Dorgon 106: Gewissensentscheidung

Was bisher geschah

Im Jahre 1298 NGZ gelingt es den vereinten Kräften der Terraner, Saggittonen und ihrer Alliierten, den gefürchteten SONNENHAMMER zu vernichten und somit MODRORs Invasionsplänen vorerst ein Ende zu setzen.

Die große Gefahr durch die finstere Entität scheint gebannt – doch in Wirklichkeit ruhen die Söhne des Chaos nicht. Innerhalb von sechs Jahren stampfen sie aus Cartwheel ein neues Imperium hervor – das Quarterium unter der Führung des Imperatore de la Siniestro.

Während sie sich öffentlich als friedliches Reich präsentieren, arbeiten die Söhne des Chaos in Wirklichkeit an der Umsetzung von MODRORs Eroberungsgelüsten.

Nicht anders in M 100, Dorgon. Seit Jahren wird die Regierung unter Kaiser Commanus vom Sohn des Chaos Cau Thon manipuliert. Die Opposition wird als Verräter verschrieen und der Bau einer gewaltigen Flotte wird von jedem akzeptiert.

Die Flotte greift Anfang 1305 NGZ die estartischen Galaxien an und überrennt Siom Som. Die Rebellen in Dorgon sehen den Eroberungsgelüsten ihres Kaisers nicht tatenlos zu. Sie suchen in Cartwheel nach Hilfe. Saraah nimmt mit der Besatzung der IVANHOE II Kontakt auf. Xavier Jeamour muss zwischen Loyalität und Vernunft entscheiden. Er fällt eine GEWISSENSENTSCHEIDUNG

Hauptpersonen

Xavier Jeamour:
Der Kommandant der IVANHOE II muss eine wichtige Entscheidung treffen.
Mathew Wallace:
Die Liebe zu Saraah blüht neu auf.
Saraah:
Die Jerrer will die USO um Hilfe bitten.
Glaus Schyll und Ignon Ruon:
Zwei gefährliche Anhänger des neuen Imperiums
Irwan Dove, Lorif, Tania Walerty, Zyrak Wygal und Jennifer Taylor:
Besatzungsmitglieder der IVANHOE II
Rosan Orbanashol-Nordment und Jan Scorbit:
Anführer der USO in Cartwheel

Prolog
Janina Porter: Was ist passiert?

Niemand sagt mir etwas, niemand scheint etwas zu wissen. Oder traut man mir nicht, weil ich neu auf dem Schiff bin? Aber das sind doch alle, einige kennen sich zwar von früheren Schiffen, wie der IVANHOE I, aber letztendlich sind wir alle auf einem neuen Schiff unterwegs.

Auch meine Kollegen sagen mir nichts, die scheint es noch nicht mal zu interessieren, was außerhalb der Hangars vor sich geht. Einer meinte zu mir: Das wird schon seine Richtigkeit haben, was die Jungs auf der Brücke entscheiden, Mädchen. Solange nicht zu viel Arbeit auf uns zukommt, soll es mir recht sein.

Wie konnte man nur so gleichgültig sein? Oder wurde sogar auf einem Raumschiff dieser Größe von den Mannschaftsmitgliedern erwartet, sich ausschließlich auf ihre Arbeit zu konzentrieren? Hatten wir nicht wenigstens das Recht zu erfahren, was auf unserem Schiff geschah?

Vielleicht bin ich einfach nur zu aufgeregt. Erst vor zwei Tagen wurde ich auf die IVANHOE beordert, das kam so plötzlich für mich. Ich kenne niemanden an Bord, habe keinen Ansprechpartner. Mit meinen Kollegen bin ich noch nicht warm geworden – hatte mir der eine nicht sogar zu verstehen gegeben, dass er nicht viel von der Zusammenarbeit mit Frauen hielt?

Und jetzt auch noch diese merkwürdige Situation. Für die IVANHOE waren zunächst einfach nur Testflüge in den äußeren Ringen Cartwheels geplant. So erklärte man es uns. Mir war das recht, so hatte ich Zeit, mich mit der Technik der Space-Jets vertraut zu machen. Aber dann kam es zu diesen merkwürdigen Kursänderungen, ich hatte sogar mitbekommen, wie einige Piloten über Kämpfe zwischen fremden Schiffe diskutierten. Eines davon hatten wir wohl an Bord genommen, man sprach von Flüchtlingen aus Dorgon. Anschließend flog die IVANHOE abenteuerliche Manöver, wie um ein Schiff abzuschütteln. Wir kamen dabei gefährlich nahe an einer Sonne vorbei. Was danach geschah, hatte ich noch nicht herausfinden können. Aber Piloten munkelten etwas über einen Aufstand in der Kommandozentrale.

Bei solchen Gerüchten sollte ich ruhig bleiben? Vielleicht war unser Schiff bereits in der Hand von Gesetzlosen – nein, das hätten wir wohl mitbekommen. Oder hatte eine Meuterei stattgefunden? Obwohl – von einer Meuterei nach nur zwei Tagen Reise hatte ich noch nie gehört. Das wäre schon ziemlich unwahrscheinlich. Und überhaupt standen Meutereien auf Schiffen des Quarteriums nicht auf der Tagesordnung. Gerade in diesen gefährlichen Zeiten legt man doch auf Disziplin besonders viel Wert, meine ich. Sollte es doch passiert sein, konnte eine Meuterei schlimme Konsequenzen für alle Raumfahrer der IVANHOE haben, auch mein Lebenslauf würde auf ewig einen Makel haben, obwohl ich völlig unbeteiligt war. Dabei hatte ich mich für den Dienst auf dem Flaggschiff beworben, um meine Qualifikation zu verbessern.

Wie auch immer: Es musste Meinungsverschiedenheiten in der Zentrale gegeben haben. Anders waren die Gerüchte nicht zu erklären.

Vielleicht sollte ich Zyak Wygal oder Tym Elahrt suchen und meine Vorgesetzten fragen. Mit etwas Glück können die mir erklären, was hier vorgeht. Vielleicht können sie mich ja beruhigen – wenn sie mich nicht zum Teufel jagen.

Kapitel 1
Gedanken

Im Gegensatz zu Janina Porter wusste Xavier Jeamour ganz genau, was vorgefallen war. Schließlich hatte er den Befehl zur Bergung der ARIMAD III, in der Saraah mit einigen Freunden vor einem Adlerschiff der Dorgonen geflohen waren, gegeben. Unter seinem Kommando wurde das Verfolgerschiff beschossen. Geplant war zwar, es manövrierunfähig zu schießen, aber es hätte nicht in die Sonne stürzen sollen. Jeamour hatte somit nicht nur gesuchten dorgonischen Verbrechern Asyl gewährt, sondern auch noch die 15.000 Mann umfassende Besatzung des dorgonischen Adlerschiffes auf dem Gewissen. 15.000 Leben!

Zusätzlich zu diesen Problemen kam Jeamour auch noch Glaus Schyll in die Quere. Er pochte als glühender Vertreter der Richtlinien des Quarteriums darauf, die Flüchtlinge den Dorgonen auszuliefern. Das gute diplomatische Verhältnis zwischen Dorgon und Cartwheel durfte nicht belastet werden.

Saraah, die wichtigste Flüchtige auf der ARIMAD III, berichtete über den Überfall der Dorgonen in Siom Som. Nicht zuletzt auf Grund der schockierenden Berichte Saraahs über die Brutalität der Dorgonen entschlossen sich Jeamour und seine wichtigsten Offiziere, die Flüchtlinge zum Sitz der USO nach Quinto, dem Sitz der USO in Cartwheel, zu bringen. Schyll dagegen wollte Meldung an das Quarterium machen, Jeamour stellte sich gegen ihn und ließ ihn inhaftieren. Der Weg zurück nach Mankind war somit versperrt. Jeamour und seine Crew würden als Hochverräter angesehen werden, im besten Fall erhielten sie Haftstrafen, im schlimmsten Fall würden sie hingerichtet.

Somit befand sich die IVANHOE II jetzt auf dem Weg nach Quinto. Der Flug dauerte noch einige Stunden, in denen wohl nichts von Bedeutung passieren würde. Schlimm genug für Jeamour, der genügend Zeit zum Nachdenken hatte. Hatte er wirklich richtig gehandelt, als er sich gegen das dorgonische Schiff und somit gegen das Quarterium stellte? Er hatte die Entscheidung aus dem Bauch heraus getroffen, vor allem, weil Saraah über die Invasion in Siom Som berichtete. Ihr konnte man vertrauen, das wusste Jeamour. Abgesehen davon hatte Saraah erschreckende Bilder gezeigt. Jeamour hatte sie schnell überprüfen lassen. Die Analyse wies das Material zu 98,9 Prozent als echt aus.

Jeamour hatte richtig gehandelt, nur war er als Kommandant der IVANHOE II nicht nur für sich, sondern auch für seine 6050 Mann umfassende Crew verantwortlich. Mit der Entscheidung nach Quinto zu fliegen, gefährdete er die Zukunft jedes einzelnen Crewmitgliedes. Wer wollte schon mit öffentlich bekannten Gegnern des Systems zusammenarbeiten? Das harte Durchgreifen des Systems gegen Andersdenkende war bekannt: Womöglich würde nie wieder eines der Crewmitglieder einen Fuß auf eine der Welten des Quarteriums setzen dürfen.

Die Entscheidungen eines Kommandanten konnten schwerwiegende Auswirkungen haben. Er sprach für ein ganzes Schiff. Doch wie weit durfte er für eine gute Sache gehen? Wie viele Leben durfte er für sie aufs Spiel setzen? Vor allem, wenn der Erfolg der Aktion nicht sichergestellt war. Würde die USO den Völkern von Siom Som helfen können? Würde die Hilfe rechtzeitig erfolgen?

Kapitel 2
Romantik

Gedämpftes Licht, leise klassische Musik, Kerzenhologramme auf den Tischen, freundliche Robotkellner: Auf großen Schiffen wie der IVANHOE II gab es auch exklusive Restaurants. Wer es sich leisten konnte, musste also nicht auf die Annehmlichkeiten des Lebens verzichten und konnte einen gemütlichen Abend in der Schiffsgastronomie verbringen. Oder er führte seinen Partner aus.

Matthew Wallace und Saraah hatten sich viele Stunden in Saraahs Kabine unterhalten. Sie erzählten sich, was in all den Jahren passiert war und kamen nach einer Weile auf die gemeinsamen Freunde und Bekannten zu sprechen. Viele waren in Dorgon gefallen, einige unterjochten inzwischen die Völker von Siom Som, andere waren zu Rebellen gegen Commanus, dem Kaiser von Dorgon, geworden und wiederum andere kämpften als Doppelagenten von innen heraus gegen den Diktator. Doch auch in Cartwheel sah es nicht besser aus, die CIP jagte Andersdenkende wie tollwütige Hunde, es sollte sogar schon Hinrichtungen gegeben haben. Wer sich öffentlich zur USO bekannte, galt als potentieller Verräter. Widerständler mussten sich also auch in Cartwheel vorsehen, denn die Sicherheit, die ihnen der strahlende Imperatore Siniestro vermittelte, war eine sehr trügerische.

Lange Zeit hatten Matthew und Saraah nicht über sich gesprochen. Speziell Matthew hatte Angst, denn nach seinem Abenteuer mit Stephanie de la Siniestro schämte er sich. Es fiel ihm schwer, Saraah in die Augen zu sehen. Sie war sehr niedergeschlagen und tat sich schwer, die gesehenen Gräueltaten zu verarbeiten. Zu schrecklich waren die Bilder gewesen.

Schließlich hatte Matthew sich ein Herz gefasst und Saraah zum Essen eingeladen. Sie hatte sich sehr gefreut und zu seiner Überraschung sofort zugesagt.

Und nun saßen sie im Restaurant und schwiegen sich an. Beide hatten sich festlich gekleidet. In der gemütlichen Atmosphäre versuchten sie die schlimme Situation und ihre Umgebung für kurze Zeit zu vergessen. Nachdem sie bestellt hatten, begann Matthew vorsichtig: Saraah, wir haben über Politik, Kriege und über Freunde gesprochen. Aber wie ist es dir ergangen?

Saraah sah ihn verblüfft an. Was meinst du damit, wie es mir ergangen ist?

Nun, du hast sehr schwere Zeiten durchlebt. Wie hast du das durchgehalten? Hat man dich unterstützt oder musstest du den ganzen Weg des Widerstands alleine gehen?

