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Oberleutnant Carpenter erreichte den Raumhafen von Terrania in den frühen Morgenstunden über eine Transmitterverbindung. Noch vor zwei Tagen stand er an Bord der BUKRAN VI an der Front, wo es zu schweren Kämpfen mit Einheiten des Carsualschen Bundes gekommen war. Die BUKRAN VI konnte sich nur mit Mühe und dem Einsatz aller Möglichkeiten, die Carpenters Feuerorgel hergab, in Richtung Solsystem zurückziehen und lag jetzt in der lunaren Werft LXVII. In diesen Zeiten war an einen Urlaub nicht zu denken und daher wunderte sich Carpenter auch nicht, daß er sofort ein neues Kommando an Bord eines Ultraschlachtschiffes der Galaxis-Klasse, der neuen CREST V, erhalten hatte. »Sir, kann ich Ihnen behilflich sein?« fragte ein Roboter, der neben dem Transmitter wartete. Carpenter reagierte zunächst nicht auf die Frage, sondern blickte sich in der Transmitter-Halle des Raumhafens um. Dort herrschte ein Betrieb, als sei er in einem Ameisenhaufen gelandet. Ich werde nie verstehen, wieso man vor 9.00 Uhr auf den Beinen sein muß! dachte er resignierend. Der Roboter unterbrach diese philosophischen Betrachtungen durch ein weniger freundlicheres: »Sir, sie blockieren den Transmitter, darf ich daher noch einmal fragen, ob ich behilflich sein kann?« Carpenter zeigte daraufhin seinen Marschbefehl und fragte die Maschine nach der schnellsten Möglichkeit, um an Bord der CREST V zu gelangen. »Ein Gleiter ist bereits unterwegs, Sir!« antwortete der Roboter, und tatsächlich, zwei Minuten später näherte sich ein Gleiter der CREST V. »Sir, entschuldigen sie, daß es so lange dauerte, aber bei uns geht noch alles etwas durcheinander, weil große Teile der Besatzung noch nicht eingetroffen sind!« schrie ein kleiner, dicklicher Unteroffizier, der am Steuer saß. »Schon gut«, antwortete Carpenter, während er einstieg. »Legen Sie mal den Turbo ein, damit ich mich beim Chef vorstellen kann.« »Den was soll ich einlegen, Sir?« Carpenter grinste, während der Gleiter fahrt aufnahm, und mußte daran denken, daß er bei Gelegenheit mal wieder mit seinem Simulator, der einen antiken Düsenjäger nachahmte, der zu Zeiten von Rhodans Mondlandung modern war, ein paar Runden drehen mußte. »Vergessen Sie's. Ich meinte nur, daß ich mich schnell beim Kommandanten der CREST V melden will.« »Sir, der ist noch nicht an Bord. Sie sind nach dem ersten Piloten der zweite Offizier der Führungsmannschaft, der einschifft. Ich habe aber eben mitbekommen, daß ein automatischer Gleiter angefordert wurde, um Kommandant Lasitus abzuholen.« »Dann zeigen sie mal, was ein manuell gesteuerter Gleiter leisten kann. Wäre doch gelacht, wenn ich nicht vor Lasitus an Bord wäre...« Der Berg aus Terkonitstahl, der in zehn Kilometer Entfernung von der Transmitterhalle auf der Landefläche stand, schien immer weiter anzuwachsen, während sich der Gleiter mit hoher Geschwindigkeit nährte. Carpenter konnte schon nach kurzer Zeit den Schiffskörper nicht mehr vollständig überblicken. Auch wenn die Ultraschlachtschiffe der Galaxis-Klasse schon seit ungefähr 1000 Jahren gebaut wurden, war es immer wieder ein Erlebnis, sich diesen Giganten zu nähren, und jetzt sollte er, der vor 33 Jahren auf Terra geboren worden war, die Feuerleitzentrale dieses technischen Wunders übernehmen. An Bord angekommen machte er sich direkt auf dem Weg zur Feuerleitzentrale, zu der er von einem Roboter geführt wurde. Außer einigen Mannschaftsdienstgraden begegnete ihm niemand. Ich bin auf den Kommandanten gespannt, ging er seinen Gedanken nach. Man hört ja einige Dinge über ihn, aber solange er keine Manöver ansetzt, die vor 9.00 Uhr Bordzeit liegen, werde ich wohl gut mit ihm auskommen. Während er dies dachte, öffnete sich das große Schott zu seinem neuen Reich. Geradezu ehrfurchtsvoll betrachte Carpenter die Bildschirme und Knöpfe, mit deren Hilfe er die CREST V in eine kleine Sonne verwandeln konnte. Seine Betrachtung wurde durch die Stimme eines Mannes unterbrochen: »Achtung, hier spricht der erste Pilot. Der Kommandant fliegt gerade mit einem Gleiter in eine der Schleusen ein. Benehmt euch also jetzt und erzählt keine schmutzigen Witze mehr, um die Lautsprecheranlage zu testen. Ende der Durchsage! Ach ja, ich habe da neulich noch einen Witz gehört, aber den erzähle ich später, denn er landet schon...« Das scheint mir ja ein lustiger Haufen zu sein, dachte Carpenter, bevor er endgültig die Feuerleitzentrale betrat. Wenige Minuten vorher in Terrania City. »Sir!« Ein Raumsoldat, der neben einem Gleiter stand, salutierte vor dem Kommandanten. Lasitus grüßte zurück und stieg in den Gleiter, kurz darauf hörte man die Geräusche eines startenden Triebwerks. Der Gleiter hob ab und machte sich auf zum Raumhafen in Terrania. Auf dem Flug durch Terrania City schaute sich Lasitus die Daten über das Schiff, die Crew, die Waffen und dergleichen, an. Ein Ultraschlachtschiff, davon habe ich immer geträumt! dachte Lasitus. Eine halbe Stunde später kam der Raumhafen in Sicht und ein riesiger Berg schob sich in sein Sichtfeld, die CREST V. Das Schiff füllte nun völlig das Cockpitfenster aus und überragte alle anderen Einheiten, für Lasitus bestand der Eindruck als wäre das Schiff extra für ihn auf Hochglanz poliert worden. Der Gleiter, der ferngesteuert war, schwenkte ein und flog nun direkt auf die Kugel zu, eine winzige Öffnung markierte den Hangar in dem der Gleiter gerade landete. Als Lasitus das Schiff verließ, trat ein Mann auf ihn zu. »Willkommen an Bord der CREST V, Sir!« entgegnete der Mann. »Danke, warum ist hier kein Mensch?« fragte der Oberst. »Tja, darf ich mich erst mal vorstellen, ich bin Jean Stiletto, Ihr erster Pilot«, antwortete er. »Wundern Sie sich nicht das ich sie begrüße, das Schiff ist kaum besetzt und der erste und zweite Offizier sind noch nicht an Bord. Daher habe ich sie begrüßt.« »Wissen Sie, wann der Rest der Crew hier eintrifft?« Stiletto schüttelte mit den Kopf. »OK, kann man nichts machen. Begleiten Sie mich auf die Brücke!« Zusammen betraten sie einen Antigravschacht und fünf Minuten später betrat er die Zentrale des Schiffes. Dort wurde er von den Anwesenden begrüßt. Lasitus setzte sich an den Kartentank. »Dann warten wir mal auf den Rest!« sagte er. Während der Kommandant am Kartentank auf den Rest seiner Mannschaft wartete, spielten sich überall an Bord und dem Raumhafen die üblichen Szenen ab, die die vollständige Neubesatzung eines 2,5 Kilometer Raumschiffs mit sich bringt. »Eine Nachricht vom Flotten-HQ Terrania«, rief Daniel. »Oberst Strader, Ihr Positronik-/Bipopositronik-Spezialist Major Doevelnik befindet sich zur Zeit auf einem Einsatz auf der 100 Sonnenwelt. Aufgrund eines technischen Gebrechens wird sich seine Ankunft um voraussichtlich 24 bis 48 Stunden verspäten. Wir bedauern die Unannehmlichkeiten, die sie dadurch erleiden. Sollte sich seine Ankunft bis nach dem Start verzögern, wird er während des Fluges zu Ihnen stoßen. Gezeichnet: Admiral Zabriskie.« Wenigstens einer der sich meldet, dachte Strader. »Sir? Sind Sie sicher, daß dieses Gepäck vollständig in Ihr Quartier gebracht werden soll?« Die Ordonnanz wirkte zwischen einem Wust von Koffern und anderen Gepäckstücken etwas hilflos. Der Arkonide vor ihm lächelte ein dünnlippiges Lächeln. »Wenn es Ihnen keine zu großen Umstände macht – Jaaa! Und beeilen Sie sich ein wenig.« Kurz bevor Artor im Antigravlift in Richtung der Zentrale verschwand, konnte die Ordonnanz noch ein leichtes Augenzwinkern bemerken. Auch an anderen Stellen kämpften Besatzungsmitglieder mit den Tücken der Technik, um an Bord gelangen zu können. Ächzend und mit lauten Stöhnen nährte sich Vario vollgepackt mit Taschen der Transmitterhalle. »Warum nur?« jammerte er. »Das gab es doch noch nie, ausgerechnet heute gibt es Probleme mit den Transportbändern!« Einige Leute in der Umgebung schauten ihn überrascht an, weil er laut mit sich selber sprach. »Verdammt, und das war noch nicht alles, zu allem Überfluß fliegen hier heute kein öffentlichen Gleiter, weil die Betreiber streiken müssen«, fluchte Vario weiter. Endlich, nach fünf Minuten, stand er in der Halle. Es war nur eine kleine Transmitterhalle, die nur einen Transmitter besaß. Und um den einzigen Transmitter stand eine große Traube von Menschen, die aufgeregt schrien und mit einander sprachen. Langsam näherte sich Vario der Ansammlung von Menschen. Er umrundete sie und erreichte den Transmitter, an dem ein für den Betrieb verantwortlicher Techniker stand. Schwitzend erreichte er den Techniker, der ihn etwas seltsam anschaute. »Hallo«, sagte Vario. »Ich muß auf das Schiff CREST V.« Er sah den Techniker an, der wiederum zurückstarrte. »Tja, da haben Sie Pech gehabt: Der Transmitter ist defekt«, antwortete der Mann. »WAS?« Das defekt klang in Varios Ohren wie ein Hohn. Mit lauten Knall vielen seine Taschen zu Boden, ihm wurde schwindlig und er setzte sich. Unbeeindruckt sprach der Techniker weiter: »Die Menschen die sie hier sehen, wollen alle auf das gleiche Schiff, aber – wie ich schon sagte – der Transmitter ist defekt und wird erst in zwei Stunden voraussichtlich wieder funktionieren.« Toll, und nun? In zwei Stunden wird das Schiff weg sein, dachte er. Während Vario überlegte, kam ihm eine Idee. Er aktivierte sein Kom-Gerät, das er am Arm trug, und stellte die Frequenz der CREST V ein. Dann rief er das Schiff und nach mehreren Versuchen bekam er Kontakt. »Hier CREST V. Was wollen Sie?« Über diesen barschen Ton war Vario überrascht, er mußte erstmal tief Luft holen. »Ich bin Vario Mcneil und gehöre zur Crew der CREST V«, antwortete er. »Und?« fragte sein Gegenüber. »Hören Sie mal, reden Sie nicht gefälligst so abfällig, ich bin hier in Terrania-Nord und die Transmitterhalle ist ausgefallen. Hier sind auch noch eine Menge anderer Crew-Mitglieder. Der Transmitter wird mindestens erst wieder in zwei Stunden bereit sein, also schicken sie einen Gleiter für mindestens 20 Personen!« Vario beschrieb die genaue Lager der Halle. »Wie heißen Sie überhaupt?« wollte Vario noch wissen. »Ich, oh, mein Name ist Daniel Wilford, Kommunikationsoffizier.« Dann brach die Verbindung ab. Ein Gleiter sollte in 20 Minuten kommen. Als Vario die Nachricht den anderen überbrachte, wurde die Stimmung innerhalb der Halle besser, nebenbei lernte er auch noch den Sicherheitschef kennen, der ihn anerkennend auf die Schulter klopfte. Besser kann's heute nicht mehr werden, dachte er. 20 Minuten später kam tatsächlich ein Gleiter, allerdings ein Gütertransporter. »Arrgghh, den Typen werde ich mir früher oder später vornehmen.« Schließlich kamen sie an und verteilten sich alle im ganzem Schiff. Vario ging zu erst zu seinem Quartier, verstaute dort seine Sachen und begab sich zu seinem Büro. Dort machte er Meldung auf der Brücke. Auch Allan D. Gonozal packte an diesem Morgen seine Sachen. Er setzte sich an den Schreibtisch und schrieb einige Abschiedszeilen an seine Familie. Irgendwie war es schon merkwürdig, jetzt hatte er schon 3 Wochen Landurlaub und dann kam er nicht einmal dazu, seine Geschwister zu besuchen, obwohl sie die Gegend um Buenos Aires unsicher machten. Naja, vielleicht war es besser so. Er stand auf überflog in Gedanken nochmals sein Gepäck und war sich sicher, irgend etwas vergessen zu haben. Er fragte sich warum er dieses Apartment überhaupt noch unterhielt. Immerhin war er fast 2 Jahre auf Mission und nun ging es schon wieder los, und keiner wollte ihm sagen für wie lang... Der Vertrag lief erstmal auf 7 Jahre mit »Verlängerungsoption über's Hauptquartier«. Diesmal erwartete ihn auch noch eine ihm komplett fremde Crew, aber so war das nun mal mit »Beförderungen«. Wie hatte dieser grinsende Volltrottel im Flottenhauptquartier noch gesagt: »Sie stehen auf der Beförderungsliste ganz oben, aber wir haben momentan kein freies Kommando, aus diesem Grund befördern wir Sie erstmal in der Schiffsklasse.« Merkwürdigen Humor hatten diese Schreibtischtäter. Gut, ein zweieinhalb Kilometer großer Brocken ist schon beeindruckend, aber 800 Meter waren ja wohl auch nicht zu übersehen, oder? Naja, wenigstens war's auch ein Sprungbrett in der Karierreleiter, hoffentlich, er wollte schließlich nicht ewig »Stlv. Kom.« auf seiner Brust stehen haben. Er betrachtete sich nochmals flüchtig im Spiegel, um zu kontrollieren, ob alle Abzeichen auf der Uniform richtig plaziert waren, nahm die Steuerung des Antigravkoffers und verließ seine Räume um hoffentlich irgendwann zurückzukehren. Das Flugtaxi wartete schon auf dem Dach. Der Flug dauerte, aufgrund einer Störung im Verkehrs-Leitsystem, etwa doppelt solang wie erwartet. Na toll, schöner Einstand, dachte er, während er im öffentlichen Terminal vom Taxi in eins der flotteneigenen Zubringershuttle umstieg. Dieses brachte ihn dann ohne weitere Verzögerung zu seinem neuen Schiff. Es wurde ihm eine Landebucht in der Halbnordschleuse etwas über dem Äquator zugewiesen. Beim Anflug wunderte er sich etwas über die Vermessenheit der Menschen, solche Gebirge aus Metall zu bauen, aber das war ihm auch durch den Kopf gegangen, als er seinen Posten auf seinem ersten Schiff, einem »nur« 500m-Kreuzer angetreten hatte. Nachdem er sein Gepäck dem zuständigen Roboter übergeben hatte, ließ er sich vom Transportband zur Zentrale bringen. Emerson Victor Ostrog stand auf der Landefläche des Raumhafens von Terrania, wo ihn die Landefähre des Transportschiffs abgesetzt hatte, und wartete auf den Gleiter von der CREST V. Er war vor nicht einmal einer Stunde im Solsystem angekommen, um seinen Posten als Navigator eines Ultraschlachtschiffes mit Dimetransantrieb anzutreten, wie er beim Raumflottenkommando des Solaren Imperiums beantragt hatte. Das war der Grund seiner Rückkehr ins – vom ATG-Feld umschlossene – Solsystem, trotz seines großen Unbehagens, das ihn vor etwa 10 Monaten dazu bewogen hatte, seinen Dienst vorübergehend zu quittieren. Auch jetzt fühlte er diese Furcht, genau genommen seitdem er mit dem Personentransporter BOUNTY die Temporalschleuse passiert hatte. Denn solange er sich innerhalb des ATG-Feldes aufhielt, konnte er keinen »Kurzen Weg« gehen, um nach »Heimat« zurückzukehren, da sich das Solsystem nicht im Standarduniversum aufhielt. Obwohl er sehr sparsam mit seinen »Schritten« umging und nur etwa alle 3 Monate nach »Heimat« mußte, um sein »Schrittorgan« aufzuladen, stellte der »Kurze« eine Art von Sicherheit dar, auf die sich jeder Veego stets verlassen konnte. Das war der eigentliche Grund, weshalb er das Solsystem verlassen und sich nach Olymp zurückgezogen hatte. Er war nahe dran gewesen, seine Scheinexistenz als Terraner-Abkömmling aufzugeben und der Menschheit für immer den Rücken zu kehren. Doch er hatte sich davor gescheut, sich wieder als der »Aktive« Evos dem großen Ziel seines Volkes zuzuwenden und das Universum zu kartographieren. Denn er war nach wie vor davon überzeugt, daß die Terraner eine immense Bedeutung für die Veego haben würden und ihnen vielleicht sogar bei der Lösung des »Größten kosmischen Rätsels« helfen konnten. Und als das Flottenkommando ihm diesen Posten angeboten hatte, mußte er einfach zugreifen. Denn ein Schiff mit Dimetransantrieb konnte er sich einfach nicht entgehen lassen. Noch nie war ein Veego an Bord eines dermaßen schnellen Raumschiffes gewesen, mit dem sogar die »Große Leere« erreichbar war! Diese und ähnliche Gedanken beschäftigten ihn, als der Gleiter der CREST V endlich vor ihm landete und ein Roboter sein Gepäck einlud. Er stieg ein, und der automatische Pilot steuerte den Gleiter in Richtung Norden auf eine gigantische metallene Kugel zu, die auf ebenso gigantischen Landestützen ruhte. Der Gleiter glitt auf einen Hangar zu, der sich im Vergleich zum Schiff wie ein Nadelstich ausnahm. Nachdem er sich vergewissert hatte, daß der Lastenroboter sein Gepäck unbeschadet in sein Quartier gebracht hatte, machte sich Ostrog auf den Weg in die Zentrale des Schiffes. Als Allan durch die »kleine« Mannesschleuse die Zentrale betrat, sah er seinen zukünftigen Vorgesetzten mit einigen anderen Personen am Kartentank sitzen. Man hatte ihn noch nicht bemerkt und ihm lag auch vorerst nichts daran. In der geschäftigen Zentrale näherte er sich halbwegs von hinten der Gruppe, um dann mit »Parade Stimme« und zusammenschlagenden Hacken seine Meldung zu machen: »Oberstleutnant Allan D. Gonozal meldet sich zum Dienst, SIR!