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Es war doch meine Schuld«, antwortete Dawn, »und außerdem hat mich das nicht besonders gestört.« »Klar kläre ich meine Kollegin auf«, erklärte er grinsend. »Die ganze Sache ist so weit ich weiß folgendermaßen: Wir haben Saboteure an Bord, die ein Gas im Schiff verteilt haben, welches die Crew eindeutig unzurechnungsfähig macht. Um diese vor diesem Gas zu bewahren, sollen Schutzanzüge getragen werden. Des Weiteren wurde versucht, die schon befallenen Besatzungsmitglieder durch einen Trick auf die KS zu locken und zu impfen. Emerson, unser Navigator, hat einen Saboteur gefangen, und das Gas aus dem Ventilationssystem entfernt. Kommandant Strader liegt bewußtlos hier auf der KS, wird aber bald aufwachen. Im Moment hat der IO Gonozal das Kommando. Unser erster Feuerleitoffizier Carpenter ist verschwunden. Das war vorerst das Wichtigste, denke ich.« Er gab die Geschehnisse beinahe im Telegrammstil wieder, um die Japanerin mit den nötigen Informationen zu versorgen. Nach Dawns Erklärungen ließ sich Yohko sofort gegen das Gas impfen und verließ dann mit den Worten »Ich muß noch jemand zum Impfen holen – Bin gleich zurück.« hastig die KS. Weit ab vom Geschehen in der Zentrale, der KS oder diversen Gängen gab es noch einen Techniker namens Sugon Horn. Er war unter anderem für die Antriebe des Schiffes zu ständig – darunter auch das Dimetranstriebwerk, das Wertvollste, was das Schiff besaß, denn mit ihm wurden Reisen in andere Galaxien ermöglicht. Sugon machte gerade einen Kontrollgang durch die Maschinenhallen, als er zu dem genannten Antrieb kam. Das eintönige Summen, das er schon von anderen Schiffen her kannte, störte ihn längst nicht mehr. Er kontrollierte ein paar Energieleitungen und andere Zugänge, doch dabei fiel ihm ein kleiner quadratischer Gegenstand, der an einem Schaltkasten für Energie befestigt war, nicht auf. Gerade das sollte ihm auffallen, denn wenn nur einer dieser Energiekästen ausfiele, gäbe es eine Überlastung des Dimetranstriebwerk und er würde innerlich verbrennen. Vielleicht gäbe es sogar eine kleine Explosion. Er begab sich zum Kontrollterminal und studierte die Anzeigen. »Na, mal sehn«, sagte er zu sich. Er checkte die Energiezufuhr und den Grad der Wärme. Gerade, als er sich abwenden wollte, blinkten mehrere Anzeigen wie verrückt und vier kleine Lämpchen sprangen auf Rot über, zeigten also Gefahr an. Die monotone Stimme der Positronik erklang: »Warnung! Es wird eine Energiesteigung registriert. Ortung wurde im Antriebsraum ausgemacht!« Sugon schaute verdutzt. »Verdammt, wo denn?« Die Werte auf dem Display spielten verrückt und überstiegen die Gefahrengrenze um mehr als die Hälfte. Sugon haute auf ein paar Tasten, doch nichts reagierte. Ein Zischen ertönte. Sugon fuhr herum und erst jetzt fiel ihm der glühende Energiekasten auf, aus dem heiße Luft entwich. Der Techniker wollte sich in Bewegung setzen, als der Kasten in einer kleinen Explosion verging. Sie war stark genug, um Sugon zu Boden zu schleudern, und heiß genug, um seine Uniform zu versengen. Er rappelte sich auf und sah sich um. Dort, wo zuvor der Energiekasten gestanden hatte, war jetzt ein Loch und die Umgebung um es schwarz und verbrannt. Sugon wußte, was als Nächstes passieren würde. In dem Augenblick, als die Energie gestoppt wurde, mußte unweigerlich der Dimetranstriebwerk zerstört werden. Und das passierte genau jetzt! Die Hitze in der Halle stieg an und einige Leitungen schmolzen. Sugon rannte aus der Hallo und in dem Augenblick, als er in einen Antigrav sprang, platzte der Antrieb, eine riesige Stichflamme schoß heraus und zerstörte nun alles, was ihr im Wege stand. Im Antigrav spürte Sugon die Erschütterung. Er begab sich schnellstens zum nächsten Interkom. Als er endlich Verbindung zur Zentrale hatte, erzählte er so gut es ging, was passiert war. Seine abschließenden Worte waren: »Ich empfehle schnellstens eine Werft anzufliegen, dort sollten wir das Schiff reparieren können!« Er beendete die Verbindung und schaute sich die Verwüstung an. Nachdem Allan in der Krankenstation gewesen war, sowie davor noch einige Fragen beantwortet und Meldungen entgegengenommen hatte, war er wieder an »seinem« Schaltpult in der Kommandozentrale angekommen. Erst jetzt fiel ihm auf, dass derjenige, dem er die Wache in der Zentrale übergeben hatte, in der Krankenstation mit dem Behälter, welchen er von der Klimaanlage abgebaut hatte, aufgetaucht war. Na, dem werde ich noch einmal gehörig etwas erzählen müssen! dachte Allan bei sich, während er sich nochmals die Creweinteilung vornahm und überlegte, ob eine 40 Stunden lange Dauerwache im Bordobservatorium Strafe genug sein würde. Darüber, dass Ostrog in den Sicherheitsbereich gelangt war, sowohl ohne Code als auch noch ohne Alarm, wunderte sich Allan nicht zu sehr, da er annahm, dass die Alarmschaltung vom Saboteur außer Kraft gesetzt worden war. Also setzte er sich mit der Technischen Abteilung in Verbindung und befahl eine Sonderüberprüfung der Lebenserhaltungssysteme des gesamten Schiffes. Er wies besonders darauf hin, dass die Anlagen der Zentrale sowie die der Sektionen, in denen die Ausschreitungen stärker waren, besonders zu beachten seien. Darüber hinaus setzte Allan eine Generalinspektion aller neuralgischen Systeme des Schiffes an. Allmählich kamen die Geimpften der Hauptschicht in die Zentrale zurück, so dass Allan die Ablösungscrew wieder in die Quartiere schickte, damit sich diese auf ihren Einsatz in der Nebenwache ab 19 Uhr Bordzeit vorbereiten konnte. Nach einiger Zeit kam der Schadensbericht über die Feuerleitpositronik. Der Schaden war mit Bordmitteln binnen 3-4 Tagen zu beseitigen, solange jedoch sei das Schiff als nur als eingeschränkt gefechtsfähig zu betrachen. Beceefha war auf dem Weg in den Maschinenraum, um sich über die Einsatzbereitschaft der Waffen zu informieren, als die Meldung kam, dass die »Erstcrew« wieder in die Kommandozentrale kommen sollte. Also beschloß er, dorthin zu gehen. Es war ja möglich, dass ihm auch dort jemand etwas über die Einsatzbereitschaft der Waffen sagen konnte. Kurz nachdem der Schadenbericht über die Feuerleitpositronik eingetroffen war, trat der Überschwere, der Allan bereits vor der Krankenstation aufgefallen war, zu ihm. Er sagte ihm, dass er eigentlich die Waffensysteme überprüfen sollte, dazu aber nun nicht mehr gekommen war. Er fragte daher, ob Allan etwas wisse. Dieser beantwortete diese Frage mit ja. Hierauf fragte Beceefha: »Können Sie mir bitte auch gleich sagen, welche Schäden zu melden sind? Sonst aktiviert noch aus Versehen eine Waffe und jagt aufgrund einer Fehlfunktion gleich das Schiff in die Luft. Das muss ja nicht sein, oder?« Allan blickte ihm einige Sekunden in die Augen, während er sagte: »Das trifft sich gut, ich habe soeben den Schadensbericht erhalten...« Hierauf schaltete Allan den Schadensbericht wieder auf einen der Monitoren und ließ Beceefha diesen überfliegen. Während dieser etwas blasser wurde, da er wußte, wie groß die Schäden sein mußten, um eine mehrtägige Reparatur zu benötigen, sagte Allan ihm, er möge doch bitte in die FLZ gehen, um sich das Ganze persönlich anzuschauen und sich mit der momentanen Situation vertraut zu machen. Er sollte außerdem einige Gefechtssimulationen mit der eingeschränkten Positronikunterstützung durchführen und Meldung machen, wie er die Offensivfähigkeit abschätzte. Etwas später fingen 3 Triebwerkswarnanzeigen in der violetten Sektion eines Pultes an zu blinken. Allan mußte zweimal hinschauen, um das dort Gesehene zu verarbeiten. Was ist denn jetzt noch mit dem Dimetranstriebwerk los, verdammt noch mal? fragte er sich. Na toll, ein Glück, dass wir auf den Antrieb nicht unbedingt angewiesen sind, aber wenn jetzt noch etwas passiert, werde ich die Mission abbrechen müssen. Ein generalüberholtes Schiff nach Wiederindienststellung binnen 4 Stunden zu Schrott zu verarbeiten, wir werden das Gespött der Flotte mit legendären Ausmaßen... Während Allan überlegte, ob der »Katastrophenflug der Crest V« möglicherweise sogar »Bullys Suppensprung« vom Platz eins der Flottenanekdoten vertreiben könnte (was er innerlich verneinte, Gucky würde schon dafür sorgen, dass seine »Erste Grosse Tat« an Bord eines terranischen Schiffes nicht in Vergessenheit geriet), meldete sich die Interkomverbindung vom Maschinendeck. Der Chefingenieur meldete eine noch nicht genauer einzuschätzende Explosion in einer Sektion des Dimetransantriebes. Einer seiner Ingenieure sei zum Explosionszeitpunkt aufgrund einer Inspektion in der Nähe gewesen und habe sich als leicht verletzt bei ihm gemeldet. Der Augenzeuge schätze den Schaden als mit Bordmitteln nicht reparabel ein, jedenfalls in absehbarer Zeit, doch eine genaue Aussage sei noch nicht zu treffen Die Brandbekämpfung sei natürlich bereits eingeleitet worden.
Alun war in seine Kabine zurückgekehrt und hatte sich erst einmal hingelegt. Die Ereignisse nach dem Start waren einfach zu viel gewesen. Er schlief ein und begann beinahe augenblicklich zu träumen. Dieser Traum entwickelte sich jedoch zu einem Alptraum. Er sah den Kommandanten, der einem mächtigen Wesen dienen mußte, ohne Chance jemals frei zu sein. Es war eine schwere Arbeit, die Strader nicht ewig überstehen würde. Er sah auch den Rest der Crew. Er sah, wie Artor Seek und Jean Stiletto bei dem Versuch starben, die Krankenstation zu verteidigen. Er sah, wie mehrere Crewmitglieder einen Aufstand versuchten und dabei niedergemetzelt wurden. Er erkannte Vron Habel und Timotha als König und – so verrückt das auch klang – Dr. Michael Tsuran. Außerdem sah er bei den Todesopfern noch einen Oxtorner, einen Überschweren und eine Terranerin, die in irgend etwas asiatisches gekleidet war. Sie alle starben. Er sah Patrizia Drake, die versuchte, zwei Chrewmitglieder zu retten, doch beide starben. Alun hatte das Gefühl, daß er beiden bald begegnen würde. Er sah Gonozal, Vario und Ostrog, die sich auf einem Feld fast zu Tode schufteten. Ihre Hoffnung schien gebrochen. Er sah noch mehrere Crewmitglieder, alle in schrecklichen Situationen. Aber es war noch nicht vorbei. Alun sah im Traum einen Thronsaal, indem zwei Leute vor jemand ungeheuer Mächtigem knieten. Einer drehte sich um. Er hatte auf den Rücken ein Langschwert. Alun war dem Überschweren Beceefha noch nicht begegnet, daher erkannte er dessen Schwert nicht. Er sah dem Diener ins Gesicht. Sein Gesicht war leer. Keine Gefühle waren darauf zu sehen. Er wirkte wie eine Puppe. Plötzlich veränderte sich das Gesicht. Er zeigte Hass. Hass gegenüber dem Herrscher da oben. Alun konnte sich dennoch keinen Reim darauf machen, wer dieser Mann war. Vom Gefühl her hätte er alles sein können. Ein Politiker oder ein Abenteurer. Alun hätte sich sogar vorstellen können, dass dieser Mann ein Dieb oder ein Diktator sein könnte. Er hatte auf jeden Fall eine schwer definierbare Ausstrahlung. Alun konnte sich auch deshalb keinen Reim drauf machen, weil die Zeit zu kurz war. Auch als die Leere wieder von Anderen abgelöst wurde, gelang es ihm nicht sich von dem Terraner, der vor ihm stand, ein Bild zu machen. Da drehte sich auch der Zweite um. Robert begann noch lauter zu schreien, als er es ohnehin schon tat. Der zweite war er selbst und auch sein Gesicht blieb leer wie das einer Puppe... Alun schreckte aus dem Schlaf hoch. Es ertönte ein Signal, welches anzeigte, dass ihn jemand sprechen wollte. Er stand auf und machte sich fertig, dann empfing er seinen Gast. Alun erschrak, denn es war einer derjenigen, die in seinem Traum, trotz der Hilfe durch Miss Drake, gestorben waren. Der Gast stellte sich als Techniker Sugon Hon vor. Er erzählte Alun, dass das Dimetranstriebwerk durch Sabotage zerstört worden war. Alun beruhigte ihn. Der Psychologe dachte an den Zettel, den er von Carpenter erhalten hatte. Nach dem Gespräch öffnete er diesen Zettel, obwohl er sich damit der Befehlsverweigerung bzw. Befehlsmissachtung schuldig machte. Sollen die mich doch in den Bau stecken, dachte er missmutig. Im Brief las er, dass entweder die Feuerleitzentrale manipuliert worden war, um das Antitemporale Feld und die Erde zu vernichten, oder von den Spionen dafür eine Sonde benutzt werden sollte. Er rief schnell die Zentrale, um den kommandierenden Offizier von dem Brief zu unterrichten. Vron war mit Allan Dean Gonozal auf die Brücke gekommen. Er bekam mit, wie das Triebwerk explodierte und wie Allan den Befehl gab, Einiges zu überprüfen. Als er das mit dem Sektoren und den Aufständen hörte, fragte er den Kommandanten: " Sir, wo ist es denn zu Aufständen gekommen? Ich weiß bisher nur von dem in der Zentrale und denn um Tsuran.." Um 17.11 kam ein Anruf in der Zentrale an, der nach Gonozal fragte und dann zusagte, dass der Sprecher in die Zentrale kommen würde. Habel erkannte Aluns Stimme.
