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Dunkelheit. In dieser Dunkelheit war nichts. Wie am Anfang aller Zeiten, bevor die erste aller Welten entstand. Nach langer Zeit war da ein Lichtstrahl, der diese Dunkelheit langsam, zögerlich, erhellte. Vollkommene Dunkelheit ließ sich nur schwer erhellen. Ein kleiner Lichtstrahl änderte nicht viel, die Dunkelheit blieb das vorherrschendes Element. Langsam bewegte sie sich auf das Licht zu. Näherte sich mehr und mehr dieser kleinen Quelle reinsten Feuers, die inmitten all dieser Dunkelheit erstrahlte. Versuchte, sich in diesem Licht zu sonnen, zum ersten Mal seit scheinbar Ewigkeiten etwas Wärme in sich aufzunehmen. Erschrocken verhielt sie bei diesem ersten bewußten Gedanken, der über den reinen Instinkt hinausging. Wärme konnte sie nicht fühlen, sie konnte überhaupt nichts fühlen. Ihr Körper war vergangen. Sie war nur noch reiner Geist. Langsam schaffte sie es, sich diesem Lichtpunkt zu nähern. Wärme konnte sie immer noch nicht fühlen, aber sie spürte, daß da doch mehr war, als nur einfaches Licht. Was das war, konnte sie nicht einmal erfassen. Die Sinne eines Menschen waren nicht in der Lage dazu. Als sie glaubte, die Helligkeit nicht mehr ertragen zu können, obwohl sie keine Augen mehr hatte, die schmerzen könnten, und kein Gehirn, das Schmerzen empfinden könnte, vermeinte sie einen Augenblick lang, sich zu verbrennen. Dann sickerte sie ein in das Licht, wurde ein Teil von ihm und begann, die Wärme eines Kollektivs zu verspüren. »Wer ist da?« Ihre Stimme, die reiner Geist war, verhallte zuerst im Nichts. Dann wurde konkreter, was sie umgab. Sie begann, andere Geister zu erkennen – schemenhafte, schattenhafte Gestalten. »Sehe ich auch so aus?« fragte sie sich. »Ja.« Eine erste Stimme. Sie fühlte sie allerdings mehr in ihrem Geist, als daß sie diese Stimme wirklich hörte. Ihr war nicht möglich zu erfassen, was wirklich mit ihr geschah. Dazu war sie zu lange ein Wesen mit einem Körper gewesen, hatte die Gesetzmäßigkeiten einer körperlosen Welt noch nicht einmal im Ansatz erfaßt. Ein freundlicher Geist schwebte ganz in ihrer Nähe, begann, zu ihr zu sprechen. »Ein Geist bist du geworden. Du bist ein Teil von uns.« Sie vermeinte zuerst, es wäre nur eine Stimme gewesen, aber langsam erfaßte sie, daß viele Stimmen, die Stimmen von Millionen, des ganzen Kollektivs, in dem sie steckte, zu ihr gesprochen hatten. Mit einer Stimme sprachen Millionen und sie hörte staunend die Worte, mit denen sie konfrontiert wurde. Sie verstand nicht alles, was die Stimme zu ihr sagte. Aber sie verstand, daß dieses Kollektiv sehr alt war, die Geschicke eines Teils unseres Universums schon seit langer Zeit bestimmte. »Wer seid ihr?« wollte sie wissen. Darüber sagte das Kollektiv allerdings nichts aus. Sie war enttäuscht, denn sie spürte, daß sie immer noch nicht Teil dieses Kollektivs war, daß sie vielmehr eine Außenstehende war. »Du verstehst sicherlich nicht, warum du hier bist. Du wirst auch nicht verstehen können, warum du mit diesem Auftrag betraut werden wirst. Du wirst mit einem neuen Körper nach Camelot zurückkehren und als Beobachter fungieren. Die Cameloter schweben in großer Gefahr. Ich spreche dabei nicht nur von Torr Samaho und Shabazza, ich spreche von einer vielleicht noch gewaltigeren Macht, die den Untergang der Milchstraße besiegeln will. Ich will über alle Aktivitäten informiert sein. Daher wirst du mit nach Dorgon reisen und mein Auge sein.« Dorgon? Sie verstand nicht. Langsam versuchte sie, sich aus diesem Kollektiv zu lösen, strebte wieder der Dunkelheit entgegen. Doch viel zu stark war der Anker und sie erkannte, daß sie sich nicht mehr von der Masse der vergeistigten Wesenheit lösen konnte. Allmählich verblaßte alles um sie herum, die Stimmen wurden immer leiser, bis sie nur noch ein sanftes Rauschen in der Ferne waren, wie eine ferne Brise, wie das Rauschen des Meeres an einem Strand in der beginnenden Abenddämmerung, das kaum zu hören ist. Für einige Augenblicke war da wieder Dunkelheit, dann allerdings löste sich das Dunkel und sie erwachte in einer vollkommen neuen Umgebung. Langsam richtete sie sich auf, tastete um sich, fühlte ein weiches Polster unter ihrem Körper. Sie erstarrte, griff an ihren Körper und ließ die Hände über die weiche Haut gleiten. Ein Körper, sie war wieder in einem Körper! Der Tod war nicht endgültig gewesen, hatte sie wieder aus seiner Klammer entlassen. Sie war auf die Welt zurückgekehrt. Nur welche Welt? Langsam richtete sie sich auf, tastete sich durch das Dunkel, das sie umgab und erreichte eine Wand. Ihre Hände glitten über diese Wand, deren Material sie nicht auf Anhieb bestimmen konnte. Sie erreichte eine Tür, eher eine Schleuse, die allerdings verschlossen war. Ein Gedanke durchzuckte sie, dann sprach sie ihn laut aus. »Licht«, befahl sie und schloß geblendet die Augen, als die Lampe aufflammte. Dann öffnete sie langsam die Lider und sah zum ersten Mal seit ihrem Tod wieder wirklich, erfaßte die Umgebung und genoß das Gefühl wieder zu Leben. Der Raum war nicht sehr groß, die Schleuse der einzige Ausgang. Aber sie war verschlossen. Verzweifelt rüttelte sie an der Tür, versuchte, sie zu öffnen. Aber es gelang nicht. Sie setzte sich auf die Liege, auf der sie erwacht war und senkte den Kopf. Sie überließ sich ihren Gedanken, driftete langsam davon und begann zu träumen, erkannte plötzlich wieder das Kollektiv vor sich und lauschte, als die eine Stimme der Millionen Wesen ihr erzählte, was ihre Aufgabe war. Dann richtete sie sich auf, aktivierte einen Monitor und ließ sich die Umgebung des Asteroiden, auf dem sie sich befand, anzeigen. Ganz allein war sie im Nichts eines weit entfernten Leerraumes. Noch lange Zeit würde es dauern, dann würde sie abgeholt werden. Ihre Aufgabe wartete auf sie. Sie war Nadine Schneider. Sie war eine Terranerin im Auftrag einer Entität.
Rauchschwaden trieben über das verwüstete Land. Dermos, die Hauptwelt der MORDRED, war vernichtet, verwüstet, vieles dem Erdboden gleichgemacht. Tagelang tobte das Feuer über die Welt, verbrannte vieles, was den Angriff der Cameloter und den Absturz der VERDUN überstanden hatte. Immer noch unklar war, woher das Adlerschiff gekommen war, was es in dieser Galaxis zu suchen hatte und wie es zu den Männern der Terrororganisation MORDRED gestanden hatte. Die Verantwortlichen von Camelot vermuteten, daß die Besitzer dieses Raumschiffes die eigentlichen Hintermänner waren, die Auftraggeber der Terroristen, die Camelot und die Organisation der Unsterblichen eigentlich vernichten wollten. Das Adlerschiff, das schwerbeschädigt in einem der unterirdischen Hangars lag, konnte noch nicht geborgen werden. Langsam allerdings konnten die Brände gelöscht werden und eine Untersuchung des Schiffes stand kurz bevor. Timo Zoltan, einer der Assistenten von Attaca Meganon, sollte die Untersuchung des Adlerschiffes in die Wege leiten. Der junge Wissenschaftler stand nervös in der Zentrale der TAKVORIAN und blickte auf den Zentralbildschirm, der nur rauchende Trümmer zeigte, wo sich einmal der Raumhafen befunden hatte. Langsam wandte er sich um, setzte kurz seine Brille ab und rieb sich die Nasenwurzel. Dann setzte er die Brille wieder auf und fixierte Cascal. »Was soll ich denn da noch finden? Von einem Schiff kann man in diesem Fall ja nicht mehr sprechen, es ist weitgehend zerstört. Es würde mich wundern, wenn da noch etwas übrig wäre.« »Das ist dein Problem«, meinte der Terraner. Er grinste, angesichts der Situation und der Bilder auf dem Schirm wirkte es allerdings eher verzerrt. »Du bist der Wissenschaftler. Ich bin sicher, daß du finden wirst, wonach wir suchen.« Zoltan nickte resignierend, dann wandte er sich von dem Bildschirm ab und verließ die Zentrale. Timo Zoltan und Joak Cascal waren gute Freunde, denn Cascal hatte dem jungen Wissenschaftler quasi sein Leben zu verdanken. Zoltan war einst Passagier auf der LONDON II und konnte zusammen mit einem terranischen Ehepaar den Entführern entkommen. Damals gerieten sie in die Raumzeitfalte, in der auch Cascal und Tolk verweilten. Dank Timo Zoltan konnte die BONTAINER damals entkommen. Zoltans Team erwartete ihn bereits am Hangar und er begab sich auf direktem Weg zu einer Space-Jet, die ihn auf die Oberfläche des zerstörten Planeten bringen sollte. Eine halbe Stunde später löste sich das kleine Schiff von der riesigen TAKVORIAN und steuerte auf die Atmosphäre des Planeten Dermos zu. Cascal verfolgte die Flugbahn des kleinen Raumschiffes noch einige Augenblicke, dann wandte er sich um und blickte Perry Rhodan direkt in die Augen. Der Unsterbliche hatte sich bisher heraus gehalten. Rhodan hatte sich von seinen Verletzungen aus dem Zweikampf mit Despair weitgehend erholt. Die Nummer Eins der MORDRED, Wirsal Cell, war tot, aber sein wichtigster Handlanger, der Cameloter Cauthon Despair, hatte den Kampf überlebt. Noch mehr, er hatte Rhodan das Leben gerettet. Mit seinem Bein unter einem Träger eingeklemmt, hatte er, nach dreitausend Jahren des Lebens, schon den Tod nahen sehen. Despair hörte kaum auf seine Bitten um Hilfe, er hatte genug damit zu tun, seine tote Freundin Zantra Solynger zu betrauern. Plötzlich jedoch hatte er es sich anders überlegt, hatte sich zu Rhodan begeben und den Träger auf die Seite geräumt. Dann war er mit dem Terraner zu einer Space Jet gegangen und hatte den Planeten verlassen. Fast wäre es zu spät gewesen, aber sie hatten es gerade noch geschafft. Die Rettung durch Gucky war nur noch Formsache gewesen. Aurec schaute verständnislos auf die Szene. Er war, zusammen mit Rhodan und Despair, von der SOL herüber gewechselt. Er wußte nicht, was sein Freund Perry beabsichtigte. Er beschränkte sich auf Beobachtung. Rhodan schaute dem jungen Mann, den er vor langer Zeit wie einen eigenen Sohn in seinem Haus auf Camelot aufgenommen hatte, auf die Augenschlitze seiner Maske. Der verlorene Sohn war also nicht tot, wie er ursprünglich gedacht hatte, sondern hatte sich zum stellvertretenden Anführer einer Terrororganisation hochgearbeitet. Daß er sich in einem Menschen so täuschen konnte, belastete den Terraner immer noch sehr stark. Auch dreitausend Lebensjahre konnten einen offensichtlich nicht vor solchen Fehlern bewahren. Anscheinend hatte ihn die immer deutlicher spürbar werdende Dekadenz der Terraner angesteckt, anders war es nicht zu erklären, daß Rhodan deutliche Anzeichen, die damals mit Sicherheit schon zu erkennen waren, entgangen waren und er dem jungen Despair so großes Vertrauen entgegengebracht hatte. »Cauthon Despair«, begann der Unsterbliche. »Ich bin dir sicherlich zu Dank verpflichtet, du hättest mich sterben lassen können. Doch du hast mich gerettet. Warum? Warum nicht früher?« Der Cameloter trug noch immer seine Gesichtsmaske, daher konnte niemand eine Regung des Mannes in der Rüstung erkennen. Als er sich in Bewegung setzte, griffen einige Mitglieder der Zentralebesatzung nach den Waffen. Rhodan winkte ab. Er wollte beobachten, was Despair vor hatte. Langsam setzte sich die Gestalt in Bewegung. Sein Ziel schien der Bildschirm zu sein, auf dem immer noch die Trümmer des Raumhafens zu erkennen waren. Mittlerweile hatte sich allerdings eine Space-Jet neben einigen der Trümmer herab gesenkt. Timo Zoltan und einige Mitglieder seines Teams verließen das Raumschiff. Despair seufzte vernehmlich, dann wandte er sich von dem Bildschirm ab. »Ich habe einen großen Fehler gemacht.« Er senkte den Blick. Nach wenigen Augenblicken hob er ihn und richtete das dunkle Visier seiner Maske auf Perry Rhodan, der ihn mißtrauisch betrachtete. »Nach dem Sturz war ich schwer verletzt. Nicht nur körperlich, sondern auch seelisch. Ich war verzweifelt.« Die Gestalt schüttelte den Kopf. »Als ich wieder zu mir kam, hatte sich mein Körper verändert. Er konnte ohne technische Hilfsmittel nicht weiterleben. Diese Hilfsmittel hatten mir die Ärzte Wirsal Cells eingepflanzt. Die Rüstung, die ich trage, war ein Geschenk von Nummer Eins. Er hat mir erklärt, was geschehen war, und daß du, Perry Rhodan, mich im Stich gelassen hattest. Wieso hast du mir nach meinem Sturz nicht geholfen?« Anklagend erhob er eine Hand und deutete auf den Terraner. Rhodan schüttelte energisch den Kopf. »Du warst tot, wir haben am Fuße des Berges nur noch deine Leiche gefunden, zerschmettert und bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Damals dachten wir jedenfalls noch, es wäre dein toter Körper. Niemals hätten wir dich im Stich gelassen, aber du warst für uns tot.