« Das leichte Zusammenzucken des Kommandanten störte ihn überhaupt nicht, manchmal war das ganze militärische trara doch zu was gut... Allan schrie fast durch die Zentrale. Viele der dort Anwesenden zuckten genauso wie der Kommandant zusammen. Niemand hatte jetzt mit so einer Begrüßung gerechnet, dementsprechend schauten alle etwas verduzt drein. Lasitus räusperte sich. »Schön, daß Sie endlich an Bord sind«, stellte er unbeeindruckt fest. »Ich hab mich schon gefragt, wo mein Offiziersstab bleibt...« Allans Haltung lockerte sich. »Ich wurde aufgehalten«, sagte er kurz und knapp. »Nun sind Sie hier... Sie sollten sich mal mit den Crew-Unterlagen vertraut machen«, entgegnete Lasitus. Er holte einen Massenspeicher hervor und schob ihn zu Allan. »Hier, schauen Sie sich die an, und nicht erschrecken.« Lasitus lächelte. Gerade als Oberst Lasitus noch was sagen wollte, wurde er schon wieder mit militärischer Sturheit begrüßt. In der Kommandozentrale angekommen, ignoriert der Arkonide Artor zunächst alle anderen anwesenden Offiziere und salutiert vor Oberst Strader. »Kommandant! Oberstleutnant Artor meldet sich zum Dienst!« Lasitus seufzte. Irgendwo im Hintergrund lachte jemand. Ich kann nur hoffen, daß das nicht die ganze Zeit so geht. Lasitus begrüßte auch seinen 2. Offizier Artor und gab ihm durch eine Geste zu verstehen, daß er sich ebenfalls setzen sollte. »Ich will Ihre Meinung zu der Crew hören, ob sie bestimmte Leute kennen usw.«, sprach Lasitus. Der Arkonide setzte sich und nahm sich wie befohlen die Crew Unterlagen vor. Schnell und ohne Pausen blätterte er sie Seite für Seite durch. Am Ende angekommen, sagte er: »Die Führungsoffiziere sind mir vollständig unbekannt – lediglich auf ein paar der Besatzungsmitglieder scheine ich schon mal getroffen zu sein.« In diesem Moment sagte Jean Stilletto, der erste Pilot, von einem Kommunikationspult aus: »Entschuldigen Sie die Unterbrechung, aber hier ist eine gewisse Patrizia Drake in der Leitung, die mit Oberstleutnant Artor sprechen möchte.« Artor erwiderte sofort: »Ich bin nicht da!« Dann räusperte er sich und sagte in die Runde: »Naja, wir sind uns gestern abend in Terrania schon begegnet und haben... ähm... eine Tasse Tee getrunken...« Leicht verlegen blickt sich Artor um. Wo sind bloß die verdammten Kristalle?« Vario versuchte auf seinen Schreibtisch, auf dem ein großes Chaos herrschte, seine Informationskristalle zu finden, damit er sich endlich die Daten über seine Roboter anschauen konnte. Als er sie schließlich fand piepste das Kom-Gerät auf seinem Tisch. Er tippte drauf rum und kurz darauf erschien auf einem kleinem Bildschirm Connor, sein Sicherheitschef. »Oh, hallo. Entschuldigen Sie das Chaos hier, ich hab noch nicht aufgeräumt.« Connor schaute ihn kurz prüfend an. »Warum ist ihr Gesicht so rot?« fragte er. »Was? Achso, ich hab mich aufgeregt. Das ist alles.« »Aha, ich werde jetzt zur Brücke gehen und unsere Einsatzbereitschaft bestätigen. Sie gehen zu Deck 16, dort gibt es eine kleine Lagerhalle, in der 200 Kampfrobots herum stehen«, befahl Jack. »Schauen Sie sich diese an und aktivieren sie sie! Es handelt sich dabei um Roboter, die für die Schiffssicherheit zuständig sind. Alles klar?« »Ja, Sir. Wir hören uns später!« Der Schirm verblaßte. »Na dann...« Vario sprang in den nächsten Antigravschacht und flog bis Deck 16. Zuerst mußte er sich zurecht finden, denn es schien so als gäbe es hier mehrere Hallen. Schließlich fand er die richtige, öffnete die Tür und ging hinein. Vor ihm, standen 200 hintereinander geordnete Roboter, Kampfmaschinen. »Wie man will... Das sind wohl Standard-Modelle«, meckerte er. Die Roboter standen auf zwei Beinen, wie Menschen, aber ihr Oberkörper war ellipsenförmig. Die einzigen Waffen, die man erkennen konnte waren die Arme, dort wo normalerweise zwei Hände sind waren zwei riesige Stahlrohre. Vario pickte sich zwei Kommando-Roboter, die mit einen kleinem Stern gekennzeichnet waren, heraus. Am Rücken steckte er zwei Schablonen in den Roboter und kurz darauf aktivierten sie sich. Nachdem sie ihn registriert hatten, befahl er ihnen, ihm zu folgen. »Wir werden der Brücke einen Besuch abstatten!« Unterwegs fragte er: »Wie ist eure Bewaffnung?« »Zwei Desintegratorgeschütze, ein Narkosegeschütz und zwei leichte Impulswaffen«, zählten die beiden Maschinen völlig synchron auf. Hm? Wo das den? überlegte sich Vario, während er staunend die Roboter betrachtete. Als sie um die nächste Biegung gingen, kam auch schon das Schott zur Zentrale in Sicht. Mr. Stiletto, wissen Sie wann der Feuerleitoffizier hier eintrifft?« fragte Lasitus den ersten Piloten in der Zentrale. »Sicher, Sir! Dort steht er, er ist vor Ihnen eingetroffen.« Jean zeigte auf einen Mann, der sie interessiert beobachtete. Carpenter, der nach einer ersten Inspektion seiner neuen Wirkungsstätte die Brücke betreten hatte und in einer Nische neben der Hauptpositronik stand, amüsierte sich köstlich über die Vorstellungen der Führungsoffiziere und die Reaktionen seines neuen Kommandanten. Jetzt hätte er aber beinahe laut aufgelacht, als er Lasitus mit offenem Mund in der Mitte der Zentrale stehen sah. »Oberleutnant Carpenter meldet sich wie befohlen zum Dienst, Sir«, sagte er mit einem breiten Grinsen und lässigem militärischen Gruß. Er fuhr fort: »Es tut mir leid, daß ich mich bislang noch nicht auf der Brücke gemeldet habe, aber erst waren Sie ja noch nicht da und dann wollte ich den Tatendrang der Kollegen nicht bremsen. Apropos Tatendrang! Wann ist denn damit zu rechnen, daß ich mal die Fähigkeiten meiner Waffen testen kann? Ich würde das ungern hier auf dem Raumhafen probieren, weil es sicherlich Auswirkungen auf das ATG-Feld haben würde. Sir, soll ich den Zahnarzt rufen lassen? Oder warum haben Sie den Mund immer noch geöffnet?« Oberst Lasitus blickte seinem Feuerleitoffizier scharf an. »Passen Sie lieber auf, wie Sie mit mir reden... Oder gefällt Ihnen gleich am Anfang eine Woche Arrestzelle besser?« Carpenters Haltung versteifte sich. »Und wegen Ihres Waffentest, Sie werden wahrscheinlich bald Gelegenheit bekommen, Sie auszuprobieren.« Das Schott öffnete sich und Vario trat ein. Die beiden Kampfroboter folgten ihm mit dumpfen Schritten. Ihn und seine beiden Begleiter schien niemand zu bemerken, bis auf Connor, der sich wohl auch gerade erst umsah. Er jedenfalls sah Vario mit erschrockenen Augen an. Vario wiederum kümmerte das nicht, er suchte den Kommandeur. Er konnte eine kleine Gruppe beim Kartentank sehen, als plötzlich... Auch Ostrog erreichte die Zentrale und stelle fest, daß alle anderen Offiziere bereits anwesend waren und sich zum Teil beim Kartentank aufhielten. Da er nicht auf Anhieb erkannte, wer Kommandeur Lasitus war, trat er an die ins Gespräch vertiefte Gruppe heran und salutierte: »Navigator Emerson V. Ostrog meldet sich zum Dienst!« Idiot! – Ich hab's gleich gewußt, daß so früh am Morgen noch nicht meine Zeit ist! dachte Carpenter. Er brüllte aber unter Verwendung eines Stimmverstärkers, den er normalerweise nur im Gefecht benutzte, um sich gegen die Geräusche der im Salventakt schwingenden Schiffszelle durchzusetzen, so laut, daß selbst ein Ertruser vor Neid erblaßt wäre: »Sir, nein, Sir, es nicht notwendig Sir, daß ich die Arrestzelle inspiziere, Sir!« Doch es nahm niemand seinen Salut zur Kenntnis, denn gerade in diesem Moment ertönte ein Lärm wie von einer Transformbombenexplosion direkt neben seinem rechten Ohr! Auf der rechten Seite war er auf der Stelle taub, während er mit dem linken Ohr gerade noch aus dem Krach heraushören konnte, wie irgendwer etwas über eine »Arrestzelle« sagte. Als er sich nach rechts drehte, sah er einen dümmlich grinsenden Kerl, der anscheinend der Feuerleitoffizier war. Will der Idiot die Mauern von Jericho zum Einsturz bringen, oder was? fragte sich Emerson und rieb sich das schmerzende, rechte Ohr. Viel mehr als die Taubheit im rechten Ohr störte ihn allerdings, das sein Auftritt vermasselt wurde! Das konnten die Veego auf den Tod nicht leiden!
Arrgghh, dachte Vario und hielt sich die Ohren zusammen. Was soll das, spinnt der? Kurz darauf verstummt der Krach und Vario sah denjenigen der mit den Verstärker gespielt hatte, Vario tippte an seine Stirn und zeigte somit das derjenige einen Vogel hatte. Aber das gute daran war, daß er so wenigstens den Kommandeur fand. Er war umgeben von einigen Leuten die jetzt wieder sprachen. »Folgt mir!« befahl Vario. »Vario was soll das, hören sie auf!« schrie Connor ihm noch nach. Grinsend stellte er den Verstärker ab und sah sich um. Es schien sehr leise in der Zentrale geworden zu sein, was einerseits daran liegen mochte, daß die Hörnerven etwas beleidigt reagierten, andererseits aber offenkundig auch niemand mit dieser Reaktion gerechnet hatte. Carpenter fuhr in normaler Lautstärke fort: »Sir, Entschuldigung, Sir, der Verstärker ist aufgrund eines technischen Versehens aktiviert worden. Ich kümmere mich umgehend darum, Sir. Ich bitte um Erlaubnis, die Zentrale verlassen zu dürfen, um meine Feuerorgel gefechtsklar machen zu können, Sir!« »Technisches Versehen«, klar wer soll das jetzt glauben, dachte Allan bei sich, als er von dem Monitor aufblickte mit welchem er gerade die Personalakten »wie befohlen« studierte. Geschieht dem Kommandanten ja ganz recht, gleich so auszuflippen, das muß er aus dem Buch »Wie verhindere ich, daß ich von der Besatzung gemocht werde«, Kapitel: »Ungerechtfertigte Androhung idiotischer Strafen« haben. Auf dem Monitor tauchte wie zufällig die Akte des neuen Feuerorganisten auf. Als er sie las, konnte er sich ein schmunzeln nicht ganz verkneifen, er schien seine vorherigen Kommandanten so sehr geärgert zu haben, daß die nur zu gerne dem Versetzungsantrag seine Empfehlung hinzufügt hatten, anders war ein solcher Wechsel in den Bewertungen nicht zu erklären. Auch eine Methode Kariere zu machen... Wobei die fachliche Qualifikation außer Zweifel stand. Darauf achtete man im Flottenbestallungsamt aufs peinlichste. Ich glaub der wird mir fast sympathisch, schoß es Allan durch den Kopf. Er empfand das ganze militärische Gehabe der Solaren Flotte sowieso als Anachronismus, aber man durfte halt auch nicht zu oft dagegen opponieren, sonst endete man mit einer Pension mit der viel zu viel Monat am Ende des Geldes übrigblieb. Lasitus drehte sich um und begab sich zum Kartentank. »Allan, ich brauche die Einsatzbereitschaft aller Stationen und versuchen sie heraus zu finden wo die restliche Crew bleibt! Artor, Sie werden sich um die Verladung der letzten Versorgungsgüter kümmern, machen Sie den Leuten da Feuer unter den Hintern«, befahl er. »Sir! Funkspruch vom Flottenhauptquartier!« rief Daniel Wilford. Lasitus begab sich zu einen der Displays mit Sichtfeld und setze sich. »Schalten Sie um!« befahl er. »Aye, Sir!« Artor schien erleichtert zu sein, daß nun ein wenig Hektik in der Zentrale aufkam und sich so niemand wirklich für das abgeblockte Gespräch mit Miss Drake interessieren konnte. Artor bediente mit einigen eingeübten Tastenhieben die Kontrollen für die Verladeroboter. Die sind mit Sicherheit zuverlässiger, als die meisten dieser Terraner, dachte Artor. Seine blaßroten Augen glänzten im Licht der Dioden. Dann befahl Artor, dem Kommunikationsoffizier einen Probealarm auszurufen. Kurz danach krakelte es aus den Lautsprechern: »Alle Mann an Bord! Schnell – schnell! Wir starten in 5 Minuten!« Als Robert Alun den Alarm hörte, wurde der Terraner bleich. Er selbst war schon seit einiger Zeit an Bord, aber sein Vorgesetzter war noch nicht eingetroffen. Niemand wußte, wo dieser steckte. Wenn das Raumschiff in 5 Minuten starten sollte, würde es ohne Michael Byers, den Galaktopsychologen, starten. Er mußte es dem Kapitän sagen. Er rannte auf dem schnellsten Weg in die Zentrale. Robert Alun platzte mitten in die Vorbereitungen zum Probestart. »Was wollen sie den hier? Wer sind sie überhaupt?« wurde er von Kommandant Lasitus angefahren. »Ich bin Robert Alun, der stellvertretende Galaktikpsychologe, Sir. Ich bin hier wegen des Startes. Mein Vorgesetzter Michael Byers ist bisher noch nicht aufgetaucht. Niemand weiß im Moment, wo er steckt. Falls sie den Start nicht verschieben, wird er nicht an Bord sein.« Lasitus nahm die ganze Angelegenheit vollkommen gelassen auf: »Falls Byers nicht auftaucht, werden Sie als sein Stellvertreter zum Galaktopsychologen befördert und nun setzen Sie sich gemütlich da vorne hin und stören Sie nicht weiter.