Tsuran versteckte sich während dessen im Schiff. Es war sehr nett von diesem Sicherheitsmann gewesen, daß er ihn befreit und ihm diese Leitung zum Abhören der Gespräche in Aluns Kabine und anderen wichtigen Gebieten des Schiffes verschafft hatte. Dieser Laska schien genauso davon überzeugt zu sein, dass die Gefahr Alun beseitigt werden musste. Als Alun seine Meldung in der Zentrale machte, legte Tsuran das von ihm geschriebene Werk »Zwischen Bortong und Peruwall und andere schlimme Katastrophen mit Leuten, die am 02.12.3400 geboren sind« beiseite. Er ging in die Zentrale, um Alun zu töten. Wegen der Schiffssicherheit mußte Alun sterben, bevor er Schaden anrichten konnte. Robert Alun betrat mal wieder die Zentrale. Er hatte es aufgegeben zu zählen, wie oft er heute schon die Zentrale betreten beziehungsweise wieder verlasen hatte. Er ahnte nicht, dass es schwieriger für ihn sein würde, die Zentrale zu verlassen, als sie zu betreten. Er ging auf Gonozal zu und dieser schaltete das Geräuschschutzfeld an. »Sir, ich muß ihnen etwas melden. Ich verstoße zwar damit gegen einen direkten Befehl, den mir Carpenter gab, als er der Kommandant war, aber es ist wichtig. Carpenter hat mir einen Zettel gegeben mit dem Befehl, ihn nur Strader zu geben. Nachdem das Triebwerk zerstört wurde, habe ich ihn geöffnet und gelesen. Carpenter glaubt, dass es eine Manipulation an unseren Bordwaffen gab, die das Zeitfeld um die Erde vernichten wird, oder dass eine Sonde diesen Zweck erfüllen soll.« Alun hatte gerade ausgesprochen, als ein Mann die Zentrale betrat und eine Waffe zog. Es war Dr. Tsuran. Allan wollte gerade sagen, dass die gesamten Bordwaffen nicht in der Lage wären, das Zeitfeld von außen zu zerstören, als Dr. Tsuran auf sie beide zutrat. Er erblickte Alun und richtete die Waffe auf ihn. Nachdem er zwei weitere Schritte vorgetreten war, brach es aus ihm heraus: »Das Schiff... Ich muss das Schiff retten, von ihm geht die Gefahr aus. Er ist an dem Datum geboren... Gonozal, gehen Sie weg von ihm, ich muß ihn töten!« Als Alun den Arzt sah, bekam er einen riesigen Schreck. Immerhin hatte ihn der gute Doktor schon mit einem Impulsstrahler durch das Schiff gejagt. Robert erinnerte sich noch gut daran, dass er damals das Glück gehabt hatte, dass Vario und Patrizia aufgetaucht waren. Mit Galgenhumor dachte er daran, dass Tsuran, seinen Fähigkeiten im Schießen nach zu urteilen, wahrscheinlich für den Rest der Crew eine größere Gefahr darstellte als für ihn. Während er Tsuran betrachtete, sah er ganz verschwommen, wie Allan das Gesprächsfeld abschaltete. Er schien mit dem Arzt reden zu wollen. Vron sah, wie der wahnsinnige Doktor die Zentrale betrat. Sein erster Gedanke war, dass das nicht sein konnte, da er doch diesen Wahnsinnigen persönlich wieder unter Arrest gestellt hatte. Er konnte Tsuran nicht einfach erschießen, da dann die große Gefahr bestand, dass sich aus seiner Waffe ein Schuss löste. Habel erkannte die Waffe nicht, die Tsuran in der Hand hielt. Er nahm sich vor, zu versuchen den Wahnsinnigen zu überwältigen, falls irgend jemand Tsuran ablenken würde. Wozu gab es denn das Training für die Sicherheitsoffiziere? Allan, wieder einmal ziemlich blaß, brachte es zuwege, seiner Stimme einen relativ festen Klang zu geben, nachdem er das Privatisierungsfeld abgeschaltet hatte. Er fragte: »Warum, Dr. Tsuran?« Der Angesprochene legte den Kopf schief und schien einen Moment nachzudenken, bevor er wieder damit begann, in unzusammenhängenden Sätzen zu erklären, er müsse das Schiff retten und Alun sei die Gefahrenquelle. Allan sah, dass Habel sich an einem der Roboter zu schaffen machte, die immer noch – wenn auch deaktiviert – »Wache« standen. Er wollte offensichtlich einen der Paralysatoren an sich nehmen um Tsuran zu »befrieden«. Hierzu brauchte er aber definitiv noch Zeit und die wollte Allan ihm erkaufen Er stand auf und schaffte es, sein Gesicht nicht zu verziehen, als er Tsuran sagte: »Danke, das Sie mich informieren. Sie wissen gar nicht, wie sehr Sie uns damit geholfen haben.« Tsurans Gesicht verwandelte sich in ein einziges Fragezeichen, als Allan sich umdrehte, einen Rechten Haken auf Aluns Gesicht antäuschte und ihm mit dem rechten Bein seine Füße wegwischte. Noch während Alun fiel, flüsterte Allan ein gepresstes »liegenbleiben!S und betete, dass seine Fußbewegung genug von der Konsole verdeckt worden war. Sich umdrehend sagte Allan zu Tsuran: »Ich werde ihn sofort aus dem Schiff werfen lassen, Sie haben wahrscheinlich im Alleingang das Schiff gerettet, warum stecken Sie jetzt nicht Ihre Waffe weg?« Tsuran schrie auf: »Nein, Ich muss ihn töten«, und stürmte vor, um seitlich am Pult vorbeischießen zu können. In diesem Moment feuerte Habel, Tsuran versteifte sich und fiel. Allan atmete dreimal langsam durch, trat an den Liegenden und hob den Impulsblaster auf, den er deaktivierte. »Erstens: Sie können aufstehen, Mr. Alun«, sagte er. »Zweitens: Vielen Dank, Mr. Habel, Sie haben schnell und umsichtig gehandelt. Drittens sollte dieser arme Mann hier schnellstens in die Krankenstation.« An die Sensorkontrolle gewandt fuhr er fort: »Und viertens will ich wissen, warum diese Zimmerflak keinen Alarm ausgelöst hat! Überprüfen Sie sofort die Energiesensoren im ganzen Schiff, beginnend mit denen in der Zentrale und dann konzentrisch erweiternd, und vergessen Sie nicht die Alarmprogrammierung!« Daraufhin ging er an sein Pult, schaltete auf Rundruf und sagte mit schlecht unterdrückter Wut: »Aufgrund einer Sensorenprüfung ist ein Ablegen der Seitenbewaffnung unumgänglich. Gebiete, in denen in fünf Minuten noch nicht stationäre Energiequellen geortet werden, die den Spezifikationen von Waffen entsprechen, werden versiegelt! Nochmals: Personen, die in fünf Minuten an Bord des Hauptschiffs noch Waffen bei sich tragen, lösen Alarm aus und werden wegen Befehlsverweigerung zur Verantwortung gezogen! Die Waffen können an allen Waffenausgabestellen und Waffenschränken abgegeben werden! Für bereits geimpftes Personal wird die Schutzanzugverpflichtung aufgehoben!« Als er die Durchsage beendet hatte, zog er seinen Schutzanzug aus und packte ihn wieder in das Fach, aus dem er ihn hatte. Natürlich schloss er den Drucktank am Auffüllsystem an. Als Tsuran von Habel betäubt worden war, fiel Robert ein Stein vom Herzen. Tsuran hatte heute schon dreimal versucht, ihn umzubringen. Dieser Tag schien sich zum schrecklichsten seines Lebens zu entwickeln. Einen kurzen Moment fragte er sich, ob Tsuran vielleicht sogar recht hatte. Das erste Schiff mit dem er gefahren war, verschwand spurlos, während er auf dem Planeten der Wrins gewesen war. Auf der Tako Kakuta und den anderen Schiffen war es zwar zu keinem Unfall gekommen, aber hier auf der Crest V heute, war schon so viel Schlimmes passiert. Ach Humbug! Alun bedanke sich bei Allan und Habel, dass sie ihm das Leben gerettet hatten. Inzwischen fragte er Allan noch einmal nach seiner Meinung über Carpenters Brief. Vron untersuchte die Waffe die Tsuran fallengelassen hatte. Er trug inzwischen einen Paralysator, den Allan ihn und den anderen Crewmitgliedern erlaubt hatte zu tragen, falls es unbedingt nötig wäre. Die Waffenuntersuchung ergab, dass ein einziger Schuß Tsurans ausgereicht hätte, um alle Menschen in der Zentrale zu töten. Als Sicherheitsmann war Vron einiges gewohnt, aber das ließ ihn schon erbleichen. Er meldete seine Ergebnisse an Allan weiter. Inzwischen waren die ersten Reaktionen auf Allans Befehl erfolgt. Mehrere Sicherheitsleute wollten ihre Waffen nicht abgeben, weil sie wichtige Menschen oder Waffen zu bewachen hatten. In der Feuerleitzentrale waren die Menschen zu beschäftigt gewesen, um den Anruf mitzubekommen. Als die Überprüfung eingeleitet wurde, meldete man Allan, dass die Sensoren nicht funktionierten. Es würde einige Zeit dauern, bis sie die Untersuchung ausführen könnten. Dann traf in der Zentrale die Nachricht ein, dass der Kommandant Allan sprechen wollte. »Sir, darf ich sie begleiten? Ich muss dem Kommandanten von Carpenters Brief erzählen. Es ist immerhin ein direkter Befehl!« Das kam von Alun. Auch Vron machte sich bereit.