« Despair nickte. »Wirsal Cell wußte, was geschehen würde. Er hat keinen Augenblick ausgelassen, um den Haß in mir zu schüren. Er war es sicherlich, der eine Ersatzleiche an meiner Stelle in die Schlucht legte. « Die Gestalt bewegte sich nicht, aber irgend etwas schien hinter dem dunklen Visier zu geschehen. Niemand konnte seine Tränen sehen, die Maske verhinderte das. Er dachte an die tote junge Frau, die er noch vor wenigen Tagen auf dem Planeten im Arm gehalten hatte. »Als ich auf Sverigor angekommen war, um diese Welt zu zerstören und der Galaxis zu zeigen, was wir zu tun bereit sind und über welche Mittel wir verfügen, da hatte sie eine Chance, mich zu erlösen. Aber sie hat sich wieder gegen mich gestellt. Dafür haßte ich sie. Alles weitere geschah nur, weil sie mir kein Zeichen der Versöhnung gegeben hat. Der Tod dieser Menschen ist nur zum Teil meine Schuld. Zwei Menschen haben mich dazu getrieben.« Er wandte sich ab und betrachtete wieder die Bilder der Zerstörung. Es dauerte einen Augenblick, bis der Terraner begriff, wen der Cameloter meinte. Aber dann begriff er. Despair gab Zantra Solynger die Schuld an dem Massenmord. »Zantra Solynger ist genauso ein Opfer, wie viele Milliarden Menschen auf der Welt Sverigor. Wie kannst Du ihr die Schuld geben an einer Sache, die allein die MORDRED zu verantworten hat? Ihr hättet die Galaxis beinahe in einen Abgrund gestürzt. Wirsal Cell allein hätte das nicht geschafft. Du wie alle anderen Anhänger der MORDRED habt ihm dabei geholfen. Da seht ihr, wohin Kadavergehorsam führen kann. Ich bin stolz, daß die Menschheit heute eine andere Einstellung zu dieser Sache hat. Wenn du Zweifel hattest, hättest du den Befehl zur Vernichtung dieser Welt niemals geben dürfen.« Despair war keine Regung anzumerken. »Ist die Menschheit wirklich so, wie du sie siehst?« stellte Despair in Frage. »Was meinst du damit?« »Sie folgen doch einigen Dingen blind, dem Galax, der Wirtschaft und dem Bürokratismus. Cell wollte sie davon erlösen«, konterte der silberne Ritter. Rhodan schüttelte den Kopf. Er seufzte laut. »Wirsal Cell ist tot. Er hat dich verraten. Du hast die Wahl nun mit uns zusammenzuarbeiten oder zur Hölle zu fahren.« Cascals Blicke wanderten zwischen den beiden sich wie Kämpfer gegenüber stehenden Menschen hin und her. Rhodan hatte schweres Geschütz aufgefahren, er war eigentlich gar nicht auf den Vorwurf von Despair eingegangen. Cascal war sicher, daß dem Terraner durchaus bewußt war, daß in Despairs Worten ein Kern Wahrheit steckte. Aber er wollte nicht darauf eingehen. Ein Psychospiel zwischen dem Unsterblichen und Despair begann, das nach Cascals Meinung nur einer gewinnen konnte. »Laß mich allein«, verlangte Despair. »Ich muß nachdenken.« Rhodan dachte selbst einige Augenblicke nach, dann nickte er. »Bringt ihn in eine leere Kabine. Aber verschließt die Tür und postiert Wachen davor. Ich werde dich später besuchen kommen. Dann will ich wissen, wie du dich entschieden hast... !« Despair verließ den Raum, ohne ein weiteres Wort zu verlieren. Dabei stieß er mit einer Terranerin zusammen, die sich heftig erschrak, als sie Despair erblickte. »Mach das nie wieder!« sagte sie zögerlich und blickte den Riesen an. Cauthon neigte den Kopf leicht nach links. Er fand diese Frau sehr attraktiv. Sie hatte lange gelockte brünette Haare, wundervolle braune Augen und ein charismatisches Gesicht. Schnell riß sich der silberne Ritter jedoch wieder zusammen. »Dann stellen Sie sich nicht in meinen Weg!« herrschte er sie an und setzte seinen Weg fort. Die junge Terranerin wich nun aus und blickte verdutzt Despair hinterher. »Wer war das denn?« fragte sie nichtsahnend die Anwesenden. Rhodan, Cascal, Bull, Aurec und Tolk sahen sie verständnislos an. »Oh, wo sind meine Manieren. Ich bin Sanna Breen, Assistentin von Cistolo Khan«, erklärte die Schönheit freundlich und reichte Rhodan die Hand. »Weißt du... es...« begann sie zu stottern und blickte den Zellaktivatorträger nervös an. Rhodan begann unfreiwillig zu lächeln. »Ja? Sprich dich aus, Sanna Breen.« Sanna wäre beinahe ohnmächtig geworden, als sie das Lächeln Rhodans sah, welches ihr galt. Die junge Assistentin des LFT-Kommissars schluckte hörbar. »Es ist mir eine Ehre Perry Rhodan gegenüberzustehen, denn... denn das ist das erste Mal...« Rhodan schwieg und lief beinahe rot an. Lange war es her, daß die Terraner sich freuten, ihn zu sehen. »Naja, du bist eben eine Legende und da ist es schon eine Ehre, wenn du verstehst, den Perry Rhodan zu treffen...« Perry schmunzelte immer noch und verschränkte die Arme vor der Brust. Auf Camelot war es schon lange nicht mehr passiert, daß ihn jemand wie ein Fossil aus einer anderen Zeit, eine Art lebende Legende behandelte. Dazu kannten sie ihn mittlerweile zu gut. Aber wenn er ehrlich war, genoß er diesen Augenblick der Bewunderung, die ihm da unvermutet zu Teil wurde. »Nein, es ist mir eine Ehre.« Der Zellaktivatorträger sah ihre schönen Augen aufblitzen, als er das sagte. Für einen Moment wurde er schwach, riß sich dann aber wieder zusammen, als Bully etwas über Mondra sagte. In dem Moment betrat auch Cistolo Khan die Zentrale. »Ah, Perry, du hast bereits meine Assistentin kennengelernt. Ich bin hier, um mich über die ganze leidige Sache mit dieser MORDRED informieren zu lassen.« Rhodan biß sich auf die Lippen, am liebsten hätte er einen gesalzenen Kommentar abgegeben. Dennoch entschied sich der Unsterbliche für die diplomatischere Version. »Ich bin froh, dich zu sehen, Cistolo«, sprach er begrüßend. »Ja, ist supernett, daß du mit den ganzen LFT-Flotten angerückt bist, um uns zu helfen, hast aber leider die Schlacht verpennt«, piepste eine schrille Stimme im Hintergrund. Es war Gucky, der sich diesen bissigen Kommentar nicht entgegen lassen wollte. Rhodan wollte den Ilt ermahnen, doch irgendwie hatte der Mausbiber auch recht, daher sah er von einem mahnenden Wort ab und amüsierte sich statt dessen über die Gesichtsreaktion des LFT-Kommissars. »Ich persönlich wäre gekommen, doch wir werden nun einmal von einem Parlament regiert«, verteidigte sich Khan. »Keinen Streit, ich schildere dir die letzten Tage«, begann Rhodan und führte Cistolo Khan in einen Besprechungsraum. Timo Zoltan schaute sich kopfschüttelnd auf dem verwüsteten Raumhafen von Dermos um. Etliche Antigravheber konnten das fremde Schiff behutsam aus dem unterirdischen Hangar bergen. Das Adlerschiff ragte nun direkt vor ihm auf, aber er fragte sich, wie er das Schiff betreten sollte. Es war zerstört, aber im Moment konnte er keinen Zugang erkennen. Offensichtlich waren die Zerstörungen doch lange nicht so umfassend, wie es von oben ausgesehen hatte. Viele Trümmer lagen auf dem zerstörten Raumhafen und auch auf dem Schiff. Die Hülle darunter war weitgehend unversehrt. Das Team schwärmte auf seinen Wink aus und umrundete das Schiff. Nach längerer Suche konnten sie ein Leck erkennen, das ihnen den Zugang zu dem Raumer ermöglichen würde. Mit den Flugaggregaten ihrer Anzüge schwebten sie zu dem Leck nach oben und betraten zum ersten Mal das Innere des in der Galaxis bis dato unbekannten Schiffes. Es hatte eine Länge von 800 Metern, war 320 Meter breit und 210 Meter hoch. Das Leck befand sich ungefähr in der Mitte des entfernt kugelförmigen Rumpfes. Die Zentrale vermutete der Wissenschaftler allerdings in dem Kopfteil des Adlers. Sie hatten also noch einen längeren Weg vor sich, bis sie den wichtigsten Raum des Schiffes erreichen würde. Der Raum hinter dem Loch in der Wand des Schiffes war weitgehend zerstört. In der gegenüberliegenden Wand klaffte ebenfalls ein Loch, so daß sie keine Probleme hatten, in das eigentliche Innere des Schiffes zu gelangen. Ein Korridor nahm sie auf. Vorsichtig bewegte sich das Team durch das Schiff. Zwei Raumlandesoldaten, die dem Team zugeteilt waren, übernahmen die Führung, zwei weitere Soldaten sicherten die Gruppe der Wissenschaftler nach hinten ab. Sie rechneten mit Fallen in dem Schiff, konnten sich aber im Augenblick noch ungehindert bewegen. Vermutlich hatten die Eigentümer einfach keine Zeit mehr gehabt, irgendwelche Überraschungen zu hinterlassen. Schließlich waren sie sehr überstürzt geflohen. Sie folgten einigen Gangbiegungen, bis sie einen breiteren Gang erreicht hatten. Er wirkte auf Timo wie ein zentraler Korridor. Er ließ die Soldaten in Richtung des Adlerkopfes gehen. Langsam bewegten sie sich so durch das Schiff. Niemand hielt sie auf. Bis ein Roboter vor ihnen auftauchte. Die beiden Raumsoldaten brachten die Waffen in Anschlag, zögerten aber dann, weil sich der Roboter nicht mehr bewegte. Er trat sogar zur Seite und ließ die Menschen passieren. Als sie langsam an ihm vorbeigingen, senkte er ein Knie auf den Boden des Schiffes und nahm eine eindeutig unterwürfige Haltung ein. Die Soldaten warfen sich unbehagliche Blicke zu. Sollte die Eroberung des Schiffes so einfach sein? Zoltan überlegte. Die Gestalt des Roboters war eindeutig Humanoid. Davon ausgehend, daß Menschen und fremde Wesen Roboter größtenteils nach ihrem eigenen Abbild erschufen, konnte man in der Regel von dieser Gestalt Rückschlüsse auf die eigentliche Gestalt seiner Erbauer ziehen. Aber schon durch die Begegnug Perry Rhodans mit dem Dorgonen Sereanus, wußten sie, daß sie durchaus menschenähnlich waren. Zoltan vergaß den Roboter wieder. Hier konnte er keine wesentlichen Informationen gewinnen. Sie erreichten die Nahtstelle zwischen dem Rumpf und dem Kopf des adlerförmigen Schiffes. Langsam tasteten sie sich in das Zentrum dieses Teils vor. Hier trafen sie auf erste Probleme. Eine ganze Gruppe von kugelförmigen Objekten tauchte vor ihnen auf und eröffnete sofort das Feuer. Die Raumlandesoldaten schossen zurück und konnten die ersten Kampfroboter zur Explosion bringen. Die kleinen Gebilde waren ungeschützt. Sie verglühten in den Energiebahnen ihrer Waffen. Trotzdem waren sie eine Gefahr. Die Waffen dieser Fremden waren sehr effektiv, und so dauerte es auch nicht lange, bis der erste Energieschirm zu flackern begann. Nun griff auch Timo zu seinem Strahler, obwohl er als Wissenschaftler den Kampf eigentlich verabscheute. Er tröstete sich mit dem Gedanken, daß sie ja nur Material vernichteten. Sich gegenseitig absichernd, gelang es schließlich, die Roboter zu vernichten. Das Team von Camelot setzte seinen Weg fort, bis sie im Zentrum des Kopfes auf einen großen Raum stießen, den Timo nach einem kurzen Rundblick für eine Zentrale hielt. »Ausschwärmen«, befahl er. »Suchen wir nach allen relevanten Informationen.« Nachdem Rhodan Khan den Niedergang der MORDRED genauestens geschildert hatte, wie Nummer Eins alias Wirsal Cell den Tod fand, die Flotten der MORDRED geschlagen wurde, kamen sie zu der Vereinbarung, daß die LFT die Gefangenen mitnehmen und vor den galaktischen Gerichtshof bringen würde. Rhodan ließ danach mehrere Stunden verstreichen, in denen er sich mit Aurec besprachen, um eine Lösung für das Problem mit Despair zu finden. Sie waren nicht wesentlich weitergekommen. Alles hing davon ab, in wieweit Cauthon Despair zur Kooperation bereit war. Der Unsterbliche hatte Aurec schließlich allein gelassen und sich zu dem Cameloter begeben, der in seiner Kabine auf dem Bett saß und düster vor sich hin starrte. »Nun, wie fühlst du dich?« Langsam hob sich der Blick des Cameloters und er schaute in Rhodans Richtung. Unter der Maske konnte der Terraner das Gesicht Cauthons immer noch nicht erkennen, was ihn störte, da er so keine Regungen des Menschen erfassen konnte. »Ich weiß es nicht. Ich bin mir meiner Gefühle nicht im klaren.« Die Stimme des Cameloters klang dumpf unter seinem Helm. Schweigen kehrte zwischen ihnen ein. Rhodan sagte nichts, weil er auf eine Reaktion Despairs wartete. Warum Cauthon schwieg, konnte er nicht einmal erahnen. »Ich verachtete die Menschen auf Sverigor.« Endlich erhob Despair seine Stimme. »Sie besaßen alles, was ich niemals besitzen werde. Diese Wesen waren glücklich, sie hatten Freunde. Sie hatten ein Leben!« Bedauern erkannte Rhodan in der Stimme des Mannes. »Ihr Verhalten war dennoch abstoßend.« Despair erinnerte sich an die beiden Mädchen, die ihn belästigt hatten. Sie hatten ihn allerdings schnell wieder in Ruhe gelassen, als sie seine Gefährlichkeit erkannten. »Trotzdem lebten sie, mehr, als ich jemals gelebt habe. Doch sie lebten in Dummheit. Sie wußten nichts vom Kosmos und interessierten sich nicht dafür. Diese Dummheit ist wie die Pest, die sich rasant in der Galaxis verbreitet. Dafür sollten sie bestraft werden.