Ralf KönigPERRY RHODAN ONLINE CLUB (PROC) HomepageHeft 14
Fanzyklus des Perry Rhodan Online Club

Protektorat Harrisch

Aurec und Adams - sie suchen Kontakt nach Dorgon

Was bisher geschah

Anfang 1291 NGZ stehen die Unsterblichen um Perry Rhodan an verschiedenen Fronten im Kampf gegen Shabazza und Torr Samaho, als die MORDRED, eine Terrororganisation, die Camelotbüros angreift und dort befindlichen Mitarbeiter ermordet.

Homer {G.} Adams, unterstützt vom Saggittonen Aurec, muß sich der gefährlichen Macht stellen. Es stellt sich sehr schnell heraus, daß Cauthon Despair, ein ehemaliger Freund Rhodans und Cameloter, hinter der MORDRED steckt. Doch hinter ihm steht noch eine geheimnisvolle Macht namens Dorgon, deren Adlerschiffe aus der Galaxis M 100 mit ihrer Technik den Galaktikern meilenweit überlegen sind.

Die MORDRED kann zwar besiegt und Cauthon Despair sogar bekehrt werden, doch weiß immer noch niemand – selbst Despair nicht – genau, wer oder was sich hinter Dorgon versteckt. So machen sich unter der Führung von Homer G. Adams und Aurec 10 Schiffe auf den Weg in die fremde Welt M 100, um herauszufinden, was sich hinter Dorgon befindet und um eine eventuelle Gefahr zu beseitigen.

Die IVANHOE trifft auf die ersten Völker Dorgons und auf die eigentliche Macht selbst. Die Galaktiker bekommen die grausame Hand der militaristischen Dorgonen zu spüren. Nachdem der erste Versuch der friedlichen Kontaktaufnahme fehlschlug, sehen sich Aurec und Homer G. Adams gezwungen, im PROTEKTORAT HARRISCH zu handeln...

Hauptpersonen

Aurec – Expeditionsleiter und Kanzler der Republik Saggittor

Homer G. Adams – Der Terraner leitet einen Einsatz

Trabon Saranos – Ein Akone, der etwas Wichtiges herausfindet

Ojemus – Ein schmieriger Stadthalter

Carcus – Der dorgonische Zenturio soll eine Strafexpedition anführen

Joak M. Cascal – Der Terraner ist sehr abgelenkt

Nadine Schneider – Die Botin lebt sich langsam auf der GOLDSTAR ein

1. Erste Erkenntnisse

Adams saß in seiner Kabine und beschäftigte sich noch einmal mit dem ersten Einsatz in Dorgon.

Der Planet Harrisch war Gegenstand ihres ersten Besuches gewesen. Nachdem die Mitglieder der Flotte einen ersten Kontakt mit den fremden Wesen hergestellt hatten, wurde ihnen auch gleich die Schattenseiten dieser Galaxis gezeigt.

Offenbar waren die Einheimischen des Planeten Harrisch den Dorgonen gegenüber tributpflichtig. Adams hielt nicht das geringste von einer solchen Form der Abhängigkeit, aber natürlich konnte er wohl nichts an den Verhältnissen in dieser Galaxis ändern.

Er verachtete die Dorgonen für ihr Vorgehen. Sie hatten den Einheimischen befohlen, ihnen einen höheren Tribut abzuliefern, was sicher das Vorrecht eines jeden Herrschers war.

Die Harriden weigerten sich jedoch, mit dem Hinweis, daß sie einfach nicht mehr geben konnten als der Planet hergab. Einen kleinen Teil der Erzeugnisse mußten sie aus Gründen der Selbsterhaltung für sich behalten, und darauf hatte der Häuptling Hak-Yak auch zurecht hingewiesen.

Zenturio Carcus, der Anführer der Dorgonen, hatte nicht das geringste Verständnis für die Wesen von Harrisch gezeigt. Ohne jegliche Gefühlsregung hatte er angekündigt, das Dorf der Harriden dem Erdboden gleich machen zu wollen, was er dann auch getan hatte. Die ansässigen Harriden hatte er kurzerhand mitgenommen, um sie als Sklaven in das Reich einzugliedern.

Leider waren die Galaktiker nur mit einer Jet vor Ort gewesen und so konnten sie das Schlimmste nicht verhindern. Irwan Dove und seine Expedition hatten keine Chance gegen die Dorgonen. Beinahe hätten sie ihr Leben verloren aber bevor das geschehen konnte, gelang ihnen die Flucht mit einem Transmitter.

Wieder hatten sie ein Beispiel für die Härte dieser Wesen erhalten. Ihr Vorgehen entsprach exakt dem, was sie in der Milchstraße gezeigt hatten. Aggressiv und sehr kompromißlos gegen andere, aber auch mutig. Ein Volk voller Widersprüche. Adams verglich sie mit den Arkoniden aus der Ära der Methankriege. Damals waren sie ähnlich veranlagt gewesen. Heute entsprach nur noch Atlan diesem Bild, sogar die Neuarkoniden waren anders, eher so, wie man es von den jungen Terranern gewohnt war. Das machte sie heute zu einem gefährlichen Gegner in der Milchstraße.

Adams riß sich zusammen. Er wollte nicht abschweifen. Langsam erhob er sich, noch einmal über alles nachdenkend, was sie nun unternehmen konnten. Entschlossen wandte er sich dann zur Tür und verließ die Kabine. Mit raschen Schritten näherte er sich der Zentrale, wo ihn sein Stellvertreter, der Blue Taröty Jylk, schon erwartete. Mit einer knappen Handbewegung begrüßte er den Kommandanten der Expedition in der Zentrale des Raumschiffes.

»Keine besonderen Vorkommnisse«, meldete er.

Das bezog sich auf alle Ereignisse seit dem mißglückten Einsatz auf Harrisch, aber vor allem auf die Zeit, die Adams außerhalb der Zentrale verbracht hatte. Nicht das Adams sich das nicht hätte denken können. Wenn etwas schlimmes vorgefallen wäre, wäre ihm das sicher nicht verborgen geblieben.

Trotzdem bedankte er sich und nahm seinen Platz in der Mitte der Zentrale ein. Er drehte sich halb in Richtung der Station des Funkers um.

»Empfangen wir immer noch Funksprüche der Harriden?«

Der Funker bejahte.

»Gut. Aufzeichnen und unseren Experten für Linguistik überstellen. Wir analysieren ihre Sprache, betätigen uns einige Zeit als Beobachter und hören uns an, was in diesem Sektor gespielt wird. Dann sehen wir weiter.«

Der Funker bestätigte und ließ die Aufzeichungsgeräte weiterlaufen. Die Computer arbeiteten schon an der fremden Sprache, aber auch die Sprachwissenschaftler nahmen Teil an der Analyse. Es dauerte nicht sehr lang und die Maschinen hatten erste Grundstrukturen der fremden Sprache erfaßt. Die Sprachwissenschaftler beschränkten sich weitgehend darauf, die Ergebnisse zu verwerten und Hypnoschulungsprogramme für die neue Sprache zu entwerfen. Erste Schulungen konnten schon bald durchgeführt werden.

Adams entspannte sich. Er wußte sein Schiff in guten Händen. Trotzdem verließ er die Zentrale nicht. Zu lange schon hatte er dieses Gefühl, auf der Brücke eines Schiffes zu stehen, vermißt.

Cascal saß schweigend auf dem fest installierten Büromöbel.

Es schien als starrte er ins Leere, in Wirklichkeit entging ihm nicht das geringste, was sich um ihn herum abspielte. Direkt vor seinen Augen befand sich die Oberfläche seines Schreibtisches, in dessen Oberfläche Bildschirme eingelassen waren. Theoretisch konnte er von hier aus das gesamte Schiff kommandieren. Trotzdem würde er jederzeit seinen Kommandantensessel bevorzugen.

Daher nahm er auch kaum war, was auf den Bildschirmen angezeigt wurde. Wenn sich irgendwelche Veränderungen ergeben würden, dann würde er das sofort registrieren.

Seine Aufmerksamkeit galt in diesem Moment allerdings einer anderen Person, die im Raum anwesend war. Nadine saß auf einer Couch auf der anderen Seite des Raumes. Sie war seiner Beobachtung unterstellt worden, und er nahm diese Aufgabe vielleicht etwas ernster, als er eigentlich sollte.

Die junge Frau saß entspannt zurückgelehnt auf der Couch. Sie bewegte sich nicht, beobachtete aber aufmerksam, was um sie herum geschah. Sie sagte kein Wort und gab Cascal so ihrerseits die Gelegenheit, aufmerksam zu beobachten.

Der Terraner verstand immer noch nicht, wie so etwas eigentlich möglich war. Sie war in seinen Armen gestorben, eigentlich unvermutet, denn mit den Mitteln der modernen Medizin hätte es möglich sein sollen, sie zu retten. Aber die Ärzte und Maschinen waren an dieser scheinbar einfachen Aufgabe gescheitert. Nach ihrem Tod hatte er ihren Körper nach Camelot überführt. In einer Torpedokapsel war sie dann zur letzten Ruhe gebettet worden. Auf seinen Wunsch hin hatte man ihren Körper in die Sonne Ceres geschossen, um die der Planet Camelot kreiste.

Es war also unmöglich, daß er genau diesen Körper hier nun vor sich sah. Trotzdem war dieses Wunder geschehen.

Cascal hatte immer noch genau jede Einzelheit seiner Träume aus der vergangenen Zeit in Erinnerung. Die Wirklichkeit war allerdings noch weitaus phantastischer. Sie saß in dem weißen Einteiler, den sie bei ihrer Rettung angehabt hatte, vor ihm. Das Kleidungsstück stand ihr eigentlich nicht schlecht, es war eng tailliert und brachte ihre fabelhafte Figur sehr gut zur Geltung. Bewundernd ließ er seine Augen über ihren Körper gleiten. Sie sah immer noch genauso hinreißend aus, wie er sie von Plophos her in Erinnerung hatte.

Ein Ding der Unmöglichkeit, sagte er sich immer wieder. Ihr Körper war in der Sonne Camelots verbrannt. Sie konnte einfach nicht hier sitzen und die Einrichtung seiner Kabine betrachten. Und doch war sie da.

Laut eigener Aussage war sie von irgendeiner mysteriös bleibenden Entität geschickt worden. Sie wußte nicht einmal welche es gewesen war. Ihre Worte hatten auf eine Wesenheit hingedeutet, die im Irgendwo existierte und aus sehr vielen verschiedenen denkenden Einheiten bestand, die aber alle zusammen eine größere Einheit bildeten. Das war allerdings eine Beschreibung, die auf eine unbekannt große Zahl von Entitäten in diesem Kontinuum und in einigen weiteren Kontinuen zutraf. Solange man nicht genau wußte, von welcher Entität sie als Botin geschickt worden war, war sie mit Vorsicht zu behandeln.

Es kam Cascal durchaus nicht ungelegen, daß er derjenige war, der sie es war, der sich mit ihr beschäftigen durfte. Nach ihrer Beisetzung war er lange Zeit sehr depressiv gewesen, obwohl er sich das eigentlich kaum erlauben konnte. Es war so viel geschehen, daß er wirklich wichtigeres zu tun hatte, als sich selber zu bemitleiden und so hatte kaum einer bemerkt, wie es innerlich um den Kommandanten der {TAKVORIAN} gestanden hatte. Er hatte dieses Geheimnis für sich behalten können und nur in einigen wenigen Augenblicken hatte er sich Selbstmitleid geleistet. Wie er vor einiger Zeit erkennen mußte, hätte er sich all sein Selbstmitleid ersparen können. War es wirklich so, wie die alten Römer sagten, daß die Liebe alles überwinden kann, sogar den Tod?

Oder war ihr Erscheinen weit weniger mysteriös als sie alle dachten?

Nein, korrigierte er sich in Gedanken. Es war in jedem Fall ein Wunder. Sie saß vor ihm, genauso, wie er sie in Erinnerung gehabt hatte. Jede Einzelheit stimmte, sogar der Schönheitsfleck auf ihrer Wange war genau an der richtigen Stelle. Es war unglaublich, aber vor ihm befand sich tatsächlich die Totgeglaubte Nadine Schneider.

Und er sollte besser endlich anfangen, diese Tatsache zu akzeptieren, bevor er wirklich noch Fehler machte. In den letzten Tagen war ihm einige Male fast etwas danebengegangen, und nur weil es die anderen nicht bemerkt hatten, war das nicht weniger schlimm. Sie waren auf einer sehr gefährlichen Mission, wo er seine fünf Sinne beisammen haben mußte. Jeder Fehler konnte tödlich sein. Das war ihm durchaus klar.

Aber Cascal war eben doch nur ein Mensch, weit mehr sogar noch als jeder Unsterbliche. Er hatte die Zeit betrogen, er war durchaus nicht unsterblich. Daher konnte er sich menschliche Regungen weit eher erlauben, als die Unsterblichen. Und Gefühle lagen weit weniger unter seiner Kontrolle, als bei den Unsterblichen.

Langsam ließ er seinen Stuhl nach vorne kippen, so daß er nun in einer aufrechten Position saß.

Nadines Blick kehrte langsam aus einer unendlich erscheinenden Ferne zurück, als ihr die Bewegung des Kommandanten bewußt wurde. Sie richtete ihren Blick auf Cascal, der sein Gesicht zu einem angedeuteten Lächeln verzog.

»Worüber denkst du nach?« fragte er, sich im gleichen Augenblick verärgert auf die Zunge beißend.

In seinen Ohren klang die Frage reichlich abgeschmackt. Jeder hatte diese Frage schon an die Frau gerichtet, die er zu beeindrucken gedachte. Für einen Augenblick fühlte er sich wieder wie ein Teenager. Das ist einige tausend Jahre her, dachte er, innerlich schmunzelnd. Dann konzentrierte er sich wieder auf die Botin.

»Ich weiß nicht...«

Nun, das war nicht gerade ermutigend. Wenn das Gespräch so tiefsinnig weiterging, dann würden sie wieder da enden, wo sie schon einige Male gestrandet waren. Im Nichts.