In diesem Augenblick begann der Arzt, Lasitus aus dem Künstlichen Koma zurück zu holen. Ein Medorobot gab dem Kommandeur eine Injektion. Einige weitere Pfleger und Ärzte standen daneben, bereit, bei Problemen einzugreifen. »Der wird sich wundern, wenn er erfährt, was hier alles passiert ist«, meinte ein Pfleger grinsend. Einige der anderen lachten. Lasitus kam langsam wieder zu sich, aber es dauerte noch einige Minuten, bis er richtig wach war. Schließlich öffnete er seine Augen und starrte an die Decke, schaute dann nach rechts und sah mehrere Leute neben sich stehen. Kurz darauf erblickte er den Medorobot und erkannte auch diverse andere Geräte. »Können Sie mir mal sagen, was ich auf der Krankenstation mache?« Lasitus richtete sich auf, sofort wurde ihm schwindlig. Er wurde von dem Arzt aufs Bett zurück gedrückt. »Sie sollten noch liegen bleiben. Sie wurde gerade aus dem künstlichen Koma geholt. Und Sie sind hier, weil Sie eine Schußverletzung hatten.« »Was? Was ist denn passiert?« fragte er. »Und holen sie meine Offiziere her!« Lasitus saß bereits auf der Liege. Als immer noch niemand erschien, holte er einen Pfleger. »WO IST MEIN OFFIZIER?« brüllte er diesen an. Allan hörte Lasitus schon Toben, als er die Krankenstation betrat. Er schien die ganze Krankenstation schon seit seinem Erwachen zu terrorisieren; anders konnte sich Allan den Mordwunsch in den Augen der behandelnden Ärzte nicht erklären. Die beiden Wachen vor der Tür des Behandlungsraumes salutierten, als sie denjenigen erkannten, den sie erst vor ungefähr zehn Minuten genervt hatten aus Angst, der Waffenabgabefehl gelte auch für sie. Allan hatte klargestellt, dass sie sich nur bei der Sensorenmannschaft melden mussten, um sich im Sensorenüberwachungsprotokoll als »erlaubte mobile Energiequellen« eintragen zu lassen. Allerdings hatte der erste Offizier angeordnet, dass die Kombilader auf Paralysemodus gestellt und weggeschlossen wurden. Zu sehr steckte ihm noch der Schreck in den Knochen und zu oft hatte er heute bereits in aktivierte Abstrahlfelder geblickt. Vor allem, nachdem er erfahren hatte, dass die Waffe die der Doktor in der Zentrale hatte einsetzen wollen, nicht nur ein schwerer Impulsblaster war, mit dem er ohnehin schon die Hälfte der Zentrale hätte einäschern können. Das Teufelsding war auch noch dahingehend manipuliert worden, dass bei Auslösung das Energiemagazin explodiert wäre. Wer auch immer das zu verantworten hatte, das nahm Allan persönlich! Allan hatte diesmal nicht das Kommando übertragen, sondern nur kommissarisch an einen Offizier delegiert und sein Armbandkommunikator auf permanenten Empfang gestellt, so dass er anfallende Entscheidungen im Zweifel selbst treffen konnte. Langsam werde ich noch paranoid, dachte er, als er ans Krankenbett trat und sich zu wundern begann, wo denn die anderen Offiziere blieben. Alun hatte mit Habel und Gonozal die Krankenstation betreten. Wie der Erste hörte er, dass der Kommandant einen armen Pfleger anschrie. Dieser war Alun wohlbekannt, denn er spielte oft Karten mit ihm. Der Kommandant wurde allerdings von einem der Ärzte ermahnt, dass er, wenn er sich weiter so aufführte, noch bis zum Sankt Nimmerleinstag warten müsse und erst dann das Kommando wieder übernehmen würde. Da wurde es schlagartig still in der Krankenstation. Das lag vielleicht auch daran, dass der Kommandant die Rufe hörte, die vor allem Alun entgegenkamen: »He, wer will Sie jetzt wieder umbringen?« »Haben Sie noch einen Kranken für uns?« »Spinnt die Zentralbesatzung wieder?« »Das Gas haben wir doch wohl besiegt, oder?« »He, willst du wieder Karten spielen?« Alun sagte dem Krankenpersonal, dass er mit dem Kommandanten sprechen wolle. »Sir, ich soll Ihnen das von Carpenter geben«, sagte Alun und überreichte Strader den Zettel. Er wollte den Kommandanten gerade auf den Inhalt ansprechen, als ihm Miss Drake zuvor kam. »Ich wollte Sie nur wegen Dr. Tsuran sprechen. Wir haben in seinem Blut das Gas gefunden. Wir ›impfen‹ ihn jetzt und dann dürfte er für Sie keine Gefahr sein, Mr. Alun.« Robert blieb skeptisch. Dieser Mann hatte heute schon ein paar Mal versucht, ihn umzubringen. Er war einfach von der Theorie besessen, dass Aluns Geburtstag ein Unglückstag war. Der Psychologe vermutete, dass Tsuran mit einem der Menschen, die am 2.12.3400 geboren worden waren, einen schlimmen Unfall erlebt hatte. Nachdem die Ärztin gegangen war, wandte Alun sich wieder Allan und Lasitus zu. »Sir, noch eine kleine Frage, haben Sie Ron Laska mit den Ermittlungen im Fall Byers betraut?« Der Kommandant schüttelte den Kopf. »Dürfte ich vielleicht erfahren, was es mit dem Gas auf sich hat?« fragte er. »Und was ist mit diesem Ron Laska?«
Oh Mann! In was für einem Irrenhaus bin ich hier nur gelandet? schoß es Yohko durch den Kopf, während sie langsam im Antigrav-Lift in Richtung ihrer Kabine glitt. Genau in diesem Moment hörte sie über die Bordrufanlage den Befehl zum Ablegen aller Schußwaffen, was in ihr »leichte« Wut über den ersten Offizier, den sie ja immer noch nicht kennen gelernt hatte, auslöste. Da befinden sich Saboteure an Bord und ich darf nicht einmal eine wirkungsvolle Verteidigungswaffe tragen! Am liebsten wäre sie direkt nach Dawns Bericht losgezogen, um diese Terroristen zu suchen und auszuschalten. Und dann kam so etwas! Aber der erste Offizier hatte ja nur von energischen Schusswaffen gesprochen und so beschloss Yohko, sich in ihrer Kabine gleich mit ihren »Sportgeräten« auszurüsten und nach Toras Impfung die Saboteure zu suchen. Der Sicherheitsdienst schien ja nur aus Nieten zu bestehen! Als Yohko das Schott ihrer Kabine öffnete, wurde sie sofort von Tora, ihrer Hauskatze, stürmisch empfangen. Nur der Umstand, dass sie mit dieser Begrüßung gerechnet hatte, verhinderte ihren Sturz auf den Boden, als Tora sie freudig ansprang. »Ja ja, ich weiß! Ich war lange weg, aber jetzt nehme ich dich mit – du musst dich nämlich in der Krankenstation impfen lassen«, sagte sie zu der Katze, die darauf kleinlaut schwieg. Das Wort »Impfen« verband Tora immer mit diesen unangenehmen Besuchen beim Tierarzt und sie hatte eigentlich gar keine Lust auf so etwas. Da erfasste Tora einen himmlischen Duft, der ihre Gedanken sofort auf etwas anderes lenkte: Yohko hatte ihr eine große Schüssel mit frischen Fleisch hingestellt! Und so was durfte man ja nicht einfach ignorieren. Während Tora fraß, begann Yohko mit den Vorbereitungen ihrer »Anti-Terror-Operation«: Zuerst legte sie ihre Schutzweste aus fein gewebtem Kevlar-VI an, die trotz ihrer geringen Dicke fast alle Klingen und physikalischen Geschosse abfangen konnte. Dann kamen die Wurfdolche und -sterne, die sie fast unsichtbar in ihrer Kleidung versteckte und zu guter Letzt befestigte sie natürlich ihr verehrtes Ninjato, das schon seit Generationen in ihrer Familie war, auf ihrem Rücken. »Fertig! Komm, Tora, wir haben einmal wieder ein paar Terroristen zu beseitigen...« Allan hatte gerade angefangen, den Kommandanten über das Gas aufzuklären, als sich das Schott der Krankenstation öffnete und eine recht hoch gewachsene Japanerin mit grünen Augen und einem schwarzen Pferdeschwanz den Raum betrat. Aber die Japanerin war es eigentlich nicht, die seine Aufmerksamkeit auf sich zog, trotz des altertümlichen Schwertes auf ihrem Rücken. Lasitus, der gerade dabei war, sich seine neue Uniform anzuziehen, hörte den Ausführungen Allans zu. Als er bemerkte, wie sich das Schott der Krankenstation öffnete, riss er seine Augen erschrocken auf und wich langsam zurück. Direkt hinter der Frau kam ein riesiger, terranischer Tiger völlig friedlich angetrabt! Die beiden starrten völlig erschrocken auf das Tier, wobei sie einen Fluchtweg zu finden versuchten. Es gab keinen. Die Frau lief an ihnen vorbei, der Tiger jedoch trottete gemütlich auf die beiden zu. Allan und Alun drückten sich gegen das Bett und versuchten, ruhig zu bleiben. Der Tiger stand nun vor ihnen und beäugte sie misstrauisch, riss plötzlich sein Maul auf und gab ein leises Knurren von sich. Dann lief er der Frau hinterher, die nun vor Lasitus stand, der sich gegen eine leider undurchlässige Wand presste. »Ähm, Sie dürften dann Yohko sein«, begann er. »Wie sind Sie mit dem Tiger aufs Schiff gekommen?« Misstrauisch beobachtete Lasitus das Tier. »Sie haben Recht! Mein Name ist Yohko Takashi«, antwortete sie auf Lasitus verängstigte Frage, während Tora sich zu seinen Füßen hinlegte und anfing wie ein kleines Kätzchen zu schnurren. »Gehe ich recht in der Annahme, dass sie Kommandant Strader sind?« fuhr sie mit einer leichten Verbeugung fort. »Und was Tora angeht, so habe ich eine Sondergenehmigung der Flotte. Wahrscheinlich hat Oberleutnant Dawn für seinen Okrill eine ähnliche Genehmigung.« An Allen und Alun gerichtet meinte sie mit beruhigender Stimme: »Tora ist übrigens völlig harmlos im Vergleich zu diesem Okrill, also benehmen Sie sich doch wie Offiziere der Flotte und nicht wie Kleinkinder!« Scheinbar um diese Aussage noch zu unterstreichen, hatte Tora sich erhoben und trottete jetzt langsam auf die beiden zu. Lasitus hatte sich fast schon wieder gefangen und hakte bei Yohko etwas nach: »Warum tragen Sie dieses Schwert hier an Bord herum?« Darauf erklärte sie ihm, dass sie als Sport Ninjutsu betreibe und es sich bei dem Schwert um eine Sportwaffe handle, die sie jetzt wegen des Schusswaffenverbots zum Selbstschutz trage. Mittlerweile hatte Tora es sich vor dem Behandlungstisch gemütlich gemacht, auf den sich der erste Offizier und der Galaktopsychologe geflüchtet hatten, und begann, ihr Fell zu lecken. Als Yohko darauf aufmerksam wurde, konnte sie ein Lächeln ob der Furcht der beiden Offiziere nicht vermeiden. Da fiel ihr der Grund ihres erneuten Besuchs auf der Krankenstation ein und sie wandte sich an den Arzt, um eine Impfung für Tora zu erreichen. Robert Alun sah die Japanerin mit ihrem Tiger. Er erinnerte sich an seinen Traum. Dort war die Japanerin gestorben und der Tiger Amok gelaufen. Er konnte sich einfach nicht von diesem Alptraum lösen, daher versteckte er sich hinter dem Bett und kam erst wieder heraus, als die Japanerin ihm versicherte, dass das Tier ungefährlich war. »Entschuldigen Sie, es war einfach ein furchtbarer Tag für mich. Ich muss mit ein paar Dingen erst einmal klar kommen... Ich bin Robert Alun, der Galaktopsychologe. Mit wem habe ich das Vergnügen?« »Freut mich, Sie kennenzulernen! Ich bin Oberstleutnant Yohko Takashi, die Leiterin der 2. Beiboot-Flottille«, erwiderte Yohko auf die Vorstellung des Galaktopsychologen, der sich scheinbar wieder im Griff hatte. Wahrscheinlich war er nur erschrocken, dachte sich Yohko und merkte, noch während sie dies dachte, dass sich auch der erste Offizier abgeregt und den Tisch wieder verlassen hatte. Ob die hier keine Warnung bekommen haben wie sonst immer? fragte sich Yohko und rief nach Tora, die sofort kam. Der Tiger hätte zwar viel lieber mit den zwei lustigen Männern weiter gespielt, aber Frauchen hatte gerufen und sie war ihr viel wichtiger! Laut entschuldigte Yohko sich bei den Anwesenden für den Schock: »Gomen, ich dachte wirklich, es wäre an Bord bekannt, dass ich einen Tiger habe. Bisher wusste die Besatzung der Schiffe immer schon Bescheid, bevor ich an Bord kam. Gomen'nasai!