Das PBeM-Team der CREST VPERRY RHODAN ONLINE CLUB (PROC) HomepageErschienen am:
04.09.2001
PROC STORIES - Fan-Stories aus dem Perry Rhodan Online Club

CREST V – Buch 4

Planetfall

Was bisher geschah

Am 1.9.3431 macht sich die CREST V, eines der größten Raumschiffe des Solaren Imperiums, auf den Weg in eine gefährliche Mission.

Die CREST V geht in ihren ersten ernsten Einsatz, und prompt geht alles drunter und drüber: Alun wird entführt und der Rest der Mannschaft muss sich unkognito auf einen mittelalterlichen Planeten auf seine Suche machen. Währenddessen kommt der Verfolger Emerson immer näher...

CREST V ist ein PBeM-Rollenspiel, d.h. jeder, der Lust hat, kann Teil der Schiffsbesatzung werden und per Mail die Abenteuer miterleben und -gestalten!

Viele Informationen über das Spiel, die Personen und die CREST V erhaltet ihr auf der Homepage des Rollenspiels unter: http://www.proc.org/crest5/

Hauptpersonen

Major Robert Alun – Der Erste Offizier wird entführt

Major Emerson Victor Oostrog – Der Veego gerät in ernsthafte Schwierigkeiten

Mr. Spock – Er kommt Emerson auf die Schliche

Oberst Lastinus Strader – Er leitet den Bodeneinsatz

Oberstleunant Artor Seek – Auch er führt eine Landetruppe

Major Beceefha Scrouzy, Oberstleutnant Taron Dawn und Oberstleutnant Yohko Takashi – Mitglieder des Landeteams

1. Die Party (BZ: 19:30 Uhr, 4. Flugtag)

Nach dem Ende seiner Schicht ging Emerson erst in seine Kabine und suchte nach dem passenden Outfit für die Feier anlässlich der Rettung der Erde. Doch sein Kleiderschrank enthielt nur mehrere Standarduniformen und eine Galauniform.

Da keine dieser Kombinationen dem Anlass angemessen schien, holte er die schwarze Kiste aus dem hinteren Eck des Schranks und entnahm ihr seine Veegokleidung, mit der er nach jedem Aufenthalt auf »Heimat« ausgestattet wurde. Es handelte sich dabei um quietschgelbe Shorts und ein schreiend buntes Hawaiihemd, komplett mit dazu passenden Sandalen und kurzen karierten Socken. Die Sonnenbrille ließ er diesmal weg, denn die Beleuchtung an Bord war viel zu dunkel, um sie zu tragen.

Als er in der Gemeinschaftsmesse ankam, war die Stimmung bereits auf dem Höhepunkt. Seine Ausstaffierung fiel nicht im Geringsten auf, wahrscheinlich deshalb, weil der Großteil der Anwesenden sternhagelbetrunken war.

Er selbst nahm sich an der Bar einen alkoholfreien Fruchtsaft und stellte sich abseits in eine Ecke.

Ihm war nicht nach Feiern zumute. Zwar freute es ihn, dass das Sol-System noch existierte, aber Carpenters Tod beschäftigte ihn immer noch. Er fragte sich andauernd, ob er dessen Selbstmord nicht hätte verhindern können. Oder ob seine Einmischung in das Schicksal der Menschheit nicht vielleicht sogar das alles verursacht hatte!

Um sich von solchen Trüben Gedanken abzulenken, beobachtete er das Treiben um ihn herum. Er sah mit an, wie die Besatzungsmitglieder dem Alkohol reichlich zusprachen.

Emerson selbst hatte dazu keinerlei Bezug. Sein Pseudokörper wurde von Ethanol nicht berauscht, genauso wenig wie von Methanol oder sonstigen Kohlenwasserstoffen oder anderen Drogen. Deshalb verspürte er auch keinen Drang dazu, diese ungenießbaren Getränke zu sich zu nehmen, deren einziger Reiz im Rausch zu liegen schien.

Während er seinen Fruchtsaft trank, beobachtete er interessiert, wie der Oxtorner Taron Dawn, erster Kommandant der Beibootflottille und Retter der Erde, mit einer brünetten Terranerin flirtete und dabei von der volltrunkenen Japanerin Yohko Takashi, der zweiten Kommandantin der Beibootflottille und Retterin der Erde, gestört wurde. Dennoch gelang es Dawn, die Frau abzuschleppen.

Das war ein weiteres Konzept, das Emerson nicht nachvollziehen konnte: Die sexuelle Interaktion zwischen materiegebundenen 4D-Lebensformen. Die Veego lebten ihr ganzes Leben sehr einzelgängerisch und vermehrten sich durch »Knospung« ohne einen Partner zu benötigen. Liebe und sexuelles Verlangen zwischen Veegos gab es nicht, noch nicht mal echte und starke Freundschaft, wie sie bei den anderen Spezies vorkam.

Merkwürdigerweise kam es ab und zu vor, dass ein Veego Zuneigung zu einem Nichtveego empfand, und zwar geschlechtsdifferenziert. Das bedeutete, dass ein eigentlich geschlechtsloser Veego sich auf einmal mit dem Geschlecht seines Pseudokörpers identifizierte und eine Vorliebe für ein Mitglied des anderen Geschlechts einer fremden Rasse entwickelte.

Emerson war das noch nie passiert in seinen etwa 90 Lebensjahren. Und da er nicht wusste, wie das war, konnte er sich nicht mal danach sehnen.

Als er sich gerade überlegte, welche sexuelle Praktik mit dem Oxtorner die Brünette wohl überleben könnte, fiel ihm auf, dass jemand schon eine ganze Weile neben ihm stand. Es handelte sich um einen kleinen Plophoser, der eine völlig deplaziert wirkende Standarduniform trug. Er trank in regelmäßigen Intervallen aus seinem Glas, in dem sich scheinbar pures Wasser befand.

»Hallo!« sagte Emerson zu ihm.

»Hallo, Mr. Ostrog. Werden wir planmäßig unseren Zielort erreichen?« erwiderte der Plophoser emotionslos.

»Ähh... Ähh, ja, das werden wir. Aber woher kennen Sie meinen Namen?« entgegnete Emerson irritiert.

»Ich habe Ihre Akte studiert, Mr. Ostrog«, antwortete der Plophoser ohne Umschweife.

»Warum denn das? Und wie heißen Sie eigentlich?« gab Emerson von sich.

»Ich habe die Akten aller Offiziere studiert, Mr. Ostrog. Und mein Name ist Montgomery Spock«, sagte der kleine Mann beinahe arrogant.

»Häh? Ist Spock nicht ein Name aus einer Fernsehserie aus den 1960ern?« wollte Emerson von dem merkwürdigen Mann wissen. »Der war doch der Wissenschaftsoffizier eines Raumschiffes namens ›Enterprise‹! Und gab es da nicht einen Chefingenieur mit dem Namen Montgomery Scott?«

Er kannte sich mit den uralten Fernsehserien des 20. Jahrhunderts beinahe genauso gut aus wie mit der Literatur jener Zeit. Denn was sollte ein Wesen sonst machen, das nicht schlafen musste?

Zum ersten Mal zeigte sein Gegenüber eine gefühlsmäßige Reaktion. Er wich mit vor Schreck verzerrtem Gesicht zurück, als wäre Emerson der Leibhaftige.

»Woher... woher wissen Sie das?!?«, krächzte der Mann, der sich Spock nannte, und verließ fluchtartig den Raum.

Emerson schaute dem seltsamen Männlein nach und fragte sich, ob der Typ wohl zuviel getrunken hatte oder ob er das zweite Besatzungsmitglied war, das sich seinen Namen aus der terranischen Kulturgeschichte ausgesucht hatte.

Denn auch Emersons Nachname stammte aus der Science-Fiction der Zeit vor dem Kontakt mit den Arkoniden. Um genau zu sein aus dem Roman »Wenn der Schläfer erwacht« von H.G. Wells aus dem Jahr 1899.

Nach einer Weile wurde Emerson des Rätselns und des Beobachtens müde und zog sich in seine Kabine zurück, um einige Folgen einer 1500 Jahre alten britischen Fernsehserie mit dem Namen »Dr. Who« anzusehen, die sich auf einer Reihe von Speicherelementen befanden, die zu seiner Sammlung von medialen Gustostücken aus der Blütezeit der terranischen Trivialkultur gehörte.

Nachdem Emerson vier Folgen »Dr. Who« angesehen hatte und es schon weit nach Mitternacht war, ruhte er sich einige Stunden aus, um für den Tag fit zu sein. Denn heute am 05.09.3431 würde die CREST V endlich ihr Einsatzgebiet erreichen.

Um 6 Uhr morgens wachte er erfrischt auf und machte sich bereit für seinen Dienst. Die gegenwärtige Linearetappe würde erst um kurz nach 8 Uhr beendet sein, also hatte er noch genug Zeit. Bevor er irgendetwas anderes tat, wollte er in einer der Schiffsmessen eine Kleinigkeit zu sich nehmen, denn er rechnete damit, dass die nächsten Tage sehr hektisch und anstrengend werden würden.

Als er in der Messe eintraf, waren nur wenige Besatzungsmitglieder anwesend. Als Emerson sich umblickte, wurde er gewahr, dass in einer der hinteren Ecken eine geduckt dasitzende Gestalt saß, in der er Dr. Tsuran wieder erkannte. Ohne Zögern ging er zu ihm hinüber und setzte sich an seinen Tisch.

Der Arzt und Unruhestifter blickte überrascht auf und erkannte in ihm den Schiffsnavigator wieder, der den Saboteur Ron Laska dingfest gemacht hatte.

»Na, sieh mal einer an!« begrüßte Emerson den Doktor sarkastisch. »Dr. Tsuran, was für ein Zufall, Sie hier zu treffen! Schmieden Sie gerade irgendwelche Pläne, wie Sie noch mehr Unheil anrichten können?«

»Was wollen Sie von mir, Ostrog?« fragte Tsuran mit müder Stimme. »Man hat mich freigelassen, falls Sie das nicht wissen sollten.«

»Es ist mir bekannt, und ich halte es für einen großen Fehler! Sie sind nach wie vor von dieser fixen Idee besessen, der Galaktopsychologe Robert Alun würde unser aller Untergang herbeirufen!«

»Sie haben doch keine Ahnung! Sie wissen nicht, was ich weiß!« erwiderte Tsuran ärgerlich.

»Dann klären sie mich auf!« bat Emerson mit ehrlicher Stimme. »Erzählen Sie mir, wie sie auf diese absurde Idee gekommen sind!«

»Sie würden mir doch sowieso nicht zuhören, Ostrog!« antwortete Tsuran resigniert. »Sie sind wie alle diese anderen Ignoranten hier an Bord!«

Emerson lehnte sich betont aufmerksam zurück und sagte: »Ich bin doch hier, und ich lausche Ihren Worten! Also los, spannen Sie mich nicht auf die Folter!«

Der Arzt starrte ihn überrascht an, und nach kurzem Zögern begann er seinen Standpunkt ausführlich darzulegen.

Als erstes händigte er Emerson ein Exemplar seines Buches aus, das er anscheinend ständig bei sich trug. Dann fasste er den Inhalt kurz zusammen und berichtete über Alaska Saedelaere und andere Fälle, bei denen Personen, die am 2.12.3400 geboren worden waren, ein Unglück oder gar eine Katastrophe verursacht hatten, meistens ohne es zu wollen.

Dann kam er zu Robert Alun und der Sache mit den Wrins.

»Also wenn ich richtig verstanden habe, dann befand sich Alun gar nicht an Bord des Schiffes, als er spurlos verschwand«, hakte Emerson nach.

»Das ist korrekt, Ostrog«, erwiderte Tsuran bereitwillig.

»Wie kommen Sie dann darauf, dass Alun daran Schuld ist, Doktor Tsuran?« wandte Emerson ein. »Er war viel Lichtjahre entfernt, als es geschah, und so mächtig kann er doch auf keinen Fall sein!«

»Es kann einfach kein Zufall sein, dass das Schiff genau dann verschwand, als Alun zur Besatzung gehörte!« widersprach der Arzt.

»Das mag wohl sein. Aber ist Ihnen denn nie in den Sinn gekommen, dass Alun einfach nur Glück hatte und dass er sich gerade nicht an Bord befand, als dem Schiff was zugestoßen ist?« insistierte Emerson.

»So viel Glück kann ein Mensch nicht haben!« sagte Tsuran bestimmt.

Da lächelte Emerson ihn an und erwiderte: »Aber Sie glauben, dass er soviel Pech verursachen kann, dass ein ganzes Schiff vernichtet wird?«

Tsuran war für ein paar Momente sprachlos. Emersons letzte Aussage hatte ihn aus dem Konzept gebracht. Er schien ernsthaft darüber nachzudenken, und es dauerte einige Minuten, bis er ein Gegenargument vorbringen konnte:

»Aber sein Geburtstag ist mit Sicherheit kein Zufall! Meinen zahlreichen Untersuchungen zufolge passieren Leuten, die an diesem speziellen Tag geboren werden, einfach zu viele Unglücke wie diese!«

»Und wie ist es mit den anderen?« brachte Emerson ruhig ein.

»Wie meinen Sie das?« fragte Tsuran verwundert.

»Haben Sie ähnliche Untersuchungen auch über Leute angestellt, die nicht am 2.12.3400 geboren worden sind?« verdeutlichte der Veego.

»Ähh... Nein, das habe ich nicht. Aber warum sollte ich das?« entgegnete Dr. Tsuran mit Unverständnis in der Stimme.

»Nun, um das zu vermeiden, was die Physiker einen statistischen Fehler nennen. Denn wie wollen Sie wissen, dass bei dieser speziellen Personengruppe eine übermäßige Häufung ungewöhnlicher Ereignisse auftritt, wenn Sie nicht das nicht auch bei allen anderen Personengruppen überprüfen? Wenn Sie das täten, könnten Sie unter Umständen feststellen, das es eine andere Gruppe von Leuten gibt, die weit mehr Katastrophen verursachen als die am 2.12.3400 geborenen!«

Als ausgebildeter Astronom und Astrophysiker kannte er sich in solchen Dingen wie der ordnungsgemäßen Durchführung einer strikt wissenschaftlichen Untersuchung aus und wusste, wovon er sprach.

Das musste Tsuran erst einmal verdauen. Emerson hatte damit einen nicht so einfach von der Hand zu weisenden Einwand vorgebracht, der seine gesamten Forschungen auf diesem Gebiet in Frage stellen konnte.

»Da muss ich in Ruhe darüber nachdenken, Mr. Ostrog«, gab der Doktor kleinlaut zu, stand auf und wandte sich zum Gehen.

»Warten Sie doch mal, Tsuran!« rief Emerson ihm nach. »Haben Sie jetzt Dienst, oder warum hauen Sie einfach ab?«

»Ich bin auf Weiteres von meiner Tätigkeit auf der Krankenstation suspendiert, Mr. Ostrog. Aber ich habe jetzt dennoch Wichtiges zu tun und habe keine Zeit, die ich hier vertrödeln kann«, sagte Tsuran, als er die Messe verließ. Kurz bevor er aus der Tür hinaus war, drehte er sich noch einmal um und sagte über die Schulter hinweg an Emerson gerichtet: »Ich werde über das, was Sie mir hier und heute gesagt haben, gründlich nachdenken, Mr. Ostrog... Das verspreche ich Ihnen.«

Dann war er verschwunden und ließ einen zufriedenen Ersten Navigator zurück. Emerson hatte bei dem Mann offenbar etwas bewirkt, obwohl er eigentlich nur ein harmloses Schwätzchen im Sinn gehabt hatte. Tsuran würde jetzt zwar nicht mit Alun Brüderschaft trinken, aber er würde es sich hoffentlich zweimal überlegen, bevor er den Galaktopsychologe wieder bedrohte.

Na, der Tag fängt ja viel versprechend an! dachte Emerson froh und nahm eine kleine Mahlzeit zu sich, weswegen er ja in die Schiffsmesse gekommen war.

Als er dann auf seinen Armbandchronometer blickte, stellte er fest, dass es schon 7.30 Uhr war. Eilig verließ er die Messe und machte sich auf den Weg zur Kommandozentrale.

Als Emerson auf dem Deck der Zentrale aus dem Antigravlift stieg, sah er sich plötzlich Montgomery Spock gegenüber, dem er zum ersten Mal auf der gestrigen Party begegnet war.

»Friede und langes Leben, Mr. Spock«, sagte Emerson mit freundlichem, aber distanziertem Tonfall, wobei er mit seiner rechten Hand den traditionellen Vulkaniergruß aus dieser bestimmten Fernsehserie formte.

Montgomery Spock verstand den Wink sofort und schien nicht sonderlich erfreut.

Emerson hatte sich seit dem Zwischenfall gestern natürlich kundig gemacht und kannte Spocks Dienstakte auswendig, auch die vom Zugriff beschränkten Teile.

