
Im Jahre 1298 NGZ gelingt es den vereinten Kräften der Terraner, Saggittonen und ihrer Alliierten, den gefürchteten SONNENHAMMER zu vernichten und somit MODRORs Invasionsplänen vorerst ein Ende zu setzen.
Die große Gefahr durch die finstere Entität scheint gebannt – doch in Wirklichkeit ruhen die Söhne des Chaos nicht. Innerhalb von sechs Jahren stampfen sie aus Cartwheel ein neues Imperium hervor – das Quarterium unter der Führung des Imperatore de la Siniestro.
Während sie sich öffentlich als friedliches Reich präsentieren, arbeiten die Söhne des Chaos in Wirklichkeit an der Umsetzung von MODRORs Eroberungsgelüsten.
Nicht anders in M 100, Dorgon. Seit Jahren wird die Regierung unter Kaiser Commanus vom Sohn des Chaos Cau Thon manipuliert. Die Opposition wird als Verräter verschrieen und der Bau einer gewaltigen Flotte wird von jedem akzeptiert.
Nun ist das Ziel dieser Angriffsflotte bekannt – es ist die INVASION IN ESTARTU …
Der Brocken hing in der Dunkelheit des Alls, wie auf Samtkissen lagen die kleinen Lichter, die die Sterne der Galaxis symbolisierten. Die Heimat aller Dorgonen zeigte sich im besten Licht.
Schweigend stand der einsame Mann auf dem atmosphärelosen Brocken, ließ die Stimmung dieser Nacht in Dorgon auf sich wirken und schaffte es dabei kaum, ruhig zu bleiben. Zu erschreckend waren die Nachrichten, die sie in den letzten Wochen und Monaten erhalten hatten.
Ganz kurz nur schweiften seine Gedanken zurück zur schwärzesten Stunde der Rebellion. Im letzten Augenblick war ihnen die Flucht geglückt, zurückgelassen hatten sie Blut und Tränen, nicht selbst verursacht, aber immerhin beteiligt waren sie daran. Wäre es besser gewesen, auf jeglichen Einsatz von Gewalt zu verzichten?
Andererseits waren es nicht sie gewesen, die mit der Gewalt angefangen hatten. Sie hatten sich nur verteidigt gegen ein immer mehr in Diktatur versinkendes Reich. Waren mehr und mehr in die Defensive gedrängt worden und versuchten nun, das Beste daraus zu machen. So schwach waren sie nach der endgültigen Niederlage gewesen, einsam und ohne jegliche Unterstützung mussten sie sich verstecken, auf Welten, die niemand kannte, die abseits der gängigen Reiserouten lagen und auf denen sie niemand suchen würde.
Solche Plätze gab es in der Galaxis mehr als genug. Weit entfernt von der Heimat hatten sie Zuflucht gefunden, ihre Wunden geleckt, Stützpunkte eingerichtet und nach Freunden gesucht, die sie auf den Welten des Kaiserreiches auch mehr als genug gefunden hatten.
Viele Dorgonen waren nicht einverstanden mit dem neuen Regime, daran hatte sich nichts geändert. Aber sie waren vorsichtiger geworden. Das war auch verständlich, nach der verbrannten Erde, die Commanus damals hinterlassen hatte. Heute war auf vielen Welten Gras über die Verwüstungen gewachsen, wirkte vieles, als wäre es vollkommen intakt und als wäre es niemals anders gewesen. Der Wiederaufbau nun unter regierungstreuen Vertretern war von Commanus nicht nur unterstützt, sondern zu Zwecken der Eigenwerbung ausgeschlachtet worden.
Natürlich, wie sollte es auch sonst sein.
Der Raumanzug behinderte den einsamen Wanderer nicht, der auf der atmosphärelosen, kleinen Welt seinen Spaziergang machte. Unterschiedliche Verrichtungen erledigte er, kontrollierte Messeinrichtungen und beobachtete das schwarze, reiche, so wunderschöne All, das von diesem Platz bezaubernd und unwirklich aussah. Fast verlor er sich darin, aber er musste sich nur vor Augen führen, wie sie damals Hesophia verlassen hatten und schon kehrten seine Gedanken wieder zurück.
Vieles hatte sich getan in diesem neuen Dorgon. Nicht alles hatten sie herausfinden können, aber einiges war ihnen zu Ohren gekommen. Anderes wiederum spielte sich jeden Tag direkt vor ihren Augen ab. Es war kaum zu übersehen, was geschah. Dorgon rüstete auf. Nur zu welchem Zweck? Derzeit gab es keinen Cau Thon, der ihnen Ziele vorgab. Oder doch?
Wer wusste schon, was Commanus wirklich antrieb. Hatte er ähnliche Ratgeber, wie einst Kaiser Thesasian? Wenn ja, was war ihr nächstes Ziel? Terra, wie schon einmal, die Milchstraße der Freunde, die Dorgon dereinst befreit hatten?
Oder wollten sie diesmal ganz andere Orte aufsuchen, Welten, die sie noch niemals gesehen hatten?
Was auch immer sie planten, lange würde es sicher nicht mehr dauern. In den letzten Jahren waren so viele Dinge geschehen, so viele Welten mit Werften aufgerüstet worden, so viele Adlerschiffe erbaut und in Dienst gestellt worden, dass die wenigen Verluste, die die Kriege der Vergangenheit der Flotte beigebracht hatten, kaum noch ins Gewicht fielen.
Nur für einen Augenblick dachte er an die Wesen, die er auf Dorgon zurückgelassen hatte. Arimad sollte nicht mehr dort sein. Aber als Informantin im Palast war sie zu wertvoll. Wie sollten sie sich selbst jemals in die Augen sehen können, wenn sie solche Entscheidungen trafen?
Wie auch immer, es nützte nicht, sich jeden Tag verrückt zu machen. Glücklicherweise passierte ihm das nicht allzu oft.
Spielerisch stieß er sich ab von der kleinen Welt, deren Gravitation um so vieles niedriger war als die der Heimat. Er schwebte in einem sanften Bogen auf eine schroffe Anhöhe, verankerte sich dort mit Hilfe des Mikrogravitators und blickte sich noch einmal um. Dann steuerte er einen unauffälligen Teil der Felswand an. Kurz nur öffnete sich ein Durchgang, als er einige Tasten an seinem Armband-Kommunikator betätigte. Das wenige Licht, das nach außen drang, war kaum zu erkennen. Sie waren gut getarnt auf diesem kleinen Asteroiden. Aber auch fernab von allem, was wichtig war. Und erschreckend weit davon entfernt, wieder eine Rolle in dieser Galaxis zu spielen.
Etwas würde sich ändern. Bald schon.
Nur was?
Torrinos öffnete den Helm. Sie würden es schon merken.
Geheimnisvoll war es nicht, was derzeit passierte. Die Vielzahl der neuen Schiffe war kaum zu übersehen. Und auch Vesus konnte nichts anderes vermelden, als dass die Stärke der Flotte drastisch erhöht worden war. 200.000 neue Adlerschiffe hatte das Reich in Dienst gestellt und verfügte somit über eine Flotte, die stärker war als alles, was sie bisher in dieser Galaxis gesehen hatten.
So prächtig die neuen Schiffe auch aussahen, die Welten Dorgons hatten unter dieser Welle der Aufrüstung mehr als nur leiden müssen. Vesus verschränkte die Arme hinter dem Rücken und nahm eine rastlose Wanderung auf, die er in den letzten Tagen immer wieder aufs Neue bestritten hatte.
Niemand beachtete ihn in der Zentrale des Raumschiffes, das das Flaggschiff Dorgons war. Der kommandierende Offizier als nervöser Feldherr war sicher ein ungewöhnliches Bild, aber die meisten der Offiziere, die zur geistigen Elite ihrer Welt gehörten, konnten durchaus nachvollziehen, was in dem Mann vorging. Sicher nicht ganz auf die gleiche Weise, denn Vesus war mindestens genauso Politiker wie Militär, wenn auch unfreiwillig. Trotzdem verstanden sie, welchen Blutzoll ihr Volk hatte zahlen müssen, um zu diesen Schiffen und zu dieser gewaltigen Stärke zu kommen. Und immer noch wurde weiter produziert, der Ausstoß der Werften war nicht weniger geworden. Etwas musste der neue Kaiser der Dorgonen, an den sie sich in all den Jahren immer noch nicht gewöhnen konnten, bezwecken.
Aber was?
Vesus konnte sich nicht vorstellen, wozu man solche Unmengen von Schiffen benötigen würde. Die Rebellion war derzeit nicht zu einem ernsthaften Widerstand in der Lage. Immer noch leckten sie die Wunden nach der verheerenden Niederlage vor sechs Jahren. Sie versteckten sich auf Stützpunkten, die nicht einmal er kannte. Wenn Kontakt mit ihm aufgenommen wurde, dann heimlich und durch Mittelsmänner. Die ursprüngliche Organisation hatte sich verändert. Anstatt viele Anhänger überall versammelt zu haben, begnügte man sich mit wenigen, die jeweils in einem Gebiet verteilt waren. Dabei kannte jeder nur die ihm direkt Unterstellten oder den ihm unmittelbar Überstellten. Was darüber hinaus ging, wusste niemand. So war es fast unmöglich, Spuren zurück zu verfolgen. Und wenn doch, dann dauerte es sehr lange, bis man verwertbare Resultate erzielte.
Diese Organisation in Zellen hatte sich bewährt. Immerhin hatten sie es geschafft, in all den Jahren zu überleben. Aber vielleicht wollte der Kaiser das auch so. Eine Opposition hatte einer Diktatur noch nie geschadet, so lange sie nicht zu stark wurde. Wenn es dem Volk gut ging, war einer Rebellion der Nährboden entzogen.
Nur war genau das derzeit nicht der Fall. Nur gewissen Schichten ging es gut, während die anderen hungern mussten.
Vesus konnte im Augenblick nichts dagegen tun. Jeder, der ihn umgab, konnte insgeheim dem Kaiser Treue geschworen haben. Die Jahre hatten vieles verändert. Längst nicht jeder Angehörige der Flotte kannte noch Uleman, den dereinst weise und friedlich regierenden Kaiser, der ganz neue Ideen in dieses Reich eingeführt hatte. Aber wer ihn kannte, respektierte seine Leistungen immer noch.
Nur war der Oberbefehlshaber der Flotte längst nicht sicher, ob alle an seiner Seite stehen würden, wenn es ernsthaft gegen den Kaiser ging. Viele hatten dem Amt die Loyalität versprochen, sie alle hatten das, aber Vesus vermutete, dass immer noch die weitaus meisten Uleman vermissten.
Trotzdem hatten die Jahre unter der Regierung des Commanus dafür gesorgt, dass sich kaum etwas verändert hatte. Und viele Soldaten waren deshalb kaum noch berechenbar. Jedenfalls nicht in einer Weise, dass man ohne Sorge eine Revolution anzetteln konnte, weder mit Unterstützung der Flotte und schon gar nicht ohne.
Etwas musste geschehen, um dieses wieder ändern zu können.
Vielleicht geschah es schon bald.
Der Oberkommandierende baute sich hinter seinem Sessel auf, stützte die Ellbogen auf die Rückenlehne und schaute auf den Bildschirm. Er musterte die Welt, der sie sich näherten. Vor allem lunare Gebiete, aber auch einige Bereiche auf der Oberfläche der Welt, waren von umfangreichen Produktionsanlagen bedeckt. Ein Schiff erhob sich gerade von seinem Landeplatz und reihte sich in eine Flotte ein, die auf ihre Abreise wartete. Schiffe, unglaublich viele Schiffe, hatten sich in dem Sonnensystem versammelt. Hesophia war heute eine besonders wichtige Welt für die Rüstung geworden.
Vesus war sich sicher, dass Commanus das mit Absicht gemacht hatte. Die Niederlage konnte kaum vollkommener sein, als auf diese Weise. Und das Volk hatte genug zu tun. Es kam so nicht auf dumme Gedanken.
Besonders schön war der Anblick allerdings nicht. Jedenfalls dann nicht, wenn man insgeheim nicht auf Seiten des Kaisers stand.
Trotzdem ließ der Anblick der vielen Schiffe das Herz eines überzeugten Militärs höher schlagen. Vesus schaute mit leuchtenden Augen zu, wie die neuen Schiffe, wie an einer Perlenschnur aufgereiht, an ihre Plätze flogen und sich in Standardformation versammelten.
Das Schweigen in der Zentrale zeigte ihm, dass er nicht der einzige war, dem dieser Anblick etwas bedeutete.
Unruhige Wanderungen waren schon lange nichts Ungewöhnliches mehr für Arimad. Im Vergleich zu damals, als noch die verrückten Kaiser regiert hatten, hatte sie es eigentlich gut getroffen. Commanus beachtete sie kaum noch, ließ allerdings auch nicht zu, dass sie sich zu sehr verselbstständigte. Sie war sein Eigentum, seine Ehefrau, er hielt sie wie eine Sklavin und benutzte sie bei jeder Gelegenheit, um selbst besser auszusehen.
Sie konnte es ihm nicht verdenken. Der gütige, freundliche aber feurige Commanus, in den sie sich vor Jahren verliebt hatte, war nicht mehr. Gestorben in den Wirren des Kampfes gegen die Rebellion, hingestreckt von etwas, das sie nicht identifizieren konnte. Was noch übrig war, war monströs und grausam, keinesfalls ein Mensch, den sie respektierte. Er war kaum noch zu ertragen.
Trotzdem wollte sie nicht von dieser Welt fliehen. Die Gelegenheit hatte sie bereits mehrfach erhalten, der Widerstand konnte immer noch durch die Geheimgänge in den Palast. Die Möglichkeit wurde aber kaum noch genutzt. Lediglich ab und zu, wenn es nötig wurde, Nachrichten nach draußen zu schmuggeln, wurden die Katakomben noch verwendet.
