Dorgon 104: Kampf um Siom Som

Was bisher geschah

Im Jahre 1298 NGZ gelingt es den vereinten Kräften der Terraner, Saggittonen und ihrer Alliierten, den gefürchteten SONNENHAMMER zu vernichten und somit MODRORs Invasionsplänen vorerst ein Ende zu setzen.

Die große Gefahr durch die finstere Entität scheint gebannt – doch in Wirklichkeit ruhen die Söhne des Chaos nicht. Innerhalb von sechs Jahren stampfen sie aus Cartwheel ein neues Imperium hervor – das Quarterium unter der Führung des Imperatore de la Siniestro.

Während sie sich öffentlich als friedliches Reich präsentieren, arbeiten die Söhne des Chaos in Wirklichkeit an der Umsetzung von MODRORs Eroberungsgelüsten.

Nicht anders in M 100, Dorgon. Seit Jahren wird die Regierung unter Kaiser Commanus vom Sohn des Chaos Cau Thon manipuliert. Die Opposition wird als Verräter verschrieen und der Bau einer gewaltigen Flotte wird von jedem akzeptiert.

Die Flotte greift Anfang 1305 NGZ die estartischen Galaxien an. Der KAMPF UM SIOM SOM hat begonnen …

Hauptpersonen

Sam:
Der Somer versucht sein Volk zu retten
Vesus:
Der Invasionskommandant sucht einen Kompromiss
Carilla:
Der Schlächter Dorgons geht erbarmungslos vor
Kanthor Throk:
Der Pteru will nicht aufgeben
Erii Tiin:
Der Ophaler sieht sein Volk sterben

Prolog

So hatte er sich den Krieg nicht vorgestellt. In den Animationen, die sie in den gängigen Unterhaltungsfilmen zu sehen bekamen, sah das alles immer ganz anders aus. Vielleicht lag es aber auch daran, dass man ja wusste, was für eine Art von Krieg das war. Kein echter nämlich.

Hier lag die Sache aber anders. Hier war alles echt, jeder Tote, jede Zerstörung und alle Explosionen, die er zu sehen bekommen hatte. Und jetzt sah es auf seinem Planeten aus wie in den Filmen, nur eben viel schlimmer, weil alles Wirklichkeit war.

Ungläubig staunend hob er ein Trümmerstück an und betrachtete es, als hätte er so etwas noch nie gesehen. Hatte er auch nicht, jedenfalls nicht in einer solchen Form. Nicht so realistisch, dass er den Staub fühlte, der sich nach dem Ende der Explosionen noch überall in der Luft befand und ihm beim Atmen Probleme bereitete.

Genauso ungläubig betrachtete er den Ophaler, der einen seiner Tentakel schlenkerte. Den anderen hatte er verloren, suchte danach, unartikulierte Laute ausstoßend, die Sam nur mühsam als ein bekanntes ophalisches Lied der Verzweiflung interpretieren konnte.

Der Somer blieb stehen und beobachtete den Ophaler. Nicht einen Augenblick dachte er daran, dass er dem Wesen helfen musste, er war selbst vollkommen verstört und beobachtete entsetzt, wie das Wesen seinen fehlenden Tentakel fand, aufhob und an die Stelle hielt, an der sich jetzt eine Lücke befand. Er ließ los und Sam beobachtete, wie der Tentakel auf den Boden fiel.

Der Somer wandte sich ab und taumelte traumatisiert einige Schritte zur Seite. Widerstandslos ließ er sich von jemandem führen, ohne zu registrieren, dass er geführt wurde und wohin er gebracht wurde. Als er in einem Gefährt saß, bemerkte er nicht einmal, dass dieser Gleiter ein Krankentransporter war, der in einer langen Reihe mit anderen Krankentransportern stand.

Die Stille war verstörend, gleichzeitig störte aber das Klingeln, das überall in der Luft lag. Langsam registrierte er, dass das seine Ohren waren. Irgendetwas hatte ihn beinahe taub werden lassen und das Klingeln war wohl ein Einbildung, eine Phantasie, nicht so, wie die Welt, die um ihn herum plötzlich in Trümmer zerfallen war.

Die Zentralwelt der Ophaler war gefallen. Vesus hatte die Ablehnung des Ultimatums nicht hingenommen, er hatte das Feuer eröffnet und die Stätte der Verhandlung eingeäschert, nachdem die Politiker und Diplomaten das Gebäude verlassen hatten. Ob er das bewusst getan hatte?

Zu warten, bis sich niemand mehr in dem Gebäude befand, um es dann einzuäschern, hatte jedenfalls seine Wirkung nicht verfehlt. Langsam kam ihm zu Bewusstsein, dass diese Aktion eine ungeheuerliche Wirkung hatte und Erii Tiin und einige der anderen sicher sehr nachdenklich gemacht hatte.

Offensichtlich aber nicht Kantor Throk. Der Pteru konnte immer noch nicht akzeptieren, dass es vorbei war. Er hatte sofort nach Vergeltung geschrien und war verschwunden. Das hatte Sam aber nicht mehr vollständig mitbekommen, weil die Explosionen ihnen gefolgt waren und auch vor den Städten der Ophaler nicht Halt machten.

Er schaute auf die Straße, die von Trümmern übersät war, sein Blick blieb auf einem Etwas haften, einem Gegenstand, den er nach wenigen Sekunden als ein Gesicht identifizierte, das Gesicht eines Wesens, eines Ophalers, immer deutlicher erkannte er die Details.

Und wandte das Gesicht ab, als ihm bewusst wurde, wie jung dieser Ophaler gewesen war. Vielleicht war es auch eine Ophalerin. Es war nicht wichtig. Oder eigentlich doch. Sam straffte sich, richtete sich langsam auf und verließ den Krankentransport. Das Klingeln war mittlerweile kaum noch zu hören. Aber es schmerzte immer noch, er hatte das Gefühl, als hätte ihm jemand den Rücken verbrannt. Es roch auch so, wie er feststellte.

Er machte noch einen Schritt und brach zusammen, ließ sich von den Sanitätern wieder in den Wagen helfen und realisierte, dass er doch schwerer verletzt war.

Er ließ es geschehen, dass sie ihn behandelten, seinen Rücken nicht nur betrachteten, sondern mit einem Heilplasma einsprühten, das angenehm kühlte und ihn für einen Augenblick wohlig aufseufzen ließ, bis er sich wieder vor Augen führte, dass es keinen Grund zur Freude gab. Als ihn die Sanitäter unwillig aus dem Transporter schoben, fühlte er sich schon wesentlich besser. Er entfernte sich von der Phalanx der Behandlungsfahrzeuge, deren Besatzungen alle Hände voll zu tun hatten.

Der Gedanke von vorhin zuckte wieder durch sein Gehirn, blieb diesmal haften.

Heute leben, flüsterte er. Morgen frei sein.

Entschlossen wandte er sich in Richtung des Raumhafens und wunderte sich, dass die Dorgonen sie gewähren ließen. Aber dann wurde ihm klar, dass Vesus eine Absicht damit verfolgte. Er wollte den Politikern die Flucht ermöglichen, er wollte eine stabile Regierung erhalten, damit sein Sieg auch abgesichert war. Wenn die Herrscher dieser Galaxis kapitulierten, dann war das immer noch ein deutlicheres Zeichen, als wenn einige wenige, möglicherweise handverlesene Vasallen dies tun würden.

Und so fand auch er noch eine Passage auf einem Schiff, das nach Som flog. Seiner Heimat. Die sich immer mehr zur letzten Bastion entwickelte. Wo sich der Widerstand gegen die Invasoren mehr und mehr konzentrierte. Wo er seine neuen Ideen verbreiten würde. Denn der Kampf war überflüssig geworden. Er würde nur noch mehr Tote bedeuten. Wenn der Krieg verloren und die Wesen wenigstens wieder sicher waren, dann konnten sie immer noch damit beginnen, gegen die Invasoren zu arbeiten. Aus dem Verborgenen heraus. Passiven Widerstand leistend.

Sruel Allok Mok hielt die Idee für immer besser. Und er war sicher, dass in seiner Heimat viele diese Gedanken unterstützen würden. Sehr viele. Aber vermutlich nicht Kantor Throk und die Regierung, die immer noch der Meinung war, unbedingt die Freiheit bewahren zu müssen. Einem Toten nützte Freiheit nicht das Geringste.

Verächtlich wandte sich Sam von seinen ehemaligen Freunden ab. Immer nur Kampf und Krieg, nie auch nur einen Augenblick lang den gesunden Menschenverstand arbeiten lassen. So dachten sie offensichtlich. Aber es würde ihnen allen nicht nützen. Nur die Dorgonen würde triumphieren, genüsslich jeden abschlachten, der sich gegen sie stellte. Ihnen einen Anlass dazu gab. Und Anlässe würden sie hier genug finden.

Sam genoss den Flug, soweit es möglich war. Auf Som würde er seine Freunde um sich scharen und die Gruppe des Widerstandes vergrößern. Vielleicht würde es so gelingen.

Ja, das war sicher der richtige Weg.

Kapitel 1
Der Krieg in Estartu

Wenn es nicht so absurd gewesen wäre, hätte Torrinos laut aufgelacht. Da flogen sie mit einem Raumschiff, das die intergalaktischen Entfernungen bewältigen konnte, viele Millionen Lichtjahre weit, um einem Volk zu helfen, das sie nicht einmal so genau kannten. Und das nur, um sie vor dem eigenen Volk zu schützen. Und wenn dieses eigene Volk gewusst hätte, dass sie zur Rettung aufbrachen, dann hätten sie vermutlich laut aufgelacht und sich die Bäuche gehalten. Eine Handvoll Dorgonen und zwei Goner, die sich nichts anderes vorgenommen hatten als eine Galaxis zu retten. Das war unglaublich und fast hätte Torrinos selbst den Befehl zur Umkehr gegeben.

Aber dann rief er sich zur Ordnung.

Immerhin waren sie mit einer Situation wie dieser vertraut. Der Kampf gegen die Machthaber dauerte in seiner Heimat schon lange, war bisher aber eher erfolglos verlaufen, aber immerhin hatten sie Erfahrungen gesammelt und der Dorgone hoffte sehr, diese Erfahrungen in Siom Som zur Anwendung bringen zu können. Vielleicht trafen sie Wesen, die ebenfalls gegen die neuen Machthaber vorgehen wollten. Eine Untergrundorganisation, die sich bereits darauf vorbereitete, gegen die Invasoren vorzugehen, wenn der Krieg endlich vorbei war.

Verwundert hielt Torrinos für einen Augenblick inne. Anscheinend nahm er als selbstverständlich an, dass Vesus diesen Feldzug siegreich bestehen würde. Es war auch nahe liegend, denn die Technik des eigenen Volkes war der aus Siom Som überlegen, wie sie nicht nur von den Terranern wussten. Aber immerhin kämpften sie gegen eine ganze Galaxis. Die noch dazu ihre Heimat verteidigte und alles geben würde, um nicht in die Sklaverei der Invasoren zu geraten. Aber darauf würde Vesus sicher keine Rücksicht nehmen können. Selbst wenn er das wollen würde.

Doch wie weit konnte Vesus noch selbst Entscheidungen treffen? Es war sicher fern von der Heimat einfacher als unter der direkten Kontrolle des Kaisers. Andererseits waren viele der Getreuen des Kaisers mit ihm geflogen. Ob sie einen solchen Einfluss hatten, das mussten sie abwarten. Sie würden es sicher auch bald erfahren, nur noch wenige Tage, und das Schiff würde mitten in der Galaxis Siom Som erscheinen. Was ein geringeres Risiko war, als man meinen sollte. Eine Galaxis war ein riesiges Gebilde und sich darin zu verstecken, war vergleichsweise einfach. Auch eine gewaltige Flotte wie die der Dorgonen wäre kaum in der Lage, sie zu finden, wenn sie es nicht wollten.

Und natürlich wollten sie nicht.

Unauffällig musterte der Dorgone die ehemalige Sklavin und ehemalige Senatorin Saraah, die sich nun vollständig dem Widerstand verschrieben hatte. Sie war immer noch sehr beliebt im Volk, ihre Liebesaffäre mit dem Terraner Matthew Wallace, die letztendlich zum Aufstand geführt hatte und einen grausamen Diktator von Dom vertrieben hatte.

Schön war sie immer noch. Aber nicht mehr strahlend. Eine stille Melancholie strahlte sie aus, betrachtete versonnen das Bild des zentralen Hauptschirmes, das die leuchtenden Schleier von Sternennebeln zeigte, die blitzschnell an dem mit Überlicht reisenden Schiff vorbei wischten, dargestellt von Filtern, die die Effekte des Zwischenraumes ausfilterten. Es hätte ein Bild des Triumphes sein können. Aber sie wirkte nicht glücklich, sie wirkte verloren. Wie sollte sie auch, nach all den Jahren der Verfolgung und des Versteckens, war sie nichts anderes als eine Verlorene.

Das waren sie alle. Verloren in dieser neuen Welt, in der für Revolutionäre anscheinend kein Platz mehr war. In der er sich überflüssig vorkam, weil er nichts tun konnte, um ihre Situation zu verbessern. Mit diesem Schiff nach Siom Som zu fliegen, war nichts weiter, als eine hilflose Geste. Angetrieben durch ihr Verantwortungsbewusstsein machten sie sich auf den Weg, um einen Unterschied zu machen, letztendlich Commanus herauszufordern an einer neuen Front und ihm zu zeigen, dass sie noch da waren. Mit viel Glück würden sie überleben. Zu siegen, konnten sie kaum hoffen.