Torrinos hat mir viel geholfen. Er ist jetzt zur Milchstraße geflogen – ich hoffe, er hat dort bei der USO Erfolg. Ansonsten – sicher, ich habe Freunde, aber ich konnte niemandem wirklich vertrauen. Auch Vesus stellt sich gegen uns, auch wenn er versucht, fair zu bleiben, führt er die Aufträge des Kaisers mit voller Härte aus. Aber sonst …

Du hattest keinen Partner an deiner Seite? Niemanden, dem du vertrauen konntest? Mathew biss sich auf die Zunge, diese Frage war vielleicht etwas zu direkt.

Nein, ich hatte so viel zu tun. Schwächen konnte ich mir nicht leisten, als Senatorin musste ich immer stark sein. Außerdem musste ich immer an dich denken. Ich bin mir bis heute nicht sicher, ob es richtig war, uns zu trennen …

Es war wohl richtig – du hast dich schlecht gefühlt und wolltest in deine Heimat zurück.

Es war ein neuer Anfang für Dorgon – die alten Imperatoren waren gestürzt, Uleman wollte eine Demokratie einführen. Ich musste einfach dabei sein und helfen. Ich wollte helfen, meinem Volk eine aussichtsreiche Zukunft zu erschaffen.

Du hast doch viel erreicht. Als Senatorin hast du …

Gar nichts habe ich erreicht! In Dorgon herrschen schlimmere Zustände denn je, unser Volk wird wieder ausgebeutet, Kriegsschiffe werden gebaut, Wahnsinnige wie dieser Carilla fliegen durch unsere Galaxis und versklaven Welten, die für ihre Freiheit kämpfen. Und selbst Vesus hilft ihnen dabei! Habe ich meinem Volk einen Gefallen getan, indem ich wie eine Schwerverbrecherin von meinem Heimatplaneten geflohen bin? Wer weiß, was Vesus und Carilla mit Jerrat getan haben. Vielleicht existiert der Planet schon gar nicht mehr!

Mathew war erschrocken, er wollte Saraah nicht verletzen. Es – es tut mir Leid, stammelte er. Ich meine wirklich, dass du viel erreicht hast. Du hast den Menschen wieder Hoffnung gegeben.

Die wieder brutal zerstört wurde, vollendete Saraah bitter den Satz. Warum tun diese Tyrannen wie Commanus oder Siniestro immer wieder so schreckliche Dinge? Warum unterjochen sie Welten, warum greifen sie nach fremden Galaxien? Warum immer dieser Rassenhass? Warum all das? Kann es nicht endlich einmal Frieden im Universum geben?

Saraah war den Tränen nahe.

Mathew rutschte zu ihr und nahm sie in die Arme. Es wird wieder gut. Wir kämpfen weiter und werden es schaffen. Cartwheel und Dorgon werden zu Orten des Friedens.

Mathew verzweifelte selbst an der Lage, es gelang ihm nur besser, die Hoffnungslosigkeit zu verbergen. Er wusste nicht, ob er seine eigenen Worte selbst glaubte.

Kapitel 3
Erwachen

Mittlerweile war Glaus Schyll aus seiner Narkose erwacht. Er fühlte sich noch etwas verwirrt und erinnerte sich nicht daran, was geschehen war. Doch bald bemerkte er, dass er sein Zimmer nicht verlassen konnte. Hatte er sich denn eingesperrt? Schyll suchte nach einem Öffnungsmechanismus, fand aber keinen. Das war merkwürdig.

Er sah sich um. Das ist überhaupt nicht meine Kabine!, entfuhr es ihm.

Er befand sich in einer Zelle im Gefangenentrakt der IVANHOE II. Bruchstückhaft kehrte die Erinnerung an die Geschehnisse zurück.

Mitten in seinen Überlegungen öffnete sich im Zellenschott eine Klappe und ein Tablett mit Konzentraten wurde hinein geschoben. Kurz darauf leuchtete ein Bildschirm auf, der Kopf eines Soldaten erschien darauf. Haben Sie sonst noch einen Wunsch?

Nein, äh, ja! Schyll fasste sich an die Stirn, ihm war noch etwas schwindelig. Könnten Sie mich aufklären, was hier vor sich geht?

Sie wurden des Verrats für schuldig befunden. Bis es zum Prozess kommt, sollen Sie hier arretiert bleiben. Die Antwort kam wie aus der Pistole geschossen.

Was? Schyll konnte es nicht fassen, was er da hörte. Was wirft man mir vor?

Darüber bin ich nicht informiert. Mein Auftrag ist es, Sie hier zu bewachen und Fluchtversuche zu unterbinden. Haben Sie noch einen Wunsch? Der Soldat schien die Verbindung unterbrechen zu wollen.

Warten Sie, warten Sie!, rief Schyll schnell. Er musste den Soldaten überlisten. Sie bewachen den gefangenen Vierten Offizier des Schiffes und stellen überhaupt keine Fragen?

Nein, ich erfülle nur meinen Auftrag, den mir Kommandant Jeamour persönlich gegeben hat.

Wie ist Ihr Name?

Unteroffizier Skerkins.

Und Sie wissen wirklich, wen Sie vor sich haben, Danny?

Natürlich. Sie sind der Verbindungsoffizier der IVANHOE II, Glaus Schyll.

Sofort fragte Schyll weiter: Sie wissen auch, dass ich der wichtigste Repräsentant des Quarteriums auf diesem Schiff bin?

Das weiß ich. Aber Jeamour hat …

Ferner wissen Sie, welche Konsequenzen auf Sie zukommen werden, wenn herauskommt, dass Sie mich ohne jegliche Grundlage hier festhalten, Unteroffizier?

Der Soldat geriet ins Schwitzen. Ich vertraue Kommandant Jeamour. Er steht in der Rangordnung …

Unsinn! Jeamour ist der Verräter! Er hat sich nie öffentlich zum Quarterium bekannt, auch seine Offiziere sind immer aus der Reihe getanzt. Denken Sie nach, Danny! Denken Sie nach!

Ich – ich darf gar nicht mit Ihnen reden …

Das sollten Sie aber! Denn nur, wenn Sie meine Arretierung aufheben, werden Sie straffrei ausgehen. Ansonsten werde ich Ihnen Ihr Leben zur Hölle machen. Sie sind ein junger Kerl, haben noch eine viel versprechende Karriere vor sich. Denken Sie nach!

Allmählich wich die Farbe aus dem Gesicht des Soldaten. Jeamour ist ein Held, er hat …

Ja, ja. In einer anderen Zeit mag das stimmen, jetzt stellt er sich gegen das Quarterium. Oder was meinen Sie, warum wir nicht laut Plan Testflüge und Übungen in den äußeren Ringen Cartwheels durchführen, sondern auf dem Weg zum USO-Hauptquartier sind?

Keine Ahnung! Das ist wirklich seltsam. Aber – aber ich kann Sie nicht freilassen. Ich muss meine Befehle beachten. Selbst wenn ich Ihnen glaube.

So ein Sturkopf! Warum konnte dieser Idiot nicht über seinen Schatten springen und das einzig Richtige tun – ihn freilassen? Schyll überlegte fieberhaft, er musste die Sache anders angehen.

Ich kann Sie verstehen, Danny, Sie stecken in der Zwickmühle. Entweder den Kommandanten oder das Quarterium verraten. Sie können dennoch etwas für mich tun: Kommen Sie in zwanzig Minuten wieder. Ich setze in der Zwischenzeit eine Nachricht an Doktor Ignon Ruon, unseren ersten Schiffsarzt, auf. Sie werden ihm diese Nachricht am Ende Ihrer Schicht vorbei bringen. Dadurch verstoßen Sie gegen keine Befehle, Sie würden aber dem Quarterium einen großen Dienst erweisen.

Dem Soldaten war die Erleichterung anzusehen. Ich danke Ihnen für Ihr Verständnis. Ich werde Ihre Nachricht abliefern. Er trennte die Bildverbindung.

Glaus Schyll setzte sich sofort an den Tisch und begann die Nachricht aufzusetzen. Er berichtete genau, was vorgefallen war und empfahl Ruon dringend, eine Meldung ans Flottenoberkommando abzuschicken. Ein breites Grinsen zierte sein Gesicht, denn Jeamour und seine Anhänger würden die Strafe bekommen, die sie verdienten!

Kapitel 4
Zweifel

Noch immer quälten Gewissensbisse und Zweifel Jeamour. Er wollte sich jemandem anvertrauen. Doch da Mathew Wallace bei Saraah war, Irwin Dove schlief und Lorif bekanntermaßen ein Quälgeist war, suchte er Jennifer Taylor auf dem Medo-Deck auf. Sie war zwar bei den Konferenzen mit Saraah dabei gewesen, hatte aber dennoch nicht die ganze Entwicklung mitbekommen. Jeamour erzählte ihr ganz genau, was sich zugetragen hatte, wie es zur Vernichtung der COMMANUS EHRE kam und warum Glaus Schyll ausgeschaltet wurde.

So vieles geschah in so kurzer Zeit, da mussten schnelle Entscheidungen getroffen werden. Ich habe mich für Saraah und somit gegen Marcos Isurus von der COMMANUS EHRE entschieden. Auf Grund dieser Entscheidung mussten 15.000 Menschen sterben. Zudem haben wir uns gegen das Quarterium gestellt, indem ich Glaus Schyll inhaftieren ließ. Das kann fatale Folgen für uns haben – aber auch für die Crew. Mit diesen Entscheidungen setze ich die Leben unserer Besatzung aufs Spiel! Kann denn so etwas richtig sein? Wir haben vielleicht einige wenige Leben gerettet, aber dafür viele Tausende geopfert und weitere Tausende in Gefahr gebracht. War dies wirklich die richtige Entscheidung?

Jeamour schwieg. Er sah Jennifer Taylor fragend an.

Nun, der Vorfall mit dem Adlerschiff war ein Unfall, niemand wollte das Schiff wirklich zerstören. Es sollte doch nur manövrierunfähig geschossen werden.

Aber wir waren nahe der Sonne – ich hätte doch vorhersehen müssen, dass so etwas passieren könnte.

Unsinn! Nichts konnten wir vorhersehen! Außerdem waren wir im Nachteil. Das Adlerschiff hätte uns jederzeit vernichten können. Wir mussten aus dem Verborgenen heraus agieren und versuchen, es auszuschalten. Dass es dabei in die Sonne stürzte, war ein bedauerlicher Unfall, das können wir leider nicht mehr rückgängig machen.

Aber wir hätten doch verhandeln können …

Glauben Sie das wirklich? Sah Marcos Isurus wirklich so aus, als würde er mit uns verhandeln? Er wollte nur möglichst schnell seine Gefangenen nach Siom Som bringen, um sie verhören oder töten zu lassen. Und außerdem: Wissen Sie denn nicht, wie vielen Menschen Ihre Entscheidung das Leben retten kann? Wenn die USO von den Vorfällen in Siom Som erfährt, dann kann sie vielleicht eingreifen und schlimmes Leid von dieser Galaxie abwenden. Vielleicht schaffen sie es auch nicht, vielleicht fehlen die Ressourcen, aber immerhin werden sie wissen, was in Siom Som vor sich geht.

Vielleicht haben Sie recht.

Natürlich gibt es keine Garantie für irgend etwas, aber wir können unsere Entscheidungen jetzt nicht mehr rückgängig machen. Jetzt müssen wir konsequent den Weg weiterverfolgen, den wir angefangen haben. Sie haben auf jeden Fall die richtigen Entscheidungen getroffen. Ich hätte nicht anders gehandelt. Und Mathew Wallace, Irwin Dove und Lorif stehen auf jeden Fall vollkommen zu Ihnen. Da bin ich sicher. Mal abgesehen davon bin ich der Meinung, dass das Quarterium schon viel zu lange freie Bahn bei seinen Entscheidungen hat. Ich glaube, es wird höchste Zeit, sich gegen diese Regierung zu stellen.

Jeamour runzelte die Stirn. Harte Worte, auch wenn ich derselben Meinung bin. Einige Alien-Welten haben den Aufstand gegen das Quarterium versucht. Was hat es ihnen genützt? Sie sind wirtschaftlich ruiniert und Nicht-Humanoide werden von der Regierung wie Aussätzige behandelt.

Dann ist vielleicht unser Weg des militärischen Widerstands der richtige? Irgend jemand muss dieser Regierung zeigen, dass es so nicht weitergeht.