« Lasitus zeigte auf einen Platz vor einem Terminal, das im Moment nicht benutzt wurde. Alun setzte sich dorthin. Für ihn war es eine gute Gelegenheit die Mannschaft kennenzulernen. Der Gedanke den Posten des Galaktopsychologen zu bekommen, gefiel ihm zwar nicht grade, aber er hatte wohl keine Wahl. Anschließend flimmerte der Bildschirm und die Umrisse eines Mannes wurden sichtbar. Zu Lasitus Überraschung war es Julian Tifflor. »Hallo Oberst«, wurde Lasitus von Tifflor begrüßt. »Und, wie gefällt ihnen ihr neues Schiff?« Lasitus, der sich schnell von seiner Überraschung erholt hatte, entgegnete: »Sehr gut sogar, Sir! Es fehlen noch zwar noch einige Leute, aber das wird sich wohl bald geklärt haben.« »Das sollten sie auch, sie müssen in einer Stunde starten«, sagte Tifflor. »Es wird wohl nichts mit Probeflügen und dergleichen.« Carpenter, der sich inzwischen zu Allan D. Gonozal begeben hatte, murmelte: »Mist, wie sollen wir diesen Kahn ohne Probeflüge sauber durch ein Gefecht mit dem Carsualschen Bund bringen?« »Knöpfchen drückend?« stichelte Allan lächelnd auf ebenso unauffällige Weise. »Gehen Sie zur Sicherheit das Trainingsprogramm 3fach zum Eingewöhnen durch«, empfahl Tifflor derweil Strader, wohlwissend, daß er diese »Empfehlung« dazu nutzen würde, die FLZ für mindestens 4 Stunden in seinen persönlichen Kampfsimulator zu verwandeln. Tifflor fuhr fort: »Was ihre erste Mission betrifft. Sie werden gleich die Daten von einem System erhalten, dort sollten Sie sich so schnell wie möglich hinbegeben. Eines unserer Schiffe wurde dort angegriffen, aus den Notruf geht hervor, daß der Carsualsche Bund dafür verantwortlich ist. Erstens, Sie sollen das Schiff lokalisieren und zweites hat dieses Schiff wichtige Unterlagen transportiert. Ich kann ihn nur sagen, daß es dabei um neue Technologie für Antriebe geht.« »Sollte es sein, das das Schiff zerstört ist, kehren Sie umgehend zurück und berichten sie über alles, was Sie dort herausgefunden haben, sollte das Schiff noch existieren.«Tifflor atmete einmal tief durch. »Sollten die Unterlagen verschwunden sein, versuchen sie sie auf jeden Fall wiederzubekommen! Viel Glück.« Tifflors Gesicht auf dem Schirm verschwand und für einige Sekunden war das Zeichen von Terra zu sehen. Lasitus drehte sich zu den anderen um, die mehr oder weniger ihrer Arbeit nach gingen. »Major Daniel, ich brauche eine Verbindung im ganzen Schiff!« Daniel bestätigte und stellte sie schnell her. »Hier ist Kommandeur Lasitus Strader, das Schiff muß in einer Stunde startklar sein!« Nun endlich schien eine Chance gekommen zu sein, sich Kommandant Strader persönlich vorzustellen, als plötzlich ein ihm unbekannter Terraner mit zwei Kampfrobotern auftauchte und die Aufmerksamkeit aller auf sich zog. Vario war inzwischen mit seinen Robotern, im derzeit in der Zentrale herrschenden Durcheinander nahezu unbeachtet, bis zum Kartentank marschiert und blieb vor der kleinen Gruppe stehen. »Sir! Kommander, ich möchte die volle Einsatzbereitschaft der Robots bestätigen!« Vario trat zurück und ließ die Robots vortreten. Der Kommander schaute ihn nur merkwürdig an. »Wollen sie vielleicht den Standardspruch der Roboter hören?« Ehe der Kommandeur etwas sagen konnte, befahl Vario es den Robotern. Die hoben daraufhin ihre Waffenarme hoben und sprachen: »Sie haben die Sperrzone durchbrochen und sich somit Strafbar gemacht. Nach den Gesetzen des SI, sind Sie verhaftet. Sie haben eine Minute Zeit, sich zu ergeben und ihre Waffen fallen zu lassen. Tun Sie das nicht, so sehen wir Sie als Bedrohung an und werden ohne Verwarnung feuern!« Die Robots verstummten. Vario machte ein merkwürdiges Gesicht. In der Zentrale war es wieder still. »Schön und gut aber würden sie jetzt mit den Unsinn aufhören und wieder mit ihrer Arbeit weitermachen?« Lasitus trat vor und da ertönte die Stimme eines Kampfroboters: »Bleiben Sie stehen oder ich schieße; das gilt für alle diese Personen in den Raum!« Lasitus blieb abrupt stehen und starrte den Robot an, der jetzt auf ihn zielte. Ein Handgriff an die linke Seite seines Gürtels ließ ihn nichts Gutes ahnen. Er hatte keine Waffe dabei. Oh Shit, dachte er nur. Während er in die rotleuchtenden Augen des Robots starrte, kam wieder eine Erinnerung in ihm hoch. Es war vor 2 Jahren gewesen. Sie waren mit einem Aufklärer des Solaren Imperiums unterwegs, auf dem Schiff befand sich Lasitus Familie: Sein zweijähriger Sohn und seine Frau. Bei einem Angriff von den Carsulischen Bund schickte er sie in den Hangar in ein Rettungsschiff und genau dieser Hangar wurde zerstört, immer wieder sah er die Explosion, die den Hangar zerfetzte. Schweiß stand auf seiner Stirn. Er schaute sich um, sein Blick fiel auf Allan, der anscheinend immer noch in den Akten stöberte. Einer der Robots drehte sich zur Menschenansammlung am Kartentank die andere Richtete sich auf Lasitus und den daneben stehenden Männer. »Lassen Sie ihre Waffen fallen!« wiederholte der Robot. Ooohhh Scheiße, schoß es Allan durch den Kopf. OK, terranische Kampfroboter sollten nicht wie arkonidische Modelle mit Impulswaffen beginnen und sich langsam steigern sondern mit der »Schwächsten«. Aber er kannte diesen speziellen Typ nicht, so daß er nicht wußte ob Paralysatoren überhaupt eingebaut waren. Und selbst wenn, erstens waren diese Robies sowieso schon am ausrasten und zweitens war »paralysiert werden« nicht gerade eine angenehme Sache. Mit dem Stoßgebet »HOFFENTLICH sind die Kommandocodes schon initiiert« schaltete er die Personalakten ab und rief die Robotfernkontrolle auf. Hier mußte er sich erst mittels Passcode Identifizieren und nach endlos langen 2 Sekunden erschien endlich die Liste mit den Momentan aktiven Robotern und ihrem Status. Die beiden Fraglichen waren leicht zu finden, denn es waren die beiden Kommando-Maschinen des einzig aktivierten Zuges und außerdem die einzigen, die einen FEINDKONTAKT Marker trugen Verdammt, das wird eng! Vario sah, wie Lasitus zu seiner linken Hüfte griff und merkte, daß er gar keine Waffe trug. »Was soll das du blödes Ding?« Vario warf seinen Kristall, den er immer noch bei sich trug auf den Robot. »Noch 10 Sekunden!« Alun sah, wie Vario mit seinen Robotern ankam. Er war geschockt, als die Roboter plötzlich anfingen durchzudrehen und drohten, auf die Besatzung der CREST V zu schießen. Er faßte sich allerdings schnell wieder. Diese Roboter waren vom SI konstruiert. Das hieß, das sie die Leute erst mal betäuben würden. Er sah sich um, ob er etwas tun konnte. Sowohl die Roboter als auch die Mannschaftsmitglieder der CREST V schienen den Terraner, der mutterseelenallein, an einer unnützen Konsole saß, nicht zu beachten. Alun sah auf die Konsole. Sie war an, stellte er als erstes fest. Er sah außerdem, daß er mit einem einzigen Knopfdruck einen schiffsweiten Alarm auslösen konnte. Seine Finger bewegten sich fast mechanisch. »Noch Zehn Sekunden«, hallte es in Lasitus Ohren. Was nun? dachte er. Warten, bis der tödliche Schuß kommt? Während er überlegte, wußte er, daß es eigentlich zu spät war. Plötzlich sprang Allan auf. Da war es, die Codes! Wenigstens bringt ein Kommando erst mal etwas Zeit. Hoffentlich klappt das... Aufstehend rief er: »Alles In Deckung, schnellstens! RT C5 Kom-A+B. Ich identifiziere mich als Kommandoberechtigter Offizier ›Allan Dean Da Gonozal‹ und befehle die sofortige Einstellung aller feindseligen Handlungen gegenüber den Personen in diesem Raum, sowie die Sicherung aller Waffensysteme und Rückschaltung auf Bereitschaftsmodus. Berechtigungscode: Truppführer 83884t, RT C5 Kom-A 99089t, RT C5 Kom-B 49995b.« Die beiden Roboter wendeten sich beide Allan zu, ihre Waffenmündungen glühten tiefrot! Das war's! Doch Impulsmodus! zuckte es durch Allan und genau in dem Moment, als er in Deckung hechten wollte, ruckten die Waffenarme der Robies nach unten. Oha, jetzt wird's eng! dachte Emerson und war mit einem Schritt hinter Carpenter, nahm ihm seine zwei Strahler ab, stellte sie auf Thermobetrieb um und richtete sie auf die beiden außer Kontrolle geratenen Roboter. Dabei zielte jede Waffe jeweils auf die obere Rundung ihrer Ellipsoidkörper, wo seines Wissens nach die Steuerpositronik untergebracht war (falls er sich aber irrte und die Energiezellen traf, dann war das Schicksal einer jeden Person in der Zentrale besiegelt!). Er visierte die Ziele mit jeweils einem Auge an (wie er es in einem Film aus dem 20. Jahrhundert über einen gewissen Graf Münchhausen gesehen hatte)... Lasitus hielt die Luft an und wartete auf die Reaktion der Androiden. Eine Ewigkeit schien zu vergeben dann antworteten sie: »Kommandoberechtigung georüft und anerkannt. Befehle werden ausgeführt. Zu Ihren Diensten.« Dann erstarrten sie, auf neue Befehle wartend. ...und schoß mit beiden Strahlern gleichzeitig. Die Roboter glühten am oberen Ende auf und fielen dann steif zu Boden. Wie er erleichtert feststellte, kam bei dieser ganzen Aktion keiner zu Schaden. Mit lauten Zischen entwich die Luft aus seinen Lungen, aber anscheinend hatte nicht jeder bemerkt, daß die Gefahr vorbei war. Ein Mann sprang zu Carpenter und entriß ihn seine Waffen. Zwei grelle Strahlen zuckten durch die Zentrale. Dann gab es nur noch halbe Roboter. In einer Stunde sollen wir starten und hier ist Krieg, was hab ich mir nur dabei gedacht? Derjenige der geschossen hatte, trat auf Lasitus zu. Allan wischte sich das salzige Sekret aus den Augen. Nachdem er dreimal tief durchgeatmet hattem sagte er mit schwerer Zunge in die immer noch, bis auf die durch Technik geschaffenen Geräusche, totenstille Zentrale: »Sie müssen Major Vario McNeil, Befehlshabender Robottruppen, sein... Wollen Sie die Einsatzbereitschaftsmeldung der Robottruppen aufrecht erhalten?« Emerson atmete auf und gab dem verdutzen Carpenter seine Strahler zurück. Da er sich nun der Aufmerksamkeit aller gewiß war, trat er vor den Kommandeur und salutierte abermals. »Navigator Oberleutnant Emerson Victor Ostrog meldet sich wie befohlen zum Dienst, Sir!« »Hm, sicher ist sicher wie?« Lasitus mußte unwillkürlich lächeln. »Jedenfalls willkommen an Bord und danke für Ihre Hilfe.« »Gern geschehen, Sir!« erwiderte Emerson. Erst in diesem Moment wurde ihm bewußt, daß der 1. Offizier Allan Dean Gonozal die Roboter bereits deaktiviert hatte, als er sie in Schlackehaufen verwandelte. Warum nur hatte er das nicht mitbekommen? Das lag wohl an diesem schrillen Kreischen in seinen Ohren, das von Carpenters Audiomartyrium herrührte. Nachdem die Roboter ausgeschaltet waren, rief Kommandant Strader: »Könnte jemand vielleicht diesen nervenden Alarm ausstellen? Wer hat ihn überhaupt angestellt?« Zaghaft meldete sich Alun. »Ich dachte, vielleicht hilft er etwas«, sagte er während er den Alarm ausstellte. Zur gleichen Zeit stürmten mehrere Sicherheitsbeamte in die Zentrale. Als sie sahen, das alles in Ordnung war, steckte sie ihre Waffen weg. »Nachricht für den Kommandanten, Nachricht für den Kommandanten«, tönte es durch den Raum. Als der Kommandeur die Nachricht entgegen nahm, sah er das Gesicht eines hohen terranischen Polizeibeamten. »Sir, wir haben ihren Galaktopsychologen Michael Byers gefunden, er ist tot. Genauer gesagt, er wurde ermordet! Wir vermuten stark, daß der Mörder an Bord der CREST V ist...« Mit unbeeindrucktem Gesicht nahm Lasitus die Nachricht vom Tod von Michael Byers, des eigentlichen Galaktopsychologen an. Heute ist ja noch nicht genug passiert, dachte er. »Dann muß eben Alun jetzt die Stelle übernehmen!« Lasitus sah ihn prüfend an. »Wir werden trotzdem alles Verdächtige und jeden der mit ihm zu tun untersuchen«, schloß er. Lasitus hörte den Befehlen von Allan zu, nebenbei überlegte was er jetzt tun sollte. Unbemerkt hatte sich Allan genähert. Alun war in seine Kabine zurückgekehrt. Er war geschockt, das Byers tot war. Er hatte keine Ahnung, wer seinen Vorgesetzten ermordet haben konnte. Einer der Sicherheitsbeamten wollte in einer Stunde mit ihm sprechen. Davor wollte Alun sich noch mal die offizielle Dienstakte seines Vorgesetzten ansehen. Der Kommandant durfte eine größere Dienstakte von Byers besitzen. Seine Dienstakte enthielt nur Byers Lebenslauf und ein paar kleinere Notizen. – Nichts was sehr hilfreich war. Alun war sich darüber klar, daß er wegen seiner Beförderung wahrscheinlich der Hauptverdächtige der Sicherheitsleute war, aber er hatte keine Ahnung, wie er deren Verdacht entkräftigen sollte. Artor saß nach wie vor über den Kommandokontrollen für die Arbeitsroboter. Er hatte sich einen Kopfhörer aufgesetzt, aus dem seltsame Musik drang. Das ist wohl der neuste musikalische Schrei im blauen System, mutmaßte er. Naja, gewöhnungsbedürftig! Dann drehte er sich um und gab bekannt: »Die Verladeroboter haben das für diese Mission notwendige Material in die Frachträume gebracht.« Dabei fiel sein Blick auf die zerstörten Roboter und seine Gedanken tasteten im Gehirn des Kommandanten nach verwertbaren Informationen. Er verfolgte die anschließenden Unterhaltungen nur mit einem Ohr (dem linken, noch funktionierenden), ging zur Navigationkonsole und setzte sich in den für ihn bestimmten Stuhl. Er machte sich mit den Kontrollen vertraut und stellte fest, das sie sich nicht von den Navigationskontrollen der anderen Schiffe unterschieden, auf denen er gedient hatte. Währenddessen meldete sich Gonozal zu Wort. Vario schwieg. In seinem Gesicht war der Schreck noch zu sehen. »Wer ist Ihr Vorgesetzter?« fragte Lasitus. »Das bin ich Sir! Major Jack Connor, Sicherheitschef.« »Haben Sie ihm befohlen, hierher zu kommen?« Connor schüttelte mit dem Kopf. »Nein, lediglich, daß er eine Halle mit diesen Roboter inspizieren und diese schließlich aktivieren sollte.« »Warum sind Sie überhaupt zur Zentrale gekommen?« fragte Strada jetzt Artor. Vario räusperte sich. »Ich wollte Sie begrüßen und gleichzeitig bekannt geben, daß die Robotabteilungen einsatzbereit sind. Daß die Roboter aber nicht funktionieren, konnte ich nicht wissen.« »Hm...« »Haben Sie noch Fragen?« Lasitus sah Allan und Artor fragend an. »Ja, Mr. Capenter, wieso tragen Sie zwei schwere Impulsstrahler anstatt der normalen Dienstwaffe?« entfuhr des Allan. »Ist Ihnen überhaupt klar, was ein Glück wir hatten, daß das ganze hier und nicht in einem der kleineren Räume passiert ist? Und selbst hier ist die Temperatur merklich gestiegen! Überhaupt scheint hier außer mir niemand seine normale Dienstwaffe zu tragen...