
Im Jahre 1298 NGZ gelingt es den vereinten Kräften der Terraner, Saggittonen und ihrer Alliierten, den gefürchteten SONNENHAMMER zu vernichten und somit MODRORs Invasionsplänen vorerst ein Ende zu setzen.
Die große Gefahr durch die finstere Entität scheint gebannt – doch in Wirklichkeit ruhen die Söhne des Chaos nicht. Innerhalb von sechs Jahren stampfen sie aus Cartwheel ein neues Imperium hervor – das Quarterium unter der Führung des Imperatore de la Siniestro.
Während sie sich öffentlich als friedliches Reich präsentieren, arbeiten die Söhne des Chaos in Wirklichkeit an der Umsetzung von MODRORs Eroberungsgelüsten.
Perry Rhodan ist besorgt über die Entwicklung in Cartwheel und entsendet den Zellaktivatorträger Alaska Saedelaere nach Cartwheel, um nach dem Rechten zu sehen, doch Saedelaere strandet im GRÜNEN UNIVERSUM …
Urlaub!, schoss es mir durch den Kopf. Endlich Urlaub. Auch wenn es eher ein Arbeitsurlaub ist.
Nachdem ich dem Bordcomputer der Space-Jet die Kontrolle übergeben hatte, lehnte ich mich behaglich in den Sessel zurück.
Fast ein Jahr war es nun her, dass ich an Bord des Schiffes ZEUT aus Alashan heimgekehrt war. Nachdem ich einige Jahre an Bord meines virtuellen Schiffes KYTOMA für die Superintelligenzen im Puls von DaGlausch gearbeitet hatte, entschied ich mich aus freien Stücken, die Arbeit für die Überwesen aufzukündigen und meinen eigenen Weg zu gehen.
Und doch, der schwerste Gang hatte mir noch bevor gestanden. Nachdem ich endlich heim gekehrt war, führte mich mein erster Weg zu Perry Rhodan. Mir war es zugefallen, ihm die traurige Nachricht vom Ableben seines Sohns Delorian zu überbringen.
Er hatte diese Nachricht sehr gefasst aufgenommen. Das einzige, um das er mich gebeten hatte, war die Wahrnehmung einiger diplomatischer Aufgaben in der Milchstraße.
Bis vorgestern.
Da hatte Perry Rhodan mich zu sich bestellt und mir den Befehl gegeben, Urlaub zu machen. Er hatte gemeint, ich könne nach Cartwheel fliegen, um mich dort ein wenig umzuschauen und ein wenig auszuspannen. Nur zu gerne kam ich diesem Befehl nach, denn ein Tapetenwechsel würde mir gut tun.
In Cartwheel hatte sich einiges getan. Vor zwei Jahren war das neue Imperium mit dem Namen Quarterium ausgerufen worden. Der ehemalige Paxus-Kanzler, Don Philippe de la Siniestro, hatte sich zum Kaiser krönen lassen. Die illustren Kreaturen Uwahn Jenmuhs, Torsor, Leticron und Cauthon Despair bekleideten seither die wichtigsten Ämter. De la Siniestro hatte bis zu diesem Zeitpunkt als guter Politiker, der um das Wohlergehen der Bürger stets besorgt war, gegolten. Doch der Krieg gegen die Alien-Allianz und seine Inthronisierung ließen ihn nun in einem anderen Licht erscheinen. Die noch autarken Völker hatten ihre großen wirtschaftlichen und sozialen Probleme, sah man von den Saggittonen einmal ab. Die USO hatte an Bedeutung verloren und durfte sich nicht mehr als galaktische Polizei bezeichnen. Streng genommen war sie sogar nach quarterialem Gesetz illegal, doch das Quarterium legte in dieser Hinsicht das Gesetz noch relativ großzügig aus. Es war allerdings in meinen Augen nur noch eine Frage der Zeit.
Das Quarterium hatte eine gigantische Flotte auf die Beine gestellt. Es kam mir sehr komisch vor, wie sie innerhalb dieser kurzen Zeit so viele neue Superschlachtschiffe bauen konnten. Einige wurden in Cartwheel hergestellt, andere in der Milchstraße oder Dorgon. Es gab hunderte Firmen, die an der Konstruktion der Supremo-Raumschiffe beteiligt gewesen waren. Doch etwas stimmte nicht. Der TLD-Agent Stewart Landry hatte vor wenigen Wochen herausgefunden, dass viele Firmen in der Milchstraße, die mit dem Bau damals beauftragt wurden, Scheinfirmen waren. Sie existierten nicht. Folglich hatten sie auch niemals die Schlachtschiffe gebaut.
Perry hatte das zutiefst beunruhigt. Warum belog das Quarterium uns? Und woher stammten dann die Schiffe? Das rief mich auf den Plan. Landry konnte nicht mehr unentdeckt in Cartwheel agieren, seit seinem Zwischenfall auf New Paricza vor einigen Jahren, wo er die Klonsoldaten Leticrons entdeckt hatte.
Nun, ich gehörte sicherlich auch nicht zu den unauffälligen Besuchern Cartwheels, doch würde man mich unbedingt als Agenten ansehen? Falls das Quarterium etwas zu verbergen hatte, würden sie sicher nicht annehmen, dass Rhodan jemanden wie mich schicken würde. Ich konnte das auch nicht so ganz verstehen. Wieso schickte er nicht Julian Tifflor nach Cartwheel? Tiff war Diplomat, Agent und ein versierter Kämpfer. Meines Erachtens wäre er besser geeignet gewesen. Doch Perry hatte sich nun einmal für mich entschieden. Vielleicht gerade, weil ich unauffälliger wirkte.
Und so befand ich mich nun an Bord der Space-Jet BETTY TOUFRY auf dem Weg zu SOLARIS STATION, einer von drei Stationen, die sich beim Sternenportal der Lokalen Gruppe befanden.
Ein LFT-Explorerschiff hatte mich bis einige hundert Lichtjahre vor das Sternenportal gebracht. Meine Ankunft dort sollte jedoch unauffällig sein, deshalb hatte ich mich für die Space-Jet entschlossen.
Diese Stationen wurden 1299 NGZ in Bau gegeben. Sie sollten der Nabel für den Handel zwischen der Lokalen Gruppe und allen mit einem Sternenportal verbundenen Galaxien sein. Bis vor zwei Jahren lief das auch ganz gut, doch die Präsenz des Quarteriums auf diesen Stationen wuchs von Tag zu Tag. Auch das beunruhigte die LFT.
Niemand kannte die genauen Ziele des Quarteriums. Zwar gab sich der Imperatore freundlich und war anscheinend stets bemüht, ein gutes Verhältnis zur LFT zu pflegen, allerdings misstraute Rhodan inzwischen dem Spanier.
Der Krieg gegen die Alien-Allianz und die Ungerechtigkeit gegenüber extraterrestrischen Wesen war der Anlass für dieses Misstrauen. Der Imperatore war nicht mehr für alle Bürger da. Es gab Gerüchte über Internierungslager, in denen nicht nur Verbrecher, sondern auch politisch anders Gesinnte untergebracht wurden. Millionen Dumfries und andere Soldaten der Alien-Allianz wurden noch immer dort festgehalten. Fragen über Fragen. Rätsel über Rätsel.
Ich legte den Reader mit dem Dossier über das Quarterium weg. Viele Informationen stammten von der USO. Jan Scorbit und Rosan Orbanashol-Nordment sollten auch meine ersten Kontaktpersonen in Cartwheel sein. Mit ihrer Hilfe wollte ich mir ein Bild von der ganzen Situation machen. Ich schloss die Augen und genoss die Ruhe des Alleinseins.
Doch ich war eigentlich gar nicht alleine. Seit dem Jahr 1288 NGZ trug ich eine Haut von Kummerog. Kummerog war jener Mutant aus dem Volk der Bröhnder gewesen, der aus Neugierde das Arsenal der Macht, welches die Baolin-Nda für Perry Rhodan erbaut hatten, vernichtet hatte.
Die Cantrell durchliefen in ihrem Leben mehrere Häutungsphasen. Kummerog, einer ihrer Mutanten, entwickelte die Fähigkeit, abgeworfene Häute zu benutzen, um sich Lebewesen Untertan zu machen. Kummerogs Häute behielten eine Art Eigenbewusstsein, das jedoch als ehemaliger Teil von Kummerogs Körper noch immer mit dem Cantrell in Verbindung stand. Um ein Lebewesen zu versklaven, umschlossen Kummerogs Häute den Wirtskörper und schmiegten sich an wie eine zweite Haut. Gleichzeitig suggerierte die Haut dem Wirt ihren Willen ein, der durch die Verbindung zu dem Mutanten stets Kummerogs Wille war.
Kummerog war so in der Lage gewesen, verschiedene Personen für das Erreichen seiner Ziele zu missbrauchen. Als Perry, Bully und ich von Kummerogs Häuten eingefangen und umschlossen wurden, starben die Häute Rhodans und Bulls nach kurzer Zeit wieder ab. Die zwei Freunde vermuteten, dass die Abstoßreaktion der Zellaktivatorchips die Parasiten abtötet hatte.
Ich wurde damals bei diesem Zwischenfall von Rhodan und Bull getrennt und musste mich zunächst dem Parasiten fügen, kämpfte aber stetig gegen die ungewollte Beeinflussung an.
Es war ein bis jetzt noch ungeklärtes Rätsel, warum die Haut Alaskas nicht ebenfalls durch den Zellaktivatorchip abgetötet worden war. Vielleicht hing es damit zusammen, dass ich in der Vergangenheit das körperfremde Cappinfragment getragen hatte. Das Tragen
der zweiten Haut war unangenehm und abstoßend.
Als Kummerog gestorben war, überwandte ich den fremden Einfluss und arrangierte mich zunächst mit dem Parasiten. Es war nun leicht gewesen, sich von der Haut zu trennen. Als ich jedoch erkannt hatte, dass die Haut auf die Ernährung durch ihren Wirt zum Überleben angewiesen war, ließ ich den Körperkontakt weiterhin zu, um den Parasiten nicht zu töten.
Auf der Mittagswelt hatte ich schließlich der Haut mein Leben zu verdanken. Sie hatte meinen Körper vollständig eingeschlossen, um den Terraner vor den Ortungsversuchen des Parawesens Jenseitsjack
abzuschirmen. Dafür musste ich ihr dankbar sein. Es zeigte mir auch, dass sie ein lebendes, auf gewisse Weise fühlendes Wesen war. Ich durfte sie nicht so einfach abstoßen und damit töten. Die Haut verließ nun gelegentlich meinen Körper, konnte sich aber nie länger als zehn Minuten von mir lösen.
Es ist schon paradox, dachte ich. Es trifft immer die selben. Erst war es das Cappinfragment, das mich zum Außenseiter machte und nun ist es diese Haut.
Ich seufzte erneut. Im tiefsten Inneren meines Herzens war ich einsam. Ich hatte zwar viele Freunde in den anderen Unsterblichen gefunden. Aber jemand, der mich liebte? An den ich mich anlehnen konnte? Jemanden, mit dem ich eine ganz normale Beziehung führen konnte? Unmöglich. Nicht mit diesem … Gallertwesen um mich.
Ein leises Kitzeln in meinem Kopf zeigte mir, das die Haut meine Gedanken verfolgte.
Immer noch die selben Gedanken, Alaska?
, fragte die Haut.
Du kannst meine Gedanken lesen … Haut.
Das letzte Wort sprach ich wie einen Fluch aus. Warum fragst du also?
Weil ich verzweifelt bin.
Die Haut schwieg kurz. Und traurig.
Du bist verzweifelt und traurig?
, fragte ich verblüfft. Du hast nicht mal ein eigenes Gehirn. Du lebst von meinen Emotionen. Von meinen Gedanken. Von meinem Wissen. Von meinem Körper.
Ich lachte bitter auf. Von meiner Unsterblichkeit.
Ich weiß.
Die Stimme des Parasiten in mir klang wirklich traurig. Ich habe in den letzten Jahren viel über euch Menschen gelernt. Und ich weiß, dass, auch wenn du unsterblich bist und weit über den normalsterblichen Menschen stehst, du jemanden für dich brauchst. Jemanden, der dich liebt. Jemanden, der für dich da ist. Jemanden, an den du dich anlehnen kannst. Und ich weiß, dass das im Moment nicht möglich ist, da du mich bei dir hast.
