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Der gewaltige Kugelraumer hatte seinen Überlichtflug mit Hilfe des Metagravtriebwerks beendet. Langsam tauchte der Stahlgigant wieder in den Normalraum ein und positionierte sich am Rande des Systems der Welt Zalit. Zalit war die vierte von insgesamt fünfzehn Welten, die um die Sonne Voga kreisten. Die Hauptstadt des Planeten war Tagnor, sie hatte die dichteste Population von insgesamt sieben Millionen Lebewesen auf der Kolonialwelt. Das System war nur 3,14 Lichtjahre von Arkon entfernt und gehörte zu den Hauptkolonien des Kristallimperiums. Einige hundert Schiffe patrouillierten in der Nähe der roten Sonne. Es war schwer für den großen Kugelraumer unentdeckt zu bleiben. Doch das dreieinhalb Kilometer durchmessende Schlachtschiff mit dem Ringwulst besaß einen hochentwickelten Ortungsschutz, der einer Technik von Verbündeten entsprungen war. Dennoch flog man bedächtig an die vierte Welt heran. Der Kommandant des Schiffes hatte die Arme hinter den Rücken verschränkt und sah aus dem großen Panoramafenster der Kommandostation. Er beobachtete die Kriegsschiffe der Arkoniden, die nichtsahnend ihre Runden flogen. Der Cameloter war in einen silber-metallischen Raumanzug gekleidet. Sehr hohe Stiefel und Handschuhe sowie ein bis auf den Boden wallender Umhang bestimmten sein Erscheinungsbild. Der Helm, der seinen Kopf vollständig einhüllte, rundete das beeindruckende Bild des Mannes ab. Auch sein Gesicht war durch ein Visier verdeckt. Aufgrund dieses speziellen Raumanzuges wurde er von seinen Untergebenen und Vorgesetzten respektvoll als silberner Ritter bezeichnet. Niemand von der Besatzung hatte jemals sein wahres Gesicht gesehen. Seit neun Jahren kannten sie ihn nicht anders. Ruhig und überlegen stand er vor dem großen Fenster, keiner wagte ihn anzusprechen. Auf seinen Schultern lastete die Verantwortung für den ersten Schlag. Nach neun langen Jahren des Aufbaus war es nun an der Zeit zu agieren. Der große Anführer der Terrororganisation, den alle nur als Nummer Eins kannten, hatte vor wenigen Tagen den Befehl zum Angriff gegeben. Die VERDUN – unter dem Befehl des silbernen Ritters – war von Nummer Eins beauftragt worden, den Erstschlag gegen die verhassten Gegner durchzuführen. Er war die Nummer Zwei in der MORDRED. Doch niemand behandelte ihn deshalb mit weniger Respekt. Er war gefürchtet, denn er war unbarmherzig. Der einstige Cameloter war gefühlskalt und kompromißlos. Genau diese Eigenschaften machten ihn zum stellvertretenden Anführer der Terrormacht MORDRED. Über seine Vergangenheit wußte niemand etwas. Jeder, der für die MORDRED angeworben wurde, kannte ihn, denn er war schon immer die Rechte Hand von Nummer Eins gewesen. Vielleicht wußte nur Nummer Eins selbst über sein vorheriges Leben Bescheid. Der über zwei Meter große Terraner regte sich immer noch nicht, obwohl man Zalit bald erreicht hatte. Es wurde Zeit. Der Erste Offizier, der Terraner Kenneth Kolley, schluckte tief und ging zu ihm. »Sir!« begann er zögerlich und mit sehr leiser Stimme. Man konnte ihm deutlich den Respekt vor der imposanten Gestalt anmerken, welche den Kopf in die Richtung des Terraners drehte. »Was gibt es, Admiral?« fragte er mit einer dunklen Stimme, die Kolley innerlich in Aufruhr versetzte. »Sir, wir haben Zalit erreicht. Wir warten auf Ihre nächsten Instruktionen«, erklärte Kolley. Er sah in die dunklen Augengläser der Maske. So sehr er sich anstrengte, er konnte nicht die wahren Augen seines Kommandanten erkennen. Innerhalb der MORDRED mußte man jeden siezen. Ein duzen war verboten, denn es untergrub die Disziplin. Ebenso besaß jeder einen Rang, keine Bezeichnung, wie dies in der LFT üblich war. »Gut! Bemannen Sie den Kreuzer und lokalisieren Sie den Standort der Niederlassung«, befahl der ritterähnliche Mann. Seine Anordnung wurde sofort ausgeführt. Ein Team von etwa 30 geschulten Soldaten besetzte den Shuttle und aktivierte den Ortungsschutz. Das Angriffsziel konnte angepeilt werden. Es war leicht zu finden, wenn man wußte, wonach man suchen mußte. Er wußte es, denn er gehörte einst zu ihnen, bevor er sein zweites Leben begann. Ein Leben, noch weitaus düsterer als sein erstes Schicksal. Der Shuttle startete aus einem der gigantischen Hangars der VERDUN, die einem neuen Schiffstyp angehörte. Es war ein Schlachtschiff der Quasarklasse. Es unterschied sich von den Ultraschlachtschiffen des Solaren Imperiums besonders in der Größe, denn die VERDUN besaß 1000 Meter Durchmesser mehr als die damaligen größten Raumer. Die LFT hatte weitaus weniger zu bieten. Die Schlachtschiffe der NOVA-Klasse waren der »Stolz« der Terraner – mit einem Viertel des Durchmessers der VERDUN. Auch die Technik an Bord des MORDRED-Raumers war nicht zu verachten: Einhundert Transformgeschütze, dazu Hunderte von Intervall-, Impuls-, Desintegrator- und Thermalgeschützen, 1500 Transformraketen, 50 Arkonbomben, 1000 Jäger, 100 Kreuzer der 150 Meter großen DESTRUCTION-Klasse, 1000 Shifts, 200 Space Jets und eine Besatzung von über 20.000 Soldaten machten die VERDUN zu einer fliegenden Festung. Die Beschleunigung des mit Metagravtriebwerken ausgerüsteten Schlachtschiffes betrug 1300 km/sec². Damit war es um 180 km/sec² schneller als das Flaggschiff der LFT, die PAPERMOON. Der Kommandant des Schiffes war der dunkle Terraner, der wie ein silberner Ritter aus voratomaren Zeiten Terras auf die Besatzung wirkte. Sein Name wurde stets mit größtem Respekt genannt – Cauthon Despair. Langsam näherte sich das Shuttle Zalit und trat in den Orbit ein. Despair verfolgte gespannt die Operation. Der neue Ortungsschutz, der mit Hilfe der Fremden entworfen worden wurde, funktionierte einwandfrei. Das Schiff verschwand schnell in der Atmosphäre des Planeten. Aus Sicherheitsgründen mußte nun Funkstille herrschen. Despair mußte sich in Geduld fassen und abwarten, bis das Shuttle wieder zur VERDUN zurückkehrte. Zwei Stunden vergingen, in denen der dunkle Cameloter wie ein Tiger auf und ab ging, bis sich das Shuttle wieder meldete. Sofort wurde Bericht erstattet. Captain Aron, ein Plophoser mit kantigem Gesicht, eilte auf die Kommandostation und salutierte vor Cauthon Despair. »Berichten Sie!« forderte ihn Despair auf. »Sir, die Operation war ein voller Erfolg. Wir haben das Angriffsziel schnell gefunden und alle Gegner eliminiert. Auf unseren Seiten gibt es keinen einzigen Mann Verlust, die Feinde haben insgesamt 25 Leute verloren. Die Niederlassung wurde zerstört.« Despair verspürte eine Genugtuung. Der erste Schritt war vollbracht, die Feinde wurden in ihre Schranken verwiesen. Es würde sicher nicht lange dauern, bis die Nachricht von der Zerstörung ihrer Niederlassung die Hauptwelt der Gegner erreicht hatte. Doch noch war keine Zeit zu zelebrieren, wobei Cauthon Despair sowieso stets ruhig und beherrscht wirkte und sich niemals irgendwelchen positiven Emotionen hingab. Es gab noch viele Welten mit Stationen der Feinde. Auch diese galt es zu vernichten. »Admiral, fliegen Sie die VERDUN nach Gatas. Dort liegt unser nächstes Ziel«, sprach Despair und verließ die Kommandostation. Der gewaltige Kugelraumer verließ das System mit der roten Sonne und steuerte ins Zentrum der Blues.