Spock hatte das mit Sicherheit ebenfalls getan, vielleicht schon als er an Bord der CREST V gekommen war. Spock ahnte natürlich, dass Emerson an der Echtheit seiner Identität zweifelte, das hatte dessen Reaktion am Vortag deutlich gemacht. Er hatte wohl nicht damit gerechnet, jemals einer Person zu begegnen, die diese uralte und primitive Fernsehserie aus dem 20. Jahrhundert namens »Star Trek« kannte. Deshalb hatte er wahrscheinlich auch diese Namen gewählt, als er sich eine falsche Identität als Plophoser (denn das war er laut seiner Akte tatsächlich, und als das hatte Emerson ihn auch spontan identifiziert) aufgebaut hatte.

Es gab zwar keinen echten Beweis für Emersons Vermutung, aber die Indizien reichten ihm völlig. Und das wusste Spock genau; es ließ sich sofort an seiner reservierten Haltung deutlich ablesen. Er wusste, dass Emerson versuchen würde, die Wahrheit herauszufinden und befürchtete, der Veego würde sie dann publik machen.

Spock versuchte gar nicht erst, die Angelegenheit richtig zu stellen und eine Erklärung für seinen ungewöhnlichen Namen zu geben, sondern er machte die Fronten zwischen ihm und Emerson klar.

»Ich weiß, was Sie von mir denken«, sagte er. »Sie halten mich für einen Maulwurf, der sich hier unter falscher Identität eingeschlichen hat!«

Damit hatte er Emersons Gedanken wiedergegeben, auch wenn der nicht den Begriff »Maulwurf« benutzt hätte. Spock sprach offen, denn sie waren allein und es gab keinen Grund für Versteckspiele.

Also sprach Emerson genauso offen: »Sie haben Recht. Aber das bedeutet doch nicht, dass ich sie verpfeifen...«

»Ich kann das Risiko nicht eingehen, Mr. Ostrog«, unterbrach Spock ihn einfach, »deshalb sollten Sie wissen, dass ich genug Material gegen Sie habe, um Ihnen das Genick zu brechen!«

Emerson war nun genauso sprachlos wie Tsuran kurz zuvor, nicht nur wegen der schockierenden Enthüllung, sondern auch wegen Spocks Ausdrucksweise.

Bevor er etwas erwidern konnte, verschwand Montgomery Spock im Antigravschacht und ließ ihn zurück.

Na Prost Mahlzeit! dachte Emerson unglücklich.

Er konnte sich denken, um was es sich bei dem angeblichen »Material« handelte, das Spock erwähnt hatte. Er hatte in den ersten Tagen hier an Bord der CREST V so viele Fehler gemacht, dass es ein Wunder war, dass noch niemand ihn verdächtigt hatte, für was auch immer.

Nun hatte Spock ihn in der Hand, denn er konnte mit den von ihm gesammelten Informationen über die Ungereimtheiten und Merkwürdigkeiten, die Emerson so unvorsichtig produziert hatte, Misstrauen gegen ihn verbreiten.

Und das würde früher oder später zur Aufdeckung seines Geheimnisses führen, falls er nicht vorher verschwand. Es war ein Status Quo zwischen Emerson und Spock entstanden, eine Pattsituation oder ein Gleichgewicht des Schreckens, wie auch immer man das nennen wollte.

Spock hatte sichergestellt, dass Emerson nicht weiter hinter ihm her schnüffeln oder ihn anschwärzen konnte, was er ohnehin nicht vorgehabt hatte, da er in der gleichen Situation war, ohne seine eigene Aufdeckung zu riskieren.

Dasselbe galt auch umgekehrt, so dass Spock nicht gegen Emerson vorgehen konnte, ohne sich selbst seinen Henkern auszuliefern.

Das ganze Gespräch hatte nur fünf Minuten gedauert und am Ende stand Emerson ziemlich belämmert da.

Fürs Erste bestand keine Gefahr, aber was würde die Zukunft bringen?

Mit diesen trüben Gedanken setzte Emerson den Weg zur Zentrale fort.

Als Emerson in die Kommandozentrale eintrat, waren alle Positionen längst besetzt, und das auch noch doppelt.

Mit einem um Entschuldigung heischend Blick an den Ersten Offizier eilte er an seinen Platz, an dem bereits der Zweite Navigator der Nachtschicht saß und geschäftig irgendwelche Kursparameter programmierte.

Emerson brachte eine kurze Begrüßung hervor, dann setzte er sich auf den anderen Stuhl, der vor dem Navigationsterminal stand, und überflog die von seinem Kollegen erstellten Flugdaten, bei denen es sich um mögliche Flucht- und Ausweichkurse handelte, die für den Fall eines feindlichen Angriffs benötigt wurden.

Emerson verschwieg seinem Stellvertreter, dass er diese Aufgabe schon gestern erledigt hatte, um ihn nicht vor den Kopf zu stoßen.

Außerdem war er jetzt nicht in der Stimmung für eine fachliche Diskussion über die strategischen Vor- und Nachteile seiner eigenen Flugpläne ihm Vergleich zu denen seines Partners.

Er musste erst einige persönliche Dinge auf die Reihe bringen, dabei würden sie in wenigen Minuten ihr Einsatzziel erreicht haben und womöglich in eine ernste Kampfsituation verwickelt werden.

Stumm und teilnahmslos verfolgte er die Geschehnisse in der Zentrale.

2. Es wird ernst (BZ: 07:58 Uhr)

In vier Minuten, wo bliebt der bloß? ging es Allan durch den Kopf.

Der »Fünf Minuten bis zum Austritt«-Alarm war bereits Geschichte. Alles war doppelt, kritische Stationen dreifach besetzt. Alles saß in mittelschweren Kampfanzügen angeschnallt an den Kampfstationen. Im Schiff herrschte Verschlusszustand, die Schirmprojektoren liefen auf Anlaufspannung, Gefechtstürme waren ausgefahren. Selbst die Schäden, welche die Saboteure veranlasst hatten, waren alle mehr oder weniger behoben. Die CREST war selbst bei kritischster Betrachtung perfekt vorbereitet.

Das Einzige Fehlende war der Kapitän!

Kurz vor dem Ende der von ihm programmierten Linearetappe erschien endlich Kommandant Strader und ließ sich von Gonozal über den Status des Schiffes informieren.

Lasitus betrat die Brücke. Ein kurzer Blick überzeugte ihn davon, dass alle Stationen doppelt besetzt waren. Er ging zu Gonozal und fragte ihn nach dem Status.

»Die Waffen sind alle bereit, wir wissen ja nicht, was uns dort erwartet«, antwortete dieser. »Ebenso alle Schutzschirme und Korvetten, Jäger und so weiter.«

Allan erwähnte nicht extra, dass er sich natürlich nur auf die in der Vorbesprechung ausgewählten Staffeln bezog, da durch den verfrühten Start nicht ausreichend Besatzungen an Bord waren, um alle voll zu besetzen.

Lasitus nickte und sah sich nach Artor um, der sich gerade bei der Ortung aufhielt.

»1 Minute bis zum Linearaustritt.«

Die Brückencrew wartete gespannt auf die Dinge, die da kommen sollten.

»Noch 30 Sekunden«, ertönte es.

Die Zeit schien sich zu dehnen, dann plötzlich war wieder der normale Raum zu sehen.

»Ortung?« fragte Lasitus sofort.

»Nichts, bis auf...« Artor verstummte und wartete den Bericht ab. »Sir, eines unserer Schiffe. Ich glaube, das Gesuchte; es treibt im Orbit um den Planeten. Es weist große Schäden am Rumpf auf.« Artor verstummte nochmals. »Die Brücke allerdings scheint unversehrt und verschlossen zu sein.«

»Keine Feindschiffe in der Nähe?« fragte Lasitus wieder, auf den Panoramaschirm starrend.

»Nichts, wir sind aber auch ziemlich spät hergekommen.«

Lasitus gab den Piloten den Befehl näher ans Schiff heran zu fliegen.

»Warum hat dieses Schiff eigentlich keinen Namen?« fragte jemand anders.

»Es ist nicht mal registriert.«

»Vielleicht so etwas wie ein Geheimschiff?«

Darauf hin wurde auf der Brücke heftig diskutiert.

Was für ein Schwachsinn, dachte Allan, laut sagte er nach einem Blick auf seine Anzeigen:

»Das Schiff ist schwer beschädigt. Wie stellt ihr euch denn vor, soll das Schiffsregister ohne aktivierte Energiequellen feststellen, welches Schiff das ist? Wir sind noch über eine Lichtminute entfernt.

Alles, was wir bis jetzt sagen können, ist, dass es sich um ein übel zusammengeschossenes Schiff des Staatenkreuzer-Typs handelt, also Ruhe jetzt und Annäherungsflug!«

Der Oberst stimmte zu und das Schiff näherte sich dem Wrack.

Als es in den Bereich der optischen Ortung kam, konnte man sehen, wie schwer die Schäden wirklich waren. Verschiedene Durchschusskanäle waren vorhanden und der Ringwulst an mehren Stellen von Sekundärexplosionen der Triebwerksreaktoren zerfetzt. Das Einzige, was aus dem momentanen Winkel von der Bordbeschriftung zu sehen war, war der Anfang eines »EX-7«, der Rest war weggeschmolzen.

Also eine Einheit der Explorerflotte.

Aber wenn die Ortung behauptete, die Zentralkugel sei noch intakt, konnten da drüben wirklich noch Überlebende sein. Strader befahl das sofortige Aussetzen der Bergungsteams.

Dann endlich wichen die konturlosen Schemen des Linearraums der von Sternen übersäten Schwärze des unendlichen Weltalls, aus der ein einzelner heller Stern deutlich hervortrat. Es handelte sich offenbar um das Zentralgestirn jenes Sonnensystems, das in den von Julian Tifflor übermittelten Daten angegeben war.

Es war jenes System im Laran-Sektor, in dem das gesuchte Raumschiff von einer unbekannten Macht angegriffen worden war. An Bord hatten sich streng geheime Pläne für ein neuartiges Antriebssystem befunden, die unter allen Umständen wieder beschafft werden sollten.

Das war die Mission der CREST V und die Besatzung war fest entschlossen, sie erfolgreich abzuschließen.

Die Ortung lieferte nun auch die ersten Daten und entdeckte das Wrack des gesuchten Schiffes im Orbit einer erdähnlichen Welt dieses Sonnensystems.

Nach kurzer Zeit stand fest, dass nur auf der Brücke noch Atmosphäre vorhanden war, während der Rest des Schiffes keine Überlebensmöglichkeit mehr bot.

Emerson warf einen »kurzen Blick« in die Zentrale des zerstörten Schiffes und konnte dort feststellen, dass es noch Überlebende gab – Kinder!

Er unterdrückte den Impuls, sofort hinüberzuspringen, denn das hätte außer viel Ärger rein gar nichts gebracht. Er hätte die armen Kinder nur noch mehr verängstigt und ihnen nicht mal helfen können, sondern nur sich selbst sehr geschadet. Statt dessen wartete er ungeduldig, bis Kommandant Strader ein Bergungsteam los schickte, dem auch Robert Alun angehörte.

Er selbst verzichtete darauf, sich für das Team zu melden, denn er wäre den anderen nur zur Last gefallen.

Robert Alun hielt sich seit etwa einer Viertelstunde in der Zentrale auf, als Strader den Befehl gab, ein Bergungsteam loszuschicken.

»Ich melde mich freiwillig für das Bergungsteam! Dürfte besser sein, falls es noch Überlebende gibt.«

Strader erteilte ihm die Erlaubnis.

In einem schweren Raumanzug betrat Robert das Schiff und suchte in der Zentrale nach Überlebenden. Andere konzentrierten sich auf die Auswertung. Im Schiff hatte nur ein paar Kinder überlebt. Alun versuchte, sie zu trösten, aber das nicht so einfach war.

Was genau passiert war, wussten sie nicht. Einige redeten zwar von den Fremden, aber konnten sie nicht genau beschreiben. Danach hätte es alles sein können, vom Haluter bis zum Siganesen.

Mehr ergab erst eine Untersuchung des Hauptcomputers. Demnach hatte es einen Kampf mit einem unbekannten Angreifer gegeben. Sie benutzten einen Schiffstyp, der zu häufig war, um irgend etwas zu verraten. Das Schiff war so schwer beschädigt worden, dass es zu einer Enterung kam. Da der Kommandant während des Kampfes gefallen war, war es unwahrscheinlich, dass es ihm gelungen war, die Daten zu vernichten. Allerdings ließen die Aufzeichnungen darauf schließen, dass der Gegner auch einiges abbekommen hatte.

Alun gab die Daten an die CREST weiter und fügte hinzu: »Die Gegner sind wahrscheinlich auf dem Planeten notgelandet. Falls Sie da hinunter wollen, melde ich mich für diese Mission freiwillig.«

Der Kommandant lehnte es jedoch ab, Alun auf den Planeten zu schicken. Irgend jemand müsse ja auch auf die Kinder aufpassen.

Robert war natürlich nicht besonders froh, als er das erfuhr. »Okay, Sir.«

Während er sich den Kindern zuwendete, um die er sich kümmern sollte, meldete sich einer der Crewmitglieder, die mit ihm auf das Schiff gekommen waren: »Wir haben noch eine Überlebende gefunden.«

Er schleppte ein vielleicht 16-jähriges Mädchen an.

Das Mädchen fing an, in einer unbekannten Sprache zu sprechen.

Alun schaltete schnell einen Translator ein. Das Gerät fing sofort an zu übersetzen, also war die Sprache oder eine ähnliche darin gespeichert.

»Du hast einen Teil der Gabe. Wir brauchen dich im Kampf gegen die Troch.« Für den Translator war das Wort unübersetzbar. Alun vermutete, dass es ein Eigenname war. »Du wirst mit mir kommen!«

»Das soll ja wohl ein Scherz sein.« Alun lachte und ging auf das Mädchen zu. »Ich habe keine Macht in mir und warum sollte ich gegen die Troch kämpfen? Die haben mir doch gar nichts getan! Im Übrigen weigere ich mich, von jemand, der mir fremd ist, Befehle entgegenzunehmen!«

Weiter kam er nicht. Das Mädchen ergriff seine Hand, es machte »Plopp« und beide waren verschwunden.

Einer der Crewmitglieder funkte den Kommandanten an: »Sir, Mr Alun ist gerade verschwunden...«

Das Bergungsteam hatte gerade das Auffinden einer weiteren Überlebenden gemeldet. Wie das überspielte Bordbuch zeigte, hatte die Besatzung mehrere Kinder beinhaltet. Kinder der Wissenschaftler, die mit diesem Schiff transportiert wurden.

Die Rekonstruktion zeigte, dass, als das Entermanöver voraussehbar gewesen war, der Kapitän der EX-79884 zu einer verzweifelten Aktion gegriffen hatte. Er hatte mit dem Schiff »toter Mann gespielt«, die Kinder in eine Ecke der Zentralzelle gebracht und Waffen an die gesamte Besatzung ausgegeben.

Als sich dann das angreifende Schiff näherte, brachte er einen der Triebwerksreaktoren zur Explosion, die das andere Schiff schwer beschädigte sowie zwei der enternden Beiboote zerfetzte. Leider war das nicht genug, denn das Schiff wurde von den übrigen Beibooten des Angreifers geentert, aber nicht ohne dass das angreifende Schiff vorher noch einige Breitseiten abgegeben hatte.

Im darauf folgenden Kampf Mann gegen Mann wurden die letzten überlebenden Verteidiger niedergemetzelt In der letzten Eintragung ins Bordbuch sprach der Kapitän davon, dass er Vorkehrungen getroffen habe, um die wissenschaftliche Ausbeute nicht in die Hände der Angreifer fallen zu lassen.

Während die ganze Zentralbesatzung den Erläuterungen der Bordpositronik lauschte, gab auf einmal die Ortung Alarm: »Hyperenergetische Impulsfront vom Wrack aus! Schwacher Strukturriss auf dem Nordkontinent des Planeten, Ortungsbereich ungefähr 200 Kilometer!«

Sekunden später kam die Meldung »Sir, Mr Alun ist gerade verschwunden!« über Funk vom Wrack.

»Was heißt hier verschwunden?« schrie Strader ins Feldmikro seines Pultes.

Strader befahl dem Bergungsteam sofort, die HÜ-Schirme zu aktivieren und sich erst einmal von den Kindern fern zu halten, da er sich denken konnte, dass er es hier mit einem Teleporterphänomen zu tun haben könnte.

Binnen einer Minutenfrist gab es 73 »freiwillige Meldungen« für eine Landmission.

Allan löste eine Grobauswertung der Daten, die sie über den Planeten hatten, aus. Vom Zentralrechner kam, dass keine Daten über bezeichnete System in den Sternenkatalogen aufgelistet waren. Die bisherigen Ortungsergebnisse zeigten jedoch mehrere große Städte auf den drei Großkontinenten der sehr erdähnlichen Sauerstoffwelt.

»Bevölkerung mindestens 300 Millionen, Technologie zwischen frühem Mittelalter bis zur Industrialisierungsebene. Noch kein Funkverkehr.«

Außerdem gab es mindesten fünf extreme Vorkommen an Metallen.

Das Bordobservatorium meldete, dass sie eines der Metallvorkommen laut Positronik als Wrack einer altarkonidischen Schiffsklasse, die im Register als »Burnside-Klasse« bezeichnet wurde, erkannt worden war. Es lag mit eingeknickten Landebeinen auf einem Felsplateau.

