von Spinnenweben förmlich zugesperrt war. Despair entfernte mit seinem Schwert die Hindernisse und stieg in die Höhle hinab. »Sei vorsichtig!« rief Sanna hinterher. Mit Taschenlampen bewaffnet, folgten ihm Tyler und Cascal sowie drei Besatzungsmitglieder der SETHOS. »Die Luft ist viel trockener«, stellte Cascal fest. »Es riecht nach Tod«, fügte Tyler hinzu. Die sechs Galaktiker näherten sich zwei weiteren Durchgängen und beschlossen, sich aufzuteilen. Während Despair, Tyler und Cascal den rechten Gang nahmen, gingen Alan, Tolk und seine zwei Offiziere den linken Gang weiter hinein. Cascal rutschte aus, konnte sich aber an der Wand festhalten. »Vorsichtig Leute, am Boden liegt sehr viel Geröll« »Das ist kein Geröll!« Tyler leuchtete auf den Boden. Cascal lief ein Schauer über den Rücken als er erkannte, auf was sie liefen. Es waren Gebeine! »Die ehemaligen Bewohner der Stadt?« fragte er sich. »Vielleicht. Wir sollten besser den Generator suchen. Ich glaube nicht, daß wir hier viel in Erfahrung bringen können«, beschloß Despair und wollte sich auf den Rückweg machen, als er plötzlich Schreie hörte. Sofort liefen die drei los, als aus dem rechten Gang eine riesige Spinne auf zehn Beinen vorbei raste. Geistesgegenwärtig blieben sie stehen und wurden so nicht bemerkt. Tyler rannte in den linken Gang hinein, wo er die Überreste der anderen drei fand. »Das Vieh hat sie ausgesaugt«, erklärte er verbittert. »Es ist zu gefährlich hier. Wir müssen sofort weg!« meinte Cascal. Plötzlich fielen Schüsse! Kaum waren die drei aus der Höhle, mußten sie bereits der Gefahr ins Auge sehen. Etwa sieben der mächtigen Arachnoiden trieben sich in der Stadt herum und griffen die Crew an. Despair stürmte sofort auf eines der Ungeheuer zu und schlug ihm zwei Beine ab. Sanna eilte zu ihrem Beschützer. »Sucht euch ein Versteck«, rief Despair, während er versuchte die weiteren Spinnen abzulenken. Während Chris, Tyler und Tolk dem silbernen Ritter unterstützen, liefen Cascal, Sanna und Friedrich Shoens in eine zweite Höhle. Tyler glaubte seinen Augen nicht, als noch ein weiteres Dutzend dieser Kreaturen auftauchte. »Weg hier!« Despair und die anderen beiden brauchten keine weitere Aufforderung. So schnell sie konnten, liefen sie auch in die Höhle. Zu ihrem Erstaunen folgten die Wesen diesmal nicht. Sie erreichten festen Boden. Metallischen Boden. Das Surren von Maschinen wurde deutlich hörbar. Anscheinend befanden sie sich nun in der Nähe der Anlagen, die für ihren Absturz wahrscheinlich verantwortlich waren. Cascal, Breen und Shoens standen an einigen technischen Apparaturen. Der Wissenschaftler fummelte an einigen Tastaturen herum und versuchte irgendwelche Informationen zu bekommen. »Die Eingänge und Durchgänge sind ziemlich groß...« murmelte er. Tyler, Chris und Tolk suchten inzwischen nach einem anderen Ausgang. Cascal half bei den Untersuchungen. Sanna stand beunruhigt in der Mitte das Saals und sah sich um. Cauthon stellte sich zu ihr und nahm kurz ihre Hände. Er versuchte so zärtlich zu sein, wie es ihm möglich war. »Alles wird gut werden!« Plötzlich erschien die Holographie einer Spinne im Raum. Sie sprach in einer seltsam anmutenden Sprache. Es klang wie das Zirpen einer Grille. »Was ist das?« wollte Cascal wissen und verzog das Gesicht beim Anblick des beharrten Arachnoiden. »Ich vermute, ein Bewohner der Stadt«, erklärte der Wissenschaftler. »Dieses Monster?