Das Prasseln des Geldes war das erste Geräusch, das Homer G. Adams an diesem Morgen hören wollte. Sein Hausroboter Dagobert weckte das Finanzgenie an diesem besonderen Morgen um Punkt 7 Uhr mit dem melodischen Klang von Münzen, die aufeinander prasselten. Eigens dafür stand neben dem Bett des Unsterblichen eine Schale mit Münzen, durch die der Roboter mit seinen Greifarmen fuhr. »Guten Morgen, Homer«, begrüßte das künstliche Lebewesen den Terraner. »Nicht aufhören«, murmelte der Terraner im Halbschlaf. Er rekelte sich in seinem großen Bett und schaute aus seinen verschlafenen Augen auf den goldenen Roboter, der einem Menschen nachempfunden war. Beinahe wäre Homer G. Adams wieder in Versuchung geraten einzunicken, doch der Klang der Münzen machte ihn von Sekunde zu Sekunde munterer. »Den wievielten haben wir heute?« wollte der Unsterbliche von seinem künstlichen Hausbutler wissen, obwohl er eigentlich die Antwort bereits kannte. »Heute ist Montag. Der Montag ist angebrochen«, orakelte die Maschine, mit dem Wissen daß Homer G. Adams wußte, welchen Montag er meinte. Sofort sprang der kleine Terraner aus dem Bett und machte ein paar Kniebeugen. Er begab sich in das Badezimmer, um nach ein paar Sekunden wieder herauszukommen. »Beinahe hätte ich es ja vergessen...« sinnierte er und streifte sich seinen Pyjama vom Körper. Er suchte in einem Kleiderschrank einige recht alt aussehende Anziehsachen heraus und kleidete sich damit ein. »Stelle eine Verbindung zu Rolf Friebel her«, bat er Dagobert, der den Befehl sofort ausführte. Auf dem Bildschirm erschien das bärtige Gesicht des Vizepräsidenten der TAXIT. »Guten Morgen, Homer!« begrüßte er ihn freudig. »Ich warte schon auf dich.« Friebel war Mitte 80, also in den besten Jahren, und hatte zusammen mit Homer G. Adams die TAXIT aufgebaut. Wenn Homer G. Adams seiner Pflicht als Unsterblicher nachkommen mußte und die Galaxis gegen Feinde oder gegen sich selbst verteidigte, dann leitete Rolf Friebel die TAXIT, welche inzwischen zu einer ernsten Konkurrenz für die Kosmische Hanse geworden war. Sowohl Adams als auch Friebel waren absolute Finanzgenies. Aber beide waren auch absolute Geizhälse in manchen Dingen. Natürlich stand jedes Lebewesen über dem Geld für die beiden, doch sie knauserten in der TAXIT oftmals, um sie noch stärker werden zu lassen. Natürlich nur, ohne einen Nachteil für Mitarbeiter, wie z.B. Kündigungen, zu erwirken. Für sie war nun die Sparwoche angebrochen, ein »Ritual«, das beide Jahr für Jahr durchführten. Zu diesem Zweck zogen die beiden für sieben Tage in die Berge, um in einer Holzhütte völlig spartanisch und sparsam zu leben. Es war eine Herausforderung für Adams und Friebel, denn die beiden Terraner waren fernab von der Technik und Zivilisation. Sie waren auf sich allein gestellt und konnten die Natur genießen. Zudem sparten sie etliche Galax, was für die beiden auch sehr verlockend war. Bully und Gucky hatten sich immer über die beiden »Knauser« lustig gemacht, doch das kümmerte die zwei herzlich wenig. Es war einfach nur ein Spaß für die beiden Finanzgenies. Nach dem Trubel um Goedda und die Dscherro brauchte der Unsterbliche auch einmal eine Pause. Viele Wesen hatten ihr Leben während der Kämpfe gelassen, darunter auch zwei Zellaktivatorträger; Mila und Nadja Vandemar. Von all diesen Ereignissen wollte Adams Abstand gewinnen. Er hatte schnell seinen Koffer gepackt und gab Dagobert ein paar letzte Instruktionen, bevor er eilenden Schrittes zu seinem Gleiter ging, um Rolf Friebel abzuholen. Es war eine ruhige und warme Nacht. Die Sterne flackerten hell am Firmament und wirkten beruhigend auf die Betrachter. Das Zirpen der Grillen rundete die Atmosphäre ab. Die Holzhütte stand auf einem kleinen Hügel. Etwa 100 Meter daneben befand sich ein kleiner See, der in einer Talsohle der Bergkette lag. Die Luft war rein und klar. Weit und breit war kein Galaktiker zu sehen oder zu hören. Die beiden Männer saßen auf zwei Schaukelstühlen auf der Veranda des Hauses. Rolf Friebel öffnete eine Flasche Bier und nahm einen kräftigen Schluck. Sein Gesicht verzog sich, während er einen Laut des Ekels von sich gab. »Was ist denn das für eine Brühe?« »Grabsteiner, warum? Schmeckt es etwa nicht?« Friebel schüttelte sich. »Es ist scheußlich!« Adams öffnete seine Flasche und nippte kurz daran. Seine Mundwinkel verzogen sich nur minimal nach unten. »Es war aber am billigsten«, konterte er. »Das ist ein Argument...« Friebel nahm wieder einen Schluck. »Na ja, unter diesen Tatsachen schmeckt es doch sehr gut«, fügte er mit einem leichten Grinsen hinzu. Ein Shuttle näherte sich der Talsohle und stoppte direkt über der Hütte. Mit Scheinwerfern leuchtete es auf die beiden Terraner, die sich die Hand vor den Augen hielten, um nicht geblendet zu werden. Die Fähre landete neben dem See und ein Mann in Uniform kam herausgeeilt. Er war groß und hager. Seine Bewegungen wirkten etwas unkontrolliert. Homer erkannte den Mann sofort. Es war Tyrus Rannus, einer der Sicherheitsleiter Camelots. Er salutierte kurz vor dem Zellaktivatorchipträger und fing hastig an zu berichten. »Angriff auf Zalit... alle tot... das Büro... !« stotterte er aufgeregt. »Ich verstehe kein Wort. Was ist auf Zalit passiert?« wollte Adams sofort wissen. Zuerst wollte er den Cameloter für die Störung seiner Sparwoche zurechtweisen, doch anscheinend war etwas Ernstes vorgefallen. »Unser Camelotbüro auf Zalit wurde von Unbekannten zerstört«, sprach Rannus nun verständlich. Homer G. Adams steckte der Schock tief in den Knochen. Er schluckte laut und sah irritiert zu Friebel herüber, der ebenso ernst aussah. »Wir brechen unsere Sparwoche ab. Rannus, ich möchte ein paar Berichte und Fakten zum Anschlag haben, sobald ich im Büro bin, verstanden?« Rannus bestätigte laut und ging mit staksigen Schritten zum Shuttle. Adams ließ seinen Koffer und Gleiter bei der Holzhütte. Er zog es vor mit dem Shuttle nach Port Arthur zu fliegen. Kaum war er in seinem Büro angekommen, stürmten die Leute von allen Seiten auf ihn ein. Die camelotische Presse hatte schnell von dem Unglück erfahren und versuchte eine Stellungnahme von Adams zu bekommen, doch der Euroterraner lehnte ab. Sicherheitsbeamte hielten die Journalisten zurück und Adams konnte in die abgeschotteten Trakte des Regierungsgebäudes gelangen. Doch auch dort herrschte große Aufregung. Niemand wußte genau, was eigentlich passiert war. Der Kontakt zur geheimen Niederlassung auf Zalit war abgebrochen. Einige Mitglieder der IPRASA suchten danach das Camelotbüro auf und fanden eine zerstörte Zentrale und viele Leichen vor. Sofort wurde die Hiobsbotschaft nach Camelot durchgegeben. »Es ist ein schreckliches Bild, überall liegen die Leichen der Cameloter«, berichtete der IPRASA-Agent über Holoaufzeichnung. »Sie wurden anscheinend hinterrücks überfallen und ermordet. Anschließend wurde das Gebäude in Brand gesetzt.« Adams sah sich die Aufnahme immer wieder an, konnte jedoch nichts finden, was auf den Täter hinwies. Die Nacht wurde sehr lang. Ein weiteres Team wurde nach Zalit geschickt. Es mußte selbstverständlich verdeckt agieren, da keine Regierung in der Galaxis ein Camelotbüro duldete, besonders nicht Kolonialregierungen des Kristallimperiums. Auch diese Gruppe brachte keine neuen Erkenntnisse, sondern nur traurige Gewissheit über den Tod von insgesamt fünfundzwanzig Lebewesen. Einige hatten Familie auf Camelot. Adams übernahm noch am selben Abend die unangenehme Aufgabe, die Verwandten über den Tod ihrer Angehörigen in Kenntnis zu setzen. Inzwischen konnte man einen Angriff der zalitischen Polizei oder des Kristallsicherheitsdienstes ausschließen, da diese mit Garantie den Sieg über den verhassten Feind nicht verschwiegen hätten. Alle anderen Camelotbüros wurden in Alarmbereitschaft versetzt, denn vielleicht schlug der geheimnisvolle Gegner ein zweites Mal zu.
Das scheibenförmige Schiff näherte sich langsam der ehemaligen Freihändlerwelt Phönix, dem heutigen Camelot. Die SAGRITON hatte eine Konstruktion, die der BASIS ähnelte. Der Rumpf bestand aus einer 5000 Meter durchmessenden und etwa 1000 Meter hohen Scheibe. Auf dieser befanden sich etliche Türme und Kuppeln. Der größte Turm war knapp 300 Meter hoch und die darauf befindliche Kuppel durchmaß etwa 250 Meter. Die SAGRITON war das Flaggschiff der Republik Saggittor in der gleichnamigen Galaxis, die den Galaktikern besser unter »M 64 – Das schwarze Auge« bekannt war. Saggittor lag 44 Millionen Lichtjahre von der Milchstraße entfernt. Aurec, oberster Kommandant der SAGRITON und Kanzler der Galaxie, konnte es kaum erwarten, endlich die Milchstraße zu Gesicht zu bekommen. Im Jahre 1285 NGZ war er auf das terranische Luxusraumschiff LONDON getroffen. An Bord befand sich auch Perry Rhodan, der damals versuchte, den Somer Sruell Allok Mok für Camelot zu gewinnen. Durch Mißverständnisse wurden die Terraner erst als Feinde angesehen und nach Sagriton gebracht. Doch Perry Rhodan konnte Aurec von der relativen Friedfertigkeit der Galaktiker überzeugen. Schnell schlossen beide Freundschaft, die sich durch die Abenteuer in der Galaxis Saggittor noch festigte. Saggittor umgab ein dunkles Geheimnis, denn die Mächte des Chaos hatten dort seit vielen Jahrtausenden eine Station. Rodrom, die Inkarnation der Entität MODROR, fand heraus, daß Rhodan in der Galaxis war und beschloss, den Ritter der Tiefe und Verfechter des Guten zu bezwingen. Er tat sich mit saggittonischen Putschisten zusammen und ermordete Aurecs Familie, dessen Vater Kanzler von Saggittor zu dem Zeitpunkt war. Die LONDON wurde in ein Paralleluniversum verschlagen, wo sich Aurec und Rhodan gegen gefährliche Söldner Rodroms zur Wehr setzen mußten. Doch auch dies überstanden sie, konnten die Putschisten besiegen und die Station der Chaotarchen angreifen und vernichten. Danach flog die LONDON wieder zurück in die Milchstraße, doch Rhodan und Aurec versprachen sich, in Kontakt