»Du ahnst es nicht«, entfuhr es Allan, woraufhin Strader ihn fragend ansah. »Die Burnside-Klasse ist ein Schlachtkreuzer, aufgebaut auf einer 500 Meterzelle, die einmal das Groß der Streitkräfte des großen Imperiums bildeten.«

Als der fragende Ausdruck im Gesicht des Oberst blieb, merkte Allan, dass er noch eine Information vergessen hatte zu erwähnen. »Das war zu Zeiten der Methan-Kriege«, setzte er daher schnell hinzu.

Hierauf wurde der Oberst blass.

Kurz darauf wurden zwei weitere Metallvorkommen als Wracks der Merrit- und Mansfield-Klassen identifiziert, worauf Allan nur noch sagte:

»800 und 250, dieselbe Zeit, Sir. Wir haben es hier entweder mit einer ›Wilden Kolonie‹ oder mit den Nachkommen von Schiffbrüchigen aus der Zeit der Methankriege zu tun...«

Strader beendete den Satz: »...die eine eigene Zivilisation aufgebaut haben. Das heißt, dass wir ab jetzt extrem vorsichtig sein müssen, um nicht Anlass für Kreuzzüge, Inquisitionen und Ähnliches zu werden. Wer weiß, was das Gefecht im Orbit schon alles angerichtet hat...

Ausschleusen von Miniatursonden vorbereiten! Wir müssen erst einmal wissen, was da unten abgeht, bevor wir hinuntergehen können. Identifiziert mir die anderen Metallvorkommen! Ich will wissen, ob der Angreifer auch da unten liegt.«

Etwa zweieinhalb Stunden später verwünschte er sich dafür, nicht mitgegangen zu sein, nämlich als die Meldung von Aluns Verschwinden eintraf.

Erst nach einiger Zeit lagen alle Informationen vor, die zur Klärung des Ereignisses nötig waren. Wie es schien, hatte sich unter den Kindern eine junge Teleporterin befunden, die Alun zum Planeten hinuntergebracht hatte. Sie schien vom Nordkontinent zu stammen, wo der Materialisationspunkt bis auf 200 km genau bestimmt werden konnte.

Auch jetzt war Emerson zur Untätigkeit verdammt und konnte Alun nicht zur Hilfe eilen, vor allem, da er dessen genauen Aufenthaltsort nicht kannte. Doch er tat etwas anderes: Er meldete sich wie viele andere sogleich freiwillig für eine Landemission auf dem Planeten, in dessen Orbit die CREST V und das Wrack kreisten. Außerdem machte er sich seine Gedanken über den unglaublichen Vorfall.

Er holte das Buch hervor, das Dr. Tsuran ihm heute morgen gegeben hatte und betrachtete den Einband, auf dem in großen Lettern der Titel »Zwischen Bortong und Peruwall und andere schlimme Katastrophen mit Leuten, die am 02.12.3400 geboren sind« prangte. Er hatte bisher noch keine Möglichkeit gehabt, es auch nur anzulesen, aber Tsuran hatte ihn grob über den Inhalt unterrichtet. Sollte der Mediziner etwa recht gehabt haben mit seiner Behauptung, Robert Alun wäre eine Gefahr für das Schiff und dessen Besatzung?

Es war wirklich seltsam, dass gerade Alun so etwas passieren musste. Und was war mit dieser »Gabe«, von der das Mädchen gesprochen hatte und die Alun angeblich zum Teil besitzen sollte? Wenn daran überhaupt etwas war, dann schien Alun in der Tat eine besondere Begabung zu haben, die ihn zum Ziel dieser Teleporterin gemacht hatte.

Aber im Gegensatz zu Tsuran glaubte Emerson nicht daran, dass Alun dem Schiff Unheil bringen würde. Vielmehr schien es ihm, zumindest theoretisch, möglich zu sein, dass das Schicksal den Galaktopsychologen aus der Gefahrenzone schaffen wollte. Das Ergebnis war dann allerdings dasselbe, nämlich dass die CREST V in großer Gefahr war, vernichtet zu werden. Zumindest, wenn man diesen mystischen Humbug tatsächlich ernst nehmen wollte.

Aber Emerson hatte zur Zeit andere Probleme. Falls er zum Landeteam eingeteilt werden sollte, musste er sich zügig vorbereiten und ausrüsten. Vor allem würde er die Sprache dieser Welt auswendig lernen müssen, sobald man das vollständige Idiom ermittelt hatte. Denn einen Translator zu benutzen wäre viel zu auffällig und würde dort unten womöglich viel Schaden anrichten, und eine Hypnoschulung kam für ihn als Veego nicht in Frage.

Er hatte schon früh feststellen müssen, dass diese faszinierende und schnelle Art der Informationsaufnahme nicht bei ihm wirkte und das verursachte oftmals ziemliche Probleme. Er konnte diesen Makel nur unzureichend mit der für Veegos typischen Fähigkeit der übermenschlich schnellen Informationsaufnahme kompensieren. Deshalb konzentrierte er sich auf den Datenfluss, der von den ausgeschleusten Sonden kam und das bisher von den Schiffssensoren erhaltene Bild dieser fremden Welt vervollständigte. Da es sich offensichtlich um eine uralte Zivilisation von Schiffbrüchigen aus der Zeit der Methankriege handelte, benutzte man dort wohl einen Dialekt einer längst veralteten Arkonidensprache, vielleicht einen Vorgänger des Satron, auf dem das Interkosmo aufbaute. Das machte die Sache hoffentlich einfacher für ihn, aber sicher war das nicht.

Dann rief Kommandant Strader auf zu einer wichtigen Besprechung, und Emerson ging hinüber zum Konferenzraum.

Als Dawn erwachte, hatte er natürlich keine Kopfschmerzen, denn erstens war er ein Oxtorner und zweitens der 3345er Wein gut gewesen. Er wusste schon, dass er sich wieder allerhand Gespött von der Besatzung würde anhören müssen, speziell was Natalie anging. Leider hatte niemand mitbekommen, dass er sie nachts noch in ihre Kabine zurückgetragen hatte, nach einem langen Gespräch bei Kerzenschein und zwei Flaschen Wein.

Sie hatten sich sehr amüsiert und über das Gespräch die Zeit völlig vergessen. Bis auf ein bisschen Händchen Halten hatte er sie natürlich nicht angefasst, denn er war einfach kein Typ für solche spontanen Aktionen. Selbst die Aktion am Abend war für ihn vollkommen unnormal gewesen. Normalerweise dauerte es bei ihm Tage, bis er sich überhaupt traute, eine Frau anzusprechen. Aber bei ihren wunderschönen Augen hatte er einfach nicht anders gekonnt.

Und dieser Mund... dachte er.

Als Taron merkte, dass er schon wieder vollkommen in seine Träumereien abgedriftet war, machte er eine wütende Handbewegung und versuchte, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Er hatte über die Bordsprechanlage erfahren, dass sie am Ziel waren und es eine Außenmission geben sollte. Sofort hatte er in der Zentrale angerufen, wurde aber mit der Behauptung abgewiesen, dass mittlerweile noch 230 weitere Leute auf diese Mission wollten.

Dann muss ich sie halt wieder aus der Patsche hauen, in die sie ohne mich sowieso geraten, dachte er fröhlich, dann hat wenigstens auch Sauron etwas zu tun.

Wo steckte er überhaupt, der Schlingel? Er würde sich wohl mit dieser Miezekatze in irgendeine Ecke verzogen haben.

Frisch aus der Hygienezelle kommend begab sich Dawn also in den Hangar, um eine Korvette für die Außenmission bereit zu machen.

Sie werden bestimmt eine brauchen, dachte er.

Artor hatte ihn sofort als Mitglied seiner Landetruppe akzeptiert, und so ging Dawn in seine Kabine, um seinen Spezialanzug zu holen.

Als er diese betrat, fiel ihm sofort auf, dass er immer noch nicht ausgepackt hatte. Erst hatten sie die ganzen Probleme mit den Saboteuren gehabt und dann war da die Sache mit Natalie gewesen. Es war ihm schon peinlich gewesen, sie in ein solches Zimmer zu führen, aber sie hatte gesagt, sie habe auch noch nicht ausgepackt. Also hatte Dawn einige Koffer aus dem Weg gerückt und sie hatten einen schönen Abend gehabt.

Nun fing er an, seine Koffer zu durchwühlen, bis er seinen Anzug gefunden hatte. Es war ein Standardkampfanzug, allerdings auf die Maße eines Oxtorners zugeschnitten. Er wusste natürlich, dass er den Tornister mit dem Schutzschildaggregat, dem Deflektor, dem Antigrav und den Impulsdüsen nicht so einfach mit nach »unten« nehmen konnte. Also begab er sich in eine Werkstatt.

Dawn setzte sich an ein Terminal und begann, der Positronik die Vorgaben für einen Patronengürtel zu machen. Dieser diente natürlich erst in zweiter Linie dazu, die Munition für eine der altertümlichen Handfeuerwaffen und seinen Raketenwerfer zu halten, in erster Linie integrierte Dawn dort einen Schutzschirmgenerator und einen Deflektor. Der Antigrav kam in eine leere Raketenhülse und als Impulsdüse musste der Thermostrahler herhalten. Als Mitentwickler des Thunder-Jägers waren ihm solche Miniaturisierungen nicht ganz fremd, auch wenn er diese Geräte nie selbst herstellen oder entwickeln könnte. Dazu waren schon die Mikroskopaugen der Siganesen notwendig.

Desweiteren gab er auch gleich Anweisungen für ein Dutzend Boden-Boden Langstreckenraketen einige Boden-Luft Raketen sowie eine Menge kleinerer Projektile für den direkten Kampf. Um die Sprengkraft dieser Waffen zu erhöhen, verwendete er nicht das auf dem Planeten gebräuchliche TNT, sondern einen speziellen thermonuklearen Sprengstoff. Dieser entsprach im Prinzip einer hoch entwickelten Fusionsbombe. Natürlich verwendete er unterschiedliche Dosierungen dieses Sprengstoffes, um auch im »Nahkampf« eine Chance zu haben.

Während die automatische Fertigungsstraße an diesen Wünschen arbeitete, dachte er noch über die weitere Ausrüstung nach. Auch wenn er in einer Hypnoschulung die auf dem Planeten gängige Sprache erlernen würde, beschloss er, vorsichtshalber noch einen Translator im Armbanduhrenformat mitzunehmen. Seinen Mikrogravitator, den er sowieso nur zu Übungszwecken trug würde er in der Korvette lassen, genau wie seinen überschweren Impulsstrahler. Zudem besorgte er sich noch die für den Einsatz vorgesehene Standardausrüstung wie eine Uniform und Papiere. Auch ein kleiner Psychostrahler war dabei.

Fast sofort, nachdem er erfahren hatte, dass Alun verschwunden war, meldete sich Vron freiwillig. Der Marsianer a König, der ein enger Freund von Alun war, sich aber leider eine Erkrankung zugezogen hatte, sagte zu Vron:

»Viel Glück da unten und versuchen Sie, den Psychologen wieder mitzubringen.«

»Ich werde es versuchen!« versprach Vron und ging in den Konferenzraum.

Dann begab er sich in die Maskenabteilung, denn ein Mann seiner Statur mit schwarzer Haut und Vollglatze würde vielleicht doch auffallen.

Beceefha hatte in seiner Feuerleitzentrale natürlich auch mitbekommen dass ein stark angeschossenes Schiff gefunden wurde. Er hatte auch sehen können wie einige Männer auf dieses Schiff überwechselten. Diese waren gerade zurückgekommen, als er sich überlegt hatte, nun auch in die Zentrale zu gehen. Immerhin war ja der zweite Feuerleitoffizier auch noch da.

Nun war er also auf der Brücke und hörte sich in Ruhe an, dass das Schiff, welches das Wrack so zugerichtet hatte, auch was abbekommen hatte und wahrscheinlich auf einem der Planeten notgelandet war. Er meldete sich natürlich sofort, als gefragt wurde, wer mit als Außentrupp die Planeten abklappern sollte. Es fiel ihm schwer die andern davon zu überzeugen, das sie den ersten Feuerleitoffizier des Schiffes gehen lassen sollten. Aber am Ende gelang es ihm doch.

Lasitus beobachtete das Ausschleusen der Sonden, die weiteren Aufschluss darüber geben sollten, was da unten vor sich ging. Eine weitere Sonde wurde zum nördlichen Kontinent geschickt, da dort die Erschütterung gemessen wurde.

Ein wenig später trat der neue Feuerleitoffizier zu Lasitus und redete auf ihn ein, er wolle mit nach unten. Anscheinend war er sich sicher, dass er mit dürfe, als Lasitus immer noch schwieg und auf die Daten starrte, die soeben übermittelt wurden. Beceefha schien sich seiner Sache sicher und wollte zurück zu seinem Platz.

»Nicht so schnell, noch habe ich Ihnen keine Erlaubnis gegeben. Warten Sie lieber die Ergebnisse ab. Und noch was: Warum gerade Sie?«

Lasitus sah ihn fragend an. Beceefha zuckte mit den Schultern und verschwand.

Die Sonden überflogen im Moment die Stelle, an der die Erschütterung gemessen wurde, sahen aber nichts weiter als Wald, Hügel und dergleichen. Jeder einzelne Kontinent wurde angeflogen. Auf jedem gab es eine große Stadt und dann nur viele kleine Städte. Zwei Kulturen entsprachen etwa dem Stand des Mittelalters, die andere der Erde zum ersten Weltkrieg.

Eine Stunde späte wurde eine Konferenz angesetzt, an dem ein Teil der Brückencrew teilnahm. Einige Wissenschaftler wurden ebenfalls dazu gezogen.

Gonozal, Artor und Lasitus betraten den Raum zuletzt, da sie noch miteinander gesprochen hatten. Es folgte eine kurze Begrüßung.

»Mein Herren, die Sache ist dringend. Wir wissen immer noch nicht, mit wem wir es zu tun haben, geschweige denn, was mit unserem Galaktopsychologen Robert Alun passiert ist«, meinte Lasitus, überlegte kurz und sprach dann weiter. »Mr. Lawyer Veil, der Leiter der Wissenschaftssektion, hat die Daten der Sonde ausgewertet und wird nun ein Erklärung dazu abgeben!«

Lasitus setzte sich und gab das Wort an Veil.

»Zuerst will ich sie über die Verhältnisse auf dem Planeten aufklären, sofern es mir möglich ist!

Es gibt dort drei Kulturen, die in ihrem Fortschritt gar nicht unterschiedlicher sein könnten. Zwei der Rassen dort unten sind im Zeitalter der Schwerter und Rüstungen, die andere in der Zeit der Aufrüstung. So sieht es für uns jedenfalls aus, da wir viele Truppen, Panzerfahrzeuge und so weiter gesehen haben.«

Veil schaute kurz in die Runde.

»Desweiteren haben wir bei den Wracks eine erstaunliche Entdeckung gemacht. Es sind mindestens drei alte Raumer der Arkoniden und zwei Schiffe der Maahks.«

Viel schwieg daraufhin und schaute in erstaunte Gesichter.

Gonozal nickte kaum merklich zu Lasitus. »Die Arkonidenschiffe entsprechen genau dem Standart zur Zeit der Methankriege.«

»Können Sie auch sagen was passierte? Irgendwelche Vermutungen?« fragte Emerson, der ebenfalls anwesend war.

»Nun, es gibt viele Möglichkeiten. Die treffendste ist wohl die, dass sich die Schiffe gegenseitig so stark beschädigten, dass alle Not landen mussten. Und das war natürlich das Todesurteil der Maahks. Die Arkoniden brauchten lediglich die Schiffe so beschädigen, dass die Maahks hier nicht mehr leben konnten. Es besteht durchaus die Möglichkeit, dass es die Maahks geschafft haben, irgendwo eine kleine Basis aufzubauen, das ist aber ziemlich gering.«

Veil blätterte kurz in seinen Unterlagen.

»Um auf das eigentliche Thema zurückzukommen: Wenn sich den Daten nach die Angreifer auf den Planeten befinden, dann müssen sie gefunden werden, klar.«

Veil lächelte ein wenig nervös.

»Das dürfte sich aber als schwieriger erweisen als gedacht. Die Unbekannten können sich auch getrennt haben und in jeder Stadt sein. Sie können sich auch bei den Wracks befinden und wir müssen noch die Stelle untersuchen, and der Alun angeblich sein soll.

Daher müssen aber mehr Teams nach unten, da eines das nicht alles schaffen kann. Mindestens drei Teams sollten die großen Städte untersuchen, da sich die Unbekannten wohl dort eher aufhalten als in einer Kleinstadt. Ein weiteres Team sollte zu den Wracks und das letzte die Stelle untersuchen wo wir die Erschütterung anmessen konnten.«

Veil endete und schaute die anderen an.