Torrinos war nahe daran aufzugeben. Aber er machte sich klar, dass diese neue Galaxis auch eine neue Chance sein würde. Eine Gelegenheit, Verbündete zu finden, gleich eine ganze Galaxis voll. Vielleicht würde Vesus mit seiner gewaltigen Flotte triumphieren. Aber es waren so viele Lebewesen in dieser Galaxis, dass er auf Dauer verlieren musste. Wenn sie einmal begriffen hatten, dass sie eigentlich viel zu viele waren, um sich von einem Volk aus einer fernen Galaxie beherrschen zu lassen, dann würden sie sich wehren. Und diesen Augenblick mussten sie ausnutzen, vielleicht sogar dazu, einen Vorteil für die eigene Heimat zu erringen.

Aber das war sehr schwer.

Vielleicht sogar unmöglich.

Der Kriegsherr schüttelte angewidert den Kopf. Vesus verfolgte die Bilder, die ihm zugespielt worden waren, mit verkniffenem Gesicht, aber er sagte nichts. Natürlich hielt sich Carilla wieder nicht an die Befehle, die er gegeben hatte und die seiner Meinung nach klar genug gewesen waren. Das war Carilla offensichtlich gleichgültig. Er verschonte auch die Zivilbevölkerung nicht.

Vesus wandte sich ab und machte eine Handbewegung, die die Aufzeichnungen ausblendete. Er wollte nichts davon sehen, wie fremde Lebewesen hin geschlachtet und vergewaltigt wurden. Der Krieg war ein schmutziges Geschäft und dank einem Menschen wie Carilla wurde es noch viel schlimmer. Es hinderte ihn daran, den Wesen von Siom Som die Fairness angedeihen zu lassen, die ein besiegtes Volk verdient hatte.

Und er war sich durchaus darüber im Klaren, dass er gegenüber dem Kaiser in einer schlechteren Position war als Carilla. Sein Verhalten würde vermutlich eher das Wohlwollen des Kaisers finden als das des Vesus. Und so akzeptierte er das Verhalten des Carilla und der ihm unterstellten Truppen notgedrungen.

Som ist unser nächstes Ziel, flüsterte er. Dort sitzt die Regierung und dort werden wir die Macht über Siom Som erringen.

Schweigend verschränkte er die Hände hinter dem Rücken, nachdem er sich aus dem erhöhten Kommandosessel erhoben hatte. Der Kommandant richtete sich auf, ohne Haltung anzunehmen. Das musste er in dieser Situation auch nicht. Aber er musterte den Kommandeur aufmerksam, der die wenigen Stufen herunterkam und ihm die Hand auf die Schulter legte.

Kommandant, wir fliegen nach Som. Wir werden die Regierung überzeugen. Auf unsere Weise. Ausführung.

Der Kommandant nickte. Das Flaggschiff seiner Einheit nahm Kurs auf den Planeten Som, der eine wichtige Rolle in dieser Galaxis spielte. Die Heimatwelt der Somer war schon lange eine der wichtigsten Welten, wesentlich wichtiger jedenfalls, als die Heimatwelt der Ophaler, die sie gerade erobert hatten. Die Regierungsvertreter von Siom Som, die sie dort getroffen hatten, hatten freies Geleit erhalten, weil er sich an sein Wort gebunden fühlte. Auch wenn Carilla ihn einen Narren schalt. Aber wichtiger war für ihn, seine Integrität zu bewahren.

Som wartete auf ihn und er war sicher, dass die wichtigste Welt dieser Galaxis, der zweite Planet der Sonne Siom, bald in den Händen Dorgons sein würde. Und es war sicher besser für die Somer, wenn sie von ihm erobert wurden. Wer konnte schon ahnen, auf welche Ideen Carilla kommen würde.

Erii Tiin verschränkte fünf seiner sechs Armpaare, legte den einen übrigen Arm darauf und kratzte sich mit den hochsensiblen Fühlerbüscheln nachdenklich am Kinn. Er lief hektisch hin und her, während er die Aufzeichnungen auf den vielen Bildschirmen betrachtete. Er kam gar nicht mit, so schnell wechselten die Bilder.

Eine Katastrophe!, brüllte er. Sie werden uns vernichten, wir werden unsere Heimat verlieren!

Er schluckte. Als er den Blick seines Feldherrn sah, verstummte er. Verachtung lag darin. Der Pteru schüttelte nur stumm den Kopf, drehte den Sessel, in dem er Platz genommen hatte, von dem Ophaler weg und musterte angewidert die Aufnahmen von den Wesen, die unter den flammenden Energiekanonen der Angreifer verdampften. Er wich zurück, als ein Wesen auf die Kamera zu rannte, brüllend, verzweifelt und im Bruchteil einer Sekunde von einem Energiestrahl getroffen und vollständig eingeäschert wurde. Dass ein Wesen so schnell und ohne Rückstand vernichtet werden konnte, erschreckte ihn immer wieder. Zumal der Angriff dieser Wesen rücksichtsloser kaum sein konnte. Immerhin kämpften sie gegen Zivilisten, die sich kaum wehren konnten. Kantor Throk würde diese ehrlosen Barbaren dafür bestrafen, das nahm er sich fest vor.

Schau dir an, was sie tun. Sie töten unsere Kameraden, ganz normale Somer und Ophaler, die niemandem etwas getan haben. Das können sie doch nicht machen.

Wer sollte sie daran hindern?

In der Stimme des Pteru schwamm Bitterkeit, die Erii Tiin allerdings überhörte. Er war mit seiner eigenen Verzweiflung beschäftigt. Kantor Throk erhob sich und verließ unauffällig den Raum. Er wollte allein sein, über die Strategien nachdenken, die ihnen nun noch blieben.

Nach der Flucht von Ophal waren sie aus der Eastside geflüchtet und in Richtung Som geflogen, gefolgt von den eigenen Raumschiffen, allerdings waren nicht alle Kameraden bei ihnen gewesen. Zum Beispiel hatten sie den Somer Sruel Allok Mok nicht mehr gesehen. Kantor hoffte, dass dem älter werdenden Somer nichts passiert war, dass er ihn bald wieder sehen würde. Sicher würden sie zu einer Einigung gelangen, auch wenn der Somer nicht seiner Meinung war und lieber aufgeben würde. Er musste begreifen, dass man die Heimat nicht so leichtfertig aufgab.

Sie waren schnell geflogen und hatten sich nach Som gerettet. Der Planet war eine der letzten freien Bastionen in dieser Galaxis und dort hatten sich die noch freien Kräfte regelrecht eingeigelt. Eine ganze Menge Raumschiffe hatte sich um den Planeten konzentriert. Außer der Heimatflotte waren auch eine Unzahl versprengter Einheiten nach Som gekommen, die in die Flotte integriert wurden. Pterus, Ophaler, Elfahder und viele andere waren unter den Verteidigern, die Herkunft war vollkommen bedeutungslos geworden. Unglaublich, aber der Angriff hatte viele Verstimmungen zwischen den einzelnen Völkern einfach hinweggefegt, als hätten sie nie existiert. Was eine Bedrohung von außen doch bewirken konnte. Oder, wie ein berühmter Somer einmal gesagt hatte, jedes Schlechte gebiert auch etwas Gutes. In diesem Fall war es allerdings bedeutungslos. Wenn sie ihre Heimat verlieren würden, würde sich das Bild wieder ändern.

Und sie würden sie vermutlich verlieren, wie sich Kantor Throk in einem Anfall von Realismus unvermutet eingestand. Sie würden sie verlieren, weil die Gegner viel zu zahlreich waren, weil die Einheiten der Verteidigung viel zu zersplittert waren und weil sie letztendlich nur warten mussten und mit unermüdlichen Angriffen die eigenen Truppen dezimieren mussten, bis der klägliche Rest aufgeben würde. Denn offensichtlich legten sie Wert darauf, dass die Einwohner von Siom Som von sich aus ihre Galaxis übergaben und somit das zu erwartende Regime, das Vesus sicher installieren würde, quasi legitimiert war.

Politik war schon etwas Furchtbares. Ein anständiger Kampf war da schon wesentlich besser, dachte der Pteru. Wütend knurrend begab er sich in einen Raum, in dem er seine Möglichkeiten zu simulieren gedachte.

Vermutlich war es das Ende. Aber er würde sicher nicht aufgeben.

Niemals.

Sruel Allok Mok dachte an die Vergangenheit seines Volkes. An die Zeiten, als die Terraner über das System der Transmitter nach Siom Som gekommen waren. Als es noch das Königstor gegeben hatte und das prächtige Heraldische Siegel, das Geschichten von der Größe seines Volkes erzählte. Nach dem Ende des Moralischen Kodes und der Ewigen Krieger waren die Transmitter abgeschaltet worden. Aber es gab in jüngster Zeit Pläne, die Transmittertore wieder zu öffnen, so dass sich ein Kontakt zu den Menschen einfacher bewerkstelligen ließ. Diese Pläne waren wohl nun kaum noch in die Tat umzusetzen.

Aber das machte nichts.

Er schlang die Arme mit dem langen, seidigen Gefieder um seinen Körper und unterdrückte das Frösteln. Auf den Bildschirmen an Bord des Raumschiffes liefen Filme ab, die aus vielen Teilen dieser Galaxis stammten und Dinge zeigten, die der Somer eigentlich gar nicht sehen wollte. Keiner von ihnen wollte das. Er erkannte Ophal, den Planeten, den er mit Mühe und Not noch hatte verlassen können. Da waren die Ophaler, die von den Angreifern gejagt worden waren. Unglaublich schnelle Raumgleiter mit unglaublich präzise schießenden, von Rechner synchronisierten Geschützen jagten hinter Wesen her, die, verzweifelt schreiend, weg zu laufen versuchten – eine Geste, die auf den Bildern so hilflos wirkte, wie sie in Wirklichkeit auch war. Sie hatten keine Chance. Sie verglühten und waren somit vielleicht auch noch die glücklicheren. Abgesehen von jenen, denen die Flucht geglückt war.

Auf anderen Bildschirmen liefen andere Aufnahmen, die Wesen zeigten, die von den Soldaten der Angreifer zusammengetrieben wurden. Sie sahen aus wie Terraner, diese Dorgonen. Der Somer, der auf den Welten der Terraner immer Sam genannt wurde, sah angewidert, wie ein Soldat vor trat und eine der Frauen aus der Menge zerrte. Sie wurde in eine Baracke gestoßen, das rohe Lachen des Mannes war weithin zu hören, schüchterte die anderen ein, die sehr genau wussten, was mit der Frau geschehen würde. Die Schreie, die aus der Baracke drangen, ließen Sam erschauern; die Gänsehaut unter seinem Gefieder wurde womöglich noch stärker. Sie plünderten, sie vergewaltigten und sie mordeten. Sie taten der Zivilbevölkerung all die Grausamkeiten an, die zwischen zivilisierten Völkern eigentlich in bi- und multilateralen Verträgen von vornherein ausgeschlossen wurden.

Nur mit diesen Wesen waren anscheinend keine Verträge abzuschließen, jedenfalls keine, die Gültigkeit besaßen. Verbittert überlegte der Somer, ob Kantor Throk nicht vielleicht doch recht hatte, ob sie nicht vielleicht doch mit allem, was sie hatten, gegen diese Monster kämpfen sollten. Aber vielleicht war es auch besser, abzuwarten, seiner Idee zu folgen und lieber einen passiven Widerstand zu leisten, den Invasoren klar zumachen, dass man zwar zu kooperieren bereit war, aber nicht um jeden Preis.

Sicher nicht um den Preis, die eigenen Würde vollständig aufzugeben.

Aber sie waren viele, sie mussten nur verstehen, dass sie den Angreifern eigentlich überlegen waren. Und wenn sie erst einmal aus ihren Schiffen stiegen, dann war es bei weitem nicht mehr so einfach für die Angreifer. Nur, wo sollte er anfangen?

Am Besten auf Som, dachte er, seiner Heimatwelt, die von dem Schiff ohnehin angeflogen wurde. Der zweite Planet seiner Heimatsonne, die er seit seiner Kindheit so oft gesehen und so oft auch wieder verlassen hatte, war das Ziel vieler Flüchtlinge, die sich dort sammelten und eine Flotte zu bilden versuchten, die den Dorgonen zumindest ebenbürtig war.

Damals, als die Gänger des Netzes noch hier gewesen und mit ihren Raumschiffen mit den Enerpsi-Antrieben geflogen waren, war es noch einfacher gewesen. Die Heraldischen Tore allein hatten ihnen Probleme bereitet, indem sie für Kalmenzonen sorgten, Bereiche, in denen scheinbar keine psionische Energie mehr verfügbar war und somit die Voraussetzungen für den Enerpsi-Antrieb fehlten. Damals war es den Gängern des Netzes sehr schwer gefallen, sich gegen die Ewigen Krieger zu behaupten. Ohne zusätzliche Metagrav-Antrieb war eine Navigation in diesem Bereich kaum noch möglich gewesen.

Heute war das alles anders geworden. Die Raumschiffe bedienten sich keiner Antriebe mehr, die auf psionischen Energien basierten. Kalmenzonen gab es auch kaum noch, weil die Tore nicht mehr aktiv waren. Und somit war es auch kaum ein Problem, in die Galaxis hineinzukommen. Machten sie es den Angreifern dadurch leichter? Vielleicht fehlte ihnen eine Menge Erfahrung, vielleicht waren sie deshalb nicht in der Lage, gegen die Flotte der Angreifer zu bestehen, die so vergleichsweise klein war?

Möglich war es durchaus. Mit dreihunderttausend Schiffen stellten die Dorgonen eine ungeheure Macht dar in dieser Galaxis, aber wenn alle Schiffe auf allen Welten von Siom Som sich sammeln würden, dann wären sie sicher in der Lage, die zehnfache Menge an Raumschiffen aufzubieten.

Trotzdem bezweifelte der Somer, dass es dann einfacher geworden wäre. Die Dorgonen waren kampferfahren, viele Schiffe der heimatlichen Galaxis waren auf der Insel und von den Helfern Ijarkors war kaum noch etwas übrig geblieben. Vermutlich nicht einmal Ijarkor selber, der ehemalige Ewige Krieger war wahrscheinlich endgültig nicht mehr am Leben.