Moralische Bedenken und ein Gewissen können manchmal echt hinderlich sein
, spottete ich.
Ich spürte nur noch ein schmerzhaftes, innerliches Zusammenzucken, dann war die Haut aus meinem Kopf verschwunden.
Seufzend wandte ich mich wieder den Kontrollen der Space-Jet zu. Seit Jahren immer wieder die selben Fragen und keine Antwort. Aber ich hatte im Moment auch keine Lust darüber nachzudenken. Meine Gedanken wanderten zu SOLARIS STATION. Ich war gespannt, was mich da erwartete.
Wenige Stunden später tauchte SOLARIS STATION auf den Schirmen auf. Vor fünf Jahren gebaut, ähnelten SOLARIS STATION und seine beiden Brüder, SUN STATION und SOL STATION, riesigen Paddlerwerften. Eine Scheibe mit einem Durchmesser von zwei Kilometern, überzogen mit Landeplätzen und Turmbauten. Es herrschte ein ständiges Kommen und Gehen.
Wehmut überkam mich. Ich war zwar einer der Unsterblichen und ich hatte in meinem Leben mehr gesehen, als viele andere Menschen zusammen. Doch was nutzte einem das, wenn das wahre Leben woanders passierte?
Ich seufzte. Mit aller Kraft schob ich diese Gedanken beiseite.
Ich bat mittels Hyperfunk um eine Landeerlaubnis auf SOLARIS STATION. Während die Space-Jet langsam Kraft der Fernsteuerung auf die Station zuflog, rief ich mir die Details zu SOLARIS STATION nochmals ins Gedächtnis. Nachdem die Zustände in Cartwheel eskaliert waren, flohen viele extraterrestrische Flüchtlinge wie Blues, Somer, Kartanin oder Topsider von der Insel. Doch viele waren in der Milchstraße nicht willkommen gewesen. Die Bluesvölker der Gataser, Apaser oder Tentras waren im Grunde genommen froh gewesen, dass so viele Wesen nach Cartwheel gepilgert waren. Die Blues litten noch heute unter der extremen Überbevölkerung. Deshalb wurde den Heimkehrern einfach das Asyl verwährt.
Manche andere Nationen handelten ähnlich, wenn aber auch aus diversen anderen Motiven. Die meisten wollten einfach nichts mit der ganzen Sache zu tun haben, fürchteten das neue Imperium und taten alles, damit das Quarterium nicht auf sie aufmerksam wurde.
Viele Wesen mussten so wieder nach Cartwheel zurück kehren, oder sie blieben auf einer der drei Stationen und schlugen sich mit illegalen Machenschaften durch.
Leise wie eine Feder setzte die BETTY TOUFRY in dem speziellen Hangar auf, der nur für hochrangige LFT-Beamte reserviert war. Ich holte noch einmal tief Luft, nahm meine Tasche und verließ die Space-Jet. Nachdem ich die Einreiseformalitäten hinter mich gebracht und meine Tasche in meine Kabine gebracht hatte, in der ich den eintägigen Aufenthalt verbringen sollte, entschloss ich mich, ein wenig über den stationären Markt zu schlendern.
Doch ich kam nur wenige Meter weit, dann traf mich der Schlag. Vor mir tauchte ein wundervolles weibliches Wesen auf, welches mich sofort in ihren Bann schlug. 172 Zentimeter groß, blaue Augen, blaue Haare und eine Ausstrahlung, die mich fast umwarf.
Und dann … dann sah sie mich und machte einen Schritt auf mich zu.
Hallo
, sagte das zauberhafte Geschöpf. Endlich mal ein bekanntes Gesicht. Du bist doch Alaska Saedelaere oder nicht?
Ich … äh … ich …
Ich merkte, wie ich rot wurde.
Die Frau mit den blauen Haaren fing an zu lachen. Nein. Das es so was noch gibt. Es ist mir gelungen, einen unsterblichen Terraner aus der Fassung zu bringen.
Dieser Satz brach schlussendlich das Eis und ich stimmte in ihr Lachen ein. Ich habe schon viel über dich gehört, Denise Joorn. Und jedes Wort stimmt. Es freut mich, dich kennen zu lernen.
Die Freude ist ganz auf meiner Seite.
Sie trat an meine Seite und wir flanierten über die Einkaufsmeile.
Ich bin auf SOLAR STATION, weil ich mich mit einem Händler treffen will, der anscheinend einige kemetische Artefakte aus Cartwheel besitzt. Begleitest du mich?
Ich spürte ihren Blick, wie er auf mir lag.
Aber ja doch. Gerne begleite ich dich.
Während wir langsam und gemütlich durch die Verkaufsstände gingen, erzählte Denise mir aus ihrem Leben, doch ich hörte kaum hin.
Was ist nur los mit mir?, fragte ich mich innerlich. Du benimmst dich wie ein kleiner Schuljunge, der gerade auf seine erste große Liebe trifft! Man sollte meinen, dass ein Unsterblicher mehr Erfahrung mit Frauen haben sollte …
Erst Denises einschmeichelnde Stimme holte mich aus meinen Gedanken: Da sind wir.
Sie deutete auf ein kleines Geschäft. Widerstandslos ließ ich mich von ihr in den kleinen Laden ziehen. Während das süße Wesen zur Ladentheke ging, starrte ich kurz auf ihr wohlgeformtes Hinterteil, ermahnte mich selbst und schaute ich mich ein wenig um. In den Regalen lag Sinnloses neben Nutzlosem. Doch etwas ließ meinen Blick zurückschweifen. Dort zwischen uralten Statuen und unbekannten Gebilden … da lag ein … Insekt!
Wie gebannt schaute ich auf dieses Gebilde, welches mir bekannt vorkam. In meinem Kopf rauschte es, während ich darauf zu ging.
Ich bemerkte nicht, wie Denise Joorn mit dem Verkäufer in ein Hinterzimmer verschwand. Ich hatte nur noch Augen für dieses Insekt. Ganz vorsichtig und behutsam griff ich nach dem etwa fünf Zentimeter langen Objekt und nahm es in meine Hand. Wie gebannt und hypnotisiert schaute ich auf diesen Tessma.
Die Tessma waren einst die Bewohner der Galaxis Shaogen-Himmelreich gewesen und wurden später von den Baolin-Nda für alles Mögliche verwendet. Ich hätte noch stundenlang dastehen können … wenn da nicht ein Schrei ertönt wäre.
Der hypnotische Zwang fiel von mir ab und ich konnte wieder klar denken. Ich drehte mich um und ging zur Ladentheke. Von dort gingen mehrere Türen ab. Ich öffnete sie vorsichtig, jedoch konnte ich nichts entdecken. Hinter der letzten Tür jedoch, da hörte ich Stimmen.
Irgend jemand sprach mit einem irren Ton in der Stimme. Vorsichtig und leise öffnete ich die Tür. Denise Joorn lag am Boden. Über ihr gebeugt stand ein älterer Mann, den ich nicht kannte.
Auch sein Gesicht konnte ich nicht erkennen. Wohl aber den Strahler, den der Mann in den Händen hielt und auf Denise richtete. Ich öffnete die Tür ganz und sprang den Mann von hinten an. Wir wälzten uns auf dem Fußboden und zuerst gelang es dem Fremden, die Waffe auf mich zu richten.
Doch ein paar gezielte Handkantenschläge raubten dem Mann das Bewusstsein. Schwer atmend richtete ich mich auf. Vor mir stand Denise Joorn. Sie hatte die Arme in die Hüften gestemmt und schaute mich wütend an.
Das hätte ich auch alleine geschafft. Du musst mir nicht gleich jeden Spaß verderben.
Ich starrte die Terranerin irritiert an und wusste nicht, was ich sagen sollte. Sie beruhigte sich wieder und erzählte mir, was passiert war.
Vor wenigen Jahren war sie bereits einmal auf diesen Mann getroffen. Auch damals ging es um verschiedenen Geschäfte. Während der Verkäufer damals behauptet hatte, die Sachen, um die es ging, seien sehr wertvoll, hatte Denise gemeint, dass es einfach nur billiger Tand gewesen wäre. Schlussendlich hatte er ihr die Sachen dann doch zu den Preisen verkauft, die Denise zahlen wollte. Und damit hatte sich der Verkäufer selber übers Ohr hauen lassen. Dafür wollte er sich nun rächen.
Nachdem wir den Laden verlassen hatten, wandte sich Denise an mich. Trotzdem danke für die Hilfe
, flüsterte sie.
Es schien ihr wohl schwer zu fallen, einmal Danke zu sagen. Offenbar war die resolute Terranerin es nicht gewöhnt, gerettet zu werden, sondern selbst jemanden zu retten. Dennoch hatte sie sich überwunden und sich artig bedankt.
Sie schenkte mir ein wundervolles Lächeln. Dann blickte sie kurz auf den Boden, sah mir darauf hin tief in die Augen und hauchte mir einen Kuss auf die Wange.
Ich merkte, das mir schon wieder das Blut ins Gesicht schoss. Das war doch nicht der Rede wert.
Verlegen schaute ich zu Boden.
Verdammt, Alaska!, rief ich mich innerlich zur Ordnung. Stell dich nicht an wie ein kleiner Schuljunge!
Denise schien genau das zu bemerken. Sie wollte mich wohl mit dem Kuss aus der Reserve locken. Warum tat sie das? Fand sie es drollig, wie verlegen so ein Unsterblicher sein konnte?
Ich schaute sie ernst an. Etwas Würde musste ich nun wieder gewinnen.
Wollen wir Essen gehen? Ich bin hungrig
, fragte ich unfreundlicher als geplant. Mit einem kurzen Lächeln versuchte ich, den Fehler zu überspielen.
Denise schaute mich schräg an. Sie war wohl etwas verwundert. Dann nickte sie.
Sie führte mich durch einige Korridore. Wenige Minuten später kamen wir zu einem kleinen Lokal, das in der Station bekannt war für seine terranische und arkonidische Küche. Jedenfalls behauptete Denise das.
Das Essen war köstlich gewesen. Denise und ich verbrachten den Abend damit, von unseren Abenteuern zu berichten. Ich gab mir Gott sei Dank keine Blöße mehr und konnte die Ehre der Unsterblichen somit einigermaßen retten. Wäre es ein perfekter Abend gewesen, wäre ich sicherlich nicht allein ins Bett gegangen, doch es war so! Ich beschloss schon während des Essens, Denise keine Avancen zu machen. Selbst wenn sie darauf eingegangen wäre, hätte es spätestens im Bett einige Komplikationen gegeben, es sei denn, sie hätte nichts gegen einen flotten Dreier
mit Kummerogs Haut gehabt. Doch das wollte ich ihr ersparen.
Statt dessen benahm ich mich wie ein Gentleman, geleitete sie in ihre Kabine und verabschiedete mich höflich. Denise Joorn war eine faszinierende Frau. Vielleicht beeindruckender als die meisten Frauen, die mir jemals begegnet waren. Sie hatte Charisma und sonderte sich nicht nur durch ihre Schönheit von anderen weiblichen Wesen ab. Mit solch einer Frau hätte man sein ganzes Leben – oder auch mehrere verbringen können. Nun ja, darüber zu klagen, dass es im Moment nicht sein sollte, wegen dieses Fetzens an mir, brachte auch nichts. Ich entschloss mich, ins Bett zu gehen und schlief schnell ein.
Ich wachte erst wieder auf, als es in meiner Kabine irgendetwas klickte. Ich ließ meine Augen geschlossen und atmete flach weiter. Es war leider alles möglich. Entweder war Denise zu mir gekommen oder irgendwelche Einbrecher.
Alaska?
Eine sanfte melodische Stimme schwebte durch den Raum.
Denise?
Langsam öffnete ich die Augen. Aber es war nicht Denise. Die Frau, die vor mir stand, war knapp 1,70 Meter groß und hatte blonde Haare und blaue Augen.
Nein. Nicht Denise. Mein Name ist Nadine Schneider. Ich bin ein Konzept der Entität DORGON. Und ich bin hier, weil ich und vor allem mein Herr und Meister deine Hilfe braucht. Du hast nicht viel Zeit, denn DORGON liegt im Sterben. Wie ich sehe, hast du den Psiq-Spürer bereits an dich gebracht. Ein anderes Hilfsmittel, das du brauchen wirst, ist das hier.