Sie war sich fast sicher, dass Commanus über diese Möglichkeiten Bescheid wusste. Aber es schien ihn nicht zu interessieren. Wozu auch? Wichtig war nur, dass niemand versuchte, sich offen gegen ihn zu stellen. Was im Verborgenen geschah, interessierte diesen Mann wirklich nicht. Und doch konnte es von Bedeutung sein.
Elenia war jung und wunderschön. Schon vor langer Zeit war die Tochter des Senators Falcus in den Palast gekommen. Über die Jahre hatten sie sich angefreundet und so erfuhr die Frau des Kaisers doch mehr, als Commanus recht sein konnte. Sie wusste nicht mehr, wie es passiert war. Vielleicht war der Genuss von Alkohol schuld daran. Aber sie hatte der Tochter des Senators, der sich so offensichtlich auf die Seite des Kaisers geschlagen hatte, mehr anvertraut, als gut war. Und so hatte sie über ihre Kontakte zum Widerstand berichtet. Seither half Elenia ihr immer wieder, wenn sich die Gelegenheit ergab. Verwundert nahm die Kaiserin zur Kenntnis, dass innerhalb derselben Familie offensichtlich oftmals Unterschiede herrschten, die man kaum vermutete.
Aber diesmal wussten sie beide nichts.
Es traf sie vollkommen überraschend, als Commanus ihnen breit grinsend die Wahrheit eröffnete.
Einsam wanderte die Gestalt durch die Straßen der Stadt, als die Geräusche an sein Ohr drangen. Er legte den Kopf in den Nacken und lauschte der Melodie, die durch die Gassen wehte, melancholisch, traurig, alles Leid dieser Welt enthaltend. Verwundert schüttelte sich der Somer und fuhr kurz über sein Gefieder, strich einige widerspenstige Federn glatt und machte einen Schritt auf die Quelle der Geräusche zu. Dann verharrte er. Zu lange schon waren die Wunden vernarbt, er wollte sie nicht mehr wiedersehen.
Die Ophalerin bog um eine Ecke, gerade noch konnte er ihren schlanken Körper verschwinden sehen. Seufzend blieb er stehen, unschlüssig mit den Füßen scharrend, presste sich an die Hauswand und bewegte sich lange Zeit nicht. Als er sich gerade auf den Weg machen, ihr doch noch folgen wollte, wurde er von einem neuerlichen Geräusch daran gehindert. Diesmal war es lange nicht so harmonisch wie der Gesang der Vollendung, den die Ophalerin zum Besten gegeben hatte. Es waren die Geräusche eines Orkans, einer Windsbraut, die niemand sich wünschte, der auf einer Welt mit einem Raumhafen lebte.
Wie ein Donnersturm tobte es über ihn hinweg. Er warf sich zu Boden, legte die Hände über die Augen und schrie auf, als der tosende Schemen direkt über ihm war. Zum Glück war das Schiff noch hoch genug. Aber nicht mehr lange. Mit Getöse schlug es auf in der Mitte dieser Stadt, nur wenige Kilometer von ihm entfernt. Er konnte die Erschütterungen spüren, als die Trümmerstücke ganz in seiner Nähe nieder prasselten.
Der Wind legte sich, der Staub senkte sich langsam, verschwand. Erschrocken sprang der Somer auf, rannte hinter der Frau her, die ihn verlassen hatte und blieb wie erstarrt stehen, als er sie an der Wand lehnen sah. Sie stand einfach nur da, sagte nichts, bewegte sich nicht. Er näherte sich ihr langsam, legte seine Hand auf ihre Schulter und wollte sie ansprechen. Aber sie glitt an der Wand entlang nach unten, setzte sich hin, aufrecht, ihre Hand schlug auf den Boden. Er beugte sich zu ihr hinunter und sah das Ende der Stange aus ihrer Brust ragen. Nur wenig Blut konnte er erkennen, ihre andere Hand verkrampft um das Eisenstück geschlungen. Er löste die Finger und schaute in ihr Gesicht. Er würde ihr nicht mehr helfen können. Tränen hinterließen Spuren auf den schmutzigen Wangen des Wesens, als es sich langsam aufrichtete und klagende Schreie ausstieß.
Gehetzt bewegte er sich durch die Straßen, den Leichnam nicht mehr beachtend. Er sah nicht, wohin er taumelte, wollte auch gar nichts mehr sehen. Seine Hände schlossen und öffneten sich, geballte Fäuste schlugen gegen Trümmer, die ihm jede Möglichkeit nahmen, weiter zu kommen, aber dann einfach umkippten. Er erreichte nach fast vier Stunden einen Raumhafen, drängte sich rücksichtslos durch die Menge und taumelte an Bord des Schiffes, das ihn in den Orbit bringen würde. Es löste sich nicht einmal mehr vom Boden – als der Feuerstrahl aus dem Himmel fuhr, sah der Somer nur noch den Lichtblitz, spüren konnte er nichts mehr.
Er war nicht der erste, der an diesem Tag starb. Aber er würde auch nicht der letzte sein.
Der Krieg war nach Aphel gekommen.
Vesus sammelte die Flotte, wie Commanus befohlen hatte. Er verfolgte die Lichtpunkte auf seiner Ortung, inmitten der Zentrale stehend, deren Wände nicht mehr vorhanden zu sein schienen. Der Weltraum hatte übernommen, die Rundumsicht war aktiviert worden. Schiffe in unglaublicher Zahl waren zu erkennen.
Die Flotte Dorgons bestand inzwischen aus mehr als fünfhunderttausend Einheiten und es wurden immer mehr. Was auch immer Commanus vorhatte, Vesus glaubte nicht mehr, dass es etwas mit seiner Heimatgalaxie zu tun hatte. Nachdem Commanus seine Macht gefestigt hatte, hatte er wiederum damit begonnen, Kolonialwelten zu suchen und auszurüsten. Auf diese Weise waren viele neue Welten zum Imperium gestoßen, die teilweise ergiebige Bodenschätze aufwiesen. Wirtschaftlich war der Rüstungswahnsinn damit durchaus zu finanzieren. Die neue Kolonialisierungswelle war aber vermutlich auch ein Zeichen in anderer Hinsicht. Das Dorgon nach dem Ende der Friedensphase würde wiederum alten Ideen folgen. Invasion und Hegemoniestreben würden an Stelle der friedlichen Koexistenz treten, das war abzusehen, und ein Ergebnis davon sahen sie heute vor sich. Eine Flotte, die groß genug war, nicht nur die eigenen Galaxie zu verteidigen, sondern auch eine Invasion zu starten. Wen auch immer es treffen würde, es würde vermutlich bald beginnen.
Vesus ließ die Schiffe in Formation in das System einfliegen. Die meisten verteilten sich auf Parkpositionen. Eine Flotte von fast dreihunderttausend Schiffen verlor sich auch in einem gigantischen Sonnensystem wie dem der Dorgonen. Nur das Flaggschiff flog weiter, erreichte die Heimatwelt, während Bildschirme zeigten, wie ihre Ankunft ausgeschlachtet wurde. Auf allen Kanälen Dorgons waren sie zu erkennen, wie sie sich um die Heimat versammelten. Wie in Zeitlupe schwebte das Schiff des Vesus auf den Raumhafen zu, senkte sich majestätisch, untermalt von den Klängen Arus Dronikus’ auf einen freien Platz, vor dem eine Rednertribüne aufgebaut war. Ein gewaltiges Schiff als Kulisse, das passte zum neuen Herrscher dieser Welt.
Gespannt beugte sich ganz Dorgon vor, denn jeder erkannte, dass heute eine besondere Ankündigung gemacht werden würde.
In seine edelste Unform gehüllt, verließ der Kriegsherr das Schiff. Er brauchte fast eine halbe Stunde, um den Antigrav zu erreichen, mit dem er das Flaggschiff verlassen konnte. Als er unter dem Schiff hindurch auf die Tribüne zu schritt, kam von der anderen Seite ein Gleiter, der das Podium fast im gleichen Augenblick erreichte wie der Kriegsherr. Stille zeigte deutlicher als Jubelgeschrei die Spannung der Zuhörer. Commanus hatte das Publikum handverlesen. Sicher war dort niemand, der nicht hundertprozentig auf der Seite des Kaisers stand. Zumindest würden sich kaum Rebellen unter diese massierte Ansammlung von Reichstreuen wagen.
Nebeneinander standen der Kriegsherr und der Kaiser und warteten, bis auch das letzte Geräusch verstummt war.
Dorgonen!
, sagte der Kaiser, leise, aber verstärkt durch die Felder der Mikrophone. Dorgonen, an diesem denkwürdigen Tag werden wir unsere Welt, unsere Galaxis verlassen, um unseren Platz im Universum zu festigen. Viele Welten Dorgons sind bereits Teil unseres Imperiums. Aber das ist noch lange nicht genug. Deshalb werden mit dem heutigen Tage unter Vesus Kommando 300.000 Raumschiffe Dorgon verlassen, die unsere Freunde befreien werden. Von diesem Augenblick an befindet sich Dorgon im Krieg. Das Ziel der Flotte wird allerdings nicht bekannt gegeben. Nur Vesus selbst wird wissen, wohin er fliegt. Ich werde der Feldherr dieser Operation sein, Vesus und Carilla werden an meiner Statt alle nötigen Aufgaben erfüllen.
Das Schweigen wurde womöglich noch intensiver. Als er verstummte, hätte man auf dem riesigen Raumhafen eine Stecknadel fallen hören können.
Gemeinsam gingen sie unter das Schiff, als sie den Antigrav erreichten, schüttelte der Kaiser die Hand seines Kriegsherrn und entließ ihn. Während Vesus zu seinem Kommandostand zurückkehrte, ging der Kaiser Dorgons an seinen Platz zurück.
Das ganze Reich verfolgte, wie sich das Schiff vom Boden seiner Heimatwelt löste und ins All flog. An der Spitze einer gewaltigen Flotte machte sich Vesus auf den Weg.
Bemerkenswert war, dass nicht einmal die treuen Vasallen des Kaisers in Jubel ausgebrochen waren …
Noch wusste niemand außer dem Kaiser, wohin sich die Flotte in Marsch setzte. Auch Vesus kannte seinen eigentlichen Auftrag noch nicht. Er verließ die Kommandozentrale und begab sich in seinen Bereitschaftsraum. Dort atmete er tief durch und legte den versiegelten Datenträger in das Lesegerät.
Erst als er seinen persönlichen Code eingegeben hatte und sich auch noch aufgrund anderer biometrischer Merkmale gegenüber den implementierten Sicherheitsroutinen ausgewiesen hatte, öffnete sich der Inhalt des Datenträgers für ihn und der Kriegsherr erfuhr, wohin die Expedition gehen sollte. Seufzend gab er die Anweisungen in den Rechner ein, der einen Kurs festlegte.
Als die Flotte des dorgonischen Reiches die Grenze des Systems erreichte, war die Berechnung beendet und der Navigator hatte sein Einverständnis erklärt. Und spätestens ab diesem Zeitpunkt wusste die Flotte, wohin die Reise ging.
Es war allerdings zu spät, um noch jemanden zu benachrichtigen.
Vesus war klar, dass der Angriff die Völker vollkommen unvorbereitet treffen würde.
Andererseits würde es einen schnellen und möglicherweise unblutigen Sieg bedeuten.
Siom Som jedenfalls durfte sich auf unangenehme Tage gefasst machen.
Torrinos war wieder einmal auf seinem Rundgang, als er die Nachricht erhielt, dass die Flotte des dorgonischen Reiches sich auf den Weg an ein unbekanntes Ziel gemacht hatte. Er senkte den Kopf, verharrte so für wenige Minuten. Die Kriegsmaschinerie des Reiches Dorgon war somit wieder einmal angelaufen.
Langsam wandte er sich vom Anblick der Sterne ab, die, wieder einmal rätselhaft und unnahbar, über der kleinen Welt leuchteten, auf der sich der Rebellenstützpunkt befand. Der Rebell machte sich klar, dass er diesmal nicht einmal die Chance haben würde, and vorderster Front einzugreifen. Wohin auch immer die Flotte unterwegs war, sie würden es nicht schnell genug erfahren. Eine Expedition auszuschicken, wäre insofern sinnlos. Abgesehen davon war eine Übermacht von 300.000 Schiffen in jedem Fall zu viel.
Torrinos war ziemlich sicher, dass die Geheimniskrämerei nicht lange dauern würde. Schon allein die riesige Zahl der Schiffe war ausreichend, um jeden Gegner vor Furcht erstarren zu lassen. Dazu lief die Kriegsmaschinerie des Reiches auf Hochtouren und produzierte weitere Schiffe. Es war also nicht einmal ein Problem, im Falle einer sich androhenden Niederlage Nachschub an Schiffen, Material und Kriegern ans Ziel der Invasion zu schicken. Es würde in jedem Fall sehr schwer für das Volk werden, das sich gegen den Angriff der Dorgonen wehren musste.
Hoffentlich war diesmal nicht die Milchstraße Ziel der Angriffe. Aber allein schon die Flotte der Arkoniden wäre fast ausreichend gegen die Flotte ihres Volkes gewesen. Es musste also ein Teil des Universums sein, wo die Wesen noch friedlicher eingestellt waren und kein solches Wettrüsten stattfand. Der Dorgone begab sich zurück in den Stützpunkt. Er hoffte, dass Nachrichten von den Agenten eingetroffen waren.