Nur noch sie selbst konnten verhindern, dass die Invasoren sie überrollten. Und Sruel Allok Mok wusste, wie er es anfangen würde. Auf Som warteten Freunde, mit denen er eine Organisation ins Leben rufen würde. Die Dorgonen selbst waren ein gutes Beispiel, denn auch sie hatten fast in ihrer gesamten Geschichte einen Untergrund gehabt, in dem sich viele Dorgonen vor der Macht der Kaiser versteckten. Und hier konnten sie es genauso machen. Irgendwann waren sie wieder frei.

Aber dazu mussten sie erst einmal verlieren.

Eine Erkenntnis, die den Somer schmerzte.

Som wurde langsam größer auf den Schirmen, herangezoomt durch die Kameras, die gnädigerweise keine Bilder des Grauens mehr zeigten. Und die Schiffe, die sich um sie herum angesammelt hatten, stürzten immer tiefer, näher und näher an die Oberfläche des Planeten heran. Die die meisten aber nicht erreichten, weil der Platz längst überfüllt war. Auch auf den beiden Monden waren kaum noch Möglichkeiten vorhanden, Menschen unterzubringen. Culio und Ijarkor umkreisten wie schon seit sehr langer Zeit Som und dienten in diesen Tagen zur Unterbringung von Flüchtlingen.

Aber Sruel Allok Mok durfte auf Som landen. Als sie erfuhren, wer sich an Bord befand, bekam er sofort Landeerlaubnis mit seinem Schiff. Und es dauerte gar nicht mehr lange, da war er zu Hause.

Der Tod hielt reiche Ernte an diesen Tagen. Auf den meisten Welten hielten sich die Angreifer gar nicht lange auf. Vor allem die Randwelten, die von den Invasoren gestreift worden waren, konnten ein Lied davon singen. Zurück blieb verbrannte Erde, eine Bevölkerung, die aus den Städten geflohen war und sich zögerlich wieder zurück in die eigenen Häuser begab, begeben wollte, aber feststellen musste, dass vieles zerstört und vernichtet war, dass viele ihrer Mitbürger nicht mehr am Leben waren.

Aber die Invasoren ließen bei den meisten Welten keine Schiffe zurück, weil sie sie dringend brauchten. Sie wollten nur die Flotten dezimieren, den Gegner schwächen und die Welten möglichst ohne die Möglichkeit zurücklassen, ihnen in den Rücken zu fallen.

Und das gelang auch.

Aber auf Ophal war es schlimmer und auf einigen anderen der wichtigen Welten ebenfalls.

Auf den wichtigsten Welten der Elfahder flüchteten die Wesen aus ihren Rüstungen, versteckten sich in den Sümpfen, den feuchtwarmen, subtropischen Dschungeln ihrer Welt, wo sie von den Dorgonen kaum erreicht werden konnten und wollten. Aber diese Möglichkeit hatte nicht jeder. Und so gab es viele Opfer unter den Bevölkerungen.

Erii Tiin grübelte lange, konnte sich aber zu keiner Entscheidung durchringen, wie er nun weiter verfahren sollte. Aber das war auch nicht so wichtig. Er würde auf die Entscheidung von Kantor Throk warten, der war wichtiger. Throk würde ihnen sicher den Weg in die Freiheit zeigen können. Tiin klammerte sich an diesen Glauben, auch wenn er tief im Innersten fühlte, dass es vergebens war. Verzweiflung durfte ihn nicht übermannen und gerade, als er glaubte, es könne nicht schlimmer kommen, als er die Bilder nicht mehr ertragen wollte, erreichte ihn die Nachricht von der Ankunft des Somers Sruel Allok Mok. Er hatte überlebt. Der geniale Politiker war ihnen erhalten geblieben. Vielleicht war er auch eine Hoffnung, auch wenn er anderer Meinung war und lieber kapitulieren wollte. Gespannt wartete er auf den Politiker, auf den Mann, der so Großes geleistet hatte, nicht nur für sein Volk, sondern für alle Völker auf der Insel.

Hoffnung.

Alles, was ihnen noch geblieben war.

Auf den Bildschirmen die schreienden Menschen.

Und Sruel Allok Mok und Kantor Throk ihre einzige Hoffnung.

Es war Wahnsinn.

Aber nicht für Throk, der langsam in einem Raum auf und ab ging, allein gelassen von allen anderen, die sich überall im Palast auf Som verteilt hatten. Nur wenige suchten die Gesellschaft von anderen, die meisten versuchten, allein zu sein und dem Unheil möglichst lange den Rücken zuzukehren. Aber das war beinahe unmöglich, wie auch Erii Tiin erkennen musste.

Er wartete ungeduldig auf den angekündigten Somer, der sicher bald im Palast erscheinen würde. Es dauerte aber doch noch fast eine Stunde, bis der Gleiter am Fenster erschien, der Somer ausstieg und auf der Landeplattform für einen Augenblick verharrte. Der Ophaler traute sich nicht, ihm entgegen zu gehen. Immer wieder musste er daran denken, dass Sruel Allok Mok sich gegen den Krieg ausgesprochen hatte. Er hatte in den letzten Stunden viel zu viel Zeit zum Nachdenken gehabt. Und im Ergebnis war ihm doch nur klar geworden, dass der Somer recht hatte.

Aber hatte er es sich anders überlegt?

Etwas in ihm ließ ihn zögern, das Unausweichliche doch nicht hinnehmen. Er wollte daran glauben, dass Kantor Throk es schaffen würde, einen Plan zu erfinden, mit dem sie die anderen besiegen würden. Hinweg fegen sozusagen. Und dann würde ihnen allen die Kapitulation erspart bleiben.

Sruel Allok Mok näherte sich mit vorsichtigen Schritten und Erii Tiin bemerkte die Verbände, die den Körper des Somers bedeckten. Er musste bei dem Angriff zu schwerem Schaden gekommen sein. Aber er hielt sich aufrecht, ließ sich nichts von den Verletzungen anmerken.

Sruel Allok Mok strahlte die Kraft aus, die Erii Tiin gerne hätte. Er musste sich eingestehen, dass dieser Somer wesentlich mehr zu einem Herrscher geboren war als er selbst. Und was noch schlimmer war, er vereinigte all die guten Eigenschaften, von denen viele Politiker träumten, ohne sie jemals zu erreichen. Wie er es geschafft hatte, all die Jahre auf der Insel zu bleiben, ohne von der Macht korrumpiert zu werden, nötigte Erii Tiin tiefsten Respekt ab. Er verneigte sich vor dem Somer, wenn auch nur innerlich. Zeigen würde er das nie.

Sruel Allok Mok, flüsterte er leise. Wieder zu Hause, in der dunkelsten Stunde deines Volkes. Und der ganzen Galaxis, fügte er hinzu, als er an das Schicksal von Ophal dachte, das besiegelt war und das auf den Schirmen immer noch überdeutlich zu sehen war. Immerhin hatten die Plünderungen endlich aufgehört. Die Machthaber benahmen sich zivilisierter. Das würde die Opfer aber wohl kaum trösten.

Der Somer senkte den Kopf, dann blickte er fest in die Augen des Wesens. Nervös sich verschlingende Tentakel zeigten ihm, dass auch Erii Tiin in den letzten Stunden viel mitgemacht hatte. Die Situation war entsetzlich. Die Bilder auf den Schirmen zeigten mehr als deutlich, was ihnen allen blühen konnte. Aber Sruel Allok Mok glaubte immer noch, dass der passive Widerstand die beste Idee war.

Dunkel, ja, aber nicht hoffnungslos. Gib endlich auf, um das Leben all der Wesen willen, die noch sterben werden, wenn wir so weitermachen.

Ich kann nicht. Mok konnte den Ophaler kaum verstehen.

Heute leben, morgen sterben. Damit drehte sich der Somer um und verließ den Raum.

Erii Tiin blickte ihm lange nach.

Das ist es. Kantor Throk hatte laut gesprochen, obwohl er allein war.

Er hob den Kopf und verfolgte den Abgang des Somers auf einem Bildschirm. Er hatte gehört, was der ehemalige Botschafter und Regierungschef auf der Insel gesagt hatte. Schnell, aber nicht rennend, bewegte er sich durch die Gänge in den Raum, in dem der ophalische Ratsvorsitzende wartete und immer noch nervös auf die Schirme blickte.

Eigentlich hat er vollkommen recht, meinte Throk unvermittelt. Er ignorierte den verstörten Blick des Ophalers. Ich meine, wenn er sagt, dass wir aufgeben sollen, hat er natürlich unrecht. Aber wir könnten seine Parolen zu unseren Gunsten nutzen.

Nachdenklich rieb er sich das Kinn, dann griff er in die Tasten des Holo-Sandkastens, in dem sich strategische und taktische Angriffe simulieren ließen. Unvermittelt schwebten Raumschiffe mitten in der Halle.

Wenn wir sie an einen Ort locken können, wo sich Kolonisten konzentrieren, könnten wir sie in eine Falle locken. Stell dir eine Welt vor, auf der sich ein passiver Widerstand entwickelt, stell dir eine Welt von friedlichen Kolonisten vor, die nur ihr Unverständnis äußern, dass diese Verrückten sie angreifen wollen. Würde das nicht diesen Carilla anlocken? Und wenn er dann da ist, schlagen wir zu und schicken all die verstecken Schiffe los, die Carilla natürlich nicht bemerken wird. Damit kriegen wir ihn.

Das könnte sogar funktionieren. Die Tentakel wirbelten nervös. Vermutlich wird sich dieser Schlächter davon anlocken lassen. Aber der zweite Teil mit den versteckten Schiffen, wie soll das klappen? Die haben dreihunderttausend Schiffe mit dabei.

Ja, das sieht auf den ersten Blick schlecht für uns aus. Aber du glaubst doch nicht, dass der mit dreihunderttausend Schiffen anrücken wird, um einige Kolonisten platt zu machen? Das wird der nicht tun. Er wird vermutlich mit einigen tausend Schiffen anrücken, um die Heimatverteidigung niederzumetzeln und dann sich auf die unschuldigen Einwohner zu stürzen. Wir werden ihm entgegenkommen, indem es gar keine Heimatverteidigung zum Niedermetzeln mehr gibt. Und wenn er sich dann so richtig schön sicher fühlt, dann schießen wir erst die Flotte im Orbit mit unseren natürlich überlegenen Kräften zusammen und dann kriegen wir auch Carilla. Was meinst du, ist das nicht genial? Wenn der mal weg ist, dann wird es wesentlich einfacher.

Tiin glaubte kaum, dass es so einfach werden würde. Aber er war immer noch bereit, nach allen Strohhalmen zu greifen, die sich ihm entgegenstreckten und so willigte er schließlich ein. Sruel Allok Mok wird das nicht gefallen.

Das macht nichts. Wir werden ihn nicht fragen und das brauchen wir auch nicht. Wir sind die Regierung und es ist unsere Verantwortung, die Gefahr abzuwehren. Wir schaffen das.

Tiin ließ sich von der Zuversicht des Pteru mitreißen. Er glaubte ihm, weil Throk den Eindruck vermittelte, genau zu wissen, was er tat.

Wenn er in das Herz des Kriegsherrn hätte schauen können, hätte er sehr schnell bemerkt, dass die Zuversicht nur gespielt war, die Gefühle des Pteru vollkommen anders aussahen.

Aber das bemerkte der Ophaler nicht.

Und so nahm das Verhängnis seinen Lauf.

Kapitel 2
Melodie des Friedens

Der Ophaler lachte laut, als er die Freunde herannahen sah. Ein herrlicher Tag, wie er fand, die Ode an die Freude war sicher genau das richtige dafür. Doch schon nach den ersten harmonischen Tönen verstummte er mit einem Missklang. Das passierte ihm normalerweise nie.

Aber normalerweise wurde er beim Singen auch nie gestört.

Diesmal war das anders. Die Freunde fielen ihm in die Tentakel, schnatterten wild auf ihn ein und brachten ihn zum Verstummen. Verwirrt blickte er ihnen entgegen.

Was ist denn los?

Traan Took trötete misstönend. Du hast es natürlich noch nicht mitbekommen. Der Krieg tobt in unserer Galaxis, und unser Araan Sork verschnarcht ihn.

Er hatte sich abgewandt und lachend zu den Freunden gesprochen, dann drehte er sich wieder Sork zu.

Invasoren aus einer fremden Galaxis haben Siom Som überfallen. Sie sind überall und wir werden nicht mit ihnen fertig. Aber unsere Regierung gibt nicht auf, fügte er verbittert hinzu. Und dagegen werden wir etwas tun.

Entschlossen verschränkte er die Tentakel.

Wir werden Widerstand leisten. Nicht mit Gewalt, das können wir nicht. Wir haben uns entschlossen, zu singen, zu singen für den Frieden. Was hältst du davon?

Sork öffnete erstaunt den Mund, wusste aber nicht, was er sagen sollte. Also klappte er ihn wieder zu.

Aber er musste auch nicht reden. Took übernahm das für ihn.

Wir haben eine Hyperfunknachricht mit der Harmonie des Todes in den Raum geschickt. Wenn sie dann kommen, werden wir die Harmonie des Friedens singen und ihnen klarmachen, dass dieser Weg auf Dauer ins Verderben führen wird. Sie werden zuhören. Warum auch nicht, schließlich sind wir wehrlos. Und wenn sie endlich aufhören, dann können wir mit ihnen zusammen leben. Das ist eine Vision. Und sie wird Wahrheit werden. Davon bin ich überzeugt.

Araan glaubte ihm jedes Wort. So lange er den jungen Ophaler kannte, war er ein Träumer gewesen, ein Ophaler, der an das Gute in allen anderen Wesen glaubte. Aber das war nicht immer von Vorteil. Er würde eines Tages mit dieser Einstellung Probleme bekommen. Und dieser Tag war vielleicht nicht einmal so weit entfernt.