Nicht ablenken lassen! dachte der Kommandant, als seine Blicke wieder einmal bewundernd über ihre Gestalt glitten. Am Anfang war er ihr gegenüber sehr reserviert gewesen, ohne genau zu wissen, warum. Sie war ihm wie eine Fremde vorgekommen, aber nicht, weil etwas an ihr fremd war, sondern eher, weil sie ihm zu vertraut war. Das hörte sich widersprüchlich an, was es sicher auch war, aber für Cascal ergab es einen Sinn. Er hatte ihren Körper in eine Sonne geschossen. Alles, was genauso wie sie aussah, mußte ihm fremd erscheinen.

Aber inzwischen erkannte er immer mehr an, daß sie Nadine Schneider war. Er wollte es glauben. Nachdem er in der Raumzeitfalte seine Frau verloren hatte, wollte er nicht noch einen Menschen verlieren, der ihm etwas bedeutete. Sie war schon einmal unerreichbar für ihn gewesen, aber nun war sie wieder da. Immer mehr war er nur zu gerne bereit, sie für eine reale Person zu halten und ihr einfach alles zu glauben, was sie ihm erzählte.

Was allerdings genau genommen nicht gerade viel war.

Außer ihren Worten, von einer Entität geschickt worden zu sein, hatte sie noch nicht sehr viel von sich gegeben. Ihre Beschreibung der Entität war auch nicht sehr ergiebig gewesen.

Ihre Gespräche drehten sich im Kreis.

Sie faltete die Hände im Schoß und ihr Blick begann schon wieder in unerreichbar Fernen zu entschwinden. Er fragte sich, wo sie war, wenn sie diesen nachdenklichen Gesichtsausdruck bekam. Sie schien selber nicht recht zu verstehen, was mit ihr geschehen war.

Er wollte ihr helfen, es zu erkennen.

Sanna Breen schlenderte durch die Gänge der NELES. Sie war auch eine Beobachterin, allerdings weit profaner von Cistolo Khan geschickt. Sie sollte die Expedition beobachten und anschließend Bericht erstatten. Allerdings erschloß sich ihr nicht ganz der Sinn der ganzen Aktion.

Immerhin hatte sie durch den Auftrag einen interessanten Ausflug vor sich. Möglicherweise interessanter, als ihr lieb sein konnte. Bisher jedenfalls war schon eine ganze Menge passiert, was auf interessante Abenteuer in dieser fernen Galaxis hoffen ließ. Bisher war sie zwar kaum involviert gewesen, aber immerhin hatte sie die Bekanntschaft von einige Leuten gemacht, auf die sie lieber verzichtet hätte.

Eine Ausnahme gab es allerdings, und das war überraschenderweise der Cameloter Cauthon Despair, der für sehr viele Menschen, die an der Expedition teilnahmen, eigentlich eher eine erschreckende Erscheinung war. Er hatte ihr gegen einige besonders aufdringliche Zeitgenossen beigestanden, die in ihr die Erkenntnis hatten reifen lassen, daß eine besondere Auswahl von Mitreisenden wohl nicht stattgefunden hatte. Man hatte wohl eher alle mitgenommen, die gerade zur Verfügung gestanden hatten.

Auf der anderen Seite war es allerdings auch verständlich, denn die Organisation der Unsterblichen hatte in der Milchstraße mit genug Problemen zu kämpfen, die die Erkenntnis nahelegten, daß man nur die Leute mitnehmen konnte, die gerade nicht in der heimischen Galaxis gebraucht wurden. Und das war sicher nicht die Elite der Cameloter.

Von Terra konnte keine Hilfe kommen, daher mußte man mit dem vorlieb nehmen, was übriggeblieben war. So war es letztendlich auch verständlich, daß der scheinbar geläuterte Cauthon Despair mit von der Partie war. Nur verstand sie nicht, daß man ihn sogar zum Kommandanten eines Schiffes gemacht hatte.

Seit einer Woche schon lag die Flotte im Sektor Harrisch auf der Lauer und soweit sie hatte in Erfahrung bringen können, war bisher noch nicht viel geschehen. Seit der mißglückten Expedition hatte man sich ganz in die Rolle von Beobachtern zurückgezogen.

Aber Sanna fühlte, daß sich langsam aber sicher etwas anbahnte. Seit kurzem verhielt sich Adams anders, als in den letzten Tagen. Er schien etwas zu planen. Allerdings war sie sich nicht ganz sicher, ob ihre Beobachtung so überhaupt zutraf. Einen Unsterblichen durchschauen zu können traute sie sich nicht zu. Aber langsam mußte etwas geschehen, daher war sich Sanna ihrer Sache fast sicher.

Die einzige Unbekannte in ihrer Rechnung war die Geduld eines Unsterblichen. Ein Mensch, der mehrere tausend Jahre hinter sich gebracht hatte, dachte wohl über Zeit ein wenig anders, als eine Terranerin, die eigentlich noch sehr jung war, auch wenn sie schon erstaunlich viel erreicht hatte.

Sie konnte sich also durchaus täuschen, aber einige der Vorbereitungen der letzten Zeit deuteten doch auf bevorstehende Veränderungen hin. Bald würde sich etwas tun, da war sie sich sicher.

Was ist mit der Sprache der Dorgonen? Ist sie mittlerweile entschlüsselt?«

Ceboky Jefrar, der Cheborparnische Wissenschaftsoffizier, lehnte sich entspannt in seinem Sessel zurück.

»Durchaus, Homer«, gab er zurück.

»Gut. Und wie sieht es mit den Schulungen aus?«

Vor drei Tagen hatte Homer den Befehl erteilt, einigen Mitgliedern der Besatzung eine Hypnoschulung zu verpassen, sobald die Sprache entschlüsselt wäre. Die Besatzungen von insgesamt vier Schiffen, außer der GOLDSTAR und SAGRITON auch noch die DRUSILLIA und die AKRAN, waren von Homer für einen besonderen Einsatz ausgewählt worden. Noch wußte die Besatzung nichts davon, aber bald würde die Zeit der relativen Ruhe nach ihren ersten Abenteuern in Dorgon zu Ende sein.

»Fast abgeschlossen.«

Der Cheborparner wirkte fast gelangweilt, als er die Antworten gab. Homer sagte einige Worte in einer fremden Sprache und schaffte es damit, den stoischen Ceboky leicht aus dem Konzept zu bringen.

»Was?« schnappte der Mann, der äußerlich an einen Teufel aus den alten terranischen Legenden erinnerte.

»Das war dorgonisch«, schmunzelte der Terraner.

»Sag bloß, du hast vor lauter Arbeit ganz vergessen, dir die Sprache selber beizubringen?«

Damit schaffte er es endgültig, den Cheborparner aus der Ruhe zu bringen. Er richtete sich in eine kerzengerade Haltung auf und wirkte plötzlich gar nicht mehr entspannt. Er ballte die Faust und war kurz davor, auf den Tisch zu hauen. Dann allerdings entspannte er sich langsam wieder.

»Nun«, meinte er zögerlich, »es könnte tatsächlich sein, daß ich da was übersehen habe.«

Homer winkte ab.

»Du hast noch Zeit, dieses Versäumnis nachzuholen. Wir werden erst in einigen Tagen in den Einsatz gehen.«

»Die Zeit drängt, mein Freund. Vielleicht sollten wir schon morgen aufbrechen!« erklang die markante Stimme des Saggittonen Aurec, der in einer schwarzen Uniform die Kommandozentrale betrat. Sein Umhang flatterte bei seinem forschen Schritt durch den Raum.

Die anderen Mitglieder der Besprechung horchten auf. Taröty Jylk, der Stellvertreter Adams auf der GOLDSTAR, drehte seinen Tellerkopf in Richtung Aurec. Endlich tat sich etwas. In den letzten Tagen hatte sich schon fast so etwas wie Langeweile unter der Besatzung der GOLDSTAR breit gemacht. Es wurde langsam Zeit, dem Gegner zu zeigen, daß man nicht gewillt war, sich länger auf der Nase herumtanzen zu lassen.

Adams begrüßte den zweiten Expeditionsleiter herzlich und bot ihm einen Platz an.

»Bist du sicher, daß wir damit nichts überstürzen?« fragte er eindringlich den Saggittonen.

»Ja, ich bin mir ziemlich sicher. Wir haben eine Woche der Forschung und Beobachtung hingegeben. Es ist nun wieder an der Zeit, Taten folgen zu lassen. Mit diesem Schema hat Perry Rhodan auch bereits mehr als einmal Erfolg erzielt«, erklärte er den anderen Anwesenden.

Adams nickte. Er konnte sich nur zu gut an Rhodans Taktiken erinnern. Man merkte genau, daß Aurec aus dem gleichen Holz wie Perry und Atlan geschnitzt war. Der Unsterbliche spürte genau denselben Tatendrang in dem Saggittonen.

Homer G. Adams wandte sich wieder den anderen zu.

»Trabon Saranos.«

Der akonische Sicherheitsoffizier richtete sich leicht auf, als das Wort an ihn gerichtet wurde. Aufmerksam lauschte er den Worten des Expeditionsleiters.

»Ich habe dich gebeten, eine Analyse der Situation in unserer unmittelbaren Umgebung und in diesem Sektor aus deiner Sicht als Sicherheitsexperte anzufertigen. Kannst du uns die bis jetzt gewonnenen Erkenntnisse vortragen?«

Einen Augenblick lang blickte der Akone fast verärgert, dann nickte er knapp. »Natürlich«, konstatierte er.

Er drückte auf einige Knöpfe in der Tischplatte direkt vor ihm. Das Licht wurde gedimmt, damit man die Holoprojektion, welche sich über dem Tisch aufbaute, besser erkennen konnte. Die Sterne des Sektors Harrisch wurden sichtbar.

Aurec lehnte sich zurück, faltete die Hände und blickte gespannt auf das Schaubild.

»Das ist der Sektor, in dem wir uns befinden. Soweit wir bisher herausgefunden haben, wird er hauptsächlich von Harriden bewohnt. Eine Beschreibung des Volkes findest du in meinem schriftlichen Bericht auf Seite 4.«

Aurec nahm wie auf Kommando den Bericht und blätterte auf die besagte Seite. Interessiert nahm er die Informationen über das Volk auf.

Der Akone fuhr fort: »Die Harriden sind aber nicht die eigentlichen Beherrscher des Sektors, aber das wissen wir ja schon seit unserer ersten Expedition. Vielmehr wird offenbar die ganze Galaxis von einem Volk beherrscht, das sich Dorgonen nennt. Die Harriden sind – wie alle anderen Völker dieser Galaxis – tributpflichtig.

Ähnlich wie das alte Imperium der Arkoniden, und auch das der Akonen, ist die Galaxis in mehrere Sektoren aufgeteilt. Jeder dieser Sektoren wird von einem Statthalter geführt. An wessen Statt er die Stellung hält, konnten wir noch nicht herausfinden. Der dorgonische Begriff für diesen Vertreter lautet Consus.

Durch unsere Lauschaktion konnten wir in Erfahrung bringen, daß sich die Zentralwelt dieses Sektors genau hier befindet.«

Eine rote Kugel erschien in der Holographie, einen Planeten markierend. Im nächsten Augenblick zoomte das Auge der Betrachter scheinbar auf den Planeten, der groß abgebildet wurde.

»Der Planet heißt Cermos. Auf ihm befindet sich die Vertretung des Reiches Dorgon. Außer den Harriden gibt es anscheinend keine andere Rasse in diesem Sektor, welche die Raumfahrt beherrscht, abgesehen von den Dorgonen, die sich besonders auf dieser Welt konzentrieren. Wir haben die charakteristischen Ausstrahlungen der Aderschiffe dort angemessen.«

»Gut«, meinte Adams. »Wenn du eine Erkundung auf dieser Welt durchführen müßtest, wie würdest du vorgehen?«

Saranos nickte knapp und drückte auf einen weiteren Knopf. Die Darstellung der Sterne des Sektors kehrte zurück, Cermos blieb jedoch markiert. Zusätzlich wurde noch der Standort der Flotte markiert.

»Die Flotte ist an diesem Standort in relativer Sicherheit«, meinte Trabon.

Auf einige weitere Eingaben hin teilte sich die Flotte. Vier Schiffe trennten sich von den anderen.

»Ich würde mit diesen vier Schiffen losfliegen und eine getarnte Mission auf Cermos durchführen. Unser wichtigstes Ziel sollte im Augenblick die Informationsgewinnung sein. Dieses können wir nur auf nachrichtendienstlicher Art gewinnen. Oder anders ausgedrückt: Wir sollten uns tarnen und Cermos einen Besuch abstatten.«

Die ganze Zeit über hatte Trabon ziemlich emotionslos gewirkt. Aber bei den letzten Worten leuchteten seine Augen auf. Es war deutlich zu sehen, daß er auf eine solche Aufgabe geradezu brannte.

»Danke, Trabon. Deine Meinung, Ceboky?«

Der Cheborparner räusperte sich.

»Nun, ich bin der Meinung, daß es dafür noch zu früh ist. Wir konnten aus den Funksprüchen, die in diesem Sektor kursieren, schon eine Menge herausfiltern, was uns weitergeholfen hat. Ich bin der Meinung, wir sollten noch eine Weile warten, um uns noch etwas mehr Hintergrundwissen aneignen zu können. Dann sollten wir aber so vorgehen, wie es Trabon vorgeschlagen hat.«

Der Akone blickte ausdruckslos, als er die Meinung des zweiten Offiziers hörte.

Adams nickte dankend und richtete sein Wort dann an den Blue, der bisher noch nicht viel gesagt hatte.

»Was meinst du, Taröty?«

Bedächtig wiegte der Blue den Kopf.

»Im Interesse der Besatzung würde ich sagen, wir sollten sofort aufbrechen. Aber Ceboky hat recht. Noch wissen wir zuwenig, um uns erfolgreich als Einheimische zu tarnen. Sie würden es uns nicht abnehmen und so brächten wir die Expedition in Gefahr.«

Der Akone nickte zustimmend.

