Thomas RabensteinPERRY RHODAN ONLINE CLUB (PROC) HomepageErschienen am:
01.06.2003

Der Letzte Ritter

30000 Jahre in der Zukunft - das Universum steht kurz vor dem Untergang

Was bisher geschah

Das Phänomen näherte sich mit millionenfacher Überlichtgeschwindigkeit der Milchstraße. Der Energiewirbel hatte einen Durchmesser von 20.000 Lichtjahren und war selbst so groß wie eine kleine Galaxie. Als sämtliche Hyperorter der Milchstraße unter einer furchtbaren Strukturerschütterung durchschlugen, war es bereits zu spät. Die HESPIES war angekommen!

Auf allen Schlüsselwelten, waren die warnenden Klagelaute von ES zu hören. Dann schwieg die Superintelligenz plötzlich. Der rätselhafte Energiewirbel verdichtete sich zu einem superdichten, kugelförmigen Objekt von nur 1000 Kilometern Durchmesser und erschien innerhalb weniger Sekunden über allen Hauptwelten der Milchstraße. Es machte den Eindruck, als ob die fremde Entität die Bewohner der Milchstraße testete. Überall herrschte Entsetzen, das Galaktikum war gelähmt. Als die Posbis eine Flotte von 50.000 Fragmentraumern aussandten, um der Erscheinung entgegenzutreten, wurde die Fragmentraumer einfach in den Hyperraum geschleudert. Das Klagen von Tausenden Matten-Willys verstummte, als die Hundertsonnenwelt dasselbe Schicksal teilte.

Überall in der Milchstraße war eine mächtige Stimme zu hören: »ICH BIN HESPIES, EURE QUAL, EUER SCHMERZ UND EUER TOD

Die Terraner hüllten ihr Heimatsystem sofort in das neue ATG-Feld, was die HESPIES jedoch keine Sekunde lang aufhalten konnte.

Die Terraner wurden mitsamt dem Sol-System aus der Galaxis entfernt und niemand wußte wohin.

Die meisten Zellaktivatorträger starben innerhalb eines Tages, ausgenommen Perry Rhodan und Atlan. Die HESPIES schien die Aktivatoren orten und gezielt abschalten zu können. So tötete sie einen nach dem anderen. Es wurde vermutet, daß lediglich die Ritter-Aura und die besonders abgestimmten Zellaktivatoren Rhodan und Atlan vor dem sofortigen Tode rettete.

Als die beiden alten Freunde sich voneinander verabschiedeten, wußten sie bereits, daß dies das Ende war. Rhodan trennte ein Kugelsegment der SOL ab und flüchtete in das Zentrums-Black-Hole der Milchstraße. Zuvor richtete er noch einen Appell an alle Völker, nicht aufzugeben und auf seine Rückkehr zu warten. Er würde so lange suchen, bis er mit Hilfe mächtiger Verbündeter zurückkehren würde.

Atlan, der alte Arkonide, versammelte seine letzten Freunde um sich und flog der HESPIES entgegen. Er war gewillt, im Kampf zu sterben. Als die SOL auf die Entität traf, war von Anfang an klar, wer als Sieger aus dieser Auseinandersetzung hervorgehen würde. Der Arkonide stand hochaufgerichtet in der Kommandozentrale, als er den Befehl gab, sämtliche Waffensysteme zu aktivieren.

Die HESPIES ließ diesen Feuerüberfall über sich ergehen, ohne einen Millimeter zurückzuweichen, dann versetzte sie die SOL für zehn Sekunden ohne schützendes Schirmfeld in den Hyperraum. Als Sie das Schiff wieder in das Einsteinuniversum entließ, hatten sich Teile des Schiffes bereits entstofflicht. Atlan sah viele Tote in der Zentrale und den großen, schwarzen Körper, der auf die SOL zuschoß. Der Arkonide entschloß sich zur Selbstaufgabe. Er aktivierte die Selbstvernichtung und beseitigte die Sperrvorrichtung.

Bevor die SOL jedoch in einem blauen Blitz verging, wurde Atlan aufgegriffen und ins Innere der HESPIES geholt. »Du kleiner Barbar. So einfach kannst du dich nicht davonschleichen. Ich habe eine Sammlung ehemaliger, positiver Elemente, in der du noch fehlst. Ich werfe dich zu den anderen Fossilien und lasse dir vorerst dein erbärmliches Leben. Jetzt fehlt mir nur noch DER LETZTE RITTER …«

Prolog. Das Schwarze Loch

Ich wollte meine Hände an die Schläfen pressen, doch ich erreichte nur den Helm meines SERUNs. Mir wurde übel. Ich konnte nichts mehr sehen, meine Sinne hatten den Dienst quittiert.

»Wir driften auf den Ereignishorizont zu.«

Die modulierte Stimme vernahm ich mehr in meinem Unterbewußtsein als in Wirklichkeit. Wer sprach da überhaupt zu mir?

»Zusammenbruch der Paratronblase in zwei Minuten.«

Es gelang mir mit Mühe, die Augen zu öffnen, doch ich sah nur verwirrende Muster und konnte die Instrumente der Rettungskapsel nicht ablesen. Aber ich war noch in der Lage zu denken, also war ich am Leben! Das hier war kein Traum!

Die Panzerplastkuppel meiner Rettungskapsel wurde plötzlich von hellem Licht geflutet.

Das Licht war so grell, daß es durch meine geschlossenen Lider blendete.

Mein Mund formte Worte, die trotz größter Anstrengung nicht über meine Lippen kommen wollten.

Oh mein Gott, dachte ich nur, das ist das Ende. Die Akkretionsscheibe des Amagorta Black Holes! Dieses Monster wird mich zu Plasma zerreiben.

»Zusammenbruch der Paratronblase in einer Minute 30 Sekunden.«

Ich wollte mit meinen Händen die Notschaltungen erreichen um einen Notruf abzusetzen, doch sie gehorchten mir nicht.

Du Narr, dachte ich im stummen Selbstgespräch. Der Notsender arbeitet, seit du dich von der TORSO abgesprengt hast. Niemand hört dich! Anderenfalls hätte dich längst ein Rettungsschiff der LFT aufgenommen.

Ich begann bereits zu resignieren und ergab mich in mein Schicksal.

Was konnte ich auch anderes tun? Gegen die mörderischen Gravitationskräfte des Schwarzen Lochs war ich machtlos.

Meine Gedanken begannen sich im Kreis zu drehen. Wie war ich nur in diese mißliche Lage geraten?

Ich erinnerte mich noch, daß die TORSO, ein Raumer der NOVA Klasse, völlig überraschend in einen Hinterhalt der Arkoniden geraten war.

Gegen zehn Schlachtkreuzer des Kristallimperiums, hatte das terranische Schiff keine Chance gehabt.

Plötzlich hatte ich das Gefühl, daß sich der kleine Raum, in dem ich eingezwängt war, in die Länge zu ziehen begann.

»Die Kapsel beginnt dem Einfluß des Black-Holes zu unterliegen.«

Der Syntron plärrte weiterhin stupide seine Meldungen heraus.

»Noch drei Relativminuten bis zum Zusammenbruch der Paratronblase.«

Ich wollte lachen, doch es kam nur ein Husten zustande. Also dachte ich:

Da ist dir ein Rechenfehler unterlaufen, mein Lieber. Und was soll das heißen, Relativminuten?

»Noch zehn Relativminuten bis zum Zusammenbruch der Paratronblase.«

Die Stimme des Syntrons klang tief und verzerrt. Ich glaubte eine antiquierte Tonbandaufzeichnung zu hören, die viel zu langsam ablief.

Im gleichen Atemzug wurde mein Herzschlag immer langsamer. Wurde ich bereits wahnsinnig?

Amagorta preßt dir das Leben aus dem Leib. Gleich ist es aus, dachte ich entsetzt.

Wann kam endlich die erlösende Ohnmacht? In diesem Moment hatte ich mich mit meinem bevorstehenden Tod bereits abgefunden.

Die Kapsel begann sich erst langsam, dann immer schneller um die eigene Achse zu drehen. Als ich aus dem kleinen Fenster der Rettungsluke blickte, zogen die Sterne Striche über den Hintergrund des Alls. Dann änderte sie ihre Farbe! Die Striche wurden rot.

Das Letzte, an das ich dachte, war mein Haus auf Terra und mein Garten …

1. Die Rettung

Vor 4000 Jahren, hatten die letzten zwei unsterblichen Ritter den Kampf gegen die HESPIES verloren. Einer von ihnen, ein Zweifüßler und Albino, wurde von der mächtigen Entität in die Namenlose Zone geschleudert. Dort wurde er, zusammen mit den Superintelligenzen und devolutionierten Kosmokraten, für alle Ewigkeit von ihr gequält. Der Andere, ein Zweifüßler wie der erste, jedoch von anderer Art, galt als verschollen. Nachdem seine Heimat vernichtet und sein Volk in alle Winde verstreut worden war, wußte er keinen Ausweg mehr und sprang über den Ereignishorizont von Amagorta …

Aus dem Buch des Verkünder, Genesis I.

Die Zeit hatte längst keine Bedeutung mehr für mich. Es gab nichts woran ich mich hätte orientieren können. Ich wußte nicht mehr, ob ich zehn Minuten, zehn Stunden oder zehntausend Jahre in diesem Zustand gewesen war.

Alles änderte sich, als es um mich herum wieder hell wurde. Ich fühlte angenehme Wärme, die jede Zelle meines geschundenen Körpers durchflutete. Dann hörte ich Stimmen.

Ich versuchte angestrengt, die Bedeutung der fremden Sprache zu ergründen, doch es war mir am Ende unmöglich.

Hin und wieder glaubte ich ein vertrautes Wort zu verstehen, doch dann drangen völlig unverständliche Laute an mein Ohr. Ein fremder Dialekt?

Ich öffnete vorsichtig meine Augen, doch ich konnte noch immer nichts sehen. Meine Sehfähigkeit stellte sich nur sehr langsam wieder ein. Dafür vernahm ich sofort aufgeregte Stimmen. Man hatte mich also beobachtet.

Nach ersten, kläglichen Versuchen, gab ich es auf zu sprechen. Ich brauchte noch etwas Ruhe.

Kein Wunder, dachte ich. Es kommt nicht alle Tage vor, daß man aus den Fängen eines Schwarzen Loches gerettet wird. Ich schloß die Augen, entspannte mich und genoß die Wärme, die mich umfing. Später war noch genug Zeit, mich für meine Rettung zu bedanken.

Die Völker des Universums weinten und wünschten sich die Tage vor dem Erscheinen von der HESPIES zurück. Es gab keine positiven Kräfte mehr, keine Ritter, keine Superintelligenzen. Es gab nur noch Gehorsam oder den Tod. Die Macht der HESPIES war allgegenwärtig. Nachdem Sie für die ersten 3000 Jahre ihre Residenz auf Wanderer errichtet hatte, begann Sie der Kunstplanet zu langweilen. Sie schleuderte ihn mitsamt seinen Kreaturen in eine Sonne.

Aus dem Buch des Verkünder, Genesis I.

Der Humanoide musterte mich eigentümlich und sprach dabei kein Wort.

Er war etwa 1,80 Meter groß und schlank. Mir fielen sofort seine roten Augen auf. Ein Arkonide? Ich verwarf den Gedanken sofort wieder, denn er hatte schwarzes Haar und eine gelbliche, pergamentartige Haut. Ansonsten hätte er von den Körperproportionen durchaus ein Terraner sein können.

Ich suchte in meiner Erinnerung nach Kolonisten, deren Beschreibung auf die Person vor mir zutraf, vergeblich.

Du kennst nicht alle Kolonien der LFT und der Arkoniden, dachte ich noch, da begann der Fremde plötzlich zu sprechen.

Ich lauschte seiner Sprache, in der etwas Vertrautes lag. Dennoch konnte ich nur ein einziges Wort verstehen, das sich auf Interkosmo wie das Wort gut anhörte.

»Es tut mir leid, ich verstehe dich nicht«, antwortete ich wahrheitsgemäß. Ich hob die Arme und versuchte eine hilflose Geste anzudeuten.

Der Fremde legte den Kopf schief und sah mich eigentümlich an. Dann holte er einen kleinen Gegenstand aus der Tasche und legte ihn vor uns auf den Tisch. Er gab mir ein Zeichen weiter zu sprechen.

Mir kam der Gedanke, daß es sich um einen Translator handeln könnte. Wollte der Fremde ihn mit meinem Sprachschatz füttern?

Ich tat ihm den Gefallen, obwohl ich nicht verstand, warum das Gerät Interkosmo lernen mußte. Diese Sprache galt für alle Translatoren als Standardeinstellung.

Ich zuckte kurz mit den Schultern und begann zu erzählen, von meinem Haus auf Terra, meinem ersten Raumflug, meiner Familie.

Nach etwa zwei Minuten gab das Gerät ein akustisches Signal ab und signalisierte, daß es meinen Sprachschatz analysiert hatte. Mein Gegenüber warf einen erstaunten Blick auf das Gerät und sah dann unsicher zu mir herüber.

Er schien einen Moment zu überlegen, dann begann er langsam zu sprechen.

Das Gerät war tatsächlich ein Translator, jedoch konnte ich mit den Worten, die es übersetzte, nicht viel anfangen.

»Wir sind froh, daß die Prophezeiung eingetreten und der letzte Ritter zu uns zurückgekehrt ist. Jetzt werden wir die HESPIES schlagen und die Ordnung wieder herstellen!«

Und es wird der Tag kommen, an dem der letzte Ritter aus dem schwarzen Schlund steigt und als Vorbote eines Millionenheeres, die Galaxis von der Herrschaft der HESPIES befreit. Seine Aura eilt ihm voraus und jeder wird erkennen, daß er zum heiligen Ritterorden gehört.

Aus dem Buch des Verkünder, Genesis I.

Ich konnte mir keinen Reim darauf machen. Was sollte das alles bedeuten? Erlaubte sich jemand einen Scherz mit mir? Ich beschloß, in die Offensive zu gehen.

»Hören Sie«, sprach ich den Fremden an, »Mein Name ist John McGiver. Ich bin Offizier der LFT vom NOVA-Raumer TORSO. Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mich zu einem Hyperfunkgerät führen würden. Ich muß eine Nachricht an das Flottenkommando absetzen und meinen Standort übermitteln. Man wird sich für Ihre Kooperation dankbar zeigen.«

Der Fremde verzog keine Miene und ignorierte meine Worte. Dann entgegnete er leise, fast andächtig: »Ich bin Dolmuc, der zweite Terhan von Aphon. Wir können Eure Aura nicht anmessen. Es kann aber daran liegen, daß Ihr sie geschickt verbergt. Ich bin sicher, würdet ihr Eure Aura offen tragen, die HESPIES hätte bereits einen Töter geschickt.«

Ich sah mich unschlüssig um. Wollte oder konnte mich dieser Dolmuc nicht verstehen? War das ganze am Ende ein Psychotest der terranischen Abwehr? Glaubten die Jungs vom TLD etwa, das mich die Arkoniden beeinflußt und als Doppelagent zurückgeschickt haben?

Ich lehnte mich entspannt zurück und setzte mein berühmtes Grinsen auf. »Ihr haltet mich also für einen Ritter?«

Dolmuc bestätigte meine Frage mit einem Nicken, eine sehr menschliche Geste wie mir schien.

Ich beschloß eine Weile auf das Spiel einzugehen. Dabei war ich mir sicher, daß in einem anderen Raum ein paar Abwehrleute des TLD saßen, alles mithörten und bereits Tränen lachten. Mittlerweile mußte man längst an meiner Individualfrequenz festgestellt haben, daß mir das Kristallimperium nicht das Gehirn fritiert hatte.

»Und warum glauben Sie, daß ich ein Ritter bin?« fragte ich schmunzelnd und sah zur Decke.

Dolmuc machte eine merkwürdige Geste, die mich ein wenig an das Gebetssymbol der Akonen erinnerte. »Weil Ihr die Sprache des Verkünders sprecht.«

Ich nickte. »Aha, so ist das also. Und da habt ihr mich gleich erkannt, wie? Bin ich ein Gefangener oder kann ich jetzt gehen? Als Ritter wird mir doch wohl die entsprechende Ehrerbietung entgegengebracht?« Ich mußte mich beherrschen, nicht laut loszulachen.

Dolmuc schien einen Moment zu überlegen, dann sagte er: »Natürlich dürft Ihr gehen, wohin Ihr wollt. Wir wissen aber auch, daß ihr lange Zeit im schwarzen Schlund Eure Wiederkehr vorbereitet habt. Ihr findet Euch wahrscheinlich nicht mehr so einfach zurecht. Es ist mir deshalb eine große Ehre, Euch als Diener beizustehen.«

Ich konnte mich nicht mehr halten.