Bedauernd schüttelte Araan den Kopf, was Traan glücklicherweise nicht sah. Er hatte sich in diesem Augenblick wieder zu den anderen Freunden umgewandt, die ihn nur anschauten und ebenfalls nichts sagten.

Ihr glaubt mir nicht, stellte Traan nüchtern fest. Nun, das macht nichts. Es wird so geschehen.

Traurige, leise Töne ließen alle aufhorchen. Araan stimmte den Gesang der Stille an. Er brachte die Luft zum Schwingen, auf eine Weise, die den anderen Ophalern unter die Haut ging. Auch Traan verstummte ehrfürchtig, als er die Stimme hörte und ihm langsam bewusst wurde, wie wunderbar Araan heute sang. Ihm fehlte wirklich nicht mehr viel zu einem Meistersinger. Schon jetzt sang er auf eine Weise, die einem das Herz öffnete.

Du musst das singen, wenn sie kommen. Das wird sie vollends überzeugen.

Araan hatte es nicht gehört. Er sang einfach weiter. Und immer weiter.

Und immer weiter wanderte der Somer durch den Raum. Wie überhaupt in den letzten Tagen viel gewandert wurde. Vorwiegend von Wesen Siom Soms, die etwas zu entscheiden hatten.

Sruel Allok Mok hatte von den Plänen der Regierung gehört und bedauerte sehr, dass die Unvernunft sich durchsetzte. Einen Augenblick lang hatte er sich überlegt, zu den Regierungsmitgliedern zu sprechen. Aber dann hatte er sich dagegen entschieden. Offensichtlich musste dieser Konflikt ausgefochten werden.

Ein alter Lehrmeister hatte einmal gesagt, wer starr ist, wird im Sturm zerbrechen, ging es dem Somer durch den Kopf. Der Grashalm aber wird den Sturm überleben, weil er sich beugt.

Und deshalb entschloss er sich zu einer Konsequenz, die ihn einen Augenblick lang schmerzte.

Er verließ den Palast und suchte seine Freunde auf.

Gemeinsam verließen sie Som und zogen sich nach Ijarkor zurück.

Der Mond war lange verlassen gewesen. Einst war er der Sitz des Ewigen Kriegers von Siom Som gewesen. Aber Ijarkor war nicht mehr in dieser Galaxis, nicht mehr am Leben, vermutlich seit langem schon. Erst vor wenigen Jahren war sein Phantom durch Siom Som und die Insel gegeistert, als die Krieger Ijarkors ausgezogen waren, um allen Wesen auf der Insel beistehen zu können. Sie hatten nichts bewirkt und Ijarkor war seither nur einige wenige Male aufgetreten. Diejenigen, die ihn gesehen hatten, wussten, dass er noch lebte. Aber Sruel Allok Mok glaubte nicht daran. Und seit wenigen Jahren hörte man von ihm auch nichts mehr. Vielleicht war nun auch das Phantom gestorben.

Sein Mond aber bestand auch heute noch, weitgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit. Als er damals abgetreten war als Ewiger Krieger, war der Mond zunächst gemieden worden. Erste vorsichtige Erkundungen hatten ergeben, dass in den Räumlichkeiten des ehemaligen Ewigen Kriegers nichts von Bedeutung zu finden war. Und so hatte man die Anlagen versiegelt und für die Öffentlichkeit gesperrt. Ijarkors Welt war ein stiller Ort geworden, so still wie das Weltall, in das sie eingebettet war.

Fast niemand wusste, dass eine Gruppe von Somern die Paläste wiedereröffnet hatte. Die Anlagen waren begehbar, allerdings versteckt und als solches würden sie den Himmelskörper auch nutzen.

Er und seine Freunde.

Er verschwand von einem Tag auf den anderen.

Und er wurde auch nicht vermisst.

Vermisst hatte er sie nicht. Lange Jahre war es ruhig geblieben. Aber in den letzten Tagen überfielen sie ihn wieder, diese Träume, in denen eine Gestalt auftauchte, die er schon lange überwunden glaubte. Seit er nicht mehr Kaiser werden wollte anstelle des Kaisers, hatte Carilla seine innere Ruhe zurückgewonnen. Oft war er noch aufbrausend, Menschen mussten manchmal sterben, weil er sich nicht beherrschen konnte, aber diese Anfälle waren immer seltener geworden.

Als sie sich in Richtung der Galaxis Siom Som in Bewegung setzten, waren die Träume wieder gekommen. Sie tauchte darin auf, wankte mit ihrer verbrannten Haut langsam auf ihn zu, näherte sich dem Kommandosessel in der Mitte der Zentrale, in der er ohne Regung saß, weil er sich gar nicht mehr bewegen konnte, wie gelähmt war. Sie beugte sich über ihn, atmete fauligen Atem aus und berührte mit der schwarzen Zunge seine Lippen. Er fühlte sich wie ein Beobachter in seinem gelähmten Körper, spürte die kalte, trockene Zunge, die seine Lippen leckte und die kalten, trockenen Lippen, die ihn liebkosten, er spürte die Tränen, die über seine Wangen liefen und er hatte dieses Bild vor Augen, das ihn niemals wieder loslassen sollte. Auch wenn es in den letzten Jahren geschwiegen hatte, war es doch nie ganz verschwunden gewesen und er hatte gefühlt, dass die Schicht zu seinem schlimmsten Alptraum ganz dünn war.

Wie erstarrt stand er inmitten der Zentrale, während ihn die Erinnerung an diesen ersten fürchterlichen Traum quälte. Er spürte immer noch die Tränen und merkte, dass er nun tatsächlich weinte. Schnell wischte er die Spuren von den Wangen und drehte sich entschlossen zu seinem Kommandosessel um. Die Gestalt, die darin saß, erschreckte ihn, aber nur für wenige Sekunden, dann war sie verschwunden. Die Auswirkungen der Strahlung, die ihr Gesicht zerfressen hatten, standen ihm auch heute noch, viele, viele Jahre später, vor Augen und als er an den Traum dachte, waren sie wieder glasklar vor seinem Gesicht, die Augen weit geöffnet, gebrochen, starr, auf ewig erloschen.

In seinem Traum waren sie auch geöffnet gewesen. Aber sie hatten einen Ausdruck gezeigt, der ihn in Panik versetzt hatte. Leben hatte darin geflackert, aber ein Leben, das erschreckend war, ein Leben, das man nicht als Leben bezeichnen konnte, gerade so, als wäre sie aus einer Welt zurückgekehrt, die er niemals kennen lernen wollte.

Das geisterhafte Leuchten hatte ihn nur kurz abgelenkt. Er schloss die Augen, fühlte immer noch die kalten Lippen auf seinem Gesicht, die harten, scharfen Zähne, die in seine Wange bissen.

Und dann wachte er auf, Schweiß gebadet, keuchte und wusste für einige Augenblicke nicht, wo er war.

Licht, stöhnte er. Die Syntronik verstand und aktivierte die Beleuchtung. Er hatte Minuten gebraucht, um sich zurecht zu finden und war dann nicht mehr eingeschlafen. Seither hatte er sein ganzes Denken auf die Angriffe gerichtet, hatte keine Rücksicht mehr auf Gefühle oder das Leben an sich genommen und viele Lebewesen in Siom Som vernichtet, gegeißelt, gefoltert.

Und als der Funkspruch sie erreichte, wusste er, dass er dort Erleichterung finden würde. Vielleicht würde er ihr dort endlich Frieden geben können.

Kurs auf Suingun.

In der Zentrale wurde es schlagartig totenstill. Seine Stimme hatte all das enthalten, was er in diesem Augenblick empfand, allen Hass, die ganze Kälte, die ihn quälte und die Besatzung spürte es. Niemand sprach. Jeder gehorchte und versuchte, den Kommandanten nicht zu beachten. Das Schiff änderte den Kurs, die Flotte folgte, Adlerschiffe, wie an einer Perlenschnur, viertausend an der Zahl, setzten sich in Bewegung.

Kurs Suingun.

Suingun ist die richtige Welt.

Kantor Throk lehnte sich zurück, verschränkte die Hände auf dem Hinterkopf und musterte Erii Tiin. Wie schwach dieser Ratsvorsitzende war, erkannte er erst jetzt langsam. Ein Werkzeug, ein Instrument in seinen Händen, formbar wie Wachs.

Und dabei bemerkte er es noch nicht einmal.

Throk wollte es gar nicht, aber die Situation brachte ihn in eine Situation, in der er immer mehr zu einem Führer wurde, der den Entscheidungsträgern die Entscheidungen aufzwang, ohne dass sie es bemerkten. Und er wusste, dass er Erfolg haben musste. Ein Scheitern war mit Sicherheit sein Ende. Entweder als Kriegsherr, als Kommandant der Flotte, oder aber als Lebewesen. Er konnte nicht mehr zurück. Höchstens Erii Tiin könnte ihn noch zurückpfeifen, aber der war zu schwach dazu. Sruel Allok Mok hingegen hätte die nötige Härte gehabt, aber er hatte nicht die nötige Macht dazu, niemand würde auf ihn hören. Und so hatte Throk freie Bahn.

Und es freute ihn nicht.

Gerne hätte er einen Ratsvorsitzenden wie Sruel Allok Mok an Stelle von Erii Tiin sitzen sehen, der ihm in entschiedenem Tonfall mitteilte, dass seine Idee vollkommener Schwachsinn war und er sie sofort wieder vergessen sollte.

Aber Sruel Allok Mok war nicht da.

Er war im Gegenteil verschwunden, als hätte er sich in Luft aufgelöst, zusammen mit Freunden und Throk hoffte, dass sie zumindest die richtigen Ideen hatten, um nach der Niederlage neu aufzubauen, den nötigen Widerstand aufzubauen und die neuen Machthaber zu vertreiben.

Denn es würde passieren. Das Undenkbare. Die Niederlage für diese Galaxis. Niemand hier war in der Lage, den Widerstand auf die nötige Weise zu organisieren. Nicht einmal er.

Aber von all den Schwächlingen war er immer noch der stärkste. Ein terranisches Sprichwort besagte, unter den Blinden sei der Einäugige König. Wie der Einäugige kam er sich auch vor. Unter all den Blinden, die die Regierung dieser Galaxis stellten, zumindest den galaktischen Rat von Siom Som bildeten.

Warum wachte er nur nicht aus diesem Albtraum auf?

Nein, es passierte nicht. Erii Tiin nickte einfach nur und alle anderen auch.

Jasager!, dachte er verächtlich. Meinungslose, die alles beschließen würden, was er ihnen vorschlug. Und so setzte sich die Flotte in Bewegung. Suingun war das Ziel. Und der Anfang vom endgültigen Untergang.

Kapitel 3
Estartus Niederlage

Das ist ihr Untergang. Mögen ihnen die Götter gnädig sein.

Vesus schüttelte nur den Kopf, als er den Funkspruch hörte. Leider war er nicht nahe genug an dieser Welt, Carilla würde wesentlich früher dort eintreffen. Er hatte schon früher bewiesen, dass er keine Rücksicht nahm.

Quinturus, sein alter Waffenmeister, der auch diesen Feldzug wieder mitmachte, neigte zustimmend das Haupt. Er sagte nichts dazu, aber das war auch nicht nötig. Allen war klar, dass es in einem Feldzug wie diesen auch Opfer geben würde und diese Opfer waren vor allem deshalb kaum zu vermeiden, weil die Einwohner dieser Galaxis nicht die Absicht hatten, aufzugeben.

Vesus konnte sie durchaus verstehen. Aber manchmal war es besser, aufzugeben, wenn auch nur für den Augenblick.

Aber das verstanden diese Barbaren nicht.

Wir müssen darüber reden.

Quinturus folgte ihm schweigend, als Vesus die Zentrale verließ. In seinem Bereitschaftsraum ließ er ein Hologramm entstehen, das die Galaxis Siom Som zeigte. Die eroberten Welten waren inzwischen in der Überzahl, wie sich anhand der dorgonischen Farben, die fast flächendeckend vorherrschten, unschwer erkennen ließ. Aber es gab auch Bereiche, die noch fest in der Hand der lokalen Bevölkerung waren.

Ehrlicherweise musste man auch zugeben, dass es nahezu unmöglich war, mit gerade einmal vierhunderttausend Schiffen eine Galaxis zu erobern. Aber die beherrschenden Völker einer Galaxis zu besiegen, legte die Grundlage, auf der man aufbauen musste. Viele andere Völker wurden angegriffen, an den Rand des Untergangs gebracht, eine Aufgabe, die mit Vorliebe von Carilla erfüllt wurde, der auf ihrem Weg in die Galaxis Siom Som hinein schon eine Unmenge verbrannter Erde hinterlassen hatte.

Zu viel durften sie aber nicht zerstören, denn schließlich wollte der Kaiser von dieser Galaxis noch profitieren. Gegen die Vernichtung unbedeutender Randwelten würde er aber sicher nichts einzuwenden haben.

Und wer kannte schon Suingun? Eine unbedeutende Welt, von der Vesus nicht einmal wusste, wer dort überwiegend anzutreffen war, würde von niemandem vermisst werden, vermutlich nicht einmal von einer Mehrheit der Wesen in dieser Galaxis.

Trotzdem würde es eine furchtbare Tragödie werden.

Eine von vielen.

Wer wird sie vermissen?, fragte Quinturus, als hätte er seine Gedanken gelesen. Im Krieg gibt es nun einmal Opfer. Ich muss dich sicher nicht an deine Verantwortung gegenüber deinen Soldaten erinnern.

Sinnlose Vernichtung sollte ich aber vermeiden, auch das ist Gegenstand meiner Verantwortung. Einen Charakter wie Carilla kann man aber nicht unter Kontrolle halten.

Du solltest es auch nicht versuchen. Dieser Mann wird sich selbst richten. Da bin ich ganz sicher.