»Eine Verzögerung von einer Woche erscheint mir nötig«, meinte er. »Dann sollten wir soweit sein, um auf Cermos einsickern zu können.«

Adams nickte. »Danke, meine Herren. Ich denke, diese Besprechung hat uns weitergebracht. Wir werden so vorgehen. Ceboky, du hast noch eine Woche Zeit, um mehr herauszufinden. Dann werden wir mit vier Raumschiffen aufbrechen. Ich habe die DRUSILLIA und die AKRAN bereits informiert, ihre Besatzungen stehen für den Ausflug zur Verfügung. Bis in vier Tagen erwarte ich Vorschläge sowohl von euch, als auch von den Besatzungen der anderen beiden Schiffe, wie wir auf Cermos am Besten vorgehen können.

Trabon, dir danke ich für Deinen sehr detaillierten Bericht. Er stimmt in fast allen Teilen mit meiner Einschätzung überein. Bitte bleib am Ball und liefere mir einen Einsatzplan, den wir dann in einer weiteren Besprechung als Grundlage nutzen werden. Das wäre alles.«

Aurec erhob sich.

»Ich denke, daß ich da auch noch ein Wörtchen mitzureden habe«, begann er und warf Adams einen scharfen Blick zu, denn der Saggittone fühlte sich umgangen.

»Wir wissen nicht, was die Dorgonen mit der Milchstraße vorhaben. Die Zeit drängt! Wir könnten theoretisch noch Monate damit zubringen alles und jeden zu analysieren, doch dafür reicht meiner Meinung nach die Zeit nicht aus. Ich schlage vor, daß wir in drei Tagen aufbrechen!«

Ruhe herrschte unter den Anwesenden. Homer G. Adams schüttelte den Kopf. Er beharrte auf seine Meinung.

»Ich denke auch, wir sollten bald handeln!« erklang die metallische Stimme Cauthon Despairs, der den Raum betrat.

»Ich bin ziemlich verwundert darüber, daß eine solch wichtige Besprechung ohne die Kommandanten der einzelnen Schiffe stattfindet. Nichts gegen die Besatzung der GOLDSTAR, doch sie sind in der Hierarchie eher unten einzuordnen.«

Ein Fausthieb gegen Adams Besatzung. Cheboky wäre am liebsten aufgestanden und hätte Despair am Kragen gepackt. Doch schnell verwarf er die Gedanken, den erstens würde es noch mehr Unfrieden stiften und zweitens wäre er hoffnungslos unterlegen.

»Anscheinend ist Homer G. Adams es nicht mehr gewöhnt, die Kommandantur über eine ganze Flotte zu haben«, stichelte Despair weiter und stellte sich vor die Holographie, die er genau studierte.

Aurec konnte einigen Argumenten Despairs nicht widersprechen. Adams schien anscheinend einen Alleingang machen zu wollen. Er hielt diese Vorgehensweise jedoch für falsch. Die Flotte mußte zusammenhalten. Dennoch wies der Saggittone Despair zurecht und verteidigte seinen terranischen Freund.

»Wir sollten uns nicht in sinnlose Streitgespräche verwickeln und wie Waschweiber zetern, sondern uns morgen mit allen Kommandanten treffen und einen Plan ausarbeiten«, schlug Aurec vor.

Despair und Adams sahen sich kurz an und willigten ein.

»Gut, damit ist die Sitzung beendet. Wir sehen uns in 24 Stunden«, sprach der Kanzler Saggittors eindringlich und blickte Despair und Adams an.

Der silberne Ritter verließ den Raum so schnell, wie er ihn betreten hatte. Adams nickte leicht niedergeschlagen.

Die Männer erhoben sich alle gleichzeitig und strebten zu den Ausgängen. Adams sah zu seinen Leuten und war stolz auf sie. Disziplin war seiner Meinung nach eine sehr wichtige Sache, gerade bei so einer gefährlichen Mission. Das Kommandoteam der GOLDSTAR war aus einem besonderen Holz geschnitzt. Mit diesen Männern würde es ein Vergnügen sein, in den Einsatz zu gehen.

Vielleicht hatte er auch deshalb auf einen »Alleingang« beharrt, denn er vertraute diesem Team und erhoffte sich, so keine Verluste einzufahren.

»Es tut mir leid, Aurec. Ich...«

Aurec hob die Hand.

»Ich weiß, was du sagen willst. Vielleicht hätte ich an deiner Stelle ebenso gehandelt, doch wir müssen alle zusammenarbeiten. Wir haben 10 Schiffe zur Verfügung und sollten dieses Potential auch voll ausnutzen. Wir müssen auch den anderen Vertrauen entgegenbringen können.«

Adams nickte, dann lächelte er.

»Immerhin haben wir jetzt ein Ziel!«

»Ein recht gutes Ziel«, stellte Aurec fest.

Für einen kurzen Augenblick erlaubte sich der Unsterbliche eine Offenbarung seiner Gefühle, als er voller Vorfreude die Handflächen gegeneinander rieb. Dann umrundete er den Tisch und verließ den Besprechungsraum, der genau neben der Zentrale gelegen war.

Cascal lehnte sich gegen die Theke und flüsterte dem Barmixer einige Worte zu. Der Mann nickte und stellte zwei Shaker auf die Theke. Langsam goß er unterschiedlich gefärbte Getränke in die Shaker und verschloß sie sorgfältig. Dann begann er mit beiden Armen zu schütteln. Da er Ertruser war, wurden die Getränke gewaltig durchgeschüttelt.

Als er fertig war, setzte er beide Shaker ab. Schaum quoll unter den Verschlußkappen hervor. Ungerührt nahm er zwei Gläser. Dann setzte er auf den einen Shaker ein Sieb und goß den Inhalt vollständig in eines der beiden Gläser. Dasselbe geschah mit dem zweiten Shaker.

»Viola«, meinte der Ertruser, »hier hast du deinen Tequila Sunrise.«

Dankbar nickte der Kommandant der {TAKVORIAN}, dann drückte er eines der Gläser in die Hand von Nadine, die neben ihm stand und immer noch leicht verloren ins Leere starrte. Nur langsam kehrte ihr Blick aus der Ferne zurück, sie blickte ihn an und schien ihn zum ersten Mal richtig wahrzunehmen.

»Als ich wieder erwachte, dachte ich noch, wie wunderbar es ist. Nicht jeder läßt den Tod hinter sich. Aber inzwischen bin ich mir nicht mehr so sicher, ob ich das wirklich alles will.«

Das war der längste Satz, den sie seit über einer Woche gesprochen hatte. Normalerweise beschränkte sie sich mit einem launischen Hinweis auf eine Entität, die sie geschickt hatte. Cascal hakte ihren Arm unter und geleitete sie zu einem Tisch. Sie nahmen Platz und sahen sich tief in die Augen.

»Ich weiß nicht, was seit Plophos mit mir passiert ist. Ich habe keine Erinnerung an die Zeit nach«, zögernd sprach sie weiter, »nach meinem Tod. Aber ich weiß, daß ich mit irgendwem gesprochen habe. Dieses Wesen – oder besser, dieses Kollektiv – hat sich mir aber nicht vorgestellt. Ich versuche schon die ganze Zeit, dahinterzukommen, was eigentlich wirklich passiert ist. Aber ich kann mich einfach nicht erinnern.«

Sie wirkte leicht verzweifelt. Cascal nahm ihre Hand und drückte sie leicht.

»Eigentlich ist es doch unwichtig. Sei froh, daß du noch am Leben bist. Oder besser wieder.«

Langsam lehnte er sich zurück. Er wußte nicht, wie er mit dieser Situation umgehen sollte. Noch nie zuvor war er in einer solchen Situation gewesen. Er wünschte, Ernst Ellert wäre hier. Er hatte immerhin schon einmal seinen Körper verlassen, könnte sich in einer solchen Situation wesentlich besser auskennen, als er. Aber Ellert war verschwunden, zusammen mit {ES}. Niemand wußte, wo sich beide befanden.

Vielleicht war es die Entität, die hinter Nadines merkwürdiger Wiederkehr steckte, aber dies wußten sie nicht mit Sicherheit. Es gab viele Entitäten in diesem Universum und außerhalb davon noch eine Menge mehr. Wer auch immer dahintersteckte, er agierte aus dem Verborgenen heraus.

Cascal griff nach seinem Glas und leerte es langsam.

Wieder saßen sie in dem Besprechungsraum neben der Zentrale der GOLDSTAR. Adams ließ langsam seinen Blick über die Runde schweifen. Die Kommandanten und stellvertretenden Kommandanten der DRUSILLIA, der Terraner Sylvan Skodar und sein twonosischer Stellvertreter Chukly Labl und der {AKRAN}, welche dem Arkoniden Haras von Traban unterstand, hatten sich zu ihnen gesellt. Natürlich waren auch Aurec, Cauthon Despair und die anderen Raumschiffkommandanten anwesend. Adams wollte sich Aurecs Rat zu Herzen nehmen und jedem sein Vertrauen entgegenbringen, auch wenn er bei einigen an der nötigen Kompetenz zweifelte. Die entscheidende Besprechung würde heute stattfinden.

»Danke für euer Erscheinen«, eröffnete Homer die Sitzung. »Tabron, ich habe mir deinen Bericht noch mal genau angesehen. Sehr interessant. Aurec und ich haben einen Plan vorbereitet, wie wir in den nächsten Tagen vorgehen sollten.«

Auf den Bildschirmen vor den Teilnehmern der Sitzung erschien eine kurze Aufstellung der bevorstehenden Aktionen der Flotte.

»Ich glaube nicht, daß wir uns irgendwie tarnen sollten. Ich denke, wir werden einfach hinfliegen, wie wir sind. Allerdings werden wir als Händler dort auftreten und versuchen, Verbindungen zu den hiesigen Machthabern zu knüpfen. Ceboky, deine Erkenntnisse der letzten Tage waren sehr interessant. Ich denke, auf diese Art und Weise werden wir am meisten Erfolg haben.«

Tabron nickte zustimmend. Er war zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen. Homer als Finanzgenie schien am Besten geeignet, eine Handelsmission zu führen. Das äußere Erscheinungsbild ihrer Schiffe legte nahe, daß sie aus einer anderen Galaxis kamen, also sollten sie auch so auftreten. Handel war immer die einfachste Möglichkeit, Kontakt zu anderen Zivilisationen zu knüpfen und wirtschaftliche Interessen kamen sogar noch vor militärischen, wenn es darum ging, eine so lange Reise anzutreten.

Allerdings sollten sie hinsichtlich ihrer wahren Herkunft stillschweigen bewahren. Beim ersten kurzen überfliegen der Handlungsübersicht erkannte der Akone, daß Homer daran durchaus gedacht hatte.

»Ceboky, ich gehe davon aus, daß mittlerweile die Besatzungen in der Lage sind, dorgonisch zu sprechen, einschließlich du selbst«, fügte er mit einem leichten Schmunzeln hinzu.

Der wissenschaftliche Offizier der GOLDSTAR nickte, wieder wesentlich selbstsicherer geworden.

»Dennoch werden wir einige Änderungen im Plan vornehmen. Die SAGRITON und GOLDSTAR werden alleine fliegen. Es reicht vollkommen aus, wenn zwei Schiffe Präsenz zeigen. Mehr würde nur den Gegner unnötig in Mißtrauen versetzen«, erklärte Aurec den Anwesenden.

Trabon sah verlegen auf den Fußboden, je mehr er über die Worte des Saggittonen nachdachte. Er hatte nämlich recht. Der Akone war darüber verärgert, vor allem, weil er selbst nicht darauf gekommen war.

»Desweiteren werden die {SAGRITON} und GOLDSTAR aus Sicherheitsgründen auf dem vierten Planeten des Systems landen. Von dort aus werden wir, zum Zeichen unserer friedlichen Absichten, mit einem VESTA-Kreuzer weiterfliegen«, sprach er weiter.

Adams sah sich unter den Beteiligten um. Ihr Plan schien auf Zuspruch zu stoßen. Der Saggittone stand auf und lief um den Tisch herum, wobei er jeden genau musterte.

»Nur eine kleine Delegation wird auf dem {VESTA}-Kreuzer sein. Homer G. Adams, Cauthon Despair, Sanna Breen, meine Wenigkeit, Trabon Saranos und eine Besatzung von 10 Soldaten unter der Führung von Sam Tyler«

Aurec winkte den Elitesoldaten herbei. Sam Tyler trat heran. Er war 1,90 Meter groß, schlank, hatte eine hohe Stirn, schwarze Haare, ein markantes und vom Leben gekennzeichnetes Gesicht und trug eine schwarze Lederjacke. Er machte alles in allem einen sehr harten und wenig sympathischen Eindruck.

Tyler nickte den Anwesenden kurz zu.

»Sam Tyler ist ein absoluter Profi. Er arbeitete bereits als Söldner in diversen innergalaktischen Konflikten und hat eine TLD-Ausbildung hinter sich. Zusammen mit seinem Freund Chris Japar hat er sich für die Expedition und nun auch für die Mission freiwillig gemeldet«, erzählte der Saggittone.

Adams schüttelte mit dem Kopf.

»Wir brauchen hier vertrauenswürdige Personen«, meinte er vorwurfsvoll.

Tyler warf dem Zellaktivatorträger einen bösen Blick zu und ging langsam auf ihn zu.

»Hör zu, alter Mann! Ich bin zwar Söldner, aber auch Patriot. Ich sehe es nicht gerne, wenn irgendwelche Freaks aus anderen Galaxien meine Leute ans Leder wollen. Ich bin hier, um deinen Arsch sauber zuhalten. Mir ist es eigentlich egal, ob du mir traust, oder nicht, aber ich erledige meinen Job. Das bedeutet, ich knalle so viele von diesen Dorgonen ab, wie es mir möglich ist!«

Demonstrativ zog er seine Thermokanone und zeigte sie jedem. Sein Blick schwenkte durch den ganzen Raum.

Adams blickte irritiert auf die Waffe und nickte dann unmerklich.

»Bitte, aber wir brauchen jemanden, der auch sein Hirn benutzt und nicht gleich losballert. Reiß dich also zusammen, Tyler!«

»Gut, damit ist alles geklärt. Wir brechen morgen auf!« meinte Aurec abschließend. Homer hatte sich wieder gefaßt und erkundigte sich, ob noch Fragen offen seien.

Er blickte sich kurz um. Außer Kopfschütteln konnte er nichts erkennen. Zufrieden nickte er.