Sie strecke mir die Hand aus, auf dem ein etwa zehn Zentimeter großes Ei von schwarzer Farbe lag. Ich nahm es entgegen. Fliege morgen Abend mit der WITMAE nach Cartwheel. Alles weitere wird sich ergeben. Und bedenke, du hast nicht viel Zeit.
Kaum hatte sie die letzten Worte gesprochen, war sie auch schon verschwunden und ließ mich verwirrt zurück.
Viel Schlaf bekam ich nicht mehr. Ständig gingen mir die Worte von Nadine Schneider durch den Kopf. Die mächtige Entität DORGON – am Sterben!
Aber ohne weitere Informationen war jedes weitere Nachdenken sinnlos. Ich wandte mich stattdessen den beiden Objekten zu, die auf einem Tisch lagen. Das eine war das Tessma-Insekt aus diesem kleinen Laden. Nadine hatte es als Psiq-Spürer bezeichnet. Das andere war das kleine Ei, welches ich von Nadine Schneider bekommen hatte. Nachdenklich nahm ich es in die Hand. Für seine Größe war es ungeheuer schwer. Keinerlei Unebenheiten befanden sich auf dem Gegenstand. Minuten vergingen, doch nichts passierte. Doch gerade als ich das Ei beiseite legen wollte, erwärmte es sich. Innerhalb von Sekunden wurde es so heiß, das ich es fallen lassen musste.
Noch bevor es den Fußboden erreichte, veränderte es sich. Das Ei schien sich zu strecken und zu winden. Das Objekt wurde länger und schmaler. Nach wenigen Sekunden war die Verwandlung abgeschlossen und aus dem Ei war ein … Passantum geworden. Dieses Armband gehörte eigentlich einem Boten von Thoregon und diente als Zugangsgerät für die Brücke in die Unendlichkeit. Ich bückte mich und hob vorsichtig das knapp sechs Zentimeter breite Armband auf. Eigentlich wollte ich es gar nicht überstreifen, doch ehe ich mich versah, tat ich das.
Das Passantum schmiegte sich an meine Haut und in meinem Kopf dröhnte plötzlich eine Stimme. Ich grüße dich, Alaska Saedelaere aus dem Volk der Terraner.
Ich wartete noch einige Sekunden, doch die Stimme meldete sich nicht mehr.
Nachdenklich griff ich nach dem Tessma-Käfer und steckte ihn in meine Tasche.
Denise Joorn!, schoss es mir plötzlich durch den Kopf.
Ich musste sie darüber informieren. Schließlich war die Archäologin nicht nur wunderschön, sondern auch ziemlich clever und reich an Erfahrung in Abenteuern. Ohne ihr Geschick würde das Geheimnis um Osiris wohl immer noch nicht gelüftet worden sein. Ich kramte frische Kleidung aus dem Koffer und zog mich an. Während dessen rief ich mir mehr Informationen über meine attraktive neue Freundin
ins Bewusstsein.
Ihre körperlichen Attribute waren unübersehbar. Wenn ich nur daran dachte, wurde mir wieder ganz anders. Vielleicht sollte ich noch eine kalte Dusche nehmen, bevor ich die in Boscyksville geborene Olymperin aufsuchen würde?
Alaska stöberte in einem Datenspeicher der USO herum und fand auch mehrere Einträge über Denise Joorn, darunter auch ein Profil von ihr.
Sie war jetzt 34 Jahre alt.
Denise war als Kind reicher Eltern sehr behütet und umsorgt aufgewachsen. Doch im zunehmenden Alter hatte ihr dieses langweilige Leben nicht mehr gefallen. Mit 15 Jahren war Denise das erste Mal von Zuhause ausgerissen, um auf dem Nachbarplaneten archäologische Arbeiten zu beobachten. Sie war dabei in einige Gefahren geschlittert und es war ihr gelungen, eine Verbrecherbande zu überführen.
Als sie wieder Zuhause gewesen war, achteten ihre Eltern mehr auf sie und bis sie ihr achtzehntes Lebensjahr erreicht hatte, passierte auch nicht viel. Sie hatte die Zeit genutzt, um sich fortzubilden und entdeckte ebenfalls ihr Interesse an der Wissenschaft und Forschung.
Kaum war sie volljährig gewesen, sollte sie verheiratet werden. Ihr Zukünftiger war ein langweiliger Snob gewesen und sie entschied sich gegen den Wunsch ihrer Eltern.
Denise war erneut ausgerissen und hatte beschlossen, alleine ihren Lebensunterhalt zu verdienen.
Ein alter Forscher hatte sie mitgenommen und stellte sie als Assistentin ein, da seine alte Sekretärin die Abenteuer nicht mehr ertragen konnte. Johannes van Kehm, so der Name des Forschers, hatte Denise viel gelehrt und weckte ihr Interesse an der Archäologie.
Allerdings hatte die hübsche Abenteurerin herausgefunden, dass van Kehm oft für die Arkoniden und obskure Unternehmer arbeitete, während sie aus purem Altruismus versucht hatte, die Vergangenheit zu erforschen. Sie begannen sich zu entfremden und bei einer Expedition starb van Kehm auf Grund seiner eigenen Überheblichkeit.
Denise Joorn hatte mehr und mehr die alten Ägypter studiert und untersuchte seitdem die Pyramiden, Tempel und Gräber auf Terra. Sie war der festen Überzeugung gewesen, dass noch irgendein Geheimnis dort ruhte.
So war die Schiffsführung der IVANHOE im Jahre 1295 NGZ auf sie aufmerksam geworden, als man auf dem Planeten Seshur ägyptische Relikte entdeckt hatte.
Den Rest der Geschichte kannte ich. Ich hatte viel darüber gelesen und gesehen. Denise Joorn war eine Schlüsselfigur bei der Entdeckung der Kemeten gewesen. Ihre Tapferkeit war sogar soweit gegangen, dass sie das Himmelfahrtskommando auf dem SONNENHAMMER mitgemacht hatte. Meine Bewunderung wuchs von Minute zu Minute. Endlich war ich fertig angezogen und lief zu ihrer Kabine. Sie öffnete schnell und wirkte gar nicht müde. Ich berichtete ihr von meiner Vision.
An ihrer Reaktion merkte ich, dass sie meine Erzählungen durchaus ernst nahm.
Dann müssen wir mit der WITMAE nach Cartwheel!
, entschied sie. So, wie es Nadine orakelt hat.
Wir?
, fragte ich verwundert.
Sie grinste. Du glaubst doch nicht, dass ich dich alleine so ein Abenteuer erleben lasse. Ich habe Hunger, wir sollten etwas essen gehen.
Joorn schmiegte sich plötzlich eng an mich. Ich glaube, wir werden verfolgt
, flüsterte Denise mir leise ins Ohr. Ein Somer. Etwa 1,15 Meter groß. Mit einem schwarzweißen Fell. Er leistet uns schon seit einiger Zeit Gesellschaft.
Ich drehte vorsichtig den Kopf und sah diesen dicken Somer ziemlich schnell.
Na dann wollen wir mal
, tuschelte ich ebenso leise meiner Begleitung ins Ohr.
Ich zog sie schnell in eine dunkle Ecke und fing an, ihr schönes Gesicht mit Küssen zu bedecken. Zuerst spürte ich ihre Belustigung über meine Tat, doch dann schmiegte sie sich eng an mich und erwiderte jeden einzelnen Kuss.
Nach wenigen Sekunden schob sich der Vogelkopf um die Ecke und beäugte uns vorsichtig. Ich schob Denise weg und packte den Somer am Kragen und zog ihn an mich ran.
So, Vögelchen! Dann fang mal an zu singen. Was willst du? Warum verfolgst du uns?
Okay, okay, okay! Bitte, bitte, großer Terraner, tu' mir nichts. Nur deine Freundin gefiel mir so sehr, dass ich fragen wollte, ob du sie mir nicht mal für ein paar Stunden ausleihen könntest.
Während ich völlig sprachlos dastand, fing Denise an zu lachen. Er will mich für ein paar Stunden ausleihen. Das ist ja süß. Aber ich fürchte, ich muss diese Einladung ausschlagen, mein Dickerchen.
Nun war ich an der Reihe, loszulachen. Der Somer schaute zuerst mich an, dann Denise, dann wieder mich. Lachend nahmen wir ihn in die Mitte und gingen zusammen in ein kleines Lokal, wo wir es uns gemütlich machten. Nachdem wir uns mit Getränken versorgt hatten, fing der Somer an, über sich zu erzählen.
Sein Name war Leo Ok Poldm, von den meisten wurde er jedoch nur Leopold genannt. Als Halbbruder des legendären Sruel Allok Mok – genannt Sam – geboren, dem ehemaligen Generalsekretär von Cartwheel, sollte auch er eine politische Laufbahn wie sein Bruder einschlagen. Doch leider war er das totale Gegenteil von Sam. Kein Verantwortungsbewusstsein, undiszipliniert und dazu ein loses Mundwerk.
Fast das gesamte Gespräch waren seine Augen auf Denise gerichtet und vermutlich wäre er schon längst über sie hergefallen, um ein wenig an ihr herum zu picken, wenn ich nicht da gewesen wäre. So beschränkte er sich auf das Begaffen der Schönheit.
Ich mischte mich in dieses Gespräch nicht ein, sondern hörte nur zu. Obwohl Leopold versuchte, Fuß zu fassen, scheiterte er an jeder noch so kleinen Hürde. Nach einer Odyssee in Siom und Cartwheel endete er auf SOLAR STATION als Tellerwäscher und Toilettenreiniger. Und vermutlich hätte er noch ewig weiter geredet, wenn sich nicht die Tür geöffnet und eine Truppe Grautruppen, angeführt von einem Casinoleiter, das Lokal betreten hätten.
Leopold stieß einen spitzen Schrei aus und verschwand mit einem Sprung unter den Tisch. Doch leider kam diese Reaktion zu spät, denn der kleine Trupp ging zielstrebig auf unseren Tisch zu.
Die Grautruppen beachteten uns gar nicht. Zielstrebig griffen sie unter den Tisch und schnappten sich Leopold. Vor Angst zwitscherte der Somer wirres Zeug.
Leo Ok Poldm!
, schnarrte einer der quarterialen Soldaten. Trotz Hausverbotes bist du wiederholt in das Casino dieses ehrbaren Terraners gegangen. Dazu gibt es Videoaufzeichnungen, die beweisen, wie du wiederholt beim Pokern betrogen hast. Darauf steht die Exekution.
Einer der Grautruppen zog seine Waffe und hielt sie dem fast schon ohnmächtigen Somer an den Kopf. Ich hoffe, du wirst die Hölle toll finden, denn nur dort kommen solche extraterrestrischen Wanzen wie du hin!
Ich sprang auf und riss dem Soldaten die Waffe aus der Hand. Was soll das?
, herrschte ich den Casino-Besitzer an. Er hat keinen Mord begangen. Er hat dein Casino nicht in Schutt und Asche gelegt. Und du bist auch nicht pleite. Warum willst du hier jemanden kaltblütig ermorden?
Der kleine, dicke Casino-Besitzer funkelte mich böse an. Um ein Exempel zu statuieren. Ich verliere im Jahr Milliarden Galax durch solche Idioten wie den da.
Sein Finger deutete auf den wimmernden Leopold.
Und das rechtfertigt einen Mord?
Meine Stimmung geriet auf den absoluten Nullpunkt. Wie tief ist die Menschheit schon gesunken?
Wer bist du überhaupt, dass du dich so aufregst?
Mein Name ist Alaska Saedelaere. Ich bin Beauftragter des terranischen Residenten Perry Rhodan und ich befinde mich auf einer diplomatischen Reise nach Cartwheel.
Oh … Alaska Saedelaere.
Er fing an zu stottern. Mit einer Handbewegung stoppte ich seinen einsetzenden Redefluss. Es ist mir egal, was du sagst. Du wirst Leo Ok Poldm in Ruhe lassen und mit deinen Rambos hier abziehen. Als Gegenleistung verspreche ich dir, dass der Somer nicht mehr in dein Casino einfallen wird. Wir nehmen ihn heute Abend mit nach Cartwheel. Gilt der Handel?
Er galt. Die pariczanischen Klone blickten den Besitzer unwirsch an. Saedelaere war sich sicher, dass der Besitzer noch Ärger bekommen würde. Wahrscheinlich hatte er den quarterialen Soldaten eine Extraration Bier versprochen, wenn sie den Somer einschüchterten.