Laut lachend platzte ich heraus: »Köstlich, köstlich! Wer hat sich das Ganze ausgedacht? Mein Diener? Köstlich!«

Ich sprach einfach darauf los, denn ich war nach wie vor der Überzeugung, jemand würde mithören. »Ich bedanke mich jedenfalls für die Rettung! Ihr könnt jetzt die Geräte abschalten und herauskommen.«

Ich lachte in Dalmucs Richtung und blinzelte ihm zu. Dolmucs Mine drückte eine Mischung aus Traurigkeit und Freude aus. Dann sagte er langsam, seine Hand auf meiner Schulter. »Wir wissen, daß Ihr verwirrt sein müßt. Viel hat sich seit Eurer Zeit verändert. Das Universum ist in Unordnung und Ihr werdet es wieder ordnen, edler Raudan.«

Mein Lachen erstarb abrupt und mich beschlich plötzlich ein seltsames Gefühl. »Wie habt Ihr mich genannt? Raudan?«

Dolmuc neigte den Kopf. »Das ist Euer Name. Der Verkünder hat ihn uns genannt.«

Ich sah mich aufmerksam um. Der Raum in dem ich mich befand, ließ keine Schlüsse über meinen Aufenthaltsort zu.

Und wenn das hier ein Psychospiel der Arkoniden war? Vielleicht war ich der Gegenseite in die Hände gefallen, dachte ich mit steigender Unruhe.

Ich straffte mich. An diesen Aspekt hatte ich noch gar nicht gedacht. »Warum sprichst du von meiner Zeit? Welches Datum ist heute?«

Dolmuc legte die Hände zusammen. »Heute ist der 20. Docmusch, 30501 NGZ

Mein Gesicht versteinerte. »Wie bitte

Dolmuc hob beide Hände zu einer erhabenen Geste. »Wir schreiben das Jahr 30501 NGZ. Das Jahr, in dem Ritter Raudan ausholt, die HESPIES aus dem Universum zu fegen!«

Im Raum materialisierten plötzlich unzählige Gestalten, alle von Dolmucs Art.

Ich zuckte erschrocken zusammen, denn die Gruppe stimmte in derselben Sekunde einen euphorischen Gesang an. Mir lief eine kalte Gänsehaut über den Rücken.

Du mußt hier so schnell wie möglich raus, dachte ich nur.

2. Gestrandet in Raum und Zeit

Zuerst erschütterte die HESPIES den moralischen Code und lockte so die Inkarnationen der Kosmokraten an. Dann spielte Sie eine Zeit lang mit den hohen Wesen, genau so, wie eine Katze mit ihren Opfern zu spielen pflegt. Als die HESPIES keinen Gefallen mehr an ihrem Spiel hatte, desintegrierte sie einige, andere verbannte sie in die Namenlose Zone, um sich an den Qualen der ehemals Mächtigen zu laben. Das Universum erzitterte vor Furcht. Nur die letzten Ritter der Tiefe leisteten noch Widerstand. Sie versuchten die Völker des Universums zu einen, um sich gegen die Macht der HESPIES zu stellen. Doch die niederen Wesen waren viel zu zerstritten.

Aus dem Buch des Verkünder, Genesis I.

Ich wollte schreien, weinen oder einfach davonlaufen.

Dolmuc legte seine Hände auf meine Schultern, was mich eigentümlicher Weise sofort beruhigte.

Wenn alles der Wahrheit entsprach, was ich in der vergangenen Stunde erfahren hatte, dann befand ich mich in einer fremden Zeit! Ich war in einem Universum gestrandet, das ich nicht mehr kannte und das mir nichts sagte.

Amagorta, durchzuckte es meine Gedanken. Ich mußte irgendwie am Ereignishorizont entlang geflogen und einer Zeitverzerrung unterlegen sein. Irgendwann später, viel später, hatten mich dann Dolmucs Leute aus dem Schwarzen Loch gerettet.

Ich versuchte wenigstens annähernd zu begreifen, was mir widerfahren war, konnte aber keine Ordnung in meine Gedanken bringen.

Wenn die Zeitangabe verläßlich war, dann befand ich mich etwa 29200 Jahre in der Zukunft und man hielt mich für eine Person, die ich nicht war.

Aus reinem Selbstschutz beschloß ich den Namen Raudan vorerst zu akzeptieren. Ich hatte keine Vorstellung, wie Dolmuc und seine Leute reagierten würden, wenn sie erfuhren, daß ich nicht der ersehnte Ritter war.

Aber was war nur in der Zwischenzeit geschehen? Gab es noch Terraner? Was ist mit der Erde und wo befand ich mich genau?

Die Antwort auf diese Fragen zu finden, beherrschte von nun an mein gesamtes Denken. Ich wußte sehr wohl, daß es sich dabei nur um einen Verdrängungsprozeß handelte, der mich vor dem Wahnsinn bewahrte. Aber wie dem auch sei, ich mußte diesen Fragen auf den Grund zu gehen.

Die versklavten Völker wurden demotiviert. Ihnen wurde jeder Antrieb genommen sich aufzulehnen oder auch nur an Widerstand zu denken. Galaktiker empfingen den Pesthauch der HESPIES in unterschiedlicher Weise. Während die meisten Humanoiden völlig der Demotivation erlagen und nur noch dahin vegetierten, zeigten die vierarmigen Riesen eine gewisse Resistenz. In zyklischer Folge begannen sie motivierten Vorhaben nachzugehen und fügten der HESPIES empfindliche Schläge zu. Am 10. Jactul 10023 NGZ wurde das Volk der vierarmigen Riesen durch die DNA Resonanzwaffe vernichtet. Ihr Heimatsystem wurde in den Hyperraum geschleudert. Als Zeichen ihrer Stärke, errichtete die HESPIES ein Fanal, das jeder in der Milchstraße sehen sollte. Das Fanal trug die Namen aller Rassen, die für immer ausgelöscht worden waren. Der erste Name der Liste lautete: Haluter.

Aus dem Buch des Verkünder, Genesis I.

Sie hatten mir einen ihrer Gürtel gegeben. Mir wurde verständlich gemacht, daß ich mich damit an jeden beliebigen Ort wünschen konnte.

Diese Technologie war mir völlig unbekannt. Wenn ich Dolmucs Einweisung richtig verstanden hatte, dann handelte es sich um eine Art Fiktivtransmitter, den ich mit meinen Gedanken steuern konnte. Wie sich das Gerät in meine Gedanken einschaltete, war mir unklar.

Dolmuc erklärte mir umständlich, daß er seinen SCHAD mit meinem synchronisiert hatte. Das konnte nur bedeuten, daß er mich von jetzt ab auf Schritt und Tritt begleiten würde. Ich fluchte über diesen Umstand.

Dolmuc und alle anderen, die ich bis jetzt getroffen hatte, sprachen einen stark verfremdeten Dialekt des Interkosmo. Ich konnte ohne Translator nicht auskommen.

Als ich einen ersten Versuch mit dem Gürtel unternahm und mich einfach nach draußen wünschte, wechselte das Bild augenblicklich.

Ich fand mich unversehens auf einem großen Platz wieder. Vor mir ragte ein gigantisches, pyramidenförmiges Bauwerk in die Höhe.

Ich konnte weder den Baustiel einordnen, noch einen anderen Hinweis über meinen momentanen Aufenthaltsort finden. Zumindest nicht auf den ersten Blick.

Ich sah hinauf zum Himmel. Im Zenit stand eine heiße, weiße Sonne und brannte erbarmungslos herab. Doch auch das half mir nicht weiter. Sterne wie diesen gab es viele.

Als ich mich umdrehte, fiel mein Blick auf eine riesige Stadt. Das Meer aus Gebäuden erstreckte sich bis zum Horizont. Der Vorplatz mit der großen Pyramide, lag auf erhöhter Position. So konnte ich auf die Metropole herabsehen.

Bevor ich fragen konnte, sagte Dolmuc: »Das ist Ebrihil.«

Ich sah Dolmuc von der Seite her an. »Ist das eure Hauptstadt?«

Dolmuc schloß kurz die Lider. »Das ist Ebrihil, es gibt nur diese Stadt.«

Ich kniff die Augen zusammen versuchte die Stadtgrenzen zu erkennen. »Wie viele Menschen leben hier?«

Dolmuc sah mich unverständlich an. Er wirkte irgendwie eingeschläfert, ohne Elan. »Zehn Milliarden.«

»Und der Planet heißt Aphon?« hakte ich nach.

Dolmuc sagte nichts, was ich als Zustimmung werten konnte. Ich bohrte weiter. »Wo liegt Aphon? In welchem Teil der Milchstraße?«

In Dolmucs Augen blitzte es kurz auf. »Milchstraße?« Der Aphoner schien etwas mit dem Begriff anfangen zu können.

Unvermittelt wechselte die Umgebung. Ich fluchte. An diese Art der Fortbewegung mußte ich mich erst noch gewöhnen.

Dolmuc war mit mir in eine große Halle gesprungen. Der Raum war erfüllt mit Ausstellungsstücken und Hologrammen aller Art. Handelte es sich um ein Informationszentrum oder ein Museum?

Dann fiel mein Blick auf ein Hologramm unserer Galaxis, was mir ein Gefühl der Erleichterung vermittelte. Mit der holografischen Karte, würde sich einiges klären lassen.

Dolmuc lächelte und zeigte auf die dreidimensionale Darstellung. »Milchstraße!«

Ich ging näher heran und sah mir das Kunstwerk genauer an. Genaugenommen war es gar kein Kunstwerk, auch wenn es auf den ersten Blick so aussah.

Es handelte sich vielmehr um eine detailgetreue Holoprojektion unserer Galaxis. »Ja Dolmuc, das ist unsere Galaxis. Auch wenn einige Positionen merkwürdig verschoben erscheinen, so kann man dennoch die Magelanischen Wolken und einige markante Kugelsternhaufen erkennen.«

Dolmuc sah mich nichtssagend an. Sein anfängliches Interesse, war bereits wieder verflogen. »Dolmuc, zeig mir, wo wir uns befinden. Wo liegt Aphon?«

Der Aphoner zuckte kurz mit den Schultern und flüsterte. »Laß uns wieder gehen, Raudan. Du mußt damit beginnen, die Galaxis zu befreien. Das hier ist zu nichts nutzte.«

Ich sah mich um. Die Halle war riesig und dennoch menschenleer. Interessierte sich niemand mehr für die Dinge, die hier ausgestellt waren?

Ich zeigte auf die Holoprojektion. »Das ist die Galaxis, Dolmuc«, sagte ich trotzig.

Der Aphoner schien völlig gleichgültig zu sein und entgegnete. »Das ist die Milchstraße, Raudan.«

Ich begann mich über das lethargische Benehmen meines Dieners zu ärgern. »Aber das ist doch das selbe! Verdammt, was ist los mit dir? Vorhin warst du wesentlich agiler und hast geredet wie ein Wasserfall.«

Dolmuc deutete eine leichte Verbeugung an. »Ich habe nur den Verkünder zitiert. Seine Weisheit gibt uns Kraft.«

Ich ignorierte Dolmucs Worte und trat in einen rot markierten Kreis, der die Projektion einschloß. Kurz darauf vernahm ich eine leise, mentale Stimme. Wähle die Koordinaten.

Na also, triumphierte ich innerlich, es gab ein Führungssystem mit dem man bestimmte Bereiche des Models anzeigen konnte!

Ich überlegte kurz und sprach dann laut: »Zeig mir die Position von Aphon.«

Die Syntronik reagierte nur mit kurzer Zeitverzögerung. »Aphon wird nicht im Katalog geführt.«

Ich stutzte. Mit einem Seitenblick registrierte ich verhaltenes Interesse bei meinem Partner.

Ich versuchte es erneut. »Zeige mir die aktuelle Position des Sol-Systems.«

In meinem Kopf breitete sich sofort ein ziehender Schmerz aus, der in sekundenschnelle von meinem ganzen Körper Besitz ergriff. Ich schrie auf und taumelte.

Mit einem beherzten Sprung entkam ich aus dem markierten Bereich. Die Schmerzen ließen sofort nach.

Fluchend massierte ich mir die Schläfen. »Das Ding ist ja lebensgefährlich! Eine Fehlfunktion?«

Ich drehte mich um und sah direkt in Dolmucs, vor Schrecken geweitete Augen. »Was ist mit dir?«

Dolmuc zitterte am ganzen Körper und antwortete stockend. »Du hast das Tabuwort ausgesprochen.«

Ich sah mich irritiert um. »Das Tabuwort?«

Dolmuc wirkte auf mich wie ein Häufchen Elend. Er war total in sich zusammengesunken und zitterte am ganzen Körper. »Die HESPIES wird einen Töter schicken und Aphon in das Fanal eintragen!«

Ich verstand zwar kein Wort, aber ich begann mit dem Schlimmsten zu rechnen. Ich war in einer fremden Zeit gestrandet, auf einem fremden Planeten gelandet und hatte offensichtlich gerade eine Tabuverletzung begangen. Obwohl ich mir keiner Schuld bewußt war, würde mir das im Zweifelsfall kaum helfen. Die aufsteigende Angst schnürte mir langsam die Kehle zu.

Als A-2000-38560 seinen Befehlsimpuls erhielt, wußte er bereits was zu tun war. Es gab nur eine einzige Aufgabe, für die er abgestellt war. Die Beseitigung von Motivierten.

A-2000-38560 sprang zu den überspielten Koordinaten und rematerialisierte in der Zentralbibliothek von Aphon. Er erfaßte sofort zwei Personen, die ihn mit weit aufgerissenen Augen entgegensahen.

A-2000-38560 registrierte einen Aphoner namens Dolmuc. Der Aphoner wurde sofort anhand seiner Ferromohnspur identifiziert. Die zweite Person war nicht registriert. Das brachte A-2000-38560 einen Augenblick in Verwirrung, den so etwas konnte es nicht geben. Niemand auf dem ganzen Planeten konnte sich der Registrierung entziehen. War es vielleicht ein Beauftragter der HESPIES? Der Töter war unschlüssig. Er fuhr den DNA-Destruktor aus und wieder ein.

Nur Kommissare oder Agenten der HESPIES, durften ihre Identität verschleiern. Der Fremde war kein Aphoner. Die Art dieses Zweifüßlers, konnte von A-2000-38560 nicht eindeutig bestimmt werden. Die DNA-Analyse zeigte außerdem eine unerklärliche Abweichung, von den gespeicherten Mustern. Es konnte sich demnach nur um einen Kommissar handeln.

A-2000-38560 wog Millionen verschiedener Möglichkeiten ab und kam doch immer wieder zum selben Schluß.

Würde er einen Kommissar angreifen, dann hätte der ganze Planet die Antwort der HESPIES zu tragen. Aphon würde zweifellos in das Fanal eingetragen werden und sein Stamm würde mit dem Planeten untergehen. Der Töter zog sich diskret zurück und gab seine Entscheidung zu Protokoll.

Die Kommissare der HESPIES waren überall gefürchtet. Mit unvergleichlicher Machtfülle ausgestattet, konnten sie mit einem Blick ganze Welten vernichten. Es gefiel der HESPIES, ihre künstlichen Wesen nach dem Vorbild bekannter Persönlichkeiten zu modellieren. So schuf sie Faktor-1, ein humanoides Weibchen, das den Galaktikern unter dem Namen Mirona Thetin bekannt war. Die HESPIES gab ihrer Kommissarin dieselbe Brutalität und Machtgier, wie sie das Original besessen hatte. 3000 Jahre knechtete Faktor 1 die Wesen der großen Insel, danach gab es keine Maahks und Tefroder mehr. Die HESPIES war ihrer Schöpfung bald überdrüssig und warf Mirona in eine Sonne. Kurz darauf erschuf sie einen neuen Kommissar, der noch gefürchteter sein sollte. Sein Name war Gucky …

Aus dem Buch des Verkünder, Genesis I.

Dolmuc hatte die Augen geschlossen und war ganz in sich zusammengesunken. Er wagte kaum zu atmen und erwartete zweifellos das Ende.

Der Roboter, der vor uns aus dem Nichts materialisiert war, gehörte zu einem Stamm der Androgynen. Die Stammnummer war deutlich lesbar auf seiner Brust eingraviert.

Ich tastete vorsichtig nach meiner Waffe, die mir die Aphonern gelassen hatten.

Als ich den kalten Griff des Thermostrahlers mit meinen Fingerspitzen berührte, fühlte ich mich sicherer.

Du Narr, dachte ich. Wenn der Androgyne dich töten möchte, dann hast du keine Chance. Deine Reaktionszeit kann sich nicht mit der eines modernen Robots messen.

Der Androgyne schien unschlüssig und verharrte auf seiner Position. Er hatte keinen Schutzschirm aktiviert. Rechnete er nicht mit einer möglichen Gegenwehr?

Auf der anderen Seite wußte ich, daß Gruener seinen Androgynen eingeimpft hatte, keine Menschen zu verletzen oder in Gefahr zu bringen. Konnte mich der Robot überhaupt angreifen?

Mir kam der Gedanke, daß dieses Exemplar nicht mehr viel mit den Androgynen meiner Zeit gemein hatte. Womöglich folgte er einer völlig anderen Programmierung. Wie hatte Dolmuc ihn genannt? Töter?

Ich zuckte zusammen, als der Robot übergangslos verschwand, genau so plötzlich, wie er erschienen war. Die zurückströmende Luft, füllte das entstandene Vakuum mit einem lauten Knall auf.