»Dann begebt euch wieder an Bord eurer Schiffe. Wenn ihr abflugbereit seid, gebt Bescheid. Die DRUSILLIA und AKRAN begleiten uns bis zum Rand des Systems und begeben sich dann in den Ortungsschutz der Sonne«

Er erhob sich und signalisierte damit das Ende der Besprechung. Die anwesenden Galaktiker verließen schweigend das Besprechungszimmer.

Jeder von ihnen hatte eine Kopie des Einsatzplanes erhalten. Sie würden sich in den nächsten Stunden damit vertraut machen und die nötigen Maßnahmen ergreifen, um mit ihren Mannschaften ein möglichst den Erfordernissen entsprechendes Bild abzugeben. Dann würden die Schiffe aufbrechen.

Endlich passierte wieder etwas.

Cascal saß in seinem Kommandantensessel. Er hatte soeben die Einsatzpläne erhalten und registriert, daß die TAKVORIAN nicht mit dabei sein würde. Er wußte nicht, ob er darüber traurig sein sollte oder nicht. Eigentlich wollte er wieder in den Einsatz, andererseits war er sich aber seiner selbst im Augenblick nicht sicher. Solange er seine eigene Unsicherheit Nadine betreffend nicht im Griff hatte, wollte er lieber nicht Teil einer Einsatzflotte sein. Für seine Mannschaft wäre es allerdings besser gewesen. Vor allem sein erster Offizier, Coreene Quon, wirkte leicht ungeduldig. Sie nahm mit gelinder Enttäuschung zur Kenntnis, daß sie noch einige Tage lang untätig warten mußten, bevor die {TAKVORIAN} wieder in das Geschehen eingreifen würde.

Vielleicht würde sich Nadine betreffend eine Änderung ergeben. Einige Tage konnten eine Menge ändern, vor allem weil sie sich endlich entschlossen hatte, über die Ereignisse zu reden. Neue Erkenntnisse würden sich ergeben und sicher würden sie bald mehr erfahren. Wenn eine Entität hinter den Ereignissen steckte, und davon war auszugehen, dann würde sie sich irgendwann melden. Bis dahin mußten sie sicherstellen, daß Nadine wirklich auf ihrer Seite stand. Ob das möglich war, konnte Cascal nicht einmal erahnen. Immerhin wurde sie von einer Superintelligenz beeinflußt und gegen eine solche kamen nicht einmal die Unsterblichen an.

Blieb nur zu hoffen, daß die fragliche Superintelligenz hinter den Zielen Camelots stehen würde. Allerdings nahm Cascal das fast an, denn wenn sie das nicht tun würde, dann hätte sie sich sicher nicht darauf beschränkt, eine Beobachterin zu schicken, noch dazu eine, die ihnen bereits bekannt war.

Cascal warf einen flüchtigen Blick auf den Bildschirm und sah, wie sich vier der Schiffe aus ihrer Formation lösten. Ein Blick auf die Ortungsanzeigen zeigte ihm, daß es sich um die {SAGRITON}, die GOLDSTAR, die DRUSILLIA und die AKRAN handelte. Aurec und Homer waren unterwegs zu ihrer Mission.

Coreene Quon stand mit leicht versteinerter Miene neben ihm, wie er mit einem raschen Seitenblick feststellte. Cascal schmunzelte leicht. Mit einer solchen Besatzung an seiner Seite sahen alle Probleme gleich viel weniger schwierig zu lösen aus.

Zum ersten Mal seit einigen Tagen entspannte er sich etwas. Er lehnte sich zurück und beobachtete die vier Schiffe, die mittlerweile genug Fahrt aufgenommen hatten und nacheinander in den Metagravflug übergingen.

2. Cermos

Adams saß im Sessel des Kommandanten und beobachtete den Bildschirm, auf dem nur das Wabern des Hyperraumes zu sehen war. Er dachte über die bevorstehenden Ereignisse nach. Nicht, daß er irgendwelche konkreten Befürchtungen gehabt hätte. Er war im Gegenteil sehr entspannt. Er genoß das Gefühl, wieder einmal im Mittelpunkt bedeutender Ereignisse zu stehen. Zu lange schon hatte er das Gefühl, immer mehr zum Schreibtischtäter zu werden. Seit den Tagen der Widder hatte er eigentlich keine richtige Aufgabe mehr gehabt.

Jetzt tat sich endlich mal wieder was und er gedachte, die Ereignisse in vollen Zügen zu genießen.

Er rutschte etwas tiefer in den bequemen Sessel. Seine Blicke glitten über die Anzeigen, die in die Armlehne integriert waren und ihn bei der Führung des Schiffes unterstützten. Alle Anzeigen leuchteten in beruhigenden Farben, alles an Bord war in Ordnung. Das war ein Zustand, den Homer immer genossen hatte.

In diesem Augenblick zeigten die Ortungen einige Schiffe an, die in unmittelbarer Umgebung der GOLDSTAR durch den Hyperraum glitten. Mühelos konnte Adams anhand der Kennungen die AKRAN, die SAGRITON und die DRUSILLA identifizieren. Aber da war noch ein Schatten, den er nirgends zuordnen konnte.

»Trabon, siehst du den Schatten in der Ortung?« fragte er, da meldete sich auch schon sein Ortungsoffizier.

»Identifiziert«, äußerte Wendy Simkins. »Es handelt sich um ein Adlerschiff. Die Form ist unverkennbar.«

Auf einem der kleinen Displays vor Adams erschien ein klares Bild, welches die Hyperortungen lieferten. Es war in der Tat eines dieser Adlerschiffe, allerdings ein kleineres. Adams hielt es für ein Aufklärungsschiff. Wenn er allerdings bedachte, was das Schiff, welches sie auf Camelot untersucht hatten, an Überraschungen zu bieten hatte, dann sollten sie wohl besser vorsichtig sein.

»Will er was von uns?«

»Wenn ja, dann sicher nichts gutes«, antwortete der Sicherheitschef, obwohl er eigentlich gar nicht gefragt war. Trabon trat neben den Kommandanten der GOLDSTAR. »Sieht aus, als währen sie eine Art Sicherung für Cermos. Immerhin sind wir in einer halben Stunde dort.«

»Was mich weit mehr beunruhigt«, sinnierte Adams, »ist die Tatsache, daß sie uns hier geortet haben. Sie müssen über sehr gute Langstreckenorter verfügen. Und was noch schlimmer ist, sie sind in der Lage, bereits im Hyperraum andere Schiffe aufzuspüren.«

»Wie auch immer, sie sind jedenfalls nicht darauf aus, uns anzugreifen. Das hätten sie schon längst gekonnt.«

»Wer sagt dir das? Vielleicht können sie ihre Waffen hier nicht benutzen. Wir können das schließlich auch nicht.«

Trabon wischte den Einwand des stellvertretenden Kommandanten zur Seite. »Sie sollten uns eigentlich auch nicht auf diese Entfernung orten können. Wir können auch das nicht, trotzdem sind sie dazu in der Lage.«

»Beobachte ihn weiterhin«, wandte sich Adams an Wendy. »Wenn sich irgend etwas ändert, werden wir in den Normalraum zurückkehren. Solange er uns nur begleitet, fliegen wir einfach weiter, als hätten wir ihn nicht bemerkt.«

Trabon nickte zustimmend. Eine gute Entscheidung, wie er fand. Solange sie nicht angegriffen wurden, bestand auch keine unmittelbare Gefahr. Und solange keine Notwendigkeit bestand, sollten sie besser nicht zeigen, wozu ihre Schiffe in der Lage waren.

Wenn die Unbekannten sie allerdings als Galaktiker identifiziert hatten, dann waren diese Überlegungen letztendlich sinnlos. Sie mußten davon ausgehen, daß die Dorgonen sie schon länger beobachteten. Sonst wäre sicher nicht dieses Schiff in der Galaxis aufgetaucht, noch dazu, ohne von jemandem bemerkt zu werden.

Lange Zeit standen sie schweigend, das Schiff im Auge behaltend. Adams konzentrierte sich allerdings schnell wieder auf den Zentraleschirm, auf dem immer noch das Wabern des Hyperraumes zu sehen war.

Es verschwand allerdings, als die Schiffe am Rande des Cermos-Systems wieder in den Normalraum zurückkehrten.

Neben den vier Schiffen der galaktischen Flotte schwebte regungslos ein Adlerschiff. Zu fünft trieben sie im freien Fall auf das System vor ihnen zu. Keines der Schiffe bewegte sich. Adams lehnte sich noch etwas weiter zurück. Er wollte auf keinen Fall derjenige sein, der zuerst etwas unternahm. Eigentlich sollten sie sich zuerst als Besucher anmelden, aber Adams war gespannt, wie lange die Dorgonen Geduld haben würden.

Aurec meldete sich bei Adams. Er machte einen besorgten Eindruck.

»Wir verhalten uns ruhig und warten die ersten Minuten ab. Dann melden wir uns und stellen uns als Handelskarawane vor«

»Gut«, meinte Adams und lehnte sich zurück.

Die nächsten Minuten würden entscheidend werden.

Sanna Breen wanderte durch die Gänge der GOLDSTAR. Sie hatte recht behalten, es war etwas geschehen. Allerdings später, als sie vermutet hatte. Der Unsterbliche hatte eben doch mehr Geduld, als jeder von ihnen.

Sie dachte nach, als sie sich dem Fitneßraum näherte. Sie hoffte, daß keiner von den Männern dort war, die sie belästigt hatten. Gegen ein Workout mit Despair hätte sie allerdings nichts einzuwenden gehabt. Sie lächelte, als sie sich der Zweideutigkeit ihrer Gedanken bewußt wurde.

Sie hatte Glück, niemand war in dem Raum. Sie setzte sich auf eines der Geräte und justierte den Widerstand, der in einem Fitneßraum dieser Zeit nicht mehr von Gewichten kam. Dann begann sie damit, langsam und gleichmäßig an dem Gerät zu arbeiten. Sie fing zuerst damit an, ihre Oberarme zu trainieren, dann machte sie beim Oberkörper weiter und arbeitete sich langsam nach unten weiter. Sie verließ das Gerät, um sich zu einem anderen zu begeben. Sie drehte sie sich kurz um, weil sie für einen Augenblick den Eindruck hatte, beobachtet zu werden. Es waren aber nicht – wie sie befürchtet hatte – ihre Peiniger; im Rahmen des Schotts stand der Mann mit der Rüstung.

»Cauthon«, sprach sie überrascht. »Wie lange stehst du schon da?«

»Lange genug«, meinte der Cameloter. Sie konnte nichts von seinem Gesicht erkennen, aber seine Stimme klang, als würde er lächeln.

»Ich wünschte, ich könnte dein Gesicht sehen. Dann wüßte ich wenigstens, was du denkst.«

Immer noch stand die Gestalt unbeweglich, aber sie erkannte ein leises Unbehagen in seiner Bewegung, als er sich vom Rahmen der Tür löste und sich auf dem Sitz niederließ, den sie noch einen Moment zuvor benutzt hatte.

»Diesen Anblick wurde ich dir lieber ersparen.«

Er hörte sich sehr verloren an, als er das sagte, und zum ersten Mal wurde ihr bewußt, wie sehr er in seiner jetzigen Erscheinungsform litt. Es war anscheinend nicht die Rüstung, die ihn störte, es war eher sein Körper, der allerdings ohne diese Rüstung nicht überleben konnte.

Sie setzte sich neben ihn auf die kleine Bank und legte ihre Hand auf seinen Schenkel.

»So solltest du nicht reden«, legte sie ihm nahe.

Er zog sein Bein etwas zurück.

»Mein Schicksal ist es, viele Dinge, die für normale Menschen selbstverständlich sind, niemals kennenzulernen. Ich empfinde dies nicht als positiv...«

Sie schaute ihn nach seinem Ausbruch verständnislos an.

»Entschuldige«, murmelte er.

»Schon gut«, meinte sie leichthin.

»Wie wäre es, wenn du mich nach meinem Training zu einem Drink einlädst?« Ihre Augen erstrahlten in einem freudigen blau, als sie das sagte. Despair warf ihr einen Seitenblick zu, dann nickte er leichthin.

»Einverstanden.«

»Sagen wir in einer halben Stunde, in deiner Kabine?«

»Gut.«

Die Gestalt erhob sich, der maskierte Mann verließ, ohne zurückzublicken, den Raum.

Kopfschüttelnd blickte sie hinter ihm her, dann beendete sie ihre Trainingseinheit. Danach ging sie erst einmal duschen um sich den Schweiß vom Körper zu waschen.

Despair ging zu seiner Kabine, als wäre er in Trance. Sie hatte sich ungeniert zu ihm eingeladen, und das auch noch in seiner Kabine. Er konnte sich nicht erinnern, wann ihm einmal so etwas widerfahren war. Er fühlte sich unsicher, wußte nicht, was sie eigentlich von ihm wollte. Mochte sie ihn, oder war da mehr? Die meisten Menschen an Bord dieses Schiffes mieden ihn, vertrauten ihm noch immer nicht wirklich. Sie hatten ihn akzeptiert, befolgten seine Befehle, ohne zu widersprechen. Aber irgend etwas war da, aus dessen Grund sie ihn nicht akzeptierten konnte. Es hatte vielleicht gar nichts mit seiner Person zu tun, es war nur der Ruf, den er mit an Bord dieses Schiffes gebracht hatte.

Anders Sanna. Sie hatte ihn eigentlich vom ersten Augenblick an recht freundlich behandelt, abgesehen von ihrer ersten Begegnung auf der TAKVORIAN, als er sie fast über den Haufen gerannt hatte. Aber seither verstanden sie sich überraschend gut. Und Despair konnte nicht sagen, daß er das nicht genoß.

Er dachte einen Augenblick an ihre schlanke Gestalt, die in den knappen Trainingskleidern sehr aufregend gewirkt hatte. Sie hatte ihn fast erregt, vor allem, als sie sich neben ihn gesetzt hatte und ihre Hand auf seinen Schenkel gelegt hatte. Aber gleichzeitig hatte ihn die Szene mit Unbehagen erfüllt. Er wußte nicht, ob er wirklich in dieser Richtung weitermachen wollte. Er wagte nicht einmal, darüber nachzudenken, was alles passieren könnte, wenn sie allein in seiner Kabine saßen.