« Despair verstummte erneut. Rhodan begann langsam zu verstehen, was in diesem Menschen vorging. Er war eigentlich auch nur ein Opfer, allerdings ein Opfer, das zu einem Täter geworden war. Inwiefern durfte man solche Opfer bedauern, sie als Menschen akzeptieren? Inwiefern sollte man in einem solchen Fall von einer Strafe absehen? Der Unsterbliche dachte einen Augenblick lang an den Mutanten Vincent Garron oder einst an den Supermutanten Ribald Corello. Garron, der mit Atlan nach Cheart geflogen war, wurde trotz seiner Verbrechen freigesprochen. Er war nicht das einzige Beispiel. Die Geschichte der Menschheit war voll mit Irrtümern über die Gesinnung von Menschen, die Verbrechen begangen hatten. »Ich will nach Sverigor. Könntest du mich auf diese Welt bringen?« »Warum? « »Ich bin mir nicht sicher. Vielleicht will ich mich nur meiner Tat stellen. « Wieder verstummte Despair, dann griff er an seinen Helm und löste einige Verschlüsse. Langsam öffnete er den Helm und nahm ihn ab. Zum ersten Mal seit langer Zeit konnte Rhodan wieder das Gesicht von Cauthon Despair sehen. Es hatte sich sehr verändert, blaß und leblos wirkte das haarlose Haupt. Aus den verwüsteten Gesichtszügen des Mannes sprach eine Verzweiflung, wie sie Rhodan noch nie bei einem Menschen gesehen hatte. Die Augen dieses Mannes sagten mehr aus, als alle Worte, die er an den Terraner richten konnte. Zum ersten Mal, seit er von seinen Untaten gehört hatte, machte sich so etwas wie Verständnis in Rhodan breit, und er fragte sich, ob nicht ein Teil der Schuld an der Entwicklung Despairs bei ihm zu suchen war. Der Unsterbliche hob die Hand mit dem Armbandfunkgerät an seine Lippen und erteilte Cascal die Anweisung, das Schiff startbereit zu machen. »Wir machen einen Ausflug nach Sverigor!« ordnete er an. »Verstanden«, hörte er die Stimme des Terraners, den es aus der Vergangenheit in diese Zeit verschlagen hatte. Es tat gut, eine Stimme zu hören, die er aus der Vergangenheit kannte. Er nickte dem Cameloter zu. »Du bleibst hier, bis wir Sverigor erreicht haben.« Dann verließ er das Zimmer und ließ das Schott hinter sich zugleiten. Als die Tür verschlossen war, blieb er stehen und atmete tief durch. Der Blick des Cameloters verfolgte ihn für den Rest des Fluges nach Sverigor. Lange Zeit bewegte er sich nicht, dann setzte er sich mit langsamen, schleppenden Schritten in Bewegung. Er ging in Richtung Zentrale. Die Wachen vor der Tür blickten hinter der gebeugt gehenden Gestalt her. Für einen Augenblick hatten sie den Eindruck, als ginge der Terraner wie ein Mensch, der wirklich dreitausend Jahre alt war. Dann aber straffte sich die schlanke Gestalt, er beschleunigte seinen Schritt. Der große Terraner war wieder einmal auf dem Weg, sich seiner Verantwortung zu stellen. Manchmal haßte er dieses Ding in seiner Schulter. Zoltan ließ seinen Blick über die fremdartigen Aggregate schweifen. Er schüttelte den Kopf. Irgendwelche Ähnlichkeiten mit der Technik der Galaktiker war dem Schiff und seinen Instrumenten wirklich nicht anzusehen. Sicher waren da Dinge, die gleich waren. Ein riesiger Bildschirm beherrschte den Teil der Wand, die der Tür gegenüber lag. Konsolen davor ließen vermuten, daß hier ein Pilot saß. Allerdings gehorchten die Kontrollen wohl anderen Prinzipien, als die in einem Schiff der Erde. Je länger der Terraner den Raum auf sich wirken ließ, desto eher erkannte er Parallelen zu einem Schiff anderer bekannter galaktischer und intergalaktischer Völker. Da war ein großer Sessel, der etwas erhöht stand. Im Vergleich zu einem der eigenen Raumschiffe allerdings sehr viel höher. Sechs Stufen führten da hinauf. Offensichtlich sah sich der Kommandant eines solchen Schiffes eher in der Rolle eines absoluten Herrschers. Hinter dem Rücken dieses Kommandanten waren Konsolen angebracht, die wohl der Kommunikation und der Ortung dienen sollten. Genau war es nicht zu erkennen, aber das würden sie sicher herausfinden. Das Design der Konsolen war allerdings sehr ansprechend. Nicht so, wie in einem terranischen oder arkonidischen Schiff, wo die Konsolen eher sehr eckig waren und sehr technisch aussahen. Nein, eher waren die Einrichtungen sehr geschwungen angelegt. Rundungen beherrschten das Bild. Gedeckte Farben sorgten außerdem für eine sehr beruhigende Atmosphäre. Allgemein machte das Schiff den Eindruck, als hätten sie es mit einer Rasse zu tun, die auf der einen Seite sehr dekadent war, ähnlich wie die Arkoniden früher. Auf der anderen Seite schienen sie aber auch sehr ästhetisch, den feinen Dingen des Lebens nicht abgeneigt. Allein bei der Betrachtung dieses Raumes, der dem Herrscher des Schiffes als Stützpunkt dienen sollte, hatte Timo aber den Eindruck eines Volkes, das sehr auf Disziplin bedacht war. Kommandostrukturen waren hier sicher nicht nur leere Worte sondern gelebte Wirklichkeit. »Schon was gefunden?« Seine Männer schüttelten den Kopf. Mit aller gebotenen Vorsicht hatten sie sich auf die Konsolen verteilt. Langsam aber sicher arbeiteten sie sich in die Funktion der einzelnen Instrumente ein, betätigten Tasten, soweit welche zu erkennen waren und legten so Konsolen und fremdartige Eingabevorrichtungen frei. Ein großes Hindernis war dabei die mangelnde Kenntnis der Sprache der Dorgonen. Die Instrumente waren alle beschriftet, aber in einer fremden Sprache, deren Buchstaben sehr eckig geformt waren, im Gegensatz zu der runden Konstruktion der Konsolen. Timo näherte sich dem Sessel des Kommandanten. Langsam umrundete er die erhöhte Plattform und ließ das Bild auf sich wirken. Dann trat er vor die Stufen und erklomm die erste. Nichts passierte. Er holte tief Luft und setzte dann seinen Fuß auf die zweite Stufe. So näherte er sich Schritt für Schritt dem Sessel, der über ihm aufragte. Oben drehte er sich und ließ sich auf die Sitzfläche niedersinken. Der Sessel gab nicht sehr nach, wirkte eher hart auf den Wissenschaftler. Offenbar waren die Wesen doch nicht so dekadent, wie er gedacht hatte. Jedenfalls saßen sie nicht auf Sesseln, deren Sitzfläche fast bis auf den Boden nachgab. Er saß kaum drei Sekunden, als sich plötzlich die Konsole in der linken Sessellehne aktivierte. Fremdartige Laute drangen aus einem der Lautsprecher. Niemand verstand die gesagten Worte und auch die Universalübersetzer hatten noch zu wenige Informationen über die fremde Sprache. Sie schwiegen. Zoltan reagierte nicht. Wieder ertönte die Stimme, schien ihn zu etwas aufzufordern. Timo reagierte immer noch nicht. Doch dann sprang er erschrocken auf, als plötzlich ein Alarm ertönte. Überrascht wartete er darauf, was passieren würde. Nur wenige Augenblicke später glitt das Schott zum Gang in die Wand und mehrere Roboter traten ins Innere. Diesmal waren es keine flugfähigen Roboter, sie hatten die Gestalt von Menschen. Sie eröffneten sofort das Feuer auf Timo, der immer noch vor dem erhöhten Sitz stand. Schnell verließ er seinen Platz und brachte den Sessel zwischen sich und die Angreifer. Die Roboter stellten das Feuer ein und wollten dem Terraner folgen, wurden allerdings durch das wütende Feuer der vier Raumlandesoldaten aufgehalten. »Vorsicht, macht nichts kaputt«, brüllte er. Ein Fluch antwortete ihm. »Du hast uns doch die Dinger auf den Hals gehetzt«, antwortete einer der Männer zwischen zwei Schüssen. Die Roboter gaben nicht auf. Es waren zwar nur fünf, aber sie waren sehr widerstandsfähig – auch ohne Schutzschirme. Endlich explodierte einer der Roboter, aber die anderen feuerten weiter. Schnell gingen die Männer wieder in Deckung und wechselten die Stellung. Nun feuerte auch Timo und animierte die anderen Wissenschaftler, ebenfalls aktiv zu werden. Endlich ging es schneller, zwei weitere Roboter explodierten, dann die letzten zwei. Aufatmend erhob er sich, blickte um sich und registrierte die Zerstörungen. Verblüfft sah er, wie sich einige Türen öffneten, aus denen Roboter hervor glitten. Vorsichtshalber hob er wieder die Waffen, aber dann verzichtete er auf deren Einsatz. Als einer der Soldaten feuern wollte, drückte er dessen Waffe nach unten. »Das sind nur Reparaturroboter«, äußerte er. Und tatsächlich, kaum hatte er geendet, als einer der Roboter eine Konsole öffnete und Kontakte erneuerte. Die Verkleidung produzierte er offensichtlich in seinem Körper neu. Es dauerte nur wenige Augenblicke, bis die Anlagen aussahen, als wäre nie etwas geschehen. Timo schüttelte stumm staunend den Kopf. Die Anlagen waren noch in einem erschreckend guten Zustand. Offensichtlich waren die Fremden gefährlicher, als er dachte. Langsam wandte er sich um und rief die TAKVORIAN. Ein anderes Schiff antwortete und teilte dem Terraner mit, daß sich die TAKVORIAN aus dem System entfernt hatte. Sie flogen Richtung Sverigor, teilte der Kommandant des neuen Schiffs IVANHOE mit, die erst vor wenigen Minuten im Dermos-System aufgetaucht war. »Das interessiert mich eigentlich nicht«, knurrte der Wissenschaftler. »Ich brauche hier Unterstützung. Schickt mir noch einige Soldaten herunter.« »Soldaten?« Die Stimme, die sich einmischte, gehörte Adams. »Ihr sollt das Schiff untersuchen, nicht zerstören.« So, wie er sich anhörte, hatte er nicht gut geschlafen Jedenfalls klang seine Stimme sehr gereizt. »Wir werden angegriffen. Es gibt hier noch eine Menge Roboter, die uns ärgern wollen. Außerdem brauchen wir die Kapazität der Rechner eurer Raumschiffe. Hier gibt es eine Menge zu errechnen, beispielsweise die Grundprinzipien der dorgonischen Sprache. Ohne Unterstützung werden wir hier noch Wochen brauchen.« »OK, macht weiter!« Der Unsterbliche schaltete sich aus der Kommunikation aus. »Die Soldaten sind schon unterwegs«, meinte Xavier Jeamour, der Kommandant der IVANHOE. Jeamour hatte vor diesem Kommando ein anderes Schiff während der Schlacht um Camelot und Dermos gehabt. Doch die IVANHOE wurde zwei Tage nach dem Angriff auf Camelot fertiggestellt und nachdem die MORDRED geschlagen war bemannt. Der Belgier übernahm, wie bereits vorher vereinbart, das Kommando über das Schwesterschiff der TAKVORIAN. Dankbar nickte der junge Wissenschaftler. Dann deaktivierte er die Funkverbindung. Ungeduldig wartete er auf die Soldaten. Seine Mitarbeiter suchten weiterhin nach Hinweisen. Bisher hatten sie noch nicht einmal die Konsole für den Computer gefunden. Despair hatte seine Maske wieder aufgesetzt. Er verlangte den Unsterblichen zu sprechen und äußerte dann die Bitte, sich wieder in der Zentrale aufhalten zu dürfen. Rhodan erteilte die Genehmigung und erwartete die Gestalt des Mannes. Als sich das Schott öffnete, wandte er sich nur kurz um. Er blickte wieder in die Sichtschlitze der Maske, was ihm eigentlich nicht recht war. Suchend blickte er sich um, dann wandte er sein Visier in Rhodans Richtung. Es schien, als suche er jemanden. Er fand aber die Person nicht und näherte sich langsam dem Standort des Unsterblichen. Rhodan wandte sich demonstrativ ab und beobachtete die Bilder auf dem zentralen Bildschirm. Außer dem Wabern des Überraumes war da allerdings nichts zu sehen. Despair verstand sehr schnell, daß Rhodan ihn durch sein Schweigen strafen wollte. »Vielleicht habe ich Fehler gemacht.« Eine Pause entstand. Rhodan ging nicht darauf ein. In Psychospielen kannte er sich zu gut aus, seine Erfahrung half ihm dabei. »Ich mußte damals meinem Meister gehorchen.« Despair klang verzweifelt, aber auch das konnte den Unsterblichen nicht erweichen. »Ich habe dir von meinen Gefühlen auf Sverigor erzählt. Viele Menschen habe ich in dieser letzten Nacht auf dem Planeten nicht getroffen. Aber da war ein Mädchen...« Etwas schwang in seiner Stimme, was Rhodan einen Blick über die Schulter werfen ließ. Eine Regung, die er in den Gefühlen des Cameloters eigentlich verloren glaubte. Etwas wie Zuneigung. »Sie hieß Kathy. Ich habe sie in einer dieser erbärmlichen Vergnügungstempel kennengelernt. Schon komisch, was diese jungen Menschen dort alles tun. Sie vergiften sich mit Drogen, lauschen merkwürdiger Musik...« Wieder steckte ein Klang des Bedauerns in der Kehle des Mannes. »Diese Kathy war zweifelsohne eine gewöhnliche Frau, doch sie behandelte mich trotz meines Äußeren so zuvorkommend. Sie mochte mich und ich habe sie vernichtet!