« Oh weh, daran bin wohl ich schuld! dachte Emerson bedauernd. Jetzt hackt dieser Gonozal wegen mir auf Carpenter rum! Nun, da seine Hörfähigkeit fast wieder vollständig da war, betrachtete er den Feuerleitoffizier nicht mehr als hirnlosen Brüllaffen. Carpenter setzte sein was-willst-du-eigentlich-ich-bin-im-Recht-Grinsen auf und sagte unberührt, aber erkennbar ernst: »Sir, ich bin der Feuerleitoffizier dieses Schiffes, und ich gehe mal davon aus, daß ich das nur deswegen bin, weil ich mich sehr gut mit Waffensystemen aller Art auskenne. Meine Waffen sind Spezialanfertigungen von Siga. Die Leistung wird bei der Benutzung durch andere Personen automatisch den Räumlichkeiten angepaßt. Sie könnten daher sogar innerhalb Ihrer Hygiene-Zelle einen Schuß abfeuern, wenn Sie die Waffe zuvor auf höchste Intensität gestellt haben. Auf Lebewesen kann sogar niemand einen Schuß abfeuern, der nicht meine Individualschwingung besitzt. Ich selbst kann natürlich jederzeit mit entsprechender Leistung feuern. Ich würde mich zudem weigern, diese Waffen abzulegen. Ich werde diesbezüglich auch noch ein Gespräch mit dem Kommandanten unter zwei Augen führen.« An Lasitus gewandt fuhr er fort: »Sir, ich muß Sie bei Gelegenheit unbedingt unter vier Augen sprechen. – Geheimhaltungsstufe Priorität Alpha.« Lasitus starrte ihn entgeistert an, denn diese Geheimhaltungsstufe, so wußte er, wurde nur von Agenten der SolAb benutzt. Lasitus wußte, daß dieser Code nichts Gutes bedeutete. Um die Mannschaft nicht zu beunruhigen, reagierte er aber zunächst nicht darauf, sondern nickte nur und versprach Carpenter, bei nächster Gelegenheit einen Termin. Carpenter, der sein Grinsen bei den Worten an den Kommandanten erstmals vollständig abgestellt hatte und äußerst ernst geworden war, sah sich um und starrte überall in entgeisterte Gesichter. Ist das hier ein Geisterschiff? fragte er sich daraufhin innerlich, entschied sich aber nach Außen weiterhin der Lage angemessen ernst zu bleiben. Aufstehend und auf Carpenter zutretend sagte Allan: »Das war keine Fehlfunktion, Zumindest nicht eine der Roboter!« Bei einem wär's ja theoretisch möglich aber bei zwei gleichzeitig? Immerhin ich hab die Abstrahlmündungen gesehen. Sie waren auf Impulsmodus gestellt! Irgendwie muß die ›Gesetzessperre EINS‹ ausgeschaltet worden sein! Ich nehme nicht an, daß Sie dies getan haben Mr. McNeil, oder?« Varios Gesicht wurde etwas bleicher, als er realisierte in welcher Gefahr die gesamte Zentralbesatzung geschwebt hatte. »Nein, natürlich nicht!« Sie werden im Kontrollogbuch feststellen können, das ich die entsprechenden Codes noch nicht einmal abgefragt hatte«, antwortete er, worauf Allan ihm den Befehl erteilte, eine Überprüfung der Hauptkontrolleinheit der Robottruppen in die Wege zu leiten. Bevor Carpenter an ein Pult treten konnte, um diesen Befehl auszuführen sagte Allan noch: »Übrigens sollten die restlichen Roboter der Abteilung Robottruppen schleunigst deaktiviert werden solange wir nicht wissen ob die >Fehlfunktion< nicht auch auf diese übergegriffen hat.« Emerson stand von seinem Terminal auf und ging rüber zu Axel Carpenter. »Ähm... Hören Sie mal, Carpenter, das mit Ihren Strahlern tut mir leid. Aber ich habe meine Dienstwaffe in meiner Kabine zurückgelassen, und außerdem wollte ich Ihnen das mit dem Stimmenverstärker heimzahlen! Ich hoffe, Sie sind jetzt nicht sauer auf mich!« Sie haben das einzig richtige getan. Ich habe den unverzeihlichen Fehler begangen, nicht zu reagieren. Was sollen die Roboter auch so früh in der Zentrale?« fragte Carpenter, während er ein Auge zukniff. »Sie sollten sich daher keine Gedanken über den Vorfall machen, und passieren konnte ja nichts, da es Spezialwaffen sind. Bei Gelegenheit sollten wir mal auf die Sache anstoßen.« Jetzt guckt der schon wieder entgeistert, amüsierte sich Carpenter und hätte sich am liebsten laut lachend verabschiedet, aber die Situation erschien ihm dafür zu ernst. »Captain, ich muß mit Ihnen unter vier Augen sprechen. Würden Sie bitte mit in einen der Konferenzräume kommen, Sir?« Lasitus folgte ihn. Lasitus folgte ihm schweigend in einen der abgeteilten Räume innerhalb der Zentrale. Als sich die Türe geschlossen hatte, fragte der Kommandant äußerst ungehalten, was das sollte und ob sie nicht schon genug Zeit verloren hätten. Worauf ihm Allan eröffnete, daß er ihm nicht vor der Mannschaft seinen Verdacht vorlegen wollte, denn eine so schwere Fehlfunktion – und dann noch im passenden Moment – könne nicht ohne Auslöser eintreten. Es hätten drei Sicherheitssysteme gleichzeitig versagen müssen, um diesen Fehler auch nur in der Theorie zu ermöglichen. Lasitus, der in den letzten Minuten auch ziemlich unter Druck gestanden hatte, fuhr auf: »Was wollen sie damit sagen?« Allan wartete einige Herzschläge und sagte: »Wir haben einen Saboteur an Bord, Captain!« Lasitus wollte was erwidern, ließ es dann doch. Allan hatte Recht, im Normalfall drehen Robots nicht durch. Und jetzt auch noch der Tod von Michal Byers... »Wenn Sie Recht haben, müssen wir ihn finden. Die einzigen wirklichen Verdächtigen sind Robert Alun und Vario.« »Wir haben jetzt zwei Probleme, erstens: Sollen wir den Start verschieben und dabei riskieren, die Dokumente, die wir wiederholen sollen, für immer zu verlieren? – Falls es nicht wieso schon zu spät ist. Zweitens: Wie können wir den Saboteur entlarven ohne die ganze Crew mit einzubeziehen, wenn es schnell gehen muß, ohne viel Wind darum?« Lasitus dachte kurz nach und meinte dann: »Es gibt noch eine dritte Möglichkeit, wir könnten auch starten und nebenbei versuchen, den Saboteur fangen. Dabei ist aber zu bedenken, daß wir die Einsatzbereitschaft der Crew brauchen, falls es zum Kampf mit anderen Schiffen kommt. Was denken sie?« »In Anbetracht der Dringlichkeit unserer Mission sollten wir starten und die Augen offenhalten. Aber da wir anscheinend ja keine vollständige Mannschaft zusammenkriegen, müssen wir extra Trainingseinheiten einlegen. Ich empfehle, daß die gesamten Brücken-Offiziere sich in Zweierteams mit Notmanuellsteuerung vertraut machen und daß an allen neuralgischen Punkten des Schiffes Wachen aufgestellt werden. Des weiteren wäre es sinnvoll, die Dienstwaffen einzusammeln und die Waffenschränke und Kammern auf Alarmsicherung zu schalten und damit's lustig wird mit Paralysatorfallen versehen.« Stader hörte sich die Vorschläge an und stimmte ihnen zu: »OK, leiten Sie die entsprechenden Maßnahmen ein. Jetzt sollten wir uns um den Start kümmern. Wir haben in sieben Minuten Startfreigabe.« Die beiden Offiziere verließen den Konferenzraum und nahmen ihre Positionen für den Start ein, als der »5 Minuten bis zum Start« Alarm durch das Schiff hallte. Nachdem Axel Carpenter ihm versichert hatte, daß er keinerlei Feindseligkeit für ihn empfinde, setzte sich Emerson wieder an seine Konsole. Kurz darauf ertönte die Durchsage des 1. Offiziers, daß alle Waffen an Bord abgegeben werden sollten. Ach Mist, meine Dienstwaffe ist in meinem Gepäck! Da bleibt mir wohl nichts anderes übrig! dachte er mit einem Seufzer. Er stand auf, meldete sich bei Gonozal ab und verließ die Zentrale, um zu seinem Quartier zu gehen. Sein Gepäck war kreuz und quer über den Raum verteilt. Emerson würde erst nach dem Ende seiner Schicht zum Auspacken und Einräumen kommen. Im Moment wollte er nur schnell seine Waffe holen und zur Zentrale zurück. Nach kurzem Suchen fand er sie in seiner großen Reisetasche. Als er seine Kabine schon verlassen wollte, fiel sein Blick auf die große schwarze Kiste, die in einer Ecke stand. Sie stellte seinen wertvollsten Besitz dar, und gleichzeitig sein größtes Geheimnis. Sollte jemals irgendwer ihren Inhalt zu Gesicht bekommen, würde seine Tarnung auffliegen. Deshalb war sie so konstruiert worden, daß man sie nicht durchleuchten oder orten konnte. Nur er allein war in der Lage, sie zu öffnen; jeder andere würde sich daran die Zähne ausbeißen. Und falls es doch irgendwem gelingen sollte, die Versiegelung zu knacken, dann würde sich die Kiste mitsamt ihrem Inhalt selbst desintegrieren. Verständlicherweise hoffte Emerson, daß dies niemals geschehen würde, denn der Inhalt war viel zu wichtig für ihn. Gewaltsam riß er sich aus seinen Gedanken und verließ seine Kabine. Zielstrebig machte er sich auf den Weg zur Zentrale.
Gleich nachdem er in die Zentrale eingetreten war, ging Emerson auf Gonozal zu und übergab ihm seine Dienstwaffe. Es handelte sich dabei um eine Multifunktionswaffe vom Standardtyp, die sich nun schon seit Eintritt in die Solare Raumflotte in seinem Besitz befand. Er hatte sie nur selten benutzt, deshalb wirkte sie fast wie neu. Gonozal dankte ihm und schloß die Waffe in einem Waffenschrank ein, in den auch die anderen Dienstwaffen gewandert waren. Dann ging Emerson wieder zu seiner Navigationskonsole. Kurz nachdem Allan den Befehl, die Dienstwaffen abzugeben, über die Lautsprecher durchgegeben hatte, betrat Robert Alun die Zentrale. Seinem Gesicht war anzumerken, daß er nicht gerade die beste Laune hatte. Allan sah, daß er seine Dienstwaffe trug. Bei seinem ersten Besuch auf der Brücke hatte er diese nicht getragen. Er ging auf Alun zu und bat diesem ihm die Waffe zu übergeben. »Den Teufel werde ich tun!« fauchte Alun Gonazal an und wandte sich an den Kommandanten: »Kommandant, ich habe von ihrem Befehl gehört. Ich bitte Sie, diesen noch mal zu überdenken. Die Mannschaft reagiert verärgert auf Ihren Befehl. Einige scheinen eine offene Meuterei zu planen, falls Sie versuchen, ihnen ihre Waffen wegzunehmen. Sie haben den Alarm gehört, wissen aber nicht, was in der Zentrale los war.« Alun bat den Kommandanten um ein Gespräch unter vier Augen, da den Rest der Gründe niemand hören sollte. Strader stimmte zu, wählte aber einen durchsichtigen Raum, vor dem zwei Wachen positioniert sein sollten. Alun hatte nichts dagegen, daß die Wachen das Gespräch mit ansehen sollten. Er wollte den Kommandanten nur etwas sagen, von dem er glaubte, daß es besser wäre, wenn es die anderen nicht hören würden. Wenn das so weitergeht, dann muß der Kommandant demnächst Sprechstunden einrichten, dachte Carpenter. An den Kommandanten gewandt sagte er: »Sir, mein Anliegen kann noch warten, allerdings sollten wir schnell miteinander sprechen, bevor es zu spät ist.« Alun sprach Lasitus an, nachdem er sicher war, daß der Raum zu war und sie niemand hören konnte. »Ich dachte, es wäre Ihnen lieber, wenn die Sache mit dem Mörder nicht an die große Glocke gehängt wird. Mein 2. Grund, warum ich gegen die generelle Abgabe aller Waffen bin, ist der, daß ich glaube, daß es für den Mörder recht vorteilhaft wäre, wenn niemand mehr eine Waffe hätte. Wer immer der Täter ist, wird noch eine andere Waffe außer seiner Dienstwaffe haben. Falls Sie etwas erreichen wollen, lassen sie die Leute nur ihre Standartdienstwaffen behalten und nehmen sie ihnen die restlichen Waffen weg. Falls es ihnen zu gefährlich ist, die Leute mit scharfen Waffe rumlaufen zulassen, ersetzen sie die Standartwaffen durch Paralysatoren. Diese helfen unserem Gegner nicht und beruhigen die Besatzung. Falls Sie die Waffen wirklich einsammeln wollen, sollten Sie schon mal die Krankenstation in Alarmbereitschaft versetzen lassen, den es wird Verletzungen und vielleicht auch Tote geben. Erstens durch den Mob da draußen, zweitens durch unseren Mörder. Ach ja, und wer Ihnen auch immer den Tip mit dem Einsammeln der Bordwaffen gegeben hat, ich würde ihn genauso verdächtigen, wie Sie wahrscheinlich zur Zeit Vario und mich verdächtigen.« Lasitus wurde allmählich wütend, nicht wegen Alun, sondern deswegen, daß jede Minute andauernd ein neues Problem auftauchte. Und das am ersten Tag, bei Betriebnahme des Schiffes. »Wissen Sie, ich verstehe Ihre Gründe, und die der anderen, aber die Reaktionen von Ihrer Seite und von denen, die eine Meuterei planen, daß halte ich für was übertrieben.« Sein Tonfall wurde schneidend scharf. »Daher halte ich den Befehl nicht für übertrieben, er wird nicht rückgängig gemacht! Und die Crew wird noch schnell genug informiert, vorerst bleibt es so wie es ist. Wir fangen daher bei Ihnen an, geben Sie mir ihre Waffe!« »Ich hoffe, Sie ziehen daraus dann auch die Konsequenzen«, entgegnete Robert, überreichte die Waffe und ging ohne ein Wort. Schließlich waren alle Startvorbereitungen mehr oder weniger abgeschlossen, und die Raumhafenkontrolle erteilte die Starterlaubnis. Allen Dean Gonozal gab daraufhin dem Ersten Piloten Jean Stiletto den Befehl zum Abflug. Ein Dröhnen durchdrang den Schiffskörper, als die mächtige CREST V vom Raumhafen Terranias abhob und sich in den Erdorbit emporschwang. Schon nach wenigen Minuten wurde der azurblaue, sonnige Himmel über der Hauptstadt des Solaren Imperiums vom irisierenden Leuchten des ATG-Feldes abgelöst. Dann trat Kommandeur Lasitus Strader aus dem Konferenzraum, in dem er eine Unterredung mit dem Galaktikpsychologen Robert Alun hatte. Hier nehmen sie!« Lasitus warf Allan die Waffe zu. Allan war etwas überrascht über diese Aktion des Kommandanten und hätte beinahe die Waffe nicht richtig erwischt. Immerhin wog diese – als »nicht ganz so« leichte Impulswaffe – 4,6 Kilo und der Kommandant warf sie über ca 3 Meter... Ein Blick auf den Panoramaschirm zeigte ihn das sie bereits gestartet waren. Allan hat wohl den Befehl gegeben, dachte er. Das ATG-Feld war deutlich zu sehen. An seinen ersten Piloten, Jean Stileto gewand, der jetzt die Serhthaube trug, meinte er: »Jean bringen sie uns zur Schleuse!« »Mr. Ostrog, sie werden den möglichst schnellsten Kurs zum Laran Sektor berechnen!« Lasitus endete und übergab Allan das Kommando. »Ich bin in meinem Quartier.« Damit verschwand er aus der Zentrale. »Aye, Sir!« murmelte Emerson dem Kommandeur hinterher, dann machte er sich an die Arbeit. Er ließ sich von seinem Terminal Start- und Zielpunkt der Reise in einer dreidimensionalen Darstellung der Milchstraße einzeichnen und mit einer geraden Linie verbinden. Der Startpunkt war des Sol-System, bzw. der Ausgang der Temporalschleuse, der nahe des ursprünglichen Standorts von Sol im Einsteinraum lag. Der Zielpunkt war das angegebene Sonnensystem im Laran-Sektor, dessen Daten von Tifflor übermittelt worden waren. Nun begann seine eigentliche Arbeit: Er mußte die Gesamtstrecke in Etappen einteilen, wobei die Orientierungsaustritte so zu wählen waren, das sie nicht mitten in feindlichem Gebiet lagen oder in sonstigen gefährlichen Bereichen wie Hauptverkehrsrouten oder Patrouillengebieten. Dadurch entstand ein Kurs, der einer Zickzacklinie glich. Zwar bedeutete das einen längeren Flug als beim direkten Weg, doch seit der Aktivierung des ATG-Feldes war die Lage in der Galaxis noch schlimmer geworden. Vor allem mußte die Crew der CREST V darauf achten, nicht als Mitglieder der Solaren Flotte erkannt zu werden, da diese seit beinahe einem Jahr als vernichtet galt. Unter allen Umständen mußte die Existenz des Solaren Imperiums und des Sol-Systems geheim gehalten werden. Deshalb war äußerste Vorsicht das oberste Gebot. Etwas gereitzt, der »Alte«... dachte Allan hütett sich aber das laut auszusprechen. Er stand auf ging zum Ersatzwaffenschrank der Zentrale und öffnete ihn mit seinem persönlichen Code und legte die Waffe hinein. Im Log verzeichnete er den Namen des Besitzers und Typ der Waffe. Nachdem er den Schrank wieder gesichert hatte nahm er seinen Platz wieder ein und aktivierte die Verbindung zur Kommunikationszentrale und sagte: »Fragen sie bei der Raumüberwachung nach ob wir eine Dringlichkeitsfreigabe für eine Kurtzetappe bis zur Schleuse bekommen. Jean bereiten sie schon mal die Kurtzetappe vor, immerhin hatte Tifflor es extra dringend gemacht.