Auf Allans Platzmonitor waren einige neue Informationen aufgetaucht, deshalb ergriff er das Wort:

»Was Mister Viel noch nicht wissen konnte, ist, dass in diesen Minuten die Bordpositronik rekonstruieren konnte, was mit dem angreifenden Schiff passiert ist. Es ist anscheinend nicht mehr zu retten gewesen. Es trat wohl in einem ungünstigen Winkel in die Atmosphäre ein und verglühte, was auch erklärt, warum wir es nicht, wie erwartet, unter dem Metallansammlungen ausmachen konnten. Allerdings konnten die restlichen Beiboote des Angreifers ausgemacht werden. Sie scheinen alle in einem Ring um das größte Wrack auf dem nördlichen Kontinent gelandet zu sein, welcher eine der primitiveren Kulturen beinhaltet. Wahrscheinlich wollten die nachschauen, ob sie das Schiff wieder flott bekommen.

Desweiteren scheint es keinerlei Kontakte zwischen dem nördlichen und dem südlichen Kontinent zu geben, da keinerlei Hochseetransport gefunden werden konnte. Also empfehle ich, dass wir den Südkontinent und den Polarkontinent erst einmal ignorieren und unsere Bemühungen auf den Nordkontinent konzentrieren. Aufgrund der Bestimmungen zum Schutz von primitiven Kulturen wird die Bordpositrionik eine etwaige Starterlaubnis für Grossraumbeiboote verewigen müssen.

Wir müssen insgesamt sehr vorsichtig vorgehen, vor allem, da wir auch bisher nur wenig Kenntnisse über die kulturellen Eigenheiten dieses Kontinentes haben. Mein Vorschlag daher: Mit einem getarnten Drei-Mann-Zerstörer lassen wir einen Transmitter hinunterbringen und über diesen bauen wir eine Ausgangsbasis aus, von der aus wir als Handelszug getarnt in Richtung der Städte, die dem Ortungsgebiet naheliegen, aufbrechen. Da diese in dem Gebiet liegen, das ein möglicher Zielort der Entführung sein könnte, werden wir wohl nur einen Trupp brauchen, was natürlich das Risiko einer kulturellen Einflussnahme extrem verringert.«

Allan wollte sich gerade setzen, als ihm noch etwas einfiel.

»Ach ja, die Auswertung aus den Aufzeichnungen des Bergungsteams hat ergeben, dass die Entführerin eine verhältnismäßig gering veränderte Variante des Interkosmovorläufers ›Satron I‹ gesprochen hat.«

Es gab einiges Stöhnen von den Anwesenden, die Kenntnisse über die linguistische Entwicklung des Interkosmo hatten.

Lächelnd fuhr Allan fort: »Ich sehe, hier wissen einige, wovon ich rede. Satron I ist eine tote Sprache, welche aufgrund ihrer hohen Komplexität zum einfacheren Satron II weiterentwickelt wurde, welche ihrerseits die Grundlage des Interkosmo wurde. Eine Weile wurde es noch als Hofsprache angewandt, aber seit 6000 Jahren nicht einmal mehr das.

Aber das Gute an der Sache ist, wir haben ausreichend Indoktrinatorkristalle, um den Landetruppen eine entsprechende Schulung angedeihen lassen zu können. ohne erst über Tage Sprachinformationen sammeln zu müssen. Jedoch wird das Umgewöhnen nicht leicht, denn es gibt spezielle Dativformen und noch mehr neckische Spielereien. Im Anschluss möchte ich, dass diejenigen, die sich für die Mission freiwillig gemeldet haben, noch bleiben, damit wir gleich mit der Detailplanung beginnen können.«

Nach dem für sie deprimierenden Entschluss zur Verwendung eines Transmitters anstelle einer Korvette begab sich Yohko zu Slaine, ihrem ersten Offizier an Bord der PIKACHÛ, und übergab ihm Tora zur Pflege. Er und der Rest der 25-köpfigen Mannschaft der Korvette waren mit Yohko und dem Schiff zur CREST V gewechselt. Tora gehörte eigentlich schon zur Besatzung des kleinen Kugelraumers, der jetzt schon seit Jahren als Yohkos Kommandoschiff fungierte.

»Slaine, ich verlasse mich auf dich. Halte die PIKACHÛ in Alarmbereitschaft und hol uns da unten raus, falls ich das Notfallsignal sende.«

Während Yohko diesen Befehl erteilte, legte sie den Notfallhypersender an. Er war als recht schlichter silberner Armreif getarnt und stammte noch aus ihren SolAb-Beständen. Mit seiner Hilfe würde sie einen kurzen Notfallimpuls an die Pikachû senden können.

Yohko verabschiedete sich von der Brückencrew und Tora und begab sich in ihre kleine Kabine an Bord der Korvette. Hier lagerte sie ihre Spezialausrüstung und ihre Sportwaffen.

Was nehme ich mit? überlegte Yohko einige Minuten und legte dann ihre Schutzweste an. Darüber zog sie ihren Tarnanzug und als letztes die in den Werkstätten der Crest V angefertigte Kleidung des Planeten. Jetzt spannte sie ihr Ninjato und den Faltbogen auf ihren Rücken, versteckte mehrere Wurfmesser und Shuriken in ihrer Kleidung und legte die getarnte Sonderausrüstung für den Einsatz an. Dann kam ihre getarnte SolAb-Ausrüstung an die Reihe. Schließlich packe sie noch einigen Kleinkram in eine wasserdichte Gürteltasche aus Kunstleder.

Lasitus beobachtete das Auschleusen der Jäger, ein letztes mal gab es Funkkontakt, dann wurde die Verbindung beendet. Die kleinen Schiffe sollten den Nordkontinent anfliegen. Das Gebirge dort war geeignet und bot sicherlich viele Verstecke.

In der Zwischenzeit wurde heftig an der Ausrüstung gearbeitet. Der Trupp war eine Händlerkarawane in Begleitung von Söldnern. Es wurden Stoffe, Salze, Metall und einiges mehr bereitgestellt. Für den Söldnertrupp gab es Schwerter, Bögen, Rüstungen, Kettenhemden und Schilde.

An den Schwertern war sogar ein kleiner Bonus eingebaut. Sie waren mit Paralysatoren ausgestattet, denn man wusste ja nie, was einem begegnete. Die Karawane brauchte natürlich auch Transportmittel und einige Händler. Es wurde eine große Sänfte angelegt und mit einem Antigrav, der viel aushalten konnte, ausgestattet. Sie bekam zusätzlich einen leichten Energieschirm verpaßt.

Wenig später kam die Meldung vom Planeten, dass der Transmitter bereit sei und nur auf sie wartete. Letzte Arbeiten wurden abgeschlossen, wie Transportkutschen, Karren, für die allerdings noch die Zugtiere auf dem Planeten gefangen werden mussten.

Lasitus holte Beceefha und den Oxtorner zu sich. »Für euch hab ich eine besondere Aufgabe.«

Die beiden schauten ihn fragend an.

»Ihr werdet unsere Händler spielen, die faul, träge, fett und verfressen in einer Sänfte liegen.«

Die beiden schauten ihn entsetzt an. »Sir, muss das sein?«

»Ja, dafür habt ihr die Ehre den Trupp zu leiten. Nun ja, eigentlich nur, wenn Fremde bei euch sind«, sagte Lasitus. »Geht jetzt in die Maske und lasst euch einkleiden, es geht bald los!«

Die beiden machten ein zerknirschtes Gesicht und verschwanden.

Lasitus begab sich ebenfalls dorthin, wo er auf Gonozal und Artor traf, die ebenfalls Söldner waren. Sie bekamen ihre Ausrüstung und begaben sich zum Transmitterraum.

Von dem Team waren jetzt fast alle anwesend. 60 Leute tummelten sich in der Halle, die meisten von der Sicherheit, doch es waren auch einige Ärzte und Wissenschaftler dabei.

Eine Weile wurde noch heftig diskutiert.

In der Zwischenzeit hatte sich Lasitus ein wenig zurückgezogen und mit Veil gesprochen.

Schließlich kamen sie zu einer Einigung und Lasitus ging zu den anderen.

Er wartete, bis die Gespräche aufhörten, dann meinte er: »Also, erst einmal wird ein Beiboot mit einem Transmitter und zwei Mann zum Planeten fliegen, dort ein geeignetes Versteck finden und den Transmitter aufbauen. Dann geht ein 60 Mann starkes Team durch den Transmitter auf den Planeten, als Karawane verkleidet.«

Murren wurde im Raum laut.

»Während das Beiboot nach unten geht wird für uns die nötige Ausrüstung zusammengestellt. Ach ja, wegen den Waffen machen sie sich keine Sorgen, da haben wir schon eine Lösung. Gehen Sie jetzt wieder an ihre Posten!«

Im Hangar angekommen wollte Dawn sofort die KC-XI fertig machen lassen, da er noch nicht davon in Kenntnis gesetzt worden war das die Entscheidung gegen ein Großbeiboot gefallen war. Ganz unbewusst hatte er das Schiff ausgewählt, auf dem Natalie Dienst hatte. Als ihm das auffiel, beschloss er, doch die KC-XII zu nehmen, um Natalie nicht in Gefahr zu bringen. Ihm war bewusst, dass das von einigen Besatzungsmitgliedern wahrscheinlich als sehr chauvinistisch angesehen werden würde, doch ihm ging es dabei wirklich nur um seine neu gefundene Liebe!

Also rief er seinen Stellvertreter hier im Hangar zu sich und erfuhr von ihm, dass Yohko schon vorher eine Korvette hatte startklar machen lassen. Mir ihrem Namen konnte Dawn natürlich nichts anfangen und so ließ er sich die Bezeichnung geben.

Die KC-XXXVI also. Na gut, das geht auch, dachte er. Dann muss ich halt sehen, wie ich anderweitig auf den Planeten komme.

Er hatte gehört, dass der genesene zweite Offizier Artor Seek eine Landesgruppe führen würde, und so beschloss er, sich bei ihm zu melden. Dies tat er dann auch, denn schließlich konnte er ja nicht wissen, das sich Natalie soeben in derselben Gruppe angemeldet hatte.

Dawn hatte sich ein »biologisches Toupet« aufsetzen lassen, das ihm einen militärischen Borstenschnitt gab. Außerdem war sein Gesicht mit an die hellere Hautfarbe der Arkoniden angeglichen worden. So vorbereitet begab er sich zum Treffen mit dem zweiten Offizier.

Auf dem Weg wollte er noch ein letztes Mal bei Natalie vorbeisehen um sich zu verabschieden, doch sie war nicht da, obwohl sie gar keine Schicht hatte.

Artor inspizierte noch einmal die Ausrüstung seines Teams und überprüfte, ob alle Freiwilligen auch anwesend waren. Er hatte ja bisher auch keinen Grund gehabt, jemanden abzulehnen. Dass Patrizia sich auch wieder zu seinem Team gemeldet hatte, war für ihn schon keine Überraschung mehr, auch wenn er den Blick unwillkürlich zur Decke des Hangars hob, als er an ihr vorüber schritt.

Mit Hilfe seines telepathischen Sinnes forschte er in den Männern nach Gefühlen wie Angst oder Unsicherheit, aber fand nichts, was ihm Sorgen machen müsste. Nur bei dem Mann mit dem Granatwerfer stutzte er kurz, denn dieser schien heiß darauf, seine Tarnung auch anzuwenden.

Aber egal, dachte Artor, denn vielleicht kommen wir ja sogar in Kampfsituationen und dann ist es gut, so jemanden dabei zu haben.

Dawn hatte sich gerade auf den Weg zur Korvette gemacht, als er über Interkom die Änderung des Einsatzplanes vernahm. Er sollte sich sofort zum Transmitterraum begeben.

Na gut, hatte Dawn gedacht, nehmen wir halt den Transmitter...

Doch nun war alles schlimmer, als er gedacht hatte. Zuerst begab er sich ganz normal zu den anderen in den Transmitterraum und erntete nur einige neugierige Blicke.

Wahrscheinlich wegen des Raketenwerfers, dachte er.

Doch als er sah in welch seltsamer Kleidung die anderen herumliefen, wunderte er sich schon ein bisschen. Als dann der Captain zu ihm kam und ihm einfach den Raketenwerfer abnahm, überlegte Dawn doch, ob er nicht vielleicht die Einsatzorder falsch verstanden hatte. Er hörte sich um und erfuhr, dass sie auf dem Mittelalterkontinent landen würden.

Da Dawn darauf überhaupt nicht vorbereitet war, ließ er sich eine passende Ausrüstung geben. Er bekam einen schweren, farbenprächtigen Mantel mit vielen goldenen Verzierungen, denn schließlich sollte er ja einen Patriarchen spielen.

Obwohl die Beschreibung des Oberst »fett« auf mich wohl kaum zutrifft... dachte er.

Weiterhin ließ er sich eines dieser Paralysatorschwerter aushändigen, welches er sorgsam in einer Scheide unter seinem Mantel versteckte. Auf seinen Wunsch hin bekam er auch noch eine überschwere Axt, die kein Mensch auch nur heben konnte, und einen großen Schild. Beides ließ er in der großen Sänfte verstauen, allerdings so, dass er es jederzeit griffbereit hatte.

Als letzte »Goodies« bekam er einen mit einem grünen Edelstein besetzten Ring, der ein Funkgerät enthielt, ein überschweres Amulett, das unter den protzigen Verzierungen einen Schirmfeldgenerator und ein Antigravaggreget enthielt, einige weitere Ringe, die zum Teil als Sonden und zum Teil als Nukleare Sprengköpfe ausgelegt waren, sowie einige Nahrungskonzentrate, die in seinen Mantel eingenäht wurden.

Die machen ja eine Wandelnde Festung aus mir, dachte Dawn. Na ja, mir soll es recht sein.

Er bedankte sich bei dem Offizier an der Ausgabe und ging durch den Transmitter.

Als Beceefha gerade in den Hangar kam sah er, wie sein Freund Dawn mit seinem Raketenwerfer ebenfalls eintraf. Der Kapitän ging allerdings sofort auf ihn los und nahm ihm das Ding ab, woraufhin Dawn leicht deprimiert durch das Tor ging.

Sein Schwert hatte Beceefha natürlich dabei. Er begab sich nun zum Oberst. um ihm zu sagen, dass er fertig zum Abmarsch sei, und ihn zu fragen, wo Dawn eigentlich Sauron gelassen hatte, denn der war nicht mit durch das Tor gegangen.

Langsam näherte sich Yohko dem Torbogen des Transmitters. Ihr war lau im Magen.

Warum nur unbedingt ein Transmitter? schoss es ihr durch den Kopf. Sie konnte diese ›künstlichen Teleporter‹ nicht ausstehen!

Noch während dieser Gedanken kam der plötzliche Schmerz der Entstofflichung und Yohko fand sich in einer Höhle wieder.

3. Auf dem Planeten (BZ: 12:00 Uhr / 5. Flugtag)

Nach dem Ende der Einsatzbesprechung ging Emerson in seine Kabine und bereitete sich für die Landemission vor. Er gehörte zu dem Kreis von etwa 60 Freiwilligen, die für das Unternehmen ausgewählt worden waren.

Das vorläufige Einsatzgebiet war der mittelalterliche Nordkontinent, auf dem sich wohl auch der Galaktopsychologe Robert Alun befand, aber es würde unter Umständen nötig werden, auf den Südkontinent überzuwechseln, der sich auf dem technologischen Stand des terranischen 2. Weltkrieges befand.

Das Wichtigste war erst einmal, dass er tüchtig Satron I paukte, da eine Hypnoschulung bei ihm nicht ansprach. Leider war diese Sprache der Standard auf dieser Welt, sowohl auf dem Nord- als auch auf dem Südkontinent.

»Ausgerechnet dieses Satron I, eine der grammatikalisch kompliziertesten und bescheuertsten Sprachen, die ich je kennen gelernt habe!« murmelte er genervt, als er versuchte, eine Unmenge von grammatischen Fällen und Ausnahmeregelungen auswendig zu lernen.

Auch wenn Satron I mit dem Interkosmo verwandt war, war es beinahe unmöglich, dieses schwierige Idiom in der kurzen Zeit, die ihm zur Verfügung stand, so perfekt zu beherrschen, dass er es fließend und ohne Akzent sprechen konnte. Und das musste er unbedingt, nicht nur, um lästige Fragen zu vermeiden, sondern auch, um die Mission nicht zu gefährden.

Als er nach einer Stunde mit den Nerven am Ende war, wandte er sich seiner Ausrüstung zu. Zwar würde ihm das wichtigste Zubehör von den Schiffswerkstätten zur Verfügung gestellt werden, aber einige persönliche Dinge wollte er dann doch mitnehmen.

Also öffnete Emerson den Schrank und holte seine schwarze Veego-Kiste aus dem hintersten Winkel hervor. Mit leichtem Druck seiner Fingerspitzen auf die versteckten Sensoren identifizierte er sich, und der Deckel klappte automatisch zur Seite. Dann holte er den Veego-Datenspeicher und den Schutzschirmprojektor hervor, die ihn auf den Planeten begleiten sollten. Als letztes nahm er seinen Veego-Gegenstand in die Hand und fragte sich, ob er ihn mitnehmen sollte.

Aber dann entschied er sich dagegen, denn ein solcher Sextant aus dem 18. oder 19. Jahrhundert von Terra war in der primitiven Kultur des Nordkontinents ein Anachronismus, und auch auf dem Südkontinent würde er auffallen. Also legte Emerson ihn zurück in die Kiste, nachdem er einige Zeit die Aussparung in der Grundplatte betrachtet hatte, in der sein Veego-Computer eigentlich aufbewahrt werden sollte.