« Trauer lag nun in den Worten des silbernen Ritters. Mitleid überkam den Aktivatorträger und wieder fragte er sich, ob dieser Mann nur ein Monster, ein besonders guter Schauspieler war, oder ob er doch noch menschliches in sich hatte. Nein, dachte er. Jetzt muß ich hart bleiben. Dann werde ich am meisten herausfinden. Er wandte dem Cameloter wieder den Rücken zu, ließ ihn mit seinem schlechten Gewissen alleine. Peinliches Schweigen herrschte in der Zentrale. Die Menschen blickten unbehaglich auf den Rücken des Mannes in der Rüstung. Niemand sagte etwas, nicht einmal Cascal. Er wollte eigentlich die Entfernung bis Sverigor ansagen. Aber dann verzichtete er doch darauf. Er, der sonst eigentlich nicht auf den Mund gefallen war, spürte ein leises Erschauern, als er an die toten von Sverigor dachte. Kurzzeitig tauchte ein Bild vor seinem geistigen Auge auf, das ihn zum Thermostrahler greifen ließ. Als er Tolks Hand auf seiner spürte, senkte er sie schnell wieder. Soldaten marschierten in die Zentrale des Adlerschiffes. Sie waren dem Weg gefolgt, den ihnen Zoltan angegeben hatte. Der Terraner näherte sich schon wieder dem Sessel, als die angeforderten Truppen den Raum betraten. Sie wurden schnell von ihren beiden Kameraden eingewiesen. Entschlossen erklomm Zoltan die Stufen und ließ sich auf den Sessel niedersinken. Niemand rührte sich, alle beobachteten ihn. Wieder erscholl der Alarm, sobald er sich gesetzt hatte. Diesmal blieb er allerdings sitzen, lauschte der Stimme, die in fremder Sprache auf ihn einredete. Sein Übersetzer gab erste Laute von sich. »...nicht... identifizieren....« Solche Wortfetzen konnte er hören. Offensichtlich wollte ihm die Stimme zu verstehen geben, daß er auf dem Sessel nichts zu suchen hatte. Nun, das war ihm eigentlich auch so klar gewesen. Die Tür öffnete sich, erste Roboter betraten den Raum. Er ließ sich nicht ablenken, hörte nur einige der Soldaten schreien und Schüsse pfeifen. Keiner näherte sich seiner Position, also machte er weiter. Wahllos drückte er auf einen der Knöpfe. Hoffentlich erwischte er nicht die automatische Zerstörung. Ein Bildschirm sprang aus der linken Armlehne. Er blieb allerdings dunkel, alle Bemühungen, ihn zum Leben zu erwecken, scheiterten. Schweigend betätigte er weitere Knöpfe. Eine Konsole klappte seitlich aus der Lehne, hob sich leicht an und schwenkte über seinen Schoß. Die Tasten waren wie für seine Finger geschaffen, sie erinnerten ihn an ein altmodisches terranisches Keyboard zur manuellen Eingabe. Langsam ließ er die Finger über die Tasten schweben. Mindestens 40 Tasten konnte er beim ersten groben Überschlagen erkennen. Er hielt inne, bevor er die Tasten berührte. Bevor er die Ziffern und Buchstaben nicht unterscheiden konnte, wollte er lieber nichts betätigen. Er befahl seinem Pikosyn, nach einer passenden Schnittstelle zu suchen. Das Gerät fand keine, knüpfte dann allerdings doch einen Kontakt über Funkwellen, die der noch unsichtbare Zentralrechner des Schiffes ebenfalls akzeptierte. Er betätigte noch einen der Knöpfe und erreichte damit, daß die Stimme wieder zu reden anfing. Nachdem er einen weiteren Knopf betätigt hatte, hörte der Ansturm der Roboter plötzlich auf. Sie zogen sich zurück. »...akzeptiert. Code angenommen...« Sein Translator brachte einige Worte hervor. Welchen Code? fragte sich der Wissenschaftler. Dann meldete sein Pikosyn, daß er einen Kontakt zu dem Rechner hergestellt hatte. Die Translatoren brachten nun klare Worte hervor, die Verständigung war hergestellt. Aufatmend lehnte sich der Wissenschaftler zurück und klopfte wie beifällig auf seinen Pikosyn, der die Zärtlichkeiten kaum verstehen würde. »Danke, alter Knabe. Damit sind wir einen riesigen Schritt weitergekommen.« Despair hatte sich endlich gesetzt. Er sagte nichts mehr. »Noch eine halbe Stunde bis zum Ende der Überlichtetappe«, traute sich Cascal endlich zu sagen. Normalerweise war er nicht auf den Mund gefallen, aber die deutlich in der Luft liegende Spannung zwischen dem Verbrecher und dem Unsterblichen sorgte auch bei ihm für leises Unbehagen. Er mochte den Menschen nicht. Einen Augenblick lang tauchte wie ein Lichtblitz ein Gedanke in seinem Kopf auf. Er vermißte sie immer noch, obwohl er sie nur wenige Stunden gekannt hatte. »Nadine«, flüsterte er. Der Unsterbliche hatte gute Ohren, er wandte seinen Kopf und blickte den Freund aus der Vergangenheit von der Seite an. Cascal schüttelte nur den Kopf. Tolk legte seine Hand auf die Schulter des Kommandanten, nur einen Moment lang erlaubte er sich diese Vertrautheit, dann löste er sich wieder von dem Mann. Lautlos trat er neben Rhodan. »Das sein Weibchen von Joak. Er hat sie bei dem Angriff auf Camelot-Büro auf Plophos getroffen tun und in Kämpfen danach ist sie totgegangen. Seither, und seit dem Sverigor-Massaker, ist Joak nicht mehr derselbe. Ich habe ihn in den letzten Tagen selten Lachen gesehen, aber da sein er nicht der einzige.« Das war für den Barbar eine lange Rede, normalerweise beschränkte er sich auf ein Grunzen. Rhodan erkannte daran, wie nahe ihm der Zustand des Freundes ging. Dennoch wußten wohl beide, daß Cascal sich früher oder später erholen würde. Alles war in den letzten Monaten auf den Terraner hereingebrochen. Der Tod seiner Frau auf der Welt Heaven, der Verlust der VIVIAN BONTAINER durch Prothon von Mindros, dann der Tod einer neuen Freundin mit dem Namen Nadine Schneider und zuletzt die verzweifelte Rettungsaktion auf Sverigor. Langsam wandte er sich um, begegnete aber nur seinem eigenen Spiegelbild in dem golden glänzenden Sichtschutz der Maske des Cameloters. Er drehte seinen Kopf wieder zum Bildschirm, auf dem das Farbenspiel des Überraums wieder durch die vertraute Umgebung ersetzt wurde. Direkt vor ihnen konnte er die Sonne erkennen, welche die Lichtquelle und der Lebensspender des Planeten Sverigor gewesen war. Von Leben konnte allerdings heute keine Rede mehr sein. »Wir haben das Malmöön-System erreicht. Sverigor liegt vor uns.« Die Stimme des Kommandanten klang leicht belegt, doch dann ließ er das Schiff Fahrt aufnehmen. Mit höchsten Werten beschleunigten sie, so daß sie sich sehr schnell der Welt näherten, die Despair zu sehen wünschte. Cascal wollte dies hier so schnell wie möglich hinter sich bringen. Zoltan kommunizierte mit dem widerspenstigen Rechner des Adlerschiffes. Gleichzeitig schleuste er über seinen Pikosyn spezielle Programme in den Rechner, welche die Kontroll- und Sicherheitseinrichtungen ausschalten sollten. Die Programme waren so angelegt, daß sie sich automatisch auf jede Situation einstellen konnten. Sollten sich die Sicherheitseinrichtungen als unüberwindlich erweisen, so hätten sie kaum eine Chance, an wirklich interessanten Informationen heranzukommen. Während sein Pikosyn mit den Programmen kommunizierte, lenkte Zoltan den Rechner mit immer neuen Fragen ab, die der Computer des Schiffes aber alle nicht beantworten wollte. Zoltan hatte nichts anderes erwartet. Einer seiner Männer trat an seine Seite. »Timo, wir haben die Lage des zentralen Maschinenraumes ausgemacht. Ich würde gerne mit einigen Leuten dorthin gehen. Vielleicht können wir von dort aus mehr über die Anlagen des Schiffes erfahren. In unseren Schiffen sind auch sehr viele wichtige Anlagen in den Maschinenräumen untergebracht.« »Ja, mal ganz abgesehen von dem Antrieb.« Zoltan überlegte nicht lange. Er ignorierte den verständnislosen Blick seines Gegenübers. »Such die Maschinenräume auf. Aber nehmt zehn der Soldaten mit, die auf euch aufpassen sollen. Sicher gibt es noch andere Fallen in dem Schiff, ganz zu schweigen von den Robotern. Ich will nicht, daß hier irgendjemandem etwas passiert«, fügte er hinzu, als er den Widerspruch in den Augen des Mannes las. »Jawohl«, seufzte der Mann. Er gab den Soldaten einen Wink und suchte sich noch einige Männer aus, die ihn begleiten sollten. Dann verließ er die Zentrale. Der Pikosyn meldete sich. »Ich habe einen abgesicherten Bereich betreten.« »Was machen Sie da?« Die Stimme des Computers klang alarmiert. »Ich rede mit meinem Pikosyn«, antwortete Zoltan zerstreut. Offensichtlich hatte der Computer zwar das Passwort akzeptiert, aber es schien auch nicht das Passwort des Kommandanten zu sein, sonst würde sich der Rechner nicht so bedeckt halten. Diese verdammte Maschine schien nichts preisgeben zu wollen. »Was für ein Passwort hast du eigentlich herausgefunden?« fragte der Wissenschaftler den Pikosyn zusammenhanglos. »Das der Reinigungskräfte. Es war am wenigsten gesichert in den Speicherbänken abgelegt.« Zoltan schüttelte nur den Kopf. Da hatte er schon des Rätsels Lösung. »Und die Daten, die du nun erreicht hast? Haben die irgendeine Bedeutung, oder hast du nur herausgefunden, wo sich die Meister-Popper-3000 Flaschen befinden?« »Die was?« Wenn ein Computer verblüfft klingen konnte, dann würde er sich so, wie der Pikosyn anhören. »Vergiß es. Was hast du?« Eine Sonne, welche Sol sehr ähnlich sah, wurde auf dem Bildschirm vor ihm eingeblendet. Sie wurde allerdings nur von sieben Planeten umkreist. Der vierte Planet war besonders gekennzeichnet. Schriftzeichen waren dort zu erkennen. »Was bedeutet das?« Der Rechner wandelte einige der Schriftzeichen in Interkosmo um. »Dorgon«, stand da zu lesen. »Das System dieser Leute. Wo liegt es, ist das auch zu erkennen?« Erregung schwang in seiner Stimme mit. Er registrierte, daß in der Zentrale plötzlich gespannte Stille herrschte. Alle hatten ihre Arbeiten eingestellt und wandten sich ihm zu. »Ja.« Der Rechner änderte einen Teil des Bildschirms und blendete Koordinaten und einige weitere Angaben ein. »Genaue Angaben kann ich dem System leider nicht entnehmen, aber einige der Zielkoordinaten, die ich entdecken konnte, weisen auf die Galaxis M 100 hin. Die Koordinaten sind lediglich Hochrechnungen, die ich anhand der Stellung der Planeten vor dem Hintergrund der Sterne angestellt habe. Die Galaxis M 100 liegt im Virgo-Cluster. Sie ist etwa 53 Millionen Lichtjahre von der Milchstraße entfernt.« Die Stimme des Rechners hörte sich sehr sachlich und nüchtern an. Zoltan bekam allerdings feuchte Hände, als er das hörte. Er zitterte leicht, beruhigte sich dann einigermaßen. Er stellte eine Verbindung zur IVANHOE her und fragte nach dem Unsterblichen Adams. »Hast du etwas herausgefunden?« Die Stimme des Unsterblichen hörte sich nicht mehr so gereizt an. Jetzt klang sie vollkommen normal, Homer G. Adams legte genau das richtige Maß an Interesse in seine Stimme. »Ich glaube, ich bin auf etwas gestoßen. Ein Bild des Heimatsystems der Dorgonen, außerdem in etwa die Koordinaten dieser Welt. Adams, die sind etwa 53 Millionen Lichtjahre von hier entfernt. Kein Wunder, daß keiner das Schiff kannte. War da schon einer von uns?« Er übermittelte die Koordinaten, die der Computer ermittelt hatte. »M 100? Nicht, daß ich wüßte.« Der Terraner verstummte für einen Augenblick, als müsse er nachdenken. »Nein, kann mich nicht erinnern. Danke, du hast sehr gute Arbeit geleistet. Mach weiter. Sichere so viele Geräte, wie möglich. Vor allem wünsche ich Auskünfte über die Bewaffnung des Schiffes. Adams Ende.« »Ende und aus«, beeilte sich der Wissenschaftler zu sagen. Nur einen Augenblick grübelte er noch nach, dann schickte er den Computer wieder auf die Suche nach Angaben über das Schiff. Vor allem die Bewaffnung sollte sich der Pikosyn vornehmen. Ermattet lehnte sich der Wissenschaftler zurück. Solange der Piko noch rechnete, wollte er einen Augenblick ausruhen. Sverigor.« Despair stand wieder vor dem Bildschirm in der Zentrale der TAKVORIAN. »Als ich das letzte mal hier stand, hatte ich ein größeres Raumschiff dabei. Außerdem eine Bombe, die alles Leben vernichten sollte.« Beschämt senkte sich der Kopf des Mannes. Sein Gesicht war nicht zu sehen, so konnte keiner erkennen, ob diese Gefühle echt waren. »Nicht alles. Wenige haben überlebt. Aber das hat nichts zu bedeuten.« Cascal konnte seine Gefühle kaum verbergen und Despair erkannte die Gedanken dieses Mannes sehr wohl in seinen Worten. Er sagte nichts. »Komm, Cauthon. Sverigor wartet.