zu bleiben. Nun wollte der junge Saggittone sein Versprechen einlösen. Die Saggittonen waren menschenähnlich. Sie glichen den Südeuropäern, besaßen also meist dunkle Haare und eine gute Hautbräunung. Sie befanden sich auf dem technischen Stand der Terraner und waren auch moralisch hochentwickelt. In den letzten fünf Jahren hatte Aurec viel für seine Völker getan und die Galaxie mehr denn je geeint. Trotzdem war der charismatische Mensch ein Abenteurer, den es in die Ferne zog. Deshalb war der geplante Besuch eine willkommene Abwechslung. Aurec war 32 terranische Jahre alt, 1,81 Meter groß und besaß einen sportlichen Körper. Er hatte eine natürliche Ausstrahlung und wirkte auf den ersten Blick sympathisch. Der Saggittone trug eine weiß-blaue Kombination mit einem dunkelblauen Umhang. Ein weiterer Grund für seinen Besuch war die Terranerin Shel Norkat. Er hatte sich damals in sie verliebt, doch sie erwiderte nur anfangs seine Gefühle und betrog ihn später. Vor knapp fünf Jahren wollte er nichts mehr von ihr wissen, doch nun wollte er es noch einmal versuchen. Die SAGRITON erreichte das System der Sonne Ceres. Aurec informierte den eigentlichen Kommandanten der SAGRITON, den jungen Offizier Serakan, einen codierten Funkspruch ins Leere abzusenden. Natürlich hatten die Cameloter diverse Sicherheitsvorkehrungen getroffen, um unentdeckt zu bleiben oder um unerwünschte Besucher schnell vertreiben zu können. Serakan, ein Soldat der Aurec absolut loyal zur Seite stand, sendete einen codierten Funkspruch ab. Er beinhaltete einen Autorisierungscode, den Aurec einst von Perry Rhodan bekommen hatte. Die Cameloter antworteten nach Überprüfung des Codes. Auf dem großen Bildschirm der Kommandozentrale des saggittonischen Flaggschiffes erschien das Gesicht des akonischen Sicherheitsmannes Trabon Saranos. Er verzog keine Miene und musterte den Saggittonen misstrauisch. »Du bist Aurec?« Aurec lächelte freundlich und machte eine begrüßende Geste. »Ich bin Aurec, werter Freund. Ich bin das Regierungsoberhaupt der Republik Saggittor und möchte mit Perry Rhodan sprechen.« Trabon Saranos hatte keine Einwände. Der Code war eigens nur für die Saggittonen eingerichtet worden. Es war sehr unwahrscheinlich, daß Arkoniden oder Vertreter des Forums Raglund an diese Geheimnachricht gekommen waren. Die Beschreibung Rhodans passte genau auf Aurec und dessen Schiff. Trabon Saranos bat den Saggittonen, langsam Phönix anzufliegen und auf Raumhafen 12, Hangar 198 in Port Arthur mit einer Fähre zu landen, da sie keine Raumhäfen hatten, die der SAGRITON eine Landemöglichkeit boten. Aurec bedankte sich galant bei dem Arkoniden und bat Serakan ihn zu begleiten. Dessen Erster Offizier Waskoch, ein ebenso tüchtiger und sehr patriotischer Saggittone, übernahm nun das Kommando. Homer, du hast Besuch«, sprach die Sekretärin des Zellaktivatorträgers aufgeregt. Adams war müde, denn er hatte die letzten 24 Stunden kein Auge mehr zugetan. »Nicht jetzt, Phillis!« wehrte er ab, doch die Frau beharrte auf den Besucher. »Es tut mir leid, aber hier ist jemand, der Perry Rhodan sprechen will. Ein Kanzler der Republik Saggittor. Er liegt mit seinem fünf Kilometer großen Schiff im Orbit Camelots.« Adams schreckte hoch, als er den Durchmesser des Schiffes hörte. Zuerst wollte er Alarm geben, denn er vermutete den mysteriösen Feind, doch dann kam ihm der Name Aurec wieder ins Gedächtnis. Perry Rhodan hatte vor fünf Jahren, während er seine Abenteuer auf dem Luxusgiganten LONDON erlebte, von dem Saggittonen berichtet. Anscheinend wollte dieser Perry nun einen Besuch abstatten. Doch Rhodan war seit geraumer Zeit für die Koalition Thoregon unterwegs. Niemand wußte genau, wo er sich nun befand. Homer G. Adams war der einzige Zellaktivatorträger, der noch in der Milchstraße verweilte. Alle anderen waren in irgendwelchen fremden Galaxien tätig. »Informiere bitte Sam über den Besuch von Aurec«, bat Adams Phillis. »Der Somer ist der einzige, der Aurec gesehen hat und sich noch auf Camelot befindet.« Der blaue Somer erreichte nach knapp 10 Minuten den Konferenzsaal, der eigentlich für die Zellaktivatorträger bestimmt war, doch nur Adams und Sam befanden sich in dem Raum. Zwei weitere bekannte Persönlichkeiten, Joak Cascal und Sandal Tolk, die bei der Reise der zweiten LONDON in einer Raumzeitfalte gefunden worden waren und sich nach den Abenteuern auf der LONDON II Camelot angeschlossen hatten, konnten nicht rechtzeitig zur Besprechung erscheinen, da sie noch auf dem Rückflug von Andromeda waren. Cascal, der Veteran aus dem Solaren Imperium, hatte das Kommando über den neuen Kugelraumer TAKVORIAN bekommen und wollte das Schiff erst einmal testen. Bald würde er vielleicht zum Einsatz gegen den fremden Feind kommen. Aurec wurde von Homer G. Adams freundlich aber verhalten willkommen geheißen, während Sam und Aurec sich herzlicher begrüßten. Aurec wollte von dem Somer wissen, was aus der LONDON und deren Passagieren geworden war. Sam erzählte dem Saggittonen das traurige Kapitel. Rodrom hatte beim Rückflug die LONDON angegriffen und über einem Wasserplaneten abgeschossen. Das Raumschiff sank und riss 11.000 Lebewesen mit in den Tod. Nur 4000 überlebten. Zu Aurecs Entsetzen starb auch Shel Norkat während des Untergangs. Aurec brauchte ein paar Minuten, bis er sich wieder gefasst hatte. Ich würde nun gerne mit Perry sprechen«, sprach Aurec. »Leider ist Perry Rhodan nicht hier«, sagte Adams mit einem bitteren Unterton. »Wo ist er?« wollte Aurec wissen. »Das wissen wir auch nicht genau«, erklärte der Unsterbliche ruhig. »Er ist zusammen mit Reginald Bull dabei, einen kosmischen Auftrag zu erfüllen. Außerdem muß er versuchen, die Galaxis vor einem gefährlichen Gegner zu beschützen.« Aurec merkte ihm die Anspannung an. »Mein Besuch kommt daher wohl ziemlich ungelegen«, stellte er fest. Homer erhob sich und wehrte mit den Händen ab. »Aber nein, du bist hier herzlich willkommen. Perrys Freunde sind auch meine Freunde. Wir haben leider seit gestern noch mehr Probleme, da eine unserer geheimen Niederlassungen auf einer arkonidischen Kolonie von Unbekannten zerstört wurde.« Homer setzte sich wieder in den breiten Sessel. Aurec hingegen stand auf und lief durch den Saal. »Da ich schon einmal hier bin, kann ich mich auch nützlich machen. Ich werde euch bei euren Untersuchungen helfen. Perry würde das gleiche in meiner Galaxis tun.« Sam erklärte sich sofort mit Aurecs Angebot einverstanden, doch Homer zögerte noch etwas. Er kannte den Saggittonen kaum, doch wirkte irgendwie er vertraut. »Ich kann das nicht von dir verlangen, aber wir können jede Hilfe gebrauchen.« »Dann sind wir uns einig. Ich war schon seit fünf Jahren auf der Suche nach einem Abenteuer.«
Die Welt Neles ähnelte Terra aus dem 20 Jahrhundert. Die humanoiden Neleser standen kurz vor der Entdeckung des Transitionstriebwerks. Somit würden sie bald die vielen Völker der Milchstraße wie die Terraner, die Arkoniden, Blues, Topsider oder Springer kennen lernen. Doch die Kolonie sollte eine Chance haben und nicht gleich dem Forum Raglund, der LFT oder gar dem Kristallimperium einverleibt werden. Zu diesem Zweck hatte Perry Rhodan ein Forschungsteam von Camelot auf diese Welt geschickt, um die Neleser genauer zu erforschen und über die Existenz von Außerirdischen aufzuklären. Die Wissenschaftlergruppe bestand aus acht Männern und vier Frauen. Die Leiter der Forschungsgruppe waren Ivan und Selina Despair, ein junges und sehr talentiertes Wissenschaftlerpärchen. Sie richteten sich nach ihrer geheimen Landung auf Neles eine kleine Station am Rande eines Gebirges ein, um noch unentdeckt operieren zu können. Die Umwelt war sehr schön, wirkte jedoch manchmal etwas bedrückend, da es eine neblige und regnerische Region war. Ivan schätzte, daß die Neleser in zwei Jahren in der Lage sein würden, ihr System verlassen zu können. Ob sie dann bereits auf Völker der Milchstraße treffen würden, war nicht sicher, denn das System lag ziemlich abgelegen. Dennoch sollten die Cameloter die ersten Außerirdischen sein, die die Neleser zu Gesicht bekamen. Nach zehn Monaten der intensiven Forschung glaubte der auf Norman geborene Ivan Despair, die Zeit sei gekommen, sich vorzustellen. Seine Frau sollte ihn begleiten, doch auch der Abenteurer Ron Horace, der überfreundliche und gläubige Eddie Alaban und Jill Reekan, die beste Freundin von Selina. Ron Horace war ein Draufgänger, der überall Gefahren sah und den Held spielen wollte. Eddie Alaban war der älteste der Besatzung. Er wirkte ruhig und bedacht und war ein strenggläubiger Christ, was in diesem Jahrtausend eher eine Seltenheit war. Jill Reekan war eine durchschnittliche Frau. Sie hatte braune gelockte Haare und besaß ein wenig markantes Gesicht. Insgeheim hatte sie ein Auge auf Ron geworfen, doch der wollte nichts von der Terranerin wissen. Dabei wünschte sie sich so sehr ein Kind, doch ihre Träume würden wohl vorerst unerfüllt bleiben. Die Delegation nahm Funkkontakt zu dem Staatsoberhaupt auf und bat um ein Treffen. Die Regierung Neles arrangierte dieses Treffen unter strengster Geheimhaltung. Luratz Jomahr war der Ministerpräsident der Welt. Der kleine und dicke Mann war beim Volk nicht sonderlich angesehen, da er seine Wahlversprechen in der Regel nicht einhielt. Er hoffte, daß er seine Macht mit der Hilfe von Wesen außerhalb von Neles wieder festigen konnte. Einige Polizeiwagen waren aufgefahren und brachten sich in Stellung. Es konnte schließlich auch eine Gefahr von den Außerirdischen ausgehen. Oft genug wies der Sicherheitschef von Neles, Alratz Urina, seinen Ministerpräsidenten darauf hin, doch Jomahr vertraute auf die Fremden. Dann war der Zeitpunkt gekommen. Die Cameloter parkten ihren Gleiter etwa 100 Meter vor den Nelesern. Ivan und Selina Despair gingen als erste auf die Bewohner der Welt zu. Der Wind strich sanft durch Selinas blondes Haar. Die 1232 NGZ auf Terra geborene Frau war 1,73 m groß, hatte blaue Augen und hatte im Alter von 21 Jahren auf Normon ihren Mann kennen gelernt, den sie über alles liebte. Zusammen hatten sich beide dafür entschieden, für Camelot ihren Dienst zu tun. Oft wurden die beiden als »seltsames Paar« bezeichnet, da sie immer einer Meinung waren, was nun nicht die Regel bei einem Ehepaar war. Horace, Alaban und Reekan folgten den Despairs mit einigen Metern Abstand. Auch der Ministerpräsident ging mit zwei weiteren Ministern und zwei Polizisten auf die – aus seiner Sicht – Fremden zu. Beide Gruppen blieben voreinander stehen und sahen sich schweigend an. Ivan Despair brach als erstes das Eis. Er reichte Jomahr seine Hand als Zeichen der Freundschaft. Die Sprache hatten sie bereits seit langer Zeit gelernt, daher war eine Konversation kein Problem. »Guten Tag! Mein Name ist Ivan Despair. Ich bin Abgesandter der Welt Camelot und stamme vom Volk der Terraner. Wir sind in friedlicher Absicht hier.