Zumindest konnten sie keinem offiziellen Auftrag nachgehen. Keiner der Soldaten war vom Rang her höher als ein Gefreiter.
Ziemlich schnell verschwanden der Casino-Besitzer und die Grautruppen.
Seufzend wandte ich mich an Leopold. Egal was du sagen willst, ich will es im Moment nicht hören. Erzähle mir lieber etwas über diese Grautruppen.
Aufmerksam hörte ich zu, als der Somer zu erzählen anfing. Er berichtete, dass die Grautruppen die gefürchtete Infanterie des Quarteriums waren. Ab und zu waren auch ein bis zwei Kompanien auf den Stationen des Sternenportals stationiert. Leopold hasste diese Zeit besonders, da sich die Pariczaner wie die Bestien aufspielten.
Die Grautruppen waren das erste Mal während der Alien-Allianz-Krise in Erscheinung getreten. Zwar hatte der Corun von Paricza, Leticron, schon einige Jahre früher ihre Existenz offenbart, doch ihren ersten Kriegseinsatz hatten sie gegen die Dumfries gehabt. Ich hatte die Berichte gelesen. Es war eine bittere Niederlage für die Aliens gewesen. Ihr Anführer Carjul hatte dabei den Tod gefunden.
Ich beobachtete einige der Grautruppen, die vor dem großen Eingang des Casinos standen, ihre Waffen in den Händen. Ihre Rüstung war grau, wirkte wie eine Mischung aus Uniformen aus der atomaren Zeit Terras und einem Raumanzug. Ihr mächtiges Gewehr wurde von der USO als M-A-R 21 Phoenix
bezeichnet und sollte das beste sein, was es zur Zeit gab.
Seufzend wandte ich mich an Denise. Cartwheel scheint ja ein einziges Tollhaus geworden zu sein.
Ich fing an zu lachen. Monarchie ist nicht wirklich das wahre.
Während Denise mich verwirrt anschaute, griff ich nach dem Somer. Komm, kleines Vöglein. Du hast gehört, was ich gesagt habe. Du kommst mit nach Cartwheel.
Leopolds bescheidene Behausung erinnerte mich eher an einen Müllplatz, als an eine Wohnung. Überall lagen Papierreste, altes Essen, schmutzige Wäsche und ähnliches herum.
Hastig packte er seine Sachen zusammen. Zu meiner Erleichterung mussten wir nicht die ganze Mülldeponie mitnehmen. Ich schaute mich etwas um. An den Wänden hingen terranische, somerische und kartaninsche Pin-Up Girls. Unweit daneben lag Leopolds Playkonide
-Sammlung auf dem Boden verstreut.
Du bleibst bis zum Flug in meiner Kabine. Es ist sicherer
, schlug ich dem Somer vor, der anstandslos akzeptierte. Er blickte sich noch einmal in seinem Zuhause um und seufzte.
Das ist es also. Wieder ein Abschied …
Ich legte die Hand auf seine Schulter.
Na ja, es kann nur besser werden
, sagte ich. Dann verließen wir seine Kabine und gingen in die meine.
Leopold hörte gar nicht auf, mir zu danken. Der skurrile Somer begleitete mich in meine Kabine. Er wich keinen Schritt mehr von mir, sehr zu meinem Bedauern. Ich hatte eigentlich schon genug parasitäre Wesen um mich herum. Kummerogs Haut gab einen mitleidigen Impuls von sich. Anscheinend war sie jetzt beleidigt. Das störte mich herzlich wenig. Ich war auch beleidigt – seitdem ich dieses Ding um meinen Körper tragen musste. Erschöpft ließ ich mich auf die Couch fallen und musterte Leopold, der sich in den Sessel setzte und sich, ohne zu fragen, über meine Vorräte hermachte.
Tolles Zeug gibt es in der Ersten Klasse
, meinte er schmatzend.
Ja
, sagte ich knapp und verdrehte die Augen. Eigentlich wollte ich nur noch schlafen. Ob ich wieder so eine seltsame Vision haben würde? Mir ging Nadine Schneider nicht mehr aus dem Kopf. Anscheinend musste DORGON in einer großen Gefahr schweben. Doch was hatte ich damit zu tun? Gab es keine würdigeren Kämpfer für das Gute als mich? Nun, wenn es DORGONs Wille war, hatte ich keine andere Wahl. Jedoch quälte mich noch ein anderer Gedanke brennend. Wie sollte ich in Gottes Namen überhaupt DORGON helfen können? Was hatte es mit dem Passantum auf sich? Fragen über Fragen, deren Antwort ich nicht kannte.
Ich blickte wieder zu Leopold herüber, der bereits eine ganze Tüte Kartoffelchips geleert hatte und sich nun über das Obst und Gemüse auf dem Tisch hermachte. Der kannte die Antwort bestimmt auch nicht. Oder doch? War es Zufall, dass wir ihn getroffen hatten? Oder vielleicht Bestimmung? Hatte er etwas mit DORGON zu tun? Ein kurioser Streich der Entität? Von ES kannte man ja so etwas bereits.
Plötzlich summte es an der Tür. Ich bat den fremden Besucher herein. Ein kleiner Mann mit runder Brille in schwarzer Uniform trat hinein. Sofort erkannte ich das Emblem der Cartwheel Intelligence Protective an seinem Hemdkragen.
Ein Spitzel der CIP, schoss es mir durch den Kopf.
Leopold schaute mich verängstigt an. Anscheinend dachte er das gleiche.
Was kann ich für Sie tun?
, fragte ich standesgemäß.
Sind Sie Alaska Saedelaere?
Ja, bitte?
Der CIP-Mann setzte sich unaufgefordert in einen Sessel und grinste uns seltsam an. Zwei weitere Männer standen an der Türschwelle. Sie wirkten weder sonderlich freundlich, noch zivilisiert. Was wollten die von uns? Sicherlich hatte es etwas mit diesem tollpatschigen Somer auf sich.
Ich setzte mich gerade auf die Couch und musterte den seltsamen Vogel, womit ich den CIP-Agenten meinte. Und mit wem habe ich das Vergnügen?
Bernd Rogh, Special-Agent der CIP
, stellte sich der Mann vor. Er lächelte immer noch so seltsam. Es wirkte unheimlich. Nicht nur auf mich, sondern auch auf Leopold, wie ich sehr schnell feststellte. Im Gegensatz zum Somer ließ ich mir jedoch mein Unbehagen nicht anmerken. Dazu hatte ich zu viel Routine, als dass ein Möchtegern-Spitzenagent mich in Verlegenheit bringen würde.
Es geht um den Vorfall im Casino
, begann der Agent.
Und? Ihre Grautruppen haben sich nicht sonderlich ehrenvoll benommen
, gab ich unwirsch zurück.
Da haben sie recht
, gestand Rogh. Sie haben gegen die Vorschrift gehandelt und werden dafür bestraft. Ich bitte im Namen des Quarteriums um Entschuldigung.
Das überraschte mich etwas. Doch das aufgesetzte Lächeln des Mannes passte ganz und gar nicht zu ihm. Er meinte es nicht ehrlich. Das war mir klar. Anscheinend befürchteten sie jedoch politische Verwicklungen. Nach dem Dossier der USO war das Quarterium bemüht, stets wie ein friedliches, modernes Imperium zu wirken. Das Gehabe der Grautruppen hatte das Gegenteil bewiesen. Es war nur logisch, dass das Quarterium nun Schadensbegrenzung versuchte.
Ich nickte ihm schwach zu und signalisierte damit meine Bereitschaft, den Vorfall zu vergessen. Vorerst. Natürlich würde Perry darüber informiert werden. Jedes noch so kleines Detail war wichtig für meinen Bericht.
Es gibt sicherlich auch einen Sicherheitsdienst an Bord der Stationen. Der wäre eigentlich dafür zuständig gewesen.
Erwartungsvoll blickte ich ihn an.
Sein Lächeln gefror, es schien ihm unangenehm zu sein. Der Sicherheitsdienst ist überfordert. Viele kleine Verbrecher befinden sich auf der Station. Die hier stationierten quarterialen Soldaten sieht er als Hilfe an. Im Grunde genommen ist Ihr Freund auch nichts weiter als ein Verbrecher.
Das entscheiden immer noch Gerichte, nicht irgendwelche Gefreiten oder korrupte Casino-Besitzer.
Der CIP-Agent lächelte scheinbar gequält. Er stand auf, salutierte und verabschiedete sich von uns. Zum Schluss wünschte er uns noch eine angenehme Reise. Mir waren die Vertreter des Quarterium von mal zu mal unsympathischer.
Ich überflog die Passagierliste des kleinen Transporters WITMAE. Dreiundzwanzig Passagiere und sieben Besatzungsmitglieder machten den Flug nach Cartwheel mit.
Während Denise, Leopold und ich uns durch die Gänge kämpften, studierte ich einige der Passagiere. Als erstes fiel mir ein cholerischer, kleiner Terraner mit Halbglatze auf, der sich als Jaques de Funes jedem vorstellte, der es hören und nicht hören wollte. Er beschwerte sich, dass seine Unterbringung unangemessen sei.
In unserer Nachbarkabine hockte ein seltsames Liebespaar. Ein recht schlanker Mann und eine dicke Frau, die sich gerade in den Haaren hatten. Ein Unither drängte sich an uns vorbei. Eine interessante Gruppe. Nicht grundlos beobachtete ich diese Wesen. Noch immer dachte ich an Nadine Schneiders Vision. Jedes noch so kleine Detail konnte von Bedeutung sein. Solche Entitäten gaben sich oft versteckt zu erkennen, verstreuten die Hinweise so, dass sie unscheinbar wirkten. Abgesehen von diesem Tessma und dem Passantum hatte ich noch keine weiteren Hinweise gefunden.
Nachdem wir den Somer in eine benachbarte Kabine gebracht hatten, setzten wir uns zusammen auf ein Sofa. Stille, nur unterbrochen von unseren Atemzügen, breitete sich in der Kabine aus.
Ich musterte Denise aus den Augenwinkeln.
Was für eine exotische Frau sie doch ist, ging es mir durch den Kopf. Sinnlich, selbstbewusst, sexy. Eine total faszinierende Kombination. Aber eine Beziehung? Ich sehne mich so sehr danach und doch werde ich es nicht bekommen.
Ich seufzte laut auf. Wenn auf der WITMAE nichts passiert, werden sich leider unsere Wege erst einmal wieder trennen.
In meiner Stimme schwang eine gewisse Traurigkeit mit. Mein erster Weg wird mich wohl zu Jan Scorbit und Rosan Orbanashol-Nordment führen. Und dann ist da immer noch die Warnung von Nadine Schneider … Und was hast du vor?
Das, was eine Archäologin und Abenteurerin immer tut. Sich in irgendwelche Abenteuer stürzen und in Löchern rumbuddeln. Du weißt ja, dass ich nach kemetischen Artefakten in Cartwheel suche.
Sie schenkte mir ein aufreizendes Lächeln.
Wenn du Hilfe benötigst und wieder eine Vision hast, wende dich an mich
, bat sie.
Der Start des kleinen Transporters erfolgte fast lautlos. Zufrieden schaute der Kommandant Jürgen R. Ippberger auf die Kontrollen. Obwohl die WITMAE schon einige Jährchen auf dem Buckel hatte, versah sie immer noch anstandslos ihren Dienst. Hinter dem Raumschiff wurden die drei Stationen immer kleiner und direkt voraus, da wurde das Sternenportal der Lokalen Gruppe immer größer.
Es glich einem schwarzen Loch, mit einem Durchmesser von über vier Milliarden Kilometern. Zu jeder Himmelsrichtung schwebten große Projektoren, die Energie aus dem Hyperraum abzapften und so den Transmitter versorgten.
Schon viele Male war die WITMAE durch das Portal geflogen und manch einem Besatzungsmitglied war die Tatsache nicht mehr bewusst, dass man gleich einen Sprung von über 500 Millionen Lichtjahren machen würde.
Der Mensch ist halt ein Gewohnheitstier, schoss es Ippberger durch den Kopf.
Ein letztes Mal überflog der kleine Kommandant die Kontrollen und wandte sich dann an die Besatzung: Meine Damen und Herren. Wir werden gleich durch das Sternenportal der Lokalen Gruppe fliegen. In wenigen Minuten werden wir bereits in Cartwheel sein. Bitte entspannen Sie sich. Ein kleiner, ziehender Schmerz in ihrem Nacken ist eine ganz normale Begleiterscheinung des Transportes.