Dolmuc starrte einige Sekunden auf die leere Stelle und fiel dann zitternd vor mir auf die Knie. Ich wollte ihn wieder auf die Beine heben, doch er war völlig aufgelöst.

»Ihr seid es! Ritter Raudan! Niemand sonst könnte einen Töter bannen!«

Ich wischte mir mit der Hand über die feuchte Stirn. Was um alles in der Welt war hier bloß los? Ich setzte mich neben Dolmuc auf den kalten Boden und wartete, bis sich der Aphoner einigermaßen beruhigt hatte. Was sollte ich bloß als nächstes tun?

Ich weiß nicht mehr genau, wie lange wir da gesessen hatten. Es war mit Sicherheit länger als eine Stunden gewesen. Ich bemühte mich, noch mehr über diese Zeit zu erfahren. Ich wollte wissen, was den Menschen dieses Planeten so Angst machte. Wie Dolmuc berichtete, war mein Körper wäre über eine Transmitterverbindung nach Aphon gekommen. Die Galaver hätten mich geschickt, wer auch immer das war. Offensichtlich hatten mich diese Wesen aus dem Black-Hole gezogen und direkt hierher befördert.

Der Aphoner tat mir leid. Er war seit der Begegnung mit dem Androgynen total eingeschüchtert. Ich wußte nicht was ihn mehr beeindruckt hatte, die Begegnung mit dem Töter oder der Umstand, das wir noch immer am Leben waren.

Dolmuc nannte mich weiterhin Raudan. Ich lächelte. Irgendwie erinnerte mich dieser Name an den großen Terraner meiner Epoche.

Bei diesem Gedanken kroch mir plötzlich ein kalter Schauer über den Rücken. Rhodan!

Wie jeder Bürger der LFT hatte ich gelernt, das Rhodan den Status eines Ritters der Tiefe inne hatte. Ich erstarrte. Einem Impuls folgend packte ich Dolmuc an den Schultern und schüttelte ihn. »Was ist hier los? Sag es mir! Wieso haltet ihr mich für einen Ritter der Tiefe und warum verwechselt man mich mit Perry Rhodan!«

Als ich den Namen Rhodans aussprach, erstarrte Dolmuc zu einer Statue.

Leise, fast flüsternd, raunte er mir zu: »Spreche niemals deinen richtigen Namen aus oder die HESPIES wird über Aphon erscheinen und uns alle in die Namenlose Zone schleudern!«

Ich sah in zwei total verängstigte Augen.

»Schon gut, schon gut«, beruhigte ich ihn.

Es war offensichtlich, daß die Aphoner den Namen Rhodans mit Absicht verfremdeten. Wahrscheinlich ging es dabei wieder um Schutzschutz vor einer Tabuverletzung. Ich wußte nicht, warum das bloße Aussprechen eines Namens gefährlich sein konnte, aber Dolmucs Reaktion ließ sämtliche Alarmsignale in mir klingen. Ich beschloß, von nun an vorsichtiger zu sein.

Ratlos sah ich mich um. Hier gab es nichts mehr von Bedeutung. Was würde Rhodan an meiner Stelle als nächstes unternehmen? Ich beschloß als ersten Schritt herauszufinden, wo genau ich mich befand und ermunterte Dolmuc aufzustehen.

»Gibt es auf Aphon einen Raumhafen?« fragte ich.

Als das Bild vor meinen Augen verwischte, war Dolmuc bereits gesprungen.

Die HESPIES sah belustigt der anrückenden Flotte der Albinos entgegen. Die Rotaugen hatten alle ihre Schiffe zusammengezogen. Was für ein erbärmliches Aufgebot! Die Entität fühlte sich beleidigt und sandte die DNA-modifizierten Topsider aus, um den Motivierten entgegenzutreten. Die barbarischen Echsen hatten schon mehrmals Strafaktionen im Namen der HESPIES durchgeführt und waren ihr willenlos ergeben. Mit einem Wutschrei verfolgte die HESPIES, wie die Albinos mit ihrer Flotte das Aufgebot der Echsen, mehr und mehr dezimierten. Aus Rache und als Warnung, schickte die HESPIES ihren Hauch und modifizierte die DNA-Struktur aller Albinos samt ihrer Abkömmlinge. So hatten plötzlich alle Albinos schwarzes Haar und gelbe Haut. Damit sie sich an ihren Ursprung erinnerten, beließ ihnen die HESPIES die rötlichen Augen. Die Albinos waren schwer betroffen und der Stolz des einst großen Volkes, war gebrochen. Ihre Flotte geriet in Unordnung und kehrte zum Heimatplaneten zurück. Die HESPIES erneuerte den Demotivationsbann und entließ die Albinos in Agonie …

Aus dem Buch des Verkünder, Genesis I.

Ich atmete schwer und stützte mich auf meine beiden Arme. »Nein! Oh mein Gott, ich wußte es!«

Vor mir breitete sich ein weites Landefeld aus, übersät mit Raumern aller Typenklassen und Größen.

Ich hatte die Antwort auf meine Frage erhalten! Ich wußte wo ich mich befand und dennoch konnte ich es nicht akzeptieren.

»Dolmuc! Das sind Kugelraumer! Ich kenne den Typ. Das sind Schiffe des Kristallimperiums. Wir sind auf Arkon, richtig?!«

Dolmuc hielt sich demonstrativ beide Ohren zu.

Ich zischte ihn wütend an. »Verdammt noch mal! Aphon! Arkon! Ihr verfälscht den Namen eures eigenen Heimatplaneten!«

Ich klammerte mich an das fünfzig Meter hohe Absperrgitter, das mich vom nächsten Schiff trennte und schrie auf das weite Landefeld hinaus: »Das ist alles Wahnsinn!«

Der Raumhafen war verwaist. Kein Mensch bewegte sich zwischen den Schiffen. Wo normalerweise hektische Aktivität herrschte, war nur Totenstille.

Ich erschrak, als das Echo meines Schreis von dem Kugelgiganten reflektiert widerhallte.

»Wie lange schon?« fragte ich deprimiert.

Dolmuc sah mich nur traurig an.

»Wie lange stehen diese Schiffe schon hier und verrotten?« setzte ich nach.

Dolmuc blickte ins Leere. »Schiffe?«

Ich deutete auf die gewaltigen Kugelkörper. »Die großen Kugeln.«

Dolmuc schien zu verstehen. »Schon immer.«

Ich schüttelte den Kopf. »Laß uns in eines der Schiffe springen.«

Dolmuc hob abwehrend die Arme. »Das ist tabu.«

Ich sah ihn eindringlich an. »Na und? Ich bin Raud … Rhodan! Vertrau mir! Wenn man eine Galaxis befreien will, dann muß man sich über Tabus hinwegsetzen!«

Dolmuc dachte einen Moment nach, dann gab er sich einen Ruck. Er vertraute mir wirklich.

Gemeinsam sprangen wir in das nahe Schlachtschiff mit dem Namen IMPERATOR XXV. Ich war aufs höchste gespannt. Wann bekam man schon die Chance, als Flottenangehöriger der LFT, ein Schiff der Arkoniden aus der Nähe zu sehen?

Nicht in meiner Zeit, flüsterte ich nur.

Die HESPIES war gerade in der Galaxis erschienen, als die dominierende Rasse versuchte, sich ihrer Macht durch einen antitemporalen Zeitschirm zu entziehen.

Die Entität stieß Heiterkeit aus und war sich einen Moment unschlüssig, ob sie diese Rasse vernichten oder vielleicht doch demotivieren sollte. Wußten diese Primitiven nicht, daß sie über der Zeit stand? Sie schnippte das ATG-Feld beiseite, das wie eine Seifenblase zerplatzte und weidete sich am Entsetzen der Eingeborenen. Nach einer kurzen Prüfung erkannte die HESPIES, welches Potential in dieser Rasse steckte. Sie entschloß sich deshalb, das Volk der Terraner vorerst nicht zu vernichten. Statt dessen nahm sie das Sol-System in ihre Hand und verkleinerte es. Die Schatulle, in der das Heimatsystem der Terraner aufbewahrt wurde, schmückte von nun an ihren Hauptsitz.

Aus dem Buch des Verkünder, Genesis I.

Staub, nichts als Staub! Die Zentrale des einst stolzen Raumers war leer, die Geräte deaktiviert. 29000 Jahre, vielleicht weniger, hämmerte es in meinem Schädel. Das ist unglaublich!

Ich wischte den dicken, schmierigen Belag von den Instrumenten und war bemüht, eine aktive Schaltung zu finden. Ohne Erfolg.

Entweder waren sämtliche Kraftstationen des Schiffes heruntergefahren, oder aber längst ausgebrannt.

Der Zustand des Landefeldes hatte mich bereits sehr nachdenklich gemacht. Alles war verwahrlost. Sicherlich konnten die blanken Schiffszellen noch weitere Tausend Jahre überstehen, ohne einen Makel zu zeigen. Auch die Arkoniden bauten ihre Schiffe aus demselben Spezialstahl wie die Terraner.

Äußerlich scheinbar unversehrt, hatte ich es trotzdem mit Wracks zu tun. Das Schiff, das wir gerade untersuchten, würde jedenfalls niemals wieder fliegen.

Ich gab meine sinnlosen Versuche auf, den Syntron zu aktivieren und begab mich statt dessen in die Mannschaftsquartiere.

Alles lag verlassen da. Meine Ängste, mumifizierte Besatzungsmitglieder vorzufinden, erfüllten sich nicht.

Alles war so, wie die ehemalige Besatzung es verlassen hatte.

Bezüge und Textilteile waren teilweise verwittert und zerfallen. Doch überall wo Kunstplastik oder Metall eingesetzt wurde, standen diese kahlen Teile, in einem Haufen Staub.

Ich sah leere Bilderrahmen aus Metallplastik, Kontursesselgerüste ohne Bespannung und halb zerfallene Speicherwürfel, die bei der kleinsten Berührung in sich zusammen fielen.

Dolmuc sah mir schweigend zu.

Ich schüttelte verständnislos den Kopf. »Warum haben deine Leute ihre Schiffe aufgegeben? Was hat Euch so verändert?«

Der Arkonide sah mich an. »Die Knechtschaft unter der HESPIES

»Was oder wer ist die HESPIES?« fragte ich eindringlich.

Dolmucs Gesichtsfarbe veränderte sich und aus seinen Augen rann ein Schwall Tränenflüssigkeit. Es war ihm offensichtlich unangenehm, über dieses Thema zu sprechen. »Die HESPIES ist alles. Richter, Herrscher und grausamer Knechter.«

Ich ließ meinen Blick ein letztes Mal über die Umgebung schweifen, dann sprangen wir zurück.

Ritter Rhodan hatte ein letztes Mal über GALORS zum Widerstand aufgerufen. Sein Ruf war in jedem Winkel der Galaxis zu hören und versetzte die HESPIES in rasende Wut. Der letzte Ritter Rhodan hatte sich daraufhin ihrem Zugriff entzogen und war im Zentrums Black-Hole der Milchstraße untergetaucht. Die HESPIES folgte ihm, konnte den Ritter der Tiefe aber nicht mehr finden. Ihr Wutschrei brachte die Lokale Gruppe zum Erbeben. Es befriedigte sie auch nicht, die drei Metropolen Gatas, Akon und Oxtorne zu vernichten. Ihr Wunsch nach Rache für diese Demütigung, war nicht zu stillen. Die Liste des Fanals wurde immer länger. Schließlich nahm sie haßerfüllt die Schatulle des Sol-Systems in ihre Hände und sprach. »Terraner! Ihr werdet leiden wie noch kein Volk gelitten hat! Ich werde euch so quälen, daß ihr eure eigene Evolution verflucht!«

Aus dem Buch des Verkünder, Genesis I.

Wir saßen an einem reichhaltig gedeckten Tisch. Erst jetzt übermannte mich der Hunger und ich aß viel und gut.

Die Arkoniden der Jetztzeit waren also dunkelhaarig!

Ich brütete noch immer fassungslos, über all die Dinge, die ich im Laufe dieses Tages erfahren und gesehen hatte.

Wir waren im weiteren Verlauf des Tages mit einigen Arkoniden zusammengetroffen, die aber wenig Interesse an einem Gespräch hatten und wohl lieber in den Tag hinein lebten.

Immerhin, die Versorgung war gewährleistet. Es gab zu essen und zu trinken und man brauchte nicht zu arbeiten.

Die Technik dieses Jahrhunderts hatte sich teilweise weiterentwickelt. Mir war schleierhaft, wie das mit dem riesigen Raumschifffriedhof in Einklang stand, den ich vor wenigen Stunden inspiziert hatte.

Offensichtlich arbeitete man nach wie vor an Dingen, die das Überleben garantierten oder die Bewegung auf der Oberfläche angenehmer gestalteten.

Ich berührte mit meinen Fingerspitzen den SCHAD. Das gerät beeindruckte mich sehr. Man hatte aber offenbar kein Interesse mehr an der Raumfahrt. Ich verstand diesen Widerspruch nicht.

Mein Blick verdunkelte sich. Jede Person auf Arkon schien höllische Angst vor einem Wesen namens HESPIES zu haben. Mir war weiterhin unklar, ob es sich um eine Person oder eine ganze Rasse handelte.

Wurden die Arkoniden in der Vergangenheit von einem überlegenen Gegner geschlagen und mental verkrüppelt oder unterjocht?

Fragen in diese Richtung hatte Dolmuc steht's unbeantwortet gelassen. Ich blinzelte in das helle Sternenmeer von Tantur Lok. Das helle Zentrum des Kugelsternhaufens, schien eindrucksvoll durch die Panzerplastfenster von Dolmucs Haus.

Dolmuc deutete an, das er mich am nächsten Morgen zum Verkünder bringen wollte.

Dabei handelte es sich wohl um eine Art Prediger, von dessen Geschichtskenntnissen ich mir mehr Informationen erhoffte.

Ich drängte Dolmuc mehrmals sofort zu gehen, doch er verwies mich auf den kommenden Tag.

Ich respektierte seine Entscheidung und fiel bald darauf in tiefen Schlaf.

Geplagt von Alpträumen wälzte ich mich hin und her.

Der Raum war kahl und leer. Weit im Hintergrund lagen einige Arkoniden flach auf den Boden und wagten nicht sich zu erheben.

Ich sah mich vorsichtig um. »Dolmuc, wo ist der Verkünder? Wann kommt er?«

Wir warteten bereits seid einer Stunde, ohne daß sich etwas ereignete.

Dolmuc sah zum Boden, als er mir leise zuflüsterte: »Des Verkünder wird bald sprechen. Er tut es immer um diese Zeit. Die meisten Dinge verstehen wir nicht, aber dein Kommen wurde von ihm vorausgesagt.«

Ich runzelte die Stirn. Die Arkoniden schienen eine Art Religion aus dem zu machen, was der Verkünder mitteilte. Ich war sehr gespannt.

Als die kräftige Stimme durch den Raum donnerte, erschrak ich erst zu Tode. Dann entlud sich meine Spannung in schallendem Gelächter.

Es war die Kunststimme einer Syntronik! Der Verkünder war ein Computer und dazu noch einer, der zu funktionieren schien.

Ich schaute kurz zu Dolmuc hinüber und sprach dann mit kräftiger Stimme: »Syntron! Hör auf mit dem Gefasel und akzeptiere meine Befehle per Spracheingabe.«

»Akustische Befehlseingabe bestätigt«, plärrte die Maschine.

Im Raum entstand Unruhe. Scheinbar hatte noch niemand gewagt, den Syntron anzusprechen.

»Syntron! Wer hat dir dieses Verkünder-Programm eingegeben?« fragte ich laut.

»Thebis von Las Tor, 5380 NGZ«, antwortete die Maschine prompt.

Ich setzte mich zu Dolmuc auf den Boden. Es war mir unangenehm, daß alle Arkoniden in demütiger Haltung vor der Maschine lagen. »Was war deine ursprüngliche Aufgabe, Syntron?«

»Unabhängiger, zentraler Nachrichten Syntron von Arkon I. Ich koordinierte eingehende Nachrichten von GALORS und leitete sie an das Zentralarchiv weiter.«

Ich pfiff zwischen den Zähnen hindurch. Das war ja hoch interessant! »Wie lange reichen deine Aufzeichnungen zurück?«

»Bis zum Jahr 10530 NGZ, danach schwieg GALORS

Das war nur die halbe Spanne der vergangenen Zeit. Trotzdem hoffte ich, wertvolle Informationen über die Katastrophe zu erfahren. »Syntron, kannst du einen Zusammenschnitt der wichtigsten Ereignisse der letzten 10000 Jahre liefern?«

»Selektierung läuft, Laufzeit fünf Minuten. Audio oder visuell?« fragte die Syntronik.

»Beides!« entschied ich. Ich war zum Zerreißen gespannt.

Das Phänomen näherte sich mit millionenfacher Überlichtgeschwindigkeit der Milchstraße. Der Energiewirbel hatte einen Durchmesser von 20.000 Lichtjahren und war selbst so groß wie eine kleine Galaxie. Als sämtliche Hyperorter der Milchstraße unter einer furchtbaren Strukturerschütterung durchschlugen, war es bereits zu spät. Die HESPIES war angekommen!