« Jomahr und die anderen Neleser ließen die Worte erst einmal auf sich einwirken. Irritiert starrte er die Cameloter an. »Ihr sprecht meine Sprache!« stellte er als erstes fest. Despair lächelte. »Wir haben deine Sprache studiert. Mein Team und ich sind seit rund einem Jahr eurer Zeitrechnung auf Neles.« Die Welt Neles brauchte zur Umrundung ihrer Sonne zehneinhalb Monate und war daher erdähnlich. Auch die Gravitation war fast identisch. Jomahr sah zu seinen Leuten, die ihm nur unmerklich zunickten. Dann wandte er sich wieder an die Terraner. »Ich heiße euch herzlich auf Neles willkommen. Mein Name ist Luratz Jomahr. Ich bin der Ministerpräsident unserer schönen Welt. Sagt mir, warum seid ihr hier?« »Können wir das nicht irgendwo anders besprechen?« schlug Selina Despair vor, da ihr kalt war. »Oh, natürlich. Wo bleiben meine Manieren? Kommt bitte mit!« Jomahr geleitete die Despairs und die anderen drei zu einem Gleiter, der zum Regierungsgebäude flog. Dort wartete ein Festbankett auf die neuen Freunde der Welt Neles. Ivan und Selina Despair unterhielten sich etliche Stunden mit Jomahr und erklärten ihm, warum sie hier waren. »Da dein Volk bald in der Lage sein wird, andere Welten anzufliegen, wollten wir euch zuerst über die Verhältnisse in der Galaxis aufklären und euch auf die verschiedenen Völker vorbereiten«, erklärte Ivan Despair. Er strich sich durch seine kurzen und gelockten Haare. Jomahr war etwas verwundert. »Deine Geste ist sehr edel, doch es klingt so, als gäbe es Gefahren dort draußen?« »Dem ist auch so. Es gibt einige Völker, die eure Autarkie sehr gerne unterdrücken würden. Damit Neles dieses Schicksal erspart bleibt, haben wir uns entschlossen, zuerst Kontakt mit euch aufzunehmen.« »Woher wissen wir, ob ihr uns nicht okkupieren wollt?« fragte der Sicherheitschef misstrauisch. »Ihr müsst uns vertrauen. Doch wären wir in feindlicher Absicht gekommen, dann hätten wir es bei unserem technologischen Stand nicht nötig mit euch zu reden.« Diese Worte verfehlten ihre Wirkung nicht. Sehr schnell wurde den Nelesern gezeigt, daß sie nur ein kleines Rad in der Milchstraße waren. Daher war es für Neles sehr von Vorteil, mit den Camelotern zusammenzuarbeiten. »Ich vertraue euch«, sprach Jomahr stellvertretend für sein Volk. Die Cameloter bekamen einige Häuser am Rand der Hauptstadt Wrongton zur Verfügung gestellt, wo sie zusammen mit den führenden Wissenschaftlern von Neles an der Entwicklung des Transitionstriebwerks arbeiteten. Die Neleser arbeiteten noch viel mit Atomtechnik, was jedoch auch schädlich auf die Wesen wirken konnte. In Absprache mit Perry Rhodan wollte man dem Volk helfen, einen besseren technologischen Standard zu bekommen. Jedoch mußten die Despairs aufpassen, daß der Geist der Neleser mit der Technik Schritt halten konnte. Sehr behutsam brachte man technologische Neuerungen ein. Anfang des Jahres 1262 NGZ kam es zu einem kleinen Unfall in einem Atomkraftwerk, bei dem Selina einigen Strahlungen ausgesetzt wurde, die jedoch nicht lebensgefährlich für sie waren. Ivan war versucht, die Forschungsexpedition abzubrechen und nach Camelot zurück zufliegen, doch seine Frau war stark und wollte weitermachen.
Zwei Monate danach kam es zu einer seltsamen Begegnung. Ein fünfhundert Meter langes, H-förmiges Schiff landete auf Neles. Dieser Schiffstyp war den Camelotern gänzlich unbekannt. In der Mitte befand sich eine Kugel, an dein Seiten Flügel und Waffensysteme. Zur Sicherheit wurde das Landegebiet abgeriegelt und ein großes Polizeikontingent aufgestellt. Selina Despair war wieder auf den Beinen und bestand darauf mitzukommen, als Ivan und Ron Horace zum fremden Schiff wollten. Auch Luratz Jomahr hatte sich am Ort des Geschehens eingefunden. Ron Horace witterte sofort wieder Gefahr, doch Ivan wußte von den Überreaktionen seines Freundes. Er beschloß, erst einmal abzuwarten. Eine Luke öffnete sich und ein kleiner Steg wurde ausgefahren, der auf dem Boden einrastete. Die Polizisten gingen in Schußposition, und jeder wartete gespannt auf das Wesen. Eine völlig in schwarz gekleidete humanoide Gestalt trat langsam mit bedachten Bewegungen aus dem Raumschiff. Es trug ein dunkles Gewand und eine Kutte bedeckte den Kopf. Durch den Umhang konnte man die hohen schwarzen Stiefel und Handschuhe erkennen. In seiner rechten Hand hielt er einen Stab mit seltsamen Verzierungen am Kopfende, die ein hundeähnliches Tier mit zwei Hörnern darstellten. Der Fremde ging auf die Menschenmasse zu und stoppte vor Jomahr und den Despairs. Er hob seinen Kopf und sein Gesicht wurde erkennbar. Die Gesichtsfarbe war rot, die Augen leuchteten golden. Das Wesen besaß, soweit man es erkennen konnte, keine Haare. Seltsame Tätowierungen waren auf dem Kopf sichtbar. Mit etwas Phantasie konnte man drei Sechsen daraus erkennen. »Sei willkommen, Fremder! Wer bist du?« wollte der Ministerpräsident wissen. »Ein Reisender«, hörte man das fremde Wesen sagen. Es hatte eine dunkle, ruhige und markante Stimme, die dem Neleser einen kalten Schauer über den Rücken laufen ließ. »Mein Name ist Cau Thon. Ich bin Forscher, der die Wunder des Universums kennenlernen will.« »Von welchem Volk stammst du? Du kommst nicht aus der Milchstraße?« fragte Selina Despair und kam so ihrem Mann zuvor, der sie leicht säuerlich ansah. Cau Thon wandte sich der Frau zu. Seine Augen schienen sie zu durchdringen. Plötzlich spürte Selina ein seltsames Gefühl in ihrem Bauch. Als ob sich da etwas bewegte. Doch die junge Terranerin ließ sich nichts anmerken. »Ihr kennt mein Volk nicht, denn es stammt nicht aus dieser Galaxie.« Horace musterte den Fremden eindringlich. Er schien ihm sehr zu mißtrauen. »Doch warum bist du hier, Cau Thon? Dieser Planet liegt abgelegen. Für einen Reisenden gibt es sicher lukrativere Orte in der Milchstraße als Neles«, meinte Ivan Despair leicht provozierend. »Es kommt darauf an, was man sucht...« Nun mischte sich wieder Jomahr ein, denn das Gespräch entwickelte sich in eine unangenehme Richtung. »Cau Thon, sei unser Gast. Du bist nun schon der zweite Außerirdische, der unseren Planeten beehrt. Wenn das noch so weiter geht, werden wir eine bedeutende Rolle in der Milchstraße erlangen«, scherzte der Ministerpräsident und deutete in Richtung Gleiter. Cau Thon nickte langsam mit dem Kopf und signalisierte damit seine Bereitschaft mitzukommen. Auch die Despairs und Ron Horace gingen zu dem Fluggefährt. »Neles wird von kosmischer Bedeutung sein...« murmelte Cau Thon zu sich selbst, bevor er in den Gleiter stieg. Cau Thon hielt sich sehr bedeckt während des Willkommensbanketts. Die Presse wurde nicht zugelassen, nur einige Minister und die Cameloter. Der Fremde aß und trank kaum etwas. Er hatte die Kutte herabgenommen, so daß man nun deutlich das Fehlen der Haare bemerken konnte. »Aus welcher Galaxis kommst du?« wollte Horace wissen, der Cau Thon immer noch mißtraute. »Meine Heimatgalaxis ist sehr weit entfernt. Ihr könntet die Entfernung nicht verstehen«, antwortete Thon nichtssagend. »Willst du damit sagen, wir sind zu dumm?« forderte Ron Horace ihn heraus, doch Cau Thon blieb gelassen. »Nein! Vom technologischen Stand seid ihr meiner Rasse untergeordnet. Behauptet ihr, daß die Neleser dümmer sind, nur weil ihr ihnen technisch überlegen seid?« Jomahr sah gespannt zu dem Cameloter und wartete auf seine Antwort. Horace bebte innerlich, doch er konnte sich zusammenreißen. »Natürlich nicht!« sagte er leise. »Dann wäre das geklärt«, schloß Cau Thon das Kapitel ab. Ivan und Selina Despair wollten jedoch mehr über den Fremden erfahren. »Erzähle uns von deinen Reisen«, schlug Ivan vor. »Die Galaktiker sind auch weit umher gekommen. Vielleicht können wir unser Wissen ergänzen.« Cau Thon sah zu ihm herüber. »Wenn die Zeit dazu reif ist...« Sein Augenmerk fiel nun auf Selina, die immer unruhiger wurde. »Fehlt dir etwas, Selina Despair?« Selina war bleich im Gesicht und nickte kurz mit dem Kopf. »Ich fühle mich nicht so gut«, erklärte sie. »Schatz, ich bringe dich nach Hause«, sagte ihr Mann fürsorglich. Er befürchtete, daß es Nachwirkungen des Strahlungsunfalls waren. Cau Thon stand auf und ging zu dem Ehepaar. »Habt keine Furcht, sie unterliegt einem natürlichen Prozeß!« Er legte seine Hand auf ihren Bauch und schloß die Augen. Keiner im Saal wußte, was der Fremde damit bezweckte. »Was für ein natürlicher Prozeß? Sie wurde Opfer eines Strahlungsunfalls. Ich denke, es sind die Nachwirkungen«, erläuterte Ivan. Cau Thon nahm seine Hand vom Bauch der gebürtigen Terranerin und sah in die Runde. »Nein, sie bekommt ein Kind.