« Rhodan griff nach der Rüstung des Cameloters. Das Material fühlte sich seltsam warm an und schien auch nicht so hart zu sein, wie es auf den ersten Blick aussah. Der Unsterbliche störte sich nicht daran. Langsam führte er den Cameloter aus der Zentrale, gefolgt von Tolk, der seinen Kompositbogen über die Schulter warf und nach dem Köcher griff. Gemeinsam näherten sie sich einem der Hangars und suchten sich eine Space-Jet aus, die sie auf die Oberfläche der verwüsteten Welt bringen sollte. Sie verloren keine Zeit. Rhodan setzte sich neben Despair in die zweite Reihe hinter den Piloten, Tolk übernahm die Steuerung. Der Hangar öffnete sich auf seinen Befehl und das Raumschiff verließ die TAKVORIAN. Langsam wurde der Planet sichtbar. Aus dieser Höhe waren allerdings keine Zerstörungen zu sehen. Die Welt wirkte friedlich, als sei nichts passiert. Nur einige graue Flecken auf der Oberfläche des Planeten wiesen auf Zerstörungen hin. »Fliege uns nach New Stockholm«, murmelte der Cameloter dumpf unter seiner Maske. Tolk warf einen Blick über seine Schulter. Als er Rhodan nicken sah, setzte er Kurs auf den ehemaligen Raumhafen der Hauptstadt, der allerdings heute eher einer Trümmerwüste glich. Wenige Minuten später durchflogen sie die oberen Schichten der Atmosphäre. Langsam näherten sie sich der zerstörten Welt. Rhodan beobachtete Despair, konnte aber immer noch keine Regungen erkennen. Sicher wirkte Cauthon aufgewühlt, aber genaueres konnte der Unsterbliche nicht feststellen. Die Gestalt neben ihm bewegte sich nicht. Noch nicht einmal der Kopf bewegte sich und über die Augen unter dem Visier konnte Perry keine Aussage treffen. Er blickte wieder auf die Oberfläche, die unter ihnen immer größer wurde. Endlich setzte der schlanke Körper der Jet auf der zerstörten Landefläche auf. »Endstation. Willkommen auf Welt der Toten.« Tolks Stimme sollte wohl Sarkasmus ausdrücken. Angesichts der Bilder außerhalb der Maschine und seinen eigenen Erinnerungen an die Tage nach dem Massaker konnte er allerdings nicht das richtige Gefühl in seine Stimme legen. Die Worte hörten sich lediglich verbittert an. Die Rüstung neben Rhodan bewegte sich nicht. Erst als sich der Terraner aus seiner Sitzschale erhob, verließ auch Despair seinen Platz. Langsam wandte er sich in Richtung Ausgang. So, wie er sich bewegte, bekam er es langsam mit der Angst zu tun. Gerade so, als wolle er im letzten Moment einen Rückzieher machen, blieb er für einen Augenblick stehen. Rhodan ließ ihm Zeit. Allerdings würde er ihm nicht erlauben, die Welt wieder zu verlassen, bevor Cauthon nicht die Zerstörungen gesehen hatte, die er angerichtet hatte. Rhodan hörte ein Geräusch hinter sich. Als er sich umwandte, blickte er in die Augen des Barbaren. Tolk schien unschlüssig, seine Hand näherte sich einem der Pfeile in seinem Köcher. Aber Rhodan mußte nicht einmal den Kopf schütteln. Tolk besann sich und ließ die Hand wieder sinken. Endlich betrat der Cameloter die mittlerweile geöffnete Rampe und machte seine ersten Schritte auf die zerstörte Welt. Bilder überkamen ihn, kaum daß er den Boden des Planeten berührt hatte. Wie Momentaufnahmen zogen in einem Blitzlichtgewitter letzte Aufnahmen aus der letzten halben Stunde der Stadt New Stockholm vor dem inneren Auge des Mannes vorbei. Er sah noch einmal die beiden Mädchen, die ihn angepöbelt hatten. Er verzog das Gesicht, als die Erinnerung an das Ende der beiden vor seinem geistigen Auge aufblitzte. Sie waren sogar noch vor allen anderen gestorben. Gesichter zuckten auf, Gesichter von Menschen, die er in diesen letzten Minuten der Kolonialwelt gesehen hatte. Kathy... dachte er. Im nächsten Augenblick bemerkte er, daß er den Namen sogar laut ausgesprochen hatte. Mit langsamen Schritten setzte er sich in Bewegung. Er konnte gar nicht schneller, selbst wenn er gewollt hätte. Die Stille eines Friedhofs lag über der Stadt, der Region, dem ganzen Planeten. Sie zwang ihm einen langsamen, der Ruhe angemessenen Schritt auf. Für einen Augenblick spürte er die Würde, die diese Ruhe ausstrahlen konnte. Überall, auf jedem Friedhof der Welt. Aber nicht hier, nicht auf einer Welt, die so grausam vernichtet worden war. Hier gab es keine Würde. Die meisten Menschen waren gestorben, ohne wirklich zu ahnen, was ihnen bevorstand. Bis zum letzten Augenblick hatten sie alle keine Ahnung. Despair war von tiefer Trauer erfaßt, doch er konnte sie nicht vor allen anderen zeigen. Er machte erste Schritte in die zerstörten Straßen von New Stockholm. Thomson, der Wissenschaftler, den Zoltan mit den Untersuchungen im Maschinenraum beauftragt hatte, spähte über die Schulter des Mannes vor ihm. Er konnte nichts erkennen – abgesehen von den kahlen Wänden des zentralen Korridors. Es schien nirgendwo Gefahr zu lauern. Er wollte sich an den breiten Schultern der Soldaten vorbei schieben, schaffte es aber nicht. Der allerdings blockte ihn ab und warf einen ärgerlichen Blick über seine Schulter. Thomson zuckte schuldbewußt zusammen und stieß einen erschreckten Schrei aus, als die Wand sich vor ihnen teilte. Eine Tür wurde sichtbar, die vorher nicht zu sehen gewesen war. Ein Robotarm griff nach dem Soldaten und zog ihn hinter die Öffnung. Blitzschnell verschwand der Spalt, den Aufschrei des Mannes unvermittelt abschneidend. Zwei weitere Soldaten drängten sich an dem Wissenschaftler vorbei. Als sie keinen Öffnungsmechanismus erkennen konnten, eröffneten sie kurzerhand das Feuer aus ihren Waffen auf die Wand. Nichts passierte, die Energie der Thermostrahler prallte gegen das glatte Metall, wurde auseinandergedrückt und floß ab wie eine Wasserfontäne. Verblüfft stellten die Männer das Feuer ein. Dann schalteten sie die Kombistrahler auf Desintegratorwirkung um. Diesen Strahlen war auch das unbekannte Material nicht gewachsen. Es löste sich in einem grünlichen Flimmern auf. Hinter der Wand wurde ein Schacht erkennbar, der allerdings leer war. Nicht einmal der Robotarm war zu sehen. Tief unter ihnen konnten sie ein glimmen wie von Feuer erkennen. Die Ortungen ergaben hohe Energiewerte in der Tiefe, wie die Ausstrahlungen eines Konverters. Erschrocken sahen sich die Männer an. Der Soldat war wohl in einen Abfallschacht gezogen worden und direkt in den Konverter verfrachtet. »Wir haben einen Mann verloren«, meldete der Wissenschaftler an Zoltan. Seine Stimme klang belegt. Er war nicht ganz schuldlos an diesem Tod. Hätte er den Soldaten nicht gestört ... Ein leises Summen ertönte, wie von einem Antigrav. Aus der Tiefe des Schachtes kommend wurde das Geräusch immer lauter. Schließlich sahen sie das grinsende Gesicht des Soldaten vor sich. Langsam glitt er durch die zerschossene Wand und ließ sich auf den Boden davor sinken. »Noch bin ich am Leben«, meinte er. Dann brach er ohnmächtig zusammen. »Pikosyn?« fragte Thomson alarmiert. »Keine Gefahr. Er hat einen Schock erlitten. Ich injiziere ein Medikament.« Die Stimme klang ruhig und sachlich. Der Synthesizer vermittelte Beruhigung. Erleichtert atmete der Wissenschaftler auf. Bereits nach wenigen Augenblicken öffnete der Mann wieder die Augen. »Was ist passiert?« fragte einer seiner Kameraden. »Ich weiß es nicht genau. Ich glaube, der Roboter hat mich als Abfall eingestuft und wollte mich wegwerfen. Ich war schon einige Meter tief gefallen, als der Pikosyn eingegriffen hat. Ohne ihn wäre ich da unten gegrillt worden« Unbehagen schwang in der Stimme des Mannes mit, allerdings schien er sich weitgehend wieder unter Kontrolle zu haben. Er schüttelte den Kopf, dann drehte er sich energisch um. »Gehen wir weiter, sonst kommen wir nie von dem verdammten Kahn herunter«, meinte er. Diesmal allerdings reihte er sich hinter den anderen ein. Seine Kollegen kommentierten dies mit einem Lächeln. Ohne weitere Zwischenfälle erreichten sie das Schott zum Maschinenraum. Thomson aktivierte den Öffungsmechanismus. Unbehaglich schaute er in den Raum, als sich die Schotte teilten. Die Waffenmündungen der Soldaten, die praktisch überall um ihn herum waren, störten den eigentlich friedliebenden Wissenschaftler inzwischen nicht mehr. Tage waren seit der Bombardierung von Sverigor vergangen, aber immer noch liefen die Aufräumungsarbeiten. Ein Transporter passierte die drei Fußgänger. Zwar war nichts mehr davon zu sehen, aber alle drei wußten, was die Fracht dieses Transporters war. Es gab in diesen Tagen nur eine Sache, die transportiert wurde. Die Straßen von New Stockholm sahen furchtbar aus. Praktisch kein Stein stand mehr auf dem anderen, Zerstörungen wohin das Auge blickte. Rhodan fühlte sich nicht sehr wohl in seiner Haut, und auch an den Augen des Barbars konnte er dessen Unbehagen ablesen. Nur bei Despair war sich der Unsterbliche nicht so sicher. Er richtete seinen Blick auf die goldverspiegelte Maske des Cameloters. Nichts war darunter zu erkennen. Nur das gleichmäßige Atmen des Mannes konnte der Terraner vernehmen. Despair wandte sich Rhodan zu, als schien er genau zu wissen, was der Unsterbliche dachte. Erleichtert registrierte der Terraner, daß doch Gefühle in dem Cameloter vorhanden waren. Sie schienen nicht die negativsten zu sein. Abgesehen von Trauer und Scham, die Rhodan in diesem Fall wahrlich nicht als negativ empfinden konnte. Ein zerstörtes Haus ragte neben ihnen auf. Rhodan konnte nicht erkennen, was an dieser Ruine anders war, als an allen anderen. Trotzdem verließ Despair den Weg, den sie bislang verfolgt hatten, und trat durch die zerstörte Tür in die zerstörte Diele des Hauses. Er hätte auch einfach über die vernichtete Mauer steigen können. Aber ein Rest von Anstand hieß ihm, das Haus durch die Tür zu betreten. Rhodan und Tolk folgten ihm schweigend, und auch sie benutzten die Tür. Wenige Schritte nur machte der Cameloter. Dann blieb er wie erstarrt stehen. An ihm vorbei konnte der Unsterbliche zwei Helfer erkennen, die gerade die Trümmer durchsuchten. Einer hielt einen Scanner in der Hand, der andere einen Desintegrator. Vorsichtig löste der Mann nach den Angaben des anderen mit der Waffe die Trümmer auf. Grünliches Leuchten schwebte zwischen ihnen, ein feiner Staub wehte davon. Allmählich wurde ein Bein sichtbar. Rhodan schluckte, als er anhand der Größe das Bein eines Kindes zu erkennen glaubte. Immer mehr von dem toten Körper wurde sichtbar – es war tatsächlich ein Kind! Vorsichtig bargen die beiden Helfer das kleine Mädchen, das nicht mehr als solches zu erkennen war, aus den Trümmern. Schweigen hing über der ganzen Szene. Rhodan, der doch schon dreitausend Jahre alt war, fühlte sich sehr unbehaglich. Beklommen richtete er seinen Blick auf den wolkenverschleierten Himmel, der die zerstörte Welt in stimmungsvolle Dunkelheit hüllte. Dann richtete er seinen Blick wieder auf die Szene, die langsam wirklich unheimlich zu werden begann. Despair ließ sich neben der Trage, auf der die Leiche gebetet wurde, auf die Knie niedersinken. Die beiden Helfer traten auf einen Wink des Terraners hin zur Seite. Seine Augen richteten sich auf die Leiche. Eine Hand verschwand in den Trümmern zu seiner linken, kehrten mit einem seltsam verkohlten Gegenstand wieder daraus hervor. Der Unsterbliche kannte diesen Gegenstand nicht. »Ein Worzy«, flüsterte einer der Helfer und gab noch eine kurze Erklärung ab. Perry nickte verstehend. Dies alles war in sehr leisem Ton gesprochen worden. Trotzdem erschien es Rhodan fast wie eine Entweihung dieses Ortes. Ein Schauer glitt über den Rücken des Terraners, eiskalt fühlte er es an seinem Rücken nach unten Rieseln. Er verkrampfte für einen Augenblick und sah mit Verwunderung, wie Despair die Puppe neben das Kind legte. »Kannst du mir jemals verzeihen?« sprach er zu der Toten. Leise, verzweifelt, voller Scham und Trauer erklang die Stimme des Mannes. Rhodan atmete tief durch. Wenn das noch eine Weile so weiterging, würde er trotz seines Alters noch in Tränen ausbrechen. Das war fast zuviel für ihn. Ein Blick zu Tolk zeigte ihm einen sehr versteinerten Blick. Verzweifelt versuchte der Barbar, sein Gesicht zu wahren. Eine Antwort erhielt der Mörder von Milliarden nicht. Das Kind bewegte sich nicht, die ausgebrannten Augenhöhlen starrten lediglich anklagend in den Himmel. Langsam stand Despair wieder auf und blickte auf die verkohlte Leiche des kleinen Mädchens herab, welche in ihrer rechten Hand nun den Stoffetzen des Worzys hielt. Auf einen Wink des Unsterblichen griffen die beiden Helfer zu der Bahre. Von dem Mann in der unheimlichen Rüstung unbehelligt verließen sie mit der Leiche den schaurigen Schauplatz. Keiner der beiden verstand wirklich, was sie gerade gesehen hatten. Sie waren froh, die Ruine nun verlassen zu können. Rhodan fühlte sich immer noch unbehaglich. Der Barbar war ihm keine Hilfe, er versuchte noch immer, unbeteiligt zu wirken, in den Augen des Unsterblichen allerdings vergebens. Er hütete sich, Tolk das zu sagen. Mit einer hilflosen Geste versuchte Rhodan, ihm die Hand auf die Schulter zu legen. Angesichts der Situation konnte er ihm aber so kaum Trost spenden, also entfernte er die Hand schnell wieder. »Komm«, flüsterte er mit belegter Stimme. Er räusperte sich, begann dann erneut. »Komm, wir verlassen diese Welt.