Quinturus, du bist ein rechtschaffener Soldat und die meisten anderen in diesen Schiffen sind es ebenso. Vielleicht sogar mehr, als wir alle glauben. Im richtigen Augenblick aufzuhören, ist eine wichtige Eigenschaft solcher Menschen. Eine Eigenschaft, die unserem Freund abgeht. Ich hoffe, du hast recht. Und ich hoffe, es passiert bald.

Schweigen senkte sich über den Raum, in dem das Hologramm immer noch die Situation anzeigte. Als die beiden Männer es nicht mehr aushielten, gingen sie in die Zentrale zurück. Wesentliches war sicher nicht geschehen, sonst hätten sie es schon längst erfahren. Trotzdem sollten sie Präsenz zeigen. Noch war Siom Som nicht erobert.

Und das einsame Hologramm zeigte auch ganz eindeutig, wohin sie sich wenden mussten.

Som war wie eine Insel in einem Ozean voller Feinde.

Aber dieser Ozean war in beständiger Bewegung.

Und er brandete auf Som zu. Unaufhaltsam.

Genauso unaufhaltsam brandete eine Flotte von viertausend Schiffen auf Suingun zu. Von der anderen Seite bewegte sich eine Flotte von einhundertdreißig Raumschiffen der Somer auf die Welt zu. Sie würden früher bei Suingun eintreffen, aber davon würden die Einwohner des Planeten nichts bemerken. Und die Angreifer um Carilla hoffentlich auch nicht.

Throk lief nervös durch die Kommandozentrale und regte so auch die anderen Anwesenden auf, die ihre Gefühle aber unterdrücken mussten. Das verrückte war, dass dieser Plan der Verzweiflung auch noch klappen konnte. Die Ophaler auf dieser Welt kamen ihnen auch noch entgegen, indem sie die Feinde quasi herbei riefen. Sie mussten nicht einmal etwas dafür tun.

Außer abwarten, bis die Gegner in dem System eintrafen.

Das Eintreffen der Gegner würde sicher nicht mehr lange auf sich warten lassen. Viele Impulse trafen den Planeten und Traan hatte erfahren, dass darunter auch erste Impulse fremder Raumschiffe waren. Anscheinend erkundeten sie bereits das System. Es würde sicher nicht mehr lange dauern, bis die ersten Schiffe oder die ganze Flotte in der Nähe des Planeten eintreffen würden.

Ortungsimpulse trafen auf die Außenhülle der NERSONOS, des Flaggschiffs, das Carilla zur persönlichen Verfügung stand. Er drehte sich nur für einen Augenblick zur Seite, als er die hektischen Meldungen hörte, die plötzlich zwischen den Ortern und den Feuerleitbesatzungen hin und her schwirrten. Etwas schien passiert zu sein, aber er fragte nicht nach. Er gab das Ziel vor, die Kommandanten der einzelnen Raumschiffe sollten sich um Probleme dieser Art kümmern.

Und das taten sie auch.

Aber dann passierte etwas, was sie dazu bewog, sich doch an den Schlächter zu wenden.

Regungslos stand der Kommandant neben Carilla und wartete, bis das Wort an ihn gerichtet wurde. Der Schlächter brauchte einen Augenblick, bis er den Dorgonen wahrnahm. Sekundenbruchteile nur wurde er von seinen Träumen abgelenkt, die ihn für Augenblicke mit starren, schreckgeweiteten Augen auf den Schirm blicken ließen. Der Kommandant bemerkte nichts davon, weil er sich krampfhaft darum bemühte, dem Oberbefehlshaber der Pretosgarde nicht in die Augen zu blicken.

Was?, schnarrte Carilla kurz angebunden, als er ihn wahrnahm.

Kommandeur, da sind Einheiten des Gegners. Sie lauern in einer Dunkelwolke und warten anscheinend auf etwas. Die Orter haben sie nur durch einen Zufall entdeckt. Es könnten versprengte Truppen des Feindes sein. Wir erwarten Deine Befehle, was wir mit ihnen machen sollen.

Wie viele sind es?

Ungefähr fünftausend Einheiten.

Carilla grübelte nur kurz. Wir fliegen mit der Kernflotte weiter. Der Rest macht kurzen Prozess. Keine Gefangenen.

Die Kälte in seiner Stimme war fast körperlich spürbar. Der Kommandant des Flaggschiffes drehte sich wortlos um und nickte seinem Stellvertreter zu, der die Befehle weiterbrüllte. Die NERSONOS zusammen mit weiteren vierzehn Schiffen blieb auf Kurs. Der Rest flog in die Dunkelwolke ein und griff sofort an.

Carilla interessierte es bereits nicht mehr.

Sruel Allok Mok fühlte sich einsam, nachdem ihn die Freunde wieder verlassen hatten. Er war in diesen Augenblicken der einzige im stillen Palast des Ijarkor. Und er war glücklich darüber.

Allein wanderte er durch die Gänge des Palastes, der zu einem großen Teil unter der Oberfläche des Mondes lag, aber auch teilweise über die Oberfläche hinausragte. Und in einem solchen Bereich hielt er sich auf.

Ein Blick aus dem Fenster zeigte die zerklüftete Oberfläche dieses Mondes, der sanft von der Sonne Som angestrahlt wurde. Grell flutete das Licht über die Spitzen der flachen Erhebungen, die um seinen Standort zu erkennen waren. Scharfe, gratige Gebirgszüge waren am Horizont zu erkennen und Sruel Allok Mok begann mehr und mehr zu verstehen, warum sich der einstige Unsterbliche und Ewige Krieger in dieser Anlage wohl fühlte. Der Palast war einigermaßen versteckt und nur von Eingeweihten zu finden. Und die Anlagen waren noch in einem sehr guten Zustand. An vielen Ecken strahlte das Bauwerk noch den Geist seines einstigen Bewohners aus, zu Zeiten, als er noch einem verderblichen Weg folgte, genauso wie später, als er dem dritten Weg bereits abgeschworen hatte.

Der Somer begann, sich heimisch zu fühlen und erkannte, dass dieser Standort durchaus ideal für seine Pläne war. Widerstand passiv, so lange es möglich war, aber auch durchaus aktiv, wenn es sich nicht vermeiden ließ. Aus einem Versteck heraus, das nicht nur für sein Volk, sondern für die gesamte Galaxis eine Bedeutung hatte. Was wäre da eher geeignet, als ein atmosphäreloser Gesteinsbrocken dieser Größe mit einem Versteck, das bereits existierte und zwar vielen bekannt war, aber sicher keinen Invasoren aus einer fernen Galaxis.

Und wenn sie die Anlagen doch finden würden, gab es immer noch Möglichkeiten, ihnen auszuweichen. Auf diesem Mond und darüber hinaus.

Das Zentrum des Widerstandes.

Und das direkt unter der Nase des Feindes.

Der Somer nickte versonnen. So war es richtig.

Kapitel 4
Ode des Todes

Richtig war, dass die Musik seinem Leben einen Sinn gab. Falsch aber war, dass sie sein Leben beherrschte. Araan Sork schickte seine Stimme in den Äther dieser Welt und hoffte darauf, dass sie ihn hören würden. Die Harmonie des Todes erschallte immer noch, so lange, bis der Gegner über ihrer Welt eintreffen würde. Absolut beeindruckend bewegte sich der Ophaler im Rhythmus seiner eigenen Töne, die den Raum fluteten, von den Wänden widerhallten, die eine vollkommene Akustik boten. Hinaus in den Weltraum, dessen Vakuum die Töne niemals hören würde, die der Ophaler erzeugte, deren Trägerwellen sie aber zu den Schiffen der Gegner sendeten.

Sie ahnten nicht, dass die aggressive Harmonie des Todes den Gegner noch mehr aufstachelte, dass Carilla mit auf dem Rücken verschränkten Armen durch die Zentrale seiner NERSONOS wandelte und Angst hatte, die sich seinen Soldaten aber nicht mitteilte. Dass der Schlächter in seinem ganz persönlichen Albtraum gefangen war, während er diesen Tönen lauschte, die ihn aggressiv machten, aber auch zurückhielten.

Er war verwirrt.

Aber das hinderte ihn sicher nicht daran, über Suingun zu kommen.

Und darauf warteten die Ophaler.

Als die vierzehn Schiffe innerhalb der Umlaufbahn des vierten Planeten materialisierten, reagierten sie dementsprechend auch nicht erschrocken. Araan Sork vollendete seinen Gesang und stimmte dann die Harmonie des Friedens an, eine Melodie, die jedem Wesen die Kraft nahm zu kämpfen und seine Gefühle in ihm weckte.

Selbst das kälteste Wesen konnte sich dieser Wirkung nicht entziehen.

Auch nicht Carilla, der für wenige Sekunden wie verzaubert in der Zentrale still stand, aber dann das Gesicht seines schlimmsten Alptraums wiedersah. Allerdings bevor der Unfall passiert war. Das ließ ihn verstummen.

Wertvolle Sekunden verstrichen, während denen sich die Schiffe im freien Fall der Welt näherten. Carilla erzitterte, während die Gefühle ihn übermannten, dann kam das Gesicht aus seinem Traum wieder zu ihm, sie umarmte ihn, küsste ihn, liebkoste ihn und ließ ihn seinen schlimmsten Alptraum in grauenhafter Intensität erleben.

Er ballte die Fäuste. Angriff!

Siom Som schrieb den Morgen des 28. Februar 1305 nach Neuer Galaktischer Zeitrechnung. Irgendwo auf Suingun war es auch Morgen. Aber das interessierte niemanden in diesem Augenblick, als die Bodentruppen auf die Welt niedergingen unter der persönlichen Führung des Schlächters.

Die Harmonie des Friedens verklang mit einem Misston, den man von Araan Sork schon sehr lange nicht mehr gehört hatte. Dafür stimmte er die Harmonie des Todes wieder an, inspiriert von den Bildern, die ihn erreichten, Ophaler, die unter den Strahlschüssen und den Fausthieben und der Aggression und Gewalt der Truppen des Schlächters sterben mussten.

Der Schlächter ließ sich von der Harmonie des Friedens nicht verzaubern.

Und wieder flimmerten die Bilder über die Schirme. Bilder des Schreckens. Bilder des Todes. Passend zur Harmonie des Todes.

Kantor Throk lauerte in der Sonne, zusammen mit den Schiffen seiner Flotte. Nur vierzehn der Gegner, angeführt von der NERSONOS, waren über dem Planeten erschienen und hatten den singenden Ophalern keine Chance gegeben. Die Moralität seines Planes ging ihm kurz durch den Kopf, lies ihn einen Augenblick innehalten, erschrocken über sich selbst. Er bewegte sich wenige Schritte auf den Schirm zu, der die Schiffe zeigte, aus denen die Soldaten auf den Planeten niedergingen. Die Schiffe, die ohne weiteren Schutz über Suingun hingen. Es schien zu funktionieren. Ihre Chance war gekommen.

Wir schnappen sie uns, sagte Throk mit leiser Stimme.

Hoffentlich kamen sie nicht zu spät, um große Verluste unter der Bevölkerung zu verhindern. Er hätte sich das niemals verzeihen können, auch wenn ihm das vermutlich niemand angesehen hätte.

Die einhundertdreißig Einheiten kamen aus der Sonne, anfangs unbemerkt von den vierzehn Schiffen der Angreifer. Als die Strahlbahnen den Himmel über Suingun erhellten, waren die Schiffe der Angreifer aber schon bereit. Die Schirme waren hochgespannt, parierten den ersten Angriff der Verteidiger und gingen ihrerseits zum Angriff über. Die Übermacht der Einheiten von Siom Som kesselte die vierzehn Schiffe ein, mit der NERSONOS in der Mitte. Das riesige Schiff wehrte sich. Und es war gefährlich, eines der Schiffe von Siom Som nach dem anderen explodierte unter den Strahlbahnen, die von dem Schiff ausgingen.

Throk registrierte am Rande eine Nachricht, nach der sich Carilla auf der Welt Suingun befand. Er verließ mit seinem Schiff den Verband und beorderte Landeeinheiten von den anderen Schiffen auf den Planeten. Die Schlacht musste auf allen Ebenen ausgefochten werden. Und er selbst würde sich den Schlächter vornehmen. Diesmal würden sie einen Erfolg verbuchen können.

Triumphierend stürmte er aus dem Schiff und warf sich wutentbrannt auf die Angreifer, die sich nun gegen wütendes Feuer von zwei Seiten wehren mussten.

Eine Falle?, Carilla packte den Soldaten am Hals, schüttelte ihn und brach ihm beinahe das Genick, dann ließ er ihn fallen. Brüllend rannte er direkt auf eine Gruppe von Ophalern zu, die nicht einmal zu fliehen versuchten. Vier tote Wesen dieser Welt blieben hinter ihm zurück.

Wir müssen zum Raumhafen zurück!

Energisch trieb er seine eigenen Truppen zusammen. Die sich langsam formierenden Einheiten der Ophaler, die von starken robotischen Soldaten unterstützt wurden, wurden zurückgedrängt. Carilla rannte an vorderster Front und vertraute auf die Kraft der leuchtenden Energiesphäre, die ihn umgab. Immer wieder streiften ihn die Bahnen von Energieschüssen, die von seinem Schutzschirm nutzlos abprallten, ihren Weg in unterschiedlichen Richtungen fortsetzten, andere Schirme trafen und harmlos verpufften. Ab und zu fanden sie auch ein Ziel, auf dem sie länger verharren konnten, bis die Schirme anfingen zu flackern und schließlich zusammenbrachen und die Soldaten schreiend zurückblieben, so lange sie noch schreien konnten. Die Harmonie des Todes war schon lange verklungen, keinen Ton hörten sie mehr, die Schlacht fand in gespenstischer Stille statt, unterbrochen nur von dem Zischen der Energiebahnen. Ophaler versteckten sich, die Soldaten Siom Soms stellten sich den Angreifern in den Weg und verwickelten sie in gnadenlose Kämpfe.