« Die Ärzte bestätigten Cau Thons Feststellung. Selina war tatsächlich schwanger. Zuerst war die Freude der beiden sehr groß, doch schnell trübten die Ärzte die Euphorie. Teile der Gebärmutter waren durch die radioaktive Strahlung verkümmert. Von einer gefahrlosen Geburt war nicht mehr auszugehen. Wahrscheinlich würde der Fötus schon in den nächsten Monaten sterben oder sich mißbilden. Selina wurde aus dem Krankenhaus entlassen. Auch Untersuchungen des camelotischen Arztes, Stefan Brink, brachten keine positiveren Erkenntnisse. Das Kind würde mit Gewißheit bereits im Mutterleib sterben. Weinend lag Selina in den Armen ihres Mannes. Beide hatten sich so sehr ein Kind gewünscht. Doch nicht nur ihr erstes Kind würde sterben, sie wäre auch nie wieder in der Lage sein, ein Neues zu bekommen. Für die 27-jährige Terranerin brach eine Welt zusammen, doch auch Ivan konnte nur schwer damit klarkommen. Einerseits mußte er seine Frau trösten, doch wer tröstete ihn? Wer half ihm, mit den Schmerzen fertigzuwerden? Ein düsterer Tag war für die Despairs angebrochen... Gegen 2 Uhr morgens schlief Selina endlich ein. Brink hatte ihr ein paar Beruhigungsmedikamente gegeben. Ivan lehnte es ab, selbst welche zu nehmen. Er wanderte durch die Wohnung umher. Es wäre genügend Platz für einen kleinen Jungen oder ein kleines Mädchen dagewesen. Neles war eine friedliche Welt. Eine ideale Umgebung für ein Kind, um aufzuwachsen. Ivan stellte sich vor, wie es sei, seinem Jungen alles beizubringen. Mit ihm Fußball oder Baseball zu spielen, doch dieser Traum würde niemals in Erfüllung gehen. Tränen flossen von seinem Gesicht. Er schämte sich dieser Tränen nicht. »Ich kenne ein Ende für deine Schmerzen«, hörte Despair die dunkle und ruhige Stimme sagen. Sofort drehte er sich um und erblickte Cau Thon, der plötzlich in seinem Wohnzimmer stand. »Wie... wie bist du hier hereingekommen?« fragte er stockend und wischte sich schnell die Tränen vom Gesicht. »Schlösser sind keine Hindernisse. Ich bin hier, um dir und deiner Frau zu helfen«, erklärte der Fremde in der schwarzen Kutte. »Und wie? Du kannst uns nicht helfen...« »Bist du dir dessen so sicher? Ich verfüge über eine medizinische Technik, von der ihr nur träumen könnt.« Nun wurde Despair hellhörig. Er fragte, ob Cau Thon die Gebärmutter wieder heilen könnte, doch dieser verneinte. »Ich kann allerdings den Fötus in eine Wirtsmutter transportieren. Mit Hilfe von Transmittertechnik werde ich das Kind, samt Nabelschnur, in den Körper einer anderen Terranerin versetzen, welche das Kind austragen wird.« »Warum tust du das für uns?« wollte Ivan wissen. »Wir sind dir bis jetzt doch nur mit Mißtrauen begegnet!« »Ich bin euer Freund...« Auch Selina war mit dem Eingriff einverstanden. Doktor Brink schlug vor, die Operation auf Camelot vorzunehmen, doch Cau Thon meinte, die Zeit würde nicht mehr ausreichen. Nun galt es, eine Wirtsmutter zu finden, die das Kind austrug. Jill Reekan meldete sich freiwillig. Es war immer ihr Traum gewesen, ein Kind zu haben. Nun wollte sie zumindest einem das Leben schenken. Die Operation verlief ohne Komplikationen. Mit Hilfe eines Mikrofiktivtransmitters transportierte Cau Thon den Fötus in den Bauch von Jill Reekan. Anschließend wurde die Gebärmutter mit der Nabelschnur verbunden. Sowohl Jill als auch das Kind erholten sich schnell von dem Eingriff. Selina und Ivan bedankten sich bei Cau Thon und legten ihre Vorurteile gegenüber dem Fremden ab. In den nächsten Wochen und Monaten verbrachten Selina und Jill viel Zeit miteinander und suchten bereits die Einrichtung für das Kinderzimmer aus. Eddie Alaban betete jeden Tag für das Kind. Horace machte sich oft über den alten Terraner aufgrund seines Glaubens lustig, doch Eddie ignorierte die Häme und betete weiter für ein gesundes Kind. Cau Thon erforschte den Planeten und die Bewohner. Er verbrachte viel Zeit mit den Nelesern, um sie besser kennenzulernen. Insbesondere interessierte er sich für die Jugend. Ivan Despair, Ron Horace, Mathew Cock und der Blue Välü Vilöä arbeiteten an ihrer Station, bis ihnen die Idee kam, ein eigenes Camelotbüro daraus zu machen. Ivan holte sich die Erlaubnis von Camelot. Dabei sprach er mit Reginald Bull höchstpersönlich. Er war stolz, mit dem beleibten und beliebten Zellaktivatorträger sprechen zu können. Er berichtete, wie schön es auf Neles sei und daß man nun offiziell ein Camelotbüro errichten wollte. Bully hatte keine Einwände und gratulierte zu dieser Entscheidung. Inzwischen stand auch das Geschlecht des Kindes fest. Es wurde ein Junge! Zu Ehren des Retters sollte der Vorname des Kleinen Cauthon lauten, dieser jedoch englisch gesprochen. Cau Thon zeigte sich sehr erfreut über diese Geste. Am 1. Oktober 1262 NGZ war es dann soweit. Während eines Gesprächs mit Selina setzten die Wehen ein und Jill mußte ins Krankenhaus gebracht werden. Eddie fuhr die beiden selbst zur Klinik. Es stürmte und regnete in Strömen. Zeitgleich mit der Geburt des Kindes schlug ein Blitz in die Stromversorgung ein und das Licht fiel aus. »Das ist ein gutes Omen«, meinte Ivan und starrte auf das winzige Kind, das in den Armen der Wirtsmutter lag. Selina jedoch ging schnell zu dem Kind und nahm es in den Arm. Ivan begab sich zu seiner Frau und hielt sie und den kleinen Cauthon. Das Familienglück war perfekt. Ron Horace, Mathew Cock und Välü Vilöä beglückwünschten das glückliche Paar. Eddie hingegen wirkte apathisch als er das Kind sah. Irgend etwas beunruhigte ihn. Plötzlich wurde er aggressiv und panisch. »Gott schütze uns...« murmelte er und verließ die Klinik. Er ging an Cau Thon vorbei, ohne ein Wort zu sagen. Der Fremde sah dem alten Terraner spottend hinterher. »Ja, ein gutes Omen für das Kind...« sagte Cau Thon zu sich selbst, bevor er zu den anderen ging. Jill Reekan, Selina und Ivan Despair saßen zusammen mit Cau Thon auf der Veranda ihres Hauses und wollten einen netten Abend verbringen. Jill konnte man jedoch anmerken, daß sie nicht ganz glücklich war. Sie sprach öfters von ihrem Kind und meinte damit Cauthon. Ivan meinte, man müsse ihr mehr Zeit geben. Sobald sie einen Mann gefunden hätte und selbst Nachwuchs bekam, würde sie anders reden und denken. »Ich möchte euch beiden danken. Ohne Cau Thon und Jill wäre unser Sohn gestorben. Ihr zwei seid richtige Helden«, sprach Ivan und hob das Glas. Cauthon fing an zu weinen, sofort standen Jill und Selina zugleich auf. »Bitte, laß mich nach ihm sehen... bitte«, bettelte Jill Reekan. Selina wußte nicht genau, ob sie das tun konnte. »Ich weiß selbst, daß ich noch nicht ganz damit fertig werde, bitte gib mir etwas Zeit«, fügte die brünette Terranerin hinzu. Selina willigte ein. Freudig lief Jill zu Cauthon und gab ihm eine Flasche, an der er putzig nuckelte. Cau Thon sah beiden eine Weile zu, dann wandte er sich zu den Despairs. »Es wird Zeit, daß euer Sohn diesen Planeten verläßt.« »Warum? Wir sind hier auf Neles sehr zufrieden«, erwiderte Ivan und ergriff instinktiv die Hand seiner Ehefrau. »Cauthon gehört nach Camelot, das ist seine Bestimmung«, beharrte Cau Thon. Doch die beiden Despairs ließen sich nicht beirren. »Tut mir leid, wir haben bereits vor Monaten die Entscheidung getroffen auf Neles zu bleiben. Hier wird Cauthon aufwachsen. Es gibt keine schönere Welt für ein Kind. Er wird in der Obhut von freundlichen Menschen und seinen ihn liebenden Eltern aufwachsen.« Ivan Despairs Stimme klang fest und entschlossen. Selina verstand nicht, warum beide Männer sich so aufregten. Sie versuchte zu vermitteln, doch Cau Thon wollte keine Beilegung des Konflikts. »Ihr könnt euch nicht seinem Schicksal verschließen.« »Was weißt du denn von seinem Schicksal? Er soll hier groß werden und eine schöne Kindheit verbringen. Auf Camelot kann er die sicher auch haben, doch Neles ist geeigneter. Sieh das doch ein, mein Freund«, sprach Ivan mit einlenkender Stimme. »Schmeichel dir nicht selbst, Terraner! Du kannst dich nicht gegen den Lauf der Dinge stellen, sei dir dessen gewiß.« Cau Thons Worte waren hart. Despair wollte das nicht auf sich beruhen lassen. Er forderte den Rothäutigen auf, sofort das Haus zu verlassen. Cau Thon lächelte abfällig und entfernte sich von den Despairs. Cauthon fing wieder an zu schreien. Selina lief in das Zimmer und wollte den Jungen nehmen, doch Jill zierte sich. »Gib mir endlich meinen Sohn!« brüllte Selina ihre Freundin an, die sie starr anblickte und den Jungen in ihre Hände drückte. Anschließend rannte Jill weinend aus dem Haus. »Solche Abende sollten wir öfters machen!« meinte Ivan zynisch. Er legte seinen Arm auf Selinas Schulter und drückte sie. Cau Thon ließ sich die nächsten Tage nicht blicken. Auch Jill mied die Despairs. Ron Horace erzählte Ivan, daß Jill über ihn hergefallen war und mit ihm schlafen wollte. Sie war von der fixen Idee besessen, auch ein Kind haben zu wollen. Sie himmelte Cauthon an und bezeichnete ihn als ihren Meister. Doktor Brink nahm sie für ein paar Tage zur Beobachtung zu sich. Eddie Alaban suchte Ivan in seinem Labor auf. Der alte Mann trug eine Bibel und ein Kreuz mit sich. »Ich muß mit dir reden, Ivan.« Despair beendete seine Versuche und sah seinen Freund und Kollegen ernst an. »Stimmt etwas nicht mit dir? Du siehst schrecklich aus«, begann Despair besorgt. Der alte Terraner sah sich verwirrt im Raum um. »Ich war heute bei Selina und dem Kind.« »Ist etwas mit ihnen?« Ivan wurde nervös. »Nein, ihnen geht es noch gut. Ich habe das Kind in den Armen gehalten. Es geht etwas Böses von ihm aus.« Despair verdrehte die Augen. Langsam hatte er das Gefühl, daß alle um ihn herum durchdrehten. »Was soll denn an dem kleinen Cauthon bitte böse sein?« »Alles«, sprach Eddie Alaban ernst. Er schlug die Bibel auf und laß ein zitierte die Offenbarung des Johannes daraus hervor. Er legte besondere Betonung auf das Zeichen der Bestie – 666 – und deutete damit auf das Mal Cau Thons hin. Despair winkte ab. »Zufall.« »Nein, er ist der Antichrist, der gekommen ist, um uns alle zu vernichten. Und dein Sohn wird sein Helfer sein«, rief Eddie laut und packte Ivan an den Armen. »Du mußt mir glauben!« »Ich will nichts mehr davon hören! Raus!« Widerwillig beugte sich Eddie dem Befehl von Ivan Despair. Er beschwor ihn nochmals, doch Ivan war nahe daran einen Arzt zu rufen, der sich um Eddies Gemütszustand kümmern sollte.