« Sanft zog er am Arm Despairs. Widerstandslos ließ sich der Cameloter mitziehen. Festen Schrittes verließ er die Ruine, drehte sich nach rechts und stapfte in Richtung Raumhafen. Verblüfft blieben die beiden anderen noch einen Augenblick stehen, folgten ihm mit Blicken, dann beeilten sie sich, ihn einzuholen. Nebeneinander, schweigend und in ihren eigenen Gedanken versunken verließen sie den Schauplatz. Ein Funkspruch der IVANHOE, von Homer G. Adams, ließ Zoltan zusammenzucken. »...bitte ich euch, das Adlerschiff sofort zu verlassen. Wir setzen einen Traktorstrahl ein. Wir nehmen das Schiff mit nach Camelot. Ich wiederhole...« Zoltan war versucht, zu widersprechen, aber dann fügte er sich. Auf Camelot hatten sie viel bessere Möglichkeiten, eigentlich war die Idee gar nicht so schlecht. Einen schnellen Erfolg würden sie hier ohnehin nicht mehr erzielen, nach der Überraschung mit den Koordinaten von M 100, die er aus dem Computer holen konnte. »Verstanden«, meldete er. Dann forderte er die Männer zu einem geordneten Rückzug aus dem Schiff auf. Ohne weitere Zwischenfälle konnten sie das Adlerschiff durch das Leck verlassen, das sie schon als Eingang benutzt hatten. Lediglich Thomson schimpfte, er hatte gerade den Maschinenraum erreicht und dabei fast einen Mann verloren. Zoltan konnte ihn mit den Worten beruhigen, sie würden die Untersuchungen bereits an Bord der SOL, die als Transportraumer vorgesehen war, weiterführen können. Sie entfernten sich von dem Schiff, das wie mit Geisterhänden aus den Trümmern gehoben wurde. Zuerst schüttelte es sich, als wolle es allen Schutt abwerfen. Einige Trümmerteile verließen auch die Oberfläche des Schiffes, prallten mit Getöse auf den Belag des Raumhafens. Dann setzte es sich langsam, ruckartig in Bewegung. Die starken Traktorstrahlen der SOL zogen an der Masse des kleinen Schiffes. Staubfontänen rieselten von der Seite des Schiffes, weitere Trümmerteile lösten sich. Das Adlerschiff hob sich vom Boden, fast schien es, als breite es die Schwingen aus und bereite sich zum Start vor. Geräuschvoll atmete Zoltan aus. Schweigend blickten sie dem Schiff nach, bestiegen dann ihre Space-Jet und verließen Dermos. Zurück blieb eine Trümmerwüste. Wir verlassen sofort den Orbit«, ordnete Homer an. Der Unsterbliche zeigte sich nur kurz auf den Schirmen aller Schiffe, dann verschwand er wieder davon und wandte sich an den Funker der IVANHOE. »Funkspruch an die TAKVORIAN. Wir treffen uns auf Camelot. Rhodan braucht nicht erst nach Dermos zurückzukehren. Wir haben hier nichts mehr verloren.« Einen Augenblick noch verharrte sein Blick auf der zerstörten Oberfläche, auf den Trümmern der VERDUN. Dann wandte er sich an den Kommandanten des Schiffes, das erst nach dem Ende der Schlacht Dermos erreicht hatte. »Kurs auf Camelot. Volle Beschleunigung für alle Einheiten.« Die Schiffe beschleunigten. Eines nach dem anderen verschwand im Hyperraum. Zurück blieb eine Wachflotte der LFT und ein System, in dem es nach den Ereignissen der letzten Tage verdächtig ruhig war. Schweigend erreichten sie die Jet. Tolk setzte sich hinter die Kontrollen, schloß die Schleuse und betätigte die Starthebel. Langsam hob sich das Schiff aus dem Schutt, legte sich leicht auf die Seite. »Volle Beschleunigung«, kündigte der Barbar an. Dann drückte er den Hebel bis zum Anschlag nach vorne. Vom Andruck spürten sie nichts. Aber die Welt verschwand unter ihnen, als würde sie einfach wegfallen, von einem Schwerkraftfeld der Kraft eines schwarzen Loches angezogen. Tolk folgte seinen Gefühlen, er wollte diese Todeswelt schnell hinter sich zurücklassen. Vor dem noch immer offenen Hangar verzögerte er stark, ließ die Jet durch die weit geöffneten Tore gleiten und dann sanft wie eine Feder auf ihre Prallfeldkissen niedersinken. Sanft griffen die Verankerungen der Magnetkupplungen, Tolk stellte das Kraftfeld ab. Wie auf der Spitze eines Pilzes ruhend, wippte die Jet noch einen Augenblick auf ihrer Magnetstütze nach. Dann fuhr die Rampe aus und die drei verließen den Raum. Schnell begaben sie sich in die Zentrale. Cascal schien erleichtert. Er wartete gar nicht, bis die drei sich gesetzt hatten, grüßte nicht einmal. »Kurs Camelot«, ordnete er an, dann erst drehte er sich um, als das Schiff bereits beschleunigte. Mit knappen Worten informierte er Rhodan und Tolk. Den Mann in der Rüstung ignorierte er. Unbehaglich registrierte er die aufgewühlte Stimmung des Freundes. Wenn der Barbar so unruhig war, war wohl Ungewöhnliches auf Sverigor geschehen. Cascal verdrängte alles. Als er geendet hatte, nickte der Unsterbliche lediglich schweigend. Er ließ sich in einen Sessel niedersinken und schien die Welt um sich herum zu vergessen. So verharrte er bis Camelot. Dann straffte sich seine Gestalt, er schien allen Ballast abgeschüttelt zu haben. Er war Perry Rhodan. Er war ein Unsterblicher von Terra.
Wenige Tage später erhob sich Rhodan in einem Konferenzraum im HQ-Camelot und schaute in die Runde. Er blickte besonders intensiv auf den Mann in der Rüstung, der bei dieser Versammlung mit am Tisch saß. Der Unsterbliche ließ seinen Blick weiter wandern, schaute jeden seiner Begleiter durch die Vergangenheit kurz an. Besonders Homer Gershwin Adams, Julian Tifflor, Icho Tolot, Gucky und Reginald Bull sahen sich seinen prüfenden Blicken ausgesetzt. Attaca Meganon, Timo Zoltan und Aurec waren ebenfalls anwesend. Desweiteren die Kommandanten der derzeit besonders wichtigen Raumschiffe: Joak Cascal von der TAKVORIAN, Xavier Jeamour von der IVANHOE, Sam von der SIOM SOM, Ermos Kositar von der RUDO und noch einiger anderer Schiffe. LFT-Kommissar Cistolo Khan samt seiner Assistentin Sanna Breen saßen neben dem Sagittonen, Cameloter neben Somer. Alles in allem eine beachtliche Runde, die sich da versammelt hatte. Perry sah, wie in einem Deja vu, einige der Ereignisse, die er mit seinen Freunden zusammen erfolgreich bewältigt hatte. Er dachte an das Solare Imperium, das unter seiner Führung lange Jahrhunderte erfolgreich im Reigen der großen und etablierten Völker der Milchstraße mitgewirkt hatte. An die Invasion der Laren, die Odyssee mit der SOL, seinen Kampf gegen verschieden Superintelligenzen, seine Berufung zum Ritter der Tiefe. Er dachte an die Cantaro, die fast die ganze Galaxis ins Unglück gestürzt hätten. Die MORDRED war eine Bedrohung gewesen, die man nicht unterschätzen konnte. Aber letztendlich würde sie nur eine Fußnote in der langen Geschichte Terras seit dem ersten Schritt ins All sein. Es gab selbst jetzt drängendere Probleme. Für einen Augenblick dachte Perry an MATERIA, die Plattform des Bösen, die irgendwo in dieser Galaxis, vermutlich in der Nähe des Zentrums-Black-Holes war. Als die anderen Anwesenden schon dachten, Rhodan wolle lediglich längeres Sitzen vermeiden, erhob der Terraner doch noch die Stimme. »Wie ich hörte, konnten bei der Untersuchung des Adlerschiffes einige Erkenntnisse gewonnen werden. Timo, Attaca, ich erteile euch das Wort.« Damit setzte er sich auch schon wieder, verwunderte Blicke ignorierend. Er hatte nicht die Absicht gehabt, eine längere Rede zu halten. Im Gegenteil. Er wollte eigentlich weitgehend nur zuhören, sich auf die Rolle eines Beobachters beschränken. Gespannt blickte er auf die beiden Wissenschaftler, die sich langsam erhoben. Sich räuspernd blickte Zoltan in die Runde. Er übernahm das Wort, weil er sich am intensivsten mit dem Schiff beschäftigt hatte. Attaca Meganon, der große Wissenschaftler, beschränkte sich auf die Rolle des Stichwortgebers. Meganon verdunkelte mit einem Knopfdruck den Raum und ließ in der Mitte, über dem großen Tisch, ein Hologramm entstehen. Es stellte das Adlerschiff dar, eine genaue Wiedergabe, allerdings ohne maßstabsgetreu zu sein. An der Seite des Schiffes wurde das Leck sichtbar, durch das Zoltan zum ersten Mal das Innere des Schiffes betreten hatte. In einer rasanten Kamerafahrt schwebten die Betrachter durch das Leck, erlebten die abenteuerliche Reise von Zoltans Wissenschaftlergruppe noch einmal mit. Sie traten den schwebenden Robotern entgegen und warfen, von den Schilderungen Zoltans begleitet, einen ersten Blick in die Zentrale des Schiffes. Der Wissenschaftler stellte kurz dar, wie er es geschafft hatte, den Computer des Schiffes zu überlisten. Dann präsentierte er die Ergebnisse, die bis dahin am wichtigsten waren. Er stellte das Sonnensystem der Dorgonen dar. Als er damit fertig war, ließ Meganon die Holographie verschwinden. Schweigen senkte sich über den Raum, den nun künstliches Licht erhellte. Als niemand sich äußerte, räusperte sich Zoltan wieder und überließ dann seinem Kollegen Meganon das Feld, der den zweiten Teil der Vorführung bestreiten sollte. Zoltan aktivierte nun eine weitere Holographie und dimmte das Licht mit einer knappen Handbewegung über seinem Tischsyntron. Wieder wurde ein Bild des Adlerschiffes sichtbar. »Wir haben das Schiff genau untersucht. Im wesentlichen funktioniert es genauso, wie unsere Schiffe auch. Trotzdem haben wir über die Technik der Fremden so gut wie nichts herausgefunden. Das gilt insbesondere für die Waffentechnik der Fremden. Ich möchte in diesem Zusammenhang an die Vernichtung des Raumschiffes aus der Flotte unseres Freundes Aurec erinnern. Es hatte keine Chance gegen die Waffe des Fremden. Allerdings muß ich zugeben, daß wir über die Waffen bisher nichts herausbekommen haben. Das gleiche gilt übrigens für das Material, aus dem der Raumer besteht. Bei Beschuß der Außenhülle haben wir keinen Kratzer feststellen können. Lediglich im Schiff konnten wir einmal eine Wandverkleidung mit einem Desintegrator auflösen, allerdings versagten Thermostrahlen. Wir stehen vor einem Rätsel. Die Technologie der Dorgonen ist uns vollkommen unbekannt. Das einzige, was wir definitiv wissen, ist, daß sie gefährlich sind.« Meganon verstummte. Er setzte sich, wohl wissend, daß die von ihnen gewonnenen Erkenntnisse nicht weiterhelfen würden. Aber daran konnte er nichts ändern. Er war gespannt, wie die Entscheidung der maßgeblichen Terraner ausfallen würde. Perry Rhodan erhob sich, schaute langsam in die Runde, wie er es schon zu Beginn der Besprechung getan hatte. Jeder fühlte sich von diesem Blick persönlich angesprochen. Einige machten sich in ihren Sitzen etwas kleiner, als sie ein Blick aus den eisgrauen Augen des Unsterblichen streifte. Ganz zum Schluß fixierte er das sich langsam drehende Modell des Adlerschiffes. »Was wir wissen, ist, daß sie sich Dorgonen nennen. Was wir ebenfalls wissen, ist, daß sie aus irgendwelchen Gründen etwas im allgemeinen gegen die Milchstraße, aber gegen uns Terraner etwas im Besonderen haben. Sie wollen uns zerstören, vernichten, wollen die ganze Milchstraße unterwerfen. Haben sie dazu wirklich die Macht, oder sind das nur große Worte?« Bei diesen Worten richtete sich sein Blick auf Despair, der sich angesprochen fühlte. »Ihr solltet sie nicht unterschätzen«, meinte er. »Wir haben Waffen von ihnen bekommen. Ihre Macht wurde erfolgreich auf Sverigor unter Beweis gestellt.« Er senkte nur kurz den Blick, dann stellte er sich wieder den erbarmungslosen Augen des Unsterblichen. Rhodan nickte langsam. »Auf jeden Fall müssen wir diese Drohung ernst nehmen.« »Das denke ich auch.« Aurec erhob seine Stimme. »Ich bin der Meinung, wir sollten nicht warten, bis sie uns wieder angreifen. Diesmal sollten wir den ersten Schritt unternehmen. Rüsten wir eine Expedition nach M 100 aus. Schicken wir eine Flotte zu den Dorgonen. Fragen wir sie einfach direkt, wie gefährlich sie sind, ob sie wirklich die Macht zur Vernichtung der Milchstraße haben. Laßt uns nach Dorgon fliegen!« Die Forderung stand im Raum. Niemand bewegte sich für einen Moment. Endlich nickte der erste. Homer G. Adams stand auf, unterstützte Aurec und hoffte insgeheim, diesmal Teil der Flotte sein zu dürfen und endlich mal wieder aus der Milchstraße herauszukommen. Der nächste, der sich erhob, war Reginald Bull. Auch Zoltan war der Meinung des Sagittonen. Langsam erhob sich einer nach dem anderen. Zuerst hatte Perry etwas Bedenken. Er brauchte alle Hilfe gegen MATERIA, aus diesem Grund konnte er kaum Unsterbliche abziehen. Dennoch schien Dorgon eine sehr große Gefahr darzustellen, der Zellaktivatorträger hatte keine andere Wahl. Rhodan nickte. »Gut«, meinte er. »Laßt uns nach Dorgon fliegen.