Commanus stand am Fenster seines Zimmers im Palast von Dom und starrte in die Nacht hinaus. Lange Jahre war es her, seit Cau Thon das letzte Mal in seiner Nähe gewesen war. Damals war ihm kalt geworden, fröstelnd hatte er sich umgewandt und den Schatten des grausamen Meisters hinter sich gesehen. Er hatte sich nicht gerührt, einfach nur schweigend auf die stumme Gestalt geblickt, die ihn aus der Tarnung seiner Kapuze heraus unauffällig musterte. Ein heiseres Kichern hatte ihm eine Gänsehaut verursacht und unwillkürlich fragte er sich, wie weit er noch von dem entfernt war, was der Meister symbolisierte.
Wenn es stimmte, was man sich erzählte, hatte der grausame Fürst der Finsternis schon ganze Völkerscharen im Namen MODRORs ausgerottet. Wenn er so vor einem stand, konnte sich Commanus das auch vorstellen. Cau Thon war nicht riesig, doch seine Präsenz war eben dies.
Auf seinen knorrigen Stock gestützt kicherte das uralte Wesen, welches nicht älter als Carilla aussah, immer noch heiser. Unterdrückt lachend trat er einen Schritt näher.
Du hast gute Arbeit geleistet, Imperator der Dorgonen. Ich bin beeindruckt, wie leicht es dir gefallen ist, das Volk wieder unter Kontrolle zu bringen.
Commanus schwieg. Er hätte nun darauf hinweisen können, wie einfach das war, wenn man den richtigen Teil des Volkes ausreichend zufrieden stellte und ihm die Möglichkeit gab, den falschen Teil des Volkes gebührend auszubeuten. Er hätte ihm erzählen können, dass nichtmenschliche Völker hervorragende und billige Arbeitssklaven abgaben, die unabhängig von hohen Lohnkostenzum Wohle des Reiches produzierten, und dass auch die Kolonialisierung mit ihren Bodenschätzen, die sie immer wieder mit sich brachte, ihren Teil dazu beitrug.
Aber andererseits war er sicher, dass Cau Thon wesentlich mehr über die komplexen Zusammenhänge einer intergalaktischen Wirtschaftsmacht wusste, als Commanus lieb sein konnte. Für einen Augenblick war er fast froh, dass der Rote auf ihrer Seite stand. Wobei das so sicher auch nicht festzulegen war. Stand er wirklich oder tat er nur so? Wie lange würde es dauern, bis er sich gegen sie wandte und ihnen in den Rücken fiel? Commanus wollte es eigentlich gar nicht wissen. Aber er konnte sich gegen diese Gedanken nicht wehren.
Er machte einfach nur eine bestätigende Geste und wartete ab.
Das ist gut, denn die Unterstützung deines Volkes wirst du nun brauchen. Viele Wesen leben in diesem Teil der Galaxis und sie werden dir helfen, unseren großen Plan zu erfüllen. Deshalb wirst du das Volk in die richtige Richtung führen. Rüste deine Welt auf, sorge dafür, dass Adlerschiffe in ausreichender Zahl und mit sehr guter Bewaffnung zur Verfügung stehen und versammle die besten Strategen deines Volkes um dich. Wenn dir das gelungen ist, werde ich wiederkommen und dir mitteilen, wohin die Reise geht.
Der Schemen verstummte. Commanus fühlte sich von den kalten Augen des Mannes gemustert, fast körperlich glaubte er, die Blicke zu spüren, als ihm ein kalter Schauer über den Rücken lief und eine Gänsehaut verursachte. Er konnte nicht einmal genau sagen, ob er wirklich gemustert wurde. Allein das Gefühl, dass es so sein könnte, reichte eigentlich schon aus, um ihn unbehaglich zurück zu lassen.
Langsam zog sich der Schemen von ihm zurück und war plötzlich verschwunden. Cau Thon war geräuschlos aus dem Zimmer geschlüpft – Commanus hatte nicht einmal die Türe gehört. Fast war es ihm, als hätte diese Begegnung niemals stattgefunden.
Wie erstarrt stand der Kaiser nicht weit vom geöffneten Fenster entfernt. Er erzitterte leicht in dem kühlen Luftzug, der ihn traf, die Nacht war nicht ganz so lau, wie er das normalerweise empfand. Wenige Momente gab er sich seiner Furcht hin, die ihn seit langer Zeit gefangen nahm.
Er dachte nicht gerne an diese Begegnungen zurück. Sein Schwiegervater hatte zu den Opfern gehört und letztendlich hatte er auf dem Altar einer eingebildeten Vasallentreue zu diesem Monster seine Liebe zu der Frau geopfert, die ihm so viel bedeutet hatte. Er fragte sich, ob ihm die Macht über dieses Volk wirklich so wichtig war. Aber er hatte nun keine Möglichkeit mehr, seine Richtung zu ändern. Cau Thon war nicht nur der Garant seiner Macht, er war gleichzeitig auch seine größte Bedrohung.
Das Abbild der Kaiserin erschien vor seinem geistigen Auge. Arimad hatte nicht verdient, auf solche Weise in Gefangenschaft gehalten und von den Freuden dieses Lebens entfremdet zu werden. Aber er konnte es nicht ändern. Nicht mehr. Auch wenn er es vielleicht wollte.
Aber wollte er überhaupt?
Plötzlich war er sich gar nicht mehr sicher.
Der Luftzug war stärker geworden und Commanus drehte sich um. Er hatte das Gefühl, dass wieder einmal jemand hinter ihm stand und nicht zum ersten Mal nahm er sich vor, alle Möglichkeiten, heimlich in und aus dem Palast zu gelangen, endgültig versiegeln zu lassen. Tief in sich drin wusste er aber, dass das niemals passieren würde. Sie profitierten von diesen Einrichtungen mindestens so sehr, wie sie sie fürchten mussten, deshalb hatten die Kaiser dieser Welt niemals damit begonnen, diese Schlupflöcher zu stopfen.
Aber er hatte sich zumindest nicht getäuscht. Wieder einmal sah er den Mann hinter sich stehen, den er am meisten fürchtete. Cau Thon schlug diesmal sogar die Kapuze zurück und gewährte einen kurzen Blick auf sein Gesicht, das jugendlich wirkte, dem man aber die Lebenserfahrung trotz allem ansehen konnte. Ein Zug von Grausamkeit spielte um seine Mundwinkel, war nicht richtig greifbar, dieses Wesen war ein Meister der Verstellung. Er lächelte.
Nun ist es also endlich so weit, ich werde dir unser Ziel nennen. Wir werden in die Mächtigkeitsballung der ESTARTU fliegen und dazu eine Flotte von dreihunderttausend Schiffen mitnehmen. Wir werden die Mächtigkeitsballung angreifen und mit Siom Som beginnen. Du wirst diese Schlacht führen und deine Vasallen werden für dich einen glorreichen Sieg einfahren.
Commanus nickte stumm und wagte nicht, dem Menschen zu widersprechen, dem er seine Position verdankte. Er wartete ab, bis das Wesen seine Kapuze wieder aufgesetzt hatte und langsam zurückwich.
Diesmal werdet ihr nicht versagen. Diesmal wird Dorgon seinen Herrschaftsbereich ausdehnen können.
Seine Stimme wurde immer leiser, bis sie ganz verweht war und er selbst verschwunden. Commanus blieb allein zurück und bewegte sich lange Zeit nicht, dann setzte er sich hin, schrieb alle Befehle nieder, ließ den Datenkristall versiegeln und wartete auf die Ankunft der Flotte, die mit Vesus an der Spitze bald in das Sonnensystem einfliegen sollte.
Es wurde eine lange Nacht.
Arimad war sehr schlank geworden, fast schon verhärmt. Commanus löste sich aus seiner Position unweit des Springbrunnens, an dessen Rand die Kaiserin saß und das Wasser durch ihre Hand rinnen ließ. Immer und immer wieder schöpfte sie eine handvoll des kristallklaren Wasser und ließ es wieder in den Brunnen zurück fließen.
Neben ihr saß die schlanke Gestalt von Elenia, der Tochter des Falcus. Eigentlich sah Commanus es mit Wohlwollen, dass seine Frau sich mit der Tochter dieses Menschen abgab, denn es zeigte, dass sie seine neuen Freunde irgendwo akzeptierte. Wenn sie sich das auch noch nicht selbst eingestanden hatte. Andererseits hatte die junge Elenia teilweise merkwürdige Ansichten, folgten den neuesten Trends und war allgemein rebellisch, wie es Jugendliche sehr oft sind. Offensichtlich war sie nicht ganz mit dem einverstanden, wofür ihr Vater stand. Commanus sah jedoch keinen Grund zur Beunruhigung.
Er näherte sich den beiden und konnte erkennen, wie sich Arimad abwandte, als sie seiner ansichtig wurde. Kurz nur verzog er die Mundwinkel voller Wut, dann hatte er sich wieder in der Gewalt. Er ging zu den beiden Frauen und ließ sich vor der Kaiserin auf ein Knie niedersinken. Schweigend musterte er sie für wenige Augenblicke, dann lächelte er. Er konnte nicht ahnen, dass sein freundlicher Gesichtsausdruck auf die Kaiserin verzerrt und unsympathisch wirkte.
Kaiserin
, begann er und nickte ihr zu. Ich habe eine gute Nachricht für dich. Dorgon ist nun wieder mächtig genug, nachdem es unter deinem Vater ja lange genug darauf verzichten musste, um als große Kolonialmacht die Hand auch nach anderen Galaxien auszustrecken. Wir werden alsbald mit einer großen Flotte in eine weit entfernte Galaxie aufbrechen und die Wesen dieser Sterneninsel von den vermeintlich friedvollen Herrschern befreien, denen sie dienen. Dorgon wird nicht untergehen.
Er wartete ihre Reaktion nicht ab, sondern erhob sich.
Ich würde mich darüber freuen, heute Abend mit dir zu speisen. Um acht Uhr bitte ich dich, im großen Saal zu erscheinen.
Er bekam nicht mit, wie sie angewidert die Mundwinkel verzog. Sie nickte ihm nur kurz zu, schaute ihn auf eine Weise an, die ihre Haltung ihm gegenüber mehr als deutlich machte. Auch sie fürchtete sich, aber nicht vor unheimlichen nächtlichen Besuchern, sondern vor seiner Unberechenbarkeit.
Das alles aber wusste Commanus nicht. Er war zufrieden, dass sie sich zu dem Treffen bereit erklärte. Vielleicht würde sie bald wieder aufblühen und so zu dem Menschen werden, in den er sich dereinst verliebt hatte. Wenn nicht, dann war es auch nicht weiter schlimm. Da war ein ganzes Imperium, das an seiner Seite nur darauf wartete, endlich wieder eine Rolle in diesem Universum und eben nicht nur in dieser Galaxis zu spielen. Es waren genug Menschen da, die ihm treu ergeben waren. Und wenn Arimad nicht wollte, konnte er fast jede andere Frau des Reiches haben.
Eine Erkenntnis, die ihm im selben Augenblick schal vorkam, als er sie verinnerlichte. Andere Frauen waren kaum von Bedeutung für ihn. Er wollte viel lieber sie an seiner Seite wissen. Aber diese Gelegenheit hatte er kaum noch. Und das war doch irgendwie traurig.
Sie hatte nicht einmal geantwortet, lediglich kurz genickt, als er sie für den Abend eingeladen hatte. Wieso nur hatte sie ihn verlassen? Hasste sie ihn wirklich so sehr dafür, dass er den alten Mann beseitigt hatte? Letztendlich war er dem Fortschritt dieser Welt eher im Weg gewesen, als ihm zu helfen. Es war also richtig gewesen, ihn zu beseitigen, bevor er das gesamte dorgonische Reich in ernsthafte Probleme geführt hätte.
Schweigend bewegte er sich auf den Thronsaal zu. Der Sitz, auf dem er sich niederließ, war immer noch bequem, aber die Leere an seiner Seite, wo eigentlich die Kaiserin sitzen sollte, erschreckte ihn doch. Berater waren rund um die Uhr für ihn da, aber die meisten waren ohnehin nur gesichtslose Speichellecker. Was übrig blieb, war Einsamkeit. Ein Gefühl, das ein Mann wie er eigentlich gar nicht haben sollte.
Aber er musste damit leben.
Auch wenn er nicht verstand, wie es so weit hatte kommen können.
Feuerblumen fegten die Welt, wie er sie kannte, einfach hinweg. Fasziniert von ihrer hell strahlenden Schönheit, beobachtete er die strahlenden Gebilde, die für wenige Sekunden nur wie ein Kunstwerk in der hitzeflirrenden Luft standen. Er spürte kaum, wie die Hitze ihm das Gesicht verbrannte und taumelte lediglich einige Schritte zurück, bis ein kühlender Lufthauch ihn traf, ihn sanft streichelte und ein wenig aus seiner Erstarrung riss. Die Zufriedenheit, die er eben noch ausgestrahlt hatte, war wie weg geblasen. Entsetzen malte sich auf den Zügen des Pteru, er taumelte noch weiter zurück von den Explosionen, drehte sich um und rannte, als würden ihn alle Teufel dieser Welt verfolgen.
Aber auch vor ihm konnte er die Feuerkugeln erkennen, die auf diese Welt nieder prasselten. Schemenhaft erkannte er Schiffe, die mit Urgewalt durch die Atmosphäre dieser Welt tobten. Schweigen folgte direkt unmittelbar, das lag aber vermutlich eher daran, dass der Lärm, den das Schiff verursachte, ihn fast gänzlich taub machte und für wenige Augenblicke gnädig verhüllte, was diese Welt im Augenblick für ihn bereithielt.
Er erreichte das Ufer, rannte daran entlang und kam in den Hafen, betrat den steinernen Kai gerade in dem Augenblick, als ein Schiff durch die Atmosphäre jagte und direkt über ihn hinweg flog, dabei Feuerblumen ausstoßend, die den Gebäuden um ihn herum den Rest gaben. Die Druckwelle drückte ihn fast sanft vom Kai weg, ließ ihn viele Meter durch die Luft fliegen und in das kalte Wasser schlagen, Feuerringe vor seinen Augen ließen ihn Momente lang vergessen, wo er eigentlich war, dann aber bemerkte er, dass er keine Luft mehr bekam und kämpfte sich an die Wasseroberfläche.