Auf allen Schlüsselwelten, waren die warnenden Klagelaute von ES zu hören. Dann schwieg die Superintelligenz plötzlich. Der rätselhafte Energiewirbel verdichtete sich zu einem superdichten, kugelförmigen Objekt von nur 1000 Kilometern Durchmesser und erschien innerhalb weniger Sekunden über allen Hauptwelten der Milchstraße. Es machte den Eindruck, als ob die fremde Entität die Bewohner der Milchstraße testete. Überall herrschte Entsetzen, das Galaktikum war gelähmt. Als die Posbis eine Flotte von 50.000 Fragmentraumern aussandten, um der Erscheinung entgegenzutreten, wurde die Fragmentraumer einfach in den Hyperraum geschleudert. Das Klagen von Tausenden Matten-Willys verstummte, als die Hundertsonnenwelt dasselbe Schicksal teilte.

Überall in der Milchstraße war eine mächtige Stimme zu hören: »ICH BIN HESPIES, EURE QUAL, EUER SCHMERZ UND EUER TOD

Die Terraner hüllten ihr Heimatsystem sofort in das neue ATG-Feld, was die HESPIES jedoch keine Sekunde lang aufhalten konnte.

Die Terraner wurden mitsamt dem Sol-System aus der Galaxis entfernt und niemand wußte wohin.

Die meisten Zellaktivatorträger starben innerhalb eines Tages, ausgenommen Perry Rhodan und Atlan. Die HESPIES schien die Aktivatoren orten und gezielt abschalten zu können. So tötete sie einen nach dem anderen. Es wurde vermutet, daß lediglich die Ritter-Aura und die besonders abgestimmten Zellaktivatoren Rhodan und Atlan vor dem sofortigen Tode rettete.

Als die beiden alten Freunde sich voneinander verabschiedeten, wußten sie bereits, daß dies das Ende war. Rhodan trennte ein Kugelsegment der SOL ab und flüchtete in das Zentrums-Black-Hole der Milchstraße. Zuvor richtete er noch einen Appell an alle Völker, nicht aufzugeben und auf seine Rückkehr zu warten. Er würde so lange suchen, bis er mit Hilfe mächtiger Verbündeter zurückkehren würde.

Atlan, der alte Arkonide, versammelte seine letzten Freunde um sich und flog der HESPIES entgegen. Er war gewillt, im Kampf zu sterben. Als die SOL auf die Entität traf, war von Anfang an klar, wer als Sieger aus dieser Auseinandersetzung hervorgehen würde. Der Arkonide stand hochaufgerichtet in der Kommandozentrale, als er den Befehl gab, sämtliche Waffensysteme zu aktivieren.

Die HESPIES ließ diesen Feuerüberfall über sich ergehen, ohne einen Millimeter zurückzuweichen, dann versetzte sie die SOL für zehn Sekunden ohne schützendes Schirmfeld in den Hyperraum. Als Sie das Schiff wieder in das Einsteinuniversum entließ, hatten sich Teile des Schiffes bereits entstofflicht. Atlan sah viele Tote in der Zentrale und den großen, schwarzen Körper, der auf die SOL zuschoß. Der Arkonide entschloß sich zur Selbstaufgabe. Er aktivierte die Selbstvernichtung und beseitigte die Sperrvorrichtung.

Bevor die SOL jedoch in einem blauen Blitz verging, wurde Atlan aufgegriffen und ins Innere der HESPIES geholt. »Du kleiner Barbar. So einfach kannst du dich nicht davonschleichen. Ich habe eine Sammlung ehemaliger, positiver Elemente, in der du noch fehlst. Ich werfe dich zu den anderen Fossilien und lasse dir vorerst dein erbärmliches Leben.«

Aus dem Buch des Verkünder, Genesis I.

Das war ja grauenhaft! Ich war schweißgebadet, während die Arkoniden völlig unberührt blieben. Sie verstanden das alles nicht. Mir war jedoch die grausame Realität klar geworden.

Eine unbegreifliche, mächtige Entität hatte alle Werte dieses Universums zerschlagen. ES, die Kosmokraten einfach alles! Was die HESPIES damit bezweckte, ging aus dem Bericht nicht hervor.

Ich erkannte aber mit aller Deutlichkeit, daß ich hier nicht das geringste ausrichten konnte. Vielmehr konnte ich mich über jeden Tag freuen, den ich noch in Freiheit erleben durfte.

Die Arkoniden hatten mich für Rhodan gehalten, weil sie mich aus demselben Black-Hole gefischt hatten, in dem der Unsterbliche verschwunden war. Selbst wenn Rhodan hier wäre, besäße er kein Mittel gegen diese brutale und mächtige Entität.

Dolmuc sah mir erwartungsvoll entgegen, nachdem die Syntronik ihren Bericht beendet hatte.

»Wie ist dein Plan? Was tust du als erstes?« fragte er gespannt.

Ich fühlte mich wie betäubt. »Plan?«

Ich lachte wie von Sinnen. »Bist du verrückt? Ich habe nicht einmal ein Schiff, mit dem ich Arkon verlassen könnte. Wie soll ich da einen Plan zur Bekämpfung der HESPIES ausklügeln? Ich bin genau wie ihr an diesen Planeten gefesselt. Wenn mich die Entität entdeckt, dann schnippt sie mich mit dem kleinen Finger aus diesem Universum.«

Dolmuc verzog keine Miene. »Du mußt jetzt zu den Widdern gehen.«

Ich horchte auf. »Widder

Das war der Name der Widerstandsbewegung gegen Monos gewesen!

Dolmuc löste den Sprungimpuls aus und wir materialisierten mitten in einer Transmitterhalle. Ich ärgerte mich erneut über die unwillkürliche Ortsversetzung, denn ich hätte dem Syntron gern noch einige Fragen gestellt. Statt dessen sah ich direkt in das waberte Abstrahlfeld eines Torbogentransmitters.

Dolmuc legte seine Hand auf meine Schulter. »Du mußt jetzt zu den Widdern gehen und sie führen. Wenn die HESPIES vernichtet ist, dann komm zurück und wir werden ein Fest ausrichten.«

Ich schüttelte nur den Kopf und wollte Dolmuc sagen, wie unsinnig ein Aufbegehren gegen diese Wesenheit ist, doch dann sah ich die Hoffnung in seinen Augen.

Ich wollte ihn nicht enttäuschen. »Ich verspreche dir, ich werde zurückkehren.«

Dolmuc rann Tränenflüssigkeit aus den Augenwinkeln. Da fühlte ich, daß dies ein Abschied werden würde. »Die Widder haben lange auf dich gewartet und brennen darauf, wieder Motivation zu zeigen.«

Ich sah zum Transmitter hinüber. »Dolmuc, wo bringt er mich hin?«

Der Arkonide lächelte nur. »Zu deinem Schicksal.«

3. Bei den Widdern

Das erste, was ich fühlte, als ich aus dem Transmitter taumelte, war Kälte.

Ich befand mich in einer Höhle. Die Wand war rauh und wirkte, wie mit einem groben Werkzeug bearbeitet.

Das zweite was ich bewußt wahrnahm, war Enge.

Kaum das ich die Transmitterzone verlassen hatte, wurde ich von einem brutalen Fesselfeld umschlossen und auf den Kopf gestellt. In dieser Lage hing ich nun schon seit bereits zehn Minuten

Mein Blickfeld war stark eingeschränkt. Ich war nicht in der Lage den Kopf zu drehen und konnte nur sehen, was sich unmittelbar vor mir abspielte.

Als ich jedoch die erste Bewegung wahrnahm, traute ich meinen Augen nicht.

Da schlenderte eine kleine Gestalt, von höchstens fünfzehn Zentimetern Größe, in mein Blickfeld! Das Unglaubliche daran war, es handelte sich um einen Blue!

Ich kniff die Augen zusammen und öffnete sie erneut. Aber der Blue war noch immer da. Erst jetzt fiel mir die zartgrüne Hautfarbe auf. Aber ich war mir sicher, daß die Blues einen blauen Körperflaum besaßen!

Ich wand mich in dem Fesselfeld, gab den Widerstand jedoch sofort auf, als es sich schmerzhaft um meinen Brustkorb verengte.

Der Zwerg zwitscherte in ultrahohen Tönen, was wohl das Synonym zum terranischen Gelächter sein sollte.

Mein Translator gab plötzlich einige, wenige Worte aus: »Gib es auf, Großer. Du bist jetzt bei den Widdern.«

Ich hustete. Das Blut stieg mir in den Kopf und ich wurde ärgerlich über meine unkomfortable Lage. »Ist auf Siga Maskenball? Das Kostüm ist ja zum Brüllen!« rief ich dem Zwerg entgegen.

Ein Elektroschock brachte mich in die Realität zurück. Der kleine Kerl schien keinen Spaß zu verstehen. »Mach dich nicht über Ytriel lustig, Kurzhals!«

Ich holte tief Luft. »Schon gut, schon gut. Entschuldige. Ich habe nur noch nie einen so kleinen Blue wie dich gesehen. Das ist alles.«

Ytriels Tellerkopf schwankte auf dem dünnen Hals hin und her, daß ich Angst bekam, er könnte gleich abbrechen.

Der Blue kam ganz nahe heran und sah mich aus zwei seiner vier winzigen Augen an. »Du siehst tatsächlich aus wie einer der verschollenen Terraner.«

»Ich bin Terraner!« antwortete ich gepreßt.

»Bevor ich dir etwas anderes sage, bist du für uns ein Agent der HESPIES!« zwitscherte der kleine Kerl energisch.

Ich ärgerte mich über diese Anschuldigung. Immerhin wirkte der kleine Blue agil und entscheidungsfreudig. Was für ein Gegensatz zu den DNA-manipulierten Arkoniden. »Wo sind wir hier?« wagte ich eine erste Frage.

Der Blue zwitscherte sofort. »Sei jetzt ruhig. Die Scanner arbeiten bereits und analysieren deine Erbinformationen. Wenn du das HESPIES-Gen in dir trägst, wanderst du zurück in den Transmitter und von dort direkt in die nächste Sonne!«

Ich schwitzte. Der kleine Gataser meinte es ernst.

Nach weiteren fünf Minuten erlosch das Fesselfeld plötzlich, und ich landete kopfüber und schmerzhaft auf dem harten Bodenbelag.

Ytriel zwitscherte erneut in höchsten Tönen. Am liebsten hätte ich dem Kleinen seinen Hals umgedreht. Eine innere Eingebung riet mir jedoch, es besser nicht zu tun.

»Die Untersuchung verlief zu deinen Gunsten. Du hattest Glück! Wie ist dein Name, Kurzhals?«

Ich pokerte und antwortete bestimmt. »Perry Rhodan.«

Der kleine Blue machte vor Überraschung einen Satz von drei Metern Rückwärts und stieß dabei einen panischen Schrei aus. Er schien wirklich aufgeregt zu sein.

»Beweise es!« giftete er.

Ich setzte mich aufrecht hin, massierte meinen Hals und sah den Blue offen an. »Sag mir zuerst, wie es dazu kam.«

Ytriel stemmte die dünnen Arme in die Hüften und sah mich an. »Wozu kam?«

Ich räusperte mich. »Na, deine Größe. Ich hatte die Gataser anders in Erinnerung.«

Ytriel reckte stolz die Brust nach vorn. »Ich bin ein echter Siga-Blue!«

Ich zog eine Augenbraue in die Höhe. »Was ist ein Siga-Blue?«

Der Blue zog den Kopf etwas ein als er fortfuhr. »Nachdem die Terraner von der HESPIES aus der Galaxis gefegt wurden, übernahmen die Gataser viele Planeten. Unter anderem ließen sie sich auf Siga nieder. Wir dachten nicht daran, daß die Strahlungskomponente von Gladors Stern auch auf uns wirken könnte.«

Der Zwerg ließ den Satz in der Luft hängen.

Ich sah zur Decke und schüttelte den Kopf. »Das gibt es doch gar nicht!«

Ytriel fiepte energisch: »Wenn du glaubst, mich nach meiner Größe beurteilen zu müssen, dann machst du einen schweren Fehler!«

Ich vernahm ein tiefes Brummen, das aus einer dunklen Ecke der Höhle kam, dann sah ich ihn. Ein Naat! Mindestens drei Meter groß!

Ytriel zwitscherte: »Das ist Lachmann, mein Leibwächter und Freund.«

Lachmann packte mich an den Beinen und hielt mich erneut kopfüber, wenige Zentimeter über dem Boden.

Ich verstand augenblicklich. Die Siga-Blues kämpften mit denselben Minderwertigkeitskomplexen, wie ihre terranischen Brüder.

Ich beschloß mich darauf einzustellen. »Es tut mir leid, wenn ich dich gekränkt haben sollte. Es lag nicht in meiner Absicht. Ich bitte um Entschuldigung.«

Ytriel klimperte mit allen vier Augen und Lachmann ließ mich abrupt los. Wieder landete ich auf dem Boden.

Der Siga-Blue hüpfte auf mein Handgelenk und postierte sich in Siegerpose. »So und nun zu dir, Mr. Rhodan.«

Der Kleine hatte mich über eine Stunde verhört. Er setzte dabei keine Wahrheitsdrogen ein, um meine Aussagen zu überprüfen. Ich war ihm für die humane Behandlung sehr dankbar. Am Ende hielt er mich für einen Terraner namens Rhodan, so glaubte ich wenigstens.

»Es ist erstaunlich. Ich habe noch nie einen echten Terraner gesehen. Ihr seid nicht so verschieden von den Arkoniden, wie ich dachte.«

»Unsere Rassen sind verwandt«, preßte ich zwischen den Lippen hervor, immer darauf gefaßt, daß mein Schwindel aufflog.

Yltirel sah mich an. »Die Gataser, meine großen Verwandten, haben dich aus dem Black-Hole gezogen und nach Arkon abgestrahlt.«

Diese Eröffnung zeigte mir, daß Ytriel durchaus über die Lage informiert war. »Diese Arkoniden glauben immer noch an den Rhodan-Kult. Wir Widder leben jedoch in der Realität! Wo immer du auch hergekommen bist, du bist ein Terraner und du bist motiviert! Das macht dich zum wertvollen Verbündeten. Wärst du ein Spion der HESPIES, dann wärst du bereits desintegriert. Glaub mir das ruhig.«

Ich glaubte ihn!

»Was genau verbirgt sich hinter der HESPIES?« fragte ich ruhig.

Ytriel machte eine deutliche Geste. »Eins nach dem Anderen. Das hier ist nur eine Zwischenstation. Ich werde dich zu einem unserer Stützpunkte weiterleiten. Leute wie dich, hat die HESPIES auf ihrer speziellen Liste. Die Terraner waren eine der ersten Rassen, die dem Wüten dieser Bestie zum Opfer fiel. Irgend etwas hat sie gegen Leute wie dich. Trotzdem gibt es Gerüchte, das Solare-System würde noch existieren, verkleinert auf atomare Größe. Was für ein Unsinn!«

Ich schloß einen Moment verkrampft die Augen. Ytriel hatte meinen wunden Punkt getroffen. Ich mußte mich dennoch beherrschen, denn viele Völker hatten schwer bezahlt. »Was ist das Ziel dieser HESPIES? Was will sie erreichen?«

Ytriel legte seine Hand auf einen meiner Finger als er sagte: »Es gibt keine Konkreten Vermutungen. Aber wir erhalten Berichte, daß von den Planeten der Milchstraße, der Magelanischen Wolken, Andromeda und M33, zyklisch Einwohner verschwinden. Wir wissen nicht was mit diesen Wesen geschieht.«

Ich fühlte wie das Grauen nach mir griff. »Die HESPIES holt sie?«

Ytriel machte ein zustimmendes Zeichen. »Wir glauben es. Die Bevölkerungen der Planeten sind demotiviert und leben in Gleichgültigkeit. Sie interessieren sich nur noch für ihr Tagwerk und haben keine Motivation mehr größere Pläne oder Vorhaben anzugehen. Dabei geht es ihnen verhältnismäßig gut. Die Infrastruktur der Planeten ist in Ordnung, trotzdem mancherorts stark in Mitleidenschaft gezogen.«

Ich wand ein: »So wie die Raumhäfen?«

Ytriel signalisierte Zustimmung. »Wie die Raumhäfen. Es ist überall dasselbe Bild.«

Endlich bekam ich wenigstens einige Informationen aus erster Hand! »Warum greifen die Ordnungsmächte nicht ein?«

Ytriel stieß einen Seufzer aus. »Die HESPIES hat überall verbreitet, daß sie die Kosmokraten vernichtend geschlagen hat. ES ist verschwunden und die Unsterblichen tot oder verschollen. Aber das müßtest du ja alles wissen, oder nicht?«

Ich holte tief Luft. Ytriel hatte mich längst durchschaut.

»Mein Freund! Als Erstes ließ ich untersuchen, ob deine Zellen einem Alterungsprozeß unterliegen. Sie tun es! Also bist du nicht unsterblich. Wie ist dein richtiger Name?«

Ich war froh, daß dieser peinliche Punkt vom Tisch war. »Ich heiße McGiver, John McGiver. Ich komme aus einer Zeit, in der es noch Hoffnung gab.«

Ytriel lachte. »Willkommen im Kreis der Hoffnungsvollen!«

Ich hatte gelernt, daß die Organisation der Widder eine kleine, zusammengewürfelte Gruppe war, die sich mit der Herrschaft der HESPIES nicht abfinden wollte.