Sanna Breen war frisch geduscht und hatte sich ein aufregendes, knapp geschnittenes Kostüm angezogen. Sie befand sich auf dem Weg zur Kabine des Kommandanten und hing ihren Gedanken nach. Ihren letzten Bericht an Cistolo Khan hatte sie bereits verfaßt und in ihrem privaten Pikosyn abgespeichert. Die Berichte würden den Kommissar allerdings erst nach dem Ende der Mission erreichen.

Sie näherte sich der Tür zur Kabine des Kommandanten und klopfte an. Die Schotthälften glitten auseinander und gewährten ihr Einlaß. Die Gestalt mit der Rüstung saß in einem Sessel und erwartete sie bereits. Sie ließ sich in einen weiteren Sessel ihm gegenüber nieder.

»Was willst du trinken?« fragte er freundlich und wies den Servo an, ihre Bestellung sofort weiterzuleiten.

Als die Getränke auf dem Tisch standen, lehnte er sich zurück.

Sie beobachtete ihn schweigend, bemerkte auch sofort, daß sich etwas in seiner Stimmung verändert hatte. Er wirkte auf der einen Seite wesentlich sicherer, auf der anderen Seite allerdings auch wesentlich reservierter, als sie erwartet hatte.

»Was ist los mit dir? Irgendwelche Probleme?«

»Keine Probleme. Alles läuft hervorragend auf der GOLDSTAR. Wir erreichen bald Cermos«, meinte er fast heiter.

Doch Heiterkeit war etwas, was sie noch nie an Despair bemerkt hatte.

Dann nahm er einen tiefen Schluck aus dem Glas, den er durch einen Strohhalm in seine Maske saugte. Bedauernd nahm sie zur Kenntnis, daß er auch dafür seinen Helm nicht ablegen würde.

Sie redeten einige Zeit über Belanglosigkeiten, dann wollte Sanna gerade eine Frage an den Cameloter richten. Bevor sie reden konnte, klopfte es an die Tür.

»Herein«, knurrte der Cameloter unwillig. Er war sichtlich nicht erbaut über die Störung.

Als die Tür sich öffnete, wurden zuerst die roten Haare des Springers sichtbar, dann erschien die imposante Gestalt des Mannes im Rahmen der Tür. Er trat ein und ging auf den Cameloter zu, der ihn ungerührt beobachtete.

»Kommandant, wir haben das System erreicht und gestoppt«, sagte er bedrückt.

»Irgendwelche Komplikationen?«

»Nun, ein Adlerschiff hat uns entdeckt!«

Despair stand auf.

»Ich bin in zwei Minuten auf der Kommandobrücke. Informieren Sie Homer G. Adams über meine Ankunft. Hat das Adlerschiff irgendwelche Reaktionen gezeigt?«

»Nein, Sir!«

»Gut, dann ist noch nichts verloren.«

Sannas Blicke wanderten zwischen den beiden Männern hin und her.

Der Springer nickte Sanna zu. Er schien sie nicht bemerkt zu haben. Despair stellte sie der Form halber vor. Natürlich wußte er, wer sie war. Obwohl zwischen Terra und Camelot keine Probleme herrschten, wußte man über diese Beobachterin an Bord der Schiffe der Flotte Bescheid. Ihre Anwesenheit wurde allerdings nicht von allen begrüßt.

»Ich werde mich jetzt verabschieden. Ich möchte dich nicht länger von deiner Arbeit abhalten.«

Sie wandte sich mit unverkennbarer Enttäuschung in ihrem Blick ab, die dem Springer nicht entgangen war. Ein sanftes Lächeln umspielte seine Mundwinkel, als ihm klar wurde, weshalb der Kommandant so abwesend wirkte. Endlich zeigte er einmal menschliche Züge und offensichtlich plante er auch kein Komplott gegen die Flotte der Galaktiker.

»Was stehen Sie hier herum und grinsen so debil, Springer?«, schnauzte Despair. »Machen wir lieber, daß wir in die Zentrale kommen.«

Abrupt drehte er sich um und verließ seine Kabine. Der Springer brüllte ein lautes »Ja, Sir!«, dann folgte er dem Cameloter auf dem Fuße.

30 Sekunden später erreichte Despair die Kommandozentrale der GOLDSTAR. Adams saß gespannt im Sessel des Kommandanten.

»In der letzten halben Stunde hatte sich nichts gerührt. Das Adlerschiff hat uns einfach ignoriert«, erklärte der Zellaktivatorträger.

Adams war schon kurz davor gewesen, sich seinerseits zu melden. Dann hatte sie aber doch ein Funkspruch erreicht.

»Fremde Schiffe, identifiziert euch«, erklang es in der Sprache der Dorgonen.

Adams wartete noch einige Augenblicke. Als die Ortung energetische Aktivitäten meldete, die auf das Aktivieren von Waffensystemen hindeuteten, drückte er einen Knopf in seiner Armlehne. Ein akustisches Feld baute sich vor ihm auf.

»Adamus, an Bord der GOLDSTAR. Wir sind in friedlicher Absicht hier. Wir kommen aus einer fernen Galaxis und wollen Handel treiben.«

Er warf einen kurzen Seitenblick zu den Ortungen. Wendy nickte ihm kurz zu, die Anzeigen hatten sich fast wieder normalisiert. Die Waffensysteme liefen sozusagen auf Sparflamme, die Dorgonen waren immer noch bereit zum feuern.

»Wachkreuzer PROTOS. Bleiben Sie auf Position.«

Einige Minuten lang regte sich nichts, dann meldete sich die Stimme erneut. Ein Bildschirm hatte sich noch nicht aktiviert, die Verbindung beschränkte sich auf den Funk.

»Folgen Sie uns langsam in das System. Eine falsche Bewegung, und wir werden das Feuer eröffnen.«

»Zum Zeichen unserer Friedfertigkeit werden wir die anderen Schiffe am Rande des Systems lassen. Seid Ihr damit einverstanden?« erklang Aurecs Stimme, der sich inzwischen auch auf der Kommandozentrale befand.

Der Kommandant der PROTOS lachte verächtlich.

»Ihr könnt ruhig Eure Schiffe mitnehmen. Sie stellen keine Gefahr für uns dar, dessen könnt Ihr gewiß sein!«

Diese Arroganz, durchfuhr es dem Saggittonen, doch er biß die Zähne zusammen und verneigte sich vor dem Hologramm, dann wurde die Verbindung beendet. Wütend blickte er zu Adams und Despair.

Adams hingegen nickte dem Piloten zu, der langsam aufschloß. Die anderen drei Schiffe folgten den Bewegungen von Adams' Schiff. Solange er keine anderslautenden Befehle gab, würden sie tun, was man von ihnen verlangte. Sie flogen in das System von Cermos ein.

Cascal freute sich über die Fortschritte, die sie gemacht hatten. Nadine hatte sich nach einigen Tagen des Schweigens endlich entschlossen, über ihre Gedanken zu reden. Bei einem Tequila Sunrise war es in der Bar nicht geblieben und als er sie zu ihrer Kabine begleitete, die gleich neben seiner lag, hatte er sie führen müssen, sonst hätte sie es nicht geschafft.

Nachdenklich hatte er die letzten Tage verbracht, den Abflug der vier Schiffe beobachtet und sich dann wieder seiner alltäglichen Arbeit als Kommandant eines Schiffes gewidmet. Aber das Gespräch war ihm nicht aus dem Kopf gegangen. In den letzten Tagen hatten er und Nadine sich noch weiter über das Thema unterhalten, hatten aber immer den Tod ausgeklammert. Obwohl sie ihren Tod überwunden hatte, wollte sie nicht daran erinnert werden. An den Augenblick ihres Todes konnte sie sich zum Glück nicht erinnern.

Cascal legte die letzten Meter zu ihrer Kabine zurück und klopfte an das Schott. Sie öffnete ihm die Tür und empfing ihn mit einem warmen Lächeln. Seit sie sich ihm offenbart hatte, wirkte sie wesentlich entspannter. Langsam wurde sie wieder zu dem Menschen, den er auf Camelot kennengelernt hatte. Er erkannte, daß sie sich nicht allzusehr verändert hatte, abgesehen von einer gewissen Nachdenklichkeit, die sicher mit der Erinnerung an ihren Tod verbunden war.

Er beneidete sie fast, immerhin hatte sie schon etwas erlebt, was viele Menschen gerne aus ihren Gedanken verdrängen würden, es aber doch nicht können. Sie denken immer wieder darüber nach, was danach sein wird. Auch im dreizehnten Jahrhundert NGZ hatte sich daran nichts geändert.

»Was mich wirklich beunruhigt«, eröffnete sie das Gespräch an diesem Tag, »ist, daß ich nicht weiß, was nach meinem Auftrag kommt. Werde ich dann wieder sterben müssen, oder wird die Entität der Natur ihren Lauf lassen? Oder werde ich weiterhin den Laufburschen für diese Entität spielen müssen?«

»Das kann ich dir nicht sagen. Niemand kann das.«

Er nahm seine Gedanken zurück, sie war nicht zu beneiden. Was auch immer geschehen würde, sie würde niemals wirklich frei sein.

»Wenigstens werden wir für die nächste Zeit zusammen bleiben.«

Cascal bereute im nächsten Augenblick schon, daß er diese Worte gesagt hatte. Den Schmetterlingen in seinem Bauch nach zu urteilen, war die Antwort für ihn wichtiger, als gut war.

Sie warf ihm einen Seitenblick zu. »Bedeutet dir das so viel?«

Oh ja, wollte er sagen. Aber er beherrschte sich. Er beschränkte sich auf ein knappes Nicken, gespannt, wie sie weiterhin reagieren würde.

Sie reagierte überhaupt nicht darauf. Seite an Seite schlenderten sie in Richtung des Hydroponiums, welches einem terranischen Garten nachempfunden war. Sie hatten Glück, zu dieser späten Stunde am Abend hielt sich niemand mehr hier auf. Sie betraten einen der sauber geschnittenen Wege, die zwischen den Kulturpflanzen hindurch führten und ließen sich nach einigen hundert Metern im Gras nieder. Cascal zupfte einen Grashalm aus und begann, nervös darauf herumzukauen.

Nadine wandte ihm den Kopf zu und schaute ihn an.

»Was?« fragte er, nicht ganz den allgemeinen Umgangsformen entsprechend.

»Ich habe nicht vergessen, was sich auf Plophos zwischen uns entwickelt hat. Aber hier handelt es sich um eine andere Situation. Ich weiß nicht, ob ich mich hier meiner Gefühlen hingeben, oder besser meine Aufgabe erfüllen sollte.«

»Warum sollte dich eine Beziehung daran hindern?«

»Ich bin immerhin einer Entität verantwortlich...«

»...die du nicht einmal kennst und die du eigentlich auch nicht magst«, ergänzte Cascal rasch.

»Stimmt«, meinte Nadine. »Aber das sollte mich nicht daran hindern, meine Aufgabe zu erfüllen. Immerhin weiß ich nicht, was passiert, wenn ich sie vernachlässige.«

»Wenn eine Entität dahintersteckt, dann gibt es vermutlich keine Möglichkeit, deine Aufgabe überhaupt zu vernachlässigen. Ich glaube nicht, daß eine Entität Probleme hat, deine Gefühle von deinen Beobachtungen zu trennen. Sie wird sich einfach holen, was sie braucht, und alles andere dort lassen, wo es hingehört. Immerhin haben sie dich wieder zu einem Menschen gemacht. Warum sollten sie etwas dagegen haben, daß du dich wie ein Mensch verhältst?«

Cascal merkte, daß er immer schneller gesprochen hatte, und er merkte ebenfalls, daß er Dinge sagte, die ihm eigentlich nicht zustanden. Er sollte sie nicht zu etwas überreden, was sie nicht wollte. Das würde zu nichts führen.

Er erhob sich mit einer eleganten, fließenden Bewegung.

»Vergiß, was ich gesagt habe. Es ist allein deine Entscheidung«, meinte er leichthin.

Er drehte sich um.

Bevor er sich in Bewegung setzen konnte, hörte er, wie sie aufstand.

»Joak?«

Er drehte sich um. Sie stand direkt vor ihm. Schweigend legte sie ihre Arme um ihn und küßte ihn sanft.

Landung auf dem Planeten in vier Minuten. Sie haben Landeerlaubnis für die im Leitstrahl festgelegten Koordinaten. Landen Sie und schalten Sie Ihre Maschinen ab. Dann warten Sie auf weitere Anweisungen.«

Die Stimme hörte sich emotionslos an. Adams nickte dem Piloten zu, der nur auf seine Bestätigung gewartet hatte. Sie setzten zum Landeanflug an.

Auf dem zentralen Bildschirm wurden die ersten Bilder des Raumhafens sichtbar. Es schien, als gäbe es eine klare Trennung in einen zivilen und einen militärischen Teil. Damit ähnelte die Aufteilung einem terranischen Raumhafen.

Auf dem zivilen Teil konnten sie einige Schiffe erkennen, die wohl von den Harriden stammen mußten. Adams wußte, daß sie über begrenzte Raumfahrt verfügten, und genauso wirkten auch die Schiffe, die dort unten standen. Sie waren eigentlich nicht in einem schlechten Zustand, aber sie wirkten recht primitiv, gerade ausreichend, um einige Lichtjahre in diesem eng begrenzten Sektor, dem Protektorat Harrisch, zurücklegen zu können.

Allerdings bewegten sie sich auf den militärischen Teil des Raumhafens zu. Da sie sich als Handelsraumer zu erkennen gegeben hatten, wunderte sich Adams über diese Entscheidung. Entweder gab es hier keinen Handelshafen, oder aber sie wurden als Feinde eingestuft.

Selbst wenn es keinen Handelshafen gab, wäre es immer noch logischer gewesen, sie auf den zivilen Raumhafen zu schicken.

»Irgend etwas läuft hier falsch«, meinte Homer.

Trabon nickte bestätigend, obwohl seine Instinkte, denen er eigentlich immer vertraute, keinen Alarm meldeten. Er sagte Adams, daß sie den Fremden wohl oder übel erst einmal vertrauen müßten.