Das historische Hafengebiet, in dem er gelandet war, war fast nicht wiederzuerkennen.
Die hölzernen Kähne und stolzen Schiffe, die da lagen, waren verbrannt und von großen Trümmern versenkt worden. An Bord der Schiffe waren viele Dinge gelagert worden, die dort nicht hingehörten, anders war es wohl kaum zu erklären, dass das Wasser selber zu brennen schien. Vermutlich war es eher brennbares Material, das in den Schiffen in flüssiger Form gelagert worden war.
Um den Pteru herum kochte die Luft und er tauchte nach einigen hektischen Atemzügen wieder unter, schwamm unter Wasser der Feuersbrunst davon, versuchte es zumindest, und tauchte auf, als die Lungen fast zu platzen drohten. Unter einem hölzernen Steg, den das Feuer noch nicht erfasst hatte, kam er wieder zu Atem, hechelte und kämpfte sich über steinerne Stufen aus dem Wasser.
Der große Platz, an dem die Schiffe normalerweise anlegten, wenn sie Besucher und Touristen aufnahmen oder ablieferten, war menschenleer, dafür übersät mit Trümmern, die von den historischen Bauten noch übrig waren. Momente der Stille ließen den Pteru inne halten, der verständnislos stehen blieb und den Himmel musterte. Trotz des hellen Tages war der Himmel mit gleißenden Feuerbällen gesprenkelt, jedes von ihnen stand wohl für eines der Schiffe der Heimatflotte, die sich verzweifelt gegen die gesichtslosen Invasoren zur Wehr setzten. Es waren zu viele von den anderen und sie waren viel zu stark. Sie hatten keine Chance. Die Wesen dieser Welt, einem bunten Vielvölkergemisch, würden alle sterben. Viele von ihnen würden niemals mehr einen Sonnenaufgang erleben und die meisten auch keinen Sonnenuntergang.
Als er in die gleißende Helligkeit starrte, die sich über ihm ausbreitete, als er den wolkenlosen Himmel sah, drängte sich ein letztes Mal ein Bild vor seine Augen, wie diese Welt einmal ausgesehen hatte, vor wenigen Stunden erst, als noch Friede geherrscht hatte. Das Flirren der Sonnenstrahlen auf dem Wasser war morgens besonders schön gewesen. Schiffe pflügten stolz durch die Wellen, Delfinschulen begleiteten sie, die nun im kochenden Wasser geröstet, mit dem Bauch nach oben in den wild bewegten Fluten schwammen. Im Nachhinein verstand er nicht, wie er hatte entkommen können. Aber die Schmerzen fühlte er kaum noch, während er langsam in die Knie ging, auf den Poller gestützt, ihn fast liebevoll umarmend, um nicht vollends hin zu stürzen.
Mit dem Paradies vor Augen verabschiedete sich der Pteru von dieser Welt und sank mit einem friedlichen Lächeln neben dem Poller in sich zusammen. Die Explosion, die kurz darauf seinen Körper verdampfte, nahm er schon nicht mehr wahr.
Der Krieg war nach Onaria gekommen.
Torrinos saß vor den Bildschirmen und verfolgte die Aufnahmen, die ihm zugespielt worden waren. Tatsächlich war die Flotte aufgebrochen, einem unbekannten Ziel entgegen. Vermutlich war der einzige Mensch, der das Ziel im Augenblick außer dem Kaiser noch kannte, Vesus. Seine Entscheidung, seine Kurswahl würde das Schiff einem Ziel entgegenbringen und somit einem Volk oder einer ganzen Galaxis Tod und Vernichtung bereiten.
Torrinos verstand sehr gut, warum Vesus diesen Befehl befolgte. Einen anderen Befehlshaber zu finden, der diesen Befehl ausführte, war sicher nicht schwer. Außerdem war der Dorgone ein meisterhafter Stratege und zu sehr Militarist, um sich einer solchen Aufgabe zu verweigern. Wie Torrinos ihn kannte, würde er zwar mit Bedauern, aber ohne zu zögern, den Angriff befehlen. Er würde aber auch, wenn er die Möglichkeit dazu erhielt, Gnade walten lassen. Und Torrinos hoffte sehr, dass ihm die Völker, die er angreifen würde, diese Möglichkeit auch wirklich gaben.
Sonst würde es ein Blutbad geben.
Für manche mochte es nicht so schlimm sein, aber für Arimad machte es doch einen Unterschied. Der Tyrann hatte ihren Vater getötet und was auch immer passieren würde, nichts konnte diese Tat ungeschehen machen.
Sie begab sich festen Schrittes in den Speiseraum, in dem sie bereits erwartet wurde. Normalerweise musste sie vor dem Kaiser an ihrem Platz sein, aber sie wollte ihn bewusst provozieren, ihm zeigen, wie viel ihm seine Macht bedeutete. Sie wollte ihm klar machen, dass sie ihn nicht fürchtete.
Und sie hoffte sehr, dass er nicht unter diese Schale sehen konnte. Denn dort würde er all ihre Furcht erkennen.
Ja, sie hatte Angst. Auch wenn sie sich nichts anmerken ließ, sie zitterte doch und konnte dem Kaiser nicht in die Augen sehen. Ohne ihn anzuschauen, ließ sie sich auf den Stuhl sinken und wartete, bis sie angesprochen wurde.
Ich freue mich, dass du meiner Einladung gefolgt bist. Es gibt auch etwas zu feiern, denn endlich wieder ist Dorgon eine Macht in diesem Universum. Eine Tatsache, die ganz allein meiner kaiserlichen, göttlichen Führung zu verdanken ist.
Nun hob sie doch den Blick. Angewidert registrierte sie den selbstgefälligen Ausdruck in seinen Augen, mit dem er deutlich machte, dass er sich für den größten Strategen aller Zeiten hielt. Schon lange hatte sie das Gefühl, dass mit ihm etwas nicht stimmte. Manchmal schienen ihm Dinge einfach zu entfallen, die er gerade eben noch gewusst hatte, er schien Dinge zu verdrängen, andere hingegen geradezu autosuggestiv in sich zu verankern, bis er selbst daran glaubte. Oder wurde er beeinflusst? Hatte er Ratgeber, von denen niemand etwas wusste, denen er hörig war? Sie verstand nicht, wie sich ein Mensch in so kurzer Zeit vollkommen verändern konnte und manchmal hatte sie den Eindruck, dass auch er es nicht verstand.
Sie empfand fast Mitleid mit ihm, als sie in seine Augen sah und nur für einen kurzen Augenblick den Zweifel erkannte, die Verzweiflung, die ihn erfasste, die er aber ebenso schnell wieder abzuschütteln schien. Er kniff die Augen zusammen und im nächsten Moment war nichts mehr zu erkennen. Er hob den Becher mit Wein, der vor ihm auf dem Tisch mit den erlesensten Köstlichkeiten Dorgons stand, schaute sie lächelnd an.
Auf Dorgon
, meinte er, mit einem Gesichtsausdruck wie früher, als sie ihn kennen gelernt hatte, jungenhaft, fröhlich, genau so, wie der Mensch, in den sie sich einst verliebt hatte.
Für wenige Augenblicke war es wieder fast wie früher, als sie den Pokal hob und mit einem leichten Lächeln, das ihre Mundwinkel umspielte, den Gruß erwiderte. Dann drang erneut der Gedanke an den Tod des Vaters in ihren Kopf und verdrängte alles andere außer einem Bild, das sie schon seit langem nicht mehr richtig abschütteln konnte, das sie in ihren Träumen verfolgte. Ihr Vater auf den Knien, während Commanus seine Hände um seinen Hals geschlungen hatte, ihn würgte und langsam tötete.
Mit gefälschten Beweisen hatte er damals versucht, Decrusian in diese Sache zu verwickeln und beinahe wäre es ihm gelungen, den Adoptivsohn des Uleman töten zu lassen. Heute versteckte sich der Rebell und leistete seinen Widerstand gegen das Kaiserreich aus dem Verborgenen heraus, führte die Tradition fort, für die ihr Vater stand. Eine Tradition, die in Dorgon fast schon einem Handwerk gleich kam. Ein Gegenkaiser, ein Revolutionsführer, das war beinahe ein Dauerzustand in diesem Reich geworden. In den letzten Jahrzehnten hatte zunehmende Dekadenz die Kaiser verrohen lassen und die Tünche der Zivilisation immer mehr zu einer Farce gemacht. Uleman war eine Ausnahme gewesen, ein Dorgone, der für einige Jahre Hoffnung gab. Eine Hoffnung, die jäh zunichte gemacht wurde.
Von dem Dorgonen, der ihr gegenüber saß. Der nun langsam, genüsslich, dem Wein zusprach und mehr davon zu sich nahm, als ihm gut tat.
Sie musterte ihn unauffällig, während er wiederum einen Schluck aus dem wertvollen Kristallgefäß nahm. Er leerte es mit einem Zug, winkte dem Diener und hielt ihm nachlässig das Glas hin, während er sie anstarrte. Sie senkte den Blick und spießte ein Stück Fleisch auf ihre Gabel. Langsam führte sie das Besteck zum Mund, als wäre es das wichtigste auf der Welt, nichts davon fallen zu lassen. Sie war sich seines Blickes bewusst, und wenn sie jemals wirklich Angst in ihrem Leben gehabt hatte, dann in diesem Augenblick. Sie spürte, dass er in diesen Momenten so unberechenbar war, wie vielleicht noch niemals zuvor in seinem Leben.
Sie kaute langsam und schaute nicht auf.
Warum tust du das?
Sie hielt inne, nur für einen Moment, dann kaute sie weiter und spülte mit einem Schluck des köstlichen Weines nach. Aber in diesem Augenblick hätte auch Luft oder Wasser in dem Glas sein können. Sie fühlte einen Schauer auf ihrem Rücken, dann blickte sie auf und sah direkt in seine Augen.
Sie wusste genau, was er meinte. Das tückische Funkeln warnte sie. Sie tupfte mit einem Tuch über ihre Mundwinkel, faltete es nervös und ließ es auf ihren Schoß sinken. Was meinst du, Gebieter?
Rede nicht so scheinheilig!
Der Kaiser lallte. Er stemmte sich aus dem Stuhl, hielt sich im letzten Augenblick fest, als er nach hinten kippte und stützte sich schwer auf die Lehne, dann ließ er sich wieder auf die Sitzfläche sinken. Der linke Arm mit dem Weinglas schlenkerte hilflos herum, aber kein Tropfen wurde verschüttet. Er kippte das Glas und leerte es mit einem einzigen Schluck. Dann stellte er es so heftig auf den Tisch, dass der Fuß abbrach.
Komm her!
, stammelte er.
Sie erhob sich und ging langsam auf ihn zu, dann folgte sie seinem Wink und sank auf die Knie. Mit gesenktem Kopf wartete sie darauf, was er tun würde. Sie rechnete mit dem Schlimmsten, schloss mit ihrem Leben ab und erschrak fast, als sie seine Hand spürte, die überraschend sanft auf ihrem Hinterkopf zu liegen kam.
Damals war alles noch gut, da haben wir uns richtig geliebt. Was ist geschehen?
Er murmelte einige Worte, die sie nicht verstand, dann wurde er wieder lauter. Ich glaube, ich kann dich sogar verstehen. Du gibst mir die Schuld, nicht wahr? Dass du dann gegen mich arbeitest, ist nur konsequent. Wie auch immer. Ich werde dich gewähren lassen. Aber wenn ich Beweise finden sollte, dann ist das dein Ende. Auch dein Status als Königin wird dich nicht schützen. Und jetzt verschwinde!
Erleichtert erhob sie sich, vergaß aber nicht die Umgangsformen und verneigte sich tief, während sie sich langsam rückwärts entfernte. Dann glitt sie aus dem Zimmer wie ein Schemen, ließ ihren Mann alleine zurück. Sie wusste nicht, was sie von ihm halten sollte. Vermutlich war er ein Mörder. Trotzdem war seine Ausstrahlung, seine ganze Körpersprache, nicht die eines Despoten, sondern eher die eines gebrochenen Mannes, der kurz davor war, aufzugeben. Und trotzdem machte er sich auf den Weg, eine Galaxis zu erobern, eine Aufgabe, an der seine Vorfahren gescheitert waren.
Ein letzter Blick zurück zeigte ihr den Mann, den sie geheiratet hatte. Sie nahm diesen Eindruck mit und konservierte ihn, den Eindruck eines verbrauchten Mannes, der über den Sinn seines Lebens nachdachte. Den Eindruck eines sinnlos betrunkenen Menschen, der das Vergessen suchte. Den Eindruck eines Wesens, das nicht mehr leben wollte und trotzdem tapfer weitermachte. Sollte sie ihn lieben oder hassen?
Sie wusste es nicht.
Es darf nicht sein
, flüsterte der Dorgone. Er ballte die Faust. Lange Zeit sagte niemand ein Wort.
Ein erster Bericht erreichte den Hort des dorgonischen Widerstands. Torrinos hatte die Datei bei einem seiner Ausflüge nach draußen aufgefangen und mit in die Station gebracht. Eine erste Analyse hatte ergeben, dass sie mit einem Verschlüsselungsalorithmus kodiert war, den derzeit nur der ehemalige Anführer der Pretosgarde in seinem Besitz hatte. Aus diesem Grund hatten die Geräte der Station auch nichts aufgezeichnet. Sie hatten das Signal als Störung interpretiert, eine Tatsache, die Torrinos einigermaßen beruhigte, bedeutete sie doch, dass der neu entwickelte Algorithmus noch sicher war.