Allesamt hatten sie eines gemeinsam, der Demotivator der HESPIES zeigte keine Wirkung an ihnen!

Ytriel wurde bereits als Kind von seinen Eltern genmodifiziert. Somit versagte die DNA-Waffe bei ihm. Der Großteil der übrigen Siga-Blues war bereits tot, oder von der HESPIES geholt. Was immer das auch genau bedeutete.

Ich hatte noch zu wenige Informationen über die rätselhafte Entität. Aber wenn es der Wahrheit entsprach, daß sie die Kosmokraten besiegt hatte, dann war die HESPIES und seine Machtfülle weit über ES und den Ordnungsmächten anzusiedeln.

Nach dem was ich bisher gehört hatte, reichte ihr Einflußbereich von Andromeda bis über alle Teile der Milchstraße und der umliegenden, kosmischen Regionen.

Sie hat sich in der ehemaligen Mächtigkeitsballung von ES breit gemacht, dachte ich entsetzt. Ob ihr Einfluß noch weiter reichte, war nicht bekannt.

Die Raumfahrt war seit Jahrzehntausenden zum Erliegen gekommen. Anstelle dessen, hatten die Widder ein Transmitternetz eingerichtet, mit dem sie ihre wichtigsten Stützpunkte verbanden.

Nur bestimmte, DNA-modifizierte Völker, durften Raumfahrt betreiben. Den übrigen, fehlte jeglicher Antrieb.

Und dann waren da noch die Kommissare. Sie paßten irgendwie nicht ins Bild.

Die HESPIES gestattete ihnen Angst und Schrecken zu verbreiten. Sie quälten die Bevölkerung der verschiedenen Planeten. Auf der anderen Seite sorgte die HESPIES dafür, daß es den Betroffenen relativ gut ging. Sogar technische Entwicklung war in Grenzen möglich.

Ytriel hatte mich über einige Pläne der Widder informiert, wie seine Organisation der HESPIES Schaden zufügen wollte. Das reichte von einem Hilferuf an die Porleyter, bis hin zu dem tollkühnen Plan, den Schwarm einzuholen und die Cynos zu bitten, erneut die Milchstraße aufzusuchen, um die HESPIES zu verdummen.

Am Ende mußte ich erkennen, das die Widder nichts in den Händen hatten, außer vielleicht ein paar verwegene, aber undurchführbare Wunschträume.

Gegen einen solchen Gegner gab es kein irdisches Mittel!

Was hatte Ytriel gesagt? Willkommen im Kreis der Hoffnungsvollen?

Nach allem was ich bereits gehört hatte, erschien mir diese Aussage grenzenlos optimistisch.

4. Olymp

Ich lief durch die Straßen einer Stadt, die mit dem ehemaligen Trade City nichts mehr gemein hatte. Immerhin fand ich den Denkmalsockel des Freifahrers Roi Danton, oder besser gesagt, was davon übrig geblieben war. Jemand hatte die Statue in Brusthöhe mit einem Energiestrahl durchtrennt.

Die Straßen der einstigen Metropole wirkten verhältnismäßig sauber. Aufmerksamen Beobachtern entging jedoch nicht, daß der Verfall nicht mehr aufzuhalten war. Langsam und unmerklich glitt die Stadt in Chaos.

Das war nicht mehr der Planet, den ich kannte. Selbst als im Jahr 1289 NGZ der Philosoph hier gehaust hatte, war die Stadt geordneter gewesen als heute.

Ich setzte nach wie vor meinen SCHAD ein, um mich zu bewegen. Es mir jedoch oft an Orientierungspunkten. Als ich am Morgen zum ehemaligen Raumhafen springen wollte, landete ich nahe einer zentralen Konverteranlage. Von da an war ich vorsichtiger gewesen.

Denk an die vergangene Zeit, rief ich mir immer wieder ins Gedächtnis.

Die Widder-Leute hatten mich in eine Arkonidenmaske gesteckt und mir einen Ferromohnsimulator angeheftet. Er sollte einen registrierten Abdruck vortäuschen. Ich hoffte inständig, daß er funktionierte.

Ich leistete Erkundungsarbeit. Ich sollte in Erfahrung bringen, was von Gerüchten zu halten war, die von der baldige Ankunft eines Kommissars kündeten.

Ein äußerst heikler Auftrag, wußte ich doch über die Kommissare nur, daß sie künstliche Geschöpfe waren, mit denen nicht zu spaßen war.

Das Schwierigste für mich war jedoch der Umstand, daß ich bisher auf keine Terraner getroffen war.

Olymp wurde heute von verschiedenen Rassen bevölkert. Ein Großteil der Einwohner wurde von den Blues gestellt. Ich sah aber auch Arkoniden und Vertreter anderer galaktischer Zivilisationen.

Das Verhalten dieser Leute war dasselbe, wie ich auf Arkon beobachten konnte.

Niemand kümmerte sich um den Anderen und es fiel mir schwer, dieses Verhalten anzunehmen.

Ich fragte mich die ganze Zeit über, warum ausgerechnet ich nicht der Strahlung des Demotivators unterlag.

Ich zuckte heftig zusammen, als ich das charakteristische Zischen einer Energiewaffe vernahm.

Etwa hundert Meter voraus, schwebte ein Androgyne über einen getöteten Gataser hinweg. Ich preßte vor Wut die Kiefer fest zusammen. Nur keine Emotionen zeigen! Lauf weiter, dachte ich intensiv.

Ich konnte jetzt nicht einfach umkehren und eine andere Richtung einschlagen. Das mußte verdächtig aussehen.

Der Androgyne hatte mich mit Sicherheit bereits bemerkt, also ging ich langsam weiter und bemühte mich, möglichst teilnahmslos zu wirken.

Die furchtbare Szene würdigte ich nur mit einem kurzen Seitenblick. Jeder hätte auf den Mord reagiert und ich mußte diese normale Reaktion nicht einmal improvisieren.

Äußerlich ruhig, tobte in mir ein Orkan. Ich war versucht die Waffe zu ziehen und den Roboter für seine Tat zu vernichten.

Er bekommt dich vorher! Beherrsch dich! dachte ich verbittert.

Der Androgyne trug die Aufschrift A-6000-2354. »Stehenbleiben«, plärrte die Maschine, als ich bereits zwanzig Meter an ihr vorbei war.

Auf meiner Stirn bildeten sich kleine Schweißperlen. Ich gehorchte und wagte nicht, mich umzudrehen. Ich ahnte, daß sich die Maschine von hinten näherte und vernahm gleich darauf das leise Summen des Antigravprojektors.

»Identifikation!« vernahm ich die modulierte Stimme.

Ich zitterte leicht in den Knien als ich antwortete. »Peris da Hator«

»Bestätigt«, antwortete der Androgyne knapp.

»Ich orte Schwankungen deines Ferromohnabdrucks. Hast du Angst, Peris da Hator?«

Ich beschloß, diesbezüglich die Wahrheit zu sagen. »Ich habe Angst, daß du mich desintegrierst.«

Der Androgyne schwebte langsam um mich herum bis die Maschine in mein Blickfeld geriet. »Warum sollte ich das tun, Peris von Hator. Gibt es einen Grund?«

Meine Gedanken überschlugen sich.

Die Maschine hatte offenbar eine böse Ader. Es schien ihr zu gefallen, mich zu verängstigen und zu quälen.

Ich antwortete mit zitternder Stimme, die ich nicht zu spielen brauchte. »Du bist ein Töter.«

Der Robotkörper kam ganz nah heran und berührte mich leicht. Ich wagte nicht mich zu bewegen. »Warum benutzt du einen Translator, Peris da Hator?«

Ich fühlte meinen Puls heftiger schlagen und suchte verzweifelt nach einer sinnvollen Antwort. »Ich spreche das Interkosmo sehr schlecht. Ich bin nicht motiviert genug, es zu erlernen. Warum auch, es gibt doch Translatoren.«

Der Androgyne schwebte einen Meter zurück. »Das ist gut, Peris da Hator. Weitergehen!«

Ich ging langsam weiter und rechnete jeden Augenblick damit, daß mich der Androgyne rücklings erschoß. Doch nichts dergleichen geschah.

Als ich mich einige hundert Meter entfernt hatte, setzte ich den SCHAD ein und sprang auf das gerade Wohl. Direkt in ein Wespennest.

Ich materialisierte inmitten einer Gruppe Uniter, die wie gebannt in eine Richtung starrten. Als ich ihren Blicken folgte, sah ich das gigantische Landefeld vor mir.

Auf einer Fläche von vielleicht dreißig Quadratkilometern war der Belag leer.

Am Rande türmten sich Schiffswracks aller Bauarten. Teilweise waren die Schiffe umgestürzt, teilweise sahen sie aus wie neu. Ich fragte mich, was die Prozession sollte und sprach einen der Uniter darauf an.

Der drehte nur leicht den Kopf als er antwortete: »Wir erwarten den Beauftragten der HESPIES

Ich sah mich verständnislos um. »Aber hier ist niemand. Das Landefeld ist leer.«

»Er wird kommen«, antwortete einer der Uniter verzückt.

Ich beschloß, den Redefluß des Unbekannten auszunutzen und fragte weiter: »Was wird geschehen?«

Der Rüssel des Uniters zitterte. »Jedes Mal, bevor die HESPIES einen Teil der Bevölkerung zu sich holt, kommt ihr Beauftragter und prüft, ob die Bewohner reif sind. Freust du dich nicht darauf?«

Bei dem Wort reif lief es mir eiskalt über den Rücken. »Doch, ich freue mich sehr«, antwortete ich schnell und sprang mit meinem SCHAD zurück zum Ausgangspunkt meiner Exkursion. Zu Fuß ging es dann zurück zum Versteck der Widder.

Als ich unser Versteck erreichte, erstarrte ich erneut. Vor mir, mitten im Raum, schwebte ein Androgyne!

Ich zog blitzschnell die Waffe und richtete sie auf den Roboter.

Wenn diese Maschine im Versteck der Widder anwesend war, dann hatten die Töter irgendwie unseren Aufenthaltsort in Erfahrung gebracht.

Ein lautes Trompeten brachte mich zur Besinnung, gerade rechtzeitig, bevor ich meine Waffe abfeuerte. »Halt! Nicht schießen!«

Ounkar rannte auf mich zu und wedelte wie wild mit seinem Rüssel. Ich hatte den Uniter noch niemals zuvor so aufgeregt gesehen. »Tu es nicht!«

Seine Warnung war überflüssig, ich hatte bereits erkannt, daß dieser Androgyne etwas Besonderes war.

Er hatte zwar eine 6000er Nummer, verhielt er sich aber absolut passiv und machte keine Anstalten, mich anzugreifen.

Ounkar kam schwer atmend vor mir zum stehen. »Wir hatten leider keine Zeit, dich über den Androgynen zu informieren. Das ist A-6000-234.«

»Eigentlich ist meine Bezeichnung A-P500-243«, erwiderte der Androgyne langsam, »Die Stammnummer ist meine Tarnung. Ich bin ein Widder.«

Ich holte tief Luft.

Der Androgyne sprach weiter. »Es tut mir Leid, wenn ich dich erschreckt habe, Terraner. Ich und meine Brüder sind sehr traurig darüber, daß sich der entartete Stamm derart verbreiten konnte. Die HESPIES hat meine armen Brüder gefördert und benutzt.«

Ich verstand. »Es gibt also noch Stämme, die der ursprünglichen Programmierung Grueners folgen?«

Durch den Androgynen ging ein Zittern. »Du hast von dem Urschöpfer gehört?«

Ich nickte. »Ich kenne ihn sogar noch von zahlreichen Dokumentationen und Auftritten in den galaktischen Medien.«

Der Androgyne war sichtlich erregt. »Du mußt mir von unserem Vater erzählen!«

Ich winkte ab. »Das werde ich bei Gelegenheit tun. Aber sag mir, woher kommst du?«

Der Uniter gab A-P500-243 ein zustimmendes Zeichen, worauf dieser zu berichten begann. »Wir Androgynen haben ein paar wenige, versteckte Stämme gegründet, die von der HESPIES bisher nicht gefunden wurden. Wir glauben, daß sich dieses Wesen an den mentalen Ausstrahlungen von lebenden, intelligenten Wesen orientiert. Unsere Stützpunkte sind klein und abgelegen und wir halten unsere Population in engen Grenzen. So fallen wir nicht auf. Wir arbeiten mit den Posbis zusammen. Einige Fragmentraumer sind dem Exodus der Hundertsonnenwelt entkommen. Unser Ziel ist, die fehlgeleiteten Brüder aus dem Einfluß der HESPIES zu befreien und zu uns zurück zu holen.«

Die positiven Androgynen hatten also vor, die Stämme der Töter zu infiltrieren und ihre Brüder langsam umzudrehen.

Ein guter Plan wie ich fand, jedoch ein auf lange Zeit angelegtes Vorhaben.

Sollten die Töter einmal einem positiven Bruder auf die Spur kommen, würden sie sicher bald Mittel und Wege finden, eine Unterwanderung zu verhindern.

Ich behielt meine Bedenken für mich und nickte Ounkar zu. »Ich habe von deinen Landsleuten gehört, daß der Beauftragte bald eintreffen wird.«

Der Uniter schien bei dem Gedanken zu frieren. »Das werden zehn Tage der Qual! Ich trauere schon jetzt um die Bewohner dieses Planeten.«

Ich wand mich an den Androgynen. »Wie ist Deine Sicht der Lage. Was genau ist die HESPIES und was ist ihr Ziel?«

A-P500-243 drehte sich einmal seine Achse. »Es muß sich um eine mächtige Entität handeln, die im Zwiebelschalen-Model noch über den Kosmokraten steht. Trotzdem lebt sie im Normaluniversum, mitten unter uns.«

Ich schüttelte den Kopf. »Das kann ich kaum glauben. Schon die Kosmokraten haben größte Probleme, sich in unserem Kosmos zurechtzufinden. Müßte nicht ein höher entwickeltes Wesen, mit noch mehr Schwierigkeiten kämpfen?«

Der Androgyne schnarrte: »Ein interessanter Gedanke. Wir haben das ebenfalls mehrfach diskutiert. Die HESPIES könnte ein fünfdimensionaler Abdruck seiner selbst sein. Quasi ein Schatten, den die wahre Entität in unserem Universum hinterläßt. Den Informationen zufolge, hat sie die Kosmokraten in das Normaluniversum gelockt und deren Inkarnationen geschlagen. Das könnte bedeuten, daß sie jenseits der Materiequellen den Kampf verloren hätte. Aber auch wenn sie den Moralischen Kode des Universums erschüttert hat, so hat sie die Ordnungsstrukturen nicht gänzlich vernichtet. Sie ist offensichtlich in irgendeiner Weise auf dieses Universum angewiesen.«

Es war schwierig, an dem Androgynen einen Fixierpunkt auszumachen. Einem anderen Gesprächspartner hätte ich wohl in die Augen gesehen. »Wie sollen wir einer solchen Macht nur entgegentreten? Wir haben nicht einmal ein Raumschiff.«

Der Androgyne zögerte eine Sekunde dann sagte er: »Wir haben sogar eine ganze Flotte. Im Twin-System, zwischen Andromeda und der Milchstraße, halten sich 300 Fragmentraumer versteckt. An Bord arbeiten Androgynen und Posbis an der Verbesserung der Waffen- und Defensivsysteme.«

Ich atmete durch. Das waren ausnahmsweise einmal gute Neuigkeiten.

»Außerdem«, dozierte Ounkar, »haben wir Kontakte zu einem Topsider namens Ket Har. Er ist zwar genmodifiziert, steht aber dennoch nicht unter dem Einfluß der HESPIES. Sein kleines Schiff steht auf dem südlichen Raumhafen. Er ist den Widdern wohl gesonnen.«

Ich sah Ounkar direkt in die kleinen Augen. »All diese Infomationen …«

Ounkar ließ den Rüssel sinken. »Ich weiß was du sagen willst. Was passiert, wenn wir in die Hände der HESPIES oder ihrer Häscher fallen?«

Ich nickte.

Der Androgyne antwortete zuerst. »Mein Notprogramm desintegriert mich sofort, falls jemand meine gespeicherten Informationen abruft.«

Ich horchte auf. »Desintegriert?«

Der Androgyne fuhr emotionslos fort: »Meine Selbstvernichtungsschaltung wiegt Einhundert Megatonnen!«

Ich wußte was das bedeutete. Der Androgyne ging kein Risiko ein. Falls es zu einer Entdeckung kam, wollte er vor seinem eigenen Ende noch so viele negative Brüder wie möglich ausschalten. Ich betete, daß es nicht in der Nähe einer bewohnten Stadt sein würde.