« Dabei verneigte sie sich mehrmals in Richtung des Tisches, auf den sich Alun und Allen geflüchtet hatten. Allan wusste aufgrund seines eidetischen Gedächtnisses aus den Personalakten der Kommandooffiziere, dass diese seltsame Frau Oberstleutnant Yohko Takashi war und für ihr Miezekätzchen natürlich eine Sondergenehmigung hatte, sowie dass sie sich – wie er auch – für alte Kampfkünste interessierte. Allans Augen begannen vor Aufregung zu tränen. Er wich zurück und kletterte auf einen der Behandlungstische. Sekunden Später wurde ihm der Unreife seiner Reaktion bewusst. Er hatte eine Katzenhaarallergie, aber das typische Kitzeln in der Nase kam nicht. Jetzt fiel ihm auch wieder ein, dass terranische Großkatzen mit den »normalen« Katzen nur äußerst rudimentär verwandt waren, de facto waren sie mit Hunden enger Verwand als mit Katzen. Also kletterte er wieder vom Tisch und beruhigte sich, als dieser Überschwere in den Behandlungsraum gestürmt kam und von der Sonde berichtete. WAS? Ich soll meine Strahler ablegen? dachte Beceefha. Die haben ja wohl einen Schaden! Seinen geliebten Strahler würde er nie ablegen. Schon gar nicht wegen so einem Schwachsinn. Er schloß also noch schnell die letzten Untersuchungen ab und stapfte dann in Richtung Kommandozentrale. Es war kein Problem, den Leuten in der Kommandozentrale klar zu machen, dass er eine Sondergenehmigung für seinen Strahler brauchte. Es wäre auch nicht gerade klug gewesen, einem Überschweren wie Beceefha die Genehmigung zu verweigern. Er hatte sowieso schon schlechte Laune, da er Fehler in den Bordwaffen gefunden hatte. Ihm wurde nun noch gesagt, dass der Kommandant in der Krankenstation gerade aufgewacht sei, also beschloss er, sich nun sofort auf den Weg zu machen. Er kam wieder einmal nur mit Mühe durch die viel zu kleine Tür. Mit einem Blick erfasste er, dass hier alle möglichen Leute versammelt waren. Sein Blick fiel auf die Japanerin, mit der er vorhin noch gestritten hatte und die nun ein Schwert trug. Nun ja, vielleicht kann ich ihr ja mal einen Trainingskampf vorschlagen, dachte er. Mit einem zweiten Blick erkannte er den Tiger. Och, wie süß! dachte er und bekam ein ganz friedliches Gesicht. Doch das war nun egal, denn er mußte erst einmal zum Kommandanten. »Hallöle«, sagte er völlig zwanglos. »Ich hoffe, Ihnen geht's besser. Ich bin Beceefha und – solange Carpenter nicht wieder auftaucht – der einzige Feuerleit-Führungsoffizier an Bord. Ich wollte mich nur mal bei Ihnen melden und außerdem habe ich die Waffen wieder voll einsatzfähig. Sie waren nie ernsthaft beschädigt. Irgend jemand hat der Positronik das nur vorgegaukelt. Außerdem wurde kurz vor Testbeginn eine Sonde abgeschossen. Ich meine, das hat sicher nichts zu sagen, aber vielleicht wollen sie das ja trotzdem wissen. Sie ist zurück in Richtung Sol geflogen. Es lässt sich allerdings nicht rauskriegen, wer sie abgeschossen hat.« Der Kommandant schaute total erschrocken. Warum bloß, fragte sich Beceefha. Als Beceefha die Krankenstation betrat und von der Sonde erzählte, erschrak nicht nur der Kommandant, sondern auch Robert und Allan. Die beiden wussten ja auch von Carpenters Befürchtungen. »Oh verdammt, was sollen wir jetzt tun?« Der Galaktopsychologe sah noch mal zu dem Überschweren. Er musste mit Gewalt den Traum verscheuchen, in dem er ihn hatte sterben sehen. Vor allem sein Schwert erinnerte ihn daran. »Wir müssen diese Sonde unbedingt aufhalten! Ich lassen eine Korvette starten!« brach es nach Beceefhas Worten aus Yohko heraus, die mittlerweile ebenfalls über den Inhalt des Zettels aufgeklärt worden war. Sie hechtete zum nächsten Bordkom und ließ die Pikachû startklar machen. Mit den Worten »Dawn-san, kommen Sie, oder sollen wir das Ding alleine abfangen?« glitt sie geschickt durch das sich gerade öffnende Schott der Krankenstation. Tora folgte ihr mit drei gewaltigen Sprüngen durch die Krankenstation und Allan kam fast nicht mehr dazu, sie aufzuhalten Nachdem er es jedoch im Vorraum des Behandlungsraumes doch noch geschafft hatte, sagte er, damit es nicht die gesamte Krankenstation mitbekam, leise zu ihr: »Und was soll das bringen? Bis wir aus dem Linearraum heraus sind und Sie starten können, hat die Sonde einen wie großen Vorsprung? Zwei bis zweieinhalb Stunden? Sie kämen niemals rechtzeitig an, insbesondere da die Sonde sowieso einen Besseren Antiebs-/Nutzlast-Koeffizienten hat! Das Ding ist einfach zu schnell. Das Einzige, was wir machen können, ist in den Normalraum zurück zu tauchen, das nächste Relais anfunken und beten, dass die das noch schaffen. Das müssen wir jemand anderem überlassen. Obwohl ich nicht weiß, was eine Sonde anrichten kann, müssen wir doch auf Nummer sicher gehen!« Dann befahl er mittels seines Armbandtelekoms den Notabbruch der Linearetappe. Woran er nicht gedacht hatte war, dass sein Flüstern die Gerüchteküche im Schiff zum Kochen bringen würde. Dawn hatte das Geschehen in der Krankenstation mit Interesse betrachtet und mühsam ein Lachen zurückhalten müssen, als er die Reaktionen der Anwesenden auf den Tiger sah. Vielleicht ein Spielgefährte für Sauron, wenn auch eigentlich zu schwach, dachte er. Zum ersten Mal sah er auch den Kommandanten – in einer recht interessanten Lage, wie er fand. Er wollte sich gerade bei diesem melden, als er von seiner Kollegin aufgefordert wurde, die Sonde abzufangen. So ein Quatsch, dachte er. Die kriegen wir doch nie mit einer Korvette, aber vielleicht mit einem dieser neuen Jäger... Und wenn nicht, habe ich wenigstens einmal einen von denen getestet. Somit folgte er also der Japanerin, um die Sache mit ihr zu besprechen, als sie plötzlich vom ersten Offizier aufgehalten wurden, der sie über den Schwachsinn aufklärte. »Wir haben doch die zwei Prototypen der Thunder-Jäger an Bord!« warf Dawn ein. »Ich selbst habe daran mitgearbeitet. Die Dinger bestehen praktisch nur aus ihren Triebwerken, und die winzige Transformkanone müsste eigentlich reichen, um die Sonde zu knacken. Einholen werden wir das Schiff schon wieder, und außerdem steht in meiner Einsatzorder ganz klar der Befehl, die Jäger zu testen – dazu ist dieser Zeitpunkt doch geradezu prädestiniert!« Dawn sah, wie Interesse in Yohkos Augen aufflammte, doch der erste Offizier schien etwas Zeit zum Nachdenken zu brauchen. »Ich nehme zwar nicht an, dass das etwas bringt, aber von mir aus können Sie fliegen. Doppelt hält immer besser als einfach und in diesem Fall schlagen wir gleich noch eine Zusatzfliege«, vermurkste der erste Offizier gleich mehrere altterranische Sprichwörter. Via Armbandkommunikator ordnete die Startvorbereitung der Thunder-Jäger an und sagte zu Dawn und Yohko, sie sollten sich dringend um eine sichere Unterbringung ihrer Haustiere kümmern, da diese ansonsten leider in Kryostasis versetzt würden. Anschließend sollten sich die beiden Piloten in der Zentrale melden. Darauf schauten die beiden doch ziemlich belämmert, da sie scheinbar nicht daran gedacht hatten, dass in einem Einmann-Aufklärungs/Kurierjäger weder Platz für eine Grosskatze noch für einen Okrill sein würde. Dafür hatte man mit der Sonderausrüstung dieser Jäger wenigstens eine Chance, den nur wenige Kubikmeter großen Körper der Sonde zu orten. Allan trat nochmals an den Krankenantigravtank des Oberst und unterrichtete diesen von seinen Plänen, versprach dabei auch, sobald wie möglich zurückzukommen um seinen Rapport zu vervollständigen. Danach begab er sich auf den Weg in die Zentrale, um dort die Richtsprüche und den Rendezvouspunkt vorzubereiten. Der erste Offizier hatte ein völlig neues Problem aufgeworfen: den Okrill. Doch glücklicherweise bat sich Beceefha sofort an, diesen zu hüten. Na wenn er unbedingt will... dachte Dawn. Er erklärte dem Überschweren die wichtigsten Dinge zur Haltung eines Okrills, was auch ein zweistündiges Spielen am Tag einschloss. Was er dem Arkonidenabkömmling aber nicht erklärte war, dass dieses »Spielen« einem mehrtägigen Kampftraining der SolAb gleichkam. Mit dem Gedanken Soll er doch seinen Spaß haben im Kopf übergab er Sauron an Beceefha und winkte Yohko das Gleiche zu tun. Nachdem Allan und die anderen gegangen waren, um das SI zu retten, blieb Alun als einziger von denen, die von den Vorgängen im Schiff komplett Bescheid wussten, zurück. Allan und er hatten dem Kommandanten schon erklärt, wer Laska war und was die Geschichte mit den Gas bedeutete. Er hatte auch von Tsuran erzählt. Das mit dem Triebwerk wusste er ja nur von Hörensagen und konnte es nicht bestätigen. »Haben Sie noch Fragen, Sir?« Vron war wie immer dem Ersten Offizier hinterher gelaufen. Als Allan fragte, wer denn nun den Okrill und die Miezekatze hüten sollte, bekam Vron einen Riesenschreck: »Bloß ich nicht, ich will die erste Mission eigentlich schon überleben.« Gott sei Dank war der Überschwere bereit, die Tierchen zu nehmen. »O Gott, was machen wir ohne Feuerleitoffizier? Ein paar Tage mit den Tierchen, vor allem mit dem Okrill und der ist für Monate auf der Krankenstation. Carpenter scheint ja seit einiger Zeit verschwunden zu sein...« Vron war klar, dass nicht nur der erste Offizier, sondern vor allem der Kommandant einen Bodyguard brauchte. Aber in der Krankenstation war sowieso schon die halbe Sicherheitsabteilung versammelt. Bei der Nennung »Thunder-Jäger« war es Yohko durch Mark und Bein gegangen. Das ist doch dieser neue Angriffsjäger der Flotte! schoss es ihr durch den Kopf. Die Dinger bestanden ihres Wissens nach praktisch nur aus Zelle, Positronik, Transformkanone und Triebwerk! Außerdem hatte sie bei der SolAb Gerüchte über einen extrem schnellen und extrem wendigen Jäger-Neubau gehört, der als erster Jäger sogar über eine Sert-Haube verfügte. Diese Gelegenheit musste sie nutzen, auch wenn das eine momentane Trennung von Tora bedeutete. Aber der Überschwere hatte sich ja angeboten und so klärte sie ihn über die Fütterung des Tigers auf. Er sollte in der Lage sein, Toras Spiele unverletzt zu überstehen, wofür sie bei den anderen Anwesenden nicht gewettet hätte. »Tora, du bleibst hier bei diesem netten Onkel, solange ich weg bin... Und benimm dich!« befahl sie der großen Raubkatze, die daraufhin mit einem großen Satz auf Beceefha zusprang und anfing, ihn abzulecken. Tora passte es zwar gar nicht, dass er sich von seinem Frauchen trennen musste, aber immerhin sah der Überfette so aus, als müsste er bei ihm nicht hungern! Und das war doch auch schon was... Während sich Tora mit dem Okrill und Beceefha bekannt machte, verließen Dawn und Yohko die Krankenstation in Richtung der Hangarsektion. Das Letze, was die Zurückgebliebenen noch hörten, war: »Und die Dinger haben wirklich eine SERT-Haube? Unglaublich!« SCHLUCK machte Beceefha innerlich, so ernst hatte er das mit den Haustierchen nicht gemeint. Er wusste zwar, dass Sauron ihm nie ernsthaft etwas antun würde, aber das mit dem Spielen... Er wusste aus eigener Erfahrung, wie anstrengend das war. Na ja, haste für die Zeit halt zwei ausgezeichnete Leibwächter und 'ne kostenfreie Trainingsmöglichkeit, dachte Beceefha und versuchte, der Sache wenigstens etwas Gutes abzugewinnen. Er wollte Taron noch etwas fragen, aber der war schon verschwunden. Er bekam noch von Yohko zugerufen, dass ihr Schmusekätzchen frisches Fleisch liebe, dann war auch sie verschwunden. Beceefha war klar, dass der Okrill klug genug war, um zu wissen, dass er nun auf ihn, Beceefha, zu hören hatte, aber wie sollte er dies einem Tiger beibringen? Vor allem, ohne ihm weh zu tun? Na ja, das würde schon irgendwie klappen. Er rief also nach seinen beiden Pflegetieren und siehe da: Beide gehorchten aufs Wort. Beceefha verließ nun die Krankenstation in Richtung seiner Kabine. Es war immerhin ein langer Tag und er musste ja noch die Tiere füttern. Ihm kam dabei der Gedanke, die beiden einfach in der Kantine abzusetzen und erst morgen früh beim Koch wieder abzuholen, aber er konnte sich dann doch überwinden, dies nicht zu tun. In seinem Zimmer angekommen fütterte er also die beiden und legte sich dann selbst schlafen. Sowohl der Okrill, als auch der Tiger waren innerhalb kürzester Zeit eingeschlafen, wie er bemerkte. Na prima, dann sind sie morgen wenigstens richtig munter! war Beceefhas letzter Gedanke, bevor ihn der Schlaf übermannte.