Und dann stand Carilla vor Throk.

Totenstill war es geworden und dem Schlächter wurde klar, dass er beinahe alleine war. Nur wenige Soldaten hatten sich hinter ihm versammelt und gingen in Stellung. Aber Carilla war klar, dass das für den Augenblick nichts mehr nützen würde. Er schüttelte den Kopf und trat einen Schritt vor.

Du bist der oberste Soldat dieser Sterneninsel, stellte er fest.

Throk machte eine Geste der Zustimmung. Und du hast mich in eine Falle gelockt.

Wiederum folgte die Geste der Zustimmung.

Dann stirb!, brüllte der Schlächter und überbrückte die Entfernung zu dem Pteru.

Throk wich nicht einmal zurück, eine Tatsache, die sich als großer Fehler erwies. Die Hände des Schlächters drangen durch den Schutzschirm, der lediglich auf die Abwehr von reiner Energie gepolt war, packten den dürren Hals des Wesens und schleuderten ihn gegen die Überreste einer Hauswand. Throk ging zu Boden und rollte sich blitzschnell zur Seite, als die Faust des wütenden Carilla neben ihm in das Gemäuer schlug. Die Energieschirme erloschen und die beiden Wesen standen sich waffenlos gegenüber.

Throk packte ein Trümmerstück und schleuderte es auf Carilla, der es mit einer beiläufigen Handbewegung abwehrte. Der Pteru hielt sich nicht mit Betrachtungen auf, schleuderte ein weiteres Trümmerstück, das den Kopf des Angreifers streifte und wunderte sich, dass die anderen Soldaten sich nicht einmischten. Aber ein kontrollierender Rundblick zeigte ihm, dass er im Moment allein war. Die Soldaten in der Gefolgschaft von Carilla mischten sich nicht ein, standen lächelnd inmitten der Zerstörung und beobachteten gespannt den Zweikampf, den Kantor Throk plötzlich als ungleich empfand. Ihm wurde klar, dass er keine Chance gegen den Schlächter hatte.

Außer …

Prüfend musterte er seine Umgebung, ergriff die Eisenstange, die aus den Trümmern ragte und schlug zu. Carilla wich aus, eine Bewegung, mit der der Pteru gerechnet hatte. Die Stange prallte gegen das Gemäuer, drang in eine Ritze und wurde von dem Wesen wie ein Hebel benutzt, der das wacklige Gebilde ins Wanken brachte. Krachend prasselten die Trümmerstücke auf den Schlächter nieder, der nun wirklich nicht mehr ausweichen konnte.

Eine Gruppe von Soldaten der Verteidigung erreichte die Straße, in der sich der Zweikampf abspielte, und wurde von den Soldaten Carillas mit wütendem Abwehrfeuer empfangen. Plötzlich waren überall Kämpfe, aber die beiden kämpfenden Wesen, die immer noch auf jegliche Waffe verzichteten, wurden davon nicht behelligt. Throk kam der Kampf immer unwirklicher vor, so als wären sie gar nicht auf diesem Planeten, sie wurden von allen anderen ignoriert, die aufeinander schossen und den beiden Kämpfern dabei nicht zu nahe kamen.

Der Schlächter richtete sich auf, schüttelte die Trümmer ab. Er blutete aus einer Kopfwunde, die ihn aber kaum zu wundern schien. Die rote Flüssigkeit versickerte in seinem Haar. Drohend näherte er sich dem schwächeren Pteru, der nur noch vereinzelt Trümmerstücke schleuderte und ansonsten versuchte, aus der Reichweite seines Gegners zu kommen.

Wir werden angegriffen, vernahm er eine Stimme aus seinem Funkempfänger.

Er konnte sich nicht darauf konzentrieren, aber wenn er das richtig verstand, dann entwickelte sich alles nicht so, wie er es geplant hatte. Bisher war noch keine Erfolgsmeldung von der Vernichtung der NERSONOS an ihn geschickt worden, dafür aber wurden ihm beständig Verluste gemeldet. Die Gegner waren weit überlegen. Ihre letzte Hoffnung war im Schwinden begriffen. Siom Som war kaum noch zu halten und wenn sie nun auch noch diesen letzten, verzweifelten Kampf verloren, was blieb ihnen dann noch?

Verzweifelt packte Throk das Bein seines Gegners, brachte ihn aus dem Gleichgewicht, rollte sich mit ihm über den Boden, kassierte einen wütenden Tritt in den Unterleib, der ihn mehrere Meter weit zurück schleuderte. Carilla warf sich auf ihn, er tauchte unter den Armen hinweg, glitt zur Seite und trat zurück. Er traf den Schlächter nicht einmal, der kaum schneller atmete. Throk merkte immer mehr, dass er in all den Jahren zu einem Schreibtischsoldaten geworden war. Seine Fitness ließ zu wünschen übrig. Er atmete nicht nur schwer, er keuchte. Und er spürte, dass es nicht mehr lange dauern würde. Seine Abwehrbewegungen wurden immer ungenauer, schleppender, er kassierte mehr und mehr Treffer und fühlte, dass er nicht mehr lange Widerstand leisten konnte. Keiner seiner Soldaten schien zu bemerken, wie es um ihn stand, niemand kam ihm zu Hilfe.

Und dann war es vorbei.

Die Fausthiebe des Schlächters kamen nun wie Trommelfeuer. Parierte er drei Hiebe, kamen vier durch und trafen ihn an allen Stellen seines Körpers. Er spürte das Brechen seiner Knochen, ging in die Knie, hob nur noch die Arme, versuchte sich zu schützen, aber konnte es nicht mehr. Die Faustschläge fegten den letzten Rest seiner Verteidigung hinweg und streckten ihn nieder. Carilla keuchte nun doch leicht, hob einen schweren Stein hoch über den Kopf und schleuderte ihn auf den erschöpften Soldaten, der keine Abwehrbewegung mehr machte. Der riesige Stein kam immer näher und löschte sein bewusstes Denken aus …

Carilla wischte sich den Schweiß von der Stirn und blickte auf das Trümmerstück, das auf dem Gegner lag und deutlich machte, dass das Wesen sich wohl nicht mehr erheben würde. Er aktivierte seinen Schutzschirm wieder, verfluchte für einen Augenblick seine Unvorsichtigkeit, der er aber nicht widerstehen konnte, als er den Gegner allein erblickte und griff nach einem Strahler, den ein toter Soldat verloren hatte. Niemand war in der Nähe, die Kämpfe hatten sich in andere Straßen verlagert, das Ende seines Gegners hatte keiner außer ihm beobachtet. Höchstens Wesen, die sich in den Trümmern versteckten oder in weitgehend erhaltenen Häusern untergekrochen waren.

Allein wanderte er durch die Straßen der Stadt und erreichte schließlich den Raumhafen von Suingun, über dem ein riesenhaftes Adlerschiff schwebte. Die NERSONOS hatte es geschafft, wie Carilla befriedigt feststellte. Aber nicht allein. Über der Stadt schwebte Adlerschiffe, wesentlich mehr als die vierzehn, mit denen er die Welt erreicht hatte. Offensichtlich hatte die Flotte, die er in die Dunkelwolke geschickt hatte, mittlerweile Erfolg und war ihnen gefolgt. Die wenigen Schiffe der Verteidiger hatten letztendlich keine Chance gehabt, jedenfalls nicht mehr, als sie in der Unterzahl waren.

Und selbst mit einer Überlegenheit von beinahe sechs zu eins hätte Carilla eher auf seine kleine Streitmacht gewettet, als auf die veralteten Schiffe der Verteidigung.

Der Schlächter betrat das Schiff. Als er die Zentrale erreicht hatte, nahm er seine Position auf dem Kommandosessel wieder ein.

Vernichtet sie, flüsterte er gefährlich leise.

Ungerührt beobachtete er, wie die Strahlen in die Häuser einschlugen, die Wesen schreiend auf die Straße rannten, nur um dort von den überall aufzuckenden Lichtbahnen empfangen und vernichtet zu werden. Wie viele starben, war ihm letztendlich egal. Erst nach Stunden der Qual befahl er den Abflug von dieser Welt, die zerstört und voller rauchender Trümmerberge unter ihm zurückblieb.

Sein Ziel war Som.

Die Entscheidung stand unmittelbar bevor.

Kapitel 5
Der Fall von Som

Vesus und sein Waffenmeister erwarteten die finale Schlacht zur Eroberung von Siom Som gelassen in der Zentrale ihres Flaggschiffes.

Das Ultimatum ist beinahe verstrichen, flüsterte der Waffenmeister.

Nur wenige Stunden hatten sie ihnen eingeräumt, um Som, die letzte Bastion, aufzugeben und die Kapitulation zu unterzeichnen. Sie konnten die Spannung beinahe greifen, die auf dem Planeten herrschte. Die lokalen Medien hatten allesamt ihr Programm geändert und berichteten von den Raumschiffen, die ihr System umzingelt hatten, in dem sich all die Schiffe versammelt hatten, die noch in Freiheit waren.

Viele Schiffe waren es, aber lange nicht ausreichend für die Flotte, die nun vor ihrem System stand. Zumal allen klar war, dass die Angreifer ohne Rücksicht zuschlagen würden, vernichten würden, was sich ihnen in den Weg stellte, während sie ihre Heimat verteidigten. Den Somern war durchaus klar, was auf dem Spiel stand. Das ging aus den Medienberichten eindeutig hervor.

Aber offensichtlich nicht allen, denn sonst wäre schon längst der Funkspruch eingetroffen, dass sie aufgeben würden.

Nur noch eine Stunde, dann würde Vesus den Angriff befehlen. Und der letzte Kampf um die Freiheit in Som würde beginnen.

Einsamkeit war Teil seines Lebens gewesen, als er noch auf der Insel, in Cartwheel, der Ratsvorsitzende gewesen war. Sruel Allok Mok stand schweigend inmitten des Raumes, den er sich ausgesucht hatte, um dem letzten Kampf zuzusehen. Die Festung war verborgen genug, vermutlich würde niemand von den Angreifern sie entdecken. Wozu auch? Nachdem Ijarkor verschwunden war, hatte man die Anlagen zum Sperrgebiet erklärt, viele von ihnen waren neu aufgebaut worden, aber gut getarnt, besucht nur von wenigen eingeweihten. Dieses Erbe wollten sie lieber verschweigen.

Sruel Allok Mok kannte die Anlagen noch aus seiner Zeit als Diplomat, damals hatte er Zugang zu allen Geheimnissen gehabt. Und nun wollte er dieses Wissen nutzen, um unter der Nase des Gegners ein Widerstandszentrum zu errichten.

Natürlich war er nicht vollkommen allein dabei, aber im Augenblick war niemand außer ihm anwesend. Die Freunde waren in den bereits besetzten Teilen der Galaxis unterwegs und knüpften erste Kontakte für die Zeit nach der Kapitulation, die auf jeden Fall kommen würde.

Es war der Morgen des 2. März 1305 NGZ.

Der Ring der Belagerung hatte sich zugezogen.

Sruel Allok Mok aktivierte die Bildschirme und verfolgte die Nachrichten, die vom beginnenden Untergang kündeten.

Es begann harmlos mit kleineren Scharmützeln im Frontgebiet. Ein Schiff, das sich zu weit vorwagte, löste Salven aus, die gegen es geschossen wurden, feuerte zurück und vernichtete einen Angreifer, wohl eher ein Zufallstreffer, aber nichtsdestotrotz eine kleine, wenn auch unbedeutende, Schwächung des Gegners.

Ein anderes Schiff wagte sich etwas zu weit auf das Gebiet der Angreifer und wurde gnadenlos vernichtet.

Ein Reporterschiff, dessen Funkanlagen ausgefallen waren, konnte dem Gegner nicht mehr klarmachen, dass es zu den zivilen Einheiten gehörte und wurde vernichtet, während der Reporter auf Sendung war. Die Einwohner Soms wurden Zeuge, kaum jemand, der nicht die Sendungen verfolgte, die vom herannahenden Untergang kündeten.

Die Somer wussten sehr gut, was die Angreifer auf anderen Planeten angerichtet hatten.

Viele sehnten den Augenblick des Angriffs herbei, als Anfang vom Ende, in der Hoffnung, dass es nicht so schlimm werden würde. Die Zivilbevölkerung wusste sehr genau, dass auf den anderen Planeten die Einwohner kaum verschont worden waren, auch wenn sie nicht zu den Soldaten gehört hatten.

Viele hatten sich versteckt, so gut es ging, in der Hoffnung, dass Som viel zu wichtig sein würde, um es vollkommen zu vernichten.

Und Eriin Tiin machte sich klar, dass er in diesen Minuten das Ende seiner persönlichen Regierungszeit erlebte. Was auch immer passieren würde, für ihn war es vorbei. Entweder würde er die Kapitulation unterzeichnen oder er würde getötet werden. Und wenn doch noch ein Wunder geschehen würde, würden ihn die vielen Toten der letzten Woche den Kopf kosten. Wenn es erst vorbei war, würde vielen klar werden, wie schwach er in der letzten Zeit gewesen war und das nicht nur, weil sie machtlos gegen die Stärke der Angreifer waren, sondern vor allem auch deswegen, weil er sich von Kantor Throk in eine Richtung hatte führen lassen, die für sie alle nicht gut gewesen waren.

Erst vor wenigen Stunden hatte er die Nachricht vom Tod des Soldaten erhalten, überbracht von Vesus, der sie seinerseits von Carilla erfahren hatte. Verbunden damit war das Ultimatum, innerhalb von fünf Stunden das System zu übergeben. Eine Zeit, die beinahe verstrichen war. Und erste Kämpfe in den Frontbereichen machten klar, dass die kampferprobten Truppen der Dorgonen nicht warten, keine Rücksicht nehmen würden.

Es war vorbei. Und je eher er sich das klar machte, desto besser war es für sie alle.