Ounkar schloß sich an. »Ich besitze ein Neuroprogramm, das ich nicht willentlich beeinflussen kann. Wenn ich unter Gewalt verhört werde, dann wird es automatisch ausgelöst und löscht alle neuronalen Verbindungen in meinem Gehirn.«

Ich war entsetzt. »Das wäre dein Tod!«

Ounkar bestätigte. »So ist es. Übrigens hat Ytriel dir dasselbe Programm implantiert, bevor er dich nach Olymp geschickt hat. Ich finde du solltest es wissen.«

Meine Hände ballten sich zu Fäusten. »Dieser kleine Bastard …«

Ich schluckte den Fluch hinunter. Natürlich mußten sich die Widder schützen. Jeder Tag im Leben eines Widders war gefährlich und man durfte nicht riskieren, die Organisation zu gefährden.

Ich sah in die Runde. »Und jetzt? Wir wissen nun mit Sicherheit, daß in Kürze ein Kommissar der HESPIES hier ankommt. Was tun wir dagegen?«

Ounkar ballte die Fäuste. »Wir planen ein Attentat!«

Der Androgyne begann, sich sofort wild im Kreis zu drehen. »Das ist nicht ratsam. Ihr solltet Olymp verlassen, solange ihr noch könnt. Der Kommissar ist unangreifbar. Ich werde versuchen, einige meiner Brüder zu retten.«

Ich war erstaunt. »Gibt es denn keinen Plan, verfolgt ihr keine Strategie?«

Ounkar zeigte mit seinem Rüssel auf den A-P500-243. »Die Androgynen arbeiten an ihren eigenen Zielen. Wir können selbst entscheiden, was zu tun ist.«

Ich machte dem Durcheinander ein Ende. »Mir scheint, die Widder sind nichts als ein Haufen lose zusammenhängender Immuner, die sich in Einzelaktionen verzetteln. Gibt es keinen Oberbefehl, keine Strategie? Wofür oder wogegen kämpfen wir? Was wollen wir erreichen?«

Meinen letzten Worten, fügte ich deutliche Schärfe hinzu.

Ounkar duckte sich. »Du hast recht. Wir haben keine Führungsstruktur. Ytriel hat dich aus eigenem Ermessen nach Olymp geschickt. Er glaubte, daß wir mit der Ankunft des Kommissars überfordert wären.«

Ich weigerte mich zu glauben, was ich soeben gehört hatte.

Ich schwor mir im Gedanken, daß ich mir den Siga-Blue noch vorknöpfen würde.

Zuerst schien es mir aber erforderlich, mehr über die HESPIES zu erfahren. Das Wissen der Widder-Leute war zu allgemein. Ich wollte herausfinden was hinter dem Kommissar und seiner Aufgabe steckte.

»Ich denke«, sagte ich leise aber bestimmt, »es ist an der Zeit, unsere Anstrengungen zu koordinieren.«

Ounkar und der Androgyne widersprachen nicht.

»Ounkar! Rufe die anderen zusammen. Ich habe eine Idee.«

Ounkar trompetete. »Du willst uns führen?«

Ich bestätigte. »Wenn diese Organisation nur ein kleines Stück von dem leisten soll, was der Widerstand gegen Monos zustande brachte, dann müssen wir uns anstrengen!«

Ounkar rannte aus dem Raum.

Der Androgyne schwebte langsam näher. »Wer ist Monos?«

Ich winkte ab. »Vergiß es. Das war lange vor deiner Zeit.«

Ich war schneller mitten ins Geschehen geraten, als es mir lieb war. Die vier Widder von Olymp, hatten mich sofort als ihren Führer akzeptiert. Nun saßen wir zusammen und diskutierten die nächsten Schritte.

Der Uniter Ounkar, der dunkelhaarige Ara Zoglet, der Androgyne und der Überschwere Samsor, lasen dabei von meinen Lippen.

Ich bemerkte dabei eine deutlich gesteigerte Aufmerksamkeit.

»Was wissen wir sonst noch über die Kommissare?« fragte ich in die Runde.

Der Androgyne meldete sich. »Sie kommen in großen Schiffen, etwa zehn Tage, bevor die Bevölkerung dezimiert wird.«

Ich fühlte mich unwohl in meiner Haut als ich fragte. »Was heißt dezimiert? Verschwinden sie einfach? Werden sie getötet?«

Ounkar trompetete leise. »Sie sind plötzlich verschwunden. Keiner weiß wohin. Es ist aber immer nur ein Teil der Bevölkerung betroffen. Wir haben Berichte aus Andromeda erhalten, die besagten, daß die Kommissarin Thetin Anfangs zu maßlos war. Die Tefroder und Maahks wurden faktisch ausgerottet.«

Meine Kehle trocknete aus. Die HESPIES braucht die Galaktiker, schoß es mir durch den Kopf. Der Kommissar betreibt eine Vorauswahl, welche Intelligenzen von ihr geholt werden.

Ein infernalisches Dröhnen unterbrach plötzlich unsere Diskussion. Was war das? Ein Schiff?

Der Überschwere Samsor zitterte am ganzen Körper. »Das ist das Kommissarschiff!«

Der Ara begann zu wimmern und Ounkar ließ seinen Rüssel hängen, ein deutliches Zeichen für seine Angst.

Einzig der Androgyne zeigte keinerlei Emotion. »Wenn es sein muß, dann opfere ich mich für das Wohl meiner Brüder!«

Ich lauschte dem Dröhnen nach. »Du kannst die Selbstvernichtungsschaltung auch bewußt aktivieren?«

»Natürlich«, bestätigte der Androgyne, »Jedoch ist es mir unmöglich, sie bewußt zu deaktivieren.

»Das ist gut zu wissen!« sinnierte ich.

5. Der Kommissar

Der Schatten des riesigen Diskusschiffes, verdunkelte den Himmel über Trade City. Die Stadt erlebte eine künstliche Sonnenfinsternis und der Kernschatten lag unheilvoll über dem ehemaligen Raumhafen.

Ich hielt mich nahe dem Landefeld auf, an dem ich zuvor mit den unter Trance stehenden Unitern zusammengetroffen war.

Die ursprünglich kleine Gruppe war mittlerweile auf über Hunderttausend Wesen aller vertretenen Rassen angewachsen. Der Zustrom an weiteren Zuschauern riß nicht ab.

Wir hatten uns geeinigt möglichst viele Informationen zu sammeln und an die übrigen Widder weiterzuleiten.

Nachdem allem was ich wußte, war noch nie ein Kommando auf einem Planeten aktiv geworden, der von einem Kommissar heimgesucht wurde.

Ich sah ungläubig zu den Massen hinüber. Was geschah hier? Was zog die Wesen zum Landefeld? Standen sie vielleicht unter kollektivem Suggestivzwang?

Eine Kette von Androgynen hatte das Landefeld abgesperrt und vor meinen Augen bereits einige Blues getötet, die sich zu nah vorgewagt hatten.

Ich sah hinauf zu dem Schiff. Es mußte unglaublich groß sein und schwebte hoch über der Stadt.

Dann geschah es, ohne Vorwarnung oder erkennbare Anzeichen.

Ich hörte plötzlich die Massen wie unter schrecklichen Schmerzen schreien und heulen.

Ounkar umklammerte meinen Arm. »Es geht los!«

Ich fühlte ein leichtes Kribbeln im Hinterkopf, ein sicheres Zeichen dafür, daß eine Beeinflussung stattfand. »Was ist das? Fühlst du es auch?«

Ounkar lauschte in sich hinein. »Ich spüre ein schwaches Prickeln.«

Vor uns wälzten sich die ersten Bewohner auf den Straßen.

Ich schloß kurz die Augen. »Ist es eine Strahlung oder mentale Beeinflussung?«

Ounkar wedelte mit dem Rüssel. »Es hat etwas mit den Erbinformationen zu tun. Sie bringen die DNA in Resonanz, daß verursacht unglaubliche Schmerzen die in jede Zelle reichen.«

Ich sah ungläubig zu Ounkar. »Aber warum nicht wir?«

Der Uniter trompetete mit steigender Unruhe »Ich bin anders. Mein Erbgut ist mutiert. Die Doppelhelix meiner DNA folgt einem anderen Drall, sie ist gespiegelt. Ich kann keine Kinder zeugen aber jetzt ist der Moment, an dem ich das erste Mal glücklich darüber bin.«

Ich verstand. Jeder Widder war auf seine Weise etwas Besonderes. Aber was war mit mir?

Ounkar rief. »Du bist auch anders. Du stammst aus einer anderen Zeit. Es muß minimale Unterschiede in der Codierung deiner Erbinformationen geben, die dich zu deinem Glück schützen. Frag nicht! Sei einfach froh darüber!«

Ich sah was der Uniter andeuten wollte. Überall lagen sich vor Schmerzen windende Gestalten auf dem Boden.

Ounkar hatte Tränen in den Augen. »Ich trauere um meine Artgenossen.«

Dann sah ich die Energiesphäre herabschweben.

Sie leuchtete grell, wie ein überladener HÜ-Schirm.

Das Wehklagen der Massen steigerte sich noch um eine Nuance und ich machte die schwersten Minuten meines Lebens durch.

Ich hatte schon Freunde verloren und Schiffe mit ihren Besatzungen im Kampf explodieren sehen, doch das hier war anders. Die Bewohner wurden absichtlich gequält. Ich ballte die Fäuste bis meine Knöchel weiß hervortraten.

Die Sphäre schwebte jetzt über dem freien Landefeld und schrumpfte auf einen Durchmesser von nur zwei Metern, dann erlosch sie abrupt.

Was ich dann sah verschlug mir den Atem. Ich konnte das einfach nicht glauben!

Ich kam erst in die Realität zurück, als mich Ounkar schmerzhaft am Arm zerrte.

Der Uniter war außer sich. »Das ist er! Oh mein Gott!«

Ich war wie betäubt.

Vor uns stand breitbeinig, die Arme in die Hüften gestemmt ein kleines Lebewesen, das kalt und ohne Emotionen auf die Leidenden blickte.

»Gucky!« kam es über meine Lippen. »Das ist Gucky, der Ilt!«

Ich war tief geschockt. Das hätte ich nicht erwartet!

Ounkar schlug mir mit dem Rüssel ins Gesicht und weckte mich so aus meiner Starre. »Das ist der schlimmste Kommissar!«

Ich schüttelte den Kopf. »Nein!« schrie ich. »Das ist Gucky, ein Freund der Menschen.«

Der Uniter sah mich an, als ob ich von Sinnen wäre. »Das ist ein künstliches Geschöpf, geformt nach irgendeinem Vorbild! Wenn er uns entdeckt, dann ist es aus!«

Ich sah mich gehetzt um. Überall lagen die Blues und Uniter am Boden und wälzten sich vor Schmerzen, nur wir standen einigermaßen unbehelligt da. »Verdammt, Ounkar! Wir müssen verschwinden.«

Wir wünschten uns an einen anderen Ort, doch der SCHAD funktionierte nicht. Ounkar trompetete in höchster Panik. »Mein SCHAD wird blockiert!« Dann rannte er los.

Ich rief ihm noch hinterher, doch der Uniter hörte nicht auf mich.

Sofort wurden einige Androgyne auf ihn aufmerksam und nahmen die Verfolgung auf.

»Verdammt, Ounkar!« flüsterte ich betroffen.

Ich legte mich auf den Boden und amte die Schmerzen nach, die von den Anderen tatsächlich empfunden wurden, nur um im Gewimmel der Leiber nicht aufzufallen. Aus den Augenwinkeln sah ich, wie die Androgynen den Uniter einholten.

Mit einem Mal begriff ich. Ounkar wollte die Roboter ablenken, damit ich entkommen konnte. »Du Narr«, zischte ich.

Der Uniter wurde in ein Fesselfeld gehüllt und angehoben.

Dann sah ich Gucky!

Er materialisierte direkt vor dem Uniter und beseitigte mit einem kurzen Impuls das Fesselfeld, trotzdem schwebte Ounkar noch immer über dem Boden.

Gucky hielt ihn erbarmungslos, in seiner telekinetischen Umklammerung.

Die Androgynen wichen ehrfurchtsvoll zurück.

Dann sah ich die Augen des Ilt aufglühen. Sie leuchteten wie das Feuer eines Pulsars und waren direkt auf den Uniter gerichtet. »Du armseliger Wurm! Warum unterliegst du nicht den Qualen? Was bist du für eine Mißgeburt, daß du den Atem der HESPIES nicht spüren kannst?«

Bei diesen Worten gefror mein Blut. Ounkar sah dem Tod ins Gesicht.

»Wir werden dich schlagen!« schrie er mit letzter Kraft. »Wir haben jetzt einen Anführer! Einen Terraner! Er ist der letzte Ritter!«

Das Geschöpf der HESPIES erstarrte in der Bewegung und meine Gedanken überschlugen sich.

Ich suchte verzweifelt nach einem Weg, Ounkar zu helfen. Hätte ich gewußt, was auf uns zukommt, ich hätte alle Widder sofort in die Fluchttransmitter steigen lassen. Jetzt sah es danach aus, als ob unsere Spähaktion in einer Katastrophe endete.

Der Ilt stimmte plötzlich ein wütendes Heulen an. Noch nie hatte ich solche Geräusche von einem Lebewesen gehört. »Wo, wo ist dieser Narr? Wie kann ein Ritter der größten Macht des Universums trotzen, für die Kosmokraten und ihre Handlanger nur Spielbälle sind!«

Das Wesen sah sich um und rief nochmals laut über das Landefeld. »Wo ist er!«

Ounkars Körper wurde plötzlich schlaff und leblos. Ich verkrampfte mich. Das Neuronalprogramm des Uniters hatte angesprochen.

Wahrscheinlich hatte der Mausbiber versucht, Ounkars Gehirn telepathisch zu sondieren.

Gucky warf den Uniter achtlos auf den Boden und drehte sich langsam im Kreis.

Er setzt seine telepathische Gabe ein, schoß es mir durch den Kopf.

Höchste Gefahr, dachte ich alarmiert Ich hatte zwar während der Flottenausbildung gelernt, wie man einen Gedankenblock errichten konnte. Ich war jedoch nicht mentalstabilisiert und meine Versuche, konnten nur kurze Zeit bestand haben.

Mir kam zur Hilfe, daß Gucky mich unter all den mentalen Schmerzensschreien nicht so einfach orten konnte.

Ich robbte aus dem Blickfeld der Kreatur, die wie ein Mausbiber aussah, aber keiner war. Die am Boden liegenden Leiber gaben mir Deckung.

Was mußte die HESPIES für einen kranken Verstand haben, so etwas zu tun.

Als ich im Sichtschutz eines Gebäudes angekommen war, sprang ich auf die Füße und rannte los.

Mein SCHAD funktionierte noch immer nicht. Wahrscheinlich wurden während der Anwesenheit des Kommissars alle Transporte auf der Oberfläche unterbunden. Ich betete, daß der Fluchttransmitter funktionierte, denn eine andere Möglichkeit wie die Flucht gab es nicht. Wir konnten hier nichts ausrichten.

Ich war vom Beobachter zum Gejagten geworden und rannte um mein Leben.

Längst hatte ich das vereinbarte Abbruchsignal gesendet und hoffte, daß sich die anderen Widder an den vereinbarten Kode hielten.

Auch hier, in beträchtlicher Entfernung zum Landefeld, sah ich überall zuckende, gequälte Lebewesen.

Die Strahlung schien den gesamten Planeten einzuschließen.

Ich mußte mehrmals patrouillierenden Androgynen ausweichen bis ich endlich zu unserem Versteck vorstoßen konnte.

Der Überschwere und der Ara waren bereits anwesend.

»Wo ist der Androgyne?« fragte ich energisch.

Samsor hantierte an der Schaltung des Fluchttransmitters herum. »Er ist zum Landefeld und hat sich unter seine Brüder gemischt.«

Ich wurde bleich. »Was hat er vor?«

Der Ara wirkte äußerst beunruhigt. »Er will sich, die negativen Androgynen und den Kommissar in die Luft sprengen.«

Ich überschlug kurz die Entfernung zum Landefeld. Es mußten etwa fünf Kilometer Luftlinie sein. »Wenn er das tut und seine Fusionsladung zündet, dann äschert er uns ein!«

Samsor ergänzte panisch. »Und die halbe Stadt.«

Der Ara begann zu zittern.

Ich packte Samsor an den Schultern. »Was ist mit dem Transmitter?«

Der Überschwere machte eine hilflose Geste. »Die Empfangsstation von Ytriel bestätigt nicht!«

Ich schrie ihn an. »Dann wähle einen anderen Empfänger an, irgendeinen!«

Samsor arbeitete panisch an der Justierschaltung des Transmitters. Dann rief er mit überschlagender Stimme. »Grünzeichen!«

Ich packte den Ara am Arm und schleuderte ihn in das Abstrahlfeld. Samsor folgte sofort.

Dann erhellte ein unglaublich greller Lichtblitz den Raum.

Die Panzerplastfenster tönten sofort ab, begannen aber unter der Hitzestrahlung anzulaufen.

Noch zwei Sekunden, dachte ich, dann ist die Druckwelle hier.

Ich sprang kopfüber in Transmitter. Keine Sekunde zu früh, denn das Gebäude wurde einen Moment später von der Wucht der Explosion pulverisiert.