Der Kommandant lächelte. Jennifer sah das Ganze anscheinend etwas zu idealistisch. Jenny, wie viele hunderttausend Schiffe stehen uns gegenüber? Meinen Sie wirklich, die werden sich uns anschließen? Dafür ist die Angst vor dem System viel zu groß. Ein Putsch muss gut geplant sein, um Erfolg zu haben. Er erhob sich langsam aus dem Sessel. Ich danke Ihnen vielmals, Jennifer. Ich hoffe sehr, dass Sie Recht haben und dass alles ein gutes Ende nehmen wird.

Er gab ihr die Hand, verabschiedete sich und verließ das Medo-Deck.

Kapitel 5
Überraschung

Doktor Ignon Ruon wusste nicht, was er von den Informationen zu halten hatte. Gerade hatte ein Soldat namens Skerkins ihm eine Nachricht von Oberstleutant Schyll übergeben. Schyll war demnach inhaftiert, weil er sich für die Ziele des Quarteriums eingesetzt hatte. Sollte er jetzt lachen oder weinen? Ihm waren die Offiziere der Schiffsführung nie geheuer gewesen, insofern überraschte ihn diese Entwicklung der Dinge nicht. Er hatte nur nicht so schnell mit Schwierigkeiten gerechnet. Die IVANHOE hatte ja noch nicht einmal ihre Testflüge absolviert.

Eines war klar, Schyll musste befreit werden. Doch das konnte noch etwas warten. Wichtiger war es, dem Quarterium eine Nachricht über die Zustände an Bord zukommen zu lassen. Zum Glück hatte er in seinem Büro Zugriff auf die Hyperfunkanlage. Niemand von der Funkstation würde mitbekommen, wenn er eine Nachricht abschickte. Dafür hatte man bei der Konstruktion seiner Anlage gesorgt. Schließlich konnte Schyll nicht immer überall zugleich im Schiff aufpassen, dass sich die Mannschaft gemäß den Richtlinien des Quarteriums verhielt. Ruon half ihm in seiner Position als erster Schiffsarzt dabei.

Ruon justierte die Hyperfunkanlage. Es dauerte eine Weile, bis er ein Signal erhielt: Hier Leutnant Jonas Reala von Mondstation Tito. Was kann ich für Sie tun?

Doktor Ignon Ruon von der IVANHOE II. Ich sende Ihnen unsere derzeitige Position zu. Ich habe sehr wichtige Informationen. An Bord gibt es eine Meuterei – unter Kommandant Xavier Jeamour wurde ein dorgonisches Adlerschiff zerstört, das Flüchtlinge verfolgte. Diese wurden wie Freunde aufgenommen. Jetzt nimmt das Schiff wohl Kurs auf einen USO-Stützpunkt. Ich bitte dringend um Unterstützung. Schiffe des Quarterium sollen …

Doktor Ruon, ich wollte – was tun Sie da?

Ruon fuhr herum. Im Eingang stand Jennifer Taylor, er hatte nicht gehört, wie das Schott auffuhr. Innerlich fluchte er, wie konnte er nur vergessen, es elektronisch verriegeln zu lassen?

Doktor Taylor, ich bin gerade sehr beschäftigt. Bitte kommen Sie in einer Stunde wieder.

Ruon? Was ist los? Warum antworten Sie nicht?

Ruon fluchte innerlich – wieso konnte dieser Idiot von Tito nicht einen Moment den Mund halten?

Sie – Sie senden eine Hyperfunknachricht? An wen, warum? Ach, ich glaube …

Was glauben Sie? Dass ich eine Nachricht an das böse Quarterium schicke? Dass Ihre schöne Meuterei auffliegt? Dass jetzt die bösen Quarterium-Schiffe kommen und dem Zirkus hier ein Ende bereiten? Hm? Was glauben Sie?

Ich – ich … Die Ärztin wich zurück.

Ruon hatte die Zeit genutzt und sich zu einem kleinen Tisch begeben. Jetzt zog er blitzschnell einen Paralysator aus einem Fach unter dem Tisch und schoss auf Jennifer. Sie sank zu Boden.

Ruon kam auf sie zu. Tja, meine Liebe. Wie gut, dass ich für alle Eventualitäten gerüstet bin. Wirklich schade, dass ich dich ausschalten musste, aber machen wir doch das Beste daraus. Ich habe da ein paar nette neue Mittelchen erforscht, die erprobt werden wollen. Mir fehlten nur bislang die Versuchspersonen. Nun – das Problem scheint sich ja hiermit gelöst zu haben.

Mit einem schiefen Grinsen wies er einen Roboter an, sie auf einen Versuchstisch zu legen.

Mathew wachte auf. Er reckte sich, setzte sich auf und sah sich um.

Servo, Licht, murmelte er und schloss geblendet die Augen, als das Licht ohne Übergang voll aufleuchtete. Was soll das? Ich habe doch einprogrammiert, dass das Licht langsam heller werden soll!

Allmählich gewöhnten sich die Augen an die Helligkeit.

Mathew sah sich um. Das ist überhaupt nicht meine Kabine, stellte er verdutzt fest.

Was ist los? Warum so ungemütlich?

Mathew fuhr herum, da lag ja noch jemand im Bett! Saraah?

Schon die ganze Nacht. Tu nicht so überrascht – lass uns lieber weiterschlafen.

Plötzlich fiel Mathew alles wieder ein. Nach dem romantischen Abendessen hatte er Saraah zu ihrer Kabine zurückgebracht. Sie hatte ihn noch zu einem Glas Wein eingeladen, er kam der Einladung gerne nach. Sie unterhielten sich noch lange über alte Zeiten. Und dann, ganz plötzlich, hatte Mathew Saraah geküsst. Sie war zuerst überrascht, wehrte sich aber nicht und erwiderte seinen Kuss. Der Kuss wurde intensiver, sie rissen sich gegenseitig die Kleider vom Leib und fielen auf Saraahs Bett.

Wir haben uns geliebt …

Ja, du Schnellmerker. Mach jetzt bitte das Licht wieder aus.

Mathew konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Sie hatte sich nicht geändert – morgens war nichts mit ihr anzufangen. Aber die IVANHOE befand sich auf dem Weg nach Quinto, da war noch Zeit für ein paar Minuten Extraschlaf.

Servo, Licht aus, sagte er, dann legte er sich zurück zu Saraah.

Kapitel 6
Kontakt

Auch in der Kommandozentrale lief alles nach Plan. Die IVANHOE befand sich auf Kurs und es gab keine Zwischenfälle. Die Besatzung stellte keine Fragen und das Verschwinden von Schyll hatte auch niemand bemerkt. Kommandant Jeamour fragte sich, warum man Schyll überhaupt vermissen sollte.

Das Gespräch mit Jennifer Taylor ging ihm nicht aus dem Kopf. Es hatte ihn überrascht, dass Jenny anscheinend so tatendurstig war und lieber jetzt als morgen den Kampf gegen das tyrannische System aufnehmen wollte. Bei Wallace und Dove wäre er nicht überrascht gewesen, die kämpften stets an vorderster Front, aber Jenny …

Und dabei war sie auch noch so naiv und idealistisch. Niemand konnte ernsthaft erwarten, dass sich ein Großteil der Flotte Cartwheels mit Pauken und Trompeten der gegen Imperatore Siniestro kämpfenden IVANHOE II anschloss. Derartige Systeme mussten langsam untergraben werden, nur so gab es eine Chance auf Erfolg. Saraahs Berichte über die Geschehnisse in Dorgon und die Aufstände der Alien-Welten zeigten ganz genau, dass unorganisierte Aufstände nicht zum Ziel führten.

Kommandant Jeamour!

Ja, Tania? Was gibt es?

Sie hatten mich angewiesen, Funkverbindung nach Quinto herzustellen. Das ist mir gerade gelungen. Die Verbindung ist noch schlecht, aber in wenigen Minuten sollte ein verständliches Gespräch möglich sein.

Vielen Dank, Tania. Stellen Sie es mir in die Zentrale, wenn es so weit ist.

In Ordnung. Ich übergebe dann an meine Ablösung, in den nächsten Stunden werde ich ja wohl nicht gebraucht.

In Ordnung, ich warte.

Es dauerte etwa drei Minuten, dann erschien Jan Scorbits Gesicht auf dem Schirm. Kommandant Jeamour?

Ah, Jan. Freut mich sehr, dass ich Sie sofort sprechen kann.

Als man mir sagte, die IVANHOE II stelle Kontakt zu uns her, habe ich das Gespräch gleich selbst übernommen. Ich hoffe, es gibt keine schlechten Neuigkeiten?

Doch, leider die gibt es. Ich habe wichtige Informationen und ein großes Problem an Bord …

Jeamour berichtete über die Ereignisse der letzten Tage, über die Zerstörung des Adlerschiffs, die Aufnahme Saraahs und ihrer Mitstreiter an Bord, über die Invasion von Siom Som und über die Meuterei an Bord.

Als er endete, meinte Jan: Das sind in der Tat sehr beunruhigende Neuigkeiten. Haltet auf jeden Fall euren Kurs, wir können euch Asyl gewähren. Dann werden wir weitersehen. Ich werde sofort mit meiner Stellvertreterin besprechen, was zu tun ist.

Ich danke Ihnen, Jan. Wir sehen uns dann auf Quinto.

Genau, bis später. Scorbit unterbrach die Verbindung.

Der Kommandant lehnte sich zurück. Immerhin war der erste Kontakt mit der USO gelungen. Hoffentlich wendete sich jetzt alles zum Guten.

Kapitel 7
Verspätung

Eines besaß die IVANHOE II im Überfluss – und das war Platz. In eine Kugel mit 2500 Metern Durchmesser passte eine kleine Welt hinein. Neben Kommandobrücke, Maschinenräumen, Kommunikationszentralen, Medo-Decks, Feuerleitzentralen, Kantinen, Hangars und Quartieren für die Mannschaft blieb genug Raum für Freizeiteinrichtungen wie Sportplätze, Restaurants oder Kinos, in denen Trivid-Filme gezeigt wurden.

Vor einem solchen stand Tania Walerty und wartete auf Jennifer Taylor. Die beiden waren schon lange befreundet und verbrachten ihre Freizeit oft miteinander. Darum verabredeten sie sich zu einem spannenden Film. Der hatte mittlerweile angefangen, doch Jenny war noch nicht erschienen. Sonst war sie stets pünktlich, denn im Medo-Deck gab es üblicherweise nicht viel zu tun. Die kleinen Wehwehchen des Alltags konnten mit einfachen Präparaten geheilt werden, auch vor Jahrhunderten noch schwer heilbare Krankheiten waren dank neuer Behandlungsmethoden und Medikamente kein Problem mehr. Um viele Kleinigkeiten kümmerten sich auch Droiden. Stressig wurde die Arbeit auf dem Medo-Deck nur, wenn überraschend eine unbekannte Krankheit von einem Planeten eingeschleppt wurde oder wenn die Infanteristen von einem abenteuerlichen Bodeneinsatz zurückkehrten.

Aber jetzt? Kurz nach dem Start der IVANHOE war noch nichts dergleichen geschehen. Es gab somit keinen Grund für Jennys Verspätung.

Vielleicht hatte Jenny die Verabredung vergessen. Konnte jedem passieren, auch wenn das in Jennys Fall sehr ungewöhnlich gewesen wäre. Tania wählte schnell Jennys Interkom an, doch es schien abgeschaltet zu sein. Und das, obwohl sie als Bordärztin stets erreichbar sein sollte! Allmählich bekam Tania ein ungutes Gefühl, da schien etwas nicht zu stimmen. Sie machte sich auf den Weg zum Medo-Deck, das zum Glück nur einige Decks unterhalb ihres jetzigen Aufenthaltsorts lag.

Schon bald stellte sie fest, dass Jenny nicht auf ihrer Station war. Als ihr auch keiner der Roboter weiterhelfen konnte, begab sie sich in Doktor Ruons Bereich. Der Chefarzt des Schiffes hatte seinen Teil des Medo-Decks inzwischen sorgfältig von dem Jennys abgetrennt, um nur ja nicht von ihren lästigen Patienten bei seinen Experimenten gestört zu werden. Doch Tania ließ sich davon nicht abschrecken, sie betrat einfach Ruons Bereich und fand den Doktor in einem seiner Labors. Um nicht allzu unhöflich zu wirken, klopfte sie vorsichtig an die Wand bei der Tür, bevor sie eintrat.