Sruel Allok Mok hatte Recht behalten.

Die sofortige Kapitulation wäre sicher besser gewesen, hätte vielen Menschen das Leben gerettet und ihnen lange, sinnlose Kämpfe erspart. Aus dem Verborgenen heraus hätten sie einen Widerstand errichten können, dieser Weg war ihnen nun verwehrt. Die letzte Hoffnung war der ehemalige Diplomat, der wie vom Erdboden verschwunden schien. Eriin Tiin hoffte, dass er es geschafft hatte, sich in Sicherheit zu bringen.

Und schon am Widerstand arbeitete.

Für ihn war es jedenfalls zu spät.

Er erhob sich langsam, trat zum Fenster, das einen atemberaubenden Ausblick auf die Stadt zeigte, der er Zeit seines Lebens gedient hatte, die Welt, die er zu seinem Regierungssitz erkoren hatte, zum Ratssitz, zum Zentrum dieser Galaxis.

Som lag ruhig, gespannt, voller Erwartung. Und voller Angst.

Und mit diesem letzten Blick verabschiedete er sich.

Tränen verschleierten seinen Blick, als er den Tentakel hob, er schaute nicht auf die flimmernde Mündung, die sich seinem Kopf näherte und drückte ab, mit dem Gefühl, versagt zu haben.

Bitterkeit war das letzte Gefühl seines Lebens.

Bedienstete, die Geräusche gehört hatten, fanden nur noch den leblosen Leichnam ihres einstigen Ratsvorsitzenden.

Ein erschütterter Somer wurde eilig zum Nachfolger des Ophalers bestimmt, während die Schiffe der Dorgonen in das Sonnensystem eindrangen und das Feuer eröffneten.

Vesus verspürte keine Befriedigung, als er wiederum die atemberaubende Schönheit der Feuerblumen, die flüchtige Eleganz der Explosionen auf den Schirmen erblickte. Die Schiffe waren von allen Seiten auf dem Vormarsch, vernichteten erste Schiffe, ließen die Gegner nicht entkommen und gingen rücksichtslos gegen alles vor, was sich ihnen in den Weg stellte.

Stationen, die in Meteoritenschwärmen verborgen waren, wurden ebenso rücksichtslos vernichtet, wie kleinere Monde, von denen das wütende Feuer von Abwehrgeschützen sie empfing. Und so näherte sich die Flotte langsam, unaufhaltsam, der wichtigsten Welt in diesem System.

Der wichtigsten Welt sogar in dieser Galaxis.

Som, das Zentrum, der letzte Widerstand, das wichtigste System, das nun langsam, Lichtstunde für Lichtstunde, in die Hände der Dorgonen fiel.

Wer die Schlacht beobachtete, war entsetzt über die Brutalität, mit der die Angreifer vorgingen. Aber noch hatten sie keine bewohnten Planeten erreicht, noch waren sie lediglich in den Randbezirken unterwegs. Es würde noch schlimmer kommen, wenn nicht ein Wunder geschah.

Wie gelähmt vor Entsetzen erwarteten die Somer den Untergang.

Sruel Allok Mok hatte Angst in seiner Bastion, vielleicht wäre er doch besser aus dem System geflohen, so lange er es noch konnte. Aber er konnte es nicht, er wollte bei seinem Volk sein, wenn es seine schwerste Stunde erlebte. Besetzt, unterdrückt, das kannten sie bereits. Schließlich waren sie lange genug den Lehren vom Dritten Weg gefolgt. Hatten Ijarkor als ihren Ewigen Krieger verehrt und sich nicht gegen die Ideen der Herrscher gewehrt.

Und nun, da sie ihre Freiheit endlich erreicht hatten, fiel es ihnen schwer, sie wieder aufzugeben.

Dabei war es manchmal der bessere Weg.

Wann endlich würden die Sendungen von der Kapitulation berichten? Diese Wahnsinn konnte auch Eriin Tiin nicht wollen, davon war Sruel Allok Mok überzeugt.

Die Schiffe kamen immer näher.

Vesus registrierte die leichte Hektik in der Nähe seiner Funkstation, sagte jedoch nichts. Sie würden ihn informieren, wenn er wissen musste, was passiert war. Und es dauerte auch nicht lange, da wurde ihm der Wortlaut einer Note auf den Bildschirm gelegt, die von Som eingetroffen war.

Aron Trollam Sark stellte sich als neuer Ratsvorsitzender vor, ließ seine Vollmachten bestätigen und verkündete mit ernsten Worten die Kapitulation von Som. Damit verband er die Bitte, seine Welt zu verschonen. Vesus ließ die Angriffe sofort stoppen, sehr zum Leidwesen von Carilla, der sehr gerne auch diese Welt noch mit Waffengewalt erobert hätte.

Nur eine Stunde später landete das Flaggschiff der Dorgonen auf dem Raumhafen von Som und Vesus begab sich in den Palast, in dem er bereits erwartet wurde.

Die Verhandlungen waren nur noch Formsache.

Am 6. März schließlich unterzeichnete Aron Trollam Sark die endgültige Kapitulation des Rates von Siom Som.

Die Galaxis war gefallen.

Sam weinte leise Tränen, als er die Kapitulation endlich begrüßen konnte. Der Krieg war zu Ende, die Zeit der Besatzung ganz am Anfang. Und er hoffte, dass sie irgendwann glücklich enden würde, so wie damals, als Ijarkor übergelaufen war und die Ideen des Dritten Weges verworfen hatte. Es gab immer Hoffnung und Hoffnung war auch genau das, was sie nun brauchten.

Aber es würde sicher lange dauern, bis die Besatzer vertrieben werden konnten.

In diesem Moment traf ein kleines, unscheinbares Schiff ein. Seine Freunde waren nicht untätig gewesen. Sie hatten bereits einen wertvollen Kontakt geknüpft, einen Freund aus der Galaxis der Eroberer. Torrinos und einige seiner Freunde erreichten Siom Som und boten dem Widerstand ihre Hilfe an.

Ein Grund mehr, durchzuhalten und mit der Devise Heute leben, morgen kämpfen den Besatzern an möglichst vielen Fronten Paroli zu bieten.

Ihr werdet es nicht leicht haben, flüsterte Sruel Allok Mok und zum ersten Mal seit langem huschte ein Lächeln über sein Gesicht. Etwas verkrampft zwar, wenn er an all die Toten dachte, aber immerhin.

Ein Hoffnungsschimmer, nur ein klitzekleiner, aber in dieser Situation konnte es ohnehin nur besser werden.

Erleichtert breitete Sruel Allok Mok seine gefiederten Arme aus und umarmte Torrinos, der sich der Begrüßung nicht verschloss. Ernst schaute er den Somer an, der sie in den Tiefen einer vergessenen Festung begrüßte. Über geheime Transmitterstationen waren sie auf den Mond gelangt, hatten den großen Somer getroffen und setzten sich nun an den Tisch, um sich zu einer ersten Besprechung zusammenzufinden.

Sruel Allok Mok eröffnete die Unterhaltung.

Die Situation ist schlimm genug. Ihr habt selbst gesehen, wie es in meiner Heimat aussieht. Aber ich glaube, ihr versteht sehr gut, wie wir uns im Augenblick fühlen, ihr kommt aus einer Galaxis, die schon lange unter dieser Situation leidet.

Er machte eine kurze Pause, in der er die Bilder verfolgte, die einige der Untaten der Angreifer in aller Deutlichkeit zeigten. Niemand sagte etwas.

Ich kann euch nur um Hilfe bitten, im Namen meines Volkes. Befreit uns von den Besatzern, helft uns dabei, ihre Schwachstellen zu finden und sie aus unserer Heimat zu vertreiben. Ich glaube fest daran, dass ihr uns helfen könnt, weil ihr den Feind viel besser kennt.

Torrinos erhob sich und nickte. Aus diesem Grund sind wir hier. Aber ich glaube nicht, dass wir alleine mit dieser Bedrohung fertig werden. Deswegen schlage ich vor, dass meine besten Freunde, die Goner Waldron Tragonar und Shenia Drenia, hier in der Galaxis bleiben und dir helfen. Ich selbst werde nach Terra aufbrechen, um unsere gemeinsamen Freunde, die Terraner, um Unterstützung zu bitten. Die Besatzer hier entscheidend zu schwächen, kann uns letztendlich nur helfen. Auch in unserer eigenen Heimat.

Ich sehe das genauso. Saraah trat neben den ehemaligen Pretosgardisten. Ich biete an, nach Cartwheel zu fliegen, um dort nach Unterstützung zu fragen.

Sam blickte die beiden dankbar an. Unsere besten Wünsche begleiten euch.

Schweigen kehrte ein, wortlos verließen die beiden Dorgonen den Raum. Zurück blieben nur die Goner. Und ein verzweifelter Somer, der die Niederlage seines Volkes machtlos beobachten musste.

Totzdem war alles besser, als der Status Quo.

Und immerhin hatte er noch seine Hoffnung.

Ende

Siom-Som ist gefallen. Die dorgonische Invasion war ein voller Erfolg. Die Völker in den estartischen Galaxien sind machtlos gegen die gigantische Flotte unter dem Kommando von Vesus. Und doch gibt es Hoffnung. Torrinos und Saraah wollen Hilfe holen.

Mehr darüber schildert Michael Berg in Heft 105. Der Roman trägt den Titel

Der Flug der IVANHOE II

und wechselt in die Cartwheel-Handlungsebene.

Kommentar
Die Geschichte Dorgons (II)

ca. 37.000 v. Chr.: Die Dorgonen haben den Krieg satt. Unter der Führung des weisen Pasus wird Dorgon geeint und zu einer Republik gemacht, die in friedlicher Koexistenz mit allen Völkern leben soll.

ca. 25.000 v. Chr.: Der intrigante Konsul Zabasus versucht die Machtübernahme, doch seine Revolte schlägt fehl.

ca. 21.500 v. Chr.: Der Kosmokrat Sipustov taucht auf und bittet die Dorgonen um Mitarbeit. Der Senat nimmt das Angebot der Entität an.

ca. 14.250 v. Chr.: Nach vielen Kriegen und Auseinandersetzungen mit den Mächten des Chaos beendet Dorgon die Allianz mit den Kosmokraten. Trotz Strafexpeditionen der Mächte der Ordnung kann sich Dorgon behaupten. Der Hypertronschirm und der Hypertronimpulser werden entwickelt, womit den Kosmokratenflotten schwere Verluste zugefügt werden kann. Doch die Kämpfe dauern lange an.

ca. 12.100 v. Chr.: Die Republik hat zwar die Autarkie behalten, ist jedoch schwer angeschlagen nach den kräftezehrenden Schlachten gegen die Kosmokraten. Der Zerfall der Republik beginnt.

ca. 9.245 v. Chr.: Die Republik ist offiziell zerfallen. Aus Dorgon entstehen viele kleine Fürstentümer, die jedoch zusammen immer noch den Titel Reich Dorgon tragen und bei Konflikten zusammenstehen.

ca. 8.700 v. Chr.: Es bilden sich wieder Ost- und Westdorgon, die autark bleiben, jedoch wieder die Republik als ganzes ins Leben rufen.

ca. 1700 v. Chr.: Der Konsul Jusilus stürzt die beiden Kanzler und eint das Reich. Er lässt sich zum Kaiser krönen und ruft das alte Imperium wieder aus. Der Nationalstolz der Dorgonen wird wieder ins Leben gerufen und den Außerirdischen ergeht es schlecht. Die Streitkräfte werden aufgerüstet und die Galaxis in Protektorate eingeteilt.

ca. 1651 v. Chr.: Jusilus wird ermordet. Sein Nachfolger Brusasus bestraft die Attentäter und vollendet den Aufbau des galaktischen Imperiums.

ca. 1169 NGZ: Geburt Thesasians

ca. 1227 NGZ: Geburt von Alupia und Klausius

ca. 1235 NGZ: Tod von Pytagos und Thronbesteigung von Thesasian

ca. 1254 NGZ: Geburt von Carigul

ca. 1269 NGZ: Geburt von Nersonos

ca. 1279 NGZ: Schlacht am Throgahn-Dreieck, bei dem die Widerstandsgruppe Neue Republik vollständig aufgerieben wurde und der Anführer Erastos ermordet wurde. Diese Schlacht machte den heldenhaften Soldaten Vesus zum Oberkommandanten der dorgonischen Streitkräfte.

ca. 1286 NGZ: Cau Thon reist nach Dorgon und erklärt dem Kaiser Thesasian, dass die Milchstraße eine Goldgrube wäre. Thesasian beginnt mit den Eroberungsplänen. Er schickt einen Diplomaten los, der die Terrororganisation MORDRED unterstützt.

1291 NGZ: Die Galaktiker und Saggittonen erreichen Dorgon mit einer kleinen Flotte und versuchen die bevorstehende Invasion aufzuhalten. Dabei kommt es zu Kämpfen, wobei Kaiser Thesasian getötet wird.

Mitte 1291 NGZ: Carigul, der Sohn Thesasians, wird neuer Kaiser und beginnt sofort mit seiner Vergöttlichung. Er verschwendet die Steuergelder und demütigt die Flotte, indem er sie Gesteinsproben von einem Asteroidengürtel sammeln lässt, anstelle die Invasion zur Milchstraße zu starten.

Herbst 1291 NGZ: Carigul wird von Mitgliedern der Flotte ermordet. Klausius, Thesasians spastischer Bruder wird von Senator Priamus als neuer Imperator eingesetzt.

Winter 1291 – Mitte 1292 NGZ: Klausius wird von seiner Schwester und Ehefrau Alupia mit Pilzen vergiftet und Nersonos wird neuer Kaiser. Er führt eine Schreckensherrschaft, brennt die Hauptstadt Dom nieder und wird, nachdem die Flotte unter Vesus revoltiert und sich mit den Galaktikern verbündet, gestürzt. Er ermordet sich selbst. Danach wird der Rebellenführer Uleman neuer Kaiser. Die Superintelligenz DORGON erscheint und erklärt, dass die Dorgonen ein auserwähltes Volk sind, die mit den Terranern Seite an Seite um die Existenz des Universums kämpfen werden.