Yohko hatte ihren Tiger an Beceefha übergeben und mit leuchtenden Augen die Krankenstation verlassen. Schnell folgte Dawn ihr, die Tatkräftigkeit der jungen Frau immer mehr bewundernd. Wo andere Terraner lange gezögert und geredet hätten, legte sie einfach los. Die Japanerin begann über SERT-Hauben zu sprechen und weckte damit längst verloren geglaubte Erinnerungen in Dawn. Vor mehr als einem Jahrzehnt hatte er mit seinem kleinen Schmugglerschiff TARON TORRIDAS einen terranischen Patroullienkreuzer mit SERT-Steuerung erobert. Da das kleine Schiff dabei zu Bruch ging, hatte sich Taron auf den großen Kreuzer gerettet. Um diesen jedoch mit seiner 3-Mann Besatzung steuern zu können, war er gezwungen gewesen, eine Schnellschulung zum Emotionauten durchzumachen. Die so erlangten Grundkenntnisse hatte er schnell weiter ausgebaut und mit dem Raumer ein manches Wachschiff aufs Kreuz gelegt. Die Simultane Emotio-Reflex Transmission war eine Technik, die es erlaubte, ein Schiff mit Gedankengeschwindigkeit zu steuern. Nach seiner Gefangennahme auf der SCR 1 hatte er allerdings nie mehr unter einer SERT-Haube gesessen, da die SolAb-Ausbilder Kampf- und Taktiktraining für wichtiger hielten. Vielleicht hatte er gerade wegen dieser langen SERT-Abstinenz dem Test des Jägers zugestimmt. Er wusste es nicht, freute sich aber um so mehr auf diesen. »Aber das ist wahr«, antwortete Dawn der Kollegin. »Das Flottenkommando hat mir zugestimmt, dass eine SERT-Haube in einem Jäger dieser Klasse die einzig sinnvolle Lösung ist. Was soll man schließlich mit der ganzen Manövrierfähigkeit anfangen, wenn man nicht schnell genug reagiert?« Und auch noch langsam ist wie ein Terraner, dachte Dawn, auch wenn ihm die Frau keineswegs langsam erschien. Aus Rücksicht auf Yohko beschloss Dawn, diesmal den Antigravschacht zu benutzen. Sie begaben sich direkt in Richtung Zentrale, um den ersten Offizier aufzusuchen. Schließlich mussten sie ja noch einen Treffpunkt ausmachen und den Einsatz besprechen. Dawn hoffte natürlich auf etwas Aufregung in dieser Mission, eine Sonde zerstören allein war nun nicht das Spannendste auf der Welt. Ich hoffe, Beceefha kümmert sich gut um Sauron, dachte Dawn. Yoko und Dawn kamen aus dem Antigravfift und traten an den Ersten Offizier heran. Dieser übergab an jeden der beiden je einen Datenträger mit grüner und mit roter Markierung. »Ich fühle mich zwar überhaupt nicht wohl, die beiden Kommandanten der Beiboot-Flottillen gleichzeitig los zu schicken, aber anscheinend sind Sie die einzig Qualifizierten für die Dinger. Was allerdings eine SERT-Version soll, solange wir nur 5 Emotionauten zur Verfügung haben... ? Das Flottenkommando wird's wissen. Also, ich habe zwei von den neuen Spielzeugen in Aufklärerkonfiguration in der Halbnordschleuse auf Deck 3 bereit machen lassen. Das heißt, sie haben kaum Bewaffnung, dafür an Ortungsausrüstung das Beste, was wir haben, und das werden Sie auch brauchen. Dort sind auch die Spezialanzüge mit SERT-Kontakten ausgelegt. Wir haben Glück: Die Sonde soll den Kurs des Schiffes bis zum Ausgang des ATG-Feldes fliegen, dort durch Antriebsüberladung explodieren und dadurch den Standort der Temporalschleuse verraten, wir kennen also nicht nur Start- sondern auch Zielpunkt! Die Sonde fliegt nur mit ungefähr 8% ihrer maximalen Geschwindigkeit, um Ortung zu erschweren, also haben Sie tatsächlich eine Chance, dass Sie das Ding abfangen können. Die rot gekennzeichneten Datenträger, die ich Ihnen gegeben habe, enthalten die genaue Position der Temporalschleuse, sollten Sie abgefangen werden, ist die Schleuse sorgfältig zu zerstören. Das ist noch wichtiger als die Selbstzerstörung der Jäger, die Sie danach auslösen sollen, bevor Sie die Dinger ›etwas in Eile‹ verlassen. Auf den grün gekennzeichneten Datenträgern befinden sich die Koordinaten und Zeitpunkte der nächsten vier von uns geplanten Orientierungsmanöver. Ihr Zeitfenster ist jeweils ungefähr 15 Minuten groß. Wenn wir einen Punkt verlassen haben, werden wir eine Primitivsonde ausschleusen, die für drei Tage ortbare Störimpulse mit geringer Leistung abgeben wird. Ich dachte an 3 kurz, 1 lang.« Damit wollte er sie eigentlich entlassen, da fiel ihm noch ein: »Was haben Sie eigentlich mit Ihren Tierchen gemacht?« Sie antworteten ihm bereitwillig, und ihm schoss fast gegen seinen Willen ein Wenn das mal gut geht! durch den Kopf, als ihn der Navigator darüber unterrichtete, dass der vorzeitige Abbruch in fünf Minuten durchgeführt sein würde. Daraufhin trieb er die beiden Piloten an: »Na dann mal los, in acht Minuten wollen wir wieder auf Fahrt sein! Also beeilen Sie sich! Halbnorddeck 3!« Als Dawn gerade in das Cockpit des Thunder-Jägers geklettert war, fiel ihm draußen ein Techniker auf, der mit einem Raumanzug winkte. Ach ja, ich hatte ja einen in meiner Größe angefordert, kam es ihm schlagartig wieder in den Sinn. Also stieg er wieder aus und legte den Raumanzug an. Sicher ist sicher, dachte er und sah, dass seine Kollegin schon längst mit Raumanzug im Jäger saß. Entschlossen sprang er in den Jäger und verschloss das Cockpit. Ein kurzer Check ergab, dass die Techniker gut gearbeitet und den Jäger optimal vorbereitet hatten. Kaum waren sie wieder im Einsteinraum, ertönte auch schon das Startsignal. Die beiden Jäger wurden von den Gravitationskatapulten aus dem Hangar geschossen, wovon Dawn körperlich natürlich nichts merkte. Zum Glück haben wir Andruckabsorber, dachte er. Bei der Beschleunigung wäre es wohl selbst mit mir vorbei. Kaum hatte er den Gedanken zu Ende gebracht, sah er auch schon das scheinbar endlose Sternenmeer. Er ließ sich davon jedoch kaum beeindrucken und stellte sofort Funkkontakt zu der Japanerin her. Während die beiden schlanken, wendigen Jäger mit der wahnwitzigen Beschleunigung von 1200 m/s² und aufglühenden Impulstriebwerken davonschossen, ging die CREST V wieder in den Linearraum. Jetzt waren Yohko und Dawn auf sich selbst und ihr Können gestellt. Als Yohko, die noch immer von der Beschleunigung der Jäger begeistert war, sich gerade an Dawn wenden wollte, hörte sie das Knacken des Normalfunks in ihrem Helm und gab den gedanklichen Befehl, den Ruf anzunehmen. »Hallo, Dawn hier. Aller in Ordnung an Bord?« meldete sich der Offizier. Nach einem kurzen Check der Systeme, der dank der SERT-Steuerung nur Sekundenbruchteile dauerte, antwortete Yohko: »Alles in Ordnung! Wir sollten in zwei leicht versetzten Kursen fliegen, um mit unseren Waring'schen Linear-Ortern einen breiten Korridor auf dem Kurs zum Sol-System abzudecken. Sind Sie damit einverstanden, Dawn-san?« Dawn überlegte kurz und stimmte ihrem Vorschlag dann zu. Nach Dawns Einverständnis schickte Yohko ihm die geänderten Kurs-Daten, die sie noch während ihrer Unterhaltung mit Hilfe der Bordpositronik berechnet hatte. Nur zwei Sekunden später gingen die beiden Jäger in den Linearraum. Was keiner der Piloten ahnte, war, dass sie soeben neuen Flottenrekord geflogen hatten.
Während Emerson auf der Krankenstation lag und sich einer Blutwäsche unterzog, glitt sein Verstand in eine andere Sphäre hinüber; anders ausgedrückt – er hatte einen Traum. Er handelte von einer von Emersons schlimmsten Erinnerungen, der Begebenheit, die sein ganzes weiteres Leben bestimmen sollte. Er befand sich in der Heimat, es war kurz nach der Umpolung des Magnetfeldes. Alle jungen Veego hatten ihr Schrittorgan bekommen und machten sich daran, ihre neue Fähigkeit auszuprobieren. Sie mussten selber lernen, damit zurechtzukommen; kein Aktiver oder Kreativer nahm sich die Zeit, sie einzuweisen und auf die Gefahren des »Kurzen Weges« hinzuweisen. Emerson (oder Evos, wie er zu der Zeit genannt wurde), hing mit ein paar anderen Altersgenossen herum und wartete auf einen seiner engsten Freunde. Der war mutiger als die anderen gewesen und hatte sich als erster auf den Weg ins Universum gemacht. Evos und die anderen warteten schon seit einem halben Tag, doch ihr Freund kehrte nicht zurück. Sie begannen, sich Sorgen zu machen, zu recht, wie sich bald herausstellen sollte. Dann hörten sie von einem vorbeikommenden Aktiven, dass es einen schrecklichen Unglücksfall auf einem weit entfernten Planeten gegeben haben sollte. Evos fragte nach dem genauen Ort und machte einen Schritt. Als er am Ort des Geschehens ankam, standen Dutzende von Veego um einen Körper herum, der regungslos am Boden lag. Es war ein Veego, dessen Schrittorgan völlig entladen war. Er konnte nicht mehr nach Heimat zurückkehren und lag im Sterben. Man sagte ihm, dass es ein junger Aktiver wie er war, der nichts von der Begrenzung der Anzahl der Schritte gewusst hatte. Als Evos sich neben dem Sterbenden hinkniete, öffnete der noch einmal seine Augen und blickte Evos an. Als der Todgeweihte ihn ansprach, erkannte Evos mit Entsetzen seinen Freund wieder, auf dessen Rückkehr er so lange gewartet hatte! Mit seinen letzten Worten bat er Evos, dafür zu sorgen, dass kein anderer Veego dasselbe Schicksal erleiden sollte. Als das Leben endgültig aus seinem Körper wich, wandte Evos sich ab. Das war der Moment gewesen, in dem Evos beschloss, dass er einen anderen Weg gehen wollte als die anderen Veego. Er würde das »große Ziel« seines Volkes nicht über seine oder die Bedürfnisse anderer stellen. Er würde nicht zulassen, dass die Kartographierung des Universums für ihn wichtiger werden würde als das Leben der anderen Veego. Hier nahm der Traum eine überraschende Wendung. Als Evos wieder in die gebrochenen Augen seines besten Freundes sah, waren es die von Axel Carpenter. Nachdem Lasitus keine Fragen mehr hatte, beschloß Robert, in die Zentrale zu gehen. Er bog gerade gut gelaunt um die Ecke, als ihm jemand mit gezogener Waffe entgegenkam. Es war einer der Leute um Tsuran. Die Waffe war in etwa die Gleiche, die der Doktor getragen hatte. Alun versuchte, ihn zu überzeugen, die Waffe abzulegen. »Ich hab zu sehr Angst. Die Altmutanten sind wieder da und werden uns alle töten. Wir werden alle sterben!« Als der Mann in Tränen ausbrach, konnte Robert ihm leicht die Waffe abnehmen und brachte den Mann in die Krankenstation. Dort stellte sich heraus, dass er zu Carpenters und Beceefhas Feuerleittruppe gehörte und unter Einfluss des Gases stand. Also machte Alun sich nun erneut auf den Weg in die Zentrale, hoffend, dass er ohne Unterbrechungen und ankommen würde. Dort angekommen, begab sich sofort zu Allan. »Sir, wir haben ein weiteres Problem: Laska hat, bevor er von Ostrog ausgeschaltet wurde, noch Tsuran und Konsorten freigelassen. Außer Tsuran haben wir bisher, glaube ich, nur einen erwischt. Er war nur mit einer Standartwaffe ausgerüstet und nicht mit so einem Monsterding.« Er erzählte dem ersten Offizier alles, was er über den Meuterer wusste.
Beceefha schlug vorsichtig ein Auge wieder auf. Es war nichts zu hören außer dem Schnarchen von Tora und Sauron. Sehr schön, dachte Beceefha. So hatte ich mir das gedacht. Erst fressen lassen, bis sie fast platzen, und dann schlafen sie wie die Babys. Dann kann ich ja jetzt wieder los, sonst wird der Kommandant noch böse, weil ich in der Schicht penne. Er schnallte also sein Schwert wieder um, das er nur zum Schlafen unters Bett legte und schlich sich dann hinaus. Tora und Sauron machten keinen Mucks. Er schloss sie allerdings nicht ein. Sie sollten ja zu ihm kommen können, wenn was passieren sollte. Um die Sachen in seinem Quartier machte er sich aufgrund der Bewachung keine Sorgen. Kaum war er draußen und die Tür hatte sich geschlossen, ging er zur Kommandozentrale. Na endlich war dieser Fette gegangen! Sauron hatte ihn zwar eigentlich ganz gern – aber schon so früh mit so wenig Essen zu schlafen widerstrebte ihm dann doch. Und dann war da ja auch noch dieses interessante, gestreifte Lebewesen, das mehr Intelligenz zu besitzen schien als diese Menschen, welche die ganze Zeit um ihn herum waren. Sauron stand auf und stupste den Tiger an. Als dieser nicht reagierte, versetzte Sauron ihm einen zärtlichen Stromstoß mit der Zunge. Daraufhin war der Tiger sofort auf den Beinen, merkte jedoch schnell, dass das keineswegs ein Angriff gewesen war, und folgte dem Okrill aus der Kabine. Die beiden Tiere hatten gerade das Quartier verlassen und waren auf dem Weg zur Kantine, als Tora plötzlich ein Besatzungsmitglied erspähte, das nach einem guten Spielzeug aussah. Sofort sprang sie auf den Mann zu und Sauron beschloss, ihr den Spaß zu lassen. Doch als der Mann dann eine Strahlenpistole zog, war der Spaß vorbei. Sauron spannte seine mächtigen Muskeln und sprang mit einem Riesensatz direkt auf den Menschen. Allerdings hatte Taron ihm beigebracht, keine Menschen zu töten – also begnügte er sich, mit einem Biss den Strahler zu zermalmen und den Rest der inzwischen herangekommenen Tora zu überlassen. Tora, die gerade freudig auf den Soldaten zugesprintet war, hielt erschrocken inne, als Sauron ihn wie aus heiterem Himmel angriff. Ist der überfette Frosch vielleicht durchgeknallt? schoß es der Raubkatze durch den Kopf. Doch da sah er den Grund für die Reaktion des Okrills: Die zusammengeschmolzenen Reste einer Strahlenwaffe! Mit dem wütenden Gedanken Der wollte mich umbringen! hetzte Tora los und sprang den Soldaten, der von Saurons Attacke scheinbar sehr überrascht worden war, mit einem riesigen Satz an. Der Soldat flog durch die Wucht von Toras Landung mehrere Meter nach hinten, bevor sein Flug von der Korridorwand unsanft gebremst wurde, was von dem lauten Krachen brechender Knochen begleitet wurde. Er hatte höllische Schmerzen, aber das war nicht sein einziges Problem: Der gewaltige Tiger saß auf ihm und hielt ihn mit seinen Tatzen in Schach! Als er dann auch noch den Okrill auf sich zukommen sah, wurde dem Soldaten schwarz vor Augen.