« Auf dem Raumhafen von Camelot erhoben sich die Leiber riesiger Schiffe. Sie glänzten im Licht der Sonne, Kameras waren auf die Szene gerichtet. Ein Sprecher kommentierte für den lokalen Sender von Camelot, berichtete vom »Aufbruch ins Ungewisse«, wie er die Expedition reißerisch betitelte. Ein Kameraschwenk zeigte alle Schiffe, die auf ihre Abreise warteten. Ganz rechts stand die GOLDSTAR. Der 800 Meter durchmessende Raumer stand unter dem Kommando des unsterblichen Homer G. Adams. Er hatte sich – genauso wie Aurec – freiwillig gemeldet, weil Perry Rhodan an der Expedition aus naheliegenden Gründen nicht teilnehmen konnte. Zur Freude des Unsterblichen war seine Meldung fast widerspruchslos akzeptiert worden. Daneben erhob sich die TAKVORIAN, das Schiff unterstand auch für die Expedition dem Kommando des Gespanns Cascal und Tolk. Die NELES hatte die gleiche Größe wie Adams' Schiff. Es unterstand dem Kommando des bekehrten Cauthon Despair. Gegen diese Nominierung hatte es erwartungsgemäß heftige Widerstände gegeben. Letztendlich hatte sich aber doch jeder gefügt. Der Cameloter würde in den ersten Wochen der Expedition der genauen Beobachtung durch seine Besatzung unterstehen. Die SIOM SOM war das Raumschiff des Somers Sam. Er wurde unterstützt durch den TLD-Agenten Will Dean. 500 Meter durchmaß der Raumer. Dean war zudem offizielles Mitglied der LFT an dieser Expedition. Cistolo Khan konnte nicht durchsetzen, daß man Schiffe mitschickte, daher beschränkte er sich auf Personal. Eine weitere Beraterin war seine Assistentin Sanna Breen, die auf der GOLDSTAR eingeschifft wurde. Die IVANHOE war ein neues Raumschiff Camelots mit einem Durchmesser von 1000 Metern. Bei dem letzten Angriff auf Dermos war sie nur um wenige Stunden zu spät gekommen und galt als geheimes Flaggschiff der Expedition. Der Kommandant der Besatzung war der Belgier Xavier Jeamour, der sich eine interessante Besatzung zusammengesucht hatte. Darunter war auch der hochtalentierte Posbiwissenschaftler Lorif, der quasi die Stelle von Timo Zoltan übernahm, da Zoltan laut Rhodan besser auf Camelot bleiben solle, um dort wichtige Forschungsarbeiten übernehmen zu können. Dazu kamen die ARAMIS unter dem Kommando von Luigi Benatoni, die DRUSILLIA unter Harun Mowahns Leitung, die RUDO, geführt von Ermos Kositar und die AKRAN mit der einzigen Kommandantin Sonya Kirchbarg. Alle diese Raumschiffe waren von der gleichen Größe wie die SIOM SOM. Das letzte Schiff der Flotte aus zehn Einheiten war die SAGRITON, die bereits im Orbit um Camelot schwebte. Aurec war bereits an Bord seinen Schiffes angekommen. Der Reporter stellte die einzelnen Schiffe vor. Dann verstummte er gespannt. Perry Rhodan war noch anwesend, allerdings war auch er schon zum Abflug bereit. Sein Weg würde ihn wieder zu MATERIA führen, die noch immer in der Milchstraße weilte. Zuvor aber würde er den Startschuß zum Unternehmen Dorgon geben. »Viel Glück auf eurer Reise«, wünschte er den Männern. »Vor vielen tausend Jahren prophezeite Gott in einem Traum dem damaligen Herrscher von Konstantinopel den Sieg. Heute prophezeie ich euch, daß ich euch alle gesund wiedersehe. Ich wünsche euch alles gute auf dem weiten Flug und eine glückliche Hand in der fremden Galaxis. Mit den Worten der Prophezeiung verabschiede ich euch. In hoc signo vinces – in diesem Zeichen wirst du siegen. Möge dieses Zeichen euch zum Sieg führen.« Ein Zeichen erschien auf den Bildschirmen der Schiffe. Es stellte die Milchstraße, Saggittor und Siom-Som dar, die harmonisch von einem Lorbeerkranz umgeben waren. Diese Zeichen stellte die Einigkeit der verschiedenen Völker in dieser Expedition dar. Kaum hatte Rhodan die Worte zu Ende gesprochen, ging er in seine Kabine und stellte eine interne Verbindung zur SAGRITON her. Aurec erschien in seiner gewohnten schwarzen Kombination auf dem Bildschirm. Mit einem Lächeln begrüßte der Saggittone seinen terranischen Freund. »Eine nette Rede und ein nettes Logo. Gute Idee, Perry«, sprach der Saggittone. Rhodan nickte dankbar. »Nun müssen wir uns auch verabschieden, mein Freund. Ich wünsche dir viel Glück auf deiner Reise. Bringe alle wieder unbeschadet zurück und sorge dafür, daß die Milchstraße einer Gefahr weniger ins Auge blicken muß...« Aurec spürte die Bedrücktheit in Rhodans Worten. Der Unsterbliche schien sich ernsthafte Sorgen zu machen. Doch Aurec war in diesem Moment sehr von sich überzeugt. »Perry, habe keine Sorge. Ich kann dir nichts versprechen, denn ich weiß nicht, was uns erwarten wird, doch ich glaube an einen guten Ausgang. Ich werde das Problem mit Dorgon lösen und du wirst diesen Torr Samaho zur Strecke bringen.« Mit diesen Worten war alles gesagt. Beide verabschiedeten sich freundschaftlich und wünschten einander viel Glück. Langsam, eines nach dem anderen, hoben sich die Raumschiffe auf ihren Antigravfeldern in den Weltraum. Es war ein erhebender Anblick, wie diese gewaltigen Flugkörper wie von Geisterhand bewegt in den Himmel schwebten. Erst in den obersten Schichten der Atmosphäre zündeten die ersten Triebwerke. Auch hier hielten die Schiffe wieder eine bestimmte Reihenfolge ein. In Formation verabschiedeten sich die Raumschiffe von Dorgon. Schnell verglühten die letzten Strahlen aus den Düsen der Schiffe. Homer G. Adams setzte sich auf den breiten und bequemen Sessel in der Kommandozentrale der GOLDSTAR. Langsam ließ der Zellaktivatorträger seine Blicke durch die Zentrale schweifen. Er schaute zu Taröty Jylk, dem Ersten Offizier der GOLDSTAR. Der Blue war ein guter Navigator und äußerst zuverlässig. »Taröty, los geht's!« Der Apaser verstand sofort und ließ das Metagravtriebwerk aktivieren. Der GOLDSTAR tauchte als erstes Schiff in den Hyperraum ein, die anderen folgten kurz danach. Die Flotte mit Lebewesen aus drei verschiedenen Galaxien brach nach Dorgon auf.
Bereits in den ersten Tagen der Reise nach M 100 hatte Cascal diesen Traum. Er träumte von einem Asteroiden, der einsam durch den Weltraum trieb. Nichts besonderes war an diesem Asteroiden. Lediglich, daß er ein geheimnisvolles Licht verströmte, das aber mit den normalen Sinnen nicht wahrzunehmen war. Es war ein Leuchten, das man am ehesten als überirdisch bezeichnen konnte. Cascal trieb staunend durch das All, auf den Asteroiden zu. Er merkte erst jetzt, daß er keinen Raumanzug trug. Im ersten Augenblick überfiel ihn leichte Panik. Doch dann beruhigte er sich sehr schnell wieder. Wenn diese Tatsache von Bedeutung gewesen wäre, dann wäre er schon längst tot gewesen. Er beschloß, sich keine Gedanken mehr über die Gesetzmäßigkeiten eines Traumes zu machen. Schließlich erreichte er den Asteroiden. Er senkte sich auf die Oberfläche nieder, langsam, obwohl die Schwerkraft der kleinen Welt ausgereicht hätte, ihn an ihrer Oberfläche ohne den Einsatz von Flugaggregaten zu zerschmettern. Er setzte auf. Die ersten Schritte fielen ihm schwer, weil er mit der kaum vorhandenen Schwerkraft ohne Raumanzug nicht auf Anhieb klar kam. Er wunderte sich, wie realistisch all dieses war, aber dann konzentrierte er sich auf die kleine Hütte, die vor ihm auftauchte. Langsam näherte er sich ihr. Beim ersten umrunden konnte er keinen Zugang erkennen. Er umrundete die Hütte ein zweites Mal, konnte aber immer noch nichts finden. Schließlich näherte er sich der Wand, die hölzern wirkte, legte seine Hand auf die Oberfläche und wartete. Langsam löste sich eine der Wände auf, ein Lichtstrahl fiel aus dem Inneren der Hütte auf die Oberfläche des kleinen Asteroiden. Cascal betrat die Hütte. Er näherte sich einer kleinen Liege, bewegte sich wie unter Zwang, ohne auch nur einen Augenblick Zweifel an seinen Handlungen zu haben. Der schlanke Körper einer jungen Frau ruhte auf der Liege. Als er sich bis auf einen Schritt genähert hatte und gerade die Hand nach ihrer Schulter ausstrecken wollte, um sie auf den Rücken zu drehen, drehte sie sich von selber um. Bevor er ihr Gesicht erkennen konnte, wachte er schweißgebadet auf. Lange dachte er über diesen Traum nach. Tolk wunderte sich über die ungewöhnliche Schweigsamkeit seines Freundes, aber Cascal tat ihm nicht den Gefallen, ihm Auskunft über sein Verhalten zu geben. Die 10 Schiffe hatten inzwischen 20 Millionen Lichtjahre zurückgelegt, wobei etwa 3 Wochen vergangen waren. Aurec hatte in dieser Zeit oft darüber nachgedacht, was in der Zwischenzeit in der Milchstraße passiert war. Wie war der Kampf zwischen Rhodan und MATERIA ausgegangen, oder tobte er immer noch in voller Härte? Die Wartezeit war, zumindest für den Saggittonen, die schlimmste aller Zeiten, denn er war zum Nichtstun gezwungen. Die Besatzungen der Schiffe versuchten sich die Freizeit so sinnvoll wie möglich zu gestalten, indem sie Sportwettkämpfe veranstalteten. So war heute Abend zum Beispiel ein Antigravbaseballspiel zwischen Besatzungsmitgliedern der GOLDSTAR und TAKVORIAN im Gange. Aurec zog es vor, in eine der vielen Restaurants zu gehen. Das begehrteste war inzwischen das Zürp Inn auf der GOLDSTAR geworden, das der Blue Zürp führte. Der Blue spielte gerade ein terranisches Lied, welches in den Top-Charts war. Es trug den bezeichnenden Titel »I am blue.« Der Gataser sang den Song laut aber falsch mit und servierte dem saggittonischen Kanzler ein Glas Wasser. Mit leisem Klingen berührte das ebenfalls blaue Glas den Keramiktisch. Aurec blickte aus dem Fenster, sah jedoch nur das Wabern des Hyperraums. Homer G. Adams trat ebenfalls in das Lokal ein und suchte vergeblich einen freien Platz. Als der Unsterbliche seinen Freund erblickte, steuerte er auf seinen Tisch zu. Zürp lief sofort zu dem Expeditionsführer und wischte nochmals mit seinem weißen Staubtuch die Tischplatte ab. »Was darf es sein?« trällerte er in einem schrillen Ton. »Schottischen Malt Whiskey, was sonst?« entgegnete Adams mit einem Lächeln. Zürp verneigte sich affektiert und wackelte wieder zu seinem Tresen, wo er sofort eine ganze Flasche samt Eis und eine Cola brachte. Adams sah ihn etwas verwundert an. »So einen Whiskey genießt man besser mit Wasser, anstelle mit Cola«, meinte er und goß sich das goldbraune Getränk in den Becher. Aurec wurde neugierig und schüttete sich ebenfalls etwas in sein Sodaglas. Beide stießen an und entleerten das Getränk. Der Saggittone begann zu husten und verzog das Gesicht. »Das Zeug ist gut, nicht?« wollte Adams wissen. »Ja, aber ich mische es besser mit dieser Cola«, erwiderte Aurec und füllte das Glas zu zwei Dritteln mit der schwarzen Flüssigkeit wieder auf. »Ach ja! Das habe ich vermißt!« seufzte der Engländer. »Dieses Gesöff?« »Nein! Diese Expedition. Diese Freiheit. Nicht, daß mir die TAXIT keinen Spaß macht, aber ich bin auch ein Abenteurer. Ich genieße jede Minute an Bord der Schiffe. Es ist gemütlich hier. Ob LFT-Terraner, Cameloter, Saggittonen, Blues, Topsider oder Somer. Alle leben friedlich unter den ›Dächern‹ dieser 10 Schiffe zusammen und wollen gemeinsam für den Frieden in unserer Galaxis streiten.« Aurec konnte Adams verstehen. Der Saggittone konnte es sich auch nicht vorstellen, Jahrhunderte hinter einem Schreibtisch zu verbringen. In Aurecs Augen war das galaktische Wirtschaftssystem sowieso übermäßig kompliziert und vollkommen unverständlich. Die Saggittonen kannten keine Arbeitslosigkeit und keine Ausbeutung, keine Korruption. Kein Wesen wurde zur Arbeit gezwungen. Roboter erledigten die Arbeiten, wenn kein anderer sie machen wollte. Der Staat sorgte dafür, daß es jedem Wesen gut ging. Typisch galaktische Wirtschaftselemente wie Inflation oder Börse waren in Saggittor unwichtig. Dies war allerdings auch nur durch eine vollkommen andere Mentalität der Saggitonen möglich. Aurec bezweifelte, daß dieses System auch in der Milchstraße Früchte tragen würde, da alle Galaktiker zu sehr am Galax hingen. Die beiden Expeditionsleiter saßen in den bequemen Sesseln und beobachteten die verschiedenen Crewmitglieder, die sich in der Bar erholten oder vergnügten. Aurec hoffte, daß sich hinter Dorgon keine tödliche Katastrophe für die 10 intergalaktischen Schiffe verbarg. Sanna Breen hatte gerade ihr Protokoll für diesen Tag beendet. Cistolo Khan wollte über alle Einzelheiten informiert werden. Ihre Aufgabe hatte die schöne Terranerin etwas spannender eingeschätzt, in Wirklichkeit langweilte sie sich jedoch sehr. Der Kontakt zu den anderen fiel ihr etwas schwer, da wenig weibliches Personal auf der GOLDSTAR war und sie zudem fast den ganzen Tag mit dem nicht besonders interessanten Protokoll zu tun hat. Heute Abend wollte sie sich jedoch amüsieren und neue Leute kennenlernen. 