« »Arachnoiden müssen keine Monster sein, denken Sie nur an die Arcoana, Mr. Cascal! Es ergibt doch Sinn. Die Bauten waren so angelegt, daß die Spinnen einfach nur in ihre Behausungen krabbeln mußten. Sie brauchten keine Treppen oder dergleichen«, führte er weiter aus. »Fein, aber diese Viecher sind keine Arcoana und machen einen ziemlich primitiven und gefräßigen Eindruck«, meinte Tyler frustriert. Schoens winkte ab. »Diese Holographie ist bestimmt schon einige Hunderttausend Jahre alt, Tyler. Die Viecher von denen du sprichst, könnten degenerierte Nachfahren sein.« »Mir auch egal. Welche Anlagen könnten für unseren Absturz verantwortlich sein?« wollte Tyler danach wissen. Shoens faßte sich ans Kinn und grübelte eine Weile über Tylers Frage. Dann deutete er auf die größten Generatoren, welche mit einer Antenne bestückt war, die anscheinend aus der Höhle ging. Tyler nickte kurz und beschoß dann die Maschinen, bis sie ihren Dienst quittierten. »Was machst du da?« rief Shoens entsetzt. »Das sind kostbare Anlagen!« Tyler schüttelte genervt den Kopf und sah zu Cascal, der seinen Hyperkom aktivierte. »Es funktioniert!« »Cascal an NELES! Bitte melden!« Es meldete sich Dug Huran. »Wo seid ihr? Was ist los?« rief er aufgeregt. »Uns geht es größtenteils gut. Wir brauchen eure Hilfe! Die SETHOS ist abgestürzt und wir sitzen hier fest. Schickt uns eine Jet«, forderte Cascal den Springer auf. »Wir haben auch Probleme. Vor etwa einer Stunde ist ein kleines Adlerschiff auf dem Planeten gelandet. Es hatte offensichtlich Schwierigkeiten«, erklärte Huran. Cascal wußte genau, was damit gemeint war. Auch beim Adlerschiff versagten anscheinend die technischen Anlagen. »Holt uns trotzdem ab!« »Also gut, wir kommen!« Die Verbindung wurde von beiden Seiten gleichzeitig beendet. Shoens starrte derweil immer noch auf den Arachnoiden, der in einer fremden Sprache etwas unverständliches sprach. »Was ist das bloß?« fragte er sich. »Ein Charkos!« kam die Antwort in dorgonisch. Erschreckt fuhr er herum. Etwa zwei Dutzend Dorgonen standen vor dem Eingang und hielten ihre Waffen auf die Galaktiker gerichtet. »Wir... wir... sind...« stammelte Cascal verlegen. »Feinde des Reiches nehme ich an. Seid ihr Rebellen oder Sklaven?« »Weder noch. Wir sind Touristen«, erklärte der Veteran aus dem Solaren Imperium mit etwas Ironie. Despair ging auf den dorgonischen Offizier zu. »Wir sind in einer geheimen Mission unterwegs. Der Kaiser persönlich hat uns beauftragt. Ihr behindert uns. Ihr bittet uns um Verzeihung und geht.« Der silberne Ritter verwendete seine suggestiven Fähigkeiten. »Bitte verzeiht mein Verhalten. Ich mußte nur sicher gehen«, entschuldigte sich der Offizier. Friedrich Shoens sammelte inzwischen einige Datenträger ein, um mehr über die Charkos herauszubekommen. »Centrus! Ein fremdes Schiff ist plötzlich aufgetaucht. Es gehört sicher zu den Fremden!« Auf einmal Begriff der Zenturio, daß er unter zeitweiser Beeinflussung stand. Er griff zu seinem Schwert und wollte Despair schlagen, doch der parierte sofort. Tyler und Chris ballerten laut schreiend auf die Dorgonen ein. Es entbrannte ein harter Kampf zwischen den Kontrahenten. »Die Thermostrahler funktionieren wieder. Benutzt sie!