Als ich aus der Empfängerstation taumelte, sah ich Samsor und den Ara am Boden liegen. Ich wunderte mich noch über die seltsame Körperhaltung, dann realisierte ich, daß beide paralysiert waren.

Als ich aufblickte, sah ich direkt in den Lauf einer großen Kombinationswaffe.

Das Abstrahlfeld des Strahlers flimmerte bedrohlich.

Die Waffe wurde von einem Echsenwesen gehalten, das mich aus schmalen Reptilienaugen drohend anblickte. »Nicht bewegen«, zischte der Topsider mir zu.

Zum Zeichen, daß ich keine Gegenwehr im Sinn hatte, hob ich beide Hände an. Ein Fehler wie sich herausstellte, denn der Topsider schrie und rammte mir den Kolben seines Gewehrs an den Kopf.

Ich stürzte schwer und fluchte laut. »Kosmopsychologie, erstes Semester«, murmelte ich. Hände hoch bei den Topsidern heißt, ich fordere dich zum Kampf.

Ich blieb einfach liegen und bewegte mich nicht, auch dann nicht, als ich ein weiteres Echsenwesen den Raum betrat.

Ich vernahm einige gesprochene Kommandos, dann herrschte Stille.

Als ich es wieder wagte, aufzusehen, stand ein sehr groß gewachsener Topsider in einer silbernen Kombination vor mir und fixierte mich.

Meine Maske war durch den Schlag teilweise abgeblättert und das künstliche Haarteil verrutscht.

Was mußte in den Gedanken des Topsiders vorgehen, wenn er mich jetzt so sah?

Ich wußte nicht, ob es als unhöflich galt, einen Topsider direkt in die Augen zu sehen, aber ich erwiderte den forschenden Blick direkt.

»Ich bin Ket Har, Kommandant des Schiffes WIT-HTOL. Sie sind der Terraner!« eröffnete der Topsider ohne Umschweife.

Ich zögerte einen Augenblick und wählte meine Worte sorgfältig. Die Topsider verachteten schwaches Auftreten oder Unterwürfigkeit. Ich mußte selbstbewußt sein, um unsere Lage zu verbessern.

»Mein Name ist John McGiver und ja - ich bin Terraner. Ich bedanke mich für die angemessene Behandlung, aber war es nötig, meine Partner zu paralysieren?«

Ich holte tief Luft.

Der Kopf des Topsiders schnellte ein Stück nach vorn. »Wir haben eine nukleare Explosion auf der Oberfläche angemessen. Das Landefeld ist in weitem Umkreis verwüstet. Viele Bewohner sind in den Tod gegangen.«

Ich senkte den Blick. »Wobei die Frage bleibt, ob es nicht das beste für sie war.«

Der Topsider zischte. »Das wird dem Kommissar nicht gefallen. Er wird Rache nehmen.«

Ich erhaschte einen Blick einem in der Wand eingelassenen Monitor und erkannte Olymp. Die Planetenoberfläche war wolkenverhangen.

»Wir sind im Orbit?« fragte ich erleichtert.

Der Topsider gab keine Antwort.

Ich murmelte leise »Ich hoffe nur, der Kommissar ist der Explosion nicht entkommen und die Bombe brachte ihn ins Grab!«

Ket Har sah mich mit schiefem Kopf an. »Grab? Ich werde niemals verstehen, warum die Terraner und ihre Abkömmlinge die Toten vergraben und den Würmern überlassen.«

»Ist der Kommissar tot?« wiederholte ich lauter meine Frage.

Der Topsider sah mich durchdringend an. »Das Ganze war sehr dumm von euch. Das Geschöpf lebt. Er kann nicht vernichtet werden, nicht auf diese Art.«

Ich zeigte offen meine Enttäuschung.

Der Topsider sah mich emotionslos an. »Olymp wird nun noch mehr zu leiden haben. Ich weiß nicht, ob Gucky für den Anschlag Rache an den Bewohnern nehmen wird. Aber ich habe den Befehl gegeben, dieses System sofort zu verlassen. Der Kommissar trifft jetzt Vorbereitung für die Tage der Qual und konzentriert sich auf seine Aufgabe. Danach wird er sich auf die Suche nach euch machen. Ich möchte dann nicht mehr hier sein.«

Ich sah den Topsider direkt in die Augen. »Ket Har, was geschieht dort unten?«

Der Topsider ging in Lauerstellung. »Das zu fragen ist Blasphemie! Überspannt den Bogen nicht. Schon der Umstand, daß Ihr ein Terraner seid, sollte genügen, das Kommissarschiff sofort anzurufen und euch auszuliefern. Statt dessen bringe ich Euch von hier fort.«

Ich bedankte mich mit einem nicken. »Sie können mit Ihrem Schiff fliegen wohin sie wollen?«

Ket Har zeigte keine Regung, als er antwortete. »Wir Topsider zählen zu den privilegierten dieses Universums. Die HESPIES hat sich uns offenbart und mein Volk als Hilfsvolk anerkannt. Gleich nachdem ihr Terraner es abgelehnt habt, Ihr zu dienen.«

Ich verstand. Das war also der Grund, warum die HESPIES die Terraner haßte. Rhodan hatte sie wahrscheinlich abgewiesen. Dieses Wesen schien Ablehnung nicht so einfach zu ertragen.

Der Topsider fuhr fort. »Ich bin kein Widder aber ich fühle mich Ihrer Organisation verbunden, der Grund dafür liegt in der Vergangenheit.«

Mehr sagte der Topsider nicht zu dem Thema und ich respektierte das.

»Wo bringen sie uns jetzt hin?« fragte ich nach einigen Minuten des Schweigens.

Ket Har wandte sich nochmals vor dem Gehen um. »Ihre Leute haben im Wega-System einen Kontaktpunkt. Dort werde ich Sie absetzen. Dann trennen sich unsere Wege für immer.« Ket Har verließ den Raum.

Als sich das Schott schloß, stand nur noch die Wache im Raum.

»Ausgerechnet das Wegasystem! Habt ihr Topsider keine Hemmungen dort einzufliegen?«

Der Topsider sah mich verständnislos an. »Unsere Schiffe fliegen überall hin!«

Ich nickte. »Vergessen Sie es.«

Der Topsider würde mich sowieso nicht verstehen.

6. Im Wega-System

Der Flug zur Wega dauerte zehn Stunden. Als wir in das System erreichten, fühlte ich mich der Erde so nah, wie schon lange nicht mehr.

Die Wega war das erste System, das von Terranern erkundet wurde. Mit der Wega und den Ferronen verband uns viel. Was würde mich hier erwarten und wann endete dieser Alptraum?

Die Topsider flogen ohne vorherige Anmeldung in das System ein.

Ich redete mir ein, daß wenigstens die Ferronen noch Raumfahrt betrieben, aber meine Hoffnung wurde enttäuscht.

Als wir uns dem sechsten Planeten näherten, begann der Topsiderkreuzer zu verzögern.

Der Planet wurde über eine Holoprojektion eingeblendet.

»Pigell!« flüsterte ich fasziniert.

Samsor wirkte beunruhigt. »Eine verdammte Dschungelwelt!«

Ich nickte versonnen. »Mit einer bewegten Vergangenheit.«

Zoglet stand auf und besah sich das Hologramm aus der Nähe. »Da, wir schwenken in einen Orbit ein!«

Der Ara hatte recht. Die WIT-HTOL nahm eine geostationäre Kreisbahn ein.

Ich drehte mich zu Samsor um. »Gibt es auf Pigell eine Station der Widder?«

Ich erntete nur ein Schulterzucken.

Dafür hörten wir einige Sekunden später eine kräftige Stimme über die Sprechanlage. »Ihr seid am Ziel Eurer kurzen Reise. Ich habe meine Schuld gegenüber den Widdern erfüllt und hoffe in eurem Interesse, daß sich unsere Wege nie wieder kreuzen werden.«

Ich sah mich um. Die Stimme kam aus den Akustikfeldern unter der Decke.

»Und was passiert jetzt?« Ich lauschte.

»Ihr werdet in wenigen Sekunden zur Oberfläche abgestrahlt. Euren Weg müßt ihr selber finden.«

Ich wurde unruhig. »Was soll das heißen? Gibt es keinen Empfangstransmitter?«

Der Topsider schien gelangweilt. »Was kümmert es mich?«

Ich sah mich in der Halle um. »Halt! Wartet! Beantworte mir noch ein paar Fragen!«

»Deine Fragen kümmern mich auch nicht«, zischte der Kommandant.

»Was ist mit den Ferronen? Wie sieht es auf Rofus und Ferrol aus?«

Es erfolgte keine Antwort mehr. Statt dessen empfand ich ein kurzes Ziehen im Nacken und fand mich einen Wimpernschlag später, auf der Oberfläche des Planeten wieder.

Die hohe Luftfeuchtigkeit und die schwüle Hitze des Planeten, trieben mir sofort den Schweiß auf die Stirn.

Der Ara stand inmitten einer sumpfigen Pfütze und versuchte sich vom Schlamm zu befreien. Samsor schlug plötzlich wild um sich und wehrte lästige Insekten ab.

»Willkommen in der Hölle!« rief ich verbittert.

Die zwei Widder sahen mich entsetzt an, schließlich schnaubte Samsor. »Ist das terranischer Humor?«

Ich verzog das Gesicht zu einer schmerzlichen Grimasse. »War nur eine Redensart.«

Ich umfaßte die nahe Umgebung mit einem Blick.

Pigell war noch immer eine subtropische Dschungelwelt, daran hatten auch die vergangenen Jahrhunderte nichts geändert.

Mir wurde plötzlich bewußt, wie kurz und unbedeutend ein Menschenleben im kosmischen Maßstab war.

Dieser Planet würde vielleicht noch immer so aussehen, wenn die Menschheit schon längst aus der Milchstraße verschwunden war.

Über uns verdeckte dichte Vegetation den Blick auf die Sterne.

Ich räusperte mich. »Der Topsider hat uns nicht ohne Grund hier abgesetzt. Ich denke, es gibt eine Widderstation auf diesem Planeten.«

Ich riß einen lästigen, fingerlangen Blutsauger von meinem Arm und fügte verbissen hinzu. »Wir müssen sie nur finden.«

Zoglet wischte sich seine hohe Stirn ab. »Und dabei um den halben Planeten wandern? Durch dichten Dschungel? Vorher erwischt uns einer der sicherlich vorhandenen Fleischfresser!«

Ich zog meinen Thermostrahler aus dem Futteral. »Das wird ihm den Appetit verderben! Jetzt reißt euch zusammen! Wenn wir auf Olymp geblieben wären, dann hätte uns entweder der Kommissar geholt oder wir wären von unserem Kamikaze Androgynen atomisiert worden! Seid froh das wir noch leben!«

Samsor schüttelte sich. »Uns was jetzt? Welche Richtung?«

Ich berührte den Gürtel an meine Hüfte. »Funktioniert euer SCHAD

Samsor schüttelte verärgert den Kopf. »Natürlich nicht! Auf Pigell gibt es nicht die notwendigen Leit- und Steuersysteme.«

Ich faßte einen Entschluß. »Wir schlagen diese Richtung ein.«

Ich zeigte mit dem Arm in Richtung einer nahen Anhöhe. »Von der Kuppe können wir ein weiteres Gelände überblicken, als von dieser Senke aus. Samsor ist der kräftigste und geht voraus.«

Der Überschwere sah unbehaglich in den dunklen Dschungel hinein. »Und wenn mich ein Raubtier anfällt?«

Ich zwinkerte ihm zu. »Dann hat es gleich den größten Happen erwischt!«

Der Ara sah mich so entsetzt an, daß ich spontan laut lachen mußte.

»Das«, sagte ich langsam, »war terranischer Humor.«

Der Überschwere fluchte und setzte sich in Bewegung. Wie beide folgten ihm auf den Schritt.

Nach einer Stunde beschwerlichen Marsches hatten wir die Anhöhe erreicht.

Samsor nahm mich auf seine Schultern und drehte mich im Kreis. »Kannst du etwas sehen, Terraner?«

Im Norden machte ich einige hohe Bergzüge aus und einen nicht enden wollenden Dschungel in alle Richtungen.

Meine Augen suchten nach Spiegelungen oder Reflexionen, so wie sie Metall im Sonnenlicht erzeugte, jedoch erfolglos.

Wenn es in dieser Nähe eine Station gab, dann war sie sehr gut getarnt. Vielleicht übersahen wir sie auch einfach. In diesem Dschungel kein Wunder, dachte ich niedergeschlagen.

Samsor setzte mich ab und sah mich fragend an. Auch der Ara schien sich völlig auf meine nächsten Schritte zu verlassen.

»Wir gehen nach Norden«, entschied ich und deutete mit dem Arm in eine Richtung.

Bevor der Ara zu einer Frage ansetzen konnte, fiel ich ihm ins Wort. »Dort wird der Wald lichter, das Gelände hügliger und ich bin sicher wir finden dort Wasser. Schließlich müssen wir irgendwann etwas zu uns nehmen.«

Samsor verzog das Gesicht. Ihm wurde wohl eben bewußt, daß sein Magen dringend Nachschub benötigte.

Ich wandte mich an den Ara. »Falls wir Früchte finden, kannst du dann eine Auswahl treffen, welche eßbar sind und welche nicht?«

Zoglat griff in die Seitentasche seines ehemals, weißen Overalls.

»Ich habe nur ein Notpaket dabei, das gegen die gängigsten Toxine prüft.«

Ich nickte. »Immerhin etwas! Wenn wir Wasser finden, dann werden wir es abkochen, bevor wir es trinken.«

Der Ara schüttelte den Kopf. »Das ist nicht genug. Manche Bakterien leben im Innern von Vulkanen.«

Ich gab ihm keine Antwort, sondern stand demonstrativ auf. »Gehen wir weiter!«

Dich meine Aufforderung wurde nicht mehr gehört. Beide, der Ara und Samsor, fielen fast synchron zu Boden.

Bevor ich realisierte, daß die beiden soeben betäubt wurden, fühlte ich einen Stich am linken Arm.

Ich konnte gerade noch den kleinen Pfeil aus dem Arm ziehen, bevor es mir schwindelig wurde und meine Beine den Dienst versagten.

Als ich aus der Bewußtlosigkeit erwachte, sah ich direkt in ein bunt bemaltes, blaues Gesicht. Ich erschrak und wollte eine abwehrende Haltung einnehmen, doch meine Hände waren gefesselt. Ich lag auf einer Art Bambusmatte und konnte mich nicht bewegen.

Der Fremde, bis auf die blaue Haut absolut humanoid, grinste und entblößte dabei eine Reihe gelber Zähne.

Ich verzog das Gesicht. Es handelte sich ohne Zweifel um einen Ferronen und er stank erbärmlich. Wo befanden wir uns? In einem Urwalddorf?

Ich sagte ein paar Worte in Interkosmo, belangloses Zeug, nur um meine friedlichen Absichten zu unterstreichen und um den Eingeborenen zu beruhigen. Gleich darauf erschien ein zweites Gesicht über mir.

Ich musterte die Fremden genauer. Das kupferfarbene Haar war teilweise dunkelrot gefärbt. Gelbe Streifen zogen sich über ihre Gesichter. »Seid ihr auf dem Kriegspfad?« fragte ich leise.

Der Ferrone legte den Kopf schief. »Takla betalus.«

Ich verstand nicht. Um mich herum schien Leben in den Ferronenstamm zu kommen, denn ich hörte viele Stimmen, die durcheinander sprachen.

Als ich ruckartig, mitsamt der harten Unterlage aufgerichtet wurde, konnte ich einen Teil des Dorfes einsehen, dann fand ich meine zwei Begleiter.

Wir waren alle gefesselt und befanden uns auf einer Art Dorfplatz. Vor uns hatten sich etwa fünfzig Ferronen versammelt, die allesamt äußerst primitiv wirkten.

»Was ist mit euch!?« rief ich ihnen entgegen.

»Terraner und Ferronen waren einmal Freunde!«

Einer der Ferronen, ein ganz besonders bunt geschmückter Mann, ging auf mich zu und rammte mir das Ende einer Hiebwaffe in den Magen.

Ich stöhnte leise. Das hatte weh getan.

Der Fremde hieb seine Faust gegen die eigene Brust und sagte laut: »Thaard.«

Ich hustete, dann fragte ich leise. »Ist das dein Name?«

Als Antwort erhielt ich einen neuen Schlag. »Thaart!«

Ich überlegte. Wenn ich mich in der Zukunft befand und die Reste des ferronischen Volkes vor mir hatte, dann mußten sie bereits ein neues Idiom entwickelt haben. Plötzlich wußte ich was mir der Fremde sagen wollte!

Ich mußte lachen, was dem Anführer gar nicht zu gefallen schien, denn er holte erneut aus.

»Thort!« rief ich schnell. »Thort!«

Ein Raunen ging durch die Menge. Der Eingeborene verharrte in der Bewegung und sah mich mit großen Augen an. Hatte ich in ihm eine Erinnerung geweckt oder vielleicht ein Tabu verletzt?

Der Ferrone murmelte unverständliche Worte und ging mit hängenden Schultern davon. Ich verstand gar nichts mehr.