Als die Offiziere verschwunden waren, hatte Lasitus vor, zur Zentrale zu gehen. Aber die Ärztin Ms. Drake kam ihm dazwischen. »Nichts da, Sie müssen erst noch einmal untersucht werden!« meckerte sie. Lasitus seufzte und setzte sich wieder zurück auf die Liege. Eine Stunde dauerte die Untersuchung; dann wurde er mit kritischen Blicken entlassen. Lasitus begab sich zu Zentrale, wo er auf Allan traf. »Sir, sind Sie auch wirklich wieder in Ordnung?« Der Kommandant knurrte irgend etwas von »selbstverständlich« und warf Alun einen bösen Blick zu. »Nun ja, was sollen wir wegen der Leute um Tsuran machen? Es sind immer noch neun frei.« Robert ließ sich nichts anmerken, aber er hatte Angst. Die Erde war in Gefahr und dort lebten auch seine Eltern. »Haben sie irgendwelche Befehle für mich?« fragte er den Kommandanten. »Oder soll ich jetzt in der Feuerleitzentrale darauf warten, dass sowieso nichts passiert?« Tsuran erwachte erst nach einiger Zeit von dem Paralysatorschuss. Er erfuhr auch von dem Gas, dem er ausgesetzt worden war. Der Doktor wollte vor Scham im Boden versinken, als er erfuhr, was er getan hatte. Es dauerte noch zehn Minuten, dann war er entlassen. »Danke, für alles. Sagen Sie dem Kommandanten, dass ich ihn Morgen sprechen will. Es geht um eine große Gefahr für das Schiff.« Seine Methoden waren falsch gewesen, aber er musste die Gefahr Alun beseitigen. Vielleicht sollte er dem Kommandanten vorschlagen, Alun auf einen einsamen Planeten auszusetzen. Er wollte grade die Krankenstation verlassen, als er hinter sich die Stimme des Chefarztes hörte: »Und denken Sie daran, Mr. Tsuran, Sie haben in dreieinhalb Stunden Dienst.« Die internen Sensoren waren außer in zwei Sektoren wieder zum Funktionieren gebracht worden, was insgesamt 15 Sicherheitsalarme auslöste. Einige davon waren die von Carpenter liegen gelassenen Strahler, darunter auch ein noch aktiviertes Impulsschweißgerät, das noch aus der Instandsetzung des Schiffs zu stammen schien. Die restlichen Alarme waren von den vermissten »Anhänger« des Dr. Tsuran sowie ein paar Ingenieuren, die anscheinend in einer Sektion unterwegs waren, in der die Bordsprechanlage nicht funktionierte, ausgelöst worden. Laut der Sicherheitsabteilung sollen die sehr verblüfft gewesen sein, als auf einmal eins der Sicherheitsschotts auffuhr und 12 Mann der Sicherheitsabteilung in Kampfanzügen mit aktiviertem Schutzschirm hinein gestürmt kamen. Wenigstens muss ich keine Disziplinarmaßnahmen einleiten, dachte Allan, dem es ein ziemliches Gräuel gewesen wäre, wegen solch einer Kleinigkeit schwere Strafen zu verhängen. Er hätte es jedoch bei Zuwiderhandlung gemusst, nachdem er die Behandlung der Leute um Tsuran angeordnet hatte. Die Ablösungscrew traf langsam ein.
Robert Alun war immer noch in der Zentrale, als er merkte, dass er auf einmal einen riesigen Hunger hatte. Er fragte einen der Leute, wo man etwas zu essen bekommen könnte. »Meinen Sie jetzt die einfache Messe oder die Offiziersmesse?« bekam er eine Frage als Antwort. »Welchen Rang haben Sie denn?« Das letzte war eine gute Frage. Alun schaute lieber mal in seiner Akte nach. Da stand etwas von Major. Aha, bin ich heute wohl befördert worden! dachte sich Alun und entschied sich dafür, die Offiziersmesse auszuprobieren. Aber die Lunawerft 7 wird noch was zu hören bekommen – Von wegen NEUWERTIG! grübelte Allan, als Oberst Lasitus Stader von hinten an ihn herantrat und nach dem Schiffsstatus fragte. Allan zählte die gesamten Schäden und die geschätzten Reparaturzeiten auf und schloss mit: »Insgesamt würde ich von einer 85%igen Einsatzfähigkeit sprechen, bei der Offensivbewaffnung von 75%. Laut Zeitplan müssten wir bis zum Eintreffen im Zielgebiet bei etwa 98 bis 100% sein, wobei die Reparaturzeit des Dimetranstriebwerks noch unsicher ist. Ich war schon kurz davor, die Mission abzubrechen, aber ich hoffe, dass jetzt Ruhe einkehrt. Immerhin wurde mir von der Schiffssicherheit gesagt, dass sie eine Spur hätten.« Strader setzte sich ächzend an sein Kommandopult und ließ eine Bemerkung über Ärztepfusch fallen, was Allan irgendwie ungerecht fand, da er sich sicher war, dass der Kommandant gegen den Willen der Ärzte die Krankenstation verlassen hatte. Da mittlerweile auch die Schichtkommandantin eingetroffen war, schlug Allan Lasitus vor, gemeinsam in die Offiziersmesse zu gehen und beim Abendessen die weiter Vorgehensweise zu besprechen. Dieser ging auf den Vorschlag ein und so verließen sie beide die Zentrale, nachdem Allan die Nebenschichtkommandantin eingewiesen und extra darauf hingewiesen hatte, dass er jederzeit über den Arbandkommunikator zu erreichen war. Wie jetzt? Der Kommandant ignoriert mich? fragte Beceefha sich ungläubig. Eigentlich konnte man ihn gar nicht übersehen. Na egal. »Also...« In diesem Moment trat Gonozal hinzu und fragte den Kommandanten, ob er mit in die Offiziersmesse mitkäme. Dieser stimmte zu. Da Beceefha wie immer genau in diesem Moment Hunger hatte, beschloß er, sich den beiden anzuschließen. Er hatte kein Problem damit, mit in die Offiziersmesse zu gehen. Immerhin hatte er den gleichen Rang wie Gonozal, nämlich Oberstleutnant. Sie verließen also die Kommandozentrale. Zum Essen gab es ein wirklich teuflisches Chili, aber keiner der beiden traute sich, dem Koch, einem Typen, der zwar ein Mensch zu sein schien, jedoch im Punkt Breite dem Überschweren hätte Konkurrenz machen können, etwas zu sagen. Außerdem mochte Allan scharfes Essen, wenn auch nicht so extrem. Aber Strader schienen nach dem Probieren die Augen aus dem Kopf zu fallen und dann beging er noch den Fehler, was zu trinken... Sein Chili war so scharf, dass sich Alun vornahm, beim nächsten essen lieber bei den einfachen Crewmitgliedern zu essen. Um die Schärfe etwas zu aushalten zu können, aß er viel Brot dazu. Kurz nach ihm betraten auch Strader und Gonozal den Raum, ohne Alun allerdings zu bemerken. Auch den beiden schien das Essen etwas zu scharf zu sein, jedenfalls Strader. Der Kommandant schien sich mit scharfem Essen wirklich nicht auszukennen, jetzt nahm er auch noch etwas zu trinken. Das konnte nur schief gehen. Während der Kommandant die Folgen von scharfem Chili gemischt mit einem Getränk feststellte, sah sich Alun etwas im Raum um. Er sah einen Mann, der sich an Strader heranschlich. »Achtung, Alarm, da vorne!« schrie er sofort. Vron begleitete den ersten Offizier natürlich auch in die Offiziersmesse. Er war sein Leibwächter, er musste den Ersten beschützen. Nebenbei war das auch noch eine Gelegenheit, die berühmte Offiziersmesse einmal kennen zu lernen. Da der erste Offizier scheinbar nichts dagegen hatte und es akzeptabel fand, dass ein Sicherheitswächter in der Offiziersmesse aß, fügten sich ihm auch die anderen, zumal der Kommandant auch nichts dagegen hatte. In der Offiziersmesse zu sein, war für Vron schon einmal etwas Besonderes und das Chili schmeckte gut. Vron aß es mit Appetit. Lasitus Strader schien etwas mehr Probleme damit zu haben. Da hörte er plötzlich Aluns Schrei und sah einen Mann, der sich an Strader heranschlich und eine Stichwaffe trug. »Waffe fallen lassen, Sie sind verhaftet!« rief Habel. Als er die Waffe nicht fallen ließ, paralysierte Habel ihn. Schnell rief er einen Arzt und rief auch in der Sicherheitsabteilung an. Beceefha setzte sich zu den anderen an den Tisch und auch dies schien niemanden zu stören. Es gab Chili; so nannten die anderen es zumindest. Was auch immer das war, es war wirklich gut! Warum hatte der Überschwere das Gefühl, dass nach ihnen keiner mehr etwas zu Essen bekommen würde? Er war gerade beim Essen, als sich ein Mann mit einer Stichwaffe an den Kommandanten heranschlich. Zum Glück für den Mann kümmerte sich nicht der Überschwere um ihn. Das wäre wahrscheinlich auch recht ungünstig gewesen. Es gab ja nun wirklich nicht viele Dinge, die Beceefha wirklich hasste, aber beim Essen gestört zu werden gehörte auf jeden Fall dazu. Er aß also in aller Ruhe weiter, während die anderen sich um den Attentäter kümmerten. Kurze Zeit später begann er mit der 5. Portion dieses seltsamen Essens namens Chili. Die Teller hier waren ihm viel zu klein und er machte sich in Gedanken die Notiz, das nächste Mal seinen eigenen mitzubringen. Gerade war der Angreifer überwältigt worden, als das Schott der Messe auffuhr und in völliger Seelenruhe Sauron und Tora herein getrottet kamen. Alleine das war schon ungewöhnlich, aber was dem Ereignis noch einen Schuss besondere Würze gab, war die Tatsache, dass der Okrill ein bewusstloses Besatzungsmitglied hinter sich herzog und der Tiger einen angeschlossenen Strahler im Maul hatte. Sauron ließ den Bewusstlosen nach dem Hereinkommen einfach liegen, während Tora auf Alun zu trottete und ihm die Reste des Strahlers vor die Füße legte. Und was soll ausgerechnet ich damit? fragte sich der Psychologe in Gedanken. Er gab die Überreste des Strahlers an Habel. »Ich weiß zwar nicht, ob bei dem Strahler noch was festzustellen ist, aber vielleicht könnt ihr ihn in der Sicherheitsabteilung untersuchen!« Danach wandte er sich an den Küchenchef: »Können Sie den Tieren nicht etwas zu fressen geben?« Der Küchenchef lachte. »Kein Problem. Wir haben für den Überschweren 10 Portionen eingeplant, aber die 5 scheinen ihm zu reichen. Ich denke wir können je eine dieser Portionen an die Tiere verfüttern.« Die wollen mir mein Essen kürzen? dachte Beceefha ungläubig. Die spinnen wohl! Immerhin habe ich die beiden erst vor einer knappen halben Stunde gefüttert. Außerdem zweifelte er daran, dass dieses doch recht scharfe Zeug dem Tiger schmecken würde. Dies tat er auch laut kund, allerdings etwas freundlicher. Er unterbrach also sein Essen für kurze Zeit und ließ sich den Strahler geben. Er hatte eben eine Schwäche für Waffen. Wenn er an diesem Ding nichts finden würde, würden dies die Leute im Labor wahrscheinlich auch nicht. Er betrachtete den Strahler aufmerksam und sagte dann: »Das ist ein ganz normaler Strahler wie es ihn hier an Bord mehrere tausend gibt. Daraus könnte man, selbst wenn er heil wäre, nichts schließen. Außer vielleicht, wer ihn zuletzt benutzt hat. Aber das wissen wir ja auch so...« Er gab den Strahler zurück und widmete sich wieder seinem Essen. Kurz darauf fiel ihm wieder ein, dass er ja eigentlich auf die Tiere hatte aufpassen sollen. Er guckte also zu Sauron und sagte diesem, dass er nach seinem Spaziergang und dem Spielen mit dem Saboteur nun wieder in die Kabine gehen solle, wenn er nicht doch noch für die Abwesenheitszeit seines Herrchens komplett aus dem Verkehr gezogen werden wolle. Zu Tora sagte er das Gleiche, auch wenn sie wahrscheinlich sowieso dem Frosch gefolgt wäre, der nun brav die Offiziersmesse verließ. Nach dem Attentatsversuch und dem Auftauchen der beiden Tiere dachte Allan, viel könne ihn heute nicht mehr überraschen. Aber die erst gar nicht vorhandene und dann sehr merkwürdige Reaktion des Überschweren war schon verblüffend. Als dieser nur zu ihnen ging, auf die Tiere einredete und sich daraufhin wieder setzen wollte, traute er seinen Augen nicht ganz. Also stand er auf, trat an Beceefha heran und sagte ihm leise, aber mit unüberhörbarere Schärfe: »Sie wissen schon, dass Sie für die Tiere verantwortlich sind? Trotz ihrer augenscheinlichen Intelligenz sind es gefährliche Raubtiere, die keinesfalls ohne Aufsicht im Schiff herum laufen dürfen! Sie sollten jetzt lieber ganz schnell hinter diesen Tieren herlaufen, weil wenn ich diese noch einmal ohne Aufsicht sehe, werde ich für die Kryogene Lagerung dieser Tiere sorgen müssen. Und Sie werden den Besitzern der Tiere erklären müssen, warum ihre Lieblinge auf eis liegen! Ich kann mir nicht vorstellen, dass Sie das wollen, oder?« Ohne auf Antwort zu warten drehte sich Allan um und ging wieder zu seinem Platz. Dort fragte der Kapitän, worum sich das Gespräch eben gedreht hatte und wieso der Breite auf einmal so einen gehetzten Blick hatte. Allan erklärte ihm den Sachverhalt und darauf musste der Oberst auch lächeln, sagte dann aber, dass Allan eigentlich viel zu nachgiebig sei. Oh Mann, so fangen wir die Saboteure doch nie! dachte er. Da kam ihm eine Idee. Sein Freund Dawn hatte ihm einmal etwas von dem besonderen Spürsinn seines Okrills erzählt... Er verließ also fluchtartig die Offiziersmesse.