20.000 Menschen waren um sie herum. Es mußte doch möglich sein, endlich mal einen davon kennenzulernen. Sanna Breen wurde im Jahre 1264 NGZ auf Terra geboren, in der Metropole Terrania City. Sie verbrachte eine normale Kindheit in der Hauptstadt Terras und begann eine Karriere als Model, was sie jedoch nicht sonderlich ausfüllte. Andere mochten es als Traumberuf ansehen, für sie war es nur öde. Sie begann zu studieren. Ihr Freundeskreis hatte sich damals drastisch geändert. Viele ihrer alten Freunde hatten sie offenbar nur ihres unbestreitbar schönen Körpers wegen gemocht und damit angegeben, ein Model zu kennen. Eine Verhaltensweise, die sie nicht zu schätzen mochte. Neue Freunde zu finden erwies sich allerdings als nicht eben einfach. Trotzdem machte sie mit ihrem Wirtschafts- und Militärstudium weiter. Sie brachte es bis auf die PAPERMOON, wo Cistolo Khan auf die emsige und intelligente Frau aufmerksam wurde. Er bot ihr einen Job als Assistentin an. Ihre anfängliche Begeisterung, mit der sie zugesagt hatte, verflog sehr schnell, als sie bemerkte, was der Kommissar eigentlich suchte. Für eine Sekretärin war sie sich eigentlich zu schade. Sie war maßlos enttäuscht, sie fühlte sich unterfordert. Sanna war keine Frau, die ihr Leben einfach so vor sich hin leben wollte, sie wollte etwas erleben und bewegen, Abenteuer erleben, die Weiten des Kosmos ergründen. Ob der Job bei Khan ihr jedoch dabei weiterhalf, wagte sie zu bezweifeln. Immerhin hatte die charmante Terranerin es geschafft, den LFT-Kommissar zu überreden, sie an der Expedition teilnehmen zu lassen. Das war für Sanna Breen schon einmal ein Anfang. Sanna schlüpfte in ein fast durchsichtiges Kleid, das an den entscheidenden Stellen Schleier bildete, die an Wasserschleier erinnerten. Zum Bedauern von Männern, die ihr begegneten, verhüllten diese Schleier mehr, als sie zeigten. Sie ging in die zweite Niederlassung des Zürps Inn, wo es etwas lauter zuging. Sie setzte sich an einen Tresen und bestellte einen Drink. Einer der Offiziere, der zusammen mit zwei anderen an einem Tisch saß, starrte sie an. Sanna lächelte ihm verstohlen zu. Sie fand diesen Terraner nicht sonderlich attraktiv. Der Leutnant – Adams und Aurec hatten wieder die Dienstgrade auf der Expedition eingeführt – hatte kurzgeschorene blonde Haare, ein pickeliges Gesicht und einen Bierbauch. Sein Freund sah ähnlich aus, nur viel bulliger. Der dritte lief in einem martialischen Cowboydress herum. Alle drei wirkten nicht sonderlich anziehend auf Sanna, die beschloß das Restaurant zu wechseln. Kaum war sie aufgestanden, standen auch die anderen drei auf. Der erste begann vor ihr zu tanzen und öffnete seine Oberkörperkombination. Die Zigarette in seinem Mund und das Bierglas in seiner Hand rundeten das schlechte Bild, welches sich Sanna Breen von ihm gemacht hatte, ab. »Hi! Ich bin Elge, Elge Erpel«, begann er sehr selbstbewußt. Sanna mußte beinahe lachen, als sie den Namen hörte, riß sich aber zusammen. »Schön. Dann noch einen schönen Abend«, meinte sie statt dessen und wandte sich von ihm ab, doch da stellte sich bereits der Bullige vor sie. »Ich bin Olge, Kleines. Du gefällst mir.« »Das kann ich von dir nicht behaupten. Ich muß noch arbeiten, vielleicht ein andermal, Freunde.« Sie zwängte sich an dem Riesen vorbei, doch der Terraner in dem dreckigen Cowboydress packte Sanna am Arm. »Loslassen! Die haben wohl jeden Müll angeheuert, um das Schiff vollzukriegen?« zischte die junge Terranerin. Auch der letzte stellte sich vor, worauf Sanna jedoch keinen Wert legte. Er hieß Bjorn Wrahke und war Kopfgeldjäger. Die Expedition hatte in der Tat Probleme gehabt, eine Besatzung für alle 10 Schiffe zusammenzubekommen. Sanna verwünschte den Personalchef der Expedition. »Hey, Kleine. Ich bin sehr einsam und du hast doch sicher keinen Freund, also steht einer heißen Nacht nichts im Weg«, blubberte Elge und pustete ihr Rauch ins Gesicht. »Doch, dein Ego«, konterte Sanna und versuchte sich loszureißen. »Lassen Sie die Dame sofort los«, hörten die drei eine dunkle Stimme von hinten sagen. Alle drehten sich gleichzeitig um und blickten entsetzt dem 2 Meter großen Ritter entgegen. Sanna erkannte ihn sofort. Es war derjenige, der sie einst gerammt hatte und so barsch behandelte. Sie wußte auch, wer dieser Mann war: Cauthon Despair! »Haben Sie mich nicht verstanden? Sie lassen unverzüglich die Dame los, entschuldigen sich und melden sich anschließend bei Ihrem diensthabenden Vorgesetzten zur Latrinenreinigung. Richten Sie ihm aus, Cauthon Despair habe Sie geschickt.« Olge zeigte sich, im Gegensatz zu den anderen beiden, wenig beeindruckt. Er stellte sich provokativ vor Despair. »Ach? Dich mache ich doch mit links fertig!« Kaum hatte er diesen Satz ausgesprochen, lag er bereits auf dem Boden. Despair war einen Schritt zurückgegangen und hatte den dicken Terraner mit einem Tritt niedergefegt. Elge Erpel und Bjorn Wrahke salutierten vor Despair und halfen Olge auf. Sofort rannten alle drei los. Sanna blickte ihnen lachend hinterher. »Ich wäre mit ihnen auch alleine fertig geworden«, log sie. »Nun, ich kann sie wieder zurückrufen«, konterte Despair geschickt. Sanna begann wieder zu Lächeln. Ein Lächeln, welches Despairs Herz erhellte. »Nein, besser nicht. Vielen Dank, daß du mir geholfen hast.« »Es war mir eine Ehre. Wenn Sie mich jetzt entschuldigen würden, die Arbeit wartet auf mich.« »Auf Wiedersehen.« Despair verließ wieder die Bar. Auch Sanna beschloß wieder in ihre Kabine zurückzugehen. Ein Erlebnis war es allerdings gewesen, diesen kurzen Ausflug zu machen. Bevor sie schlafen ging, dachte sie an den silbernen Ritter und mußte sich eingestehen, daß er galant und imposant war. Irgendwie gefiel er ihr, obwohl sie wußte, was für eine Vergangenheit er hatte. Cascal litt immer noch unter den seltsamen Träumen, doch er vertraute sich niemandem an, nicht einmal Sandal Tolk. Äußerlich versuchte Cascal wie immer cool und locker zu wirken, doch innerlich wühlten ihn diese Träume auf. So blieb es fast bis zum Ende der Reise. Plötzlich hatte er so etwas wie eine Eingebung. Als die Schiffe einen Zwischenstopp machten, um die Grigeroffprojektoren wieder aufzuladen, spürte Cascal sie deutlich in der Nähe. Der Veteran aus dem Solaren Imperium begab sich zum Hangar und flog mit einer Space-Jet einfach los. Den anderen blieb nichts anderes übrig, als zu warten. Fast wie in seinem Traum näherte er sich schon nach wenigen Lichtstunden einem Asteroiden an. Im Unterschied zu seinem Traum zog er allerdings diesmal einen Raumanzug an, bevor er den Raumer verließ. Er vergaß auch nicht, einen zweiten mitzunehmen. Er dachte an die Gestalt aus seinem Traum. Vielleicht würde sie ihn begleiten. Als er die Hütte erreichte, passierte genau dasselbe, wie in seinem Traum. Zuerst konnte er keinen Zugang erkennen, dann allerdings löste sich die Wand unter seiner Berührung auf. Wie durch ein Wunder entwich keine Luft. Er näherte sich der Liege, legte den zweiten Anzug neben sich auf den Boden. Seine Hand streckte sich zitternd nach der Schulter der Gestalt aus. Er war auf alles gefaßt. Als sie sich umwandte, sank er langsam auf die Knie. Sein Gesicht vergrub er in beiden Händen, und atmete tief durch. Er mußte ein Schluchzen unterdrücken, als ihm klar wurde, wen er da vor sich hatte. »Nadine«, flüsterte er. Dann hob er den Blick. Sie war genauso schön, wie er sie in Erinnerung hatte. Ihre Lippen umspielte ein sanftes Lächeln, aber in ihren Augen erkannte er eine Tiefe, die er vorher nicht an ihr bemerkt hatte. Sie schien in eine neue Welt eingetreten zu sein, eine Welt, die niemand betreten und wieder verlassen konnte. Aber das konnte nicht sein. »Wie hast du das geschafft?« »Ich habe einen Freund getroffen.« Sie unterdrückte ein lautes Lachen, dann lächelte sie wieder. »Er hat mir diesen Körper gegeben.« Sie sagte nicht: wiedergegeben. Cascal nickte, als würde er verstehen. In Wahrheit verstand er nichts. Er reichte ihr den Anzug, verließ zusammen mit der jungen Frau, die er von Plophos kannte, den Asteroiden und betrat die Space-Jet. Als er sich in den Pilotensessel setzte und Nadine aufforderte, neben ihm Platz zu nehmen, versuchte er, seine Gefühle aus dieser Zeit wiederzufinden. Es gelang ihm nicht. Zu mißtrauisch war er gegenüber der eigentlich toten Nadine Schneider. Wer hatte ihr diesen Körper gegeben? Was bezweckte er damit? Kaum war die Space-Jet an Bord der TAKVORIAN zurückgekehrt, suchten Adams und Aurec ihn auf. Voller Überraschung empfingen sie den neuen Passagier. »Wer bist du?« wollte Adams wissen. »Ich bin Nadine Schneider«, antwortete sie wahrheitsgemäß. Stille herrschte im Raum. Adams kannte zwar die Geschichte, er hatte die Leiche gesehen. Es konnte nicht sein. »Nadine Schneider, was machst du hier? Woher kommst du?« »Was ich hier mache, weiß ich nicht. Woher ich komme, weiß ich nicht..« Aurec und Adams sahen sich verblüfft an. Bevor Adams einen etwas bissigeren Kommentar abgeben konnte, erklärte Joak Cascal wer genau Nadine Schneider war und wo er sie gefunden hatte. Adams beruhigte sich langsam wieder. Aurec wirkte sehr mißtrauisch. »Wer hat dir das Leben wiedergegeben?« »Ein Freund, eine Entität. Ich kenne seinen Namen nicht. Es sind viele und doch ist es nur einer«, erklärte sie verworren. Adams verdrehte die Augen. »Da kommen ja bloß zig Entitäten in Frage, auf die diese Beschreibung paßt!« »Weshalb bist du hier?« forschte Aurec weiter ruhig nach. Nadine lief etwas im Raum umher. Etwas in ihren Augen schien dem Saggittonen nicht zu behagen. Cascal beobachtete sie. Er erkannte immer mehr von der Frau wieder, die er auf Plophos so kurz kennengelernt hatte. Allerdings erschien sie ihm trotzdem wie eine Fremde, und das kam nicht nur daher, daß er sie auf dieser Welt nur so kurz erleben durfte. Nein, etwas war anders. Er verstand nicht, was. »Ich bin hier um zu Beobachten. Ich bin das Auge meines Auftraggebers.« Ihre Worte waren nicht sehr aussagekräftig. Die beiden Expeditionsleiter schüttelten die Köpfe und setzten sich erst einmal. Adams rieb sich die Augen, ehe er sagte: »Woher sollen wir wissen, ob es dein Auftraggeber gut oder schlecht mit uns meint? Weshalb sollen wir dir überhaupt glauben?« »Vertraut mir!« Aurec und Adams wechselten einen Blickkontakt, dann erhob der Saggittone das Wort. »Wir werden dich vorerst unter Beobachtung stellen. Joak Cascal wird sich um dich kümmern.« Aurec spürte das leichte Lächeln auf Cascals Lippen. »Nach einer gründlichen Untersuchung wirst du ständig unter Aufsicht stehen, bis wir wissen, woher du kommst und warum du hier bist. Sicher werden wir dabei auch herausfinden, wem wir deine Anwesenheit zu verdanken haben.« Die Worte waren unmißverständlich. Aurec und Adams begaben sich wieder auf ihre Schiffe, während Joak Cascal Nadine Schneider zu ihrer Unterkunft für den Rest der Reise begleitete. Etwas in ihm ließ ihn Vertrauen verspüren. Er wußte nicht, ob einfach nur seine Gefühle sprachen oder ob sein Instinkt ihm hier einen Hinweis geben wollte. Die Zukunft würde darüber entscheiden. Eine Zukunft, deren Nahen von etwa 20.000 Wesen auf den 10 Schiffen mit einiger Sorge, aber auch Spannung, beobachtet wurde, denn die Galaxis M 100 – Dorgon – war nicht mehr weit. Sie waren Galaktiker auf dem Weg in eine ferne Sterneninsel. ENDE Eine Flotte mit 10 Schiffen unter dem Kommando von Aurec und Homer G. Adams ist nach Dorgon aufgebrochen, um mehr über diese fremde Macht herauszufinden. Wie es weitergeht, schildert Dominik Hauber in Heft 13: Randpunkte eines Reiches
Der DORGON-Zyklus - Der Inselzyklus - ist eine nicht kommerzielle Publikation des PERRY RHODAN ONLINE CLUBs. Heft 12 von Ralf König. Titelbild: Gerd Schenk. Technischer Berater: Sebastian Schäfer. Versand: PROC. Lektorat, Nachbearbeitung: Klaus Wiehoff. DORGON-Kommentar: Martin Schuster. Umsetzung in Endformate: Alexander Nofftz. Satz: Xtory (SAXON, LaTeX). Internet: http://www.dorgon.de. eMail: dorgon@proc.org. Adresse: PROC c/o Nils Hirseland, Redder 15, 23730 Sierksdorf. Copyright © 2001. Alle Rechte vorbehalten! | ![]() | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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