Cau Thons Schiff verließ Neles und flog ein unbewohntes System an. Das H-förmige Schiff landete auf der ungastlichen Welt. Ein weiteres Raumschiff, von einer blauen Sphäre umgeben, befand sich auf dem Planeten. Cau Thon stieg aus und ging langsam auf das weitaus größere Schiff zu. Eine Schleuse öffnete sich und ein Wesen, ebenfalls in einem schwarzen Gewand und mit einer schwarzen Kutte bedeckt, schwebte auf Cau Thon zu. Das Gesicht war nicht zu erkennen. »Berichte«, forderte das Wesen. Cau Thon verbeugte sich kurz, dann ging er langsam weiter und folgte dem schwebenden Wesen. »Nun endlich werden wir einen ebenbürtigen Gegner für die Ritter der Tiefe haben«, begann Cau Thon in einem hochtrabenden Tonfall, der jedoch immer noch ruhig und bedacht wirkte. »Demnach ist das Kind geboren?« wollte die düstere Entität wissen. »Ja, mein Meister. Nun endlich können wir Rache nehmen!« Das schwarze Kuttenwesen sah zu Cau Thon. »In nur 30 terranischen Jahren werden wir einen wertvollen Verbündeten haben. Bis dahin darf ihm nichts zustoßen. Niemand darf Cauthon Despairs Schicksal im Weg stehen.« »Ich verstehe, mein Meister.« »Cau Thon, bald wird es eine Neuordnung des Universums geben und dieser Junge wird uns dabei helfen, unsere gefährlichsten Widersacher zu vernichten.« Das waren die letzten Worte der Entität. Das dunkle Wesen schwebte wieder zu seinem Raumschiff, das nur wenige Minuten danach von der Oberfläche abhob und in den Weiten des Weltalls verschwand. Zurück blieb ein nachdenklicher Cau Thon. Die Anweisungen seines Herren waren unmißverständlich. Jeder, der Cauthon Despairs Schicksal im Weg stand, mußte beseitigt werden. Cau Thon wußte, was er nun zu tun hatte...
Einige Tage später erhielt Ivan am Abend wieder einen Anruf von Eddie. Er entschuldigte sich mehrmals bei Despair und bat ihn um eine weitere Unterredung im Stadtpark von Wrongton. Ivan willigte ein und traf sich mit dem alten Terraner, der einen sichtlich verwirrten Eindruck machte. In seinen Augen stand Angst und Wahnsinn. »Gut, daß du gekommen bist«, begann er und packte den Cameloter abermals an den Schultern. »Was willst du?« »Ich werde die sieben Dolche besorgen, die in einem terranischen Museum liegen. Damit können wir den Antichristen töten«, erklärte Alaban. »Du meinst Cauthon? Bist du wahnsinnig? Hast du zuviele Filme aus dem zwanzigsten Jahrhundert gesehen? Ich will nichts mehr davon hören.« Despair verließ den Park. Eddie rief ihm noch unverständliche Worte hinterher, doch bald hatte er seinen Gleiter erreicht und fuhr zurück in seine Wohnung. Zurück blieb Alaban, der sich an seine Bibel klammerte. Ein Sturm kam auf und der gläubige Terraner irrte durch den leeren Park. Der Sturm wurde immer stärker. Die Bäume knirschend bedrohlich, als der alte Mann unter ihnen durchging. Plötzlich schlug ein Blitz in einen Baum ein und trennte einen Ast ab, der auf Eddie Alaban fiel und ihn erschlug Der erste Feind war gefallen... Am späten Abend suchte Luratz Jomhar die Despairs persönlich auf, um sie über den Tod ihres Kollegen zu informieren. Jomahr fiel es nicht sonderlich leicht. Ihn selbst traf der Tod Eddie Alabans auch sehr hart. Die Außerirdischen, die sich Cameloter nannten, waren etwas Besonderes für Neles. Natürlich sah man in ihnen keine Götter, dennoch standen sie über den Dingen. Durch den vermeintlichen Unfall wurde jedoch gezeigt, daß auch Außerirdische sterbliche Wesen waren. Sofort trafen sich die anderen Cameloter, um über die Zukunft zu beraten. Ivan erzählte von Eddies Warnungen und seiner Theorie bezüglich Cauthon. Natürlich waren sich alle einig, daß Eddie wahnsinnig gewesen sein mußte und Opfer eines Unfalls geworden war. Nur Ron Horace glaubte nicht ganz an den Zufall. Er fuhr in Eddies Wohnung und durchsuchte sie. Was er fand, stimmte ihn nur mißtrauischer. In einem Memowürfel von Eddie befanden sich alle ihm bekannten Informationen zu Cau Thon. Eddie war fest davon überzeugt, daß Cau Thon der »Bote des Teufels« war und die Geburt des Antichristen vorbereitete. Horace glaubte nicht an Himmel und Hölle, dafür gab es rationellere Erklärungen. Jedoch stufte er Cau Thon ebenfalls als gefährlich ein. Sofort beschloß er, zum Raumschiff des seltsamen Wesens zu fahren. Der Raumer stand auf einem verlassenen Feld direkt neben einer Eisenbahnlinie. Eine Verzweigung führte direkt zu Cau Thons Schiff, um Güter einzuladen. Was für Güter, wußte Horace noch nicht. Es schien niemand auf dem Schiff zu sein, deshalb sah sich Ron genauer um. Er ging zu einem Bahnwagen, der etwa 200 Meter vor der Schleuse stand und öffnete die Tür. Doch in dem Waggon war nichts. Enttäuscht stieg er wieder aus und lief zur Schleuse, die jedoch fest verschlossen war. Vielleicht konnte der Eisenbahnwagen das Schott durchstoßen. Er rannte wieder zu dem Wagen und versuchte ihn zu bewegen, doch es fehlte die Lokomotive. Plötzlich entdeckte er Cau Thon, der aus einer anderen, höher gelegenen Schleuse trat. Hinter Horace begann eine Lokomotive sich zu bewegen, die Cau Thon telekinetisch in Bewegung setzte. Sie rollte genau auf die Verzweigung zu. »Was willst du hier, Cameloter?« »Die Wahrheit wissen! Du hast Eddie getötet!« Die Weichen stellten sich um... Cau Thon schien Ron wieder mit seinen Augen zu durchdringen. Der Cameloter bemerkte den nahenden Zug nicht. »Ihr dürft Cauthon Despairs Schicksal nicht im Weg stehen«, sprach Cau Thon. Ron schüttelte den Kopf. »Ich verstehe nicht... was hat Cauthon damit zu tun gehabt?« »Eddie Alaban war nahe daran es herauszufinden.« »Es gibt keinen Antichristen, keine Hölle und keinen Satan«, wehrte Ron ab. »Es gibt einen Platz des absoluten Bösen. Wie es auch einen Hort des Guten gibt, jedoch weitaus anders als es in eurer Mythologie beschrieben ist. Ihr seid zu primitiv, um es zu verstehen.« »Was?« Horace verstand nicht, was Cau Thon meinte. Langsam bekam er es mit der Angst zu tun. Dieser Cau Thon war ihm unheimlich. Die Lokomotive raste auf den Waggon zu und brachte ihn ins Rollen. Der Waggon erfaßte Ron, der zu spät die nahende Gefahr erkannte. Der Cameloter fing panikerfüllt an zu schreien. Der Fahrtwind drückte ihn an den rollenden Wagen, der auf die Schleuse zuraste. Immer wieder schrie Ron »Nein«, doch niemand konnte ihm helfen. Der Waggon kollidierte mit der Schleuse und zerquetschte den Cameloter. Der zweite Feind war gefallen... Rons Leiche wurde auf einem Güterbahnhof gefunden. Es wurden keine Parallelen zu Cau Thon erkennbar. Das Team war zutiefst erschüttert. Der Planet Neles hatte durch die beiden Tode seinen Glanz verloren. Insgeheim vermutete Ivan nun doch, daß Cau Thon etwas mit den beiden »Unfällen« zu tun hatte. Nach einigen Tagen wurde Cauthon krank. Es war seine erste Erkältung. Doktor Brink gab ihm ein paar Medikamente und entnahm eine Blutprobe. Spät abends saß er noch in seinem Labor, da er im Blut von Jill Reekan eine Anomalie festgestellt hatte, die künstlich hervorgerufen worden war. Anscheinend hatte jemand ihre Gene verändert. Er konnte die veränderte Zellstruktur noch nicht genau definieren. Um einen Vergleich mit der normalen Zellstruktur zu machen, verglich er das Blut mit dem des kleinen Cauthon. Doch auch dort war diese Anomalie festzustellen. Zur Sicherheit verglich er es mit den Daten aller anderen Cameloter. Doch nur bei diesen beiden war die Mutation aufgetreten. Demnach mußte jemand die Gene von Jill Reekan und Cauthon während der Schwangerschaft beeinflußt haben. Oder Jill war vorher manipuliert worden und die Mutation hatte sich auch auf den Embryo ausgewirkt. Doktor Brink wollte seinen Fund sofort den Eltern mitteilen. Er nahm den Fahrstuhl, da er sich im fünfzehnten Stock befand. Irgendwie waren ihm diese primitiven Lifts nicht sonderlich geheuer, doch die Neleser kannten noch keine Antigravs. Der Fahrstuhl geriet ins Stocken, dann fuhr er zur höchsten Etage. Die Knöpfe reagierten nicht. Der Fahrstuhl besaß auch keine Positronik. »Primitiver Müll!« fluchte Brink. Als der Lift oben angekommen war, stürzte der Fahrstuhl auf einmal ab. Erst zwanzig Stockwerke tiefer stoppte er. Brink wurde hochgeschleudert, prallte unsanft gegen die Wand und krachte keuchend auf dem Boden des Lifts zusammen. Durch den abrupten Stop rissen die Seile der Winde ab und schnellten nach oben. Kurz danach fielen sie wieder herunter und spalteten den Fahrstuhl mitsamt Doktor Brink in zwei Teile. Der dritte Feind war gefallen... Drei von uns sind innerhalb von zwei Tagen gestorben, irgend jemand steckt dahinter«, meinte Cock aufgeregt. Der Bärtige war über den Tod seiner Freunde erschüttert. »Jill geht es auch von Tag zu Tag schlechter. Ich habe das Gefühl, man will uns nicht mehr auf dem Planeten«, entgegnete der Blue Vilöä. »Die Neleser sind mit Garantie nicht daran Schuld!