Bevor Emerson die Kiste endgültig wieder verschloss, warf er einen Blick auf das rätselhafte Objekt, das er insgeheim als »Emersons Puzzle« bezeichnete. Er hatte es vor vielen Jahrzehnten zufälligerweise gefunden und versuchte seitdem, sein Geheimnis zu lüften. Aber das war ihm bisher nicht mal im Ansatz gelungen, und er bezweifelte, ob er jemals die fehlenden Teile finden würde, die für die Lösung nötig waren.

Dann verstaute Emerson die nachtschwarze Kiste wieder hinten in seinem Schrank und verbarg sie hinter einem Haufen Kleidungsstücke, die auch schon mal bessere Zeiten gesehen hatten. Danach nahm er seine wenigen Ausrüstungsgegenstände und etwas Kleidung zum Wechseln mit und verließ sein Quartier, um sich zu den Schiffswerkstätten zu begeben.

Als Emerson die Ausrüstungsvergabe betrat, waren die meisten Missionsteilnehmer schon abgefertigt. Ein freundlicher Werkstattmitarbeiter half Emerson dabei, sein persönliches Marschgepäck zusammenzustellen.

Da er von der Missionsleitung als Begleitschutz der Karawane eingeteilt worden war, erhielt er eine solide Kriegerkleidung aus imitiertem Leder und ballistischem Tuch, dazu ein metallenes Kettenhemd, einen Helm sowie einen langen und schweren Mantel; außerdem einen ledernen Tragebeutel und eines der speziell angefertigten Paralysatorschwerter, bei dem sich Emerson sehr zur Verwunderung seines Ausrüsters die Schwertklingen abschleifen ließ, um jede Verletzungsgefahr zu vermeiden. Weitere Waffen wies er zurück, auch wenn das seiner Tarnung als bezahlter Söldner nicht zugute kam.

Bei der anderen Ausrüstung war er weniger zurückhaltend und deckte sich mit getarnter High-Tech wie Funkgerät, Antigravgenerator, Medikit, Notverpflegung, einem weiteren Schutzschirmprojektor terranischer Bauart (zusätzlich zu seinem Veego-Schutzschirmaggregat) und schließlich einen Kleincomputer mit 3D-Display, getarnt als metallener Rasierspiegel auch wenn das für einen grimmigen Söldner wahrscheinlich ungewöhnlich war.

Als er endlich alles beisammen hatte, warf er noch einen prüfenden Blick in den Spiegel, der neben der Kleidungsausgabe angebracht war, und schritt zufrieden aus dem Raum.

Vron bekam vom Kommandant die Erlaubnis, bei dem Unternehmen mitzuwirken. Sofort begab er sich in die Transmitterhalle. Dort gab es ein kleines Problem. Dr. Tsuran war aufgetaucht und wollte auf den Planeten.

»Mr. Ostrog hatte Recht. Die CREST wird untergehen. Es ist kein Zufall, dass Alun verschwunden ist. Bitte nehmen Sie mich mit!«

Strader lehnte selbstverständlich ab. »Ich werde nicht so verrückt sein, wissentlich jemand mitzunehmen, der eine Gefahr für das Unternehmen ist, weil er sich nicht unter Kontrolle hat. Tut mir leid, Doktor, aber Sie sind mir ein zu großes Sicherheitsrisiko.«

Tsuran versuchte zu betteln, aber der Kommandant blieb hart. Schließlich wurde der Arzt von Sicherheitsleuten weggebracht. Danach schickte Strader die Leute durch den Transmitter.

Während Beceefha, Dawn und Takashi durchgingen, fragte sich Vron, ob sie sich nicht doch ein Sicherheitsrisiko mitnahmen. Die drei galten als sehr leicht reizbar.

Vron betrat den Transmitter und kam unten an.

Als Allan durch die obligatorische Desinfizierungseinheit auf den Transmitter zuschritt, überflog er im Geiste noch einmal seine Vorbereitungen. Da er sich für die Personaleinteilung verantwortlich gekennzeichnet hatte, stand ihm hierfür nicht viel Zeit zur Verfügung.

Er sollte aufgrund seiner Kampfkunstfähigkeiten die Rolle eines Söldners, Leibwächters oder Paladins übernehmen, also hatte er sich einige der Aufzeichnungen, welche die Sonden übermittelt hatten, angesehen und dabei einige Personen bemerkt, die offen Waffen trugen und ihn an Bilder seiner Jugend erinnerten.

Deshalb hatte er sich in etwas sehr ähnlich den traditionellen Gewändern eines Dagoristas gekleidet, auch wenn diese aus ballistischem Tuch gefertigt worden waren. In den Aufschlägen seines Umhangs waren einige Tharks verborgen und über den Rücken geschnallt trug er das schlichte Dagorschwert mit dem eingebauten Paralysator. Desweiteren trug er noch je einen Dolch am Stiefelschaft und am Gürtel, in denen je ein Psycho- und ein Impulsstrahler sowie ein Desintegrator eingebaut worden war. In den Unterarmholstern trug er noch je einen Dolch mit paralysierender Wirkung und einen, der ein desinfizierendes Feld ausstrahlen konnte, um im Notfall Wunden desinfizieren zu können, ohne diese ausbrennen zu müssen. Natürlich hatte er auch den im Gürtel eingebauten Antigrav- und Schutzschirmprojektor, sowie ein kleines Medkit und einen Wasserschlauch.

In sein seesackartiges Gepäck hatte er neben Hygieneartikeln, Wäsche zum Wechseln und einigen Flaschen Wein (und Schnaps) einige schöne Katzugos gepackt, von denen er hoffte, dass sie in einigen Übungskämpfen mit den andern »Leibwächtern«, zum Beispiel Yohko, zum Einsatz kommen würden. Immerhin es gab genug Parallelen zwischen Katzukokampf und Kendo und er brauchte endlich wieder einen Ernst zu nehmenden Gegner.

Nachdem er noch mal den Schulterriemen zurechtgerückt hatte, überschritt er mit einem mulmigen Gefühl den roten Gefahrenkreis und in das Schwarze Wabern des Torbogentransmitters.

Im nächsten Moment stand er in der Höhle, vor der mittlerweile einige von der Karawane angekommen waren. Draußen wurde bereits versucht, einige der einheimischen, pferdeähnlichen Tiere einzufangen.

Emerson wartete mit den anderen 60 Missionsteilnehmern gespannt auf den Beginn des Landeunternehmens, während der Kommandant die Reihen abschritt und letzte Überprüfungen vornahm.

Als auch die letzten Nachzügler eingetroffen waren und keine Beanstandungen mehr von den Missionsleitern Strader, Seek oder Gonozal kamen, wurde der Transmitter aktiviert. Nacheinander durchschritten die Teilnehmer die übliche Desinfektionsschleuse und betraten das schwarze, seelenlose Wallen.

Mit einem mulmigen Gefühl folgte Emerson den anderen zu dem Abstrahlfeld. Er hatte zwar schon viele solcher Materietransmissionen problemlos hinter sich gebracht, aber genau in diesem Augenblick erinnerte er sich an Tsurans Bericht über Alaska Saedelaeres Transmitterunfall. Als er dann vor dem Transmitterbogen stand, setzte er sicherheitshalber seinen Stahlhelm auf und schritt schnell hindurch.

Auf dem Planeten angekommen begutachtete Dawn zunächst die Höhle, um dann für eine optimale Einrichtung seiner Sänfte zu sorgen. Er ließ noch einige Kissen von der CREST V nachkommen und tauschte einen Träger aus, da er ihm zu schwach erschien. Dann beobachtete er, wie der gerade aus dem Transmitter gekommene Ostrog auf ihn und Beceefha zuging.

Emerson materialisierte in der Höhle, in der der Transmitter aufgestellt worden war, und folgte den anderen zum Ausgang. Draußen genoss er die frische Luft und den strahlenden Sonnenschein dieser Welt, die ihm auf den ersten Blick erdähnlich erschien.

Während einige Missionsteilnehmer sich daran machten, einheimische Reittiere einzufangen, ging er zu Dawn und Beceefha hinüber, die sich für ihren Einsatz als »fette und faule Patriarchen« fertig machten. Zum Glück war Emerson nicht zu den Sänftenträgern eingeteilt worden, denn das wäre doch zu peinlich gewesen.

»Na, meine Herren!« begrüßte er die beiden. »Sind Sie für Ihre schwere Aufgabe denn auch mental ausreichend vorbereitet?«

Beceefha machte ein leicht beleidigtes Gesicht und setzte schon zu einer scharfen Antwort an, als Dawn plötzlich laut loslachte und erst wieder aufhörte, als er bemerkte, dass ihn der Rest des Landeteams verwundert ansah oder sich die Ohren zuhielt.

»Sie sind ganz nach meinem Geschmack, Mister Ostrog«, rief Dawn und klopfte dem ahnungslosen Veego auf den Rücken.

Dawn beobachtete bestürzt, wie der Navigator durch die Höhle flog, verlor dann aber das Interesse, da er sah, dass dieser nicht ernstlich verletzt war. Zudem kam gerade eine weitere Person durch den Transmitter.

Dawn schwante Übles, als er die langen braunen Haare sah, und tatsächlich, es war Natalie, die seinen Okrill Sauron an einer Leine hinter sich herzog.

Dawns Gefühle schwankten zwischen Entsetzen, weil er sie doch sicher auf dem Schiff wähnte, Bewunderung, da bisher niemand außer ihm Sauron an die Leine hatte nehmen können, und vollkommen hingerissen sein aufgrund ihres wunderschönen strahlenden Lächelns, mit dem sie auf ihn zu kam.

Sauron hat sie scheinbar als sein Frauchen akzeptiert, dachte Dawn. Dann muss ich jetzt nur noch dafür sorgen, dass sie das auch wird...

Er brachte mühsam ein Lächeln zustande und wollte die Schönheit mit einer Umarmung begrüßen, doch da kam ihm leider Sauron in den Weg. Er hatte sich von der Leine losgerissen und warf sich nun auf Taron. Dieser wich dem Okrill in letzter Sekunde aus, doch leider stand hinter ihm Beceefha, der somit in Mitleidenschaft gezogen wurde. Dawn umarmte nun ungestört die Beibootkommandantin und war völlig überrascht, als sie diese Umarmung ungewöhnlich stark erwiderte.

»Ich bin ja so froh, dass du dich freust mich zu sehen«, sagte sie und Taron überlegte, ob das nun ernst oder ironisch gemeint war. »Ich hatte schon befürchtet, dass du mich von diesem Einsatz würdest abhalten wollen! Das hätte ich dir nie verziehen...«

Dawn schluckte leise, und machte ihr dann den Vorschlag, dass sie doch in seiner Sänfte mitreisen könnte – als Begleiterin des Patriarchen sozusagen.

Sie stimmte sofort zu, allerdings unter der Bedingung, dass sie die Sänfte verlassen dürfe, wann immer sie wolle.

Dann gingen die beiden vor die Höhle, um sich draußen umzusehen...

Nein nicht schon wieder dieser Riesenfrosch!

Und da war Sauron auch schon in ihn hinein gelaufen. Ein Normalterraner wäre wahrscheinlich zwei Meter weit geflogen, aber Beceefha konnte sich mit Mühe und Not auf den Beinen halten.

Er wollte gerade auf Dawn losgehen, als er sah, dass sich dieser gerade sehr intensiv mit Natalie beschäftigte.

Er erinnerte sich kurz, was passiert war, als er das letzte Gespräch Dawns unterbrochen hatte. Damals war Yohko nämlich recht unangenehm geworden. Er hatte zwar keine Angst vor Natalie, aber erstens hatte er keine Lust, sich mit seinem Freund zu streiten und außerdem wollte er Dawns Freundin nicht unnötig Weh tun.

Er nahm also Saurons Leine, der das bereits kannte, da Beceefha ihn auch, während er den Okrill gepflegt hatte, einige Male an der Leine gehabt hatte. Der Feuerleitoffizier beschloss nun also, auf keinen loszugehen, sondern gab Natalie freundlich die Leine wieder und ging zum ersten Offizier.

Diesen fragte er, ob er sich nicht mal draußen umsehen konnte und eventuell auch einige Zugtiere und eventuell auch einige Zutiere fangen könnte, falls er etwas Geeignetes finden sollte. Der erste Offizier stimmte dem zu, also verließ Beceefha die Höhle.

Kurz bevor er den Ausgang erreichte, rief er noch einmal laut nach Sauron. Dieser rannte sofort los und die ahnungslose Natalie machte einen kleinen Flug, bis Dawn Sauron zurückrief.

Mit einem Lächeln über Natalies erschrecktes Gesicht verließ er die Höhle.

Als er den Höhlenausgang erreicht hatte, warf Beceefha erst mal einen Blick in die Umgebung. Es war ein sehr schöner Planet und selbst hier in den Bergen gab es eine relativ üppige Vegetation. Das ließ immerhin vermuten, dass er hier auch Tiere finden würde. Er ging also los. Nachdem er eine Weile gelaufen war, wurde es sehr schnell dunkel.

Umso besser, dachte Beceefha, dann können mich die Viecher wenigstens nicht gleich sehen.

Als er gerade so in Gedanken versunken durch die Gegend stiefelte, sah er eine kleine Gruppe von Einheimischen. Sie trugen eine Kleidung, die der Ausrüstung, die für die Crew ausgewählt worden war, sehr ähnlich sah.

Beceefha verzog sich natürlich sofort wieder, um nicht von den Leuten gesehen zu werden. Er beobachtete erst einmal vorsichtig, wie sie sich gerade auf ihren Lagern niederließen.

Sehr schön, dachte Beceefha. Wollen doch mal sehen, ob...

Und tatsächlich: Da standen einige Tiere. Sie waren relativ klein, sahen aber sehr kräftiger aus. Reiten würde man auf ihnen nicht können, doch als Zugtiere würden sie sehr geeignet sein.

Er beschloss also zu warten, bis die Einheimischen schliefen. Sie stellten nur eine Wache bei den Tieren auf.

Nun schlich sich Beceefha dichter an die Tiere, um sie genauer in Augenschein zu nehmen. Sie hatte ungefähr die Größe von Tora, sahen aber sehr viel kräftiger aus.

Nachdem auch endlich die Wache eingeschlafen war, ging er zu den Tieren. Sie waren sehr zutraulich und ließen ihn herankommen.

Als er eines der Seile nahm mit dem die Tiere angebunden waren gab das Tier einen quiekenden Laut von sich.

Beceefha fuhr zusammen., doch die Schlafenden schienen nichts gehört zu haben. Er nahm nun also einige Seile und die Tiere ließen sich bereitwillig von ihm führen.

Allan sah den Oberst, der gerade einige der vor ihm durch den Transmitter Gegangenen musterte und einen zurückschickte, da er ihm anscheinend zu unpassend gekleidet war. Dann war Allan dran. Nach einer kurzen Befragung zu Allans Ausrüstung wurde er weiter geschickt zu einem Tisch, an dem die vorbereiteten Missionsfunkgeräte ausgegeben wurden.

Allan entschied sich für eins, das als wuchtiger Rubinring getarnt und anscheinend für Offiziere der Kommandoebene bestimmt war, und steckte es auf.

Nachdem Emerson von den beiden »hochherrschaftlichen Händlern« Dawn und Beceefha freundlich dazu aufgefordert worden war, sich um seine eigenen Angelegenheiten zu kümmern, ging er belustigt zu den anderen Missionsteilnehmern, die wie er als Söldner verkleidet waren.

Während sie auf den Aufbruch der Gruppe warteten, dachte er über Tsurans Verhalten in der Transmitterhalle nach. Sein Gespräch mit ihm hatte in der Tat eine Wirkung gezeigt, allerdings nicht die von ihm beabsichtigte.

Der Mediziner glaubte jetzt auf einmal, die CREST V stünde kurz vor der totalen Vernichtung, nur weil der Galaktopsychologe Robert Alun unter mysteriösen Umständen auf den Planeten gebracht worden war!

Emerson erinnerte sich noch lebhaft an die Szene, die Tsuran aufgeführt hatte. Daraufhin hatten alle Anwesenden Emerson so seltsam angestarrt, und er wäre vor Scham am liebsten im Boden versunken (so hatte er zum ersten Mal empfunden!). Zum Glück war er bald an der Reihe gewesen, durch den Transmitter zu gehen. Eigentlich hatte er ja nur vorgehabt, Tsuran seine Überzeugung auszureden, Alun würde das Schiff gefährden. Das hatte er zwar offensichtlich geschafft, aber in anderer Weise als beabsichtigt.

Erst heute früh hatte Emerson Tsuran die Idee vorgetragen, das Alun einfach nur unglaubliches Glück gehabt hatte, dass er sich auf dem Planeten der Wrims befunden hatte, als sein Schiff verschwunden war. Das hatte den Doktor wohl überzeugt, und wie!

Nun war der davon überzeugt, Robert Aluns Verschwinden wäre ein böses Omen, welches die baldige Zerstörung der CREST V prophezeien würde! Michael Tsuran war nun endgültig ein Fall für den Psychiater, aber der war ja auf dem Planeten verschollen. Wenigstens wäre Dr. Tsuran jetzt bereit, sich vernünftig mit Alun zu unterhalten, ohne ihn eliminieren zu wollen (und das würde eine Therapie doch sehr erleichtern!).