Der Inhalt der Datei war wesentlich weniger beruhigend. Decrusian lief erregt auf und ab, als ihm klar wurde, was das bedeutete. Das Angriffsziel der Rebellen lag vor ihm. Diesmal wollte sich der Herrscher der Dorgonen nicht mit den Terranern anlegen, sondern mit einer Mächtigkeitsballung, die einst von ESTARTU beherrscht worden war. Wo sich die Superintelligenz im Augenblick aufhielt, wussten wohl nicht einmal die Bewohner dieser Galaxienballung.
Siom Som jedenfalls war Angriffsziel der Flotte, die von Uleman angeführt wurde. In der Galaxis Dorgon wurde der 20. Februar 1305 NGZ nach Zeitrechnung der Terraner geschrieben und es war längst zu spät, um die Invasion noch aufzuhalten. Sie konnten nicht einmal die Bewohner von Siom Som warnen, bevor es zum Angriff kam. Die Ankunft der Flotte war für den heutigen Tag avisiert worden und so, wie Decrusian und Torrinos den Feldherrn Vesus kannten, würde er auf die Minute genau vor Siom Som aus dem Hyperraum fallen. Möglicherweise waren die ersten Welten bereits angegriffen worden.
Es ist bereits geschehen
, stellte Torrinos deshalb auch mit fester Stimme klar. Wir konnten es nicht verhindern. Aber vielleicht können wir den Einwohnern von Siom Som trotzdem helfen. Die Flotte ist mächtig genug, um diese Galaxis unter schweren Druck zu setzen und viele der Raumschiffe, die Siom Som verteidigen könnten, befinden sich auf der Insel. Von den Helfern Ijarkors ist nach dem Tod ihres Anführers auch nicht mehr viel übrig. Wir sind die einzige Hoffnung für sie, denn wir kennen die Dorgonen sehr genau. Vielleicht können wir unseren Freunden in Siom Som gegen die Invasoren helfen.
Wie stellst du dir das vor?
Ich werde nach Siom Som fliegen. Vielleicht kann ich die Wesen dieser Galaxis vor Ort unterstützen. Das ist die einzige Möglichkeit
Torrinos strich langsam über die Oberfläche des Anzugs, den er von den Gonern erhalten hatte. Die Geheimnisse dieses Kleidungsstücks blieben ihm immer noch verborgen, aber zumindest konnte er es nutzen. Er war sich dessen bewusst, dass der Anzug nur geborgt war. Aber so lange er in seinem Besitz war, konnte er auf die Hilfe der Freunde von Gon hoffen. Und wenn sie dereinst ihren Besitz zurückverlangen würden, dann würde er mit ihnen kommen. Auf ihrer Heimatwelt gab es genug zu tun, wenn sie ohne ihren Thronfolger zurückkommen würden.
Nur für einen Augenblick war er geistesabwesend gewesen, aber Decrusian hatte davon nichts bemerkt. Sein Blick hatte den Bildschirmen gegolten, die die Schwärze des Weltalls zeigten.
Vielleicht hast du recht.
Langsam drehte er sich um. Du kannst eines der Schiffe nehmen, die im Hangar stehen. Sie sind für Fernflüge ausgelegt. Aber du solltest nicht alleine gehen.
Die Goner werden mich begleiten. Und vielleicht finden wir auch sonst einige Helfer, die mit uns kommen werden. Gemeinsam sind wir stark genug gegen die Macht der Dorgonen.
Ich hoffe, du hast recht. Bei dreihunderttausend Schiffen auf dem technischen Niveau unserer Adlerschiffe wird das aber nicht einfach.
Dreihunderttausend Schiffe gegen fünf Galaxien der estartischen Föderation. Wir können sie besiegen!
Auf jeden Fall sollten wir es versuchen. Ich wünsche dir viel Glück!
Torrinos hielt dem Blick des einstigen Gegenkaisers und jetzigen Führers der Widerstandsgruppe ULEMAN wenige Augenblicke stand, dann nickte er und wandte sich ab.
Er musste den Gonern Bescheid geben. Auf dem Weg dorthin traf er Saraah. Respektvoll verneigte er sich vor der Dame. Einst war sie als Sklavin aufgewachsen und Bedienstete des mesophischen Senators Priamus gewesen, befreit vom Terraner Mathew Wallace, wurde sie zur Regentin ihrer Heimatwelt. Doch auch sie musste vor sechs Jahren gehen in den Untergrund. Torrinos berichtete ihr von seinem Vorhaben. Saraah bat mitzukommen. Torrinos konnte schlecht ablehnen, da sie eine der ranghöchsten des Widerstandes war. Schließlich gehörte sie noch zu den wenigen Befreiern Dorgons.
Es war beschlossene Sache. Saraah begleitete Torrinos und die beiden Goner Shenia Drenia und Waldron Tragonar.
Bald schon würden sie starten und zu neuen Abenteuern aufbrechen. Er wusste nicht, was sie erwartete. Aber er ahnte, dass es gefährlich werden würde. Der Kaiser Dorgons war auf dem besten Weg, ein Blutbad in Siom Som anzurichten.
Aber sie würden es zu verhindern versuchen.
Du stinkst erbärmlich!
Ich presste die Hand vor die Nase und stieß den Großen von mir. Tragonar zuckte nicht einmal zusammen. Er grinste und rülpste ungeniert, während er sich umdrehte und seine Sache zusammenpackte. Seit wenigen Stunden erst war ich wieder wach und schon regte er mich auf.
Reg dich ab
, meinte der Koloss, ohne sich umzudrehen.
Er verzichtete auf weitere Faxen und das begrüßte ich durchaus, denn die Situation war ernst genug. Eine Invasion, eine ganze Galaxis, viele Tote, die es jetzt vermutlich bereits gab, das alles war beileibe kein Grund für Fröhlichkeit. Es wäre im Gegenteil eine grobe Missachtung von Leben gewesen, eine Sache, die auf meiner Welt nicht akzeptabel war.
Shenia
, sagte der Große langsam, schleppend, dann drehte er sich um. Wir müssen eine Entscheidung treffen. Wir können nicht für den Rest unseres Lebens mit unserem Freund reisen. Unsere Welt erwartet uns.
Ich rührte mich nicht mehr, meine Hände, die dabei waren, Kleidung in das Gepäckstück zu stopfen, zitterten auf einmal. Die Heimat. Sie warteten, das war richtig, aber nicht auf das, was wir bringen würden. Es gab keinen Thronfolger, es gab nur noch den Anzug, wenigstens den hatten wir retten können.
Und es gab Torrinos, einen Freund, der uns vertraute. Wir konnten ihn nicht allein ziehen lassen. Wir müssen das später entscheiden. Im Augenblick steht zu viel auf dem Spiel. Was sollte er denn ohne uns tun?
Das gleiche, was er vor unserem Erscheinen ohne uns getan hat
Die Stimme des Großen klang fast sanft, eine seltene Erscheinung bei Waldron Tragonar. Er legte zärtlich seine Hand auf meine Schulter, löste sich aber fast sofort wieder von mir. Ein Schauer überlief mich. Darum war er mein Partner, erkannte ich wieder einmal, deshalb vertrauten wir uns. Wir waren Charaktere, die sich gegenseitig ergänzten und eine beruhigende Wirkung aufeinander hatten. Deshalb waren wir ein Team.
Ich wandte mich um und lächelte. Nach dem Ausflug nach Siom Som kehren wir nach Hause zurück. Versprochen. Und Torrinos kann mit uns kommen, wenn er das will.
Tragonar nickte, dann rülpste er wieder. Ungeniert kratzte er sich im Schritt, warf das Paket mit seinen Kleidern über seine Schulter und ging an mir vorbei. Gut, dann lass uns endlich verschwinden.
Als er an mir vorbei ging, hatte ich die Hände in die Hüften gestemmt und ließ den rechten Fuß auf und ab wippen, was ein patschendes Geräusch machte. Er reagierte nicht darauf, es interessierte ihn nicht, aber bevor die Tür ins Schloss fallen konnte, sah ich noch das Lächeln, das seine Mundwinkel sanft umspielte. Er war ein Prachtkerl, auch wenn er es manchmal gut versteckte. Grinsend schnürte ich mein Paket, warf es über die Schulter und machte mich auf den Weg zum Hangar. Unterwegs traf ich den Großen wieder. Natürlich stritten wir unaufhörlich.
Bis das Schiff vor uns auftauchte. Da verstummten wir schlagartig.
Siom Som, wir kommen.
Das Flüstern kannten wir. Wir drehten uns um und nickten dem Freund zu. Torrinos ging an uns vorbei und betrat die Rampe. Wir folgten wortlos.
Das Abenteuer begann.
Vesus presste die Lippen zusammen und nickte seinem Stellvertreter zu. Wenige Sekundenbruchteile später verließ das Kommando die Antennen des Schiffes. Eine Auswahl der Adlerschiffe formierte sich und die Bildschirme zeigten in einer stilisierten Darstellung, wie die Schiffe den Planeten anflogen. Tod und Verderben brachten sie auf den Planeten, verbrannte Erde ließen sie zurück. Der Startschuss des Krieges war gefallen, eigentlich vorher schon, wie sich Vesus erinnerte.
Als sie mit der Flotte vor der Galaxis aus dem Hyperraum gefallen waren, war das Schiff vor ihnen gestanden, ahnungslos und unschuldig. Freundlich hatte es sie begrüßt, eine Geste, die sein Stellvertreter sofort zunichte gemacht hatte. Eigenmächtig löste er die Waffen aus und ließ das Schiff verglühen. Ein weiteres Schiff konnte zwar entkommen, aber mindestens eines seiner Triebwerke stand in Flammen, als es den Hyperraum erreichte.
Vesus hatte nichts dagegen machen können und etwas in ihm wollte das auch nicht. Krieg war eine Tätigkeit, ein Handwerk, das er gelernt und lange nicht mehr ausgeübt hatte. Ein leichtes Kribbeln in seinen Eingeweiden sagte ihm, dass die Somer keine Gnade erwarten konnten. Er würde sie vernichten, im Namen Dorgons, wo auch immer er auf sie traf. Wenn sie sich gegen die Macht Dorgons stellen wollten, dann sollte es so sein.
Der Plan – mitentworfen von Carilla – sah vor, dass die Adlerschiffe ohne Vorwarnung ausgewählte Planeten angreifen würden und dann erst ihre Bedingungen diktieren würden. Die Völker der estartischen Föderation sollten einen gewaltigen Schock erleiden, damit ihr Widerstand sofort gebrochen wurde.
Er straffte sich, machte sich klar, dass sie sich gegen keine Macht gestellt, sondern sie im Gegenteil freundlich begrüßt hatten, aber etwas in ihm schob den Einwand zur Seite. Überrascht registrierte er, dass der Gedanke unwillkommen war und nicht in die Haltung passte, die er sich während des Fluges zurecht gelegt hatte. Wenige Wochen waren sie unterwegs gewesen, in denen nicht sehr viel passiert war, in denen er aber Zeit gehabt hatte, nachzudenken. Und er fragte sich mehr und mehr, ob er eigentlich auf der richtigen Seite stand. Seine Profession war der Krieg, der er unter Decrusian mit großer Wahrscheinlichkeit nicht nachgehen würde. Hier in Siom Som konnte er tun, was er wollte, sein Kaiser würde es gut heißen. Zumindest, wenn er siegreich wieder nach Hause zurückkehrte. Und das würde er.
Um dieses Ziel zu erreichen, durfte er sich keine Schwächen erlauben. Und deshalb sah er nun ungerührt zu, wie die Feuer auf der Oberfläche von Aphel wüteten, wie Wesen vernichtet wurden, abstürzende Raumschiffe ganze Stadtteile vernichteten und die Zahl der Opfer immer größer wurde.
Feuer und Schwert, dachte er. Angst und Schrecken, probate Mittel, um das Ziel zu erreichen.
Wenn es erreicht war, dann konnte er wieder Gnade walten lassen. Aber bis es so weit war, war Siom Som ein Ort des Schreckens. Überlebende würden später davon berichten können.
Explosionen wüteten auf der Oberfläche, vernichteten, töteten, gnadenlos, ohne inne zu halten. Vesus’ Gesichtsausdruck versteinerte. Er nickte beifällig, als er einen Blick seines Stellvertreters auffing. Lächelnd ließ der Soldat die Flotten zurückweichen, betrachtete die Wracks der gegnerischen Schiffe, die die Oberfläche dieser Welt bedeckten und nickte.
Das genügt
, meinte Vesus. Die Flotte dieser Welt gibt es praktisch nicht mehr. Überlebende, die Geschichten über unseren Angriff erzählen können, gibt es aber genug. Wir fliegen weiter.
Der Soldat nickte. Seine Rangabzeichen wiesen ihn als einen General der Flotte aus.
Vesus registrierte es nur am Rande. Dravus war sein Name, wenn er sich richtig erinnerte, es war nicht wichtig. Wie weit bis zur nächsten Welt?
Siebzehn Lichtjahre.
Angriff!
Die Nachrichten waren nicht sehr positiv. Der Somer presste den Empfänger an sein Ohr, lauschte den Stimmen, die Geschichten vom Krieg erzählten. Einem Krieg, der nicht fern von hier stattfand. Einem Krieg, den man nicht weit von sich schieben konnte, einem Krieg, den niemand in Siom Som ignorieren konnte.
Der Krieg war in die Heimat gekommen.
Sam richtete den Blick in den Himmel und klapperte mit dem Schnabel. Wenige Schritte machte er, bis er den Balkon seines Hauses erreichte, dann ließ er sich auf den Sessel nieder sinken. Wie ein alter Mann stütze er sich auf die Lehne. Augenblicke der Ruhe, als die Nachrichten von Musik abgelöst wurden und die Gesänge der Ophaler für kurze Zeit diesen Tag fröhlich machten. Dann wieder die Berichte, die Bilder aus Teilen der Galaxis, die dem Somer noch unbekannt waren, in den Außenbezirken gelegen. Sicher würde es nicht mehr lange dauern, bis wichtige Welten betroffen waren.