Ippberger beugte sich wieder vor und schaltete die Interkomverbindung wieder aus.
Alles nur Routine, dachte er. Nie passiert irgendetwas Spannendes oder Aufregendes. Vielleicht sollte ich mich doch bei der neuen USO melden. Vielleicht sollte ich das …
In diesem Moment traf die WITMAE auf das Sternenportal und flog hindurch. Gellend schrie der Kommandant auf. Es war, als würde ihm jemand ein Dutzend glühender Nadeln in den Nacken und in das Gehirn gesteckt.
Irgendwas ist schief gelaufen. Hier hast du deine Aufregung.
Jürgen R. Ippberger bemerkte schon nicht mehr, wie er bewusstlos auf den Fußboden prallte.
Nur noch wenige Sekunden, dann würde der Flug durch das Portal erfolgen. Denise lehnte sich an die Kopfstütze ihres Sitzes. Ich fühle mich so müde
, sagte sie.
Ganz still saß ich da und genoss ihre Nähe. Plötzlich meldete sich eine Stimme in meinem Kopf.
Alaska Saedelaere? Hörst du mich?
Natürlich höre ich dich. Bist du das Passantum?
, wollte ich wissen.
Ja, ich bin das Passantum, das du trägst. Nimm die Hand deiner Begleiterin, damit sie mithören kann.
Schnell griff ich nach der Hand von Denise. An ihrem Gesichtsausdruck konnte ich sehen, dass sie nun dasselbe wie ich hörte.
Ich erbiete auch dir meine Grüße, Denise Joorn. Hört mir zu. In wenigen Sekunden wird der Transfer beginnen. Ich habe um euch ein siebendimensionales Schutzfeld aufgebaut, das die schweren Einflüsse des Transfers ausschalten wird. Ihr beide begebt euch sofort in die Kommandozentrale und versucht das Schiff sicher zu landen. Geht! Sofort!
Ich schaute Denise kurz an und zog sie dann mit mir. Schnell eilten wir durch die Gänge und sahen überall Menschen zusammenbrechen und vor Schmerzen schreien. Nur an uns beiden ging dieser Einfluss völlig vorbei. Endlich kamen wir in der Zentrale an. Auch hier bot sich uns dasselbe Bild. Die Besatzung hing bewusstlos in den Stühlen oder lag auf dem Fußboden.
Denise schaute sich fassungslos um. Was ist passiert?
Ich wusste darauf auch keine Antwort. Anscheinend hatten nur wir durch die Hilfe des Passantums diesen Transfer unbeschadet überstanden. Ich trat zu einer Konsole und aktivierte die Orteranlagen und die Beobachtungssysteme. Letztere lieferten ein wirklich erstaunliches Bild. Direkt vor uns schwebten mehrere Planeten um eine gelbe Sonne. Das wirklich erstaunliche war aber die Tatsache, dass das Universum grün war.
Ein grünes Universum!, schoss es mir durch den Kopf. Als ob es nicht genug komische Sachen im Weltall gibt. Aber nein ... es muss ein grünes Universum sein!
Ein Blick auf die Orteranlangen zeigte mir dann, dass das Universum nicht nur grün war. Nein, es war auch noch klein. Nach etwa 0,2 Lichtjahren wurden die Orterimpulse einfach reflektiert. Wenige Messungen später stellte ich fest, wir uns in einer Kugel von etwa einem Lichtjahr Durchmesser befanden.
Irgendwie erinnerte mich das an die Hohlblase von Goedda, in die es mich einmal verschlagen hatte. Diese hatte sich allerdings im Hyperraum befunden.
Aber der Hyperraum ist doch nicht grün. Oder doch?
Ich seufzte. Ein Königreich für einen Kalup oder Waringer, die sich mit so etwas ausgekannt hatten.
Denise hatte derweil Kontakt mit der Krankenstation aufgenommen und die Medoroboter ausgeschickt. Überall wurden die Verletzten behandelt. Auch der Kommandant kam langsam wieder zu sich.
Ich sichtete derweil die weiteren Funktionen des Schiffes. Alle Anlagen arbeiteten soweit und so fing ich an, langsam auf den dritten Planeten zuzufliegen. Doch plötzlich ging ein Schlag durch das Schiff und die Beleuchtung viel aus. Auch das feine, sonare Brummen der Konverter verstarb. Nach wenigen Sekunden ging jedoch die Notbeleuchtung an. Ein schneller Blick auf die Monitore zeigte mir, das wir antriebslos auf den dritten Planeten zustürzten.
Raus hier. Alle in die Rettungskapseln. Wir stürzen ab!
Die letzten Worte schrie ich über den Bordfunk.
Alle wandten sich den Ausgängen zu. Nur Denise nicht. Komm, Alaska.
Sie streckte ihre Hand aus.
Ich drehte mich um und schaute die faszinierende Frau kurz an. Nein. Ich werde eine Notlandung versuchen.
Und wenn dir etwas zustößt?
In ihren Augen konnte ich aufrichtige Besorgnis erkennen.
Ich schenkte ihr ein kurzes Lächeln. Mir passiert nichts. Ich bin leider viel zu stur zum Sterben. Und nun verlasse mich. Wir sehen uns unten auf dem Planeten.
Ich drückte ihre Hand zum Abschied.
Denise presste die Lippen zusammen. Wir sehen uns unten
, sprach sie, drehte sich um und verließ die Zentrale.
Ich hingegen wandte mich wieder den Kontrollen zu. Das Schwerkraftfeld des Planeten wirkte bereits auf den Frachter. Mit Müh und Not brachte ich die kleinen Korrekturdüsen in Betrieb und änderte den Einflugwinkel. Der Winkel wurde flacher und flacher. Wie ein brennender Komet zog die WITMAE durch die Atmosphäre. Auf einem Monitor war zu sehen, wie sich einige Rettungskapseln von dem Frachter lösten. Einige würden überleben. Auch Denise Joorn. Ein Lächeln umspielte meine Lippen.
Die Geschwindigkeit ist viel zu hoch
, gellte die Stimme der Haut auf einmal in meinem Kopf.
Halt die Klappe, Haut!
, rief ich, ohne die Kontrollen aus den Augen zulassen. Noch ein Wort und du kannst aussteigen und als Bremsfallschirm arbeiten.
Daraufhin schwieg die Haut, auch wenn ich erkennen musste, dass sie leider recht hatte. Zum Glück würden wir nicht wie ein Speer in den Boden einschlagen, aber der Aufprall würde doch sehr unangenehm werden.
Meine Blicke hefteten sich auf einen Monitor, auf dem die Planetenoberfläche zu sehen war. Das Schiff flog gerade über weite Steppe. Vereinzelt waren die Ruinen von Städten zu erkennen. Aber Anzeichen einer Zivilisation konnte ich nirgends entdecken.
Und dann war er da, der Boden. Der Frachter knallte auf einen sandigen Grund und stieg sofort wieder auf. Nur um gleich darauf wieder auf den Boden zu fallen. Ein Knirschen und Knarren durchzog das Schiff. Ein letztes Mal bebte und schüttelte sich der Frachter. Ich verlor das Gleichgewicht und fiel zu Boden. Schwärze umfing mich.
Als ich wieder zu mir kam, waren laut meinem Chronometer mehrere Stunden vergangen. Nichts regte sich mehr im Wrack. Vorsichtig befreite ich mich aus dem Berg von Stühlen und Plastikmaterialien, die auf mir gelandet waren. Langsam kroch ich zu den Instrumentenpulten hin und zog mich vorsichtig hoch. Als ich dann endlich auf den Beinen stand, horchte ich in mich hinein. Abgesehen von blauen Flecken schien mir nichts passiert zu sein. Seufzend wandte ich mich den Kontrollen zu, um nach wenigen Minuten zu erkennen, dass dieses Schiff nie mehr fliegen würde.
Wortlos verließ ich die Zentrale und machte mich daran, das Schiff zu durchsuchen. Aber abgesehen von mir fand ich kein weiteres Lebewesen. Nicht einmal Leichen. Ich wandte mich einer Ausrüstungskammer zu und nahm einen SERUN und verschiedene Ausrüstungsgegenstände an mich. Leider musste ich erkennen, das bei allen SERUNs die elektrischen Teile durch überschlagende Energien zerstört waren. Als einzige Waffe fand ich einen Paralysator.
Ich musste einfach hoffen, dass es keine wilden und größeren Tiere auf diesem Planeten gab. Nachdem ich alles in einen kleinen Rucksack verstaut hatte, begab ich mich ein Deck tiefer und suchte nach einem Ausgang. Alle Schotten waren durch den Aufprall verzogen. Alle bis auf eines.
Dieses Schleusentor hing halb in den Angeln. Vorsichtig, um meinen SERUN nicht an scharfen Kanten zu zerstören, schob ich mich durch das Schott und ließ meinen Blick über die karge Wüstenlandschaft schweifen. Nur ab und zu stand ein verdorrter Baum verloren in der Gegend herum. Obwohl es ungewöhnlich warm war, spürte ich tief in mir ein Frösteln.
Der Raumer hatte sich tief in den Sand eingegraben. Es fiel mir ziemlich leicht über diese gigantische Düne runter zu klettern. Langsam umrundete ich das Schiff, doch ich konnte nirgends andere Fußspuren entdecken. Wahrscheinlich, falls es denn welche gegeben hatte, waren sie schon durch den Wind zugeweht.
Nachdenklich machte ich mich auf den Weg. Eine Richtung erschien mir genauso falsch wie die andere. Drum lief ich einfach los.
Stunde um Stunde verging. Das Landschaftsbild veränderte sich kaum. Karges Ödland wechselte sich mit kargem Ödland ab. Am Horizont wuchs langsam eine Bergkette hervor. Der Schweiß floss mir über die Stirn. Als die Sonne endlich hinter dem Horizont verschwand, richtete ich mir mein Nachtlager ein.
Den nutzlosen SERUN streifte ich ab. Ich beschloss, ihn am nächsten Tag zurück zu lassen und nur die notwendigsten Sachen mitzunehmen. Ein deaktivierter SERUN behinderte mich mehr, als dass er mir nützlich war.
An einen Baum gelehnt, Konzentratwürfel kauend, schaute ich in den Nachthimmel. Es war schon ein abenteuerlicher Anblick. Das ganze, für mich sichtbare Weltall schimmerte in einem grünen Ton. Die Vielzahl von Sternen konnte man nur schlecht erkennen. Müdigkeit übermannte mich. Langsam fiel mir mein Kopf auf die Brust … bis ich plötzlich erkannte, was verkehrt war.
Wieso kann ich Sterne sehen?, schoss es mir durch den Kopf. Ich befinde mich in einer Kugel mit einem Durchmesser von einem Lichtjahr. Wieso kann ich nun fremde Sterne sehen?
Wie gebannt schaute ich in den Himmel. Meine Blicke glitten über die Sterne und ich versuchte eine bekannte Konstellation zu finden. Doch keine einzige Gruppierung kam mir bekannt vor. Es waren auch viel mehr Sterne zu sehen als auf der Erde, aber nicht einer war mir bekannt.
Seufzend setzte ich mich wieder an den Baum. Rätsel über Rätsel und nirgends eine Lösung.
Stunden vergingen und ich fiel in einen unruhigen Schlaf, in dem ich von Denise Joorn träumte. Ich wurde erst wieder wach, als eine Stimme anfing, in meinem Kopf zu wispern.
Alaska?
, wisperte die Haut. Wach auf. Es passiert etwas.
Ich gähnte und streckte mich. Was gibt es denn? Was ist passiert?
Es ist schwer zu beschreiben. In oder an deinem Körper baut sich eine beträchtliche Ladung psionischer Energie auf. Ich denke, es stammt von dem Tessma-Insekt.
Behutsam griff ich in meine Brusttasche und holte das Insekt, das Nadine Schneider als Psiq-Spürer bezeichnet hatte, hervor. Und es schien diesmal sogar aktiviert zu sein. Die kleinen Knopfaugen, früher Schwarz, leuchteten nun in einem satten Rot. Plötzlich hob das Insekt von meiner Handfläche ab und schwebte schließlich vor meinem Gesicht. Dort fing es an, in der Luft ein Rechteck zu zeichnen und als es dieses vollendete, erschien vor meinen Augen ein etwa zehn Zentimeter breiter und acht Zentimeter hoher Holoschirm.