Darum konnte er sich aber zur Zeit nicht kümmern. Er hatte andere Probleme. Zum Beispiel Montgomery Spock, das Damoklesschwert über seinem Haupt. Emerson musste jederzeit damit rechnen, dass dieser rätselhafte Mann ihn bei den betreffenden Stellen des Schiffes denunzierte und damit seinen Aufenthalt bei den Terranern beendete. Diese Vorstellung war ganz und gar nicht faszinierend, es belastete ihn sogar sehr. Irgendwie musste er diesen gordischen Knoten lösen, bevor es zum Schlimmsten kam.

Montgomery Spock besaß mit Sicherheit handfeste Verdachtsmomente gegen ihn, während Emerson ihm nur seinen komischen Namen vorwerfen konnte. Laut seiner Personalakte war Spock als Baby ausgesetzt worden und hatte seinen Namen von einem seiner Betreuer im Waisenhaus erhalten. Diese Information schien absolut wasserdicht, genauso wie alle anderen Angaben in seinem Lebenslauf. Dort konnte man ihn nicht angreifen, um ihn zu entlarven, und Emerson war sich nicht einmal sicher, ob er das überhaupt wollte.

Er hätte eine Zusammenarbeit zwischen ihnen beiden vorgezogen, aber Spock stellte sich stur und beantwortete noch nicht mal seine Interkomanrufe. All das ging Emerson durch den Kopf, während er die wunderschöne Landschaft um ihn herum bewunderte, die ihm der fremde Planet darbot.

Gerade, als Emerson in trüben Gedanken versunken war, näherte sich ihm ein ihm unbekanntes Mitglied des Landekommandos, das mit der abschließenden Vergabe und Überprüfung der Ausrüstung betraut war. Freundlich bot der Mann Emerson ein als Ring getarntes Funkgerät an, das offenbar zur Standardausrüstung gehörte.

»Ich habe bereits ein Funkgerät von der Schiffswerkstatt bekommen«, erwiderte Emerson daraufhin. »Muss ich das abgeben, oder darf ich es behalten?«

»Zeigen sie es doch mal her!« forderte der Mann ihn auf, und Emerson tat ihm bereitwillig den Gefallen.

Es handelte sich dabei um ein Multifunktionsgerät mittlerer Reichweite, mit dem man auch ohne Satellitenübertragung die CREST V erreichen konnte. Das Design entsprach einer antiken terranischen Schöpfkelle aus Metall, die man in der Art eines Telefonhörers mit dem Stiel ans Ohr halten musste. Sie verfügte weiterhin über eine automatische Frequenzüberwachung, in die die Sendefrequenzen von Robert Aluns Peilsender sowie die Funkkanäle der CREST V und ihrer Beiboote einprogrammiert waren.

Der Mann überprüfte kritisch Emersons Funkgerät und gab ihm schließlich die Erlaubnis, es zu behalten, allerdings unter der strengen Auflage, es nur in Notfällen zu benutzen und ansonsten nur den Funkring zu verwenden.

Emerson stand immer noch vor der Höhle mit dem Transmitter und grübelte vor sich hin. Die anderen Teilnehmer des Landeunternehmens waren entweder damit beschäftigt, geeignete Lasttiere einzufangen, oder lungerten in der Höhle herum. Den Oxtorner Taron Dawn verfluchend, humpelte er ein Stück weit vom Eingang der Höhle weg und setzte sich unter einen Baum. Dawn hatte ihm vor über 20 Minuten einen recht kräftigen Schlag auf den Rücken versetzt, der ihn mehrere Meter weit geschleudert hatte. Seitdem hatte sich Emersons Laune dramatisch verschlechtert.

Doch noch viel gravierender war die Erkenntnis, dass er sich schon seit einigen Tagen nicht mehr sonderlich zufrieden gefühlt hatte. Er hatte sich und die anderen mit einer aufgesetzten Fröhlichkeit getäuscht, um sich selbst die Wahrheit nicht eingestehen zu müssen. Nämlich die, dass er starke Zweifel hegte. Er zweifelte an der Richtigkeit seiner Handlungen in der letzten Zeit, an der Richtigkeit seines Aufenthalts auf der CREST V, ja sogar an der Richtigkeit seiner selbst gewählten Aufgabe und seiner Abkehr von seinem Volk!

Die Menschheit hatte genug damit zu tun, in der gegenwärtigen Situation einfach nur zu überleben, und konnte sich um kosmische Dinge wie dem Rätsel um die große Leere nicht kümmern.

Wenn man sich die Vergangenheit ansah, bestand sogar die nicht geringe Wahrscheinlichkeit, dass die terranische Kultur von einem mächtigen Feind vernichtet werden würde, wie schon mehrmals welche aus den Tiefen des Kosmos aufgetaucht waren.

Und selbst wenn die Terraner überleben und die politische Situation in der Milchstraße sich bessern sollte, welchen Grund hätten sie, bloß wegen der Bitte eines fremden Volkes in eine weit entfernte Region des Universums zu reisen und sich dort schwierigen Herausforderungen zu stellen?

Auch wenn die Pseudokörper der Veego den realen der Terraner glichen, bedeutete das nicht automatisch, dass eine wie auch immer geartete Verbindung zwischen den beiden völlig unterschiedlichen Völkern gab oder dass ihrer beiden Schicksale miteinander verflochten waren. Der einzige, der diese Frage klären konnte, war die Superintelligenz ES, und die war spurlos verschwunden und hatte ihren Hauptsitz Wanderer zerstört.

Doch das war nicht das einzige, das Emerson so sehr bekümmerte. Er machte sich Vorwürfe wegen Axel Carpenters Tod. Auch wenn ihn keine offensichtliche Schuld am Tod des Feuerleitoffiziers traf, so konnte doch sein Handeln oder auch seine Untätigkeit zu Carpenters unedlem Ende beigetragen haben. Er befürchtete sogar, dass seine Anwesenheit an Bord die Besatzung der CREST V gefährden konnte, so wie Dr. Tsuran es noch vor kurzer Zeit von Robert Alun behauptet hatte, und vielleicht sogar die Zukunft der gesamten Menschheit. Denn in einer solchen Situation wie dieser konnte der winzigste falschen Schritt einer einzelnen Person den Untergang eines ganzen Volkes heraufbeschwören.

Und als wären das nicht genug Probleme, machte ihm nun auch noch dieser blöde Montgomery Spock das Leben schwer. Dieser angebliche Plophoser hatte ihn seit dieser Party anlässlich der Vernichtung der Sonde auf dem Kieker, nur weil er dessen falschen Namen durchschaut hatte. Spock, oder wie auch immer er heißen mochte, hatte alle Ungereimtheiten zusammengetragen, die Emerson bei seinem Dienst auf der CREST V produziert hatte, um ihn erpressen zu können.

Oder sein falsches Spiel auffliegen zu lassen. Diese Gedanken beschäftigten ihn schon seit Carpenters Tod, auch wenn er sie die meiste Zeit erfolgreich verdrängen konnte. Doch nun stürmten sie auf ihn ein und drohten ihn unter sich zu begraben. Er schloß die Augen und versuchte, Klarheit in seine Gedanken zu bringen.

Emerson stand an einem Scheideweg seines Lebens und musste sich nun aussuchen, wie seine Zukunft aussehen sollte. Aber er wußte nicht, wie er das so einfach machen sollte. Die Last der Entscheidung drohte ihn zu erdrücken.

Auf einmal war ihm klar, was er machen musste. Die Antwort erschien plötzlich in seinem Bewusstsein. Die Wahl war getroffen, und sie war zwingend.

Emerson stand auf und blickte sich um. Es war inzwischen auf diesem Teil des Planeten dunkel geworden. Er war vollkommen allein und unbeobachtet. Niemand hatte in der ganzen Zeit nach ihm gesehen oder ihn angefunkt. Kurz dachte er daran, dass sein plötzliches Verschwinden eine ganze Reihe von Fragen und Untersuchungen bei den anderen Besatzungsmitglieder und der Solaren Flotte auslösen würde, doch das konnte ihn nicht aufhalten.

Es war vorbei. Emerson Viktor Ostrog würde bald nur noch eine verblassende Erinnerung und eine Datei in einer Positronik sein. Sein Aufenthalt unter den Terranern war beendet, das Versteckspiel ein für allemal vorbei. Ab jetzt gab es nur noch Evos, den Veego. Emerson konzentrierte sich kurz und sprang in seine Kabine auf der CREST V, um seine Besitztümer mitzunehmen und seine Spuren zu verwischen.

Robert Alun sah sich um. Irgendwie war er jetzt auf diesem Planeten. Er sah das Mädchen an, dass noch immer seine Hand hielt.

»Teleporterin, oder so was? Und wie soll ich dich, oder Sie, ansprechen?«

»Nenn mich Irana. Falls du mit diesem ›Teleporterin‹ die Fähigkeit meinst, mich mit Hilfe der Gabe durch die Welt zu bewegen, hast du recht. Auch in dir schlummert die Gabe, aber sie ist schwach und unausgebildet. Du bist allerdings wohl zu alt, um ausgebildet zu werden.«

Alun, der mit einem Scanner den Planeten untersuchte, antwortete ihr: »Toll, ich bin für euch also völlig nutzlos. Warum hast du mich dann eigentlich hierher gebracht?«

»Du gehörst doch zu diesen Schiff. Ihr seid mächtig. Ich hoffe, du bist wichtig genug, dass die uns nichts tun. Ich dachte, wegen der Gabe.«

Sie schien Angst vor den Fremden zu haben.

Alun versuchte, sie zu beruhigen. »Keine Angst, wir tun euch nichts. Meine Freunde da oben sind friedlich. Aber es könnten andere Fremde gelandet sein, die nicht so friedlich sind. Hab ihr irgendwelche Phänomene am Himmel gesehen?«

Irana nickte. »Ja, aber Iltor, der Mächtige, hat uns beschützt. Aber, was mach ich jetzt mit dir? Ich kann dich nicht zurückbringen, deine Freunde würden mich für den Frevel schwer bestrafen. Erst mal brauchst du unauffälligere Kleidung. Ich hohle schnell etwas. Bleibe aber ja hier! Da draußen ist es gefährlich.«

Irana war verschwunden.

Robert Alun, dessen Scanner inzwischen festgestellt hatte, dass die Atmosphäre für ihn verträglich war, entledigte sich seines Schutzanzuges. Zuerst stellte er allerdings sein Funkgerät auf Dauersendung. Das Risiko, dass die Fremden etwas empfangen sollten, war klein. Er nahm an, dass die Crew der CREST nach ihm suchen würde. Er hoffte bloß, dass Beceefha, Takashi und Dawn, die alle drei als sehr impulsiv galten, die Ruhe bewahrten.

Irana kam inzwischen zurück. Sie sah, dass er den schweren Raumanzug abgelegt hatte.

»Gut, jetzt musst du nur noch diese Geräte loswerden, dann dürfte es keine Probleme mehr geben.«

»Tut mir leid, dass geht leider nicht. Ich kann die Gegenstände nicht hier lassen. Es wäre schlimm, wenn sie in die falschen Hände kämen. Außerdem kann ich nur durch den Translator mit dir sprechen.«

»Okay, ich besorg dir eine Tasche, um das ganze aufzubewahren. Aber, du kannst nicht mit dem Zeug herumlaufen. Die bringen dich um!«

Irana war wieder für einige Minuten weg.

Alun dachte sich in der Zeit schon mal ein paar Zeichen aus, mit denen er und Irana sich verständigen konnten.

Die Teleporterin kam zurück. Die beiden arbeiten die wichtigsten Zeichen aus, wie »Zeit zu reden«, »Gefahr« oder »Ich will was zu essen und zum trinken«. Danach beschlossen sie, dass Irana Alun zu dem Zentrum ihres Volkes transportieren sollte. Hier sollten noch mehr Leute mit der Gabe leben.

Anschließend versteckte Alun den Translator in seiner Kleidung und es machte schon wieder »Plopp«.

Mit nur einem Teleportersprung erreichten Irana und Alun Iranas Heimatdorf. Sie landeten mitten in Iranas Haus. Irana machte das Zeichen für Translator, eigentlich »komisches Ding, das du brauchst« und fing an zu reden: »Ich werde jetzt Iltor holen!«

Robert wurde neugierig. »Ich dachte, Iltor wäre ein Gott und kein lebender Mensch?«

Irana würgte abwesend. Sie murmelte etwas vom Holen des großen Meisters.

Für Alun wirkte sie irgendwie nicht sehr normal. Als sie gegangen war, stellte er sicher, dass er seinen Kombistrahler auf die niedrigste Form der Paralyse gestellt hatte und er griffbereit war. Auch sein Sender arbeitete ohne jede Probleme. Den Translator ließ er erst einmal an.

Nach einiger Zeit kam Irana mit einem Mann zurück. Alun konnte sie sprechen hören:

»Irana, führe mich zu ihm. Schade, dass er so schwach in der Gabe ist, aber wir werden schon eine Möglichkeit finden, wie wir ihn benutzen können.«

Von der Teleporterin kam nur ein »Ja, Meister«, welches mit freien Willen nichts mehr zu tun hatte.

Wenige Minuten später betraten Irana und der Mann den Raum. Sofort hörte Alun ein »Du wirst mir dienen« in seinem Kopf.

»Niemals!« schrie er und schoss auf den Hypno.

Dieser brach sofort zusammen.

Irana wirkte teilnahmslos. Erst nach einigen Minuten hatte sie sich wieder gefangen.

»Oh, bei Iltor, es tut mir leid. Rennox hatte mich unter Kontrolle. Aber du hast ihn besiegt mit...«

Sie machte das Zeichen für »komisches Ding, das du brauchst«.

»Nein, nicht ganz dasselbe.« Alun grinste.

»Was jetzt?«

»Ich hole Kata. Er war Rennox Vorgänger.«

Nachdem sie Alun versichert hatte, dass dieser völlig ungefährlich sei und nur einen ungefährlichen Teil der Gabe habe, war sie verschwunden.

Nach einiger Zeit kam sie mit einem älteren Mann zurück. Mit ihm verständigte sich Alun mittels des Translators.

»Ich werde zu allen sprechen. Danach können sie sich in unserem Dorf frei bewegen. Sind sie sicher, dass ihre Freunde mit sich reden lassen?«

Alun nickte. »Keine Angst, sie sind keine Barbaren. Allerdings würde es für die Beziehungen besser sein, wenn Sie mich zurückbringen.«

Kata machte ein etwas zerknirschtes Gesicht. »Das geht leider nicht. Irana ist die Einzige, die das schaffen kann, aber sie hat zu viel Angst. Aber sie wird Ihnen in ein paar Stunden die Stadt zeigen.«

Immerhin etwas, überlegte Alun. Es dürfte interessant sein, etwas über die Stadt zu erfahren.

Irana folgte später ihrem Versprechen und führte ihn durch die Stadt. Vor allem legte sie Wert auf zwei Statuen. Die eine war die von Iltor.

»Gucky!« rief Alun überrascht. Diese Statur sah dem Mausbiber zum Verwechseln ähnlich.

Hieß das, dass wirklich Gucky oder einer seiner Verwandten hier gewesen war?

»Ich weis nicht, warum du ihn Gucky nennst, aber uns ist der Name Iltor überliefert. Bitte versuche, dich daran zu halten. Viele Menschen, die nicht wiesen, woher du kommst, würden dich für diesen Frevel töten.«

Alun versprach es und wurde zur zweiten Statur geführt: einem Mann mit einem Schwert, der ihm irgendwie bekannt vorkam.

»Das ist Toran, unser zweiter höchster Gott. Er ist auch der Grund für den Krieg mit den Troch. Sie sagen, dass er ein Teufel ist und wollen uns als Teufelsanbeter ausrotten. Warte mal, ich habe was für dich!« setzte sie plötzlich hinzu.

Als sie zurückkam, gab sie Alun ein Buch. Erstaunt stellte er fest, dass es in Interkosmo geschrieben war und begann zu lesen.

Der Mann, der dieses Buch geschrieben hatte, nannte sich Toni Mendoza und behauptete, ein USO-Agent gewesen zu sein. Hier auf den Planeten hatte er sich Toran genannt. Da er nicht warten wollte, bis er so weit gekommen war, schlug Alun als Nächstes die letzte Seite auf. Hier fand er heraus, dass Mendoza den Planeten wohl mit einem selbst konstruierten Schiff verlassen hatte.

Auch über den Mausbiber stand einiges drin. Es war nur ein Roboter einer Firma namens Arkan gewesen, die es auch heute noch gab. Alles war alles weit weniger geheimnisvoll, als es Alun geglaubt hatte. Auf ihn wirkte das irgendwie enttäuschend.

Beim Lesen störte ihn plötzlich Irana: »Du siehst etwas enttäuscht aus. Wegen dem, was in dem Buch steht?«

Robert nickte.