Der Fette hatte wohl keine Lust, mit ihnen zu spielen, also hatten die Tiere gehorsam die Messe verlassen, und liefen nun durch die Gänge auf der Suche nach einem neuen Spielzeug. Einige Besatzungsmitglieder flüchteten, als sie den imposanten Tiger sahen und Sauron machte sich einen Spaß daraus, die Türen, welche die Menschen hinter sich verschlossen, mit einem Stromschlag wieder zu öffnen. Doch da Dawn ihm immer gesagt hatte, er solle nichts beim Spielen kaputt machen, war es etwas schwierig, die Leute wieder von den Schränken herunter zu bringen. Als die beiden also wieder mehr oder weniger gelangweilt durch die Gänge liefen, hatte Sauron plötzlich eine Idee: Dawn hatte ihn immer nach Infrarotspuren suchen lassen, wenn er Verbrecher jagte – was lag näher, als die Spur des Attentäters zurück zu verfolgen? Also gab er Tora ein Zeichen und rannte zurück zu der Stelle, an der sie den Attentäter erledigt hatten. Dort nahm er die Spur auf. Vron benachrichtigte als erstes Conners, den Sicherheitschef, und dann die Krankenstation. Da der Mann paralysiert war, würde das Verhör wahrscheinlich erst nach Ende der Schicht beginnen. Conners sagte Vron, dass er zwei neue Sicherheitsleute aus der nächsten Schicht schicken würde und dass der Sicherheitsbeamte erst einmal in die Sicherheitszentrale kommen sollte. Vron wartete noch, bis die Waffe des Attentäters aus der Messe untersucht worden war. Auf die Waffe war ein Gift aufgetragen worden, welches den Kommandanten innerhalb von wenigen Stunden getötet hätte. An Bord gab es ein Mittel, mit dem man die Wirkung dieses Giftes stoppen konnte. Allerdings musste dieses Mittel relativ oft eingenommen werden, da es kein richtiges Gegenmittel war. Wer dieses Gift völlig beseitigen wollte, musste das Gegenmittel über lange Zeit hinweg nehmen. Kurz darauf kam von der Krankenstation die Nachricht, dass dieses Mittel unauffindbar sei, aber die CREST V eigentlich genug von dem Mittel haben müsste, um mehrere Leute zu behandeln, in genügend großer Menge, um sie sogar zu heilen. In der Offiziersmesse erbleichten alle. Wenig später trafen zwei Sicherheitsleute ein, die den Kommandanten und den ersten Offizier bewachen sollten. Vron verabschiedete sich von Allan: »Ich soll ja wieder in die Sicherheitszentrale gehen. Morgen bei Beginn der Hauptschicht werde ich wieder da sein.« Dann ging er in die Sicherheitszentrale und fragte sich, was Conners von ihm wollte. Offiziell hatte er ja schon Feierabend. Als er die Sicherheitszentrale sah, bekam er einen Riesenschock. Die Zentrale war völlig verwüstet. »Was ist den hier passiert?« rief er erschrocken. Der Marsianer a König sah Habel und antwortete ihm: »Ron Laska vermutlich. Er wird uns ein kleines Abschiedspräsent hinterlassen haben. Es ist zwar niemand verletzt worden, aber die Sicherheitszentrale ist verwüstet. Conners hat viele Leute eingeteilt, um die Sicherheitszentrale bis morgen wieder auf Vordermann zu bringen. Es gibt noch eine weiteres Problem: In unserem Computer hat ein Virus sämtliche Personaldaten gelöscht. Conners, der ja deine Akte ja gründlich geprüft hat, bevor er dich als Leibwächter für den 1. Offizier in die Zentrale geschickt hat, erinnerte sich daran, dass da etwas von Kenntnissen als Programmierer stand. Du sollst versuchen, den Virus zu neutralisieren.« Vron sprach noch mit Conners, der die Geschichte bestätigte, dann machte er sich an die Arbeit. Es war sehr schwer. »Verdammt, ich brauche mehr Leute, die sich damit auskennen!« rief er. Plötzlich erinnerte er sich an etwas. Normalerweise sahen sich die Führungsoffiziere die Akten ihre Untergebenen genau durch. Wahrscheinlich hatte auch Allan Dean Gonozal dies getan. Und der war Arkonide. Arkoniden hatten oft ein besseres Gedächtnis als Menschen. Die meisten hatten sogar ein fotografisches Gedächtnis. »Ein Versuch kann ja nicht schaden«, murmelte er. »Ich rufe einfach den Ersten an und frage ihn, ob er mir ein paar Mannschaftsmitglieder nennen kann, die gut mit Computern umgehen können und so einen Virus schnell zur Strecke bringen.« Dann ließ er sich mit Allan Dean Gonozal verbinden. Gegen 21 Uhr Bordzeit – Allan und der Kapitän hatten das Essen mit einem wirklich hervorragenden Mouse au Chocolat ausklingen lassen und waren gerade noch beim Unterhalten über die Vorkommnisse des Tages – meldete sich Allans Armbandkommunikator. Habel unterrichtete Allan über die Verwüstungen der Sicherheitszentrale und die Schwierigkeit, auf die Datenbank zuzugreifen Als Allan fragte, ob denn der Schadensbericht schon in der Zentrale abgegeben worden sei, antwortete Vron mit »Natürlich«. Da Allan doch Arkonide sei, habe er sich doch bestimmt die Personaldaten angesehen und könnte somit vielleicht einige Programmierspezialisten benennen, um das Problem schneller zu beheben. Allan hatte sich zwar bei Weiten nicht alle Personaldateien angesehen, jedoch ziemlich viele überflogen hatte und Absolvent der 2. Stufe der Ark Summnia war, hatte er auch ein voll aktiviertes und trainiertes fotografisches Gedächtnis. Er konnte nach einigen Sekunden der Konzentration zwölf Namen von Offizieren, die momentan Dienst hatten und die gewünschten Fähigkeiten besaßen, nennen. Allan fragte noch, ob das lange oder ob er auch noch kommen solle, was Habel dankend verneinte. Zum Oberst gewandt sagte er sarkastisch, nachdem er den Kommunikator abgestellt hatte : »Sie hören es ja selbst, alles unter Kontrolle.« Robert Alun war auch nach dem Essen in der Zentrale geblieben. Er wollte mit Strader und Gonozal sprechen. Die Gespräche mit der Tsurangruppe würde schwierig werden. Inzwischen war auch zuviel passiert, als dass die Schiffsführung noch alles vor der Crew verbergen konnte. Die Leute waren ja auch nicht blöd. Da er sowieso über so gut wie alles informiert war, hatte weder der Kommandant noch der erste Offizier Hemmungen, mit ihm über die Geschehnisse zu sprechen. Mitten im Gespräch kam ein Anruf von Vron, der von den Problemen in der Sicherheitszentrale erzählte. Allan schaffte es, zwölf Crewmitglieder aufzuzählen, die helfen konnten. Als Alun das hörte, kam ihm ein Stirnrunzeln. Er hatte doch erst vor zwei Stunden seine eigene Akte aufgerufen. Mit einem »Bin gleich wieder da, ich muss nur schnell etwas ausprobieren« rannte er zur nächsten Konsole. Auf dem Gang prallte ein Mensch in Panik gegen Beceefha. »Hilfe, Monster!« rief dieser hysterisch und wollte sofort weiter laufen, als ihn der Überschwere packte. »Waren die Monster zufällig ein Tiger und ein Riesenfrosch?« fragte Beceefha den Flüchtenden und bekam als Antwort ein einfaches »Ja«. Die Menschen sind irgendwie nicht ganz dicht, dachte Beceefha und fragte den Menschen, wo dieser auf die Monster getroffen sei. Nachdem Beceefha Auskunft bekommen hatte, sprintete er in die angegebene Richtung. Er hatte noch einige Begegnungen mit panischen Besatzungsmitglieder, bevor er die beiden Tiere am Ende des Ganges erblickte. Zu seiner Verwunderung waren sie wirklich in Richtung Beceefhas Kabine gegangen. Er rief die beiden. Sie blieben stehen und warteten auf ihn. Nachdem er sie endlich eingeholt hatte, begann Beceefha Sauron klar zu machen, was er von ihm wollte. Beceefha wusste, dass diese Viecher verdammt klug waren und dass Sauron ihn genau verstand. Besser gesagt hatte er nach einer mehrstündigen Diskussion eingesehen, dass sie nicht ganz dumm waren. Als er glaubte, dass ihn die beiden verstanden hatten, lief er los. Sauron und Tora machten allerdings keine Anstalten, ihn zum Beginn der Spur zu führen, damit sie diese dann gemeinsam verfolgen konnten. Nachdem Beceefha jedoch das Wort »Tiefkühltruhe« nur aussprach, setzte sich der Riesenfrosch in Bewegung und Beceefha folgte ihm. Robert ging zur nächsten Konsole und versuchte, eine Akte aufzurufen, nämlich die Akte des Kommandanten, danach die von Gonozal. Er vermutete nämlich, dass der Virus immer nur ein bestimmtes Gebiet lahm legte und nur durch bestimmte Akten aktiviert wurde; wahrscheinlich die der Saboteure. Daher rief er die Akten der Leute auf, von denen er sicher war, dass sie keine Saboteure waren. Als Letztes rief er noch seine Akte auf. Es klappte reibungslos! »Sir, hier funktioniert die Konsole noch«, wandte er sich an den Kommandanten und ersten Offizier. »Ich denke, dass der Virus nur in einem bestimmten Gebiet des Computernetzes wirkt. Allerdings glaube ich nicht, dass wir das Glück haben, ihn nur in der Sicherheitsabteilung bekämpfen zu müssen. Wahrscheinlich wird er aktiviert, wenn die Datei von einem der Saboteure angezeigt wird oder auch nur durchsucht wird. Deswegen können wir die Crewmitglieder, die Computerkenntnisse haben, nicht durch den Computer ermitteln. Einer der Saboteure hat nämlich vermutlich welche.« Um seine Theorie zu überprüfen, ließ sich Alun mit der Krankenstation verbinden. Sein Gesicht wurde kreidebleich, als er seinen Gesprächspartner erkannte. Es war Dr. Tsuran! Er gab das Gerät an Allan weiter: »Können Sie mit Tsuran sprechen und ihn bitten, dass er an eine Konsole in der Krankenstation geht und irgendeine Datei aufruft? Nach meiner Theorie müsste sie dort nicht mehr funktionieren, da wir in der Krankenstation die Akte von Laska aufgerufen haben.« Tsuran erkannte den Ersten, der scheinbar etwas von ihm wollte. Er schien sogar bereit zu sein, die Theorie von Alun und Laska anzuhören. Da er von irgendeinem Besatzungsmitglied aber gehört hatte, dass Alun an einem ganz anderen Tag geboren sei, musste ihm Tsuran das aber erst einmal beweisen. Er ließ sich an einem Terminal Aluns Akte aufzeigen. Es funktionierte nicht. Gonozal versprach, ein Team zu schicken, dass dies berichtigte und beendete das Gespräch. Alun sah sich in seiner Theorie bestätigt. »Sir, ich würde einen Systemcheck durchführen lassen. Ansonsten wollte ich Sie noch fragen, ob ich wirklich das Gerücht verbreiten soll, dass die ganzen Vorkommnisse ein Test sind, der vom Kommandanten und den Offizieren durchgeführt wird. Oder fällt Ihnen was besseres ein?«