« rief Cascal und feuerte einen Dorgonen nieder. Shoens versteckte sich hinter einer Konsole, ebenso wie Sanna, die jedoch auch auf die Feinde feuerte. »Konversation, Diplomatie und Verhandlungen scheinen drei Fremdwörter für die Dorgonen zu sein«, sinnte sie. Despair hatte wenig Mühe die Schläge seines Gegners zu blocken. Er drehte sich und schlug ihm das Schwert aus der Hand. Im nächsten Moment streckte er den Centrus nieder. Dann stürzte er sich auf die weiteren Angreifer. Spielend schien er mit ihnen fertig zu werden. Elegant schwang er das Schwert von Schlag zu Schlag und setzte seine ungeheure Kraft ein. Ebenso erbarmungslos streckte er jeden seiner Gegner nieder und besiegelte dessen Schicksal! Sandal Tolk hatte seine volle Freude an dem Kampf. Er beschoß die Soldaten mit Brandpfeilen und traf fast immer. Die Dorgonen waren innerhalb kürzester Zeit aufgerieben und flüchteten. Erschöpft sanken alle bis auf Despair auf die Knie und schnauften durch. »Wir haben keine Zeit für Ruhephasen. Dieser Kampf war noch recht einfach, doch sie werden bald mit Verstärkung wiederkommen. Laßt uns gehen!« forderte der gebürtige Neleser seine Begleiter auf. So schnell es ging verließen sie die Höhle. Die Dorgonen hatten die Spinnen, die wahrscheinlich Nachfahren der ominösen Charkos waren, niedergemetzelt. Gegen die präzise Kampftechnik und die überlegenden Waffen hatten die Arachnoiden keine Chance. Doch die Dorgonen selbst hatten ihren Meister in den galaktischen Ausnahmekämpfern gefunden. Die NELES peilte die sechs Überlebenden an und holte sie an Bord, bevor das Adlerschiff die Schäden repariert hatte und folgen konnte. Einige Stunden später befand sich der Raumer von Despair bereits wieder auf dem Weg zur restlichen Flotte. Die Helden der Mission saßen zusammen, wobei Tyler, Chris und Tolk über ihre Kämpfe gegen die Dorgonen prahlten. Sanna wirkte etwas verstört. »Was hast du?« forschte Despair. »Der Kampf... hättest du sie nicht nur verletzen können? Mußtet ihr denn alle töten? Es war grausam und unmenschlich!« Despair versteifte etwas. »Krieg ist erbarmungslos. Das Leben eines Wesens ist manchmal sehr wenig wert. Sie hätten uns getötet. Ich hatte keine andere Wahl. Außerdem war es ein ehrenhafter und guter Kampf«, erklärte er ihr. Sanna kräuselte die Stirn. »Hat es dir etwa noch gefallen oder Genugtuung gebracht?« Despair beschloß ihr keine Antwort auf diese Frage zu geben. »Ruhe dich jetzt aus!« sprach er und verließ den Raum. Ja, es hat mir Genugtuung eingebracht...
Am Grundstück angekommen, beobachtete Wallace es möglichst unauffällig, was ihm mit aktiviertem Deflektor und Anti-Ortung auch nicht allzu schwierig fiel. Es schienen starke Sicherheitsvorkehrungen vorhanden zu sein. Er fragte sich, wie er da hineinzukommen wollte. Da die Technik hier noch höher stand als in der Milchstraße, was zweifelsohne an Hand des Angriffes des Adlerschiffes verfolgt werden konnte, fragte er sich skeptisch, wieviel das camelotische Anti-Ortungssystem bringen würde. Der Palast war prunkvoll und pompös! Zwei große Säulen zierten den Eingang zum Grundstück, welches von einem Dutzend Soldaten bewacht wurde. Eine lange Straße führte durch die prächtigen Gärten zum eigentlichen Sitz des Senators. Das gewaltige Gebäude, ebenfalls mit vielen Säulen zur Zierde versehen, glich einem Palast aus dem alten Rom oder Griechenland. Die Dorgonen hatten wahrlich einen Sinn für Ästhetik und ansprechender Architektur, gestand sich Wallace beeindruckt ein. Er beobachtete, wie zwei Humanoide das Grundstück durch eine Art Nebeneingang etwa 200 Meter westlich von ihm betraten. Sie schoben eine Antigrav-Plattform mit einer Kiste darauf vor sich her. Sklaven! schoß es Mathew durch