Ruon drehte sich um, eine Injektionspistole in der Hand, mit der er gerade einer seiner geliebten Versuchsratten einen Schuss seiner neu gebastelten Droge verabreichen wollte. Ah, Major Walerty. Was kann ich für Sie tun?

Doc, verzeihen Sie die Störung, ich bin auf der Suche nach Jennifer Taylor. Wir sind verabredet und sie ist nicht erschienen.

Der Arzt lächelte. Miss Walerty, das wundert mich nicht. Es ging Jennifer den ganzen Tag schon nicht gut, sie hat sich in ihr Quartier zurückgezogen und wollte sich ausruhen. Sie bat darum, nicht gestört zu werden. Ich glaube, sie wollte ein Schlafmittel nehmen.

Hmm, danke. Diese ungewohnte Freundlichkeit des Arztes überraschte Tania. Hatte Jenny ihn nicht immer als das personifizierte Böse bezeichnet?

Keine Ursache. Entschuldigen Sie mich jetzt bitte, ich habe noch zu tun. Mein Patient wartet. Er hob kurz seine Injektionsspritze.

Schon gut. Ich möchte Sie auch gar nicht weiter aufhalten.

Sie verließ das Labor.

Etwa zwei Stunden nach Mathews' ungemütlichem Aufstehversuch saßen er und Saraah am Tisch und aßen einfachen, aber wohlschmeckenden Frühstücksbrei. Saraah wirkte noch immer verschlafen. Mathew wunderte das nicht, immerhin hatte sie sich über mehrere Tage hinweg mit Aufbaupräparaten wachgehalten. Das machte kein Körper ewig mit. Irgendwann holte er sich zurück, was man ihm vorenthielt.

Die beiden schwiegen zunächst, doch schließlich sagte Mathew: Als du so lange in Dorgon warst … ich habe dich jeden Tag vermisst.

Ich dich auch, Mathew. Aber es war richtig, nach Dorgon zurückzukehren, dort wurde ich gebraucht.

Das stimmt schon. Und mein Abenteuerleben lag dir auch nicht. Ich möchte nach diesem Krieg in Cartwheel mit MODROR und dem Debakel mit Commanus einen Gang zurückschalten – vielleicht in die Milchstraße zurückkehren oder nach Dorgon ziehen.

Saraah sah überrascht auf. Du möchtest deine ständigen Abenteuer aufgeben?

Vielleicht gebe ich es nicht ganz auf, aber ich muss ja nicht mehr immer an vorderster Front dabei sein. Das können in Zukunft auch mal andere erledigen.

Schwierige Zeiten für solche Vorsätze – an allen Seiten brodelt es, überall gibt es Krieg und Zerstörung, Hass und Intrigen. Die Söhne des Chaos, Commanus, MODROR, vielleicht sollten wir das alles zunächst überwinden, bevor wir Pläne schmieden.

Mathew nahm Saraahs Hand und sah sie an. Was auch immer geschieht, ich möchte mit dir zusammen sein. Es war ein Fehler, dass wir uns getrennt haben.

Saraah schien zu erschrecken, aber sie fasste sich schnell wieder. Manchmal denke ich auch so. Aber jetzt ist der falsche Zeitpunkt, um unsere Beziehung wieder aufleben zu lassen – obwohl ich auch wieder mit dir zusammen sein möchte. Es liegt zu viel im Argen …

Wir werden sicher oft Lichtjahre voneinander entfernt sein, bis alle Probleme gelöst sind, aber wir sollten uns nie wieder trennen. Wenn MODROR Ruhe gibt, dann sind wir sicher vereint.

Wenn wir das überhaupt hinbekommen …

Kapitel 8
Verwirrung

Tania war beunruhigt. Auch wenn Doktor Ruon gesagt hatte, dass sie Jennifer nicht besuchen sollte, so konnte sie nicht anders. Irgend etwas stimmte nicht, das hatte Tania im Gefühl. Sie erreichte Jennys Kabine und betätigte den Summer. Sie musste dreimal klingeln, bis sie eine Antwort erhielt. Was ist los, wer ist da?

Ich bin's, Jenny. Mach bitte auf.!

Wer? Ich kenne Sie nicht.

Ich, Tania Walerty. Erkennst du mich nicht?

Tania? Keine Ahnung, aber ich mache mal auf.

Die Tür fuhr auf, Tania trat ein. Jennys Raum war abgedunkelt, sie stand mit einer verkehrt herum angezogenen Nachtkombination mitten im Raum und starrte auf Tania. Was kann ich für Sie tun?

Was war nur mit Jenny los? Wir wollten uns doch zusammen den Film Bill Kill im Bordkino anschauen. Erinnerst du dich nicht?

Was für ein Film? Wieso? Und wieso mit Ihnen? Ich kenne Sie doch überhaupt nicht. Und warum sagen Sie du zu mir?

Ich bin's doch, Tania Walerty. Wir sind schon lange befreundet. Weißt du eigentlich, was in den letzten Stunden passiert ist?

Was soll denn passiert sein? Wir fliegen auf der, auf der … in einem Raumschiff. Das tun wir doch schon lange – viele Wochen. Ich glaube, ich muss Sie auffordern, zu gehen. Sonst muss ich einige Sicherheitsroboter anfordern.

Okay, okay. Ich gehe ja schon. Kann ich nicht irgend etwas für dich tun, Jenny?

Verschwinden Sie endlich! Lassen Sie mich in Ruhe!

In Ordnung, ich gehe. Ich werde später wiederkommen, vielleicht geht es dir dann besser.

Tania drehte sich um und verließ Jennys Kabine. Irgend etwas war hier faul. Jenny schien große Teile ihres Gedächtnisses verloren zu haben und erkannte eine ihrer besten Freundinnen nicht wieder. So benahm sich niemand, dem nur unwohl war. Und dann noch dieses merkwürdige Verhalten von Ruon. Irgend etwas geschah hier an Bord. Tania wusste nur nicht, was. Sie machte sich auf den Weg zu Mathew Wallaces Kabine, vielleicht konnte er weiterhelfen …

Kapitel 9
Planung

Ruon war die Sache nicht geheuer – diese Tania Walerty wirkte, als würde sie sich mit seinen Auskünften nicht zufrieden geben. Wahrscheinlich würde sie gegen seinen Rat Taylor aufsuchen und womöglich den Braten riechen. Diese komischen Veteranen der IVANHOE I hatten sich noch nie um Vorschriften geschert, das machte jedem Führungsoffizier das Leben schwer. Ginge es nach ihm, so gäbe es an Bord der IVANHOE II nur quarteriumstreue Offiziere.

Doch jetzt war Ruon am Drücker. Die Schiffsführung hatte Verbindungsoffizier Schyll ohne Grund inhaftiert, dafür würden Köpfe rollen. Und er, Dr. Ruon, würde diesen Vorgang einläuten. Zunächst jedoch musste Schyll wieder freikommen, dann musste die Besatzung über Jeamours Verrat unterrichtet werden, zuletzt musste das Schiff unter die Kontrolle Schylls gebracht werden. Nichts leichter als das, er kannte einige sehr loyale Infanteristen, die alles dafür tun würden, um wieder Ordnung an Bord herzustellen.

Das sind die neuen Informationen, die mir über die IVANHOE II zugespielt wurden.

Nach dem Funkkontakt mit der IVANHOE II hatte Jan Scorbit sofort eine Krisensitzung einberufen. Wenige Minuten später hatten sich seine Stellvertreterin Rosan Orbanashol-Nordment und Sam Tyler in seinem Büro eingefunden.

Commanus hat uns alle verarscht …, meinte Tyler in seiner direkten Ausdrucksweise.

Können wir den Informationen trauen? Sind sie zuverlässig? Rosan war skeptisch.

Ich glaube schon. Sie stammen immerhin von Saraah, einer alten Freundin von Mathew Wallace und Jeamour. Sie brachte Bildmaterial mit, das von den Experten der IVANHOE eindeutig für echt befunden wurde. Außerdem spricht die Zerstörung eines dorgonischen Adlerschiffes eine deutliche Sprache. Und auch, wenn Commanus sich bei seinem Besuch zivilisiert verhalten hat, so ist es ihm durchaus zuzutrauen, solch einen verheerenden Krieg zu beginnen.

Rosan nickte nachdenklich. Das stimmt. Aber warum gerade jetzt? Wir haben doch schon genügend Probleme mit dem Quarterium. Da können wir schlecht Hilfe nach Siom Som schicken.

Wir nicht, aber die USO in der Milchstraße. Ich überlege schon, ob wir nicht schon vorab einen Boten dorthin schicken sollen. Vielleicht haben ja Adams und Monkey eine Idee oder sie schicken eine kleine Flotte ins Krisengebiet.

Hört sich gut an. Was geschieht mit der IVANHOE?

Die ist auf dem Weg zu uns. Ich habe Jeamour und seiner Besatzung Asyl gewährt. Wir sollten dann gemeinsam für sie eine Lösung aus dem Dilemma suchen.

Lasst sie bei uns mitmachen. Mit dem Kasten können wir einiges anrichten, schlug Tyler grinsend vor. Rosan und Jan blickten ihn vorwurfsvoll an, wobei Scorbit den Gedanken auch nicht ganz so übel fand. Mathew gehörte zu seinen engsten Freunden. Und die IVANHOE war ein gewaltiges Schlachtschiff. Scorbit hätte wirklich nichts gegen eine Übernahme der IVANHOE in die USO.

Stimmt. In Cartwheel können sie sich nirgendwo mehr blicken lassen. Hoffen wir nur, dass sie es bis Quinto schaffen, sagte er schließlich.

Weit ist es ja nicht mehr – in einem Tag sollten sie bei uns sein. Jan schüttelte den Kopf. Warum gerät nur Jeamour immer wieder in solche Schwierigkeiten?

Janina war diese ewige Ungewissheit satt. Niemand schien zu wissen, was an Bord vor sich ging, niemand sagte ihr etwas. Es lag irgend etwas in der Luft, das war klar. Janina hatte mehrmals die Kursdaten abgefragt und es stand eindeutig fest, dass die IVANHOE II nach Cartwheel zurück flog, anstatt in den äußeren Ringen Tests durchzuführen, wie es geplant war. Zudem waren Übungen ausgefallen, die Piloten sollten eigentlich Testflüge mit ihren Maschinen machen, um sie einzufliegen.

Die anderen Techniker schienen Janinas Sorgen nicht zu teilen, sie reagierten sogar genervt, wenn sie auf das Thema zu sprechen kam. Vermutlich freuten sie sich über die viele Freizeit, denn Space-Jets, die nicht bewegt wurden, benötigten keine Reparaturen.

Janina wurde diese Ignoranz zu viel. Sie verließ ihren Arbeitsplatz und machte sich auf die Suche nach Tym Elahrt oder Zyrak Wygal. Einer der beiden würde sicher wissen, was gespielt wurde. Oder er jagte sie mit Schimpf und Schande davon mit der Begründung, dass eine Technikerin ihre Nase nicht in Angelegenheiten zu stecken hatte, die sie nichts angingen.

Sie suchte jetzt schon eine geschlagene Stunde, Tym Elahrt war nirgendwo aufzuspüren. Sonst zog er es doch vor, bei seinen Leuten zu sein. Warum jetzt nicht? Vermutlich war er gerade in einer geheimen Krisensitzung mit der ganzen Schiffsführung und überlegte, wie man die Invasion von 400.000 Schiffen MODRORs stoppen konnte. Janina musste unwillkürlich lachen, das war wohl doch etwas zu weit hergeholt.

Sie versuchte es noch bei Elahrts Büro, doch auch dort war niemand. Im Zweifelsfall hatte sie ihn gerade verpasst. Das wäre nicht das erste Mal gewesen, schon bei der Taufe der IVANHOE II war sie zu spät erschienen.

Vielleicht hatte sie mit Zyrak Wygal mehr Glück. Der Maschinenchef war Janina zwar nicht ganz geheuer, aber er war sicher leichter auffindbar als Elahrt.

Kapitel 10
Vorbereitungen

Tania hastete die Gänge entlang. Antigravlifte und Teleporter verkürzten zwar die Wege im Schiff, aber dennoch gab es beträchtliche Laufstrecken zu bewältigen. Vor Mathews' Kabine blieb sie stehen und verschnaufte kurz, bevor sie den Summer betätigte.

Hallo, Tania. Was führt dich denn hierher?