Beceefha ging hinter dem »Frosch« her und verließ sich darauf, dass dieser wirklich der Spur folgte. Der Überschwere war beeindruckt, dass der Okrill die Spur sogar durch die Antigravschächte verfolgen konnte. Sie kamen nun auf Deck 15 an. Das war doch das Deck mit den Lagerhallen, überlegte Beceefha und schon lief der Okrill auf die Tür einer der Lagerhallen zu. Die Tür wollte sich aber nicht öffnen. Na gut, dachte Beceefha. Hier sind also die Saboteure. Zumindest ist das recht wahrscheinlich. Er stellte seine Strahler wieder auf Impulsmodus. Das muss jetzt irgendwo Alarm auslösen, dann bekommen wir zumindest Hilfe, wenn es ernst wird. »Also ihr zwei«, sprach er die Tiere an, »nur aus dem Verkehr ziehen, nicht töten. Verstanden?« Dann schoss er auf die Tür. Es gab natürlich einigen Diskussionen am Tisch, ausgelöst von dem erneuten Anschlag. Gerade als jemand versuchte, auszurechnen, wie viel Terminals man mit einer Systematischen Abfrage belegen beziehungsweise abschießen würde, entschuldigte sich Allan, da er keinerlei Fortschritt mehr erwartete. Er wollte gar nicht erst anfangen, sein Training zu vernachlässigen. Also begab er sich in seine Kabine und zog sich eine leichtere Trainingskombination an. Nachdem er vom Terminal in seiner Kabine den relativ weiten Weg bis zur nächsten geeigneten Trainingsanlage hinter sich hatte, überlegte er noch einen Moment, ob er sich in Anbetracht der Vorfälle so ganz waffenlos »unters Volk« mischen sollte und entschied sich, obwohl die Trainingskombi keinerlei Rangabzeichen trug, dagegen. Erstens nahm er an, dass er immer noch – wenn schon nicht Platz eins – immerhin einen der ersten fünf Plätze auf der Abschussliste der Saboteure belegte. Zweitens war er als Arkonide mit den typischen, albinoroten Augen, jedoch mit hellbraunen Haaren schon auffällig, so dass ein neues oder noch nicht erkanntes Hypnoseopfer sehr leicht auf ihn »programmiert« worden sein könnte. Und drittens schien sich ja sowieso keiner daran zu halten. Amüsiert stellte er sich das Gesicht dieses überschweren Schwertträgers oder dieser niedlichen Asiatin vor, wenn er als erster Offizier sich eines der Familien-Dagorschwerter auf den Rücken schnallen würde. Nun bedauerte er es fast, nicht wenigstens einen Übungssatz Schwerter mitgenommen zu haben. Aber die hatte er daheim gelassen, da die Erbstücke viel zu wertvoll für den Einsatz waren und er sich im Zweifelsfalle ohne Probleme von den Bordwerkstätten Trainingsschwerter herstellen lassen konnte Also rief er in der Zentrale an und meldete die baldige Bewegung einer kleineren Energiequelle, ging an den kleinen, aber doch gut sortierten, Waffenschrank und nahm zwei der kleinsten Waffen an sich. Beide verschwanden fast in seinen Händen, als er sie verstaute . Der kleine, nur für wenige Schuss geeignete Desintegrator verschwand im Magnetbund des Blousons. Den stabförmigen Psychostrahler brachte er, nachdem er ihn auf Maximum gestellt hatte, unter seinem Armbandkommunikator an. Nachdem er sich im Spiegel von der Unauffälligkeit seiner Bewaffnung überzeugt hatte, machte er sich auf den Weg . Der Qualm hatte sich noch nicht einmal gelegt, als er mit eingeschaltetem Energieschirm in den Raum stürzte und sich eine Deckung suchte. Beceefha nahm beim Hineinsprinten ein paar Männer wahr, die im hinteren Teil der Halle hinter allerhand technischem Krimskrams standen. Das müssen sie sein, dachte er. Auch die anderen hatten inzwischen zu den Waffen gegriffen. Er schaute um den großen Maschinenblock, hinter dem er sich versteckt hatte, und sah bereits, wie Sauron los rannte. Auch Tora hatte nicht lange gewartet und war bereits auf dem Weg. Beceefha schmiss die Strahler weg – er wusste, dass er sie nicht brauchen würde – und zog das Langschwert aus der Scheide. Kaum hatte er das Schwert in der Hand, sprintete auch er los. Da kam auch schon ein Schuss von den Gegnern. Sauron war allerdings schnell genug und hatte sich aus der Gefahrenzone begeben. Auch auf Beceefha wurde geschossen. Er hielt aus reinem Reflex das Schwert vor sich und die Energieladung verpuffte, als sie auf den Schirm traf, der auf Kontur geschaltet war und das Schwert anscheinend mit einschloss. Netter Effekt, dachte Beceefha. Das muss ich mir merken! Auf Tora war nicht geschossen worden und sie sprang daher auch schon den ersten Saboteur an. Es mussten welche sein, denn niemand sonst hätte sofort das Feuer eröffnet. Auch Sauron sprang nun einen der Saboteure an. Nun erreichte auch Beceefha die Gruppe und schlug den Ersten mit dem Knauf des Schwertes nieder. Der zweite bekam die flache Seite der Klinge zu spüren und ging ebenfalls zu Boden. Er sah nicht, dass hinter ihm bereits jemand die Waffe auf ihn gerichtet hatte. Der Saboteur wollte gerade abdrücken, als ihm plötzlich ein Schmerz durchs Bein fuhr und ihm sofort schwarz vor Augen wurde. Das Letzte, was er sah, war ein überdimensionaler Frosch. Auch Tora war inzwischen mit ihrem zweiten Saboteur fertig geworden. Den letzten paralysierte Beceefha kurzerhand mir seinem Schwert. Nun schaute er sich noch einmal um. Sie waren wirklich alle über einem Haufen. Er warf nun einen genauen Blick auf die technischen Anlagen, die sich die Saboteure aufgebaut hatten. Da war wirklich alles, was man für eine mobile Kommandozentrale brauchte. Er war sich sogar sicher, dass man von hier aus die Sonde steuern konnte. Das herauszufinden war allerdings die Aufgabe der Techniker. Er wurde jäh aus seinen Gedanken gerissen, als hinter ihm jemand brüllte: »Waffen weg oder wir eröffnen das Feuer!« »Ja, ja! Schon gut!« gab er zurück und steckte sein Schwert wieder in die Scheide, dann wandte er sich an den Leiter des Sicherheitsteams, das gerade eingetroffen war: »Machen Sie sich nicht lächerlich, sondern sorgen Sie dafür, dass diese hier in die Krankenstation kommen. Wenn möglich sollten Sie gleich noch ein Team von Technikern und den Oberst herholen.« Als Allan endlich den Sektor, in dem einige der kleineren Lagerbereiche als diverse Sport- und Freizeitanlagen eingerichtet worden waren, erreicht hatte, kam kurz hinter ihm ein Zug von mindestens 20 Leuten Sicherheitspersonal aus einem der vielen Notfallkurzstreckentransmitter »gequollen« und rannte ihn beinahe um. Einer schien ihn erkannt zu haben, denn im Vorbeirennen rief er etwas von Schussortung.. Allan begab sich auch in einen schnellen Trab, ließ das Training Training sein und folgte dem Trupp die ungefähr 100 Meter bis zu einem leichten Verschlussschott, dessen Ränder noch Kirschrot glühten. Beceefha hob nun seine beiden Strahler wieder auf und stellte sie ordnungsgemäß auf Paralysemodus. Dann rief er seine beiden Pflegetiere zu sich und verließ hinter dem Sicherheitstrupp die Lagerhalle. Draußen wartete Allan. Dieser wollte wahrscheinlich einfach nur wissen, wer das C haos hier angerichtet hatte. Das hätte man sich aber eigentlich denken können, denn die anderen beiden höchst impulsiven Crewmitglieder saßen ja in ihren Jägern und flogen Richtung Sol. »Hallo, Allan«, sagte der Überschwere freundlich. Er hatte ja immer noch gute Laune aufgrund des Kampfes. Als er bemerkte, dass Allan ihn ziemlich böse anschaute, begann er erst einmal, ihm die ganze Geschichte zu erzählen, seit er die Messe verlassen hatte. Hierbei gingen sie in Richtung Krankenstation. Der kleine Trupp kam in der Krankenstation an, kurz nachdem Beceefha mit seinem Bericht fertig war. Die Saboteure wurden also erst einmal in ärztliche Verwahrung gegeben und Beceefha war sich sicher, dass das Verhör bald beginnen konnte. Vron verabschiedete sich also aus der Zentrale, da er vor Dienstbeginn noch in die Sicherheitszentrale wollte, um zu sehen, wie die Virusbekämpfung lief. Er traf Conners an, der sehr fröhlich wirkte. »Der Virus ist besiegt. Unsere Leute haben gute Arbeit geleistet. Hat zwar fast eine ganze Schicht gedauert, aber wir haben ihn besiegt. Und die Schäden in der Krankenstation sind auch beseitigt.« Auch von der Krankenstation kam die Meldung, dass der Virus besiegt sei. Im Gegensatz zu Conners sah Vron die Sache weniger optimistisch. Es dauerte verdammt lang, den Virus zu erledigen. Die Idee mit Hilfe des Virus die Verschwörer zu suchen, dürfte zu langwierig sein. Es würde mehrere Wochen dauern. Vron ließ sich nichts anmerken. »Sir, wer ist eigentlich im Moment Gonozals Leibwächter?« Conners nannte ihm den Namen und sagte Vron auch, wo dieser sich aufhielt. Als der Sicherheitsmann gehen wollte, rief ihn Conners nach: »Falls Sie irgendwann in die Zentrale kommen, davor steht ein Sicherheitsmann. Ich hielt es für besser, wenn die Brücke vor Leuten wie Tsuran geschützt wird.« Vron begab sich dorthin, denn wo sein Leibwächter war, war wahrscheinlich auch Gonozal. Dr. Tsuran begab sich in die Zentrale, um mit dem Kommandanten zu sprechen. Er hatte gestern noch ausgesagt, dass Laska ihn befreit und ihm die Waffe gegeben hatte. Er schämte sich wegen der Brandstiftung und der Szene in der Zentrale. Aber Alun war eine Gefahr. Tsuran erinnerte sich noch genau an den Zeitpunkt, der sein Leben verändert hatte. Es war 2428 geschehen. Er hatte auf dem Planeten Peruwall bei einem Transmitter gearbeitet, um sich etwas nebenher zu verdienen. Damit hatte er aber nach einigen Wochen aufgehört. Einen Tag später rief er abends bei einem seiner ehemaligen Arbeitskollegen an. Dessen Frau meldete sich und sagte ihm, dass ihr Mann tot sei. Ein Terraner war auf Bortong in einen Transmitter gestiegen und erst nach Stunden wieder aufgetaucht. Sein Gesicht trieb die Menschen in den Wahnsinn und brachte ihnen den Tod. Der Name dieses Menschen war Alaska Saedaelaere. Nach diesem Erlebnis hatte der Doktor angefangen, den Lebensweg von Menschen zu untersuchen, die am gleichen Tag wie er geboren worden waren. Er fand einige Fälle, zu denen auch der Fall Alun gehörte. Das erste Schiff, auf dem der Terraner gedient hatte, war spurlos verschwunden. Tsuran hatte Angst, dass auch auf der CREST V ein Unglück passieren könnte. Kurz vor der Zentrale wurde Tsuran von einem ihm unbekannten Sicherheitsmann aufgehalten. »Der Kommandant hat keine Zeit! Verschwinden Sie!« Tsuran tat das. Es hätte sowieso keinen Sinn gehabt, Einspruch zu erheben. ENDE Hier ist jetzt ja wieder stürmisch zur Sache gegangen. Okrills, Attentäter, Gas und Sonden. Wie es auf der CREST V weiter geht, erfahrt ihr in zwei Monaten. Das dritte Buch trägt den Titel: Finale für die Saboteure
TERRACOM - Das PROC-eZine - ist eine nicht kommerzielle Publikation des PERRY RHODAN ONLINE CLUBs. Kurzgeschichte »CREST V – Buch 2« von Das PBeM-Team der CREST V. Titelbild: Kai Lanio. Terracom-Redation: Guido Eckert. Lektorat, Nachbearbeitung und Umsetzung in Endformate: Alexander Nofftz. Kommentar: Alexander Nofftz. Satz: Xtory (SAXON, LaTeX). Internet: http://www.proc.org/stories/. eMail: stories@proc.org. Copyright © 2001. Alle Rechte beim Autor! | ![]() | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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