»Uns bleibt wohl nichts anderes übrig«, meinte der Unsterbliche. Nachdem sie aufgesetzt hatten, wurden – wie befohlen – sämtliche Maschinen abgeschaltet. Adams lehnte sich in seinem Sessel zurück und machte sich auf eine längere Wartezeit gefaßt, während Aurec wie ein Tiger in seinem Käfig auf und ab lief. Despair stand wie angewurzelt neben Adams. Auch Sam Tyler und sein bierbäuchiger Springerfreund Christ Japan hatten die Zentrale erreicht und schlossen sich dem allgemeinen Warten an.

Es dauerte nicht einmal eine Stunde, bis sich das Funkgerät meldete.

»GOLDSTAR, öffnen Sie eine Schleuse. Wir kommen an Bord.«

»Hoffentlich ist das kein Prisenkommando«, äußerte sich Taröty, nachdem Adams bestätigt hatte und die Schleuse geöffnet wurde.

»Nun, wir sollten heruntergehen und es herausfinden. Gute Kaufleute empfangen ihre Gäste bereits beim Eingang«, sinnierte Aurec und machte eine unmißverständliche Geste in Richtung Antigravlift.

Adams folgte dem Saggittonen. Auch Despair, Tyler und Saranos folgten ihm.

Unten angekommen warteten sie schweigend, bis einer der Soldaten, welche die Schleuse bewachten, mit einem Dorgonen in die Schleuse trat. Aurec wunderte sich nur eine Sekunde lang, daß der Mann nicht mit einem größeren Aufgebot an Wachen kam. Offenbar bewies er nicht geringen Mut und Aurec wußte diese Tatsache durchaus zu schätzen.

»Ich bin Centrus Carcus. Ich heiße Sie auf Cermos willkommen.«

Er schwieg einige Augenblicke, offensichtlich eine Antwort erwartend. Adams nickte dankend und Aurec ergriff schnell das Wort.

»Wir sind vom Volke der Schogoten. Wir sind intergalaktisch angesehene Händler, die die Völker in Hunderten von Galaxien mit Geschenken bereichern«, erklärte er dem Dorgonen in der goldbraunen Rüstung.

Aurec stellte sich selbst als Fürst vor und bezeichnete Adams als den Geschäftsführer der Handelskarawane.

Carcus musterte die Beteiligten abfällig. Aurec fiel plötzlich ein, was ihm der Name sagte. Carcus war für das Massaker auf Harrisch verantwortlich gewesen. Der Saggittone mußte sich zusammenreißen. Er warf Adams einen besorgten Blick zu. Was, wenn Carcus die Galaktiker wiedererkannte?

»Stellen Sie eine Delegation zusammen und dann folgen Sie mir. Ich werde Sie zum ehrwürdigen Ojemus, dem Consus des Protektorats eskortieren. Er ist der Ansprechpartner für Handelsbeziehungen in diesem Sektor.«

»Oh, wir sind durchaus nicht nur an Handelsbeziehungen im Sektor Harrisch interessiert. Wir dachten eher an ein weitergehendes Handelsabkommen«, äußerte Adams.

Aurec hielt sich zurück. Er wußte, er war zwar ein guter Diplomat, aber Adams war der bessere Geschäftsmann.

»Das zu entscheiden ist nicht meine Angelegenheit. Besprechen Sie das mit dem Statthalter Ojemus. Die richtige Anrede für den Statthalter ist Seine Exzellenz. Beachten Sie bitte die Regeln der Höflichkeit, die sicher auch in Ihrer Galaxis Gültigkeit besitzen.«

Dann geh du mal mit gutem Beispiel voran, dachte Aurec und grinste verständnisvoll dem Dorgonen zu.

Eine merkwürdige Rede, wie Homer fand. Höflichkeit war eigentlich eine Selbstverständlichkeit, wenn man Handel treiben wollte. Nun ja, andere Galaxien, andere Sitten. Er nickte also bestätigend und stellte schnell eine Delegation zusammen, die den akonischen Sicherheitsbeauftragten Trabon Saranos, Sam Tyler, Cauthon Despair, Sanna Breen, Chris Japar und fünf Agenten umfaßte. Außerdem bestimmte er den Cheborparner Ceboky Jafrar, sie ebenfalls zu begleiten. Das Kommando würde für die Zeit seiner Abwesenheit der Blue Taröty übernehmen.

Dann folgten sie dem Dorgonen aus dem Schiff.

Die Einreise gestaltete sich problemlos. Sie verließen das Terminal im Gefolge des Zenturio und betraten den Planeten. Trabon informierte Aurec und Adams darüber, daß der Zenturio identisch war mit dem Mann, der das Massaker auf Jungle zu verantworten hatte.

»Was du nicht sagst. Ich habe den Namen dieses Schlächters im Gedächtnis behalten«, murmelte Aurec ruhig.

Adams nickte nur bestätigend.

Sie bestiegen einen geräumigen Gleiter, der für die insgesamt zehnköpfige Delegation ausreichend war und setzten sich in Richtung Cermos-City in Bewegung. Der Flug würde nicht lange dauern, informierte sie der Centrus der dorgonischen Armee. Schweigend warteten sie auf die bevorstehende Landung.

Der Gleiter setzte zur Landung an. Vor ihnen erhob sich ein geradezu gigantischer Palast, der alles über die Mentalität der Herrscher dieses Volkes auszusagen schien. Er war in ähnlichen Farben gehalten, wie sie es schon von dem Adlerschiff kannten, welches sie auf Camelot untersucht hatten. Sie verließen den Gleiter und folgten dem Zenturio, der sie in das Innere des Palastes geleitete.

Bewundernd nahmen sie das gediegene Ambiente des Palastes in sich auf. Wieder hatte Adams den Eindruck eines Volkes, das durchaus einen recht guten Sinn für Ästhetik hatte, zumindest vom Standpunkt eines Galaktikers aus gesehen.

Nach etwa einer halben Stunde, in der sie durch die Gänge des Palastes flanierten, erreichten sie ein großes zweiflügelige Tor, die sich vor ihnen automatisch öffneten. Zwei Wachen standen vor dem Tor, die sie allerdings passieren ließen. Gemeinsam betraten sie einen geräumigen Saal, der an einen Thronsaal aus dem Mittelalter der Erde erinnerte. Auf der gegenüberliegenden Seite sahen sie den Thron, in dem der Consus Dorgons Platz genommen hatte. Seine Gefolgschaft hatte sich um ihn gruppiert, offensichtlich war ihre Ankunft bereits angekündigt worden.

Homer hatte nichts anderes erwartet. Ein Volk wie dieses hatte sicher eine recht gut funktionierende Organisation, allerdings mit Sicherheit auch einen verkrusteten Beamtenapparat zu bieten. Man mußte abwarten, inwiefern sich diese Tatsache ausnutzen ließ.

Langsam folgten sie dem Centrus, der gemessenen Schrittes vor ihnen ging. Vor dem Thron stoppte er, machte eine Ehrenbezeigung in Richtung des Statthalters und verkündete das Eintreffen der Delegation aus einer anderen Galaxis.

Der Statthalter nickte wohlwollend. Der Centrus trat zur Seite und ließ Aurec, Adams und den Rest der Delegation vortreten.

»Wie man mir mitteilte, seit Ihr an einer Handelsbeziehung mit unserem Volk interessiert. Nun, Handel ist sicher eine gut Sache und wir sind gerne bereit, dieses Ansinnen in Erwägung zu ziehen. Allerdings kann ich dazu keine endgültige Entscheidung treffen. Ihr werdet euch noch eine Weile gedulden müssen, bis wir Kontakt mit unserer Hauptwelt aufgenommen haben. Erst dort wird eine endgültige Entscheidung getroffen werden.

Wir haben den Imperator bereits über Euer Anliegen informiert. Sicher werdet Ihr Euch so lange gedulden, bis eine Antwort von Dorgon eintrifft. Ich biete Euch an, solange in meinem Palast Quartier zu nehmen.«

Damit machte der Herrscher eine Handbewegung, welche die Delegation aus seiner Gegenwart entließ.

»Wenn der Typ weiter so gequollen redet, sprenge ich ihm seinen fetten Wanst weg!« murmelte Tyler unwirsch zu seinem Springerfreund.

Adams war leicht erstaunt über die schnelle Art, die der Dorgone an den Tag gelegt hatte. Er wollte sie offensichtlich schnell aus seiner Nähe verschwinden sehen, wahrscheinlich hatte er einfach keine Zeit, sich um sie zu kümmern. So, wie sich die Situation dargestellt hatte, war er wohl eher an seinem Privatvergnügen interessiert, als an seinen Regierungsgeschäften.

»Wir nehmen in voller Demut Euer großzügiges Angebot an, edler Consus Ojemus«, sprach Aurec und verneigte sich galant vor dem Dorgonen, der entzückt anfing zu lachen.

Der Zenturio geleitete sie in die Bereiche des Palastes, die den Gästen vorbehalten waren und wies ihnen ihre Quartiere zu. Bis zum Einbruch der Dunkelheit ließ sich niemand bei ihnen blicken.

Als die Nacht hereinbrach, winkte Adams Trabon Saranos zu sich heran.

»Trabon, ich habe einen delikaten Auftrag für dich. Im Schutz der Nacht wirst du eine genaue Erkundung des Palastes vornehmen. Dein Ziel wird sein, etwas zu finden, was sich gegen den Statthalter verwenden läßt. Wenn es etwas gibt, du wirst es finden.«

Trabon nickte nur knapp und winkte einen der anderen zu sich heran. Der Terraner, für den sich der Akone entschieden hatte, war einer der Syntronikspezialisten der GOLDSTAR. Zusammen mit dem cheborparnischen Wissenschaftsoffizier machten sie sich auf den Weg in eines der anderen Zimmer und aktivierte eines der Infoterminals. Konzentriert machten sie sich auf die Suche nach brisanten Informationen, die ihnen vielleicht in der Zukunft noch nützen könnten.

»Warum sollen sie etwas suchen, was wir gegen Ojemus verwenden können?« forschte Aurec nach, der sich müde in einen sehr weichen und pompösen Sessel gesetzt hatte.

»Nun, ich glaube nicht, daß wir bei diesem Typen viel weiterkommen werden. Es wäre gut, etwas gegen ihn in der Hand zu haben, um ein Druckmittel zu haben!«

Aurec nickte nachdenklich.

»Ein Kaiserreich«, murmelte er.

»Was?«

»Dorgon! Er sprach von einem Kaiser. Demnach ist Dorgon ein Imperium«, mutmaßte Aurec.

»Ist das nun gut oder schlecht für uns?« fragte der Zellaktivatorträger.

»Das wird sich noch herausstellen...«

Einige Stunden später – die Nacht war bereits hereingebrochen – konnten die drei Hacker die ersten Erfolge verbuchen. Sie hatten sich über das Infoterminal erfolgreich und unbemerkt in die eigentlich sehr gut gesicherten Bereiche der planetaren Sicherheit eingeloggt. Aber Trabon war nicht zufrieden. Brisante Informationen über die innere Sicherheit dieses Planeten konnten ihnen sicher nützlich sein, wer wußte schon, auf welche Weise sie den Planeten wieder verlassen konnten. Aber sicher gab es Dinge, die ihnen mehr von Nutzen sein konnten.

Trabon kam zu dem Schluß, daß sie solche Informationen über den Bildschirm sicher nicht erfahren konnten. Er faßte einen Plan und begab sich zu Adams und Aurec, um mit ihnen darüber zu diskutieren.

»Wir haben einige interessante Dinge herausgefunden«, begann der Akone seinen Bericht.

Er legte dem Terraner einige der Daten vor, die sie aus dem Computersystem des Planeten gefischt hatten. Zufrieden nickte der Unsterbliche.

»Es gibt sicher noch weitere interessante Dinge, die wir hier finden könnten«, deutete der Akone vorsichtig an.

»Woran denkst du dabei?« fragte Aurec nach.

»Nun, vielleicht finden wir ja etwas in Ojemus Privatgemächern?« vermutete der Akone selbstbewußt.

Aurec verzog sein Gesicht zu einer Grimasse.

»Das ist sehr gefährlich. Wenn wir entdeckt werden, fliegt alles auf. Wir wissen nicht, wann er seine Gemächer betritt und verläßt.«

Adams hob die Hand. Ihm war eine Idee gekommen.

»Nicht, wenn ihn jemand ablenkt. Ich denke da an den Fürsten unserer Handelskarawane«, sprach der Unsterbliche grinsend.

Aurec verdrehte die Augen und stieß innerlich einen Fluch aus. Dann erklärte er sich wohl oder übel einverstanden.

Diesmal machten sich Trabon Saranos, Sam Tyler und Chris Japar auf dem Weg. Sollten sie entdeckt werden, wollte Aurec sichergehen, daß sie auch mit heiler Haut herauskamen.

Aurec wurde eine Audienz bei Ojemus gewährt. Der dicke Dorgone saß auf einer Liege und sah zwei üppig bestückten Frauen bei einem anregenden Tanz zu. Neben ihm stand ein Gefäß, einer große Wasserpfeife nicht unähnlich. Aurec wollte die SAGRITON verwetten, daß dort kein Wasser drin war. Schnell wurde er auch bestätigt, als der Consus den Saggittonen zu sich winkte und auf seiner Nebenliege einen Platz anbot.

»Trinkt mit mir, Fremder!«

Aurec sog an der Pfeife und ein scheußliches Getränk füllte seine Kehle. Er war froh, als er das Zeug heruntergeschluckt hatte. Definitiv war es alkoholischer Natur. Dem Geschmack nach zu urteilen mehr als hochprozentig.

»Schmeckt es Euch nicht, Fremder?« blubberte der Dicke.

»Doch, Euer Exzellenz. Nur... nur bin ich nicht würdig, aus dem selben Gefäß zu trinken, wie Eure Heiligkeit«, schmeichelte sich Aurec ein.

Ojemus fing an amüsiert zu lachen.

»Ihr seid von richtiger Natur, Aurec! Nicht jeder weiß meine Arbeit hier zu würdigen. Harrisch ist ein undankbarer Sektor. Es passiert hier sehr wenig und auch die Abgaben dieses erbärmlichen Volkes sind sehr niedrig.«

»Oh, wie schrecklich«, heuchelte Aurec vor.