Tania fuhr herum. Hast du mich erschreckt, Mathew. Du hast dich ja angeschlichen!

Mathew lachte. Muss ich mich inzwischen heimlich in meine Kabine stehlen? Habe ich etwas zu verbergen?

Wer weiß? Tania wurde schnell wieder ernst. Mathew, ich muss etwas mit dir besprechen. Aber das sollten wir nicht auf dem Gang tun. Könnten wir vielleicht in deine Kabine gehen?

Oh je, das klingt ja ernst. War sowieso unhöflich von mir, dich nicht gleich hinein zu beten.

Er gab den Öffnungsbefehl, die beiden traten ein und setzten sich. Dann begann Tania: Ich komme gerade von Jennifer. Mit ihr stimmt etwas nicht.

Was fehlt ihr denn?

Sie erkannte mich nicht, sie schien ihr Gedächtnis verloren zu haben. Außerdem wirkte sie so aggressiv, so feindselig.

Mathew kratzte sich am Hinterkopf. In der Tat, sehr merkwürdig. Vor kurzem wirkte sie noch vollkommen klar. Sie hat doch zusammen mit Jeamour diesen Schyll ausgeschaltet. Hast du eine Ahnung, was passiert sein könnte?

Ich habe da einen Verdacht. Bevor ich Jenny besucht habe, fragte ich Ruon nach ihr. Er verhielt sich so sonderbar, so zuvorkommend und meinte, Jenny ginge es nicht gut. Er schärfte mir ein, sie nicht zu stören.

Was du natürlich doch getan hast. Mathew schmunzelte, sagte dann aber: Das kommt mir fast so vor, als hätte Ruon Wind von den Vorgängen an Bord bekommen. Wir sollten auf jeden Fall vorsichtig sein. Ich werde Irwan kontaktieren, er soll Ruon im Auge behalten und sich auf einen Kampf vorbereiten. Ich hoffe, dass das ein falscher Alarm ist und dass es nicht zum Äußersten kommt.

Ja, Mathew, das hoffen wir alle.

Nachdem Tania gegangen war, dachte Mathew nach. Ihre Beobachtungen waren beunruhigend und deuteten darauf hin, dass Ruon Wind von den Unregelmäßigkeiten an Bord bekommen hatte. Was also sollte jetzt geschehen? Ruon musste unschädlich gemacht werden, außerdem musste Jennifer Taylor von den Drogen kuriert und befragt werden. Vielleicht war ja doch noch etwas zu retten.

Er rief Irwin Dove an. Als sich der Oxtorner meldete, erklärte Mathew ihm die Lage und bat ihn, eine kleine Kampftruppe aus verlässlichen Soldaten zusammenzustellen, die die Zentrale bewachen sollten.

Kapitel 11
Diplomatie

Die Stimmung in der Kommandozentrale war angespannt. Allmählich hatte jedes Besatzungsmitglied hier den Ernst der Lage begriffen. Käme die Regierung von Cartwheel hinter den Verrat, dann würde jedem in der Zentrale eine harte Bestrafung, vielleicht sogar ein Todesurteil sicher sein.

Jeamour war sich dieser Tatsache bewusst. Er hatte mit jedem im Raum ernste Gespräche geführt, doch jeder schien seinen Kurs zu unterstützen. Das war wichtig, denn sobald jemand die IVANHOE an ein Schiff des Quarterium verriet, war die Mission gefährdet. Jeamour wollte nicht kämpfen – es hatte schon zu viele Opfer gegeben. Er wollte nur sein Ziel erreichen. Einigen Schiffen würden sie entkommen können, aber nicht einer ganzen Flotte.

Schiffe! Viele Schiffe! Sie formieren sich um uns!

Der Kommandant schloss die Augen. Die IVANHOE war also aufgeflogen. Insgeheim hatte Jeamour befürchtet, dass das passieren würde. Vielleicht konnte er die Situation noch einmal durch Diplomatie retten.

Kommandant, wir werden angefunkt!

Stellen Sie durch, Tania!

Am großen Bildschirm wurde das kantige Gesicht eines Mannes mittleren Alters sichtbar. Mein Name ist Oberst Tono Arivola, Kommandant der fünften Unterflotte der Patrouille der äußeren Ringe Cartwheels, stellte er sich vor.

Admiral Jeamour, Kommandant der IVANHOE II. Was kann ich für Sie tun? Jeamour gab seiner Stimme einen festen, entschlossenen Klang.

Mir sind sonderbare Nachrichten zu Ohren gekommen. Ein Offizier von Tito möchte gehört haben, dass es an Bord Ihres Schiffes eine Meuterei gäbe.

Das wäre mir bekannt. Wer schickte diese Meldung?

Ein Ara namens Ignon Ruon. Die Meldung brach plötzlich ab.

Dann ist alles klar. An Bord unseres Schiffes wurde Ruon bei einem Experiment von einer seltenen Krankheit befallen. Er verlor kurzzeitig seinen Verstand, aber wir konnten ihn noch rechtzeitig aus seinem Labor herausholen. Er wird noch etwa 24 Stunden im Koma sein.

Geistesverwirrung wäre in der Tat eine Erklärung. Oberst Arivolas Gesicht wurde hart. Aber wir haben Erkundigungen eingeholt. Ruon gilt als treuer Gefolgsmann des Quarteriums, seine Loyalität ist über jeden Zweifel erhaben. Zudem geht er bei seinen Versuchen stets vorsichtig und gewissenhaft vor. Im Übrigen bezeichnete er Sie als Anführer der Meuterer.

Der Kommandant ließ sich offensichtlich nicht mit einfachen Ausreden abspeisen. Jeamour musste jetzt Zeit gewinnen. Mich? Aber ich bin der Kommandant der IVANHOE II! Weshalb sollte ich eine Meuterei durchführen?

Genug mit dem sinnlosen Geschwätz! Wir alle wissen, dass Sie nicht voll und ganz hinter unserer Regierung stehen. Ich möchte Verbindungsoffizier Glaus Schyll sprechen!

Schyll hat vor einer Stunde die Zentrale verlassen, er hat jetzt eine Ruhephase. Zuvor war er 16 Stunden im Dienst …

Sofort! Holen Sie ihn! Wecken Sie ihn, ich möchte ihn sprechen. Sie haben eine halbe Stunde!

Arivola schaltete ab, bevor Jeamour noch etwas entgegnen konnte. Es war also aus. Jetzt blieb nur noch die schnelle Flucht. Die mittlerweile sieben Schiffe des Quarteriums würde die IVANHOE mit etwas Glück abhängen. Nur, sobald das geschah, war jedes einzelne Raumschiff im Umkreis von 50.000 Lichtjahren hinter der IVANHOE her. Das konnte auf die Dauer nicht gut gehen. Und Quinto war noch weit entfernt.

Dennoch musste Jeamour es versuchen. Er rief Wallace an: Mathew, ich brauche Sie auf der Stelle in der Kommandozentrale. Unsere Deckung ist aufgeflogen, wir müssen fliehen. Sie müssen das Schiff steuern!

An die Zentralebesatzung sagte er: Alles vorbereiten für einen Blitzstart! Wallace ist auf dem Weg zur Zentrale, wir müssen schnell nach Quinto.

Zuletzt rief er Zyrak Wygal, den Maschinenchef, an: Wir brauchen in wenigen Minuten volle Leistung! Sind alle Maschinen bereit für einen Blitzstart?

Grüne Kreatur der Übelkeit, warum die Eile? Die neuen Maschinen sind noch nicht perfekt eingefahren. Sie werden Schaden nehmen!

Zyrak, machen Sie das Beste aus der Situation! Es geht um unsere Freiheit. Oder wollen Sie in einem Internierungslager des Quarteriums landen? Jeamour unterbrach die Verbindung und bekam so den nächsten Fluch des Blues nicht mehr mit.

Jetzt hieß es hoffen und beten, dass der IVANHOE ein Blitzstart gelang und die anderen Schiffe ihr nicht folgen konnten. Es gab noch eine winzige Hoffnung …

An alle Besatzungsmitglieder der IVANHOE II. Es folgt eine wichtige Durchsage. Was? Wer hatte den Bordfunk eingeschaltet? Überhaupt – diese Stimme.

Ich bin Oberstleutant Schyll und ich habe ihnen wichtige Neuigkeiten mitzuteilen, sofern Sie noch nicht informiert sind. Wie die meisten von ihnen bereits mitbekommen haben, befindet sich die IVANHOE nicht mehr auf Kurs. Eigentlich waren in den äußeren Ringen Cartwheels Testfahrten und Übungen geplant. Doch wir befinden uns auf dem Weg zurück nach Cartwheel. Sie fragen sich, warum? Lassen Sie mich es erklären.

Schalten Sie diesen Fanatiker ab. Er darf kein Wort mehr von sich geben!, schrie Jeamour.

Das versuche ich schon die ganze Zeit. Unmöglich in der kurzen Zeit. Schyll hat seinen eigenen Sprechkanal. Tania war ratlos.

In den äußeren Ringen stießen wir auf ein dorgonisches Raumschiff, das Terroristen jagte, fuhr Schyll fort. Anstatt den Dorgonen zu helfen, wurden sie durch Jeamour gerettet und das dorgonische Schiff zerstört. Falls Sie mir nicht glauben, ich habe Aufnahmen dieses Massakers ins Bordnetz hochgeladen. Viele unschuldige Dorgonen fanden den Tod. Und jetzt ist Jeamour auf dem Weg, die Terroristen in Sicherheit zu bringen. Sie sind schockiert, meine Damen und Herren? Sie fragen sich, warum ich nichts gegen diese Machenschaften unternommen habe? Ich will es Ihnen sagen: Als ich mein Veto einlegte, nahm mich der Verräter Jeamour gefangen. Dank der Loyalität des Soldaten Skerkins und der Hilfe durch Bordarzt Doktor Ignon Ruon und einiger loyaler Besatzungsmitglieder wurde ich befreit.

Ich kann ihn nicht stoppen! Meine Kontrollen sind blockiert! Tania Walerty schüttelte hilflos den Kopf.

Was bedeutet das alles für sie, meine Damen und Herren? Nun, für Sie ist es jetzt an der Zeit, sich zu entscheiden: Entweder unterstützen Sie den Hochverräter Jeamour weiterhin bei seinen Verbrechen oder Sie schließen sich mir an und helfen dabei, die Ordnung an Bord wiederherzustellen. Und Sie können sicher sein, das werden wir! Noch haben Sie die freie Wahl. Doch bedenken Sie: Sobald wir als die Repräsentanten des Quarteriums wieder die Kontrolle über unser Schiff haben, werden alle, die sich für Jeamour entschieden haben, vor ein Kriegsgericht gestellt. Ihnen wird ein harter Prozess gemacht. Und Sie können sicher sein, dass unsere Regierung keinerlei Sympathien für Meuterer und Hochverrat hegt. Ich wiederhole: Noch können Sie sich für die richtige Seite entscheiden. Kämpfen Sie mit uns und Sie gehen straffrei aus. Im übrigen sammelt sich um die IVANHOE II eine Flotte von Quarterium-Schiffen. Jeamour steht auf verlorenem Posten! Entscheiden Sie sich für uns! Schyll, Ende!

Jeamour war bleich geworden. Wie war Schyll entkommen? Scholtens, schnell. Verriegeln Sie das Schott zur Zentrale. Wir können nicht mehr auf Wallace warten.

Nichts passierte. Oberleutnant Scholtens, schließen Sie das Schott! Jeamour fuhr herum. Der angesprochene Offizier hatte seinen Platz verlassen und zielte mit einem Blaster auf den Kommandanten.

Sie, Sie verstehen das nicht. Ich, ich kann das nicht tun. Es ist aus, Kommandant Jeamour. Schyll wird gewinnen.

Nicht, wenn Sie meinen Befehl ausführen. Legen Sie die Waffe weg!

Nein, ich kann nicht. Schweißperlen bildeten sich auf der Stirn, seine Hand zitterte. Ich – ich habe eine Frau und zwei Kinder. Ich möchte sie wiedersehen. Ich muss Schyll helfen, nur so kann ich – kann ich …

Ein singendes Geräusch ertönte, dann sank Scholtens zu Boden. Tania hatte ihn mit einem Paralysatorschuss außer Gefecht gesetzt.

Jeamour bedauerte diesen Zwischenfall. Scholtens hatte wahrscheinlich sogar recht. Solange jedoch die Zentrale in Jeamours Gewalt war … Schnell, verriegelt das Schott!