« verteidigte Ivan die Bewohner der Welt. Doch die anderen waren nicht der gleichen Ansicht. »Wir haben mit dem Rest gesprochen«, sagte Cock. »Wir verlassen vorerst diesen Planeten und werden wieder nach Camelot fliegen.« Ivan Despair wollte sein Veto dagegen einlegen, doch es hatte keinen Sinn. Die Gruppe hatte beschlossen, innerhalb der nächsten Woche Neles zu verlassen. Den Despairs wurde freigestellt, ob sie mitfliegen oder weiter auf Neles bleiben wollten. Ivan und Selina saßen die ganze Nacht über zusammen und berieten über ihre Zukunft. Selina liebte Neles und wollte dort auch bleiben. Ihr Mann stimmte ihr zu. Am nächsten Tag wurde das den anderen Camelotern mitgeteilt, die wenig begeistert davon waren, doch ihre Entscheidung, Neles zu verlassen, stand fest! Wie durch ein Wunder ging es Jill auch wieder besser. Sie schlug Selina vor, mit Cauthon in einen Vergnügungspark zu gehen. Beide nutzten die Gelegenheit, um sich auszusprechen. »Es tut mir leid, daß ich es euch so schwer gemacht hatte«, entschuldigte sich Jill bei ihrer Freundin. Selina hatte ihr schon lange vergeben. Sie brauchte in diesen schweren Zeiten wieder eine gute Freundin, der sie sich anvertrauen konnte. Beide umarmten sich kurz und gingen weiter spazieren. Plötzlich kam ihnen Cau Thon entgegen. Selina wollte erst in die andere Richtung gehen, doch Cau Thon hatte sie bereits erkannt. »Ich beglückwünsche dich zu deiner vernünftigen Entscheidung«, begann er mit seiner gewohnt ruhigen und dunklen Stimme. »Zu welcher Entscheidung?« fragte sie verdutzt. »Nach Camelot zurückzukehren.« »Du irrst dich. Die anderen werden fliegen. Ivan und ich bleiben auf Neles.« Cau Thons Gesicht versteinerte sich. Sein Blick strahlte Verachtung für die Cameloterin aus. Die drei gingen zu einem Gehege. Der Kinderwagen von Cauthon, der mit einem Antigravfeld betrieben wurde, stoppte vor dem Geländer. Etwa 2 Meter unter der Brüstung befanden sich nelesische Wölfe. Sie waren weitaus gefährlicher als terranische Wölfe. Ihre Zähne waren größer und ein dicker Panzer umgab die Tiere. Knurrend wanderten sie in ihrem Terrain umher. »Es wäre ratsam, die Entscheidung zu überdenken, Selina Despair.« »Ist das eine Drohung?« »Eine Tatsache!« Nun mischte sich auch Jill Reekan ein. Sie versuchte, ihrer Freundin gut zuzureden. »Selina, komm doch mit nach Camelot. Es wäre auch besser für Cauthon.« Selina wurde wütend. Sie war nicht nur auf Cau Thon wütend, der sich ständig in ihr Leben einmischte, sondern auch auf ihre Freundin, die ihr in den Rücken fiel. »Wir bleiben hier! Das ist mein letztes Wort. Ich gehe jetzt nach Hause.« »Das werden wir sehen!« konterte Cau Thon mit einem diabolischen Unterton. Der Kinderwagen machte sich selbständig und flog in das Gehege der Wölfe herein. Weit und breit war kein Wärter zu sehen. Selina schrie um Hilfe, doch keiner konnte ihr helfen. Die Wölfe liefen um den Wagen herum und beschnupperten das Kind. Sie knurrten und heulten. Selina konnte sich das nicht mit ansehen. Sie rief Jill zu, sie solle Hilfe holen, doch ihre vermeintliche Freundin tat nichts. Selina stieg über das Geländer und lief zu Cauthon. Die Wölfe begannen zu knurren und stürzten sich auf die Mutter. Sie bissen ihr in die Arme und Beine. Laut schrie die Terranerin auf. Einige Neleser wollten ihr die Hand reichen, doch nur Cauthon konnte noch von Selina zu den Helfern gereicht werden. Sie selbst wurde von den Wölfen zerrissen. Zu spät kamen die Wärter und betäubten die Wölfe. Für Selina kam jede Hilfe zu spät. Die Bißwunden waren zu stark. Cau Thon und Jill Reekan verließen mit Cauthon den grauenvollen Ort. Ivan brach zusammen, als er vom Tod seiner Frau hörte. Keiner konnte seinen Schmerz lindern. Selbst der kleine Cauthon nicht. Nun hielt ihn nichts mehr auf Neles. Selina wurde nahe dem Haus begraben. Cau Thon verließ die Welt ebenfalls. Er verabschiedete sich nicht von den Camelotern und verschwand so schnell, wie er gekommen war. Acht Cameloter waren noch übrig geblieben, nachdem vier auf Neles den Tod gefunden hatten. Luratz Jomahr bedauerte die tragischen Vorfälle. Er verabschiedete sich herzlich von Ivan Despair und wünschte ihm viel Glück. Die HAWKING verließ am 17. März 1263 NGZ den Planeten Neles. Sie würde ihn nie wiedersehen. Die Stimmung an Bord war bedrückt. Nichts vermochte sie aufzuheitern. Nach zwei Tagen der Reise kam Cock aufgeregt zu Ivan Despair. »Ich habe etwas herausgefunden, was dir wenig gefallen wird«, begann er angespannt. »Was denn?« fragte Ivan müde. »Ich habe Doktor Brinks Hinterlassenschaften sortiert. Dabei bin ich auf eine Aufzeichnung gestoßen. Jemand hat Jill und Cauthon genetisch manipuliert. Brink sprach von einer mutierten Zellstruktur.« Ivan wurde wieder wach. Er ging in Cauthons Zimmer. Das Kind schlief und wirkte so friedlich. »Haben Eddie und Ron somit Recht gehabt? Ist Cauthon wirklich ein Kind, das von dunklen Mächten auserkoren wurde? Was hat dieser Cau Thon damit zu tun? Hat er sie ermordet?« Viele Fragen, die Mathew Cock nicht beantworten konnte. »Warum haben die Wölfe nicht Cauthon angegriffen?« gab Cock zu bedenken. »Vielleicht hatte er einen Schutzengel, oder besser gesagt: Einen Schutzdämonen!« »Es kann nicht sein...« Plötzlich erschütterte eine Explosion das Schiff. Der Blue Vilöä und der Unither Zuriil stürmten zu den beiden Camelotern. Sie berichteten von einer Explosion im Labor. Die Wartungsroboter begannen ein Eigenleben zu entwickeln und sprengten das Labor in die Luft. Dabei fanden zwei Leute den Tod. Über die Funkanlage meldete sich der Navigator Hudson. Er schrie laut um Hilfe, dann verstummte der Ruf. Die Wartungsroboter griffen nun auch die anderen an. »Wir müssen was tun«, rief Cock zu den anderen, die bereits aus dem Raum rannten. Ein Wartungsroboter griff den Unither an und schnitt ihm mit einer kreissägeähnlichen Apparatur eine tiefe Wunde in den Arm. »Das Schiff ist verhext. Bei allen Kreaturen, der Teufel ist auf unserem Schiff!« brüllte Vilöä laut durch die Korridore. Überall explodierten Leitungen. Die Roboter stürzten sich auf den wehrlosen Blue und umklammerten ihn mit ihren Tentakeln. Der Druck war zu stark für die Wirbelsäule, die durchbrach und das Ende des Blue besiegelte. Zuriil rannte eine Etage höher. Einer der Roboter verfolgte ihn. Keuchend und voller Panik erreichte er eine Dekompressionskammer, in der er vor dem Roboter Schutz suchte. Doch die künstliche Intelligenz verschloß die Tür und erhöhte den Druck in der Kammer. Zuriil schlug mit den Fäusten gegen das Glas, aber der Roboter reagierte nicht. Dann nahm er eine starke Metallstange und zerschlug das Fenster. Der Druckausgleich ließ den Unither zerplatzen. Ivan und Cock konnten sich bis jetzt noch gegen die Droiden erwehren. »Ich mache dem Horror ein Ende«, sagte Despair fest entschlossen. Er holte ein großes Messer und rannte in das Zimmer von Cauthon. Cock wollte in die Kommandozentrale, um einen Hilfespruch zu senden. Er sprang in den Antigrav, der ihn die drei Etagen höher zur Kommandozentrale transportierte. Als er aussteigen wollte, wurde der Antigrav jedoch deaktiviert und er stürzte ab. Er überlebte den Aufschlag, doch sämtliche Knochen in seinem Leib waren gebrochen. Nach etwa drei Minuten hatte Cocks Herz nicht mehr die Kraft weiterzuschlagen. Das Raumschiff hatte ein unheimliches Eigenleben entwickelt und erhöhte die Geschwindigkeit. Anscheinend sollte es sehr schnell Camelot erreichen. Jill irrte durch die Gänge und sah Ivan mit dem Messer in der Hand. »Was hast du vor?« »Ich werde Cauthon umbringen. Er ist an allem Schuld. Ich werde diesem Cau Thon einen Strich durch die Rechnung machen.« Ivan kamen die Tränen. Warum er? Warum wurde ausgerechnet er zum Spielball irgendwelcher kosmischer Mächte? Warum mußte seine Frau dafür ihr Leben lassen? Warum mußte er nun seinen eigenen Sohn töten? Das war nicht fair... »Du bist verrückt!« schrie Jill und griff Ivan an, doch er schleuderte sie gegen die Wand. Besinnungslos brach sie zusammen. Cauthon war inzwischen aufgewacht und begann laut zu weinen. Ivan sah in die traurigen Augen seines Sohnes. Cauthon öffnete den Mund und sprach stockend: »Da... Daddy!« Cauthon hatte zum ersten Mal gesprochen. Die Tränen flossen dem Vater vom Gesicht. Der Kleine konnte doch nicht Schuld sein! Dann dachte er an die Morde und an Cau Thon. Cauthon trug den Namen dieses Bastards, der für den Tod aller mitverantwortlich war. Er hob das Messer und wollte einstechen, da traf ihm eine Energiesalve in den Rücken. Einer der Roboter hatte auf Ivan Despair geschossen. Er ließ das Messer fallen und sackte leblos zusammen. Jill wachte auf und lachte schrill und in Wahnsinn auf. Die HAWKING erreichte Camelot. Was die Cameloter vorfanden, waren Leichen und zwei Überlebende – ein kleines Kind und eine Verrückte, die vom Untergang sprach. Das Kind wurde zum Bruder von Ivan Despair gebracht und war nun endlich auf Camelot. Das war sein Schicksal...