Er verstand nicht, welche Strategie die Fremden verfolgten. Welten verbrannten, Raumschiffe wurden vernichtet, die Zivilbevölkerung musste leiden. Sie nahmen keine Rücksicht, diese Fremden in ihren Adlerschiffen, die dem Somer sehr bekannt waren. Die Dorgonen vernichteten, was ihnen vor die Geschütze der Schiffe kam und sie nahmen keine Rücksicht. Töteten ohne Gnade und Verstand. Und doch musste etwas dahinter stecken, mehr als nur eine Vernichtungsorgie, eine klare Absicht.
Wenn sie sich aber nicht mit den unbedeutenden Randwelten aufhielten, wenn sie immer tiefer in die Galaxis vordringen würden, dann würden sie früher oder später auch über dieser Welt auftauchen. Und diese Welt war nicht unwichtig. Diese Welt war der Schlüssel zu dieser Galaxis. Wenn diese Welt gefallen war, dann war auch Siom Som verloren. Seine Heimat war das Zentrum der Macht, der Sitz des Rates aller Völker dieser Welteninsel.
Und genau diese Macht wollten sie haben, diese Dorgonen, diese menschlichen Invasoren, die in ihre Heimat einfielen wie vor langer, langer Zeit die Terraner. Aber im Gegensatz zu den Menschen kamen sie nicht als Befreier, sondern als Besatzer. Und ESTARTU war weit weg, wo auch immer sie war, sie war nicht erreichbar. Unbekannt verzogen, sozusagen.
Und ihre Mächtigkeitsballung verwaist.
Kein Wunder, dass es immer wieder Wesen gab, die ein Interesse entwickelten, das für die Somer mehr als nur ungesund war.
Die Bilder waren nicht mehr zu ertragen. Der Somer schaltete das Übertragungsgerät aus und drehte sich um, ging zurück in seine Wohnung, wo ihn eine Nachricht erwartete, mit der er schon halb gerechnet hatte.
Erii-Tiin schaute besorgt, soweit der Somer das beurteilen konnte. Der Gesichtsausdruck eines Ophalers war ihm zwar kein vollkommenes Rätsel mehr, aber ebenso exotisch wie der eines Terraners oder eines Pteru. Aber vermutlich war es sogar noch mehr als Besorgnis. Panik kam der Wahrheit vermutlich noch näher. Der Mund des Wesens öffnete sich. Zuerst verstand Sruel Allok Mok nicht, was das Wesen sagte.
… deine Hilfe. Es ist passiert, das Undenkbare – sie greifen uns an. Und sie haben uns ein Ultimatum gestellt, sie senden seit wenigen Minuten, sie wollen unsere Galaxis haben, unsere totale Unterwerfung. Bitte komm in den Ratspalast. Bitte hilf uns, du hast Erfahrung mit den Fremden, wir brauchen deine Hilfe …
Mit einer Handbewegung stoppte Sruel Allok Mok den Redeschwall des Ophalers. Er gab ein lachendes Geräusch von sich, was den Ophaler sichtlich irritierte, dann senkte er den Kopf und nickte dem Wesen kurz zu. Ich bin geschmeichelt, dass man sich an mich noch erinnert. Aber ich bin ein alter Mann und ich möchte langsam meine Ruhe haben. Warum sollte ich euch helfen können?
Im Gegensatz zu den meisten, kennst du unseren Gegner bereits aus deinen Abenteuern in M 100 und dem politischen Kontakt während deiner Regentschaft in Cartwheel. Und nicht nur das, du kennst auch die Menschen und alle anderen Völker dort, weißt, wie fremde Völker reagieren, egal woher sie stammen. Wenn einer uns helfen kann, dann bist du das.
Der junge Ophaler sah ihn geradezu flehend an und schien enttäuscht, als er die abweisende Geste bemerkte, die Sruel Allok Mok machte, der von den Terranern immer nur Sam genannt worden war und diese Abkürzung wie einen Ehrentitel führte.
Niemand kann euch dabei helfen. Die Invasion ist nicht aufzuhalten. Sie werden sich auch durch Diplomatie nicht von ihren Angriffen abhalten lassen. Diese Invasoren sind auf Zerstörung aus, wollen uns in Angst und Schrecken versetzen und nur Welten erobern, die wirklich wichtig für sie sind, aus welchen Gründen auch immer. Deshalb vernichten sie alles, was ihnen nicht hilft und damit hilft es ihnen doch, denn Blut und Opfer halten die anderen Völker ruhig, erschrecken sie, versetzen sie in Panik, untergraben ihre Kampfmoral. Ich durchschaue ihre Taktik, aber ich kann nichts gegen sie machen. Trotzdem werde ich in den Ratspalast kommen und mir ansehen, wie die Sache steht. Vielleicht kann ich euch ja doch helfen.
Bei den letzten Worten hatte sich das Gesicht des Ophalers verändert. Er wirkte nicht mehr vollkommen am Boden zerstört, lächelte etwas und war erleichtert. Die Bildübertragung erlosch. Sam machte sich auf den Weg.
Es brannte, aber der Elfahder bemerkte nichts davon. Er rannte bereits in die andere Richtung, versuchte zu löschen, aber das Feuer flackerte immer wieder auf. Niemand half ihm; alle waren mit ihren eigenen Problemen beschäftigt. Und sein Hab und Gut verbrannte, wurde vernichtet.
Verzweifelt warf er mit der Unterstützung seines Exoskeletts Behälter mit einer Flüssigkeit in die Flammen, mit deren Hilfe Feuer erstickt werden konnte. Kein Wasser, der Elfahder kannte die chemische Zusammensetzung nicht, aber das Mittel erstickte jede Flamme in seiner Nähe, schluckte den Sauerstoff, nur für wenige Augenblicke, und entzog dem Feuer so eine der Komponenten, die es zum Brennen brauchte.
Aber es nützte nichts, das ganze Gebäude brannte, und wo auch immer er die Flammen zurückdrängen konnte, da kamen sie schon wieder, aus einer vollkommen anderen Richtung. Es war wie der Kampf gegen die Schlangen von Ochart, die laut der Sage nachwachsende Köpfe hatten. Schlug man einen ab, wuchsen gleich zwei nach. Und hier wuchs das Feuer nach, wenn man ihm einen Kopf abschlug, nur konnte man hier die Stümpfe nicht ausbrennen, um das nachwachsen zu verhindern.
Der Elfahder verzweifelte, musste mit ansehen, wie seine Familie, von den Flammen eingeschlossen, keine Luft mehr bekam, der Sauerstoff von den Flammen fast gänzlich verbraucht wurde. Die Exoskelette brannten, auch das Werfen der Behälter konnte nichts mehr verhindern, sie starben. Qualvoll. Schreiend. Vor einer beeindruckenden Kulisse brennender Gebäude, die das eigene brennende Gebäude freigelegt hatte. Einer Kulisse, für die der Elfahder keinen Blick mehr hatte. Er sah nur noch die Flammen, die sie verzehrten, ihre Körper verglühen ließen, die unerträgliche Helligkeit, die seine Augen brennen ließ, nur im übertragenen Sinne, aber es schmerzte trotzdem. Die Augen an den Spitzen der Tentakel tränten, nicht nur wegen der Hitze und dem Rauch, auch wegen der Szenen, die er betrachten musste, wegen der schreienden Körper in den Flammen, die ihn still stehen ließen und beobachten, die ihn lähmten und erschreckten, die Panik in ihm steigen ließen.
Er ließ die Schultern hängen, Gefühle erfassten ihn, er sank auf die Knie und regte sich scheinbar nicht mehr, eine Klappe am Hinterbein seines Anzugs öffnete sich und eine Flüssigkeit verließ die Rüstung, die wie ein Denkmal stehen blieb.
Und er erkannte, dass zwei der sieben Rüstungen ebenfalls zwar leer waren, aber deren Besitzer noch lebten, auf dem Boden zwischen den Flammen sich bewegten und die Flucht versuchten.
Es nützte ihnen nichts, sie wurden von den Flammen umzingelt. Und als er selbst gerade geglaubt hatte, den Flammen entkommen zu sein, sorgten neuerliche Explosionen für neuerliche Flammen und setzten ihrem Leben ein Ende.
Zischend erreichte das Feuer ihre flüssigen Körper, verdampfte sie, ließ ihre Substanz schrumpfen und fügte ihnen Schmerzen zu. Die er schon fast nicht mehr spürte. Er schrie, hörte aber nichts davon – das Rauschen und Prasseln der Flammen war viel lauter, sperrte sie ein und beendete es.
Endgültig.
Der Krieg war nach Rosenhain gekommen.
Das Schiff jagte durch den Hyperraum, mit wenigen, aber entschlossenen Wesen an Bord. Torrinos hatte im Sessel des Piloten Platz genommen und reiste mit den anderen in diesem Schiff mit. Er steuerte nicht wirklich, überließ alles, was in dieser Hinsicht zu tun war, den Bordgehirnen. Er dachte nach, ließ alle Informationen, die er erhalten hatte, noch einmal Revue passieren und empfing gleichzeitig neue Nachrichten, Informationen aus Siom Som, die über intergalaktische Entfernungen übermittelt wurden.
Ich stand hinter ihm, streichelte sanft über seinen Nacken, eine Vertraulichkeit, die sich Torrinos nur von mir gefallen ließ. Eine Zeit lang war ich für ihn wie eine Mutter gewesen, eine Erzieherin, ein Vorbild, eine Ausbilderin. Und eine Geliebte. Aber das war lange her und ich bedauerte nur, dass es nicht intensiver genossen werden konnte.
Torrinos schien zu spüren, was sich in meinen Gedanken abspielte, er tastete nach meiner Hand, umschloss sie mit festem Griff, gab mir das Gefühl, beschützt zu sein. Ich überließ mich diesem Gefühl und akzeptierte den sanften Kuss des Mannes, entzog ihm meine Hand, als er sie nur für einen flüchtigen Augenblick los ließ und wandte mich ab. Ich ließ mich in einen der anderen Sessel sinken und fing einen Blick von Waldron auf, in dem mehr lag, als er jemals zugeben würde. Er senkte den Blick und ich zweifelte schon, dass ich wirklich einen detaillierten Blick in sein Gefühlsleben erfasst hatte. Aber es war wohl geschehen. Ich beschloss, es einfach zu ignorieren. Und zu vergessen.
Wann liegt Gon?
Die Frage war merkwürdig gestellt und ich war mir nicht sicher, ob ich Torrinos verstanden hatte. Er drehte sich mitsamt dem Sessel und fixierte meinen Blick, hielt ihn fest, ließ fast unbewusst eine Hand über den Anzug gleiten, wohl wissend, dass er ihn nicht mehr lange in seinem Besitz haben würde.
Ich verstand, er wusste noch mehr, als gut für ihn war. Und er würde uns begleiten.
Lächelnd nickte ich. Nach Siom Som. Aber vor dem Ende
, verriet ich rätselhaft.
Er lächelte, dann streichelte er noch einmal den Anzug. Die Entscheidung wird fallen.
Schwungvoll drehte er den Sessel wieder in die Ausgangsposition zurück, schwieg und starrte dem Ziel entgegen, auf den Schirmen die Schwärze, durchsetzt von gelben Punkten, von Darstellungen leuchtender Wolken und faszinierender Gebilde, deren Stabilität kaum nachvollziehbar war, mit seinen Augen verschlingend, genießend.
Saraah hatte sich schlafen gelegt. Die zweifelsohne sehr anmutig wirkende Jerrerin bereitete sich wohl schon seelisch auf Siom Som vor, obwohl es noch eine Weile dauerte, bis wir die Randbezirke der Galaxis erreichen würden. Genauso wie die Invasionsflotte hatten wir den weiteren Weg gewählt. Jedoch aus verschiedenen Gründen. Das Sternenportal in M 100 wurde bestens bewacht, wir hatten also überhaupt keine Alternative gehabt. Ich blickte wieder auf die Schirme.
Der Weltraum war wunderbar.
Und doch waren da auch Schiffe, adlerförmige Schiffe, die Tod und Vernichtung nach Siom Som trugen.
Die Frage nach dem Warum drängte sich auf, aber so lange Wesen in diesem Universum lebten, war genau diese Frage vollkommen überflüssig.
Und Torrinos hatte das verstanden.
Seine Entscheidung, unausgesprochen, aber deutlich, war nachvollziehbar. Dem bekannten Universum den Rücken kehren und zurückkehren in eine unbekannte, aber vertraute Welt. Unbekannt allen anderen, vertraut ihren Bewohnern. Und Torrinos, dessen Vergangenheit dichter mit Gon verwoben war, als er vielleicht selbst ahnte.
Kurz nur dachte ich an die Algen, die in der Atmosphäre unserer Heimat schwebten, die wir einatmeten und die unsere Haut lindgrün färbte. Sichtbar war dies kaum noch, denn außerhalb von Gon gab es diese Algen nicht. Waldrons Hand legte sich schwer auf meinen Unterarm. Schweigend näherten wir uns dem Ziel. Und würden es doch erst in Wochen erreichen. Die Nachricht war viel zu spät gekommen.
Brennende Welten waren kein Anlass für Vesus, zu erschrecken. Er hatte schon Tod und Verderben über Welten im eigenen Sternennebel gebracht, als Nersonos noch der Herrscher ihrer Welt war und sogar schon davor. Lange würde er das aber nicht mehr tun, denn er wurde langsam alt.