Nicht nötig! Jeamour drehte sich langsam um, diese Stimme war ihm nur allzu bekannt. Schyll!

Der Verbindungsoffizier hatte mit einer ganzen Einheit Soldaten die Zentrale betreten. Meine Damen und Herren, es gibt keinen Grund zur Sorge! Wir übernehmen das Kommando über das Schiff und schon ist alles in bester Ordnung. Außer für Euren Kommandanten, versteht sich. Der geht vors Kriegsgericht. Ergeben Sie sich einfach, dann ist diese Angelegenheit schnell vom Tisch. Schyll setzte ein selbstgefälliges Grinsen auf. Eine Sache noch: Wir schießen scharf, wenn Sie sich gegen uns stellen.

Der Kommandant sprang hinter seinen Sessel. Unsere Mission ist zu wichtig, wir werden kämpfen! Nur Paralyse!, schrie er.

Er und die anderen Besatzungsmitglieder zogen ihre Waffen und eröffneten das Feuer. Schyll zog sich schnell zurück und überließ seinen Soldaten den Gegenangriff. Ihre Desintegratorstrahlen fraßen sich durch die Deckungen der Verteidiger. Nach wenigen Sekunden gab es erste Verletzte. Die Soldaten Schylls hingegen hüllten sich in leichte Schutzschirme und wurden so unangreifbar für die Paralysestrahlen.

Links von Jeamour schrie ein Navigator auf, er starb nur Sekunden später durch einen direkten Treffer. Den zweiten Piloten ereilte dasselbe Schicksal. Schylls Soldaten feuerten ungerührt weiter. Wegen ihrer Schutzschirme konnten sie sorgfältig zielen, denn niemand wollte die Instrumente der Zentrale beschädigen. Der Kommandant bemerkte bald, dass hier kein Land mehr zu gewinnen war. Feuer einstellen! Wir kapitulieren!

Das Desintegratorfeuer endete auf der Stelle. Schyll schob sich durch die Reihen seiner Soldaten und sagte mit kaltem Lächeln: Na bitte! Warum nicht gleich so? Besetzt die Zentrale, entwaffnet die Verräter und bringt sie in den Konferenzraum! Vier Wachen vor die Tür!

Die Soldaten kamen eilig den Befehlen nach. Allmählich leerte sich die Zentrale. Als man Jeamour abführen wollte, meinte Schyll: Jeamour bleibt hier. Einer muss schließlich den Aufrührern sagen, dass ihr Kampf vorbei ist, nicht wahr? Los, rufen Sie Irwan Dove und Mathew Wallace an!

Jeamour tat wie geheißen. Zuerst wollte er mit Dove sprechen.

Ah, Kommandant! Ich habe gute Neuigkeiten. Ich konnte bereits eine 150 Mann starke Streitmacht zusammentrommeln. Wir sind auf dem Weg zur …

Jeamour unterbrach Dove. Bitte rufen Sie sie zurück! Es wird nicht zum Kampf kommen.

Was – wieso? Hat sich Schyll ergeben?

Nein, er hat die Zentrale besetzt. Er kontrolliert die IVANHOE. Unsere Schlacht ist verloren.

Wir holen Sie dort raus. Schyll kann etwas erleben!

Sie verstehen nicht! Kein Kampf! Ich werde die volle Verantwortung für meine Handlungen übernehmen. Die Besatzung soll nicht hineingezogen werden. Kein unnötiges Blutvergießen!

Ich verstehe nicht … Dove war sichtlich irritiert.

Das brauchen Sie auch nicht. Bitte halten Sie sich einfach an die Befehle! Jeamour schaltete ab.

Sie sehen, es ist gar nicht so schwer, das Richtige zu tun, lobte Schyll.

Jeamour sah ihm in die Augen. Die übrigen Besatzungsmitglieder werden doch straffrei ausgehen?

Das kann ich Ihnen versichern. Wer sich jetzt ergibt, hat nichts zu befürchten. Außer Ihnen natürlich. Und Jennifer Taylor, die wohl auch etwas übereifrig war. Doch jetzt ist zuerst noch ein Anruf bei Wallace fällig.

Kapitel 12
Flucht

Als Mathew Wallace Schylls Ansprache vernahm, fasste er einen Plan. Bevor er Jeamour in der Kommandozentrale beistehen konnte, musste Saraah in Sicherheit gebracht werden. Sie musste unbedingt Quinto erreichen, um Scorbit und Orbanashol-Nordment ausführlich Bericht zu erstatten. Mathew eilte zu Saraahs Kabine und schlich mit ihr zu einem Hangar mit kleinen Space-Jets.

Du musst sofort nach Quinto, ich habe dir die Koordinaten einprogrammiert. Wahrscheinlich fällt dein kleines Schiff gar nicht auf.

Saraah musterte ihn erstaunt. Du kommst nicht mit?

Nein, ich kann nicht. Ich muss Jeamour helfen, die IVANHOE zu verteidigen.

Aber das wird aussichtslos! Schyll hat sicherlich genügend loyale Mitstreiter, um das Schiff zu übernehmen! Komm mit mir!

Es geht nicht. Ich kann das Schiff nicht im Stich lassen!

Warum bist du nur immer so stur? Du weißt doch auch, dass es sinnlos ist, hier zu bleiben!

Mathew fühlte sich unbehaglich. Du musst los, Saraah!, lenkte er ab. Er aktivierte den Autopiloten und wandte sich noch einmal zu Saraah: Ich liebe dich. Wir werden uns wiedersehen!

Sie küssten sich noch einmal leidenschaftlich, dann verließ Mathew die Space-Jet. Kurz darauf startete das kleine Schiff. Mathew sah es in der Hangarschleuse verschwinden.

Als sich das Innenschott schloss, murmelte er: Zumindest hoffe ich das.

Er drehte sich um und verließ den Hangar. Plötzlich summte sein Interkom.

Ja?, meldete er sich.

Jeamour hier. Schyll hat die Kommandozentrale besetzt. Er hat die Kontrolle über das Schiff.

Nicht solange wir noch kämpfen können!

Wir werden nicht mehr kämpfen. Ich übernehme die volle Verantwortung über mein Handeln, aber die Besatzung hat nichts damit zu tun. Daher fordere ich Sie auf zu kapitulieren!

Einen Dreck werde ich tun! Natürlich hauen wir Sie aus der Zentrale raus, Dove hat sicherlich schon eine Armee zusammen gestellt. Wütend schaltete er ab. Wie konnte Jeamour nur so schnell aufgeben? Bedeutete ihm die Freiheit nichts?

Ärgerlich machte Mathew sich auf den Weg zur Zentrale. Als er um eine Ecke bog, schaute er plötzlich in die Mündungen von einem Dutzend Desintegratoren. Mathew Wallace, wir haben Befehl, Sie zu verhaften! Widerstand ist zwecklos! Eine falsche Bewegung und wir exekutieren Sie.

Mathew war völlig überrascht. In seinem Ärger hatte er die Deckung völlig vernachlässigt. Er legte seine Waffe nieder und ließ sich abführen. Alles andere wäre Selbstmord gewesen.

An Bord der Space-Jet JERRAT war es ruhig. Inzwischen waren keine Ortungsschatten mehr zu sehen. Saraah war den quarterianischen Schiffen tatsächlich entkommen. Niemand hatte sich um das kleine Beiboot gekümmert, was Saraah erstaunte. An Bord der IVANHOE II wurde eine Rebellion vermutet, da mussten doch alle Sensoren der sie umfliegenden Schiffe auf sie gerichtet sein. Vielleicht war ihr Schiff ja mit einem besonderen Ortungsschutz ausgestattet.

Sie war verwirrt und traurig. Warum war die Fahrt nach Quinto nicht reibungslos abgelaufen? Musste es denn immer wieder neue Probleme geben? War es denn nicht endlich einmal möglich, einen dauerhaften Frieden zwischen den Galaxien zu erwirken?

Das waren alles komplexe Fragen, auf die es wohl keine einfachen Antworten gab. Viel schlimmer belastete es Saraah, dass Mathew sie nicht begleitet hatte. Sie hatte gehofft, dass er endlich zur Vernunft gekommen wäre. Doch nichts dergleichen war geschehen: Schon wieder stürzte er sich in ein neues, aussichtsloses Abenteuer. Die IVANHOE war nicht zu retten, das stand doch fest. Sie war umzingelt von feindlichen Schiffen, an Bord tobten wilde Kämpfe. Dabei schien bereits klar, dass Schyll die Oberhand gewinnen würde. Nach Schylls Durchsage würden sich viele Mannschaftsmitglieder auf seine Seite schlagen. Allein schon aus Angst vor den Sanktionen im Falle einer Niederlage. Leute vom Schlage Schylls wussten genau, wie sie die Macht an sich reißen und behalten konnten.

Was war nur aus Mathew geworden? Hatte er den Kampf überlebt? Oder war gar der IVANHOE wider Erwarten doch die Flucht geglückt? Dieser Gedanke nährte nur einen Augenblick Saraahs Hoffnung. So verlockend er auch war, diese Wendung der Dinge schien doch sehr unwahrscheinlich.

Kapitel 13
Genugtuung

Ein Funkspruch, Oberstleutant!, rief einer der Soldaten.

Stellen Sie durch, ich übernehme!

Das grimmige Gesicht von Oberst Tono Arivolas erschien auf dem Bildschirm. Es hellte sich auf, als er Schyll erkannte. Schön, Sie zu sehen, Oberstleutant Schyll. Ich hatte befürchtet, hier an Bord ginge etwas nicht mit rechten Dingen zu!

Da hatten Sie völlig recht. Aber die Verräter sind überführt und in Haft. Ich habe das Kommando übernommen.

Was soll jetzt geschehen?

Wir werden nach Paxus zurückkehren, dort wird man über Jeamour und seine Komplizen richten. Ich hätte da jedoch eine Bitte.

Sprechen Sie, Kommandant Schyll!

Um sicherzugehen, dass keine bösen Überraschungen auf uns warten, bitte ich um Geleitschutz. Jeamours Komplizen ist jede Dummheit zuzutrauen. Lässt sich das machen?

Arivola lächelte. Natürlich. Ich schicke Ihnen drei 500-Meter-Raumer der Supremoklasse. Damit sollten Sie sicher Ihr Ziel erreichen.

Ich danke Ihnen! Schyll schaltete ab.

Inzwischen waren Irwan Dove, Lorif, Mathew Wallace und Jennifer Taylor in der Zentrale eingetroffen. Auch die anderen Zentrale-Mitglieder waren vor Ort. Schyll räusperte sich, dann sagte er hart: Ex-Kommandant Xavier Jeamour, Mathew Wallace und Jennifer Taylor, Sie werden des Hochverrats angeklagt und ab sofort unter Arrest gestellt. Auf Paxus wird Ihnen der Prozess gemacht! Und Sie können sicher sein, dass ich alles tun werde, damit die Strafe nicht zu milde ausfallen wird. Schyll wandte sich an die anderen. Irwan Dove, Tania Walerty und Lorif, Ihnen kann ich keine konkreten Verbrechen nachweisen. Was mit Ihnen geschieht, liegt an Ihnen. Entscheiden Sie sich für uns, dann gehen Sie womöglich straffrei aus und behalten Ihre Posten, zumindest bis zum Ende der Fahrt nach Paxus. Entscheiden Sie sich gegen mich und somit gegen Ihre Regierung, dann werden Sie ab sofort Jeamour Gesellschaft leisten und natürlich ebenfalls wegen Hochverrats angeklagt. Es ist Ihre Entscheidung.

Bevor einer der Angesprochenen etwas sagen konnte, trat Jeamour vor und sagte: Es hat keinen Zweck, jetzt Helden zu spielen. Wir haben verloren. Lasst euch nicht in die Sache mit hineinziehen!

Wahrscheinlich haben Sie recht, Kommandant, meinte Dove. Wir werden uns der Gewalt beugen und unsere Aufgaben weiterhin erfüllen. Die anderen stimmten zu.

Es tut mir Leid, Kommandant, gestand Tania.

Tania, niemand kann etwas dafür. Wir haben hoch gepokert, jetzt müssen wir die Konsequenzen tragen.

Ein Soldat stürmte in die Kommandozentrale. Alle Kämpfe an Bord wurden eingestellt! Jedoch lässt sich die Terroristin Saraah nicht finden! Wir haben das ganze Schiff nach ihr abgesucht!

Verdammt!, fluchte Schyll.