Irana fing an zu lächeln: »Wenn es wegen des Buches ist: Das Meiste, was da drin steht, ist eh nicht war.«

»Was? Warum?«

»Toran lügt mehr, als er die Wahrheit sagt. Das weiß jedes Kind. Auch die Wahrheit kann manchmal Schreckliches anrichten. Er sagte, es würde noch dauern, bis wir für die Wahrheit bereit sind. Auch Iltor schien er nicht zu vertrauen. Nach unserer Schrift schlich er sich eines Tages davon und stahl von einem fremden Volk das Zeichen von Taar, das den Baumbrüdern heilig ist. Damit machte er sich dort unbeliebt, aber verhinderte einen Krieg. Eine andere Sage erzählt, dass Toran von weit her kommt, von weiter weg, als sich die kühnsten Träumer vorstellen können. Das Wichtigste ist aber eine Prophezeiung: In einem Kampf, zwischen einem Monster und denen, die vom Schicksal auserwählt sind, wird es auch um unseren Planeten gehen. Toran wird diese Schlacht beenden.«

Irana unterbrach ihre lange Erklärung über den Glauben der Bewohner dieser Siedlung und rief:

»Die Baumbrüder!«

Alun drehte sich um und sah einige Naats. Diese mussten die Baumbrüder sein.

Irana flüsterte: »Sie sind sehr weise. Sie leben mit der Natur und sind sehr gute Freunde. Also versuche, sie nicht zu verärgern.«

Es war zwar inzwischen schon dunkel, aber die Baumbrüder wurden herzlich willkommen geheißen. Sie kamen zu dem Feuer, an dem Irana und Robert saßen. Der Terraner hatte, auch wenn es ihm schwer fiel, aufgehört zu lesen. Durch das große Feuer war dies leicht gewesen.

Die Naats kamen näher.

Irana flüsterte Alun zu, dass er jetzt sein Zeug verstecken und still sein sollte. Er wartete das Gespräch ab und obwohl er die Unterhaltung nicht verstehen konnte hörte sich das nicht gut an.

Nachdem das Gespräch beendet war, erzählte Irana ihm, was passiert war: »Wir müssen hier weg. Die Troch sind im Anmarsch. Sie werden uns töten, wenn wir nicht verschwinden. Ich werde die Menschen mit Hilfe von Kata in Sicherheit bringen. Er hat dieselbe Gabe wie ich.«

Endlich! dachte Lor, als er die Meldung bekam, dass seine Späher die Abtrünnigen und Verräter ausgemacht hatten.

Sie verschanzten sich in einem Dorf nahe des größten Heiligtum, nur einen halben Tagesmarsch entfernt.

Diesmal werden sie nicht entkommen! Irana und Kata werden diesmal nicht die ganze Dorfbevölkerung retten können, bevor das Expeditionscorps seiner Truppen zuschlägt.

Lor setzte sich mit seinen Adjutanten in Verbindung und ließ antreten, während er die heiligen Insignien seiner Macht anlegte.

Schon kurze Zeit später marschierte die 263 Mann starke Truppe los. Geplant war, etwa gegen Beginn der Nacht das Dorf eingekesselt zu haben

Fast, beinahe, um ein Haar... Wie auch immer: Irgendwas hatte die anschleichenden Soldaten verraten, aber diesmal war Lor selbst dabei und er hatte die steigende Panik gespürt.

Deshalb trat er ins Licht und sprach: »Es ist zu spät. Ihr Verräter der She Hua seid des Todes! Ihr habt noch drei Kontas, dann wird eure Existenz beendet sein. Er hat uns Seinen Boten geschickt, Ich werde euch ein Zeichen geben!«

Er hob sein Primäres Insignium, richtete es auf die Schlimmste der Verräterinnen und löste den göttlichen Flammenzorn aus.

Alun sah, wie der Mann eine Waffe hob und sie in Richtung Irana richtete. Zwar war er verwirrt, aber er handelte trotzdem schnell genug: Er sprang und riss die Teleporterin zu Boden. Der Strahl ging weit an ihnen vorbei. Es war laut Chronometer 18.05 Uhr.

Mist! dachte der »Präzentor Martialum« oder auch »Vollstrecker des göttlichen Willens«, wie einige seiner Titel lauteten.

»Ihr habt das Zeichen der Macht gesehen«, sagte er aber stattdessen. »Ihr habt jetzt zwei Möglichkeiten: Entweder ihr verschwindet mit der Fähigkeit der beiden Hexen und meine Truppen werden das Dorf vernichten, jeden zweiten töten und die Überlebenden Bewohner in die Sklaverei führen oder ihr überantwortet eure Schicksale vertrauensvoll in die Hände von mir und den She Hua. Ich verspreche euch ein faires Verfahren. Ihr habt drei Kontas, um euch zu entscheiden und ihr Hexen wisst, dass ich spüre, wenn ihr verschwindet!«

4. Emersons Abschied (BZ: 18:30 Uhr)

Das einzig wirklich Bedeutsame unter seinem Hab und Gut war der Inhalt seiner schwarzen Kiste. Sonst lag ihm an keinem seiner Besitztümer etwas. Emerson ließ alles andere unangetastet dort, wo er es vor wenigen Tagen eingeräumt hatte.

Er überprüfte den Inhalt seiner Kiste und fand alles an seinem Platz. Auch das Stück des »Puzzles«, das er vor beinahe 40 Jahren auf einem für ihn recht bedeutsamen Planeten zufällig gefunden hatte, war noch da. Es handelte sich dabei um ein flaches Objekt aus einem unbekanntem Material, das in einem für einen Veego sehr angenehmen Farbton gehalten war. Es ähnelte stark einem Rückentornister, wie man sie an Raumanzügen fand. Die Oberseite war fugenlos und ging glatt in die Seitenflächen über. Auf der Rückseite befanden sich einige Anschlussbuchsen und -stecker, mit denen das Ding wahrscheinlich an dem dazugehörigen Raumanzug befestigt wurde, sowie eine rechteckige Vertiefung, die etwa 5 Zentimeter in den circa 12 Zentimeter dicken Tornister reichte.

Emerson hatte immer vermutet, das der gesamte Anzug aus mindestens drei Teilen bestehen musste, nämlich seinen Tornister, den von ihm postulierten Raumanzug und ein quaderförmiges Teil, das in den Tornister eingepasst werden musste. Doch er hatte diese Teile bisher nicht finden können und die Wahrscheinlichkeit dafür ging gegen Null.

Als er gerade seine mittelalterliche Kleidung ausziehen wollte, um seine Veego- Klamotten anzuziehen, hörte er, wie sich jemand am Schloss seiner Kabinentür zu schaffen machte, welches er vorsorglich verriegelt hatte.

Er war so erstaunt, dass er zu keiner Reaktion imstande war. Doch als sich die Tür nach nur wenigen Sekunden öffnete, wandelte sich seine Überraschung in einen ausgewachsenen Schock. Denn dort in der Tür stand sein Widersacher Montgomery Spock, der sogleich einen Strahler auf ihn richtete.

»Mr. Ostrog, Sie sind verhaftet«, sagte Spock unbewegt. »Begleiten Sie mich zur Sicherheitszentrale!«

»Hören Sie, Spock, lassen sie mich gehen! Ich verspreche Ihnen auch, niemals wiederzukehren!« bat Emerson verzweifelt.

Gerade als er verschwinden wollte, musste dieser Mistkerl hier auftauchen. Und wie konnte er den Türcode so einfach knacken?

»Dieses Risiko gehe ich nicht ein, Mr. Ostrog. Ich kann und darf Ihnen nicht vertrauen«, erwiderte Spock emotionslos. »Sie haben sich in die Solare Flotte eingeschlichen und stellen eine Bedrohung für uns alle dar. Sie müssen unschädlich gemacht werden.«

»Aber ich wollte sowieso gerade gehen! Ich habe mich gerade für die Abreise fertig gemacht, als Sie hereingeplatzt sind! Ich habe mit der Menschheit nichts mehr am Hut!« flehte Emerson ihn an.

Er wollte seine Veego-Besitztümer nicht zurücklassen, deshalb konnte er nicht einfach den »kurzen Weg« gehen.

»Das ist irrelevant«, beendete Spock abrupt das Gespräch und deutete mit der Waffe zur Tür. »Gehen Sie voraus. Und versuchen Sie nicht zu teleportieren, oder wie Sie auch immer an Bord gekommen sind. Meine Reflexe sind besser als die eines Ertrusers, und ich bin ein Meister in der Interpretation der Gestik. Widerstand ist zwecklos.«

Emerson schluckte, dann setzte er sich in Bewegung. Gefolgt von Spock trat er auf den Korridor hinaus, auf dem sich zur Zeit niemand sonst aufhielt. Aber es war nur eine Frage der Zeit, bis sie auf jemand anderen trafen, und wenn man ihn jetzt hier an Bord sah, dann war es endgültig aus.

Timotha war in der Sicherheitszentrale. Die Ärzte hatte ihn für Normaldienst tauglich erklärt, aber für die Außenmissionen hielten sie ihn nicht für fit genug.

Blöde Grippe! Er las sich die Berichte durch. Es war bisher nichts wirklich Aufregendes passiert.

Nur eins war ein bisschen Besorgnis erregend. Im Kühlsystem der Frostkammern, von manchen Besatzungsmitgliedern auch liebevoll Kühlschränke genannt, waren Unregelmäßigkeiten aufgetreten.

Timotha gab die Nachricht mit höchster Dringlichkeit weiter. Für mehr als Schreibtischdienst war er noch nicht gesund geschrieben.

Als Ron Laskas Bewusstsein wieder zu arbeiten begann, fand es sich von großer Kälte umgeben. Jeder Gedanke musste sich wie durch zähen Honig hindurch quälen und die Erinnerung blieb zuerst ganz aus. Laskas Körper war wie ein gefrorener Klotz, unbeweglich und eisig kalt.

Es dauerte eine endlos lange Zeit, bis Laska sich wieder an alles erinnerte. Er befand sich in einer der Kryokammern der CREST V, wo man ihn buchstäblich auf Eis gelegt hatte, bis man sich wieder um ihn kümmern wollte.

Kommandant Strader hatte sich für diese Lösung entschieden, anstatt ihn dem Transporter JIFIL zu übergeben, der ihn der solaren Gerichtsbarkeit hätte überstellen können. Doch Strader schien ihn noch für etwas zu brauchen, und Laska ahnte, was das sein könnte. Sein geheimnisvoller Auftraggeber hatten ihm Koordinaten gegeben, an die er die CREST V nach erfolgreicher Übernahme bringen sollte. Dort würde sein Boss dann auf ihn warten.

Lasitus Strader wusste sicherlich darüber Bescheid, und da Laska der einzige Überlebende der Saboteure war, der wenigstens etwas über die wahren Hintergründe informiert war, konnte er bei einer eventuellen Begegnung mit dem »Drahtzieher« recht nützlich sein. Deshalb hatte er Laska an Bord behalten.

Doch Laska dachte nicht daran, da mitzuspielen. Sobald sich ihm eine günstige Gelegenheit bot, würde er sich aus dem Staub machen. Und genau jetzt schien so eine Chance in greifbare Nähe gerückt zu sein. Anscheinend hatte seine Kryokammer eine Fehlfunktion, denn sonst hätte er auf einem Behandlungstisch aufwachen müssen, umgeben von Ärzten und medizinischen Apparaturen. Doch er hatte sich in der frostigen Umarmung eines metallenen Sarges wiedergefunden, lebendig begraben unter zentimeterdickem Stahl bei extremen Minusgraden.

Er befand sich in Lebensgefahr, denn ohne korrekt durchgeführte Wiederbelebung drohte ein akutes Organversagen, oder er erfror ganz einfach in seiner Kammer. Aber es gab für solche Fälle ja Überwachungsmechanismen, die schon längst Alarm geschlagen haben mussten. Schon in Kürze würde jemand die Kammer öffnen und ihn entweder auftauen oder wieder einfrieren. Laska tippte auf letzteres.

Und in der Tat, schon kurze Zeit später hörte er wie von weiter Ferne, wie jemand draußen herumfuhrwerkte. Gleich darauf öffnete sich der Deckel über ihm, und grelles Licht stach in seine Augen. Er schloss sie sogleich, nicht nur wegen des unangenehmen Lichtes, sondern auch, um den Anschein zu erwecken, dass er noch schlief.

Er bemerkte, wie sich jemand über ihn beugte und sich an seinem Kragen zu schaffen machte. Genau in diesem Augenblick riss Laska die Augen auf und starrte den erschrockenen Mann an, der ihm gerade eine Injektionspistole an den Hals setzten wollte. Trotz der Unbeweglichkeit seiner Glieder und der Trägheit seiner Gedanken gelang es ihm, sein Gegenüber blitzschnell am Handgelenk zu packen und ihm die Injektionspistole an den Hals zu setzen. Bevor der arme Kerl wusste, wie ihm geschah, injizierte ihm Laska den Inhalt der Spritze und er sank leblos zu Boden.

Nach dieser Aktion musste sich Laska erst einmal etwas erholen, bevor er daran gehen konnte, sich aus der Kryokammer zu befreien. Nur mit Mühe gelang es ihm, sich über den Rand der Kammer zu wälzen, und er platschte wie ein nasser Sack auf den Boden.

Dort krabbelte er zu einem in der Nähe stehenden Tisch und zog sich mit letzter Kraft hinauf. Er hatte Glück, denn auf dem Tisch waren Medikamentenphiolen fein säuberlich nebeneinander aufgereiht. Da er sich mit diesen Dingen von Berufs wegen etwas auskannte, gelang es ihm nach kurzem Suchen ein, unter den vielen Röhrchen ein ganz bestimmtes herauszugreifen. Es enthielt ein starkes Stimulans, das bei der Reanimation aus der Kryostasis verwandt wurde. Mit letzter Kraft legte er das Röhrchen in eine Hochdruckspritze ein und injizierte es sich.

Nach ein paar Minuten ging es ihm schon viel besser, und er erhob sich zitternd vom Boden. Er machte erst einmal einige gymnastische Übungen, um die Steifheit aus seinen Gliedern zu vertreiben. Dann legte er den Kryotechniker, der nach wie vor kein Lebenszeichen von sich gab, in die Kryokammer hinein und verschloss sie. Anschließend durchsuchte er den Raum nach etwas nützlichem, fand aber nur eine Uniform, die ihm eine Nummer zu groß war. Eilig verließ er die Kryohalle und tauchte im Gewirr der Gänge unter.

Nachdem Laska sein verstecktes Depot in einem Lagerraum auf dem gleichen Deck wie die Sicherheitsabteilung geplündert hatte, machte er sich auf den Weg zu Hangars. Er plante, sich ein Beiboot mit Überlichtantrieb zu verschaffen und abzuhauen. Auch wenn man mit Sicherheit seine Zugangserlaubnis gesperrt hatte, so besaß er doch noch einige Codes, mit denen ihm sein Unterfangen gelingen würde.

Noch wurde er nicht verfolgt, aber das würde sich bald ändern, und dann musste er schon außer Reichweite sein. Er lief mit gezücktem und auf Thermobetrieb geschaltetem Strahler gerade um eine Ecke, als er zwei Stimmen hörte. Die eine war ihm unbekannt, aber an die andere konnte er sich noch bestens erinnern. Es war diejenige von Emerson Victor Ostrog, der ihn erst in diese Lage gebracht hatte!

Voller Zorn dachte er daran, wie dieser Kerl ihn zusammen mit dem Oxtorner Taron Dawn und dessen Okrill fertig gemacht hatte, und das wortwörtlich. Als wäre die Attacke des Riesenfrosches nicht genug gewesen, hatte Ostrog auch noch den Strahler des Überschweren Beceefha auf ihn fallen lassen. Als er dann wieder zu sich gekommen war, befand er sich in der Krankenstation und war wegen Sabotage und Mordversuch angeklagt. Man hatte ihn anschließend zahlreichen langen Verhören unterzogen, bei denen er beharrlich geschwiegen hatte. Erst nach Viktria Beypurs schrecklichem Tod durch eine Cortexbombe hatte er gesungen »wie ein Vögelchen«, um es mal so auszudrücken. Es hatte sich dann zum Glück herausgestellt, dass ihm keine Cortexbombe implantiert worden war. Am Ende hatte man ihn in die Kryokammer gesteckt, aus der gerade erst fliehen konnte.

Vorsichtig schlich er weiter, wobei er die Übelkeit und das Schwindelgefühl, die immer stärker wurden, beharrlich ignorierte. Die Injektion von vorhin reichte bei weitem nicht aus, um die Nachwirkungen der abgebrochenen Kryostase zu lindern. Wenn er nicht bald eine richtige medizinische Behandlung bekam, würde er sterben. Aber dazu hatte er im Moment keine Zeit, und wenn er lebendig entkommen wollte, dann musste er schnell ein Beiboot mit einem Medorobot finden, das er allein steuern konnte.

Endlich bekam er Ostrog und den Unbekannten zu Gesicht. Wie es aussah, wurde Ostrog gerade von einem kleinen Plophoser verhaftet und zur Sicherheitszentrale gebracht. Er flehte seinen bewaffneten Begleiter vergeblich um Gnade an, doch der blieb unerbittlich.

Laska grinste in sich hinein.

Das geschieht dir Bastard ganz recht! dachte er vergnügt. Endlich bekam der Navigator seine gerechte Strafe.