Die VERDUN trat mit einem Verband von sechs Schlachtschiffen aus dem Hyperraum aus und hatte das Verth-System erreicht. Die Hauptwelt der Blues, Gatas, befand sich in diesem System. Cauthon Despair kannte den Standort der Niederlassung der Cameloter. Wieder wurde eine große Fähre startklar gemacht. Diesmal wollte Despair die Operation selbst leiten. Zwei Shifts wurden auf die Fähre gefahren, denn die Station befand sich in einer der vielen unberührten Gebirgslandschaften Gatas'. »Sir, sind Sie sicher, daß sie am Angriff teilnehmen wollen?« erkundigte sich Admiral Kolley. Er war um die Sicherheit seines Kommandanten besorgt. »Ja, Admiral! Manövrieren Sie den Verband zur Sonne Verth und warten Sie bis zum vereinbarten Signal«, kommandierte Despair. Die imposante Gestalt stieg in die Fähre, die kurz danach abhob und mit Hilfe des verbesserten Ortungsschutzes unbemerkt die Station erreichte. Die Shifts schwebten los und näherten sich langsam dem Camelotbüro, das mit einer etwa 50 Meter durchmessenden Kuppel aus dem Erdboden ragte. Der Rest war unterirdisch angelegt. Der erste Shift positionierte sich etwa 500 Meter von der Kuppel entfernt und schoß auf die Station. Mit nur drei Schüssen war die Kuppel zerstört. Der andere Shift flog nun heran und lud die Bodentruppen ab, die vollständig in graue Raumanzüge eingehüllt waren. Auch ihre Gesichter wurden durch ein maskenähnliches Visier verdeckt. Sie feuerten sofort auf die verwirrten Cameloter, die nur wenig Widerstand leisten konnten. Das Camelotbüro auf Gatas war eine wichtige Niederlassung. Knapp 100 Vertreter der Unsterblichenorganisation befanden sich in der Station. Sie konnten der Übermacht der MORDRED wenig entgegensetzen. Tapfer wehrten sie sich gegen die Truppen, doch die Niederlage war vorprogrammiert. Die Anführer kapitulierten. Die Cameloter warfen die Waffen zu Boden und hielten ihre Arme hoch. Despair schritt langsam durch die Korridore, vorbei an den Toten. Sein Augenmerk fiel auf einen graubärtigen Mann mit schütterem Haar, der immer noch Haltung bewahrte. »Ich bin Trost Redan, der Leiter des Camelotbüros«, begann dieser. »Ich protestiere gegen ihren schändlichen...« »Das ist kein Höflichkeitsbesuch, Kommandant Redan«, unterbrach ihn Despair. Er informierte sich über die Überlebenden. Insgesamt 75, davon 20 Frauen und zwei Kinder. »Die Mütter können mit ihren Kindern abziehen. Sie, Redan, werden sie begleiten. Richten Sie Perry Rhodan oder jedem Unsterblichen aus, daß die MORDRED das Schicksal Camelots besiegeln wird. Die Unsterblichenorganisation wird untergehen!« Redan konnte nicht glauben, was er da hörte. Er hätte am liebsten diesen Fremden in der Rüstung angegriffen. »Wer zum Teufel bist du?« »Richten Sie ihnen aus, daß Cauthon Despair Camelots Untergang sein wird.« Der Mann und die zwei Frauen mit den Kindern wurden zu einem Shuttle eskortiert. Die restlichen Cameloter wurden in einer Reihe aufgestellt. »Sir, wie verfahren wir mit den Camelotern?« wollte ein Unteroffizier wissen. »Hinrichten!« Der Offizier schluckte. »Alle?« »Alle!« »Jawohl, Sir!« Er machte sich sofort ans Werk. Eine Thermomaschinengewehr wurde aufgestellt. Die Cameloter drehten sich mit dem Rücken zum TMG, dann schoß es alle nieder. Leblos brachen die Körper zusammen. Despair verfolgte das Schauspiel mit Genugtuung. Seine Aufgabe auf Gatas war erledigt. Nachdem alle Cameloter umgebracht waren, zogen die Truppen wieder ab und die VERDUN verließ das Verth-System. Das Shuttle mit den fünf Überlebenden hatte nach vier Tagen Camelot erreicht. Sie wurden sofort versorgt. Redan war bald in der Lage, Homer G. Adams Bericht zu erstatten. Inzwischen hatte auch die TAKVORIAN die Welt der Unsterblichen erreicht. Joak Cascal und Sandal Tolk waren aufgrund des Vorfalls auf Zalit in höchster Alarmbereitschaft. Es war erschütternd, als man erfuhr, daß nun auch Gatas angegriffen wurde. Homer G. Adams, Cascal, Tolk, Sam und Aurec saßen im Konferenzsaal und warteten gespannt auf Redans Bericht. Der Kommandant des Camelotbüros wirkte schwach und erschöpft. Er erzählte, was er wußte. »Der Rest meiner Besatzung wurde ermordet«, beendete er seinen Bericht. »Ich soll den Unsterblichen von einem Cauthon Despair ausrichten, daß er und die MORDRED Camelot vernichten werden.« Es herrschte eine Weile Stille im Raum. Alle sahen sich ratlos an. Keiner von ihnen konnte mit dem Begriff MORDRED oder dem Namen Cauthon Despair etwas anfangen. Außer Homer G. Adams, dieser saß mit bleichem Gesicht in seinem Sessel. »MORDRED war Arthus Sohn und schlimmster Feind Camelots«, begann er erklärend. »Cauthon Despair ist mir auch bekannt. Er war früher ein Cameloter, doch er galt als tot«, fügte er nachdenklich hinzu. »Anscheinend lebt er noch und sinnt nach Rache, weswegen auch immer«, meinte Joak Cascal. »Wir haben in ihm einen ernstzunehmenden Gegner, den wir nicht unterschätzen dürfen.« Admiral Kenneth Kolley lief eilenden Schrittes in die Kabine von Cauthon Despair, die sehr spartanisch und düster wirkte. »Sir, Nummer Eins will Sie über Hyperfunk kontaktieren«, meldete der Militarist. »Gut, stellen Sie mir eine klare Verbindung her!« Despair erhob sich aus seinem Sessel und ging vor den Projektor. Als das Hologrammbild des Anführers der Organisation MORDRED erschien, verbeugte Despair sich vor seinem Herren. »Berichten Sie, mein Freund«, begann Nummer Eins. Seine Stimme klang dunkel und ruhig. »Die Niederlassungen auf Zalit und Gatas sind vernichtet, die Unsterblichen wissen nun von unserer Existenz.« »Gute Arbeit, Cauthon Despair! Doch noch gibt es viele Camelotbüros, die es zu vernichten gilt!« »Ja, mein Meister. Plophos habe ich als nächstes Ziel anvisiert.« »Die Cameloter sind geschwächt, da die Unsterblichen sich gegen Shabazza erwehren müssen.« »Dennoch werden sie alles daran setzen, sich uns zu widersetzen.« »Sollten sie das wagen, werden sie erbarmungslos ausgelöscht!« ENDE In Cauthon Despair und der MORDRED hat Camelot gefährliche Gegner gefunden. Mehr über den düsteren Cameloter erfahrt ihr in Heft 2, das den Titel Ein Junge namens Cauthon Despair trägt. Auch dieser Roman stammt von Nils Hirseland. Der DORGON-Zyklus - MORDRED-Zyklus - ist eine nicht kommerzielle Publikation des PERRY RHODAN ONLINE CLUBs. Heft 1 von Nils Hirseland. Titelbild: Stefan Lechner. Technischer Berater: Sebastian Schäfer. Versand: PROC. Lektorat, Nachbearbeitung: Klaus Wiehoff. DORGON-Kommentar: . Umsetzung in Endformate: Alexander Nofftz. Satz: Xtory (SAXON, LaTeX). Internet: http://www.dorgon.de. eMail: dorgon@proc.org. Adresse: PROC c/o Nils Hirseland, Redder 15, 23730 Sierksdorf. Copyright © 2001. Alle Rechte vorbehalten! | ![]() | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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