Allerdings, fuhr der Soldat fort, wurde registriert, dass eine Space-Jet Hangar 8 verlassen hat. Es ist nahe liegend, dass sie mit dieser Jet geflohen ist.

Moment mal. Hangar acht, Hangar acht … Schyll dachte nach. Natürlich, Hangar acht! In der Nähe wurde Mathew Wallace aufgegriffen. Er wandte sich an Mathew: Wohin haben Sie Saraah gebracht?

Mathew grinste. An einen sicheren Ort – Sie werden sie nie und nimmer in Ihre schmutzigen Finger kriegen!

Das werden wir noch sehen. Zumindest wird sich dieses Geständnis sicherlich auf Ihre Strafe auswirken. Sie können sich sicher sein, dass wir nichts in unserer Anklageschrift beschönigen werden. Zu dem Soldaten gewandt sagte er: Und was ist mit den anderen Flüchtlingen aus Dorgon?

Die sind alle auf ihren Quartieren. Wir haben Wachen aufgestellt, sie können nicht fliehen. Haben Sie Befehle für mich?

Nein, Soldat. Sehr gute Arbeit. Sie können wegtreten. Zu Mathew gewandt fügte er hinzu: Wenn wir Saraah nicht finden, dann werden Sie und Saraahs Freunde die Konsequenzen tragen. Dafür werde ich sorgen.

Mathew blickte ihn hasserfüllt an. Du Bastard. Nur ich weiß, wo sie ist. Saraahs Begleiter haben nichts damit zu tun! Und ich werde nichts sagen – die ganze Galaxis soll erfahren, mit welch abscheulichen Diktatoren das Quarterium verbündet ist!

Schyll lachte laut. Große Worte für einen kleinen Gefangenen, dessen Lebenszeit abläuft. Aber wir reden später weiter, jetzt gibt es Wichtigeres zu erledigen.

Oberstleutant, die Eskortschiffe sind eingetroffen. Tania hatte bereits ihren Platz wieder eingenommen.

Schyll wandte sich der Funkoffizierin zu. Ein selbstgefälliges Lächeln umspielte seine Mundwinkel, als er die ehrerbietige Anrede vernahm.

So ist es gut, dann wollen wir mal los. Volle Kraft voraus nach Paxus!

Nichts geschah. Die IVANHOE bewegte sich nicht vom Fleck. Nach einer Weile fragte Schyll den neuen Piloten ungehalten: Was ist los? Warum bewegen wir uns nicht?

Kommandant, ich weiß es nicht. Die Grigoroff-Konverter arbeiten nicht. Ich habe keine Ahnung, wo das Problem liegt.

Kapitel 14
Maschinenschaden

Nach langem Suchen hatte Janina Porter endlich Zyrak Wygal gefunden. Er befand sich in einem der Hauptmaschinenräume, wo unter anderem die Grigoroff-Konverter kontrolliert wurden. Er fluchte wie ein Wilder, flitzte durch die Räume und nahm überall Schaltungen vor. Aus seinen Selbstgesprächen entnahm Janina, dass die IVANHOE sich auf einen Blitzstart vorbereitete. Sie versuchte, ihm nicht im Wege zu stehen, was ihr aber nicht gelang. Mehrmals wurde sie wüst zur Seite geschoben und anschließend mit wilden Flüchen und Beschimpfungen bedacht.

Dann hörten sie die Durchsage von Glaus Schyll. Wygal war außer sich vor Wut.

Oh, rote Kreatur des Zorns, dieser Wahnsinnige wird die IVANHOE nicht bekommen. Nicht, solange ich hier Maschinenchef bin, bei der giftgrünen Kreatur des langen Atems!

Er sprang umher und begann, die Schotte zu seinem Maschinenraum zu verriegeln. Du blaubraune Kreatur der Faulheit, hilf mir gefälligst beim Abriegeln. In mein Reich wird keine graue Schlangenkreatur wie Schyll kommen. Nicht solange ich hier bin und mein Reich verteidige, bei der weißen Kreatur der Ausdauer.

Janina sprang auf und half dem wild gewordenen Maschinenchef. Nach der Verriegelung der Schotten schoben sie schwere Maschinen vor die Ausgänge und installierten Selbstschussanlagen, die der Maschinenchef schnell aus Ersatzteilen und Blastern zusammenbaute. Janina staunte nicht schlecht, was der kleine Blue in so kurzer Zeit fertig stellte.

Als plötzlich eine rote Lampe aufleuchtete, schrie der Blue auf, seine weiteren Flüche waren wohl nur im Ultraschallbereich zu vernehmen. Er eilte zu einem Kontrollpult und schaltete die Grigoroff-Konverter aus. Das Schiff hatte sich nur wenige 1000 Kilometer von der Stelle bewegt, schon war seine Fahrt wieder zu Ende. Erschöpft sank der Blue zu Boden: Oh, blaugrüne Kreatur der Eile, es ist getan. Niemand kapert die IVANHOE gegen meinen Willen.

Aber Zyrak, wieso schalten Sie die Konverter ab? So kann doch Jeamour keinen Blitzstart mehr machen!, wagte Janina einen vorsichtigen Einwand.

Zyrak Wygal schnellte auf die Beine. Du ahnungslose Kreatur, sei ruhig! Nicht Jeamour oder Wallace betätigt die Kontrollen, sondern ein anderer. Ich weiß, wie ein Blitzstart abgelaufen wäre, bei der blassgelben Kreatur der Vorsehung!

Ich bin ja schon ruhig. Janina zog sich kleinlaut zurück. Wygal konnte man zwar auf die Dauer schwerlich ernst nehmen, aber wenn er so ausflippte wie im Moment, schien ein ordentlicher Sicherheitsabstand zu ihm doch ratsam.

Zygals Interkom meldete sich. Ja?, schrie er, als er das Gespräch annahm.

Zyrak Wygal, die Grigoroff-Konverter arbeiten nicht. Ich wollte fragen, was los ist.

Wer spricht dort? Ich kenne Sie nicht, braune Kreatur der Zwietracht.

Ich – ich bin Roman Montri, der neue Pilot.

Wo ist Mathew Wallace, der echte Pilot?, schrie Wygal ihn an.

Er wurde seines Amtes enthoben, weil er ein Verräter ist. Glaus Schyll hat das Kommando …

Nichts da!, fiel Wygal ins Wort. Ich werde weder mit Ihnen, noch mit Schyll, dieser gemeingefährlichen Kreatur des Quarteriums sprechen. Ich verhandle nur mit dem Kommandanten!

Wütend pfefferte er das Interkom in die Ecke. Dabei schaltete es sich ab. Wygal fluchte vor sich hin. Auf die nächsten Anrufe antwortete er nicht. Plötzlich hörte man es an den Schotten rumoren. Soldaten versuchten, sie zu öffnen. Nach einigen Fehlversuchen gaben sie auf.

Zyrak Wygal, schallte es aus den Lautsprechern. Hier spricht Kommandant Schyll. Sie stehen hier auf verlorenem Posten! Geben Sie auf und Sie kommen mit einer milden Strafe davon. Ansonsten werden meine Soldaten den Maschinenraum stürmen und Sie erschießen.

Niemals! Ich werde dieses Schiff nicht aufgeben!

Aber es ist längst gefallen. Ihre kleine Rebellion ist zu Ende!

Ich verlange mit dem Kommandanten zu sprechen, falsche Kreatur des Grauens!

Einen kurzen Moment später meldete sich Jeamour: Zyrak Wygal, es tut mir Leid, aber ich bitte Sie, geben Sie die Grigoroff-Konverter frei. Es hat keinen Sinn, den Helden zu spielen. Das Schiff ist von Schylls Soldaten besetzt, wir werden bereits von Schiffen des Quarteriums eskortiert. Ich bedanke mich für Ihre Treue, aber unsere Fahrt ist hier zu Ende. Ihr neuer Kommandant ist Glaus Schyll. ihm müssen Sie jetzt dienen. Geben Sie das Schiff frei. Jeamour, Ende!

Aber, aber … Der Blue öffnete seinen kleinen Mund am Hals und schnappte nach Luft. Ihm fehlten die Worte. Schließlich trottete er langsam zu seinen Maschinen und schaltete die Energiezufuhr wieder ein. Wygal gab auf. Mit seiner Kapitulation brach der letzte Widerstand an Bord der IVANHOE II.

Epilog
Quinto

Einige Stunden später saßen Jan Scorbit, Rosan Orbanashol-Nordment und Saraah im Inneren des kleinen Asteroiden Quinto in einem Konferenzsaal.

Saraah berichtete über die Geschehnisse an Bord der IVANHOE II und über die beginnenden Kampfhandlungen. Da sie bereits wenige Minuten später das Schiff verlassen hatte, wusste sie nicht, was danach geschehen war.

Scorbit suchte nach einem Informanten an Bord der IVANHOE II oder der sie begleitenden Schiffe und fand einen, der über die Inhaftierung von Jeamour und Wallace berichtete. Die IVANHOE war bereits auf dem Weg nach Paxus, wo sie als Verräter angeklagt werden sollten.

Saraah fiel ein Stein vom Herzen, Mathew lebte noch. Doch auch die schlechten Nachrichten rissen nicht ab. Denn nach allem, was man vom quarterialen Recht wusste, war klar, dass Jeamour und Wallace die Todesstrafe blühte. Leute wie Schyll würden einen Schauprozess inszenieren, in dem dann die Angeklagten vorgeführt werden würden. Dieser Prozess würde zudem weitere potentielle Regimegegner in der Flotte abschrecken. Ein angenehmer Nebeneffekt für das Regime.

Jan Scorbit bat Gal'Arn und Jonathan Andrews zu der Gesprächsrunde dazu. Als sie erschienen, erklärte er ihnen die Situation.

Eine schreckliche Sache. Die beiden dürfen nicht hingerichtet werden, meinte Jonathan Andrews.

Meine Rede. Sie haben viel gewagt und haben Saraah unter höchstem Risiko hierher gebracht. Mal abgesehen davon, dass es gute Freunde von uns sind, sind wir ihnen etwas schuldig.

Gut, dann sind wir uns wohl einig. Rosan lächelte. Ich nehme an, ihr wollt die Leitung einer eventuellen Befreiungsaktion übernehmen?

Gal'Arn schüttelte lächelnd den Kopf. Keine Frage, natürlich werden wir das tun!

Gut, dann müssen wir zunächst Informationen beschaffen: Wohin fliegt die IVANHOE? Gut, nach Paxus, aber wohin genau? Wo werden die Gefangenen untergebracht? Wie viele Wachen? Wo ist die Gerichtsverhandlung? Wo die Hinrichtung? Rosan schmunzelte. Ich glaube, es wartet eine Menge Arbeit auf uns. Wir sollten keine Zeit verlieren!

Ende

Xavier Jeamour und seine Stammbesatzung sind ihrem Gewissen gefolgt und haben gegen das Quarterium gehandelt. Nun sollen sie bestraft werden. Die USO> will ihre Freunde jedoch nicht im Stich lassen.

Mission der Ritter

ist der Titel von Heft 107, geschrieben von Nils Hirseland.

Kommentar

So, da bin ich wieder mit meinem zweiten Kommentar.

Was soll man zu dieser Geschichte sagen? Meine Frage im letzten Kommentar hat sich in Luft (beziehungsweise Inkompetenz) aufgelöst. Entweder man macht eine Meuterei, oder man lässt es. Ein wenig Meuterei geht einfach nicht. Schylls Kabine wird nicht durchsucht, ein einfacher Soldat, der noch nicht mal über die Hintergründe Bescheid weiß, wird zur Bewachung abkommandiert, der Ara gänzlich vergessen … Mir fällt eigentlich nur ein Zitat aus dem Spottlied Mein Deutschland streck die Glieder (Georg Herwegh 1849) ein, um die Handlung zusammenzufassen:

Auch ist der Stein der Weisen, kein deutscher Pflasterstein.

Zwar ist Jeamour Belgier, aber die geografische Nähe zu Deutschland scheint auf ihn abgefärbt zu haben. Umgekehrt ist ja auch unser Commander Schyll ein Musterexemplar des hässlichen Deutschen.

Hierzu noch ein Zitat von Wolf Biermann (1975) aus dem Lied Der Kameramann:

Ach, Macht kommt aus den Fäusten, nicht nur aus dem guten Gesicht.

Aus Mündungen kommt die Macht ja, und nur aus den Mündern nicht.