Ende 1295 NGZ: DORGON erscheint Uleman und bittet ihn, eine große Flotte von Dorgonen ihm zur Verfügung zu stellen. Er wirbt für das kosmische Projekt und Uleman entsendet knapp 3 Milliarden Wesen. Er lehnt es jedoch ab, dass seine Tochter Arimad ebenfalls zur Insel fliegt. An ihrer Stelle setzt er den jungen General Titus Jusiulus ein, der bereits auf Hesophia bei den Rebellen gedient hat. Uleman zieht sich aber auch den Unmut des Volkes und von Vesus zu, als er dessen Gesuch zur Insel zu fliegen ebenfalls ablehnt.

1298 NGZ: Der Separatist Carilla terrorisiert die dorgonische Regierung. Dank der Besatzung der IVANHOE und Cauthon Despair kann Carilla verhaftet werden. Arimad und Commanus heiraten. Uleman stirbt kurz danach. Angeblich wurde er von seinem Adoptivsohn Decrusian ermordet, doch der Verdacht fällt auf Commanus. Mitte 1298 wird Commanus neuer Kaiser Dorgons. Carilla wird Konsul. Es formiert sich Widerstand gegen die neue Regierung. Ende 1298 NGZ werden die Rebellen vernichtend von den Flotten des Vesus und Carillas geschlagen. Decrusian geht in den Untergrund.

1299 NGZ: Der Bau einer großen Invasionsflotte beginnt.

Glossar

Ophaler (der Ophaler, des Ophalers, die Ophaler, ophalisch)

Intelligenzvolk aus der Galaxis Siom Som, dort auch als Sänger von Ophal bekannt. Die Ophaler beherrschen ein kleines, rund 250 Lichtjahre durchmessendes Sternenreich in der Eastside von Siom Som. Zentrum des Imperiums ist der Planet Mardakaan. Die Ophaler sind ein bis anderthalb Meter groß, haben einen tonnenförmigen Rumpf mit kurzen, stämmigen Beinen und sechs gelenklosen, tentakelähnlichen Armpaaren, die in hochsensible Fühlerbüschel auslaufen, welche menschlichen Händen an manueller Geschicklichkeit weit überlegen sind.

Die Haut ist rot und korkenartig. Der Rumpf läuft in einen Hals aus, der bis zu 80 cm Länge ausgestreckt werden kann. Auf ihm sitzt ein eiförmiger Kopf mit lippenlosem Mundschlitz und ist von ganzen Trauben verschiedenfarbiger knollenähnlicher Sinnesorgane bedeckt. Wo der Hals in den Rumpf übergeht, befindet sich das wichtigste Organ der Ophaler, ein armdicker Knorpelwulst mit zahlreichen Membranen, quasi ein organischer Synthesizer.

Die Sprache der Ophaler ist im wahrsten Wortsinn Musik. Dabei entsprechen dumpfe Basstöne zornigen Bemerkungen, trällernde Flötenlaute freudigen Ausdrücken, Paukenschläge Schimpfwörtern usw. Neben ihrer Musiksprache können die Ophaler auch herkömmliche Idiome produzieren, in ihrem Fall die estartische Kriegersprache Sothalk.

Die Musiksprache besitzt eine psionische Komponente, die aber nur dann zum Tragen kommt, sobald sich mindestens zehn Ophaler zu einem Chor zusammenschließen. Ihre Musik kann dann hypnosuggestive Wirkung haben und die Zuhörer friedfertig oder aggressiv, lustig oder traurig usw. stimmen und völlig realistisch wirkende Illusionen erzeugen. Chöre mit mehr als tausend Ophalern haben eine psionische Reichweite von mehreren Lichtjahren.

Auf Mardakaan existieren verschiedene Singschulen, wobei es nicht hauptsächlich auf die Vervollkommnung von künstlerischem Ausdruck ankommt, sondern in erster Linie auf die Formulierung philosophischer bzw. politisch-ideologischer Ansichten. Der Gesang dient hier der Verherrlichung der Lehre vom Permanenten Konflikt, deren überzeugte Anhänger die Ophaler sind.

Es gibt allerdings viele unterschiedliche Ideen, wie die Verherrlichung des Konflikts und des Kriegers Ijarkor betrieben werden soll. Jede der im Lauf der Jahrtausende entstandenen Singschulen hat so ihre eigene Version der Verherrlichung des Kriegerkults entwickelt, die sie lehrt und praktiziert. Die Leiter der Schulen, die sogenannten Singlehrer, nehmen in der ophalischen Gesellschaft eine angesehene Stellung ein.

Im Jahr 446 NGZ gibt es auf Mardakaan elf große und zahlreiche kleinere Singschulen. Die Schülerschaft einer großen Schule zählt im Durchschnitt rund 5000 Sänger. Die Namen der Schulen sind poetisch gewählt und nehmen auf das eine oder andere Grundprinzip des Permanenten Konflikts Bezug (z.B. Wir singen für die Ehre oder Ode an den Kampf). Die Ophaler setzen ihre Fähigkeit des Para-Singens vor allem zu Beginn eines jeden Spiels des Lebens auf Mardakaan ein, um die Spieler hypnosuggestiv auf ihre jeweilige Rolle einzustimmen. Für die Gestaltung eines Spiels des Lebens wird gewöhnlich nur eine einzige Singschule ausgewählt, was durch Wettbewerb oder per Dekret geschieht.

Da zur Bestreitung eines Spiels des Lebens weit mehr Sänger erforderlich sind, als eine einzige Schule aufzubieten hat, müssen andere Sänger in der Singweise der ausgewählten Schule unterrichtet werden.

Alle diese Sänger müssen sich der von der ausgewählten Schule praktizierten Singstimme anpassen. Im August 446 NGZ führt der beim zu Ehren des Kriegers Ijarkor veranstalteten Spiel des Lebens vom ophalischen Singlehrer Salaam Siin (dessen Singschule ausgewählt wurde) initiierte Gesang zum Zusammenbruch der Heraldischen Tore und damit zur Wiederherstellung des Psionischen Netzes in Siom Som. Es ist der erste große Schlag der Gänger des Netzes gegen den Kriegerkult. Mentalstabilisierte und Mutanten sind grundsätzlich gegen die hypnotische Wirkung des Para-Singens immun, können aber durch das psionische Potential eines größeren Para-Chors beeinflusst werden. Einzelne Ophaler besitzen besonders ausgeprägte Para-Kräfte.

Die Ophaler sind im Grunde gutartige Wesen, humorvoll und mit einer Vorliebe für exzentrisches Auftreten. Ihre Raumschiffe sind gerüstähnliche Konstruktionen von unterschiedlicher Größe, an die Kabinencontainer angekoppelt werden. Sie sind mit Enerpsi-Antrieb und Gravojet ausgerüstet.

Somer (Der Somer, des Somers, die Somer, somerisch)

Das dominierende Volk in der Galaxis Siom-Som; von vogelähnlichen Vorfahren abstammend, aber nicht mehr flugfähig. Der Kopf hat dunkel- bis hellgrauen samtigen Flaum, der am Unterkiefer eine Art Backenbart bildet und die Gehöröffnungen schützt und verdeckt. Die Schnäbel sind gelb bis grellrot, auch Mischfarben; Brust vorgewölbt, im Nacken deutlich sichtbares Rückgrat bis zum Gesäß.

Die Arme haben langes, seidiges buntes Gefieder, die Hände sind dreifingrig, Füße zweizehig mit Fersenkralle, Beine dünn. Somer werden anderthalb bis zwei Meter groß. Ihr Schritt hat etwas Stolzierendes, aber auch Militärisches. Sie wirken insgesamt überaus hektisch. Die Stimmen sind hell und zirpend. Somer sind Eierleger, die Jungen kommen allerdings nicht auf dem Heimatplaneten Som zur Welt, sondern auf dem Nachbarplaneten Somatri (siehe Siom). Den Frauen werden die befruchteten Eier im Frühstadium entnommen und in Gebär- und Brutmaschinen abgelegt, bis die Somer-Babies aus ihrem Ei ausschlüpfen.

Die Somer sind also Retortenkinder. Die jungen Somer werden auf Somatri geschult und ausgebildet, danach ziehen sie als Gardisten oder Kodexberater und -wahrer in ihre Galaxis. Erst zum Sterben kehren sie ins Siom-System und nach Som zurück. Die Somer sind kadertreu, also durch Kodexmoleküle dem Kriegerkodex unterworfen. Ob Kodexwahrer, Kodexberater oder Gardisten (Soldaten), haben sie alle eine Upanishad-Ausbildung und tragen Shant-Kombinationen, die zusätzlich noch Translatoren haben, mit den gängigsten Idiomen von Siom Som gefüttert. Auf der Brust der Kombinationen prankt das ESTARTU-Symbol mit den drei Pfeilen. Die Somer manipulieren über die Heraldischen Tore die Geschicke jener Völker in Siom Som, die im Besitz solcher Tore sind. Über ihnen stehen in der ESTARTU-Hierarchie die Elfahder als direkte Gefolgsleute der Ewigen Krieger, und natürlich die Krieger selbst.

Adlerschiffe

Die Adlerschiffe sind die Militärschiffe im dorgonischen Kaiserreich. Sie haben ihren Namen durch die Form des Schiffes bekommen. Es gibt drei unterschiedliche Größen der Adlerschiffe:

Typ Dorgon

Länge: 6500 m
Breite: 2100 m
Höhe: 1400 m
Bewaffnung: Hypertron-Impulser, Transonator, Semi-Transit-Feld, 5000 Einmannjäger, 500 Raumfähren, 100 Starke Kreuzer, 7000 Bodentruppen, 200 Panzer, 150 Gleiter
Defensivbewaffnung: Hypertronschirm, Hypertakttriebwerk
Besatzung: 55.000 Mann

Typ Dom

Länge: 1500 m
Breite: 550 m
Höhe: 275 m
Bewaffnung: Transonator, Semi-Transit-Feld, 1000 Einmannjäger, 100 Raumfähren, 15 Starke Kreuzer, 2000 Bodentruppen, 50 Panzer, 75 GleiterDefensivbewaffnung: Hypertronschirm, Hypertakttriebwerk
Besatzung:15.000 Mann

Typ Vertasus

Länge: 800 m
Breite: 320 m
Höhe: 210 m
Bewaffnung: Transonator, Semi-Transit-Feld, 500 Einmannjäger, 50 Raumfähren, 5 Starke Kreuzer, 1000 Bodentruppen, 30 Panzer, 50 GleiterDefensivbewaffnung: Hypertronschirm, Hypertakttriebwerk
7500 Mann

Vesus

Geboren im Jahre 1241 NGZ auf Zertonia, Dorgon (M 100), mit einer Größe von 1,87 Metern und einem Gewicht von nur 79 kg eher von hagerer Natur. Die Augen sind blaugrau, die Haare schwarzgrau.

Vesus hat einen athletischen Körperbau, einen strengen Gesichtsausdruck, wirkt stets diszipliniert, ist ein guter Taktiker und ein absoluter Militarist .

Vesus ist ein geborener Soldat, der mit 16 Jahren in die Armee eingetreten ist. Nach sieben Jahren Infanterie und Panzergleiter hat er sich den Flugjägern zugewendet und ist zu einem der besten Piloten Dorgons geworden, der in etlichen Einsätzen gegen revoltierende Kolonien sein Können unter Beweis gestellt hat.

Im Jahre 1278 NGZ ist er zum Sicherheitschef der JUSILUS XI ernannt worden und hat während der Schlacht am Throgahn-Dreieck seinen Dienst auf der Brücke getan. Der damalige Flottenoberkommandant Hasanus ist während des Gefechts auf dem Flaggschiff DRUSANIA gestorben. Sein Stellvertreter hat auf der JUSILUS die Nerven verloren und Vesus hat die Initiative übernommen. Mit gewagten Manövern und strategischen Glanzleistungen hat er den Adlerschiffen den Sieg beschert.

Kurz danach ist Vesus von Thesasian geehrt und zum Oberkommandant der Dorgonischen Streifkräfte erklärt worden.

Zehn Jahre später hat Vesus das Kommando über das neue Flaggschiff, die DOMULUS, erhalten und führt seither die Heimatflotte an.

Er dient treu den Kaisern. Nur als er Nersonos’ Wahnsinn erkennt, schließt er sich den Rebellen an und so wird ihr härtester Gegner zu einem loyalen Verbündeten, der auch Kaiser Uleman als Oberster Militär dient. Nach dessen Tod ist Vesus nicht mit der neuen Regierung zufrieden, doch er kommt von der Droge Militär nicht weg. Nach einem Rücktritt übernimmt er wieder die Flotte, in der Hoffnung, durch seine milde Handhabung grausame Schlachten zu verhindern.

Vesus ist kein Freund der Invasion in den estartischen Galaxien, befolgt aber als Soldat seine Befehle. Die Gewissensbisse ertränkt er seit jeher in Alkohol.

Die DORGON-Serie – Das Quartierum – ist eine nicht kommerzielle Publikation des PERRY RHODAN ONLINE CLUBs. Band 104 zuletzt geändert am 2004-02-22. Autor: Ralf König. Titelbild-Zeichner: Heiko Popp. Korrekturleser: Henriette Zirl und Alexander Nofftz. Generiert mit Xtory 3.0 (powered by Apache Cocoon 2.1) von Alexander Nofftz. Homepage: http://www.dorgon.net/. E-Mail: dorgon@proc.org. Technischer Berater: Sebastian Schäfer. Adresse: PROC c/o Nils Hirseland, Redder 15, 23730 Sierksdorf. Copyright © 1999-2004. Alle Rechte vorbehalten!