den Kopf. Natürlich. Ein Eingang für die Sklaven, damit sich die Bewohner bei ihrem Anblick nicht belästigt fühlen, wie die Dorgonen das wahrscheinlich sehen! Vermutlich haben die Sklaven eigene Baracken. Er fragte sich, ob Saraah auch hier gefangen war. Abgesehen von seinen Gefühlen für sie, die sich in ihm recht schnell entwickelte hatten, war sie wohl sehr wertvoll als Sklavin des Senators! Wallace beschloß sich genauer umzusehen. Dann kam wieder eine Sklavin aus der Stadt. Sie sah schrecklich abgemagert aus. Mühevoll ging sie zu »Sklavenpforte«, die unbewacht war. Sie berührte die Konsole an der Pforte mit ihrer rechten Hand und das Energiefeld erlosch. Wallace sah seine Chance gekommen. Nachdem die Sklavin das Tor passiert hatte, schnellte er hindurch. Gerade noch rechtzeitig, wie er merkte. Das Energiefeld aktivierte sich hinter ihm gerade wieder und er hatte einen Moment lang Angst, daß es zu Überlagerungen mit seinem Deflektor kommen würde. Er schien Glück zu haben, also näherte er sich dem abgelegenen, niedrigen Gebäude, nachdem er der Sklavin genügend Vorsprung gegeben hatte. Nun mußte er nur noch Saraah finden und zwar so, daß er mit ihr reden konnte. Für alle Fälle aktivierte er eine Mikrokamera siganesischer Fertigung auf seiner Schulter. Vielleicht konnte man die Aufnahmen später gebrauchen. Er betrat einen kleinen Gebäudekomplex. Die Sklaven waren eigentlich seine potentiellen Verbündeten, doch vielleicht würde man ihn gegen Belohnung verraten, daher achtete er darauf, unentdeckt zu bleiben. Er irrte einige Zeit durch die Baracken. Keiner der Sklaven sah sonderlich glücklich aus. Einige schienen jedoch besser mit ihrer Lage zurechtzukommen als andere. Fast alle, die sich hier aufhielten, lagen in kleinen Räumen auf einer Art Pritsche. Wahrscheinlich ruhten sie sich auf. Aber eine Menge der Liegen war auch leer, was entweder zeigte, daß die Baracken für mehr Sklaven gedacht waren oder – und wahrscheinlicher – das im Moment eine ganze Reihe im Einsatz waren. Schließlich fand er Saraah in einem der kleinen etwas edleren Räume, wo sie auf einer Pritsche lag. Sie ist wunderschön! durchfuhr es ihn wieder. »Nicht erschrecken!« flüsterte er leise. Verwirrt öffnete Saraah die Augen und schaute sich um. Da entstand aus dem Nichts, wie es schien Mathew Wallace vor ihr. Er hatte seinen Deflektor und die Anti-Ortung deaktiviert. »Mathew! Wie kommst du hier herein?« Sie starrte ihn mit großen Augen an. »Tja, die Dorgonen sind wohl nicht ganz so perfekt, wie sie glauben« »Du... du... hättest nicht herkommen sollen. Du bist hier in großer Gefahr!« »Ich mußte dich einfach wiedersehen!« Sie schwieg und seufzte dann. »Ach, Mathew...« Tränen kullerten ihr Gesicht hinunter. Wallace setzte sich neben sie und nahm sie behutsam in seinen Arm. »Erzähl mir von dir... das beruhigt«, versuchte er, ihr Halt zu geben. Ein Schluchzen drang an sein Ohr. »Vielleicht... hast du Recht. Aber was gibt es da schon zu erzählen. Ich bin eine Sklavin des Senators. Eine Sklavin wie viele andere Lebewesen unter der Herrschaft der Dorgonen!« »Du mußt doch auch eine Vergangenheit haben. Oder willst du nicht darüber sprechen?« Sie schwieg einen Moment, streifte eine Strähne ihres schwarzen Haares aus ihr Gesicht und begann dann: »Ich bin auf dem Kolonialplaneten Jerrat geboren worden. Unsere Familie lebte lange Zeit glücklich auf der schönen Welt. Wir Jerrater haben keine anspruchsvolle Technik entwickelt und lebten auch ohne sie glücklich. Bis eines Tages die Soldaten des Senators Priamus auftauchten. Sie nahmen viele Jerrater gefangen, und machten sie zu ihren Sklaven. So auch meine Mutter, meine Schwester und mich.