Doch das wollte er lieber selbst übernehmen, also trat er aus dem Seitengang hervor und rief: »Stehenbleiben, ihr beiden! Das erledige ich selbst!«

Ostrog wirbelte beim Klang seiner Stimme herum und schrie entsetzt aus: »Spock, passen sie auf! Es ist Ron Laska, und er ist bewaffnet!«

Der Plophoser wandte ihm den Kopf zu, während er Ostrog weiterhin mit der Waffe in Schach hielt.

»Mr. Laska, was machen Sie denn hier? Sollten sie nicht in einer Kryokammer stecken?« sagte der Mann, den Ostrog Spock genannt hatte, in emotionslosem Ton.

»Da hat es mir nicht gefallen!« erwiderte Laska hämisch und wunderte sich über Spocks stoische Haltung.

Er muss einen extrem disziplinierten Verstand haben, dachte er anerkennend. Solche Männer genossen seinen höchsten Respekt, aber sie stellten auch eine große Gefahr dar.

»Machen Sie keinen Mucks, Spock! Ich werde nun endgültig mit Ostrog abrechnen«, stellte Laska klar.

Er merkte gar nicht, dass sein Verhalten äußerst unklug und sogar riskant für ihn war. Das war eine Folge der Kälteschlafunterbrechung, die seinen Geist mehr und mehr verwirrte. Genauso dumm und unüberlegt waren seine nächsten Handlungen. Er richtete seine Waffe auf Ostrog, der Blut und Wasser schwitzte.

Da riss Spock mit übermenschlicher Geschwindigkeit, die sogar einen Ertruser neidisch gemacht hätte, seinen Strahler herum und wollte auf Laska zielen. Mehr aus Schreck denn aus willentlicher Reaktion drückte Laska ab und traf Spock mitten in die Brust. Der Plophoser wurde zurückgeworfen und prallte gegen die Korridorwand.

Während Laska noch auf den am Boden liegenden Körper mit der rotglühenden Wunde in der Brust starrte, warf sich Ostrog mit einem lauten Schrei auf ihn und entriss ihm seinen Strahler. Mit einem Ausdruck unglaublichen Hasses und gewaltiger Wut richtete er ihn auf Laska und machte sich bereit abzudrücken.

»Na los, schießen Sie schon, Ostrog!« kreischte Laska. Es fiel ihm nicht auf, dass das total hirnrissig war.

Ostrogs Hände zitterten, während sich in seinem Gesicht ein innerer Kampf abzeichnete. Schließlich senkte er die Waffe kurz, als er sie auf Paralysemodus stellen wollte.

Diesen Augenblick der Unaufmerksamkeit nutzte Laska, entriss dem überraschten Ostrog den Strahler und schoss. Ein sirrender, beinahe unsichtbarer Lichtbalken bohrte sich in dessen Brust.

Verdammt, er hat ihn noch auf Paralyse schalten können! fluchte Laska in Gedanken.

Doch gleich darauf sollte er große Augen machen. Ostrog fiel nicht etwa gelähmt zu Boden, wie es zu erwarten war, sondern sank mit Schmerz verzerrtem Gesicht auf die Knie und hielt sich den Brustkorb. Er öffnete den Mund, doch es kamen nur erstickte Laute raus.

Was hat das verdammt noch mal zu bedeuten? Warum ist er nicht paralysiert? fragte sich Laska verwirrt, nur um einen noch größeren Schock zu bekommen.

Der erschossene Spock richtete sich wieder auf und blickte Laska an. In seiner Brust gähnte ein Krater aus geschmolzenem und noch glühendem Metall. Als er seinen Strahler aufheben wollte, die ihm aus der Hand gefallen war, kam wieder Leben in den vollkommen verwirrten Laska.

Er schaltete seine Waffe auf Desintegratorbetrieb um und zerstrahlte den Abstrahlbereich von Spocks Waffe, gerade als der danach greifen wollte. Dann zielte er auf Spock selbst, der sich unbewegt in sein unausweichliches Schicksal zu fügen schien.

Gerade als Laska abdrücken wollte, stürzte Ostrog auf Spock zu und umklammerte ihn fest. Bevor Laska auf die veränderte Situation reagieren konnte, waren die beiden mit einem »Plopp« verschwunden.

Als die Sicherheitsleute, alarmiert von den georteten Strahlenschüssen, die Szene betraten, stand Laska immer noch mit der Waffe in der Hand da und guckte blöd aus der Wäsche. Als sie ihn abführten und zu den Kryokammern zurückbrachten, faselte er etwas von einem Mensch mit Gehirn in der Brust und einem Roboter mit geistiger Disziplin, die ihn sympathisch machte. Niemand nahm sein Gewäsch ernst, sondern schob es auf die Nachwirkungen des Kryostase-Abbruchs.

Der Vorfall wurde in die Akten eingetragen, Laska medizinisch behandelt und wieder eingefroren. Dann ging man wieder zur Alltagsroutine über.

Montgomery Spock hielt Wache neben dem bewusstlosen Körper des Wesens, dass sich Emerson Viktor Ostrog nannte. Gleich nach der Ankunft auf dem Planeten war der Alien zusammengebrochen.

Das war höchstwahrscheinlich das Resultat von Laskas Paralysatorschuss, der Ostrog mitten in die Brust getroffen hatte. Dort schien sein Denkzentrum beheimatet zu sein, was die Fremdartigkeit dieser Entität noch betonte.

Und auch die Art der Fortbewegung war absolut andersartig. Es schien sich dabei nicht um eine normale Teleportation zu handeln, denn es waren keine Ent- oder Rematerialisierungseffekte festzustellen gewesen. Genauso wenig war es eine Form von parapsychologischer Nullpolung, auch Wellensprinten genannt. Vielmehr war ihm der Transfer wie ein direkter »Schritt« von der CREST V auf die Oberfläche des Planeten erschienen. In den Spock bekannten galaktischen Archiven wurde kein auch nur entfernt ähnliches Phänomen erwähnt. Ob es allerdings eine spezifische Fähigkeit von Ostrogs Volk war oder aber eine Mutation, ließ sich im Moment nicht sagen.

Anhand des Sonnenstandes hatte Montgomery ihren Aufenthaltsort auf ein Gebiet von circa 500 km Durchmesser eingrenzen können, das sich auf dem Nordkontinent befand. Es umfasste sowohl die Position des Transmitters, mit dem das Landeteam vor über fünf Stunden den Planeten betreten hatte, als auch den Bereich, in dem sich der Galaktopsychologe Robert Alun mutmaßlich aufhalten sollte.

Doch wo genau sie waren, konnte nur Ostrog klären, und der machte keine Anstalten, in nächster Zeit aufzuwachen. Seine Vitalfunktionen waren normal, jedenfalls soweit Montgomery das feststellen konnte. Aber wie aussagekräftig das bei einer unbekannten Lebensform wie ihm war, stand in den Sternen.

Ihm selbst ging es den Umständen entsprechend. Die Nanoroboter in seinem Körper waren schon dabei, den Schaden auf seiner Brust zu beseitigen, doch das konnte noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Seine Kleidung hingegen war ruiniert, denn er trug ja eine einteilige Kombination, die im Brustteil nun eine großes Loch hatte.

Doch das war nicht das eigentliche Problem. Falls Ostrog für längere Zeit außer Gefecht gesetzt war, gab es für ihn keine Möglichkeit, an Bord der CREST V zurückzukehren, ohne Ostrogs Geheimnis zu verraten. Und das wollte und konnte Montgomery einfach nicht tun!

Ostrog hatte sein Fortbestehen gesichert, indem er sich heldenmutig in Laskas Schussbahn geworfen hatte und zusammen mit ihm »verschwunden« war, anstatt sich selbst in Sicherheit zu bringen. Welches Risiko er dabei auf sich genommen hatte konnte Montgomery nicht einmal entfernt annähern. Deshalb verlangte Montgomerys moralische Entscheidungssubroutine, dass er Ostrog nicht ausliefern durfte. Das allerdings bedeutete für ihn, dass er unbemerkt zurück an Bord des Schiffes gelangen musste, und das wiederum konnte er nur mit Ostrogs Hilfe.

13 Minuten und 27 Sekunden nach der Ankunft auf dem Planeten gab Ostrog endlich erste Lebenszeichen von sich. Er murmelte unverständliche Laute und drehte sich umständlich auf den Rücken. Als er Montgomery erblickte, stieß er einen spitzen Schrei aus.

»Arghh! Was machen Sie denn hier?« stieß Ostrog hervor. »Und vor allem, wo bin ich hier?«

Der Blick des Navigators eilte umher, offensichtlich in der Absicht, seine gegenwärtige Situation zu bestimmen.

»Wir befinden uns zur Zeit an einem nicht näher bekannten Ort auf dem Planeten, auf den der Galaktopsychologe Robert Alun vor ziemlich genau neun Stunden entführt worden ist«, erläuterte Montgomery dem verwirrten Ostrog bereitwillig. »Sie haben uns beide mittels einer mir unbekannten Form der überdimensionalen Fortbewegung hierher gebracht, wodurch Sie meine vollständige Vernichtung durch Ron Laska verhindert haben. Dafür möchte ich Ihnen hiermit meinen tiefsten Dank aussprechen und Ihnen versichern, dass ich über Ihre wahre Identität keinerlei Auskünfte zu irgendeinem Mitglied der Besatzung der CREST V machen werde.«

Ostrog brauchte eine kleinere Weile, um diesen Wortschwall zu verarbeiten, dann erwiderte er zurückhaltend: »Reden Sie eigentlich immer so geschwollen, Spock?«

»Ja«, antwortete Montgomery ausführlich.

»Na dann: Prost Mahlzeit!« stöhnte Ostrog und erhob sich vom Boden. Er spähte nach allen Seiten, dann nahm sein Gesicht einen konzentrierten Ausdruck an. »Wir sind nur wenige Minuten von der Transmitterhöhle entfernt. Ich habe sie beim ›kurzen Weg‹ wohl instinktiv als Ziel angepeilt. Wir hatten ganz schönes Glück, dass wir nicht in eine Sonne gesprungen sind! Dieser Paralysatorschuss hat mich ganz schön erwischt, Ich wusste gar nicht, dass diese Mistdinger so verdammt weh tun können!«

»›Kurzer Weg‹, sagten Sie? Und wie groß ist Ihre Reichweite eigentlich, dass wir in irgendeiner Sonne hätten ankommen können?« fragte Montgomery interessiert.

»Ja ... das erkläre ich Ihnen alles, wenn wir mehr Zeit haben. Aber nur, wenn Sie mir auch Ihre Geschichte erzählen«, wandte sich Ostrog mit ernstem Gesicht an ihn. »Wir sollten von nun an zusammenarbeiten und keine Geheimnisse mehr voreinander haben. Einverstanden, Spock?«

»Einverstanden, Ostrog. Können Sie mich in nächster Zeit zur CREST hochbringen?« bat Montgomery. »Sonst vermisst man mich noch, und ich muss unbedingt Laskas Aussage widerlegen, sonst bekommen wir beide ziemliche Probleme.«

»Gute Idee! Wir können jederzeit starten«, erklärte sich Ostrog einverstanden. Leise fügte er hinzu: »Vier ganze Schritte verschwendet! So ein Mist!«

»Was meinen sie damit? Sind diese ›kurzen Wege‹ etwa beschränkt?« wollte Montgomery wissen.

»In der Tat, ich habe nur zwölf Stück davon, dann muss ich mich drei bis fünf Tage lang regenerieren«, erklärte Ostrog.

Seine Offenheit gründete sicherlich auf der Tatsache, dass Montgomery sowieso schon zu viel wusste und Verschwiegenheit in der augenblicklichen Lage fehl am Platz war. Aber es musste noch ein darüber hinaus gehendes Bedürfnis nach Vertraulichkeit und Mitteilung geben, das er bisher vermisst hatte.

»Dann warten wir damit noch eine Weile. Ich habe mich für die nächsten Tage eh krank geschrieben, so dass mich keiner so schnell vermissen wird.«, beschloss Montgomery kurzfristig.

»Wie können Sie sich krank schreiben lassen? Sie sind doch eine Maschine? Und warum überhaupt?« fragte Ostrog verwirrt.

»Mein Körper emittiert in jedem Moment falsche Lebenszeichen, die ich beliebig manipulieren kann. So kann ich unter anderem eine Krankheit simulieren, die als Grund für eine Dienstbefreiung genügt. Und ich habe das getan, um Ihre Kabine ausspionieren zu können, während Sie auf dem Planeten sind. Dabei haben sie mich dann überrascht. Außerdem bevorzuge ich die Bezeichnung ›Mechanoide‹.«

Da blieb Ostrog erst einmal ob Montgomerys Offenheit die Spucke weg. Schließlich brachte er noch einen begründeten Einwand hervor: »Und wie wollen Sie unerkannt in meiner Nähe bleiben, Spock?«

Statt einer Antwort aktivierte Montgomery seine Tarnungsvorrichtung und wurde komplett unsichtbar. Das schien Ostrog sehr zu beeindrucken.

»Kann man Sie jetzt nicht einfach orten oder mittels einer Anti-Flex-Brille sichtbar machen?« wandte er dennoch ein.

»Ich verwende eine der terranischen weit überlegene Technologie. Zudem hat man mich in all den Jahren auch nicht als anorganisches Wesen erkannt, oder?« argumentierte Montgomery.

»Sie haben mich überredet!« gab Ostrog nach und ging von dem unsichtbaren Montgomery begleitet zur Transmitterhöhle, wo man sich bereits zum Abmarsch bereit machte.

Beceefha brauchte für den Rückweg zur Höhle eine ganze Weile. Erstens hatte er die Wesen, für die er immer noch keinen Namen gefunden hatte, an der Leine und zweitens war es ja inzwischen dunkel. Als er die Höhle erreichte, bemerkte er, dass auch hier inzwischen eine Wache aufgestellt worden war. Sie schlief allerdings ebenfalls.

Er betrat nun die Höhle, die natürlich hell erleuchtet war, und wurde mit einigen erstaunten Gesichtern begrüßt. Der Feuerleitoffizier brachte seine Beute in eine Ecke der Höhle und band sie dort fest. Dann ging er los, um seine erfolgreiche Erkundung zu melden.

5. Die Karawane (BZ: 20:00 Uhr)

Lasitus überprüfte noch einmal seine Ausrüstung: einen kleinen Nadelstrahler, das Paralyseschwert, das veränderte kleine Funkgerät, zwei Vibromesser. Im Rucksack, den er bei sich trug, lagen noch diverse Medikamente, kleine Sprengstoffe sowie ein zwei Granaten, die er aber schließlich doch versteckt am Körper trug, Nahrung in Form von kleinen Tabletten und extra Wasser. Er verstaute alles, ließ aber eins der Messer draußen.

Danach gesellte sich Lasitus zu seinen ersten Offizier, der gerade die Sänfte begutachtete. »Alles klar?«

Allan nickte. »Ja, hängt nur noch von Ihnen ab, wann wir losmarschieren, aber es wird langsam dunkel. Wir sollten bis morgen warten.«

Lasitus starrte auf die Sänfte und spielte dabei mit dem Messer herum.

»Haben sie Angst vor der Dunkelheit?« fragte er und grinste.

»Nein, natürlich nicht.«

»Bis zur nächsten Stadt sind es ca. 20 km, dort werden wir sicherlich eine Unterkunft finden, ich will nicht, dass uns am Tag jemand beobachtet, wie wir aus der Höhle kommen. Der könnte dann auf falsche Gedanken kommen.«

Lasitus überlegte kurz. »10 Mann bleiben als Wachen beim Transmitter und der Höhle.«

Allan schaute auf das Messer. »Sir, haben Sie etwas Bestimmtes damit vor?«

»Was? Nein, aber wenn Sie eins brauchen? Mir hat man eins zu viel eingepackt.«

Allan nahm es, da er kein Vibromesser dabei hatte.

Lasitus gab dann den Befehl, dass alles zum Aufbruch fertig gemacht werden sollte. Die beiden »Passagiere« setzten sich in die Sänfte.

Taron setzte sich als erster hinein und prompt fing er an zu meckern: »Sir, bei allem Respekt, ich brauche Bewegung, ich bin doch kein fetter Händler!«

Die um die Sänfte herumstehenden Crewmitglieder grinsten. Ihre Rüstungen leuchteten schwach im Licht der Fackeln, die man angezündet hatte.

»Sie eignen sich aber gut dafür, Sie und Beceefha. Sie haben darin alles, was Sie brauchen, und niemand sieht Sie.«

»Aber...«

»Kein Aber! Die Sache hat auch etwas Gutes, Sie sind sozusagen die Anführer der Karawane.«

»Toll, eine Karawane mit 50 Söldnern«, meckerte jetzt Beceefha. Er drehte sich zu Taron um. »Und du, mach dich nicht so fett, ich brauche auch noch Platz!«

Taron sah ihn entsetzt an. »Bitte? Du bist doch hier der Fette.«

»Schluß jetzt!« rief Allan. »Sie sind doch keine Kinder, das hier ist ein wichtiger Einsatz und kein Ausflug!«

Ein »Ja, Sir!«