« Er übermittelte die fertigen Kursdaten an den ersten Piloten und an den ersten Offizier, der seine Zustimmung geben mußte. Als Gonozal sein O.K. gegeben hatte, leitete Stiletto die Beschleunigungsphase ein und aktivierte den Linearantrieb. Emerson betrachtete die grünen Schlieren auf den Beobachtungsschirmen, die sie während der viele Stunden dauernden ersten Linearetappe begleiten würden. Insgesamt würde der Flug zum Laran-Sektor etwa eine Woche dauern. Schon nach kurzer Zeit kam die Bestätigung der Raumüberwachung. Jean Stilleto führte eine kurze Linearetappe zur Temporalschleuse durch. Sie dauerte nicht einmal eine Minute, ersparte der CREST V aber einen halbstündigen Flug. Obwohl drei andere Schiffe auf die Passage durch die Schleuse warteten, wurde die CREST V als erste durchgelassen. Auch dafür hatte Julian Tifflor bei der Raumüberwachung gesorgt. Der Durchflug durch die Schleuse verlief problemlos. Obwohl Emerson diese Passage schon vor etwa zwei Stunden mitgemacht hatte, faszinierte ihn der Anblick der in bunten Farben leuchtenden Röhre dennoch. Als die Sterne der Milchstraße sichtbar wurden, fiel eine große Last von Emerson ab. Er war wieder Teil des Einsteinraumes und konnte wieder jederzeit nach »Heimat« zurückkehren, falls er in Gefahr geriet. Emerson überprüfte nochmals die Kursdaten und gestattete sich einige kurze »Blicke« auf die Orte der Orientierungsaustritte und den Zielpunkt im Laran-Sektor. Er konnte keine feindlichen Schiffe sehen, allerdings auch nicht das angegriffene Schiff, das die geheimen Antriebspläne transportiert hatte. Doch schließlich war er ein Veego und nicht Harno. Er konnte kurze Aussichten auf den anvisierten Ort erhalten, jedoch nicht seinen »Blick« schweifen lassen. Also mußten sie auf ihr Glück vertrauen. Alun dachte nochmal über sein Gespräch mit dem Kommandanten nach. Nachdem der Kommandant klargestellt hatte, daß er seine Meinung nicht ändern würde und ihn um seine Waffe gebeten hatte, hatte er diese, zwar nicht gern, aber ohne zu zögern abgegeben. Er hatte sich noch höflich verabschiedet und war gegangen. Im Nachhinein wurde ihm klar, daß er in der Sache wohl etwas überreagiert hatte, vielleicht war seine Reaktion sogar paranoid gewesen. Nach wie vor hielt er es für falsch, die Bordwaffen einzusammeln, aber das lag wahrscheinlich daran, daß ihn der Gedanke daran beunruhigte, einen Mörder gegenüberzustehen ohne die Möglichkeit zu haben sich zu verteidigen. Früher wäre es ihm leichter gefallen seine Waffe abzugeben. Er hatte sie selten getragen. Aber wegen des Mörders hatte er Angst. Am schwierigsten war es dann ein Gesetz, das eigentlich nötig war durchzubringen, wenn die Leute sich fürchteten. Sehr es war voreilig gewesen, denjenigen, der den Vorschlag die Waffen einzusammeln eingebracht hatte, zu beschuldigen. Derjenige würde wahrscheinlich seine Gründe haben, auch wenn sie Alun nicht einsah. Im Bezug auf die Meuterer gab er dem Kommandanten recht. Ihre Reaktion war übertrieben, wenn nicht sogar verrückt. Aber es waren gefühlsbetonte Wesen, die so reagierte und keine Logiker. Dennoch hoffte er, daß es ihm gelang sie zur Vernuft zu bringen. Als er diese Gruppe zuletzt gesehen hatte, war sie vor der Kabine von Dr. Michael Tsuran gewesen. Robert Alun klopfte an die Tür von Tsurans Kabine und betrat, nachdem er das herein gehört hatte, dessen Kabine. Robert wurde nervös, als er sah, wieviele Waffen auf ihn gerichtet waren. Die meisten der etwa 10 Crewmitglieder senkten ihre Waffen, als sie sahen, daß es nur der Galaktikpsychologe war, der die Kabine betrat. Das er keine Waffe hatte, rettete ihm wahrscheinlich das Leben. Nur Dr. Tsuran selbst, senkte seine Waffe nicht. »Verschwinden Sie, Alun. Allein ihre Anwesenheit bringt Tod und Verderben über das Schiff. Der 2.12.3400, Ihr Geburstag, ist ein Tag des Todes. Die meisten Leute, die an diesen Tag geboren sind, sind inzwischen entweder tot, oder haben schreckliche Unfälle erlitten.« Aus Tsurans Augen kam der Wahnsinn. Alun rannte so schnell wie möglich aus der Tür hinaus. Hier konnte er nichts erreichen. Er sah auf seine Uhr. Verdammt! Jetzt mußte er so schnell wie möglich zur Sicherheitsabteilung, bevor die ihn noch im ganzen Schiff suchen ließen. Ron Laska hatte den Auftrag des Kommandanten bekommen, zusammen mit dem Sicherheitschef die Sache zu untersuchen. Als erstes wollte er die Leute befragen, die er für verdächtig hielt sowie die wichtigsten Crewmitglieder. Als erstes stand Robert Alun auf seiner Liste. Er hatte mit diesem einen Termin vereinbart. Diesen Termin schien Alun nicht einhalten zu wollen. Laska überlegte sich grade, ob er den Terraner verhaften lassen sollte, als dieser in die Sicherheitszentrale stürmten. Noch ein Minuspunkt mehr auf der Liste. Robert war sichtlich erschöpft. Er wußte, das er wohl 10 Minuten Verspätung hatte, aber er hatte es einfach nicht früher geschaft. Die »Befragung« begann. Robert gab sich größte Mühe, aber da der Zeitpunkt der Tat nur auf mehrere Stunden genau festgelegt werden konnte, war es ihm fast nicht möglich genau zu sagen, was er den ganze Zeit gemacht hatte. Er wußte zwar noch, daß er seine Eltern besucht hatte, bei ihnen zu Mittag aß und danach ein Spiel seines Lieblingsclubs Manchester United im Stadion vorfolgt hatte, aber sonst wußte er nichts mehr. Er war sich nicht einmal sicher, ob er an diesem Tag, oder erst am darauffolgenden die CREST V betreten hatte. Mitten in dieses Gespräch platzte der Marsianer Timotha a König herein. Alun kannte den Marsianer. Er war mit ihm auf der TAKO KAKUTA, seinem letzten Schiff gewesen. Die beiden begrüßten sich freundlich. Das war Laska allerdings zu viel. Er schickte den Marsianer hinaus. Das Verhör ging weiter. Alun gelang es nicht, die Vorwürfe, die ihm von den Sicherheitsbeamten entgegengeworfen wurden zu entkräftigen. Aber scheinbar war es dennoch nicht genug, um ihn zu verhaften. »Wir melden uns wieder!« bekam er zu hören. Alun war erleichtert, als er die Sicherheitsabteilung verlassen durfte. Laska wandte sich noch kurz an Gonozal, der im Moment ranghöchsten Offizier in der Kommandozentrale. »Ich bin vorerst mit Alun fertig. Es reicht noch nicht für eine Verhaftung. Ich werde erst einmal mit Vron Habel, dem Anführer der Sicherheitsbeamten, die nach den Alarm die Brücke betreten hatten reden. Wissen Sie, wer diesen ausgelöst hat?« Nachdem er erfahren hatte, daß es Alun war, nickte Laska und fuhr fort: »Wenn einer von Ihnen Zeit hat, soll er bitte zu mir zu einem Gespräch kommen! Ach ja, ich bräuchte außer den Akten, die ich bereits angefordert habe, auch noch die des Marsianers Timotha a König.« Alun betrat die Brücke und ging auf Gonozal zu. »Ich wollte mich bei ihnen entschuldigen«, sagte er. »Ich habe hysterisch reagiert. Außerdem muß ich Sie noch warnen: Ungefähr 10 Mitglieder der Mannschaft haben sich in Dr. Tsurans Kabine zusammengefunden. Sie scheinen nicht bereit zu sein ihre Waffen abzugeben und werden wahrscheinlich Wiederstand leisten. Vermutlich werden Sie einen Sicherheitsbeamten, der versucht, ihnen die Waffe abzunehmen, erschießen. Tsuran ist hundertprozentig geisteskrank und bei dem Rest glaube ich auch, daß sie Hilfe brauchen. Also seien sie vorsichtig, sehr vorsichtig.« »Bei uns allen liegen die Nerven blank immerhin ist das hier ja auch nicht gerade das, was man sich unter einem >perfektem erstem Arbeitstag< vorstellt«, antwortete Allan. Leise fuhr er fort: »Mir kommt der Gedanke möglicherweise unbewaffnet einem Mörder und Saboteur gegenüberzustehen auch nicht sehr angenehm vor, aber so wie ich das sehe wiegen die Vorteile die Nachteile mehr als auf.« Allan stand auf und bedeutete Robert mitzukommen, als er zu einem der etwas abseits in der Zentrale aufgestellten Getränkeautomaten ging. Er zog sich einen der berühmt, berüchtigten Flottenkaffes und überlegte beim Probieren ernsthaft, ob er nicht den Einbau eines »Reihertütenautomats« direkt daneben veranlassen sollte. Nun fragte er: »So jetzt erzählen sie mir doch nochmal ruhig was es sich mit Dr. Tsurans Kabine aufsich hat.« Nachdem Robert geendet hatte, sagte Allen ihm, daß das ernster scheint als zuerst angenommen und das Alun erstens zum Leiter der Sicherheitsabteilung gehen soll um ihm zweitens das ganze zu erzählen und ihm drittens auszurichten, daß der Einsatz von Narkosegas ohne Probleme vom ersten Offizier sanktioniert wird. Mit den Worten »allerdings würde ich es mit einen Sicherheitstrupp in leichten Kampfanzügen zu erst probieren, noch haben diese 10-15 Personen ja nichts verbrochen...« endete Allan, ging zurück zu seinem Pult und verhängte stillen Überwachungsalarm über die Personen in Dr. Tsurans Kabine. damit keiner allzu leicht untertauchen konnte. Alun ging sofort nach dem Gespräch mit Gonozal in die Sicherheitsabteilung. Er hatte zuerst diesen warnen wollen, weil er nachdem Gespräch mit dem Capitan den Eindruck gewonnen hatte, daß der erste Offizier die Waffenangelegenheit kommandierte. Aber auch so würde es sicher nicht leichter werden. Robert hoffte, daß er nicht Laska dem Chefermitler in die Arme laufen würde. Laska war ihm irgendwie unheimlich. Zu seinem Glück sah er, daß Timotha a König Dienst hatte. Der Marsianer und Alun begrüßten sich freundlich und a König zeigte ihm den Weg. Conners hörte sich die Mitteilung an und versprach sich darum zu kümmern. Na hoffentlich geht das gut... dachte sich Robert und ging in sein Quatier zurück. Lasitus, der jetzt in seinem Quartier war, um den ersten Bericht anzufertigen, wurde durch ein Piepen der Interkom-Anlage unterbrochen. Er aktivierte den Bildschirm, und sichtbar wurde Vario. »Sir, könnten sie in die Robotzentrale kommen? Ich hab hier was endeckt.« »Sicher«, antwortete Lasitus. Er verließ sein Quartier und lief durch den Gang auf einen Antigrav zu. Unterwegs begegnete er mehrere Leute die ihn, so hatte er das Gefühl, etwas feindselig anschauten. Er sprang in den Lift. Unterwegs hatte er mehrmals das Gefühl als würde er verfolgt. Es war aber niemand zu sehen. Wenig später betrat er die Robot-Zentrale. Vario saß an einem Pult, wo er auf einem Schirm Daten abrief, zwei Meter weiter waren mehrere Techniker zugange, sie hatten viele Konsolen und Displays geöffnet. Lasitus trat an Vario heran. »Was gibt's denn?« »Sir! Wir haben einige Dinge hier entdeckt. Mit Sicherheit wurden die Roboter sabotiert, und zwar von hier aus«, sagte Vario. Lasitus fragte interessiert: »Ach? Dann sagen sie mir wie!« Vario stand auf und ging zu einem anderen Pult, von dort nahm er dann einen winzig kleines Gerät. »Das hier haben wir in der Steuerpositronik für alle Roboter im Schiff gefunden. Die Roboter werden von hier aus per Funksignale gesteuert. Jedenfalls wurden die Roboter damit beeinflusst, das alleine reicht aber noch nicht, die Roboter bekommen auch Befehle und die laufen extra über eine andere Positronik wo dann alles zusammenläuft und dann übermittelt wird.« Vario holte kurz Luft und sprach weiter. »In einen Unterverzeichnis haben wir eine Art Virus gefunden, der auf bestimmte Signale aktiviert wird. Das passierte genau mit den beiden Kommando-Robots, der Virus war auf ihre Programmierschablonen ausgelegt, und als zum ersten mal ihre Signale empfangen wurden, übernahm das Virus die Kontrolle, das wurde bereits beseitigt. Weitere Sender wurden nicht gefunden, nach unbekannten Programmen wird ebenfalls gesucht.« Lasitus gab sich mit der Erklärung vorerst zufrieden und verließ wieder die Zentrale. Unterwegs wechselte er auf ein Laufband, das durch einen noch nicht so belebten Teil des Schiffes ging. »Kommandant!« kam es plötzlich von hinten. Lasitus dreht sich um. »Ein kleiner Willkommensgruß von uns.« Etwas blitzt auf, dann wurde es dunkel um ihn.