« Er drückte sie stärker an sich und strich durch ihr Haar. »Was ist aus deiner Mutter und deiner Schwester geworden, oder... ?« Er wollte sie nicht unter Druck setzen. Aber er wußte, das es hilfreich sein würde, darüber zu reden. Er wollte ihr einfach helfen, ihr Elend mildern. Ja, eigentlich wollte er sie sogar befreien. »Meine Mutter hielt das Leben hier nicht aus. Sie starb schon nach kurzer Zeit. Meine Schwester ertrug es auch nicht lange. Sie brachte sich selbst um.« Er drückte sie nochmals und schaute dann in ihre schönen graugrünen Augen. »Warum... warum... ?« setzte Mathew vorsichtig an. »Warum ich noch lebe?« Saraah hatte erfaßt, was Wallace wissen wollte. Er nickte. »Ich glaube stark an meinen Gott. Und ich glaube daran, das eines Tages mein Retter kommen wird. Allein dieser Glaube und die Hoffnung haben wir die Kraft gegeben, das Sklavendasein solange zu überleben. Es ist hart. Manchmal verzweifle ich schon fast. Aber ich habe bis heute durchgehalten!« Dein Retter ist gekommen! wollte Mathew sagen, sein Verstand hielt ihn jedoch im letzten Moment zurück. Konnte er so etwas überhaupt versprechen? Konnte er sie überhaupt mitnehmen? Saraahs Geschichte stimmte ihn traurig und wütend zugleich. Eine Zeitlang saßen sie einfach da. Dann wurde ihr Zusammensein durch einen Summer an der Wand beendet. Mathew schaute Saraah fragend an. Sie senkte den Kopf. »Der Senator ruft nach mir. Ich muß weg.« Sie stand auf. Er schaute sie an und schenkte ihr ein Lächeln. Er nahm sie noch einmal in die Arme. »Ich komme wieder – ich verspreche es!« Dann trat er einen Schritt zurück und aktivierte seinen Deflektor wieder. Saraah schaute noch kurz verwundert auf die Stelle, wo er eben noch sichtbar gewesen war. Dann wurde ihr Blick wieder trauriger und sie verließ die Sklavenbaracken und schritt auf das große Haus des Senators zu. Was sie nicht wußte: Wallace folgte ihr. Er wollte diesen verdammten Senator sehen. Seine Vernunft gab ihm noch einen anderen Grund dafür: Informationen. Vielleicht konnte er beim Lauschen etwas Interessantes erfahren. Saraah betrat durch einen Seiteneingang das Haus. Sicherlich wurde sie dabei überprüft, jedoch gab es keine sichtbaren Sicherheitsvorkehrungen. Wallace hoffte, daß die Unsichtbaren ihn nicht bemerken würden und trat in sicheren Abstand hinter ihr her – kein Alarm! Er schien die Dorgonen ausgetrickst du haben. Nach einiger Zeit betrat Saraah einen großen Raum, in dem ein alter Dorgone auf einer Art Thron saß. Zehn schwer bewaffnete Dorgonen standen im Raum verteilt. Sie trugen goldene Abzeichen und prächtige Uniformen. Der Raum war prunkvoll geschmückt. Der Dorgone trug ein prächtiges Gewand, schwarz, aber irgendwie sah es wunderschön aus. Der Thron war eher ein Sessel, auf dem der Dorgone sich entspannt niedergelassen hatte. Er hatte graue Haare und Augen. Überlegen schaute seine listigen Augen aus dem ledrigen, alten Gesicht. Priamus! durchfuhr es Mathew. Eine dekadent wirkende Musik hallte durch den Saal. Er beschloß, am Eingang zu warten und drückte sich in eine Nische. »Ihr habt gerufen, Meister!« Saraah kniete vor Priamus nieder und senkte den Kopf. »Das stimmt!« sprach er mit eiserner Stimme. Er sah sie auffordernd an. Die Jeratterin schien verwirrt. »Was wünscht Ihr, Herr?