Ojemus nickte kräftig.

»Doch, doch. Besonders schlimm ist es, da die Consusse nach Abgaben belohnt werden. Daher gehöre ich nicht zu den bestbezahltesten Statthaltern Dorgons, sehr zu meinem Leidwesen«, erklärte er.

»Nun, dafür müßt Ihr allerdings der sparsamste aller Statthalter sein, denn der Prunk des Palastes ist unübersehbar«, meinte Aurec und sah sich in der großen Halle, deren Säulen aus Gold waren, um.

Ojemus fing an zu husten und spuckte sein Getränk auf dem Boden aus. Erst langsam beruhigte er sich wieder.

»Nun... das... das hat man sich eben im Laufe der Jahre so angespart«, erklärte er höchst verlegen.

Aurec schmunzelte innerlich. Er konnte sich schon denken, was das bedeutete. Anscheinend hatte der Consus von Harrisch einige Abgaben für sich selbst behalten.

Eine der Tänzerin stolperte und stieß eine edle Vase um, die in Tausend Scherben zerbrach. Besorgt versuchte sie die Scherben wieder aufzusammeln, da packten sie bereits zwei Wachen und zerrten sie vor den Statthalter. Der war anscheinend wenig amüsiert über den Verlust des edlen Kunstgegenstandes.

Zuerst nahm er einen kräftigen Schluck des Alkohols, der scheinbar seine Wirkung nicht verfehlte. Ojemus versuchte aufzustehen, taumelte jedoch nach hinten. Geistesgegenwärtig stand Aurec auf und stützte den Dorgonen.

»Du... du... elende Nymphe...« begann er zu lallen. Der Statthalter machte keinen sonderlich würdevollen Eindruck.

»Du hast die Vase von... von... von wem auch immer zerstört. Dafür wirst du bestraft werden!«

Die Frau flehte um Vergebung. Sie schien auch eine Dorgonin zu sein, zumindest ein Mensch. Vielleicht eine Kolonisten. Auf jeden Fall schienen auch Menschen in dieser Galaxis versklavt zu werden.

»100 Peitschenhiebe«, ordnete Ojemus an.

Aurec packte ihn am Arm.

»Euer Weisheit, es wäre doch Verschwendung eine zerstörte Kostbarkeit zu rächen, indem man eine weitere Kostbarkeit verschandelt«, sprach er eindringlich.

»Huh?« machte der Consus verwirrt, dann schien er zu verstehen, was Aurec damit meinte. Er betrachtete noch einmal die Schönheit genau und grinste dabei breit.

»Genau, also Pastonade. 50 Stockhiebe auf die Fußsohlen. Mein letztes Wort!«

Aurec schüttelte den Kopf und warf der Sklavin, die von den Wachen weggezerrt wurde, einen verzweifelten Blick zu.

»Ich weiß, ich weiß, ich bin viel zu großzügig... Prost!« murmelte Ojemus und ließ sich wieder auf die Liege fallen. Aurec sah besorgt auf seinen Chronometer und hoffte, Saranos und Tyler würden sich beeilen.

Langsam und vorsichtig arbeiteten sich der Akone, der Terraner und der Springer durch den dunklen Palast. Weit und breit war niemand zu sehen und Trabon fragte sich, ob er nur einfach Glück hatte, oder ob sie ihm hier eine Falle stellten. Aber versteckt hatte sich hier niemand, wie ihm seine Instrumente verrieten. Auch keine geheimen Apparate, die seine Annäherung meldeten. Er hätte einfach durch die Gänge gehen können, ohne sich zu verstecken. Aber das erschien ihm denn doch zu riskant.

Nicht, daß der Bereich des Statthalters vollkommen ungesichert gewesen wäre. Bevor man überhaupt in diesen Bereich gelangen konnte, wiesen eine Unmenge von Schildern darauf hin, daß man sich verbotenem Gebiet näherte. Unmittelbar davor konnte man sogar Wachen antreffen. Allerdings hatten die ihn und die anderen nicht bemerkt, lautlos wie ein Schatten waren sie an ihnen vorbei gehuscht. Sie benutzen einen der vielen Versorgungsschächte, um in die Räumlichkeiten des Statthalters zu gelangen. Dies war Tylers Idee. Trabon merkte schnell, daß dieser martialische Typ ein Könner war.

Niemand hatte sie bis jetzt bemerkt, keiner hatte versucht, sie aufzuhalten. Anscheinend waren diese Dorgonen nicht daran gewöhnt, daß man in ihre privaten Räume eindrang. Andererseits hatten sie aber kein Problem damit, wie ihr Eindringen in die Milchstraße bewies.

Egal, der Akone hatte nicht vor, lange darüber nachzudenken. Er wollte den Vorteil ausnutzen und machte sich auf den Weg in die Schlafräume des Herrschers, gefolgt von Tyler und Japar, die zur Sicherheit bereits ihre Thermostrahler gezogen hatten.

Adams verschwendete einige Gedanken daran, ob es richtig gewesen war, diesen Ausflug zu genehmigen. Aber letztendlich beantwortete er diese Frage mit einem klaren Ja. Erstens waren sie auf die Erkenntnisse angewiesen und zweitens war der Akone ein durchaus vorsichtiger Mann, der es verstand, nicht nur auf sich, sondern auch auf seine Umgebung aufzupassen und das war in dieser Situation sicher das Wichtigste.

Um Tyler und Japar machte er sich mehr Sorgen. Sicherlich verstanden auch sie es, sich unbemerkt einzuschleichen, aber er hatte die Befürchtung, sie könnten zu unüberlegten Handlungen neigen.

Der Unsterbliche beobachtete seine Begleiter einige Zeit lang bei ihrem Tun und schaute vor allem dem Syntronikexperten über die Schulter. Es schien alles glatt zu gehen. Beruhigt verzog er sich in eine Ecke und nahm Verbindung mit seinem Stellvertreter an Bord der GOLDSTAR auf. Auch dort war alles in Ordnung.

Wunderbar, dachte der Terraner. Keine Nachrichten sind in diesem Fall mit Sicherheit gute Nachrichten.

Allerdings sorgte dieser Umstand dafür, daß er sich wieder beinahe langweilte. Er war schließlich hier, weil er endlich mal wieder seinem Schreibtisch entkommen, endlich mal wieder was erleben wollte. Wenn das so aussah, dann hätte er eigentlich auch getrost zu Hause bleiben können.

Adams verschwendete nur einen Augenblick an diesen Gedanken, dann wurde ihm klar, daß sie doch eigentlich noch immer in großer Gefahr schwebten. Schließlich waren sie die Eindringlinge in einer fremden Galaxis und niemand konnte sagen, wie sich die Dorgonen verhalten würden, wenn herauskam, wer sie wirklich waren. Dann konnte es mit ihnen zu Ende sein. Das war eigentlich mehr Abenteuer, als er ursprünglich haben wollte.

Adams setzte sich hin und versuchte sich zu entspannen. Dank seiner Erfahrung gelang ihm das auch mit der Zeit.

Cauthon Despair und Sanna Breen erreichten die Quartiere. Sie hatten sich auf dem Planeten etwas umgesehen, konnten aber auch keine neuen Erkenntnisse bringen. Der Planet war spärlich besiedelt, meist von dorgonischen Einheiten und ihren Familien. Der Rest der Bevölkerung bestand aus harridischen Eingeborenen oder Sklaven.

Die Gemächer des Statthalters erwiesen sich als geschmackvoll eingerichtet. Sie folgten der hier vorherrschenden Mode von gedeckten Farben, die fremdartig, zugleich aber durchaus bezaubernd auf den Akonen wirkten. Tyler und Chris interessierten die Farben an der Wand und Decke jedoch herzlich wenig. Sie begannen bereits die Schubladen und Schränke zu untersuchen.

Trabon nahm diese Tatsache allerdings nur am Rande wahr, während er seinen Orter checkte. Alles im grünen Bereich, wie er feststellte. Zielstrebig steuerte er auf eine Konsole zu, die in einem niedrigen Tisch eingearbeitet war. Dieses Möbelstück wirkte auf ihn wie der Arbeitsplatz des Regenten, und genau danach suchte der Akone.

Er aktivierte die Konsole und machte sich an die Arbeit.

»Was gefunden?« wollte Sam Tyler wissen.

»Kann ich noch nicht sagen«, antwortete der Akone.

Wie er erwartet hatte, erwies sich die Konsole als nicht mit dem Cermos-internen Verbindungsnetz verbunden. Zwar war eine solche Möglichkeit mit Sicherheit vorgesehen, wurde von dem Herrscher aber wohl nur in Ausnahmefällen benutzt. Das sprach schon einmal für interessante Entdeckungen und der Akone rief das Hauptmenü auf.

Konzentriert arbeitete er sich durch die Beschreibungen, die in den Schriftzeichen der Dorgonen dort erschienen.

Es dauerte nicht lange und hatte er gefunden, was er suchte. Eine der Dateien hatte einen Namen, der auf finanzielle Transaktionen hinwies. Der Akone rief die Datei auf und ließ sich die Inhalte anzeigen.

Scheinbar handelte sich um eine Art geheimes Konto. Es wies einen nicht unbeträchtlichen Kontostand auf. Saranos fertigte eine Kopie an, die er umgehend per Funk an Adams weiterleitete. Danach machte er sich an eine erweiterte Suche und konnte noch einige Dateien entdecken, die über die Art der Transaktionen berichtete, die der Statthalter getätigt hatte.

»Der Kerl hat sich ja wohl ganz offensichtlich an einigen Steuergeldern vergriffen.«

»Gut, dann haben wir ja jetzt was gegen diesen Sack in der Hand. Machen wir, daß wir hier wegkommen!« meinte Tyler.

Unwillkürlich fragte sich der Akone, ob der Centrus über die Machenschaften seines Herrschers Bescheid wußte.

Er hatte eigentlich einen loyalen, dem Reich treu ergebenen Eindruck gemacht. Saranos konnte sich eigentlich nicht vorstellen, daß ein wahrer Krieger, wie es Carcus war, mit einem dekadenten und versoffenen Kerl wie dem Statthalter unter einer Decke stecken würde. Andererseits – Geld korrumpiert. Man konnte nie wissen, Vorsicht war angebracht.

»Nun mach' schon«, drängte Sam Tyler den Akonen.

Ruhig und besonnen deaktivierte er den Computer des Regenten. Dann machte er sich daran, einige andere Spuren zu verwischen, die sie in den Räumlichkeiten hinterlassen hatten. Langsam und vorsichtig machten sie sich auf den Rückweg. Eine halbe Stunde später betraten Tyler, Chris und er die ihnen zugewiesenen Räumlichkeiten und setzte sich neben den schweigenden Adams, der die von Saranos an ihn geschickten Daten aufmerksam studierte.

Dann blickte der Unsterbliche auf.

»Gute Arbeit, meine Herren«, meinte er nur.

Ojemus hatte inzwischen die zweite Füllung der Wasserpfeife geleert. Er stank aus dem Mund nach dem Gebräu und hatte große Probleme sich zu artikulieren.

»Weißt du was, Fremder. Ich habe eine Entscheidung getroffen«

»Die wäre, Euer Hoheit?«

»Ich erlaube dir und deinen Leuten nicht zu handeln. Wo kommen wir denn da hin? Ihr seid Außergalaktische. So einen Abschaum brauchen wir hier nicht«, erklärte er hart.

Aurec rang nach Worten. Er dachte einige Sekunden nach, bevor er eine Antwort gab.

»Consus, wir haben wertvolle Güter, die Eure Wirtschaft ankurbeln könnten. Ihr könntet viel Reichtum damit anhäufen«, versuchte sich der Saggittone zu rechtfertigen.

Ojemus winkte ab.

»Den kann ich auch hier bekommen und nebenher gesagt, das Ausbluten der Harriden macht viel mehr Spaß. «

Er lachte fies.

Bevor Aurec einen erneuten Versuch starten konnte, hatte der Dorgone bereits die Wachen zu sich gerufen, die Aurec packten und fort brachten.

Ohne Vorwarnung wurden plötzlich die Türen ihrer Gemächer aufgerissen. Ohne Hast, aber mit gezogener Waffe betrat der Zenturio, gefolgt von einer Abordnung der Palastwache, den Raum.

»Es wäre angeraten, sich zu ergeben und die Güter zu übergeben, die Sie mit sich führen. Ich verabscheue Gewalt, also zwingen Sie mich nicht, von der Waffe Gebrauch zu machen.«

Die Stimme Carcus triefte vor Sarkasmus, als er das sagte.

»Und nur damit Sie nicht auf dumme Gedanken kommen –- Ihre Schiffe sind umstellt. Sie sind mit Traktorstrahlen mit der Oberfläche von Cermos verbunden und werden ohne unsere Erlaubnis nicht mehr starten können. Ich bin sicher, daß Sie damit einverstanden sein werden, uns eine kurze Einweisung in die Handhabung zu geben, dann haben wir es nicht so schwer, die Schiffe unserer Flotte einzugliedern.«

»Ich verstehe nicht ganz, was Sie damit bezwecken. Wir sind friedliche Händler!«

»Der Consus Ojemus hat anders entschieden. Ihr seid als Feinde des Imperators eingestuft worden. Für den gesamten Wirtschaftsverkehr in diesem Sektor ist Ojemus zuständig.«

Wie aufs Stichwort betrat der volltrunkene Fettsack die Gemächer. An seiner Seite wurde Aurec, von den Wachen eskortiert, geführt.

»Ich protestiere nochmals gegen diese Behandlung. Dafür werden sie Rechenschaft ablegen müssen, Ojemus!« drohte Aurec.

Adams dachte fieberhaft nach, konnte sich allerdings keine Möglichkeit vorstellen, wie sie aus dieser Falle entkommen sollten. Verzweifelt blickte er in die Richtung seines Sicherheitsoffiziers. Der Akone wirkte erstaunlich ruhig.

»Ich verstehe sehr gut, was Sie meinen«, meldete sich Saranos zu Wort. »Ihr Herrscher scheint eine ganz eigene Meinung über die Verwendung von Geldmitteln in Ihrem Reich zu haben. Ich vermute mal die Regel hier lautet, alles zum Wohle des Imperators?«

Der Zenturio nickte, wirkte allerdings eher gelangweilt, während er mit Genugtuung beobachtete, wie seine Männer die fremden Entwaffneten und mit Energiefesseln an jeglicher Flucht hinderten.