Alun war nach diesen Arbeitstag sehr erschöpft. Viele Crewmitglieder hatten Probleme mit der Situation. Ihr Problem war noch nichtmal, daß sie ihre Bordwaffen abgeben sollten, sondern daß ihnen niemand sagte, was eigentlich los war. Jeder von ihnen wußte, daß etwas passiert sein muß, aber keiner wußte was. Einige wenige waren kurz davor durchzudrehen. Alun hoffte, daß keiner seiner Patienten meutern oder sonstwie Ärger machen würde. Auch im 35. Jahrhundert waren die Menschen nach wie vor nicht vor Problemen gefeit. Nachdem er fertig war, wollte er den Kommandanten fragen, ob er Interesse an seinem Bericht hätte. Gonozal gab ihm zu verstehen, daß der Kommandant nicht zu seiner letzten Schicht gekommen sei. Alun schüttelte den Kopf. Er konnte nicht glauben, daß der Kommandant in dieser Situation, ohne ein Wort zu sagen, seinen Dienst nicht antreten würde. »Das paßt nicht zu ihm! Ich würde ihn lieber suchen lassen! Ich halte die Ungewißheit hier eh' nicht aus und bin in 5 Minuten oben.« Als Galaktikpsychologe gehörte Alun zwar nicht zu den Leuten, die sich nur auf der Brücke aufhielten, aber er gehörte zu den Leuten, die die Brücke öfters mal betraten und die in bestimmten Situationen auf der Brücke sein mußten. Wir haben noch welche gefunden«, sagte einer der Techniker, der mit den Kopf in einem Pult steckte. Einige Sekunden später krabbelte er heraus und hielt weitere kleine schwarze Gegenstände in den Händen. »Das sind alle. Es wurden insgesamt zwanzig eingebaut. Das heißt zwanzig unserer Roboter hätten uns gefährlich werden können.« Vario verstaute sie in seinen Uniformtaschen. »Kein Wort zu niemanden!« sagte er noch und verschwand in Richtung Zentrale. Er brauchte einige Minuten um dort anzukommen, doch als er sie betrat herrschte dort große Hektik. Er versuchte den Kommandanten auszumachen fand ihn aber nicht, daher ging er zu Allan. Sir! Können sie mir sagen wo Lasitus ist? Ich hab hier was für ihn.« »Keine Ahnung. Das letzte, was ich weiß, ist, daß er in seine Kabine gehen wollte«, antwortete der 1. Offizier, als eine Alarm Meldung an einigen Hauptdisplays aufflammte die einen einzelnen Schuß in einer bisher friedlichen Schiffssektion anzeigte. 3 Minuten später hätte Allan Vario eine genaue Angabe über den Verbleib des Kapitäns machen können. Kurz nachdem Alun die Zentrale betreten hatte, wurde der Kommandant gefunden, kurz nachdem der Galaktikpsychologe dem ersten Offizier geraten hatte, ihn zu suchen. Er hatte eine schweren Schußverletzung. Der Sicherheitschef meldete das der von ihm zur Untersuchung des Energieausbruchs losgeschickte Trupp den Kapitän mit einem schönen runden Loch da wo eigentlich seine rechte Schulter hätte sein sollen auf dem Boden eines Verbindungsgangs gefunden hatten. Lebensgefahr durch die Desintegratorschussverletzung bestand laut Aussage des mitgeführten Medobots nicht. Allerdings war der Kapitän bewußtlos und würde mindestens 6 bis 8 Stunden in der Regenerationstherapie benötigen bis er wieder Diensttauglich geschrieben werden kann. Allan versicherte sich, daß die Medostation unter Sicherheitsalarm gesetzt war und Wachen postiert wurden. Nach einem ausgiebigem Fluchen, welches Allan auf Satron 1 (Altarkonidisch) vor sich hin murmelte, um nicht jedem in Hörweite über seinen Gemütszustand zu informieren, ließ er sich von der positronischen Bordvermittlung zu Varios Armbandkommunikator durchstellen. »Mr. McNeil, kommen Sie bitte nochmals in die Zentrale. Es ist dringend.« Artor mußte nach Allans Fluch automatisch lächeln. Dann wendete er sich an den Ortungsoffizier: »Wie viel Zeit haben wir noch, bevor wir im eigentlichen Einsatzgebiet angelangt sind?« Zu Allan gewand fuhr er fort: »Da bisher kein Widerspruch kam, gehe ich von Ihrem Einverständnis aus, was die Wachroboter am Schleusenschott der Zentrale angeht. Sie sind also für die nächsten Tage der Kommandant der CREST V. Wie lauten Ihre Befehle?« Robert Alun war froh, als er hörte, daß dem Kommandanten nichts passiert war. Auch die Gesichter der anderen Crewmitglieder in der Zentrale drückten Erleichterung aus. Wegen dieser Nachricht hätten die Crewmitglieder beinahe die Nachricht übersehen, daß sie jemand sprechen wollte. Erst spät reagierten sie auf den Anruf. Es war ein Sicherheitsmann, der sie sprechen wollte. »Wir haben hier ein Problem. Wir sollten doch die Schiffsbesatzung entwaffnen. In der Kabine dieses Dr. Tsuran haben sich etwa 10 Manschaftsmitglieder zusammengerottet. Sie sind schwer bewaffnet und schießen auf meine Männer. Zwei sind schon so schwer verletzt, daß sie in die Krankenstation gebracht werden mußten. Wir bitten darum härtere Methoden einsetzen zu dürfen.« Alun reagierte irritiert: »Der Einsatz von Narkosegas wurde doch schon vom ersten Offizier erlaubt. Ich habe das doch Conners selber ausgerichtet.« Gonozal bestätigte, daß er dazu seine Erlaubnis gegeben hatte. Er glaubte Alun auch, daß dieser zu Conners gegangen war und diesem die Warnung vor Tsuran ausgerichtet hatte. Das war merkwürdig. Kurz nachdem das Problem Dr. Tsuran und Konsorten durch Narkosegas gelöst worden war, erreichte die Zentrale eine Meldung von einer Gruppe, die noch immer nach den Kommandanten suchte. Diese Gruppe hatte in der Sicherheitsabteilung ein Feuer bemerkt und dort Conners und einen Marsianer schwer verletzt gefunden. In einer Stunde würden sie aber wieder ansprechbar sein. Die Beiden hatten großes Glück gehabt. Alun flüsterte Gonozal zu: »Wenn alle wieder fit sind, würde ich gern mit Ihnen, dem Kommandanten und allen anderen, von denen Sie glauben, daß Sie Ihnen vertrauen können, ein Gespräch führen.« Alun betrat die Zentrale wieder, nachdem er einen kurzen Abstecher zur Sicherheitsabteilung gemacht hatte. Er sah besorgt aus. »Mr. Gonozal, Mr. Artor, ich möchte Sie gerne beide im Konferrenzraum sprechen.« Die beiden schienen nichts dagegen zu haben. Alun merkte, daß ihn die beiden Offiziere ziemlich gereizt ansahen. Er hatte ja in letzter Zeit für genug Trubel auf der Brücke gesorgt. Außerdem fragten sich die beiden Offiziere sicher, was den nun so wichtig wäre, daß Alun es ihnen sagen mußte. Alun zwang sich ruhig und sachlich zu sprechen: »Ich muß mit dem anfangen, was in Ihren Augen vielleicht weniger wichtig ist. Viele Crewmitglieder machen sich Sorgen, weil sie nicht verstehen was hier los ist. Der Alarm, das einsammeln der Waffen und der Roboter vor der Zentrale zeigen ihnen, daß irgendwas nicht stimmt. Und Ihre Geschichte mit der Wärmequelle scheint vielen zu unglaubwürdig. Sie reicht aus für den Alarm und für das Einsammeln der meisten Waffen, aber das Einsammeln der Standardwaffen macht viele Leute stutzig. Auch der Roboter vor der Zentrale scheint wegen dieser Vorfälle zusammen mit dem Rest überzogen. Verstehen Sie, es erscheint unnötig erst alle Waffen einzusammeln und sich dann auch noch die Brücke so zu schützen. Deswegen fangen die Leute an Vermutungen anzustellen und sich zu fürchten. Einer hat zu mir heute sogar gesagt, er glaube, daß wir von feindlichen Teleportern angegriffen werden. Bisher ist es nur eine Minderheit, aber falls Gerüchte über die Verletzung des Kommandanten oder den Brand in der Sicherheitsabteilung durchsickern, dürften mehrere Leute in Panik verfallen. Ich rate Ihnen nicht, daß Sie den Leuten alles erzählen, aber Sie brauchen eine bessere Ausrede, als nur die Strahlenquelle, nachdem, was mit dem Kommandanten und unseren Sicherheitschef passiert ist. Eine Ausrede für diese Sicherheitsvorkehrungen wären diese Meuterer. Und damit sind wir beim zweiten Problem. Der Angriff auf unseren Sicherheitschef und den Marsianer geht wahrscheinlich auf das Konto von einem dieser Saboteure, einem gewissem Dr. Tsuran. Ich weiß es schien unmöglich, aber ich habe mir die Gefangen angesehen. Tsuran ist nicht darunter. Er ist also irgendwo da draußen. Und der Angriff auf unseren Sicherheitschef paßt nicht so ganz in das Schema der anderen Taten. Einfach Feuer in einem Schiff zu legen ist eher dumm und bisher haben sich die Täter nicht so dämlich angestellt. Ich weiß der Angriff auf den Kommandanten scheint auch nicht grade intelligent gewesen zu sein. Noch Fragen?« Artor nickte bedächtig und forschte mit Hilfe seiner telepathischen Fähigkeiten in Aluns Gehirn danach, ob dieser die Wahrheit sprach. Danach sagte er: »Ich verstehe ihre Besorgnis, Mr. Alun, aber die Sicherheit der Brückencrew hat absoluten Vorrang. Tun Sie Ihr Möglichstes, die Besatzung zu beruhigen. Sollte bei einigen so etwas wie Hysterie auftreten, so setzten sie das Gerücht in die Welt, das es sich bei den jetzigen Ereignissen bloß um eine vom Kommandanten selbst inszenierte Übung handelt, mit der die Streßfestigkeit der Besatzung geprüft werden soll.« Alun hatte sich grade verabschiedet, als jemand den Kommandanten sprechen wollte. Es war Ron Laska, der Sicherheitsmann, der die Untersuchungen im Fall Byers leitete. Er kümmerte sich außerdem um die Geschichte mit den Robotern. Als er hörte, daß der Kommandant nicht zu sprechen sei, nickte er: »Okay, dann müssen Sie mir eben die Genehmigung erteilen Vario zu verhaften. Der Mann hat bisher noch keine Aussagen zu den ganzen Vorfällen gemacht, als einer der Hauptverdächtigen. Ich gebe zu, daß ich Alun noch immer für den Täter halte. Er könnte ein Agent der Tefroder sein, da es keine Zeugen für seine Geschichte mit den Wrims gibt. Falls noch was passieren sollte, bitte ich Sie mich zu informieren.« Danach erteilte Artor Sicherheitsmann Laska die Erlaubnis Vario zum Verhör vorführen zu lassen, nötigenfalls auch mit Gewalt, falls der erste Offizier keine gegenteiligen Befehle gibt. Sollten sich aus diesem Verhör Anhaltspunkte ergeben, die eine Verhaftung rechtfertigen könnten, so hat Laska ebenfalls die Erlaubnis dazu, falls der erste Offizier keine gegenteiligen Befehle herausgibt. Alun wollte gerade seine Kabine betreten, als er ein Geräusch hörte. Er drehte sich um. Vor ihm stand sein persönlicher Alptraum. Dr. Tsuran zielte mit seiner Waffe auf ihn, ohne daß er sich verteidigen konnte. Seine einzige Chance bestand darin zu laufen und zu hoffen, daß ihn Tsuran nicht erwischte. In dieser Situation verfluchte er Strader, Gonozal und alle anderen, die den Plan die Waffen einzusammeln zugestimmt hatten. Verwundert stellte er fest, daß er noch lebte. Tsuran mußte ein schlechter Schütze sein. Robert rannte weiter. Er hoffte, daß ihn irgend jemand retten würde. Vario, der gerade sich von einem Antigrav nach unten trieb und in Gedanken verloren war, schreckte hoch als sein Armbandkommunikator piepste. Er öffnete einen Kanal. »Mr. McNeil, kommen Sie bitte nochmals in die Zentrale, es ist dringend...« »In Ordnung, ich bin sofort da«, sagte er. Was will der denn jetzt wieder, erst schickt er mich weg und dann soll ich wieder zurück kommen, dachte er. Vario wollte aber vorher noch mal in sein Büro und einige Dinge mitnehmen, darunter seine Dienstwaffe. Einige Minuten später betrat er es, suchte seine Waffen zusammen und machte sich wieder auf den Weg. Leicht pfeifend sprang er auf ein Tranportband. Ein komisches Gefühl beschlich ihn. In der Tat war es in letzter Zeit sowieso merkwürdig ruhig. Das hier war eigentlich ein belebter Teil des Schiffes und jetzt war es hier ziemlich ruhig, das war nicht normal. Wo sind bloß die ganzen Menschen? fragte er sich etwas gedankenverloren. Vor ihm tauchten mehrere Biegungen auf, daran schlossen sich mehrere Gänge an, die in verschiedenen Seiten weiterführten. Kurz davor sprang er ab und bog nach links ab, als plötzlich ein Schatten um die Ecke rannte und ihm zur Seite riß. Er stürzte zu Boden, dabei verlor er seine Waffe. Ehe er sich versah kam eine zweite Person herum gerannt. Sie trug eine Waffe, es blitzte auf und ein roter Strahl schoß durch den Gang, dann verschwanden beide wieder. Vario sprang auf, schnappte sein Waffe und rannte hinterher. Die Personen vor ihm waren schnell eingeholt. Er sah wie jemand zu Boden stürzte, derjenige mit der Waffe ging näher heran und zielte auf ihn. Vario hob ebenfalls seine Waffe und zielte auf den Rücken der Person. Mr McNeil kommen sie bitte nochmals in die Zentrale, es ist dringend...« »In Ordnung, ich bin sofort da«, sagte er. Allerdings ließ er auf sich warten. Als Allan langsam begann ungeduldig zu werden trat einer der Offiziere der Kommunikationsabteilung mit ihm in Verbindung um ihm mitzuteilen, daß wenige Sekunden vor Eintritt in die »Regenbogenbrücke« noch ein kodierter Befehl reingekommen sei. Nachdem Allan die Dekodierung genehmigt hatte, erschien auf seinem Monitor der Befehl sich an einem bestimmten Punkt im Raum mit dem Städtekreuzer JIFIL zu treffen, um von diesem einen gewissen Djulf Doevelnik übersetzen zu lassen. Als Grund für die »extrem kurzfristige Planungsänderung« wurden »technische Gründe« angegeben. Allan fluchte. Erst wird alles als unheimlichdringend dargestellt und jetzt müssen wir noch Taxi spielen. Hoffentlich rechtfertigt der Mann die Verzögerung, dachte Allan, bevor er die Koordinaten an die Navigation überspielte und dem Navigator befahl eine Etappe dort enden zu lassen. Patrizias scharfe befehlende Stimme hallte durch den Gang: »Dr. Tsuran! Hören Sie nur auch meine Stimme, nichts anderes ist wichtig. Senken sie den Lauf ihrer Waffe und legen Sie sie auf den Boden. Sehr schön... Mr. Alun, nehmen sie die Waffe an sich!« Nun herrschte Stille, nur das leise Summen des Psychostrahlers in der Hand der Ärztin war zu hören. Durch ein Kommunikationsgerät sagte Patrizia: »Ich habe ihn!« Darauf war auf Altarkonidisch ein kleiner philosophischer Satz zu hören, der etwa in die Richtung von Wohl dem, der Freunde hat! ging. Vario hörte alles mit und wirkte verstört, er war bereit gewesen zu feuern, aber dann die Stimme der Frau. Er packte seine Waffe weg und machte sich auf dem Weg zu Zentrale. Alun bedankte sich überschwenglich bei seiner neuen Lebensretterin und versuchte dem verdutzten Vario zu erklären was passiert war. Dieser sah nicht besonders glücklich aus, als er von dem Wahnsinnigen erfuhr, der Alun angegriffen hatte. Robert erzählte den beiden nur soviel wie er glaubte sagen zu können. So erfuhr keiner von beiden, daß Tsuran die Sicherheitszentrale in Brand gesteckt hatte. Nachdem dies alles passiert war, sah Robert schnell auf seine Uhr. Es war ein altmodisches Gerät, aber es zeigte die Zeit genauso zuverlässig an, wie alles andere. »Es tut mir furchtbar leid, ich muß weiter. Ich habe einen Patienten, der ungeduldig wartet. Woher wußten Sie eigentlich, daß ich in Gefahr war?« Nachdem er die Antwort erfahren hatte und Patrizia später noch zu einer Tasse Kaffee einlud (Guten übrigens, nicht diesen Bordkaffee-Schrott. Nachdem er diesen Kaffee zum ersten Mal getrunken hatte, hatte er sich schleunigst eine Kaffeemaschine gekauft), rannte Alun zum Beratungszimmer. Vron Habel war nicht gerade glücklich darüber, daß sich der Galaktikpsychologe verspätete. Er hatte schon genug Angst davor, daß er von seinen Kollegen gehänselt werden würde. Daß man Ron Laska anstatt ihm diesen geheimen Auftrag gegeben hatte, wurmte ihn so schon. Er war besser als Laska, sehr viel besser. Vron war froh, als Alun endlich den Beratungsraum betrat. Alun hörte dem Sicherheitsmann ruhig zu. Er war einer der harmloseren Fälle. Habel brauchte einfach nur mal jemand mit dem er reden konnte. Er steckte in einer leichten Selbstwertkrise, weil ihm sein Konkurrent Laska vorgezogen worden war. Auch für Robert war das nicht das Allerlogischste. Habel wußte verdammt viel über die Ereignisse auf dem Schiff. Er hatte die zerstörten Roboter gesehen und den Funkspruch vom Byers Tod gehört. Alun wunderte sich auch, warum ausgerechnet Laska den Auftrag bekommen hatte. Dieser Laska war ihm mehr als nur unheimlich. Nach kurzer Zeit verließ Habel den Besprechungsraum. Alun glaubte nicht, daß er demnächst wiederkommen würde. Nachdem er erfahren hatte, daß der Kommandant wieder auf der Brücke war, ging Alun zur Brücke, um den Kommandanten zu fragen, was passiert war. Alun nahm sich vor das Rätsel um die Saboteure zu lösen. Als Alun die Zentrale betrat, spürte er das Mißtrauen einiger Besatzungsmitglieder direkt. Auch die Blicke, die ihm zugeworfen wurden, konnten fast als feindselig bezeichnet werden. Diese Blicke kamen vorallem von den Crewmitgliedern, die nicht zu der Führungsschicht gehörten. Irgendwas mußte in der Zeit passiert sein, in der er nicht in der Zentrale gewesen war. Robert zerbrach sich den Kopf, was dies gewesen sein könnte. Entsetzt stellte er fest, daß ihn auch der Rest der Brückencrew nicht grade freundlich ansah. Was ist hier los? schoß es ihm durch den Kopf. Nur Gonozal, Artor Seek und der Navigator wirkten normal. »Da ist ja dieser Mörder, wir sollten ihn verhaften. Erst Alun und dann a König!" rief ein Crewmitglied, das Alun nicht erkannte. Die Crew mußte irgendwie hypnotisiert worden sein. Da betrat jemand die Brücke. Alun erkannte Vron Habel wieder. Habel wirkte normal. Habel versprach den Leuten Alun in die Sicherheitszentrale zu bringen und ihn dort einzusperren. Die Immunen versuchten erst gar nicht Alun zu helfen, da sie in der Minderheit waren. Auch Alun ging gefaßt mit. Aus der Sicherheitszentrale und auch aus einer Zelle konnte man wieder hinaus, aber solange er auf der Zentrale blieb, war er in Gefahr gelyncht zu werden. Stöhnend drehte sich Carpenter auf die Seite. Dabei hatte er das Gefühl, als würde sein Kopf platzen, so daß er zunächst ruhig liegen blieb und versuchte, sich zu konzentrieren. Was ist eigentlich passiert? Er erinnerte sich noch an die Vorfälle mit den durchdrehenden Robotern in der Zentrale, an das Gespräch mit dem Arkoniden und daß er dann zur Feuerleitzentrale geeilt war, um sich auf den bevorstehenden Start vorzubereiten. Genau in dem Moment, in dem er das Schott geöffnet hatte, hatte er dann einen gewaltigen Schlag auf den Schädel bekommen. In der Feuerleitzentrale war er immer noch, das konnte Carpenter inzwischen einwandfrei erkennen. Er tastete vorsichtig seinen Kopf ab und zuckte zusammen, als er eine klaffende Wunde am Hinterkopf ertastete. Neben ihm auf dem Boden lagen seine persönlichen Papiere, die er bei sich getragen hatte, verstreut. Gut, daß ich die SolAb-Dienstmarke im gesicherten Tresor in meiner Kabine gelassen habe, dachte er, während er versuchte auf die Beine zu kommen. Dabei sah er, daß die CREST offensichtlich gestartet war, denn auf einem Kontrollmonitor der Feuerleitzentrale sah er die Erde immer kleiner werden. Er schleppte sich zum Interkom und schaltete es ein. Kurz bevor ihm wieder schwarz vor Augen wurde rief er: »Achtung, hier Feuerleitoffizier. Wurde überfallen und benötige Hi...