« Der Senator schien erzürnt. »Solltest du vergessen haben, daß mein Fußbad ansteht, Saraah?« Saraah schüttelte heftig den Kopf. »Dann mach es bereit. Es gibt etwas zu feiern!« »Jawohl, Herr.« Saraah stand auf und trat durch eine Seitentür aus dem Raum. Dabei vermied sie es, den Senator anzuschauen. Fast wäre Wallace ihr gefolgt, doch dann schien es ihm zu gefährlich ihr durch den Raum zu folgen. Außerdem betrat gerade ein nicht minder gut gekleideter Dorgone den Raum. Er trat vor dem Senator und verbeugte sich. »Preconsus, es wurde alles wie besprochen vorbereitet.« Wallace fütterte den Pikosyn mit dem Wort Preconsus. Es war eine Steigerung des Consus, dem Statthalter. Anscheinend bedeutete in der dorgonischen Sprache Preconsus soviel wie Senator. »Unserem Siegeszug auf Dom steht also nichts mehr im Weg?« »Nein, Herr. Der Sieg ist Euer!« Priamus führte einen Kelch an die Lippen und nahm genüßlich einen langen Zug. Er ließ sich die Flüssigkeit auf dem Gaumen zergehen und lächelte zufrieden. »Gut. Sonst noch etwas?« »Ja, wir haben etwas Interessantes entdeckt. Ihr solltet es Euch nachher in der Zentrale anschauen«, sprach der Dorgone geheimnisvoll. Doch der Senator nickte nur. »Gut. Dann geht jetzt!« Der Dorgone verbeugte sich noch einmal vor dem Senator und verließ dann den Raum. Da kam auch Saraah schon wieder zurück. Vor sich her schob sie auf einer kleinen Antigrav-Platte eine Art Wanne. »Beginn, Sklavin!« forderte der Senator bestimmend, aber nicht unfreundlich. »Jawohl, Herr.« Sie machte sich daran, dem Senator die Schuhe auszuziehen. Das konnte Mathew nicht mit ansehen, aber er hatte auch keine Chance gegen die Wachen. Es ekelte ihn an und er fühlte sich hilflos. Ein Selbstmordkommando bringt weder ihr noch mir etwas, leuchtete ihm ein. Aber ich werde später wiederkommen und sie befreien! Dies hier hat sie nicht verdient! Seine Hand hatte sich zur Faust geballt, dann verließ er vorsichtig den Raum und das Haus genauso, wie er gekommen war. Am Tor brauchte er nicht lange warten, bis ein Sklave die Genehmigung der Wachen bekam das Energiegitter zu deaktivieren und er hindurch huschen konnte. Deprimiert trat er den Rückweg zur Space-Jet JAY JAY II an. An der Space-Jet angekommen, traf er draußen auch schon auf Hendrik, Tim und Cerak. »Mathew! Schön, daß du endlich da bist«, begrüßte Cerak Atz ihn. »Du siehst nicht gerade erfreut aus!« »Das hat seine Gründe. Sind Dove und Lorif immer noch nicht zurück?« wollte er wissen. »Doch, sie waren schon da, als wir ankamen. Sie konnten sich an Bord eines Adlerschiffes schleichen und einige Informationen sammeln. Dann wurden sie jedoch entdeckt. Auf der Flucht wurde Lorif verletzt. War deine Informationsquelle doch nicht so gut, wie du dachtest?« Wallace wirkte wegen des Posbis betroffen und überging die Frage seines Freundes. »Hat es Lorif sehr schlimm getroffen?« wollte er wissen. »Nein, nur etwas, was wir einen Kratzer nennen würden« »Eine interessante Formulierung«, sprach der Posbi, der gerade über die Rampe die Space-Jet verließ und auf die Gruppe zu trat. »Schön, dich wohlauf zu sehen, Lorif!« begrüßte Mathew ihn. »Nun, es ist alles in Ordnung. Bevor wir jedoch zu den Detailergebnissen unserer Missionen kommen, sollten wir zur IVANHOE zurückkehren. Es könnte sein, daß man uns weiterhin sucht. Es war nicht gerade vorteilhaft, entdeckt zu werden. Sie werden jetzt darauf lauern, ein fremdes Raumschiff starten zu sehen.