Vielleicht war dies sogar sein letzter Feldzug, stellte er mit leichtem Bedauern fest, während er die Stufen erklomm, die zu seinem Zentrale-Sessel führten. Er ließ sich schwer in die Polster sinken und legte die Hand auf ein Sensorenbrett. Seine Finger bewegten sich, steuerten auf diese Weise verschiedene Anlagen, die ihm die Rundumsicht in möglichst perfekter Darstellung liefern würden. Die Sandkastenspiele waren vorbei, jetzt ging es um alles.
Er beobachtete die schematische Darstellung auf dem Schirm, die wesentlich realitätsnaher war, als nötig. Vielleicht spiegelte das die Mentalität seines Volkes wider, grübelte er, während er den aufblühenden Feuerblumen fasziniert zuschaute, die alle für den Tod von vielen Wesen standen.
Der Angriff war scheinbar unvorbereitet gekommen. Plötzlich waren Schiffe aufgetaucht, alle derselben Bauart, offensichtlich von einem Volk stammend. Vesus konsultierte die Datenbanken und grenzte die in Frage kommenden Typen ein. Offensichtlich waren es Elfahder, die da vor ihm aufgetaucht waren. Natürlich hatten sie nicht eine Flotte mit dreihunderttausend Raumschiffen angegriffen. Sie hatten im Gegenteil durchaus intelligent einen Teil seiner Flotte vom Rest abgetrennt und ihn dann angegriffen. An sich eine gute Taktik, die möglicherweise bei einigen der jüngeren Offiziere aufgegangen wäre. Nicht aber bei einem Vesus mit seiner Erfahrung und dem Stab, der ihn umgab. Sie taten seit Minuten nichts anderes, als eines der Schiffe nach dem anderen auszumanövrieren und so die Flotte der Angreifer Boot für Boot zu dezimieren.
Angreifer, dachte Vesus amüsiert.
Eigentlich waren sie selbst die Angreifer und viele Hunde waren des Hasen Tod, wie die Terraner so trefflich festgestellt hatten. Aber der Vergleich hinkte ohnehin, denn in diesem Fall waren die Hasen wesentlich besser ausgerüstet, als die Hunde, was dem Gefechtsverlauf deutlich anzumerken war. Auf ihrer Seite gab es fast keine Verluste. Während der Gefechte hatten sie zwar schon einige Schiffe verloren, aber nicht entscheidend viele, dafür hatten sie die Gegner jeweils entscheidend schwächen können. Und hier war es ihnen nun möglich, einer größeren gegnerischen Flotte entgegenzutreten und somit die Verteidiger von Siom Som deutlich zu schwächen.
Sie gewannen mehr und mehr Zeit, was dem Gegner nicht recht sein konnte. Schließlich war es so weit. Eine größere Flotte, allerdings nur eine Teileinheit ihrer Invasionsarmee, tauchte im Rücken der Feinde auf. Die noch beinahe siebentausend Schiffe der Elfahder erkannten die Übermacht und wandten sich zur Flucht. Nur wenig mehr als fünftausend Schiffe entkamen, während um Vesus herum an die vierzigtausend Schiffe Dorgons schwebten. Er akzeptierte den kurzen Jubel der Soldaten, dann schickte er die Schiffe wieder zum Rest der Flotte. Es galt, eine Galaxis zu erobern. Sorgen machte ihm nur, wie scheinbar leicht es den Verteidigern gefallen war, ihn in eine Falle zu locken. Auch wenn sie letztendlich keine Chance hatten, sollte das doch nicht sein.
Trotzdem musste er anerkennen, dass die Gegenseite offensichtlich einen guten Kommandanten hatte.
Kantor Throk ballte die Fäuste, als ihm die Nachricht zuging. Beinahe fünftausend Einheiten waren aufgerieben worden und es hatte nicht das geringste genützt. Eine Übermacht hatte seinen Plan schließlich zunichte gemacht, die Angreifer um ihr Oberkommando zu erleichtern. Offensichtlich war es eine Falle gewesen, sonst wäre es ihnen wohl kaum so leicht gefallen, die Schiffe des Oberkommandos zu isolieren. Wenn man das Ergebnis betrachtete, war es eine Katastrophe. Und unter dem Strich blieb ihnen nur ein Ausweg, wollten sie nicht kapitulieren. Mit den vereinigten Flotten den Angriff zu wagen, alles nach vorne zu werfen und gegen die Angreifer zu stellen.
Er verlegte deshalb umfangreiche Schiffskontingente in den Sektor Archoriad. Auf den Sternenkarten war dieser Bereich nicht verzeichnet. Es war eine Tarnbezeichnung, die nur den eigenen Einheiten bekannt sein sollte. Und dort warteten sie, bis der Gegner bei ihnen angekommen war.
Am 23. Februar war es so weit.
Eine Flotte von einhunderttausend Adlerschiffen erreichte den Sektor und stand vor zweihunderttausend Schiffen der vereinigten Flotten von Siom Som.
Die Galaxis hielt den Atem an.
Und dann begann es.
Sruel Allok Mok schüttelte den Kopf, als er die Schiffe sah, die auf der schematischen Darstellung kaum zu überschauen waren. Dreihunderttausend Raumschiffe standen sich gegenüber und erwarteten den vernichtenden Schlag. Die Spannung in der Zentrale war fast greifbar. Der Somer war nicht der Meinung, dass die einzige Antwort der Krieg war. Vielmehr sollten sie mit den gegnerischen Einheiten zunächst verhandeln. Andererseits war kaum zu erwarten, dass ihnen der Gegner großen Spielraum ließ. Eine Schlacht ließ sich deshalb wohl kaum vermeiden, denn selbst Sam als Diplomat sah ein, dass sie sich nicht vollständig in die Defensive locken lassen konnten.
Und so blieb ihm nichts anderes übrig, als eine der gewaltigsten Raumschlachten abzuwarten, die dieser Sektor jemals gesehen hatte.
Es begann.
Masse war Energie und Energie war Masse, jeweils in einer anderen Zustandsform. Masse verwandelte sich in Energie, als die Feuersbrünste gegen die Außenhäute der Schiffe anbrandeten. Entsetzt schaute Kantor Throk auf die Bilder, die ihm sehr schnell deutlich machten, wie jämmerlich das Kräfteverhältnis eigentlich war. Auf ein Schiff des Gegners kamen zwei eigene Schiffe. Vermutlich hätten aber auch fünf ihrer eigenen Schiffe nicht ausgereicht, um das Schiff des Gegners in ernsthafte Gefahr zu bringen.
Dafür verglühte eines der Schiffe nach dem anderen und so glich sich das Verhältnis immer mehr aus.
Schon in den ersten Minuten des Angriffs war deutlich, dass die überlegenen Schutzschirme und Waffen der Dorgonen ihnen kaum eine Chance lassen würden. Und wäre er vernünftig gewesen, hätte er jeden weiteren bewaffneten Konflikt sofort abgebrochen. Aber der Preis wäre das Ende von Siom Som als selbstständige Galaxie gewesen. Widerstand war ihre einzige Chance. Und so ließ er weiterhin feuern, ließ die eigenen Schiffe gegen den Wall der dorgonischen Einheiten prallen und musste doch einsehen, dass es keine Chance gab.
Der Krieg war nach Siom Som gekommen.
Und er würde sie alle holen.
Resigniert senkte er den Kopf.
Er muss damit aufhören.
Die Stimme des Somers klang schwach, er stützte sich auf das Pult und ließ sich langsam in den Sessel gleiten. Er wandte den Blick ab, konnte nicht mehr sehen, wie sein Volk, Angehörige der Völker dieser Sterneninsel, abgeschlachtet wurde, ohne eine Chance zu haben.
Es war deutlich, dass die Schiffe der Verteidiger chancenlos waren. Aber Kantor Throk machte immer weiter. Der Pteru führte die Flotte in das Verderben.
Sorge dafür, dass er aufhört!
, sagte Sam wesentlich lauter als beabsichtigt zu Erii Tiin. Sofort!
Aber …
Der Ophaler verstummte, schaute auf die Bilder der Zerstörung, zögerte wenige Sekunden, die vielen Wesen ihrer Heimat das Leben kosteten.
Dann befahl er den Rückzug und beugte dem Widerspruch des Feldherrn vor, indem er eine Überrangschaltung aktivierte, die ihn direkt mit allen Schiffskommandanten verband.
Isoliert musste auch der kleine Verband des Feldherrn klein beigeben. Die Schiffe zogen sich zurück und überließen dem Gegner den Weltraum.
Vesus lachte, als er sah, wie sich die Schiffe der Gegner absetzten. Vermutlich würde er die meisten davon nicht mehr wiedersehen, zu viele Verstecke gab es in einer gewaltigen Galaxis wie dieser. Aber das machte nichts. Von seinen einstmals dreihunderttausend Schiffe, waren immer noch über zweihundertachtzigtausend übrig. Ein deutliches Zeichen, dass sie die Lage beherrschten und die Gegner, die fast die Hälfte ihrer nicht gerade kleinen Flotte verloren hatten, mussten das sehr wohl anerkennen. Er schickte einen Funkspruch ab, der die Bedingungen der Kapitulation deutlich machte.
Ein Blick auf das Datum verriet ihm, dass sie gerade einmal drei Tage hier in Siom Som verbrachten und schon gefürchteter waren als die Ewigen Krieger. Befriedigt lehnte er sich zurück, auch wenn er verblüfft war, wie reibungslos alles verlaufen war. Commanus musste gewusst haben, dass diese Galaxie praktisch wehrlos war und den Kräften der Angreifer nichts entgegen zu setzen hatte. Oder die Einwohner von Siom Som waren aus irgendwelchen Gründen gerade geschwächt. Oder beides. In jedem Fall konnte er zufrieden sein. Nun galt es nur noch, die wichtigsten Welten zu besetzen und zu sichern, die Macht zu festigen und so nach und nach die Galaxis Siom Som in das Reich einzugliedern. Vorläufig würde das noch seine und Carillas Aufgabe sein, aber schon sehr bald würde wohl ein Statthalter übernehmen.
Hoffentlich mit mehr Erfolg, als sie mit der terranischen Sterneninsel hatten.
Der Gedanke an Terra versetzte ihm einen kurzen Stich und er senkte beschämt den Kopf. Die Freunde wären sicher nicht erfreut über die Ereignisse. Aber darauf konnte er keine Rücksicht nehmen, falsche Zurückhaltung konnte ihm in diesem Fall den Kopf kosten.
Er erwartete gespannt die Antwort der Einwohner von Siom Som, die auch nicht lange auf sich warten ließ. Der Somer Sruel Allok Mok, ein durchaus nicht unbekannter Diplomat, bat um ein Treffen mit ihm. Vesus stimmte zu.
Die Flotte der Angreifer war in Siom Som verstreut und hielt einige der wichtigsten Welten faktisch besetzt. Auf der Zentralwelt, wo sich auf Sam derzeit aufhielt, waren allerdings die wenigsten Dorgonen zu finden. Vesus mit seinem Flaggschiff und einer kleinen Flotte umkreiste die Welt und begab sich auf den Planeten, um mit Sam und Erii Tiin zu sprechen.
Er brachte einen Datenkristall mit, der die Bedingungen der Kapitulation noch einmal enthielt. Die fraglichen Punkte machten einen wesentlichen Teil der Verhandlungen aus. Wenn die Wesen dieser Galaxis zugestimmt hatten, war Siom Som faktisch eine Kolonie des Reiches.
Sam studierte die einzelnen Punkte und schüttelte nur leicht den Kopf. Dir ist sicher klar, dass wir unmöglich zustimmen können.
Vesus lächelte nur kalt. Dir ist sicher klar, dass wir mit unseren Schiffen die meisten Welten hier vernichten könnten, wenn wir das nur wollten. Eine andere Möglichkeit als die vollständige Kapitulation und die Anerkennung des Reiches gibt es nicht. Ihr werdet den Status einer Kolonie erhalten und damit selbstverständlich auch tributpflichtig sein. Die Höhe des Tributs wird sich nach dem wirtschaftlichen Leistungsvermögen der Welten dieser Galaxie richten und entsprechend von den Schatzmeistern des Reiches festgelegt werden. Darüber hinaus werden wir den Rat auflösen und eine Regierung Dorgons einsetzen, die von einem Statthalter des Reiches geleitet werden wird. Es gibt keine Möglichkeit, davon abzuweichen.
Er schwieg, schien noch etwas sagen zu wollen, aber tat es dann doch nicht. Sam konnte sich denken, was in Vesus vorging. Aber es würde sich nichts mehr ändern.
Ich werde mit den Vertretern der Regierung reden. Wir werden dir unsere Antwort zukommen lassen.
Es gibt nur eine Antwort, das werdet ihr erkennen müssen.
Vesus erhob sich und nickte dem Diplomaten nicht unfreundlich zu. Im Grunde taten ihm diese Wesen Leid, aber ihm blieb keine andere Wahl, als den Willen des Kaisers durchzusetzen. Er hatte die Mittel dazu. Vesus verließ die Regierungswelt. Vorläufig.
Kantor Throk schüttelte eigensinnig den Kopf. Niemals können wir diese Bedingungen annehmen. Das wäre unser Ende als unabhängige Macht in dieser Galaxis.
Aber wenigstens nicht unser Ende als lebende Wesen
, gab Sam zu bedenken.
Er verstand die Unsicherheit der Anwesenden, konnte aber genauso deutlich erkennen, dass sie letztendlich keine andere Wahl hatten. Sie mussten kapitulieren.
Throk war vehement dagegen und er schien die Mitglieder der Regierung ins Wanken zu bringen. Vermutlich warst du einfach zu lange weg von Siom Som und hast deshalb den Bezug zu deiner Heimat verloren.
Throk musterte ihn feindselig und wartete auf die einzig mögliche Antwort.