« Dann brach er zusammen und bekam nicht mit, wie sich in das Hauptschott öffnete um einige Mitglieder seines Kommandos einzulassen. Die Ereignisse schienen sich zu überschlagen. Das Schiff glich zur Zeit einem Pulverfaß, das kurz vor der Explosion stand. Da Emerson während der Linearetappe nichts zu tun hatte, befaßte er sich mit den zahlreichen Gerüchten und dem Tratsch, die in der Zentrale kursierten. Anscheinend waren kurz vor und nach dem Start mehrere Dinge beinahe gleichzeitig passiert: Der Anschlag auf Kommander Strader, der nun schwer verletzt auf der Krankenstation lag; eine Gruppe von etwa zehn schwerbewaffneten Personen unter der Führung eines gewissen Dr. Tsunami oder so, die sich irgendwo verschanzt hatten und nur mit Mühe überwältigt werden konnten, wobei einige Sicherheitsleute schwer verletzt worden waren; der Anschlag auf die Sicherheitszentrale sowie den Sicherheitschef Jack Connors und den Marsianer Timotha a König, die zusammen mit dem Chefermittler Ron Laska den Amoklauf der beiden Kampfroboter und den Mord an dem eigentlichen Galaktikpsychologen Michael Byers untersuchten; der Attentatsversuch auf Robert Alun durch diesen Dr. Tsatsiki, der glücklicherweise von der Ärztin Patricia Drake verhindert werden konnte, außerdem konnte durch ihr Eingreifen Dr. Tschernobyl endlich dingfest gemacht werden; und schließlich der Angriff auf den Feuerleitoffizier Axel Carpenter, der an der Schwelle zur Feuerleitzentrale niedergeschlagen worden war. Die Stimmung an Bord war extrem gespannt, vor allem da der Vorfall mit den beiden Robotern vor der Mannschaft außerhalb der Zentrale geheimgehalten worden war und immer noch wurde, weshalb dem Einsammeln aller Waffen an Bord mit Unverständnis und sogar Abneigung begegnet wurde. Diese Fakten hatten mit Sicherheit den Amoklauf von Dr. Tunguskas Gruppe verursacht. Wenn diese Geheimniskrämerei weiter aufrechterhalten wurde, mußte mit noch schlimmeren gerechnet werden. Emerson fragte sich, wer wohl das Attentat auf Kommandant Strader durchgeführt hatte. Oder auf Axel Carpenter. War es etwa ein rebellierendes Mannschaftsmitglied gewesen, der Mörder von Michael Byers oder der Saboteur, der die beiden Roboter manipuliert hatte und noch 18 weitere, die glücklicherweise nicht aktiviert worden waren? Und wer waren der Mörder und der Saboteur eigentlich? Waren es etwa ein und dieselbe Person? Waren es Agenten einer feindlichen Macht? Und wenn ja, welcher Macht? Außerhalb des Sol-Systems wußten nur wenige eingeweihte Personen von seiner Existenz. Gab es etwa eine Untergrundorganisation, die innerhalb des ATG-Feldes operierte und sich gegen die Regierung Perry Rhodans wandte? Oder waren es Einzeltäter, die die Mission der CREST V sabotieren wollten und vielleicht Kontakt mit einer der anderen menschlichen Koalitionen aufzunehmen gedachten? Vario wollte abdrücken, doch in diesem Augenblick hallte eine Frauenstimme durch den Gang. Ehe er sich versah, war die Situation bereinigt. Das ist alles nicht normal, es sind kaum drei Stunden vergangen und hier herrscht das Chaos, wenn das hier jemand erfährt könnte man eine Film draus machen, dachte er. Er atmete einmal tief durch und begab sich zum Antigrav, von da aus ging es bis zur Zentrale. Vario betrat sie und bemerkte erst die dicke Luft, er suchte Allan und begab sich zu ihm. »Sir?« sagte er. Habel hatte Alun, sofort nachdem die beiden die Zentrale verlassen hatten, freigelassen. Die Beiden hatten ausgemacht, daß sie sich in der Krankenstation treffen sollten. Habel wollte versuchen den Kommandanten und die Crewmitglieder, die Alun für immun hielt, zu verständigen. Nun wartete Alun auf der Krankenstation. Da er es für wahrscheinlich hielt, daß jemand ein Gas eingeleitet hatte, konnte dies hier am besten bekämpft werden. Irgendwas mußte passiert sein, nachdem er die Brücke verlassen hatte. Er vermutete, daß jemand ein schnell einwirkendes Gas eingeleitet hatte. Dieses Gas schien nur bei Menschen zu wirken. Das erklärte warum die Arkoniden immun waren. Alun fragte sich, was danach die Leute auf ihn und a König gebracht hatte. In der Krankenstation kam ein Funkruf von Carpenter an. Dieser rief um Hilfe. Die Ärzte schickten ein Notfallteam los. Es sah so aus, als würde sich die gesamte Besatzung auf der Krankenstation wiederfinden. »Na wo ist denn die Tasse Kaffee?« Alun drehte sich um und sah Patricia Drake. »Tja, damit gibt's ein kleines Problem. Ich kann im Moment nicht in meine Kabine. Ein Teil der Zentralbesatzung wurde wahrscheinlich hypnotisiert und jagt mich jetzt. Ich verstecke mich hier.« »Und was wollen Sie tun, wenn hier jemand rein kommt?« »Beten oder hoffen, daß die Sicherheitsleute schnell genug reagieren. Seit der Kommandant hier ist, ist das hier ja der bestbewachte Ort im ganzen Schiff...« Alun redete noch ein bißchen mit Miss Drake, bis diese zum Dienst mußte. Die restliche Zeit vertrieb er sich damit, mit einigen Pflegern ein altes Kartenspiel namens Schafkopf zu spielen und auf Gonozal und Habel zu warten. Mittendrin hörte er, daß Ostrog in die Sicherheitszentrale geschickt wurde. Demnach war es wahrscheinlich so, daß Vario die Zentrale schon wieder verlassen hatte, oder hatten sie ihn dagelassen? Alun mochte Ron Laska nicht. Der Kerl war definitiv nur darauf aus, gut dazustehen. Aber Laska war unwichtig. Wichtig war ein Mensch, der hier in der Krankenstation lag, der Kommandant. Nachdem die Saboteure ihn ausgeschaltet hatten, waren sie immer schlimmer geworden. Robert Alun hoffte, daß der Kommandant bald erwachte. Dies würde den Menschen und Extraterrestriern an Bord neuen Mut geben. Nur Sekunden nachdem Allan die Nachricht über das Auffinden des verletzten Feuerleitoffiziers eintraf, schritt Vario auf Allan zu. Einige der Feuerleitmannschaft hatten ihn gefunden als sie ihre Manöverpositionen einnehmen wollte und ihre Meldung hatte sich verzögert da sie erstemal seine Behandlung eingeleitet und einen oberflächlichen Systemtest gemacht hatten. Es sah so aus als ob sich jemand an der Feuerleitpositronik zu schaffen gemacht hätte... Allans Kopf schnappte herum. Es dauerte fast eine Sekunde bevor er irgend eine Regung von sich gab. »Sie sind Major McNeil, nicht war?« »Ja, Sir«, antwortete dieser. Allan griff auf seiner Konsole an eine »Privat«-Schaltung, worauf sich ein unsichtbares, ca. 5 Meter großes, kugelförmiges Feld aufbaute, das verhinderte, daß der Schall von »normal« gesprochenen Worten über diesen Bereich herausdrang. Dann wandte er sich wieder an den Mann vor ihm: »Sie wollten vorhin eine dringende Meldung beim Kommandanten machen! Ich weiß nicht, ob es schon bis zu ihnen durchgedrungen ist aber der Captain liegt auf der Krankenstation und wird erst in einigen Stunden wieder zu sich kommen. Solange muß ich hier den Kopf hinhalten. Wenn es was wichtiges ist, daß nicht mindestens einen Tag Zeit hat sagen Sie es mir!« »Sir! Es hat keine Zeit bis morgen. Ich hab den Kommandeur schon erzählt, weshalb es zu den Ausfällen der Robots gekommen ist...« Vario zeigte Allan die kleinen Geräte. Dann erzählte er noch einmal die Geschichte die er schon Lasitus erzählt hatte. Er endete mit: »Es sind insgesamt zwanzig. Das wäre gefährlich geworden, was sollen wir jetzt tun?« Er sah Allan fragend an. Woher – bei allen Göttern Arkons – soll ich das wissen? dachte Allan. Nach kurzer Zeit kam Habel in die Zentrale zurück. Er stellte sich vor Gonozal, der solange der Kommandant abwesend war das Schiff kommandierte. »Sir, Mr. Conners meinte, daß es nach dem Anschlag auf den Kommandanten besser wäre Sie durch einen Sicherheitsmann schützen zu lasen. Ich wurde ihnen zugeteilt.« Neben dem Gesagten flüsterte er ihm noch folgendes zu: »Kommen Sie, wenn Sie Zeit haben, bitte zur Krankenstation. Falls Sie wollen, bringen Sie Seek oder Ostrog mit, aber niemand sonst aus der Zentrale... Jemand, der hier nicht erwünscht ist, will Sie sprechen.« Gerade, als er möglicherweise etwas nicht sehr geistreiches sagen wollte, trat Vron Habel in die Diskussionsblase. Sehr aufgeregt, wie er war, fing er gleich zu sprechen an und informierte so die drei in der Blase befindlichen über die Gegenverschwörung und den Zusammenhang zwischen dem Gas und dem immer weiter fortschreitenden Zusammenbruch der Disziplin. Allan schickte Habel zum 2. Offizier um diesen auch zu informieren und stand auf. Als Artor von Vron Habel über die Gegenverschwörung unterrichtet wurde, lächelte er und sagte seine Unterstützung zu. Er ließ den anderen durch Habel aber ausrichten, daß er es für das beste hält, wenn er auf der Brücke bliebe, denn nachdem sowohl Strader als auch Lasitus nicht mehr auf der Brücke waren, hatte Artor schließlich als zweiter Offizier das Kommando über die CREST V und er war fest entschlossen jeden Mißbrauch dieses Schiffes zu verhindern. Nach Gonozal benachrichtigte Vron auch noch den zweiten Offizier Artor Seek. Dessen Reaktion überraschte Habel. Der zweite Offizier redete davon, daß er das Kommando über die CREST V hätte. Ein paar Meter von ihm entfernt stand Alan Dean Gonozal. Habel wurde von ihm geschickt die Verschwörer zu verständigen, daß er auf ihrer Seite sei, aber in der Zentrale das Kommando führen müßte. Habel war verwirrt. War Seek verrückt geworden? Während er noch darüber nachdachte, wurde Ostrog von Laska zu einen Verhör zitiert. Habel blieb erst mal in der Zentrale. Emersons kriminalistische Überlegungen wurden unterbrochen, als ein Aufruf über das Brückeninterkom verbreitet wurde. »Der Navigator Emerson Victor Ostrog hat sich augenblicklich zur Befragung in der Sicherheitsabteilung zu melden!« verkündete eine barsche Stimme. Alle Anwesenden in der Zentrale richteten ihre Blicke auf Emerson, der sich wie ein verurteilter Krimineller vorkam. Indiskreter ging's wohl nicht! dachte der verärgert. Er übertrug die Navigationskontrolle an die Bordbiopositronik, auch wenn er vor dem Ende der gegenwärtigen Linearetappe nicht mit irgendwelchen Komplikationen rechnete, ging zum Ausgang der Zentrale und wurde vom Wachroboter vorbeigelassen. Emerson stand ratlos vor der ausgebrannten Sicherheitszentrale, die bereits von Arbeitsrobotern und menschlichem Personal wieder aufgebaut wurde, und wartete darauf, das irgendwer ihn zur Befragung brachte. Endlich erschien ein Sicherheitsbeamter und führte ihn in einen kleinen Raum, in dem nur zwei Stühle und ein Tisch standen. Auf dem einen Stuhl am Tisch saß der Chefermittler Ron Laska, der ihn zum Hinsetzen aufforderte. Nachdem er auf dem anderen Stuhl Platz genommen hatte, tauschten sie die üblichen Begrüßungsfloskeln aus, und Laska befragte Emerson über einige allgemeine Dinge, dann ging er zum wesentlichen über. »Mr. Ostrog, wo haben Sie sich zum Zeitpunkt des Mordes an den Galaktikpsychologen Michael Byers aufgehalten?« fragte Laska in einem geschäftsmäßigen Tonfall. »Ich befand mich die letzten zwei Tage an Bord des Transportschiffes BOUNTY und bin erst etwa anderthalb Stunden vor dem Start der CREST V am Raumhafen von Terrania angekommen. Das kann ihnen jeder an Bord der BOUNTY bestätigen, Mr. Laska.« »Das wird wohl nicht nötig sein. Allerdings würde mich interessieren, wo Sie sich während der Anschläge aufgehalten haben, die sich in letzter Zeit an Bord zutrugen?« »Ich habe mich seit dem Start nur in der Zentrale oder meinem Quartier aufgehalten.« »Und was haben Sie in ihrer Kabine getan, wenn ich fragen darf?« »Bei meiner Ankunft habe ich mein Gepäck dorthin gebracht, und vor ein paar Stunden habe ich dort meine Dienstwaffe geholt, um sie dem ersten Offizier zu übergeben. Ich hatte bei keiner dieser Gelegenheiten Zeit zu einem Anschlag gehabt oder auch nur zu einem kleinen Imbiß.« »Das werde ich überprüfen lassen. Aber ich nehme an, das Ihre Angaben stimmen... Sie scheinen mit den Vorkommnissen an Bord und dem Mord an Byers nichts zu tun zu haben«, stellte Laska fest. Als Emerson die Befragung schon für beendet hielt, ließ Laska die Katze aus dem Sack: »Aber mich würde interessieren, warum Sie vor zehn Monaten ihren Dienst vorübergehend quittiert haben und sich nach Olymp versetzen ließen. Um genau zu sein, passierte das kurz nach der Aktivierung des ATG-Feldes um das Sol-System. Und dann haben Sie beim Raumflottenkommando beantragt, auf ein Raumschiff mit Dimetranstriebwerk versetzt zu werden. Können Sie mir ihre Beweggründe erklären, die sie dazu verleitet haben?