« »Wahrscheinlich hast du recht, Lorif. Wo ist Irwan?« »In der Zentrale der JAY JAY, an den Instrumenten« »Gut. Also los – brechen wir auf!« Die anderen konnten ihm nicht ansehen, wie schwer es ihm fiel, den Planeten auf diese Weise verlassen zu müssen. Er warf einen sehnsüchtigen Blick in den Himmel. Da flimmerte über ihn plötzlich ein blau flimmerndes Feld auf. Erstaunt sah er sich um. »Was hat das...« setzte er an, wurde jedoch jäh unterbrochen. »Fremdlinge, ergebt euch! Es ist sinnlos Widerstand zu leisten! Der Hypertronschirm ist unüberwindlich! In der Atmosphäre warten einige Abfangschiffe. Im Namen Dorgons, legt eure Waffen nieder!« erklang eine Stimme, die scheinbar aus allen Himmelsrichtungen zu kommen schien. In etwa 10 m Entfernung um sie herum wurden plötzlich Dorgonen sichtbar – mit angezogener Waffe. Wallace erkannte ihr Uniformen wieder. Es waren die gleichen, die er im Haus des Senators gesehen hatte. Sie mußten ihm gefolgt sein. Verdammt! dachte er. Er mußte einsehen, wie dumm es gewesen war, Saraah ins Haus des Senators zu folgen und wie viel dümmer es war, ihr zu Priamus zu folgen. Er blickte noch einmal hoch und sah einige Gleiter herankommen. Man brauchte nicht lange, um zu wissen, daß es sich um kampfstarke Fahrzeuge handeln mußte. Sie hatten diesen Kampf verloren. Aber noch nicht die Schlacht! dachte Wallace fest. »Okay, legt eure Waffen nieder, Freunde«, wandte er sich an seine Begleiter. Seine Freunde schauten ihn kurz an, nickten dann und nahmen die Waffen ihrer Kombinationen ab. Dann wandte er sich an die Dorgonen. Sein Translator übersetzte: »Wir ergeben uns!« Über das Gesicht des dorgonischen Kommandanten – jedenfalls schien dieser Dorgone mit der auffallenden Uniform so etwas zu sein – schien ein Lächeln zu huschen. Nur ganz kurz und Mathew war auch nicht sicher, ob er die dorgonische Mimik richtig interpretieren konnte. »Da fehlt noch jemand!« bellte der Kommandant dann. Wallace nutzte den Funk seines SERUNs, um den Oxtorner zu kontaktieren. »Dove, setze das Notfall-Signal ab und komm dann raus und ergib dich auch. Im Moment haben wir keine andere Wahl!« Er hörte nur ein Brummen. Wallace rätselte, ob das Hyperfunk-Signal den fremden Schirm durchdringen konnte. Er hoffte es. Kurze Zeit später erschien der Oxtorner auf der Rampe. Demonstrativ warf er seinen schweren Desintegrator und den Thermostrahler zu Boden und trat zu seinen Freunden. »So ist es gut!« grinste der dorgonische Kommandant. ENDE Somit ist Wallaces Einsatzkommando wohl erstmal in die Falle getappt. Die Zukunft der Galaktiker ist ebenso ungewiß wie Mathews Liebe zu Saraah. Doch im nächsten Roman des Dorgon-Zyklus blendet die Handlung erstmal um. Nils Hirseland schildert in Ritter der Tiefe ganz andere Ereignisse.
Der DORGON-Zyklus - Der Inselzyklus - ist eine nicht kommerzielle Publikation des PERRY RHODAN ONLINE CLUBs. Heft 15 von Ricky Blankenauffulland. Titelbild: Andreas Roch. Technischer Berater: Sebastian Schäfer. Versand: PROC. Lektorat, Nachbearbeitung: Klaus Wiehoff. DORGON-Kommentar: Martin Schuster. Umsetzung in Endformate: Alexander Nofftz. Satz: Xtory (SAXON, LaTeX). Internet: http://www.dorgon.de. eMail: dorgon@proc.org. Adresse: PROC c/o Nils Hirseland, Redder 15, 23730 Sierksdorf. Copyright © 2001. Alle Rechte vorbehalten! | ![]() | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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