Staunend betrachtete ich dieses Wunderwerk der Technik. Innerhalb von Sekunden füllte sich der Bildschirm mit fremden Schriftzeichen und fremdartigen Diagrammen. Doch auf einmal waren alle Zeichen weggewischt und ich sah … mich. Ich sah mich durch die Augen des Insektes, welches allmählich aufstieg. Immer schneller wurde es. Auf dem Bildschirm konnte ich diesen unheimlichen Flug verfolgen. Innerhalb von Sekunden hatte es den Planeten verlassen und flog auf die Barriere zu. Doch anstatt dort zu zerschellen, durchflog das Insekt die Mauer und gewährte mir einen Einblick in das, was dahinter lag.
Ich sah … eine weite Ebene, durchflutet von grünem Licht. Auf dem Boden wallte eine Art grüner Nebel.
Ich sah … am Himmel blau-schwarze Wolken und dort wo keine Wolken waren, Milliarden Sterne.
Ich sah … in der Ferne eine fremdartige Stadt mit hohen Türmen. Es waren Ruinen. Davor befand sich ein Pilzdom.
Ich sah … auf dem Boden eine kleine grüne Kugel, welches ein Miniatur-Sonnensystem beinhaltete.
Ich sah … Nadine Schneider, die über dem grünen Boden schwebte. Sie kam auf die Kugel zu, hob sie vorsichtig hoch und deutete erst auf sich, dann auf das Insekt.
Das Konzept der Entität DORGON wurde auf einmal unscharf, es fing regelrecht an zu flimmern. Ich konnte sehen, wie sie mit der Kugel verschmolz.
Und auf einmal war die Übertragung beendet. Der Bildschirm löste sich in Wohlgefallen auf.
Schwer atmend ließ mich zurückfallen und dachte nach. Anscheinend befand sich dieses System an einem höherdimensionalen Ort.
Wie hatte Nadine den Tessma genannt? Einen Psiq-Spürer.
Was hatte Perry Rhodan damals gesagt, als er noch ein Gänger des Netzes war? Die Gänger des Netzes sehen die Psionischen Informationsquanten (Psiqs) als buntes Gebilde unterschiedlicher Form, die in einem von grünem Hintergrundleuchten erfüllten Raum schweben.
Ich schluckte. Ich befand mich also innerhalb eines Psiq, einer potenziellen Zukunft, die vielleicht noch werden wird. Oder auch nicht. Doch wo befand sich dieser Psiq? In einem Kosmonukleotid? Eher unwahrscheinlich. Vielleicht hatte die mächtige Entität DORGON selbst mehrere Messenger ausgebrütet, um selber in die Zukunft schauen zu können und dadurch einen entscheidenden Vorteil im Kampf gegen MODROR zu bekommen. Das würde auch diese Stadt erklären, die ich in der Ferne gesehen hatte.
Deine Erlebnisse werden auch immer abstrakter, überlegte ich. Ohne weitere Informationen war jedes weitere Nachdenken sinnlos. Aber es hatte den Anschein, als ob sich Nadine Schneider sich ebenfalls in dieses Psiq begeben hatte. Nur … wo war sie?
Seufzend stand ich auf und machte mich wieder auf den Weg in Richtung der Berge. Ich wäre wahrscheinlich noch Stunden so weiter gegangen, wenn ich nicht auf das Dorf gestoßen wäre.
Es war in einem kleinen Tal gebaut worden. Dadurch war es von drei Seiten windgeschützt. Es war ein sehr primitives Dorf. Kleine schmutzige Hütten aus Lehm und Stroh standen eng beieinander. In der Mitte dieses kleinen Dorfes befand sich eine Feuerstelle, um die sich mehrere humanoide Wesen drängten. Es hätten Menschen sein können, stellte ich verblüfft fest.
So mussten Menschen in der terranischen Steinzeit gelebt haben, ging es mir durch den Kopf.
Nachdem ich noch einige Minuten im Schatten des Baumes stand, hinter dem ich mich versteckt hatte, entschloss ich mich zu einer Kontaktaufnahme.
Ganz langsam und vorsichtig löste ich mich aus dem Schatten des Baumes und ging vorsichtig auf die Siedlung zu. Die Eingeborenen verhielten sich sehr ruhig. Zwar zeigten sie alle auf mich und verständigten sich in einer unbekannten Sprache untereinander, aber nirgends brach Panik aus. Schritt für Schritt ging ich auf das Dorf und seine primitiven Bewohner zu. Aus der Gruppe löste sich ein etwa 1,80 Meter großer Mann, der in irgendeine Haut eines fremden Tieres gehüllt war und bewegte sich ebenso langsam auf mich zu.
Als wir nur noch zwei Meter von einander entfernt waren, blieben wir stehen und musterten uns. Zwei dunkle Augen schienen mich zu durchdringen, ansonsten war in seinem Gesicht keine Regung zu erkennen.
Harcvh uihr wntt
, waren die einzigen Worte, die er an mich richtete.
Es tut mir Leid
, entgegnete ich, als der Eingeborene eine kurze Pause einlegte. Ich verstehe dich nicht.
Mit geschlossenen Augen schien er dem Klang meiner Stimme nach zu lauschen. Dann signalisierte er mir, das ich ihm folgen sollte. Langsam gingen wir an den übrigen Dorfbewohnern vorbei, die mich unentwegt anstarrten und miteinander tuschelten. Der Häuptling, ich nahm jedenfalls an, dass er hier der Chef war, führte mich zu einer kleinen leeren Hütte. Obwohl sie von außen sehr schäbig aussah, konnte man dem Inneren erstaunlicherweise Gemütlichkeit nachsagen. An einer Wand befand sich ein breites Lager aus Stroh, mit Decken aus Tierfellen. An der anderen Wand befand sich ein niedriger Steintisch, auf dem sich mehrere Schalen befanden.
Ich drehte mich um und schaute den Häuptling an. Er deutete zuerst auf mich, dann auf das Lager. Dann streckte er seine Hand nach draußen auf und zeigte auf die Sonne. Mit seinen Fingern beschrieb er einen Halbkreis und deutete dann auf sich. Nach dieser Geste verschwand der Häuptling.
Ich hatte verstanden. Ich sollte mich ausruhen und dann, wenn die Sonne einmal über den Himmel gewandert war, würde der Häuptling zurück kommen.
Als erstes sah ich mir die Schalen an. Fremdartige Obstsorten, jedenfalls nahm ich das an, dass es Obst war, lagen in ihnen. Vorsichtig griff ich nach einer Frucht, die aussah wie ein Apfel, und kostete ein wenig. Verblüfft ließ ich die Frucht sinken. Es war ein Apfel. Erstaunt unterzog ich diese Frucht einer genaueren Untersuchung. Kein Zweifel. Hätte ich es nicht besser gewusst, dann hätte ich geschworen, dass es ein terranischer Apfel war, den ich hier in den Händen hielt. Das Rätsel wurde dadurch nicht kleiner.
Nachdem ich mich gesättigt hatte, ließ ich mich auf das Lager nieder und versuchte einzuschlafen. Doch meine wirren Gedanken ließen mich nur schwer zur Ruhe kommen. Da waren zum einen diese Eingeborenen. Dann war zum anderen diese Frucht, die aussah wie ein terranischer Apfel und auch so schmeckte. Dann dieser unwirklicher Ort. Dann DORGON und Nadine Schneider.
Und dann … dann war da noch Denise Joorn. Noch immer war ich mir nicht klar, was ich über diese Frau denken sollte. Mir war klar, das ich viel für sie empfand. Das war der letzte Gedanke, den ich hatte, bevor ich in einen unruhigen Schlaf fiel.
Ich erwachte erst wieder, als eine Hand meine Schulter schüttelte. Schlaftrunken schaute ich mich um. In den ersten Sekunden wusste ich nicht, wo ich war, doch dann kamen die Erinnerungen an den Absturz und meine Wanderung wieder zurück. Meine Augen gewöhnten sich schnell an das Halbdunkel und schließlich erkannte ich den Häuptling. Er hatte mich geweckt und nun bedeutete er mir, dass ich ihm folgen sollte. Langsam richtete ich mich auf, griff noch einmal in die Schale, um mir eine von diesen Früchten zu nehmen, und folgte dann dem Häuptling nach draußen.
Ich blieb stehen und ließ meinen Blick über das Dorf schweifen, doch ehe ich mich versah, nahm der Häuptling meine Hand und zog mich mit sich. Ich hatte keine andere Wahl und so folgte ich dem Häuptling zu einem kleinen Hügel. Zuerst deutete er auf die Berge. Mir war am Anfang nicht klar, was er mir zeigen wollte, doch dann sah ich es. Dort in den Bergen war anscheinend eine riesige Festung und sie war beleuchtet. Staunend nahm ich es zur Kenntnis, dass es auf diesem Planeten doch noch Anzeichen einer fortgeschrittenen Zivilisation gab. Der Barbar deutete auf die Festung, zeichnete auf dem Boden einen Kreis. In diesen malte er dann einen weiteren. Ich verstand. In dieser Festung lebten die wahren Herrscher über diesen Planeten. Dort lag mein nächstes Ziel.
Ich drehte mich zum Häuptling hin, um mich zu bedanken. Doch etwas störte mich an seinem Gesichtsausdruck. Panische Angst spiegelte sich auf seinem Gesicht wieder. Er deutete an mir vorbei in die Dunkelheit und im selben Moment, wo ich mich umdrehte, spürte ich ebenfalls, dass von dort etwas auf uns zukam. Im fahlen Mondlicht dachte ich erst, dass es sich um Gucky, den Mausbiber handelte. Nur war dieser leider knapp drei Meter groß und besaß mehr als nur einen Nagezahn.
Ich griff an den Gürtel, holte den Paralysator hervor und feuerte so schnell wie ich konnte. Obwohl ich das Tier voll traf, fiel es nicht sofort um, nur seine Bewegungen wurden langsamer. Schließlich bewegte sich das Wesen fast wie in Zeitlupe und kippte dann schließlich um.
Der Eingeborene schaute erst mich, dann das Tier und dann wieder mich an. Er streckte beide Arme in den Himmel und stieß einen wilden Heulton aus. Wenige Minuten später trafen einige Mitglieder seines Stammes ein. Schnell sprach der Häuptling auf die Männer ein und deutete dabei abwechselnd auf mich und dieses Wesen. Schließlich griff der Häuptling erneut nach meiner Hand und zog mich mit sich zurück zum Dorf. Beim Lagerfeuer angekommen, bedeutete er mir, dass ich hier warten sollte. Der Eingeborene eilte in die größte Hütte und kam nach wenigen Minuten wieder. In seiner Begleitung befand sich eine etwa zwanzig Jahre alte, wunderschöne Frau. Sie war etwa 1,65 Meter groß und gertenschlank. Lange braune Haare umspielten ihr Gesicht, in dem zwei braune Augen mich scheu betrachteten.
Ydira!
Der Häuptling deutete auf das Mädchen und dann auf mich.
Ich verstand. Nur weil ich dem Häuptling das Leben gerettet hatte, schenkte er mir seine Tochter, die anscheinend Ydira hieß. Ich schüttelte den Kopf und wedelte mit den Händen, doch der Häuptling blieb stur und sagte nur den Namen seiner Tochter.
Ich entfernte mich einige Schritte, doch die schöne Eingeborene folgte mir. Ich beschleunigte meinen Schritt und blieb erst stehen, als das Dorf aus meiner Sichtweite verschwunden war. Doch Ydira folgte mir. Wenige Minuten später hatte sie mich eingeholt.
Seufzend schaute ich die Eingeborene an. Hör mir zu
, sagte ich, obwohl mir klar war, das sie mich nicht verstehen würde. Da wo ich hingehe, kannst du nicht mitkommen. Es ist zu gefährlich.
Mit einer Hand deutete ich auf die Berge.
Erkennen machte sich in ihrem Gesicht breit. Sie schlug meine Hand runter und schüttelte sie den Kopf. Dann griff sie sich an die Kehle, drückte zu und deutete dann wieder auf die entfernten Berge.
Ich schüttelte traurig den Kopf. Mag sein, das dort mein Ende liegt. Aber ich muss dorthin. Nur dort finde ich die Antworten auf meine Fragen.