« Oha, jetzt wird's ernst! dachte Emerson. Auch wenn man es von dem Veego nicht erwartet hätte, verabscheuten sie es zu lügen. Deshalb reagierten sie sofort ärgerlich, wenn man etwas ansprach, das sie persönlich betraf, weil sie dadurch in eine unbequeme Lage gebracht wurden. Also schwiegen sie lieber hartnäckig, als die Unwahrheit zu erzählen. Und nun war Emerson gezwungen, sich eine überzeugende Ausrede ausdenken zu müssen. »Nun, als man sich gezwungen sah, das ATG-Feld zu aktivieren, wurde mir bewußt, wie schlecht es um das Solare Imperium bestellt war. Das hat mich ehrlich gesagt so schwer getroffen, daß ich mich nicht mehr in der Lage sah, meinen Dienst so zu verrichten, wie es von einem Angehörigen der Solaren Streitkräfte erwartet wird. Deshalb ließ ich mich nach Olymp versetzen, um über meine Zukunft nachzudenken. Ich kam zu der Einsicht, daß ich mich mehr für die Erforschung anderer Galaxien interessierte als für die Situation in der Milchstraße. Also bewarb ich mich um einen Posten auf einem Raumschiff mit Dimetransantrieb in der Hoffnung, daß ich damit zu anderen Galaxien reisen und dort auf fremde Völker und Kulturen treffen würde. Das ist die eigentliche Motivation für die Weiterführung meines Dienstes in der Raumflotte!« Emerson hoffte, das Ron Laska ihm das abnahm. Obwohl der Zweifel deutlich in seinem Gesicht stand, gab sich Chefermittler Laska damit erst einmal zufrieden und entließ ihn aus der Befragung. Aufatmend verließ Emerson den Raum und kehrte in die Zentrale zurück! Kurz vor dem Eingang der Zentrale verlangsamte Emerson seine Schritte. Er fühlte sich unwohl, und es wurde ihm ein bißchen schwindlig. Er mußte sich an die Wand anlehnen, um nicht umzufallen. Was ist nur los mit mir? Sonst wird mir doch nie schlecht! dachte Emerson. In der Tat erfuhr ein Veego in seinem Pseudokörper weder Müdigkeit, Krankheit, Schmerz, Hunger oder Durst. Allerdings hatte noch kein Veego vor ihm seinen Pseudokörper regelmäßig so lange getragen, ohne nach Heimat zurückzukehren, wo sie jedesmal einen frischen Körper erhielten. Normalerweise regenerierte ein Veego sein Schrittorgan spätestens nach einem Monat, aber Emerson machte das erst nach dreien! Deshalb begann er seinen Körper langsam mehr und mehr wahrzunehmen. Zum Beispiel schlief er jede Nacht einige Stunden und nahm regelmäßig Mahlzeiten zu sich, da er sich damit besser fühlte als ohne, auch wenn das nicht lebensnotwendig für ihn war. Doch Übelkeit hatte er bisher noch nie verspürt. Er atmete mehrmals tief durch, und fühlte sich schon etwas besser. Da fiel ihm plötzlich etwas auf. Die Luft hier im Gang war bedeutend frischer als in der Zentrale, wo es in den letzten Stunden recht stickig gewesen war. Das merkte er erst jetzt. Auch fühlte er sich nicht mehr so müde und unaufmerksam, seit er zur Sicherheitsabteilung gegangen war. Stimmte etwas nicht mit der Luftversorgung der Zentrale? Da fiel es ihm wie Schuppen von den Augen! Er erinnerte sich auf einmal wieder an die Szene, als Robert Alun in die Zentrale kam und die Stimmung in der Zentrale umschwang. Beinahe jeder schien ihm an die Gurgel gehen zu wollen und ihn als überführten Verbrecher zu betrachten. Und als Vron Habel ihn dann abführte, schien er es nur zu tun, um Alun vor der Zentralebesatzung in Sicherheit zu bringen. Emerson hatte das ganze eher passiv mitverfolgt und nicht eingegriffen. Statt dessen hatte er ihm Kopf Verschwörungstheorien gewälzt und detektivische Überlegungen angestellt. Er war praktisch weggetreten gewesen; erst die Aufforderung, zur Befragung zu erscheinen, hatte ihn aus seinem Dörnröschenschlaf geweckt. Er hatte sich wie betäubt gefühlt, als er die Zentrale verlassen hatte. Zusammen mit dem merkwürdigen Verhalten der Brückenbesatzung ergab das ein eindeutiges Bild: Irgendwer hatte ein Halluzinogens Gas in die Zentrale geleitet, vielleicht sogar über die Belüftung! Auf einmal hatte Emerson kein Bedürfnis mehr, die Hauptzentrale zu betreten, vielmehr drängte es ihn, in die Krankenstation zu gehen und nach Carpenter und dem Kommandeur zu sehen. Er brauchte Zeit zum Überlegen, und vielleicht fand er dort jemanden, um über diese Dinge zu reden. Möglicherweise bildete er sich das alles auch nur ein, und er war einfach gestreßt wegen der ganzen Vorkommnisse an Bord. Aber es war einfach nicht normal, daß er sich so müde fühlte wie jetzt! Also machte Emerson kehrt und ging zum nächsten Antigravlift. Normalerweise machte Emerson um Ärzte und medizinische Einrichtungen einen großen Bogen. Aber heute machte er eine Ausnahme. Schließlich stand für ihn ja keine Untersuchung an, er wollte nur einige Patienten besuchen. Als er sich nach einer Person umsah, die ihn zu Carpenter und dem Kommandeur führte, sah er den Galaktikpsychologen Robert Alun, wie er mit einigen Pflegern Karten spielte. Carpenter kam wieder zu sich. Nach wie vor hatte er starke Kopfschmerzen, was eigentlich nicht sein konnte, denn er befand sich offenbar in der Krankenstation, und eine Platzwunde am Kopf stellte für die Medizin des 35. Jahrhunderts kein Problem dar. Neben sich sah er den Kommandanten liegen. Was ist hier los? fragte sich Carpenter, während er langsam den Kopf drehte. Ein Instinkt sagte ihm, daß er dies besser geräuschlos erledigte. So biß er die Zähne aufeinander. Aus den Augenwinkeln konnte er sehen, daß einige Personen am Tisch saßen und Karten spielten. In diesem Moment öffnete sich das Schott und Emerson kam herein. Was will der denn hier? Er wird mir sicher sagen können, was hier gespielt wird. Carpenter wollte sich gerade aufrichten, als er hörte, daß Ostrog etwas sagte. Er trat hinter Alun und sagte laut: »Na, Mr. Alun, sind die Arrestzellen so überfüllt, daß man Sie in der Krankenstation unterbringen mußte?« Arrestzelle? – Jetzt erkannte Carpenter einen der Männer am Tisch. Es handelte sich um den Psychologen Robert Alun. Wenn das so weitergeht, dann können wir den gut gebrauchen! Als Alun sah, daß jemand die Krankenstation betrat, war seine erste Reaktion möglichst schnell zu verschwinden. Erst als er sah, daß der Besucher Ostrog der Navigator war, wurde er wieder ruhiger. »Na, Mr. Alun sind die Arrestzellen so überfüllt, daß man sie in der Krankenstation unterbringen mußte?« fragte Ostrog. Der Psychologe lächelte. Zum Lachen war er im Moment definitiv nicht aufgelegt, aber es war gut, daß sich wenigstens ein Crewmitglied etwas Humor bewahrt hatte. »Nein, Mr. Ostrog. Habel hat mich gehen lassen und ich bin hierher geflüchtet. Das Verhalten der Crewmitglieder ließ mich vermuten, daß sie irgendwie hypnotisiert worden waren. Mit einem Gas ließ es sich am leichtesten bewerkstelligen. Also habe ich mich auf die Krankenstation begeben. Habel will Gonozal und Seek verständigen, von denen ich glaube, daß sie immun gegen dieses Gas sind, wie Sie. Wir hoffen, daß wir etwas Hilfreiches rausfinden können. Außerdem wird zumindest Carpenter bald wieder in Ordnung sein.« »Patrizia Drake«, stellte sich ihm eine junge Ärztin vor. »Wir würden Ihnen gern etwas Blut abnehmen, um den Erreger zu isolieren.« Ein Kollege von Mrs. Drake rief zwar hinter ihr, daß es wahrscheinlich nicht funktionieren würde, aber bevor Ostrog reagieren konnte, sprach Alun wieder: »Ich hätte noch eine Bitte: Würden Sie mir bitte alles erzählen, was während meiner Abwesenheit in der Zentrale passiert ist, das Gas allein kann nämlich nicht wirken. Irgend jemand muß den Haß auf mich und a König bewirkt haben...« Alun schrie auf. »Oh Gott! Den Marsianer habe ich vollkommen vergessen, was ist, wenn er in die Zentrale marschiert?« Carpenters Instinkt sagte ihm, daß die Lage zwar ziemlich unübersichtlich, aber für ihn hier anscheinend nicht gefährlich war. Er richtete sich daher langsam auf und sagte: »Kann mir mal jemand erklären, was hier gespielt wird? Was soll das Gerede von einer Arrestzelle, Gas usw. und warum wurde meine Platzwunde mit mittelalterlichen Methoden behandelt?!?« Mit einem Stöhnen brach Carpenter ab und faßte sich an den Kopf, der – wie er erst jetzt bemerkte – von einem dicken Verband umwickelt war, so daß er vermutlich für die anderen aussah wie ein Inder, der der Religionsgemeinschaft der Sikhs angehörte. Bevor sich aber die Anwesenden um ihn kümmern konnten, öffnete sich erneut das Schott. Genau zu diesen Zeitpunkt kam a König in die Krankenstation: »Keine Angst, Terraner, Vron Habel hat mich gewarnt...« Zwei Dinge passierte hier geradezu gleichzeitig: Erstens zeigte Carpenter ein Lebenszeichen und zweitens betrat der Marsianer Timotha a König die Krankenstation. Carpenter wurde sofort von einigen Ärzten mit Beschlag belegt, die sich zum ersten gegen seinen Vorwurf wehrten und zum anderen ihn noch mal untersuchten, ob er ganz gesund war. Ein anderer Haufen von Ärzten kümmerte sich um Ostrog, um ihn zu bitten sich Blut abnehmen zu lasen. Deswegen kümmerte sich Robert erst mal um a König. »Puh, bin ich froh, daß dir nichts passiert ist.« A König lachte. »Unkraut vergeht nicht. Im übrigen hat Vron dich angeblich zur Sicherheitszentrale gebracht und dich eingesperrt. Das dauert einige Zeit. Um realistisch zu wirken, mußte er wirklich da hin. Die ideale Gelegenheit um mich zu warnen.« Alun war beruhig. Habel war im Moment in der Zentrale. Dem Marsianer war die Verletzung, die er durch Tsurans Angriff davongetragen hatte nicht mehr anzumerken. Der Terraner wußte nicht, was mit Tsuran geschehen würde. Darüber würde wohl ein Bordgericht entscheiden. Gonozal wartete damit wohl bis der Kapitän wieder auf den Beinen war. Es war verständlich, da diese Entscheidung sehr schwer wog. Kaum hatte sich Carpenter gerührt, als sich auch schon zwei Ärzte geradezu auf ihn stürzten. »Bleiben Sie bitte ruhig liegen, Sir! Sie hatten nicht nur eine Platzwunde am Kopf, sondern einen netten Schädelbruch und zudem eine Vergiftung!« »Was?« entfuhr es Carpenter, während er auf das Bett zurücksank. »Was wird hier gespielt?« »Sir, ich möchte mich zunächst vorstellen. Ich bin Etztak Steel, der Chefarzt an Bord der CREST V. Sir, es ist ein Wunder, daß Sie überhaupt noch am Leben sind, es war geradezu unmöglich, daß Sie noch einen Hilferuf absetzen konnten! Es ist uns ein Rätsel, warum das Nervengift, das ihnen offensichtlich verabreicht wurde kaum Wirkung zeigt, wenn man mal davon absieht, daß sie allergisch gegen den Kunsthautspray von Aralon zun sein scheinen. Deswegen haben wir Ihnen einen Kopfverband angelegt. Sie müssen noch einen Tag liegen bleiben!« Zum Glück wurde vor diesem Einsatz mein Impfschutz von der SolaAb erneuert, dachte Carpenter, sonst wäre das jetzt wohl mein letzter Einsatz gewesen. Wie konnte ich auch nur so unvorsichtig sein! An die Ärzte gewandt sagte er: »Das erklärt zumindest meine Verkleidung mit dem Turban, aber es erklärt noch lange nicht, was hier an Bord los ist. Könnte ich also bitte endlich einen Bericht erhalten? Wie ich gesehen habe, sind wir im Raum, und ich habe noch kein einziges Mitglied meiner Feuerleitmannschaft gesehen; sind die überhaupt an Bord gekommen?« »Sir, wir kümmern uns darum.« Daraufhin ließen ihn die Ärzte wieder allein und verschwanden im hinteren Teil des Raumes. Einer kümmerte sich um den Kommandanten, der nach wie vor nichts mitbekam. Carpenter versuchte etwas von der Unterhaltung mitzubekommen, die die Männer am »Spieltisch« führten, aber das gelang ihm nicht. Langsam aber sicher wuchs daher sein Zorn darüber, daß ihn offenbar jeder hier nicht für voll nahm. Na wartet, dachte er sich, da spiele ich jetzt mit! Er wollte gerade auf recht militärische Art für Aufmerksamkeit sorgen, indem er das Kommando über die Krankenstation übernahm, als Dr. Steel zurückkam und sagte: »Sir, eigentlich müßten Sie noch bis morgen liegen bleiben, aber in Anbetracht der Umstände erlaube ich Ihnen schon jetzt aufzustehen. Übertreiben Sie es aber bitte nicht.« »Na endlich!« antwortete Carpenter und wollte schwungvoll aus dem Bett springen, was zu einer Bauchlandung geführt hätte, wenn nicht der Arzt in aufgefangen hätte. Nun stand er da, hatte Kopfschmerzen wie nach der letzten Party auf der BUKRAN VI, aber nicht den damals vorhandenen Durst und mußte direkt in das dämlich grinsende Gesicht des Arztes sehen, das auszusagen schien: Na, Großmaul, habe ich nicht gesagt, daß du eigentlich noch krank bist? Aber am meisten störte ihn, daß er das selbst wußte und ihm auch nichts einfiel, was er dem Grinsen entgegen setzen konnte, und daher sagte er nur: »Danke, ich werde es wohl langsamer angehen müssen... Könnte ich wohl meine Uniform haben, denn mit dem hinten offenen Nachthemd und dem Kopfverband mache ich als Feuerleitoffizier nicht gerade einen guten Eindruck.« Jetzt brachte er sogar schon wieder ein Lachen zustande, und auch das Grinsen des Arztes wandelte sich zu einem lauten Gelächter. »Natürlich, Sir. Wir haben von der Bordschneiderei eine Neue machen lassen. Sie hängt in Schrank 42.« »Zumindest das Lazarett und die Schneiderei scheinen ja hier zu funktionieren«, lachte Carpenter und setzte sich erst mal auf die Bettkante. Alun wurde durch das Gelächter auch aufmerksam und sagte zu den anderen: »Na, da scheint mir ja die Post abzugehen.« Ich gehe mal zu unserem Feuerspucker und werde ihn mal auf den neuesten Stand bringen, bevor er wieder wichtige Dinge verschläft.« Einige Zeit später hatten die Ärzte Carpenter erlaubt aufzustehen und Alun sprach ihn an. »Sie wollten vorhin wissen, was hier los ist. In der Zentrale sind die Crewmitglieder mit einem Hypnosegas eingenebelt worden. Nun jagen sie den Sicherheitsbeamten Timotha a König und mich, weil irgend jemand sie mit Hilfe dieses Gases und einer Aktivierung auf uns gehetzt hat. Als ich vorhin auf der Brücke war, war die Brückencrew kurz davor mich zu lynchen. Gott sei dank, ist ein Sicherheitsmann Namens Vron Habel aufgetaucht. Er hat den Leuten versprochen mich zu verhaften. Sofort nachdem wir aus der Zentrale waren, hat er mich freigelassen. Danach bin ich zur Krankenstation.« Alun war froh, daß a König ihm das Abschirmfeld gezeigt hatte. Damit konnte er sich mit Carpenter unterhalten, ohne auf Geheimnisse achten zu müssen. Als der Psychologe erfuhr, daß Carpenter seit dem Start nichts mehr mitbekommen hatte, erzählte er ihm, was geschehen war. Die Ereignisse um Tsurans Gruppe, die in das Attentat auf die Krankenstation und auf ihn selber mündeten, waren aus seiner Sicht natürlich nicht unwichtig. Außerdem erzählte er auch noch von dem Befehl alle Waffen abzugeben, dem Auffinden des Kommandanten und Aluns eigenem Verhör durch Laska. Carpenter begann zu glauben, daß dieser Tag wirklich kein guter Tag werden würde, denn offenbar war der Feind schon weiter als es irgend jemand im HQ erwartet hätte, u |