Hiermit möchte ich meine Anmerkungen zur Story abschließen, glaube jedoch, nach allem was bisher über das Quarterium bekannt geworden ist, werden wir uns wohl noch näher mit der jüngeren deutschen Vergangenheit beschäftigen müssen (die Querverbindungen drängen sich immer mehr auf).

Nun wie wird es mit der IVANHOE weitergehen? Eins ist klar, die USO wird versuchen, dem Quarterium die Suppe zu versalzen. Nur ich habe da so meine Bedenken, wenn ich an das Befreiungsteam denke. Gal'Arn und Jonathan Andrews scheinen mir nicht gerade das Non-Plus-Ultra eines Befreiungsteams. Hier scheint mir in erster Linie jemand anders gefragt zu sein: Sam Tyler. Der hat nämlich als einziger unter den Gegnern des Quarteriums die Sache mit dem Pflasterstein kapiert. Ich weiß zwar nicht, wie die Weisungen des Expokraten-Oberkommandos lauten, aber ein Himmelfahrtsunternehmen ohne Sam Tyler ist für mich undenkbar. Deshalb jede Wette, dass auf Paxus noch Sam zu unseren Rittern stoßen und wesentlichen Anteil an der Befreiung haben wird.

Jürgen Freier

PS: Für alle, die meine Haltung zu extrem finden, nur noch eine Anmerkung. Im Roman werden seitenweise die Gewissensbisse und Zweifel von Jeamour geschildert, obwohl noch gar nichts geschehen ist. Aber dann, als es darauf ankommt, entscheidet er absolut falsch: Entweder kapituliere ich, dann aber gleich, oder ich leiste Widerstand, dann aber mit allen Konsequenzen. Die Entscheidung mit Paralysestrahlern gegen Desintegratoren kämpfen zu wollen, kann nur als Irrsinn betrachtet werden. Und jetzt hätte Jeamour allen Anlass Gewissensbisse zu bekommen, denn die beiden Toten gehen eindeutig auf seine Fehlentscheidung zurück.

Glossar

Jeamour, Xavier

Geboren im Jahre 1218 NGZ in Neu-Lüttich, Belgien auf Terra. Er ist 1,71 Meter groß und wiegt 62 kg. Die Augenfarbe ist blau, Haarfarbe weiß.

Merkmale: Halbglatze, spricht ruhig und klar, legt viel Wert auf Disziplin. Möchte oft etwas lockerer sein, kann dies aber nicht immer, da er glaubt, dass eine Autoritätsperson spießig und diszipliniert sein muss.

Jeamour wurde auf Terra geboren und verlebte seine Kindheit in Belgien. Mit 13 Jahren zog er zu seinem Onkel nach Frankreich, wo er ihm bei der Winzerei half. Erst spät entdeckte Jeamour sein Interesse für die Raumfahrt. Mit 25 beschloss er zur Akademie zu gehen, wo er ein hervorragendes Stipendium ablegte und als einer der besten Taktiker in der Geschichte der LFT-Akademie einging.

Schnell bekam er sein eigenes Kommando und führte seine Arbeit sehr gewissenvoll aus. Im Jahre 1268 NGZ erhielt er das Kommando über den Explorerkreuzer DESTINY. Er war sehr stolz auf seine Besatzung und erforschte einen noch relativ unergründeten Seitenarm in der Westside. Jeamour fand im Jahre 1270 NGZ dort eine alte Station, deren Erbauer unbekannt waren. Einige Roboter wurden wieder aktiviert und es gab ein grauenvolles Gemetzel. Nur dank Jeamours schnellem Reaktionsvermögen konnte die Hälfte der Besatzung gerettet werden. Die LFT bedauerte diesen Vorfall und orderte die DESTINY als Aufklärungsschiff ab.

Jeamour hingegen wollte unbedingt die Station erforschen und herausfinden, wer dahinter steckte, doch die LFT schickte ein anderes Schiff hin, welches den Planeten einäscherte. Später stellte sich heraus, dass die Station bereits von der LFT entdeckt worden war, jedoch von der TLD zu geheimen Forschungen genutzt wurde. Wütend über diese Tatsache kündigte Jeamour bei der LFT und schloss sich im Jahre 1279 NGZ Camelot an. Dort arbeitete er lange an sich selbst und half Attaca Meganon bei der Entwicklung der IVANHOE, dessen Kommandant er war.

Jeamour und die IVANHOE wurden auf Grund ihrer hervorragenden Crew und ihres sehr erfahrenen Kommandanten für diese Expedition ausgewählt.

Jeamour hatte sich während des Dorgonkonfliktes sehr bewährt und gehört zu den anerkanntesten Kommandanten der Galaxis. Ab 1296 NGZ tat er seinen Dienst als Admiral des Terrablocks in Cartwheel und erlebte mit der IVANHOE viele Abenteuer, auch in Dorgon. 1299 NGZ wurde die IVANHOE während der Schlacht im HELL-Sektor vernichtet. Jeamour lehrte an der Akamademie auf Paxus und Mankind Militärkunde. 1305 NGZ wurde die zweite IVANHOE fertig gestellt und Jeamour, nun Admiral der quarterialen Flotte, wurde als Kommandant des Vorzeigeschiffes ausgewählt.

Walerty, Tania

Geboren am 12. April 1268 NGZ in Minnesota, USA, Terra. Größe 1,57 Meter, Gewicht 51 Kilogramm. Augenfarbe grün, Haarfarbe Dunkelbraun Merkmale: Schlank, niedliches Gesicht, wohl proportioniert, oft dickköpfig und hält sich nicht an die Vorschriften .

Tania Walerty wuchs in einer behüteten Familie in Minnesota auf, die später nach Terrania zog. Sie besuchte zusammen mit Jennifer Taylor, der Bordärztin der IVANHOE, die Raumflottenakademie und beide wurden gute Freundinnen. Während Taylor nach Camelot wechselte, blieb Tania bei der LFT und wurde Assistentin auf diversen Raumschiffen. Sie hatte hervorragende Fähigkeiten, die sie jedoch selbst nur bedingt nutzte. Ebenfalls hatte sie ein Problem mit der Disziplin und den Vorschriften, was ihr oft Rückschläge bereitete. Nachdem Perry Rhodan Terranischer Resident wurde und die IVANHOE offiziell zur LFT gehörte, hatte Jennifer Taylor ihre Freundin wieder getroffen und sie überredet, nach Cartwheel mitzukommen.

Dort hatte sie einen Posten auf dem Forschungsschiff GERONDIA bekommen, wo sie sich vorbildlich benahm. Sie wurde befördert und zum 500 Meter Forschungsschiff NIMH versetzt. Dort hatte sie allerdings eine Abneigung gegen die exzentrische Kommandantin, was ihr einige Probleme bereitete.

In einer Parallelwelt hatte sie eine kurze Affäre mit Peter III. de la Siniestro, der dort allerdings nur ein schmuddeliger Müßiggänger war. Seitdem träumte sie davon, Peter im richtigen Universum kennen zu lernen und eine längere Beziehung anzufangen.

Tania Walerty gehörte zu den wenigen Überlebenden der NIMH. Sie überlebte sogar eine psychische Folter des Sohnes des Chaos Goshkan und wurde von Gal'Arn gerettet. Nach ihrer Rückkehr nach Cartwheel wurde sie Funkleitoffizierin auf der IVANHOE. Als die IVANHOE I vernichtet wurde, tat Tania auf diversen Raumschiffen ihren Dienst, bis sie einen Offiziersposten auf der IVANHOE II angeboten bekam, den sie auch sofort annahm.

Lorif

Konstruiert im Jahre 1289 NGZ auf der Hundertsonnenwelt. Größe: 1,85 Meter, Gewicht: 100.426 Gramm. Augenfarbe ist rot

Lorif neigt viel zum Reden, besitzt hervorragendes technisches Verständnis, ist loyal und zuverlässig. Ist stets neugierig, mehr über die Verhaltensweisen der Organlebewesen herauszufinden.

Lorif wurde im Jahre 1289 NGZ von den Posbis hergestellt und mit organischem Plasma versehen.

Er wurde Camelot zum Geschenk gemacht. Über die fachlichen Fähigkeiten des Androiden gab es keinerlei Zweifel. Schnell fand man auch Verwendung für ihn. Lorif wurde als Wissenschaftsoffizier für die IVANHOE eingesetzt. Er stand quasi bei der Expedition nach M 100 seinem ersten Einsatz gegenüber.

Diesen Einsatz erfüllte Lorif mit Bravour. Zusammen mit Irwan Dove und Mathew Wallace bildete er ein fast legendäres Trio, welches maßgeblich an der Lösung des Konflikts beteiligt war. Lorif und Dove gelang es die Technik der Adlerschiffe zu studieren und zu analysieren. Der Posbi erfand eine Gegenwaffe und machte die übermächtige Flotte Vesus' somit angreifbar.

Nach Beendigung der Expedition kehrte Lorif für drei Jahre zurück zur Hundertsonnenwelt, um sich fortzubilden. Danach trat er wieder seinen Posten auf der IVANHOE an, bis diese im Jahre 1299 NGZ zerstört wurde. Während dieser Zeit erlebte Lorif zusammen mit der Crew der IVANHOE viele Abenteuer. Auch an Bord der neuen IVANHOE bekleidet der Posbi eine wichtige Rolle.

Irwan Dove

Geboren im Jahre 1205 NGZ auf Oxtorne. Größe: 2,04 Meter, Gewicht: 170 Kilogramm. Augenfarbe blau. Wie alle Oxtorner haarlos.

Merkmale: Breit gebauter Oxtorner, freundlich, belehrend und leicht besserwisserisch, hohes Technikverständnis und hervorragender Kämpfer

Dove war der Nachfahre des legendären Hansespezialisten Stalion Dove. Lange Zeit verbrachte Dove sein Leben auf Oxtorne und trat dem Sicherheitsdienst bei, wo er bis zum Jahre 1265 NGZ blieb.

Dann kam es zur Scheidung mit seiner Frau, die nur vier Monate danach bei einem Raumschiffabsturz zusammen mit ihrem Kind, Doves Sohn, starb. Traurig verließ er seine Welt und suchte neue Herausforderungen, die er auf Camelot fand. Bis zum Jahre 1291 NGZ war er im Camelotbüro auf Aralon tätig, bevor es zerstört wurde. Er gehörte zu den wenigen Überlebenden. Danach wurde er auf die IVANHOE als Sicherheitschef eingeteilt. Er stand Jeamour loyal zur Seite und zeichnete sich ebenfalls auf der M 100-Expedition zusammen mit seinem Posbi-Freund Lorif und dem Schotten Mathew Wallace aus. Dove war maßgeblich an der Erforschung der Technik Dorgons beteiligt und erfüllte seine Pflicht in jeder Minute!

Dove bekam 1294 NGZ das Kommando über den Aufklärer SEROS, doch nach einem Konflikt mit den Arkoniden wurde das Schiff zerstört. Den Oxtorner traf keine Schuld, doch er zog es vor ein weiteres Kommando abzulehnen und auf einer Raumstation als Sicherheitschef seinen Dienst zu tun. Ende 1295 NGZ bekam er jedoch wieder die Chance auf die IVANHOE zu wechseln, da Jeamour ihn wiederhaben wollte. Dove nahm das Angebot natürlich an und bekam seinen alten Posten als Sicherheitschef wieder.

Bis zur Vernichtung der IVANHOE I blieb er an Bord des Schiffes. Danach kehrte er einige Jahre nach Oxtorne zurück, schloss sich 1302 NGZ jedoch wieder dem Terrablock an, nachdem der Bau der IVANHOE II bekannt wurde. Dove bekleidet auch auf der neuen IVANHOE den Posten des Sicherheitschefs.

Die DORGON-Serie – Das Quarterium – ist eine nicht kommerzielle Publikation des PERRY RHODAN ONLINE CLUBs. Band 106 zuletzt geändert am 2004-03-21. Autor: Michael Berg. Titelbild-Zeichner: Klaus G. Schimanski. Korrekturleser: Jürgen Freier und Henriette Zirl. Generiert mit Xtory 3.0 (powered by Apache Cocoon 2.1) von Alexander Nofftz. Homepage: http://www.dorgon.net/. E-Mail: dorgon@proc.org. Technischer Berater: Sebastian Schäfer. Adresse: PROC c/o Nils Hirseland, Redder 15, 23730 Sierksdorf. Copyright © 1999-2004. Alle Rechte vorbehalten!