Niemand beachtete uns von nun an mehr. Ich hing noch etwa eine Stunde in den Fesseln und die Stricke begannen, mir schmerzhaft in die Handgelenke zu schneiden, als ich ein feines, hohes Lachen vernahm.

Ich suchte die düstere Umgebung mit den Augen ab, dann schließlich sah ich ihn. »Ytriel!«

Der Siga-Blue stand breitbeinig auf einem Baumstumpf und sah mit zwei seiner vier Augen zu mir herüber.

»Verdammt Ytriel! Mach' uns los!« zischte ich.

»Sachte, sachte«, wisperte der kleine Blue, erst will ich mich davon überzeugen, daß ihr bei klarem Verstand seid und die HESPIES euch nicht manipuliert hat.«

Der Gataser schnellte mit einer beachtlichen Sprungkraft in meine Richtung und landete nur einen Meter vor mir auf dem Boden.

Ytriel stemmte die Hände in die Seiten und legte den kleinen Tellerkopf schief. »Na, du starker Terraner? Wie fühlt man sich nach dem ersten Kontakt mit dem Häscher der HESPIES

Ich sah kurz zu Samsor und dem Ara hinüber. »Leben sie?«

Der Blue kicherte in ultrahohen Tönen. »Ihr hattet Glück. Die Ferronen haben auch tödliche Gifte für ihre Pfeile.«

Ich atmete schwer. »Wie kommst du hierher?«

Der Blue sah mich an. »Ich war schon immer hier!«

Es trieb mir die Zornesröte ins Gesicht. »Dein Stützpunkt befindet sich auf Pigell?«

Ich rüttelte an den Fesseln. »Du kleiner, grüner …«

Der Blue zirpte laut. »Sachte, mein Freund! Wenn ich der Letzte meiner Rasse wäre, dann würde ich mir keine Feinde machen!«

Ich schrie den Zwerg an. »Warum hast du die Transmitterverbindung nicht geschaltet! Um ein Haar wären wir von dem Kamikaze Androgynen atomisiert worden!«

Der Blue zog einen kleinen Strahler. »Was ist ein Kamikaze? Willst du mich beleidigen?«

Ich beruhigte mich wieder. »Vergiß es!«

Der Blue zielte auf mich. »Für wie dämlich hältst du mich eigentlich, Terraner? Die Verbindung herstellen und dem Kommissar einen roten Teppich ausrollen, direkt in unser Hauptquartier?«

Ich schluckte entsetzt, als mir die Wahrheit bewußt wurde.

Ytriel hatte unseren Tod als letzte Möglichkeit mit einkalkuliert, um sich selbst und den Stützpunkt zu schützen. Meine Kehle wurde plötzlich trocken. »In Ordnung. Mach uns los.«

Wir saßen in einer der Hütten und aßen einen gelben Brei, den uns die Ferronen gereicht hatten. Es erwies sich, daß Ytriel beste Kontakte zum Anführer der Ferronengruppe hatte. Ich erfuhr, daß auf Pigell die letzten Ferronen ums Überleben kämpften und die beiden Hauptwelten des Wegasystems entvölkert waren. Jene Ferronen, die sich damals vor dem Kommissar retten konnten, waren nicht weit gekommen. Die Ferronen hatten keine Chance gehabt.

Mein Blick verdüsterte sich. Ytriel stand in respektvollem Abstand zum Feuer. »Was damals hier geschah, wiederholt sich gerade auf Olymp. Über verschiedene Kanäle erfahren wir, daß die Bevölkerung von Olymp schrecklich von Gucky gepeinigt wird. Schon bald werden viele Bewohner plötzlich verschwinden.«

Ich ballte die Fäuste zusammen und warf ein Stück Kohle ins Feuer. »Das ist nicht Gucky! Das ist ein künstliches Wesen! Der Gucky, den ich kenne, würde so etwas niemals tun. Er würde alles daran setzen, die HESPIES und ihre Genmonster zu bekämpfen!«

Samsor aß bereits den dritten Eimer des nahrhaften Breis. Der Überschwere brauchte von Natur aus wesentlich mehr Nahrung als wir und hatte viel nachzuholen. »Der Kommissar wird nicht vergessen, was geschehen ist. Mit der Selbstopferung des Androgynen hat er das erste Mal echten Widerstand erfahren.«

Ich sah in die Runde. »Leider hat er es offensichtlich überlebt. Aber er kann sicher sein, daß es nicht unsere letzte Aktion war. Er wird sich wundern!«

Der Ara und der Überschwere sahen mich an.

Ytriel hob beide Hände. »Und was schwebt dir genau vor?«

Ich lächelte. »Wir werden ihn nervös machen. Wenn ich wirklich der letzte Terraner in der Galaxis bin, dann glaubt möglicherweise, daß ich wirklich Perry Rhodan bin.«

Ytriel war aufgeregt. »Und was soll das nützen, Terraner? Er wird uns nur noch mehr nachstellen. Wir werden keine ruhige Minute haben.«

»Nein! Wir werden ihn jagen!« entgegnete ich ruhig. »Er ist es nicht gewohnt, daß sich jemand widersetzt. Er wird Fehler machen und dann haben wir ihn!«

Der Ara wurde von einem Schüttelfrost erfaßt. Der Gedanke, gegen das mächtige Wesen vorzugehen, schien ihm nicht zu gefallen.

Ich sah durch den Rauchabzug der Hütte jenes Sternbild, das von der Wega aus betrachtet, Sol beinhaltete.

Doch an der Stelle, den normalerweise die Sonne einnahm, suchte ich vergebens. Der Stern war verschwunden.

»Und später«, sagte ich nach kurzer Pause, »gehe ich auf die Suche nach meinem Volk.«

Am nächsten Morgen brachen wir zum Stützpunkt auf. Eine Gruppe Ferronen begleitete uns und schlug einen schmalen Trampelpfad durch den dichten Urwald.

Ytriel ließ verlauten, daß keiner die Gefahren Pigells besser kannte als die Eingeborenen.

Der Fußmarsch zum Widderstützpunkt nahm zirka zwei Stunden in Anspruch und ohne den ferronischen Führer, hätten wir uns sicherlich verirrt.

Der Dschungel offenbarte sich uns als undurchschaubare, grüne Hölle. Doch die Eingeborenen konnten die wenigen Orientierungspunkte richtig interpretieren.

Endlich am Ziel angelangt, entpuppte sich der Widder-Stützpunkt, als verlassene Station der Kosmischen Hanse. Niemand konnte mit Sicherheit sagen, wie lange die Reste dieses Stützpunktes hier schon standen.

Alles sah sehr verwahrlost aus und komplettierte den Eindruck, den ich bis jetzt von den Widdern gewonnen hatte.

Was ich seit meiner Ankunft auf Pigell erfahren hatte, war wenig ermutigend.

Eine handvoll Ferronen waren auf die Dschungelwelt geflüchtet und lebten wie in den martialischen Zeiten ihres Volkes. Die großen Metropolen des Wegasystems waren entvölkert und wahrscheinlich erinnerten nur noch Ruinenstädte an die einstigen Bewohner.

Ich versuchte mir ein Bild, vom gegenwärtigen Zustand der Galaxis zu machen. Was ich aus den vielen Informationsstücken zusammensetzte, war erschreckend.

Raumfahrt gab es bis auf wenige Ausnahmen nicht mehr. Die einst mächtigen Völker der Galaxis, waren zerschlagen, zurückgefallen in Monotonie oder genmodifiziert. Aber die schlimmste Befürchtung die mich plagte, war der Verdacht, tatsächlich der letzte Terraner zu sein.

Was war aus all den Zukunftsplänen geworden, die einst Thoregon, Camelot und speziell Perry Rhodan verkörpert hatten?

All diese Personen, für mich Helden und Wegbereiter in eine strahlende Zukunft, zählten heute und hier nichts mehr. Man sprach bestenfalls in Legenden über sie.

Ich wischte mir über die kalte Stirn.

Perry Rhodan! Allein dieser Namen schien noch eine Reaktion bei den Schergen der HESPIES hervorzurufen.

Alter Freund, flüsterte ich, du hast dich ihr widersetzt. Wie dankbar wäre ich jetzt für einen Rat von dir.

Ich grübelte über die Vergangenheit nach, jene Zeit, in der Rhodan noch als Helfer der Ordnungsmächte agierte. Ich suchte in meinem Gedächtnis nach Hinweisen, die mir helfen konnten, das Geschehene zu begreifen. Ein Wesen wie die HESPIES, war mir nicht aus keinen Erzählungen bekannt.

Der kleine Siga-Blue schien immer noch mißtrauisch zu sein.

Ich merkte es daran, daß er bei der Führung durch den Stützpunkt, einige Bereiche aussparte.

Der spartanisch eingerichtete Raum, welcher mir als Quartier zugewiesen wurde, wirkte ungemütlich. Blanker Fels schmückte die Wände. Wahrscheinlich hatte man die Räume mit einem Desintegratorbohrer in den blanken Fels geschnitten.

Die Nachrichten flossen äußerst spärlich. Das Nachrichtensystem der Widder funktionierte sehr langsam, wenn überhaupt.

Das einzige, was ich auf meine ständigen Nachfragen über die Situation auf Olymp in Erfahrung bringen konnte, sagte aus, das der Kommissar die Bevölkerung vorbereitete.

Was das hieß, konnte ich mir an fünf Fingern abzählen. Das Wesen quälte die Bevölkerung.

Ich beschloß, gegen den kleinen Blue etwas fordernder aufzutreten und mich durchzusetzen.

Es war nicht zuletzt der Gataser, der Informationen zurückhielt. So konnte es nicht weiter gehen.

Ytriel legte den Kopf in den Nacken. »Niemand kann mit hundertprozentiger Sicherheit sagen, was die HESPIES dazu bewegt, die Menschen der betroffenen Planeten zu quälen. Einziger Fakt ist, daß nach einer Leidensphase von mehreren Tagen, ein Großteil der Bevölkerung verschwindet.«

Ich versuchte zu begreifen, was genau das bedeutete.

Mit leicht spöttischem Unterton, um ein paar Informationen zu entlocken, fragte ich. »Sie lösen sich doch nicht etwa in Luft auf, oder?«

Der Blue antwortete für meinen Geschmack eine Spur zu aggressiv. »Woher soll ich das wissen? Du warst doch selbst dort! Sag du es mir.«

Ich schüttelte den Kopf. Der Kommissar begann erst mit seiner Behandlung. Niemand verschwand vor unseren Augen. Wir sahen die Bewohner nur leiden.

Ytriel zuckte die Schultern, eine recht menschliche Geste. »Es beginnt immer so …«

Ich wurde bestimmter. »Gab es niemals Zeugen? Wo waren denn die Widder die ganze Zeit?«

Der Blue wirkte verärgert, wollte aber diese Schelte nicht auf sich sitzen lassen. »Wenn jemand Bescheid weiß, dann vielleicht der Weise von Kahalo.«

Ich zuckte zusammen. »Kahalo? Der alte Justierplanet der Lemurer?«

Der Siga-Blue zwitscherte aufgeregt. »Wer sind die Lemurer?«

Ich schloß die Augen und ignorierte die Frage. »Erzähl mir etwas über den Weisen.«

Ytriel machte eine Geste der Unwissenheit. »Man sagt, er könne den Planeten nicht verlassen, weil er sonst sterben muß. Die HESPIES hat ihn mit einem Bann belegt.«

Ich war verblüfft. »Einem Bann? Was für ein Bann und warum?«

Der Siga-Blue verfiel wieder in seine arrogante, spitze Art. »Hast du es noch immer nicht kapiert? Es macht ihr Spaß andere Wesen zu quälen. Vielleicht spielt sie mit ihm!«

Ich dachte nach. Vielleicht war das wieder nur eine neue Geschichte, unter den zahlreichen Legenden, die hier gesponnen werden. Aber vielleicht war es auch eine wichtige Spur.

»Warum fliegen wir nicht hin und sehen nach?« fragte ich direkt.

Der Siga-Blue betrachtete mich wie ein giftiges Insekt. »Natürlich, der tatendurstige Terraner! Was glaubst du wird geschehen, wenn wir einfach den Planeten verlassen und ins All starten? Glaubst du, wir kämen weit? Ganz davon zu schweigen, daß wir über kein Schiff verfügen. Außerdem kennt niemand die Position dieses Planeten, namens Kahalo.«

»Oh, doch«, entgegnete ich ruhig. »Ich kenne die Position.«

Der Blue war eine Sekunde sprachlos. »Du kennst sie?«

Ich lächelte. »Bevor ich hierher verschlagen wurde, tat ich Dienst auf einem Schiff, eines der modernsten, die es damals gab. Die Kenntnis der Position des Orbon-Systems, betrachten die Raumfahrer meiner Zeit als Ehrensache.«

Ich lächelte leicht vor mich hin. »Zumindest ist sie eine beliebte Prüfungsfrage bei uns auf der Flottenakademie.«

Der Blue sprang mit einem Satz auf meinen Arm und drohte mit der Faust. »Ihr Terraner seid gefährlich! Ich wußte es schon immer, obwohl ich nie einen von euch zu Gesicht bekommen hatte! Ihr seid anmaßend, arrogant und Maulhelden! Wahrscheinlich hat die HESPIES dein kleines Heimatsystem gar nicht vernichtet, sondern ihr seid aus Angst geflohen.«

Mit einer schnellen Bewegung griff ich nach dem Blue und hielt ihn fest. Der Mini Gataser war leicht wie eine Feder, ich mußte aufpassen, daß ich ihn nicht verletzte. »Hör mir jetzt mal gut zu, du kleiner, grüner Giftzwerg. Wenn es noch Terraner gäbe, dann hätte die HESPIES nichts zu lachen. Wir würden nicht eher aufgeben, bis dieses Monstrum vernichtet oder von hier vertrieben ist!«

Der Blue ächzte unter meinem Griff.

Ich ließ ihm etwas Luft. »In Ordnung, Terraner. Ich wollte dich nicht beleidigen.«

Ich nickte. »Das hört sich schon viel besser an.«

Der Blue entfernte sich mit einem Sprung aus meinem Aktionsradius. Es sah so aus, als ob er Sicherheitsabstand gewinnen wollte.

Ich machte mich auf die nächste Schimpfkanonade gefaßt, die jedoch nicht über mich hereinbrach.

Statt dessen sagte Ytriel mit ruhiger Stimme: »Und was wäre, wenn wir doch ein Schiff hätten? Ein kleines zwar, aber immerhin ein Schiff. Würdest du einen Flug nach Kahalo wagen?«

Ich brauchte nicht lange zu überlegen. »Ja, das würde ich! Wir brauchen einfach mehr Informationen, um der HESPIES nachhaltig schaden zu können. Eure Aktionen basieren auf viel zu wenig Wissen. Ich bin für jeden Strohhalm dankbar. Sehen wir uns den Weisen an. Vielleicht existiert er und hat wirklich ein paar brauchbare Informationen für uns.«

Der Siga-Blue überlegte kurz. »Wenn du die Position von Kahalo kennst, dann vertrau ich dir das einzige, funktionsfähige Schiff an, über das die Widder verfügen.«

Ich glaubte nicht was ich da hörte. »Ihr habt tatsächlich ein Schiff? Wo ist es? Zeig es mir!«

Ich konnte meine Erregung kaum zügeln.

Ytriel winkte ab. »Wir treffen uns in einer Stunde wieder. Ich muß noch etwas nachdenken und nach ein paar Informationen suchen, die auf deiner Mission hilfreich sein könnten, dann zeige ich dir das Schiff.«

Ich stimmte widerstrebend zu. »In einer Stunde also.«

Es war eine Space-Jet modernster Bauart, jedoch völlig verrottet und wahrscheinlich seit mindestens Hundert Jahren nicht mehr geflogen. Die Widder hatten sich nicht sonderlich viel Mühe gegeben, das Schiff zu pflegen. Es stand einfach, mit Tarnnetzen überzogen, mitten im Dschungel von Pigell!

Ich umrundete das Kleinraumschiff mehrmals und betastete die Hülle der Jet, wie einst die Piloten der alten terranischen Flugzeuge, kurz vor dem Abflug.

»Und sie fliegt?« fragte ich ungläubig.

Ytriel saß auf meiner Schulter und hielt sich an meinen Schultergurten fest. »Ich weiß nicht genau. Wenn die Maschinen langlebig genug sind, dann kann sie starten. Sie steht schon hier, solange ich den Stützpunkt von Pigell leite. Eine halbe Ewigkeit.«

Ich schüttelte den Kopf. »Wie um alles in der Welt konnte es so weit kommen? Wart ihr nicht neugierig, wie es da draußen aussieht?«

Ich deutete mit der Hand zum Sternenhimmel. »Hat die HESPIES euch allen Antrieb genommen?«

Ytriel senkte den Kopf, als er sagte. »Ja, das hat sie. Fast mein ganzes Volk ist ausgerottet worden und jene die überlebten, fielen der Demotivationsstrahlung zum Opfer.«

Er tat mir plötzlich leid. Ich nahm Ytriel auf die Handfläche und sah ihn an. »Kan