Sruel Allok Mok tat ihm den Gefallen nicht. Vielleicht habe ich da auch gelernt, Geduld zu haben und abzuwarten. Manchmal ist das besser, als sein Leben zu verlieren. Heute leben – morgen kämpfen!
Throk schüttelte resignierend den Kopf. Er wird es nicht verstehen. Aber wir können nicht aufgeben, wir müssen weiter kämpfen. Wir haben uns von den Ewigen Kriegern befreit, was uns nur dank der Hilfe von außerhalb überhaupt gelang. Diese Freiheit wollen wir nicht verlieren, nie mehr. Auch wenn es den Tod von vielen bedeutet. Wir werden kämpfen.
Das schlimme war, dass die anderen offensichtlich seine Meinung teilten. Sam erhob sich und ging zur Tür.
Offensichtlich sind meine Dienste nicht mehr erwünscht. Ich überlasse daher die Entscheidung euch. Informiert mich, wenn ihr zu einem Ergebnis gekommen seid.
Er musste nicht lange warten. Erii Tiin trat neben ihn und blickte ihn traurig an.
Wir können nicht anders, Sam. Wir werden kämpfen. Noch in diesen Minuten geht der Funkspruch an Vesus, dass wir zu diesen Bedingungen nicht kapitulieren werden.
Sam nickte. Er hatte es sich fast gedacht. Resignierend klapperte er mit dem Schnabel.
Ende
Das Unfassbare ist geschehen. Mit einer gigantischen Armada wurde Siom- Som von den Dorgonen überrannt. Commanus hat den Krieg in den estartischen Galaxien begonnen.
Wie es weitergeht, schildert im Folgeroman ebenfalls Ralf König. Heft 104 trägt den Titel
Kampf um Siom-Som
Die Geschichte der Galaxis M 100 wird natürlich stark assoziiert mit dem Volk der Dorgonen, die seit einigen Jahrtausenden die vorherrschende Rasse darstellen. Einen kurzen, chronologischen Abriss der dorgonischen Geschichte gibt es in den folgenden DORGON-Kommentaren.
ca. 141.000 v. Chr.: Auf der Welt Dorgon bilden sich die ersten primitiven Nomadenstämme.
ca. 139.000 v. Chr.: Die Völker der echsenähnlichen Tutsamanen und der Vogelwesen Zarketos werden die vorherrschenden Mächte in der Galaxis, während die Charkos immer mehr an Bedeutung verlieren.
ca. 125.000 v. Chr.: Eiszeit auf Dorgon
ca. 124.500 v. Chr.: Eiszeit endet
ca. 121.000 v. Chr.: Völkerwanderung auf Dorgon beginnt. Die ersten richtigen Kulturen bilden sich langsam.
ca. 114.600 v. Chr.: Krieg zwischen den Tutsamen und Zarketos, der erfolgreich für die Echsen ausgeht.
ca. 103.152 v. Chr.: Das Volk der Ägonen wird zur Weltmacht auf Dorgon.
ca. 98.100 v. Chr.: Die Ägonen verlieren an Macht und werden von den Sulviten abgelöst.
ca. 95.500 v. Chr.: Die Charkos beginnen mit einer galaktischen Invasion und erobern Dorgon. Die Völker werden versklavt und als Nahrung verwendet.
ca. 91.000 v. Chr: Der junge Ägone Domulus eignet sich die Technik der Spinnenwesen an und beginnt einen erfolgreichen Aufstand. Mit Hilfe einer dorgonischen Krankheit, die auf die Charkos tödlich wirkt, werden die Spinnenwesen geschlagen. Domulus eint den Planeten und pusht die Technik voran, so dass innerhalb von nur 100 Jahren die Dorgonen die Raumfahrt nutzen, um andere Planeten zu kolonisieren.
ca. 90.875 v. Chr.: Domulus stirbt! Zu seinen Ehren wird die Hauptstadt Dom errichtet. Der Dorgone setzt sich bereits als höchste Lebensform im Universum an. Domulus Nachfolger Romanus wird zum König über Dorgon gekrönt und beginnt mit der Erforschung der umliegenden Systeme.
ca. 87.240 v. Chr.: Die Dorgonen treffen auf die Tutsamen und ein Krieg entbrennt.
ca. 86.000 v. Chr.: Die stark geschwächten Tutsamen verbünden sich mit den Zarketos und Charkos. Der 10.000-jährige Krieg beginnt.
ca. 76.000 v. Chr.: Der Krieg endet grausam. Die inzwischen technisch hochstehenden Dorgonen verwenden tödliche Viren und Kernfusionswaffen, um den Gegner zu besiegen. Nach hohen Verlusten und der Ausrottung der Charkos ergeben sich die anderen beiden Völker. Doch die Dorgonen kennen keine Gnade. Im Laufe der nächsten Jahrhunderte werden auch die Tutsamen und Zarketos ausgerottet. Das galaktische Imperium Dorgon wird ausgerufen, dessen erster Kaiser Sulvetius ist. Die anderen Völker werden nun versklavt und absichtlich technisch dumm gehalten.
ca. 41.700 v. Chr.: Das degenerierte Kaiserreich beginnt zu bröckeln. Kaiser Romus XI wird ermordet. Seine drei Söhne streiten sich um den Thron. Es kommt zur Teilung des Reiches. Die rivalisierenden Parteien bekriegen sich.
Fortsetzung im nächsten DORGON-Kommentar.
Nils Hirseland
Nachdem die Enerpsi-Energie und die estartischen Wunder versagten und der Kult der Ewigen Krieger zusammenbrach, fielen viele Völker in die Primitivität zurück oder führten Kriege gegeneinander.
In der direkten Zeit nach dem Zusammenbruch gab es kleinere Hilfen der Galaktiker mit Linear- und Metagrav-Triebwerken, um den Völkern die Raumfahrt weiterhin zu ermöglichen. Man beschränkte sich jedoch nur auf die wichtigsten Völker. Die Somer, Elfahder und Ophaler bildeten einen losen Bund, um Ordnung in die Galaxis zu bringen.
Die Pterus und Animateuere wurden geächtet und gemieden. Sie erhielten komplettes Lebensverbot in Siom-Som, Erendyra und Absantha-Schad und Absantha-Gom. So siedelten sich die Geächteten in Trovenoor an.
Etwas mehr als einhundert Jahre hielt der Dreierbund, ohne wirklich Not und Elend zu besiegen. ESTARTU meldete sich nicht und gab ihnen so auch keine Hoffnung.
Von 512 NGZ bis 890 NGZ gab es einen großen intergalaktischen Krieg zwischen den Somer und Elfahdern. Im Laufe dieser Zeit begehrten auch die Pterus wieder auf und die Anhänger des Upanishad wollten ihre Macht zurück gewinnen. 890 NGZ waren alle Armeen besiegt und keiner hatte gewonnen. Die Völker hatten den Krieg satt. Das estartische Reich war zerbrochen. Von den einst zwölf Galaxien waren im Laufe der Jahrhunderte nur noch fünf übrig, die miteinander Kontakt hatten.
Die Somer, Elfahder, Ophaler und Pterus einigten sich schließlich ein neues, föderalistisches Reich ESTARTU zu gründen. Fünf Galaxien, Siom-Som, Absantha-Gom, Absantha-Schad, Erendyra und Trovenoor sollten die Föderation bilden. Som sollte die Hauptwelt werden und im Laufe von zweihundert Jahren gelang es tatsächlich den Wesen eine Republik in Wohlstand aufzubauen. ESTARTU meldete sich und lobte ihre Völker für diese Entscheidungen.
Seitdem sind die fünf estartischen Galaxien eine starke, friedliche Republik geworden. Der Kontakt zu den Völkern der anderen Galaxien wurde ab dem Jahre 1023 NGZ wieder aufgenommen, ohne größere Erfolge. Die späteren Generationen in diesen Galaxien können sich nicht mehr mit ESTARTU identifizieren und man überlässt sie ihren eigenen Entwicklungen.
Eine der zwölf Galaxien aus der Mächtigkeitsballung ESTARTUs, wie die anderen elf Galaxien mit einem Wunder von ESTARTU
ausgestattet – den Heraldischen Toren von Siom Som.
Dabei handelt es sich in Wahrheit, wie auch bei den anderen Wundern
, um das Bemühen der Ewigen Krieger, künstliche Kalmenzonen zur Störung des Psionischen Netzes und Abwehr der verhassten Gorims zu schaffen. Im Zentrum von Siom Som existiert im Jahr 430 NGZ bereits eine Kalmenzone von 3000 Lichtjahren Durchmesser. Dort ist kein Raumflug mit Enerpsi-Antrieb mehr möglich, und kein Gorim (gleich Gänger des Netzes) kann dort materialisieren. Die Heraldischen Tore von Siom Som sind gigantische Psi-Transmitter nach dem Prinzip des Teleports.
Sie verbinden rund 200 Sonnensysteme innerhalb der Kalmenzone miteinander, wodurch die Linien des Psionischen Netzes in einem Maße umgruppiert, modifiziert und neugeordnet wurden, dass kein Enerpsi-Flug mehr möglich ist (wohl aber Raumfahrt mit herkömmlichen
Antrieben). Das stärkste Tor, das so genannte Königstor im Zentrum der Kalmenzone, stellt eine Psi-Transmitterverbindung in Richtung der Zwillingsgalaxis Absanta-Gom/Absantha-Shad über eine Entfernung von rund 1,15 Millionen Lichtjahren dar. Hauptvolk der Galaxis Siom Som sind die Somer.
Katalognummer: NGC 4503.
Zugehörigkeit: Virgo-Haufen, Mächtigkeitsballung der ESTARTU
Daten: Elliptische Galaxis
Zweiter von insgesamt sechs Planeten der Sonne Siom in der Galaxis Siom Som; Som ist die Heimatwelt der Somer und weist als Besonderheit bzw. Wunder von ESTARTU
das Königstor auf (siehe Heraldische Tore).
Der Äquatordurchmesser Soms beträgt 14.370 km, die Schwerkraft 1,1 g. Durch von Allus (erster Planet) über das Königstor nach Som geleitetes und durch ein ausgeklügeltes System mittels Antigravitation, Vakuum und Überdruck zu Wohneinheiten geformtes Magma entstand bereits vor Jahrtausenden eine wie gewachsen wirkende, schier endlose Wohnlandschaft mit Dschungeln und Parks darin. Außerdem sind in die erstarrte Magma-Landschaft die Heldenfriedhöfe der Somer integriert.
Som ist im Jahr 430 NGZ eine Veteranenwelt. Während die jungen Somer im Weltraum ihre Abenteuer und Kämpfe suchen, verbringen auf der Ursprungswelt die verdienten ehemaligen Soldaten, Kodexberater, Kodexwahrer usw. ihren Lebensabend. Massenbegräbnisse prägen den Alltag. Die beiden Monde Soms heißen Culio und Ijarkor (nach dem Ewigen Krieger der Galaxis Siom Som). Culio ist von Som 310.000 km entfernt, hat 1990 km Äquatordurchmesser und eine künstliche Schwerkraft und Atmosphäre. Der gesamte Mond ist zu einer Vergnügungsstätte ausgebaut, einem Jahrmarkt des Ewigen Kriegers. Ijarkor ist 390.000 km von Som entfernt, durchmisst 3033 km und hat ebenfalls künstliche Schwerkraft und Atmosphäre. Der Mond ist der Sitz des Ewigen Kriegers, der Palast Ijarkors eine kleinere Ausgabe des Königstores.
Der Mond ist zugleich auch Sammelplatz für den Tross des Kriegers, mitunter auch Stätte für Simulations-Manöver (holografische Computermanöver) im Sinne des permanenten Konflikts.
In der Perry-Rhodan-Terminologie der Begriff für Abschnitte unseres Universums, in denen das Psionische Netz gestört, beschädigt oder sonst wie außer Kraft gesetzt ist. Es gibt dort keine Stränge des Netzes, was sowohl für die Gänger des Netzes als auch für Raumschiffe mit Enerpsi-Antrieb absolute Unbewegbarkeit bedeutet - es sei denn, die Ausstattung mit konventioneller
Technik wie Metagrav- und anderen bewährten Triebwerken erlaubt es. Seit vielen Jahrtausenden versuchen die Ewigen Krieger und ihre Diener, im Zuge des Permanenten Konflikts das Psionische Netz zu zerstören.
Jedes kosmische Wunder
der Mächtigkeitsballung ESTARTU dient mehr oder weniger diesem Zweck. Das herausragende Beispiel sind die Heraldischen Tore in der Galaxis Siom Som, in deren Zentrum tatsächlich bereits eine riesige künstliche Kalmenzone existiert. Die psionischen Netzstränge werden verbogen und verkehrt, siehe dazu auch das System des Teleports.
Die Störung des Psionischen Netzes durch Schaffung von Kalmenzonen schränkt nicht nur die Beweglichkeit der Gänger des Netzes ein, sie bedeutet auch eine Gefährdung des Moralischen Kodes und wird vor allem deshalb von den GdN und ihren in die Zusammenhänge eingeweihten Verbündeten massiv bekämpft.
Die DORGON-Serie – Das Quartierum – ist eine nicht kommerzielle Publikation des PERRY RHODAN ONLINE CLUBs. Band 103 zuletzt geändert am . Autor: Ralf König. Titelbild-Zeichner: Heiko Popp. Korrekturleser: Henriette Zirl und Alexander Nofftz. Generiert mit Xtory 3.0 (powered by Apache Cocoon 2.1) von Alexander Nofftz. Homepage: http://www.dorgon.net/. E-Mail: dorgon@proc.org. Technischer Berater: Sebastian Schäfer. Adresse: PROC c/o Nils Hirseland, Redder 15, 23730 Sierksdorf. Copyright © 1999-2004. Alle Rechte vorbehalten!