Ich schaute Ydira in die Augen. Aber zuerst bringe ich dich nach Hause.
Ich griff nach ihrer Hand. Komm!
Gemeinsam setzten wir uns Bewegung und gingen zurück zum Dorf der Eingeborenen. Ydira schien glücklich über diese Entscheidung zu sein, denn sie lächelte und schmiegte sich an mich. Dabei war mein Plan ein ganz anderer. In der Nähe ihres Dorfes würde ich sie paralysieren und dann meinen Weg alleine fortsetzen.
Gut, nicht jeden Tag wurde mir eine Dorfschönheit zum Geschenk gemacht, aber ich wollte diese Tatsache nicht ausnutzen. Das hatte nichts mit Liebe zu tun. Ydira war zweifelsohne eine attraktive Frau, in ihren rehbraunen Augen konnte man sich schnell verlieren, doch, nein, ich durfte mein Herz nicht erweichen lassen.
Auf der anderen Seite … solche primitiven Frauen waren nicht so emanzipiert und umsorgten den Mann mit ihrer vollen Kraft. Eigentlich ein verlockender Gedanke …
Quatsch! Das durfte nun wirklich nicht Grund für eine Beziehung sein. Ich kannte das Mädchen vielleicht mal ein paar Stunden. Man machte nicht einfach die Tochter zum Geschenk. Das war atavistisch und moralisch verwerflich. Ydira hatte auch ihre Rechte. Doch würde sie diese verstehen, wenn ich sie ihr erklären würde?
Paralysieren war wohl doch die beste Lösung.
Doch irgendwas stimmte nicht bei dem Dorf der Eingeborenen. Menschen brüllten in unmenschlichen Tonlagen. Das charakteristische Röhren von Paralysatoren dröhnte durch die Nacht. Ydira und ich versteckten uns hinter einem Baum und beobachteten die Vorgänge im Dorf. Was wir sahen, verschlug uns den Atem. Hunderte von Insekten griffen das Dorf an. Menschengroße Insekten. Dort zerriss eine menschengroße Ameise eine ältere Frau. An einer anderen Stelle verschlang eine menschengroße Spinne einige Kinder. Dort hinten wurden mehrere ältere Männer von einer menschengroßen Wespe aufgespießt.
Ich schüttelte mich. Es war unglaublich und brutal anzusehen, wie die Insektoiden über das Dorf herfielen. Dabei war das System genau zu erkennen, nach dem die Insekten vorgingen. Die jungen und kräftigen Männer und Frauen wurden zusammen getrieben, der Rest bestialisch ermordet. Ich erkannte den Häuptling, der vor einer Spinne auf dem Boden saß und betete. Auf einmal hob der Arachnoid ein Arm und erschoss den Häuptling mit einer Strahlenkanone.
Ydira schrie auf und wollte zu ihrem toten Vater rennen. In letzter Sekunde erwischte ich sie am Arm und hielt sie zurück. Doch es war zu spät. Innerhalb von Sekunden waren wir von den Insekten umringt.
Eines der Wesen hob eine Waffe. Das letzte, was ich hörte, war die schnarrende Stimme des Insektenwesens: Noch zwei weitere Minderwertige.
Dann wurde mir erneut schwarz vor Augen.
Als ich wieder aufwachte, fand ich mich mit rasenden Kopfschmerzen alleine in einer stinkenden Zelle wieder. Ich richtete mich ächzend auf.
Bin ich tot?, fragte ich mich. Wahrscheinlich haben mich diese Insekten gefressen. Aber warum tut mir dann der Kopf weh?
Ich schüttelte mich.
Natürlich lässt sich in einem Leben nach dem Tode, in dem die Strafe für eine verpfuschte Existenz ein ewig hämmernder Kopfschmerz ist, ein gewisser Sinn sehen. Ich lachte gequält auf. Ein Sinn der grauenhafteren Art.
Mühsam richtete ich mich vollständig auf und ging einige Schritte auf und ab. In meiner Schulter pulsierte der Zellaktivator und versorgte mich mit Energie. Von der Haut kam kein Impuls.
Man hatte mir meinen Sachen weg genommen. Stattdessen trug ich nun eine weite Hose und ein dünnes Oberteil aus groben Leinen. Auch mein Rucksack und die Waffe waren verschwunden.
Langsam fing ich an, die Zelle zu durchwandern.
Warum muss das eigentlich immer uns Unsterblichen passieren?, grübelte ich.
Was ist wohl aus Ydira geworden? Sie war noch so jung und vielleicht ist sie jetzt schon tot.
Ich seufzte.
Und was ist mit Denise? Wo sie jetzt wohl ist? Hat sie den Absturz überhaupt überlebt?
Ich seufzte erneut.
Dann ermahnte ich mich, nicht ständig zu seufzen. Als Trauerkloß konnte ich wohl kaum dieser Gefahr trotzen. Aber ich war nun einmal kein Atlan, der anscheinend immer leichtfertig mit jeder Gefahrensituation umging und zum Schluss noch eine Schönheit abschleppte. Oder sie erstach, oder sie in seinen Armen zerfiel …
Etwa eine halbe Stunde tigerte ich durch den Kerker. Inzwischen merkte ich selbst den Gestank nicht mehr und auch die Kopfschmerzen ließen ein wenig nach. Dann setzte ich mich wieder auf mein Strohlager und schloss die Augen.
Keine Ahnung, wie lange ich geschlafen hatte, als die Tür sich öffnete. Eine riesige Wespe schwebte in die Zelle hinein, griff nach meinem Arm und zog mich mit sich. Noch halb schlafend stolperte ich hinter der Wespe her. Durch scheinbar endlos lange Korridore zerrte mich das Wesen. Das Dröhnen der Flügel war grauenvoll. Dabei hatte ich ohnehin schon Angst vor Spinnen und Wespen, aber das hier war wirklich einige Nummern größer. Es kostete mich viel Disziplin, nicht in Panik zu verfallen. Erst als wir in größeren Raum kamen, ließ mich die Wespe los.
Hier ist noch einer für das Bergwerk
, summte die Wespe in klar verständlichem Interkosmo.
Um solche wie den hier ist es wirklich nicht schade
, stimmte eine andere Wespe summend zu, ebenfalls in Interkosmo.
Spinne ich nun total?
Die zweite Wespe forderte mich durch Handzeichen auf, mich in eine Gruppe der einheimischen Intelligenzen einzureihen. Langsam befolgte ich den Befehl.
Wieso können diese Tiere Interkosmo sprechen?
Ich schüttelte kaum merklich den Kopf.
Es wird wirklich immer komischer. Oh DORGON, wo hast du mich da bloß rein geritten?
Langsam lief die Gruppe einen Gang nach dem anderen lang. Überall standen und schwebten Wespen umher. Nach mehreren Biegungen kamen wir auf einen großen Platz, wo wir kurz warten mussten.
Wahrscheinlich eine Art Verteilerbahnhof, dachte ich, nachdem ich mich umgeschaut hatte.
Aber bevor es weiterging, gellten auf einmal Sirenen in einem ohrenbetäubenden Stakkato los. Alle Eingeborenen fielen auf die Knie und ich machte es ihnen gleich, um nicht aufzufallen. Ein paar Meter entfernt standen zwei riesige Wachameisen.
Hast du gehört?
, klickte die eine Ameise aufgeregt auf Interkosmo. Ihre Fühler zitterten vor Erregung.
Ja
, entgegnete die andere ebenso aufgeregt. Lorsahl sucht unsere Festung auf. Wir haben die Ehre, einen Krieger Gottes zu empfangen. Das ist wirklich eine große Ehre für uns.
Ich hatte keine Ahnung, was ein Krieger Gottes war, aber ich hoffte es bald herauszufinden. Ganz vorsichtig hob ich den Kopf, um zu schauen, was nun passierte.
Am anderen Ende des Platzes tauchte plötzlich eine Gruppe von Wespen und Spinnen auf und in ihrer Mitte … ein Mensch!
Ich keuchte auf. Langsam lief diese Gruppe die Reihen der immer noch niederknienden Menschen auf und ab. Dabei hatte ich die Gelegenheit, den etwa 1,80 Meter großen Fremden noch genauer in Augenschein zu nehmen. Das auffälligste waren die vielen Implantate, die sich überall auf der Haut befanden. So besaß der Humanoide zum Beispiel keine Augen, sondern zwei Kameralinsen, so wie sie auch der Oxtorner Monkey besaß.
In meiner Nähe blieb die Gruppe stehen.
Ich bin sehr zufrieden.
Lorsahl besaß eine weiche Stimme und sprach das Interkosmo ohne Akzent. Bitte bringt alle Sklaven und Arbeiter auf den großen Platz. Sie sollen Augenzeugen davon werden, wie ein Spion des bösen DORGON vernichtet wird.
Die Wespen und Ameisen machten sich sogleich an die Arbeit und trieben alle Eingeborenen mit Peitschenhieben zusammen.
Auch ich ließ mich von dem Strom der Menschen mitreißen, doch meine Gedanken waren nicht mehr auf die Umwelt gerichtet, sondern beschäftigten sich mit einer Frage.
Dieser fremde Mann, Lorsahl, der ein Krieger Gottes genannt wurde, war ein … Cantaro!
Ende
Alaska Saedelaere befindet sich auf einer fremden Welt, die anscheinend von Insekten regiert wird. Doch was steckt hinter dem Cantaro?
Mehr darüber schildert Jens Hirseland in Heft 102. Es trägt den Titel
Planet der Insektoiden
Das ist ein kleiner Schock für Alaska Saedelaere. Zuerst sieht es doch wirklich so aus, als würde er in einer ausweglosen Liebesstory mit Denise Joorn gefangen sein, doch urplötzlich wird die WITMAE in ein fremdes Universum katapultiert. Offensichtlich stehen die Ereignisse in enger Verbindung mit DORGON, denn es ist kein Zufall, dass Nadine Schneider Alaska kontaktiert hat. Dass Saedelaere den Tessma, welches als Psi-Quantenspürer von Schneider bezeichnet wird, in dem schäbigen Laden gefunden hat, ist ebenso wenig unbeabsichtigt wie das Passantum. Beides wird noch eine Rolle spielen bzw. der Psiq-Spürer hat bereits eine Rolle gespielt.
Alaska findet sich nun in einer Welt wieder, die versierte Science-Fiction-Leser an Planet der Affen
erinnert. Es wirkt schon fast surreal. Insekten beherrschen die primitiven Menschen. Seltsam sind die Parallelen schon, denn diese Insekten sprechen auch noch ausgerechnet Interkosmo.
Wo befindet sich Alaska nun? Er kann einen Aufenthalt in der Milchstraße ausschließen, denn dort gibt es kein grünes Hintergrundleuchten.
Wo also ist er? In einem Paralleluniversum? In einem ähnlichen Gebilde, wie es ein Kosmonukleotid ist? Die Psiqs könnten ein Hinweis dafür sein, dass es irgendetwas mit Kosmonukleotiden zu tun hätte. Zur Erinnerung: Unweit von Cartwheel befindet sich TRIICLE-3, genannt UDJAT.
Dennoch scheint das alles keinen rechten Sinn zu ergeben. Und was ist aus Denise Joorn und dem seltsamen Somer Leopold geworden?
Die wichtigste Frage jedoch ist: Wo zum Teufel kommt der Cantaro her? Die Cantaro sind einst die Handlanger Monos gewesen und besetzten die Milchstraße für knapp 700 Jahre. Nachdem Monos besiegt worden ist, sind sie von ihrer Versklavung befreit und kehren zu ihrem Ursprungsvolk, den Anoree, zurück. Was macht ein Cantaro nun in dieser seltsamen Gegend?
Fragen über Fragen. Nur eines ist sicher, Alaska wird es nicht leicht haben.
Nils Hirseland
Leopold
Geboren 1220 NGZ auf Som, Siom-Som. Größe: 1,13 Meter, Gewicht: 77 Kilogramm, Gefiederfarbe ist schwarzweiß, die Augenfarbe schwarz. Leopold redet viel und gern, ist dem terranischen weiblichen Geschlecht zugetan, spielt gerne und bringt sich oft in Schwierigkeiten.
Leopold ist ein Halbbruder von Sam, da sie dieselbe Mutter haben. Jedoch ist Leopold das ganze Gegenteil von Sam: Kein Verantwortungsbewusstsein, undiszipliniert, loses Mundwerk und nicht der Mutigste.