»Nun, dann frage ich mich, wie es ein kleiner Statthalter wagen kann, den Herrscher um seine Steuern zu betrügen«, meinte der Akone fröhlich.

Adams warf ihm einen Seitenblick zu. War Trabon Saranos nicht auf die Idee gekommen, daß die beiden unter einer Decke stecken könnten? Er konzentrierte sich auf den Zenturio und mußte feststellen, daß er sich anscheinend geirrt hatte. Das Gesicht des Soldaten war zu einer Maske erstarrt. Er wirkte alles andere als fröhlich, als er sich dem Akonen näherte.

»Wissen Sie eigentlich, was Sie da sagen? Sie klagen den mächtigsten Mann des Protektorats Harrisch an, den Imperator zu betrügen. Darauf steht die Todesstrafe!«

Carcus Stimme bebte!

»Ich habe Beweise.«

»Welche Beweise?« knurrte der Zenturio.

»Ja, genau, welche Beweise?« bellte Ojemus Carcus nach. »Was soll das überhaupt? Erschießt sie, sofort!«

Die ersten Soldaten zogen bereits ihre Waffen.

»Wartet, wartet!« schrie Aurec und lief zu Carcus.

»Was glaubt Ihr, woher diese ganzen prunkvollen Ansammlungen im Palast kommen? Die wird sich Ojemus unter den Nagel gekrallt haben, obwohl sie dem Kaiser zustehen.«

Der Dorgone machte einen nachdenklichen Eindruck.

»Glaubt ihm kein Wort. Ich bin hier der Herrscher. Tötet sie endlich!« brüllte der Consus und torkelte durch den Raum.

»Wie lange seid Ihr schon in seinem Dienst, Carcus?« wollte Aurec wissen.

»Seid 2 Jahren, warum?«

»Stand dann bereits dieser Palast in seiner vollen Pracht?« forschte der Saggittone weiter nach.

»Ja... ja!«

Carcus verstand. Er hatte keinen Verdacht geschöpft, weil die prunkvollsten Bauten bereits standen. Die anderen Steuern hatte er wahrscheinlich irgendwo gehortet.

»Ich kann Ihnen einige Dateien zeigen, die uns in die Hände gefallen sind. Sie beweisen, daß Ojemus einige Milliarden Ihrer Währung auf ein Geheimkonto überwiesen hat. Wollen Sie die Beweise sehen?«

»Selbstverständlich.«

»Du vertraust doch nicht etwa diesen dahergelaufenen Sternenbarbaren? Der Statthalter fühlte sich offenkundig nicht gerade wohl. Allerdings gedachte er nicht, sich von diesen Wesen aufhalten zu lassen.«

»Wenn sie an solche Daten herangekommen sind, dann müssen sie in meine privaten Gemächer eingedrungen sein. Das ist ein Vergehen, das ebenso mit dem Tode bestraft wird.«

»Du gibst also zu, daß diese Daten aus ihren Gemächern stammen und daß sie echt sind?«

Der Akone hakte sofort ein, während der Zenturio sich gerade wieder zu ihnen umdrehen wollte. Beschämt senkte der Statthalter seinen Blick.

»Also... und wenn schon. Der Staat hat genug. Carcus, ich gebe dir ein Viertel meiner Ersparnisse ab«, schlug Ojemus vor.

Carcus überprüfte die Unterlagen, dann machte er eine Handbewegung, die man nur auf eine Weise deuten konnte. Einer seiner Soldaten griff nach einer Waffe und richtete sie auf den Statthalter, der wimmernd auf die Knie fiel.

»Nein! Ich habe eine bessere Idee. Gebt ihm 250 Stockhiebe auf die Fußsohlen, den Hintern und den Rücken. Pastonade diesmal für den Consus«, befahl Carcus verächtlich, dann wandte er sich einem seiner Offiziere zu.

»Informiere Dom von diesem Zwischenfall. Trage ihnen vor, daß Ojemus bereits bestraft wurde und nicht überlebt hat. Wir brauchen einen neuen Consus!«

»Was ist, wenn er die Strafe doch überlebt?« hakte der Offizier nach.

Carcus sah zu Ojemus herüber.

»Das wird er nicht, dafür werde ich Sorge tragen!«

Ojemus schrie auf und griff zu seinem Schwert. Er stürmte auf Carcus zu und versuchte, allerdings vergebens, ihn zu treffen. Der Dorgone zog sein silbernes Schwert und parierte die ersten beiden Schläge. Die nächsten zwei landeten im Nichts, dann schlug der Centrus dem dicken Dorgonen die Waffe aus der Hand und durchbohrte ihn mit seinem Schwert. Mit einem lauten Schrei sank Ojemus zu Boden. An seinem gebrochenen Blick konnte jedermann schnell erkennen, daß er den Tod gefunden hatte.

Adams und Aurec schluckten gleichzeitig.

Er beobachtete, wie sich von außerhalb des Palastes weitere Soldaten auf den Weg gemacht hatten. »Was geschieht jetzt mit uns?« wollte Aurec wissen.

Carcus warf ihm einen eigentümlichen Blick zu. Adams verstand nicht so richtig, was diese Augen aussagten. Triumph, Grausamkeit, Genugtuung oder Enttäuschung? Jedenfalls traute er dem Zenturio nicht so recht.

»Die Wachen werden sich um sein Gefolge kümmern. Seine Frau, seine Kinder, seine Verwandten, ja sogar seine Sklaven werden als abschreckendes Beispiel hingerichtet. Wer einen Fehler begeht, wird bestraft. Wer seinen Herrscher bestiehlt, wird hundertfach bestraft.

Nun geht, Fremde, und laßt euch in dieser Galaxis nie wieder blicken.«

Der Saggittone hielt dem Blick des Dorgonen für einen Moment stand, dann nickte er. Er drehte sich zu seinen Begleitern um und winkte sie zu sich heran. Gemeinsam verließen sie den Palast und setzten sich in einen Gleiter. Den Weg zum Schiff legten sie schweigend zurück.

Als sie schließlich die Schiffe betraten, untersuchten sie als erstes, ob sie noch durch Fesselfelder behindert wurden. Aurec stellte fest, daß dem nicht so war. Er nahm über Funk Verbindung mit der Raumhafenkontrolle auf, um um Starterlaubnis zu bitten. Es meldete sich Carcus.

»Verschwindet einfach. Ich warne Euch! Kommt nicht zurück«, meinte der Zenturio.

Aurec zögerte kurz, dann richtete er allerdings doch noch eine Frage an den Zenturio.

»Warum lassen sie uns gehen?«

Carcus schwieg für einen Augenblick und der Saggittone dachte schon, er würde keine Antwort erhalten.

»Sie haben mir einen Gefallen getan«, meinte der Zenturio schließlich doch noch, dann deaktivierte er die Verbindung.

Aurec befahl den Start und setzte sich in seinen Kommandosessel. Er blickte nicht zurück.

Drei Tage später war die Flotte wieder vereint. Adams und Aurec ließen die Kommandanten kommen und erstatteten ihnen Bericht über die Geschehnisse auf Cermos. Niemand schien allzu verblüfft über die rauhen Umgangsformen der Dorgonen zu sein. Allerdings waren auch nicht alle bei der Sache. Adams bemerkte mit leichter Verunsicherung, daß sowohl Cauthon Despair, als auch Joak M. Cascal einen merkwürdig abwesenden Eindruck machten. Allerdings verschwendete er nicht allzu lange seine Gedanken daran, er mußte sich auf Schritte konzentrieren, die es nun einzuleiten galt, um sich der Hauptwelt Dom zu nähern. Carcus hatte erwähnt, daß man Dom informieren sollte. Die Vermutung lag nahe, daß Dom der Sitz des Kaisers dieser Galaxis lag.

Leider war der erste Plan mit der Landung auf Cermos schiefgegangen.

Sam meldete sich zu Wort.

»Ich würde vorschlagen, angesichts der Brutalität der Dorgonen unsere Flotte zu verstärken.«

»Das können wir nicht. Bis wir Nachschub aus der Milchstraße erhalten haben, sind wir schon längst besiegt«, meinte Cascal pessimistisch.

»Wer redet von der Milchstraße? Habt ihr vergessen, wo ich herkomme? Ich fliege mit meiner SIOM SOM nach Siom Som und im Handumdrehen haben wir eine Flotte der Somer hier. Was meint ihr dazu?«

Adams lehnte sich zurück.

»Ein Glück, daß wir überall im Universum Freunde haben, abgesehen von unseren Feinden, versteht sich. Ich bin einverstanden. Du kannst gleich aufbrechen. Ich wünsche dir viel Glück.«

»Ich hoffe, es ist wirklich so einfach, wie du es darstellst, Sam«, meinte Aurec etwas zurückhaltend.

»Wir werden sehen. Ich werde mein Möglichstes versuchen, das verspreche ich!« erklärte der Somer. Er erhob sich und verließ den Besprechungsraum.

»Du solltest dich Philosoph nennen. Bei deinen tiefschürfenden geistigen Ergüssen würde sich das anbieten.«

Cascal konnte sich eine entsprechende Bemerkung nicht verkneifen.

»Und du solltest dich um Nadine kümmern! Sie wartet draußen.«

Adams grinste, als sich der Kommandant der TAKVORIAN umdrehte, ohne jemanden anzusehen. Cascals Gesicht verfärbte sich leicht rot, Adams brach in lautes Gelächter aus.

»Wegtreten«, meinte er grinsend.

Die Besprechung löste sich auf. Nur Aurec und Adams blieben zurück. Der Saggittone starrte aus dem Fenster und beobachtete die Sterne.

»Nachdenklich?«

»Ja...«

»Wir haben doch eigentlich jeden Grund zu feiern«, meinte Adams.

»Vielleicht, aber ich habe das Gefühl, daß uns noch einiges bevorstehen wird. Dorgon scheint sehr mächtig und ich möchte nicht daran denken, was alles passieren kann, wenn sie wirklich eine Invasion in der Milchstraße anstreben...«

ENDE

Die Expedition der Galaktiker und Saggittonen ist einen kleinen Schritt weitergekommen. Zumindest konnten sie den Namen eines weiteren Planeten – was sie zumindest annehmen – in Erfahrung bringen: Dom!

Wie es weitergeht, schildert Ricky Blankenaufulland in seinem Debutroman mit dem Titel

Kolonien Dorgons

DORGON Kommentar
Da ist was faul im Staate Dänemark...

Dorgon ist erreicht – und die Ratlosigkeit groß! Es stellt sich heraus, dass die mickrigen zehn Schiffe, mit denen man aufgebrochen ist, selbst für Milchstraßenverhältnisse ein armseliger Haufen, gegen die Übermacht der Dorgonen nicht viel mehr ist als der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein. Nun ist guter Rat teuer. Wir wollen einmal durch die Liste der verfügbaren Möglichkeiten gehen...

Ein direkter Angriff kommt natürlich auf keinen Fall in Frage. Selbst wenn man ein Großkampfschiff wie die SOL oder die GILGAMESCH im Gepäck hätte, wäre gegen die überlegene Technik der Dorgonen wohl kaum etwas auszurichten...

»Schließlich waren sie nun die Eindringlinge in eine fremde Galaxie«

Eine Einmischung von außen kann also außer Acht gelassen werden – bleibt noch ein Angriff von innen.

Der Versuch, als Händler getarnt hinter die Reihen des Feindes zu gelangen, war ja wohl ein Fehlschlag auf ganzer Linie – oder?

»Wer einen Fehler macht, wird bestraft. Wer seinen Herrscher bestiehlt, wird hundertfach bestraft.«

Liegt in diesem so einfach anmutenden Satz vielleicht schon des Rätsels Lösung? »Von innen aufrollen« – nachdem sich die Arroganz und aufgeblasene Überheblichkeit der Dorgonen in diesem Heft erneut bewiesen hat, mag es vielleicht eine Möglichkeit sein, sie an genau dieser Schwachstelle zu packen und sie dazu zu bringen, sich gegenseitig die Köpfe einzuschlagen.

Denn nach allem ist Dorgon doch ein Imperium – eine Monarchie. Und diese haben bekanntlich die Schwachstelle, dass die Statthalter, je weiter sie von der Hauptstadt/der Zentralwelt entfernt sind, immer weniger an das große mächtige Imperium denken als an sich selbst – spontan fällt mir das Beispiel des Pyrius Bit ein.

Man beachte auch die hehren, reichstreuen Motive des Zenturion Carcus, die bei genauerem Hinsehen gar nicht mal mehr soooo hehr und reichstreu sind. Besonders sticht dabei der finale Satz

»Sie haben mir einen Gefallen getan«, meinte der Zenturio schließlich doch noch, dann deaktivierte er die Verbindung.«

ins Auge.

Da ist wohl was faul im Staate Dorgon – es scheint fast so, als wäre man auch im ach so hochentwickelten Dorgon noch nicht über die klassisch imperialen Probleme der Korruption, Geld- und Machtgier und Eigensucht hinweg. Und so werden Intrigen gesponnen und Herrscher abgesetzt – wäre doch gelacht, wenn das Gespann aus einem Geschäftsmann und einem Diplomaten dort keinen Fuß fassen könnte.

Vielleicht ist es ja der Tropfen auf den heißen Stein, der das Fass zum Überlaufen bringt...

Martin Schuster

Der DORGON-Zyklus - Der Inselzyklus - ist eine nicht kommerzielle Publikation des PERRY RHODAN ONLINE CLUBs. Heft 14 von Ralf König. Titelbild: Klaus G. Schimanksi. Technischer Berater: Sebastian Schäfer. Versand: PROC. Lektorat, Nachbearbeitung: Klaus Wiehoff. DORGON-Kommentar: Martin Schuster. Umsetzung in Endformate: Alexander Nofftz. Satz: Xtory (SAXON, LaTeX). Internet: http://www.dorgon.de. eMail: dorgon@proc.org. Adresse: PROC c/o Nils Hirseland, Redder 15, 23730 Sierksdorf. Copyright © 2001. Alle Rechte vorbehalten!