Während Sam steil eine Karriere als Politiker einlegt, jobbt Leopold nebenbei als Tellerwäscher und Kloputzer. Er ist ein großer Aufschneider und Unglücksrabe zugleich. Hinter dem Macho-Gehabe versteckt sich jedoch ein liebenswerter und weicher Kern.
Geheimnisvolle Urrasse aller insektoiden Völker der Galaxis Shaogen-Himmelreich. Die Tessma galten einst als weit entwickeltes Volk innerhalb Shaogen-Himmelreichs und haben auf vielen Planeten ihre Spuren hinterlassen.
Artefakte dieser Urrasse finden sich auf zahlreichen von Mönchen besiedelten Planeten wie zum Beispiel auf der Hauptwelt Wolkenort. Noch in der Gegenwart können die meisten insektoiden Rassen der Galaxis auf die Tessma zurückgeführt werden. Auf Wolkenort leben neben den Mönchen auch Insektoide aus dem Volk der Fothok. Diese Abkömmlinge der Tessma sind jedoch wie fast alle anderen insektoiden Verwandten nur mäßig intelligent und bestenfalls als Arbeitskräfte geschätzt.
Im Baolin-Deltaraum hat der Begriff Tessma eine ganz andere Dimension. Die Baolin-Nda verwenden den Genpool der Insekten, um eine ungeheure Vielfalt von Abkömmlingen zu züchten. Dabei unterscheiden sich die verschiedenen Spielarten signifikant. Es gibt sehr kleine Tessma-Arten, kaum größer als einige Millimeter, sowie ins riesenhafte vergrößerte Züchtungen.
Baolin-Nda, die sich mit der Gen-Manipulation beschäftigen, nennt man Tessma-Designer. Die Tessma-Technik muss auf einen Terraner befremdlich wirken, züchtet man doch extra entworfene Lebensformen für ganz individuelle Anwendungen. Zum Beispiel gibt es Tessma-Sitze, die die Baolin-Nda zur Fortbewegung oder zum Sitzen nutzen. Es gibt Tessma-Kunstwerke, die von Tausenden, gleich geschalteten Miniatur-Tessma gebildet werden und somit ihre Form und Muster auf Wunsch ändern können.
Ein weiteres Extrem bilden die Tessma-Schiffe – riesige Tessma mit Hohlräumen, die durch eine Energieblase vom kalten Vakuum des Universums abgeschirmt werden. Im Jahr 1289 NGZ sind Tessma-Designs aus dem Leben der Baolin-Nda nicht mehr wegzudenken. Alle erzeugten Tessma-Formen lassen sich in einer zentralen Schaltstation, der ULTIST, erreichen. Es ist möglich, einen Selbstmordimpuls abzustrahlen, der alle existierenden Tessma abtötet, aber auch einen Reizimpuls, der die Insektenzüchtungen Amok laufen lässt.
Die Tessma-Technologie wurde auch von Shabazza und den Kemeten genutzt.
Bezeichnung für die Psionischen Felder des Moralischen Kodes.
Mehrere benachbarte Kosmonukleotide bilden ein Kosmogen. Die Gesamtheit der Kosmogene macht den Moralischen Kode des Universums aus, der in der Gestalt einer Doppelhelix das gesamte Universum durchzieht. Kosmonukleotide sind gewaltige, im Hyperraum angesiedelte Informationspools psionischer Struktur. Die in ihnen enthaltene Information wird in unregelmäßigen Abständen von sogenannten Messengers kopiert und wirkt unmittelbar auf die Entwicklung des Universums ein.
Kosmonukleotide hinterlassen einen im vierdimensionalen Raum mit den geeigneten Messgeräten nachweisbaren Abdruck
. Dieser hat die Struktur eines psionischen Feldes, das gleichzeitig eine Möglichkeit des Eintritts ins Innere des Kosmonukleotids bietet, welches von Psionischen Informationsquanten (Psiqs) bevölkert ist, die alternative Möglichkeiten der Entwicklung des Universums bereithalten. Jedes Psiq bzw. jede Gruppe von Psiqs repräsentiert eine potentielle Zukunft. Hat ein Kosmonukleotid Informationen abzugeben, so formieren sich Psiqs in einer bestimmten Reihenfolge entlang seiner Wandung. Die Formierung bewirkt die Entstehung eines Messengers (außerhalb der Wandung), der die in den Psiqs enthaltenen Informationen kopiert. Ein Messenger besteht ebenfalls aus fünfdimensionalen psionischen Feldern. Nachdem sich sein Anfang nach einem beliebigen Nukleotid gebildet hat, klappert er üblicherweise sämtliche zum selben Kosmogen gehörenden Nukleotide ab, bis die Information des gesamten Kosmogens übertragen ist. Vom letzten Nukleotid legt der Messenger ab und stößt in vielfach überlichtschnellem Flug durch den Hyperraum zu dem Ort vor, an dem die kopierte Information wirksam werden soll.
Über die Art, wie der Messenger wirksam wird, sind kaum Einzelheiten bekannt. Es ist klar, dass von den potentiellen Zukünften, die im Innern der Kosmonukleotide gespeichert sind, immer nur ein winziger Bruchteil verwirklicht wird. Da der Moralische Kode, wie sich bei Perry Rhodans Aufenthalt in Tarkan herausstellt, nicht nur für unser Standarduniversum gilt, sondern für das gesamte Multiversum, trifft dies entsprechend auch auf die Kosmonukleotide zu.
In der Regel durchaus menschlich wirkende, von den Anoree abstammende Droiden, die je doch zu den Anoree keine nennenswerte geistige Verwandtschaft mehr haben; sie sind Außenseiter und Verfemte, eine Splittergruppe des Muttervolkes, die alles körperliche Leben durch Technik glaubt vervollkommnen zu müssen.
Während des Hundertjährigen Krieges gelangen die Cantaro, angelockt von Raum-Zeit-Erschütterungen, über die Schwarzen Sternenstraßen in die Milchstraße und schotten sie im Auftrag der Archäonten nach außen ab. In Wahrheit sind sie bald die ausführenden Organe und Militärmacht der Herren der Straßen und von Monos. Die Cantaro haben sich in der Galaxis Neyscuur aus den Anoree zu einer Gruppe entwickelt, die das Leben in seiner ursprünglichen, natürlichen Form nicht mehr akzeptierte und die allerletzten Geheimnisse der Schöpfung ergründen wollte. Sie experimentierten so lange gentechnisch an sich selbst herum, tauschten Organe durch leistungsstärkere technische Ersatzteile aus, bis sie keine echte Ähnlichkeit mit dem Muttervolk mehr hatten.
All diese Versuche haben sie jedoch nicht so sehr pervertiert, dass sie die Achtung vor jeglichem Leben und der Freiheit des Individuums verloren haben. Sie sind besessen davon, alles Körperliche zu verbessern und dem Fortschritt des Geistes (Cantaro-Bewusstseine sind teils organisch und teils syntronisch) anzupassen. Dies ist ein Grund, weshalb sie in der Milchstraße auf unzähligen Welten Gen-Experimente durchführen lassen. Ein weiterer, wichtiger Grund ist, dass die Cantaro knapp 50 Jahre nach ihrem Auftauchen in der Milchstraße in den Bann von Monos geraten sind, dem ihre Gentechnik gelegen kommt. Er richtet Brutwelten ein, auf denen aus den in Fruchtbarkeitsbanken deponierten Ova und Sperma Cantaro gezogen und mit Hilfe gehtechnischer und syntronischer Mittel so getrimmt werden, dass sie den Wünschen und Bedürfnissen von Monos genau entsprechen.
Dabei wurde in den Cantaro eine der fünf Herzkammern zu einem halborganischen Modul heran gebildet, über das sie von Monos durch superhochfrequente Hyperstrahlung (SHF-Strahlung) steuerbar sind. Über das galaxisweite Kontrollfunknetz erhalten die Droiden jedoch nicht nur ihre Befehle, sondern auch den Lebensimpuls, der in bestimmten Abständen empfangen werden muss. Wird er verweigert, hat das die gleiche Bedeutung wie das Senden des Todesimpulses. Der betreffende Cantaro stirbt sofort, im letzteren Fall durch Explosion.
Um alle Cantaro mit SHF-lmpulsen zu erfassen, sind rund 50 Millionen Funksatelliten mit einer Reichweite von jeweils 1000 Lichtjahren über die Milchstraße verteilt. Die Aufzucht des Cantaro-Nachwuchses wird von Monos-Robotern vorgenommen, die nicht der Kontrolle der Cantaro unterliegen. Im Jahr 1144 NGZ existieren nach Informationen der Widerstandskämpfer in der Milchstraße 20 Millionen Cantaro gegenüber rund 50.000 bei ihrem Eintreffen in der Galaxis.
Infolge ihrer Philosophie von der Vervollkommnung des Lebens richteten die Cantaro jedoch schon früh Fruchtbarkeitsbanken ein, bei denen weibliche Cantaro Ova, und männliche Cantaro ihr Sperma ablieferten. Später, als gentechnische Mittel nicht mehr ausreichend erschienen, um weitere Vervollkommnung des Körpers und des Geists zu erzielen, und man zur Implantation syntronischer Elemente überging, pflanzten sich die Cantaro eine Art Fruchtbarkeitsschalter ein, der die Zeugung neuer Wesen steuerte. Die syntronischen Implantate sind halborganischer Natur und können schon dem heranwachsenden Embryo eingepflanzt werden, mit dem sie weiterwachsen. Aus der Vereinigung von Ovum und Sperma entsteht innerhalb von acht Wochen ein ausgereifter Cantaro-Säugling, der weitere 18 bis 20 Monate braucht, um sich zum Erwachsenen zu entwickeln. In dieser letzten Zeitspanne erhält er (sofern in der Milchstraße geboren) die Schulung, die er für seinen Einsatz im Dienste des Monos benötigt.
Die erwachsenen Cantaro werden von Großraum-Transportschiffen abgeholt und an ihre Einsatzorte gebracht. Die Lebenserwartung der Droiden, die bereits lange vor ihrer Ankunft in der Milchstraße nicht mehr aussahen wie Anoree, sondern wie Menschen, entspricht weitgehend der eines Terraners, trotz ihrer technischen Möglichkeiten des Ersatzes defekter Organe und Module durch neue. Unter den Droiden existiert eine streng militärisch organisierte Hierarchie, Begriffe wie Admiral
, Generalfähnrich
, General
oder Stratege
finden Verwendung. Strategen
werden nicht auf Brutwelten gezüchtet, sondern aus den Reihen der Generäle
berufen. Sie sind die einzigen, die mit dem Supremkommando in Verbindung stehen, dem cantarischen Oberkommando.
Die Cantaro erschienen im Jahr 448 NGZ in der Milchstraße, angelockt durch die Ereignisse in der Lokalen Gruppe. Von 470 bis 490 NGZ hielten sie sich im Schwarzen Loch Amagorta bei den Archäonten auf und kehrten von dort mit dem Auftrag zurück, die Schutzwälle um die Milchstraße zu bauen. Jahre später gerieten sie in die Abhängigkeit des Monos, bzw. der von ihm verkörperten Herren der Straßen.
Das Ende von Monos im Jahr 1149 NGZ bedeutet auch das Ende ihrer Versklavung. Sie kehren in ihre Heimat zurück, nachdem sie von terranischen Wissenschaftlern von ihren Ortonatoren befreit wurden. Die Raumschiffe der Cantaro sind sogenannte Buckelschiffe
mit bis zu 100 Droiden Besatzung.
Die DORGON-Serie – Das Quarterium – ist eine nicht kommerzielle Publikation des PERRY RHODAN ONLINE CLUBs. Band 101 zuletzt geändert am 2004-01-19. Autor: Björn Habben. Titelbild-Zeichner: Lothar Bauer. Korrekturleser: Henriette Zirl und Alexander Nofftz. Generiert mit Xtory 3.0 (powered by Apache Cocoon 2.1) von Alexander Nofftz. Homepage: http://www.dorgon.net/. E-Mail: dorgon@proc.org. Technischer Berater: Sebastian Schäfer. Adresse: PROC c/o Nils Hirseland, Redder 15, 23730 Sierksdorf. Copyright © 1999-2004. Alle Rechte vorbehalten!